Mini-Serie

Magische Superwesen und wo sie zu finden sind

Batman Damned (Hardcover)

DC Comics

Titel: Batman Damned

Autor/Zeichner: Brian Azzarello/Lee Bermejo

Erschienen: 2018-2019 (Mini-Serie #1-3), Hardcover 2019, dt. Panini 2019


In meinem Batman-Regal überragt es alle anderen Comics. Zum Auftakt seines Black Labels spendiert DC seinen Lesern für Batman Damned ein Überformat. So viel sind Lee Bermejos Prachtgemälde allemal wert. Und auch die 30 US-Dollar, die der Sammelband kostet. Wie schon bei früheren Arbeiten hat auch hier wieder Brian Azzarello (Joker, Batman/Deathblow, Luthor) den Text dazu beigetragen. Das stört etwas die Augenweide, die die Bilder darstellen. Aber gut, wenn er schon mal da ist, kann man ihn auch lesen.

Batman liegt mit einer Bauchwunde im Rettungswagen, dem Tode nah. Als ein Sanitäter ihm die Maske aufschneiden will, kommt Batman zu sich und flieht. John Constantine findet ihn in einer Gasse, nimmt ihn mit zu sich nach Hause und pflegt ihn gesund. Dort erfährt Batman: der Joker ist tot. Wie ist das passiert?

Hier könnte die Detektiv-Handlung einsetzen. Aber stattdessen lässt Azzarello seinen Batman durch ein Horror-Szenario irren, bei dem er auf Justice League Dark-Charaktere wie Deadman, Spectre, Etrigan, Swamp Thing und Zatanna treffen. Eine besondere Rolle spielt Enchantress, die ihn schon als Jungen heimgesucht hat. Statt zu ermitteln, versucht Batman eher zu begreifen, was überhaupt los ist. Die anderen aber sind nur wenig erhellend, helfen ihm aber gerne aus der Patsche, in die er immer wieder gerät.

Batman Damned #1

Batman im Krankenwagen (DC Comics)

Nein, Batman stellt sich hier sogar sehr dumm an. Dümmer als es sein müsste. Wie er sich von Harley Quinn übertölpeln lässt, geht über naiv hinaus. Der Kluge soll hier John Constantine sein, der die Geschichte mit einem altklugen, mäandernd-assoziierenden Redefluss erzählt. Man weiß nicht so richtig, worauf er hinaus will, man kann nur zwischendrin die wilde Abfolge von popkulturellen Zitaten abhaken, die dann auf Dauer ziemlich ermüdet.

Viel interessanter ist es, dass andere nervige Schwätzer in überraschender Form auftauchen: Spectre als Obdachloser, Etrigan als Rapper, Deadman trägt statt eines roten Kostüms nur seinen gehäuteten Körper zur Schau. Und dann wird auch noch die Geschichte der Waynes mit Ehebruch gewürzt. Eine der stärksten Sequenzen zeigt, wie der junge Bruce eine Spielzeugpistole auf seine Mutter abfeuert – und es gleich darauf bereut.

Am Ende fordert Constantine Batman auf, endlich seine Vergangenheit loszulassen und konfrontiert ihn zugleich mit einem dunklen Abgrund. Dann überrascht Batman Damed doch mit einer interessanten Wendung und es wird deutlich, dass die Geschichte nicht für sich steht, sondern unmittelbar an Azzarellos und Bermejos Joker (2008) anknüpft. Das rettet die Story, aber es hätte dafür all die Überfrachtung mit magischen Superwesen (und wo sie zu finden sind), nicht gebraucht.

Für all diese narrativen Wirren findet Lee Bermejo wunderbar alptraumhafte Bilder, die aus einem guten Horrorfilm stammen könnten. Hyperrealistisch und zugleich wie durch einen Schleier hindurch. Als Fan kommt man auf seine Kosten. Batman und Co. erscheinen hier so, wie es sein sollte: larger than life.

Batman Damned #2

Gotham City in Batman Damned (DC Comics)

Und was sagen die Fans? Bei Amazon regen sie sich über Zensur auf, weil darin Batmans Penis fehlt. Sie zahlen 30 Dollar oder Euro, um Batmans Gemächt in Übergröße zu sehen – und dann das: ein schwarzer Schatten in Batmans Schritt. Na sowas! Ja, DCs Selbstzensur und der vorauseilende Gehorsam sind schrecklich. Wo bleibt da die Kunstfreiheit? Entweder ist das feige oder eine gut kalkulierte Marketing-Masche – in jedem Fall erbärmlich. Vor allem, wenn offenbar niemand ein Problem damit hatte, dass in der Geschichte ständig „fuck“ gesagt und eine Jesus-Figur mit einem Joker-Grinsen entstellt wird. Batman Damned ist eben was für Erwachsene – allerdings nur für verklemmte Amerikaner.

