Mini-Serie

Batman und das Reptil

DC Comics

Titel: Batman Reptilian (dt. Das Reptil)

Autor/Zeichner:  Garth Ennis/Liam Sharp

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-6), Hardcover 2022


Ein Monster läuft in Gotham frei herum. Ein Schwergewichtsboxer, der beschuldigt wird, eine Frau geschlagen und vergewaltigt zu haben, wurde freigesprochen. Batman taucht vor dem Gerichtsgebäude auf und nennt ihn einen Feigling. Der Boxer langt zu, Batman nimmt das zum Anlass für Notwehr. Dann aber werden Tote aufgewunden, bestialisch abgeschlachtet von einer ganz anderen Bestie. Nach und nach müssen auch Batman’s Erzschurken dran glauben. Als letztes bleiben Joker und Killer Croc übrig. Doch Croc selbst ist nicht das Monster – er hat es aber selbst hervorgebracht …

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Batman, der Wolf und der Bücherwurm

DC Comics

Titel: Batman vs. Bigby: A Wolf in Gotham

Autor/Zeichner: Bill Willingham/Brian Level

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-6), Paperback 2022


Leichen tauchen in Gotham auf, angeknabbert von einem großen Tier – einem Wolf. Nicht irgendein Wolf, sondern der große böse Wolf aus den Märchen, der sich in einen Mann namens Bigby verwandeln kann. Bigby ist den ganzen weiten Weg aus einer anderen Dimension (genauer gesagt: aus dem Fables-Universum) hergekommen, um ein Zauberbuch zu finden, bevor es ein Schurke tut, nämlich Bookworm.

Ja, genau der Bookworm aus der TV-Serie mit Adam West. Doch dieser Bücherwurm ist keine Witzfigur, sondern ein sadistischer Fiesling, der foltern lässt, über Leichen geht und dabei sogar Bibliotheken in die Luft jagt.

Zuvor aber muss – so will es das Gesetz der Comic-Crossover – Batman gegen Bigby kämpfen, so lautet ja auch der Titel. Ohne viele Fragen zu stellen, wer er ist und was er will, prügelt Batman wild drauflos, nimmt Bigby gefangen und kettet ihn in der Batcave an. Am nächsten Tag ist die Höhle verwüstet. Danach ist die Wolfsjagd eröffnet …

Die Welt von Batman ist eine etwas andere: Dick Grayson ist hier immer noch Robin und zusammen mit Stephanie Brown bildet er eine Horde weiterer Robins aus. Ansonsten fällt Batman hin und wieder aus der Rolle, indem er mal den einen oder anderen flotten Spruch ablässt, um mit dem coolen Bigby mitzuhalten.

Abgesehen von solchen Anlässen zum Schmunzeln und dem Fanservice ist A Wolf in Gotham ein harmloses Spektakel, das sich flott weglesen lässt, ohne dass der darin verhandelte Zauber auf einen übergeht. Echte Spannung fehlt, das Finale ist allzu schnell und allzu einfach abgehandelt. Die Story habe ich bereits vergessen, sobald ich das Buch zuklappte – wie bei den meisten Crossovern. Aber vielleicht muss man auch die Serie Fables kennen, um das Heft besser genießen zu können.

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JLA trifft die Avengers

DC/Marvel

Titel: JLA/Avengers

Autor/Zeichner: Kurt Busiek/George Pérez

Erschienen: 2003-2004 (Miniserie #1-4), Paperback 2004/2022


Auch wenn Eigenlob stinkt, muss ich eins vorwegschicken: Ja, ich bin stolzer Besitzer der Neuauflage von JLA/Avengers. Der auf nur 7000 Exemplare limitierten Neuauflage. Wie das? Reines Glück. Ich hatte mir gar keine Hoffnungen gemacht, dass ich eins kriegen würde, und dann sah ich es eines Tages im Regal meines Comicladens stehen. Einfach so, unauffällig zwischen anderen Paperbacks. Ich glaubte meinen Augen kaum, doch dann hielt ich es in der Hand. 40 Euro wollte der Laden für das 30-Dollar-Heft haben. Reiner Wucher. Unverschämte Gier. Doch wer bin ich zu urteilen, wenn ich selbst von der Gier gepackt sofort bereit war, den geforderten Preis zu zahlen? Immer noch günstiger, als das Ding bei eBay zu ersteigern.

