Mini-Serie

Batmans Revanche mit Green Hornet

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DC Comics

Titel: Batman 66 Meets the Green Hornet

Autor/Zeichner: Kevin Smith, Ralph Garman/Ty Templeton u.a.

Erschienen: 2014 (Digitale Miniserie #1-12), Paperback 2015


„I happen to think Batman’s cape is quite stylish. Certainly more so than a green hat and overcoat.“ (Bruce Wayne)

Der maskierte Held Green Hornet ist drei Jahre älter als Batman. 1936 tauchte er erstmals in einem Radio Serial auf. 1941 – ebenfalls vor Batman – bekam er ein Kinoserial. Als 1966 erstmals eine TV-Serie erschien, kam sie nach dem Erfolg der Batman-Serie mit Adam West – ebenfalls produziert von William Dozier. Bruce Lee wurde darin berühmt in der Rolle des Kato. In mehreren Episoden nehmen die Serien aufeinander Bezug, in einer Batman-Doppelfolge kommt es sogar zu einem gemeinsamen Abenteuer gegen den Schurken Colonel Gumm (A Piece of the Action/Batman’s Satisfaction).

2014 erschien eine Fortsetzung als Comic. Wieder ist Colonel Gumm der Gegner. Der trägt neben einer pinken Uniform auch eine Maske aus steinhartem Kleber, den er selbst fabriziert hat und nun nicht mehr runterbekommt. Denn Kleber und alles, was klebt, ist seine große Leidenschaft – also auch Briefmarken. Und weil Briefmarken gestempelt werden, mag er auch alle anderen Dinge mit Abdrücken wie Fossilien, Münzen und Nudelpressen. Dabei macht er gemeinsame Sache mit einem anderen Hanswurst im pinken Anzug: dem Joker.

Der erste Raub findet in einem fahrenden Zug statt, in dem zufällig Bruce Wayne und Britt Reed mit seinem Diener Kato unterwegs sind. Die beiden sind sich – Achtung: Kalauer – immer noch nicht grün. Green Hornet wird allgemein weiterhin für einen Schurken gehalten und der Held hält die Fassade aufrecht, um so besser gegen das Verbrechen zu kämpfen. (Klingt logisch, oder? Nein? Na ja, auch egal.)

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DC Comics

So gerät der Fall für Batman und Robin sowie Green Hornet und Kato zu einer klebrigen Angelegenheit. Immer wieder stecken sie gemeinsam im Schlamassel fest und müssen erkennen, dass sie als vermeintliche Gegner zusammenarbeiten müssen. Mal klebt man am Dach eines fahrenden Zuges fest, mal bekommen die Sidekicks die Atemwege verklebt und mal pappt das Dynamische Duo auf einer riesigen Nudelpresse.

Weitere Highlights: Robin und Kato liefern sich ein Rematch in einer Art Battle Royale. Green Hornet besucht die Batcave (natürlich nur betäubt) und geht mit Batman Wände hoch, man fährt gemeinsam im Bat-Hovercraft und prügelt sich so hart mit den Schurken, dass Interjektionen durch die Luft fliegen.

Wer die Serien kenn und liebt, wird hier seinen Spaß haben. Die Figuren sind gut getroffen (wenn auch manchmal etwas steif gezeichnet) und der alberne, aber selbstironische Humor wird so stilsicher fortgesetzt wie die absurden Situationen. Auf 140 Seiten wirkt der Comic wie ein nie gedrehter Crossover-Film. Und die Cover von Alex Ross glänzen wie die perfekten Filmplakate dazu. Schaut euch mal das Cover zu Ausgabe 2 an – das ist zum Niederknien brillant komponiert.