Aber: Ist das mit Batmans bestes Stück wirklich so wichtig? Ihr wollt es trotzdem sehen, schon aus Prinzip? Na gut, hier ist es noch mal in seiner ganzen schattigen Pracht:

Bruce Wayne nackt in Batman Damned (DC Comics)

Bruce Wayne nackt in Batman Damned (DC Comics)

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Der schlechteste aller Batmen

Titel: The Batman Who Laughs (dt. Der Batman, der lacht)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Jock

Erschienen: 2018-2019 (The Batman Who Laughs #1-7, The Batman Who Laughs: The Grim Knight #1), Hardcover 2019, dt. Panini 2019


„I am the worst Batman of all.“ (Batman)

Was von dem Batman-Event Dark Nights: Metal in Erinnerung geblieben ist, ist vor allem eine Figur: The Batman Who Laughs. Der Grund liegt auf der Hand. Es handelt sich um einen bösen Batman, der zum Joker mutiert ist. Mit seiner Lederkluft und dem Reif mit Metallspitzen auf dem Kopf ist er so richtig schön evil, dass man vergisst zu fragen, wie er mit der stacheligen Augenbinde überhaupt etwas sehen kann.

Egal. Scott Snyders Erfindung ist so beliebt, dass er ihm eine Miniserie gewidmet hat. Und auch im Event Year of the Villain und in der neuen Batman/Superman-Serie wird er wieder als Schurke auftauchen. Aber zurück zur Miniserie. Hier bringt er zunächst Batman an dessen Grenzen.

Es beginnt damit, dass Batman Bruce Waynes Leiche findet. Ein älterer, anderer Bruce Wayne, aber definitiv dieselbe DNA. Und es tauchen noch mehr auf – allesamt Bruce Waynes aus Paralleluniversen. Dahinter steckt The Batman Who Laughs. Er will in Gotham ein Notfallsystem übernehmen, mit dem man im Notfall über das Trinkwasser mit einem Gegenmittel versorgen kann. Damit will er die Bewohner von Gotham in die bösesten Versionen ihrer selbst verwandeln – und die Stadt zu dem machen, was sie seiner Meinung nach schon immer bestimmt war.

Der grinsende Schurke tötet zunächst den Joker. Dadurch wird ein Gift freigesetzt, durch das Batman sich in den Joker verwandelt. Und dann hat The Batman Who Laughs auch noch Verstärkung mitgebracht: the Grim Knight, eine mörderische Version von Batman, die um den Gebrauch von Schusswaffen nicht verlegen ist.

Scott Snyder kann’s nicht lassen. Nach 52 Ausgaben Batman, dann noch Batman Eternal, sollte das Metal-Event das Finale seines Epos werden, das er mit Greg Capullo über Jahre erzählt hat. Aber hier legt er nicht nur eine Fortsetzung vor, sondern kehrt mit Zeichner Jock auch ganz zurück zu seinem Anfang, nämlich The Black Mirror. Hier lässt er James Gordon Jr. wieder eine tragende Rolle spielen. Der ist nämlich dank Drogen und Fußfessel auf dem Weg zur Rehabilitation vom psychopathischen Mörder zum guten Bürger. Zusammen mit seinem Vater legt er sich mit dem Grim Knight ein, aber der Senior ist nach wie vor skeptisch, was den Fortschritt seines Sohnes angeht. (Dabei lässt Batman Beyond grüßen.)

Das alles zusammen ist wie immer ziemlich viel Stoff. Wie gewohnt entwickelt Snyder seine Story mit vielen überraschenden Wendungen und schafft es so, über sieben Kapitel, die Spannung immer höher zu schrauben. Das macht nicht immer nur Spaß. Es ist ein anspruchsvolles und voraussetzungsreiches Comic, man sollte das alles kennen, worauf sich Snyder hier bezieht. Und es ist auch – wie üblich – ein wortreiches. Wie viel der Schurke von sich gibt, um Batman zu erklären, ermüdet gegen Ende sehr. Und wenn alles gesagt ist, muss in einem sehr langem Epilog noch jeder angerissene Gedanke zu Ende gedacht werden, in aller Ausführlichkeit. (Immerhin wird dabei auch erklärt, wie und was er durch den Metallreif sehen kann.)

