Joker

Batman extrem: „Dream of the Bat“

The Mansion Press

Batman schläft am Tag auf dem Dach eines Hauses. Er erwacht und kotzt. Dann schläft er weiter. Nachts klettert er auf ein Hochhaus, das bis über die Wolken hinausragt, hockt da und grübelt, bis Catwoman vorbeikommt und erklärt, er habe die besten Zeiten hinter sich. Später verprügelt er einen schlafenden Penner und verstümmelt ihn grausam, um ihn zu „markieren“ macht sich über ihn lustig, doch nur um dann wieder in Depression zu fallen und sich selbst weh zu tun.

Nein, das ist nicht unser Batman. Strenggenommen ist es auch gar kein Batman, sondern einfach nur ein Typ im Fledermauskostüm, der sich „Bat“ nennt. Gerade noch erkennbar als sein Vorbild, aber genug verändert, um nicht von DC verklagt zu werden. Dream of the Bat heißt dieser Bootleg-Comic der US-Amerikaner Josh Simmons und Patick Keck, der in Frankreich auf Englisch erschienen ist. Schon das Cover macht deutlich, dass es hier ganz anders zugeht als bei DC: Einem lachenden und weinenden Batman wird die Kehle aufgeschnitten, herausgeströmt kommen Regenbogenfarben, unter denen der nackte Joker duscht und sich ein Liedchen pfeift.

Die vier Kurzgeschichten im Band dekonstruieren Batman so radikal, wie es nicht mal Frank Miller und alle seine Epigonen geschafft haben. Das bedeutet auch: ohne Grenzen an Brutalität und Obszönität. Daher vorweg die Warnung: Es ist mit Abstand der verstörendste Comic, den ich je gelesen habe. Diese Lektüre ist absolut nur für Erwachsene – und selbst die brauchen neben tiefschwarzem Humor einen starken Magen.

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Odyssee eines Außenseiters durch Gotham

DC Comics

Titel: Shadows of the Bat: House of Gotham

Autor/Zeichner: Matthew Rosenberg/Fernando Blanco

Erschienen: 2022 (Detective Comics #1047-1058, Backup-Storys), Hardcover 2022


Der Joker bringt die Eltern eines Jungen um. Der Junge versteckt sich im Schrank. Da kommt Batman und hält den Joker auf. Der Junge jedoch hält danach beide für böse. Nach einer oberflächlichen Untersuchung stellt man fest, dass er gesund ist, und das Sozialamt kümmert sich nicht weiter um ihn. James Gordon bringt ihn nach Arkham, wo dieser von Clayface traumatisiert wird. Dann kommt er auf Initiative von Bruce Wayne in ein Waisenhaus, von wo er vom Pinguin adoptiert und zur Arbeit verpflichtet wird. Dann geht’s wieder nach Arkham, wo er fast von Zsasz umgebracht wird. Trotzdem fühlt er sich vor allem in Arkham heimisch – womit er der erste sein dürfte.

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Batman/Spawn: Duell Nummer drei

DC Comics

Titel: Batman/Spawn

Autor/Zeichner: Todd McFarlane/Greg Capullo

Erschienen: 2022 (One-shot)


Batman trifft Spawn – zum dritten Mal. Das erste Mal (1994) war legendär, das schrieb Frank Miller. Das zweite (ebenfalls 1994) weniger. Ein dritter Versuch (Inner Demons) wurde 2006 angekündigt: Spawn-Erfinder Todd McFarlane (der auch schon Batman gezeichnet hat) sollte die Story schreiben, Greg Capullo (der Spawn illustriert hatte) sollte zeichnen. Doch das Projekt kam nie zustande. Nun wird es nachgeholt. Capullo hat mittlerweile mit Scott Snyder einen vielgelobten Batman-Run hingelegt. Was kann da noch schief gehen? Einiges.

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Batman/Catwoman: Ein hohles Weihnachtgeschenk

DC Comics

Titel: Batman/Catwoman

Autor/Zeichner: Tom King/Clay Mann, Liam Sharp

Erschienen: 2021-2022 (#1-12, Special #1), Hardcover 2022; dt. Panini (4 Bände)


„None of this is a revelation.“ (Batwoman)

Wenn es eine Batman-Geschichte gibt, die sich unendlich anfühlt, dann ist es die, die uns Tom King erzählt. Für alle, die es verpasst haben: 86 Ausgaben lang quälte er uns mit einer Storyline mit Bane und Catwoman, es kam zur Hochzeit, dann doch nicht, dann doch – und dazwischen gab es unfassbar viel Geschwätz und Geschmachte. Wir hatten es bereits hinter uns, da schickte Mr. King noch eine zwölfteilige Serie hinterher, die alles zu Ende erzählen sollte – weil 86 Ausgaben nicht reichen, wenn man darin zu viel trödelt.

