Superman

Finsterste Gesellen

DC Comics

Titel: Dark Nights Metal – Dark Knights Rising (dt. Der Aufstieg der Dunklen Ritter)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Grant Morrison, James Tynion IV u.a.

Erschienen: 2017, Hardcover 2018; dt. Panini 2018 (2 Sonderbände)


Batmans schlimmste Albträume sind wahr geworden: Auf verschiedenen Welten des Dark Multiverse sind düstere Versionen von ihm entstanden, die jeweils auch eine Kombination mit anderen Helden wie Flash und Green Lantern sind, aber auch mit Schurken wie Doomsday und Joker. Sie alle dienen dem Überschurken Barbatos, der auch die Kehrseite des Multiversums vernichten will (siehe Dark Nights: Metal).

Der Schlimmste von ihnen ist The Batman Who Laughs, eine Kreuzung aus Batman und Joker. Der Joker hat bei seinem letzten grausamen Akt (Eltern vor den Augen ihrer Kinder umbringen und die Kinder zu Jokern machen) Batman mit einem Joker-Virus infiziert. Nachdem der Clown tot ist, erschießt Batman zunächst die Bat-Familie, dann erledigt er auch den Rest der Superhelden auf furchtbarste Weise.

So zieht er von Welt zu Welt, um weitere böse Batmen auf seine Seite zu ziehen. Wie sie entstanden sind, davon erzählt der Band Dark Knights Rising. Einige dieser Hintergrundgeschichten sind interessant, wie etwa die von Red Death, dem Flash-Batman: Batmans Kampf gegen das Verbrechen ist gescheitert, seine Familie ist tot. Jetzt will er von Flash die Speed Force haben, um endlich schnell genug und überall zugleich zu sein. Flash weigert sich, da kettet Batman ihn an ein Batmobil, das er mit dessen Tretmühle kombiniert hat und holt sich das, was er will, mit Gewalt.

Oder da ist die Story vom Devastator, dem Doomsday-Batman: Superman dreht durch, Batman versucht, ihn mit einer Kryptonitlanze zu erledigen, als das scheitert, lässt Batman das Doomsday-Virus in sich wirken.

Die Geschichte des Dawnbreakers (Green Lantern-Batman) schießt allerdings um einiges übers Ziel hinaus: Der junge Bruce Wayne bekommt den Ring unmittelbar nach dem Mord an seinen Eltern. Er will sich rächen, der Ring verweigert den tödlichen Einsatz, doch Bruces Willenskraft ist so stark, dass er es doch schafft. Daraufhin belebt er seine Eltern als Zombies wieder und tötet alles, was sich ihm in den Weg stellt. Wirklich alles. Sogar James Gordon, völlig grundlos. Und dazu hat man sich eine Variation des Green Lantern-Schwurs ausdedacht, dessen Metrum leider arg holpert: „I turn the dawn to midnight! Beware my power — Dawnbreaker’s might!“

Die anderen drei (The Drowned, The Merciless, The Murder Machine) sind hingegen nicht mehr so spannend, dazu sind die Rahmenhandlungen stets vorhersehbar formelhaft: Entweder taucht The Batman Who Laughs auf, um ihnen den Teufelspakt anzubieten, oder Doctor Strange rettet die Helden von Erde 0, wenn sie gegen ihre bösen Gegenstücke kämpfen. Das letzte Kapitel, The Wild Hunt, ist eine gänzlich überflüssige Ergänzung des Haupt-Events, die einen nicht besonders interessieren muss: Gerahmt ist sie von einer Handlung über den Affen-Ermittler Detective Chimp, der am Ende Pate steht für die Entstehung von Erde 53 …

Insgesamt bietet Dark Knights Rising eine durchwachsene Lektüre, allerdings befriedigt sie die Neugier der Leser nach den Hintergründen der im Hauptevent zu kurz gekommenen Schurken. Und trotz seiner Schwächen macht es zum Teil mehr Spaß als Dark Nights: Metal. Meisterhaft gezeichnet ist es fast durchgehend. Daher ist es neben dem anderen Ergänzungsband The Resistance zu empfehlen.

Übrigens: Wie auf der San Diego Comic-Con bekannt wurde, bekommt The Batman Who Laughs im November eine eigene Mini-Serie. Die Fans wird’s freuen.