>> Batman 1966


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Batman und der Unsichtbare

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DC Comics

Titel: Batman Unseen

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 2009-2010 (Miniserie #1-5), Paperback 2010


„Take that, Mr. H.G. Wells…Eat your own invisible heart out–and you still got nothin‘ on the real-gone genius me!“

Black Mask heuert den ehemaligen Waynetech-Forscher Nigel Glass an, um ihm ein Serum herzustellen, das unsichtbar macht. Glass macht sich an die Arbeit und entdeckt nach und nach, wie er seine Haut, Muskeln, Innereien und Knochen fürs Auge verschwinden lässt. Tolle Sache, doch Glass entdeckt die Vorzüge für sich, wird zum Mörder und rächt sich an all den Menschen, die ihm einst Schlechtes angetan haben. Batman muss sich fragen: Wie fängt man einen Mörder, den man nicht sehen kann?

Doug Moench und Kelley Jones, die bereits in den 90ern Batman haben gegen Dracula antreten lassen (Red Rain), lassen ihn hier gegen ein weiteres Universal-Film-Monster kämpfen: den Unsichtbaren nach dem Roman von H.G. Wells. Jones inszeniert den Fünfteiler in gewohnt surrealistischer Manier mit vielen Schatten, Cape-Eskapaden, gewaltigen Muskelbergen und kuriosen Maschinen. Man muss diese Eigenwilligkeit mögen – ich liebe es mittlerweile, auch weil es Batman stets zu seinem Ursprung im Horror zurückführt.

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DC Comics

Abgesehen davon darf Batman hier auch Detektiv spielen, der Rest ist kraftstrotzende Action mit vielen Prügeleien gegen den unsichtbaren Gegner. Das darf auch mal sein und hört auch auf, bevor es öde wird – insofern ist Batman Unseen eine kurzweilige Lektüre. Nur dass Batman am Ende das Serum selbst nimmt und dann nackt im Cape durch den Schnee stapft, ist wohl eher visuell motiviert als wirklich sinnvoll.

Sinnvoller wäre es zum Beispiel, einen Eimer Farbe oder eine Packung Mehl mitzubringen, um den Schurken sichtbar zu machen. Aber nein, es müssen fancy Supersichtlinsen sein. Sinn ist hier auch eher nebensächlich. Herrje, es macht Spaß und sieht toll aus. Kann man mehr verlangen? Ja. Aber man kann es auch einfach genießen.

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Man-Bat gegen Scarecrow – und sich selbst

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DC Comics

Titel: Man-Bat (dt. Das Monster von Gotham)

Autor/Zeichner: Dave Wielgosz/Sumit Kumar

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-5), Paperback 2021


„It’s time to make peace with who you are.“

Kirk Langstrom spielt den Helden. Zunächst hat er sein Man-Bat-Serum nur erfunden, um seiner Schwester Lisa das Gehör wiederzugeben (hat nicht geklappt, mit den bekannten Nebenwirkungen), jetzt geht er auch noch auf Verbrecherjagd, um sich wenigstens irgendwie nützlich zu machen. Doch das geht schief.

Als er die Blackout-Gang angreift, die gerade eine Schallkanone klaut, verlieren alle Umstehenden ihr Gehör (bis auf Man-Bat und Batman). Batman nimmt Kirk mit in die Batcave, analysiert ihn und kommt zu dem Schluss, dass Man-Bat zunehmend von ihm Besitz ergreift – und das werde er nicht überleben. Kirk will alles wiedergutmachen und haut ab, da schickt Amanda Waller die Suicide Squad auf ihn los – und dann taucht auch noch Scarecrow auf, der ganz eigene Pläne verfolgt …

Man-Bat wird hier zur Jekyll-und-Hyde-Figur. Kirk Langstrom trägt einen Konflikt mit dem inneren Monster aus, das immer schon ein Teil seiner selbst gewesen ist. Gleichzeitig ist er ein Junkie des von ihm geschaffenen Serums, das nur Unheil über ihn und seine Ehe mit Francine bringt. Die ganze Story ist im Grunde nichts als eine große Selbstanalyse. Figuren wie Harley Quinn und Scarecrow halten ihm den Spiegel vor, bis er endlich die Wahrheit über sich erkennt und sich mit sich selbst versöhnt.

