Mini-Serie

Im Land der ewigen Jugend

DC Comics

Titel: The Brave and the Bold: Batman and Wonder Woman

Autor/Zeichner: Liam Sharp

Erschienen: 2018 (Mini-Serie #1-6), Hardcover 2018


Batman und Wonder Woman – das bedeutet meistens ein Ausflug in das Reich der Magie. In diesem Fall ist es sogar das Reich der Fantasy, genauer gesagt: das Reich der irisch-keltischen Mythologie. Während in der Anderswelt Tír na nÓg (Land der ewigen Jugend) Unruhe herrscht, werden die Bewohner des irischen Viertels in Gotham von einem mysteriösen Bann in einer Starre gehalten. Das gehörnte Fabelwesen Cernunnos holt Wonder Woman herbei, um Frieden zu stiften. Doch als der König des Reiches scheinbar ermordet wird, soll Batman das Verbrechen aufklären, damit nicht alles noch schlimmer wird.

Was an dieser Mini-Serie am meisten beeindruckt, sind die Zeichnungen von Liam Sharp. Er ist nicht nur außerordentlich detailliert und lebendig, sondern auch sehr verspielt. In seinen Splash Pages wimmelt es nur so vor Einzelheiten, die man beim genauen Hinsehen entdecken und bewundern kann. Jede Figur, jede Landschaft ist so sehr mit Hingabe gestaltet, dass sie einzigartig und glaubwürdig wirkt.

DC Comics

Doch leider ist da auch der Text. Zugegeben: Ich bin kein großer Fan von Fantasy (mit Ausnahme von Herr der Ringe und Harry Potter, aber nur als Filme), aber Batman hat noch nie wirklich in diese Welten gepasst, er wirkt wie ein Fremdkörper und hat nicht viel Handlungsspielraum. Hier aber gestaltet sich die Handlung zäh durch zu viele Erklärungen und Nacherzählungen. Das Problem ist, dass man anders keinen Begriff dieser eigenen Welt bekommt.

Nach der langen Einführung gibt es zwar eine überraschende Wendung, dann aber geht das Finale plötzlich sehr schnell und viel zu einfach vorbei. Doch am Ende wird klar: Das war nur der erste Teil. Die Fortsetzung werde ich allerdings nicht lesen. Da helfen auch die prächtigsten Zeichnungen nichts.

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Batgirls Feuertaufe

Titel: Batgirl – Year One (dt. Batgirl: Das erste Jahr)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Scott Beatty/Marcos Martin

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-9) Paperback 2003/2013 (Batgirl/Robin Year One); dt. Panini 2004, Eaglemoss 2015


36 Jahre nach dem ersten Auftritt von Barbara Gordon als Batgirl gab es sie nicht mehr. Nach dem Angriff des Joker war sie nur noch als Orakel aktiv – vom Rollstuhl aus versorgte sie Batman und andere Helden mit Informationen. Weil damit eigentlich eine beliebte Figur verschwendet wurde, erzählte man ihre Entstehungsgeschichte noch einmal und zwar ausführlich.

Das Team von Robin: Year One verwendet dabei Elemente aus den frühesten Storys aus dem Jahr 1967. Wieder näht sich Batgirl ihr Kostüm zu einem Maskenball der Polizei und trifft auf Killer Moth. Allerdings wird sie nicht auf dem Weg dorthin aufgehalten, sondern kommt dort an und muss feststellen, dass nicht Bruce Wayne, sondern ihr Vater James Gordon entführt werden soll.

Barbara Gordon wird zur Heldin wider Willen – und findet Gefallen daran. Batman ist natürlich gar nicht begeistert. Trotzdem führt er sie (mit Augenbinde) in die Bathöhle (ebenfalls schon in den 60ern vorgekommen) und lässt ihr über Robin trotzdem einige Gadgets und ein Motorrad geben. Allerdings nur, damit sie endlich zur Vernunft kommt und das Ganze wieder sein lässt. Das ist eine seltsame Methode, denn man kann sich leicht denken, dass eine professionelle Ausrüstung erst recht die Lust bei ihr weckt, als Vigilantin weiterzumachen.

Wir sehen Barbara bei den ersten Gehversuchen als Superheldin zu. Und was bei Batman und Robin funktioniert hat, bewährt sich auch hier. Barbaras Fehler und Naivität lassen sie menschlich und sympathisch erscheinen. Ihr Charakter erinnert an die Darstellung aus Batman: The Animated Series. Die Story mit Killer Moth bildet den roten Faden der Handlung. Er erpresst hier keine Reichen, sondern bietet Gangstern Schutz vor Batman an. Dabei verbündet er sich mit dem Pyromanen Firefly, einer abgründig-fiesen Figur. Batgirl sucht Hilfe bei Black Canary.