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Rebellion der Fantasie

DC Comics

Titel: If Superman Didn’t Exist

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/Gil Kane

Erschienen: 1984 (Action Comics #554), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman)


Was wäre, wenn es Superman nicht gäbe? Dann müsste ihn halt jemand erfinden, dachte sich Autor Marv Wolfman und dachte sich eine alberne Geschichte dazu aus. Die geht so: Aliens wollen die Erde erobern. Aber es sind seltsame Aliens. Denn trotz ihres Willens zur Macht haben sie keine Lust auf Stress mit den Erdenbewohnern. Also sorgen sie schon in der Urzeit der Menschen dafür, dass ihnen jeglicher Drang zur Gewalt, zur Rebellion und jede Vorstellung von Heldentum abgeht. So entwickelt sich die Menschheit zu einer Bauerngesellschaft von Luschen.

Aber während die Aliens kommen, um die Welt zu unterwerfen, stellen sie fest, dass da immer noch etwas ist, das sie davon abhält: zwei Jungs, die sich einen Superman ausgedacht haben. Zufällig heißen sie Jerry und Joe (wie Siegel und Shuster). Und allein die Fantasie von zwei Kindern kann die Welt retten. Denn schließlich wird aus der Fantasie Realität … Denn Superman war natürlich immer schon da etc.

Es ist eine furchtbar naive, pathetische und kindische Geschichte, die uns hier aufgetischt wird. Es geht bloß darum, Supermans Status als Ikone zu zementieren und ihn zu überhöhen. Solche Storys haben dazu beigetragen, dass viele den Superhelden so langweilig finden.

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Cape aus Stahl

DC Comics

Titel: The Boy Who Stole Superman’s Cape

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Ben Oliver

Erschienen: 2012 (Action Comics #0), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


Superman am Anfang: Er lässt sich 200 T-Shirts mit S-Symbol bedrucken. Er fängt als Reporter beim Daily Star an. Er zockt mit Jimmy Olsen Games, aber weigert sich zu schießen, weil er Pazifist ist. Im wahren Leben lässt er auf sich schießen. Dabei verliert er sein Cape. Ein Junge klaut es ihm, hält sich damit für unverwundbar. Doch als sein Fuß einmal in einer Eisenbahnschiene stecken bleibt, muss Superman eingreifen. Dann bekommt er auch sein Cape zurück. Wofür steht das S? Superman, sagt Lois.

Eine nette kleine Kurzgeschichte. Sehr stimmungsvoll gezeichnet und koloriert. Kein großer Wurf, sondern leise Heldenverehrung nach dem Motto „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“.

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Batman mit der Keule

DC Comics

Titel: Dark Nights: Metal (dt. Batman Metal)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2017 (Mini-Serie #1-6), dt. Panini 2018


„Yeah. Riding a Joker dragon … and glowing … because of course he is.“ (Nightwing)

Die folgende Kritik wird Ihnen präsentiert von SPOILERN – Handlung wird überbewertet.

Fangen wir mal hinten an: Die Guten gewinnen. Die Welt – in diesem Fall das Multiversum – wird gerettet. Hurra. Und es stirbt – niemand Wichtiges.

So. Nachdem das geklärt wäre, kommen wir zurück zum Anfang: Zuletzt war Batman sehr damit beschäftigt, allerlei Artefakte aus besonderen Metallen zusammenzutragen, um etwas ganz ganz Schlimmes zu verhindern (siehe Dark Days: The Road to Metal). Dann ist es doch eingetroffen. Fast.

Zu Beginn des eigentlichen Metal-Events ist Batman anderweitig beschäftigt, nämlich mit der Justice League im All unterwegs, um gegen Mongul zu kämpfen. Als sie wieder zurückkehren, ist mitten in Gotham ein Berg aufgetaucht. Lady Blackhawk von einer antiapokalyptischen Eingreiftruppe erklärt die Handlung: Neben dem bekannten Multiversum aus Materie und Antimaterie gibt es noch das Multiversum aus dunkler Materie, das von sehr üblen Gestalten bevölkert wird. Die wollen schon immer in unser Multiversum, um alles plattzumachen, genauer gesagt: Barbatos, der Oberschurke. Und die wirklich schlechte Nachricht: Batman, der Altmetallsammler, ist das Einfallstor für die Bösen.

