Jim Lee

80 Jahre Superman auf 80 Seiten

DC Comics

Da ist sie endlich: 80 Jahre nach dem ersten Heft ist die 1000. Ausgabe von Action Comics erschienen. 80 Seiten lang ist sie geworden. In zehn Kurzgeschichten wird Superman abgefeiert. Hier geht es um nichts anderes als Heldenverehrung, Mythenbeschwörung, Nostalgie und Retrospektive. Wie bei einer großen Geburtstagsparty sind alle sind eingeladen, um dem Geburtstagskind die Ehre zu erweisen: alle Freunde und Schurken, sowie berühmte Autoren und Zeichner, die in Erinnerungen schwelgen und die Höhepunkte einer Karriere rekapitulieren.

Wir sehen alte Superman-Veteranen wie Dan Jurgens, der bei einer Gedenkfeier Menschen davon erzählen lässt, wie toll sie Superman finden. Der kann den Fame zwar nicht richtig genießen, weil er unruhig wegen einer möglichen Alien-Invasion ist, aber seine Helden-Freunde helfen ihm dabei aus, damit er sich feiern lassen kann. In anderen Storys darf Superman Alltagsheld spielen: Er verhindert zwei Geiselnahmen, bewahrt zwei Züge vor dem Entgleisen und spielt den Müllmann für Weltraumschrott.

Peter Tomasi und Patrick Gleason nutzen ihre rudimentäre Rahmenhandlung dazu, Superman im Wandel der Zeit darzustellen. Es ist bloß eine Aneinanderreihung von Splash-Pages, die auf vergangene Zeiten anspielen, allerdings sieht man eher Hommagen an vergangene Zeiten und eher abseitige Momente als die üblichen Greatest Hits. Und am Ende gibt es eine große Geburtstagstorte. Schön gemacht.

Die derzeitigen Branchen-Stars Scott Snyder und Tom King enttäuschen eher mit ihren nachdenklich-sentimentalen Storys, auch Altmeister Paul Dini kann mit seiner Superman-Freizeitpark-Idee und Mr. Mxyzptlk nicht überzeugen.

DC Comics

Höhepunkt des Heftes ist „The Car“, in der Geoff Johns und Richard Donner (das Team von Last Son) erzählen, was aus dem Auto wurde, das auf dem Cover von Action Comics #1 zu sehen ist. Der Fahrer bringt es ihn die Werkstatt und versucht dem Mechaniker klarzumachen, was damit passiert ist. Dann taucht Superman selbst auf – in seinem allerersten Kostüm – und sagt dem Ganoven, dass er sein Leben ändern solle. Abgesehen von diesem typischen Moralisieren ist die Idee sehr sympathisch und auch grafisch beeindruckend umgesetzt.

Zum Schluss bringt uns Brian Michael Bendis wieder in die Gegenwart. Superman wird von einem neuen Schurken durch Metropolis geprügelt: Rogol Zaar. Er behauptet, Krypton vernichtet zu haben und nun sein Werk mit Superman beenden zu wollen. Kryptonier seien nämlich eine Plage. Doch das ist nur ein erstes Teasing auf das, was da mit The Man of Steel kommen wird, der sechsteiligen Mini-Serie, mit der Bendis seine Superman-Storyline fortsetzt.

Action Comics #1000 liefert, was Superman-Fans mögen und erwarten, also keine großen Überraschungen. Überwiegend bekommt man hier, was man kennt und sich bereits gedacht hat. Schade eigentlich für so ein Geburtstagsgeschenk.

