Superman

JLA trifft die Avengers

DC/Marvel

Titel: JLA/Avengers

Autor/Zeichner: Kurt Busiek/George Pérez

Erschienen: 2003-2004 (Miniserie #1-4), Paperback 2004/2022


Auch wenn Eigenlob stinkt, muss ich eins vorwegschicken: Ja, ich bin stolzer Besitzer der Neuauflage von JLA/Avengers. Der auf nur 7000 Exemplare limitierten Neuauflage. Wie das? Reines Glück. Ich hatte mir gar keine Hoffnungen gemacht, dass ich eins kriegen würde, und dann sah ich es eines Tages im Regal meines Comicladens stehen. Einfach so, unauffällig zwischen anderen Paperbacks. Ich glaubte meinen Augen kaum, doch dann hielt ich es in der Hand. 40 Euro wollte der Laden für das 30-Dollar-Heft haben. Reiner Wucher. Unverschämte Gier. Doch wer bin ich zu urteilen, wenn ich selbst von der Gier gepackt sofort bereit war, den geforderten Preis zu zahlen? Immer noch günstiger, als das Ding bei eBay zu ersteigern.

Dass das Geld gut angelegt ist, zeigt sich schon beim Durchblättern. Im umfangreichen Bonusmaterial wird nicht nur ausführlich die langwierige Entstehungsgeschichte dieses Vierteilers erzählt, sondern es gibt auch tatsächlich einen Abdruck der Zeichnungen für die 1983 verworfene erste Ausgabe von George Pérez. So kann man nachvollziehen, wie die Geschichte ursprünglich starten sollte. (mehr …)

Als DC gegen Marvel kämpfte

DC/Marvel

Titel: DC versus Marvel (dt. DC gegen Marvel: Der Kampf des Jahrhunderts)

Autor/Zeichner: Ron Marz, Peter David/Dan Jurgens, Claudio Castellini

Erschienen: 1996 (Miniserie #1-4), Paperback 1996; dt. Dino 1996 (DC gegen Marvel #1-3, 7, Paperback 1998)


Es war wohl das Comic-Event der Neunziger: DC gegen Marvel. Das erklärt sich von selbst. Es gab schon Superman gegen Spider-Man, Batman gegen Hulk, Teen Titans gegen X-Men, aber dann, nachdem JLA/Avengers (vorerst) gescheitert war, herrschte ein Jahrzehnt Flaute, bis man das Konzept in einer Art Battle Royale wiederbelebte.

Die Rahmenhandlung ist – wie immer bei solchen Crossover-Events und Paarungsfilmen – völlig nebensächlich, denn es geht ja nur um die Begegnungen. Die Welten von DC und Marvel verschmelzen zu einer. Hintergrund: Zwei kosmische gottgleiche Brüder lassen eine Auswahl der Superwesen ihrer jeweiligen Universen gegeneinander antreten, um zu entscheiden, welches Universum besteht. Ohne viele Erklärungen und ohne Zeit damit zu vertrödeln, eine andere Lösung für das Problem zu finden, sodass nicht Milliarden von Menschen und Welten sterben müssen, wird drauflosgeprügelt. Seltsamerweise nimmt man dabei Rücksicht auf die Leben der Kontrahenten, denn es reicht, den anderen nur außer Gefecht zu setzen.

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Supermans jüdisches Erbe

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Hitlerschreck: Superman ist kein „Übermensch“. (Superman #17, DC Comics)

Seit ihren Anfängen nehmen es Superhelden mit Nazis auf. In den 40ern war das noch ein Ausdruck von Patriotismus: Man kämpft gegen die Deutschen, weil sie die Kriegsfeinde sind, genauso wie Japan. In den Krieg selbst mischen sich die Superhelden nicht ein (höchstens auf den Covern). Comic-Nazis sind bei Batman, Superman und Wonder Woman zunächst Spione, Saboteure, Mörder im eigenen Land. Aber von einem Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus ist in den frühen Comics nicht die Rede. Jedenfalls nicht direkt.

