Joe Staton

Das Ego des Pinguins

DC Comics

Titel: Penguin Trimphant

Autor/Zeichner: John Ostrander/Joe Staton

Erschienen: 1992 (One-shot)


Der Pinguin verkündet, dem Verbrechen abzuschwören und kommt aus dem Knast. Aber natürlich ist das nur eine Masche für ein neues Verbrechen: Er findet einen Weg, Aktienkurse zu manipulieren und zwingt einen ehemaligen Schulkameraden, den Unternehmer Randall Holmes, dazu, für ihn krumme Geschäfte zu machen. Außerdem soll er ihn in die High Society einführen.

In einer Rückblende wird erzählt, wie der Pinguin als Kind von Holmes gemobbt wurde und wie er sich dafür mit einem angespitzten Regenschirm dafür rächte. Später erfahren wir, dass der Pinguin als Jugendlicher das schönste Mädchen der Schule, Bethany Wilcox, dafür bezahlt hat, mit ihm zu einem Ball zu gehen. Dieses Mädchen ist jetzt eine Frau, die reich geworden ist, indem sie die richtigen Männer geheiratet hat. Obwohl sie Geld wie Heu hat, lässt sie sich vom Pinguin bezahlen, wieder seine Begleitung zu sein – bei einer Party bei Bruce Wayne.

Der Pinguin will Wayne Manor kaufen. Bruce lehnt ab, Pinguin droht ihm, daraufhin lässt Bruce ihn bei sich wohnen. Wahrscheinlich nach dem Motto „keep your enemies closer“. Bethany spioniert Pinguins Passwort für Holmes aus, Holmes will Pinguin ermorden lassen, aber da kommt ihm Batman in die Quere.

Auch wenn der Protagonist der Story der Pinguin ist und wir etwas über seine Ursprünge und Sehnsüchte erfahren, bleibt er so unsympathisch wie der Rest der Geschichte. Batmans Motivation leuchtet nicht wirklich ein. Der Schurke ist kein missverstandenes Wesen, sondern ein zutiefst durchtriebener und ruchloser Charakter. Er will keine Liebe, sondern sich nur beweisen. Batman gesteht zumindest Robin gegenüber ein, dass sein Feind klüger sei als er. Am Ende jedoch wird er sentimental, als er feststellt, dass der Pinguin wahrscheinlich nirgendwo richtig hingehöre. Aber der Pinguin scheint in seiner Gefängniszelle nicht zu leiden, sondern träumt sich nur in Fantasien weg, in denen er ein gutaussehender und charmanter Gauner im alten England ist …

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Batman und Catwoman: Die zweite Hochzeit

DC Comics

Titel: The Autobiography of Bruce Wayne!

Autor/Zeichner: Alan Brennert/Joe Staton

Erschienen: 1983 (The Brave and the Bold #197)


Nach der ersten Hochzeit von Bruce Wayne und Selina Kyle im Jahr 1977 wurde sechs Jahre später eine alternative Story erzählt, in der Batman und Catwoman zueinander finden. Allerdings spielt auch diese nur auf Erde II, der Parallelwelt des Golden Age.

Als Bruce Wayne zu Gast ist bei der Hochzeit seiner Freundin Linda Page, gerät er ins Grübeln: Er hat das Versteckspiel als Bruce Wayne satt. Die Playboy-Fassade hat ihm sämtliche Frauen vergrault, die ihn hätten glücklich machen können. Er sieht sich festgefahren. Seine einzigen Freunde sind nur die, die er als Batman hat.

Da schlägt Scarecrow zu. Die Gäste geraten in Panik, sehen Spinnen, Käfer und Schlangen. Als Bruce zu Batman wird, sieht er Linda, Robin und Batwoman verschwinden. Die Illusion wirkt ungeachtet der Tatsachen, auch Alfred verschwindet aus Wayne Manor. Batman sieht nur noch eine, die ihm gegen Scarecrow helfen kann: eine alte Gegnerin – Catwoman.

Selina Kyle hat ihre Amnesie überwunden und büßt für ihre Taten im Knast. Batman bietet ihr Bewährung an, aber sie zieht das Kostüm nur widerwillig wieder an. Wie er sie aus dem Gefängnis bekommt, bleibt offen. Sofort macht sich Catwoman nützlich: Gegen einen weiß angemalten Löwen und später indem sie Batman verarztet. Man kommt sich näher: Sie sieht die Narben auf seinem Rücken, Batman erzählt ihr von seinem Kindheitstrauma.

