Joker

Ein Honest Trailer für Joker

Wenn ich einen Film richtig gut finde, schaue ich mir die Honest Trailer dazu lieber nicht an, weil ich mir die Filme nicht ruinieren will. Wenn man erst einmal auf etwas Bestimmtes hingewiesen wird, kann man den Film nicht mehr sehen, oder immer wieder daran zu denken.

Bei Joker habe ich mal eine Ausnahme gemacht. Und es zeigt sich: Gute Filme können selbst nicht von Honest Trailern kaputtgemacht werden. Oder andersrum gesagt: Je besser der Film, desto schlechter der Honest Trailer. Denn in einem Film wie Joker gibt es nicht viel, worüber man sich lustig machen könnte. Und so ist das Video mehr zu einer Würdigung und Verteidigung gegen die Kritiker geworden, die behauptet haben, der Film stifte zu Gewalt an. Die Realität hat uns eines Besseren belehrt: Es laufen nicht überall Killer-Clowns herum und spielen Revolution.

Die witzigste Bemerkung ist der Vergleich mit Jared Letos Joker in Suicide Squad: „instead of writing ‚damaged‘ on his forehead, (he) just damages his forehead“.

Wer hat Batman getötet?

DC Comics

Titel: Where Were You On The Night Batman Was Killed?

Auto/Zeichner: David V. Reed/John Calnan

Erschienen: 1977 (Batman #291-294), Paperback 2009 (The Strange Deaths of Batman), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Batman ist tot. Doch wer hat ihn getötet? In Gotham machen Gerüchte die Runde, jeder Kleinganove reklamiert die Tat für sich, jede Geschichte klingt anders. Ein Gerichtsverfahren wird einberufen, kein offizielles, sondern eines der Schurken, in einem privaten Anwesen. Der Richter ist Ra’s al Ghul, der Ankläger ist Two-Face, die Jury besteht aus Poison Ivy, Scarecrow, Mad Hatter, Mr. Freeze, Spook und Signalman.

Nacheinander werden vier Zeugen vorgeladen, die behaupten, für Batmans Tod verantwortlich zu sein: Catwoman, Riddler, Lex Luthor und der Joker. Catwoman erzählt von einer wilden Verfolgungsjagd, bei der Batman mit ihr in einen Fluss stürzt. Sie rettet sich mit der Beute und einem Jaguar auf einen schwimmenden Käfig, als Batman aus dem kalten Wasser auftaucht und sich auf den Käfig ziehen will, stößt ihn Catwoman zurück, weil sie sonst mit ihm versinken würde. Ihre Beute ist ihr wichtiger als ihr Geliebter. Aber kann Catwoman, die noch nie getötet hat, eine Mörderin sein?

Joker: Mörder wider Willen

Der Riddler behauptet, Batman gefangen genommen und in die Luft gesprengt zu haben. Lex Luthor erzählt, er habe Supermans Bewusstsein in Batmans Körper übertragen und ihn dann totgeschlagen. Aber Two-Face schafft es, alle drei Aussagen zu widerlegen. Selbst Superman lädt er dafür als Zeugen vor, der sich bester Gesundheit erfreut.

Schließlich ist der Joker dran. Er sagt, er habe Batman im Zweikampf in einem Pelzgeschäft eine Überdosis Joker-Gift verpasst, an der er gestorben sei. Joker offenbart: Er habe schon oft Gelegenheit gehabt, Batman zu töten, aber habe ihn überleben lassen, um sich seinen aufregendsten Gegner zu bewahren – „my partner in fun and games“! Nachdem es zufällig doch passiert ist, ist es ihm auch nicht schade drum: „I hadn’t meant it–but I didn’t shed any tears over it, either!“

Der Joker habe daraufhin Batmans Maske gelüftet, aber dessen Gesicht und seine Fingerabdrücke unkenntlich gemacht, damit die Polizei was zu tun hat. Als Beweis habe der Joker aber Fotos vom Gesicht gemacht. Two-Face bezweifelt das und fordert den Beweis.

ACHTUNG: SPOILER!

Kurz darauf offenbart sich Two-Face aber als Batman selbst. Der Batman, den Joker getötet haben will, war nur ein Nacheiferer, ein Fanboy, der zur falschen Zeit am falschen Ort war. Batman hat den Prozess inszeniert, um den Mörder zu finden. Der wahre Two-Face war die ganze Zeit über in Arkham Asylum. Am Ende wird die Nachricht verkündet: Batman lebt!

