Batgirl

Zurück aus der Mottenkiste

DC Comics

Titel: Those Were the Bad Old Days/Find the Batcave and Rule the Underworld

Autor/Zeichner: Bob Rozakis/Lee Elias

Erschienen: 1977 (Batman Family #10, 15)


Eigentlich waren die beiden Freaks aus dem Golden Age längst vergessen: Seit seiner ersten Begegnung mit Batgirl war Killer Moth zehn Jahre lang eingemottet, der Cavalier sogar 33 Jahre lang. Und obwohl die beiden nie etwas miteinander zu tun hatten, tun sie sich jetzt plötzlich zusammen.

Batgirl und Robin werden zu der „Isle of 1,000 Thrills“ eingeladen, einem Ort der Illusionen in Provincetown (siehe Batman Family #3). Barbara fährt hin, auch um Kathy Kane (Batwoman) einen Besuch abzustatten. Kaum angekommen, sieht Barbara Gordon den Cavalier am Flughafen eine Handtasche rauben. Blitzschnell schlüpft sie in ihr Batgirl-Kostüm, hält den Gauner auf und lässt ihn einbuchten, da taucht plötzlich eine Riesenmotte auf, um den Cavalier aus dem Knast zu befreien – und auch Killer Moth ist nicht weit.

Der Schurke wird seinem Namen gerecht: Killer Moth mit Riesenmotte. (DC Comics)

Batgirl ist aber nicht allein, denn Kathy Kane kehrt spontan wieder zu ihrer Rolle als Batwoman zurück. Da erscheint plötzlich ein Cavalier in Riesengestalt … Aber das ist natürlich alles Fake, eine bloße Illusion, die die beiden Gauner von besagter Insel haben. Ihr genialer Plan: eine Fregatte zu stehlen, um Lösegeld zu fordern. Ums kurz zu machen: Die beiden Heldinnen verhindern das in einem spektakulären Kampf in den Lüften über dem Meer. Dabei erfahren sie von ihren Geheimidentitäten. Kathy bietet Batgirl die Rolle der Batwoman an – immerhin ist sie schon 25 Jahre alt, aber Barbara beharrt darauf: Es kann nur eine Batwoman geben.

Herrscher der Unterwelt

Wie dem auch sei: Fünf Ausgaben später ist das ungleiche Gaunerpaar wieder vereint. Diesmal wollen sie aus Robin und Batgirl den Standort der Bathöhle herausfinden. Mit der Ausstattung hoffen sie, was sonst, Herrscher der Unterwelt zu werden. Sie teilen sich auf und schließen eine Wette darauf ab, wer Erfolg haben wird.

Spoiler: Keiner natürlich. Aber sie stellen sich dabei auch ziemlich dumm an. Killer Moth jagt Batgirl beinahe in die Luft. Sie fällt nicht auf seine Fallen rein. Dann klebt er sie an einer Riesenlampe fest, um sie damit zu verbrennen (warum?), aber dadurch schmilzt der Kleber und sie kommt frei. Das war allerdings (angeblich) alles so geplant, damit Batgirl ihn zu Batman führt. Sie ist schlauer, führt ihn in eine Falle und Killer Moth geht baden.

Der Cavalier erweist sich sogar als noch dümmer: Er folgt Robin zu einem Geheimversteck im Stamm eines riesigen Baums. Beeindruckt von der vielen Technik und falschen Hinweisen kommt er zu dem Schluss, dass Batman und Robin Außerirdische vom Planeten Nibor seien und Robin eigentlich ein Vogel ist … Nun ja, was soll man dazu sagen? Erst Killer Moth klärt ihn dann im Knast darüber auf, dass Nibor rückwärts Robin heißt. Aber mit Ruhm hat sich der Besserwisser auch nicht gerade bekleckert. Völlig rätselhaft ist allerdings, warum er auch im Knast die Mottenmaske trägt. Sie scheint sein Gesicht ersetzt zu haben.

Mehr zum Thema:


Dein Beitrag zum Batman-Projekt

Dieses Blog in Zahlen: Seit 2014 online, über 1200 Beiträge, mehr als 50 Übersichtsseiten mit Listen, Tausende Stunden Arbeit und Kosten von 96 Euro jährlich - die Comics nicht mitgerechnet. Was ist dir das wert? Lass es mich wissen. Vielen Dank.