Doch Superhelden und Antisemitismus vertragen sich grundsätzlich nicht. Zum einen, weil diese Haltung ohnehin nichts mit Heldentum zu tun hat und jedem halbwegs anständigen und vernünftigen Menschen abgehen sollte. Zum anderen, weil die Schöpfer der ersten Superhelden Juden bzw. jüdischer Herkunft waren – und zwar sehr viele von ihnen: Jerry Siegel und Joe Shuster, Bob Kane (Robert Kahn) und Bill Finger; Joe Simon, Jack Kirby und Stan Lee, sowie natürlich auch Will Eisner, um noch einen Pionier zu nennen. Auch die Verleger von DC und Marvel waren Juden. Kurzum: Genauso wie Hollywood-Filme sind Comichefte ohne Juden undenkbar.

Clark Kent, der jüdische Nerd

Aber spiegelt sich das auch in den Comic selbst wieder? Auf den ersten Blick nicht. Superman, Batman und Co. erscheinen wie die Inbegriffe des Ur-Amerikanischen im „weißen“ Sinne. Superman scheint fast eine leibhaftige US-Flagge zu sein – er steht für truth, justice and the American way – und wem das nicht reicht, für den gibt es immer noch Captain America, ebenfalls eine jüdische Erfindung (von Joe Simon und Jack Kirby). Bestenfalls steht Superman für das Ideal einer allumfassenden amerikanischen Gesellschaft, die niemanden ausschließt, sondern für alle steht.

Superman ist kein Jude – jedenfalls nicht im religiösen Sinn. Doch wie Harry Brod in seinem Buch Is Superman Jewish? darlegt, ist Superman jüdisch in einem kulturellen Sinn.

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Neue Comicserie: „Batman: Fortress“

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DC Comics

Ein unbekanntes Alien-Raumschiff tritt in die Erdatmosphäre ein und stürzt den Planeten ins Chaos: Stromausfälle, Zusammenbruch der Kommunikation, Unruhen. Wo ist Superman, wenn man ihn braucht? Nicht da. Batman muss zunächst das Verbrechen in Gotham aufhalten, das der Blackout verursacht hat, dann trommelt er die Justice League zusammen.

Batman: Fortress heißt die Geschichte, die uns Gary Whitta (Rogue One: A Star Wars Story) und Darick Robertson (The Boys) erzählen wollen. Die Miniserie soll acht Ausgaben umfassen und am 24. Mai 2022 starten. DC verspricht „a brutal and shocking 8-issue adventure that will challenge everything you think you know about Superman“.

Weitere Comic-News:

Neue Comicserie: „The Jurassic League“

Batman mag bekanntlich Dinosaurier. Seit über 70 Jahren steht einer in der Batcave herum, Batman hat gegen mechanische und echte Dinos gekämpft und ist sogar auf einigen geritten. Und wer denkt, das war’s, damit ist der Dinosaurier-Wahnsinn auserzählt, der irrt. Denn immer wenn man meint, es geht nicht mehr bescheuerter, wird man eines Besseren belehrt.

Denn bald wird Batman selbst zum Dinosaurier. Zu einem Allosaurus, um genau zu sein. An der Seite von Superman, dem Brachiosaurus, und einer Triceratops-Wonder-Woman kämpft er für die Jurassic League gegen Darkseid und einen Joker-Dilophosaurus. Steinzeitmenschen gibt es auch. – Muss ich noch mehr sagen?

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Cover zu „Jurassic League“ (DC Comics)

Viel mehr gibt die Pressemitteilung von DC auch nicht her, außer dass uns Co-Autor und Zeichner Juan Gedeon versichert: „Jurassic League is all I want to draw: dinos and epic fights. My own version of a 90s cartoon or videogame. Expect a story about survival, unity and hope where the strong protect the weak in a world where danger lurks in every corner.“

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Joker und Batman in „Jurassic League“. (DC Comics)

Der andere Co-Autor ist übrigens Daniel Warren Johnson, der mit Wonder Woman: Dead Earth ein beachtliches Werk über eine postapokalyptische Amazone hingelegt hat. Vielleicht wird es dann nicht ganz so verrückt, wie es klingt.

Die erste Ausgabe von The Jurassic League soll am 10. Mai 2022 erscheinen und 3,99 US-Dollar kosten. Fünf weitere sollen folgen.

Aber trotzdem bleibt die Frage: Warum eigentlich? Was soll das? Die Antwort liegt nahe: Ich schätze, es liegt daran, dass im Juni Jurassic World: Dominion in die Kinos kommt und DC auch ein Stück vom Dino-Hype haben will.

