Film

Wie Batman Beyond entstanden ist

Nach dem Reboot von Batman: The Animated Series mit dem Titel The New Batman Adventures kam das jähe Ende. Eine erfolgreiche Staffel, dann war Schluss. Der Sender WB Kids wollte etwas anderes: einen jungen Batman, einen Teenager. Produzent Bruce Timm war da nicht wirklich scharf drauf, wie er erzählt. Wie soll das auch gehen, wenn Bruce Wayne erst als Erwachsener Batman wurde?

Aus der Not wurde eine Tugend: Ein neuer Batman musste her, nicht Bruce Wayne, sondern ein Teenager, der in dessen Fußstapfen tritt. Ein Batman der Zukunft. Eine Kurz-Doku von IGN erzählt, wie die Zeichentrickserie Batman Beyond zum Klassiker wurde, den niemand wollte. Bemerkenswert ist, dass das Konzept innerhalb weniger Monate fertiggestellt werden musste – samt Design und neuer Schurkenriege. Die Schurken wurden aus Zeitnot heraus zuerst gezeichnet und dann mit einer Story versehen.

Batman Beyond wurde zum Erfolg: drei Staffeln und ein Joker-Film, der es in sich hat, wurden produziert. Es gab auch Pläne für eine Live-Action-Adaption. Daraus ist zwar nichts geworden, aber dafür gibt es zahlreiche Comics, die die Geschichte von Terry McGinnis weitererzählen.

The Long Halloween: Der erste Trailer

The Long Halloween ist eine der wichtigsten und besten Batman-Storylines der 90er-Jahre. Jeph Loeb und Tim Sale erzählen in 13 Kapiteln vom mysteriösen Killer Holiday, der an Feiertagen Mobster umbringt. Batman trifft bei der Ermittlung auf seine gesamte Schurkenriege – vom Joker über Catwoman bis zum Riddler. Dabei sehen wir, wie Harvey Dent zu Two-Face wird. Ein Krimi in bester Noir-Manier, wunderbar erzählt und einzigartig gezeichnet.

Die Story diente bereits als Inspirationsquelle für Christopher Nolans The Dark Knight. Nun wird der Comic in animierter Form verfilmt. Im Sommer 2021 soll der erste Teil erscheinen, der zweite im Herbst. Im Trailer wird deutlich, dass man sich zwar nicht an Tim Sales eigenwilligem Stil orientiert hat, aber trotzdem versucht, einen eigenen, comichafteren Stil zu etablieren. Der Joker scheint eine prominentere Rolle einzunehmen als in der Vorlage, offenbar weil es ohne ihn nicht mehr zu gehen scheint. Hoffen wir, dass die Story nicht allzusehr vom Original abweicht.

Man sollte aber nicht zu viel erwarten. Die Zeichentrick-Adaptionen der vergangenen Jahre wie etwa The Killing Joke, Gotham by Gaslight und Hush waren eher Enttäuschungen.

>> Batman-Filme und -Serien

Ein letztes Wort zum Snyder-Cut

Nachdem Zack Snyder’s Justice League endlich in der Welt ist und alle Snyder-Fans sich an der angeblichen Offenbarung laben, scheint dieses Kapitel noch lange nicht geschlossen zu sein. Denn es sind weitere Begehrlichkeiten geweckt. Jetzt heißt es: #RestoreTheSnyderVerse. Zack Snyder soll seine ursprünglichen Pläne in Fortsetzungen wahr machen, also mehr Batfleck und Superman in schwarz, mehr Darkseid und die Auflösung all der Cliffhanger aus dem überlangen Epilog …

Was mich angeht: Ich kann darauf gern verzichten und schaue mir lieber den Honest Trailer zum Snyder Cut an, das heißt, den richtigen, denn es hat schon mal einen gegeben, als der Snyder Cut noch ein Mythos war. Die Bilanz der Screen Junkies: Joss Whedons Justice League mag schlecht gewesen sein, aber Zack Snyders Film ist eben nur Mittelmaß.

Die Kritikpunkte kann man sich denken: Im Wesentlichen ist es dieselbe Geschichte, Superman macht alle anderen überflüssig, es gibt zu viele langatmige Erklärszenen mit Steppenwolf, zu viel Slow Motion und überhaupt ist der Film viel zu lang – sodass der eigentliche Titel lauten könnte Justice League: Longer, Bigger and Uncut. Der Trailer wirft auch interessante Fragen auf, etwa warum Martian Manhunter sich zwar die Mühe macht, als Martha Kent Lois Lane aufzubauen, sichaber nicht in der Schlacht mit den anderen nützlich macht. Aber seht selbst.

Hier noch einmal der Honest Trailer zum Snyder Cut vor der Veröffentlichung:

The Suicide Squad: Der erste Trailer

Nach dem gescheiterten Film Suicide Squad von David Ayer darf sich jetzt James Gunn an dem Selbstmordkommando versuchen. Eine erste Vorschau auf The Suicide Squad war bereits im vergangenen Jahr zu sehen, der erste offizielle Trailer gibt einen Vorgeschmack auf Stil und Ton des Films. Es dürfte witziger zugehen, mit dem typischen absurden Humor – und auch die Musikauswahl überzeugt schon mal. Denn „Dirty Work“ von Steely Dan, das ist natürlich eine weitere Reminiszenz an die goldenen Siebziger, die James Gunn auch schon in Marvels Guardians of the Galaxy musikalisch abgefeiert hat.

