Batman (Comic-Serie)

Die erste Comic-Serie, die allein Batman gewidmet ist, erscheint seit 1940.

Legends of the Dead Earth: Dystopische Variationen

Titel: Legends of the Dead Earth

Autor/Zeichner: Doug Moench, Chuck Dixon, Alan Grant/Vincent Giarrano, Flint Henry, Barry Kitson, Brian Apthorp

Erschienen: 1996 (Batman Annual #20, Detective Comics Annual #9, Shadow of the Bat Annual #4, Legends of the Dark Knight Annual #6)


„Whatever happens to me — the legend will never die!“ (Batman)

Im Jahr 1996 standen alle DC-Annuals unter einem Titel: Legends of the Dead Earth. Erzählt wurden Geschichten aus alternativen Universen (allerdings ohne Elseworlds-Label), in denen die Helden in verschiedenen Versionen einer düsteren Zukunft kämpften. Auf einer toten Erde leben die Legenden weiter, so das Motto der Reihe.

Im Batman Annual erzählt ein alter Mann in einer dystopischen Zukunft ein paar Kindern Legenden von Bat-Man, einem geflügelten Helden, der einen Sidekick namens Darkbird hat. Die bekannten Schurken erscheinen in abgewandelter Form: der Joker ist der Mad Jester, der Menschen mit manipulierten Holo-Programmen zum Lachen bringt, Catwoman ist Cat-Fem, eine Mensch-Tier-Hybridin, Two-Face ist Split-Face und Scarecrow ist ein Vogelmensch, der tatsächlich zunächst als Vogelscheuche arbeitet, bevor er vor Angst wahnsinnig wird und seinen Job verliert. Auch wenn die Figuren und Anekdoten nicht alle durch Einfallskraft glänzen, ist dieses Heft das gelungenste der vier.

Im Detective Comics Annual ist Batman ein Riesen-Roboter, im Shadow of the Bat Annual führt Batman eine Armee gegen eine feindliche Reptilien-Spezies an und reitet dabei auf Dinosauriern. Der vierte Teil (Legends of the Dark Knight Annual) spielt zwar in einer Art Zukunft, aber das Szenario mutet mittelalterlich an. Batwoman ist hier die Heldin, die das Erbe ihres Vaters Robert Kane antritt. Batman war ein Henker für einen Schurkenstaat, der Selbstmord beging, nachdem er seine Schuld nicht mehr ertrug. Batwoman macht reinen Tisch.

Auch wenn das Konzept einen interessanten Ansatz verspricht und den Schöpfern kreative Freiheit zu gewähren scheint, kommt bei Batman nicht viel Interessantes bei rum. Bloß oberflächliche Variationen des Altbekannten in verschiedenen Dystopien. Kein Wunder, dass diese Storys bisher nicht wiederaufgelegt wurden.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Letzte Ehre für Batman

DC Comics

DC Comics

Titel: Whatever Happened to the Caped Crusader? (dt. Was wurde aus dem Dunklen Ritter?)

Autor/Zeichner: Neil Gaiman/Andy Kubert

Erschienen: 2009 (Batman #686, Detective Comics #853, Paperback 2010)


„I do not believe the Batman would ever lie down and die.“ (Alfred Pennyworth)

„It doesn’t matter what the story is, some things never change.“ (Batman)

Batman ist tot. Oder doch nicht? Vielleicht ist er nur verschollen in der Zeit. Denn eins ist klar: Batman kann nicht sterben. Und selbst wenn, er muss wiedergeboren werden – irgendwie. Aber was wäre, wenn Batman tot wäre? Würde sein treuer Butler Alfred eine Trauerfeier im Hinterzimmer einer Bar der Crime Alley abhalten? Würden dann Polizisten wie Gordon zusammen mit allen Superschurken wie dem Joker, Two-Face und dem Pinguin vorbeischauen, um dem Mann, den sie jahrelang bekämpft haben, die letzte Ehre zu erweisen? Würde sie am offenen Sarg stehen, in dem ein kostümierter Batman läge, und davon erzählen, wie er starb? Dann nämlich hätte jeder eine andere Version der Geschichte: Catwoman hätte ihn verletzt aufgefunden und verbluten lassen, Alfred hätte sich selbst zum Joker gemacht und der Riddler hätte Batman erschossen … Batmans Bewusstsein sieht und hört dieser Feier zu und fragt sich: Was soll das Ganze?

Neil Gaimans (Sandman) und Andy Kuberts „letzte Batman-Story“ ist eine wunderbare Hommage an den Mythos Batman sowie die Autoren und Zeichner, die ihn über die Jahre geprägt haben. (Vor allem an die Story Where Were You on the Night the Batman Was Killed?) Aber es ist noch mehr: In dieser Phantasmagorie eines Nahtoderlebnisses werden viele Möglichkeiten an Erscheinungsformen und Geschichten durchgespielt, darin Batmans Wesen auf den Punkt gebracht, geradezu genial werden Tod und Wiedergeburt vernküpft, perfekt greifen Text und Bild ineinander. Wäre dies wirklich die letzte Batman-Story, bildete sie einen würdigen Abschluss. Whatever Happened to the Caped Crusader ist ein Fest für Fans und solche, die es werden wollen.

