Superman

Die rebellischen Musterknaben

super sons

DC Comics

Titel: Superman/Batman: Saga of the Super Sons

Autor/Zeichner: Bob Haney/Dick Dillin u.a.

Erschienen: 1972-1980, 1999 (World’s Finest #215, 216, 221, 222, 224, 228, 230, 231, 233, 238, 242, 263), Paperback 2017


Was wäre, wenn Superman und Batman Söhne hätten? Die Antwort auf diese Frage fällt ernüchternd aus: Dann hießen die Söhne Clark Jr. und Bruce Jr., würden genauso aussehen wie ihre Väter und auch die gleichen Kostüme tragen. Kurz: Sie wären Superman und Batman. Na ja, Superman Jr. wäre nur halb so stark wie sein Vater, denn immerhin ist er dank einer menschlichen Mutter nur ein halber Kryptonier, er könnte auch nur springen und nicht fliegen. Aber Batman 2 wäre im Grunde wie das Original, nur eben einfältiger.

Wenn da nur nicht die Väter wären! Denn denen gefällt es gar nicht, dass die beiden Helden spielen wollen. Aus ihnen soll mal was Anständiges werden (also nicht so wie ihre Väter). Clark und Bruce sorgen sich um ihre Söhne, ebenso wie die Mütter, deren Identität wir kurioserweise nie erfahren. Aber diese konservative Einstellung dient nur dazu, dass sich die beiden als Rebellen behaupten können. Sie pfeifen auf ihre Väter und ziehen auf einem Motorrad durchs Land, um Abenteuer zu erleben – auf den Spuren von Easy Rider. Erster Stop: Sparta City, wo sie einen Verbrecherring hochnehmen wollen.

Was also tun, wenn die Kleinen bocken? Vorsichtsmaßnahmen treffen! Superman erschafft sicherheitshalber eine temporäre Parallelstadt, in der sich die beiden austoben können. Um den Gangsterboss zu erledigen, täuschen die Super Sons sogar ihren eigenen Tod vor – mit Erfolg. Doch was nützt das, wenn die Stadt bloß Fake war? Egal, sagt Superman, da die Aufgabe schwerer war als die Realität, haben sich die Junioren erst recht bewiesen. Außerdem sei der echte Gangster an einem Herzinfarkt gestorben. Ach ja, am besten sind immer noch die Probleme, die sich in Wohlgefallen auflösen …

Wie schon Green Lantern und Green Arrow sind Superman und Batman Jr. für die soziale Sache unterwegs. Sie gehen gegen einen skrupellosen Unternehmer vor, der Grubenarbeiter wie Sklaven hält und sie setzen sich für einen Stamm von Inuit ein. Die wohl interessanteste, weil philosophischste Geschichte handelt von der Frage, ob der Mensch gut sei oder nicht. Unsere Helden begleiten zwei Wissenschaftler, die einen isolierten Stamm in der Antarktis untersuchen. Batman schlägt sich auf die Seite des Forschers, der beweisen will, der Mensch sei schlecht. Dabei setzt der Mann sehr fragwürdige Methoden ein und Batman muss seine Haltung überdenken. Am Ende gibt es sogar eine überraschend uneindeutige Antwort auf die Ausgangsfrage. Damit ist der Tiefgang dieser „Saga“ allerdings erschöpft.

Die Söhne erweisen sich selbst als radikal, als sie Batman und Superman anklagen, sich nicht um die wahren Probleme der Welt zu kümmern. Obwohl der Vorwurf haltlos ist, spricht eine Jury die World’s Finest absurderweise schuldig und sie kommen in einen Knast, der nur von Stacheldraht zusammengehalten wird. Die Väter revanchieren sich, indem sie sich vor ihren Söhnen als Green Arrow und Flash ausgeben, später täuscht Batman sogar seinen Tod vor. Es bleibt ein angespanntes Verhältnis, das nie zu einer richtigen Lösung kommt.