Ansonsten geht es auch brutal zu: King Shark zerfetzt Menschen und verspeist sie. Daher ist dieser Trailer auch erst ab 18 Jahren freigegeben. Und für die Comicfans gibt es eine Überraschung: ein Wiedersehen mit Seestern Starro, dem Eroberer

The Suicide Squad startet am 6. August in den US-Kinos und zeitgleich auf HBO Max – wie auch schon Wonder Woman 1984 und Zack Snyder’s Justice League.

Buchkritik: „Batman – Re-Konstruktion eines Helden“

Christian A. Bachmann Verlag

Was ist Batman? Held? Superheld? Antiheld? Das kommt drauf an, welchen man meint. Denn Batman ist nicht gleich Batman. Christian Bale stellt einen ganz anderen dar als Adam West 1966. Der Comic-Batman von 1950 hat kaum etwas mit dem von 1970 zu tun. Der Batman „von heute“ kennt unzählige Inkarnationen. Nicht einmal der von 1940 ist noch derselbe wie der erste von 1939.

Batman ist „zu einem ultimativen Signifikanten für die reine Idee des Helden geworden, die sich allem anpassen kann“, schreibt der Literaturwissenschaftler Lars Banhold. „Batman ist nicht ein Held, er ist der Held, der alle Ideen und Konzepte des Helden bereits beinhaltet.“ In seinem Buch Batman. Re-Konstruktion eines Helden versucht sich der Autor an einer Beschreibung von Batman als Mem, als einen vieldeutigen Bewusstseinsinhalt, der sich in verschiedenen Medien, Zeichenformen und Kontexten ausbreitet. Die Comicfigur selbst tritt, so Banhold, mittlerweile hinter anderen Erscheinungen zurück. Das merkt man auch daran, dass jeder das Batman-Symbol kennt, auch wenn nicht unbedingt jeder weiß, was dahintersteckt.

Banhold nähert sich dem Phänomen zunächst historisch an, in dem er erzählt, wie sich die Gestalt aus verschiedenen anderen Heldenfiguren zusammensetzt: vom Grafen von Monte Christo, der mit einer Geheimidentität Selbstjustiz übt, über Hardboiled-Detektive, Comichelden wie The Phantom, Filmgestalten wie The Bat, Zorro und Dracula sowie Pulphelden wie The Shadow. Batman erscheint als eine geglückte Synthese all dieser Elemente – was auch seinen anhaltenden Erfolg seit 80 Jahren erklärt.

Batman als „offener Cartoon“

Ein weiterer wichtiger Faktor sei, so Banhhold, dass Batman als „offener Cartoon“ angelegt sei. Wegen seiner abstrakten Darstellung (schwarze Maske, weiße Augenschlitze) sei Batman darauf angelegt, dass sich die Leser leichter mit ihm identifizieren können. Schon Scott McCloud beschreibt das Phänomen in Understanding Comics (dt. Comics richtig lesen): Je abstrakter eine gezeichnete Figur, desto offener ist sie, sich selbst in ihr wiederzuerkennen. Damit folgt Banhold auch der Argumentation von Stephan Packard.

Aber das überzeugt nicht recht, da sich das erstens von den meisten Comicfiguren sagen lässt und damit als Feststellung trivial erscheint, und zweitens weil es auch bei Batman starke Unterschiede gibt. Von den 40ern bis in die 60er-Jahre erscheint der noch cartoonhaft gezeichnete Charakter weitgehend ohne Eigenschaften zu sein, dafür bekommt Bruce Wayne von den 70ern an zunehmend mehr Persönlichkeit und Hintergrundgeschichte, gerade heute ist er oft sogar realistisch und wiedererkennbar gezeichnet, in Spielfilmen leihen ihm auch Schauspieler ihre Gesichter. Der Begriff des offenen Cartoons greift dann nicht mehr.

Viel naheliegender ist es, dass das ikonische Kostüm mit der Maske, dem Cape und dem Anzug eine Projektionsfläche bildet und damit Identifikationspotenzial schafft. Aber es ist auch die Hintergrundgeschichte des Superhelden ‚ohne Superkräfte‘. Banhold selbst bringt es auf den Punkt, wenn er Batman/Bruce Wayne als „Self-made man“ bezeichnet. Die Entstehungsgeschichte zeigt dem Leser: Theoretisch könnte jeder mit genug Selbstdisziplin Batman werden und damit zu einem menschlichen, als Tiermensch sogar zu einem übermenschlichen Ideal aufsteigen.

Strafe fürs Abnormale?

Das Verhältnis zwischen Batman und seinen Widersachern wie dem Joker nennt Banhold einen Kampf zwischen Normalität und Anomalien. Da es sich oft um vom Leben gepeinigte und entstellte Schurken handelt, erscheine es so, als würde Batman „Devianz“ (Andersartigkeit) „als Sünde“ bestrafen. So verlockend die Lesart auf den ersten Blick erscheinen mag, so verkürzt ist sie auch, denn sie verkennt, dass Batman selbst als Mann, der in ein Fledermauskostüm steigt, ebenfalls ein solcher Freak (und Außenseiter) mit eigenen Neurosen ist, was etwa in Grant Morrisons Arkham Asylum festgestellt und später oft genug von Figuren wie etwa Harvey Bullock in BTAS ironisiert wird.

Batman bestraft keine „Wahnsinnigen“ fürs Anderssein, sondern für Verbrechen wie Diebstahl, Raub und Mord. Dass das Böse mit physischer Entstellung zusammenhängt, ist ein Kulturphänomen, das weit über Batman hinausreicht. Im Comic ist das einfach zu erklären: Es braucht einen starken visuellen Kontrast zum körperlich idealen Batman. Die bekanntesten Schurken sind die mit dem besten Wiedererkennungswert, der sich von Batman abhebt. Außerdem repräsentieren ihre Ticks und Kostüme auch die Kehrseiten von Batmans eigenen Eigenschaften (Vernunft, Furcht, Logik, Gesetzestreue etc.).

