Nach The Killing Joke war Batgirl Geschichte. Barbara Gordon wurde zur Hackerin und Informationsdienstleisterin Oracle. Elf Jahre lang war die Rolle der Batgirl nicht besetzt, bis 1999 in No Man’s Land zunächst Helena Bertinelli (Huntress) und später Cassandra Cain das Kostüm übernahmen. Dennoch gab es immer wieder Auftritte von Barbara als Batgirl, etwa bei der Zero Hour (1994) und einigen One-shots.
Batgirl
Wie Barbara Gordon zu Oracle wurde
Titel: A Little Knowledge/Oracle: Year One – Born of Hope
Autor/Zeichner: Scott Peterson, John Ostrander, Kim Yale/Brian Stelfreeze
Erschienen: 1994/1996 (Showcase ’94 #12, The Batman Chronicles #5), Hardcover 2013 (Batgirl: A Celebration of 50 Years) [nur Oracle: Year One]
Nach dem Anschlag des Jokers (The Killing Joke) begann Barbara Gordons zweite Karriere als Hackerin im Rollstuhl, Oracle. Ihren ersten Auftritt in der Funktion hatte sie bereits im Jahr darauf (Suicide Squad #23, 1989), wurde aber erst in Suicide Squad #38 (1990) als Barbara Gordon offenbart. In Sword of Azrael wurde sie in Batmans Welt eingeführt, wo sie seitdem als Informations- und Schaltzentrale für die Bat-Family diente.
In „A Little Knowledge“ (Showcase ’94 #12, 1994) wird Oracle von einem Unbekannten bedroht. Er nagelt eine tote Ratte an ihre Tür, ruft sie an und teilt ihr mit, sie zu beobachten, er schickt ihr eine blutige Nachricht, ruft wieder an – doch sie lässt sich nicht einschüchtern. Batman (Dick Grayson) bietet ihr Hilfe an, doch sie will allein mit dem Stalker fertig werden. Sie kann sich jedoch gut gegen die beiden Angreifer wehren, zunächst mit Fäusten, dann mit Eskrima-Stäben. Zum Schluss stellt sich heraus, dass Batman rechtzeitig da war, um ihr zu helfen, aber nicht eingegriffen hat, weil sie offenbar selbst zurechtkam. Für Barbara bleibt das Erfolgserlebnis, dass sie auch im Rollstuhl auf sich selbst aufpassen kann.
Die „letzte“ Batgirl-Story
Titel: The Last Batgirl Story
Autor/Zeichner: Cary Burkett, Barbara Kesel (Randall)/Don Newton, Barry Kitson
Erschienen: 1980/1988 (Detective Comics #491-492/Batgirl Special #1), Hardcover 2011/2017 (Tales of the Batman: Don Newton/Batgirl: A Celebration of 50 Years)
Nur einige Tage vor The Killing Joke erschien das Batgirl Special, das die „letzte“ Batgirl-Story sein sollte. Natürlich sind solche Ankündigungen mit Vorsicht zu genießen. In potenziell ewig fortlaufenden Geschichten ist naturgemäß selten etwas final. Interessanterweise weist darin einiges – absichtlich oder nicht – bereits auf die Zukunft von Barbara Gordon voraus.
Der Rat der Eulen im Animated Universe
Titel: Batman: The Adventures Continue Season Two
Autor/Zeichner: Alan Burnett, Paul Dini/Ty Templeton, Rick Burchett u.a.
Erschienen: 2021 (Miniserie #1-7), Paperback 2023
Bürgermeister Hamilton Hill fällt einen Attentat zum Opfer. Batman verbündet sich mit Deadman, um der Sache nachzugehen. Hinter dem Mord steckt der Rat der Eulen – der damit ins Animated-Universe einzieht. Wer jetzt aufgeregt ist, der sollte sich nicht zu früh freuen: Die Story ist hier nicht annähernd so spektakulär wie in Scott Snyders und Greg Capullos Storyline von 2011. Es ist eher eine Sparversion, gequetscht in zwei Ausgaben und pro Seite je zwei (ursprünglich digitale) Halbseiten: kaum Spielraum, keine Splash Pages – die Zeichnungen kommen da kaum zur Geltung. Würde da nicht Boston Brand ständig lustige Sprüche klopfen, wäre es kaum der Rede wert.
Öder Alltag in Wayne Manor
Titel: Batman: Wayne Family Adventures Vol. 1
Autorin/Zeichner: CRC Payne/StarBite
Erschienen: 2021 (Digital, WebToon), Paperback 2023