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Dark Nights: Metal – Snyders und Capullos Finale

DC Comics

Angeblich haben sie schon seit The Court of Owls daran gearbeitet, immer wieder Hinweise gestreut, in ihrer Joker-Story und in Batman #50: Scott Snyder und Greg Capullo, das Batman-Dreamteam seit 2011, machen jetzt ihre Pläne wahr. Das Event Dark Nights: Metal soll das Finale ihrer großen Batman-Saga werden. Im August geht es los. Der Inhalt wurde bisher nur vage angedeutet. So viel steht fest: es soll groß werden. Snyder sagt:

„Now we’re back to tell a story that breaks everything apart. This will be the definitive project of our careers. METAL takes us in an entirely new direction. Greg and I will dig beneath the surface of all the stories we’ve told to find a place of terror and twisted nightmares.“

Bereits vor einigen Tagen wurden die beiden Vorläufer angekündigt, die One-shots Dark Days: The Forge und The Casting, die im Juni und Juli erscheinen sollen. Daran soll Co-Autor James Tynion IV mitwirken, Zeichner sollen Andy Kubert, Jim Lee und John Romita Jr. sein. Jim Lee hat zur Fan Expo Dallas schon mal eine Zeichnung zu The Forge veröffentlicht, es zeigt Batman mit Green Lantern und dem Joker.

DC Comics

Dunkle Tage für den Dunklen Ritter

DC Comics

Der Auftakt von Batman nach DC Rebirth war überwiegend ganz solide, leider enttäuschte das erste Event, aber was ist in diesem Jahr als das nächste dicke Ding zu erwarten? DC hat es jetzt verkündet: Batman: Dark Days. Geschrieben vom wichtigsten Batman-Autor seit 2011, Scott Snyder, und seinem nicht ganz so genialen Mitstreiter James Tynion IV, gezeichnet von Andy Kubert, Jim Lee und John Romita Jr. Die Autoren und Zeichner sollen die Story gemeinsam entwickeln.

Worum geht’s? Viel wurde nicht bekannt gegeben, nur so viel. Es geht wieder einmal um eines von Batmans düsteren Geheimnissen. Aber diesmal eines, das die Existenz des gesamten Multiversums gefährdet … Aquaman, Flash und andere hegen einen bösen Verdacht gegen den Dunklen Ritter … Dem ersten Cover nach zu urteilen scheint es dystopisch zu werden. Batman als Tyrann?

Laut Snyder handelt es sich um ein Geheimnis, das sich vom Anbeginn der Menschheit bis in die Gegenwart durchzieht. Snyder hat angeblich von Anfang an Hinweise in seinen Batman-Comics versteckt. Und da soll noch mehr kommen: „It’s the prelude to the event we’ve been developing for years.“ Auf Twitter schrieb Snyder, dass das eigentliche Event wieder von Greg Capullo gezeichnet werden soll, dem Künstler, der seit 2011 Batman mitgestaltet hat.

Der erste Teil, The Forge, wird als 40-seitiger One-shot am 14. Juni erscheinen, der zweite Teil, The Casting, am 12. Juli. Aber das ist nur der Auftakt. Was danach folgt, ist noch nicht bekannt.

Spekulationen in Schwarz-weiß

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Black and White Vol. 2 (Case Study)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Alex Ross (u.a.)

Erschienen: 2000-2001 (Gotham Knights #1-16), Paperback 2008


„What if the Joker is not insane?“

Was, wenn der Joker nicht verrückt wäre, sondern die Fassade des Verrückten bloß für einen persönlichen Rachefeldzug nutzte? Diese Frage stellt sich ein Arzt in Arkham in der Kurzgeschichte „Case Study“. Autor Paul Dini (Mad Love) spielt die Entstehung des Jokers in einer Variante durch: früher soll der Schurke bloß ein gewiefter Gangster gewesen sein, der sich ständig neue Namen gab und sich neue Handlanger suchte. Polizeiverhören entging er dank eines guten Anwalts. Zum Red Hood wurde er, um seine Anonymität zu wahren: mit dem roten Helm konnte er nicht fotografiert werden. Der Rest ist bekannt: die Monarch Spielkartenfabrik, Batman, der Sturz in den Chemikalientank etc. Schlussfolgerung: der Gangster wurde zum Joker, weil er mit seinem entstellten Gesicht nicht mehr unerkannt sein Imperium weiterführen konnte. Also wurde seine neue Mission die Rache für diesen Verlust …

Diese „Fallstudie“ wäre wesentlich unspektakulärer, wenn nicht Alex Ross (Kingdom Come) ihr mit seinen fotorealistischen Collagen eine Aura von höchster Kunst verliehe. So wird die Kurzgeschichte nicht nur zu einer psychologischen Spekulation, sondern auch zu einer Feier des Mythos Joker. In Schwarz-Weiß.