Banhold schreibt allerdings auch, dass der Kampf zwischen Normalität und Anomalien unterlaufen werde, da Schurken oft auch Identifikationsfiguren mit tragischen Hintergrundgeschichten seien. „Ihr Wahnsinn offenbart eigene, tiefere liegende Wahrheiten, die dem ’normalen‘ Blick entgehen.“ In einer karnevalesken Umkehrung der Ordnung können sich Leser mit dem Bösen identifizieren. Der Wahnsinn ermögliche eine andere Sicht auf die Welt und stimuliere „eine Devianz, die wohl jeder fühlt“.

Kluge Analysen

So ist Banholds Buch – abgesehen von einigen diskussionswürdigen Aspekten – eine interessante Lektüre, die viel Wissen und kluge Gedanken zu bieten hat. In seinem historischen Abriss der Figur in Comic, Film und Fernsehen geht der Autor auch auf differenziert auf die Frage nach der queeren Lesart Batmans sowie der Rezeptionsgeschichte in Deutschland ein. Gerade seine Filmanalysen, vor allem die von Christopher Nolans Dark Knight-Trilogie, überzeugen weitgehend und laden zum Weiterdenken ein.

Eine ähnliche Tiefe hätte man sich für mehr Comics gewünscht. Während Banhold Comics wie The Long Halloween und Hush sowie die von Grant Morrison ausführlich abhandelt, kommen leider neuere Comics wie die von Scott Snyder und Tom King etwas zu kurz. Allerdings stellt Banhold zu Recht für sie fest, was allgemein mit dem Begriff des Prismatic Age bezeichnet wird: Batman wandelt sich bereits seit den 90ern von einer Figur zu einem „selbstreferenziellem Zeichen, das auf ein vergangenes Konzept eines sinntiftenden Helden – und seiner Dekonstruktion – verweist“, so Banhold. Oder einfach ausgedrückt: „Der Batman-Mythos verweist verstärkt auf sich selbst und stellt sich selbst aus.“ Daran kränkeln viele heutige Inkarnarnationen: Sie erscheint zu sehr als Remix von Zitaten.

Fehler und Widersprüche

Leider wird Lektüre des Buches getrübt von einigen Widersprüchen und offensichtlichen Fehlern. So behauptet der Autor, offiziell gelte „noch immer Bob Kane als alleiniger Schöpfer der Figur“, nur um auf der nächsten Seite zu erzählen, dass seit 2015 Bill Finger ein Co-Credit mit Bob Kane zugestanden wird (allerdings nicht nur, wie behauptet, in Film und TV, sondern auch in den Comics). Später heißt es, die BTAS-Episode Perchance to Dream beruhe auf For the Man Who Has Everything, wobei sie offensichtlich die Batman-Story Identity Crisis (Detective Comics #633, 1991) adaptiert.

An manchen Stellen macht es sich Banhold auch zu einfach. Auch wenn er Recht hat mit seiner Kritik an der berüchtigten Martha-Szene in Batman v Superman (und ich der Letzte sein möchte, der diesen Film verteidigt), ist Batman darin eben keine „reine Simulation des Helden“ ohne moralische Parameter. Batmans Handeln ist durchaus moralisch motiviert. Auch wenn der Film sich zitierend bei Comics bedient, ist daran nicht alles leere Pastiche.

Mehr als ein hohles Zeichen

Und damit kann man durchaus Zweifel haben an Banholds Grundthese. Denn wäre Batman wirklich nur ein hohles Zeichen, das auf sich selbst verweist, wäre er nicht so erfolgreich – und damit erfolgreicher als zum Beispiel Superman, über den sich vieles genauso sagen lässt.

Batman ist eben bei aller Variation und universeller Integrierbarkeit auch eine Konstante, die sich in den meisten Spielarten wiederfindet: ein Held, ein Superheld und damit ein Symbol für das Gute und die damit verbundene, immer wieder neu verhandelte Frage, was das überhaupt ist. Nur weil sich Batman in jede Ideologie integrieren lässt, heißt es nicht, dass er „ideologiefrei“ ist, auch nicht „scheinbar“.

In den meisten Comics hat er einen klaren moralischen Code, und sei es etwa die Konstante, dass er seine Gegner nicht tötet. Dass dies zuweilen auch unterlaufen wird, dass dieser Held eben ein „Dunkler Ritter“ ist, dass er Abgründe hat, dass er Risse und Brüche bekommt oder gar ganz hinterfragt oder negiert wird, macht ihn tatsächlich, wie Banhold schreibt, zu einer „Verkörperung von Entwicklung, Dialektik, Affirmation und Subversion“. Interessant wäre es nun, herauszuarbeiten, was trotz all dem an Batman weitgehend konstant bleibt, dass er immer noch so viele Menschen fasziniert. Ich denke, es ist mehr als das Symbol und das Kostüm. Die Frage, die offen bleibt, ist: Für was genau steht eigentlich diese Fledermaus?

>> Lars Banhold: Batman – Re-Konstruktion eines Helden, Christian A. Bachmann Verlag, Berlin 2020, 12 Euro (Aktualisierte Sonderausgabe)


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Snyder-Cut: Hat sich das Warten gelohnt?

Warner Bros.