Kirk Langstrom akzeptiert das Monster in sich

Es ist die typische Geschichte einer Selbsterkenntnis, eine Wandlung von der Lüge zur Wahrheit. Nicht alles auf dem Weg dahin ist notwendig, der Auftritt der Suicide Squad wirkt beliebig, ebenso wie der von Harley Quinn. Scarecrow versucht mal was Neues: Statt mit Angstgas will er mit unterschwelligen akustischen Botschaften das Schlimmste der Menschen hervorbringen – was auf ein Duell zwischen einem fiesen Batman und einem mit Venom aufgepumpten Man-Bat führt.

Die Tatsache, dass das Szenario zweimal mit dem Modeschlagwort „toxische Männlichkeit“ betitelt wird, macht den Stumpfsinn darin nicht klüger. Batman sagt etwas Dummes in der Art von „Es kann nur einen geben“ und dann folgen Kalenderspruchklischees wie „Frieden mit sich selbst schließen“ und „Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens“ – das nennt man dann wohl toxische Einfallslosigkeit.

Auch wenn es mich freut, dass Man-Bat mal wieder mehr Aufmerksamkeit bekommt, und alles dafür getan wird, eine Charakterstudie aus dieser Story zu machen, ringt dieser Fünfteiler der Figur nicht viel Neues ab und so bleibt dieser Comic nichts als gut aussehende Durchschnittsware, wie das Meiste, was derzeit an Fledermausbüchern auf dem Markt ist.

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Batman und die Stadt des Lichts

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DC Comics

Titel: Batman: City of Light

Autor/Zeichner: The Pander Brothers, Mark Paniccia/The Pander Brothers

Erschienen: 2003-2004 (Miniserie #1-8), kein Paperback


„To become the man you must first become the beast.“

Bei einem Einsatz gegen Kleinganoven bringt Batman eine Feuertreppe zum Einsturz, sodass ein unschuldiger Junge lebensgefährlich verletzt wird und im Koma landet. Batman macht sich schwere Vorwürfe, pausiert und lässt sich von einem Maler porträtieren. Batgirl (Cassandra Cain) macht gegen seinen Willen für ihn weiter.

Derweil entscheidet Bruce Wayne mit darüber, wie das Gotham von morgen aussehen soll. Der Architekt Evan Slate will mittels einer neuen Technologie eine weiß leuchtende Stadt ohne Schatten errichten, damit sich das Verbrechen nicht mehr im Dunkeln verstecken kann. Klingt einfältig, ist aber so. Praktischerweise jagt dann ein neuer Schurke namens Purge den Altbestand in die Luft. Er trägt einen leuchtenden Anzug, wie ihn Slate besitzt, aber in dem Kostüm scheint ein anderer zu stecken …

Batman wird zum Tier

Batman ist hier mal wieder ein großer Selbstzweifler: „I have become part of the sickness that I had set out to vanquish.“ Er spürt ein Monster in sich wüten, das er eigentlich zerstören wollte. Er fühlt sich nutzlos, hat Angst, dass seine Zeit als Batman vorbei ist. Der Künstler, der ihn malt, gibt ihm einen Rat: Um ein Mensch zu werden, müsse er zuerst zum Tier werden. Also suhlt sich Batman im Dreck und gibt befremdliche Grunzgeräusche von sich („GRRMBLL“).

So interessant die Prämisse daherkommt, ist City of Light etwas seltsam gewichtet: Das Finale füllt vier von acht Ausgaben. Es gibt unnötige Subplots mit Künstlern, Polizei und Batgirl, die einen nicht weiter zu interessieren brauchen. Und Batmans Benehmen befremdet zuweilen etwas („Paint me“), genauso wie die naive Vision des Architekten. Der Zeichenstil besticht eher durch Action-Sequenzen als durch Mimik, die Gesichter wirken zuweilen cartoonhaft. Dennoch gehört die Miniserie dank des starken Erzähltons und dynamischer Kämpfe zu den unterhaltsameren und hätte eine Neuauflage in Form eines Sammelbandes verdient.

