Joker

Fernsehen schafft Analphabeten

DC Comics

Titel: Batman Adventures Vol. 1

Autor/Zeichner: Kelley Puckett, Martin Pasco/Ty Templeton, Rick Burchett

Erschienen: 1992-1993 (Batman Adventures #1-10), Paperback 2014


Was bei dem Ruhm um Batman: The Animated Series häufig untergeht, ist die Tatsache, dass es zu der TV-Serie auch eine Comic-Serie gab. Und nicht nur eine: Es waren sogar vier, dazu eine Mini-Serie, einige Adaptionen zu den Filmen (bzw. zu Serien-Episoden) und vor allem Mad Love, ein Original-Comic, das nicht nur Geschichte schrieb, sondern später sogar zu einer Episode adaptiert wurde. Die Comics erschienen noch weit über die TV-Serie hinaus – bis ins Jahr 2004.

Die ersten Ausgaben der 90er Jahre beginnen bemerkenswert: Es geht ums Fernsehen. Der Joker schickt dem Pinguin einen Fernseher, über dem er mit ihm kommunizieren kann. Er macht ihm ein Angebot für einen Plan, später macht er dasselbe bei Catwoman. Im dritten Teil tritt der Joker dann selbst in einer TV-Show auf, entführt Commissioner Gordon und Harvey Dent. Es wird brutal: Während der Sendung bricht er Gordon vor laufender Kamera mit einem Baseballschläger die Arme. Seine Handlanger erschießt er kaltblütig. Er will zeigen, dass in Gotham das reine Chaos herrscht. Auch wenn man nie Blut sieht: Für ein Comic, das sich an Kinder richtet, ist das harter Tobak. Die Comics gehen deutlich weiter als die TV-Serie.

Aber medien- und gesellschaftskritisch geht es weiter: Scarecrow macht die Bewohner Gothams zu Analphabeten – und zwar mit manipulierten Fernsehern. Damit will sich der ehemalige Hochschulprofessor am Bildungssystem rächen, das die Bevölkerung mit Sparprogrammen verdummt. Zwar kann man sich fragen, warum ein Mann der Bildung alles noch schlimmer machen will, aber auch das ist eine Geschichte, die über das hinaus geht, was man von reiner Unterhaltung für Kinder erwartet. Das ist fast schon pädagogisch wertvoll. Und es zeugt von einiger Selbstironie, dass gerade das Fernsehen, das Medium, in dem die Zeichentrickserie mit gutem Beispiel vorangeht, so skeptisch betrachtet wird.

Die nachfolgenden Storys sind weniger ambitioniert: Killer Croc als Ringkämpfer, Clayface taucht überraschend auf, der Riddler plant seinen letzten Coup – das alles sind nette kleine Geschichten, manchmal zum Schmunzeln, aber oft einfach nur zum Bewundern der geschwungenen klaren Linien, die den Animated-Stil ausmachen. Einzig die Hitchcock-artige Story, in der Bruce Wayne eines Mordes verdächtigt wird und als Batman seine Unschuld beweisen muss, ragt dabei heraus. (Das Motiv wurde später in Bruce Wayne: Murderer? aufgegriffen.) Aber kurzweilige Lektüre ist der erste Band allemal, vor allem für Nostalgiker und Fans, die vom Universum der Serie nicht genug bekommen können.

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Batman Last Knight und DCeased erscheinen im Mai

DC Comics

Ein junger Bruce Wayne, der niemals Batman war, erwacht in Arkham Asylum. So beginnt Batman: Last Knight on Earth, die dreiteilige Mini-Serie von Scott Snyder und Greg Capullo. In den USA soll sie am 29. Mai 2019 beginnen. Batman läuft darin durch eine postapokalyptische Landschaft und hält den abgetrennten, aber sprechenden Kopf des Jokers fest. Während er versucht herauszufinden, wie es zur Zerstörung seiner Welt gekommen ist, trifft er auf viele weitere bekannte Gesichter.

Snyder und Capullo sind für die Batman-Serie von 2011 bis 2016 (The New 52) verantwortlich, zu denen große Storylines wie Court of Owls (Rat der Eulen), Death of the Family (Tod der Familie) und Zero Year (Das Jahr Null) gehören. Zuletzt haben beide an dem Event Dark Nights: Metal zusammengearbeitet, in dem die Batman-Mythologie kosmische Ausmaße annahm und aus dem Snyders derzeit erscheinende sechsteilige Mini-Serie The Batman Who Laughs hervorging. Last Knight on Earth soll das letzte Wort des Teams zu Batman sein.

Das erste Heft erscheint unter DCs Black Label im Prestige Format mit 56 Seiten, die folgenden sollen alle zwei Monate erscheinen. Ein Heft wird 5,99 US-Dollar kosten.

Bereits am 1. Mai erscheint die erste Ausgabe der Mini-Serie DCeased von Tom Taylor (Injustice). Darin wird die Welt von einem Techno-Virus heimgesucht, 600 Millionen Menschen verwandeln sich in Zombies. Gezeichnet wird es von Trevor Hairsine, Stefano Gaudino und James Harren. Die erste Ausgabe wird 32 Seiten umfassen und 3,99 US-Dollar kosten.

UPDATE: Es sind sechs Ausgaben geplant und die Geschichte spielt abseits der Continuity des DC-Universums. „We can tell a story without holding back. No one you love is safe. Even the icons can fall“, sagt Tom Taylor gegenüber IGN.com, das auch einen ersten Einblick zeigt. So viel sei verraten: Es geht sehr drastisch zur Sache.

Das erste Cover stammt von Greg Capullo. Dazu soll es zwei Variant Cover von Francesco Mattina und Yasmine Putri geben, letztere zitiert das Filmplakat des Es-Remakes von 2017.

Anarky: Idealist in der Krise

DC Comics

Titel: Anarky – The Complete Series

Autor/Zeichner: Alan Grant/Norm Breyfogle

Erschienen: 1999 (Anarky #1-8), Paperback 2018


Nach dem großen Beben von Gotham jagt Batman Anarky (Lonnie Machin) aus der Stadt. Sechs Monate später hat er sich in Washington D.C., direkt unter dem Washington Monument, eine neue Zentrale aufgebaut und nebenher entdeckt, dass die Naturgesetze in Gefahr sind. Anarky trommelt die JLA zusammen, die ist skeptisch. Nachdem er einen Green Lantern-Ring findet, nimmt er den Kampf gegen das Wesen, das die Existenz bedroht, selbst auf. Der echte Green Lantern (Kyle Rayner) hilft ihm dabei.