Wie so oft retten die Zeichnungen über Längen hinweg. Jock, der für seinen schmutzigen, unruhigen und sperrigen Stil bekannt ist, steigert den Horror, den er so gut beherrscht, hier noch mehr. Sein Batman Who Laughs erscheint im Finale wahrhaft schrecklich. Und dann ist da noch ein One-Shot zum Grim Knight, der sehr eindrücklich von Eduardo Risso (Broken City, Dark Night) inszeniert wird – mit vielen Zitaten aus Frank Millers und David Mazzucchellis Year One. Interessant ist zu sehen, wie der kleine Bruce Wayne nach der Ermordung seiner Eltern selbst Joe Chills Waffe aufhebt und eine Karriere als Rächer á la Punisher beginnt.

Nein, Batman kommt nach 80 Jahren wohl nicht mehr heraus aus der Zitate-Hölle. Moderne Storys scheinen nur noch ein Remix von Referenzen zu sein. Und davon handelt auch The Batman Who Laughs. Denn der Schurke holt ständig andere Bruce Wayne-Versionen heran, um dem Batman dieser Welt zu zeigen, dass er der schlechteste aller Batmen ist. Der Held stimmt ihm sogar zu. Am Ende steht aber die Erkenntnis: Selbst der schlechteste Batman ist immer noch besser als der beste Schurke. Mit anderen Worten: Besser als nix. Batman erweist sich dann sogar als so gut, dass er sogar das Joker-Gift aus sich selbst heraus besiegen kann. Aber seine lange Tradition wird Batman wohl nie mehr aus seinem Kreislauf bekommen.

Die Story geht weiter in Batman/Superman. Und in dem Dreiteiler Last Knight on Earth wollen Snyder und Capullo wirklich ihr letztes Wort zu Batman gesprochen haben …

Die Scarecrow-Therapie

Batman Kings of Fear

DC Comics

Titel: Batman: Kings of Fear (dt. König der Angst)

Autor/Zeichner: Scott Peterson/Kelley Jones

Erschienen: 2018-2019 (Mini-Serie #1-6), Hardcover 2019 (dt. Panini 2019)


„I never should have become the Batman.“

Es ist das alte Spiel: Batman schnappt den Joker, bringt ihn nach Arkham und dort macht ihm eine Therapeutin Vorwürfe: Batman sei mitverantwortlich für all die kriminellen Verrückten. Durch ihn fühlen sie sich bestätigt. Dann sind plötzlich alle klassischen Schurken befreit. Batman verdrischt sie im Dunkeln. Nur Scarecrow bleibt am Ende stehen, entführt einen Arkham-Pfleger. Als ihn Batman auf der Flucht einholt, wird er mit einem neuen Angst-Gas traktiert.

Weil Scarecrow findet, dass Batman ernsthafte Probleme hat, beginnt eine Art Therapie. Batman soll ihm erzählen, was ihn bewegt, wie er geworden ist. Batman kann Realität und Halluzination nicht mehr unterscheiden. Er wird mit seinen größten Dämonen konfrontiert. Dann analysiert ihn Scarecrow und zeigt ihm, wie Gotham ohne Batman geworden wäre – nämlich ein besserer Ort. Seine größten Feinde wären nützliche Mitglieder der Gesellschaft. Kurz: Batman ist ein Irrtum …

Batman: Kings of Fear

DC Comics

Kings of Fear erzählt mehr eine innere Handlung als eine äußere. Wir lesen überwiegend Dialog über Selbstdiagnosen. Batman wird mal wieder hinterfragt und dekonstruiert. Seit den 80ern kommt das nicht aus der Mode. Tatsächlich erinnert das Konzept sehr an Grant Morrisons Arkham Asylum (1989) und Scarecrow durfte Batman bereits in Cycle of Violence (2012) analysieren. Die Spannung hält sich in Grenzen. Und als die Scarecrow-Handlung beendet ist, kommt noch ein viel zu langer Epilog, in Gordon und Alfred und eine Ärztin Batman versichern, warum er doch gebraucht wird. Alle paar Jahre braucht DC offenbar so eine Geschichte, auch wenn man das Gefühl hat, das schon zu oft gelesen zu haben.

Aber zum Glück sind da noch die wie immer schaurigen Zeichnungen von Altmeister Kelley Jones (Red Rain, Gotham After Midnight). Der scheint im Alter immer besser zu werden. Seine Albträume sind reiner Horror, niemand zeichnet Schurken monströser als er, gerade Scarecrow gelingt ihm auf jeder Seite sehr lebendig – und selbst Batman wirkt gruselig. Zugleich zeichnet Jones die Gesichter der Menschen viel realistischer, also weniger karikaturenhaft als in den 90ern. Zusammen mit einer breiten, leuchtenden Farbpalette können sich die tuschelastigen Zeichnungen zu einem psychedelischen Erlebnis entfalten.

