Superman

Watchmen erklären Supermans Welt

Doomsday Clock Vol. 1 Cover

DC Comics

Titel: Doomsday Clock

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Gary Frank

Erschienen: 2017-2019 (Doomsday Clock #1-12), Hardcover 2019 (#1-6), Teil 2 folgt 2020


Als 1986 bis 1987 Watchmen herauskam, war es eigentlich ein Schlussstein. Alan Moore und Dave Gibbons hatten mit ihrer Superhelden-Dekonstruktion einen radikalen Abgesang auf das Genre geschrieben. Zusammen mit Frank Millers The Dark Knight Returns war spätestens nach Watchmen alles gesagt. Aber die Superhelden gingen als unendliche Geschichte weiter – nur war danach nichts mehr wie vorher. Der Mainstream von DC und Marvel wurde immer selbsteflexiver, düsterer, pessimistischer, nihilistischer – und im Grunde ist er das bis heute geblieben.

Doch als mit Watchmen Comic-Geschichte geschrieben wurde, dann war es eine Geschichte, die mit dem letzten Teil der zwölf Hefte nicht zu Ende ist. Im Jahr 2012 brachte DC die Prequel-Reihe Before Watchmen heraus. Gegen den Willen von Alan Moore, der auch die Film-Adaption von Zack Snyder ablehnte (wie überhaupt alle Adaptionen seiner Werke). Aber Moore hat dabei kein Mitspracherecht mehr und so konnten Warner/DC auch eine Sequel-Serie bei HBO starten, die derzeit läuft.

Und dann gibt es noch Doomsday Clock. Mit dem weichen Reboot von DC Universe Rebirth wurde 2016 der Grundstein für ein Crossover zwischen den Watchmen– und den DC-Helden gelegt, der in The Button angedeutet wurde. In Kurzfassung: Dem DC-Universum wurden mehrere Jahre gestohlen, Helden wie Wally West (Flash) sind verbannt und vergessen worden. Batman hat den Button des Comedian in der Bathöhle gefunden – und dieser Button hat den Reverse-Flash getötet. Dahinter steckt Dr. Manhattan … (Bevor man Doomsday Clock liest, sollte man all das gelesen haben. Am besten auch Flash Rebirth. Reihenfolge siehe unten.)

Doomsday Clock ist wie das Original eine ebenfalls zwölfteilige Serie von ähnlichem Umfang. Und auch die Struktur ist ähnlich, Autor Geoff Johns hat Alan Moores Erzählstil übernommen, das Neuner-Raster-Layout, die Binnenhandlung (früher der Piratencomic Tales of the Black Freighter, hier der Noir-Krimi The Adjournment) und selbst die dossierartigen Seiten am Ende, die in verschiedenen Medien (Zeitungsartikel, Briefe, Akten) die Hintergründe beleuchten.

Die Story spielt 1992, sieben Jahre nach Watchmen. Arian Veidts (Ozymandias) inszenierte Alien-Invasion in New York ist als Betrug aufgeflogen. Die Welt steht wieder davor, von einem Kalten in einen Heißen Krieg abzudriften, der zur totalen Katastrophe wird. Die Menschen sind aufgebracht und protestieren. Veidt ist auf der Flucht. Ein neuer Rorschach hat sich mit ihm verbündet, befreit die Superschurken  Marionette und Mime aus dem Gefängnis und zusammen mit Ozymandias reisen sie in die Welt der DC-Helden, um Dr. Manhattan zu finden, der dort vermutlich eine bessere Welt sucht.

In der DC-Welt sind die Leute aufgebracht, weil eine Verschwörungstheorie im Umlauf ist, die besagt, dass die Superhelden von der US-Regierung geschaffen und gesteuert sind (The Boys lässt grüßen). Im weiteren Verlauf trifft zuerst Batman auf Rorschach, dann tauchen der Comedian und der Joker auf … Soweit die Handlung im ersten Band, der sechs Hefte vereint.

ACHTUNG SPOILER!

In der zweiten Hälfte kommt es zur einer Eskalation zwischen den Superhelden und auch zwischen den Weltmächten Russland und USA wegen eines Zwischenfalls mit Firestorm in Russland, bei dem viele Menschen sterben. Die Stimmung kippt gegen Superman, die Helden fliegen zum Mars, um gegen Dr. Manhattan zu kämpfen, den sie für die Ursache des Zwischenfalls halten. Schließlich kämpft Superman gegen Dr. Manhattan …

Gesellschaftskritik und Welterklärung

Doomsday Clock will vieles sein. Zunächst eine Hommage an Watchmen. Autor Geoff Johns eifert seinem Vorbild Alan Moore nach wie ein Musterschüler, versucht sich an Gesellschaftskritik und Welterklärung. Und Gary Frank ist ein Zeichner, der Dave Gibbons wahrscheinlich sogar übertrifft. Es gibt einige wunderbare Sequenzen, etwa wenn Batman Rorschach reinlegt oder Alfred Pfannkuchen für Rorschach macht.