So beginnt die Serie Anarky, die es im Jahr 1999 auf nur acht Ausgaben gebracht hat und erst nach zwei Jahrzehnten als Paperback erschienen ist. Die erste Anarky-Miniserie ist eine der interessantesten Batman-Storylines der 90er Jahre. Leider hält ihre Nachfolgerin dieses Niveau nicht. Das liegt auch daran, dass der einst radikale Lonnie Machin aus seinen Fehlern gelernt hat, die Menschen ändern zu wollen. Das nimmt der Figur viel von ihrer Brisanz. Allerdings bleibt er ein Idealist in der Krise, der am Zustand der Welt verzweifelt.

Nach der Raum-Zeit-Krise zu Beginn, die in psychedelische Willkür ausartet, will Anarky die Korruption bekämpfen. Doch dann bekommt er es mit Ra’s al Ghul zu tun, der einen Dritten Weltkrieg beginnen will, um die Menschheit auszumerzen. Sozialkritik klingt zwar an, aber bleibt nur Beiwerk, ein Dialog mit Ra’s al Ghul über die Motive und Vorgehen endet nach einem kurzen und oberflächlichen Austausch. Anarkys Triumph stellt sich allzu abrupt ein.

In Heft 7 wird es mit einem Tie-in zum Crossover „Judgement Day“ ziemlich verrückt: US-Soldaten aller Epochen steigen aus ihren Gräbern, zusammen mit den Gründervätern der USA und führen Krieg. Das Ganze läuft auf Nichts hinaus. Und zum Schluss kommt Anarky nach Arkham, um herauszufinden, ob der Joker sein Vater ist, aber auch das bleibt ohne Antwort oder Konsequenzen. Stattdessen sehen wir einem planlosen Fluchtversuch von Joker, Two-Face, Killer Croc und dem Bauchredner beim Scheitern zu.

Was Anarky bietet, ist kurzweilige Unterhaltung mit reichlich Action – und das auch noch stark gezeichnet. Norm Breyfogle liefert eine seiner besten Arbeiten ab. Seine Figuren bestechen durch klaren Strich, starken Ausdruck und Dynamik. Knallige Farben machen die Seiten zu einem bunten Hingucker. Aber nach acht Kapiteln bleibt nur das Gefühl von Leere. Auch wenn hin und wieder ein interessanter Gedanke in den Captions zu finden ist, wird die Serie nicht ihrem Potenzial gerecht. Eine entbehrliche Lektüre.

Leider waren auch jüngere Versuche, Anarky wiederaufleben zu lassen, nicht geglückt, wie man hier nachlesen kann:

80 Jahre Batman: Vorschau auf 2019

In diesem Jahr feiern wir 80 Jahre Batman. Zum Jubiläum erscheint im März Detective Comics #1000 mit einem dicken Begleitband Detective Comics: 80 Years of Batman, in dem einige historische Ausgaben gesammelt werden. Im Juni beginnt bei den Paperbacks der laufenden Detective Comics-Serie mit dem neuen Team (Peter J. Tomasi/Doug Mahnke) wieder die Zählung bei 1.

Abseits der Continuity darf man sich auf die Fortsetzung von Sean Murphys White Knight freuen, außerdem erscheinen Sammelbände zu den Miniserien Creature of the Night, Batman/The Maxx und Kings of Fear.

Das Jahr 2019 steht auch im Zeichen des Jokers. Am 17. Oktober erscheint der Origin-Film mit Joaquin Phoenix. Wahrscheinlich wird irgendwann vorher der Dreiteiler Three Jokers von Geoff Johns und Jason Fabok erscheinen, in der aufgeklärt werden soll, was es mit der Identität des Schurken auf sich hat. Der Joker-Batman kehrt in der sechsteiligen Mini-Serie The Batman Who Laughs zurück, die bereits angefangen hat. Und dann ist noch die Mini-Serie Batman/Joker: Deadly Duo von Marc Silvestri angekündigt, allerdings noch ohne Starttermin.

Außerdem bringt DC in diesem Jahr eine Anthologie mit den gesammelten Joker-Comics der Jahre 1970 bis 1985 heraus, darin wird auch eine niemals veröffentlichte Ausgabe von Joker #10 enthalten sein. Vor dem Kinostart werde auch ich mir die Serie aus den 70ern genauer ansehen.

Omnibus-Fans dürfen sich auch auf eine vollständige Edition aller Hush-Storys freuen, die vor 2011 erschienen sind. Die Hush-Storyline wird 2019 auch als Animationsfilm adaptiert werden. Endlich erscheint auch der zweite Omnibus zu World’s Finest. DC bringt im kommenden Jahr neben den letzten Ausgaben der neuen Knightfall-Paperbacks auch viele Klassiker (vor allem von Frank Miller) unter dem neuen DC Black Label heraus. Nebenher läuft noch die Essential-Edition, in der die Paperbacks von The New 52 neu aufgelegt werden.

Darüber hinaus bringt Warner am 4. April Shazam! in die Kinos.