Zack Snyder hat es geschafft. Nach Man of Steel, Batman v Superman hat er mit Zack Snyder’s Justice League endlich den dritten Teil seiner DC-Filmreihe so unters Volk gebracht, wie er ihn haben wollte. Snyder hatte das Projekt kurz vor Ende wegen des Suizids seiner Tochter verlassen, Joss Whedon (Avengers) hat den Film zum Teil umgeschrieben und eine Kurzfassung daraus gemacht, mit niemand so richtig glücklich war, weder Kritiker noch Fans. Drei Jahre lang haben die Snyder-Fans gefordert: #ReleaseTheSnyderCut – nun ist er da. Ein vierstündiger Film, der längste Superheldenfilm des 21. Jahrhunderts, im Stream auf HBO Max (bei uns auf Sky). Sind die Länge und der Hype gerechtfertigt?

Das Wichtigste vorab: Der Film ist zu lang. Viel zu lang. Und damit kränkelt er wie bereits seine beiden Vorgänger-Filme an dem Snyder-Syndrom. Der Film braucht eine gefühlte Ewigkeit um in die Gänge zu kommen. Das zeigt sich schon am Anfang, der ganze acht Minuten braucht, bis überhaupt etwas passiert. So lange dauert der Vorspann inklusive Rückblende, was bisher geschah, und das Einführen der drei Mutterboxen. Und so wirkt der Großteil des Films wie Fahren mit angezogener Handbremse.

Zu langsam, zu viel

Im Grunde wird die bekannte Geschichte in einer Extra-Lang-Fassung erzählt. Die Szenen aus der Kinofassung sind im Wesentlichen dieselben, nur eben oft ausgedehnt. Das ist nicht immer schlecht, denn es macht sich in der ersten Wonder-Woman-Szene bemerkbar, dass die Auswirkungen der Gewalt gezeigt werden: Wonder Woman tötet die Terroristen. (Das ist moralisch fragwürdig, aber zumindest konsequent dargestellt.) Doch so dynamisch die Szene zum Teil gedreht ist, wird sie ausgebremst durch den überzogenen Einsatz von Zeitlupe – Snyders Lieblingsstilmittel.

Es gibt fast keine Szene ohne Slow Motion, mit der Snyder besondere Momente einzufangen und auszudehnen versucht, wodurch sie fast wirken wie große Panels oder Splash Pages im Comic, aber damit übertreibt er es bis zur unfreiwilligen Selbstpersiflage. Schier unerträglich langgezogen ist etwa die Szene, in der Barry Allen eine Frau bei einem Unfall rettet – und sie bleibt ohne Relevanz, selbst wenn sie bloß als Auftakt für spätere Filme dienen soll.

Die vielen zusätzlichen Filmminuten wirken wie die Extras-Abteilung von DVDs und Blu-rays, in denen man sich durch die geschnittenen und erweiterten Szenen klickt. Meistens bieten sie keinen Mehrwert und so ist es auch hier. Im direkten Vergleich mit der Kinofassung merkt man sofort, warum das Meiste weggelassen wurde, denn man braucht es einfach nicht. Viele Einstellungen und Dialoge lassen die Handlung bloß weiter auf der Stelle treten: Hippolyta redet mit einem Pfeil, Dianas Spurensuche in Griechenland, Lois Lane holt Kaffee – alles narrativer Leerlauf, alles entbehrlich.

Das Positive

Nur drei Ergänzungen aus dem Snyder-Cut bereichern die Kinofassung:

  1. Cyborgs Vorgeschichte verleiht dem Charakter wirklich mehr Tiefe. Ob er dadurch interessanter wird, sei dahingestellt. Er bleibt immer noch der dauerschmollende Miesepeter der Truppe, der in Sachen Negativität sogar Batman den Rang abläuft.
  2. Der Schurke Steppenwolf wird durch den neuen Auftritt von Darkseid aufgewertet. Auch hier entsteht nicht die Charaktertiefe, die Snyder versprochen hat, aber interessanter erscheint der Hintergrund auf jeden Fall, weil deutlicher wird, dass Steppenwolf nur einem größeren Tyrannen dient. Allerdings will Darkseid auch bloß erobern und wirkt dadurch eindimensional. Man sieht Steppenwolf auch mit Desaad sprechen, allerdings fügen die meisten Wortwechsel der Handlung kaum etwas hinzu, sondern es wird gesagt, was die Zuschauer schon wissen, nur in pathetischen Worten und Allgemeinplätzen.
  3. Das Finale wird durch Supermans Auftritt und die stärkere Teamdynamik beim Endkampf aufgewertet, allerdings ist es bis dahin ein viel zu langer Weg mit viel zu vielen Umwegen und man ist am Ende zu erschöpft, um die Action noch genießen zu können.

Unausgewogene Struktur

Zack Synder’s Justice League ist unterteilt in sieben Kapitel. Aber die Gewichtung ist ungleich verteilt: Allein fast zwei Stunden braucht er, um das Team zusammenzubringen – Joss Whedon braucht dafür nur eine. In der nächsten Stunde geht es darum, Superman wieder auferstehen zu lassen und zur Vernunft zu bringen. Davon ist das Meiste bereits bekannt, es wird bloß noch mal ausführlich gezeigt, wie Kal-El sein schwarzes Kostüm wählt und sich von seinen zwei Vätern aus dem Off zur finalen Schlacht schicken lässt. Nur die letzte halbe Stunde ist dem Finale gewidmet.

Diese Asymmetrie ist bereits bei Batman v Superman negativ aufgefallen. Auch hier wird zu viel Zeit mit Exposition verschwendet und die Geduld der Zuschauer überstrapaziert. Das liegt zum einen an DCs übereilter Superhelden-Filmstrategie, dass man nebenbei neue Charaktere einführen muss, die vorher keine eigenen Filme hatten. Zum anderen an Snyders Hang zur epischen Breite ohne narrative Disziplin.