Dann soll die Serie aber auch Watchmen mit dem DC-Universum vereinen. Das wirkt etwas bemüht. Denn von den sechs Watchmen-Helden fehlen Nite Owl und Silk Spectre ganz, der Comedian wird ohne große Erklärung und Notwendigkeit von den Toten zurückgeholt und spielt eigentlich auch keine Rolle, für Rorschach muss ein Nacheiferer herhalten, der aber alles falsch verstanden hat.

Bleiben nur Dr. Manhattan und Adrian Veidt, die Antagonisten, die die Handlung vorantreiben. Und weil das etwas dürftig ist, erfindet Geoff Johns zwei neue Charaktere: das Schurkenpaar Marionette und Mime. Auch wenn sie – nach alter Watchmen-Manier – eine ausführliche und dramatische Backstory bekommen, erfüllen sie hier keinen großen Zweck, außer für ein bisschen Action und Gemetzel zuständig zu sein. Man hätte mehr aus ihnen machen können.

Vor allem aber will Doomsday Clock einen ganz pragmatischen Zweck erfüllen: Ordnung ins DC-Universum zu bringen. Die vielen Krisen von Crisis on Infinite Earths, Infinite Crisis, Final Crisis und Flashpoint (ich habe ein paar ausgelassen) haben immer wieder versucht, das Chaos zu begradigen, aber dadurch nur noch mehr Verwirrung gestiftet. Das Multiversum wurde zerstört und wieder aufgebaut, Charaktere wurden getötet oder einfach gestrichen, was natürlich nie gut ankommt und nie von Dauer sein kann, weshalb man sie doch immer wieder zurückholen muss. Mit Wally West ist das bereits passiert. Jetzt werden auch die Golden-Age-Helden der Justice Society (Jay Garrick, Alan Scott usw.) reaktiviert.

Superman als Zentrum des Metaverse

Doomsday Clock erklärt nun das alles, indem es Superman zum Dreh- und Angelpunkt des Metaverse macht. Aus reiner Neugier hat Dr. Manhattan dieses Metaverse manipuliert, um zu sehen, was passiert, und dadurch ständig neue Realitäten geschaffen, die sich um Superman herum anordneten: In einer Version hat Superman seinen ersten Auftritt 1938 (Action Comics #1), in einer anderen 1986 (Man of Steel #1) und so weiter. Das ist der wahrscheinlich interessanteste Aspekt. Denn dadurch wird erklärt, wie 80 Jahre Comic-Geschichte in einem großen Meta-Narrativ zusammenpassen.

Superman ist bereits bei Alan Moore Teil des Watchmen-Universums gewesen: Als Comicheld ist er den Menschen bekannt. Nicht nur der Zeitungsverkäufer Bernie nennt ihn, sondern auch Hollis Mason erwähnt Action Comics, sogar den Verlag DC gibt es in der Welt von Watchmen. In Doomsday Clock wird aus dem fiktiven Comichelden Realität, und zwar eine dynamische Realität, die sich am Auftritt des ersten Superhelden orientiert. Am Ende ist es Superman, der auch Dr. Manhattan eine neue Perspektive aufzeigt. Und ganz nebenbei wird für die Leser die Geschichte des DC-Universums umgeschrieben oder zumindest in einem neuen Kontext erklärt.

Es ist nur schade, dass am Ende der Eindruck zurückbleibt, dass die Fusion von Watchmen und DC-Universum nur als Mittel zu diesem Zweck diente. Denn einen größeren Mehrwert bietet diese überambitionierte Geschichte leider nicht. Die eigentliche Handlung, die Ozymandias anstößt, wirkt wie ein Wiederaufguss von Watchmen, ohne dem Thema neue moralische oder philosophische Aspekte abzugewinnen.

Trotz seiner strukturellen Schwächen bietet Doomsday Clock Unterhaltung auf hohem Niveau: Es ist ein anspruchsvoller Comic, der dem Leser viel Vorwissen (siehe unten) und einige Konzentration abverlangt. Und er verdient es auch, mehrmals gelesen zu werden, denn wie schon in Watchmen stecken hier so viele Details, dass man sie beim ersten Lesen nicht alle erfassen kann. Man sollte weniger ein „Watchmen 2“ erwarten, als eine Hommage. Es ist eher ein Fan-Service-Stück als eine Geschichte, die unbedingt erzählt werden musste. Vielleicht kann man sie als ein Experiment betrachten: Nicht alles daran glückt, aber es ist spannend, es mitanzusehen und dort zu genießen, wo es gelingt.

Lesereihenfolge für Doomsday Clock:

Trailer zu Superman: Red Son

Superman: Red Son (dt. Genosse Superman) von Mark Millar ist nicht nur eine der interessantesten Elseworlds-Storys, es ist auch einer der besten Superman-Comics überhaupt. Die Prämisse: Was wäre, wenn Kal-El als Kind in der Sowjetunion gelandet wäre? Die Antwort: Er wäre ein Diktator geworden. Superman kämpft darin gegen einen Batman in Pelzmütze und einen Lex Luthor, der kein Schurke, sondern der Held der Geschichte ist.