Die Super Sons haben auch meist anderes zu tun. Sie erleben haarsträubende Abenteuer auf der ganzen Welt und einmal sogar mit Lex Luthor auf einem fernen Planeten. Ein beliebtes Motiv sind die Geisterstädte: Im einem Abenteuer kommen die Nachwuchshelden durch eine leere Stadt, die von Aliens heimgesucht wurde, in einer anderen finden sie eine Westernwelt voller Schießwütiger vor, eine Stadt wird von Frauen beherrscht.

Das allein wäre noch nicht schlimm, wenn die Feministinnen nicht so männerfeindlich wären und drakonische Strafen für Bagatellen und sogar Wohltaten verhängen würden. Clark und Bruce Jr. kommen ins Gefängnis, weil sie einer Frau das Leben retten wollten. Am Ende stellt sich heraus, dass auch diese Frauen unter dem Einfluss eines bösen Aliens standen. Bruce beweist sich als Macho, als er die Frauen schließlich mit einem forcierten Kuss „heilen“ will. Heute nennt man das einen sexuellen Übergriff … Die radikal-liberalen Super Sons sind also auch nichts anderes als Instrumente des Establishments weißer Männer und damit ganz und gar keine Späthippies im Geiste von Easy Rider.

Aber was lesen wir da überhaupt? Sind es Imaginary Tales, handelt es sich um die Zukunft oder eine Parallelwelt? Ein Hinweis darauf findet sich nicht. Eine Geschichte von Dennis O’Neil erklärt am Ende: Die Super Sons sind nur eine Computer-Simulation von Superman. Dann erkennt die Simulation aber, dass sie eine ist und die Söhne brechen in die reale Welt aus, nur um Chaos zu stiften und sich wieder selbst auszulöschen. Ganz am Ende werden die Super Sons als Elseworlds-Figuren wiederbelebt. Verwirrend, aber schließlich irrelevant, denn diese bemühten und oft lächerlichen Gedankenexperimente sind entbehrlich.

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Knightfall 2.0: Tales of the Dark Multiverse

Im Oktober startet DC eine neue Comic-Reihe: Tales of the Dark Multiverse wird klassische Storylines neu interpretieren. Das Konzept erinnert an DCs frühere Elseworlds-Reihe. Den Anfang machen Scott Snyder und Kyle Higgins, die zusammen mit Javier Fernandez Knightfall variieren werden. Die Geschichte spielt 30 Jahre nachdem ein gebrochener Bruce Wayne beim Versuch gescheitert ist, wieder Batman zu werden. Jean-Paul Valley hat als Saint Batman eine Schreckensherrschaft errichtet, in der Kriminelle ständig den Tod fürchten müssen. Doch es gibt Hoffnung: The Son of Bane.

Jeff Loveness, Brad Walker und Andrew Hennessy erzählen eine Variante von The Death of Superman. Darin wird Lois Lane zum Eradicator und nimmt Rache an allen, die Superman haben sterben lassen. Mit gottgleichen Kräften will sie die Herrschaft der Supermänner beenden, noch bevor sie beginnt.

Knightfall erscheint am 16. Oktober 2019, The Death of Superman am 30. Oktober. Jeder Band wird im Prestige-Format herauskommen, 48 Seiten umfassen und 5,99 US-Dollar kosten. Dazu werden Nachdrucke von Batman #497 und Superman #75 erscheinen, die für einen Dollar zu haben sind.

Weitere Tales of the Dark Multiverse werden unter anderem Infinite Crisis, Blackest Night und New Teen Titans: The Judas Contract sein.