Einen großen Anteil daran, dass der Comic funktioniert, ist Marcos Martin (The Private Eye, Barrier) zu verdanken. Er hat einen dynamischen und klaren Stil, bei dem kein Strich zu viel ist. Zuweilen erinnert er an den Animated-Style, wie er in den Comics adaptiert wurde. Starker Ausdruck und ungewöhnliche Perspektiven, dazu knallige Farben machen Batgirl: Year One zu einem Fest fürs Auge. Aber auch sonst ist der Band jedem zu empfehlen, der kein Batgirl-Fan ist. (Allerdings nur im Original, die deutsche Übersetzung ist zum Teil furchtbar.)

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Joker: Batmans größter Fan

DC Comics

Titel: White Knight (dt. Der weiße Ritter)

Autor/Zeichner: Sean Murphy

Erschienen: 2017-2018 (Mini-Serie #1-8), Paperback 2018


Batman sitzt in Arkham, gefesselt in einer Zelle. Ein gewisser Mr. Napier sucht ihn auf und bittet ihn um seine Hilfe – es ist der ehemalige Joker. Wie konnte es dazu kommen? Ein Jahr zuvor wird der Joker durch ein geheimnisvolles Medikament vom Irrsinn geheilt, vom Gericht wird er freigesprochen und will dann als Jack Napier Stadtverordneter werden, um Gotham endlich vom Verbrechen zu befreien. Sein Vorwurf: Batman hat versagt, er richtet mehr Schaden an als er helfen sollte, und die Stadt und die Polizei haben zu lange dabei zugesehen. Jetzt soll Batman Teil der Polizei werden.

Aber meint es Napier wirklich ernst oder ist das nur ein Trick des Jokers? Harley Quinn gegenüber verhält er sich jedenfalls ganz anders als früher. Das kann sie gar nicht leiden. Da taucht aber plötzlich eine andere Harley auf – im alten Kostüm – und es stellt sich heraus, dass es zwei Harleys gibt. Die erste verdrängt die zweite, daraufhin wird diese zum Neo Joker und setzt sich zum Ziel, ihren Joker zurückzuholen. Währenddessen schart Napier eine Armee von Schurken um sich, die dank Mad Hatter und Clayface seinem Willen gehorchen.

Das ist nur der Anfang einer noch viel komplexeren Geschichte, die der Autor und Zeichner Sean Murphy hier entfaltet. White Knight spielt in einer eigenen Welt, die aber an vieles Vertraute erinnert. Murphy bedient sich hier stark in der Batman-Tradition, spickt seine Story mit zahllosen Verweisen. Der Name „Jack Napier“ stammt aus Tim Burtons Batman (The Animated Series hat ihn übernommen), die Idee des genesenen Jokers stammt aus Going Sane, wieder gibt es den Tod von Robin Jason Todd und mal wieder wird die Watchmen-Idee bemüht (die sich auch in Marvels Civil War zu finden ist), dass Superhelden einer staatlichen Kontrolle unterworfen werden sollen, besonders viele Anspielungen finden sich auf The Animated Series (z.B. die Folgen Almost Got ‚Im, The Ultimate Thrill und Over the Edge). Was auf den ersten Blick wirkt, wie überall dreist zusammengeklaut, ergibt ein zwar traditionsbewusstes, aber auch stimmiges Werk eigenen Rechts, das viele eigene Akzente setzt.

Murphy schafft es tatsächlich, den Joker zum Helden der Story zu machen, der ohne Albernheiten ein ernstzunehmendes Anliegen verfolgt. Bemerkenswert ist auch, dass der Joker trotz einer Vorgeschichte nichts von seiner Faszination einbüßt. Der Joker ist zunächst Batmans größter Fan. Man sieht ihn in seiner Zelle inmitten von Merchandising, Postern und Zeitungssauschnitten. Gleich zu Beginn bekennt er, Batman überlegen zu sein und sich bei ihm immer zurückgehalten zu haben, damit ihr Spiel zwischen den beiden immer weitergehen kann.

Als Napier ist er nicht Batmans Feind, sondern will ihn als Verbündeten gewinnen. Der Schurke will nicht siegen, er will einen Kompromiss – und Batman wird zum Schurken, weil er sich hartleibig gibt. Nicht nur darf der Joker Batman mal wieder den Spiegel vorhalten und dessen Konzept und Methoden infrage stellen, sondern auch Batman erscheint zweifelhaft in seinem radikalen Vorgehen. Am Ende sieht er selbst seine Fehler ein und lernt daraus. Das ist kühn – und in dieser Konsequenz besteht das wahrhaft Neue an dieser Story.