Januar

Februar

  • Batman The Caped Crusader Vol. 2 (Batman #433-444, Batman Annual #13)
  • Superman/Batman Vol. 7 (Paperback)
  • Troika (Paperback)
  • Batman: Death of the Family Saga (DC Essential Edition)

März

  • Detective Comics #1000 (27.3.)
  • Detective Comics: 80 Years of Batman – Deluxe Edition (13.3.)
  • Batman vs. Deathstroke (Deathstroke #30-36, Hardcover)
  • Batman Vol. 9: The Tyrant Wing (Paperback)
  • The Hush Saga Omnibus
  • Shadow of the Bat Vol. 4

April

  • Detective Comics Vol. 9: Deface the Face (Paperback)
  • Batman – Detective Comics: The Rebirth Deluxe Edition Book 4
  • Batman Arkham: Ra’s al Ghul
  • Batman Noir: Gotham by Gaslight
  • Batman and the Outsiders Vol. 3
  • Batman: Faces of Death (DC Essential Edition)
  • Batman & Superman in World’s Finest: The Silver Age Omnibus Vol. 2
  • DC Comics: The Art of Bruce Timm (Hardcover)

Mai

Juni

  • Batman by Grant Morrison Omnibus Vol. 2
  • Batman: The Dark Knight: The Master Race (DC Black Label Edition)
  • Batman: The Dark Knight Strikes Again (DC Black Label Edition)
  • Batman: The Dark Knight Returns (DC Black Label Edition)
  • Batman: Year One (DC Black Label Edition)
  • Batman: The Black Glove Saga (DC Essential Edition) (Batman & Son)
  • All-Star Batman & Robin, the Boy Wonder Vol. 1 (DC Black Label Edition)
  • Legends of the Dark Knight: Michael Golden (Batman Family #15-20, Batman #295, #303, DC Special Series #15, Detective Comics #482, Batman Special #1, Batman: Gotham Knights #22. It also collects the covers from Detective Comics #625-626, 628-631, 633, 644-646, Batman #484-485, Showcase ’93, Nightwing #66-77 & #129-130 and the Man-Bat entry from Who’s Who in the DC Universe #12.)
  • Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 7

Juli

  • Batman Beyond Vol. 5: The Final Joke
  • Batman: The Rebirth Deluxe Edition Book 4

August

  • Kings of Fear (Hardcover)
  • The Joker: The Bronze Age Omibus (enthält Batman #252, 260, 286, 291-294, 321, 353, 365-366, 400; The Brave and The Bold #111, 118, 129-130, 141, 191; The Joker #1-10, Detective Comics #475-476, 504, 526, 532, Wonder Woman #280-283; DC Comics Presents #41, 72; Who’s Who: The Definitive Guide to the DC Universe #11 (Joker page only))
  • The Joker: Lovers and Madmen (Batman Confidential #7-12)
  • Batman: The Dark Knight Detective Vol. 3 (Detective Comics #592-600)
  • Batman/Teenage Mutant Ninja Turtles II (Paperback)
  • Batman: The Endgame Saga (DC Essential Edition)
  • Batman: Arkham Asylum (DC Black Label Edition)
  • Batman/Flash: The Button (Paperback)

September

  • Batman: Detective Comics Vol. 1: Arkham Knight (Detective Comics ##994-999, #1000, #1001-1006) (Hardcover)
  • Batman: Damned (Hardcover)
  • Batman: Gotham Knights: Transference (Gotham Knights #1-12, Paperback)
  • Batman Eternal Omnibus (Hardcover)
  • Gotham After Midnight – 10th Anniversary Edition (Hardcover)
  • Batman: The Caped Crusader Vol. 3 (Batman #445-454, Detective Comics #615, Batman Annual #14)
  • Hush (New Edition, Paperback)
  • The Killing Joke (New Edition, Hardcover)

Oktober

  • Batman Vol. 10: Knightmares (Batman #61-63 und #66-74, Hardcover)
  • Heroes in Crisis (Hardcover)
  • The Batman Who Laughs (Hardcover)
  • Batman: Universe (Hardcover)
  • Batman by Scott Snyder & Greg Capullo Omnibus Vol. 1 (Hardcover)

November

  • Doomsday Clock (Hardcover)
  • Superman: Year One (Hardcover)
  • Gotham Adventures Vol. 1 (Paperback)

Dezember

  • Batman and the Outsiders (2019)

(Der Artikel wurde zuletzt am 21.3.2019 aktualisiert.)

Batman aus dem Computer

DC Comics

Titel: Digital Justice (dt. Im Netz des Jokers)

Autor/Zeichner: Pepe Moreno

Erschienen: 1990 (One-Shot), dt. Carlsen 1991


Als es das Internet gerade losging und Pixar mit den ersten computeranimierten Filmen begann, kamen auch die ersten digital gezeichneten Comics auf den Markt. Darunter auch Batman: Digital Justice. „Computer generated“ steht auf dem Cover und im Vorwort wird das Buch als Zeichen für den technischen Fortschritt gewertet. Zugleich heißt es darin auch, dass „state of the art“ heutzutage schnell veraltet sei. Das gilt vor allem für dieses Comic-Experiment.

Digital Justice mag für 1990 Avantgarde gewesen sein, aber es reicht nur ein Blick auf die Seiten, um zu verstehen, warum es bei einem Batman-Comic dieser Art geblieben ist. Aus heutiger Sicht sind die Bilder lächerlich primitiv: Häuser, Autos und Gegenstände wirken billig wie in den ersten Computerspielen, allein die Gesichter wirken halbwegs glaubhaft, allerdings auch maskenhaft steif, und überall sieht man ausgefranste Pixel-Kanten.

Das alles mag gut gemeint sein, aber es ist leider furchtbar schlecht gemacht. Das Bisschen Story, was sich der Künstler Pepe Moreno dazu überlegt hat, geht in der toten Atmosphäre der Grafik unter: Im digitalisierten Gotham der Zukunft (Megatropolis) herrscht ein böser Virus über die Menschen – der Joker. Fliegende Polizeiroboter laufen Amok, schießen immer wieder grundlos Menschen tot. Der Polizist Jim Gordon, Enkel des ehemaligen Commissioners, geht der Sache nach. Aber als er als Polizist scheitert, lässt er sich von einer Statue dazu inspieren, zum neuen Batman zu werden.

Die Hälfte der rund 100 Seiten muss man darauf warten. Dann geht alles recht flott: Er bekommt einen Robin, kommt in die alte Bathöhle, erfährt, dass der alte Batman noch als Programm weiterexistiert, während Alfred ein Roboter ist. Zusammen besiegen sie den digitalen Joker in einem digitalen Krieg, der so abstrakt ist, dass nicht annähernd nachvollziehbar, geschweige denn spannend ist, was da eigentlich passiert.

DC Comics

Das Aussehen des Joker ist auf das Wesentliche reduziert, sein Gesicht aus einigen simplen geometrischen Formen zusammengesetzt. Warum, sieht man beim Gesicht des digitalen Batman: Das soll zwar realistischer sein, ist aber so unbeholfen gezeichnet, dass man sich fragt, wie man jemals so eine Grafik bei DC hat durchgehen lassen.