Dass das Geld gut angelegt ist, zeigt sich schon beim Durchblättern. Im umfangreichen Bonusmaterial wird nicht nur ausführlich die langwierige Entstehungsgeschichte dieses Vierteilers erzählt, sondern es gibt auch tatsächlich einen Abdruck der Zeichnungen für die 1983 verworfene erste Ausgabe von George Pérez. So kann man nachvollziehen, wie die Geschichte ursprünglich starten sollte. (mehr …)

Als DC gegen Marvel kämpfte

DC/Marvel

Titel: DC versus Marvel (dt. DC gegen Marvel: Der Kampf des Jahrhunderts)

Autor/Zeichner: Ron Marz, Peter David/Dan Jurgens, Claudio Castellini

Erschienen: 1996 (Miniserie #1-4), Paperback 1996; dt. Dino 1996 (DC gegen Marvel #1-3, 7, Paperback 1998)


Es war wohl das Comic-Event der Neunziger: DC gegen Marvel. Das erklärt sich von selbst. Es gab schon Superman gegen Spider-Man, Batman gegen Hulk, Teen Titans gegen X-Men, aber dann, nachdem JLA/Avengers (vorerst) gescheitert war, herrschte ein Jahrzehnt Flaute, bis man das Konzept in einer Art Battle Royale wiederbelebte.

Die Rahmenhandlung ist – wie immer bei solchen Crossover-Events und Paarungsfilmen – völlig nebensächlich, denn es geht ja nur um die Begegnungen. Die Welten von DC und Marvel verschmelzen zu einer. Hintergrund: Zwei kosmische gottgleiche Brüder lassen eine Auswahl der Superwesen ihrer jeweiligen Universen gegeneinander antreten, um zu entscheiden, welches Universum besteht. Ohne viele Erklärungen und ohne Zeit damit zu vertrödeln, eine andere Lösung für das Problem zu finden, sodass nicht Milliarden von Menschen und Welten sterben müssen, wird drauflosgeprügelt. Seltsamerweise nimmt man dabei Rücksicht auf die Leben der Kontrahenten, denn es reicht, den anderen nur außer Gefecht zu setzen.

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Batmans mörderischer Doppelgänger

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DC Comics

Titel: Batman: The Imposter (dt. Die Maske im Spiegel)

Autor/Zeichner: Mattson Tomlin/Andrea Sorrentino

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-3), Hardcover 2022, dt. Panini 2021 (Dreiteiler)/2022 (Sammelband)


„Do you think Gotham will be better off without me?“ (Bruce Wayne)

Nach drei Jahren im Einsatz als Batman taucht ein Nachahmer auf, der verurteilte Kriminelle tötet. Das Original versucht, den Betrüger zu finden, doch das erweist sich als schwierig, denn es scheint kein Muster zu geben. Er gerät dabei ins Visier der Polizei. Detective Blair Wong sucht nach ihm und kommt dabei schnell Bruce Wayne die Spur. Doch man kommt sich auch privat näher …

Die Geschichte ist erzählt aus verschiedenen Perspektiven. Ein Großteil der Erzählung nehmen Therapiegespräche zwischen Bruce Wayne und Leslie Thompkins ein, die zufällig von seinem Doppelleben erfährt, als er eines nachts bei ihr ins Haus kracht. Sie stellt fest, dass Bruce ein Problem hat, und zwingt ihn in die Therapie, sonst gibt sie sein Geheimnis preis. Ob das ethisch korrekt ist, sei dahingestellt, wirksam ist es auf jeden Fall. Doch wirksam findet Batman auch sich selbst: Dank ihm soll Gotham die erste Nacht ohne Gewaltverbrechen seit 54 Jahren erlebt haben. Wieder mal stellt sich die Frage, ob Gotham einen Batman braucht.