Mit anderen Worten: Die ganze Welt dreht sich um Batman. Kein Wunder, dass er größenwahnsinnig wird. Er haut ab, die Justice League verfolgt ihn, Batman legt sie rein. Er will (wie schon zuvor) zurück in die Zeit reisen und Barbatos mit Hawkmans Keule (bzw. Morgenstern) zu besiegen. Und am Ende wird er reingelegt und Barbatos sowie die bösen Batmen aus der dunklen Welt fallen in der Welt ein.

Jeder ist eine Inkarnation seiner Alpträume und damit auch ein Pendant zur Justice League: Ein Joker-Batmen mit blutrünstigen Robins an der Kette, ein böser Flash, ein böser Green Lantern, sowie auch ein Doomsday-Batman. Die Erde wird unterjocht, die Helden haben nix zu melden. Der Widerstand scheitert, aber es gibt noch eine letzte Hoffnung …

Das ist also Dark Nights: Metal, das große Ding, auf das Autor Scott Snyder seit 2011 hingearbeitet hat. Doch es sind nicht nur die letzten sechs Jahre Batman, die in diesen sechs Kapiteln einer Mini-Serie (und einem Haufen Tie-ins) kulminieren, Snyder holt sehr weit aus: Von der ersten Crisis bis zur Final Crisis und mit dem ganzen Grant-Morrison-Gedöns danach (nachzulesen im Dark Days-Band, aber am besten die ganzen Storys).

Wie immer bei solchen Events ist eine Menge los, mit zu vielen Charakteren, Handlungen, Nebenhandlungen und Anspielungen. Ich gebe zu: Wie immer habe ich nicht alles verstanden. Es reicht nicht, alles einmal gelesen zu haben, man sollte es mehrfach gelesen, verstanden und immer noch präsent haben, um hier voll durchzusteigen. Aber es reicht auch, sich an dem roten Faden entlangzuhangeln, dem kann man halbwegs folgen.

Es gibt einige tolle Szenen: Batmans Flucht, das Auftauchen der Batmen aus dem Multiversum, die Super-Sons spielen die Batman-Theme, Batmans Ritt auf einem Joker-Drachen und ein gemeinsamer Kampf mit dem Joker gegen den Batman, der lacht. Zeichner Greg Capullo setzt das alles auch in bewährter Qualität in Szene. Doch das sind nur Höhepunkte von Anfang und Ende. Dazwischen kommt leider viel, was nicht besonders im Gedächtnis bleibt: Batman wird alt und geht mit Superman durch die Hölle, Wonder Woman schlägt sich mit den anderen durch. Der Sandman taucht auch auf, aber redet bloß viel, ohne etwas zu sagen. (Ich hasse diese Figuren, die alles wissen, aber nur vage Andeutungen machen. Sie scheinen nur den Zweck zu haben, die Leser aufzuregen.) Ansonsten große Gesten, große Worte, nicht viel dahinter.

Beim Lesen hatte ich das Gefühl, zwischendrin einiges zu verpassen. Die Handlung springt, die Schurken bleiben oberflächlich und was Batman und der Widerstand in der Zwischenzeit treiben, wird anderswo erzählt. Wer das wissen will, muss die zwei Begleitbände lesen: Dark Kights Rising und The Resistance. Dass man die Handlung nicht schön durchkomponiert in einem Rutsch durchlesen kann, schmälert natürlich den Lesegenuss der Haupt-Story, aber folgt natürlich einer gewieften (wie bewährten) Verkaufstaktik.

Das Finale ist dann nicht ganz so ausgeklügelt, wie man es sich gewünscht hätte. (Es gibt einfach immer noch ein mächtigeres Metall.) Dark Nights: Metal kommt eben genauso brachial und lärmend daher wie die Musik dazu. Und am Ende bleibt der Eindruck, dass das alles nur ein Sprungbrett für Scott Snyder in den Autorenolymp war, um mit der Justice League und anderen Ereignissen von kosmischen Ausmaßen weiterzumachen.

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Superman will nicht mehr US-Bürger sein

DC Comics

Titel: The Incident

Autor/Zeichner: David S. Goyer/Miguel Sepulveda

Erschienen: 2011 (Action Comics #900)


„‚Truth, justice, and the American Way‘ — it’s not enough anymore.“ (Superman)

Superman trifft sich in Camp David mit einem Secret Service-Mann. Was er sich dabei gedacht habe, in den Iran zu fliegen?, fragt der Mann ihn. In Teheran nämlich protestierten Menschen gegen die Regierung. Die Lage war angespannt, die Polizei hatte überreagiert, Menschen waren gestorben. Superman stellte sich zwischen die Fronten und blieb 24 Stunden lang einfach stehen. Regungslos ließ er sich selbst Molotov-Cocktail-Würfe gefallen, sagte kein Wort. Dann flog er weg.

