Joker

Batman-Specials als Hardcover

Cover zu Batman Family 80 Years, Batman by Tom King & Lee Weeks, Batman: Knight Out (DC Comics)

Wer Robins 80. Geburtstag feiern und sich das dazugehörige Comicspecial besorgen will, der sollte noch etwas warten – denn Geduld zahlt sich aus. DC hat angekündigt, nicht nur die Jubiläums-Specials dieses Jahres (Catwoman, Joker), sondern auch die Storys aus Detective Comics #1000 (auch der Deluxe Edition) sowie aus Detective Comics: 80th Anniversary Giant #1 in einem Paperback zu versammeln: Batman Family 80th Anniversary Collection soll der Band (etwas irreführend) heißen und laut Amazon am 20. Oktober herauskommen und 396 Seiten umfassen. Der Inhalt als Liste:

  • Detective Comics #1000
  • Detective Comics #1000: The Deluxe Edition #1
  • Detective Comics: 80th Anniversary Giant #1
  • Robin 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1
  • Catwoman 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1
  • The Joker 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1

Diese Publikation bietet eine gute Möglichkeit, Geld zu sparen. Sonst müsste man nämlich mindestens zehn US-Dollar, bzw. Euro für jedes einzelne Special bezahlen.

Weitere Batman-Bände im Herbst 2020

Viel weniger Sinn ergibt der für den 17. November angekündigte Band Batman by Tom King & Lee Weeks Deluxe Edition. Hier werden einzelne Storys bzw. Storylines aus der Batman-Serie extrahiert, obwohl die gesamte Serie bereits in Paperbacks und Deluxe-Editions herauskommt. Darüber hinaus soll das Batman/Elmer Fudd Special darin enthalten sein. Keine Frage: Lee Weeks ist ein toller Zeichner, aber warum er einen eigenen Band verdient, ist schwer nachvollziehbar, zumal die Geschichten meist in einem größeren Zusammenhang stehen. Ich behaupte mal: Dieses Buch braucht kein Mensch.

Für Nostalgiker der 90er erschein am 29. September Batman: Knight Out, eine Sammlung von Storys von Chuck Dixon und Graham Nolan aus den Jahren 1996 bis 1998 (Detective Comics #703-715, #717, #718). Batman trifft in diesen Kurzgeschichten auf Riddler, Firefly, Deathstroke, Gearhead und den Martian Manhunter. Deutschen Lesern der Dino-Hefte aus den 90ern dürften diese Storys noch bekannt sein – das Highlight ist die Riddler-Story. Warum es aber ausgerechnet diese sind, warum nicht schon frühere Dixon-Nolan-Storys gesammelt werden, das erscheint etwas willkürlich und rätselhaft.

>> Batman-Comics 2020

Batman: Three Jokers erscheint im Sommer 2020

Three Jokers #1-3 (DC Comics)

Endlich ist es soweit: Der lang angekündigte Dreiteiler Three Jokers von Geoff Johns und Jason Fabok hat einen Erscheinungstermin. Teil 1 soll laut DC am 17. Juni 2020 herauskommen, die anderen beiden im Juli und August. Jedes Heft soll 48 Seiten umfassen. Da die Arbeit an der Miniserie beendet sein soll, ist nicht mit Verzögerungen zu rechnen. DC hat vorab nicht nur die drei Cover, sondern auch die ersten drei Seiten veröffentlicht.

Wie Johns und Fabok Entertainment Weekly verraten haben, handelt es sich um eine Art Fortsetzung des Klassikers The Killing Joke. Die drei Joker entsprechen den Versionen aus Batman #1 (1940), The Killing Joke (1988) und A Death in the Family (1988-89). Batman, Batgirl und Red Hood arbeiten zusammen, um das Rätsel zu lösen, das mit Justice League #50 begann.

UPDATE 18.3.2020: Three Jokers soll laut Amazon am 10. November gesammelt als Hardcover erscheinen.

Three Jokers Cover

Three Jokers (DC Comics)

Geoff Johns hat unter anderem Batman Earth One Vol. 1 und Vol. 2 geschrieben (Teil 3 ist in Arbeit) sowie zuletzt die Watchmen-Fortsetzung Doomsday Clock.