Dieses Defizit zeigt sich auch am Ende, im sogenannten Epilog, der noch einmal ganze 18 Minuten dauert und eine bunte Mischung von zu viel von allem bietet: Cyborgs Abschluss mit seinem Vater, Bruce Waynes Abschluss mit Clark Kent in Smallville, Lex Luthor und Deathstroke, Bruce Wayne und Martian Manhunter sowie die neugedrehte Szene mit dem Joker im post-apokalyptischen Szenario. Letzteres war bereits in Batman v Superman zu sehen, aber auch mitten in Justice League wird eine Szene daraus eingefügt, wo sie wieder mal die Handlung unnötig zerreißt. Zum Schluss aber findet ein überlanger, aber bedeutungsschwanger inszenierter Dialog, in dem der Joker Batman für das Elend verantwortlich macht.

Mit all dem will Snyder den Auftakt zu weiteren Filmen legen, die früher angekündigt waren. Dieses Konzept war für viele #ReleaseTheSnyderCut-Aktivisten wohl auch der Hauptgrund für ihre Kampagne. Aber das ist das Problem an Snyders Filmreihe: Jeder Film scheint bloß die Vorlage für den nächsten zu bieten. Batman v Superman war bloß ein „Dawn of Justice“ und Zack Synder’s Justice League bereitet auf ein oder zwei Sequels oder Spin-offs (wie Flash oder Cyborg) vor. Das Ganze wirkt wie eine Reihe von Expositionen – und ist auch deshalb so ermüdend anzusehen. Denn dabei kann man sich die Frage stellen: Wann kommt denn endlich der eigentliche Film?

Fazit: Ein Kompromiss

Wenn der Snyder-Cut eins gebracht hat, dann die Möglichkeit, in aller Ausführlichkeit zu sehen, wie unterschiedlich Filme gestaltet und verunstaltet werden können. Aus Sicht der Snyder-Fans hat Joss Whedon Frevel begangen, weil er vieles wegließ (und ein paar Szenen neu drehte). Aus meiner Sicht erkennt man Vergleich zwischen Kinofassung und Snyder-Cut, dass der Schnitt erst den Film macht – und das bedeutet vor allem: radikal wegzuschneiden.

Ich denke, die beste Version von Justice League wäre weder Whedon- noch Snyder-Cut, sondern eine Mischung aus beidem. Bei Whedon ist die Kürze zu loben (die meisten seiner Szenen können weg), mit ein paar Ergänzungen des Snyder-Cuts (Cyborg, Darkseid und dem Finale) hätte man einen ordentlichen Film von etwa zwei Stunden und 30 Minuten. Ob es dann ein sehr guter Film wäre, wie etwa vom Format The Avengers und seiner Nachfolger, das ist aber immer noch zu bezweifeln.

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Wonder Woman 1984: Zurück in die 80er

Nicht alles Gold, was glänzt: Gal Gadot als Wonder Woman. (Warner Bros.)

Fortsetzungen haben ihre eigenen Tücken. Einerseits will man das bieten, was die Fans am Original liebten, andererseits will man etwas Neues erzählen. Manche Sequels kleben so nah am Original, dass sie wie Remakes wirken (z.B. Kevin allein in New York), manche enttäuschen (wie das zu Unrecht geschmähte The Lost World), andere überbieten sogar das Original (Aliens, Terminator 2, Das Imperium schlägt zurück).

In Sachen DC-Superhelden fällt mir (unter all den zweiten Teilen) nur The Dark Knight ein, der es geschafft hätte, das Niveau zu heben. Das Snyderverse kränkelte leider bisher schon am Auftakt. Wonder Woman (2017) war (neben Shazam) die Ausnahme, die Hoffnung ins „Extended Universe“ brachte. Und mit einer wie Regisseurin Patty Jenkins – was konnte schon beim zweiten Teil schief gehen?

Pass auf, was du dir wünschst

Leider sehr viel. Denn Wonder Woman 1984 lässt den frischen Drive des ersten Teils vermissen und bietet eine sehr bunte, aber bestenfalls mittelmäßige, manchmal sogar erschreckend schwache Form der Popcornunterhaltung. Nach einem überlangen Prolog in Dianas Jugend springt der Film in die 80er-Jahre und tut zunächst alles, um diesem Zeitgeist gerecht zu werden. Die alberne und überdrehte Szene in einer Mall, in der die Heldin einen Überfall verhindert, weckt ungute Erinnerungen an Filme wie Superman III und IV. Später braucht es anscheinend auch die obligatorische Szene, in der man sich über die Mode der Zeit lustig macht.

Dann folgt eine abstruse Handlung um den Möchtegernunternehmer Max Lord, der mittels Wunschstein vom Versager zum Megalomanen aufsteigt. Was als Abrechnung mit dem amerikanischen Traum verstanden werden kann, verkommt zum plump inszenierten, mit Klischees überladenen Plot, in der der Wunschstein für so ziemlich alles zuständig ist, wofür den drei Drehbuchautoren die Ideen ausgehen, sogar eine ziemlich bemühte Wiederauferstehung von Steve Trevor.

Wie ein schlechter Kinderfilm

Die Geschichte um Barbara Minerva (Cheetah) erinnert an den Werdegang von Catwoman in Batman Returns: vom Mauerblümchen zur verbitterten Schurkin in Katzengestalt. Allerdings überzeugt schon die Prämisse nicht. Barbara soll eine Frau sein, an die sich nicht mal ihre Chefin erinnert und die angeblich niemand mag, obwohl sie eine Wissenschaftlerin ist wie jeder andere im Museum, aber Diana freundet sich sofort mit ihr an und lacht mit ihr wie schon lange nicht mehr. Daraufhin versteht man weder die Verbitterung und schon gar nicht, warum sie sich am Ende zu einer Wildkatzenfrau machen lässt.