Im Jahr 2020 kommt Red Son als Zeichentrickfilm als Direct-to-Video heraus. Einen Starttermin gibt es noch nicht, aber man kann sich schon einen ersten Eindruck im Trailer verschaffen. Regisseur Sam Liu war bereits für die Verfilmung der Batman-Elseworlds-Story Gotham by Gaslight und The Killing Joke verantwortlich.

Darkseid lässt die Zombies los

dceased hardcover

DC Comics

Titel: DCeased

Autor/Zeichner: Tom Taylor/Trevor Hairsine u.a.

Erschienen: 2019 (DCeased #1-6, DCeased: A Good Day to Die #1), Hardcover 2019


Der Zombie-Hype ist eigentlich längst vorbei, dachte ich jedenfalls, als Jim Jarmusch in diesem Jahr The Dead Don’t Die ins Kino brachte und die letzte Ausgabe von Robert Kirkmans The Walking Dead-Comic erschien. Aber aus irgendeinem Grund gibt es mittlerweile zehn TV-Staffeln The Walking Dead und fünf Staffeln Fear the Walking Dead – und es ist kein Ende in Sicht. Zombies sind immer noch quicklebendig.

Nach Marvel Zombies hat auch die Konkurrenz nachgelegt: DCeased, lautet der naheliegende Titel. Die Story stammt von Tom Taylor, der bereits mit Injustice eine action- und wendungsreiche Serie rund um mörderische Superhelden schreiben durfte. Auch DCeased spielt jenseits der regulären Continuity und das bedeutet völlige erzählerische Freiheit.

DC Comics

Die Geschichte ist simpel: Nach einem gescheiterten Eroberungsversuch verseucht Darkseid durch ein Versehen die Erde mit der Anti-Life-Equation, einem bösartigen Killervirus, der sich übers Internet (Social Media) und über Blut verbreitet und alle in mordwütende Monster verwandelt. Zombies? Nein, nicht wirklich, wird mehrmals versichert. Aber ziemlich nah dran …

Ich will nicht zu viel verraten, aber das Prinzip erschließt sich schnell: Natürlich müssen auch die Helden dran glauben. In jedem Kapitel verwandeln sich ein paar und werden zu einer Bedrohung für die Überlebenden. Die Ereignisse überschlagen sich. Immer mehr sterben. Von Heft zu Heft wird es schlimmer und furchtbarer und aussichtsloser. Tom Taylor treibt es mit seiner Radikalität so weit, dass am Ende kaum noch etwas von Hoffnung auf Besserung übrig bleibt.

 

Aber um das Ganze etwas aufzulockern, lässt er Helden wie Green Arrow, Mister Miracle und Constantine witzeln. Die Pointen zünden – aber leider in den unpassendsten Situationen. Die Selbstironie darin nimmt dem Geschehen die Dramatik und es ist schwer, das alles so ernst zu nehmen, wie es eigentlich sein sollte. Aber Taylor rast auch so sehr durch seine Geschichte, für die Protagonisten bleibt zu wenig Zeit zum Nachdenken und zur Trauer, dass 90 Prozent der Weltbevölkerung ausgelöscht werden. Hier ist alles Action und Gemetzel. Die braven Superhelden des DC-Universums müssen sich nicht mehr zurückhalten und können nach Gutdünken alles zerfetzen, was ohnehin nicht mehr richtig lebt.

Und darum geht es wohl am Ende bei Zombie-Storys: eine Gesellschaft ohne Regeln, hemmungsloses Töten, weil die Menschen ihre Menschlichkeit verloren haben. Ach nein, zwischen den Zeilen schwingt immer auch Sozialkritik durch: die Gesellschaft als verblödete, konsumgierige Masse. Das gibt es hier auch. Die Message ist aber ziemlich aufs Auge gedrückt: Das Internet ist böse und schafft Mörder. Also einfach mal wieder abschalten und Comics lesen? Ob DCeased aber ein so viel smarterer Zeitvertreib ist, das darf bezweifelt werden.

Auch visuell überzeugt die Miniserie nicht immer, weil mehrfach – auch innerhalb von Ausgaben – die Zeichner wechseln und darunter leider nicht nur talentierte sind.

Fortsetzung folgt – schon im nächsten Jahr mit DCeased: Unkillables, drei Ausgaben sollen von Februar bis April erscheinen.

Mehr Batman und Zombies:

Viel zu tun, nichts zu befürchten

Titel: Superman – Year One

Autor/Zeichner: Frank Miller, John Romita Jr./John Romita Jr.

Erschienen: 2019 (Mini-Serie #1-3), Hardcover 2019 (DC Black Label)


Schon wieder Supermans Entstehungsgeschichte? Wurde die in 80 Jahren nicht schon etwa 1000 Mal erzählt? Davon die meisten Male in den letzten 20 Jahren? Doch. Aber eben noch nicht von Frank Miller. Der hat einmal mit Batman: Year One Comic-Geschichte geschrieben. Und jetzt versucht er das noch einmal mit Superman.

Bei Miller hat der Mann aus Stahl schon einiges mitmachen müssen. In The Dark Knight Returns wurde er von Batman verprügelt, in The Dark Knight Strikes Again noch einmal, in Dark Knight III hatte er sich selbst aufgegeben und dem Eis überlassen. Und in All-Star Batman & Robin, the Boy-Wonder wurde er als Vollidiot inszeniert.

