Joker

Batman und die Aussteiger

Batman Gotham Nights #7, 9, 10 (DC Comics)

Titel: Gotham Nights

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2020 (Gotham Nights #7-12)


Der Joker würde gerne als Comedian aufsteigen, fällt aber bloß in die Lächerlichkeit und steigt hinab in den Wahnsinn, woraufhin er seinen Promoter in den Kofferraum steigen lässt. Und während Batman eine Leiche im Koffer untersucht, versucht Two-Face mithilfe der Liebe aus dem Dasein als Krimineller auszusteigen. Killer Moth findet für seinen eigenen Ausstieg eine kreative Lösung. Und Signal versucht, einem alten Jugendfreund zu helfen, aus einer Gang auszusteigen, während der Sohn von Tony Zucco das bereits geschafft hat.

Man sieht: In Gotham Nights #7-12 geht sehr viel um Aufsteiger, Absteiger und vor allem Aussteiger. Vor allem Nightwing, Red Hood und Robin bekommen diesmal viel Raum, gerade die Sidekicks, die versuchen, sich von Batman zu lösen. Alle fünf (ehemaligen) Robins werden entführt und gemeinsam festgehalten, um sich wieder befreien zu können. Und Red Hood will … ach, das hab ich schon wieder vergessen … Jedenfalls geht es auch da ums Rauskommen.

Batman Gotham Knights #8, 11, 12 (DC Comics)

Nach einem immerhin halb gelungenen Auftakt von Gotham Nights folgen nun lauter Routinestorys, zu oft aber in unterdurchschnittlicher Optik. Wahre Highlights sucht man in dieser Sammlung vergeblich, sodass DCs Digitalserie auch die Leser eher zum Aussteigen motiviert. Super – immerhin da passt es.

Das nächste Mal: Bitte nur etwas erzählen, wenn man was zu erzählen hat. Eine richtig gute Idee wäre nicht verkehrt. Und vielleicht auch etwas mehr Raum als nur eine Handvoll Seiten. Und weniger Joker täte auch ganz gut. Dieser Schurke wird in letzter Zeit eindeutig überstrapaziert. Vor allem: Bitte keine Origins mehr. Spätestens nach Joaquin Phoenix dürfte für sehr lange Zeit alles darüber gesagt sein.

Das Ganze wirkt natürlich umso liebloser, dass die meisten Ausgaben nicht einmal eigene Cover bekommen, sondern bloß einzelne Panels dafür wiederverwertet werden.


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Catwoman trägt Tigermuster

DC Comics

Titel: The Last Angel

Autor/Zeichner: Eric Lustbader/Lee Moder

Erschienen: 1994 (One-shot)


Eine unbezahlbare Maya-Maske soll in Gotham ausgestellt werden. Weil nicht nur Mafioso Rupert Thorne und Catwoman es darauf abgesehen haben, soll Batman sie aufhalten. Doch dann wird die Mäzenin der Ausstellung ermordet, die Spur führt zunächst zu Thorne. Und Catwoman bandelt mit dem Archäologen an, der die Maske gefunden hat. Er erklärt ihr, dass es sich um die Maske eines Fledermausgottes handelt. Sie birgt eine ungeheuer böse Macht, mit der ein Priester einst sein Volk ruiniert hat.

Fledermausgott? Das erinnert Bruce an sein Erlebnis in Alaska (Batman: Shaman). Und kaum wird er der Maske habhaft, ergreift ihr Fluch auch schon Besitz von ihm. Batman wird böse, läuft Amok und fordert Menschenopfer – zuerst Selina Kyle, dann Gordon. Catwoman muss von der Gegnerin und Diebin zur Heldin werden, um Batman und die ganze Welt zu retten …

Am Ende müssen Catwoman und Batman (kein Spoiler) gemeinsam gegen den eigentlichen geheimen Drahtzieher des komplizierten Komplotts vorgehen, der all das nur geplant hat, um … äh … was genau zu erreichen? Batman zu demütigen? Na ja …

Zerbrochen an einer Männer-Welt

Das Besondere an dieser aufgeblasenen Geschichte: Catwoman trägt (ohne Erklärung) ein braun-gelbes Kostüm mit Tigerstreifen. Außerdem hat sie ihre Peitsche bondage-mäßig um den Körper geschlungen. Ein sehr kurioses und schrilles Kostüm, das so ziemlich das genaue Gegenteil ihrer bisherigen Kostüme ist, die violett, grau oder schwarz gehalten sind.