Das Jahr 2020 steht im Zeichen des Jokers, denn der Schurke feiert im Frühling sein 80-jähriges Bestehen. Dazu erscheinen im April ein 100-Seiten-Special mit neuen Kurzgeschichten sowie eine neue Joker-Anthologie.

Im Juli kommt die Hardcover-Ausgabe zu dem Dreiteiler Joker: Killer Smile von Jeff Lemire und Andrea Sorrentino heraus.

>> Liste der Joker-Comics

Harleen: Heilung durch Liebe

DC Comics

Titel: Harleen

Autor/Zeichner: Stjepan Sejic

Erschienen: 2019 (Harleen #1-3), Hardcover 2020


Harley Quinn ist gerade so hoch im Kurs und omnipräsent, dass es nervt: im Kino, als Zeichentrickserie, in den Comics. DC hat 2019 in seinem Black Label gleich zwei Harley-Miniserien parallel gestartet. Eine davon ist Harleen. Erzählt wird in diesem Dreiteiler alles noch einmal, schon wieder und von vorn, wie aus Harleen Quinzel Jokers Geliebte Harley Quinn wurde. Also noch eine Mad-Love-Variation für Erwachsene und breitgewalzt auf 200 Seiten. Aber nein: Denn so vertraut die Story zunächst scheint, ist hier doch alles anders.

Harleen Quinzel ist hier zunächst eine talentierte junge Psychiaterin, die an starken Selbstzweifeln leidet. Anders als in Mad Love hat sie sich nicht hochgeschlafen, sondern ihre Karriere hart erarbeitet. Sie ist eine Idealistin, die herausfinden will, warum psychisch Kranke ihre Empathie verlieren, und fängt dafür Interviews mit Insassen in Arkham Asylum an. Darunter ist auch der Joker.

Harleen hat Angst vor ihm. Sie leidet unter Schlaflosigkeit und Alpträumen. Und sie lässt sich nicht täuschen. Die Erfahrungen ihrer Vorgänger zeigen ihr, dass der Joker ein Manipulator ist, der selbst Profis mit seinen Lügen einwickelt. Trotzdem glaubt sie in den Gesprächen mit ihm, zu seinem wahren Selbst vorzudringen und ihm helfen zu können. Sie überschreitet eine Grenze nach der anderen, um ihm näher zu kommen – und verliert sich selbst.

Joker á la Thomas Hobbes

Der Joker ist hier ein junger attraktiver Mann, dessen Philosophie an Heath Ledgers Interpretation, bzw. an Thomas Hobbes, erinnern:

„We’re all monsters in a civilized cage, it just takes the right kind of pain and fear to break the lock.“

Gotham sei die „city of monsters“, aber mit seinen vielen gewalttätigen Irren immerhin ein ehrlicher Ort. Denn auch die scheinbar guten Menschen sehen sich danach, sich in gewalttätige Tiere zu verwandeln.

„Gotham is full of people like that. Hands twitching while they dream of violence, shivering with barely suppressed rage, brimming with righteous indignation. Smiling politely as they imagine savage things. Every last one of them a bomb that needs but a single spark to set it of.“

Harleen funktioniert aber nicht nur wegen einer starken Joker-Figur so gut, sondern auch weil es keine Harley Quinn-Story ist. Die Figur kommt kaum vor. Stattdessen ist es eine Harleen-Quinzel-Story. Die Geschichte einer scheiternden Psychiaterin, die nur helfen will, aber sich selbst nicht helfen kann, immer tiefer in den Abgrund zu rutschen. Zum anderen gelingt Harleen, weil sich Autor Stjepan Sejic viel Zeit lässt, seine Hauptfigur zu ergründen und glaubwürdig zu erzählen, wie eine intelligente Frau zu einer Psychopathin unter dem Einfluss des Jokers werden kann. Die Antwort: Sie bildet sich ein, ihm helfen zu können, weil er in ihr die Liebe findet, die er braucht. Die Story profitiert davon, dass die tragische Heldin ihre Geschichte in einer zweifelnden Offenheit selbst erzählt.

