Warum Batman niemals Trump wählen würde

President Lex Luthor (DC Comics)

President Lex Luthor (DC Comics)

Die Realität hat die Fiktion eingeholt. Endgültig. Denn die Fiktion kommt nicht mehr hinterher im Trump-Zeitalter. Neulich habe ich einen Cartoon gesehen, in dem das Dilemma eines Cartoonisten beschrieben wird: die Idee die er hat, wird vom US-Präsidenten schon vorweggenommen noch bevor der Cartoon veröffentlicht ist. Es wird immer schwerer, sich das Absurde auszudenken – denn es ist längst da. „Ist Fiktion endgültig an die Stelle von Geschichte getreten?“, fragte der Pubilizist Hartwig Tegeler neulich bei Deutschlandradio Kultur und zielte damit auf Superheldenfilme ab: „Spielt Milliardär Donald Trump einen milliardenschweren Superhelden wie Batman oder Iron Man nach? Oder umgekehrt?“

Tegeler geht davon aus, dass Hollywood unser Denken verändere und kritisiert, dass Superhelden einen großen Anteil daran hätten. „Das Problem an solchen Rettungen durch den Superhelden ist eine Vereinfachung von Welt, die in Dauerschleife vor uns abgespult wird und sich in der Wiederholung tiefer und tiefer eingräbt. Vereinfachung trifft im Zeitalter des Postfaktischen, von Fake News oder sogenannten „alternativen“ Faten auf einen fruchtbaren Boden.“ Superheldenfilme schienen mit Trump in der Realität angekommen zu sein, auch der neue US-Präsident sehe die Welt „superheldenmäßig, schwarz-weiß, Freund-Feind. Und diesen Feind gilt es nicht zu überzeugen, sondern auszumerzen.“

Schlechte Vorbilder für Trump

Ich weiß nicht, ob Tegeler mal einen Superheldenfilm der vergangenen Jahre gesehen hat. Er schreibt jedenfalls, als hätte er das nicht. Oder jedenfalls nicht genau. Denn dann wüsste er, dass gerade Batman und Iron Man die besten Beispiele dafür sind, dass moderne Superhelden schlechte Vorbilder für einen Haudraufpolitiker wie Trump sind. Man muss gar nicht tief in die Comics gehen, um das zu belegen. Bleiben wir bei den Filmen.

Batman bewahrte in Batman Begins die Welt von größenwahnsinnigen, selbsternannten Messias, der die Welt vom Bösen reinigen wollte, indem er eine Stadt zu vernichten drohte. In The Dark Knight wies ihm der Joker als nihilistischer Terrorist die Schranken seines Handelns. Geld, Gadgets und Gewalt brachten Batman nicht viel. Ja, er triumphierte vielleicht am Ende, aber der Joker lebte und lachte zuletzt, weil Batman alles verloren hatte, was ihm lieb und teuer war. Im dritten Teil der Nolan-Trilogie, The Dark Knight Rises, befreit Batman Gotham City von einem Despoten, der die ganze Stadt seiner Willkür unterjocht.

Tony Stark wird Pazifist

„Iron Man“ Tony Stark hingegen ist zwar so wie Bruce Wayne ein Milliardär, am Anfang sogar ein Waffenkonstrukteur, der den Krieg als Show zelebriert, aber schon in der ersten Hälfte seines Debutfilms macht er eine Wandlung vom Saulus zum Paulus durch. Nachdem er einen Anschlag überlebt hat, von Terroristen gefangen genommen wurde und sich befreit hat, schwört er dem Waffenhandel ab. Als Iron Man wird er selbst zur Ein-Mann-Waffe, um die Welt zu befrieden.

In diesem Punkt könnte man Tegeler Recht geben: Ja, Superhelden nehmen das Gesetz in die eigene Hand. Das ist ein typisch amerikanischer Western-Topos. Bedenklich, aber Superhelden brechen aus dem System nur deshalb aus, weil das System nicht funktioniert. Aber das macht sie noch nicht zu tumben Wutbürgern. Gotham City braucht Batman, weil die Stadt von Verbrechen und Korruption zerfressen ist, die Welt braucht Iron Man, weil sie sich sonst in den Abgrund hochrüstet. Dass einzelne sich das Recht rausnehmen, selbst die Welt besser zu machen, bleibt dennoch ein moralisches Dilemma der Helden. Am eindrücklichsten haben es die Watchmen vorgemacht, dass die Welt nicht so einfach zu retten ist und dass Helden es schwer haben, nicht als Schurken zu enden. Und heute steht die Doomsday-Uhr wieder auf kurz vor zwölf … Aber nicht wegen der Superhelden.

Superman gegen Hitler

Im Gegenteil. Superhelden waren von Anfang an Freiheitskämpfer, die sich gegen Unterdrückung und Diktatur wandten. Man darf nicht vergessen: Superman wurde (wie auch viele andere seiner Art) von Juden erfunden, die einen Gegenentwurf zum Übermenschen der Nazis schufen. Superman (übrigens ein Flüchtling und illegaler Einwanderer) hat im Comic einst Hitler vor Gericht gestellt, Captain America hat den Diktator einfach vermöbelt. Rund 60 Jahre später wurde Supermans Erzfeind Lex Luthor Präsident der USA, die Helden setzten ihn bald darauf ab, anderhalb Jahrzehnte später ist mit Donad Trump tatsächlich ein industrieller Schurke an der Macht und regiert wie ein Faschist.

Warum ist es soweit gekommen? Weil zu viele Menschen die Welt schwarz-weiß sehen? Vielleicht. Aber sie tun es bestimmt nicht wegen Superheldenfilmen oder -comics. Gerade diese Helden haben – seit etwa 30 Jahren im Comic und seit 17 Jahren auch im Kino – immer wieder die vielen Graustufen aufgezeigt: vom Film X-Men, der im KZ beginnt und wo ein Holocaust-Überlebender zum Rassisten wird, bis hin zu Captain America: Civil War, wo sich Superhelden die Frage gefallen lassen müssen, welche Folgen ihre Taten nach sich ziehen. (Ein ähnliches Thema, wenn auch schlechter umgesetzt, hat auch Batman v Superman). „Aus großer Macht folgt große Verantwortung“ – das hat das Publikum schon früh bei Spider-Man gelernt. Donald Trump hat das nie verinnerlicht.

Das Problem ist jetzt: in der Realität gibt es keine Superhelden, die einen wie Trump ausschalten könnten. Und selbst wenn es sie gäbe, würden sie sich wahrscheinlich zunächst mit ihm arrangieren, so wie sie es mit Lex Luthor getan haben. Man kann nur hoffen, dass das Böse eines Tages sich selbst vernichtet. Dass das Gute triumphiert. Das ist die Hoffnung, die Utopie und das Heilsversprechen, das Superhelden immer wieder vermitteln.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s