Allerdings: Es hätte auch gereicht, die Leiche auf die Todesursache hin zu untersuchen. Das Gift im Körper hätte nur einen Schluss zugelassen. Aber ja, dann gäbe es diese Geschichte nicht, die allein schon wegen der Fülle an Schurken ein historisches Ereignis ist.

Der Vierteiler inspirierte Paul Dini zu der Batman: The Animated Series-Episode „Almost Got ′Im„, in der Two-Face, Pinguin, Joker und Killer Croc sich erzählen, wie sie Batman einmal „fast erwischt“ hätten. 2009 schrieb Neil Gaiman eine Comic-Story, die noch näher dran war am Original: Whatever Happened to the Caped Crusader? Auch darin gilt Batman als tot und die Schurken erzählen sich bei einer Trauerfeier verschiedene Versionen davon, wie es dazu kam – allerdings mit einem ganz anderen, geradezu genialen Dreh.

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80 Jahre Joker – und noch ein Special

DC Comics

Nach Robin und Catwoman bekommt auch der Joker eine Würdigung zum 80. Geburtstag: The Joker 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1 wird den Clown Prince of Crime mit einer Reihe von Kurzgeschichten feiern. Mit dabei sind Autoren und Zeichner wie Brian Azzarello, Lee Bermejo, Paul Dini, Denny O’Neil, Scott Snyder, Tom Taylor, Jock, José Luis García-López, Mikel Janín, James Tynion IV, Riley Rossmo und andere.

Die acht Variant Cover, die jeweils einer Dekade Tribut zollen werden, stammen unter anderem von David Finch, Jim Lee, Bill Sienkiewicz, Lee Bermejo und Jock.

Das Special soll am 29. April 2020 erscheinen und 9,99 US-Dollar kosten.

Dazu wird eine neue Anthologie erscheinen: The Joker: 80 Years of the Clown Prince of Crime. Sie soll 448 Seiten umfassen. Was drin sein wird, ist – bis auf den ersten Auftritt – noch unbekannt.

DC Comics

UPDATE am 19.1.2020: Für die Batman-Serie kündigt DC eine neue Storyline mit dem Joker als Antagonisten an: Mit dem Ende von „Their Dark Designs“ (Batman #93) wird sich der „Joker War“ abzeichnen – „and Gotham City will never be the same.“ Wie oft wir das schon gelesen haben … Das Heft, geschrieben von James Tynion IV und gezeichnet von Guillem March, erscheint am 15. April 2020.

>> Liste der Joker-Comics

Batman trifft Judge Dredd

batman judge dredd cover

DC Comics

Titel: Batman/Judge Dredd Collection

Autor/Zeichner: Alan Grant/Simon Bisley u.a.

Erschienen: 1991, 1993, 1995, 1998 (Judgement on Gotham; Vendetta in Gotham; The Ultimate Riddle; Die Laughing), Paperback 2014


Judge Dredd ist Polizist, Richter und Henker in einem. Ein knallharter Typ, der in einer knallharten, dystopischen Stadt (Mega-City One) Verbrechen aufklärt und sühnt – mit roher Waffengewalt. Der Antiheld trat 1977 zum ersten Mal im der Comic-Anthologie 2000 AD auf, 1995 wurde der Stoff mit Sylvester Stallone als Trash verfilmt, 2012 kam ein Remake ins Kino, das bei Kritikern größere Gnade fand.

Bereits 1991 traf Judge Dredd auf Batman. Es war das erste Crossover der 90er mit einem Charakter von einem anderen Comicverlag und es folgten drei Fortsetzungen. Im ersten Teil, Judgement on Gotham, dringt ein böser Geist namens Judge Death in Gotham ein und tötet Menschen. Batman hält ihn vorläufig auf, wird dann aber in die Parallelwelt nach Mega-City One teleportiert, wo er auf den Cyborg-Schurken Mean Machine trifft und dann mit dem Gesetz in Form von Judge Dredd in Konflikt gerät.