Seit 2021 (seit 2022 auf Deutsch) bringt Webtoon die Wayne Family Adventures heraus, eine digitale Comicserie im Smartphone-Format. Die Serie war sogar als bester Webcomic für den Eisner Award nominiert. Nun ist der erste Sammelband als Trade Paperback erschienen. Zunächst fällt auf, dass hier etwas auf Papier gedruckt wurde, was überhaupt nicht dafür gedacht war. Ein paar verstreute Panels pro Seite und dazwischen viel leerer Raum sind die Regel. Man merkt, wie sich die Layouter hier richtig ins Zeug gelegt haben, das Format zu übertragen – und sie sind trotzdem gescheitert.
Harley Quinn schreibt ein Buch
Titel: Mightier Than the Sword/Masks of Love: A Harley Quinn Romance
Autor/Zeichner: Ty Templeton/Rick Burchett, Craig Rousseau
Erschienen: 1999 (Batman: Gotham Adventures #10/14)
Harley Quinn wird aus Arkham entlassen. Sie gilt als geheilt. Nun will sie ein Buch über ihre Beziehung mit dem Joker schreiben. Als dieser das aus den Nachrichten erfährt, ist er außer sich und bricht mit Hilfe von Poison Ivys Wunderbohnen aus.
Derweil wird Harley von ihrem Verleger in einem Hotel untergebracht, in dem sie ungestört an ihrem Buch schreiben kann. (Darin ist bereits auch ein anderer gefährdeter Autor, ein gewisser Mr. Rushdie, untergebracht.)
Nightwing und Robin bewachen sie, sie hält es nicht für nötig, doch da steht schon der Joker auf ihrem Dach. Kurz darauf stellt er fest: Harley schreibt gar keine Autobiographie, sondern einen Liebesroman über eine Kriminelle, die sich in einen maskierten Verbrechensbekämpfer namens Owlman verliebt. Der Joker tobt – und Harley bekommt ihr Misery-Finale …
Two-Face an einem schlechten Tag
Titel: Batman: One Bad Day – Two Face
Autorin/Zeichner: Mariko Tamaki/Javier Fernandez
Erschienen: 2022 (One-shot)
„I hate it when villains aren’t just villains.“ (Batgirl)
Es geht weiter in der Reihe der schlechten Tage nach dem Vorbild von The Killing Joke, nach dem Riddler ist diesmal Two-Face dran. Dieser bekommt zu Beginn eine zweite Chance. Zugegeben: Es ist nicht die erste zweite Chance und Bürgermeister Nakano glaubt nicht an zweite Chancen, aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund gibt er dem Mann mit den zwei Hälften, dem Massenmörder mit der gespaltenen Persönlichkeit trotzdem eine und macht ihn wieder zum Bezirksstaatsanwalt – und das obwohl sich Harvey Dent nicht mal das Gesicht wiederherstellen lässt. Aber all das scheint Nakano (der Superschurken eigentlich hasst wie Superhelden) nichts auszumachen, vielleicht weil er (verzeiht den schlechten Scherz) auf einem Auge blind ist …
Wie dem auch sei: Kurz darauf erhält Two-Face einen Drohbrief. Sein Vater, Harvey Dent Senior, soll bei der Feier seines 88. Geburtstags sterben. Harvey Junior bittet Batman um Hilfe, der schaltet seine Batgirls ein, um das Schlimmste zu verhindern. Auch die Polizei beschützt die illustre Gesellschaft, zu der sogar Bruce Wayne eingeladen ist.
Warner Bros. streicht Batgirl-Film
Es fiel bereits auf, dass es bei der San Diego Comic-Con keinen Trailer zum neuen Batgirl-Film gab, obwohl er Ende des Jahres auf HBO Max herauskommen sollte. Nun wissen ihr auch warum: Warner Bros. hat (wie The Hollywood Reporter berichtet) das Projekt gestoppt, der Film wird nicht gezeigt, weder auf HBO Max noch sonstwo – und das obwohl die Dreharbeiten beendet sind.
Offiziell heißt es, man habe eine strategische Kehrtwende vollzogen, man wolle Kosten sparen und sich mehr auf Kinofilme konzentrieren statt auf exklusive Streaminginhalte, auch andere Projekte wurden im Zuge dessen gestrichen, wie Wonder Twins. Doch anscheinend fiel die Resonanz bei Testscreenings schwach aus. Und so hat man sich entschlossen, kein Geld mehr in diesen bereits 90 Millionen US-Dollar teuren Film zu stecken.
Robins Weihnachten mit Scarecrow und Mr. Freeze