 

Der falsche Batman

DC Comics

Titel: Batman Adventures Vol. 3

Autor/Zeichner: Paul Dini, Kelley Puckett/Bruce TImm, Mike Parobeck

Erschienen: 1994 (Batman Adventures #21-27, Annual #1), Paperback 2015


Bevor mit Roxy Rocket die frivolste Folge der Animated Series produziert wurde, hatte sie ihren ersten Auftritt im Batman Adventures Annual #1. Perfekt inszeniert, mit flottem Strich von Bruce Timm (dem besten Animated-Zeichner überhaupt) ist sie hier schon die sympathische Ganovin, aber sie hilft Batman dabei, die wahre Übeltäterin zu fassen, nämlich Catwoman.

In weiteren, von anderen Zeichnern inszenierten Episoden, rekapituliert Batman, inwiefern sich seine Gegner rehabilitieren lassen. Wir sehen kurze Geschichten mit dem Bauchredner und Scarface, Scarecrow und Harley Quinn. Zum Schluss sehen wir Joker bei einem ebenso sinnlosen wie brutalen Amoklauf durch die Stadt zu. Das ist eher etwas für Freunde des schwärzesten Humors.

Batman trifft in diesem Band auch erstmals auf Superman. In der Animated-Series kam dies nie vor, erst in der Superman-Serie wurde das nachgeholt. Hier kämpfen sie gegen Maxie Zeus. Auch wenn erstklassige Schurken wie Poison Ivy und Two-Face hier Auftritte haben, ist die interessanteste Story eine ohne Prominenz.

In „Survivor Syndrome“ hat Batman einen Nachahmer, einen Sportler, der Rache nehmen will für seine ermordete Freundin. Als dieser Möchtegern-Batman angeschossen wird, rettet das Vorbild ihm nicht nur das Leben, sondern hilft ihm auch, wieder auf die Beine zu kommen. Er trainiert ihn. Am Ende muss sich der junge Mann aber als der moralisch überlegenere beweisen. Die Geschichte ist eine der stärksten in diesem Paperback, das eher eine Lektüre für nostalgische Momente zwischendrin ist.

„Batman/Superman“ bekommt einen Neustart

Batman/Superman #1 (2019)

DC Comics

Die Comicserie „Batman/Superman“ wurde 2016 nach drei (glücklosen) Jahren eingestellt. Im August 2019 soll sie von vorn gestartet werden. Laut Hollywood Reporter wird Joshua Williamson (The Flash, The Button) die ersten Ausgaben der Serie schreiben, David Marquez (früher Marvel) wird sie zeichnen.

Batman und Superman treffen wieder auf den Batman Who Laughs, der im Event Dark Nights: Metal eingeführt wurde und seitdem ein Fanliebling unter den Schurken geworden ist, mittlerweile sogar mit eigener Mini-Serie und Plänen für eine fortlaufende Serie. Die Helden finden heraus, dass The Batman Who Laughs überall im Universum Schläfer verteilt hat, die sich in die schlimmsten Versionen ihrer selbst verwandeln. Manche merken, dass sie sich verändern, andere nicht. Zusammen bilden sie eine neue Gruppe der Secret Six.

„Batman/Superman“ ist eine Fortsetzung von „Superman/Batman“ (2003-2011), die wiederum das Konzept von „World’s Finest“ fortsetzt, in der die beiden Hauptfiguren von 1954 bis 1986 zusammen auftraten.

Viel Lärm um nichts

DC Comics

Titel: Superman/Batman Vol. 6

Autor/Zeichner: Joe Casey, Paul Levitz/Jason Fabok, Scott Kolins, Jerry Ordway

Erschienen: Superman/Batman #64-75, Annual #4), Paperback 2017


Batman im Weltall. Eine Zeitlang war das eine verzweifelte Idee, die im Silver Age ins Absurde übertrieben wurde. Batman hat dort nichts verloren. Er gehört auf die Straßen von Gotham. Aber irgendwann wurde es wieder völlig normal, Batman ins All zu schicken. In The Big Noise hat er sogar eine eigene Bat-Rakete, damit er Superman helfen kann, Weltraumschrott zu inspizieren. Offenbar hat er gerade nichts Besseres zu tun.