Zusammen mit dem Text von Scott Peterson (ein früherer DC-Redakteur) entsteht zwar überdurchschnittlich intelligente Unterhaltung, aber eben keine innovative. Wer sich noch nicht an kritischen Batman-Analysen sattgelesen hat und eine Pause von der Action braucht, der wird hier seine Freude haben. Ansonst ist Kings of Fear aber vor allem ganz große visuelle Kunst.

>> Liste der Scarecrow-Comics

Man-Bat im Blutrausch

Titel: Man-Bat – The Return

Autor/Zeichner: Bruce Jones/Mike Huddleston

Erschienen: 2006 (Man-Bat #1-5), Paperback 2018 (Tales of the Man-Bat)


Ein junges Paar wird in einer Höhle abgeschlachtet. Dann zwei Polizisten. Dann noch eine alte Frau in ihrem Zuhause. Francine Langstrom hat den bösen Verdacht, dass ihr Mann Kirk es getan haben könnte – als Man-Bat. Doch der behauptet, sich nicht erinnern zu können.

Die Langstroms haben mittlerweile zwei Kinder: Eine Tochter und einen Sohn, der dauerhaft nach Fledermausmensch aussieht. Doch das Familienglück endet drastisch, als Kirk eines Nachts feststellt, dass Frau und Kinder brutal ermordet wurden – wahrscheinlich von ihm selbst, ohne sein Bewusstsein.

Kirk versucht, sich umzubringen, aber daraus wird nichts. Die Bestie in ihm lässt sich nicht töten. Weitere Menschen sterben. Als Batman den Fall untersucht, kommen ihm Zweifel, dass Man-Bat hinter allem steckt. Denn es tauchen auch Hush, Black Mask und Murmur auf.

Bei aller Drastik wird Langstrom auffallend schnell damit fertig, dass er seine Familie getötet hat. Obwohl sich die Geschichte über fünf Ausgaben erstreckt, bleibt für den Charakter nicht wirklich Raum, sich zu entwickeln, denn Autor Bruce Jones musste noch Hush und Black Mask unterbringen, um die Story komplizierter zu machen als nötig. Das führt dazu, dass bei diesen Intrigen im Hintergrund die Hauptfigur zu kurz kommt.

Höhepunkt: Batman versucht, den Mann in Man-Bat zu wecken, er entledigt sich dazu sogar seiner Maske, seines Kostüms und seines Allzweckgürtels. Und dann wird es spannend, denn Batman geht dabei fast drauf. Kirk landet daraufhin in der Bathöhle. Ansonsten wird mehr auf Gemetzel gesetzt als auf eine spannende Story.

Mike Huddleston zeichnet in einem dynamischen Stil zwischen Mike Mignola und The Animated Series, besonders bemerkenswert sind aber seine episch und höchst dramatisch gemalten Cover. Das ist aber auch schon das Beste, was man über diesen dritten Versuch sagen kann, Man-Bat zum Protagonisten einer eigenen Serie zu machen.

>> Liste der Man-Bat-Comics

Neal Adams auf Irrfahrt

batman odyssey

DC Comics

Titel: Batman: Odyssey (dt. Odyssee)

Autor/Zeichner: Neal Adams

Erschienen: 2010-2012 (Batman Odyssey Vol. 1 #1-6, Vol. 2 #1-7) Paperback 2012; dt. Panini 2011-2012 (DC Premium #76/80), Eaglemoss 2016 (2 Bde.)


„You’re acting very mysterious … and weird.“ (Robin)

Batman erzählt Robin eine Geschichte und weiht ihn in ein Geheimnis ein: Am Anfang seiner Karriere hat er noch Pistolen benutzt. Nicht, um zu töten, sondern nur zur Selbstverteidigung. Oder um Leute zu erschrecken, wenn es nötig war. Aber als er auf einem fahrenden Zug einen Terroristen gegenüberstand, der viele Menschen töten wollte, wollte er ihn tatsächlich umbringen – fürs Gemeinwohl. Aber dann kam ihm jemand dazwischen …

Jahre später scheint sich Batman auch nicht viel weiter entwickelt zu haben. Als er ein falscher Riddler unabsichtlich ein Mädchen erschießt, rastet Batman aus und will ihn umbringen – und das obwohl sein Batarang die Waffe in die falsche Richtung gelenkt hat. Gordon versucht ihn davon abzuhalten, aber dann erweist sich das Mädchen doch nicht als tot.

