Autor/Zeichner: Brad Meltzer/Pepe Larraz
Erschienen: 2026 (One-shot)
So geht das: Keine Zeit verlieren, sofort mitten rein in die Handlung. Superman und Spider-Man sind in einer Art dunkler Höhle gefangen, geschaffen von ihren Erzfeinden Lex Luthor und Green Goblin. Superman kann nicht durch die Wände schauen, Spider-Mans Spinnensinn funktioniert nicht. Man lernt einander mit Röntgenblick und Humor kennen. Da plumpst eine Kryptonitbombe in Form eines Halloween-Kürbisses hinein und die Decke senkt sich ab. „Holy trash compactor, chum!“ (Adam West und Burt Ward lassen ebenso grüßen wie George Lucas.)
Während also Spider-Man mal wieder mehr (er)tragen muss, als er halten kann (siehe ASM #33), muss der geschwächte Superman ihn von der Mühe ablenken. Warum er tue, was er tue, fragt Superman. „Guilt“, sagt Spider-Man. Schuldgefühle. Superman hilft ihm dann, so gut er kann. Doch als die Last leichter zu werden scheint, verflüssigen sich die Wände, Superman wird von Venom befallen – und mutiert zum Super-Venom!
Marvels Spider-Man/Superman-Crossover macht vieles besser als der Vorgänger von DC. Der Autor Brad Meltzer (Identity Crisis) weiß, dass er nicht viel Platz hat, also macht er das Beste draus, indem er sofort mit der Krise einsteigt und sich die meiste Zeit auf ein Kammerspiel beschränkt. Dann folgen sieben Seiten Action mit schönen Splash Panels und einer Splash Page, in denen Zeichner Pepe Larraz glänzen kann. Sein etwas „schmutziger“ Stil mit vielen Schraffuren und Sprenkeln lässt das Hochglanzevent organisch und geerdet erscheinen, auch wenn sich im Hintergrund (zu) viele Schurken tummeln.
Leider folgt dann noch ein überlanger Epilog von ebenfalls sieben Seiten. Clark Kent trifft Peter Parker am Grab von Ben Parker, man spricht nochmal über Schuldgefühle und Clark verrät Peter, dass er die Brille seines Ziehvaters im Cape trägt. Dann kommen die Familien zusammen: Tante May trifft die Kents. Es wird sentimental, aber auch irgendwie schön.
Spider-Man Noir trifft Golden Age Superman
Unter den Bonus-Storys der zweiten Hälfte gibt es sogleich ein Highlight: Spider-Man Noir trifft den Superman des Golden Age. Der Rächer will Lex Luthor erschießen und Superman verhindert das. Das Ganze ist optisch sehr dynamisch, es gibt Panels in den Buchstaben von Soundeffekten, Marcos Martin zeichnet wie immer meisterhaft schlicht und effektvoll, sein Superman erinnert an Tim Sales Superman for All Seasons, und dann gibt’s noch einen Superman in der Pose von Spider-Man auf dem Cover Amazing Fantasy #15 – perfekt. Diese Story hätte eine ganze Ausgabe verdient. Stattdessen bekommen wir ein Treffen von Gwen Stacy und Lana Lang, nach dem niemand gefragt hat, und noch mehr Kleinkram.
Geoff Johns und Gary Frank bringen The Thing mit der Legion of Super-Heroes und anderen Superhelden beider Universen zusammen. Mysterio hetzt sie gegeneinander auf, indem er eine Red Lantern benutzt. Superman darf sich sogar kurz mit dem Hulk anlegen. Zum Schluss darf er aber den weisen Friedensstifter spielen, indem er Thing klarmacht, dass man nicht blind andere Feinde nennen darf. „You have to give people a chance.“ Und: „Anger’s easy … Listening’s hard. Face-to-face still matters. Real people. Real conversation. It’s not always clobberin‘ time, Ben.“ Solche Worte dürften nicht nur für die US-Gesellschaft gerade enorm wichtig sein.
Ansonsten: Gipfeltreffen der Hammerschwinger Steel und Thor gegen Hobgoblin. Ghost Spider und Supergirl gegen Livewire. Miles Morales und Superman gegen Brainiac und Dormammu, aber wichtiger ist, was der eine vom anderen lernen kann („With great power …“ blabla). Auch Mighty Thor und Wonder Woman bewerfen sich gegenseitig mit Komplimenten, bevor sie sich mit einem Haufen anderer Helden (aus beiden Universen) zum Gruppenbild aufstellen und Darkseid angreifen. Zum Schluss darf Superman einen (um Gwen Stacy?) trauernden Spider-Man trösten – auf popeligen zwei Seiten. Man hätte darauf verzichten könen.
Die Kritik an diesem Konzept der neuen Crossover bleibt: Die Mini-Storys fühlen sich an wie ein vollgestopftes Füllmaterial, das einfach nur dazu dienen soll, möglichst viele andere Figuren auftreten zu lassen, wie als reine Werbung, um Comichefte zu verkaufen. Ich verstehe aber nicht, weshalb man nicht den interessantesten Crossovern eigene Hefte gibt. Man könnte wertigere Storys erzählen und auch mehr Geld damit verdienen. Stattdessen bringen Marvel und DC digitale Comics heraus wie The Flash/Fantastic Four, Thor/Shazam und Supergirl/Blade.
Aber immerhin zeigt die Hauptstory, dass gute Crossover noch möglich sind. Man muss wissen, wie man sich aufs Wesentliche konzentriert. Das täte DC und Marvel generell gut.