Aber es kommt noch dicker: Ein Formwandler-Alien, das einst gegen Kryptons Armeen der Frühzeit gekämpft hat, will Superman töten. Dazu schickt er einen C-Ligisten-Attentäter wie Nrg-X los, eine laufende Atombombe. Batman hilft ihm, weil der Formwandler die Gestalt eines Industriellen angenommen hat. Bruce Wayne hat sich von ihm täuschen lassen und ihm die Hand geschüttelt. Wegen dieses Handschlags steigt Batman in einen Raumanzug, reist ins All und kämpft mit Superman gegen das Tentakel-Alien. Inwiefern ist das besser als der Quatsch im Silver Age? Es ist cool gezeichnet. Na, immerhin.

In der zweiten größeren Geschichte dürfen zwei Altmeister ran: Paul Levitz und Jerry Ordway erzählen eine Story, die bestenfalls als klassisch, schlimmstenfalls als altbacken gelten kann. Während eine ungewöhnliche Kolorierung über Ordways altmodischen Zeichenstil hinwegzutäuschen versucht, kann Levitz seine Story nicht so leicht kaschieren, dass sie in alten Mustern festhängt.

Lex Luthor hetzt einerseits einen Superman-Kult auf Lois Lane, der sie auf den Scheiterhaufen verbrennen will, andererseits hetzt er Aliens auf einem fernen Planeten gegen Superman auf und schenkt ihnen Technologie, um bei ihnen als Gott zu gelten. Zusammen mit Batman und Lois Lane verhindert Superman das alles. Sehr routiniert und spannungsarm und mit viel Introspektion in den Captions. Lesergehirne im Leerlauf.

Interessanter ist dagegen schon eine kleine Halloween-Story: Scarecrow hält Superman, Batman, Joker und Lex Luthor gefangen und lässt sie ihre schlimmsten Alpträume erleben. Mehrere Zeichner (darunter Kelley Jones) dürfen die vier Passagen inszenieren, einiges davon ist sehr stark. Und was ist Scarecrows schlimmster Alptraum? Die Vogelscheuche aus dem Zauberer von Oz zu sein.

Ein kleines Highlight bietet Annual #4: Batman Beyond trifft auf Superman Beyond. Wieder geht es wieder gegen Lex Luthor. Das Ganze ist etwas zu brav gezeichnet, aber hat einige schöne Splash Pages, in denen Superman in Schwarz-weiß sehr eindrucksvoll rüberkommt. Ein mäßiges Lob, okay, aber ich versuche, die Rosinen aus der Mittelmäßigkeit herauszupicken.

Total überflüssig sind die beiden Kapitel, in denen Monster gegeneinander antreten: Bizarro gegen Solomon Grundy und dann auch noch Man-Bat und Frankenstein. Dieser Schwachsinn muss absolut niemanden interessieren. Bitte überblättern.

Zum Schluss feiert die Serie mit seiner 75. Ausgabe von Superman/Batman ein „Jubiläum“. DC ist sich wirklich nicht zu schade, jede noch so lächerliche Heftnummer zum Anlass für Spezialausgaben zu nehmen. Nachdem Batman und Superman die Legion of Superheroes treffen (gähn), dürfen mehrere Autoren und Zeichner ein paar kleine Zweiseiter machen.

Wie unfruchtbar die Aufgabe ist, zeigt die Kurzgeschichte von Steven T. Seagle und Teddy Kristiansen (It’s a Bird …): Obwohl Seagle nichts zu erzählen hat, weil Superman und Batman zusammen nicht viel Sinn ergeben, steht die Geschichte trotzdem da – als Meta-Geschichte eines Pseudo-Making-ofs. Einfach nur peinlich.

Immerhin eine Idee ragt positiv heraus: Brian Azzarello und Lee Bermejo erzählen eine Lex-und-Joker-Story im Calvin & Hobbes-Stil – das sind aber auch schon die kreativsten zwei Seiten dieses Bandes.