Aber hier ist Catwoman auch keine Schurkin mehr, sondern eben eine Superheldin. Passend dazu ist sie mit einem Jaguar als Sidekick unterwegs, mit dem sie nicht nur sprechen kann, sie kann ihn sogar bei einem komplexen Diebstahl einsetzen, was der alberne Höhepunkt der Geschichte ist.

Nebenbei erfahren wir in Rückblenden, dass Selika Kyles Mutter in der Psychiatrie gelandet ist. „The pressure of performing in a man’s world was too much for her. It’s driven her mad …“, sagt ihr Vater, der bedauert, keinen Sohn in die Welt gesetzt zu haben, der die Härten des Lebens erträgt. Das führte zum Bruch zwischen Selina und ihrem Vater, wobei sie sich später fragt, wen sie damit habe bestrafen wollen, und ob sie mit Batman nicht nur den Konflikt fortsetzt. Zum Schluss ist sie plötzlich mit beiden versöhnt, obwohl ihr Vater ihr keinen Grund dazu gegeben hat. Muss man das verstehen? Wenn einer schlauer ist, möge er/sie es mir erklären …

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80 Jahre Joker: Mord als Pointe

DC Comics

Titel: The Joker 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV u.a/Jock, Tony S. Daniel u.a.

Erschienen: 2020 (One-shot)


Was wäre Batman nur ohne den Joker? Was wäre der Joker nur ohne Batman? „You complete me!“, hat einst Heath Ledger gesagt. Der eine kann nicht ohne den anderen. Zwar stellt jeder Schurke auf seine Weise das Gegenteil des Helden dar, aber der Joker ist auf dem Spektrum der Antipoden am äußersten Ende: Hier der ernste, rationale Dunkle Ritter, besessen von seiner Mission, Verbrechen zu bekämpfen. Dort der unberechenbare, amoralische Clown, der zum Spaß über Leichen geht und Batman immer neu herausfordert.

Der Joker war von Anfang an kein Spaßvogel: Er war ein zynischer Terrorist, sein starres Grinsen blanker Hohn. Der alberne Clown, dem es nur um Schabernack oder gar Reichtümer ging, kam erst etwas später, bis es schier unerträglich dämlich wurde. Seit den 70ern ist er immer mehr ein Psychopath, ein Massenmörder, mal das Böse schlechthin, mal ein Nihilist, dem es um nichts geht, als sich an Batman abzuarbeiten, um ihm etwas zu beweisen. Ihr Kampf ist reiner Selbstzweck: nichts als ein krankes Spiel mit vielen Opfern.

Das wahre Problem daran: Ohne den Joker scheint es kaum noch zu gehen. Sowohl in den Comics als auch in den Filmen dominiert stets er. Gerade in letzter Zeit häufen sich die Joker-Comics, auch angefeuert durchs Kino. Aber ist nicht mittlerweile alles erzählt und gesagt? Jedenfalls wird es immer schwieriger, noch etwas Neues zu sagen, je mehr Joker-Storys es gibt. Die Figur läuft Gefahr, sich zu verbrauchen.

Jokers Schwäche und Angst

Im 100-Seiten-Special zum 80. Jahrestag versuchen es die Autoren und Zeichner trotzdem. Und das gelingt meistens sogar. Scott Snyder hat in The Black Mirror, Death of the Family und Endgame die Figur schon tief ergründet. In „Scars“ zeigt er (zusammen mit Jock) wieder die Opferperspektive: Ein Psychiater versucht einem Mann zu helfen, der vom Joker entstellt wurde – einer von vielen. Er macht ihm klar, dass die Macht des Jokers darin besteht, seine Opfer denken zu lassen, er sei mehr als nur ein Mann, sondern Ausdruck ihrer jeweils größten Angst. – Eine kluge Analyse mit einer furchterregenden Wendung.

Dass den Joker selbst eine Angst plagt, zeigt sich „The Last Smile“ (Paul Dini/Riley Rossmo). Hier träumt er immer wieder davon, dass er hingerichtet wird und dabei Batman zuletzt lacht. Und in „Kill the Batman“ (Gary Whitta/Greg Miller/Dan Mora) wird die Frage, was der Joker ohne Batman tun würde, mit einer spitzen Pointe beantwortet.

Die zwei stärksten Geschichten zeigen den Joker von ungewohnten und unerwarteten Seiten: In „Birthday Bugs“ (Tom Taylor/Eduardo Risso) zeigt der Clown eine Schwäche für Kinder, indem er einem unbeliebten Jungen Gäste zum Geburtstag beschert. In „No Heroes“ (Eduardo Medeiros/Rafael Albuquerque) hinterfragt der Joker das Heldentum eines Bankangestellten während eines Banküberfalls. Hier wird es nicht nur gesellschaftskritisch, das Ende regt auch zum Nachdenken an.