>> Batman 2000-2011


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Batman im Reich der Untoten

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Gotham County Line #1-3 (DC Comics)

Titel: Batman: Gotham County Line

Autor/Zeichner: Steve Niles/Scott Hampton

Erschienen: 2005 (Miniserie #1-3)


„Dead is dead. Isn’t it?“ (Batman)

Nach einem Kampf mit dem Joker fragt sich Batman, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Eine faktenbasierte Recherche bringt ihn nicht weiter, doch dann bekommt er einen Fall, in dem er praktische Erfahrung sammeln kann. James Gordon schickt Batman nach Gotham County. Normalerweise meidet Batman die Vorstadt (wahrscheinlich weil es dort keine Hochhäuser und Wasserspeier gibt), aber der Fall lässt ihn eine Ausnahme machen.

Ein Serienmörder tötet Familien und schneidet den Opfern die Augen heraus. Kaum hat Batman mit seiner Detektivarbeit begonnen, bekommt er es mit dem Mörder zu tun, wird im Nahkampf ausgeknockt und später sogar angeschossen. Er findet heraus, dass es ein Polizist namens Radmuller ist. Doch als er ihn fassen will, hat der Mörder seinen Selbstmord so inszeniert, dass Batman für den Tod mitverantwortlich ist. Und dann wird es noch wilder: Radmuller steht von den Toten auf – und er ist nicht der einzige.

Was folgt, ist eine Reise in eine seltsame Welt, nicht Jenseits, nicht Traum, aber irgendeine andere Form von Realität, in der Batman auf Scharen von Untoten trifft – eine Art Fluch, verursacht vom Mörder. Zwischendurch erklärt noch Deadman die Handlung und Phantom Stranger darf bei so einer Horror-Story ebenso wenig fehlen wie ein toter Robin und die Eltern von Bruce Wayne.

Steve Niles (Gotham After Midnight) erzählt eine sehr düstere Horrorstory mit einigen Schockmomenten und seitenlangen Prügeleien gegen Zombies und am Ende steht die tröstende Erkenntnis, dass es irgendeine Form von Dasein nach dem Tod gibt und man auch auf eine Art von Gerechtigkeit für Mordopfer hoffen kann. Zeichner Scott Hampton (Night Cries) hat einen etwas sperrigen Stil, der mit starken Schatten und unruhigen Strichen eine beklemmende Atmosphäre schafft – zumindest wenn man Batman nicht mit Jetpack durch die Luft düsen sieht, das nimmt dem Dunklen Ritter, der bekannt dafür ist, aus dem Nichts aufzutauchen und darin zu verschwinden, seine mystische Aura.

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Adam West trifft Lynda Carter

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DC Comics

Titel: Batman ’66 Meets Wonder Woman ’77

Autor/Zeichner: Marc Andreyko, Jeff Parker/David Hahn

Erschienen: 2016-2017 (Miniserie #1-6), Paperback 2017


Wenn man die beiden Intros der Batman-Serie der 60er mit der Wonder-Woman-Serie der 70er vergleicht, fallen große Parallelen auf: Beide haben einen eingängigen Titelsong, beide betonen den Bezug zu den Comics. Heute gelten beide Serien zugleich als Trash und Kult und beide haben Comic-Adaptionen nach sich gezogen – da lag es nahe, dass die Versionen der Figuren auch zusammentreffen: „Adam West“ und „Lynda Carter“ kämpfen gemeinsam gegen Ra’s al Ghul.

Die Geschichte beginnt mit Catwoman. Sie stiehlt das Buch Lost World of the Ancients für Talia al Ghul. Batman und Robin schnappen sich das Katzenweib, Talia entkommt, und Bruce erzählt, dass er die mysteriöse Frau kennt. Talia und ihr Vater Ra’s kamen in den 40ern zu einer Auktion der Wayne Foundation in Wayne Manor. Ra’s versucht dabei, das Buch (und ein weiteres mit gleichem Namen) zu ersteigern, doch es gewinnt ein anderer Büchersammler. (Warum er ihn nicht einfach überbietet, bleibt rätselhaft.) Dann wollen Nazis die Bücher rauben, bis die League of Assassins Ansprüche erhebt.