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Frank Millers „Superman: Year One“ erscheint im Juni

Supermans Vorgeschichte wurde schon 1000 mal erzählt. Aber noch nicht von Frank Miller. Im Juni soll endlich der erste Teil des lange angekündigten Dreiteilers Superman: Year One erscheinen. Die weiteren beiden Teile sollen im August und Oktober erscheinen, die Gesamtausgabe im November. Gezeichnet wird die Serie von John Romita Jr., der schon mit Miller bei Daredevil: The Man Without Fear und Dark Knight Returns: The Last Crusade zusammengearbeitet hat. Von ihm stammt auch All-Star Batman Vol. 1: My Own Worst Enemy.

Superman: Year One soll mehr als ein Superhelden-Comic werden, sondern eine „coming-of-age story“, in der Clark Kent nach seinem Platz in der Welt sucht. Also alles wie gehabt? Nein, Frank Miller verspricht Superman als einen ganz neuen Charakter darzustellen. Mehr „truth“ und „justice“, weniger „American Way“, mehr Mythos und Ikone als der zweifelhafte Erfüllungsgehilfe aus The Dark Knight Returns. Dass Miller den Helden zu seinen Ursprüngen zurückführen will, zeigt auch das erste Cover, das Superman mit dem alten rot-schwarzen Logo darstellt.

Frank Miller hat in den vergangenen Jahren immer wieder für Kontroversen gesorgt. Schon sein The Dark Knight Strikes Again kam nicht gut an, sein All-Star Batman and Robin, the Boy Wonder war höchst umstritten und nie fertiggestellt, sein Dark Knight III wurde wohlwollender besprochen, war aber die ganze Warterei zwischen den sich immer mehr verzögernden Heften nicht wert. Besser also, man erwartet nicht allzu viel von seinem Superman …

Super-Batman rastet aus

DC Comics

Titel: Superman/Batman Vol. 5

Autor/Zeichner: Michael Green, Mike Johnson, Dan Abnett, Andy Lanning, Len Wein/Rafael Alburquerque, Rags Morales, Francis Manapul, Whilce Portacio u.a.

Erschienen: 2008-2009 (Superman/Batman #50-63, Annual #3), Paperback 2017


Müsste man dem fünften Superman/Batman-Band einen Titel geben, würde Verkehrte Welt passen: Hier geht es um Rollentausch und Fusion von Rollen, die nicht zusammengehören.

Bei einem Angriff von Silver Banshee wird Batman verletzt. Doch kurz darauf ist er geheilt und hat Superkräfte – und zwar genau die, die Superman nach und nach abhanden kommen. Es kommt zum Rollentausch. Kaum hat Batman sein Potenzial erkannt, nutzt er es aus, um auf der ganzen Welt für Ordnung zu sorgen. Er genießt es, nicht schlafen und essen zu müssen, er ist besessener denn je von seiner Mission. Nachdem er sogar Bane fast umgebracht hat, will ihn Nightwing zur Strecke bringen und wird schwer verletzt.

Schließlich versucht die Justice League den außer Kontrolle geratenen Batman zu zähmen. Doch erst als Superman in ein umgebautes Batman-Kostüm steigt und austrickst, kann er ihn zur Vernunft bringen. Batman wirft Superman vor, sein Potenzial bisher nicht ausgeschöpft zu haben. Allerdings könnte man das auch der Geschichte vorwerfen, die zwar solide erzählt ist, aber leider durch die unterdurchschnittlichen Zeichnungen von Rags Morales nicht zur Entfaltung kommt.

Im Annual #3 lässt Len Wein den Composite-Superman aus dem Silver Age zurückkehren als Schöpfung von Amazo-Schöpfer Professor Ivo. Er ist ein missratener Versuch, aus der DNA der Justice League einen Kämpfer zu klonen. Eigentlich hatte Ivo ihn begraben, dann ist er aus dem Grab gestiegen und hat sich aus einem Batman- und einem Supermankostüm ein neues gebastelt.