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Justice League jagt Santas Mörder

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DC Comics

Titel: The Man Who Murdered Santa Claus 

Autor/Zeichner: Len Wein/Dick Dillin

Erschienen: 1974 (Justice League of America #110)


Batman und Superman wollen an Heiligabend zusammen mit Santa (Simpson) Geschenke an Waisenkinder verteilen, da geht eine Bombe hoch und tötet Santa. Der Täter hinterlässt ein Gedicht mit der Drohung, einen ganzen Häuserblock in die Luft zu jagen, dazu einem Schlüssel mit einer roten Schleife. Einen Schlüssel. Einen SCHLÜSSEL, kapiert?! Also fragt gar nicht erst, wer der Schurke ist.

Batman und Superman trommeln die Justice League zusammen. Leider ist Flash gerade in der Zukunft unterwegs, Atom erkundet ein Miniaturuniversum (sehr bezeichnend: sie sind außerhalb von Zeit und Raum, um sich um Weihnachten zu kümmern), Elongated Man geht mit seiner Frau tauchen und Aquaman ist meist ohnehin untergetaucht. Übrig bleiben nur Red Tornado, Green Arrow, Black Canary und Green Lantern (John Stewart).

Bankrotterklärung der Superhelden

Die Spur führt nach St. Lois, Missouri. Jetzt müssen unsere Helden nur noch herausfinden, wo der Schlüssel passt. Normalerweise würde jetzt Flash blitzschnell alle Türschlösser ausprobieren, stattdessen macht Green Lantern einen Geigerzähler aus dem Schlüssel, der ausschlägt, wenn Red Tornado damit an der richtigen Tür vorbeifliegt. Irre, was radioaktive Strahlung alles kann.

Die richtige Tür liegt in einem Elendsviertel. Drei arme Kinder bitten die JLA um Kleingeld, aber leider haben die Helden in ihren Kostümen keine Taschen, in denen welches stecken könnte. Green Lanterns Ausrede ist der gewichtigste Satz in dieser Geschichte. Green Arrow hat einen Pfeil für jede Gelegenheit, Batman hat einen Allzweckgürtel aber keiner trägt auch nur einen lausigen Dollar bei sich? Es ist eine buchstäbliche Bankrotterklärung der Superhelden: Keiner kann am Weihnachtsabend bedürftigen Kindern helfen. GL darf nicht mal seinen Ring benutzen.

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Spende für arme Kinder? Leider hat Green Lantern kein Geld dabei. (DC Comics)

Also macht man das, was man am besten kann: Man stürzt sich ins Abenteuer. Wobei das wörtlich gemeint ist: Kaum haben die Helden das Haus betreten, fallen sie in den Abgrund, tappen dann von einer Todesfalle in die nächste – und sterben. Superman durch eine rote Sonne, Black Canary durch eine Drehorgel, Batman wird von einer riesigen Christbaumkugel verschluckt (auch ein Zitat aus der Serie The Prisoner) und dann gehen riesige Zinnsoldaten auf die anderen los …

Weil bei all dem keine Zeit für Detektivspiele bleibt, erfahren wir direkt, wer der Übeltäter ist: der Key! Der Mann mit dem Schlüsseltick. Der wurde zwar zu Lebenslänglich verurteilt, ist aber rausgekommen, weil er todkrank ist – Weihnachten ist seine Deadline. Also rächt er sich an der JLA für seine bisherigen Niederlagen.

Geschenke für die Armen

Doch plötzlich stehen sie alle vor ihm, auch die vermeintlich Toten, denn der Phantom Stranger kommt wie Kai aus der Kiste gehüpft und erklärt, er habe die anderen gerettet. Das verdiene aber keine Anerkennung, denn er habe nur das getan, was die anderen auch ohne ihn geschafft hätten. Womit er Recht hat – nur ist das eben eine ziemlich billige Lösung, aber da wir schon kurz vorm Ende stehen, bleibt keine Zeit mehr für Ausführlichkeiten.