Der Mann, der seinen Helm nie abnimmt, will Batman festnehmen. Als der sich widersetzt, knockt Dredd ihn aus und sperrt ihn ein. Batman stehen 15 Jahre Knast bevor. Keine Gnade. Keine Rücksicht. Nicht mal der Versuch, Batman Glauben zu schenken. Erst der Auftritt der Telepathin Judge Anderson bringt Klarheit. Dredd bleibt stur, besteht auf Strafe, Batman schlägt ihn, wird verfrachtet, Anderson befreit ihn und man fährt gemeinsam nach Gotham, um Judge Death zu besiegen, der sich in der Zwischenzeit mit Scarecrow verbündet.

Judge Dredd jagt ihnen hinterher. Er ist hier mehr Gegner als Verbündeter, ein stumpfer Haudrauf und Prinzipienreiter, der sich mehr für die Strafe an Batman als für echte Gefahren interessiert. Erst am Ende macht sich seine Brutalität nützlich, um zu verhindern, dass Judge Death Massenmord bei einem Rockkonzert begeht.

Nicht nur wegen der unsympathischen Figur ist Judgement on Gotham ist gewöhnungsbedürftig. Auch die Handlung artet in Gewaltorgien und bizarre Situationen mit einem schwarzen bis geschmacklosen Humor aus. Bewundernswert sind dabei aber die Zeichnungen von Simon Bisley, der das Szenario noch grotesker und surrealer darstellt, als es ohnehin schon ist. Albtraumhaft wirkt jedes Panel, selbst Batman ist mit seinen langen Ohren und seinem dämonischen Auftreten furchterregend.

Scarface, Riddler, Joker

The Ultimate Riddle (DC Comics)

Im zweiten Teil, Vendetta in Gotham, sind die Bilder von Cam Kennedy bodenständiger, auch wenn die Story auf andere Weise bizarr anmutet: Judge Dredd kommt nach Gotham, um mit Batman eine offene Rechnung zu begleichen. Es kommt zu einer großen, fast nicht enden wollenden Prügelei. Gleichzeitig plant der Bauchredner/Scarface einen Anschlag auf einen Politiker bei einer Theateraufführung von Kindern. Scarface schmuggelt sich als verkleidete Puppe auf die Bühne und soll dann explodieren. Schließlich stellt sich heraus, dass die Handlung doch nicht so stumpfsinnig war, wie es zunächst schien. Tieferen Sinn ergibt das alles jedoch nicht.

Teil drei, The Ultimate Riddle, beginnt mit dem Riddler. Batman wird mit ihm zu einer fremden Welt entführt und in einen Käfig gesteckt. Judge Dredd wird ebenfalls gefangen gehalten, zusammen mit sechs weiteren Kämpfern anderer Planeten. Ein Diktator namens Xero zwingt sie dazu, gegeneinander anzutreten. Wer gewinnt, darf überleben. Batman wird als Beute vorausgeschickt, die die anderen jagen sollen. Wieder gibt es mehr Action als nennenswerte Dialoge, wieder reicht es, sich an den aufwendigen Illustrationen zu ergötzen. Dredd wird auch hier nicht unbedingt interessanter. Die überraschende Wendung am Ende lässt das Ganze noch banaler erscheinen.

Batman/Judge Dredd: Die Laughing (DC Comics)

Die letzte Begegnung der ungleichen Helden ist der Höhepunkt der Reihe: In Die Laughing kommt der Joker mit dem Teleportationsgürtel nach Mega-City One, befreit Judge Death und die drei anderen Dark Judges und richtet mit ihnen ein Gemetzel in einer Hedonistengemeinde an. Die Story bekommt doppelt so viel Raum und weil Dredd selbst zum Outlaw wird, bildet er mit Batman ein gutes Team, um die Schurken aufzuhalten. Der Joker wird selbst zum Dark Judge.

Die Laughing ist eine Horrorgeschichte voller expliziter Gewalt, vieler furchterregender Gestalten und Leichen, ebenfalls sehr ausdrucksstark gezeichnet, wenn auch auf Dauer etwas anstrengend. Man kann in dem Hedonistenmassaker sogar eine Gesellschaftssatire sehen. Eine sehr schwarze. Aber all zu viel Tiefgang sollte man trotzdem nicht erwarten.

Das Schlusskapitel des Bandes, Lobo/Judge Dredd: Psycho Bikers Vs. Mutants From Hell, habe ich mir dann gespart.