Wie ein Comic zum Film The Batman

Autor Mattson Tomlin war ursprünglich als Co-Autor des Films The Batman angekündigt, wurde dann im Abspann aber nicht mehr genannt, weil sein Beitrag anscheinend gestrichen oder auf ein nicht mehr nennenswertes Maß geschrumpft worden ist. Dafür durfte er ein Comic machen, der stilistisch an einigen Stellen an den Film erinnert: zum einen wäre da das Kostüm, zum anderen ein junger Bruce Wayne, der mit seinem verwischtem Mascara an Robert Pattinson erinnert, zum dritten ist The Imposter auch sehr darauf bedacht, glaubwürdig zu sein. Batman hat zum Beispiel mehrere Motorräder in der Stadt geparkt, benutzt ein Netz von Ziplines, die er zwischen Häusern gespannt hat. All das widerspricht dem typischen Comic-Batman, der aus dem Nichts kommt und dorthin wieder zurück verschwindet – es ist auf Realismus angelegt, wie die Filme seit Batman Begins.

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Doppelseite aus „The Imposter“ von Andrea Sorrentino. (DC Comics)

Daher gibt es hier auch keine Superschurken. Figuren wie Ratcatcher und Arnold Wesker (Bauchredner) tauchen nicht als Gegner auf, sondern als Außenseiter, die helfen wollen bzw. Hilfe brauchen. Dadurch bekommt die Geschichte eine menschliche Tiefe. Da verzeiht man es der Story, dass ihre Grundidee nicht neu ist (vgl. Batman Special #1, 1984) und es auch gar nicht so wichtig ist, wer sich am Ende als Doppelgänger herausstellt. Es wirkt alles rund und stimmig. Man kann The Imposter also ohne Voraussetzungen lesen und bekommt eine in sich abgeschlossene Story.

Meisterhafte Comic-Kunst

Das Wichtigste an all dem ist aber: Gezeichnet wird das Ganze von Andrea Sorrentino. Von daher kann man sich alles Weitere sparen, denn der Meister, dem wir Joker: Killer Smile zu verdanken haben (neben Gideon Falls, Green Arrow und Old Man Logan), beeindruckt auch hier mit seiner einzigartigen Stimmung, die Labels wie „düster“ und „atmosphärisch“ eine einzigartige Qualität verleiht. Außerdem überrascht er wieder mit gewagten Layouts: Panels in Fledermausform, Puzzlestücken und anderen collage-artigen Anordnungen, für die wahrscheinlich noch die Begriffe erfunden werden müssen.

Daher besteht die Spannung beim Umblättern nicht so sehr darin, was als nächstes passiert, sondern was als nächstes mit dem Medium Comic veranstaltet wird. Sorrentinos Werk bleibt große Kunst, die eine tiefgreifende Analyse verdient. Doch fürs Erste sei einfach nur empfohlen: lesen und genießen. Dieses Buch ist wow, wow, wow.

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Tod den Geretteten

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DC Comics

Titel: Batman: The Detective (dt. Equilibrium)

Autor/Zeichner: Tom Taylor/Andy Kubert

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-6), Hardcover 2022


Es zeugt nicht gerade von Kreativität, eine Serie Batman: The Detective zu nennen. Dass sie ursprünglich „The Dark Knight“ heißen sollte, macht es nicht besser. Zum einen weil das nun mal die Allerweltsbezeichnungen für den Caped Crusader sind, zum anderen weil es bereits ähnlich klingende Serien gibt. Allen voran Detective Comics, die zuletzt allerdings selten ihrem Namen gerecht geworden ist.

Nun gut, jetzt also soll der Detektiv in Batman betont werden. Tom Taylors Batman ist aber ein anderer: deutlich gealtert, vom Leben gezeichnet, allein. Außerdem trägt er einen Mantel mit Stehkragen und Schutzbrille im Stil von Post-Apokolips-Batfleck aus dem Snyderverse, was zugegebenermaßen ziemlich cool aussieht.