Aber das ist nur ein Teil der Geschichte. Denn in Neal Adams‘ Odyssey passiert so viel, dass man nur schwer folgen kann. Da gibt es einen Man-Bat in der Bathöhle, der offenbar süchtig nach seinem Serum ist, ein falscher Riddler versucht, Dinosaurier-Modelle von Ra’s al Ghul zu stehlen, Talia erscheint und behauptet, Bruce schon als Kind gekannt zu haben, weil Ra’s al Ghul ein Geschäftspartner von Thomas Wayne gewesen sein soll, Ubu wird zu Man-Bat. Ein Neandertaler im Batman-Kostüm taucht aus dem Nichts auf, nur um daraufhin ohne Erklärung wieder zu verschwinden, kurz danach erscheint auch Aquaman und lässt Ubu von einem großen Manta-Rochen töten, dann doch nicht … Der Joker läuft (zusammen mit Doppelgängern?) Amok in einem Museum, wird von Deadman in Besitz genommen und besucht mit Batman Arkham, wo er auf die gesamte Rogues Gallery und den Sensei trifft – und das ist nur die erste Hälfte.

Was zum Teufel ist hier los? Und vor allem: Was ist mit Batman los? Der benimmt sich, wenn er nicht gerade wild um sich ballert oder jemanden umbringen will, wie ein Idiot. Immer wieder fällt er mit seiner allzu flapsigen Sprache aus der Rolle: Robin nennt er „boy blunder“, sein fliegendes Batmobil hält er für „James Bond cubed“, zu Alfred sagt er „Go to hell, you freak“, immer wieder beschimpft er andere als „jerk“ oder „stupid idiot“, ohne um Tautologien verlegen zu sein. Wenn er die Nerven verliert, wiederholt er sich wie ein Kind: „I hate hate hate the breath in your lungs …“ In der Rahmenhandlung erweist er sich als sehr geschwätzig, viele Sprechblasen sind zum Beispiel seinem Kaffee gewidmet.

Es ist nicht klar, was Neal Adams mit seinem Batman will. Soll das eine Parodie sein oder eine Hommage an Adam West? Versucht er sich daran, Batman zu dekonstruieren, wie es Frank Miller immer wieder getan hat? Tatsächlich erinnert diese Geschichte an die umstrittene Serie All-Star Batman and Robin, the Boy-Wonder von Miller und Jim Lee. Auch darin spricht und handelt Batman nicht so, wie man es von ihm kennt – ganz im Gegenteil, aber das hat System. Hier aber soll manches wohl witzig sein, andere ist unfreiwillig komisch. Die Story kränkelt daran, dass sich die Ereignisse überstürzen und man sich zu lange fragen muss: Was soll das Ganze? Die Handlung wirkt chaotisch, die Motivation der Figuren schwer nachvollziehbar. Auch als Ra’s al Ghul mittendrin alles erklärt, wird es nicht viel klarer und die Geschichte verliert sich in einem Kampf mit Neandertalern und Dinos im Erdinnern.

Neal Adams ist ein ziemlich unbeholfener und undisziplinierter Autor. Weder Dramaturgie noch Dialoge überzeugen. Ein weiteres Problem ist, dass er zu viele Figuren und Nebenhandlungen in diese Geschichte packt. Gerade das Erdinnere hat es ihm angetan, selbst ägyptische Götter haben dort Zuflucht gefunden. Doch auch als Zeichner hat Adams schon bessere Tage gesehen, hier sind die Gesichter manchmal so überzeichnet, dass sie wie Karikaturen aussehen, andere wirken entstellt.

Es gibt nur wenige gute Batman-Comics, viele sind Durchschnitt, die schlechten sind meist einfach nur langweilig. Aber Batman Odyssey ist einfach nur schwer erträglich. Eine Zumutung auf über 330 Seiten. Vor diesem Hintergrund besteht für Neal Adams nächste Mini-Serie, Batman vs. Ra’s al Ghul, kein Grund zur Vorfreude.

Grundkurs Batman

Titel: The Untold Legend of the Batman

Autor/Zeichner: Len Wein/Jim Aparo, John Byrne

Erschienen: 1980 (Mini-Serie #1-3), Paperback 1992, Hardcover 2014 (Tales of the Batman: Len Wein); dt.


Vor Year One und Zero Year, gab es bereits eine Mini-Serie über Batmans Origin, die 40 Jahre Batman-Geschichte in drei Ausgaben zusammenfasste: The Untold Legend of the Batman.