€1,00

Batman bricht den Rekord

Batman and Robin Adventures Vol. 3

DC Comics

Titel: Batman and Robin Adventures Vol. 3

Autor/Zeichner: Ty Templeton, Hilary J. Bader, Kelley Puckett/Bo Hampton, Brandon Kruse, Joe Staton

Erschienen: 1997 (Batman and Robin Adventures #19-25, Annual #2), Paperback 2018


Wie viele Verbrecher schaffen Batman und Robin in einer Nacht? Bei der Polizei von Gotham schließt man Wetten ab. Bullock kommt zu spät, ihm bleibt nichts anderes mehr übrig, als auf 20 zu setzen. 20 böse Buben in einer Nacht? Unmöglich! Oder? – Solche pfiffigen Ideen machen nicht nur Batman: The Animated Series interessant, sondern auch die besten Ausgaben der Adventures-Comics. Mit dieser Story sind die Comics zur Abwechslung mal der Serie voraus.

Im letzten Band der Batman and Robin Adventures kommt auch Batgirl zum Zug. Allein darf sie mehrere Rätsel des Riddlers lösen und dabei ihren Vater befreien. Eine intelligente Story, die der sympathischen Heldin zu ihrem Recht verhilft. (Die Geschichte erschien auch auf deutsch in Batman & Superman Adventures #4, Dino Verlag.) Auch Huntress wird in diesem Band eingeführt, allerdings nicht so, dass man sie unbedingt wiedersehen will – die Figur bleibt ihrem Vorbild aus dem regulären Comics verhaftet.

Das dritte Highlight ist das Annual #2, in dem Batman mit Zatanna sich gegen einen Hypnotiseur helfen muss. Der lässt in Wayne Manor ein Amulett stehlen, das seine Kräfte verstärkt. Parallel dazu sehen wir in Rückblenden, wie Bruce als junger Mann dem Hypnotiseur begegnet ist, als er bei Zatara in die Lehre ging. Zwar erfindet die Geschichte das Rad nicht neu, aber allein die epische Breite, die hier eingeräumt wird, ist eine willkommene Abwechslung in dieser Sammlung von Kurzgeschichten.

Ansonsten bricht Two-Face wieder mal aus dem Knast aus, Killer Croc spielt Die Schöne und das Biest mit Summer Gleason und Poison Ivy hilft einem Jungen, der ein tödliches Gift absondert. Das ist mal mehr, mal weniger gelungen, und wenn man sich die Cover dazu ansieht, wünscht man sich, dass Ty Templeton die Geschichten selbst gezeichnet hätte.

Zum Schluss sinkt das Niveau leider enorm. 1997 kam der Film Men in Black in die Kinos und es jährte sich der angebliche „Roswell-UFO-Absturz“ zum 50. Mal. Da dachte man sich bei DC: Springen wir doch auf den Zug auf. Und so kam es auch – in der dämlichsten Form, die man sich vorstellen kann. Alle Klischees werden bedient und ins Absurde getrieben: Ra’s al Ghul wird von Aliens entführt, er übernimmt das UFO, entführt Batman, wirft ihn hinaus und will die Polkappen schmelzen. Batman überlebt und bekommt Besuch von zwei „Men in Black“. Es läse sich wie eine Parodie, wenn es denn wirklich lustig wäre. Aber das ist einfach nur Murks.

Mehr zum Thema:

Tödlicher Flieder

Milton Berle als Louie, the Lilac

Milton Berle als Louie, the Lilac

Titel: Louie the Lilac/Louie’s Lethal Lilac Time (dt. Louie Lilac schlägt zurück/Schon wieder Flieder)

Drehbuch: Dwight Taylor/Charles Hoffman

Erschienen: 1967/1968 (Batman S03E07/18)


Die Batman-TV-Serie der 60er hat zwar viele klassische Schurken erst klassisch gemacht, aber dafür auch einige Chancen verpasst. Einige Gegner wie Scarecrow kamen gar nicht vor, statt Two-Face gab es nur die Eintagsfliege False Face und statt Poison Ivy, die bereits 1966 eingeführt wurde, gab es nur Louie, the Lilac (Milton Berle).