Wiedersehen mit Henri Ducard

Dann wird ein Passagierflugzeug in England zum Absturz gebracht und eine Botschaft für Batman hinterlassen. Batman fliegt nach Europa, kommt nach London und Paris – und trifft dabei seinen alten Mentor Henri Ducard wieder. Weitere Menschen werden ermordet und hinter den Anschlägen steckt Equilibrium, eine Frau in einem weißen Batman-Kostüm, die zusammen mit Gleichgesinnten Menschen ins Grab bringt, die Batman einst gerettet hat, denn diese dürften eigentlich gar nicht mehr leben. Equilibrium will die Welt wieder ins Gleichgewicht bringen.

ACHTUNG: SPOILER!

Der Hintergrund ist fragwürdig: Batman hat einst einem Mann das Leben gerettet, der später einen Autounfall verursacht hat, bei dem Mann und Kind der Frau gestorben sind. Nun soll Batman einsehen, dass seine noblen Taten auch Konsequenzen haben können. Dummerweise hat Batman auch einmal ganz London vor einer Atombombe gerettet – und das soll ebenfalls „wiedergutgemacht“ werden.

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DC Comics

Wem die Absurdität dieser Logik noch nicht klar genug wird, der sei daran erinnert, dass Batman (zusammen mit der Justice League und unzähligen anderen Superhelden) auch schon mehrfach den gesamten Planeten vor dem Tod gerettet hat. Demnach dürfte kein Mensch mehr existieren – aber ist Batman deshalb für all das Leid in der Welt verantwortlich? Da hilft es auch nicht, den Joker als schlechtes Beispiel heranzuziehen. Nach Equilibriums Ansicht dürfte es weder Polizei noch Ärzte noch Sanitäter geben. Es dürfte niemand mehr irgendwem helfen, weil jeder Mensch eine potenzielle Gefahr darstellt …

Abgesehen von dieser höchst fragwürdigen Grundidee (ganz zu schweigen von der Frage, warum sich jemand, der Batman hasst, wie Batman kleiden sollte) liefert Tom Taylor (Injustice, DCeased) eine kurzweilige Geschichte ab, die zumindest auf der Ebene Bruce Wayne und Ducard gut funktioniert. Lieber hätte man mehr über das Verhältnis der beiden gelesen. Ducard erinnert Batman daran, dass er nicht alle Probleme alleine lösen kann – und dieser lernt seine Lektion. Dass er vorher bereits mit Alfred, diversen Robins und anderen Helden zusammengearbeitet hat, lässt jedoch auch diese Lektion etwas hinken.

Mobile Batcave im Bat-Truck

Hier helfen ihm unter anderem die britischen Pendants Knight & Squire. Dann kommt noch eine mobile Batcave zum Einsatz (samt Mini-Dino und Mini-Riesenpenny, als wäre ein einfacher Penny nicht Miniatur genug), die in einem riesigen Bat-Truck über Europas Autobahnen und dann in ein belgisches Comicmuseum brettert. Wie so oft läuft am Ende für Batman alles super easy. Auch für gute alte Detetektivarbeit bis dahin bleibt zwischendurch nicht viel Gelegenheit, die findet meist zwischen den Kapiteln statt.

Doch auch diese Schwächen verzeiht man dem Comic, weil es von Meister Andy Kubert gezeichnet wurde (Batman and Son, Whatever Happened to the Caped Crusader, Dark Knight III). Er inszeniert Batman sehr klobig, aber sehr expressiv und voller kraftstrotzender Eleganz. Kuberts Actionsequenzen und Splash Pages sind Augenweiden wie seine Cover. Er bleibt einer der ganz Großen und hebt diese Geschichte etwas über den Durchschnitt.

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Krieg um Gothams Unterwelt

DC Comics

Titel: Gotham Underground

Autor/Zeichner: Frank Tieri/Jim Calafiore

Erschienen: 2007-2008 (Miniserie #1-9), Paperback 2008


Nach dem Tod von Black Mask (Catwoman #52) entsteht ein Machtvakuum in Gothams Unterwelt – und das will schnell gefüllt werden. Der Pinguin gründet eine Allianz mit anderen klassischen Schurken wie Two-Face, Scarecrow, Mad Hatter und Hugo Strange, doch auch andere melden Ansprüche an wie der Gangster Tobias Whale (eine Art Kingpin-Klon mit Harpune) und Bruno Mannheim von Intergang. Da fällt die Suicide Squad mit Bane und Deadshot über die Iceberg Lounge her und nimmt bei der Gelegenheit auch Matches Malone fest, der daraufhin im Knast von Blackgate landet …

Für alle, die es nicht wissen: Matches Malone ist das andere Alter Ego von Bruce Wayne alias Batman. Das fällt im Knast aber niemandem auf. Dann wird auch noch Victor Zsasz auf ihn angesetzt, ihn zu töten.