Batman bekommt Post: ein zerrissenes Fledermauskostüm, dazu eine Drohung. Das Kostüm hat einst Bruce Waynes Vater, Thomas Wayne, bei einem Ball getragen – und war so der erste Batman. Während des Balls wurde er vom Gangster Lew Moxon enführt, der ihn daraufhin zwingen wollte, ihm eine Kugel aus dem Körper zu holen. Doch Thomas leistete Widerstand, entkam und brachte mit seiner Aussage Moxon in den Knast. Kurz darauf wurde er mit seiner Frau vom Auftragskiller Joe Chill erschossen. Der junge Bruce Wayne versuchte zunächst als Robin sein Glück als Verbrechensbekämpfer, bevor er sich zum Detektiv ausbilden lässt und zu Batman wurde. Später fliegt das Batmobil in die Luft. Batman hat keine Ahnung, wer dahinterstecken könnte, bis er darauf kommt, dass es jemand aus seiner Nähe sein muss …

Die Geschichte, die in The Untold Legend of the Batman erzählt wird, ist zum größten Teil nicht neu. Vielmehr versammelt Autor Len Wein verschiedene, darunter auch zum Teil wenig bekannte Aspekte von Batmans Vor- und Frühgeschichte, die vor allem in den 50ern näher beleuchtet wurde. Für Neuleser wird die Mini-Serie zu einer Art Grundkurs: Neben den Ursprüngen von Batman bekommt der Leser einen Abriss von Robin, Alfred, Joker, Two-Face, Commissioner Gordon und Batgirl. Und man erfährt, wer das Batmobil gebaut hat. Da einiges davon durch die Crisis annulliert worden ist, dürfte einiges davon heutigen Lesern nicht mehr präsent sein. Aber das Meiste davon ist es schon und das alles (wieder) zu lesen, ist auf Dauer etwas ermüdend, da die Handlung ständig durch Rückblenden unterbrochen wird.

Interessant ist aber vor allem die Rahmenhandlung, besonders am Ende. Die Auflösung – ACHTUNG SPOILER: Bruce Wayne selbst will Batman auslöschen, weil dieser ihm um sein bürgerliches Leben gebracht hat. Durch einen Kopfstoß bei einer Explosion wurde Batman vorübergehend in zwei Persönlichkeiten gespalten und paranoid und sein Alter Ego kämpft gegen ihn an.

Nacherzählt werden unter anderem diese Geschichten aus dem Golden und Silver Age:

Bane und Talia: It’s a match!

Titel: Bane of the Demon

Autor/Zeichner: Graham Nolan/Chuck Dixon

Erschienen: 1998 (Mini-Serie #1-4), Paperback 2012 (Batman versus Bane), 2018 (Batman: Legacy Vol. 2); dt. Dino 1998 (Batman Sonderband 4: „Bane II“), Panini 2013 (Batman gegen Bane)


„You may just be the second most dangerous man alive. Which is why you are the perfect mate for my daughter.“ (Ra’s al Ghul)

Bane will rausfinden, wer sein Vater ist. Er lässt sich in seine alte Heimat Santa Prisca bringen und Leichen pflastern seinen Weg. Ein alter blinder Jesuit verrät ihm, dass vier Kandidaten für die Vaterschaft in Frage kommen, einer davon ein ominöser Schweizer. Bane bedankt sich mit einem schnellen Tod. In Rom nennt ihm ein Geistlicher den Orden von St. Dumas und die Spur führt Bane nach Singapur. Dort trifft er in einem Hochhaus auf Talia al Ghul, Ubu und die League of Assassins, die ein altes Buch stehlen.

Zuerst will Talia alle in dem Gebäude umbringen lassen, aber nachdem sie Bane überwältigt hat, nimmt sie ihn mit zu ihrem Vater. Ra’s al Ghul will (mal wieder) die Menschheit mit einem Virus auslöschen, dafür braucht er neben dem Buch noch eine andere Schrift. Bane hilft ihm dabei, hat aber eine eigene Agenda: Er will Ra’s um seine Lazarusgrube bringen.

Bane bandelt mit Talia an, sie gibt sich zunächst gefügig, doch bleibt dann ihrer Borderline-Persönlichkeit treu, und weist ihn später als Partner ab. Und dann wird klar, woher sie diese Eigenschaft her hat: Ra’s überlässt ihn zuerst einem langsamen Tod in einem brunnenartigen Kerker (aber da zu überleben ist natürlich Banes Spezialität), aber nach einem Schwertduell macht er Bane wieder zu seinem Verbündeten und will ihn mit Talia zusammenbringen, weil er Bane für den perfekten Partner hält (nach Batman natürlich).

Bane of the Demon dient als Verbindungsstück zwischen den Storylines Contagion (Die Seuche) und Legacy (Der Fluch). Es erzählt die Allianz zwischen Ra’s und Bane – aber sinnvoll motiviert wird sie nicht. Wie so oft ist die Story bestimmt von einem Hin und Her von Entscheidungen, das von einem Auf und Ab von Launen angetrieben wird. Bane wird zwar als sehr schlaues Kerlchen dargestellt, das sogar ein würdiger Schachpartner für Ra’s ist, aber zugleich ein geradezu zwanghafter Killer, der alles, wirklich alles tötet, was seinen Weg auch nur kreuzt. Naja, bis auf Ra’s und Talia natürlich. Und Talia wiederum schickt besonders gerne ihre eigenen Leute wegen Nichtigkeiten in den befohlenen Freitod. Da haben sich also ein paar Gleichgesinnte gefunden. Aber besonderen Spaß macht diese sinnlose Gewaltorgie nicht – man stumpft ab. Wären da nicht die wie immer sehr eleganten Zeichnungen von Graham Nolan, wäre die Mini-Serie entbehrlich. (Batman kommt darin übrigens nicht vor – obwohl er auf dem Cover von Teil 4 zu sehen ist.)