„Case Study“ bildet einen starken Auftakt für den zweiten Band der Anthologie Batman Black and White, in der achtseitige Kurzgeschichten gesammelt werden. Im Gegensatz zum ersten Band stammen sie nicht aus einer dafür geschaffenen Mini-Serie, sondern aus der Serie Gotham Knights, aber das sei nur am Rande erwähnt. Autoren und Künstler wie Brian Azzarello, John Byrne, Howard Chaykin, Alan Grant und Paul Pope feiern ihre Versionen des Dunklen Ritters mit kleinen aber feinen Geschichten. Oft düster, mal heiter und manchmal sogar ziemlich albern.

Black and White lebt, wie jede Anthologie, von der Variation. Unter den sehr verschiedenen Zeichenstilen, die von der Karikatur bis zur anspruchsvollsten Kunst reichen, ist für jeden Geschmack etwas dabei. Leider fehlen aber die herausragenden Storys, die sich so einprägen wie die Höhepunkte des ersten Bandes.

Wir sehen Batman mit Catwoman gegen Nazis kämpfen und mit Green Lantern (Alan Scott) gegen ganz gewöhnliche Gangster; als Bruce Wayne muss er sich in der Rolle des Babysitters mit Zwillingen rumschlagen. Meist schwankt die Qualität zwischen bemüht und belanglos. Nur weniges ist erwähnenswert: die Storys von Eduardo Risso, Jim Lee und Tim Sale (The Long Halloween, Dark Victory, Haunted Knight), sowie eine Riddler-und eine Scarecrow-Geschichte. Als Lektüre für Eilige und Batman-Connaisseure erfüllt aber auch der zweite Black and White-Band seinen Zweck.

Nerds unter sich: Mark Hamill und Jim Lee

Joker-Sprecher Mark Hamill besucht DC Comics und trifft auf Joker-Zeichner Jim Lee. Ein Fest für Nerds. Nicht nur, dass Hamill dem Künstler bei der Arbeit zuschauen darf, er bekommt auch Einblicke in die Archive von DC, wo nichts als Schätze der Comic-Geschichte gebunkert werden – von Detective Comics #27 bis zum alternativen Ende von Death in the Family. Beim Anblick dieser Bilder geht Fans das Herz auf. Ganz nebenbei hören wir, was für ein genialer Sprecher der Mann ist, dessen Karriere als Luke Skywalker begann.

DC Comics

Joker-Zeichnung von Jim Lee für Mark Hamill

Coverwahn #18

In einer Woche erscheint Dark Knight III – The Master Race #6. Da wird es mal wieder Zeit für eine weitere Episode der allseits beliebten Reihe, in der wir nichts anderes tun, als schöne bunte Bildchen zu zeigen und uns daran zu erfreuen oder darüber zu ärgern. Die neuen Variants bieten nichts Neues, nur die alten, allzu gut bekannten Motive in neuem Gewand. Aber seien wir ehrlich: bei Comics geht es doch um nichts anderes.

Wir sehen mal wieder einen übel zugerichteten Batman von Frank Miller, der nur aus Falten und Blut zu bestehen scheint, aber auch einen prachtvollen Kampf zwischen Batman und Superman von Jim Lee. Und der Rest — ach, schaut einfach selbst.

Coverwahn #16

Zu Batman #1 (2016) gibt es 35 Variant Cover. Hier eine Auswahl der besten. Eine Bildergalerie mit allen gibt es hier.