Jetzt also alles von vorn. Superman mit rot-schwarzem Logo auf der Brust, wie in den frühesten Cartoons aus den 40ern. Aber nein, Miller und Romita Jr. fangen noch vor dem „Year One“ an, ganz von vorn. Wieder sehen wir Krypton untergehen, aber diesmal aus der Perspektive von Kal-El, der alles schon bewusst wahrnimmt, aber noch nicht begreift. Die Apokalypse um ihn herum könnte genauso gut eine Feier sein. Es gelingt den Autoren tatsächlich, eine neue Perspektvie zu finden, das Altbekannte neu zu erzählen.

Als Kind entdeckt Clark nach und nach seine Kräfte, nimmt übersensibel seine Umwelt wahr. In der Schule wehrt er sich gegen ein paar üble Mitschüler und bewahrt noch später sogar Lana Lang davor, vergewaltigt zu werden. So ungewohnt drastisch das Szenario erscheint, so ruhig und besonnen bleibt Clark. Trotz Pubertät ist er kein Teenager, der seine Gefühle nicht unter Kontrolle hat, sondern einer, der immer darauf achtet, seinen Gegner nicht zu großen Schaden zuzufügen.

Superman bei der Marine

Nach der Schule meldet er sich freiwillig zur Navy. Er will Gutes tun und die Meere erforschen. Bei der Marine gelingt ihm alles spielend, dann taucht er in den Pazifik, entdeckt Atlantis und lernt Meerjungfrau Lori Lemaris kennen, in die er sich verliebt. Nachdem er seinen ersten Einsatz gegen Piraten hat, merkt er, dass Töten nichts für ihn ist und er kehrt ins Meer zurück. Dort macht er Lori den Hof und stellt sich dabei Vater Poseidon vor – dazu trägt er erstmals das Superman-Kostüm, das seine Mutter für ihn aus kryptonischem Stoff genäht hat. Doch Poseidon gibt sich hartleibig und schickt alle Monstrositäten auf Superman los.

In diesem Teil lässt die Qualität der Erzählung deutlich nach. Wir sehen bloß Superman ein Seeungeheuer nach dem anderen bekämpfen, weil Poseidon in seiner Sturheit nicht einsehen will, dass sein Gegner unbesiegbar ist. Auch wird nicht klar, was das Problem ist, denn Superman hat es nie auf den Thron abgesehen.

Superman gegen Luthor und Batman

Im dritten und letzten Teil kommt Superman nach Metropolis. Zuerst rettet er Lois Lane das Leben, die aus einem unerfindlichen Grund mit einem Tauchboot allein in der Tiefsee unterwegs ist. Er verliebt sich, Lori scheint vergessen und er macht sich davon, um Journalist zu werden. In Metropolis macht er sich einen Namen, indem er viele Menschen rettet, aber Superman hat leichtes Spiel. Hier wird dient die Geschichte wieder nur einem Zweck, Supermans Allmacht zu demonstrieren. Da er die schon in der Tiefsee unter Beweis gestellt hat, erschöpft sich das schnell.

Interessant wird es erst, als es zur ersten Begegnung mit Lex Luthor kommt. Obwohl Superman sich weigert, ihm zu gehorchen, lässt er sich doch sofort einspannen, um ein offizieller Gesetzeshüter zu werden – eine Anspielung auf den Superman aus The Dark Knight Returns, der für den US-Präsidenten arbeitet. Superman soll Batman in Gotham City ausschalten. Doch Luthor kooperiert mit dem Joker, um eine neue Droge herzustellen. Luthor will die Helden gegeneinander aufhetzen, damit sie einander ausschalten.

Und das gelingt ihm auch. Batman lockt Superman mit dem Bat-Signal an und versucht, ihn auszuschalten. Dabei geht er so rabiat und großmäulig wie ein Straßenschläger vor. Es ist mehr der Dunkle Ritter aus All-Star Batman, gewürzt mit dem aus The Dark Knight Strikes Again („striking terror – best part of the job“). Superman hält allem, was Batman gegen ihn auffährt (alles außer Kryptonit), ungerührt stand. Selbst den Beleidigungen. Und als er sich revanchieren will, taucht aus dem Nichts Wonder Woman auf …

Das Ganze erinnert wahrscheinlich nicht zufällig an den Film Batman v Superman. Es wirkt wie ein Kommentar dazu, als würden Miller und Romita damit eine Version nachreichen, wie sie den Film gemacht hätten. Doch dazu taugt Superman: Year One leider nicht, weil hier alles schon vorbei ist, noch bevor es richtig losgeht. Zog sich die Geschichte vorher durch die Fülle an Supermans Bewährungsproben, handelt sie zum Schluss zu viel auf zu wenigen Seiten ab.