Louie the Lilac

Louie verteilt Flieder unter Hippies.

Dieser Louie war ein Gangster mit einer Vorliebe für Blumen und andere Pflanzen, ganz besonders für Flieder. Er fährt sogar ein „Flower Mobile“. Bei seinem ersten Auftritt leert er die Blumenbestände von Gotham, womit er ein „Flower-Inn“ von Hippies sabotiert. Dann versucht er, mit einem hypnotisierenden Gas die Blumenkinder zu kontrollieren. Sein Ziel: die Weltherrschaft. Dazu entführt er die Anführerin der Hippies.

Hippies im Park

Hippie bei der Frauenbeschwörung

Barbara Gordon durchschaut die Masche als erste, aber ihr Vater nimmt sie leider nicht ernst. Als sie Batman und Robin kontaktiert, tappen sie wie immer in die offensichtliche Falle und landen zwischen den Ranken von fleischfressendem Flieder.

Jetzt ist wieder Batgirl gefragt. Aber als sie eintrifft, haben sich Batman und Robin schon selbst geholfen. Sie darf am Ende nur noch beim obligatorischen Prügeln mithelfen. Nachdem Louies Gang geschlagen ist, spritzt sie dem Anführer – völlig unnötig – ein Mehltau-Spray ins Gesicht, das ihm den Rest gibt.

Batgirl knockt Louie aus.

Batgirl knockt Louie aus.

Bei seinem zweiten Auftritt plant Louie the Lilac, in die Parfumbranche einzusteigen. Er stiehlt einen Batzen Walfett, den Dick Grayson mit seinen Freunden gefunden haben, entführt Dick und Bruce. Dann lässt er ein paar Bisons, Bieber und Bisamratten klauen und will Bruce dazu zwingen, den Tieren die Duftbeutel zu entfernen. (Die braucht Louie für sein Parfum, und Bruce ist offenbar ein passabler Hobby-Tier-Chirurg.) Bruce weigert sich, ruft per Signaluhr Alfred zur Hilfe, Alfred schickt Batgirl vorbei.

Gefangene im Parfum-Labor: Dick und Bruce.

Gefangene im Parfum-Labor: Dick und Bruce.

Schließlich willigt Bruce doch ein – aber das nur zum Schein, denn er hat einen Plan. Sein Trick: Er bittet für seine Tier-OP um zwei Gläser warmes Wasser. In die taucht er zwei Pillen und aus denen entfalten sich die Kostüme von Batman und Robin – genial!

Batman-Kostüm aus dem Glas.

Batman-Kostüm aus dem Glas.

Auch in dieser Folge versucht Batgirl, sich irgendwie nützlich zu machen, wird aber sofort ausgeknockt, sobald sie es versucht. Louie steckt sie in einen Tank, um mit kochendem Fett ihren Duft zu extrahieren, aber soweit kommt es nicht. Das Dynamische Duo schlägt wild um sich, Batgirl befreit sich auf wundersame Weise selbst (ohne dass man es sieht) und darf am Ende nur ein paar böse Buben treten. Immerhin: Sie versucht wenigstens, einen Zweck in dieser Serie zu erfüllen.

So endet Louies kurze Karriere, von der nicht viel in Erinnerung bleibt. Das Lustigste ist vielleicht noch die Tatsache, dass Batman und Robin ihr Batmobil mit dem Bild einer Blume bekleben. Batman als Ehrengast der Hippies? „Groovy.“

Mehr zum Thema:

Joker lässt Comics zeichnen

DC Comics

Titel: Batman Adventures Vol. 2

Autor/Zeichner: Kelley Puckett/Mike Parobeck

Erschienen: 1993-1994 (Batman Adventures #11-20), Paperback 2015


Auch im Universum der Batman Adventures gibt es Comics. Sie heißen Gotham Adventures, also so, wie die Comic-Serie von 1998 bis 2003 hieß. Als der Joker sieht, dass er in den Heften stets schlecht wegkommt, entführt er den Zeichner seine wahren Verbrechen als Comic zeichnen. Die Episode ist voller Anspielungen auf die Comic-Geschichte: Joker trägt einen Pelzmantel wie in The Laughing Fish, die Kapitel heißen „Seduction of the Innocent“ und „Comics and Sequential Death“ (in Anspielung auf Will Eisner).