Also gut, dann noch mal Batman/Catwoman. 272 Seiten. Letzte Chance. Ich würde lügen, wenn ich sagte, ich gehe da unvoreingenommen ran, aber die Zeichnungen von Clay Mann sind schon mal eine Augenweide, also versuche ich es mal.

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Underworld Unleashed: Der Pakt mit dem Teufel

DC Comics

Titel: Underworld Unleashed (dt. Underworld: Hölle auf Erden)

Autor/Zeichner: Mark Waid/Howard Porter

Erschienen: 1995 (Underworld Unleashed #1-3), Paperback 1998, dt. Dino 1997; 2020: 25th Anniversary Edition


In der Hölle hat ein Neuer die Führung übernommen: Neron. Nun sucht der Dämon Verbündete auf der Erde und bietet reihenweise Deals an. Zuerst den Superschurken, dann den Helden. Die Schurken nehmen gerne an, besonders die Dauerversager, die ohnehin niemand ernst nimmt. Die kriegen coolere Kräfte oder Ausrüstung. Aber auch die Großen wie Luthor und Joker lassen sich auf den Teufelspakt ein, denn wer braucht schon eine Seele, wenn er kubanische Zigarren haben kann?

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Jokers Rätselbox oder: Wer tötete den Riddler?

DC Comics

Titel: The Joker Presents: A Puzzlebox (dt. Der Joker: Die geheimnisvolle Rätselbox)

Autor/Zeichner: Matthew Rosenberg/Jesus Merino u.a.

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-7), Hardcover 2022; dt. Panini 2022 (Paperback)


„This is a really confusing story.“ (Punchline)

Der Riddler wurde ermordet und Commissioner Gordon und seine Truppe wollen herausfinden, wer es gewesen ist. Sie sperren fast die ganze Rogues Gallery auf einmal ein (die sich aus irgendeinem Grund an einem Ort versammelt hat) und vernehmen einen Schurken nach dem anderen. Als erstes ist der Joker dran, doch der erweist sich naturgemäß als notorisch unzuverlässiger Erzähler – und die anderen sind auch nicht gerade glaubwürdiger.

Es entspinnt sich ein Plot um eine „geheimnisvolle Rätselbox“ (so der deutsche Untertitel), die „Master Engine“, die angebliche jeden Wunsch erfüllt (aber nur einen pro Nase). Der Riddler bot dem Joker an, zu kooperieren, um die einzelnen Teile der Box zusammenzusuchen, der hat ihn aber schroff abgewiesen. Dann beauftragte der Joker Catwoman mit der Suche, die wiederum andere Schurken als Subunternehmer beschäftigte, ebenso bildete der Riddler ein eigenes Team. So kamen sich mehrere Konkurrenten in die Quere und wir sehen kurze Duelle zwischen Two-Face und Black Mask, Killer Moth und Man-Bat, Scarecrow und Professor Pyg etc.

DC Comics

Währenddessen finden wir heraus, dass auch bei der Polizei einiges im Argen liegt – vor allem aber erweisen sich die Beamten als ziemlich inkompetent, den Schurkenhaufen beisammen zu halten. (Vielleicht sollten US-Polizisten endlich mal eine gründlichere Ausbildung bekommen, die dauert dort nämlich nur wenige Monate.) Gordon versucht, aus all dem schlau zu werden, während Batman meist durch Abwesenheit glänzt, obwohl er nichts Besseres zu tun hat, aber das höchst seltsame Geschehen anscheinend nicht wichtig genug findet, um auszuhelfen.