Batman als Hugger. (DC Comics)

Batman und Robin wünschen frohe Weihnachten. (DC Comics)
Nightwing als Scrooge
In derselben Ausgabe gibt es noch eine Weihnachtsgeschichte mit Nightwing: „The Bats of Christmas Past“. Der hat an Heiligabend zunächst damit zu tun, die Last-Minute-Geschenkekäufer davon abzuhalten, sich gegenseitig abzustechen. Dann taucht Scarecrow mit seinen Schergen auf und verbreitet noch mehr Angst. Barbara Gordon will, dass er endlich aufhört, den Helden zu spielen und mit ihr Weihnachten feiert. Unter dem Einfluss von Angstgas halluziniert Nightwing dann drei Batgirls, die ihn besuchen und ihm die Weihachten von damals, heute und morgen vorführen, um ihm eine Lehre zu erteilen … Muss ich noch weitererzählen? Werden die Menschen jemals müde, diese Geschichte wieder zu erzählen, in immer neuen Variationen? Allein zweimal gibt es sie schon für Batman (Haunted Knight und Noel). Na gut, jetzt wird eben auch Nightwing bekehrt. Nicht gerade ein Scrooge-Charakter und die Dringlichkeit scheint mir hier auch nicht geboten, aber okay, wir nehmen es mal so zur Kenntnis. Moral: In Dicks Zukunftsvision ist er tot, gestorben im Kampf an Weihnachten und seitdem zieht die Batman-Familie jedes Jahr an dem Tag in den Krieg gegen das Verbrechen. Das darf natürlich nicht sein. Doch wer hält Scarecrow auf? Wozu hat man Freunde …Robin und Mister Freeze
Und dann ist da dieses Jahr noch eine dritte Weihnachtsgeschichte: „Window Shopping“ in der Anthologie Tis the Season to be Freezin. Schon wieder Robin, schon wieder Tim, aber ein anderer, diesmal der aus Batman TAS. Auch er geht auf den letzten Drücker Geschenke kaufen – für Bruce. Was schenkt man einem, der alles hat, nichts braucht? Zufällig wird Tim schnell fündig im Schaufenster eines Spielzeugladens, da kommt ihm Mister Freeze in die Quere, der mit einer dicken Eiskanone herumballert und ihm den Laden zufriert.
Robin gegen Mister Freeze (DC Comics)

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Wonder Woman und Batgirl lieben Batman