Der Key entkommt, das Elendsviertel wird gesprengt, aber Green Lantern dämmt nicht nur die Explosion ein, er baut auch sofort alle Häuser wieder auf, sodass sie wie neu sind. Damit umgeht er sein Ringverbot und rettet die Ehre der JLA – sie konnten sich doch irgendwie nützlich machen. Na ja, wenigstens einer von ihnen, denn der Rest steht nur blöd in der Gegend rum.

Dass der Mörder von Santa nicht zur Rechenschaft gezogen wird, scheint niemanden zu kümmern. Zum Schluss bekommt noch Red Tornado ein Geschenk: ein neues Cape, designt und genäht von Black Canary. Er braucht zwar nicht wirklich eins, aber so lernt der Roboter, worum es an Weihnachten geht: ums Geben. Damit ist auch die kapitalistische Botschaft des Festes gewahrt.

In diesem Sinne: Frohe Weihachten!

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Neue Comics und Filme: Die Batman-Vorschau auf 2022

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Batman: Beyond the White Knight (DC Comics)

Die Breaking News vorab: Sean Murphys White-Knight-Saga geht weiter – mit Beyond the White Knight. Der dritte Teil spielt zehn Jahre nach Curse of the White Knight. (ACHTUNG: SPOILER für Teil 2 voraus!) Bruce Wayne sitzt im Knast, Derek Powers, CEO von Gotham Motors, hat das Wayne-Vermögen an sich gerissen und lässt Terry McGinnis den Beyond-Anzug für Powers stehlen. Bruce bricht aus dem Knast aus, um ihn aufzuhalten und den Anzug zu zerstören – dabei hilft ihm Jason Todd, der totgeglaubte erste Robin.

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Beyond the White Knight (DC Comics)

Beyond the White Knight bedient sich also bei der TV-Serie Batman Beyond (dt. Batman of the Future). Die erste Ausgabe des Achtteilers soll laut DC am 29. März 2022 herauskommen. Die ersten beiden Teile der Saga, die in einem eigenen Universum spielen, gehören zu den besten Batman-Comics der vergangenen Jahre, auch der Spin-off White Knight Presents Harley Quinn konnte überzeugen. Daher darf man sich auf diese Fortsetzung freuen.

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Batman: Killing Time (DC Comics)

Am 1. März beginnt auch der Sechsteiler Batman: Killing Time von Tom King, David Marquez und Alejandro Sánchez. Die Story: Catwoman, Pinguin und Riddler planen den größten Raub in der Geschichte Gothams. Warum gerade die drei? Wahrscheinlich weil das auch die Schurken des neuen Batman-Films sind (siehe unten). Mit dabei ist auch Killer Croc. King schrieb die ersten (höchst umstrittenen) 85 Ausgaben der Batman-Serie seit 2016, die in City of Bane endete. Derzeit erscheint noch sein Zwölfteiler Batman/Catwoman.

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Slap Battle: Batman/Superman: World’s Finest #1 (DC Comics)

Ebenfalls im März treffen wieder Batman und Superman aufeinander. Das allein ist noch keine Meldung wert, denn bisher gab es immer wieder eine Serie mit den beiden, zuletzt Batman/Superman. Doch im Jahr 2022 (70 Jahre nach ihrem ersten Treffen in Superman #76, 1952) gibt DC seine Traditionsmarke World’s Finest wieder Batman und Superman zurück. Altmeister Mark Waid (Kingdom Come) und Zeichner Dan Mora werden die neuen Abenteuer hoffentlich ihrem Titel gerecht werden lassen, denn erstklassig waren die Comics schon lange nicht mehr.

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World’s Finest 2022 und 1997 (DC Comics)

Am 15. März geht es los. Der Auftakt findet aber bereits im Januar in Detective Comics #1050 statt, einer extradicken Pseudo-Jubiläumsausgabe. Das erste Cover zitiert die Comic-Adaption des Animationsfilms von 1997 (bzw. die Superman TAS-Episoden), die mit dem Eisner-Award ausgezeichnet wurde. Die ersten Variants von Chip Zdarsky zeigen die beiden ungleichen Helden beim Slap Battle, in Anlehnung an das Meme aus World’s Finest #153.

„Batman: The Knight“ und „Shadow War“

Im Januar startet ebenfalls Zdarskys Miniserie The Knight über Bruces Anfangsjahre vor Batman. Im März beginnt Joshua Williamson sein erstes Batman-Event mit Deathstroke: „Shadow War“.