(Das Paperback enthält zudem drei weitere Batman-Storys von Gaiman, darunter auch eine aus Black & White Vol. 1.)

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Batman RIP: Verrückt, verscharrt, verraten

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman R.I.P.

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Tony S. Daniel

Erschienen: 2008 (Batman #676-683), Paperback 2010


„Are we sure Bruce’s head is okay?“ (Tim Drake)

„What we are about to do will be a work of art.“ (Simon Hurt)

„Did I finally reach the limits of reason?“ (Batman)

Nach den Ereignissen in The Black Glove ist Batman ist besessen von der Suche nach der gleichnamigen Geheimorganisation von Simon Hurt. Er sucht den Joker auf, der darin involviert zu sein scheint, aber nichts preisgibt. Robin, Alfred und auch seine neue Freundin Jezebel Jet zweifeln allmählich an Batmans Verstand, letztere wirft sogar die Theorie ein, dass Batman selbst der Black Glove sein könnte. Doch dann schlägt Simon Hurt, der eine Bande (drittklassiger) Schurken anführt („Club of Villains“), zu: mit dem Codewort „Zur-En-arrh“ löst er in Batmans Kopf einen Mechanismus aus, der ihn ausschaltet. Bruce Wayne landet zunächst ohne Erinnerung auf der Straße und lebt eine Weile als Obdachloser. Schließlich aber aktiviert sich in ihm ein Notfallprogramm, das ihn zum Batman von Zur-En-arrh werden lässt: er näht sich ein lila-rot-gelbes Kostüm und mischt – begleitet von Bat-Mite und sprechenden Gargoyles – die Schurken auf. In Arkham Asylum kommt es zum Showdown mit dem Joker …

Autor Grant Morrison kehrt mit der Story erneut seine Vorliebe für die alten Comicgeschichten hervor: Zur-En-Arrh ist der Name eines Planeten aus der Story Batman – The Superman of Planet-X (Batman #113, 1958). Darin besucht Batman eine Welt, in der Batman ein buntes Kostüm trägt und Superkräfte hat. Morrison schreibt dieses Abenteuer Batmans Black Casebook zu, eine Sammlung obskurer Fälle, und macht den Batman von Zur-En-Arrh zu einer zweiten Identität, die sich der Held zugelegt hat, falls mal jemand seine Persönlichkeit sabotieren wollte. Batman ist eben auf alles, wirklich alles vorbereitet. Zugleich holt Morrison – wie schon in The Black Glove – Bat-Mite aus der Mottenkiste, bei dem zunächst offen bleibt, ob er nur Einbildung (also die versinnbildlichte Stimme der Vernunft) oder tatsächlich ein Kobold aus der fünften Dimension ist. (Falls letzteres, muss man sich allerdings die Frage nach dem Warum stellen.)

Naja. Was soll man davon halten?

Man verliert bei Batman R.I.P. leicht den Überblick. Nicht nur wegen der Fülle an Charakteren, Handlungen und Verweisen, auch weil man nicht weiß, was Realität und was Phantasie ist. Morrison treibt ein wildes Spiel und seine stark fragmentierten und elliptischen Erzählweise macht es nicht leicht, der Story zu folgen. Überflüssig erscheinen hingegen die Einsätze von Talia al Ghul und ihrer League of Assassins sowie des Club of Heroes, einer Vereinigung drittklassiger Batman-Verschnitte (z.B. Knight and Squire), die ebenfalls in The Black Glove eingeführt wurden. Die Motivation von Simon Hurt ist mir unverständlich geblieben.

Am Ende des Bandes (Storyline Last Rites) dreht Morrison noch einmal Wirklichkeit und Imagination durch den Fleischwolf und verweist schon auf sein Crossover Final Crisis: Während Batman irgendwo von den New Gods von Apokolips festgehalten wird, um seine Erinnerungen zu stehlen und sie Klone einer Armee einzusetzen, erlebt der Held sein Leben noch einmal, zuweilen auch in alternativen Versionen. Leider wird der Zusammenhang dieser Story kaum erklärt und dürfte sich erst nach der Lektüre von Final Crisis erschließen. Man hat zwar den Eindruck, an etwas sehr Großem teilzuhaben, aber man wird den Verdacht nicht los, dass der Joker Recht behalten könnte, wenn er zu Batman sagt: „the real joke is your stubborn, bone deep conviction that somehow, somewhere, all of this makes sense!“

Entschädigt für das verwirrende Aufgebot, das Morrison seinen Lesern zumutet, wird man mit den großartigen Zeichnungen von Tony S. Daniel und Lee Garbett. Hier ist alles, wie man es sich von Batman wünscht: ausdrucksstark, dramatisch und detailreich. Immerhin das kann man am Ende sagen: ich kapier’s zwar nicht (ganz), aber es sieht verdammt gut aus.

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Ra’s al Ghuls Auferstehung

DC Comics

DC Comics

Titel: The Resurrection of Ra’s al Ghul (dt. Die Auferstehung von Ra’s al Ghul)

Autor/Zeichner: Grant Morrison, Paul Dini u.a./Tony S. Daniel u.a.