Nein, es ist nicht einmal aus nostalgischer Sicht dem Comic etwas abzugewinnen. Es wirkt alles so leblos wie eben von einer toten Maschine erdacht und gemacht. Bestimmt war das damals „state of the art“, aber man wird den Eindruck nicht los, dass dieses Buch mehr sein will, als es sein kann. Als DC 17 Jahre später das Experiment mit dem Digitalen erneut wagte (The Clown at Midnight, Batman #663, 2007), sah das Resultat nicht wirklich überzeugender aus – auch wenn die Technik deutlich weiter war. Es zeigt sich: Computergenerierte Comics werden noch lange Science Fiction bleiben. Das ist auch völlig okay so, denn Papier und Bleistift reichen völlig aus. Auch wenn mittlerweile viel am Rechner passiert, braucht es immer noch den „Human Touch“.

Der Hochzeits-Spoiler

DC Comics

Titel: The Wedding

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Tony S. Daniel u.a.

Erschienen: 2018 (Batman #45-50, DC Nation #0), Paperback 2018 (Batman Vol. 7)


„I have to save Batman.“ (Joker)

ACHTUNG: SPOILER!

Ein Jahr lang, über 25 Ausgaben hinweg hat Tom King seine Leser hingehalten. Nach Batmans Heiratsantrag an Catwoman verging viel Zeit bis zur Hochzeit. Tom King schob zunächst den Krieg zwischen Joker und Riddler ein, dann folgten zwei Bände Geplänkel, bei denen Batman die Frauen seiner Vergangenheit Revue passieren ließ, es zum Doppeldate mit Lois und Clark kam (inklusive Ausflug zum Rummelplatz) und Catwoman ein Brautkleid stahl. Ach ja, und dann gab es noch Batmans Junggesellenabschied. Alles war darauf angelegt, die große Hochzeit in der Jubiläumsausgabe Batman #50 stattfinden zu lassen (die, nebenbei bemerkt, kein großer Grund zum Feiern ist, weil die Serie erst 2016 neu gestartet wurde, aber egal).

Jetzt aber, endlich: Der große Moment, der Superman bereits 1996 vergönnt war, soll jetzt endlich stattfinden. Natürlich kommt was dazwischen. Nämlich der Joker. Der ist beleidigt, dass er nicht eingeladen ist, er will Trauzeuge werden. Aber vorher kommt noch etwas ganz Unerwartetes: Booster Gold. Der hat sich nämlich ein ganz besonderes Hochzeitsgeschenk ausgedacht. Er ist in die Zeit zurückgereist und hat den Mord an Bruce Waynes Eltern verhindert, damit Batman zumindest für einen Augenblick sehen kann, wie sein Leben sonst verlaufen wäre, im besten Fall glücklicher.

Doch es endet in einer Katastrophe. Zwar ist Bruce Wayne glücklich mit seinen Eltern, aber Oswald Cobblepot (dem Pinguin) ist Präsident der USA und Ra’s al Ghul herrscht über Eurasien. In Gotham treibt ein schießwütiger und mörderischer Dick Grayson als Batman sein Unwesen, während Jason Todd Radkappen verkauft, die mögliche Diebe mit Elektroschocks töten.

Tom King bedient sich bei der alten Superman-Story For the Man Who Has Everything und lässt die Inspirationsquelle auch von Booster Gold nennen. Abgesehen davon, dass diese Idee bereits vor kurzem in der Serie Trinity verwurstet wurde und dass das Konzept auch an die Batman-TAS-Folge Perchance to Dream erinnert, gelingt ihm hier eine interessante Elseworlds-Version, die in Batmans Welt zwar moralisch höchst fragwürdig und absurd erscheint. Aber ihr Verdienst ist es, dass sie über ihre Vorlagen hinausgeht, indem sie die steile These aufstellt: Ein glücklicher Bruce Wayne ist nur zum Preis einer unglücklichen Welt zu haben. Oder andersrum gesagt: Batman muss unglücklich sein, damit die Welt ein besserer Ort ist.

Diese Erkenntnis wird in der zweiten Story des Wedding-Hefts noch einmal aus der Sicht des Joker deutlich: Um an Batman ranzukommen, metzelt der Joker eine beliebige Hochzeitsgesellschaft in einer Kirche nieder. Batman interveniert, wird niedergestreckt, Catwoman greift ein, aber am Ende liegen sie und der Joker schwer verwundet nebeneinander. (Übrigens ohne dass jemals die Polizei oder sonstwer vorbeikommt.) Und dann gesteht der Joker Catwoman, dass es einen verheirateten, also glücklichen Batman nicht geben darf. Er will Batman vor ihr retten, damit dieser ihm erhalten bleibt. Das gibt ihr zu denken.

Das Problem daran: Sie reden. Und reden. Und reden. Schon gegen Batman hat der Joker einen scheinbar endlosen Monolog geführt. Wie schon in all den Tom King-Storys zuvor werden die Panels mit Sprechblasen erschlagen. Er würzt seine Reden zwar mit Humor und weiteren absurden Situationen, wenn etwa der Joker Catwoman bittet, ihm beim Nachladen zu helfen, aber das ändert nichts daran, dass das viele Gerede schnell ermüdet. Bei aller Eloquenz: Auch Kürze ist eine Tugend. Kill Your Darlings, heißt eine alte Schreiber-Weisheit, die aber bei DC zuletzt in Vergessenheit geraten scheint. Doch wenn man alle zwei Wochen ein Batman-Heft herausbringt (neben anderen Projekten), fehlt dazu vielleicht einfach die Zeit, die Worte auf das Nötigste zu reduzieren. Abgesehen davon befremdet es doch sehr, dass Batman dem Joker-Gerede einfach nichts entgegenzusetzen hat, sondern sogar sein lächerliches Geiselnahme-Spiel mitspielt und mit ihm zum Gebet niederkniet, obwohl es für ihn ein Leichtes wäre, den Joker zu entwaffnen.

LETZTE SPOILER-WARNUNG!