Zufällig ist auch Diana Prince mit Steve Trevor anwesend. Sie verwandelt sich mit einem Ballerina-Dreher in Wonder Woman, kämpft gegen die Nazis, rettet den kleinen Bruce und seine Familie vor ihnen. Nebenbei entdeckt Klein-Bruce durch einen Sturz die Batcave

22 Jahre später fliegt Batman mit Robin und Catwoman nach Themyscira, um Wonder Woman zu warnen und Ra’s davon abzuhalten, in eine Lazarusgrube zu steigen. Weitere zehn Jahre später kehrt Ra’s zurück. Bruce hat als Batman aufgehört, Dick Grayson ist Nightwing und Barbara Gordon Police Commissioner.

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Batmans neues Batmobil in den 70ern. (DC Comics)

Dafür, dass man etwas sehr Albernes erwartet, überrascht diese Story mit einer gar nicht mal so bescheuerten und sogar ziemlich einnehmenden Handlung. Sparsam mit Gags, aber trotzdem leichtfüßig kommt das alles daher, und erzählt eine nostalgische Geschichte über drei Jahrzehnte hinweg. Wir sehen, wie die Batman-TV-Serie aus ihrem Status quo herausentwickelt, sie bekommt eine Vorgeschichte und eine Fortsetzung in ferner Zukunft – inklusive eines neuen Batmobils. Es gibt Zitate aus den Comics dieser Zeit (z.B. Copperhead) wie auch aus der Popkultur (Disco und Kung-Fu).

Für riesige Plot Holes wird man mit Schauwerten wie Greifen, Zyklopen und sich in Rauch auflösenden Kämpfern entschädigt. Die schlichten Zeichnungen sind keine künstlerische Offenbarung, erfüllen aber ihren Zweck. Mit flottem Strich und knalligen Farben wirkt das Ganze, als würde man einen soliden und unterhaltsamen Zeichentrickfilm schauen.

Das Herz der Story bildet das Verhältnis zwischen Bruce und Diana. Sie ist es, die ihn erst zu Batman macht: „I wouldn’t be the man I am today without your inspiration“, sagt er zu ihr.  Und sie ist es, die ihn am Ende aus der Versenkung holt, sodass der Emeritus wieder ins Kostüm steigt. – Sehr schön.

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Wonder Woman hinterlässt verbrannte Erde

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DC Comics

Titel: Wonder Woman: Dead Earth

Autor/Zeichner: Daniel Warren Johnson

Erschienen: 2020 (Miniserie #1-4), Hardcover 2020, dt. Panini 2020-2021 (Vierteiler)


„You may have broken the world … but I know you’re the only one who can fix it.“ (Batman)

Die Erde ist verwüstet von einem Atomkrieg, nur noch wenige Menschen sind übrig, dafür viele riesige und furchtbare Monster. Und mittendrin erwacht eine Prinzessin aus ihrem Dornröschenschlaf – Diana von den Amazonen, ehemals Wonder Woman. Sie erwacht nicht irgendwo, sondern in der Batcave. Batman selbst ist längst tot. Sie kann sich nicht erinnern: Was ist denn hier passiert?

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Wonder Woman trifft Batman – auf Dead Earth. (DC Comics)

Diana stückelt sich wieder ein Wonder-Woman-Kostüm zusammen, zieht Batmans Gürtel an, befreit die Menschen aus der Oase Camp New Hope von ihrem Tyrannen und will sie nach Themyscira führen, denn die Insel dürfte immer noch das Paradies sein. Tja, falsch gedacht – es wird alles immer schlimmer.

David Warren Johnson zeichnet diese Post-Apokalypse mit unruhigem, schroffen, aber ungemein dynamischen Strich. Er hat ein gutes Gespür für Dramatik und einige starke Einfälle, die altbekannte Figuren wieder interessant erscheinen lassen, wie etwa bei einem Gladiatorenkampf gegen eine mutierte Cheetah. Und was die Heldin mit Superman macht, ist zu herrlich, als dass ich es hier spoilern wollte.