Ihr merkt, worauf es hinausläuft: ein Bandenkrieg, jeder gegen jeden. Fast alle aus Batmans Schurkenriege tauchen mal auf und verschwinden wieder, wie etwa Scarface, Firefly, Killer Moth und Lockup sowie ein Haufen neuer Gesichter, die sich hier nicht einzuführen lohnt. Zu allem Überfluss spielt noch Spoiler verrückt. Es kommen ungute Erinnerungen an das öde War-Games-Event hoch.

Sinnlose Gewalt, absurder Höhepunkt

Gotham Underground hat durchaus ein paar spannende und gelungene Sequenzen. Mit den unzähligen Figuren wirkt das Ganze aber aufgeblasen und überfrachtet. Bei diesem Jeder-gegen-jeden ist es eigentlich einerlei, wer am Ende gewinnt, denn keiner dieser Schurken ist auch nur annähernd ein Sympathieträger. Es geht furchtbar brutal zu, die Geschichte ist voller sinnloser Gewalt. So hält man am ehesten noch zum Pinguin, aber eher noch aus Tradition und weil er noch am „nettesten“ scheint. Die Erkenntnis: Gotham ist mit seinen verrückten Schurken zwar übel dran, aber immer noch besser als mit Intergang und anderen Gangstern.

Völlig absurd wird es auf dem Höhepunkt: Als der Pinguin allein dasteht, trommelt er alle dahergelaufenen Leute zusammen, steckt sie in Kostüme klassischer Schurken und sie kommen gegen einen Haufen von Profikillern an. Warum einer etwa in einem Mister-Freeze-Anzug frieren muss, bleibt schleierhaft.

DC Comics

Das Spektakel ist immerhin optisch ansprechend inszeniert. Abgesehen von den üblichen Massenkeilereien gibt es einige starke Einfälle wie ein Kapitel mit Panels, die aussehen wie Puzzleteile und sogar eine erzählerische Funktion erfüllen. Doch ist die im Grunde dünne Geschichte auch ziemlich verschwenderisch gezeichnet, mit vielen großen Panels und wenig Text, eine halbe Ausgabe lang sieht man Batman den völlig unwichtigen Vigilante verprügeln – ein solches Superman-gegen-Doomsday-Ausmaß steht dieser öden Gewaltorgie nicht zu.

Immerhin lässt sich dadurch das Epos schnell lesen. Wer kurzweilige, anspruchslose Unterhaltung fürs Auge sucht, kommt auf seine Kosten. Aber wer es sich spart, verpasst auch nichts. Kein Wunder, dass diese Miniserie seit 2008 nicht neu aufgelegt wurde.

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Verschwörung gegen Bruce Wayne

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DC Comics

Titel: Journey Into Knight

Autor/Zeichner: Andrew Helfer/Tan Eng Huat

Erschienen: 2005-2006 (Miniserie #1-12), kein Paperback


Kurz nach Batmans erstem Jahr soll Bruce Wayne endlich das Erbe seines Vaters antreten und Wayne Industries übernehmen, einen Konzern, der so ziemlich alles herstellt. Doch er hadert mit der Rolle, denn eigentlich will er lieber Batman sein. In seinen Träumen sagt ihm Thomas Wayne, er soll das mit der Rächerrolle lassen, denn die Eltern seien bereits gerächt und als Batman weiterzumachen lasse den Mörder bloß gewinnen.