Mister Freeze spielt hier eine ganz neuartige Rolle als Batmans Verbündeter, Duke Thomas wird völlig neu erfunden, als ambige erwachsene Figur, die zwischen „der Straße“ und Napier vermittelt, Nightwing und Batgirl werden Teil einer Polizei-Spezialeinheit und schließlich gibt es mit beiden Harley Quinns auch starke Frauenfiguren, die für einige Überraschungen sorgen – und die Figur auch für Nicht-Fans erträglich machen. Ganz nebenbei dekonstruiert er Harley Quinn, indem er die neuere Entwicklung der Figur quasi annuliert und als Rückschritt für den Feminismus bezeichnen lässt.

Auch Sean Murphys Vorliebe für Autos wird hier deutlich. Nicht nur in den vielen spektakulären Verfolgungsjagden, und der Tatsache, dass Batman ständig Rennfahrer-Handschuhe trägt, sondern auch im Design des neuen Batmobils. Gleichzeitig verleiht er den berühmtesten Batmobilen prominente Gastauftritte, die kein Selbstzweck sind, sondern tatsächlich einen Sinn in der Story haben: Da fährt Adam Wests Batmobil neben dem Tumbler aus Christopher Nolans Dark Knight-Trilogie, wir sehen Michael Keatons Gefährt neben dem aus The Animated Series. Fans frohlocken.

Insgesamt erzählt White Knight eine ebenso fesselnde wie dynamisch gezeichnete Story, in der so ziemlich jeder Aspekt gut durchdacht ist, jede Figur interessant erscheint und die Handlung viele Überraschungen bietet. Das Verhältnis zwischen Dialog und Action ist ebenso im Gleichgewicht wie zwischen Tradition und Innovation. Damit ist White Knight ohne Zweifel das beste Batman-Comic seit Dark Night: A True Batman Story.

Für nächstes Jahr ist bereits eine Fortsetzung angekündigt: Curse of the White Knight. Darin soll auch Azrael vorkommen.

DC Comics

(Hinweis: Die deutsche Ausgabe erscheint im März 2019. )

Batman für die Tagschicht

DC Comics

Titel: Batman and the Signal

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Tony Patrick/Cully Hamner

Erschienen: 2018 (Mini-Serie #1-3, All-Star Batman #1-4, #6-9)


„… we have enough bat-people already …“

Batman ist keine Familie mehr, er ist ein Clan: Nightwing, Robin, Red Robin, Red Hood, Batwoman, Batgirl, Batwing, Azrael und Orphan bevölkern die Batcave (gehören Spoiler und Bluebird noch dazu?), sogar der verdammte Bat-Hund Ace ist wieder da (zum Glück ist Clayface wieder ausgemustert). Und jetzt auch noch Signal. Der Neuzugang (bürgerlich Duke Thomas) beginnt selbstironisch: Es braucht kein weiteres Mitglied im Batman-Clan. Trotzdem gibt es ihn. Was also tun? Duke sucht und findet eine Nische, er übernimmt die vakante Tagschicht in Gotham. Und natürlich gibt es sofort Ärger, denn Superhelden ziehen den bekanntlich an. Die Stimme des Volkes beschwert sich: Normalerweise ist Gotham am Tag sicher, tja, die Zeiten sind vorbei.

Lange im Voraus wurde die Figur Duke Thomas aufgebaut. Zunächst als Kind im Zero Year, dann fielen seine Eltern in Endgame dem Joker-Virus zum Opfer und Duke machte sich mit We Are Robin einen Namen. Robin braucht keinen Batman, Batman keinen Robin, lautete die Devise. Und als DC mit Rebirth alle Serien neu startete, begann Batman damit, Duke auszubilden. Ein neuer Robin sollte er nicht werden. Aber was sonst? „Etwas Neues“, sagte Batman und blieb selbst dann die Antwort schuldig, als Duke schon längst ein gelbes Kostüm hatte und in All-Star-Batman und Dark Days (Metal) aushalf.

Dann endlich, im Jahr 2018, bekam er seine eigene Mini-Serie, den Dreiteiler Batman and the Signal, wobei es eigentlich andersherum lauten müsste. Weil das Paperback dazu etwas dünn ausfallen würde, hat DC die Backup-Story The Cursed Wheel aus All-Star Batman vorangestellt, in der es um Dukes Ausbildung geht. Duke nimmt es in den episodisch erzählten Plots mit Zsasz und dem Riddler auf, letztere Teile wunderbar von Francesco Francavilla in Szene gesetzt.