Der zweite Band der Adventures bietet einige kleine Highlights: Barbara Gordon zieht das Batgirlkostüm an, noch bevor sie offiziell (in der TV-Serie) Batgirl wird. Wie auch schon bei ihrem ersten Auftritt 1967 schneidert sie sich das Kostüm selbst für einen Ball. Zufällig gerät sie an Harley Quinn, Poison Ivy und Catwoman einander. Später bildet sie ein gutes Team mit Robin.

Was noch? Scarecrow sorgt dafür, dass sich die ganze Stadt vor ihm fürchtet, Bruce Wayne verbringt einen romantischen Kurzurlaub mit Talia in Paris und Gordon selbst wird zum Helden im Kampf gegen Rupert Thorne. Außerdem Wiedersehen mit Man-Bat, Scarface und Ra’s al Ghul.

Insgesamt eine bunte Mischung, die unter einigem Durchschnitt auch kleine Perlen für Zwischendurch bietet.

Schlechtes Karma für Batman

DC Comics

Titel: On the Outside

Autor/Zeichner: Bryan Hill/Miguel Mendonca

Erschienen: 2018 (Detective Comics #982-987), Paperback 2018 (Detective Comics Vol. 8)


„… they make me weaker“ (Bruce Wayne)

Es geht auch anders. Batman muss zum Beispiel kein Einzelkämpfer sein. War er in 80 Jahren sogar nur selten. Egal, ob Robin, ein Polizist wie James Gordon oder Alfred – Batman hatte fast immer irgendwie Hilfe. Deshalb gibt er den Teamgedanken auch nicht auf, nachdem seine Batman-Familie auseinandergefallen ist (siehe Fall of the Batmen/Batmen Eternal). Er will ein neues Team zusammenstellen. Und dafür sucht er sich Hilfe bei Black Lightning.

Es ist nicht schwer zu erraten, wie das Team heißen wird: The Outsiders. Die Superheldengruppe hat es bereits 1983 und dann immer wieder in neuen Zusammensetzungen gegeben. Black Lightning, der als Jefferson Pierce als Lehrer arbeitet, soll zunächst Babysitter für Cassandra Cain, Barbara Gordon und Duke Thomas spielen, und sie von einem neuen Schurken fernhalten: Karma.

Der kann nicht nur Gedanken lesen, sondern ist auch ein ruchloser Mörder: zuerst muss ein Viewtube-Star daran glauben, dann eine Moderatorin, schließlich entführt er eine ganze Schulklasse. Batman stellt zwar ein Team zusammen, aber will es trotzdem alleine mit Karma aufnehmen. Seine Begründung: Seine Gefährten machen ihn schwächer. Eine bittere Erkenntnis. Klar, dass der Plan an beiden Seiten nicht aufgeht.

Nach sieben ermüdenden Detective-Comics-Bänden ist auch On the Outside keine Pflichtlektüre geworden, aber der neue Autor Bryan Hill zeigt hier trotzdem, dass es auch anders gehen kann. Weniger Text, weniger Nebenschauplätze, ein sympathischer Gaststar (Black Lightning) und ein Gegner, der Batman dazu bringt, sich selbst zu hinterfragen und herauszufordern. In einer Sequenz sehen wir auch einen neuen Aspekt von Bruce Wayne: Um nachzudenken rast er einfach mal in zivil im Sportwagen durch die Gegend und hält, als ihm ein Geistesblitz kommt, mit quietschenden Reifen an einem Abhang. Life on the edge …

Die Mischung stimmt und auch dank des klaren Zeichenstils und knalliger Farben ist diese Vorbereitung zu der neuen Outsiders-Serie (erscheint nächstes Jahr als Paperback) ein spannendes wie kurzweiliges Vergnügen und macht Lust auf mehr.

Zum Schluss gibt es noch kurzes, aber prächtig düster von Sebastian Fiumara gezeichnetes Wiedersehen mit Deacon Blackfire aus der großartigen Mini-Serie The Cult. Auch dieser Schurke konfrontiert ihn mit einem fundamentalen Vorwurf: Batman kämpft einen vergeblichen Kampf gegen Gothams Fluch. Allerdings fällt die Antwort darauf oberflächlich aus.