Für Batman aber gibt es gerade viel zu tun: Eine neue Droge tötet in Gotham Menschen. Als Batman (undercover) ein Flugzeug mit der nächsten Ladung aus Kolumbien abfangen will, stellt er fest, dass es voller Leichen ist. Sämtliche Passagiere sind einem hochansteckenden und sofort tödlichen Virus zum Opfer gefallen – bis auf einen, der es eingeschleppt hat.

Immun dank Fledermäusen

Auch Batman steckt sich sofort an, überlebt aber auf wundersame Weise. Seine Erklärung: Das Virus stammt von Fledermäusen und weil er mal als Kind von Fledermäusen attackiert und gebissen wurde, hat sein Körper eine Immunität gegen das Gift von Fledermausbakterien entwickelt. Was Bakterien mit Viren zu tun haben sollen, bleibt schleierhaft. Im pandemischen Zeitalter lässt man sich mit so einem pseudowissenschaftlichen Unsinn nicht mehr für dumm verkaufen (auch wenn es Leute geben soll, die sich Entwurmungsmittel gegen Viren spritzen).

Und so jagt Batman einerseits den hochansteckenden Mann, der einst nach Kolumbien geflogen ist, um einen Schatz zu finden, und nun die Seuche in Gotham verbreitet, andererseits eine Drogendealerin. Praktischerweise finden die beiden zusammen, verlieben sich so plötzlich wie grundlos ineinander und ziehen als mordendes Duo durch die Stadt, um unliebsame Menschen loszuwerden. Ja, eigentlich sollen sogar alle sterben, damit nur noch das Paar übrig bleibt. Nur wie die Frau mit dem Mann überleben soll, wird nicht klar. Denn bisher muss er eine Atemschutzmaske tragen, um sie nicht anzustecken.

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DC Comics

Klingt bescheuert? Ist es auch. Zum Glück ist es nach sechs Ausgaben auserzählt, aber aus irgendeinem Grund meinte man damals, es sei eine gute Idee, die Geschichte auf epischen zwölf Ausgaben breitzutreten, also über 264 Seiten. Das entspricht etwa dem Format von The Long Halloween. Leider ist es nicht annähernd so unterhaltsam.

Joker gegen Bruce Wayne

Später geht es um brandstiftende Kinder und eine Verschwörung gegen Bruce Wayne, bei der ihm ein Mord angelastet wird. Hier könnte es spannend werden. Doch auch der späte Auftritt des Joker trägt nicht viel dazu bei: Er verpasst Bruce in Arkham eine Gehirnwäsche, indem er ihm versucht einzureden, dass sein Vater nichts getaugt habe. Angeblich will der Joker selbst die Vaterrolle einnehmen. Statt Spannung bekommt man hier bloß lange Monologe geboten – zwischendurch fragt man sich, warum die Aktion so lange niemandem in Arkham auffällt – bis das Finale völlig ohne Bruces Zutun im Nichts verpufft.

Journey Into Knight ist insgesamt eine öde und zähle Angelegenheit: extrem wortlastig, arm an Action, und wenn doch, dann sehen wir einen Batman, der sich an einem Seil hinter einem Zug herziehen lässt und auf einer Schiene surft oder mit einem Wasserschlauch den Wall-E macht. Einen Großteil machen Gespräche mit Nebenfiguren aus, die sich um Wayne Industries drehen – und wenn Batman-Leser eins lieben, dann ist es bekanntlich business talk. Und für alle, die etwas anderes wollen, gibt es noch Psychiatergespräche und eine bemühte Liebelei ohne Konsequenzen.

Wir sehen hier einen anderen Batman: einen netten Batman, der auch mal Gordon Kaffee mitbringt und ihm hilft, die Glühbirne im Batsignal zu wechseln, obwohl er ihm zuvor ein Handy gegeben hat. Am Ende sieht man kaum noch etwas von Batman, bis er dann als brutaler Berserker zurückkehrt. Leider hat man hier verpasst, diese Entwicklung ordentlich darzustellen.

Das ist auch deshalb schade, denn die Albtraum-Sequenzen mit dem Vater sind gelungen: Thomas Wayne desillusioniert Bruce, indem er ihm klarmacht, in der Familie sei es alles andere als rosig zugegangen. Thomas habe zu viel gearbeitet und habe zu wenig Zeit für seinen Sohn gehabt. Daraus hätte man eine interessantere Geschichte machen können.