Warum Batman nicht tötet

Batman spielt hier nur eine kleine Rolle am Rande. In einer Sequenz fragt ihn Harleen, warum er nicht tötet. Er antwortet, dass er hofft, den Tätern helfen zu können:

„I don’t kill because as hard as it sometimes is, it’s still the right choice. I don’t kill because I don’t want to give up on them…or on myself.“

Durch diese Aussage bestärkt er indirekt die Psychiaterin in ihrem Willen, dass man auch den Joker heilen könne.

Harleen ist zu einem großen Teil auch eine Two-Face-Story. In einer intensiven Variation seiner Entstehungsgeschichte wird gezeigt, wie Staatsanwalt Harvey Dent im Kampf für das Gute langsam in den Wahnsinn abrutscht und sich mit den Executioners, einer Bande von Polizisten, verbündet, die davongekommene Verbrecher tötet. Gemeinsam planen sie, die Insassen von Arkham zu befreien, um in der Stadt wieder die Todesstrafe einzuführen. Allein hier könnte man kritisieren, dass es naheliegender wäre, wenn sie die Verbrecher selbst hinrichten würden – so wie sie es auch sonst tun.

Darüber hinaus ist der Comic auch optisch gelungen. Stjepan Sejic zeichnet mit präzisem, feinfühligem Strich ausdrucksstarke Figuren mit nuancierten Mimiken und Körperhaltungen. Schurken wie Two-Face, Poison Ivy und Killer Croc wirken ebenso schrecklich wie anziehend. Auf dem großen Seitenformat kommen die Bilder besonders gut zur Geltung.

Insgesamt ist Harleen unbedingt lesenswert und einer der besten Harley-Quinn-Origins seit Mad Love. Eine echte Bereicherung dürfte es gerade für die sein, die Harley Quinn nicht mögen. Dieses Comic könnte sie endlich mit der Figur versöhnen.

Mehr zum Thema:

Neue Batman-Comics im Mai: Death Metal, Smile Killer, Man-Bat

Batman: Smile Killer, Dark Nights: Death Metal & Man-Bat.

Im Frühling 2020 erwarten die Batman-Leser einige vielversprechende Comics. Alle haben eins gemeinsam: Sie wissen nicht, wann genug ist. Es sind lauter Fortsetzungen und Neuaufgüsse.

Als erstes wäre da ein neues Event: Dark Nights: Death Metal #1 ist der Auftakt einer sechsteiligen Miniserie. Ihr dachtet, wir wären mit Dark Knights: Metal aus dem Snyder? Tja, der gute alte Scott hat noch einen Ass im Ärmel. „One last tour“ soll es werden. Ich dachte zwar, das wäre es schon beim letzten Mal, und spätestens mit dem Last Knight On Earth, aber nein: Wieder geht es um das Dark Multiverse, wieder um den Batman Who Laughs, wieder zeichnet Meister Greg Capullo. Diesmal müssen sich Batman, Superman und Wonder Woman getrennt herumschlagen. Zumindest am Anfang. Und wieder tragen alle schräge Kostüme. Los geht das Spektakel am 13. Mai.

Am selben Tag erscheint der One-shot Batman: The Smile Killer #1. Damit schieben Jeff Lemire und Andrea Sorrentino ihrem Dreiteiler Joker: Killer Smile, der unter DCs Black Label erscheint und im Februar endet, noch einen Epilog hinterher. Es handelt von einem jungen Bruce Wayne, der mit der The Mr. Smiles Show aufgewachsen ist, einer TV-Sendung, die auf ihn zurückzuschauen und mit ihm direkt zu reden schien. Der Joker stellt den Batman-Mythos angeblich auf den Kopf, mit dem zerstörerischsten Trick, den er je ausgeführt hat, heißt es in der Ankündigung. Killer Smile soll im Juli als Hardcover erscheinen. Es wäre schade, wenn darin der One-Shot fehlen würde.