Selina erzählt ihm ihre Geschichte: Das mit der Amnesie war nur eine Lüge. In Wahrheit war sie vor ihrer Karriere als The Cat unglücklich verheiratet. Der Mann war reich, aber hat sie misshandelt. Nach der Scheidung rähte sie sich, indem sie seinen Safe plünderte. Das gab ihr so viel Genugtuung, dass sie weitermachte. Die Story mit der Amnesie hat sie nur erzählt, weil sie das Leben als Catwoman satt hatte und eine Familie gründen wollte.

Selina will Batman davon überzeugen, dass er nur einer Halluzination anheim gefallen ist, und dass er selbst sein größter Feind ist. Nach dem Tod seiner Eltern habe er sich eine Welt voll Konflikte geschaffen, um nie wieder jemanden an sich heranzulassen. Als auch Selina zu verschwinden droht, legt sie ihre Maske ab, dann macht Bruce es ihr nach. Bald darauf heiraten sie und leben 20 Jahre zusammen.

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Vom Wahnsinn befreit

DC Comics

DC Comics

Titel: Going Sane

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis/Joe Staton

Erschienen: 1994/1995 (Legends of the Dark Knight #65-68), Paperback 2008


„If there’s no Batman to drive crazy, then what’s the point of being crazy?“ (Joker)

„You’re as crazy as I am.“ (Joker)

Hätten Batman und Joker nicht einander – sie wären wohl glücklich verheiratet. Das ist die These von Going Sane. Sie brauchen aber einander. Der Held braucht den Schurken, um sich zu beweisen, und ebenso ist es andersum. Der Joker braucht ein Publikum, einen, an dem er sich abarbeiten kann. Und als Batman nach einer Konfrontation mit dem Joker scheinbar stirbt, und das Publikum plötzlich fehlt, beschließt der Joker plötzlich, ein normales bürgerliches Leben zu führen: er nimmt eine gesündere Hautfarbe an und legt sich den Namen Joseph Kerr zu und er verliebt sich in eine Frau, die die Liebe sogar erwidert.

Klar geht das nicht lange gut. Nicht nur, weil der Joker seinen Wahnsinn nicht einfach so ablegen kann. Sondern auch, weil Batman natürlich nicht tot ist. Er wird von einer Frau gefunden und gesund gepflegt: Lazarus nennt sie ihn. Und wie ein Auferstandener kommt er wieder zu Kräften und sucht seinen Erzfeind. Dank der offensichtlichen Wahl des Decknamens Joseph Kerr findet er ihn schnell. Und kaum ist Batman wieder da, fällt der Geläuterte wieder in den Wahnsinn zurück – mit allem drum und dran.

Die Story hat eine interessante Prämisse, aber ist etwas holzhammermäßig ausgeführt. (Frage am Rande: Warum zerschlägt Batman ständig Dinge?) Vor allem leidet die Geschichte an den sperrigen, manchmal karikaturenhaft überzeichneten Zeichnungen und verwirrenden Seitenstrukturen. Ein talentierterer Künstler hätte mehr herausholen können. Was aber gut gelingt ist, das Abhängigkeitsverhältnis der beiden Antagonisten ausführlich darzustellen. Wir bekommen einen der seltenen Einblicke in Jokers Gedankenwelt – und die sind sehr aufschlussreich:

„He’s a bigger clown than I am. Thinks the world can be stacked and folded and filed! Thinks there’s logic and meaning and order! No matter how many times he slips on a banana peel, he never sees the humor! Never gets the joke! It’s so infuriating! I hate him! Oh, I suppose I should be grateful! After all — he does provide me with my greatest audience! My greatest challenge!“

Der Joker erscheint als Komiker, der seine größte Herausforderung darin sieht, Batman zum Lachen zu bringen (vgl. Return of the Joker). Aber Batman findet den Joker nicht witzig, ihm fehlt auch jeglicher Humor. In der Regel. Denn wie man am Ende von The Killing Joke (1988) gesehen hat, konnte der Joker wenigstens einmal sein Ziel erreichen. Aber das ist die Ausnahme in der Tragödie dieser ganz besonderen Beziehung. Es hat einen Grund, warum sie beide keine (dauerhafte) Partnerin finden: sie sind bereits aneinander vergeben (vgl. The Dark Knight Returns).