Diese Wonder Woman ist keine Idealschönheit nach klassichen US-Maßstäben, sondern erscheint als normale Frau, die trotzdem unfassbare Kräfte in sich vereint – Kräfte von Göttern, die erst einmal gebändigt werden müssen und zum Schluss entfesselt werden. Die Amazone vereint damit zwei Extreme, die größte Gefahr und die größte Hoffnung der Menschheit zu sein. Und das Beste: Sie kommt ganz ohne Superman, Batman und andere Superhelden aus, auch wenn sie am Rande als Echo der Vergangenheit vorkommen. Dafür steht ihr Verhältnis zu den Menschen und den Amazonen im Vordergrund.

Damit ist Dead Earth ein spannendes, blutiges, kurzweiliges und bildgewaltiges Vergnügen für alle Fans (und Nichtfans) von Wonder Woman, Endzeitszenarien, epischen Schlachten und Mainstreamcomics jenseits des Mainstreams.

>> Wonder-Woman-Comics


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Harley Quinn auf Joker-Jagd

Joker/Harley: Criminal Sanity

DC Comics

Titel: Joker/Harley: Criminal Sanity (dt. Psychogramm des Grauens)

Autorin/Zeichner: Kami Garcia/Mike Mayhew, Mico Suayan u.a.

Erschienen: 2019-2021 (#1-8), Hardcover 2021, dt. Panini 2021-2022 (#1-3)


„I’m an artist trying to create something exceptional.“ (Joker)

Mal wieder Joker, mal wieder Harley Quinn, denn wenn sich gerade etwas verkauft, dann diese beiden Namen. Und dann: Schon wieder ein neuer Origin, nachdem DC Black Label bereits Harleen herausgebracht hat?

Tatsächlich ist Criminal Sanity anders. Harley Quinn (die sich tatsächlich  von Anfang an so nennt) ist eine junge Profilerin für die Polizei von Gotham und arbeitet mit James Gordon zusammen. Statt Batman darf sie sich die Tatorte ansehen und sich in die Serienmörder hineinversetzen. Der Joker drapiert Leichen wie berühmte Kunstwerke, von Leonardos „Vitruvianischen Menschen“ zu Dalís „Venus von Milo mit Schubladen“.

Dieser Joker ist ein junger, durchtrainierter Mann mit kurzen grüngefärbten Haaren und einem rotverschmierten Mund, eine Kreuzung aus Heath Ledger und Jared Leto. Allerdings ist er gänzlich humorbefreit und bringt seine Opfer mit Drahtbügeln zum „Lächeln“. Harley hat eine Vergangenheit mit ihm: Ihre damalige Mitbewohnerin gehörte zu seinen ersten Opfern. Während also immer mehr Leichen auftauchen, erfahren wir, wie aus John Kelly der Joker wurde.

Joker als Batman-Ablösung?

Dabei lernen wir zwar: Nein, nicht alle Serienmörder sind Psychopathen oder geisteskrank. Viele sind erschreckend klar im Kopf und berechnend, was belegt, dass es doch das reine Böse im Menschen geben kann. Trotzdem bekommt auch der Joker eine traumatische Vorgeschichte samt Kindesmisshandlung angedichtet – einfach alles wird an dieser Figur rational hergeleitet, was ihm einiges vom Schrecken nimmt. Seine Opfer sind (meistens) Menschen, die „es verdienen“, daher wird er als Vigilant bezeichnet, der Batman ablösen könnte.

Dem Joker gefällt das gar nicht. Er sieht sich als Künstler, der etwas Außerordentliches schaffen will. Leider fällt ihm nicht auf, dass er bloß andere plagiiert. Und auf welches Kunstwerk er sich am Ende bezieht, wenn er die Besucher eines Rockkonzertes mit einem tödlichen Gas aussetzt, wird nicht klar. Das ist inkonsequent.

