Dieser Film ist nichts für Zartbesaitete: Gleich in der ersten Szene von Knightfall metzelt Racheengel Azrael mit seinem Feuerschwert ein paar Menschenhändler brutal hin. Arme werden ausgerissen, Schädel gespalten. Batman taucht auf und verhindert das Schlimmste, es kommt zum Kampf. Am Ende bereut der Mann hinter der Maske, Jean-Paul Valley, seine Taten. Er kann nichts dafür: Er wurde indoktriniert und kämpft nun gegen seine Gehirnwäsche an. Das erfährt man allerdings erst später. Batman nimmt ihn zu sich in die Batcave, um ihm zu helfen. Doch Azrael verdient mehr als ein paar nachgeschobene Erklärungen – als Charakter bleibt er oberflächlich und als nichteingeweihter Zuschauer bleiben wohl viele Fragen offen.
Film
Frank Miller: American Genius (Doku)
Im Jahr 2024 ist der Dokumentarfilm Frank Miller: American Genius erschienen. Nun gibt es ihn mittlerweile nicht nur bei Prime Video, sondern auch gratis auf YouTube zu sehen. Der Film schaut zurück auf Millers Karriere und lässt neben dem Meister auch Weggefährten wie Neal Adams, Stan Lee, Jim Shooter, Klaus Janson, Bill Sienkiewicz (Elektra: Assassin), Dave Gibbons (Martha Washington) und Robert Rodriguez (Sin City) zu Wort kommen. Darüber hinaus zeigt er den Meister bei der Arbeit mit Feder und Pinsel.
Anders als in seinen kürzlich erschienenen Memoiren Push the Wall (2026) erfährt man auch etwas über Millers Leben, nicht nur über seine Kindheit. Er spricht auch offen über seine Alkoholabhängigkeit, die ihn offensichtlich schwer gezeichnet hat und ihn älter aussehen lässt, als er ist. Der Film zeigt auch die negativen Reaktionen auf umstrittene Comics wie das propagandistische Holy Terror (2011) sowie die misslungene Verfilmung von Will Eisners The Spirit, allerdings äußert sich Miller nicht zu jeder Kritik. Klar wird nur: Auch ein angebliches Genie ist vor Fehlgriffen nicht gefeit. Zuletzt hat Miller allerdings zu viele davon gehabt. Eine davon ist, dass er sich von der rechtsextremen Fake-News Plattform Breitbart hat einspannen lassen – etwas, das er mittlerweile bereut.
Eingefleischten Fans wird die Doku wahrscheinlich nicht viel Neues erzählen. Zu kursorisch eilt der Film durch fast 40 Jahre Comicgeschichte, zu sehr springt er hin und her und verliert gegen Ende seinen Fokus. Auch wenn zuweilen die Kameraführung dilettantisch wirkt und die Interviews wegen der dürftigen Tonqualität oft schlecht zu verstehen sind, ist die Doku allein schon wegen der vielen Zeitzeugengespräche sehenswert.
Mehr zu Frank Miller:
- The Dark Knight Returns (1986)
- Batman: Year One (1987)
- The Dark Knight Strikes Again (2001-2002)
- All Star Batman & Robin, the Boy Wonder (2005-2008)
- Dark Knight III: The Master Race (2015-2017)
- Dark Knight Returns: The Last Crusade (2016)
- Dark Knight Returns: The Golden Child (2019)
- Superman: Year One (2019)
- Daredevil von Frank Miller
- Daredevil: Love & War
- Daredevil: Born Again
- Daredevil: The Man Without Fear (1993-1994)
Der beste Batman-Film ever
Wem die Batman-TV-Serie der 60er zu peinlich ist, der hat die Serials der 40er nicht gesehen. Wem die immer noch nicht trashig genug sind, sollte sich Batman Meets Mr. Fizz von 1965 anschauen. Ein Jahr, bevor Adam West die Welt in Atem hielt, wurde dieser 13-minütige Studentenfilm an der UCLA gedreht.
Bruce Wayne ist ein alter Mann, der Milch zu trinken scheint, Robin hat starkes Übergewicht und raucht. Das billige Kostüme schlackert an Batmans hagerem Körper wie an einer Vogelscheuche. Die Kühlerfigur auf dem Batmobil ist eine Fledermaus aus Pappmaché, die so groß ist, dass sie die Sicht versperrt. Statt eines Blinkers hält Robin einen Fledermausflügel aus dem Fenster. Um sich zu stärken, trinkt Batman Suppe aus Fledermausdung aus Dosen.
Wer noch Handlung braucht: Der Schurke Mr. Fizz bedroht Stadt, Land und Welt. Der Mann mit Cape und Zylinder will alle Getränkeflaschen stehlen, denn ohne die gibt es keine Softdrinkindustrie, ohne die bricht die US-Wirtschaft zusammen und damit auch die USA. Alle Handlanger finden den Plan gut, auch wenn ein Rätsel bleibt, was das eigentliche Zweck des Ganzen ist. Egal: Zum Glück gibt es Batman und Robin, um diesen Tunichtgut aufzuhalten. Doch der hat noch ein Ass im Ärmel: Hypno-Seifenblasen!