>> Batman 2011-2019

Batgirls Feuertaufe

Titel: Batgirl – Year One (dt. Batgirl: Das erste Jahr)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Scott Beatty/Marcos Martin

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-9) Paperback 2003/2013 (Batgirl/Robin Year One); dt. Panini 2004, Eaglemoss 2015


36 Jahre nach dem ersten Auftritt von Barbara Gordon als Batgirl gab es sie nicht mehr. Nach dem Angriff des Joker war sie nur noch als Orakel aktiv – vom Rollstuhl aus versorgte sie Batman und andere Helden mit Informationen. Weil damit eigentlich eine beliebte Figur verschwendet wurde, erzählte man ihre Entstehungsgeschichte noch einmal und zwar ausführlich.

Das Team von Robin: Year One verwendet dabei Elemente aus den frühesten Storys aus dem Jahr 1967. Wieder näht sich Batgirl ihr Kostüm zu einem Maskenball der Polizei und trifft auf Killer Moth. Allerdings wird sie nicht auf dem Weg dorthin aufgehalten, sondern kommt dort an und muss feststellen, dass nicht Bruce Wayne, sondern ihr Vater James Gordon entführt werden soll.

Barbara Gordon wird zur Heldin wider Willen – und findet Gefallen daran. Batman ist natürlich gar nicht begeistert. Trotzdem führt er sie (mit Augenbinde) in die Bathöhle (ebenfalls schon in den 60ern vorgekommen) und lässt ihr über Robin trotzdem einige Gadgets und ein Motorrad geben. Allerdings nur, damit sie endlich zur Vernunft kommt und das Ganze wieder sein lässt. Das ist eine seltsame Methode, denn man kann sich leicht denken, dass eine professionelle Ausrüstung erst recht die Lust bei ihr weckt, als Vigilantin weiterzumachen.

Wir sehen Barbara bei den ersten Gehversuchen als Superheldin zu. Und was bei Batman und Robin funktioniert hat, bewährt sich auch hier. Barbaras Fehler und Naivität lassen sie menschlich und sympathisch erscheinen. Ihr Charakter erinnert an die Darstellung aus Batman: The Animated Series. Die Story mit Killer Moth bildet den roten Faden der Handlung. Er erpresst hier keine Reichen, sondern bietet Gangstern Schutz vor Batman an. Dabei verbündet er sich mit dem Pyromanen Firefly, einer abgründig-fiesen Figur. Batgirl sucht Hilfe bei Black Canary.

Einen großen Anteil daran, dass der Comic funktioniert, ist Marcos Martin (The Private Eye, Barrier) zu verdanken. Er hat einen dynamischen und klaren Stil, bei dem kein Strich zu viel ist. Zuweilen erinnert er an den Animated-Style, wie er in den Comics adaptiert wurde. Starker Ausdruck und ungewöhnliche Perspektiven, dazu knallige Farben machen Batgirl: Year One zu einem Fest fürs Auge. Aber auch sonst ist der Band jedem zu empfehlen, der kein Batgirl-Fan ist. (Allerdings nur im Original, die deutsche Übersetzung ist zum Teil furchtbar.)

Mehr zum Thema:

Der Batchelor von Gotham

DC Comics

Titel: Batmans Marriage Trap

Autor/Zeichner: Frank Robbins/Irv Novick

Erschienen: 1969 (Batman #214)


„You can lead a batchelor to the altar–but you can’t make him say I do!“ (Batman)

Bei einem Schönheitswettbewerb ist Batman der Hauptgewinn. Während er mit der Schönheitskönigin tanzt, nutzt eine Bande Ganoven die Gunst der Stunde, um Gotham zu plündern. Doch das ist nur der Anfang. Ihr Anführer hat eine Idee: Er will Batman in die Ehe bringen, damit der Held zuhause bleibt und das Verbrechen seine Ruhe hat. Dazu lässt er seine schöne Komplizin Cleo eine Kampagne starten, um für Batmans Vermählung zu werben. Das Argument: Weil Batman der begehrteste Junggesselle Gothams ist, haben es die anderen Männer schwer, eine Frau zu finden.