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Mit dem Joker auf Mallorca

DC Comics

Titel: The Joker Vol. 2

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Guillem March

Erschienen: 2022 (The Joker #6-9, Annual #1), Hardcover 2022; dt. Panini 2022


Noch immer ist der Joker auf der Flucht, noch immer jagt ihm James Gordon hinterher, noch immer sind ihm „Lady Bane“, der Rat der Eulen und texanische Kannibalen auf den Fersen. Was ist neu? Diesmal geht es nach Paris. Doch Gordon hat für Sightseeing nicht viel Zeit, er gerät unter Mordverdacht, wird von Interpol verhaftet, aber schnell freigelassen, dann von „She-Bane“ entführt, die sich aber anders nennt: „Vengeance“. (Ihr wisst schon: Wegen Vengeance of Bane.) Aber wen rächt sie? Weiß sie selbst noch nicht genau, vielleicht ja Gordon. Jedenfalls fliegen sie gemeinsam nach Mallorca, finden den Joker und decken eine unappetitliche Wahrheit auf.

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„Joker 2“ kommt 2024

Warner Bros.

Habt ihr schon was 2024 vor? Im Oktober? Genauer gesagt am vierten? Nein? Dann streicht euch schon mal diesen Tag rot im Kalender an, denn dann soll die Fortsetzung von Todd Phillips‘ Film Joker im Kino starten: Joker: Folie à Deux. Der Termin wurde nun auf Twitter bekanntgegeben.

Schon zuvor kam heraus: Es soll ein Musical werden. Mit Joaquin Phoenix und Lady Gaga als Harley Quinn. Das kurze Twitter-Video zitiert den Irving-Berlin-Song „Cheek to Cheek“, den Fred Astaire im Film „Top Hat“ (1935) gesungen hat, als er mit Ginger Rogers tanzte. Wer den Film noch nicht gesehen hat, hat nun mehr als zwei Jahre Zeit, um diese Bildungslücke nachzuholen.

Lady Gaga hat „Cheek to Cheek“ bereits mit dem Sängerlegende Tony Bennett gecovert, auf dem gleichnamigen Album von 2014 mit anderen Jazz-Standards.

Der Filmtitel „Joker: Folie à Deux“ (ungewöhnlich französisch für eine US-Produktion) ist ein Fachbegriff aus der Psychiatrie und meint eine induzierte wahnhafte Störung, also die „ganze oder teilweise Übernahme einer Wahnsymptomatik durch einen nahestehenden, primär nicht wahnkranken Partner“ (Wikipedia). Es besteht also die Chance, endlich eine würdige Interpretation der Joker-Harley-Lovestory geboten zu bekommen, wie sie einst brillant in Mad Love erzählt wurde. Leider wurde die filmisch in dem unsäglichen Suicide Squad (2016) verschenkt.

Der erste Joker-Film von 2019 war für elf Oscars nominiert (Joaquin Phoenix erhielt ihn als bester Hauptdarsteller) und gewann die Goldene Palme in Cannes. Außerdem wurde er für die Goldene Himbeere nominiert in der Kategorie Rücksichtsloseste Missachtung von Menschenleben und öffentlichem Eigentum. Für diesen Nihilismus gab es auch viel Kritik, weshalb er bei Rotten Tomatoes ein Kritikerlob von „nur“ 68 Prozent erhält, allerdings überzeugte er 88 Prozent der Zuschauer. Da er über eine Milliarde US-Dollar einspielte, war ziemlich klar, dass man sich diese Cash Cow nicht entgehen lässt.

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Legends of the Dark Knight: Legendär ist anders

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight

Autor/Zeichner: Darick Robertson, Stephanie Phillips/Max Dunbar u.a.

Erschienen: 2021-2022 (Legends of the Dark Knight #1-8), Paperback 2022


Legends of the Dark Knight war einst eine langlebige Comic-Serie, die anfangs in Year-One-Manier Batmans Anfänge beleuchtete, zwischendurch wurde sie auch für Kapitel der großen Storylines wie Knightfall und No Man’s Land genutzt. Nach ihrer Absetzung 2007 gab es zwischendurch ein Revival als Anthologieserie, 2021 sind erneut acht (Print-)Ausgaben (bzw. 16 digitale) erschienen. Ja, nur acht – was schon nichts Gutes verheißt, aber lassen wir uns von Verkaufszahlen nicht blenden.

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Neues von der San Diego Comic Con 2022

Nach zwei Jahren Pandemie-Pause fand am Wochenende wieder die San Diego Comic Con statt. Wieder einmal gab es eine Fülle neuer Ankündigungen, darunter ein erster Trailer zu Shazam: Fury of the Gods (Kinostart 21. Dezember) und ein neuer Trailer zu Black Adam (Kinostart 21. Oktober).

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