Man hat oft den Eindruck, es mit einem Kinderfilm zu tun zu haben – allerdings keinem besonders klugen. Während die Welt ins Chaos stürzt, weil jeder Mensch, von Egoismus und Gier angetrieben, nur an die Erfüllung seiner Wünsche denkt, hält die Heldin eine pathetische Ansprache, die anscheinend vor allem auf die Zuschauer des Films gemünzt zu sein scheint, weil sie die vierte Wand durchbricht. Für alle, die die Botschaft noch immer nicht verstanden haben.

Wenn schon der Verstand hier Pause macht, was nicht das Schlechteste sein muss, könnte man den WW84 für seine Kurzweiligkeit loben, aber selbst da unterfordert der Film. Bis auf visuelle Highlights wie den Flug durch ein Feuerwerk hat er nicht viel zu bieten. Die Kampfszenen bleiben meist so routiniert und einfallslos wie die Gags, die höchstens zwei bis drei Schmunzler hergeben – wenn man gerade gut aufgelegt ist.

Wegen der Coronakrise ist Wonder Woman 1984 beim Streamingdienst HBO Max und in Deutschland mit einiger Verzögerung bei Sky erschienen. Das ist einerseits schade für die Kinos und für das Erlebnis auf der großen Leinwand. Andererseits kann man im Nachhinein sagen: Auf dem kleinen Bildschirm ist der Film deutlich besser aufgehoben.


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Snyder Cut oder der Mythos der Urfassung

Geborgen aus den Trümmern wie ein Heiliger Gral: Zack Snyders Fassung von „Justice League“. (Warner Bros.)

Am 18. März 2021 bekommt unglückselige Justice League-Film noch eine Chance als Zack Snyder’s Justice League beim Streamingdienst HBO Max. Ein in diesem Ausmaß bisher einmaliger Vorgang. Nachdem Fans jahrelang die sozialen Medien mit ihrem #ReleaseTheSnyderCut herumgenervt haben, hat Warner Bros. das Gejammer erhört und viel Geld hineingesteckt, dass der Regisseur seinen Film so beenden kann, wie er es angeblich schon immer wollte. Dafür gab es sogar Nachdrehs (unter anderem mit Jared Leto als Joker, der in der Urfassung aber gar nicht vorgesehen war). Das Ergebnis soll vier Stunden lang sein und auf jeden Fall etwas ganz anderes, heißt es – und alle hoffen, dass anders auch besser bedeutet.

Jared Leto als Joker in Justice League

Jared Leto als Joker in Justice League (Warner Bros.)

Wobei das für Snyder-Fans bereits eine ausgemachte Sache zu sein scheint. Denn von Anfang an wurde der Mythos beschworen, dass nur die ursprüngliche Fassung die einzig wahre sein kann. Dass Joss Whedon das Projekt kurz vor seiner Fertigstellung übernahm und einen ganz anderen Film daraus machte (er schrieb das Drehbuch um, es gab viele Nachdrehs, angeblich wurden nur ein geringer Teil von Snyders Material verwendet), wird als Ursache dafür gesehen, dass das Ergebnis weder Kritiker noch Fans noch die breite Masse der Kinogänger überzeugte. Justie League war ein sehr teurer Flop.

Wenn man noch den persönlichen Schicksalsschlag von Snyder hinzunimmt (seine Tochter hat sich umgebracht, der Grund für seinen Ausstieg) und die Tatsache, dass Joss Whedon sich während der Dreharbeiten bei den Darstellern nicht gerade beliebt gemacht hat (derzeit wird ihm sogar von Buffy-Darstellern Machtmissbrauch vorgworfen), ist die Geschichte hinter dem Film bereits spannender als der Film selbst. So dürfte das pathetische Halleluja des Teasers den vielen Fans aus der Seele sprechen.

Macht der Snyder-Cut Schule?

Der Hype um den „Snyder Cut“ griff so sehr um sich, dass im vergangenen Jahr auch von einem David Ayer-Cut für den miesen Suicide Squad die Rede war. Und zum Totalflop Fantastic Four wurde Josh Trank nach einem „Trank-Cut“ gefragt, aber der hat ihm eine Absage erteilt. Manches kann eben nicht mehr gerettet werden.

Was kommt als nächstes? Der Schumacher-Cut von Batman and Robin, der die wahre künstlerische Vision hervorbringt und beweist, wie unterschätzt dieses filmische Juwel ist? Hoffentlich nicht.

Dabei gibt es viele Beispiele in der Filmgeschichte, in der ein „Director’s“ oder „Extended Cut“ den Film besser gemacht haben, weil die Urfassung von Produzenten und Studios verstümmelt wurden – oder einfach nur um das Sitzfleisch der Kinogänger zu schonen. Am bekanntesten ist wohl Peter Jacksons Herr der Ringe-Trilogie, die (meiner bescheidenen Meinung nach) eigentlich erst in der Extended Edition ihre volle Pracht entfaltet und sogar einiges zur Story beiträgt (z.B. Sarumans Tod). Sein Hobbit war aber auch schon in der Kinofassung zu lang. Trotzdem gab es auch für diese Trilogie eine Langfassung auf Blu-ray.