Nach einem Lückenbüßer, der Duke beim Training mit Red Hood zeigt, geht dann die neue Story los. Duke hat jetzt ein neues Kostüm mit einer weißen statt einer schwarzen Fledermaus auf der Brust, und er hat Superkräfte: Er sieht, wo das Licht vor ein paar Minuten war und manchmal (wenn es die Story verlangt), wo es sein wird – also mal wieder so ein vages Irgendwas von Superkräften, um Duke irgendwie besonders zu machen.

Leider reicht das allein nicht aus, um die Story interessant zu gestalten. The Signal kämpft gegen ein paar Jugendliche, die dank des Superschurken Gnomon verschiedene Superkräfte erlangen. Gnomons Outfit sieht dem von Signal sehr ähnlich, es stellt sich auch heraus, dass er eine besondere Verbindung zu ihm hat. Hier wenden die Autoren den guten alten Trick an, dem Helden nachträglich noch mehr Backstory anzudichten, damit er mehr Tiefe bekommt. Hinzu kommt noch eine Polizistin mit Roboterarm, die ihm als Deus ex machina zur Seite steht, begleitet von Batman und dem Rest des Clans, die sich ums Grobe kümmern und Duke dabei helfen, seinen ersten Einsatz zu überleben.

Die drei Kapitel sind schnell erzählt und schnell verdaut, leichte Kost, solide geschrieben und anständig gezeichnet, aber in der Kürze bleibt die Story uninspirierter Durchschnitt. Da ist keine Idee, die dem Batman-Mythos oder dem Sidekick-Problem auch nur eine neue Seite abgewinnt. The Signal ist der Versuch, in dem überladenen Batman-Clan noch etwas zu etablieren, das irgendwie Batman ist, ohne von Batman abhängig zu sein. Davon gibt es bereits genug. Ein kanariengelber Aushilfsbatman, der am Tag arbeitet, schließt keine nennenswerte Marktlücke. Auch hier gelingt es nicht, die Leser davon zu überzeugen, dass es diesen Charakter wirklich braucht.

Eigentlich lese ich keine Sidekick-Storys. Warum habe ich es hier trotzdem getan? Wahrscheinlich, weil Batman auf dem Cover ist. Aber wer Batman will, kann auf Signal getrost verzichten.

Batman mit der Keule

DC Comics

Titel: Dark Nights: Metal (dt. Batman Metal)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2017 (Mini-Serie #1-6), dt. Panini 2018


„Yeah. Riding a Joker dragon … and glowing … because of course he is.“ (Nightwing)

Die folgende Kritik wird Ihnen präsentiert von SPOILERN – Handlung wird überbewertet.

Fangen wir mal hinten an: Die Guten gewinnen. Die Welt – in diesem Fall das Multiversum – wird gerettet. Hurra. Und es stirbt – niemand Wichtiges.

So. Nachdem das geklärt wäre, kommen wir zurück zum Anfang: Zuletzt war Batman sehr damit beschäftigt, allerlei Artefakte aus besonderen Metallen zusammenzutragen, um etwas ganz ganz Schlimmes zu verhindern (siehe Dark Days: The Road to Metal). Dann ist es doch eingetroffen. Fast.

Zu Beginn des eigentlichen Metal-Events ist Batman anderweitig beschäftigt, nämlich mit der Justice League im All unterwegs, um gegen Mongul zu kämpfen. Als sie wieder zurückkehren, ist mitten in Gotham ein Berg aufgetaucht. Lady Blackhawk von einer antiapokalyptischen Eingreiftruppe erklärt die Handlung: Neben dem bekannten Multiversum aus Materie und Antimaterie gibt es noch das Multiversum aus dunkler Materie, das von sehr üblen Gestalten bevölkert wird. Die wollen schon immer in unser Multiversum, um alles plattzumachen, genauer gesagt: Barbatos, der Oberschurke. Und die wirklich schlechte Nachricht: Batman, der Altmetallsammler, ist das Einfallstor für die Bösen.

Mit anderen Worten: Die ganze Welt dreht sich um Batman. Kein Wunder, dass er größenwahnsinnig wird. Er haut ab, die Justice League verfolgt ihn, Batman legt sie rein. Er will (wie schon zuvor) zurück in die Zeit reisen und Barbatos mit Hawkmans Keule (bzw. Morgenstern) zu besiegen. Und am Ende wird er reingelegt und Barbatos sowie die bösen Batmen aus der dunklen Welt fallen in der Welt ein.