DC Comics
Titel: Batman & Wonder Woman & Batgirl: In the Coils of Copperhead
Autor/Zeichner: Bob Haney/Bob Brown
Erschienen: 1968 (The Brave and the Bold #78), Paperback 2018 (Batman in The Brave & the Bold: The Bronze Age Vol. 1)
Als Ende der 60er die Batmania tobte – oder bereits abflaute – wurde The Brave and the Bold zu einer Serie mit Batman-Team-ups. Nach illustren Gestalten wie Plastic Man und Atom bekommt Batman nicht nur erstmals in der Serie eine weibliche Kampfgefährtin zur Seite gestellt, sondern gleich zwei von der Sorte: Wonder Woman und Batgirl! Warum ich das betone? Nun, weil es der Autor selbst heraushebt, als wäre es etwas Besonderes. Der Subtext liest sich so: Wenn schon eine Frau, dann müssen schon zwei her, um mit den Männern mitzuhalten.
Vielleicht liegt es daran, dass der Gegner eine Schlange ist – und das ging in der Menschheitsgeschichte bekanntlich von Anfang an nie gut. Aber jetzt gibt es eben Double Trouble. Die Schlange ist Copperhead, ein Mann im Vipernkostüm, der einer Königin (von was wird nicht gesagt) die Tiara klaut. Commissioner Gordon ist ziemlich sauer, dass Batman ihn hat entwischen lassen. Also überlegt der Held haarscharf, wo Copperhead als nächstes zuschlagen könnte: wahrscheinlich will er Montezumas Helm. Gut geraten.

Wonder Woman lässt es alle Welt wissen: Sie liebt Batman. (DC Comics)
Doch zwei Tage später tauchen die Frauen auf und machen alles komplizierter. Wonder Woman fliegt über Gotham und schreibt mit Rauch „I LOVE BATMAN“ in die Luft. Kurz darauf erscheint Batgirl und macht darauf „ONLY I LOVE BATMAN – BATGIRL“ draus. Es beginnt der Kampf der Liebestollen. Batman muss mit dem Whirlybat dazwischengehen und dann sogar Batgirl vor einem Sturz retten. Die beiden benehmen sich wie zwei verrückte Waschweiber.

Wonder Woman setzt Batman ein Denkmal aus Gold. (DC Comics)
Batman erteilt beiden eine Abfuhr: „We’d make an incongruous pair!“, sagt er zu Wonder Woman, und zu Batgirl: „It wouldn’t be a match!“ Dessen völlig ungeachtet beginnt ein Wettbewerb um Batmans Gunst – die Presse schaut zu. Wonder Woman schleppt Schätze heran, Batgirl schenkt ihm ein pinkes Batmobil, Wonder Woman fertigt eine Batman-Statue in Überlebensgröße aus Gold an, Batgirl schenkt ihm ein neues Cape. Beide kaufen ihm einen mit Diamanten besetzten Allzweckgürtel.

Fataler Kuss: Wonder Woman entbrennt für Batman. (DC Comics)
Derweil geht Copperhead einkaufen, ohne zu bezahlen: im Museum. Batman wird sofort alarmiert, er eilt hin, aber da ist die Schlange schon weg, ohne den Helm gestohlen zu haben. Da wird klar: Das ganze Theater mit den Heldinnen war bloß inszeniert, um den Dieb in falsche Sicherheit zu wiegen. Zurück bei den Frauen, geht der Wahnsinn wieder von vorn los – und zwar schlimmer als zuvor. Denn als Wonder Woman Batman küsst, entbrennt sie wirklich in Liebe für ihn und Batgirl wird eifersüchtig. Sie lassen ihn nicht mehr weg. Copperhead nutzt seine Chance und klaut Montezumas Helm.
Während die Frauen weiterkämpfen, hört der Schurke, dass Batgirl ihre Geheimidentität und die von Wonder Woman irgendwo aufgeschrieben hat. Er eilt zum Versteck, WW folgt ihm, vernichtet die Beweise, dann betäubt er sie mit Schlangengift, später knockt er auch Batgirl aus. Batman wird im Kampf ebenfalls vergiftet, er kann gerade noch so den Gegner ausschalten. Dann rettet Batgirl ihrem Geliebten mit einem Gegengift das Leben.
Die Sache mit der Liebe haben sich die beiden Furien auf der letzten Seite anscheinend aus dem Kopf geschlagen. Als die Arbeit getan ist, düsen sie ab und bieten noch ihre Hilfe für weitere Abenteuer an. Aber Batman sagt höflich: „I know, but I’ll call you, girls — don’t you call me!“
Die Frauen haben sich also mit dieser peinlichen Aktion wenigstens halb bewährt. Den Bechdel-Test haben sie nicht bestanden.