Joker als Jack Nicholson

Auf kommende Ereignisse weist Autor James Tynion IV voraus. Er führt Harley Quinns Nachfolgerin an der Seite des Jokers ein: Punchline. Sie wird im Batman-Event Joker War (Batman #95-100) eine Rolle spielen. Aber für sich genommen ist die Geschichte eine der schwächeren (wenn auch stark von Mikel Janin gezeichnet).

Und natürlich gibt es auch hier die obligatorische Meta-Story: Das Dream-Team Brian Azzarello und Lee Bermejo (Joker, 2008) vereint in „Two Fell Into the Hornet’s Nest“ Arkham Asylum mit der Anstalt aus dem Filmklassiker Einer flog über das Kuckucksnest (1975). Die Geschichte ergibt an sich wenig Sinn, aber ist vor dem Hintergrund des Films eine interessante wie skurrile Adaption, vor allem wenn man bedenkt, dass Hauptdarsteller Jack Nicholson 14 Jahre später selbst den Joker gespielt hat.

Man soll ja nicht schlecht über (jüngst) Verstorbene reden, aber die mit Abstand schwächste Geschichte erzählt leider Autorenlegende Dennis O’Neil: In „Introducing the Dove Corps“ schließt sich der Joker pazifistischen Soldaten an, die im Bürgerkrieg von Guatemala für Frieden sorgen sollen. Abgesehen davon, dass hier eine Art (unnötige) Vorgeschichte zu The Killing Joke erzählt wird, fällt die Pointe platt aus: Töten macht dem Joker am meisten Spaß. Das ist selbst gemessen an den Standards des schwärzesten Humors nicht lustig. Das ist einfach nur mies.

Revue der schönsten Joker-Momente

Aber oft enden auch andere Geschichten in diesem Heft mit Mord als Pointe. Liest man das alles am Stück, kann einem bei all dem Gemetzel schon mal mulmig werden. Nein, Anlass zum Lachen bietet der Joker immer noch eher selten. Der Joker von heute verstört vor allem durch seine Skrupellosigkeit.

Wie schon beim Catwoman-Special wird hier auch viel fürs Auge geboten: Neben einer Auswahl der ikonischsten Joker-Cover zeigt eine Reihe neuer Pin-ups von Künstlern wie Tim Sale, Kelley Jones, Ivan Reis und John Romita Jr. den Clown aus moderner Sicht. Dazu inszenieren Peter J. Tomasi und Simone Bianci in „The War Within“ den immerwährenden Kampf der Kontrahenten bildgewaltig als große Revue-Show, mit großen Momenten von The Laughing Fish, The Killing Joke bis hin zu Tim Burtons Batman-Film. Damit dürften auch altgediente Fans und Nostalgiker mit diesem Comic glücklich werden.

Hinweis: Im Oktober werden die bisher erschienen 80-Jahre-Specials in einem Paperback erscheinen: Batman: 80 Years of the Bat Family.

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Neues aus dem Kriegsgebiet Gotham

DC Comics

Titel: Gotham Nights

Autor/Zeichner: Michael Grey, Mark Russell/Ryan Benjamin, Jim Lee u.a.

Erschienen: 2020 (Gotham Nights #1-6)


Nach den ersten Ausgaben von DCs neuer „Digital First“-Serie Gotham Nights habe ich mal einen Blick hineingewagt. Erzählt werden meist 17-seitige Kurzgeschichten, die jeweils für sich allein stehen.

Die erste Ausgabe beginnt mit zwei kurzen Geschichten, die Militärbezug haben. In „Medal of Honor“ (gezeichnet von Jim Lee) passiert etwas Ungewöhnliches: Wir sehen Batman an der Seite der Polizei gegen eine schwer bewaffnete Clownsbande kämpfen. Aus dem Off erzählt jemand das Geschehen nach. Batman setzt sich dem Kugelhagel aus, Gordon wird verwundet – und Batman rettet ihm das Leben. Am Ende wird klar, dass die Worte aus einer Rede von 2010 stammen, in der US-Präsident Barack Obama den Soldaten Sal Giunta mit der Medal of Honor für seinen Einsatz in Afghanistan ausgezeichnet hat. Damit ist Giunta der erste Soldat seit dem Vietnam-Krieg, der diese Auszeichnung erhielt.