Außerdem erscheinen die Sammelausgaben von Neal Adams‘ Batman vs. Ra’s al Ghul, sowie Batman: The Imposter, One Dark Knight, Batman: The Detective und Fear State, der letzten Batman-Storyline von James Tynion IV, der danach DC verlassen hat. Im Sommer kommt der erste Sammelband zu Batman ’89 heraus, einer Fortsetzung der Tim-Burton-Filme mit Michael Keaton.

Filme: The Batman und Catwoman

Apropos Film: Das Highlight des Jahres 2022 wird hoffentlich der neue Kinofilm The Batman sein. Am 4. März soll er endlich erscheinen. Regie führt Matt Reeves, die Hauptrolle spielt Robert Pattinson. Dazu wird es eine TV-Serie auf HBO Max geben. Außerdem kommen die Filme Black Adam, The Flash und Aquaman and the Lost Kingdom in die Kinos. In The Flash werden Michael Keaton und Ben Affleck erneut als Batmen zu sehen sein (Kinostart: 4. November).

Im Animationsbereich kommt Catwoman: Hunted im Februar heraus, Battle of the Super Sons folgt im Herbst. Super Sons sind die Söhne von Superman und Batman, das Konzept gibt es schon seit World’s Finest #215 (1973). Heute sind es Robin (Damian Wayne) und Superboy (Jonathan Kent).

Was das Batman-Projekt angeht: Nachdem ich die meisten Hauptschurken ausführlich behandelt habe, fehlen nur noch Mad Hatter, Killer Croc und vor allem: Poison Ivy. Ihre ersten beiden Auftritte kann man bereits nachlesen, nächstes Jahr werde ich mich ihrer weiteren Geschichte und ihren Ursprüngen widmen. Doch zunächst schaue ich mir den verrückten Hutmacher näher an.

Und ansonsten: Lasst euch einfach überraschen.


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Wonder Woman gegen Superman – und die Atombombe

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DC Comics

Titel: Superman vs. Wonder Woman

Autor/Zeichner: Gerry Conway/Jose Luis Garcia-Lopez

Erschienen: 1978 (All-New Collectors‘ Edition #C-54), Reprint 2020; dt. Panini 2021


„I don’t believe it! Wonder Woman hit me! She actually hit me! Even if she is a woman — no one treats me that way–And I mean no one!“ (Superman)

Das Jahr 1942. Superman kämpft an der Front gegen Japan mit. Er wirft mit feindlichen Flugzeugen um sich, aber keine Sorge: Die fliegen automatisch, daher muss der Strahlemann niemanden töten. Superman versenkt ein japanisches U-Boot und erfährt vom Kapitän, dass ein japanischer Agent nach Mexiko gereist ist, um mit einem Nazi etwas zu verhindern, das sich „Manhattan Project“ nennt. Superman weiß noch nicht, dass es sich dabei um den Bau der Atombombe handelt.

Das findet Wonder Woman heraus, die in Washington D.C. Nazis jagt. Die sind leicht zu erkennen an ihren Glatzen und den riesigen Hakenkreuzen auf Brust und Rücken (die fehlen in der deutschen Fassung). Nachdem sie zufällig Albert Einstein rettet und ihr eigenes Land ausspioniert, wird ihr klar, was sich hinter Project Manhattan verbirgt – und ist entsetzt. Weil sie befürchtet, die Bombe könnte die nächste Büchse der Pandora sein, will sie verhindern, dass sie eingesetzt wird.

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Superman vs. Wonder Woman (DC Comics)

Also fängt Wonder Woman an, in Chicago mit einer Straßenlaterne zu randalieren, um einen Kernreaktor zu zerstören. Das erregt Supermans Aufmerksamkeit und die beiden prügeln sich die Seelen aus dem Leib. Wonder Woman versucht zwar, ihm ihren Grund zu erklären, aber Superman beharrt auf seinem Patriotismus: „I’ve lived in America, and I trust my adopted country.“ Als ob Vertrauen in die Heimat Massenmord und Massenvernichtung rechtfertigen würde – Superman ist hier nicht gerade ein Superbrain.