Sightseeing mit Batman und Joker

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Europa

Autor/Zeichner: Matteo Casali, Brian Azzarello/Giuseppe Camuncoli, Jim Lee, Diego Latorre, Gerald Parel

Erschienen: 2015 (Mini-Serie #1-4), Hardcover 2016, dt. Panini 2016 (Batman Europa #1-2)


„If I have to die … I want it to be in a mystery.“ (Batman)

Warum spielt Batman in Gotham City (das eigentlich ein Synonym für New York ist)? Ganz einfach: Weil es dort viele Wolkenkratzer gibt, zwischen denen man herumschwingen kann. Deshalb ist Batman auch nur selten woanders zu sehen. Und wenn, dann wirkt er dort deplaziert. Etwa im Wald. In der Wüste. Oder in Städten ohne Skyline. Brian Azzarello und Matteo Casali haben ihn dennoch nach Europa geschickt – nach Berlin, Prag, Paris und Rom – und ihnen war der Kontinent so wichtig, dass sie ihn zum Titel gemacht haben. Aber beim Lesen wird schnell klar: die Wahl der Städte ist – reine Willkür. Doch auch mit dem wohl „stärksten Stilelement aller Zeiten“ (Rubber) kann man es übertreiben.

Was führt die Protagonisten nach Europa? Batman erkrankt an einem unheilbaren, geheimnisvollen Virus. Zugleich befällt auch den Batcomputer ein Virus, das Batman darüber aufklärt, dass seine Krankheit den Namen Colossus trägt und er eine Woche zu leben hat. Batman verfolgt den Computerangriff nach Berlin zurück, wo er auf den Joker trifft und feststellt, dass sein Erzfeind das gleiche Problem hat. Es folgt eine Schnitzeljagd nach Prag, Paris und Rom. Also einmal durch die wichtigsten Tourismus-Hochburgen Europas.

Die Reise wirkt auch wie eine einzige Sightseeing-Tour. Seitenweise werden die bekanntesten Bauwerke und Sehenswürdigkeiten präsentiert wie Postkartenmotive, dazu klären uns die Erzählstimmen von Batman und Joker über Fun Facts der jeweiligen Stadtgeschichte auf. Es sind lauter Klischees wie Checkpoint Charlie und der Eiffelturm. Einmal sehen wir Batman auf der Siegessäule hocken (Warum? Weil’s cool aussieht), eine Szene spielt auf Notre Dame, die der Szenerie dank der gotischen Architektur an die Heimat Gotham erinnert, das Finale spielt im Colosseum, wo einst Gladiatorenkämpfe auf Leben und Tod stattfanden. Und wenn man bedenkt, dass der Virus Colossus heißt, hätte man sich den Umweg über die anderen drei Städte sparen können.

Reine Willkür

Die Spurensuche in den Städten verläuft lächerlich unmotiviert. Batman und Joker laufen meist planlos durch Abwasserkanäle und suchen nach der Nadel im Heuhafen, die sie nur zufällig finden. In Prag kriegen sie es mit einer Armee hölzerner Roboter zu tun (reine Willkür), in Paris offenbart sich Joker als francophile Szenefigur (reine Willkür), auf Notre Dame treffen sie auf einen bösen Batman (reine Willkür) und nach Rom gelangen sie, weil ein Mord an Julius Cäsar erinnert. Garniert wird dieses Tour der Willkür mit platten Wortspielen des Jokers, der vergeblich versucht, diese dröge Story aufzulockern. (Dazu gehört auch, in Prag das Wort „kafkaesk“ zu sagen, während ganz viele Käfer zu sehen sind – oje …)