Erschienen: 2007-2008 (Paperback 2008), dt. Panini 2008


„Sometimes, looking at the ‚big picture‘ can paralyze you, right? Well I’m tired of analyzing everything to death …“ (Tim Drake)

Wie wir schon öfter festgestellt haben, stirbt in der Welt der Superhelden niemand für immer. Schon gar nicht totzukriegen ist Ra’s al Ghul. Er ist das beste Beispiel für die ständige Erneuerung im Wechsel von Tod und Auferstehung. Selbst nachdem er in Death and the Maidens (dt. Der Tod und die Mädchen) wirklich gestorben ist, war klar, dass seine Wiederkehr nur eine Frage der Zeit war. Doch die Wiedergeburt gestaltet sich schwierig. Ra’s kehrt zunächst als ziemlich übel zugerichtete Mumie zurück.

Um wieder zurück zu alter Frische zu finden, soll sein Enkel, Bruce Waynes Sohn Damian, als Körperspender herhalten. Der Kleine hat verständlicherweise keine Lust, sich für seinen Opa zu opfern – und auch seine Eltern haben etwas dagegen. Während Batman in Asien herumturnt, fällt die League of Assassins über Wayne Manor her, Talia heuert ein paar Killer-Miezen an, die ihn beschützen sollen, Nightwing und Robin helfen aus. Währenddessen will auch ein anderer mächtiger Greis, der bloß Sensei genannt wird, die Auferstehung seines Erzfeindes verhindern.

Schließlich ist Damian aber nicht mehr so wichtig und Batman muss sich entscheiden, ob er seinen Sohn oder seinen Adoptivsohn Tim Drake für Ra’s opfern möchte. Die salomonische Lösung findet sich in anderen Trägern. Und hier hakt die Logik der Story am meisten: Wenn Ra’s einen Körper braucht, der seine DNA trägt, warum ist er zunächst hinter Damian her, wenn es schließlich auch andere Spender tun?

Interessant ist in der Geschichte aber ein Seitenaspekt: Robin Tim Drake, der von Ra’s in Versuchung geführt wird, die Seiten zu wechseln, verhandelt mit Nightwing an der Lazarusgrube die Frage, ob es zulässig ist, die Toten ins Leben zurückzuholen. Spannender als die Keilerei zwischen den beiden ist der Dialog: Tim hat drei Menschen verloren, die ihm wichtig waren (seinen Vater, Spoiler und Superboy), auch Nightwing kennt die Verlusterfahrung, aber die Konsequenz daraus wäre, alle wiederzubeleben – und das wäre untragbar. Der zentrale Satz in der Diskussion: „… in a world where Jason Todd can come back … then why can’t my dad …?“

So bietet The Resurrection of Ra’s al Ghul actionlastiges Schwertkampf-Abenteuer, bei dem Batman zwar eine untergeordnete Rolle spielt, aber dafür eine ungewöhnliche Rüstung tragen darf. Im Mittelpunkt stehen die drei Robins und ihr Verhältnis zueinander. Über das übliche Gut-gegen-Böse-Spiel hinaus werden zwei große Familiendramen geboten, in denen die Charaktere vor allem viele Konflikte untereinander austragen müssen. So sehen wir dabei zu, wie sich Damian von seiner Mutter lossagt – ganz einfach weil Papa Batman der coolere Elternteil ist. Getrübt wird das Lesevergnügen leider etwas durch die stark variierende Qualität der Zeichnungen.

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Batman and Son: Der Enkel des Dämons

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Son/The Black Glove (dt. Batmans Sohn/The Black Glove)

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Andy Kubert, J.H. Williams III, Tony S. Daniel u.a.

Erschienen: 2006-2008 (Batman #655-658, 663-669, 672-675, Paperbacks 2007 (Batman and Son), 2008 (The Black Glove), beide Storylines 2012/2014), dt. Panini Paperback 2010/2011


„All this comic book stuff is way too highbrow for me.“ (Bruce Wayne)

„If there’s one thing I hate … it’s art with no content.“ (Batman)

„There’s a new Robin now.“ (Damian)

Nach dem Tod ihres Vaters Ra’s (in Death and the Maidens, dt. Der Tod und die Mädchen) macht Talia al Ghul sich ihre eigene Man-Bat-Armee, die in London einfällt und die Frau des Premierministers entführt. Als Batman das zu verhindern versucht, macht ihm Talia klar, dass er einen Sohn hat: Damian. Weil sie gerade damit beschäftigt ist, das Erbe ihres Vaters fortzuführen, indem sie die Welt terrorisiert, gibt sie Damian in Batmans Obhut. Doch der Kleine ist nicht nur aufsässig gegen seinen Vater, Alfred und Robin, sondern auch eine Tötungsmaschine, die mit dem Schwert kurzen Prozess mit seinen Gegnern macht.

Batman hat einen Sohn? Das kommt uns doch bekannt vor! Richtig: In Son of the Demon (1987) hatte Batman tatsächlich ein engeres Verhältnis mit Talia, aus dem ein Kind hervorging. Doch das war keine kanonische Geschichte, eher ein Was-wäre-wenn-Szenarion – noch bevor es Elseworlds gab. Grant Morrison hat mit seiner ersten Batman-Story im neuen Jahrtausend diese alte Geschichte wieder ausgekramt und wörtlich genommen.

