Spekulationen in Schwarz-weiß

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Black and White Vol. 2 (Case Study)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Alex Ross (u.a.)

Erschienen: 2000-2001 (Gotham Knights #1-16), Paperback 2008


„What if the Joker is not insane?“

Was, wenn der Joker nicht verrückt wäre, sondern die Fassade des Verrückten bloß für einen persönlichen Rachefeldzug nutzte? Diese Frage stellt sich ein Arzt in Arkham in der Kurzgeschichte „Case Study“. Autor Paul Dini (Mad Love) spielt die Entstehung des Jokers in einer Variante durch: früher soll der Schurke bloß ein gewiefter Gangster gewesen sein, der sich ständig neue Namen gab und sich neue Handlanger suchte. Polizeiverhören entging er dank eines guten Anwalts. Zum Red Hood wurde er, um seine Anonymität zu wahren: mit dem roten Helm konnte er nicht fotografiert werden. Der Rest ist bekannt: die Monarch Spielkartenfabrik, Batman, der Sturz in den Chemikalientank etc. Schlussfolgerung: der Gangster wurde zum Joker, weil er mit seinem entstellten Gesicht nicht mehr unerkannt sein Imperium weiterführen konnte. Also wurde seine neue Mission die Rache für diesen Verlust …

Diese „Fallstudie“ wäre wesentlich unspektakulärer, wenn nicht Alex Ross (Kingdom Come) ihr mit seinen fotorealistischen Collagen eine Aura von höchster Kunst verliehe. So wird die Kurzgeschichte nicht nur zu einer psychologischen Spekulation, sondern auch zu einer Feier des Mythos Joker. In Schwarz-Weiß.

„Case Study“ bildet einen starken Auftakt für den zweiten Band der Anthologie Batman Black and White, in der achtseitige Kurzgeschichten gesammelt werden. Im Gegensatz zum ersten Band stammen sie nicht aus einer dafür geschaffenen Mini-Serie, sondern aus der Serie Gotham Knights, aber das sei nur am Rande erwähnt. Autoren und Künstler wie Brian Azzarello, John Byrne, Howard Chaykin, Alan Grant und Paul Pope feiern ihre Versionen des Dunklen Ritters mit kleinen aber feinen Geschichten. Oft düster, mal heiter und manchmal sogar ziemlich albern.

Black and White lebt, wie jede Anthologie, von der Variation. Unter den sehr verschiedenen Zeichenstilen, die von der Karikatur bis zur anspruchsvollsten Kunst reichen, ist für jeden Geschmack etwas dabei. Leider fehlen aber die herausragenden Storys, die sich so einprägen wie die Höhepunkte des ersten Bandes.

Wir sehen Batman mit Catwoman gegen Nazis kämpfen und mit Green Lantern (Alan Scott) gegen ganz gewöhnliche Gangster; als Bruce Wayne muss er sich in der Rolle des Babysitters mit Zwillingen rumschlagen. Meist schwankt die Qualität zwischen bemüht und belanglos. Nur weniges ist erwähnenswert: die Storys von Eduardo Risso, Jim Lee und Tim Sale (The Long Halloween, Dark Victory, Haunted Knight), sowie eine Riddler-und eine Scarecrow-Geschichte. Als Lektüre für Eilige und Batman-Connaisseure erfüllt aber auch der zweite Black and White-Band seinen Zweck.

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