Und dann kommt es zum Finale: Batman #50. Die titelgebende Hochzeit. Sie findet nicht statt. Catwoman holt sich zwar eine Trauzeugin, zieht sich zwar ihr hübsches Kleid an und lässt Batman mit Alfred und einem Richter zum verabredeten Treffpunkt kommen, aber sie erscheint nicht. (Viele Fans waren enttäuscht, einige Spinner sogar so aufgebracht, dass Tom King Morddrohungen bekam und sich danach im Juli auf der San Diego Comic Con einen Bodyguard besorgen musste. Es ist schlimm, wenn so etwas nötig ist, denn eine solche Überreaktion ist total unnötig – erst recht von BATMAN-Fans. Es reicht auch, Tom King per Twitter mitzuteilen, dass man seine Story nicht gelungen findet.)

Doch die geplatzte Hochzeit ist nicht so sehr das Problem. Die Idee dazu hinkt bereits. Denn es sollen nicht etwa Bruce Wayne und Selina Kyle heiraten (das würde Batmans wahre Identität verraten), sondern tatsächlich Batman und Catwoman. Weil aber kein Standesamt Geheimidentitäten akzeptieren würde, muss ein Richter betrunken gemacht werden, um die Ehe zu schließen. Das ist bescheuert, man könnte sich das ganze Theater einfach sparen und ohne Ehe zusammenleben. Dann der Treffpunkt: Nicht eine Kirche oder Wayne Manor, sondern irgendein Dach – eine Reminiszenz an ihre Anfänge. Es ist zwar das Dach eines gewissen Finger Tower (dass Catwoman auf dem falschen Dach des Kane Plaza ist, spricht Bände), aber es ist eben nur ein schnödes Dach. Und dass nicht ein einziger Gast geladen ist, macht die Angelegenheit schon zu einer traurigen noch bevor das eigentlich Unglück passiert.

Das größte Problem ist jedoch die Inszenierung: Alle zwei Seiten füllt Tom King mit zwei Seiten Monologen, es sind Auszüge aus Briefen, die sich Selina und Bruce geschrieben haben. Dazu sehen wir ganzseitige Pin-ups verschiedener Batman-Veteranen, die Batman und Catwoman in der Vergangenheit zeigen. Die Bilder haben selten etwas direkt mit dem Text zu tun, sondern dienen nur der Nostalgie und dem Fan Service, allerdings ohne der Story zu dienen. Die auch hier wieder viel zu langen Reden ergehen sich im kitschigen Geschwätz über die Augen des jeweils anderen, bis Catwoman ihm erklärt, warum sie ihn nicht heiraten kann: „To save the world, heroes make sacrifices.“ Sie opfert ihre Liebe für ihn … Aber die Motivation ist zweifelhaft, denn die Ehe garantiert den beiden weder Glück noch schließt sie aus, dass Batman dadurch die Welt ins Unglück stürzt.

Verständlich, wenn sich die Leser betrogen fühlen, vor allem, wenn das Ganze als „Wedding“ angekündigt wird und keine Hochzeit stattfindet, wenn ein Jahr lang Erwartungen geschürt wurden und wenn die größten Batman-Zeichner versammelt werden zu einem Event, das keines ist. Man könnte Tom King und den Redakteuren von DC für diese Entscheidung auch Mut zusprechen, aber es nach der ganzen Vorgeschichte kann man es kaum anders als lang anlegegten Betrug sehen. Ich hatte schon lange den Verdacht, aber spätestens nach diesem Heft komme ich zu der Überzeugung: King hat von Batman einfach nichts zu erzählen und versucht bloß darüber hinwegzutäuschen, mit Geschätz, das bedeutungsschwanger tut, und Absurdität, die um ihrer selbst Willen witzig sein soll. Aber die Rechnung geht nicht auf, wenn die Substanz fehlt. Selten fühlte sich Batman hohler an als hier.

Es fällt mir schwer das zu sagen, aber da schon lange beide Batman-Serien schwach sind, verliere ich die Lust am Lesen dieser Comics. Im Augenblick retten mich nur die alten Storys und Ausnahmen wie White Knight, die zeigen, dass es noch möglich ist, etwas von Belang zu erzählen. Hier erwarte ich es nicht mehr.

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Die eigenwillige Katze

Titel: Catch as Catscan/The Last Laugh

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis

Erschienen: 1986-1987 (Detective Comics #569-570), Hardcover 2013/2018 (Legends of the Dark Knight: Alan Davis/Batman: The Dark Knight Detective Vol. 1)


Eine Katze lässt sich nicht dressieren. Der Joker versucht es trotzdem. Zunächst versucht eine Bande von Typen in gelben Katzenkostümen einen Helm zu stehlen, mit dem man Gedanken manipulieren kann. Batman und Robin vereiteln den Diebstahl, Catwoman hilft ihnen dabei. Denn Catwoman will Batman davon überzeugen, dass sie ihre Laufbahn als Verbrecherin hinter sich gelassen hat. Batman ist skeptisch, sie will das lieber bei sich zuhause ausdiskutieren.

Als ein gelangweilter Joker sieht, dass seine Feinde jetzt zu dritt sind, führt er das Dynamische Trio in eine Falle, nimmt Catwoman gefangen und versucht, sie wieder zum Verbrechen zu bekehren. Sie schlägt sich zunächst auf seine Seite, es kommt zu einem Kampf gegen Batman auf dem Jokermobil, aber als sie töten soll, ist Schluss mit lustig.

Für den Leser ist die Story aber ein großer Spaß – wenn er ein Fan des Golden Age sein sollte. Denn obwohl die Geschichte nach dem großen Reboot des DC-Universums erschienen ist (Stichwort: Crisis), ist sie doch nichts als eine Reminiszenz an die gute alte Zeit. Batman und Robin machen ihre Kalauer, der Joker ist ein Chaot und Catwoman sieht mit ihrem Kleid aus wie aus der Zeit gefallen. Alan Davis (The Nail) inszeniert das Ganze mit seinen feinen Strichen und einem eleganten Schwung, alles strotzt nur so vor Dynamik und Ausdruck.