Obwohl das Problem noch nie zuvor zur Sprache kam und auch niemand weiß, ob Batman nicht doch eine Frau hat, ist die Kampagne ein Erfolg: Schon bald protestiert auf der Straße ein Mob wütender Furien, die alle Mrs. Batman werden wollen. Selbst Batgirl schließt sich dem Haufen an (aber nur, um zu ermitteln). Cleo spielt die Retterin in der Not, um Batman für sich zu gewinnen.

Aber als Batman schließlich in eine Falle der Gauner gerät, um ermordet zu werden, schlägt sich Cleo wirklich auf seine Seite und gesteht ihm ihre Liebe. Und auch Batman gibt zu, dass er sich Hoffnungen gemacht habe, mit ihr eine gemeinsame Zukunft zu haben. Daraus wird leider nichts. Batman bleibt Batchelor.

Mehr zum Thema:

Joker: Batmans größter Fan

DC Comics

Titel: White Knight (dt. Der weiße Ritter)

Autor/Zeichner: Sean Murphy

Erschienen: 2017-2018 (Mini-Serie #1-8), Paperback 2018


Batman sitzt in Arkham, gefesselt in einer Zelle. Ein gewisser Mr. Napier sucht ihn auf und bittet ihn um seine Hilfe – es ist der ehemalige Joker. Wie konnte es dazu kommen? Ein Jahr zuvor wird der Joker durch ein geheimnisvolles Medikament vom Irrsinn geheilt, vom Gericht wird er freigesprochen und will dann als Jack Napier Stadtverordneter werden, um Gotham endlich vom Verbrechen zu befreien. Sein Vorwurf: Batman hat versagt, er richtet mehr Schaden an als er helfen sollte, und die Stadt und die Polizei haben zu lange dabei zugesehen. Jetzt soll Batman Teil der Polizei werden.

Aber meint es Napier wirklich ernst oder ist das nur ein Trick des Jokers? Harley Quinn gegenüber verhält er sich jedenfalls ganz anders als früher. Das kann sie gar nicht leiden. Da taucht aber plötzlich eine andere Harley auf – im alten Kostüm – und es stellt sich heraus, dass es zwei Harleys gibt. Die erste verdrängt die zweite, daraufhin wird diese zum Neo Joker und setzt sich zum Ziel, ihren Joker zurückzuholen. Währenddessen schart Napier eine Armee von Schurken um sich, die dank Mad Hatter und Clayface seinem Willen gehorchen.

Das ist nur der Anfang einer noch viel komplexeren Geschichte, die der Autor und Zeichner Sean Murphy hier entfaltet. White Knight spielt in einer eigenen Welt, die aber an vieles Vertraute erinnert. Murphy bedient sich hier stark in der Batman-Tradition, spickt seine Story mit zahllosen Verweisen. Der Name „Jack Napier“ stammt aus Tim Burtons Batman (The Animated Series hat ihn übernommen), die Idee des genesenen Jokers stammt aus Going Sane, wieder gibt es den Tod von Robin Jason Todd und mal wieder wird die Watchmen-Idee bemüht (die sich auch in Marvels Civil War zu finden ist), dass Superhelden einer staatlichen Kontrolle unterworfen werden sollen, besonders viele Anspielungen finden sich auf The Animated Series (z.B. die Folgen Almost Got ‚Im, The Ultimate Thrill und Over the Edge). Was auf den ersten Blick wirkt, wie überall dreist zusammengeklaut, ergibt ein zwar traditionsbewusstes, aber auch stimmiges Werk eigenen Rechts, das viele eigene Akzente setzt.

Murphy schafft es tatsächlich, den Joker zum Helden der Story zu machen, der ohne Albernheiten ein ernstzunehmendes Anliegen verfolgt. Bemerkenswert ist auch, dass der Joker trotz einer Vorgeschichte nichts von seiner Faszination einbüßt. Der Joker ist zunächst Batmans größter Fan. Man sieht ihn in seiner Zelle inmitten von Merchandising, Postern und Zeitungssauschnitten. Gleich zu Beginn bekennt er, Batman überlegen zu sein und sich bei ihm immer zurückgehalten zu haben, damit ihr Spiel zwischen den beiden immer weitergehen kann.