Joker als Anwalt der Unterwelt

Indem Giuntas wahre Geschichte mit der von Batman fusioniert, soll der Soldat geehrt werden. Zugleich aber wird natürlich auch Batman die Ehre zuteil, auch wenn in der Story ihm niemand eine Medaille umhängt. Batman als Soldat auf dem Schlachtfeld von Gotham, der selbstlose Dunkle Ritter. Ein interessantes Experiment. Die folgende Geschichte, die Kate Kane (Batwoman) bei einem Einsatz in Afghanistan zeigt, kann da nicht mehr mithalten.

In den nächsten zwei Ausgaben folgen Geschichten über Clayface und Poison Ivy, wie man sie schon zu Dutzenden gelesen hat: Clayface nimmt die Gestalt eines Schauspielerkollegen an, um einen Studio-Boss zu erschießen, der sich an einer Kollegin vergriffen hat – der Rest ist Selbstmitleid und Kampf. Und Poison Ivy rächt sich für die Rodung des Regenwaldes – gähn … Immerhin solide gezeichnet von Ryan Benjamin.

DC Comics

Doch dann übernimmt ein neuer Autor, Mark Russell, und es wird wieder interessanter: In „The Dragnet“ spioniert Bruce Wayne seine reichen Freunde aus, die das Trinkwasser verseuchen und ihr Geld mit Partydrogen verdienen. Batman bringt sie ins Gefängnis, aber er spielt weiter ein Doppelspiel als Bruce Wayne. Am Ende kommt der Joker ins Spiel – als Anwalt der Unterwelt. Auch hier ist alles schnell vorbei, aber es ist immerhin eine einfallsreiche Geschichte, die man sich auch gerne etwas länger gewünscht hätte.

Ähnlich in Ausgabe fünf: In „Concrete Jungle“ muss Batman einen Zeugen an einem schießwütigen Mob vorbeibringen, um ihn der Polizei auszuliefern. Harley Quinn hat hier einen unbedeutenden Gastauftritt. Und während man sich fragt, wie Batman einen Menschen in einem Sack herumtragen und werfen kann, ohne dass sich das Opfer alle Knochen bricht, gibt es am Ende wieder eine nette überraschende Wendung.

Codewort: Balyushka

Das Beste aber kommt zum Schluss: Nachdem Batman so viele Verbrecher schnappt, dass Gotham ein neues Gefängnis bauen muss, um sie alle unterzubringen, fehlt Geld im Haushalt. Also kürzt man bei der Krankenversicherung. Daraufhin springt der Joker ein. Per Video-Botschaft verkündet er, die jeden Monat die Versicherung für fünf Bürger zu übernehmen, wenn sie ihm ein Video schicken, auf dem sie das Wort „Balyushka“ sagen. Natürlich muss es ein Video nach Jokers verdrehtem Geschmack sein.

Kurz darauf ist die Stadt voller Verzweifelter, die allen möglichen Unfug anstellen, um ihre dringend benötigte medizinische Behandlung bezahlen zu können, und Batman muss einige von ihnen retten, bevor sie sich ernsthaft wehtun.

Mark Russells Story ist nicht nur unterhaltsam und schwungvoll gezeichnet (Viktor Boddanovics Stil erinnert sehr an Greg Capullo), sondern auch verblüffend vielschichtig: Da ist die Kritik an dem menschenverachtenden Gesundheitssystem der USA, Kritik an Batmans rücksichtslosem Feldzug, der einen hohen Preis für die Verbrechensbekämpfung zahlt, aber auch an der Sensationskultur des Internets, in der täglich auch ohne Not Menschen sich zu Idioten machen, um ein paar Minuten Aufmerksamkeit zu bekommen. Selbst das Ende hält noch eine starke Wendung parat.

Insgesamt also ist Gotham Nights bislang einerseits ein solider Einstieg für Neulinge und Gelegenheitsleser, ohne sich in die Vorgeschichten und Continuity vertiefen zu müssen. Andererseits können auch eingeschworene Batman-Fans, die leichte Lektüre für zwischendruch suchen, ein paar kleine Perlen entdecken.

Es wäre zu früh, aus den ersten sechs Ausgaben einen Trend abzuleiten, aber wenn es so weitergeht, dann hat diese Serie noch großes Potenzial, ähnlich wie die Anthologie-Sammlungen Legends of the Dark Knight und auch Batman: Black and White.


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Der Geist, der Clown und der Killer

DC Comics

Titel: Detective Comics Vol. 3: Greetings From Gotham

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Christian Duce, Doug Mahnke

Erschienen: 2019 (Detective Comics #1006-1011), Hardcover 2020


„It’s time to let the moonshine in and enjoy the basic pleasures of life … the classics.“ (Joker)

Nach zwei längeren Storylines (Mythology, Arkham Knight) erzählt Peter J. Tomasi in Detective Comics drei kürzere Geschichten: von Spectre, Joker und Deadshot.