DC Comics

Die ganze Sache zwischen Bane und Ra’s al Ghul hat nach Legacy noch ein Nachspiel: im One-shot Batman: Bane (1997) – ein Comic, das so einfallslos wie sein Titel ist. Kaum ist Bane von Batman besiegt und treibt im Meer herum, kapert er ein Schiff mit einem Nuklear-Reaktor und erpresst Gotham um zwei Millionen Dollar – und die Freilassung von Gefangenen. Immer noch hofft er darauf, Gotham und Batman zu zerstören und so die Gunst seines Meisters zu finden (allerdings ist nicht klar, wie er den Anschlag überleben soll, wenn er das Schiff hochgehen lässt). Ums kurz zu machen: Batman, Robin und Nightwing verhindern das. Ein wirklich unnötiger Epilog.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics
>> Liste der Bane-Comics

Rache an Ra’s

Titel: League of Batmen

Autor/Zeichner: Doug Moench/Mark Bright

Erschienen: 2001 (Zweiteiler)


Nachdem der Batman der Zukunft (Tallant, Sohn von Bruce und Talia) die Brotherhood of the Bat von Ra’s al Ghul besiegt hat, baut er sich eine eigene League of Batmen auf. Die bunte Truppe reist um die Welt, um einen Impfstoff gegen die Seuche zu verteilen, die die Menschheit fast ausgerottet hat. Doch Ra’s al Ghul schickt eine Armee von Robotern los, um die Batmen zu töten. Für Tallant hat er sich was ganz Besonderes ausgedacht: Einen bösen Klon von Bruce Wayne.

Als dieser dämonische Batman Talia ermordet, fliegt die Truppe nach Mexiko, um sich an Ra’s zu rächen und seine neuesten Weltzerstörungspläne zu vereiteln. Denn Ra’s will mittels einer aufgepimpten Lazarusgrube endgültig unsterblich werden, dabei soll allerdings die Menschheit draufgehen. Durch die ganzen Wiederbelebungen hat Ra’s spitze Ohren, Klingonenstirn und Schuppenhaut bekommen und sieht dämonischer denn je aus.

Schon der erste Teil hat nicht überzeugt, von der Fortsetzung war auch nicht mehr zu erwarten, und auf dem Niveau bewährter Mittelmäßigkeit dümpelt auch dieser Zweiteiler vor sich hin. Pathetische Reden, lauter Klischees und ein durchschnittlicher Zeichenstil taugen lediglich für eine Lektüre, durch die man hirnlos durchrauschen kann.

Zu lachen gibt es höchstens etwas, wenn es unfreiwillig komisch wird: In einer Sequenz lässt sich der böse Attentäter von seinem Mord an Batman von einer Bande ablenken, die ihm das Fahrzeug klauen will. Die Erklärung: Er wurde darauf trainiert, zu handeln, ohne zu denken – nicht unbedingt die beste Eigenschaft. Als er Talia töten soll, fängt er plötzlich doch zu grübeln an, und trifft auch noch den falschen Schluss. Und als dann Tallant die Leiche seine Mutter sieht, schlägt er wütend auf den Mörder ein – rätselhafterweise nur auf die Brust, während ein vernünftiger Batman eher auf das Gesicht oder verwundbarere Körperteile zielen würde. Aber egal, wie gesagt: Ohne große Ansprüche erfüllt die Story ihren Zweck als Zeitvertreib.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Im Land der ewigen Jugend

DC Comics

Titel: The Brave and the Bold: Batman and Wonder Woman

Autor/Zeichner: Liam Sharp

Erschienen: 2018 (Mini-Serie #1-6), Hardcover 2018


Batman und Wonder Woman – das bedeutet meistens ein Ausflug in das Reich der Magie. In diesem Fall ist es sogar das Reich der Fantasy, genauer gesagt: das Reich der irisch-keltischen Mythologie. Während in der Anderswelt Tír na nÓg (Land der ewigen Jugend) Unruhe herrscht, werden die Bewohner des irischen Viertels in Gotham von einem mysteriösen Bann in einer Starre gehalten. Das gehörnte Fabelwesen Cernunnos holt Wonder Woman herbei, um Frieden zu stiften. Doch als der König des Reiches scheinbar ermordet wird, soll Batman das Verbrechen aufklären, damit nicht alles noch schlimmer wird.