Immer wieder neue Versionen

Ein ganz eigenes Kapitel ist der George-Lucas-Cut von Star Wars. Oder eigentlich vielmehr „Cuts“, denn der Schöpfer hat seine sechs Filme (vor allem die Episoden IV-VI) so oft umgeschnitten, mit neuen Spezialeffekten versehen und neu vertont, dass man über die Versionen kaum noch den Überblick behalten kann und eigentlich kaum jemand mehr weiß, wie die Filme ursprünglich aussahen. Für jede VHS, DVD, Blu-ray und sogar Disney+-Version gibt es eine neue Fassung. Der „Lucas-Cut“ ist also immer der jeweils aktuellste. Dabei macht er sich bei den Puristen unter den Fans unbeliebt, die am liebsten endlich die allerersten Kinoversionen sehen würden: #HanShotFirst. Aber Lucas ist offenbar ein Anhänger der Idee, dass ein Kunstwerk nie fertig ist.

Auch Francis Ford Coppola hat seinen Apocalypse Now mehrfach umgeschnitten. Nach einer ultralangen „Redux“-Version, kam 2017 ein „Final Cut“ heraus, aus der wiederum 20 Minuten der Redux-Fassung geschnitten waren. „Kill your darlings“, heißt es immer, aber welche Lieblinge man opfern muss, das ist gar nicht so leicht zu entscheiden und man kann es sich alle paar Jahre anders überlegen.

Romantische Idee: Der Künstler weiß es am besten

Der Mythos „Snyder Cut“ geht auf die romantische Vorstellung zurück, dass das Ursprüngliche das Beste ist (das Pendant zum naturalistischen Fehlschluss) und es auch immer am besten ist, wenn man den Künstler seine „Vision“ verwirklichen lässt. Ein Beispiel dafür ist Citizen Kane, bei dem Orson Welles machen durfte, was er wollte. Dabei wird oft außer Acht gelassen, dass Filme Teamarbeit sind. Bei Orson Welles hatten auch Co-Autor Herman J. Mankiewicz und Kameramann Gregg Toland einen großen Anteil an dem Resultat.

Häufig sind Filme auch bloß Produkte des Zufalls, also mal günstiger und mal ungünstiger Bedingungen. Von Easy Rider zum Beispiel ist eine Filmrolle ruiniert worden, weil sie vor der Entwicklung Licht ausgesetzt wurde. Später wurde (ohne Regisseur Dennis Hopper) eine Rohversion von (mindestens) vier Stunden runtergeschnitten auf knackige 95 Minuten. Hopper war zunächst nicht erfreut darüber, akzeptierte aber die Form und der Film wurde zum Klassiker.

Vier Stunden – so lang sind auch die Rohversionen von David Lynchs Filmen, wie er selbst in seiner Autobiographie behauptet. Zum Beispiel Dune. Ursprünglich wollte Lynch einen Drei-Stunden-Film daraus machen, wurde dann aber auf 136 Minuten runtergehandelt. Als dann später eine Drei-Stunden-Version im Fernsehen erschien, die ohne Lynch entstanden war, distanzierte er sich von der Fassung und ließ sich aus den Credits streichen. Dune war ein Flop. Ob ein Director’s Cut etwas daran geändert hätte, muss offen bleiben. Lynch hat kein Interesse, an dieser Niederlage noch einmal Hand anzulegen.

Verstümmelte Director’s Cuts

Es gibt auch berühmte Beispiele verstümmelter Filme, die erst spät ihre endgültige Fassung gefunden haben: Wicker Man zum Beispiel, hier wurde so viel Schindluder mit dem Material getrieben, dass einiges davon für immer verschollen ist. Selbst der Director’s Cut muss ein Torso bleiben.

Ein Director’s Cut muss nicht unbedingt länger sein: Superman II: The Richard Donner Cut ist elf Minuten kürzer als die Kinofassung. Donner wurde damals während der Dreharbeiten gefeuert und durch Richard Lester ersetzt. Erst 2006 kam seine Fassung heraus. Allerdings stammt nicht alles, was darin zu sehen ist, von Donner. Aus Mangel an Material musste er auch auf Szenen von Lester zurückgreifen.

Eine besonders nervenaufreibende und zähe Entstehungsgeschichte hat Michael Ciminos Western-Epos Heaven’s Gate. Nach seinem Kriegsfilm Deer Hunter (Die durch die Hölle gehen, 1978) bekam Cimino einen Freifahrtschein für sein nächstes Projekt – und den nutzte er voll aus für endlose Dreharbeiten, die sämtliche Kostenrahmen sprengten. Doch auch der Schnitt zog sich hin: Die Rohfassung war über fünf Stunden lang, die Premierenfassung von 1980 betrug dann immerhin noch 219 Minuten, nach vernichtenden Reaktionen kürzte Cimino im Jahr darauf den Film auf 149 Minuten. Besser wurde es nicht. Erst im Laufe der Zeit änderten die Filmkritiker und -historiker ihre Meinung über das Werk. 2005 kam dann der Radical Cut heraus mit wieder 219 Minuten, 2012 endlich der Director’s Cut mit 216 Minuten. Wird es der letzte sein?

Die Qual der Wahl

Der erste offizielle „Director’s Cut“ war Ridley Scotts Neufassung von Blade Runner. Davon gibt es mittlerweile sogar einen „Final Cut“. Da aber all diese Versionen in der Welt sind, stellt sich das Problem: Welche soll man schauen? Welche gilt als Kanon? Eine Kinofassung hat immer ihre Daseinsberechtigung, weil mit ihr auch immer eine Rezeptionsgeschichte verbunden ist – und die gehört genauso zum Film dazu wie alles, was danach mit ihm passiert. Das steht aber häufig im Widerspruch zur Autorität des Regisseurs. Ähnlich ist es beim Director’s Cut zu Donnie Darko. Welche Fassung ist die „richtige“? Die erste, die zweite?