Batman schafft den Joker mit

Trotzdem: Criminal Sanity gelingt ein frischer Ansatz für das Altbekannte. Harley Quinn rutscht nicht in den Wahnsinn hinab, wird nicht zu Jokers Gefährtin, sondern bleibt eine entschlossene Kämpferin gegen ihn, auch wenn sie ihn zwischendurch (seltsamerweise) davonkommen lässt. Daher braucht es in dieser Story auch keinen Batman und er spielt hier auch fast keine Rolle. Nur am Anfang wird sein fahrlässiges Fahrverhalten Auslöser für einen Autounfall, bei dem die Mutter von John Kelly getötet wird. Damit erschafft er den Joker mit, als Kollateralschaden.

Auch visuell überzeugt die Story weitgehend: Die Haupthandlung ist in Schwarz-weiß und in einem stimmungsvollen, hyperrealistischen Stil gehalten, der an Lee Bermejo (Joker) erinnert. Die farbigen Rückblenden allerdings sind in den ersten zwei Kapiteln fotorealistisch, und zwar so, dass  man tatsächlich Fotos von Menschen genommen und sie am Computer leicht nachbearbeitet hat. Nun ist es kein Geheimnis, dass manche Zeichner Fotomodells benutzen, aber das hier sieht zu sehr nach Bravo-Foto-Love-Story im Uncanny Valley aus.

Ist das 35 Euro wert, wie die US-Ausgabe kostet? Vielleicht. Auf keinen Fall 60 Euro, wie man für die drei Bände der deutschen Ausgabe berappen muss.

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Bruce Wayne allein gegen Big Brother

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DC Comics

Titel: Future State: Batman – Dark Detective

Autorin/Zeichner: Mariko Tamaki/Dan Mora u.a.

Erschienen: 2021 (Dark Detective #1-4; Future State: Catwoman #1-2; Future State: Harley Quinn #1-2; Future State: Robin Eternal #1-2; Future State: Batman/Superman #1-2), Paperback 2021


„Batman is dead. Long live Batman.“

Gotham ist eine totalitäre Überwachungsdiktatur geworden. Superhelden sind verboten und zusammen mit den Schurken weggesperrt. Wer noch frei ist, wird verfolgt. Bruce Wayne ist tot, aber ein neuer Batman hat seine Nachfolge angetreten (siehe The Next Batman). Aber natürlich scheint es nur so, denn Bruce lebt – und will den Magistrate und die Peacekeepers ausschalten, die die Stadt beherrschen. Bruce fehlen zwar die üblichen Ressourcen wie Technik, Geld und Verbündete, aber der wahre Batman kann improvisieren.

Er bastelt sich ein Kostüm zusammen, ganz Oldschool mit lila Handschuhen (siehe auch Zero Year), dazu Ledermantel und selbstgemalter gelber Fledermaus auf der Brust. Und dann zieht er los gegen Drohnen, bevor die totale Überwachung in Gotham einsetzt. Dabei nutzt er das Vertrauen eines Verschwörungstheoretikers aus.

Mariko Tamaki erzählt in Future State: Dark Detective ihre erste größere Batman-Story (nach Detective Comics #1027 und bevor sie Detective Comics übernimmt) und sie macht das sehr souverän. Es beginnt bereits mit einer schönen Metapher wie „Gotham is a funeral no one’s attending“ und setzt Bruces inneren Monolog in bester Hardboiled-Manier fort, wie es Frank Miller bereits zur Meisterschaft trieb.

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Bruce trifft Jace: Zwei Batmen in Future State (DC Comics).

Wir sehen, wie Batman von Peacekeeper-01 angeschossen wird und mit dem Leben davonkommt, dann wie er als neuer Batman gegen Roboter kämpft und dabei auch auf den neuen Batman trifft. Hier könnte es eine spektakuläre Kampfszene geben. Aber Tamaki umgeht das übliche Muster, indem sie die beiden bloß einander fragen lässt: „Who the hell are you?“ Das hat eine gewisse Situationskomik, ohne ins Lächerliche zu kippen. Nach ein paar guten Ratschlägen geht man getrennter Wege. Sehr schön.