>> Liste der Batman-Crossover

Batman in den Zehner-Jahren: Ein Rückblick

Black & White Batman (Tony S. Daniel)

Batman von Tony Daniel (DC Comics)

Batman ist in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden. Gefeiert wurde das mit Anthologien und Sonderaktionen. Aber trotz des Jubiläums war es ein schwaches Batman-Jahr. Keine Storyline konnte so recht überzeugen. Beide Batman-Serien kamen über Durchschnitt nicht hinaus, vieles lag sogar darunter. Tom King nervt mit einer überlangen Geschichte, deren Handlung auf der Stelle tritt, auch Detective Comics bleibt eher enttäuschend und wirkt planlos.

Auch außerhalb der Continuity gab es nichts wirklich Lesenswertes, auch wenn The Batman Who Laughs und Batman Damned für Aufsehen sorgte – es war oft eben nicht mehr als die Neugier auf bestimmte Figuren, Autoren und Zeichner. Interessant aber war auf jeden Fall der Abschluss des Watchmen-Crossovers Doomsday Clock, ein ambitionierter Versuch, Alan Moores Comic mit dem DC-Universum zu verbinden.

Batman by Alex Ross

Alex Ross (DC Comics)

Der Batman-Comic des Jahres ist für mich Detective Comics #1000. Eine Anthologie von überwiegend gelungenen Kurzgeschichten verschiedener Autoren und Zeichner würdigt den Mythos und denkt ihn weiter. Wenn ich das gesamte letzte Jahrzehnt betrachte, dann hat die Serie zuletzt vor fünf Jahren so viel Spaß gemacht, als zum 75-jährigen Jubiläum die zweite Ausgabe von Detective Comics #27 erschien.

Leider ist das die traurige Bilanz: Detective Comics hatte seine letzte beeindruckende Storyline 2011 mit Scott Snyders The Black Mirror. Seitdem war sie zunächst nur eine Halde für kurze, leicht verdauliche und fantasielose Geschichten, nach der Rebirth-Wende versuchte James Tynion IV sich an einer großangelegten Batman-Family-Storyline, die aber zu sehr in Nebenfiguren ausuferte und doch selten überraschte.

In diesem Jahrzehnt passierte für Batman sehr viel: Er baute ein weltweites Netz auf (Batman Incorporated), dann bekam er nach Flashpoint zusammen mit dem gesamten DC-Universum einen Reboot, der sich am meisten auf seine Vorgeschichte auswirkte (Zero Year). Einen neuen Origin bekam Batman auch in Earth One. Es war das Jahrzehnt des Kreativ-Teams Scott Snyder und Greg Capullo, die Batman gegen einen Endkampf mit dem Joker schickten und James Gordon zum neuen Batman machten. Batman verlor mit Damian nicht nur einen weiteren Robin, sondern auch seinen Sohn, aber nur für kurze Zeit.

Parallel dazu wurde ein Jahr lang die Serie Batman Eternal erzählt. Mit ihr gelang eine groß angelegte, hochdramatische und wendungsreiche Storyline, die bis zum Schluss Spaß machte. Die ambitioniertesten Comics des Jahrzehnts waren aber Paul Dinis Dark Night und Sean Murphys White Knight. Die eine, weil sie Batman mit einer autobiografischen Geschichte verknüpfte, die andere, weil sie einen wilden Remix bekannter Motive zu einer fesselnden Handlung machte.

Meine Favoriten der Zehner-Jahre sind:

Der Film des Jahres

Der Film des Jahres ist natürlich Todd Philips‘ Joker. Nicht nur, weil Joaquin Phoenix eine starke Vorstellung abliefert, es gelingt auch, dieser Figur neue Aspekte abzugewinnen und ein Batman-Prequel auch ohne Batman funktionieren zu lassen. So einen Mut kann man sich für die kommende Batman-Adaption von Matt Reeves wünschen, die 2021 erscheinen soll.

Ansonsten war das Jahrzehnt für Batman im Kino eher eine Flaute: The Dark Knight Rises war deutlich schwächer als seine beiden Vorgänger. Und da Zack Snyders Batman v Superman und Justice League eher vergessenwert waren, bleibt Joker damit auch der Batman-Spielfilm des Jahrzehnts. Dass Batman darin nicht vorkommt, sollte den Produzenten zu denken geben. Ansonsten waren Wonder Woman und Shazam würdige DC-Verfilmungen.