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Joker: Batmans größter Fan

DC Comics

Titel: White Knight (dt. Der weiße Ritter)

Autor/Zeichner: Sean Murphy

Erschienen: 2017-2018 (Mini-Serie #1-8), Paperback 2018


Batman sitzt in Arkham, gefesselt in einer Zelle. Ein gewisser Mr. Napier sucht ihn auf und bittet ihn um seine Hilfe – es ist der ehemalige Joker. Wie konnte es dazu kommen? Ein Jahr zuvor wird der Joker durch ein geheimnisvolles Medikament vom Irrsinn geheilt, vom Gericht wird er freigesprochen und will dann als Jack Napier Stadtverordneter werden, um Gotham endlich vom Verbrechen zu befreien. Sein Vorwurf: Batman hat versagt, er richtet mehr Schaden an als er helfen sollte, und die Stadt und die Polizei haben zu lange dabei zugesehen. Jetzt soll Batman Teil der Polizei werden.

Aber meint es Napier wirklich ernst oder ist das nur ein Trick des Jokers? Harley Quinn gegenüber verhält er sich jedenfalls ganz anders als früher. Das kann sie gar nicht leiden. Da taucht aber plötzlich eine andere Harley auf – im alten Kostüm – und es stellt sich heraus, dass es zwei Harleys gibt. Die erste verdrängt die zweite, daraufhin wird diese zum Neo Joker und setzt sich zum Ziel, ihren Joker zurückzuholen. Währenddessen schart Napier eine Armee von Schurken um sich, die dank Mad Hatter und Clayface seinem Willen gehorchen.

Das ist nur der Anfang einer noch viel komplexeren Geschichte, die der Autor und Zeichner Sean Murphy hier entfaltet. White Knight spielt in einer eigenen Welt, die aber an vieles Vertraute erinnert. Murphy bedient sich hier stark in der Batman-Tradition, spickt seine Story mit zahllosen Verweisen. Der Name „Jack Napier“ stammt aus Tim Burtons Batman (The Animated Series hat ihn übernommen), die Idee des genesenen Jokers stammt aus Going Sane, wieder gibt es den Tod von Robin Jason Todd und mal wieder wird die Watchmen-Idee bemüht (die sich auch in Marvels Civil War zu finden ist), dass Superhelden einer staatlichen Kontrolle unterworfen werden sollen, besonders viele Anspielungen finden sich auf The Animated Series (z.B. die Folgen Almost Got ‚Im, The Ultimate Thrill und Over the Edge). Was auf den ersten Blick wirkt, wie überall dreist zusammengeklaut, ergibt ein zwar traditionsbewusstes, aber auch stimmiges Werk eigenen Rechts, das viele eigene Akzente setzt.

Murphy schafft es tatsächlich, den Joker zum Helden der Story zu machen, der ohne Albernheiten ein ernstzunehmendes Anliegen verfolgt. Bemerkenswert ist auch, dass der Joker trotz einer Vorgeschichte nichts von seiner Faszination einbüßt. Der Joker ist zunächst Batmans größter Fan. Man sieht ihn in seiner Zelle inmitten von Merchandising, Postern und Zeitungssauschnitten. Gleich zu Beginn bekennt er, Batman überlegen zu sein und sich bei ihm immer zurückgehalten zu haben, damit ihr Spiel zwischen den beiden immer weitergehen kann.

Als Napier ist er nicht Batmans Feind, sondern will ihn als Verbündeten gewinnen. Der Schurke will nicht siegen, er will einen Kompromiss – und Batman wird zum Schurken, weil er sich hartleibig gibt. Nicht nur darf der Joker Batman mal wieder den Spiegel vorhalten und dessen Konzept und Methoden infrage stellen, sondern auch Batman erscheint zweifelhaft in seinem radikalen Vorgehen. Am Ende sieht er selbst seine Fehler ein und lernt daraus. Das ist kühn – und in dieser Konsequenz besteht das wahrhaft Neue an dieser Story.

Mister Freeze spielt hier eine ganz neuartige Rolle als Batmans Verbündeter, Duke Thomas wird völlig neu erfunden, als ambige erwachsene Figur, die zwischen „der Straße“ und Napier vermittelt, Nightwing und Batgirl werden Teil einer Polizei-Spezialeinheit und schließlich gibt es mit beiden Harley Quinns auch starke Frauenfiguren, die für einige Überraschungen sorgen – und die Figur auch für Nicht-Fans erträglich machen. Ganz nebenbei dekonstruiert er Harley Quinn, indem er die neuere Entwicklung der Figur quasi annuliert und als Rückschritt für den Feminismus bezeichnen lässt.

Auch Sean Murphys Vorliebe für Autos wird hier deutlich. Nicht nur in den vielen spektakulären Verfolgungsjagden, und der Tatsache, dass Batman ständig Rennfahrer-Handschuhe trägt, sondern auch im Design des neuen Batmobils. Gleichzeitig verleiht er den berühmtesten Batmobilen prominente Gastauftritte, die kein Selbstzweck sind, sondern tatsächlich einen Sinn in der Story haben: Da fährt Adam Wests Batmobil neben dem Tumbler aus Christopher Nolans Dark Knight-Trilogie, wir sehen Michael Keatons Gefährt neben dem aus The Animated Series. Fans frohlocken.

Insgesamt erzählt White Knight eine ebenso fesselnde wie dynamisch gezeichnete Story, in der so ziemlich jeder Aspekt gut durchdacht ist, jede Figur interessant erscheint und die Handlung viele Überraschungen bietet. Das Verhältnis zwischen Dialog und Action ist ebenso im Gleichgewicht wie zwischen Tradition und Innovation. Damit ist White Knight ohne Zweifel das beste Batman-Comic seit Dark Night: A True Batman Story.

Für nächstes Jahr ist bereits eine Fortsetzung angekündigt: Curse of the White Knight. Darin soll auch Azrael vorkommen.

DC Comics

(Hinweis: Die deutsche Ausgabe erscheint im März 2019. )

Wählt Joker – sonst gibt’s Tote!

