Herrschaft des Untergrunds

Batman: The Cult

Titel: The Cult (dt. Der Kult)

Autor/Zeichner: Jim Starlin/Bernie Wrightson

Erschienen: 1988 (Mini-Serie #1-4, Paperback 1991)


 „There’s nothing we can do to help Gotham. It’s all over. We’ve lost.“ (Batman)

Fast zehn Jahre lang hat Batman gegen die übelsten Verbrecher und Psychos gekämpft und immer gesiegt – er schien unbesiegbar. Doch dann kommen ein paar buchstäbliche Penner dahergelaufen, überwältigen ihn, nehmen ihn in der Kanalisation gefangen. Und ihr Anführer Deacon Blackfire, ein selbsternannter Messias, schafft es, Batman mit Folter und Drogen zu brechen. Schlechte Aussichten. Während Batman da unten halluziniert und zum Ein-Personen-Kult bekehrt wird, übernehmen die Penner eine Schreckensherrschaft über Gotham. Brutal schlachten sie zunächst alle Verbrecher ab, dann alle, die sich ihnen in den Weg stellen. Gotham wird evakuiert, selbst die Army wirkt machtlos. Und obwohl Batman es schafft, sich zu befreien, gibt auch er seine Stadt auf …

The Cult zeigt uns einen schwachen Batman. Sein Gesicht sieht meist aus, als würde er gleich in Tränen ausbrechen, er hat Angst zu kämpfen, kurzum: der Held ist hier mehr denn je ein Waschlappen. Selbst der lahme Robin II wirkt dagegen, als stünde ihm das Fledermauskostüm besser. Einerseits nervt das, andererseits sind es Batmans Albträume und Halluzinationen, die die stärksten Eindrücke hinterlassen. Zeichner Bernie Wrightson und Kolorist Bill Wray schaffen es, ein Gefühl von Bedrückung und Horror zu vermitteln. Kunstvolle Einfälle wie ‚zerbrechende‘ Panels verstärken den Effekt. Besonders gelungen sind die gemalten Cover der ersten beiden Einzelausgaben, auf denen Batman in Details nur angedeutet wird.

Autor Jim Starlin hat eine der brutalsten Batman-Stories geschrieben, doch die Gewalt bleibt nicht Selbstzweck. Sie führt Batman an ihre Grenzen – und darüber hinaus. Da dieser Aspekt der stärkste an der Geschichte ist, sei ihr auch verziehen, dass sie im Finale ziemlich abflacht. (Dass er am Ende wieder zur Pistole greift, wird – anders als in Year Two – leider nicht problematisiert.) Starlin bietet in seinem Vorwort an, The Cult als eine Allegorie auf die Lobby der Moralapostel lesen könnte, die in den USA gegen Superheldencomics und andere unliebsame Kunstformen vorgehen – eine Rückkehr zu den Anfängen des Comics Codes. Erschreckend, dass es immer noch Menschen gibt, die glauben, dass man mit Zensur, Verboten und der Vernichtung von Kulturgütern etwas Gutes tun kann. Im Gegenteil: Ein Buch wie The Cult verdient es jedenfalls, wieder neu aufgelegt zu werden.

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