Leider konnte der Animationsfilm Hush in diesem Jahr nicht so überzeugen, weil man es sich wie immer zu leicht gemacht hat. Auch andere Zeichentrickfilme, die auf Batman-Comics basierten, wie etwa The Killing Joke, blieben Durchschnittsware, die immer gleich aussieht und sich billig anfühlt. Es fehlt der Wille, diesen Filmen eigene Stile zu verleihen und über die Comics hinauszugehen. Batman Ninja war ein überdrehter japanischer Versuch in eine neue Richtung, aber insgesamt war nur The Lego Batman Movie ein rundum gelungener Film für Fans und die ganze Familie.

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Wiederholung und Variation

Batman and Robin Adventures Vol. 2

DC Comics

Titel: Batman and Robin Adventures Vol 2

Autor/Zeichner: Paul Dini, Ty Templeton/Brandon Kruse, Mike Parobeck u.a.

Erschienen: 1995-1996 (Batman and Robin Adventures #11-18, Annual #1), Paperback 2017


Wenn man Superheldencomics auf eine Formel bringen will, könnte man sagen: Es sind unendliche Geschichten. Und wenn etwas kein Ende hat, dann nur dank zweier Prinzipien: Wiederholung und Variation. Einerseits wollen Fans immer das Gleiche (und zwar bis zu einem Grad der Wiedererkennbarkeit), andererseits soll immer etwas Neues geboten werden. Das ist ebenso ein Widerspruch wie eine Gratwanderung. Da es zwar unendliche Möglichkeiten gibt, aber nur eben eine beschränkte Zahl an Ideen, bleibt das Meiste eben doch eher dem Altbekannten verhaftet und man bekommt mehr eine Wiederholung des Immergleichen.

So ist es auch mit dem zweiten Band von Batman and Robin Adventures. Die größte Story ist eine Fortsetzung des Animationsfilms Mask of the Phantasm (dt. Batman und das Phantom). Das Phantom (Bruce’s Geliebte Andrea) wird zur Heldin, indem sie ihn vor einer katzenartigen Attentäterin (Kitsune) und einem anderen Schurken bewahrt. Gebraucht hätte es das nicht unbedingt.

Des Weiteren gibt es ein Wiedersehen mit Man-Bat in der Bahöhle, Scarecrow versucht mal wieder mittels Fernsehen Angst zu verbreiten (Achtung: Sozialkritik!), Catwoman lässt sich mal wieder mit einem Catman auf Beutezüge ein, der Mad Hatter versucht wieder das Herz seiner Alice zu gewinnen und Harley Quinn versucht mal wieder Joker zum Lachen zu bringen, was sogar ganz lustig ist, aber bei Mad Love viel lustiger war. Alles schon mal gesehen, unterhaltsam allenfalls als Gutenachtlektüre.

Zwei Geschichten stechen heraus, indem sie etwas Neues bieten: Wir bekommen einen anderen Bane zu sehen, der sich ohne Venom geläutert glaubt und zum Helden werden will, indem er Rupert Thorne tötet. Und schließlich ist da noch eine Geschichte ohne irgendwelche bekannten Schurken: In Dagger’s Tale erzählt ein Häftling einem anderen, wie in Batman in den Knast gebracht hat. Das ist mal etwas Ungewohntes, eine andere, frische Perspektive, die sogar eine nette kleine Moral am Ende hat. Eine typische Kurzgeschichte, bei der der Held am Ende etwas klüger ist. Davon bitte mehr.

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Viel zu tun, nichts zu befürchten

Titel: Superman – Year One

Autor/Zeichner: Frank Miller, John Romita Jr./John Romita Jr.

Erschienen: 2019 (Mini-Serie #1-3), Hardcover 2019 (DC Black Label)


Schon wieder Supermans Entstehungsgeschichte? Wurde die in 80 Jahren nicht schon etwa 1000 Mal erzählt? Davon die meisten Male in den letzten 20 Jahren? Doch. Aber eben noch nicht von Frank Miller. Der hat einmal mit Batman: Year One Comic-Geschichte geschrieben. Und jetzt versucht er das noch einmal mit Superman.