Kommen wir zum Spoiler-Teil – aber keine Sorge, euch entgeht euch keine große Überraschung, wenn ihr wisst, dass  im Colosseum der ‚Gladiator‘ Bane sich als Strippenzieher offenbart (reine Willkür). Der Grund für die Europa-Tour: Bane wollte Batman zeigen, dass Batman und Joker nicht ohne einander leben können. Hat Bane wirklich nichts besseres zu tun, als Zeit und Mühe für einen solchen Blödsinn zu verschwenden? Nein, es ist – ihr könnt es euch denken – reine Willkür. Zudem ist diese Erkenntnis (für uns Leser) wahrlich nicht neu. Von The Dark Knight Returns über Secrets bis Death of the Family und Endgame wurde sie so oft breitgetreten, dass sie hier so uninspiriert wirkt wie der Rest. Da hilft auch nichts, dass es buchstäblich darauf hinausläuft, dass die beiden jeweils die Medizin des anderen sind und sie beide Blut gegenseitig ihr Blut trinken müssen, um zu überleben. Batman hadert mit sich selbst, denn er gerät in Versuchung, Joker sterben zu lassen, um Menschenleben zu retten. Am Ende fällt er über ihn doch über ihn her, um ihn zu erledigen oder auch nur um ihn schwer zu misshandeln – wer weiß, wen juckt’s …

Rettung in der Kunst

Das einzige, was diesen Band interessant macht, ist sein Artwork. Vier Künstler – daruner Jim Lee – inszenieren die Episoden in vier sehr unterschiedlichen, meist expressionistischen Malstilen. Allein Diego Latorre meint es mit seiner Paris-Episode etwas zu gut mit dem künstlerischen Anspruch: seine zittrigen, verschwommenen Bilder, die wie ein Drogenrausch wirken, lassen oft nur schwer erkennen, was zu sehen sein soll. Das war zwar bei Dave McKeans Arkham Asylum ähnlich, aber hier ist es – für meinen Geschmack – zu dick aufgetragen. Letztendlich sind die aufwendigen und ausdrucksstarken Bilder (europäischer Künstler!) aber genauso bloß Dekoration wie die Wahrzeichen der europäischen Städte bloß Kulissen sind – und damit verschwendet an eine schwache, spannungsarme Story, für die es keine zwei Autoren gebraucht hätte.

Meister bei der Arbeit: Jim Lee zeichnet Batman

Seien wir ehrlich: Comics sind bloß Druckfarbe auf Papier. Superhelden sind bloß zweidimensionale Bilder. Die Zeichnungen bloß ein paar Striche. Und doch schaffen es die Zeichner immer wieder, auf der flachen Ebene den Eindruck von Plastizität zu erzeugen, die Illusion, als wären die Helden lebendig, ja sogar super – larger than life. Wie einer dieser Künstler arbeitet, kann man in diesem Video sehen. Der große Jim Lee (Hush, All-Star Batman, Superman Unchained) hat sich beim Batman-Zeichnen über die Schulter schauen lassen. Und obwohl man jeden noch so profanen Arbeitsschritt mitverfolgen kann, könnte man meinen, wenn das Werk Gestalt annimmt, dass man hier Zeuge wahrer Magie wird. Wer mit Bleistift und Tusche solche Kunst zustande bringt, muss ein Zauberer sein.

(Editorische Notiz: Nach einem solchen Beitrag plagt mich das schlechte Gewissen, dass ich jüngst behauptet habe, man habe sich an Lees Stil sattgesehen. Schande über mich … Ich hoffe, der Meister verzeiht mir den Frevel.)

Superman von der Kette gelassen

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman Unchained

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Jim Lee, Dustin Nguyen

Erschienen: 2013-2015 (Mini-Serie #1-9, Paperback 2015/2016) dt. Panini 2015 (Serie)/2016 (Paperback)


„You’re living in a place between. Don’t you see that? A limbo that can’t last.“ (Wraith)

„Your whole life is on a collision course with reality.“ (Wraith)