Mit Mash-ups bekommen es die World’s Finest in der gleichnamigen Geschichte zu tun: Sie finden sich in einer Welt wieder, in der die Mitglieder der Justice League mit denen der Titans verschmolzen sind: Night Lantern, Aquaborg, Hawk Beast etc. Das Ganze erinnert an die Amalgam-Experimente mit den Marvel-Helden in den 90ern (Batman verschmolz mit Wolverine zu Dark Claw), aber wenn die Schurken Lex Joker, Doomstroke und Brainycat auftauchen, erscheint das Konzept so beliebig wie albern.

Am Ende ist alles nur ein Traum. Und die Kinder-Ausgaben der Helden, die plötzlich auftauchen, sind bloß Spielereien von Mr. Mxyzptlk und Bat-Mite. Und die letzte Geschichte, in der Batman gegen ein totalitäres Gedankenkontroll-Regime von Gorilla Grodd kämpft, ist nur eine Simulation. Es sind lauter solcher Was-wäre-wenn-Szenarien, bei denen es um wenig geht und die höchstens als reine Pageturner taugen.

Fantasievoll gerät immerhin der Ausflug in die Nano-Welt, in der Superman und Batman zu Helden einer mikroskopisch kleinen Stadt werden. Batman steigt mal wieder in eine Art Raumschiff und feschen Kampfanzug, sieht toll aus, aber die Rolle als Science Fiction-Held steht ihm leider trotzdem nicht. Zwar bieten Fish-out-of-Water-Storys häufig interessante Prämissen, aber wie man hier sieht, geht die Rechnung nicht immer auf.

Visuell überzeugen die Zeichnungen von Rafael Albuquerque und Francis Manapul in diesem Band noch am meisten.

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Halb Superman, halb Batman, ganzer Schurke

Titel: The Composite Superman/The Return of the Composite Superman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton, Cary Bates/Curt Swan

Erschienen: 1964/1967 (World’s Finest (#142/168)


Joe Meach will der Welt beweisen, was für ein toller Typ er ist und springt von einem Hochhaus in einen Wassertank. Zum Glück ist Superman in der Nähe, der sieht, dass der Tank ein Leck hat, und Meach das Leben rettet. Er gibt ihm einen Job als Hausmeister im Superman-Museum. Durch einen Blitzeinschlag in eine Statuen-Sammlung der Legion of Superheroes bekommt Meach ihre Kräfte verliehen.

Als Composite-Superman, ein Held mit zwei halben Kostümen, erpresst er Superman und Batman: Entweder darf er bei ihnen mitmachen oder er verpetzt ihre wahre Identitäten. Sie nehmen ihn auf lassensich von ihm demütigen. Denn der Composite-Superman ist ihnen immer einen Schritt voraus. Schließlich zwingt er sie zum Aufhören. Wenn sie noch einmal ihre Kostüme anziehen, lässt er sie auffliegen.

In der Zwischenzeit hat sich der Schurke einen Palast gebaut und plant, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Superman und Batman lassen es darauf ankommen. Der Composite-Superman schnappt sie sich, fesselt Superman mit einem Kryptonitring und will sie bloßstellen, aber da schwinden seine Kräfte … Und sein Kostüm. Und sein Gedächtnis. Er wird wieder Hausmeister. Und die Helden finden ihn auch nicht wieder.

Ein paar Jahre später kehrt Joe Meach zurück. Ein Alien, das sich für seinen toten Vater an Batman und Superman rächen will, macht den Hausmeister wieder zum Composite-Superman. Kurz darauf erinnert er sich wieder an alles und stürzt sich auf seine Vorbilder und Feinde. Diesmal ist auch Robin dabei. Der Schurke verdreifacht sich und überwältigt sie in der Batcave. Superman muss Batman retten, im Boden zu versinken.