Es hat sich gelohnt: Damian ist ein kleiner Satansbraten, den man gerne haben muss, obwohl er nervt. Abgesehen von dem herrlichen Humor der Dialoge macht es Spaß, Batman einmal auf ganz andere Art an die Grenzen seiner Fähigkeiten gehen zu sehen – nämlich als überforderter Erzieher. Damian legt schnell das alte Robin-Kostüm an, allerdings ohne die grüne Schuppenunterhose, dafür aber mit cooler Kapuze, und stiehlt in der Rolle dem streberhaften Langweiler Tim Drake die Show. Es amüsiert zu verfolgen, wie der Kleine Wayne Manor aufmischt. Dass die Story nach vier Kapiteln in einem schnellen Showdown in Gibraltar etwas abrupt endet, ist zwar bedauerlich, aber es handelt sich bloß um den Auftakt zu etwas Größerem: Talia hat Pläne …

Und auch Grant Morrison hat welche, wie man an den vielen Ideen sieht, die er in seine ersten Storys gesteckt hat. Der größte Teil des Bandes enthält auch die Storyline The Black Glove, die den Rahmen um die Damian-Story bildet. Batman muss gegen drei Pseudo-Batmen kämpfen, die Gotham terrorisieren. Es handelt sich um Polizisten, die in einem Geheimprogramm dazu ausgebildet wurden, Batman einmal zu ersetzen. Währenddessen stirbt das Original fast an einem Herzinfarkt. Dabei halluziniert er vom ersten Robin, Joe Chill und Bat-Mite, wir erfahren von einem seltsamen Meditationsritual, dem Thögal, dem sich der junge Bruce in Nanda Parbat unterzogen hat, später ließ er sich als Batman für zehn Tage in einer Isolationskammer einsperren, um durch Bewusstseinsveräderung herauszufinden, wie der Joker tickt.

Eine Binnen-Story führt die böse Geheimorganisation The Black Glove ein, die später noch in Batman R.I.P. wichtig sein wird. Obwohl der Dreiteiler visuell sehr interessant und vielseitig aufbereitet ist, mutet die Handlung etwas seltsam an: Batman fliegt mit Robin auf eine karibische Insel, weil dort ein gelangweilter Bonze namens Simon Hurt ein paar drittklassige kostümierte Helden versammelt. Es ist unbegreiflich, warum Batman an so einem Quatsch teilnehmen sollte – hat er nichts besseres zu tun? Als er da ist, muss er zusammen mit den anderen (die alle auf ihre Weise Batman-Verschnitte sind) einen Serienmörder fassen, der sie einen nach dem anderen tötet.

Privat ist Bruce Wayne ebenfalls gut damit beschäftigt, Bekanntschaft mit Jezebel Jet zu machen – eine Frau, der er sogar seine Geheimidentität offenbart. Ein Kapitel ist der Zukunft gewidmet: Wir sehen Damian Wayne als Batman gegen einen der falschen Batmen kämpfen, während Comissioner Barbara Gordon ihn jagt. (Außerdem gibt es eine ungewöhnliche Joker-Story in Prosa, die mit computergenerierten Bildern illustriert ist, aber der werde ich mich ein andermal gesondert widmen.)

Es wird also viel Stoff geboten. Typisch Grant Morrison, der Mann für die großen Epen. Aber die Fülle überfordert den Leser: leider ist die Handlung zu zersplittert, eine klarere Struktur wäre wünschenswert gewesen. Beurteilen kann man das Ganze eigentlich nur im Rückblick, wenn man noch weiter gelesen hat. Eins ist klar: Es ist eine zum Teil eine anspruchsvolle, zuweilen verwirrende, aber weitgehend unterhaltsame Lektüre. Besonders der erste Teil mit Damian ist gelungen und auch die Rahmenhandlung mit den Fake-Batmen hat ihre Reize. Die grandiosen detailreichen und vitalen Zeichnungen von Andy Kubert, J.H. Williams III und Tony S. Daniel machen den Band auch zu einem visuellen Genuss.

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Endgame: Schluss mit lustig

DC Comics

Titel: Endgame (Batman Vol. 7), dt. Todesspiel

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2015 (Batman #35-40, Hardcover 2015); dt. Panini 2015-2016 (Batman #41-44), Paperback 2016


„See, Batssss, this time, no more games … no more jokes. I’m just here to close up shop!“

„I’m afraid it’s his masterpiece, Sir.“ (Alfred)

„… go get that bastard.“ (Alfred)

Die Justice League greift Batman an. Zuerst Wonder Woman, dann Flash, dann Aquaman – schließlich auch Superman. Batman wehrt sich so souverän wie nie zuvor: mit einer riesigen Kampfrüstung, die es in sich hat. Doch das unnatürliche Grinsen in Supermans Gesicht zeigt ihm, dass das nur der Auftakt zu etwas weit Schlimmerem ist: der Rückkehr des Jokers. Nach den Ereignissen von Death of the Family, in denen der Joker Batman seine Liebe gestanden hat und ihn um seine Familie bringen wollte, schlägt der Erzfeind wieder zu – und zwar mehr als je zuvor. Wo einst Liebe war, ist nur noch Hass. Der Zurückgewiesene rächt sich. Jetzt ist Schluss mit lustig.