Dan Mora bringt mit seinen Zeichnungen die Figuren zum Leben in einem Stil, der an Greg Capullo erinnert, dazu leuchtet die düstere Zukunft in bunten Farben. Und wenn dann auch noch eine spektakuläre Doppelseite mit splitterförmigen Panels eine Kampfszene illustriert, wertet das auch eine sonst simple Story um einiges auf.

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Gesplitterte Panels: Dark Detective #4 (DC Comics)

Außerdem sieht man wie Batman und Superman am Anfang der Krise in Gotham gegen Menschen mit Tierköpfen und anderen fiesen Mutationen kämpfen. Andere Geschichten in dem Sammelband widmen sich Catwoman, Harley Quinn und Robin. Die habe ich mir gespart, da Lebenszeit begrenzt und kostbar ist.

>> Batman 2020-2029

Batmans Nachfolger in naher Zukunft

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DC Comics

Titel: Future State – The Next Batman

Autor/Zeichner: John Ridley u.a./Nick Derington u.a.

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-4), Paperback 2021


Ein paar Jahre in der Zukunft: Gotham ist ein Polizeistaat, bewacht vom Magistrate, einer privaten Paramilitärischen Einsatztruppe, angeführt von den Peacekeepern, die auf alles schießen, was eine Maske trägt, also Superhelden und Schurken zugleich. Batman ist bereits tot (angeblich), doch es gibt einen mysteriösen Nachfolger: Tim „Jace“ Fox, Sohn von Lucius Fox.

Dieser Batman trägt eine Maske, die das ganze Gesicht bedeckt und einen gepanzerten Anzug, der ihm am Verbluten hindert, sowie mit weiteren netten technischen Spielereien gespickt ist. Seine Familie weiß nichts davon. Bruder Luke (ehemals Batwing) ist nicht gut auf ihn zu sprechen, Schwester Tamara liegt im Koma, Vater Lucius liefert Waffen, während Mutter Tanya als Juristin den Bürgermeister berät, wie das „Shoot-on-sight“-Gesetz verbessert werden kann. Ihre Tochter Tiff ist nicht begeistert und versucht, zwischen den zerstrittenen Brüdern zu vermitteln.

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Tim „Jace“ Fox als Next Batman (DC Comics)

Während der neue Batman also von Polizei und Magistrate gejagt wird, versucht er, das Verbrechen zu bekämpfen, zum Beispiel die Jugend von den Gangs fernzuhalten. Und dann taucht eine Leiche auf, die Täter sind schnell gefasst, doch diese sind Eltern, die bloß ihre ermordete Tochter gerächt haben. Was tun, wenn eine Auslieferung bedeutet, sie dem Tod zu überlassen?

John Ridley (Autor von 12 Years A Slave, wie DC nicht müde wird zu betonen) legt einen Vierteiler vor, der von familiären und moralischen Konflikten durchzogen ist, und zugleich eine Menge Action bietet. Vielleicht steckt auch zu viel in diesen wenigen Seiten, sodass vieles nur angedeutet werden kann, um es anderswo weiterzuerzählen (siehe The Next Batman: Second Son). Trotzdem eine unterhaltsame Lektüre. Leider wird das Vergnügen getrübt durch die ausdrucksarmen Gesichter, die Laura Braga zeichnet. Nick Derington ist bloß für das erste Kapitel verantwortlich und man vermisst ihn schmerzlich.

Nightwing, Batgirls und Outsiders

Ferner sehen wir Nightwing, wie er sich im stillgelegten Arkham Asylum verschanzt, um gegen den Magistrate Krieg zu führen. Dabei wird er unterstützt vom neuen Batman und anderen Mitgliedern der Familie wie Robin, Batgirl, Batwoman, Huntress, Talia al Ghul, Two-Face und Man-Bat.

Im Paperback werden außerdem noch viele andere Geschichten von Nebencharakteren erzählt: Batgirls, Outsiders, Gotham City Sirens sowie Grifter. Wer sich – wie ich – für die Marginalien nicht interessiert, dem sei der Sammelband Batman by John Ridley: The Deluxe Edition empfohlen. Darin ist nur die Geschichte The Next Batman enthalten, neben wenigen Extras.

>> Batman 2020-2029