Später, während Superman herausfindet, dass Meach seine Kräfte von den Legion-Statuen hat, muss Batman feststellen, dass ein falscher Robin in seinem Batmobil sitzt – der echte würde sich nämlich immer anschnallen. Batman und Robin werden vom Composite Superman gefangen genommen, dann bekommt Superman dessen Kräfte zu spüren: Der Schurke bläst sich zum Ballon auf, zum Riesen, wird Elastic Lad. Und gerade als er die beiden Helden gefangen genommen und sie zur Hälfte in Antimaterie verwandelt hat, verliert er seine Kräfte.

Der wahre Übeltäter taucht mit seinem Ufo auf und will die Sache selbst mit einem Todesstrahl beenden, da wird Joe Meach wieder gut, rettet beiden das Leben und stirbt den Heldentod. Dafür widmen ihm Batman und Superman sogar ein Denkmal.

Das Cover, auf dem Batman, Superman und Robin Bruce Wayne, Clark Kent und Dick Grayson verhauen, hat allerdings nichts mit der Geschichte zu tun.

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Zurück zu alter Stärke

DC Comics

Titel: Superman/Batman Vol. 4 (Torment/The Search for Kryptonite)

Autor/Zeichner: Alan Burnett, Dan Abnett, Michael Green, Mike Johnson, Andy Lanning/Dustin Nguyen, Shane Davis

Erschienen:  (Superman/Batman #37-49, Annual #2), Paperbacks 2008, Paperback 2016 (Superman/Batman Vol. 4)


Killer Croc stiehl ein mysteriöses Gerät von Lex Luthor. Daraufhin wird er von seinem Auftraggebeber, einem Monster namens Schrocken angegriffen. Batman untersucht den Fall. In der Zwischenzeit plagen Superman Visionen, die seine schlimmsten Alpträume werden lassen. Schließlich verschwindet er und wird von Scarecrow nach Apokolips gebracht. Der geschwächte Darkseid will mit Superman seine alter Stärke wiedererlangen. Nun muss Batman ihn retten …

Natürlich kommt es zum obligatorischen Kampf zwischen den Freunden. Batman hat später mit einem weit größerem Problem zu kämpfen: seinen Gefühlen. Denn nachdem er von Bekka, Orions Frau, gerettet wird, fühlt er sich zu ihr hingezogen wie sonst zu keiner Frau bisher. Batman gerät in Versuchung und zweifelt an seinem bisherigen Vorgehen, sich keine enge Bindung zu erlauben. Am Ende aber zeigt Batman seine Verbundenheit vor allem einem: Superman. Als dieser fragt: „Are you okay?“, antwortet Batman: „As long as you’re on my side again.“ Wahrer Männerfreundschaft kann auch eine Frau nichts anhaben …

Dieser selbstzweiflerisch-emotionale Aspekt macht Torment, die erste Story des vierten Superman/Batman-Bandes, zu einer interessanten Lektüre. Viel Abwechslung und einige Überraschungen, dazu solide Zeichnungen von Dustin Nguyen in bewährter Qualität halten bei Laune.

Auch die zweite große Story, „K“ (als Paperback „The Search for Kryptonite“), kann auf dem Niveau mithalten, vielleicht sogar noch steigern: Superman und Batman stellen fest, dass es einfach zu viel Kryptonit auf der Welt gibt – das Zeug ist einfach überall. Und weil es Supermans Leben bedroht, beschließen die beiden, das Gift auf der ganzen Welt zu suchen, zu sammeln und in die Sonne zu befördern.

Die Heldenreise führt die World’s Finest zum Meeresgrund, wo sie sich mit einem unkooperativen Prinzipienreiter (Aquaman) rumschlagen müssen, Batman springt in einen Vulkan und Superman reißt (in einem Schutzanzug) Metallo das Herz heraus. Dann finden die beiden aber, dass das größte Lager die US-Regierung hält und damit eine Spezialeinheit ausrüstet, um Superman bei Gefahr zu erledigen. Weil Superman das nicht einsieht und alles einkassieren will, schickt Amanda Waller, die hinter all dem steckt, einen Kryptonit-Doomsday auf Superman los – und der verwüstet Smallville.