Jeder ist eine Inkarnation seiner Alpträume und damit auch ein Pendant zur Justice League: Ein Joker-Batmen mit blutrünstigen Robins an der Kette, ein böser Flash, ein böser Green Lantern, sowie auch ein Doomsday-Batman. Die Erde wird unterjocht, die Helden haben nix zu melden. Der Widerstand scheitert, aber es gibt noch eine letzte Hoffnung …

Das ist also Dark Nights: Metal, das große Ding, auf das Autor Scott Snyder seit 2011 hingearbeitet hat. Doch es sind nicht nur die letzten sechs Jahre Batman, die in diesen sechs Kapiteln einer Mini-Serie (und einem Haufen Tie-ins) kulminieren, Snyder holt sehr weit aus: Von der ersten Crisis bis zur Final Crisis und mit dem ganzen Grant-Morrison-Gedöns danach (nachzulesen im Dark Days-Band, aber am besten die ganzen Storys).

Wie immer bei solchen Events ist eine Menge los, mit zu vielen Charakteren, Handlungen, Nebenhandlungen und Anspielungen. Ich gebe zu: Wie immer habe ich nicht alles verstanden. Es reicht nicht, alles einmal gelesen zu haben, man sollte es mehrfach gelesen, verstanden und immer noch präsent haben, um hier voll durchzusteigen. Aber es reicht auch, sich an dem roten Faden entlangzuhangeln, dem kann man halbwegs folgen.

Es gibt einige tolle Szenen: Batmans Flucht, das Auftauchen der Batmen aus dem Multiversum, die Super-Sons spielen die Batman-Theme, Batmans Ritt auf einem Joker-Drachen und ein gemeinsamer Kampf mit dem Joker gegen den Batman, der lacht. Zeichner Greg Capullo setzt das alles auch in bewährter Qualität in Szene. Doch das sind nur Höhepunkte von Anfang und Ende. Dazwischen kommt leider viel, was nicht besonders im Gedächtnis bleibt: Batman wird alt und geht mit Superman durch die Hölle, Wonder Woman schlägt sich mit den anderen durch. Der Sandman taucht auch auf, aber redet bloß viel, ohne etwas zu sagen. (Ich hasse diese Figuren, die alles wissen, aber nur vage Andeutungen machen. Sie scheinen nur den Zweck zu haben, die Leser aufzuregen.) Ansonsten große Gesten, große Worte, nicht viel dahinter.

Beim Lesen hatte ich das Gefühl, zwischendrin einiges zu verpassen. Die Handlung springt, die Schurken bleiben oberflächlich und was Batman und der Widerstand in der Zwischenzeit treiben, wird anderswo erzählt. Wer das wissen will, muss die zwei Begleitbände lesen: Dark Knights Rising und The Resistance. Dass man die Handlung nicht schön durchkomponiert in einem Rutsch durchlesen kann, schmälert natürlich den Lesegenuss der Haupt-Story, aber folgt natürlich einer gewieften (wie bewährten) Verkaufstaktik.

Das Finale ist dann nicht ganz so ausgeklügelt, wie man es sich gewünscht hätte. (Es gibt einfach immer noch ein mächtigeres Metall.) Dark Nights: Metal kommt eben genauso brachial und lärmend daher wie die Musik dazu. Und am Ende bleibt der Eindruck, dass das alles nur ein Sprungbrett für Scott Snyder in den Autorenolymp war, um mit der Justice League und anderen Ereignissen von kosmischen Ausmaßen weiterzumachen.

Mehr von Scott Snyder:

 

Batman trifft Edgar Allan Poe

DC Comics

Titel: Batman – Nevermore

Autor/Zeichner: Len Wein/Guy Davis

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-5)


Eines Tages musste es so kommen, es war nur eine Frage der Zeit. Und nach Jack the Ripper und Houdini kam sie endlich, kurz vor Ende der Elseworlds-Ära: Eine Batman-Story, die sich bei Edgar Allan Poe bedient. Ja, mehr noch: Der Erfinder der Detektiv-Story wird hier sogar zum Protagonisten gemacht. Batman ist nur der Sidekick und Retter in der Not. Er trägt eine Maske mit einem Schnabel, wodurch er an einen Raben mit Ohren erinnert. Warum? Wohl damit es besser mit dem Titel Nevermore korrespondiert – eine Anspielung auf das Gedicht „The Raven“. Aber Sinn ergibt es nicht, Batman zu einem Raben zu machen …

Außer natürlich, wenn man eine Mordserie danach benennen will. Denn so passiert es in Baltimore des 19. Jahrhunderts. Weil bei zwei Leichen Batman gesichtet wird, spricht man von den „Raven Murders“. Das dürfte einen, der sich wie eine Fledermaus kleiden will, um für Recht und Ordnung zu sorgen, bestimmt ärgern, aber darum geht es nicht. Der junge Poe, ein beginnender Journalist, will darüber für eine Zeitung schreiben, aber der Chefredakteur ist nicht begeistert. Und auch sonst hat keiner Lust, mit ihm darüber zu reden. Auch nicht die Gentlemen des Gotham Club, zu deren Mitgliedern Bruce Wayne und Jonathan Crane gehören.