Bei Miller hat der Mann aus Stahl schon einiges mitmachen müssen. In The Dark Knight Returns wurde er von Batman verprügelt, in The Dark Knight Strikes Again noch einmal, in Dark Knight III hatte er sich selbst aufgegeben und dem Eis überlassen. Und in All-Star Batman & Robin, the Boy-Wonder wurde er als Vollidiot inszeniert.

Jetzt also alles von vorn. Superman mit rot-schwarzem Logo auf der Brust, wie in den frühesten Cartoons aus den 40ern. Aber nein, Miller und Romita Jr. fangen noch vor dem „Year One“ an, ganz von vorn. Wieder sehen wir Krypton untergehen, aber diesmal aus der Perspektive von Kal-El, der alles schon bewusst wahrnimmt, aber noch nicht begreift. Die Apokalypse um ihn herum könnte genauso gut eine Feier sein. Es gelingt den Autoren tatsächlich, eine neue Perspektvie zu finden, das Altbekannte neu zu erzählen.

Als Kind entdeckt Clark nach und nach seine Kräfte, nimmt übersensibel seine Umwelt wahr. In der Schule wehrt er sich gegen ein paar üble Mitschüler und bewahrt noch später sogar Lana Lang davor, vergewaltigt zu werden. So ungewohnt drastisch das Szenario erscheint, so ruhig und besonnen bleibt Clark. Trotz Pubertät ist er kein Teenager, der seine Gefühle nicht unter Kontrolle hat, sondern einer, der immer darauf achtet, seinen Gegner nicht zu großen Schaden zuzufügen.

Superman bei der Marine

Nach der Schule meldet er sich freiwillig zur Navy. Er will Gutes tun und die Meere erforschen. Bei der Marine gelingt ihm alles spielend, dann taucht er in den Pazifik, entdeckt Atlantis und lernt Meerjungfrau Lori Lemaris kennen, in die er sich verliebt. Nachdem er seinen ersten Einsatz gegen Piraten hat, merkt er, dass Töten nichts für ihn ist und er kehrt ins Meer zurück. Dort macht er Lori den Hof und stellt sich dabei Vater Poseidon vor – dazu trägt er erstmals das Superman-Kostüm, das seine Mutter für ihn aus kryptonischem Stoff genäht hat. Doch Poseidon gibt sich hartleibig und schickt alle Monstrositäten auf Superman los.

In diesem Teil lässt die Qualität der Erzählung deutlich nach. Wir sehen bloß Superman ein Seeungeheuer nach dem anderen bekämpfen, weil Poseidon in seiner Sturheit nicht einsehen will, dass sein Gegner unbesiegbar ist. Auch wird nicht klar, was das Problem ist, denn Superman hat es nie auf den Thron abgesehen.

Superman gegen Luthor und Batman

Im dritten und letzten Teil kommt Superman nach Metropolis. Zuerst rettet er Lois Lane das Leben, die aus einem unerfindlichen Grund mit einem Tauchboot allein in der Tiefsee unterwegs ist. Er verliebt sich, Lori scheint vergessen und er macht sich davon, um Journalist zu werden. In Metropolis macht er sich einen Namen, indem er viele Menschen rettet, aber Superman hat leichtes Spiel. Hier wird dient die Geschichte wieder nur einem Zweck, Supermans Allmacht zu demonstrieren. Da er die schon in der Tiefsee unter Beweis gestellt hat, erschöpft sich das schnell.

Interessant wird es erst, als es zur ersten Begegnung mit Lex Luthor kommt. Obwohl Superman sich weigert, ihm zu gehorchen, lässt er sich doch sofort einspannen, um ein offizieller Gesetzeshüter zu werden – eine Anspielung auf den Superman aus The Dark Knight Returns, der für den US-Präsidenten arbeitet. Superman soll Batman in Gotham City ausschalten. Doch Luthor kooperiert mit dem Joker, um eine neue Droge herzustellen. Luthor will die Helden gegeneinander aufhetzen, damit sie einander ausschalten.