Damit bleibt ein zwiespältiger Gesamteindruck zurück: Es gibt Stellen, da erlebt man Miller wieder als Autor in Bestform mit wunderbaren Beobachtungen und witzigen Formulierungen. Aber es gibt leider auch viel zu viele Redundanzen, in denen er sich unnötig wiederholt – leider eine schlechte Eigenschaft, die er sich nach 2000 angewöhnt hat. So stark der Auftakt auch war, so planlos wirken die letzten zwei Drittel, die zwar prächtig von John Romita Jr. inszeniert sind, aber leider ohne Spannungsbogen auskommen, weil Superman nie eine Herausforderung erlebt. Er bleibt immer Herr der Lage. Und wenn er schon gelangweilt ist – warum sollten sich seine Leser für ihn interessieren?

(Abgesehen davon ist Year One auch eine Mogelpackung: Anders als bei Batman wird hier weit mehr als nur ein Jahr erzählt.)

>> Liste der Superman-Comics

Helden mit Problemen

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DC Comics

Titel: Heroes in Crisis

Autor/Zeichner: Tom King/Clay Mann

Erschienen: 2018-2019 (Heroes in Crisis #1-9), Hardcover 2019


„Bros before heroes.“

Helden haben es nicht leicht. Auch Superhelden brauchen mal eine Auszeit. Und Hilfe. Vor allem psychologisch. Denn auch Superhelden leiden unter posttraumatischer Belastungsstörung. Dafür haben Superman und Co. Sanctuary eingerichtet, einen Zufluchtsort in Kansas, in den sich Superhelden anonym zurückziehen, über ihre Erfahrungen sprechen und in einer Art Holo-Deck ihre Traumata verarbeiten können. Flash Wally West ist dort, aber auch der ehemalige Green-Arrow-Sidekick Arsenal, Harley Quinn und Booster Gold. Dann endet das Experiment plötzlich, als alle Helden bei Sanctuary abgeschlachtet werden.

Superman, Batman und Wonder Woman untersuchen den Fall mit Hilfe von Flash. Sie verdächtigen Harley Quinn und Booster Gold, aber beide beteuern ihre Unschuld. Booster wird von seinem alten Kumpel Blue Beetle aus dem Knast befreit, während Harley sich mit Batgirl verbündet. In der Zwischenzeit macht Lois Lane das Geheimnis um Sanctuary ohne Rücksicht auf Verluste publik …

Regelmäßige Leser werden wissen, dass ich nicht gut auf Autor Tom King zu sprechen bin. Er hat zwar mit Sheriff of Babylon und The Vision bewiesen, dass er schreiben kann, aber sein Batman ist eine Qual, weil sich die minimale Handlung in die Länge zieht. Hier zäumt King das Pferd von hinten auf. Noch bevor Sanctuary eingeführt ist, ist es damit auch schon vorbei, weil das Schlimmste bereits passiert ist. Erst nach und nach erfährt man als Leser, was das für ein Ort war.

Wir sehen unzählige Aufzeichnungen von Helden, die erzählen, was sie belastet, meistens unbekannte Gesichter, die hier als Kanonenfutter dienen. Sie rechtfertigen sich, offenbaren sich oder üben sich im beredtem Schweigen. Das sind vielleicht die stärksten Momente, auch wenn sich das Prinzip, eingepfercht in das typische Neuner-Panel-Raster, etwa nach der Hälfte verbraucht und ab dann nur noch nervt – denn es muss einfach jeder mal was sagen. Wenn ein Neandertaler beginnt, über Hobbes und Rousseau zu philosophieren und mit einem Mammut kuschelt, wird es zu viel des Guten.

Erst am Ende überrascht und bewegt die Geschichte – wenn es eigentlich schon zu spät ist. Dann wird eine überkomplizierte Zeitreisegeschichte daraus. Man hätte das alles interessanter hinkriegen können. Denn die eigentliche Ermittlung spielt keine große Rolle, viel mehr sieht man bloß Harley, wie sie versucht, ihre Mordlust auszuleben.

Ein großes Problem ist auch das Konzept von Heroes in Crisis: Warum sollte Sanctuary ein anonymer Ort sein? Warum sollte man Menschen mit Problemen in Kameras sprechen lassen statt mit anderen, wo doch selbst Kriegsveteranen in einer Gruppentherapie zusammensitzen? Kein Wunder, dass der Aufenthalt nicht hilft und sich die Teilnehmer einsam fühlen. Daher wirkt die Story forciert und die Erkenntnis am Ende banal. Den Ärger hätte man sich sparen können – aber dann hätte es eben diese Geschichte nicht gegeben …

Ansonsten ist es typischer Tom King: Minimale Handlung, die auf großen Panels breitgetreten wird, lange Dialoge und Monologe mit abgehackten Sätzen und Endloswiederholungen, mal mehr, mal weniger gelungene Pointen. Allerdings wird so viel gewitzelt, dass man das Ganze nicht ganz ernst nehmen kann. Wieder einmal lassen die besten Zeichner die Story mehr glänzen, als sie es verdient. Manche Doppelseiten sind geradezu atemberaubend. Leider hat der auf dem Cover angepriesene Clay Mann nur einen geringen Anteil an den Seiten.

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Die rebellischen Musterknaben

super sons

DC Comics

Titel: Superman/Batman: Saga of the Super Sons

Autor/Zeichner: Bob Haney/Dick Dillin u.a.