Am Ende handelt es sich beim „Director’s Cut“ um einen Marketing-Begriff, der nur dazu dienen soll, dass Fans zweimal Geld für denselben Film ausgeben, der natürlich nicht mehr ganz derselbe – oder vielleicht sogar ein ganz neuer ist. Dann gibt es noch „Extended“ und „Ultimate Cuts“, die oft einfach nur lieblos überflüssige Szenen in den Film einfügen.

Von Zack Snyders Watchmen gibt es auch drei Fassungen: Kinofassung, Director’s Cut, Ultimate Cut. Letztere enhtält die Animationssequenzen zum Black Freighter, die den Film allerdings unnötig dehnen. Solange es auf DVDs und Blu-rays aber verschiedene Versionen zur Auswahl gibt, ist das als Fanservice zu begrüßen. Dann müssen sich nur noch die Zuschauer entscheiden, welche Fassung ihnen am liebsten ist. Und wie viel Zeit und Geduld sie beim Schauen opfern wollen. Und im Zweifel tun es auch bloß die Deleted Scenes als Bonusmaterial. Daran erkennt man meistens: Weniger ist oft mehr.

Oder um es mit Alfred Hitchcock zu sagen: „Die Länge eines Films sollte in einem direkten Verhältnis zum Fassungsvermögen der menschlichen Blase stehen.“


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Mit Kung-Fu gegen Schlangen

Warner Bros.

Titel: Batman – Soul of the Dragon

Drehbuch: Jeremy Adams

Erschienen: 2021 (Direct-to-Video)


Bruce Wayne hat bekanntlich viele seiner Fähigkeiten im Fernen Osten erlernt. In Soul of the Dragon ist er nach Nanda Parbat gereist, wo er von einem Meister namens O-Sensei ausgebildet wurde. Dabei hat er Shiva, Richard Dragon, Jade, Ben Turner und Rip Jagger kennengelernt. Und natürlich war Bruce der fanatischste von allen. Während andere irgendwann aufgeben, sinnloserweise auf einen glühenden Stein einzuschlagen, prügelt Bruce sich stumpf die Knöchel blutig. Dort bewachen sie auch ein geheimnisvolles Tor, das den bösen Schlangengott Naga fernhält. O-Sensei opfert sich, um ihn zurückzudrängen.

Richard Dragon, Shiva, Ben Turner und im Hintergrund Batman: „Soul of the Dragon“. (Warner Bros.)

Jahre später kommt die Band wieder zusammen, um gegen den Oberfiesling Jeffrey Burr zu kämpfen, der seine Prostituierten nach Gebrauch (anders kann man das leider nicht nennen) Schlangen zum Fraß vorwirft und dabei zuschaut. Burr führt den Kult Kobra an und will Naga befreien, um – na klar – die Welt zu beherrschen. Dafür stiehlt er das Schwert, mit dem man das Tor öffnen kann.

Soul of the Dragon lebt vor allem von der Nostalgie. Der Animationsfilm ist eine Hommage an die Kung-Fu-Filme der 70er, dazu gibt es James-Bond-Anleihen, fernöstliche Weisheiten, Mystizismus und irgendwo dazwischen auch Batman. Und das ist schon das erste Problem. Denn es ist anders als der Titel verspricht, kein Batman-Film, sondern der Titelheld ist nur einer von einigen – und während die anderen in zivil kämpfen, fällt er mit seinem Kostüm als Fremdkörper heraus. Wahrscheinlich ist er deswegen auch nur meist als Bruce Wayne zu sehen.

Man kann aber auch nicht behaupten, dass man sich für die anderen Charaktere interessiert. Richard Dragon und Co. bleiben oberflächlich, keiner bekommt genug Raum, völlig eindimensional gerät der Schurke, der einfach nur sehr böse ist. Dazu gibt es flache, selten geistreiche Sprüche und zum Schluss gleitet die Handlung in völlige Albernheiten hinab, wenn abgetrennte Arme zu Schlangenmenschen werden und sogar Finger Schlangenform annehmen.

Ansonsten ist Soul of the Dragon mal wieder so ein DC-Animationsfilm, der genauso aussieht wie alle anderen und daher auch visuell uninteressant bleibt. Einzig nennenswert sind die Kampfszenen. Das scheint auch der einzige Reiz gewesen zu sein, diesen Film zu machen. Aber das allein reicht leider nicht, um ein erwachsenes Publikum zu begeistern (und dafür ist der Film gemacht, für Kinder ist er viel zu brutal). Das Ende bleibt offen, als könnte es noch eine Fortsetzung geben, aber nötig ist sie bestimmt nicht.

>> Liste der Batman-Filme


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Batman mit acht Celli

Neil Heftis Main Theme der Batman-Serie mit Adam West ist so genial eingängig, dass sie schon in den 60ern oft gecovert wurde: von The Who, The Standells, Jan & Dean, The Ventures, The Markettes und Los Monjes. Aber hier kommt eine ganz andere Instrumentalversion: Samara Ginsberg spielt die Batman-Theme mit acht Celli.

Wie schon die Beatles übrigens bei Eleanor Rigby, nur dass die Beatles damals nicht an den Instrumenten saßen: Frau Ginsberg kriegt das Oktett hingegen ganz allein hin – und das nur mit zwei Händen. Und sie schafft es, zwischendrin noch, etwas zu lesen, zu trinken und mit dem Handy zu spielen. Beeindruckend.