Es ist eine Story, die so ziemlich alles bietet, was man sich von einem Gipfeltreffen der zwei größten DC-Helden erträumen kann: Superman und Batman bilden ein perfekt eingespieltes Dream-Team, das mit den größten Problemen fertig wird, es gibt Gastauftritte anderer großer Helden (z.B. Flash), persönliche Konflikte mit Lana Lang, Action und Dialoge halten sich die Waage, alle paar Seiten warten Überraschungen und das Ganze wird noch gewürzt durch eine feinen Prise Humor. Shane Davis (Superman: Earth One) inszeniert die Geschichte mit detailreichen Zeichnungen im Geiste eines Jim Lee, in denen die Helden eine prächtige Figur machen und in jedem Panel dramatisch erscheinen.

Natürlich kann man sich fragen, warum Amanda Waller Superman töten will und ein Monster züchten lässt, das sie nicht beherrscht, und auch der Konflikt mit Aquaman wirkt forciert, aber das sind verzeihliche Nebensächlichkeiten. Dieses Comic mag nicht das Beste sein, aber bietet trotzdem sehr gute Unterhaltung.

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Batman und Superman: Wie alles begann

Titel: The Origin of the Superman-Batman-Team

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1958 (World’s Finest #94)


Wie Batman und Superman das erste Mal aufeinandertrafen, ist eigentlich seit 1952 (Superman #76) bekannt: Sie begegneten sich auf einer Kreuzfahrt. Das war lustig. Doch sechs Jahre später will Batman uns weismachen, dass alles ganz anders war, bzw. dass es ein Treffen vor dem ersten Treffen gegeben hat.

Anlass für die Rückblende ist, dass Luthors wieder mal aus dem Gefägngnis ausbricht und damit prahlt, sich eines Tages an Superman und Metropolis zu rächen. Kaum hören Bruce und Dick die Nachricht, ziehen sie sich um und eilen nach Metropolis, weil sie glauben, sie könnten Superman helfen, falls Luthor Kryptonit benutzt. Schon das ist seltsam, denn dann müssten sie jedes Mal nach Metropolis fahren, aber sei’s drum.

Doch Superman lehnt ihre Hilfe ab. Bei ihrem Treffen hat er einen neuen Helfer dabei: Powerman, einen maskierten Helden, der nicht fliegen kann. Trotzdem folgt ihnen das Dynamische Duo und Batman erinnert sich an ihr erstes Treffen: Als die beiden einst beinen Schmuggler-Ring ausgehoben haben, hörten sie die Ganoven von Kryptonit sprechen. Daraufhin flogen sie nach Metropolis, um Superman zu warnen. Und das war auch gut so: Denn als Superman von Gangstern mit flüssigem Kryptonit bespritzt wurde und vom Himmel fiel, konnten sie ihm mit dem Bat-Plane das Leben retten.

Als sie es dann mit den Gangstern aufnahmen, verkleidete sich Batman als Superman, weil er immun gegen Kryptonit war. Dabei riskierte er aber trotzdem sein Leben, denn die Schurken wollten es daraufhin mit Blei versuchen, aber da war Superman schon zur Stelle. Der Beginn einer langen Freundschaft. Der Rollentausch erinnert an ihren zweiten gemeinsamen Auftritt in World’s Finest Comics #71 (1954) – seitdem eine Tradition.

Und ähnlich läuft es auch in der Gegenwart: Batman findet heraus, wie er Luthors Todesstrahlen von sich fernhalten kann, dann nimmt er ihm sein Kryptonit weg und rettet Superman das Leben. Und wer ist dieser Powerman? Es ist ein Roboter, den Superman gegen das Kryptonit einsetzen wollte, um nicht das Dynamische Duo zu gefährden. Na dann ist ja alles wieder gut …

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