Superman tritt hier auf im Sinne von Gandhi und Martin Luther King: mit gewaltlosem Widerstand und zivilem Ungehorsam. Und weil sein Auftreten als Einmischung der USA angesehen wird, legt er seine Staatsbürgerschaft als US-Bürger nieder. Hier kann man sich fragen, ob Superman tatsächlich einen Ausweis hat, in dem „Superman“ steht, und wozu er einen Reisepass braucht. Aber das ist egal, denn was zählt, ist das Symbol.

Superman macht sich selbst zur Symbol, einem Standbild für den Frieden. Er ergreift keine Partei, sondern zeigt einfach nur Präsenz, um das Schlimmste zu verhindern. Er ist selbstkritisch: Die Welt vor kosmischen Bedrohungen zu retten, ist für ihn weniger ein Problem, als den Hunger auf der Erde zu bekämpfen. Ihm ist klar, dass das, was ihn äußerlich super macht, seine Kräfte, gegen menschliche Probleme nur wenig ausrichten können. Statt Gewalt nutzt er daher seinen Ruf und die Symbolkraft, die von ihm ausgeht, um ein Stück Welt ein wenig zu befrieden. Mission geglückt.

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Was bringt der Streamingdienst „DC Universe“?

Alle wollen Netflix sein. Jeder braucht jetzt einen Streaming Dienst. Diesmal ist DC schneller als Diney: Im August 2018 beginnt DC Universe in der Beta-Phase, im Herbst soll es richtig losgehen. Neben alten DC-Filmen und Serien soll es ab 2019 auch einige neue geben: Titans, Doom Patrol, Swamp Thing sowie die Zeichentrickserien Young Justice Outsiders und Harley Quinn.

Zum Altbestand gehören Spielfilme wie die ersten Batman-Filme der Ära Burton/Schumacher sowie Superman mit Christopher Reeve, TV-Serien wie Wonder Woman (1975-1979), aber auch Animationsfilme wie Batman: The Dark Knight ReturnsBatman: Gotham by Gaslight, Batman: Bad BloodJustice League: The Flashpoint Paradox, Green Lantern: First Flight und Wonder Woman. Außerdem hat DC auch die ersten zwei Staffeln von Batman: The Animated Series angekündigt.

Neben Filmen wird der Dienst auch Zugang zu ausgewählten Comics gewähren, die man auf Tablets wird lesen können, z.B. Justice League (2011), Swamp Thing (2011) von Scott Snyder und Harley Quinn (2013).

Leider wird DC Universe vorerst nur in den USA verfügbar sein, eine deutsche Version ist ungewiss.

Robin aus der Serie „Titans“

Superman heiratet, aber nicht wirklich

DC Comics

Titel: Superman Takes A Wife

Autor/Zeichner: Cary Bates/Curt Swan

Erschienen: 1978 (Action Comics #484), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman)


„To me, you’ll always be a Superman!“ (Lois Lane)

Immer die alte Leier, von Anfang an: Clark liebt Lois, aber Lois liebt Superman – eine unglückliche Dreiecksbeziehung. Komplizierter wird es dadurch, dass Lois immer schon vermutet, Clark sei Superman, aber es nie beweisen kann. 40 Jahre lang steckte diese Konstellation in einer Schleife fest. Im Jahr 1978 traute sich DC endlich einen Schritt nach vorn, wenn auch nur auf der Parallelwelt Erde 2, wo man Ereignisse stattfinden lassen kann, ohne die Continuity zu gefährden.

Lois stellt in der Abstellkammer des Daily Planet eine Kamera auf, um Clark beim Umziehen zu filmen, aber auf dem Film ist – wohl wegen Supermans Röntgenblick – nichts zu sehen. Dann kommt es zum Pakt mit dem Schurken Colonel Future und einem Magier namens The Wizard: Letzterer soll Superman verschwinden lassen. Gesagt, getan. Superman verschwindet, dafür taucht er als Clark Kent auf, der sich seiner Kräfte nicht bewusst ist, aber trotzdem gegen Verbrecher kämpft.