Als Napier ist er nicht Batmans Feind, sondern will ihn als Verbündeten gewinnen. Der Schurke will nicht siegen, er will einen Kompromiss – und Batman wird zum Schurken, weil er sich hartleibig gibt. Nicht nur darf der Joker Batman mal wieder den Spiegel vorhalten und dessen Konzept und Methoden infrage stellen, sondern auch Batman erscheint zweifelhaft in seinem radikalen Vorgehen. Am Ende sieht er selbst seine Fehler ein und lernt daraus. Das ist kühn – und in dieser Konsequenz besteht das wahrhaft Neue an dieser Story.

Mister Freeze spielt hier eine ganz neuartige Rolle als Batmans Verbündeter, Duke Thomas wird völlig neu erfunden, als ambige erwachsene Figur, die zwischen „der Straße“ und Napier vermittelt, Nightwing und Batgirl werden Teil einer Polizei-Spezialeinheit und schließlich gibt es mit beiden Harley Quinns auch starke Frauenfiguren, die für einige Überraschungen sorgen – und die Figur auch für Nicht-Fans erträglich machen. Ganz nebenbei dekonstruiert er Harley Quinn, indem er die neuere Entwicklung der Figur quasi annuliert und als Rückschritt für den Feminismus bezeichnen lässt.

Auch Sean Murphys Vorliebe für Autos wird hier deutlich. Nicht nur in den vielen spektakulären Verfolgungsjagden, und der Tatsache, dass Batman ständig Rennfahrer-Handschuhe trägt, sondern auch im Design des neuen Batmobils. Gleichzeitig verleiht er den berühmtesten Batmobilen prominente Gastauftritte, die kein Selbstzweck sind, sondern tatsächlich einen Sinn in der Story haben: Da fährt Adam Wests Batmobil neben dem Tumbler aus Christopher Nolans Dark Knight-Trilogie, wir sehen Michael Keatons Gefährt neben dem aus The Animated Series. Fans frohlocken.

Insgesamt erzählt White Knight eine ebenso fesselnde wie dynamisch gezeichnete Story, in der so ziemlich jeder Aspekt gut durchdacht ist, jede Figur interessant erscheint und die Handlung viele Überraschungen bietet. Das Verhältnis zwischen Dialog und Action ist ebenso im Gleichgewicht wie zwischen Tradition und Innovation. Damit ist White Knight ohne Zweifel das beste Batman-Comic seit Dark Night: A True Batman Story.

Für nächstes Jahr ist bereits eine Fortsetzung angekündigt: Curse of the White Knight. Darin soll auch Azrael vorkommen.

DC Comics

(Hinweis: Die deutsche Ausgabe erscheint im März 2019. )

Mehr zum Thema:

Jokers Junggesellenabschied für Batman

DC Comics

Titel: Preludes to the Wedding

Autor/Zeichner: Tim Seeley, Tom King/Clay Mann u.a.

Erschienen: 2018 (5 One-shots, DC Nation #0)


„Keep it simple.“ (Joker)

Batman und Catwoman wollen heiraten. Der Joker ist nicht eingeladen. Er ist beleidigt. Also läuft er Amok. Zuerst sucht er einen zufällig ausgewählten Mann heim und terrorisiert ihn. Diese ersten acht Seiten, geschrieben von Tom King und gezeichnet von Clay Mann, sind der größte Höhepunkt in Preludes to the Wedding. Hier gibt es Spannung und einiges zu lachen.

Danach hetzt der Joker vier Schurken auf Batman, indem er ihnen von der Hochzeit erzählt – und keiner ist von der Sache begeistert. Robin nimmt es mit seinem Großvater Ra’s al Ghul auf, Nightwing mit Hush, Batgirl mit Riddler und Red Hood mit Anarky. Wie immer geht es dabei um alte Wunden, die aufreißen. Um Enttäuschungen und Eifersucht. Jeder dieser Schurken hat eine persönliche Rechnung offen mit Batman.