Gothams Bewohner werden mit einem Joker-Virus infiziert, der sie zu grinsenden, aggressiven Zombies macht. Der Virus ist – anders als alle Joker-Gifte und -Gase zuvor – so gut wie unbesiegbar. Der Joker, der sein Gesicht wiederhergestellt und sich einen neuen Haarschnitt verpasst hat, kennt nun auch Batmans Geheimidentität und im Gegensatz zu früher nutzt er diesen Vorteil aus. Außerdem stellt sich die Frage, ob der Joker nicht über besondere Heilkräfte verfügt. Es kommt zu einer ultimativen Demütigung, zur ultimativen Schlacht: Batman versammelt seine Mitstreiter und Feinde, um gegen Jokers Zombie-Armee zu kämpfen, während er zugleich ein Mittel gegen die Seuche sucht.

Wer das Buch noch nicht gelesen hat und sich die Spannung nicht verderben möchte, dem sei geraten, es nachzuholen (es lohnt sich) und das Lesen des Artikels an dieser Stelle zu beenden.

ACHTUNG SPOILER!

Snyder und Capullo haben wieder einmal einen großen Wurf gelandet. Sie schaffen es, das erzählerische Niveau zu halten und den Horror des ersten Joker-Teils zu wiederholen. Allein die Rahmung mit dem Theater und der Analogie zu Tragödie und Komödie ist meisterhaft. Gelungener ist Endgame, weil die Story weniger die Tradition zitiert, sondern weitgehend eigenständig bleibt. (Allein die Frisur des Jokers erinnert an den Batman Beyond-Film Return of the Joker, und die Straßenparade zitiert Burtons ersten Batman-Film.) Allerdings sollte man Storys wie Rat der Eulen/Stadt der Eulen sowie Tod der Familie gelesen haben, Batman Eternal wäre auch nicht verkehrt. Snyder überrascht wieder, indem er interessante Situationen schafft und seinem Schurken neue Facetten abgewinnt, aber leider schießt er mit der Metaphysik übers Ziel hinaus.

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Den Joker soll es jetzt schon immer gegeben haben – als pale man, den blassen Mann, der bereits auf historischen Fotos grinsend an Schauplätzen von Tragödien zu sehen ist. Dank einer Art Lazarus-Grube schaffte er es, sich ständig zu erneuern, daher auch das neue Gesicht. Hier aber muss man sich fragen, warum der Anführer der Red Hood-Gang nicht bereits blasshäutig war, sondern erst nach dem Sturz in den Chemietank, und warum das Gesicht nicht bereits verheilte, nachdem es dem Joker abgeschnitten wurde (und warum er es sich überhaupt entfernen ließ). Abgesehen von solchen Unstimmigkeiten ist es unnötig, den Joker unsterblich zu machen und ihm damit etwas von seinem Reiz zu nehmen. Der Witz war ja, dass er wie Batman nur ein Mensch ist, der es trotzdem immer wieder schafft, Übernatürliches oder gar Unmenschliches zu leisten. Diese schabenhafte Resistenz, mit der er das Böse schlechthin verkörperte, wird jetzt zu sehr mystifiziert und in die Nähe von Ra’s al Ghul gerückt.

Doch es gibt auch andere, kleinere Schwächen: Dass am Ende Helden und Schurken Seite an Seite kämpfen, mag zwar ein netter Einfall sein, aber dass Scarecrow und Pinguin mitmachen, zwei nicht gerade besonders starke Typen, ist wohl mehr dem Fan-Service als der Plausibilität geschuldet. Und dass der Joker nicht einfach Batman abknallt oder Alfred dahinmetzelt, als er die Gelegenheit dazu hat, ist auch eher schwer nachvollziehbar. Allerdings muss man Synder zugute halten, dass er seine Charaktere nicht schont. Besonders James Gordon und Alfred müssen wieder leiden. Der Showdown im Finale ist das blutigste und härteste Gemetzel seit Frank Millers The Dark Knight Returns. Ein wenig erinnert es auch daran, aber dass das Schicksal der beiden verblutenden Gegner offen bleibt, gibt dem Ende eine andere Wendung. Denn es zeigt nur erneut, was Batman auch über seine Kämpfe mit Superman feststellt: dass keiner der beiden gewinnen kann.

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Under the Hood: Niemand stirbt für immer

DC Comics

DC Comics

Titel: Under the (Red) Hood

Autor/Zeichner: Judd Winick/Doug Mahnke

Erschienen: 2005-2006 (Batman #635-641, #645-650, Batman Annual #25), Paperback 2005/2006 (zwei Bände), 2011 (ein Band, Titel: Under the Red Hood)


„He was never supposed to die.“

„This has nothing to do with science … or logic …“ (Batman)

„Fear isn’t the answer.“ (Red Hood)

Under the (Red) Hood ist wieder so eine Geschichte, über die man nicht sprechen kann, ohne das Wichtigste vorwegzunehmen. Während die Erstleser noch rätseln konnten, wer sich unter der roten Maske verbirgt, dürfte das heute den meisten Lesern klar sein, deshalb sei es hier gesagt: Jason Todd, der vom Joker totgeprügelte Robin II, kehrt von den Toten zurück. Und diese Entscheidung dürfte noch umstrittener gewesen sein, als die Leser damals über den Tod abstimmen zu lassen (vgl. A Death in the Family). Denn immerhin wird damit ihr (Todes-)Urteil für nichtig erklärt.