Der Mai hat aber auch noch mehr Überraschungen zu bieten: Zum einen eine neue Man-Bat-Miniserie, geschrieben von Dave Wielgosz und gezeichnet von Smit Kumar. So eine gab es bereits 2006: Man-Bat: The Return. Die Story wirkt auch vertraut: Kirk Langtrom erleidet einen Rückfall und richtet seine Wut gegen die Einwohner Gothams. Der Fünfteiler beginnt am 6. Mai. Passend dazu erscheint für Nostalgiker eine „Facsimile Edition“ von Man-Bat #1 von 1974. Vier US-Dollar lässt sich DC diesen Nachdruck kosten. Spoiler: Die Geschichte ist es nicht wert.

Batman: The Adventures Continue & Batgirl Adventures.

Vom nostalgischen Wunsch, ruhmreiche Tage der Vergangenheit wieder aufleben zu lassen, zeugt auch Batman: The Adventures Continue. Das bewährte Team aus Paul Dini, Alan Burnett und Ty Templeton, das bereits für The Animated Series/The Batman Adventures verantwortlich war, legt noch einmal mit einer sechsteiligen Miniserie nach, die im Universum der legendären Zeichentrickserie spielt.

Die Story? Eigentlich egal. Aber wen es interessiert: Wayne Enterprises wird von einem Riesenroboter angegriffen, der einen ganzen Laborraum stiehlt. Irgendwas hat Lex Luthor damit zu tun. Am 6. Mai wissen wir mehr, danach folgen noch fünf weitere Teile.

Ergänzend dazu legt DC noch einmal The Batman Adventures #1 auf. Das Beste daran ist, dass es nur 1,99 US-Dollar kostet, aber sonst ist man mit dem Paperback natürlich besser bedient. Doch damit nicht genug: Das Batgirl aus den Batman Adventures bekommt ihr eigenes Paperback gewidmet. Batgirl: A League of Her Own versammelt Batgirl Adventures #1,  Batman: Gotham Adventures #8-9, #22 und #38. Der Band erscheint am 10. Juni, wird 152 Seiten umfassen und wird 9,99 US-Dollar kosten. Auf eine Gesamtausgabe der Gotham Adventures werden wir wohl noch länger warten müssen.

DC Comics

Und zum Schluss noch ein Reprint, den ich mit Nachdruck empfehlen möchte (dann ist aber auch Schluss mit den Kalauern): Batman/Wonder Woman: The Hiketeia Deluxe Edition. Greg Rucka und J.G. Jones erzählen ein gelungenes Team-Up der beiden Helden.

Erscheinungstermin: 3. Juni. Kosten: Verflucht teuer. 30 Dollar für 128 Seiten. Deutlich günstiger ist der Paperback Wonder Woman By Greg Rucka Vol. 1 (2016), auch weil er deutlich mehr Inhalt bietet.

Weitere Sammelausgaben im Mai:

>> Neue Batman-Comics 2020

 

Batmans letzter Tag auf Erden

DC Comics

Titel: Batman DOA

Autor/Zeichner: Bob Hall

Erschienen: 1999 (One-Shot)


Wenn morgen die Welt unterginge, würde er heute noch einen Apfelbaum pflanzen, ist von Martin Luther überliefert. Ganz ähnlich ist es mit Batman: Wenn er morgen stürbe, würde er nicht etwa Abschied vom Leben, von Freunden und Weggefährten nehmen, er würde bis zum letzten Atemzug das Verbrechen bekämpfen. So, als könnte das sonst niemand außer ihm.

In Batman: DOA (was sowohl für „Dead on Arrival“ als auch für „Dead or Alive“ stehen kann) läuft es so: Pinguin, Joker und Two-Face infizieren Batman von Arkham aus mit einem tödlichen neuen Virus. Er hat nur noch 24 Stunden zu leben. Unmöglich, so schnell ein Heilmittel zu finden. Das hat nur der Pinguin, aber das weiß kaum jemand. Das Problem: Die Tochter eines Politikers wurde entführt, die Erpresser wollen 50 Millionen Dollar. Doch Batman befürchtet, dass sie das Kind nicht am Leben lassen, wenn sie das Geld haben.

