Batman mit Knarre

Batman: Year Two/Full Circle/Fear the Reaper

Batman: Year Two/Full Circle/Fear the Reaper

Titel: Year Two – Fear the Reaper/Full Circle

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis, Todd McFarlane

Erschienen: 1987 (Detective Comics #575-578)/1990 (One-shot) (Paperback 2002)


Batman war nicht der erste Rächer von Gotham City. 20 Jahre vor ihm machte der Reaper die Straßen unsicher, ein Kerl mit roter Rüstung, Totenkopfmaske und Sicheln an den Händen. Dieser „Sensenmann“ brachte den Tod, metzelte alle – Gauner wie Prostituierte – ohne Unterschied nieder. Nun, in Batmans zweitem Dienstjahr, kehrt er wieder zurück. Klar, dass die Fledermaus mit diesen Methoden seine Probleme hat. Doch bei der ersten Konfrontation zwischen den beiden Rächern bekommt Batman eine derartige Abreibung, dass er beschließt, zu härteren Mitteln zu greifen: der Pistole, die seine Eltern getötet hat.

Dieser Tabubruch kommt etwas plötzlich und es ist auch nicht ganz klar, warum es nötig ist, so weit zu gehen. Zumal Batman sie kaum benutzt, und dass auch nur so selten wie möglich, etwa um Gegner zu entwaffnen oder um Gordon seine Pistole aus der Hand zu schießen (was etwas sinnfrei ist, weil beide in dieser Situation dasselbe wollen, nämlich den Reaper zu überführen). Auf die Reaper zu schießen ist übrigens sinnlos, da ihn die Rüstung schützt. Konsequenz geht anders. Aber es kommt noch dicker: Da auch die Unterwelt ein Interesse daran hat, den Hardliner mit den Sichelhänden loszuwerden, verbünden sich die Gangster mit Batman und stellen ihm einen Profikiller zur Seite: Joe Chill, den Mörder seiner Eltern.

Auch diese Grenzüberschreitung ist nicht ganz glaubwürdig, selbst wenn Batman ständig mit sich hadert und bei jeder Gelegenheit das Trauma des jungen Bruce Wayne wiederholt wird. Einmal rettet er Chill sogar vor dem Tod, aber nur um später seine Rache an ihm zu vollziehen … Da stellt sich die Frage, warum Batman das nicht schon früher angestrebt hat, wenn er den Namen des Mörders kannte und der offenbar frei rumlief. Egal: Autor Mike W. Barr (Son of the Demon) bringt eine actionreiche Story, die dank ihrer beiden Gimmicks (Knarre und Joe Chill) skandalträchtig genug ist, um interessiert weiterzulesen. Dazwischen findet eine etwas bemühte Love-Story zwischen Bruce Wayne und der Tochter des Reaper statt. Zunächst bringt sie Wayne davon ab, Nonne zu werden, am Ende wird sie’s doch, einfach so, viel zu schnell. Aber Bruce Wayne und Frauen – das kann ohnehin nie gutgehen.

Year Two profitiert sehr von seinen Zeichnern Alan Davis und Todd McFarlane (später Schöpfer von Spawn), letzterer verleiht Batman mit einem überdimensionalen Cape einen Hauch von Surrealismus. Besonders im letzten Kapitel fällt der Wechsel auf, weil McFarlane selbst die Tusche besorgt und das zu einem deutlichen Stilbruch führt. Der Geschichte schadet es nicht. Ihr wesentlicher Makel besteht darin, dass man ihr mehr Zeit (oder besser gesagt Raum) hätte lassen sollen, vor allem am Ende.

Drei Jahre später wurde die Geschichte um den Reaper in dem One-shot Full Circle fortgesetzt. Es ist nicht zuviel verraten, dass der Reaper von einem Nachahmer ersetzt wird, nämlich dem Sohn von Joe Chill, der sich an Batman rächen will. Dieser Sohn wird nachträglich in die Handlung von Year Two reingedichtet. Zugleich wird die Episode nachgereicht, in der der junge Bruce die Waffe von Chill findet und von Leslie Thompson betreut wird. Ansonsten ist Full Circle eine Geschichte zwischen Vätern und Söhnen, deshalb spielt auch Robin am Ende eine entscheidende Rolle. Aber da der Story die Brisanz des Vorgängers fehlt und auch der Schurke nur noch in der zweiten Klasse spielt, ist die Fortsetzung nicht mehr als eine nette, aber nicht notwendige Ergänzung zu Year Two.

(Beide Teile wurden 2002 in dem Paperback Year Two: Fear the Reaper gesammelt.)

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