In der ersten wird Jim Corrigan von Anhängern eines Spectre-Kults entführt, um ihn zu töten und das gründgewandete Gespenst, das die personifizierte Rache Gottes darstellt, für eigene Zwecke zu missbrauchen. Spectre selbst bittet Batman um Hilfe. So ganz klar wird nicht, wozu er ihn braucht. Ich meine: Der Kerl ist doch schier allmächtig. Von daher wirkt es auch etwas albern, wenn er sich zunächst übergroß vor Batman aufbaut, ihn fängt und Batman sich dann mit allerlei Gadgets gegen ihn zur Wehr setzt. Am Ende geht alles auch sehr einfach. Aber: Ausdrucksstark gezeichnet ist diese Belanglosigkeit immerhin, der schaurige Stil von Kyle Hotz erinnert an Kelley Jones. Highlight: Spectre ergreift von Batmans Dino Besitz …

Mit dem Joker auf dem Rummelplatz

Die zweite Story ist die titelgebende: Der Joker lädt Batman – ganz klassisch – zu einem Abend im Vergnügungspark ein. Der Clown hat dafür alle Mitarbeiter und Besucher in Geiselhaft genommen. Batman muss mitspielen. Also fahren die beiden Achterbahn, Autoscooter und in den Liebestunnel. Der Joker hat riesigen Spaß, Batman eher weniger.

Diese simple Quatsch-Story erinnert an The Joker’s Playground of Peril (Batman #286, 1977) und weckt natürlich Erinnerungen an Klassiker wie The Dark Knight Returns und The Killing Joke. Allerdings ohne inhaltlichen Mehrwert. Von daher kann man sie eine Hommage nennen. Oder auch nostalgisch. Oder auch einfach nur: abgedroschen und einfallslos. Ich meine: Joker auf dem Rummelplatz? Das ist kein Topos mehr, das ist längst ein Klischee …

Mit Deadshot im Pazifik

Das Beste kommt zum Schluss: Auftragskiller Deadshot kapert ein Flugzeug, in dem Bruce Wayne und Lucius Fox zusammen mit ein paar anderen Millionären sitzen. Doch dann schlägt ein Blitz ein und das Flugzeug stürzt auf einer einsamen Insel im Pazifik ab. Zwei Kriegsveteranen – einer japanisch, einer amerikanisch – die seit dem Krieg abgeschottet von der Außenwelt dort festsitzen, versorgen den verletzten Bruce Wayne. Mit ihrer Hilfe besorgt er sich ein notdürftiges Batman-Kostüm und nimmt den Kampf mit Deadshot auf.

Klingt bescheuert? Ist es aber nicht. Tatsächlich ist das Ganze so stark und humorvoll erzählt, dass diese Episode am meisten Vergnügen macht. Es ist wahrscheinlich sogar die beste Story, seit Tomasi Detective Comics übernommen hat. Und wer hätte das gedacht: Deadshot steht auf The Who …

Zwischendurch sieht man, wie die nächste größere Geschichte vorbereitet wird: Mr. Freeze schließt einen Pakt mit Lex Luthor, um endlich seine geliebte Nora aus dem kryogenischen Schlaf zu holen – eine Story im Rahmen von „Year of the Villain„. Davon dann beim nächsten Mal mehr.

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80 Jahre Joker und Catwoman verschoben auf Juni

DC Comics

Sicher haben sich manche von euch schon gefragt, wo denn die Jubiläums-Specials zu Catwoman und Joker bleiben. Eigentlich sollten sie am 15. und 29. April erschienen sein – zum 80. Jahrestag von Batman #1 (1940), als die beiden ihre ersten Auftritte hatten. Aber die Coronakrise hat das Erscheinen dieser und auch anderer Comics verzögert.

Jetzt gibt es zwei neue Erscheinungstermine Catwoman 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1 soll am 2. Juni 2020 herauskommen, The Joker 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1 am 9. Juni 2020. (UPDATE: Eine Vorschau auf Joker gibt’s bei DC.) Jedes Special enthält eine Reihe von neuen Kurzgeschichten rund um die beiden Schurken. Hier ein Vorgeschmack auf die Variant Cover der beiden Hefte:

Am 2. Juni soll auch die Anthologie The Joker: 80 Years of the Clown Prince of Crime herauskommen.