Poe redet trotzdem mit ihnen – und macht sich unbeliebt. Doch statt einer Detektivgeschichte, in der der Held Hinweise sammelt und seine Schlüsse daraus zieht, verfolgt man den unbeholfenen Möchtegern-Journalisten dabei, wie er von einer Todesfalle in die nächste tappt und dabei von Batman gerettet wird, einmal auch andersrum. Schlauer wird er allein dadurch, dass nebenbei weitere Mitglieder des Clubs auf fürchterliche Weise draufgehen und so der Kreis der Verdächtigen enger wird.

Die einzige Überraschung an der Story ist lediglich, dass alles genauso kommt wie erwartet. Aber unüberzeugend. Der Rest ist eine Hommage an Poe: viele Anspielungen auf seine Werke, die am Ende darauf hinauslaufen, dass der ganze Fall ihm viel Stoff zum Schreiben gibt. Mit Poe wurde schon viel getrieben, aber dieser Schindluder dürfte deutlich unter seinem Niveau sein.

Auch grafisch bleibt Nevermore unterdurchschnittlich, mit einfältigen, plumpen Zeichnungen ohne Ausdruck und Fantasie. Und Batman mit Schnabelnase? Das sieht auch einfach nur dämlich aus.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Die dunkle Seite der Gerechtigkeit

Titel: Two-Face: Year One

Autor/Zeichner: Mark Sable/Jesus Saiz, Jeremy Haun

Erschienen: 2008 (Mini-Serie #1-2)


„I’ve always been on both sides of the law.“ (Two Face)

„You still have a choice. This coin is nothing but a crutch.“ (Batman)

Im Jahr 2008, passend zum Kinofilm The Dark Knight, erschien Two-Face: Year One. Erzählt wird darin keine ganz neue Geschichte, sondern eine Ergänzung zu der bekannten, die wir bereits aus The Long Halloween kennen. Man kann sagen: Es ist The Long Halloween aus Harvey Dents Sicht.

Dent und James Gordon wollen gemeinsam Maroni festnehmen, der Commissioner will aber, dass sie stattdessen den Holiday-Killer fangen. Sie stellen eine Task Force ehrlicher Polizisten zusammen und nehmen ihn fest – aufgrund von Beweisen, die ihnen Batman geliefert hat.

Vor Gericht wird Maroni vertreten von Mort Weinstein, der sich für das Amt des Bezirksstaatsanwalts bewirbt und eine persönliche Fehde mit Dent hat. Weinstein versucht, Dent als Holiday-Killer zu diskreditieren, um seine eigene Karriere voran zu bringen. Schon in der Vergangenheit wollte Weinstein Dent erpressen.

Parallel dazu sehen wir Rückblenden, in denen Harvey Dent zum Psychiater begleiten. Der stellt eine gespaltene Persönlichkeit fest und empfiehlt ihm, seine „dunkle Seite“ zu kanalisieren, um sie besser unter Kontrolle zu halten. Mit der Zeit wird Dent paranoider und glaubt sich von seinem Freund Bruce Wayne, Batman und seinem Psychiater im Stich gelassen. Er gerät in Versuchung, zum Mörder zu werden.

Nachdem es zu dem Säure-Attentat durch Maroni kommt, geht Dent als Two-Face auf Rachefeldzug: zunächst erschießt er Maroni, dann versucht er an anderen Gerechtigkeit walten zu lassen. Schließlich kandidiert Two-Face für das Amt des Bezirksstaatsanwalts – und ganz Arkham hilft ihm dabei. Das ist der lächerliche Aspekt der sonst sehr auf Realismus bedachten Geschichte, in der sogar nebenbei Antisemitismus bei der Polizei thematisiert wird.

Two Face: Year One ist keine Batman-Story, sondern eine Harvey Dent-Story. Der Schwerpunkt liegt auf dem Charakter, der zwar vertieft wird, aber nicht unbedingt um Facetten bereichert, die es nicht schon gegeben hätte. Am Ende macht Batman Two-Face klar, dass Dent seine Entscheidungen selbst in der Hand hat und seine Münze nur eine Ausrede ist, um selbst keine treffen zu müssen.