Da man mit Argumenten nicht weiterkommt, kloppt man sich weiter dort, wo niemand verletzt werden kann, nämlich auf dem Mond. Doch auch als die beiden dort Ruinen einer vergangenen Zivilisation entdecken und Wonder Woman herausfindet, dass die sich mit Atomwaffen ausgelöscht hat, ist das Superman herzlich egal.

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Wonder Woman teilt gegen Superman aus. (DC Comics)

In der Zwischenzeit verbündet sich Baron Blitzkrieg mit Sumo, dem Samurai, um die Atombombe zu stehlen. Klingt bescheuert, ist aber so. (Das kann nur getoppt werden von „Captain Nazi“ – den gibt’s bereits seit 1941 …) Der Baron trägt ein knallgelbes Kostüm mit eiserner Maske (wie Doctor Doom) und sechs Hakenkreuzen, damit es keine Missverständnisse ob seiner Geisteshaltung gibt (auch hier nur im Original zu sehen). Erst ein SOS-Ruf per Blinklicht von der Erde kann die beiden Helden zurückholen, um gegen die wahren Feinde zu kämpfen.

Dieser Battle Royale folgt also dem klassischen Muster, das die Menschheit bereits seit dem Gilgamesch-Epos kennt und das besonders beliebt in Superheldencomics ist: Zuerst misst man miteinander die Kräfte, um einzusehen, dass der Feind ein anderer und man zusammen am stärksten ist. Das ist etwas blöd, aber es erfüllt seinen Zweck. Was an dem Kampf auffällt: Wonder Woman schlägt als erste zu – und sie teilt auch am meisten aus. Tatsächlich sieht man Superman nur einmal zuschlagen und er hadert mit sich, einer Frau Gewalt anzutun. Klar, Frauen zu schlagen steht niemandem gut, erst recht nicht einem Superman.

ACHTUNG SPOILER: Die beiden kloppen sich also gegen die Schurken und die Bombe geht trotzdem hoch.

Am Ende verspricht Präsident Roosevelt, er werde die Bombe niemals einsetzen, solange er Präsident sei. Geschickt, denn das übernimmt dann sein Nachfolger Harry S. Truman mit dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945, bei dem insgesamt über 100.000 Menschen sofort sterben und noch einmal etwa  130.000 an den Folgeschäden bis Ende des Jahres.

Wonder Woman erweist sich im Epilog als hellsichtig. Sie weiß, dass früher oder später jemand die Büchse der Pandora öffnen wird. „And once the demons escape, they can never be recaptured … not if we try and try … till the end of time.“ Sehr weise. Nur leider schweigt Superman dazu – und wirkt dadurch nicht klüger als zuvor.

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Clayface und Luthor, Gesetzeshüter

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DC Comics

Titel: Superman and Batman… Outlaws

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1965 (World’s Finest #148), Hardcover 2019 (Batman & Superman in World’s Finest: The Silver Age Omnibus Vol. 2)


Eigentlich ist das keine richtige Clayface-Story, aber ich will sie euch trotzdem nicht vorenthalten, denn sie geht einer interessanten Frage nach: Was wäre, wenn Batman und Superman Schurken wären?

Unsere World’s Finest probieren eine neue Maschine aus, von der niemand weiß, was sie tut. Dass Superman sich nicht fürchtet, überrascht nicht, aber bei Batman mutet das Experiment etwas lebensmüde an. Beide überleben zwar, finden sich aber in einer feindlichen Parallelwelt wieder, in der sie als Verbrecher gejagt werden. Nicht nur die Polizei ballert gleich los, auch Lex Luthor und Clayface tauchen sofort auf, um die beiden mit Kryptonithandschellen festzunehmen. Clayface wird zum Geparden.

Bloß weg hier! Und tatsächlich: Clayface und Luthor sind die Helden dieser Welt, während Superman und Batman als größte Gauner gelten. Natürlich hat das mit dem schlechten Einfluss zu tun: Jonathan und Martha Kent waren als eine Art Bonnie-und-Clyde-Duo unterwegs, als sie Klein-Kal-El fanden, später plünderte er Banken für sie. Thomas Wayne war ein bekannter Einbrecher, ein „cat-burglar“, der ohne erfindlichen Grund seinen Sohn zu einem Batman gemacht hat.