Weitere Erscheinungstermine gibt es bei DC Comics. Hier eine Auswahl:

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Joker als Kredithai

DC Comics

Titel: Pay – Or Die!

Autor/Zeichner: Bob Haney/Jim Aparo

Erschienen: 1978 (The Brave and the Bold #141), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Der Kredithai, der hat Zähne, und die trägt er im Gesicht.
Doch der Joker hat ne Bombe, doch die Bombe sieht man nicht …

In Gotham gehen mal wieder Bomben hoch. Geschäftsmänner sterben dabei. Commissioner Gordon vermutet eigenartigerweise Selbstmord, aber Batman zieht nach kurzer Ermittlung den richtigen Schluss: Beide haben sich bei einem Kredithai Geld geliehen, einem gewissen Longreen. Der Name klingt nicht zufällig nach „long grin“ – der Joker hat es mal wieder auf Geld abgesehen, er wird zur Allegorie für einen Wucher-Kapitalismus. Als auch noch ein Modesigner in die Luft fliegt und Dinah Lance (Black Canary) dabei zusehen muss, hat Batman seine Mitstreiterin gefunden, um dem grinsenden Kredithai das Handwerk zu legen.

Aber wie? Batman hat eine Idee: Alfred soll helfen. Er soll so tun, als ob Bruce Wayne dessen Rentenfonds verspekuliert hätte, und sich beim Joker Geld leihen. Leider ist der gute Alfred zu nervös dabei und daher keine große Hilfe, um herauszufinden, wo der Joker sein Versteck hat. Der Joker hat sich in einem Bestattungsunternehmen verschanzt. Kreditwucher als todsicheres Geschäft, sozusagen.

Doch wie schafft er es, seine Schuldner in die Luft zu jagen? Ganz einfach: Mit einer Chemikalie, die er seinen Opfern mit Wein zu trinken gibt. Alfred ist also eine wandelnde Zeitbombe. Am Ende stürzt sich Batman verkleidet als Alfred auf den Joker, um aus dem Dilemma rauszukommen. Und damit Alfred künftig immun gegen den Sprengstoff in seinem Körper ist, bekommt er vom Joker eine Bluttransfusion verpasst.

Ja, ihr habt richtig gelesen: Durch Alfreds Adern fließt das Blut des Jokers. Wäre Potenzial für eine eigene Geschichte. Allerdings wurde die – soweit ich weiß – nie geschrieben. In gewisser Weise bekommt Alfred später zumindest kurz ein Lächeln aufgesetzt, in einer Folge von Batman: The Animated Series („The Last Laugh“, dt. Eine Stadt voller Narren, S01E04) wird er durch Joker-Gas wahnsinnig. Und in Whatever Happened to the Caped Crusader? behauptet er, den Joker nur gespielt zu haben. Und in Endgame schlägt ihm der Joker die Hand ab – dabei gibt es wiederum nichts zu lachen.

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Drei Helden, zwei Schurken und ein Adler

DC Comics

Titel: The Claws of the Emperor Eagle/Death at Rainbow’s End

Autor/Zeichner: Bob Haney/Jim Aparo

Erschienen: 1976 (The Brave and the Bold #129-130), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Oliver Queen luchst einem alten Bonzen auf dem Sterbebett den Emperor Eagle ab, eine antike Bronze, die einst Alexander dem Großen zu Ehren geschenkt wurde. Das Dumme ist nur: das Ding bringt Pech, manche sagen auch, ein Fluch laste darauf. Denn nicht nur Alexander starb jung, auch kostete es später Napoleon und Hitler den Sieg – soweit der Mythos.

Und kaum hat Oliver Queen die Besitzurkunde an sich genommen, wird sie ihm auch schon geraubt. Er erzählt Batman die Story und macht sich auf nach England, um den Adler abzuholen. Doch das Flugzeug wird von Joker und Two-Face gekapert und nach Pathanistan gebracht – dem Heimatland des Adlers. Die Schurken kassieren vom hiesigen Diktator, General Khan, eine saftige Belohnung, aber dann soll Oliver Queen zur Strafe gehängt werden.

Batman kann den Despoten umstimmen. Wenn es ihm gelingt, beim Reiten einen Stab in einen Ring zu stecken, ist Oliver frei. Mit der Hilfe von Atom klappt es auch. Aber dann entführen Joker und Two-Face Batman und rauben den Adler. Batman endet in einer Todesfalle á la Goldfinger …

Batman in den Spuren von James Bond (DC Comics)

Diese im wahrsten Sinne des Wortes abenteuerliche Geschichte nimmt ein paar wilde Wendungen. Jeder Held wird mindestens einmal entführt und darf sich beweisen, aber vor allem ist es eine Green Arrow-Story: Der Schütze spannt einen unspannbaren Bogen (wie er das macht, bleibt aber rätselhaft), er geht mit zwei Pferden tauchen und erweist sich als besessen von Gier, denn in dem Adler stecken große Reichtümer.