Titel: Dark Detective

Autor/Zeichner: Steve Englehart/Marshall Rogers

Erschienen: 2005 (Mini-Serie #1-6), Paperback 2006; dt. Panini 2007 (DC Premium #49)


Der Joker will als Gouverneur kandidieren. Sein Wahlversprechen: Sonst gibt’s Tote. Two-Face hat etwas dagegen – und schließlich mischt auch Scarecrow mit. Der Joker macht einem Politiker Konkurrenz, der Lebensgefährte von Silver St. Cloud ist, ehemalige Liebe von Bruce Wayne. Als sie wieder auftaucht, kommt sie wieder mit Bruce zusammen und löst ihre Verlobung …

Rund 30 Jahre nach Strange Apparitions, einer der bekanntesten Storylines der 70er, haben Steve Englehart und Marshall Rogers eine Fortsetzung geschrieben und gezeichnet. Entstanden ist eine Story, die mehr in der Gegenwart als in den 70ern angesiedelt ist, weil sie stark auf die turbulente Bush-Wahl 2000 anspielt. Allerdings darf man keine tiefgreifenden politischen Statements erwarten. So weit wagt sich DC dann doch nicht aus der Unterhaltungsecke hervor.

Vielmehr erinnert die Kampagne des Jokers an seinen Versuch in Strange Apparitions, seine lachenden Fische patentieren zu lassen – es ist bloß eine Schnapsidee, mit der der Joker um Aufmerksamkeit buhlt. Die Kampagne endet so schnell wie sie angefangen hat. Der Joker entführt Silver St. Cloud und lockt Batman in ein Haus voller Todesfallen. Wie bei Jäger des verlorenen Schatzes und Kevin allein zuhaus müssen Batman und der Gouverneurs-Kandidat allerlei Gefahren ausweichen. Und am Ende erklärt der Joker ihre Beziehung: dass sie einander bedingen, dass sie einander zu dem machen, was sie sind, dass das Scheitern des Jokers zum Konzept gehöre.

(ACHTUNG: SPOILER!)

Keine ganz neuen Einsichten. Überraschend ist nur Batmans Reaktion darauf: Es ist ihm egal. Für ihn ist der Joker am Ende nur ein Schurke wie jeder andere. Noch überraschender fällt seine Folgerung am Ende aus. Weil Silvers Ex-Verlobter durch den Joker zwei Gliedmaßen verloren hat, schickt Batman sie wieder zu ihm zurück. Er „leiht“ sie an ihn aus, solange er sich regenerieren muss. Silver ist entsetzt. Und ich bin es auch. Denn erstens bevormundet er die Frau, die er liebt, zweitens geht er mit ihr um wie mit einem Objekt, drittens will auch der Geschädigte nicht nur eine Frau, die aus Mitleid mit ihm zusammen ist. Die einzig logische Lösung? Im Gegenteil: Es leiden alle drei.

Zwischendrin gibt es noch Intermezzi mit Scarecrow und Two-Face. Während der erste Batman (mal wieder) mit seinen größten Ängsten konfrontiert, lässt sich Two-Face einen Klon von sich anfertigen, der allerdings nach fünf Minuten vom Joker getötet wird. Dann taucht noch ein böser Klon auf. Aber diese Handlungsstränge enden mehr oder weniger im Nichts.

Insgesamt ist Dark Detective eine Fortsetzung, nach der keiner verlangt hat und die niemand braucht. Marshall Rogers zeichnet einen prächtigen düsteren Batman und lebendige Figuren. Allein Nostalgiker und Fans von Strange Apparitions könnten ihren Spaß daran haben.

Catwoman in den 70ern

Nach einer zwölfjährigen Abwesenheit kehrte Catwoman zwar zurück in die Comics, aber im Vergleich zu den 18 Auftritten in ihren ersten 14 Jahren nur noch selten. Nur drei Mal tauchte sie in den 60ern auf, darunter einmal in der Serie Lois Lane, zwei Kostümwechsel macht sie durch. In den 70ern hat sie nur sechs prominente Auftritte:

  • The Fist of Flame/Fangs of Fire (Wonder Woman #201-202, 1972)
  • Catwoman’s Circus Caper (Batman #256, 1974)
  • The Curious Case of the Catwoman’s Coincidences! (Batman #266, 1975)
  • The Cat and the Clown (Joker #9, 1976)
  • Take 7 Steps to … Wipe-Out! (The Brave and the Bold #131, 1976)
  • From Each Ending… A Beginning! (DC Super Stars #17, 1977)

The Fist of Flame/Fangs of Fire (1972)

DC Comics

Erst 1972, nach drei Jahren Pause, taucht Catwoman wieder in einem Comic auf, allerdings in einem Abenteuer mit Wonder Woman. Die Heldin, die ihre Kräfte und ihr Kostüm verloren hat, sucht im fernen Asien nach einem Juwelen, während Catwoman versucht, ihr zuvorzukommen. Schließlich geraten beide in Gefahr, als sie ein Kult gefangen nimmt und sie gegeneinander kämpfen lässt.

Die beiden Frauen werden an Seilen über einer Feuergrube festgemacht und mit Schwertern aufeinander losgelassen. Nur wer die andere in die Flammen befördert, darf weiterleben. Obwohl sie noch nie gemordet hat, hat Selina kein Problem damit, Diana zu töten, aber die Titelheldin findet einen Weg, dass beide überleben und gemeinsam gegen den bösen Kult kämpfen. Allerdings nimmt die Story einen unnötigen Umweg über eine mittelalterliche Fantasy-Welt und hat bis auf den Zweikampf nicht viel Nennenswertes zu bieten.

Catwoman’s Circus Caper (1974)

Catwoman reitet einen weißen Tiger

Catwoman trifft erst wieder 1974 auf Batman. Als Robin einen Mord an einem Trapezkünstler im Zirkus aufzudecken versucht, entdeckt Batman zufällig, dass sich Selina Kyle inknognito als Dompteurin „Nelias“ ausgibt, um zwei weiße Tiger aus der Gefangenschaft zu befreien. Catwoman versucht auf einem Tiger davonzureiten, doch Batman holt sie schnell mit dem Pferd ein und nimmt sie fest.

Batman stürzt sich auf Catwoman

Ohne nachzudenken geht Robin davon aus, dass Catwoman die Mörderin ist. Doch weit gefehlt – das Opfer wurde von seinem eigenen Bruder ermordet. Und warum? Weil Catwoman dem Opfer schöne Augen gemacht hat und dadurch die Eifersucht des Bruders auf sich gezogen hat. Aber Selina war natürlich nicht an Männern, sondern nur an ihrer eigenen Agenda interessiert. (Die Sache klärt sich übrigens bei einem Kampf mit Balancierstangen auf dem Hochseil.)