Was kurz zuvor bei Hush noch ein nettes Gimmick in der Story war, aber sich als Trugbild offenbarte, wird hier zur Tatsache. Im Nachhinein war es doch nicht Clayface in der Gestalt von Robin, der Batman einst auf dem Friedhof begegnet ist, sondern tatsächlich Jason Todd, der später mit Clayface die Rollen getauscht hat. Und es beweist erneut die alte Superhelden-Weisheit: niemand stirbt für immer. Nach dem Tod und der Wiederaufstehung von Superman sind auch Green Lantern Hal Jordan, Wonder Woman und Green Arrow Oliver Queen diesen Weg gegangen. Egal, ob man Superkräfte hat oder nicht, es findet sich immer ein Weg, die Toten zurückzuholen – mit welcher fadenscheinigen Begründung auch immer. Die einen Fans fühlen sich verschaukelt, die anderen freuen sich über die Rückkehr einer beliebten Figur oder einfach nur über eine unerwartete Wendung. Nichts ist unmöglich in der Welt der Superhelden. Das lässt sie leider auch oft sehr willkürlich erscheinen.

Der neue Jason Todd wählt die rote Maske, mit der sein Mörder einst seine Gauner-Karriere begann. Red Hoods Ziel ist klar: Rache. Aber zuvor versucht er, mit drastischen Methoden in Gotham aufzuräumen. Skrupellos tötet er Drogendealer und andere Kriminelle, ruiniert die Geschäfte von Black Mask, indem er etwa dessen Waffen stiehlt. Batman geht Red Hood zu weit. Der Meister versucht seinen Schüler aufzuhalten, aber sein Gegner ist gut ausgebildet. Schnell kommt der Detektiv auf den Trichter, dass es sich um Jason handeln könnte und er befragt einige Wiederauferstandene wie Superman und Green Arrow nach dem Tod. Schließlich, in der Mitte der Story, kommt es zur Offenbarung. Doch viele Fragen bleiben offen, von denen bloß die geringste ist, warum Jason unter der Maske eine weitere trägt.

Batman muss sich von Jason eine Standpauke gefallen lassen, dass er mit seinem halbherzigen Handeln gegen Kriminelle im Allgemeinen und gegen den Joker im Besonderen, weitere Morde zu verantworten hat. Später kämpfen er und Jason doch vereint gegen ein paar von Black Mask beauftragte Attentäter. (Der Attentäter Deathstroke schickt – statt den Auftrag selbst zu erledigen – drei Idioten wie Count Vertigo, Hyena und Captain Nazi vorbei.) Im Finale läuft es auf einen Showdown mit dem Joker hinaus. Und nach einem abrupten und explosiven Ende wird nachgetragen, wie Jason zurück ins Leben fand.

Die Begründung ist hanebüchen und dreist. Und zugleich auch völlig egal. Ob es die Lazarusgrube war oder Magie oder nur ein Scheintod, spielt keine Rolle. Aber dass Superboy-Prime mit ein paar Erschütterungen des Multiversums (siehe Infinite Crisis) das Schicksal wieder einrenkt und dadurch eine mysteriöse Macht Jason aus dem Grab holt, weil dieser nie hätte sterben dürfen, kommt für Fans einer Beleidigung gleich. Jim Aparos alternatives Ende für A Death in the Family zu aus dem Archiv zu kramen und in die Story einzubauen, legitimiert diese Wendung nicht. Auch die Erklärung für Jasons unbemerktes Verschwinden und seine lange Abwesenheit wirkt äußerst bemüht.

Trotz dieses kühnen Schrittes und großen Kunstfehlers ist Under the Hood eine durchaus unterhaltsame Story: Kurzweilig erzählt, grandios gezeichnet und mit ein paar knackigen Dialogen, die zum Teil sogar sehr witzig geraten sind (besonders die Sprüche von Black Mask). Schade ist nur, dass einige Handlungsstränge bloß angerissen, aber nicht zu Ende erzählt werden, zum Beispiel die Sache mit den Waffen, zu denen auch eine Kiste Kryptonit gehört, oder der Anschlag auf Blüdhaven. Auch das Finale endet mit einem Knall, ohne dass man in einem Epilog erfährt, was aus den Figuren geworden ist.

Am besten hat es Hilary Goldstein von IGN formuliert: “ It’s a well-told story, problem is I don’t like the story being told.“

(Die Story wurde 2010 unter dem Titel Under the Red Hood als Animationsfilm adaptiert.)

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Batman tappt im Dunkeln

DC Comics

DC Comics

Titel: Broken City (dt. Kaputte Stadt)

Autor/Zeichner: Brian Azzarello/Eduardo Risso

Erschienen: 2003-2004 (Batman #620-625, Paperback 2004), dt. Panini 2012


„I wouldn’t fret over it too much, detective. After all, what makes four a better story than the one that got away?“ (Little Boy)

Batman sucht Angel Lupo, einen kleinen Fisch, der Autos geklaut hat. Er soll seine Schwester hat umbringen lassen. Von Killer Croc. Als Batman Lupo nahe kommt, haut dieser ab – und hinterlässt zwei weitere Leichen, nämlich die Eltern eines Jungen – auf offener Straße. Das kann Batman erst recht nicht auf sich beruhen lassen. Also mischt er die ganze Stadt auf, um den Täter zu kriegen. Schließlich ist auch die ganze Stadt – Unterwelt wie Polizei – hinter Lupo her.