Darauf haben es auch Joker und Two-Face abgesehen. Wie sie darauf kommen, warum sie überhaupt zusammenarbeiten und wie Two-Face damit klarkommt, dass der Coup (bis auf die Belohnung) nichts mit der Zahl Zwei zu tun hat – das alles bleibt auch ein Rätsel. Aber ich merk schon, ich hinterfrage mal wieder zu viel. Eins scheint jedenfalls klar: Der Adler ist anscheinend wirklich verflucht, weil in solchen Geschichten jedes Gerücht sich als stets als wahr erweist. Aber natürlich ist der Fluch bloß ein Code für Gier, die Menschen verblendet. Und davor ist dann wohl auch der Joker nicht sicher, auch wenn er sich in den 70ern sonst weniger um Reichtum als um Spaß schert.

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Kein Land für alte Clowns

DC Comics

Titel: Ruins/Laugh, Killer, Laugh/The Joker Is Wild

Autor/Zeichner: Doug Moench/Don Newton, Gene Colan

Erschienen: 1983 (Batman #365, Detective Comics #532, Batman #366), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Von 1960 bis 1996 befand sich Guatemala im Bürgerkrieg. Die USA haben ihren Teil dazu beigetragen, dass es soweit kommen konnte. Insgesamt wurden 150.000 bis 250.000 Menschen getötet. Unter Diktator Efraín Ríos Montt wurden in den Jahren 1982 und 1983 Massenmorde und andere Gräueltaten begangen. Er wurde deswegen im Jahr 2013 zu 80 Jahren Haft verurteilt. Vor diesem Hintergrund liest sich die folgende Geschichte mit einem bitteren Beigeschmack.

Vicky Vale ist in Guatemala unterwegs, um über den dortigen Bürgerkrieg zu berichten, dann wird sie von einer Gruppe vermeintlicher Rebellen gefangen genommen und in eine alte Ruine gebracht. Von dort aus kann sie mit einer List eine Botschaft nach Gotham schicken, sodass die Polizei und durch Zufall auch Bruce Wayne davon Wind kriegen. Seine Beziehung zu Vicky ist gerade an ein Ende gekommen, trotzdem steigt er für sie ins Batman-Kostüm und fliegt zu ihrer Rettung.

Guatemala soll Joker-Land werden

Vickys Entführer ist der Joker. Er plant, das Militär gegen die Rebellen auszuspielen und am Ende selbst das Land zu übernehmen: Guatemala soll Joker-Land werden. Dafür hat der Clown große Pläne. Aus den Pyramiden sollen etwa Springteufel herauskommen. Eine kleine Achterbahn mit Joker-Zug hat er schon einmal errichtet. Fragen wir lieber nicht, wie er das geschafft hat. Oder wozu der ganze Aufwand gut sein soll. Am Ende geht es ihm wie immer um sein verdrehtes Verständnis von Spaß. So sagt er auch über Batman, dass er ihn auch nur deshalb nicht getötet oder ihn demaskiert habe – wo wäre da der Witz?

Also muss sich Batman gegen Indianer, Leoparden und Ganoven Rebellen zur Wehr setzen und wird auf den Joker-Zug gespannt, der Vicky überfahren soll. Batman befreit sich wie immer sehr kreativ aus dieser Todesfalle, schaltet den Joker aus, aber statt ihn festzuhalten, haut er mit Vicky lieber ab und verhindert ein Attentat, das der Joker auf den General verüben will. Daraufhin verbünden sich Rebellen und Armee, um den gemeinsamen Feind zu besiegen. Am Ende herrscht zwar immer noch kein Frieden, aber Vicky Vale kann festhalten, wie sich zwei Todfeinde gegenseitig ihren Respekt bezeugen.

Jason Todd als Robin

In all dem Schabernack schwingt also durchaus Zeitkritik durch: Der Joker wird zum Symbol für die Absurdität des Bürgerkrieges und die Gefahr von Anarchie und Chaos. Das versöhnliche Ende wirkt trotzdem ziemlich weltfremd und naiv. Und vor dem Hintergrund der wahren Massaker erscheint die vergleichsweise harmlose Joker-Story sogar ziemlich geschmacklos.