Erschienen: 1972-1980, 1999 (World’s Finest #215, 216, 221, 222, 224, 228, 230, 231, 233, 238, 242, 263), Paperback 2017


Was wäre, wenn Superman und Batman Söhne hätten? Die Antwort auf diese Frage fällt ernüchternd aus: Dann hießen die Söhne Clark Jr. und Bruce Jr., würden genauso aussehen wie ihre Väter und auch die gleichen Kostüme tragen. Kurz: Sie wären Superman und Batman. Na ja, Superman Jr. wäre nur halb so stark wie sein Vater, denn immerhin ist er dank einer menschlichen Mutter nur ein halber Kryptonier, er könnte auch nur springen und nicht fliegen. Aber Batman 2 wäre im Grunde wie das Original, nur eben einfältiger.

Wenn da nur nicht die Väter wären! Denn denen gefällt es gar nicht, dass die beiden Helden spielen wollen. Aus ihnen soll mal was Anständiges werden (also nicht so wie ihre Väter). Clark und Bruce sorgen sich um ihre Söhne, ebenso wie die Mütter, deren Identität wir kurioserweise nie erfahren. Aber diese konservative Einstellung dient nur dazu, dass sich die beiden als Rebellen behaupten können. Sie pfeifen auf ihre Väter und ziehen auf einem Motorrad durchs Land, um Abenteuer zu erleben – auf den Spuren von Easy Rider. Erster Stop: Sparta City, wo sie einen Verbrecherring hochnehmen wollen.

Was also tun, wenn die Kleinen bocken? Vorsichtsmaßnahmen treffen! Superman erschafft sicherheitshalber eine temporäre Parallelstadt, in der sich die beiden austoben können. Um den Gangsterboss zu erledigen, täuschen die Super Sons sogar ihren eigenen Tod vor – mit Erfolg. Doch was nützt das, wenn die Stadt bloß Fake war? Egal, sagt Superman, da die Aufgabe schwerer war als die Realität, haben sich die Junioren erst recht bewiesen. Außerdem sei der echte Gangster an einem Herzinfarkt gestorben. Ach ja, am besten sind immer noch die Probleme, die sich in Wohlgefallen auflösen …

Wie schon Green Lantern und Green Arrow sind Superman und Batman Jr. für die soziale Sache unterwegs. Sie gehen gegen einen skrupellosen Unternehmer vor, der Grubenarbeiter wie Sklaven hält und sie setzen sich für einen Stamm von Inuit ein. Die wohl interessanteste, weil philosophischste Geschichte handelt von der Frage, ob der Mensch gut sei oder nicht. Unsere Helden begleiten zwei Wissenschaftler, die einen isolierten Stamm in der Antarktis untersuchen. Batman schlägt sich auf die Seite des Forschers, der beweisen will, der Mensch sei schlecht. Dabei setzt der Mann sehr fragwürdige Methoden ein und Batman muss seine Haltung überdenken. Am Ende gibt es sogar eine überraschend uneindeutige Antwort auf die Ausgangsfrage. Damit ist der Tiefgang dieser „Saga“ allerdings erschöpft.

Die Söhne erweisen sich selbst als radikal, als sie Batman und Superman anklagen, sich nicht um die wahren Probleme der Welt zu kümmern. Obwohl der Vorwurf haltlos ist, spricht eine Jury die World’s Finest absurderweise schuldig und sie kommen in einen Knast, der nur von Stacheldraht zusammengehalten wird. Die Väter revanchieren sich, indem sie sich vor ihren Söhnen als Green Arrow und Flash ausgeben, später täuscht Batman sogar seinen Tod vor. Es bleibt ein angespanntes Verhältnis, das nie zu einer richtigen Lösung kommt.

Die Super Sons haben auch meist anderes zu tun. Sie erleben haarsträubende Abenteuer auf der ganzen Welt und einmal sogar mit Lex Luthor auf einem fernen Planeten. Ein beliebtes Motiv sind die Geisterstädte: Im einem Abenteuer kommen die Nachwuchshelden durch eine leere Stadt, die von Aliens heimgesucht wurde, in einer anderen finden sie eine Westernwelt voller Schießwütiger vor, eine Stadt wird von Frauen beherrscht.

Das allein wäre noch nicht schlimm, wenn die Feministinnen nicht so männerfeindlich wären und drakonische Strafen für Bagatellen und sogar Wohltaten verhängen würden. Clark und Bruce Jr. kommen ins Gefängnis, weil sie einer Frau das Leben retten wollten. Am Ende stellt sich heraus, dass auch diese Frauen unter dem Einfluss eines bösen Aliens standen. Bruce beweist sich als Macho, als er die Frauen schließlich mit einem forcierten Kuss „heilen“ will. Heute nennt man das einen sexuellen Übergriff … Die radikal-liberalen Super Sons sind also auch nichts anderes als Instrumente des Establishments weißer Männer und damit ganz und gar keine Späthippies im Geiste von Easy Rider.