Brian Azzarello und Eduardo Risso (100 Bullets) erzählen eine Batman-Story in bester, klassischer Noir-Manier. Die Nähe zu Frank Miller ist vor allem grafisch unverkennbar, zuweilen erinnert das Setting sehr an seinen Dark Knight oder Sin City. In gewisser Weise ist es das Gegenstück zu dem überbordenden Hush von Loeb und Lee: Auch hier trifft Batman auf eine Reihe der üblichen Verdächtigen (Croc, Pinguin, Scarface, Joker) sowie einige neue (Fatman und Little Boy), die er nach dem Verdächtigen befragt, aber anders als bei Hush ist hier alles düster und in gedeckten Farben gehalten und es geht auch nicht um das große Ganze, ein Riesenkomplott oder ähnliches.

Darin liegt der Reiz der Story: Batman kümmert sich um einen kleinen Fall, aber begeht dabei große Fehler – er tappt auch buchstäblich im Dunkeln, weil er sich von persönlichen Gefühlen in die Irre leiten lässt. Azzarello konzentriert sich ganz auf die Hauptfigur, es gibt keine Batman-Familie, nicht einmal einen Alfred. Bruce Wayne brät sich sein Steak sogar alleine – zur Entspannung. Wir erfahren, dass er Angst vor dem Träumen hat, weil er darin sein Kindheitstrauma immer wieder erleben muss, und wir sehen einige interessante Variationen des altbekannten Motivs.

Broken City mag optisch vielleicht zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig sein, aber auf langer Strecke entfalten die Zeichnungen ihren Reiz. Azzarellos Worte hingegen machen es leicht, in die Geschichte einzutauchen. Das ist hardboiled Batman, wie ihn die Fans von Frank Miller und Alan Moore lieben.

(Im Band Batman Noir: Eduardo Risso ist Broken City auch in einer Schwarz-Weiß-Fassung erschienen.)

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Hush: Harte Bandagen

DC Comics

DC Comics

Titel: Hush

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Jim Lee

Erschienen: 2002-2003 (Batman #608-619), Paperback 2003 (zwei Bände), 2009 (ein Band); dt. Panini 2006 (zwei Bände), Eaglemoss DC Graphic Novel Collection 2015 (zwei Bände)


„You gotta be able to think like your opponent.“ (Thomas Elliot)

Killer Croc entführt einen Jungen. Bei der Lösegeldübergabe kommt Batman dazwischen. Catwoman macht sich mit dem Geld davon, Batman verfolgt sie, dabei wird sein Seil durchschnitten, er stürzt und wird dabei schwer am Kopf verletzt. Der Chirurg Dr. Thomas Elliot – ein alter Jugendfreund – flickt Bruce Wayne wieder zusammen . Doch als es wieder zum Kontakt zum genesenden Bruce kommt, wird „Tommy“ vom Joker erschossen. Batman gerät mal wieder in Versuchung, kurzen Prozess zu machen und seinen Erzfeind abzumurksen. Und das sind nicht die einzigen seltsamen Begebenheiten. Ein Unbekannter hat es auf Batman abgesehen. Aber wer? Und warum?

Lauter unerhörte Ereignisse passieren in Hush, einer der beliebtesten Batman-Storys des neuen Jahrhunderts. Autor Jeph Loeb setzt damit sein bewährtes Rezept fort, das er in seinen 90er-Jahre-Epen mit Tim Sale etabliert hat: The Long Halloween und Dark Victory. Hier wie da wird eine Detektivgeschichte in rund einem Dutzend Kapiteln erzählt, die einmal durch die Rogues Gallery jagt. Bei Hush sind es neben Joker, Harley Quinn und Killer Croc auch Poison Ivy, Two-Face, Ra’s al Ghul, Riddler, Scarecrow und Clayface. Außerdem treten Helden wie Robin, Nightwing, Orakel, Huntress und Superman auf. Eine wichtige Rolle spielt außerdem Catwoman: Endlich kommt es zu einer intimen Annäherung mit Batman und zu einer Offenbarung. Eine Begegnung zwischen Batman und Superman wird weniger kuschelig – was will man mehr?

Mit diesem riesigen Personal bietet Loeb ein furioses Feuerwerk an bester Unterhaltung und Abwechslung. Es ist eine typische Story, die Fanherzen höher schlagen lässt, weil sie alles enthält, was sie begehren. Für alte Leser werden einige interessante Überraschungen geboten, vor allem eine, die mit einem Robin zusammenhängt und hier nicht verraten werden soll. Hinzu kommt noch, dass die Geschichte so erzählt ist, dass man auch als Neuling leicht einsteigen kann. Alle Hintergründe werden ausreichend erklärt, sogar einige Male zu oft (vor allem den Mord an den Waynes – gähn). Loeb beweist sich erneut als erstklassiger Erzähler.