So ist es kein Wunder, dass von dieser epischen Story bisher kein Paperback erschienen ist. Man kann sie getrost dem Vergessen anheim geben.

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Neal Adams zerstört Batman

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DC Comics

Titel: Batman vs. Ra’s al Ghul

Autor/Zeichner: Neal Adams

Erschienen: 2019-2021 (Miniserie #1-6), Hardcover 2021


„What … the living hell is this?!“ (Deadman)

Zugegeben: Ich war skeptisch, als DC verkündete, dass Neal Adams noch eine Batman-Miniserie macht. Als Zeichner ist er eine Legende der 60er- und 70er-Jahre, als Autor hat er spät so ein Machwerk wie Batman: Odyssey verbrochen, das ich immer nich nicht verdaut habe. Nun kehrt er zu Ra’s al Ghul zurück, dem Schurken, den er 1971 mit Dennis O’Neil geschaffen hat. Doch leider ist das so geworden wie befürchtet.

Worum geht’s? Tja, allein das ist nicht leicht zu beantworten. Batman vs Ra’s al Ghul spielt in einem eigenen Universum mit einigen bekannten Versatzstücken: Einerseits wird Bezug genommen auf die Zerstörung Gothams in Cataclysm (Das Beben) und No Man’s Land (Niemandsland), andererseits gibt es einen Damian Wayne, was viel später spielt. Dann ist Commissioner Gordon aus irgendeinem Grund in Japan als Energieberater tätig und Ra’s al Ghul wird Professor (für was?) genannt und darf unbescholten Atomkraftwerke errichten, nur um sich am Ende davon zu distanzieren und für Wasserstoff zu werben.

Batman trifft Deadman (wieder)

Wie bitte? All das wird nie erklärt. Doch kommen wir zur Geschichte. Kurz gesagt: Terroristen greifen ein Kraftwerk an, Batman vereitelt das und wird dabei getötet. Doch dann stellt sich heraus, dass Bruce Wayne weiterlebt, sich aber nicht mehr an sein Dasein als Batman erinnern kann (genauso wenig wie Damian) und Geschäfte mit Ra’s macht. Parallel dazu lebt Batman weiter, allerdings in einer anderen Dimension, wo er mit Deadman unterwegs ist (schon wieder) und buchstäblich zum Dämon mutiert – aber nicht, dass das irgendwelche Konsequenzen hätte.

Außerdem findet noch eine Batman-Olympiade statt, in der Nacheiferer aus aller Welt zusammenkommen. Und es gibt Dinos, Monster, Trolle und Etrigan. Und Man-Bat mit She-Bat. Und Matches Malone. Und für alle, die es interessiert: Boston Brand alias Deadman hat einen Bruder usw.

Adams hat seine besten Jahre hinter sich

So spricht es dem Leser aus der Seele, wenn sich Deadman an den Kopf greift und fragt, was zur Hölle hier eigentlich los ist, bzw. was sich Neal Adams dabei gedacht hat. Offenbar nimmt er sich selbst nicht ganz ernst, denn er lässt Robin fragen: „Doesn’t this feel kinda like a Batman/Robin cartoon?“ Ja, auch das tut es. Manche Sequenz ist so lächerlich, dass man es als Selbstironie verstehen könnte – wäre da nicht so viel Ernst dabei und wären die Dialoge nicht so grenzdebil geschrieben. Damit liefert Adams genauso ein unsägliches Werk wie Odyssey ab, über das sich nichts Gutes sagen lässt. Mit Ra’s al Ghul hat das alles nur wenig zu tun.

Normalerweise kommt jetzt der Part, in dem ich sage: Aber die Optik! Doch auch hier muss man wieder feststellen, dass der Zeichner seine besten Jahre längst hinter sich hat. Nicht nur seinen Figuren mangelt es an Ausdruck, auch seine Layouts wirken aus der Zeit gefallen bis stümperhaft. Wer einen Pfeil braucht, um zu zeigen, wie man die Panels lesen soll, hat etwas falsch gemacht. Und wenn Adams keine Lust hatte, Hintergründe zu zeichnen (etwa einen steinigen Weg), hat er verfremdete Fotos eingesetzt. Das wirkt furchtbar lieblos und billig.