Aber was lesen wir da überhaupt? Sind es Imaginary Tales, handelt es sich um die Zukunft oder eine Parallelwelt? Ein Hinweis darauf findet sich nicht. Eine Geschichte von Dennis O’Neil erklärt am Ende: Die Super Sons sind nur eine Computer-Simulation von Superman. Dann erkennt die Simulation aber, dass sie eine ist und die Söhne brechen in die reale Welt aus, nur um Chaos zu stiften und sich wieder selbst auszulöschen. Ganz am Ende werden die Super Sons als Elseworlds-Figuren wiederbelebt. Verwirrend, aber schließlich irrelevant, denn diese bemühten und oft lächerlichen Gedankenexperimente sind entbehrlich.

>> Liste der World’s Finest-Comics

Knightfall 2.0: Tales of the Dark Multiverse

Im Oktober startet DC eine neue Comic-Reihe: Tales of the Dark Multiverse wird klassische Storylines neu interpretieren. Das Konzept erinnert an DCs frühere Elseworlds-Reihe. Den Anfang machen Scott Snyder und Kyle Higgins, die zusammen mit Javier Fernandez Knightfall variieren werden. Die Geschichte spielt 30 Jahre nachdem ein gebrochener Bruce Wayne beim Versuch gescheitert ist, wieder Batman zu werden. Jean-Paul Valley hat als Saint Batman eine Schreckensherrschaft errichtet, in der Kriminelle ständig den Tod fürchten müssen. Doch es gibt Hoffnung: The Son of Bane.

Jeff Loveness, Brad Walker und Andrew Hennessy erzählen eine Variante von The Death of Superman. Darin wird Lois Lane zum Eradicator und nimmt Rache an allen, die Superman haben sterben lassen. Mit gottgleichen Kräften will sie die Herrschaft der Supermänner beenden, noch bevor sie beginnt.

Knightfall erscheint am 16. Oktober 2019, The Death of Superman am 30. Oktober. Jeder Band wird im Prestige-Format herauskommen, 48 Seiten umfassen und 5,99 US-Dollar kosten. Dazu werden Nachdrucke von Batman #497 und Superman #75 erscheinen, die für einen Dollar zu haben sind.

Weitere Tales of the Dark Multiverse werden unter anderem Infinite Crisis, Blackest Night und New Teen Titans: The Judas Contract sein.

 

Der falsche Batman

DC Comics

Titel: Batman Adventures Vol. 3

Autor/Zeichner: Paul Dini, Kelley Puckett/Bruce TImm, Mike Parobeck

Erschienen: 1994 (Batman Adventures #21-27, Annual #1), Paperback 2015


Bevor mit Roxy Rocket die frivolste Folge der Animated Series produziert wurde, hatte sie ihren ersten Auftritt im Batman Adventures Annual #1. Perfekt inszeniert, mit flottem Strich von Bruce Timm (dem besten Animated-Zeichner überhaupt) ist sie hier schon die sympathische Ganovin, aber sie hilft Batman dabei, die wahre Übeltäterin zu fassen, nämlich Catwoman.

In weiteren, von anderen Zeichnern inszenierten Episoden, rekapituliert Batman, inwiefern sich seine Gegner rehabilitieren lassen. Wir sehen kurze Geschichten mit dem Bauchredner und Scarface, Scarecrow und Harley Quinn. Zum Schluss sehen wir Joker bei einem ebenso sinnlosen wie brutalen Amoklauf durch die Stadt zu. Das ist eher etwas für Freunde des schwärzesten Humors.

Batman trifft in diesem Band auch erstmals auf Superman. In der Animated-Series kam dies nie vor, erst in der Superman-Serie wurde das nachgeholt. Hier kämpfen sie gegen Maxie Zeus. Auch wenn erstklassige Schurken wie Poison Ivy und Two-Face hier Auftritte haben, ist die interessanteste Story eine ohne Prominenz.

In „Survivor Syndrome“ hat Batman einen Nachahmer, einen Sportler, der Rache nehmen will für seine ermordete Freundin. Als dieser Möchtegern-Batman angeschossen wird, rettet das Vorbild ihm nicht nur das Leben, sondern hilft ihm auch, wieder auf die Beine zu kommen. Er trainiert ihn. Am Ende muss sich der junge Mann aber als der moralisch überlegenere beweisen. Die Geschichte ist eine der stärksten in diesem Paperback, das eher eine Lektüre für nostalgische Momente zwischendrin ist.

„Batman/Superman“ bekommt einen Neustart

Batman/Superman #1 (2019)

DC Comics

Die Comicserie „Batman/Superman“ wurde 2016 nach drei (glücklosen) Jahren eingestellt. Im August 2019 soll sie von vorn gestartet werden. Laut Hollywood Reporter wird Joshua Williamson (The Flash, The Button) die ersten Ausgaben der Serie schreiben, David Marquez (früher Marvel) wird sie zeichnen.

Batman und Superman treffen wieder auf den Batman Who Laughs, der im Event Dark Nights: Metal eingeführt wurde und seitdem ein Fanliebling unter den Schurken geworden ist, mittlerweile sogar mit eigener Mini-Serie und Plänen für eine fortlaufende Serie. Die Helden finden heraus, dass The Batman Who Laughs überall im Universum Schläfer verteilt hat, die sich in die schlimmsten Versionen ihrer selbst verwandeln. Manche merken, dass sie sich verändern, andere nicht. Zusammen bilden sie eine neue Gruppe der Secret Six.