Als die World’s Finest auf die World’s Worst stoßen, komm es zum unvermeidlichen Duell. Die Guten ziehen den Kürzeren. Daraufhin wollen die Bösen die Maschine klauen, um in die andere Dimension zu reisen und dort Reibach zu machen. Als die Guten das verhindern wollen, werden sie selbst gefangen genommen und vor Gericht gestellt. Natürlich glaubt ihnen niemand ihre Geschichte.

Resozialisierung durch Gehirnwäsche

Während des Prozesses klauen die Bösen die Maschine, werden dabei gefilmt und dank Luthors Aussage kommen unsere Helden frei. Auf zur Bathöhle! Da ist aber niemand. Dann auf zur Festung der Einsamkeit! Clayface wird zur Rakete, bricht die Tür auf, Batman legt dem bösen Superman die Handschellen an, Superman hindert den bösen Batman, nach einer Waffe zu greifen und damit sind die Verbrecher endlich gefasst.

Zum Schluss kommt Batman eine Idee: Wie wär’s, wenn Luthor die beiden Schurken einer Gehirnwäsche unterzieht, damit sie zu anständigen Bürgern werden? Na klar: Gesagt, getan. Auch beim bösen Robin. Niemand äußert moralische oder juristische Bedenken, denn am Ende sind alle glücklich und zufrieden und winken der Menge zu. Vielleicht könnte man dasselbe mal bei Luthor und Clayface auf unserer Erde durchziehen, findet Batman. – Erschütternd.

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Clayface trifft Brainiac

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DC Comics

Titel: The 1,000 Tricks of Clayface and Brainiac

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1964 (World’s Finest #144), Hardcover 2019 (Batman & Superman in World’s Finest: The Silver Age Omnibus Vol. 2)


Brainiac will sich endlich an Superman rächen und stiftet Chaos, indem er Gefängnisinsassen befreit. Zufällig ist auch Matt Hagen darunter, der keine Zeit verliert, sich wieder in Clayface zu verwandeln. Diesmal hat er allerdings keine Reichtümer im Sinn, sondern einfach nur Rache an Batman und Robin.

Doch weil Jimmy Olsen sich bei einem Angriff von Brainiac auf Superman eine Dosis Kryptonitstrahlen zugezogen hat und daher gefährlich wird für den Helden, tauschen Superman und Batman ihre Sidekicks: Robin hilft Superman, Strahlemann Jimmy fährt im Batmobil mit. Während Robin versucht, einen Riesen-Robo-Käfer mit Kryptonit von Superman fernzuhalten und dabei fast draufgeht, fällt Jimmy auf einen falschen Batman herein, der zu ihm ins Batmobil steigt. Beinahe hätte Jimmy Clayface in die Bathöhle kutschiert. Doch kaum aufgeflogen, fliegt Clayface schon als Fledermaus davon (wie schon in Detective Comics #304).

Sidekicks tauschen Rollen

Dann lockt der Mann aus Lehm Batman und Jimmy zu einer Baustelle, verwandelt sich in ein stacheliges Monster und entführt Jimmy. Superman und Robin spüren Brainiacs Versteck im Wald auf. Aus irgendeinem Grund treffen dann Brainiac und Clayface aufeinander. Sie wollen sich verbünden, um ihre Gegner zu besiegen.

Ihr grandiosr Plan: Felsbrocken auf Jimmy Olsen werfen. (Dafür bräuchte es wirklich kein Genie wie Brainiac.) Superman muss ihn retten und sich der tödlichen Kryptonitstrahlung aussetzen. Aber ein Held muss tun, was ein Held tun muss. Superman stirbt ein Panel lang den Heldentod – doch nur scheinbar, denn Jimmy war bloß ein verkleideter Robin, der kurz zuvor schnell die Rollen mit ihm getauscht hat. Wie gut, dass in Robins Allzweckgürtel immer eine passende Perücke steckt.

Brainiac ist besiegt und damit Batman und Jimmy im Robin-Kostüm auch was tun dürfen, jagen sie auf Whirlybats Clayface hinterher, der sich (wieder) als Flugsaurier davonzumachen versucht. Und weil ihm unterwegs (wieder) die Kräfte ausgehen, dürfen die Helden ihm das Leben retten, bevor er in den Tod stürzt. Damit dürften die Rachepläne endgültig erledigt sein – jedenfalls bis zum nächsten Mal.

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