Mit vielen schrägen Einfällen und Selbstironie ist dieser Kurzfilm ein charmanter Retrotrip in die Untiefen der Fan-Fiction. An technischen Details wie ordentlichem Schnitt, Ton und glaubwürdiger Action hält das Werk sich nicht länger auf als unbedingt nötig. Kurz gesagt: ein Meisterwerk!
Übrigens: Nur ein Jahr zuvor drehte Andy Warhol seinen unautorisierten Film Batman Dracula (1964), der leider nirgendwo gezeigt werden darf und in irgendeinem Archiv schlummert, aber das ist ein Thema für ein andermal …
Serienkritik: „Batman: Caped Crusader“ Staffel 2
Am Anfang ist die Bank. Die Tür wird in die Luft gejagt. Gangster hauen mit der Beute ab – bis Batman sich ihnen in den Weg stellt. Mit dieser ikonischen Startsequenz, ganz ohne Worte, brachte Batman: The Animated Series ihren Helden auf den Punkt. Unübertroffen. Am Anfang der zweiten Staffel adaptiert die Nachfolgeserie Batman: Caped Crusader dieses Intro, ohne ihm auch nur etwas von Wert hinzuzufügen. Im Gegenteil: Batman schnappt sich die Bande um den Riddler nicht, sondern lässt sie ohne sichtbaren Grund entkommen. Dieses eitle, aber fade Selbstzitat von Produzent Bruce Timm steht für den Rest der Serie: Ans Original reicht sie einfach nicht heran. Statt selbst erinnerungswürdige Szenen zu schaffen, bleibt sie generischer Durchschnitt.
Batman: Knightfall-Trilogy: Erster Film erscheint im August 2026
Knightfall, das erste große und wahrscheinlich das beste Batman-Event der 90er, bekommt eine dreiteilige Adaption als Zeichentrickfilm. Am 25. August 2026 erscheint der erste Teil digital, genannt Knightfall, und wird 79 Minuten lang sein. Am 8. September soll die Blu-ray herauskommen. Später in diesem Jahr soll Knightquest folgen, Anfang 2027 Knightsend (laut CBR).
Batman: Caped Crusader – Staffel 2 startet am 31. Juli auf Prime
Zwei Jahre ist es her, seit die Zeichentrickserie Batman: Caped Crusader angelaufen ist. Nun kündigt ein Trailer endlich die Fortsetzung an. Die zweite Staffel soll am 31. Juli auf Prime Video starten, alle zehn Folgen auf einmal. Produziert wird die Serie von Bruce Timm (Mad Love), Matt Reeves und J.J. Abrams.
Der Anfang des Trailers spielt auf das ikonische Intro von Batman: The Animated Series an: Wir sehen, wie der Eingang einer Bank aufgesprengt wird und wie sich Batman auf die Einbrecher stürzt. Die Stimmung ist sonst typisch pessimistisch, wie es sich für einen Film Noir gehört. Von einem Krieg ist die Rede, von einem verlorenen Kampf, Batman steht im Kreuzfeuer der Kritik.
Eine zentrale Rolle scheint der Riddler zu spielen, aber auch Schurken wie Harley Quinn, Scarecrow und Man-Bat sind zu sehen, dazu ein weiblicher Mad Hatter – und natürlich auch der Joker, den man sich bis zuletzt aufgehoben hat. Dieser will mal wieder seinem Widersacher zeigen, wer er wirklich ist. Laut IGN soll auch Roxy Rocket einen Auftritt haben, ebenso wie eine gewisse Carrie Kelley im Gray-Ghost-Kostüm.

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Clayface: Film-Teaser und Comic-Serie
In diesem Jahr müssen wir wieder ohne Batman-Film auskommen. Der zweite Teil von The Batman soll erst im Oktober 2027 erscheinen. Das Projekt The Brave and the Bold lässt noch länger auf sich warten. Im Juni erscheint erstmal der Supergirl-Kinofilm mit Lobo und am 22. Oktober folgt Clayface. Wie schon Joker soll es ein Solo-Schurken-Film ohne Batman werden. Die Hauptrolle von Matt Hagen spielt Tom Rhys Harries, Regie führt James Watkins (Speak No Evil). Nun ist der erste Teaser erschienen, der andeutet, in welche Richtung es geht: Body-Horror. Ein Hollywood-Star mutiert zum Monster.
Passend dazu erscheint ab dem 8. Juli die Comic-Miniserie Clayface: Celebrity Dirt. In dem Sechsteiler bricht Basil Karlo (der erste Clayface) aus Arkham aus und kehrt zurück nach Hollywood, doch dort bricht eine Seuche aus, die die Menschen zu Zerrbildern seiner eigenen Albträume macht. Außerdem hat ein Doppelgänger Basils Identität angenommen und überflügelt diesen in seiner Schauspielerkarriere. Basil wird konfrontiert mit seiner eigenen Vergangenheit wie der der Clayface-Family und trifft eines seiner gefährlichsten Mitglieder. DC verspricht eine Mischung aus psychologischem Suspense, Body Horror und schwarzer Satire. Geschrieben wird die Story von Jude Ellison S. Doyle, gezeichnet von Fran Galán.