Mindestens so wichtig wie die furiose und spektakelgeladene Story sind die Zeichnungen des anderen J.L., Jim Lee. Im Gegensatz zu Tim Sale, der sich in seinen Panels auf das Wichtigste beschränkt, ist Jim Lee ein detailversessener Perfektionist. Und damit all die Details auch gut zu sehen sind, verzichtet er weitgehend auf Schatten, sodass Gotham, seine Helden und Schurken, bei ihm hell erstrahlen. Die knalligen Farben tragen dazu, dass das Lesen zu einer Augenweide wird. Seine Helden strotzen vor Kraft, seine Frauen sind voller Anmut, die Posen überaus dynamisch. Kurz: Jede Seite ist fast zu schön zum Umblättern. Besonders die Rückblenden hinterlassen Eindruck. Denn die sind monochrom und (wie) mit Wasserfarben koloriert. Das verleiht den Panels eine besondere Aura.

Bei aller Gefälligkeit gibt es dennoch einige Kritikpunkte: Der größte ist wohl die Plausibilität. Die Auflösung hinkt, die Motivation des mumienhaft bandagierten Schurken Hush leuchtet ebenso wenig ein wie der ganze Aufwand, den er betreibt, um Batman fertig zu machen. Das ginge auch einfacher, aber dann gäbe es ja die Story nicht. Trotzdem hätte man das eleganter lösen können. Und dann gibt es noch einige kleinere Plot Holes. Dass James Gordon gleich zwei Mal als Deus ex machina herhalten muss, indem er aus dem Nichts auftaucht, um Batman zu retten, erscheint auch ein wenig plump.

Aber egal. Das sollte nicht das Gesamtvergnügen trüben. Hush hat Größe, Hush macht Spaß, Hush sollte man gelesen haben.

(Die Story wird fortgesetzt in Hush Returns, Heart of Hush, Hush Money und The House of Hush. Außerdem gibt es im Universum von Batman Beyond noch Hush Beyond.)

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Batmans Nullnummern

Titel: Batman #0, Detective Comics #0, Shadow of the Bat #0, Robin #0

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Doug Moench, Alan Grant u.a.

Erschienen: 1994 (dt. Dino 1997 als Batman #1-2, mit Ausnahme von Shadow of the Bat #0)


„Der Kampf adelt, nicht der Sieg.“

„Die Dunkelheit ist wie ein Umhang. Er trägt sie wie eine zweite Haut. Wie einen Schild.“

Im Jahr 2012 brachte DC Nullnummern seiner Serien heraus: Darin wurden ein paar Vorgeschichten der Helden erzählt, wie etwa zu Batmans Zero Year und der Zeit davor. Die Idee ist nicht neu: Im Jahr 1994 hat es so etwas schon einmal gegeben, im Rahmen des Zero Hour-Events. Dabei wurden ein paar Hefte gemacht, in denen die Origins leicht modifiziert wurden und die eine perfekte Einstiegslektüre ins DC-Universum bildeten. Daher haben sich diese Ausgaben auch hervorragend für den deutschen Dino-Verlag angeboten, damit im Jahr 1997 seine neue Batman-Serie zu starten.

In Batman #0 bekommt man Batmans Ursprung auf 22 Seiten zusammengefasst – inklusive der jüngsten Ereignisse nach dem Epos Knightfall mit Bane etc. Wir sehen den Sturz in die Bathöhle (vgl. Shaman), die erste Begegnung mit Alfred, den Elternmord, der in dieser neuen Version nie gelöst wurde, während zuvor Joe Chill als Mörder im Auftrag gehandelt hat. Eine Seite ist der Kindheit als Waise gewidmet, eine der Ausbildung im Ausland, dann folgen die drei Robins. Letzteres wird noch einmal ausführlicher in Robin #0 erzählt: Nightwing erzählt Robin III (Tim Drake), was bisher mit den Robins geschehen ist. Im Zentrum steht Two-Face, der bekennt, Robin doppelt so sehr wie seinen Erzfeind zu hassen: „Er ist Batmans Geheimwaffe!“ Die Geschichte wird – wie könnte es anders sein – aus doppelter Sicht erzählt.

In Detective Comics #0 werden die Lücken von Batman #0 mit Ausschmückungen gefüllt: Die Erkundung und der Ausbau der Bathöhle, das Beschaffen das Batmobils von Wayne Industries und der Umbau, das Nähen des Kostüms durch Alfred. Leider verträgt sich diese Version, in der das Batmobil zugleich mit dem Kostüm entstand, nicht mit der Version, die in Batman and the Monster Men erzählt wird: da wird das Auto erst später eingeführt. Aber sicher kann man auch diesen Bruch mit irgendwelchen Erschütterungen des Raum-Zeit-Kontinuums in Folge weltbewegender Ereignisse erklären. Von entscheidender Wichtigkeit sind solche Details natürlich nicht.

Die Nullnummer von Shadow of the Bat wirkt neben den anderen überflüssig. Abgesehen davon, dass die Figur Leslie Thompkins erwähnt wird und wir erfahren, dass Bruce sechs Wochen lang fürs FBI gearbeitet hat („Age 20, he scored perfect on every F.B.I. test except for gun handling“), ist die Geschichte nichts als noch ein Aufguss der immergleichen Motive. Wieder einmal sehen wir, wie Batman sich mit Kleinganoven rumschlägt, wieder wird der gesamte Werdegang nacherzählt. Die Ausbildung wird zwar ausführlicher behandelt, aber fast nur in Worten aufgezählt. Weil das Ganze ohne Mehrwert ist, kann man leicht nachvollziehen, warum der Dino-Verlag damals auf den Nachdruck verzichtet hat.