Zwar ist das Ganze solide gezeichnet, aber sehr sprunghaft und elliptisch erzählt. Das kann manchmal etwas verwirrend sein. Rund 100 Seiten scheinen zwar viel, aber immer noch nicht genug zu sein. Der Zweiteiler ist nichts, worauf die Welt gewartet hat, nichts, was man unbedingt lesen muss, aber lesen sollte, wenn man sich für die Vorgeschichte von Two-Face interessiert.

Als Fan-Service gibt es einen kleinen Auftritt von Joe Coyne, dem Penny Plunderer, der mit einer Riesenmünze in der Bathöhle verewigt ist.

Mehr zum Thema:

Wenn Schurken die Welt retten

DC Comics

Titel: Justice

Autor/Zeichner: Alex Ross, Jim Krueger/Alex Ross, Doug Braitwaithe

Erschienen: 2005-2007 (Mini-Serie #1-12), Paperback ; dt. Panini 2006 (6 Bände), Hardcover Eaglemoss 2005 (DC Graphic Novel Collection, 2 Bände)


„Who decided we needed to be saved?“ (Lex Luthor)

„The world’s worst super-villains are acting like the world’s greatest heroes and the Justice League is nowhere to be found.“ (Elongated Man)

Die größten Superschurken der Welt haben alle denselben Alptraum von der nuklearen Apokalypse, bei der selbst die Helden wehrlos sind. Also verbünden sich Lex Luthor und Brainiac mit anderen Schurken wie Riddler, Poison Ivy und Black Manta, um die Welt erstens zu einem besseren Ort zu machen und zweitens die Superhelden auszuschalten, was für sie letztlich auf dasselbe hinausläuft. Aquaman wird von Brainiac der Kopf aufgeschnitten, Superman von Bizarro, Solomon Grundy und dem Parasiten ausgeknockt, Green Lantern wird ins Nichts verbannt und andere werden von Nano-Parasiten beherrscht. Schurken werden zu Helden – aber das geht natürlich in die Hose.

Über die Kunst von Alex Ross muss man nichts mehr sagen, die überwältigenden Bilder sprechen für sich selbst. Interessiert da noch die Story? Ja, sie tut es. Alex Ross hat sie sich diesmal selbst ausgedacht, Jim Krueger schrieb das Script, aber es ist kein unbeholfener Versuch geworden, wenn grafische Künstler den Autor in sich entdecken. Im Gegenteil: Justice ist packend erzählt und durchgehend spannend umgesetzt – und das obwohl die Story übervoll ist mit Helden und Schurken. Jedes der zwölf Kapitel ist aus einer anderen Sicht erzählt, so bekommen die wichtigsten Charaktere Raum sich zu entfalten. Wir erfahren etwas über ihre Motivationen, Ängste und Sorgen. Alex Ross will jeder Figur gerecht werden und es gelingt ihm auch, es werden wieder Superhelden, die wie Götter aussehen, aber sich sehr menschlich verhalten.

Es geht um ethische Grundfragen, es geht um die Zukunft der Menschheit: Soll die Elite nach dem Recht des Stärkeren überleben oder sollen die Schwachen zu Übermenschen optimiert werden? Was bedeutet Rettung für die Menschheit? Ist mit dem Ende der Atomwaffen die Welt erlöst? Und darüber hinaus gibt es auch schöne Höhepunkte wie Captain Marvel wirft Superman in die Sonne, Green Lantern richtet sich heimisch in seinem Ring ein, die Metal Men dienen der Justice League als Schutzrüstung. Es gibt überraschende Wendungen und sogar hier und da eine Pointe. Das alles macht das Vergnügen nicht nur kurzweilig, sondern befriedigt auch alle Ansprüche, die man von einer guten Justice League-Story erwartet.

Nur eines könnte zum Problem werden: Die fast 400 Seiten, vollgepackt mit Figuren, Action, Dialog und auch noch knallbunt und hyperrealistisch visualisiert, könnten den ein oder anderen Leser überfordern. Aber zum Glück muss man ja das Buch nicht in einem Rutsch durchlesen, sondern kann Pausen machen, um sich von der Reizüberflutung erholen. Dann verschmerzt man es auch, dass sich das Finale etwas hinzieht.