30 Jahre „Kingdom Come“: Alex Ross erinnert sich
Im Jahr 1996 erschien der Vierteiler Kingdom Come von Mark Waid und Alex Ross. Eine Elseworlds-Story, die in einer Zukunft spielt, in der sich die alten Helden zur Ruhe gesetzt haben und zurückkehren, um wieder Ordnung in eine Welt zu bringen, die von ihren rücksichtslosen Nachfolgern bedroht wird. Es ist eine Story, die eingebettet ist in die Apokalypse, mit vielen Verweisen auf christliche Mythologie sowie vollgepackt mit Anspielungen auf unzählige DC-Charaktere und andere Figuren der Popkultur. Dank den atemberaubenden Bildern von Alex Ross wirkt das Ganze wie ein Epos aus Renaissance-Malereien. 1997 gewann es den Eisner-Award als beste Miniserie. Bis heute ist es ein Meisterwerk, das es lohnt, immer wieder zu lesen und neu zu entdecken. Am besten im Großformat und nicht in der mickrigen Compact-Ausgabe (auch wenn sie die billigste ist).
30 Jahre später hat Alex Ross – der die ursprüngliche Idee dazu hatte – einige Videos produziert, in denen er und seine Kollegen auf sein Werk zurückschauen. In einem halbstündigen Video blättert der Künstler den ganzen Comic durch und kommentiert einzelne Bilder und Sequenzen. So erfahren wir, dass er in der Gestalt des Pfarrers seinen eigenen Vater verewigt hat, wie ihn Norman Rockwell zu den Covern inspirierte und was er an dem Werk bereut.
Filmkritik: „Superman“ (2025)
Der Superman von Christopher Reeve und Richard Donner ist Fluch und Segen zugleich. Segen natürlich, weil es bis heute keinen besseren und sympathischeren im Film gibt, der Supermans Essenz einfängt. Fluch, weil 1978 anscheinend Maßstäbe gesetzt werden, von denen man bis heute nicht loszukommen scheint. Deshalb knüpfte Bryan Singer 2006 mit Superman Returns in sklavischer Verehrung an Superman II an und ignorierte Teil III und IV, allerdings mit mäßigem Erfolg, ohne Fortsetzung.
2013 machte Zack Snyder mit Henry Cavills Man of Steel eine radikale Kehrtwende, alles sollte ganz anders sein als bei Donner und Reeve – aber dadurch wurde es trist, farb- und humorlos. Dieser Superman ermordete seinen Gegner Zod, starb schon im zweiten Teil, ehe man mit ihm warm werden konnte, und musste für ein übereiltes World Building mit der Justice League herhalten, das man schnell wieder aufgab und sich lieber Wonder Woman, Shazam und Aquaman zuwandte.
Schon wieder Lex Luthor
Nun versucht also James Gunn sein Glück. Der Titel ist schlicht Superman, das Farbenfrohe kehrt zurück und auch der Humor. Man überspringt zum Glück die altbekannte Originstory, Superman ist seit drei Jahren etabliert und bekommt erstmals echte Schwierigkeiten. Natürlich mit Lex Luthor. Schon wieder. Wir hatten noch nie einen Brainiac-Film, wir haben weder Metallo noch Parasite auf der Leinwand gesehen, aber dafür kommt nun zum sechsten Mal der glatzköpfige Schurke, der nichts anderes will, als Superman fertigzumachen. Warum? Weil er ihn hasst. Den Grund dafür erfahren wir erst ganz am Ende.
Filmkritik: „Joker: Folie à Deux“
Der Joker erzählt keine Witze mehr. Lustig war er zwar noch nie, aber jetzt ist ihm sogar das zwanghafte Lachen fast vergangen. Er hat auch sonst nicht viel zu sagen. Nicht mal seiner Psychologin oder seiner Anwältin. Der Joker ist auch kein Joker mehr, er ist nur noch Arthur Fleck, ein Schatten seiner selbst, abgemagert und apathisch in einer Anstalt, die mehr nach schäbigstem Verlies als nach Psychiatrischer Anstalt aussieht. (War es in den 80ern oder 90ern jemals so schlimm?)
Doch dann tritt Harleen „Lee“ Quinzel in sein Leben, eine Patientin im Minimum-Sicherheitsflügel. Über die Musik finden sie zusammen, beim Singen findet Arthur seine Stimme und auch die Liebe wieder. Also wird das ganze American Songbook durchgesungen, das irgendeinen Clownsbezug hat, von „Get Happy“ bis „That’s Entertainment“. Kaum eine Gelegenheit wird ausgelassen. Ein Klavier ist auch nicht nötig, das fackelt man kurzerhand ab, um dann sich dann in Fantasien von gemeinsamen Bühnenauftritten zu flüchten.
ACHTUNG: SPOILER!