Und das gelingt ihm auch. Batman lockt Superman mit dem Bat-Signal an und versucht, ihn auszuschalten. Dabei geht er so rabiat und großmäulig wie ein Straßenschläger vor. Es ist mehr der Dunkle Ritter aus All-Star Batman, gewürzt mit dem aus The Dark Knight Strikes Again („striking terror – best part of the job“). Superman hält allem, was Batman gegen ihn auffährt (alles außer Kryptonit), ungerührt stand. Selbst den Beleidigungen. Und als er sich revanchieren will, taucht aus dem Nichts Wonder Woman auf …

Das Ganze erinnert wahrscheinlich nicht zufällig an den Film Batman v Superman. Es wirkt wie ein Kommentar dazu, als würden Miller und Romita damit eine Version nachreichen, wie sie den Film gemacht hätten. Doch dazu taugt Superman: Year One leider nicht, weil hier alles schon vorbei ist, noch bevor es richtig losgeht. Zog sich die Geschichte vorher durch die Fülle an Supermans Bewährungsproben, handelt sie zum Schluss zu viel auf zu wenigen Seiten ab.

Damit bleibt ein zwiespältiger Gesamteindruck zurück: Es gibt Stellen, da erlebt man Miller wieder als Autor in Bestform mit wunderbaren Beobachtungen und witzigen Formulierungen. Aber es gibt leider auch viel zu viele Redundanzen, in denen er sich unnötig wiederholt – leider eine schlechte Eigenschaft, die er sich nach 2000 angewöhnt hat. So stark der Auftakt auch war, so planlos wirken die letzten zwei Drittel, die zwar prächtig von John Romita Jr. inszeniert sind, aber leider ohne Spannungsbogen auskommen, weil Superman nie eine Herausforderung erlebt. Er bleibt immer Herr der Lage. Und wenn er schon gelangweilt ist – warum sollten sich seine Leser für ihn interessieren?

(Abgesehen davon ist Year One auch eine Mogelpackung: Anders als bei Batman wird hier weit mehr als nur ein Jahr erzählt.)

>> Liste der Superman-Comics

Joker lehrt Batmanologie

Batman Jokers Apprentice

DC Comics

Titel: Joker’s Apprentice

Autor/Zeichner: C.J. Henderson/Trevor von Eeden

Erschienen: 1999 (One-shot)


Der Joker feiert in Arkham den Jahrestag seiner Entstehung. Zu diesem Anlass nimmt er sich Arthur Rankel vor, der 18 Frauen vergewaltigt und ermordet hat. Der Joker bildet ihn in Batman-Kunde aus und hilft ihm beim Ausbruch. Arthur holt sich zwei Helfer, zusammen verüben sie eine Reihe von brutalen Morden an Frauen, bis Batman ihnen auf die Schliche kommt. Doch der ganze Aufwand wird nur deshalb betrieben, um Batman in die Falle zu locken …

Nach den üblichen Kämpfen gegen Schurken und Hunde kehren die Bösen wieder in Gewahrsam zurück. Pointe: Der Joker hat alles so geplant, um Batman – genau ein Jahr später – ein Geschenk zu ihrem fünften gemeinsamen Jahrestag zu machen. – Eine sehr zynische Pointe auf Kosten vieler Menschenleben. Der Joker tritt hier als Manipulator auf, der auch dann die Kontrolle behält, wenn er andere für sich töten lässt.

Ansonsten ist dieses rund 50 Seiten lange Heft eine solide gezeichnete und geschriebene Detektivstory mit reichlich Action zum Schluss. Kurzweilig, aber keine Pflichtlektüre.

>> Liste der Joker-Comics

Joker auf Beamtenjagd

DC Comics

Titel: Jokers and Madmen (Soft Targets)

Autor/Zeichner: Ed Brubaker, Greg Rucka/Michael Lark

Erschienen: 2003-2004 (Gotham Central #11-22, Soft Targets: #12-15), Paperback 2009


Kurz vor Weihnachten wird der Bügermeister von Gotham in seinem Büro erschossen – von einem Scharfschützen. Kurz darauf ist ein Schulleiter dran. Dann folgen noch weitere Polizisten, selbst auf dem Dach des Präsidiums. In den jeweiligen Nestern des Schützen findet die Polizei einen eindeutigen Hinweis: Der Joker erlaubt sich einen kranken Spaß. Als eine Person entführt wird, beginnt die Suche nach ihr. Da stellt sich der Joker überraschend und lässt sich festnehmen.

