John Ostrander

Rummelplatz des Grauens

Batman: Gotham Nights Vol. 2 #1-4 (DC Comics)

Titel: Batman – Gotham Nights II

Autor/Zeichner: John Ostrander/Mary Mitchell

Erschienen: 1995 (Miniserie #1-4)


Im Vergnügungspark Little Paris, der auf einer künstlichen Insel vor Gotham liegt, entgleist eine Achterbahn und stürzt ins Meer. Zwölf Menschen sterben, zwölf werden schwer verletzt. Batman, der den Fall undercover mit Schlapphut und Trenchcoat (ja, über dem Kostüm!) untersucht, geht von Sabotage aus.

Um den Park weiter betreiben zu können, muss Inhaber Frank Dunker die Stadtverwaltung bestechen, statt das Geld in nötige Reparaturen zu stecken. Er hat ohnehin Geldsorgen, weil der Park immer weniger Menschen anzieht – die Glanzzeit von Little Paris ist längst vorbei. Kurz darauf stürzt eine Gondel vom Riesenrad ab. Will sich da etwa jemand für alte Sünden rächen?

Wie schon in der ersten Gotham Nights-Miniserie stehen auch hier die normalen Menschen im Vordergrund: Vor allem geht es um Familien und ihre Sorgen, in einer Nebenhandlung bandelt eine junge Frau gleichzeitig mit einem Latino und einem schwarzen Künstler an, was zu Eifersüchteleien führt. Auch der Soap-Faktor ist wieder hoch. Doch anders als beim ersten Mal ist der Personenkreis deutlich enger gefasst und auf Menschen beschränkt, die mit dem Park zu tun haben. Außerdem steht hier der Kriminalfall im Zentrum und Batman hält sich zwar im Hintergrund, bleibt aber ständig präsent, um den Fall zu lösen.

Leider löst er sich so gut wie von selbst, indem der Täter sich schon früh selbst zu erkennen gibt und den ganzen Rummelplatz abfackelt. Dadurch tritt im vierten Teil aber wieder das Drama in der Vordergrund: die Familien, die in Gefahr geraten, die Beziehungen. Der Vater rettet die Tochter, der Sohn den Vater – oder sie versuchen es zumindest. Denn das letzte Wort hat auch hier immer Batman.

Damit ist Gotham Nights II leider deutlich schwächer als der erste Teil. Auch die Zeichnungen von Mary Mitchell wirken sperriger und weniger elegant. Viel wird nach dieser Lektüre nicht im Gedächtnis haften bleiben.

>> Batman 1990-1999

Das Ego des Pinguins

DC Comics

Titel: Penguin Trimphant

Autor/Zeichner: John Ostrander/Joe Staton

Erschienen: 1992 (One-shot)


Der Pinguin verkündet, dem Verbrechen abzuschwören und kommt aus dem Knast. Aber natürlich ist das nur eine Masche für ein neues Verbrechen: Er findet einen Weg, Aktienkurse zu manipulieren und zwingt einen ehemaligen Schulkameraden, den Unternehmer Randall Holmes, dazu, für ihn krumme Geschäfte zu machen. Außerdem soll er ihn in die High Society einführen.

In einer Rückblende wird erzählt, wie der Pinguin als Kind von Holmes gemobbt wurde und wie er sich dafür mit einem angespitzten Regenschirm dafür rächte. Später erfahren wir, dass der Pinguin als Jugendlicher das schönste Mädchen der Schule, Bethany Wilcox, dafür bezahlt hat, mit ihm zu einem Ball zu gehen. Dieses Mädchen ist jetzt eine Frau, die reich geworden ist, indem sie die richtigen Männer geheiratet hat. Obwohl sie Geld wie Heu hat, lässt sie sich vom Pinguin bezahlen, wieder seine Begleitung zu sein – bei einer Party bei Bruce Wayne.

Der Pinguin will Wayne Manor kaufen. Bruce lehnt ab, Pinguin droht ihm, daraufhin lässt Bruce ihn bei sich wohnen. Wahrscheinlich nach dem Motto „keep your enemies closer“. Bethany spioniert Pinguins Passwort für Holmes aus, Holmes will Pinguin ermorden lassen, aber da kommt ihm Batman in die Quere.

Auch wenn der Protagonist der Story der Pinguin ist und wir etwas über seine Ursprünge und Sehnsüchte erfahren, bleibt er so unsympathisch wie der Rest der Geschichte. Batmans Motivation leuchtet nicht wirklich ein. Der Schurke ist kein missverstandenes Wesen, sondern ein zutiefst durchtriebener und ruchloser Charakter. Er will keine Liebe, sondern sich nur beweisen. Batman gesteht zumindest Robin gegenüber ein, dass sein Feind klüger sei als er. Am Ende jedoch wird er sentimental, als er feststellt, dass der Pinguin wahrscheinlich nirgendwo richtig hingehöre. Aber der Pinguin scheint in seiner Gefängniszelle nicht zu leiden, sondern träumt sich nur in Fantasien weg, in denen er ein gutaussehender und charmanter Gauner im alten England ist …

>> Liste der Pinguin-Comics