Lois ist beeindruckt, Clark macht ihr einen Antrag und sie heiraten. In den Flitterwochen auf den Bahamas wird Clark erneut von Colonel Futures Leuten angegriffen und überlebt. Da ist sich Lois sicher, wen sie da geheiratet hat. Am Ende wird er vom Wizard wieder hergestellt und heiratet Lois noch einmal als Superman – auf kryptonische Art.

Verheiratet sind Lois und Clark auch in der „Imaginary Story“ Whatever Happened to the Man of Tomorrow? (1986). Aber erst 1996 sollen Lois und Clark auch „wirklich“, also in der Haupt-Continuity, heiraten – zeitgleich mit der Hochzeit in der Serie Lois & Clark: The New Adventures of Superman. Auch da ist Clark nicht ganz er selbst, er hat seine Kräfte in der Final Night verloren. Das Wedding Album wurde von fünf Autoren geschrieben und 30 Künstlern gestaltet und viele von ihnen sind auch unter den Hochzeitsgästen. Die Trauung nimmt Superman-Schöpfer Jerry Siegel vor.

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Ehre für Amerikas größten Helden

DC Comics

Titel: The Superman Super-Spectacular!

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1964 (Action Comics #309), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman)


Superman tut dem US-Präsidenten einen Gefallen, indem er eine Raketenspitze aus dem Ozean fischt (tierfreundlich). Dann wird er noch um ein paar andere gebeten. Und weil er gerade keine Superschurken bekämpfen muss und auch als Clark Kent offenbar nicht bei der Arbeit vermisst wird, weist er niemanden ab. Superman kann einfach nicht nein sagen. (Außer zu Krieg, Drogen und Sex natürlich.) Aber wenn man Superman ist, dann kriegt man alles irgendwie hin.

Doch dahinter steckt ein Plan: Supermans Freunde veranstalten eine Fernsehshow, in der sie dem Mann aus Stahl Tribut zollen – Amerikas größtem Helden. Alle, die für ihn einst wichtig waren und noch sind, kommen vorbei und singen ihr Loblied: Lois, Lana, Lori, Perry, Jimmy, Batman, Robin und alle Supertiere – auch Clark Kent wird erwartet. Dabei will Lois Lane die Gelegenheit nutzen, um endlich ihren Verdacht zu erhärten, dass Clark Superman ist. Denn sollte Superman einen Roboter schicken, der ihm die Hand schüttelt, schlägt Lois‘ Detektor an. Superman will sogar Batman mit seiner Super-Bauchredner-Fähigkeit zur Hilfe rufen. Aber es kommt wie immer alles ganz anders als man denkt.

ACHTUNG: SPOILER!

Am Ende taucht tatsächlich ein Clark Kent auf. Und es ist kein Roboter. Es ist – US-Präsident John F. Kennedy höchstpersönlich! Der wird zwar im ganzen Heft nicht explizit beim Namen genannt, sieht aber so aus wie er. Das ist doppelt bemerkenswert, denn als das Heft erschien im Februar 1964, als Kennedy bereits drei Monate tot war. Die Story spielt also in einer nicht allzuweit entfernten Vergangenheit und wird damit mehr zu einer Ehrbekundung an den ermordeten Kennedy als an Superman. Das Land ist in Trauer – und hat Heldenverehrung offenbar bitter nötig.

Es ist nicht das erste Mal, dass Kennedy in einem Superman-Comic vorkommt (das war in Superman’s Girlfriend, Lois Lane #25, 1961) – und es ist auch nicht das letzte Mal. In Superman’s Pal, Jimmy Olsen #89 (1965) geht es sogar explizit um dessen Tod.

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Der deprimierendste Superman aller Zeiten

Heute vor fünf Jahren kam Man of Steel in die Kinos. Zeit für einen Rückblick. Nach seiner Dark Knight-Trilogie produzierte Christopher Nolan einen neuen Superman. Der Held hatte es nötig: Seit Christopher Reeve war es nicht gelungen, einen neuen Film-Superman zu erschaffen, der das Publikum begeistern konnte und im kulturellen Gedächtnis Bestand hatte. Bryan Singers Superman Returns (2006), ein Versuch, an Richard Donners Filme anzuknüpfen, überzeugte – trotz eher wohlwollender Kritiken – nicht wirklich. Nach dem gelungenen Reboot Batman Begins war dieser nostalgische Sprung zurück eine verschenkte Chance. Zu lange klammerte man sich an das Erbe der Klassiker.