Gotham Central ist so etwas wie The Wire in Comicform: Eine Comicserie über die Polizei von Gotham, angelegt als Ensemblestück mit lauter Menschen statt Helden. Realistisch in der Figurenzeichnung, visuell nah am Film Noir. Batman taucht wenn, dann nur am Rande auf, die Schurken spielen auch nur eine untergeordnete Rolle.

Das Besondere hier: Der Joker ist lange nicht zu sehen. Das deutet sich auch in dem ersten Cover an: Man sieht bloß den Gewehrlauf, der aus einem Fenster herausragt. Diese Anonymität und Willkür der Morde schafft eine paranoide Atmosphäre. Es kann jederzeit jeden treffen. Aber am stärksten ist die Geschichte im Zusammenspiel der Polizisten, die ganz normale Sorgen plagen.

Auch Gesellschaftskritik steckt darin: Zuerst will der Bürgermeister die Überstunden für die Polizei kürzen, weil sie die Stadt zu viel kosten. Das bedeutet, dass die Beamten mitten in der Ermittlung nach Hause geschickt werden – obwohl Zeit dabei ein kritischer Faktor ist. Der Bürgermeister sieht nur Missbrauch und Kosten und muss in gewisser Weise dafür mit dem Leben bezahlen. Ironischerweise trifft Joker aus der Sicht der Polizei „den Richtigen“.

In gewisser Weise nimmt die Geschichte den Film The Dark Knight vorweg. Am Ende muss dann doch Batman helfen, wieder als Deus ex machina. Das ist einerseits schade, weil es den Polizisten etwas von ihrer Unabhängigkeit nimmt, andererseits muss die Serie rechtfertigen, warum sie in Gotham und nicht sonstwo spielt. In dem Fall hätte der Joker genügt. Aber irgendwie muss DC ja auch seine Polizei-Comics verkaufen – und das geht am besten eben mit der Fledermaus.

Interessant im zweiten Band von Gotham Central ist auch „Unresolved“, eine Story über den Mad Hatter, in der auch Harvey Bullock eine tragende Rolle spielt und einige Grenzen überschreitet.

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Joker lässt Batman hoffen

DC Comics

Titel: Fool’s Errand

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Brian Stelfreeze

Erschienen: 1998 (Detective Comics #726), Hardcover 2015 (Joker: A Celebration of 75 Years)


Nach dem Beben von Gotham wird ein Mädchen entführt. Batman befragt den Joker, denn der hat seine Zelle in Arkham neben dem mutmaßlichen Täter gehabt. Es ist der Jahrestag des Mordes an Jason Todd (Robin II). Da Batman weiß, dass er aus dem Joker nichts herausprügeln kann, lässt er sich auf das alte Hannibal-Lecter-Spiel „Quid pro quo“ ein: Er erzählt ihm was, der Joker revanchiert sich.

Es stellt sich heraus, dass der Joker den Täter dazu gebracht hat, seine eigene Mutter zu töten. Das bedeutet: Der Joker ist so mächtig, dass er von seiner Zelle aus töten kann, indem er andere beeinflusst. Kaum hat Batman das anerkannt, gibt der Joker den Auftenhaltsort des entführten Mädchens preis. Es liegt im Kofferraum eines Autos. In einer waghalsigen Rettungsaktion legt sich Batman mit einem Haufen schießwütiger Gangster an, um das Kind zu befreien …

Das Besondere an der Geschichte: Dialog und Action werden parallel auf jeweils gegenüberliegenden Seiten erzählt. Dadurch wird zusätzliche Spannung aufgebaut. Die Pointe: Der Joker hat Batman nur deshalb den Gefallen getan, um ihn künftig in solchen Situationen mit der falschen Hoffnung zu nähren, er könnte noch ein Leben retten. Sonst gehe Batman nämlich davon aus, dass das Opfer bereits tot sei. Der Joker kennt seinen Gegenspieler so gut, dass er weiß, wo seine wunden Punkte liegen.

Damit ist „Fool’s Errand“ nicht ganz so banal, wie es auf den ersten Blick scheint. Es ist eine kleine, aber feine, raffinierte Kurzgeschichte, das dem altbekannten Verhältnis noch eine neue Seite abgewinnen kann.

>> Liste der Joker-Comics