Was an dieser Mini-Serie am meisten beeindruckt, sind die Zeichnungen von Liam Sharp. Er ist nicht nur außerordentlich detailliert und lebendig, sondern auch sehr verspielt. In seinen Splash Pages wimmelt es nur so vor Einzelheiten, die man beim genauen Hinsehen entdecken und bewundern kann. Jede Figur, jede Landschaft ist so sehr mit Hingabe gestaltet, dass sie einzigartig und glaubwürdig wirkt.

DC Comics

Doch leider ist da auch der Text. Zugegeben: Ich bin kein großer Fan von Fantasy (mit Ausnahme von Herr der Ringe und Harry Potter, aber nur als Filme), aber Batman hat noch nie wirklich in diese Welten gepasst, er wirkt wie ein Fremdkörper und hat nicht viel Handlungsspielraum. Hier aber gestaltet sich die Handlung zäh durch zu viele Erklärungen und Nacherzählungen. Das Problem ist, dass man anders keinen Begriff dieser eigenen Welt bekommt.

Nach der langen Einführung gibt es zwar eine überraschende Wendung, dann aber geht das Finale plötzlich sehr schnell und viel zu einfach vorbei. Doch am Ende wird klar: Das war nur der erste Teil. Die Fortsetzung werde ich allerdings nicht lesen. Da helfen auch die prächtigsten Zeichnungen nichts.

Batgirls Feuertaufe

Titel: Batgirl – Year One (dt. Batgirl: Das erste Jahr)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Scott Beatty/Marcos Martin

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-9) Paperback 2003/2013 (Batgirl/Robin Year One); dt. Panini 2004, Eaglemoss 2015


36 Jahre nach dem ersten Auftritt von Barbara Gordon als Batgirl gab es sie nicht mehr. Nach dem Angriff des Joker war sie nur noch als Orakel aktiv – vom Rollstuhl aus versorgte sie Batman und andere Helden mit Informationen. Weil damit eigentlich eine beliebte Figur verschwendet wurde, erzählte man ihre Entstehungsgeschichte noch einmal und zwar ausführlich.

Das Team von Robin: Year One verwendet dabei Elemente aus den frühesten Storys aus dem Jahr 1967. Wieder näht sich Batgirl ihr Kostüm zu einem Maskenball der Polizei und trifft auf Killer Moth. Allerdings wird sie nicht auf dem Weg dorthin aufgehalten, sondern kommt dort an und muss feststellen, dass nicht Bruce Wayne, sondern ihr Vater James Gordon entführt werden soll.

Barbara Gordon wird zur Heldin wider Willen – und findet Gefallen daran. Batman ist natürlich gar nicht begeistert. Trotzdem führt er sie (mit Augenbinde) in die Bathöhle (ebenfalls schon in den 60ern vorgekommen) und lässt ihr über Robin trotzdem einige Gadgets und ein Motorrad geben. Allerdings nur, damit sie endlich zur Vernunft kommt und das Ganze wieder sein lässt. Das ist eine seltsame Methode, denn man kann sich leicht denken, dass eine professionelle Ausrüstung erst recht die Lust bei ihr weckt, als Vigilantin weiterzumachen.

Wir sehen Barbara bei den ersten Gehversuchen als Superheldin zu. Und was bei Batman und Robin funktioniert hat, bewährt sich auch hier. Barbaras Fehler und Naivität lassen sie menschlich und sympathisch erscheinen. Ihr Charakter erinnert an die Darstellung aus Batman: The Animated Series. Die Story mit Killer Moth bildet den roten Faden der Handlung. Er erpresst hier keine Reichen, sondern bietet Gangstern Schutz vor Batman an. Dabei verbündet er sich mit dem Pyromanen Firefly, einer abgründig-fiesen Figur. Batgirl sucht Hilfe bei Black Canary.

Einen großen Anteil daran, dass der Comic funktioniert, ist Marcos Martin (The Private Eye, Barrier) zu verdanken. Er hat einen dynamischen und klaren Stil, bei dem kein Strich zu viel ist. Zuweilen erinnert er an den Animated-Style, wie er in den Comics adaptiert wurde. Starker Ausdruck und ungewöhnliche Perspektiven, dazu knallige Farben machen Batgirl: Year One zu einem Fest fürs Auge. Aber auch sonst ist der Band jedem zu empfehlen, der kein Batgirl-Fan ist. (Allerdings nur im Original, die deutsche Übersetzung ist zum Teil furchtbar.)

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