Mit Man of Steel sollte alles anders werden. Zack Snyder versuchte, das Dark Knight-Konzept des anspruchsvollen nachdenklichen Superheldenfilms auf Superman zu übertragen. Superman wurde düsterer, das machte sich nicht nur an der Grundstimmung, sondern auch an der Optik bemerkbar. Alles Blaue wurde grau. Und mit den Farben ging auch der Humor flöten. Und eigentlich alles, was man mit Superman verbindet: Hoffnung, Optimismus, Lebensbejahung. Superman tötet – noch bevor er richtig angefangen hat, ist er am Ende. Damit war Man of Steel vielleicht nicht der schlechteste, aber bestimmt der deprimierendste Superman-Film aller Zeiten.

Der Film spaltete Kritiker und Fans. Bei Rotten Tomatoes ist er bei 55 Prozent gelandet, immerhin 75 Prozent der Fans fanden ihn gut, bei IMDb hat er eine Wertung von 7,1 – aber das muss heutzutage nichts heißen. „Man of Steel’s exhilarating action and spectacle can’t fully overcome its detours into generic blockbuster territory“, heißt es bei RT und das trifft in etwa den Kern. Gerade das Finale, bei dem Superman Metropolis in Schutt und Asche legt, schießt übers Ziel hinaus. Mag sein, dass es mit dem Beginn von Batman v Superman alles in einem größeren Kontext Sinn ergibt, aber wie wir wissen, überzeugt dieser Sinn nicht. Es bleibt ein übertriebenes und ermüdendes Spektakel.

Zack Snyder hat als Regisseur kein Gespür für Feinheiten, er macht Filme mit dem Holzhammer. Bildgewaltig, sonst nichts. Und so ist auch nichts an diesem Film hängengeblieben: Weder die Haupt- noch die Nebenfiguren. Das ist schade, denn Henry Cavill macht eigentlich eine gute Figur und auch sonst ist der Film gut besetzt. Aber trotzdem: Keine Szene bleibt besonders in Erinnerung. Bis auf diese eine, bei der ich mich am meisten geärgert habe: Als Jonathan Kent bei einem Sturm ums Leben kommt, weil er einen Hund rettet. Einen Hund. Damit ist wohl alles gesagt.

Die nächste DC-Krise: Heroes in Crisis

Heroes in Crisis #1 DC Comics)

Alle paar Jahre kriegt das DC-Universum die Krise: Crisis on Infinite Earths (1985), Identity Crisis (2004), Infinite Crisis (2005), Final Crisis (2008). In diesem Jahr ist es wieder soweit: Heroes in Crisis heißt eine siebenteilige Mini-Serie, die am 26. September 2018 in den USA startet. Doch dieses Mal geht es nicht um kosmische Krisen, sondern um ganz persönliche. Batman-Autor Tom King und Zeichner Clay Mann erzählen eine Story, in der es vordergründig um einen Mordfall geht (vgl. Identity Crisis), aber tatsächlich darum, wie die Helden mit der Erfahrung von Gewalt umgehen. Im Mittelpunkt stehen die Helden hinter der Maske. Wenn ihnen die Kämpfe zu viel werden, ziehen sie sich an einen Ort namens Sanctuary zurück, eine Art Krisenzentrum für Superhelden. Heroes in Crisis handelt davon, was passiert, wenn Sanctuary versagt und katastrophale Folgen hat. Die Story kreist neben der Dreifaltigkeit aus Batman, Superman und Wonder Woman auch um Harley Quinn und Booster Gold, die vorne auf dem ersten Cover zu sehen sind.

„I feel like I’m part of a rolling generation of people who spent their twenties overseas fighting terrorism“, sagt King. „Millions of people cycle through that machine and come home to America. And I think that sort of experience of violence is shaping who we are as a culture, and as a country. And I want to talk about that. I want to talk about that experience, the experience of what violence can do to a person, to a community, to a nation, to a world.“ King fühle sich verpflichtet, darüber zu sprechen, was Gewalt einer Gesellschaft antun kann. Er wolle einen Sinn für Gemeinschaft von Superhelden und Menschen schaffen.

Tom King hat sich bereits kritisch mit dem Thema Gewalt in seiner Comic-Serie The Sheriff of Babylon (Vertigo) auseinandergesetzt. Darin geht es um einen Mordfall im Irak nach der Invasion der Amerikaner.