„Batman/Superman“ ist eine Fortsetzung von „Superman/Batman“ (2003-2011), die wiederum das Konzept von „World’s Finest“ fortsetzt, in der die beiden Hauptfiguren von 1954 bis 1986 zusammen auftraten.

Viel Lärm um nichts

DC Comics

Titel: Superman/Batman Vol. 6

Autor/Zeichner: Joe Casey, Paul Levitz/Jason Fabok, Scott Kolins, Jerry Ordway

Erschienen: Superman/Batman #64-75, Annual #4), Paperback 2017


Batman im Weltall. Eine Zeitlang war das eine verzweifelte Idee, die im Silver Age ins Absurde übertrieben wurde. Batman hat dort nichts verloren. Er gehört auf die Straßen von Gotham. Aber irgendwann wurde es wieder völlig normal, Batman ins All zu schicken. In The Big Noise hat er sogar eine eigene Bat-Rakete, damit er Superman helfen kann, Weltraumschrott zu inspizieren. Offenbar hat er gerade nichts Besseres zu tun.

Aber es kommt noch dicker: Ein Formwandler-Alien, das einst gegen Kryptons Armeen der Frühzeit gekämpft hat, will Superman töten. Dazu schickt er einen C-Ligisten-Attentäter wie Nrg-X los, eine laufende Atombombe. Batman hilft ihm, weil der Formwandler die Gestalt eines Industriellen angenommen hat. Bruce Wayne hat sich von ihm täuschen lassen und ihm die Hand geschüttelt. Wegen dieses Handschlags steigt Batman in einen Raumanzug, reist ins All und kämpft mit Superman gegen das Tentakel-Alien. Inwiefern ist das besser als der Quatsch im Silver Age? Es ist cool gezeichnet. Na, immerhin.

In der zweiten größeren Geschichte dürfen zwei Altmeister ran: Paul Levitz und Jerry Ordway erzählen eine Story, die bestenfalls als klassisch, schlimmstenfalls als altbacken gelten kann. Während eine ungewöhnliche Kolorierung über Ordways altmodischen Zeichenstil hinwegzutäuschen versucht, kann Levitz seine Story nicht so leicht kaschieren, dass sie in alten Mustern festhängt.

Lex Luthor hetzt einerseits einen Superman-Kult auf Lois Lane, der sie auf den Scheiterhaufen verbrennen will, andererseits hetzt er Aliens auf einem fernen Planeten gegen Superman auf und schenkt ihnen Technologie, um bei ihnen als Gott zu gelten. Zusammen mit Batman und Lois Lane verhindert Superman das alles. Sehr routiniert und spannungsarm und mit viel Introspektion in den Captions. Lesergehirne im Leerlauf.

Interessanter ist dagegen schon eine kleine Halloween-Story: Scarecrow hält Superman, Batman, Joker und Lex Luthor gefangen und lässt sie ihre schlimmsten Alpträume erleben. Mehrere Zeichner (darunter Kelley Jones) dürfen die vier Passagen inszenieren, einiges davon ist sehr stark. Und was ist Scarecrows schlimmster Alptraum? Die Vogelscheuche aus dem Zauberer von Oz zu sein.

Ein kleines Highlight bietet Annual #4: Batman Beyond trifft auf Superman Beyond. Wieder geht es wieder gegen Lex Luthor. Das Ganze ist etwas zu brav gezeichnet, aber hat einige schöne Splash Pages, in denen Superman in Schwarz-weiß sehr eindrucksvoll rüberkommt. Ein mäßiges Lob, okay, aber ich versuche, die Rosinen aus der Mittelmäßigkeit herauszupicken.

Total überflüssig sind die beiden Kapitel, in denen Monster gegeneinander antreten: Bizarro gegen Solomon Grundy und dann auch noch Man-Bat und Frankenstein. Dieser Schwachsinn muss absolut niemanden interessieren. Bitte überblättern.

Zum Schluss feiert die Serie mit seiner 75. Ausgabe von Superman/Batman ein „Jubiläum“. DC ist sich wirklich nicht zu schade, jede noch so lächerliche Heftnummer zum Anlass für Spezialausgaben zu nehmen. Nachdem Batman und Superman die Legion of Superheroes treffen (gähn), dürfen mehrere Autoren und Zeichner ein paar kleine Zweiseiter machen.

Wie unfruchtbar die Aufgabe ist, zeigt die Kurzgeschichte von Steven T. Seagle und Teddy Kristiansen (It’s a Bird …): Obwohl Seagle nichts zu erzählen hat, weil Superman und Batman zusammen nicht viel Sinn ergeben, steht die Geschichte trotzdem da – als Meta-Geschichte eines Pseudo-Making-ofs. Einfach nur peinlich.

Immerhin eine Idee ragt positiv heraus: Brian Azzarello und Lee Bermejo erzählen eine Lex-und-Joker-Story im Calvin & Hobbes-Stil – das sind aber auch schon die kreativsten zwei Seiten dieses Bandes.

>> Liste der World’s Finest-Comics