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Batman, der Fascho

DC Comics

DC Comics

Titel: The Tyrant

Autor/Zeichner: Alan Grant/Tom Raney, Joe Staton

Erschienen: 1994 (Shadow of the Bat Annual #2)


„Funny how we start off with such good intentions, yet somehow end up mired in terror and fear.“ (Batman)

Dass der Weg zur Hölle bekanntlich mit guten Vorsätzen gepflastert ist, kann man in dieser Geschichte sehen: Seit Batman vor zwei Jahren vom Joker öffentlich demaskiert wurde, wurde der Vigilant zum Volkshelden und stieg zum Herrscher von Gotham empor. Batman bei Nacht, Bruce Wayne bei Tag – eine Schreckensherrschaft, deren oberstes Ziel die Verbrechensbekämpfung ist. Denn zusammen mit Doktor Jonathan Crane (hier einmal nicht Scarecrow) hält der Tyrann die Verbrechensrate gering, indem er das Trinkwasser mit Drogen versetzt. Als die beiden daraufhin planen, die Stadt mit einer noch stärkeren Substanz zu vergasen, die alle Menschen mit „kriminellen Tendenzen“ außer Gefecht setzt, regt sich Widerstand: Die klassischen Batman-Schurken planen ein Attentat auf Batman – angeführt vom jugendlichen Revoluzzer Anarky.

Es ist schade, dass The Tyrant keine aufwendigere Aufmachung oder mehr Seiten bekommen hat, denn das Elseworlds-Setting, das Alan Grant entwirft, wäre es wert gewesen, weiter ausgebreitet zu werden. Dass Batmans Kreuzzug in letzter Konsequenz Faschismus bedeutet, ist eine kühne Vision, die hier sehr einnehmend inszeniert wird. Batman ist zwar ein autoritärer Herrscher, aber auch ein Zweifler, der sich nach den richtigen Methoden fragt und schockiert ist, als er von James Gordon als Faschist beschimpft wird. Da ist es folgerichtig, die Story als Tragödie enden zu lassen. Leider aber kommt das eigentliche Finale überstürzt, hier hätte man sich mehr Platz für Dramaturgie gewünscht. So bleibt The Tyrant zwar ein herausragendes Was-wäre-wenn-Szenario, aber ein viel zu kurzes.

Eine ähnliche, aber nicht ganz so gelungene Dystopie entwirft I, Joker. Wen der politische Aspekt besonders interessiert, sollte die Anarky-Storys lesen. In Frank Millers All-Star Batman wird der Held erneut zum faschistoiden Tyrannen.

Batman nach Orson Welles

Batman: Citizen Wayne

Titel: Citizen Wayne

Autor/Zeichner: Mark Waid & Brian Augustyn/Joe Staton

Erschienen: 1994 (Legends of the Dark Knight Annual #4; Paperback: Superman/Batman: Alternate Histories, 1996)


„If the city’s freedom is regained by someone outside the law, the freedom is worthless.“ (Bruce Wayne)

Was wäre wenn … Orson Welles Batman verfilmt hätte? Dann hätte Bruce Wayne nur seinen Vater bei dem Überfall verloren, wäre wohl Zeitungsverleger geworden und hätte das organisierte Verbrechen mit den aufklärerischen Mitteln der Pressefreiheit bekämpft. Und es wäre sein bester Freund, der Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent, der zu drastischeren Methoden gegriffen hätte.

Das ist die Prämisse der Elseworlds-Story Citizen Wayne, die an Orson Welles‘ Filmklassiker Citizen Kane von 1941 angelehnt ist. Doch hier geht es nicht um die Frage, wer oder was „Rosebud“ ist, sondern darum, was dazu geführt hat, dass Wayne und Dent bei einem gleichzeitigen Sturz vom Dach umgekommen sind. Ähnlich wie bei Welles geht ein Unbekannter der Frage nach, ein zunächst namenloser Assistant District Attorney. Damit gleichen nur das Erzählverfahren und der Stil dem Film. Schwarze Schatten bestimmen die Seiten und die Figuren wirken überaus lebendig, auch wenn die Herren in ihren Anzügen mit ihren überaus breiten Schultern wie Kleiderschränke aussehen.

Citizen Wayne erzählt die Geschichte einer Freundschaft, die beim Kampf gegen das Verbrechen zerrieben wird. Ein Mann verliert seine Existenz und wird zum selbsternannten Rächer jenseits des Gesetzes, der zum Mörder wird, während ein anderer zu seinen Idealen steht. Am Ende kommt es zu einem Duell zwischen Batman und Bruce Wayne in Samurai-Rüstung. Die Autoren verstehen es, die Problematik zwischen Recht und Unrecht auszuloten und dabei das Scheitern der Freundschaft als Tragödie glaubhaft zu machen. Außerdem sieht Batman mit seiner goldenen Maske und dem an Polizei- und Soldaten-Uniformen angelehnten Kostüm ziemlich cool aus. Ein bemerkenswertes Stück alternativer Geschichte – und eine gelungene Hommage an die Filmkunst der 40er.