Raumstationen fallen vom Himmel, Wolkenkratzer stürzen ein – dahinter steckt die Terror-Organisation Ascencion – und Superman muss sich um alles allein kümmern. Dann attackiert ihn auch noch General Lane und hetzt eine Superwaffe auf ihn, den Außerirdischen Wraith, eine lebende Atombombe, die schon lange darauf wartet Superman zu töten. Zunächst beschützt Wraith ihn, dann verhaut er ihn ein bisschen, dann lädt er ihn zu sich nach Hause ein, dann haut man gemeinsam ein paar Roboter kaputt, tauscht Tipps aus, schließlich gibt’s wieder Keile untereinander. Parallel zu diesem Spielchen bricht Superschurke und Erzfeind Lex Luthor aus dem Hochsicherheitsgefängnis aus (man hat es ihm sehr leicht gemacht) und versucht erneut, in aller Seelenruhe (Homer lesend und Origami faltend) Superman nun wirklich und endgültig umzubringen. Und am Ende gibt’s noch eine Alien-Invasion …

Aber davor versucht es noch General Lane, indem er über Supermans Festung der Einsamkeit herfällt. Parallel dazu dringt Wraith in die Bathöhle ein – und dort kommt es zu einer herrlichen Verwüstung: Batman wirft zunächst das Batplane auf den Schurken, dann alle Batmobile, die es je gab (kein Problem, da sie versichert sind). Wonder Woman kommt zur Hilfe und erschlägt Wraith mit dem Riesenpenny („Penny for your thoughts“), Wraith schlägt zurück mit dem Robo-Dinosaurier. Reiner Unsinn – aber wegen der Verspieltheit ist die Episode lesenswert, auch wenn Batman in der Story eigentlich keine Funktion hat.

Superman Unchained ist der Versuch von Autorenwunderkind Scott Snyder, nach Batman auch den anderen großen DC-Helden zu der Größe zu verhelfen, die ihm gebührt. Ob es gelingt, kommt darauf an, welche Ansprüche man stellt. Es ist, wie oben beschrieben, eine Story, in der viel zu viel passiert, aber eigentlich geht es die meiste Zeit um Keilereien im Großformat: Zuerst Superman gegen Wraith in der Horizontalen, einmal um den Globus, dann in der Vertikalen, ins All und zum Erdmittelpunkt. Die Alien-Bedrohung im Finale wird etwas lieblos abgehandelt. Superman mus selbst zur Bombe werden, um die Invasoren zu vernichten – er opfert sich, ohne Fragen zu stellen. Die Handlung wirkt beliebig. Star-Zeichner Jim Lee illustriert das Ganze zwar in der gewohnten epischen Qualität – larger than life -, aber an diesem detailversessenen Stil hat man sich mittlerweile sattgesehen. Aufgelockert wird der Stil durch die Kapitel von Dustin Nguyen, der einen etwas ‚künstlerischeren‘ Einschlag hat.

Panini

Panini

Immerhin bemüht sich Snyder mit der Backstory aus Clarks Jugend in Smallville um ein wenig Charaktertiefe. Und mit Lex Luthors Monolog gelingt ihm auch eine interessante, weil äußerst kritische Analyse der Figur:

„… Superman, whoever he is, is trial and error. (…) He avoids a situation and it worsens; next time, he involves himself. The point I’m making is that Superman doesn’t stand for anything. He’s just a man, stumbling through life. He’s not a great beacon, he’s barely a candle, lighting a path for himself the best he can. And as we all know, eventually … candles go out.“

Superman als Fehlender, der seinen Weg durch die Dunkelheit sucht – das ist ein treffendes Bild. Man muss ihn wohl so darstellen, wenn man ihn von seinem Pfadfinder-Image abbringen will. Er soll mehr Mensch als Übermensch sein. Das Dilemma ist: Als Suchender nach sich selbst scheint der Charakter nie irgendwo anzukommen, wodurch sich diese Ichfindung schnell erschöpft. Wenn er aber seinen Charakter definiert, wirkt er zu perfekt – und damit auch langweilig. Dass man diesen Widerspruch nicht auflösen kann, wird wohl immer das Problem an Superman bleiben.