Keine Frage: Adams hat seinen festen Platz in Batmans Geschichte. Aber der Name allein sollte nicht mehr dazu reichen, ihn weitere Comics schreiben zu lassen.

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Batmans Revanche mit Green Hornet

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DC Comics

Titel: Batman 66 Meets the Green Hornet

Autor/Zeichner: Kevin Smith, Ralph Garman/Ty Templeton u.a.

Erschienen: 2014 (Digitale Miniserie #1-12), Paperback 2015


„I happen to think Batman’s cape is quite stylish. Certainly more so than a green hat and overcoat.“ (Bruce Wayne)

Der maskierte Held Green Hornet ist drei Jahre älter als Batman. 1936 tauchte er erstmals in einem Radio Serial auf. 1941 – ebenfalls vor Batman – bekam er ein Kinoserial. Als 1966 erstmals eine TV-Serie erschien, kam sie nach dem Erfolg der Batman-Serie mit Adam West – ebenfalls produziert von William Dozier. Bruce Lee wurde darin berühmt in der Rolle des Kato. In mehreren Episoden nehmen die Serien aufeinander Bezug, in einer Batman-Doppelfolge kommt es sogar zu einem gemeinsamen Abenteuer gegen den Schurken Colonel Gumm (A Piece of the Action/Batman’s Satisfaction).

2014 erschien eine Fortsetzung als Comic. Wieder ist Colonel Gumm der Gegner. Der trägt neben einer pinken Uniform auch eine Maske aus steinhartem Kleber, den er selbst fabriziert hat und nun nicht mehr runterbekommt. Denn Kleber und alles, was klebt, ist seine große Leidenschaft – also auch Briefmarken. Und weil Briefmarken gestempelt werden, mag er auch alle anderen Dinge mit Abdrücken wie Fossilien, Münzen und Nudelpressen. Dabei macht er gemeinsame Sache mit einem anderen Hanswurst im pinken Anzug: dem Joker.

Der erste Raub findet in einem fahrenden Zug statt, in dem zufällig Bruce Wayne und Britt Reed mit seinem Diener Kato unterwegs sind. Die beiden sind sich – Achtung: Kalauer – immer noch nicht grün. Green Hornet wird allgemein weiterhin für einen Schurken gehalten und der Held hält die Fassade aufrecht, um so besser gegen das Verbrechen zu kämpfen. (Klingt logisch, oder? Nein? Na ja, auch egal.)

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DC Comics

So gerät der Fall für Batman und Robin sowie Green Hornet und Kato zu einer klebrigen Angelegenheit. Immer wieder stecken sie gemeinsam im Schlamassel fest und müssen erkennen, dass sie als vermeintliche Gegner zusammenarbeiten müssen. Mal klebt man am Dach eines fahrenden Zuges fest, mal bekommen die Sidekicks die Atemwege verklebt und mal pappt das Dynamische Duo auf einer riesigen Nudelpresse.

Weitere Highlights: Robin und Kato liefern sich ein Rematch in einer Art Battle Royale. Green Hornet besucht die Batcave (natürlich nur betäubt) und geht mit Batman Wände hoch, man fährt gemeinsam im Bat-Hovercraft und prügelt sich so hart mit den Schurken, dass Interjektionen durch die Luft fliegen.

Wer die Serien kenn und liebt, wird hier seinen Spaß haben. Die Figuren sind gut getroffen (wenn auch manchmal etwas steif gezeichnet) und der alberne, aber selbstironische Humor wird so stilsicher fortgesetzt wie die absurden Situationen. Auf 140 Seiten wirkt der Comic wie ein nie gedrehter Crossover-Film. Und die Cover von Alex Ross glänzen wie die perfekten Filmplakate dazu. Schaut euch mal das Cover zu Ausgabe 2 an – das ist zum Niederknien brillant komponiert.

>> Batman 1966


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