Übrigens: In dieser Geschichte hat nicht nur Jason Todd seinen ersten Auftritt als Robin (Batman #366) (indem er sich – typisch – Batman widersetzt, ihm nach Guatemala folgt und den Joker ausknockt), sondern Alfred sieht auch seine Tochter Julia wieder, die endlich erfahren hat, dass er ihr Vater ist. Aber das sind Geschichten für ein anderes Mal.

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Joker feiert Geburtstag

DC Comics

Titel: Dreadful Birthday, Dear Joker… !

Autor/Zeichner: Len Wein/Walt Simonson

Erschienen: 1980 (Batman #321), Paperback 1988 (The Greatest Joker Stories Ever Told), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Im Jahr 1980 wurde der Joker 40. Im Comic nahm der Schurke das erstmals zum Anlass, seinen Geburtstag zu feiern. Eingeladen sind Comissioner Gordon, Robin, Alfred und ein paar andere seiner Feinde. Einladen heißt in dem Fall: Der Joker entführt sie der Reihe nach in seinem Jokermobil und fesselt sie an ein Karussell.

Am nächsten Tag lädt er Gotham unter falschem Vorwand, dass eine Bäckerei kostenlose Kostproben verteilt, in eine riesige Halle. Ganz falsch ist die Info nicht, denn der Joker stellt eine riesige Geburtstagstorte auf die Bühne, an jeder Kerze ist einer der Entführten drapiert und jede Kerze soll explodieren.

Als dann Batman auftaucht, ist er der Ehrengast. Um die anderen zu befreien, liefert er sich selbst aus, der Joker willigt ein und fesselt ihn an die größte Kerze auf der Torte. Natürlich lässt er die anderen nicht frei. Aber auch Batman trickst: Er drückt einen Knopf an der Seite der Kerze, sie fliegt davon und explodiert, aber Batman befreit sich, kappt mit einem Batarang die Lunten der Kerzen und der Geburtstag ist verdorben – eine Blamage vor großem Publikum.

Am Ende gibt es noch eine kleine Verfolgungsjagd auf dem Wasser, der Joker düst mit einem Motorboot davon und es endet mit einer Explosion ohne Leiche. Ob er diesmal wirklich tot ist, fragt Robin am Ende. Und man möchte ihm eine der berühmten Ohrfeigen verpassen. Denn die Frage ist genauso ein Klischee wie Jokers Trick mit der falschen Hand.

Jokers Killer-Spielzeug

DC Comics

Leider sind die späteren Geschichten der 80er voll davon. In“ The Joker’s Rumpus Room Revenge“ (Detective Comics #504) lässt sich der Schurke eine Reihe von Killer-Spielzeug bauen, lockt Batman in eine Eiscreme-Fabrik und lässt einen Samurai-Springteufel-Joker und andere Roboter auf ihn los.

Batman löst das Problem, indem er alle Spielzeuge gegeneinander kämpfen lässt. Und wie kommt er auf den Standort der Fabrik? Mit der guten alten Schlamm-Analyse von Jokers Schuhen. Dieser Detektivtrick ist so ausgelutscht und unglaubwürdig, dass er schon damals längst eingemottet gehörte. Aber auch in den 80ern waren die Autoren nicht unbedingt kreativer als in den 50ern.

Joker setzt sich ein Denkmal

„I try never to use the same joke twice“, heißt es dann in „Last Laugh“ (Batman #353). Deshalb vergiftet er einen respektlosen Komplizen mit einem Schlangenbiss. Dann stiehlt er einen Computer, der präzise Sprengungen vornimmt, um sich ein Denkmal zu setzen: ein überdimensionales Joker-Gesicht in Stein, ähnlich wie am Mount Rushmore. Der Joker will endlich wieder von einem breiten Publikum bewundert werden.

DC Comics

Aber damit es noch lustiger wird, lockt er Batman (mal wieder) in eine Falle, knockt ihn aus und fesselt ihn an den Felsen. Batman befreit sich, blockiert das Signal, kann die Explosion aber nicht verhindern. Der Joker bekommt sein Ebenbild in Stein – aber das fällt kurz darauf wieder zusammen.

„Cleverness is a highly overrated virtue, detective!“, sagt der Joker. „Cleverness can make you dead!“ Etwas bemüht, der Spruch denn etwas mehr Cleverness würde dem Joker sicher nicht schaden. Am Ende lacht Batman, während der Joker baden geht. Aber so schwer ist es eigentlich nicht, Batman zu töten – denn der kommt oft nur mit Glück davon. So oft wie der Joker ihn schon gefangen genommen hat, müsste Batman längst tot sein. Nur wo wäre dann der Spaß?

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