Batman zieht Bilanz: „Catwoman causes evil … even without intending to! That’s her curse! And for me … whenever I meet a woman I can care for, she’s an enemy! And that’s my curse!“

The Curious Case of the Catwoman’s Coincidences! (1975)

Das nächste Wiedersehen verdankt sich einer Reihe seltsamer Zufälle. Bei einem Gefangenentransport in einem Zug rollt ein Caterpillar von einer Baustelle auf die Schienen, der Zug entgleist, und obwohl Bruce Wayne (noch ein Zufall) mit an Bord des Zuges ist und schnell ins Batman-Kostüm schlüpft, entkommt Selina, weil sich Batman zunächst um größere Schurken kümmern muss.

Zufällig kommt einer von Catwomans Komplizen vorbei und nimmt sie im Auto mit, kurz darauf ist Catwoman wieder zurück im Geschäft – und zwar im alten Kostüm aus dem Golden Age, weil es (wie sie sagt) wieder in Mode ist. Kleiner Unterschied: Die Stiefel sind jetzt etwas höher.

Batman gegen Ozelots

Um Selina in die Falle zu locken, verkleidet sich Batman als reiche Dame mit Juwelen, aber statt sich selbst drum zu kümmern, schickt Catwoman ihre dressierte Katze los. Batman folgt ihr ins Geheimversteck, doch die größte Gefahr, die ihn dort erwartet, sind bloß zwei Ozelots, also nur sehr kleine Raubkatzen, was auch im Comic ziemlich mickrig aussieht. Während Batman früher gegen Löwen, Tiger und Panther kämpfen musste, wird er mit diesen Miezen schnell fertig, indem er sie in ein Tischtuch wickelt. Am Ende verrät Catwomans eigene Katze ihre Herrin, weil Selina sich zufällig auf einem Berg von Catnip-Säcken (Katzenminze) versteckt. Auch das kein Highlight ihrer Verbrechenskarriere.

The Cat and the Clown (1976)

Ihren dritten Auftritt hat Catwoman in der letzten Ausgabe der kurzlebigen Joker-Serie. Der Joker verkleidet sich als Schauspieler Benny Springer, der sich zusammen mit seiner Katze Hiawatha auf der Leinwand zeigt. Selina, die sich als Script-Girl ausgibt, schlägt den falschen Springer K.O., weil sie dessen Katze entführen will. Schließlich entführt sie auch den echten Springer samt Katze, um Lösegeld zu fordern.

Catwoman küsst Joker-Batman

Aber warum hält sie den Schauspieler fest? Um den Joker anzulocken und auszuschalten. Aber zuvor haut Springer ab, um später im Joker-Kostüm wiederzukehren. Der Joker kommt – und zwar in Gestalt von Batman. Catwoman, die Batman „sexy“ findet, gibt ihm einen Kuss, will ihn dann aber in einem Käfig festhalten. Der Joker gibt sich zu erkennen, der falsche Joker taucht auf und es kommt zum Kampf, der sich über fünf (ermüdende) Seiten erstreckt. Am Ende ist der echte Joker K.O. und Catwoman landet im Käfig.

Take 7 Steps to … Wipe-Out! (1976)

Eine ganz andere Catwoman erleben Batman und Wonder Woman in The Brave and the Bold #131. Nicht nur, dass sie wieder das Kostüm trägt, das sie von 1969 bis 1972 getragen hat, sie ist noch skrupelloser. Zum einen tötet sie hier zwei Menschen und erklärt auch die Absicht, Batman zu töten. Zum anderen nimmt sie die Staatsbürgerschaft eines Schurkenstaates an, wird sogar dessen Botschafterin und versucht, US-Geheimnisse außer Landes zu schaffen, die die nationale Sicherheit gefährden.

Catwoman täuscht ihren Tod vor

Die Ozelot-Phase ist hier vorbei. Batman und Wonder Woman müssen gegen Jaguare und Tiger kämpfen. Catwoman scheut vor nichts zurück, um die beiden Helden zu täuschen, sie inszeniert sogar ihren Tod mittels Drogen, um an ihnen vorbeizukommen, und benutzt am Ende Wonder Womans Flugzeug für den Schmuggel. Catwoman fällt hier sehr aus der Rolle, weder ihre Zuneigung zu Batman noch ihre Gier treiben sie an, aber der Grund für ihre Motivation wird nicht erklärt.

DC Comics

From Each Ending… A Beginning! (1977)

Bruce Wayne heiratet Selina Kyle

Die interessanteste Catwoman-Story der 70er ist eine, die nicht in der regulären Continuity spielt, sondern auf Erde 2, dem Paralleluniversum der Golden Age-Helden. Dort läuft die Geschichte so ab: Catwoman kommt in den Knast und schwört tatsächlich dem Verbrechen ab. Bruce Wayne empfängt sie bei ihrer Freilassung und heiratet sie bald darauf. Sie bekommen eine Tochter: Helena. Dick Grayson wird von Robin zu Batman, ist in dieser Story allerdings verhindert.

Catwoman stirbt in Batmans Armen

Doch eines Tages wird Selina Wayne von ihrer Vergangenheit als Verbrecherin eingeholt. Ihr ehemaliger Komplize Silky Cernak behauptet, sie hätte (ohne ihr Wissen) einen Polizisten getötet und erpresst sie mit einem Beweisfoto, ihr bei einem Überfall zu helfen. Noch einmal wird Selina zu Catwoman – ein letztes Mal. Denn als Batman (Bruce Wayne) dazwischengeht, wird Selina von einem Querschläger getötet, der ihm gegolten hat. Tochter Helena wird zur Heldin Huntress, deren Kostüm an die erste Batwoman und Catwoman von 1969 erinnert, und macht den Mörder ihrer Mutter dingfest.

Huntress (Helena Wayne)

>> Liste der Catwoman-Comics

(Hinweis: In einer früheren Fassung des Posts fehlte der Hinweis auf Batman #256, diesen habe ich am 28.11.2018 ergänzt.)