Besonders persönlich wird es, wenn sich am Ende Harley Quinn den Joker vornimmt. Harley tut so, als wollte sie ihn umbringen, die Frage ist, ob sie ihn wirklich töten will, aber natürlich schafft er es, sich aus zwei Todesfallen zu befreien. Am Ende ist er der Sentimentale, der es nicht übers Herz bringt, seine alte Komplizin zu töten.

Preludes to the Wedding ist das Gegenstück zu den beiden Batman-Bänden Rules of Engagement und Bride or Burglar. Während da Batman, bevor er sich an Catwoman bindet, die Frauen in seinem Leben wiedertrifft, sind es hier die Männer, die noch einmal ihr Verhältnis zu Batman Revue passieren lassen.

Natürlich ist Joker der Eifersüchtigste von allen, denn zwischen ihm und Batman besteht schon immer eine ganz besondere Verbindung – und das nicht erst seit Frank Miller beide im Liebestunnel intim werden ließ. Im Grunde inszeniert der Joker hier einen Junggesellenabschied für seinen liebsten Feind, nur das der Bräutigam meist nicht anwesend ist. Es ist ein verkappter Akt der Liebe auf Umwegen, der daher tragischerweise unerwidert bleibt und schließlich damit endet, dass der Joker versucht, die Hochzeit zu sabotieren.

Tiefsinnigere Erkenntnisse bekommt man in diesen kurzweiligen Kapiteln zwar nicht, aber dafür solide Unterhaltung. Aber einmal überrascht Autor Tim Seeley dann doch, wenn er den eigentlichen Jungesellenabschied (Batman, Nightwing, Superman) in eine Dimension bringt, die von Gestalten bevölkert wird, die nur noch gesichtslose Schatten echter Menschen sind, lauter vertane Chancen aus unserer Welt. So viel Gesellschaftskritik bekommt hier nicht einmal Anarky hin.

>> Batman 2011-2019

Catwoman will Batman heiraten

Catwoman im Silver Age: Teil 2

Batman #197

DC Comics

Titel: The Catwoman Sets Her Claws For Batman

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Frank Springer

Erschienen: 1967 (Batman #197)


Als Catwoman nach 13 Jahren wieder in einer Batman-Comic-Serie auftaucht, hat sie nicht nur ein neues Kostüm, ganz grün und schuppig, sondern auch neue Ambitionen. Sie versucht sich erneut auf der guten Seite des Gesetzes und bekämpft Ganoven mit ihrer Peitsche. Batman und Robin wissen nicht, wie ihnen geschieht, ganz besonders dann nicht, als Catwoman ihnen aus der Klemme hilft. Sie hat es schon einmal ehrlich versucht (The Secret Life of the Catwoman) und ist gescheitert (The Crimes of the Catwoman). Ist ihr diesmal zu trauen?

Nein. Denn Catwoman hat keine edlen Absichten, sondern will nur Batman beeindrucken, damit er sie heiratet. Vielleicht liegt es an dieser etwas eigenwilligen Logik, dass Batman es selbst dann nicht versteht, als Catwoman alle Diskretion in den Wind schlägt und ihn fragt, wann er sich ihr anschließt und ihr einen Antrag macht. Batman sagt, er sei ganz zufrieden mit der Situation und sagt später zu Robin: „I don’t want to sound egoistical, Robin–but I’ve come to the conclusion that Catwoman is in love with me!“ Robin daraufhin: „Of course she is! Everybody knows that–but you!“ So viel zum besten Detektiv der Welt …

Catwoman hat aber noch ein anderes Problem: Batgirl. Selina ist eifersüchtig auf Barbara, dass sie Batman bei der Verbrechensbekämpfung hilft, und Catwoman versucht, sie in Misskredit zu bringen. Am Ende aber beweist Batgirl ihre Kompetenz, indem sie sich, Batman und Robin aus Catwomans Falle befreit und die Schurkin überwältigt.

Batgirl stellt zum Schluss unmissverständlich fest, dass sie kein romantisches Interesse an Batman habe. Catwoman bezweifelt das. Aber hätte sie das von Anfang an gewusst, meint Batman, dann wäre ihr die Mühe erspart geblieben. Das mit der Liebe hat er immer noch nicht verstanden …

>> Liste der Catwoman-Comics