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Geburtstagsgeschenk für Harley Quinn

DC Comics

Titel: The Dark Prince Charming (dt. Der Dunkle Prinz)

Autor/Zeichner: Enrico Marini

Erschienen: 2017 (Teil 1 von 2, Hardcover), dt. Panini 2018


„I’m no monster, after all.“ (Joker)

Bruce Wayne bekommt Besuch von einer Frau mit einem achtjährigen Mädchen. Sie behauptet, das sei seine Tochter und verlangt zehn Millionen Dollar. Als die angebliche Vaterschaft in die Medien kommt, entführt der Joker das Mädchen, um Harley Quinn ein Geburtstagsgeschenk zu machen. Batman macht sich auf die Suche.

DC Comics

Enrico Marini (Batman Europa) ist ein Meister. Er inszeniert ein wahnsinnig detailliertes wie stimmungsvolles Gotham, neblig, aber in warmen Farben. Seine Figuren strotzen vor Lebendigkeit, sein Batman, der sehr an Ben Affleck erinnert, changiert irgendwo zwischen realistisch und ikonenhaft. Der Joker ist ein ultragrausamer Schurke, der seinen Handlangern keinen Patzer durchgehen lässt und auch einfach seine ganze Gang niedermetzelt, wenn ihm danach ist. Aber er ist auch ein Schurke mit einer schwierigen Kindheit, wenn man seinen Gedächtnislücken Glauben schenken darf … Das erinnert zwar stark an den Film The Dark Knight, aber seine Fürsorge für das entführte Kind verleiht ihm auch eine neue, nämlich menschliche Komponente.

Die Story nimmt sich alle Freiheiten, die sie braucht, denn sie spielt abseits der Continuity: Bruce Wayne hat eine Beziehung mit Selina Kyle (Catwoman), die offenbar immer noch Juwelen stiehlt, James Gordon raucht erstmals E-Zigarette und Batman trifft mal wieder auf einen Killer Croc, der keine Ratten in der Kanalisation frisst, sondern eine eigene Gang unterhält. Im vorläufigen Finale verprügelt ihn Batman verprügelt auf der Suche nach Antworten, aber muss eingestehen, dass er nur ans Ende seiner Möglichkeiten gekommen ist …

The Dark Prince Charming ist der furiose Auftakt einer packend erzählten Geschichte und macht große Lust auf Teil 2. Der soll allerdings erst im Frühling 2018 erscheinen.

Traue niemals einer Ziege

DC Comics

Titel: The Widening Gyre (dt. Der Teufelskreis)

Autor/Zeichner: Kevin Smith/Walt Flanagan

Erschienen: 2009/2010 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2010), dt. Panini 2011


Bei einem Einsatz in Arkham Asylum wird Batman fast vom Dämon Etrigan getötet – da hilft ihm im letzten Moment ein Unbekannter mit Ziegenmaske. Baphomet, wie er sich später nennt, ist ein neuer Vigilant, der Batman erklärtermaßen helfen will. Immer wieder springt er ihm in der Folge als Deus ex machina bei. Der Held hat einiges drauf, Batman vertraut ihm, obwohl ihn schon der Name skeptisch macht. Aber eine rührselige Hintergrundgeschichte und das Ablegen der Maske reichen, um den besten Detektiv der Welt zu überzeugen.

Parallel dazu taucht Bruce Waynes alte Flamme Silver St. Cloud auf und erneuert ihre Liebschaft mit ihm. Das macht sogar Catwoman eifersüchtig. Wir sehen dabei zu, wie Batman sich nachts durch die gesamte (!) Rogues Gallery arbeitet und sich tagsüber mit seiner Freundin am Strand vergnügt, in Rückblenden lässt er Episoden seiner Vergangenheit mit Robin Revue passieren. Zwischendurch schaut Aquaman vorbei, um Bruce aufzuziehen.

Wären nicht die humoristischen Einschübe, wäre The Widening Gyre kaum zu ertragen. Denn bei dem episodenhaften Erzählstil fehlen ein Spannungsbogen, ein klares Problem und eine glaubhafte Entwicklung. Stattdessen fallen Batman und Bruce ständig aus der Rolle, etwa mit einem überstürzten Heiratsantrag und einer verantwortungslos-naiven Demaskierung. Dass die Story eine Fortsetzung von Cacophony ist, merkt man kaum. Aber wenn man es weiß, ahnt man schnell, auf welche Offenbarung es am Ende hinausläuft. Das letzte Panel setzt auf maximalen Schock-Effekt, aber es ist keine Überraschung. Dreist daran ist vor allem, dass die Geschichte bislang nicht zu Ende erzählt wurde. Eine sechsteilige Fortsetzung ist seit Jahren angekündigt, aber nie umgesetzt worden.