Batman sammelt seine letzten Kräfte, um die Erpresser aufzuhalten. Er kann kaum stehen, nicht mal Autofahren. Robin muss ihm helfen, um herauszufinden, wer ihn umbringen will. Wir sehen einen Helden am Ende, ausgezehrt, wie ein Untoter wandelt er durch Gotham und kotzt sich die Seele aus dem Leib. Er muss viel trinken, aber hat nicht mal Geld, um in einer Bar dafür zu bezahlen. Selten sieht man Batman dem Tode so nah.

Autor Bob Hall schafft eine äußerst brenzlige Situation, in der er über die ganzen 64 Seiten seine Spannung aufrecht erhält. Als Zeichner ist er sperrig, aber ausdrucksstark, mit Anleihen beim Film Noir. Sein Batman DOA ist heute fast vergessen, aber durchaus wert, wiederentdeckt zu werden.

Mehr von Bob Hall:

>> Batman 1990-1999

80 Jahre Joker: Eine neue Anthologie

DC Comics

Der Joker wird im Frühling 80 Jahre alt. Deshalb bringt DC nicht nur ein 100-seitiges Joker-Special heraus, sondern am 29. April 2020 auch eine neue Anthologie: Joker – 80 Years of the Clown Prince of Crime. Und es ist eine kleine Sensation: Enthalten werden auch zwei der besten oder zumindest bedeutendsten Joker-Storys: The Killing Joke (1988) und Mad Love (1994). Meine Gebete wurden erhört! Denn bislang hat DC diese dünnen Geschichten immer nur einzeln als teure Hardcover in unzähligen Variationen verkauft. Jetzt kann man sie für rund 30 US-Dollar bekommen, zusammen mit einigen anderen Klassikern, wie etwa der originalen Red-Hood-Story von 1951, die allerdings schon in der Anthologie von 2015 enthalten war. Überhaupt gibt es viele Überschneidungen und ein paar sinnlose Ergänzungen.

Ärgerlich ist, dass – wie schon 2015 – aus mehreren längeren Storylines jeweils nur einzelne Kapitel herausgeschnitten wurden: Bei A Death in the Family, hat man diesmal statt der Ausgabe, in der Robin getötet wird, das schwachsinnige Finale reingesteckt, auch bei Soft Targets bekommt man ein letztes Kapitel ohne den Rest. Bei Hush wurde einfach ein beliebiges Kapitel aus dem Kontext gerissen. Detective Comics #1 von 2011 ist die Ausgabe, in der sich der Joker sein Gesicht abschneiden lässt, aber die Geschichte hat sonst wenig mehr zu bieten. Aus Death of the Family wurde diesmal das Finale reingesteckt (Batman #17), statt Batman #15 – eine ebenso willkürliche Auswahl.

Ingesamt werden also acht „neue“ gegen sechs „alte“ Storys geboten, wenn man bei dem Stückwerk überhaupt von Storys sprechen kann. Denn bis auf die beiden oben erwähnten bringen nur drei weitere Geschichten einen echten Mehrwert: The Great Clayface-Joker Feud, Dreadful Birthday, Dear Joker und Images. Ziemlich teuer für 30 Dollar.

Hier der komplette Inhalt (fett markiert sind Titel, die 2015 nicht enthalten waren):

>> Liste der Joker-Comics
>> The Joker: His Greatest Jokes


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Ein Honest Trailer für Joker

Wenn ich einen Film richtig gut finde, schaue ich mir die Honest Trailer dazu lieber nicht an, weil ich mir die Filme nicht ruinieren will. Wenn man erst einmal auf etwas Bestimmtes hingewiesen wird, kann man den Film nicht mehr sehen, oder immer wieder daran zu denken.

Bei Joker habe ich mal eine Ausnahme gemacht. Und es zeigt sich: Gute Filme können selbst nicht von Honest Trailern kaputtgemacht werden. Oder andersrum gesagt: Je besser der Film, desto schlechter der Honest Trailer. Denn in einem Film wie Joker gibt es nicht viel, worüber man sich lustig machen könnte. Und so ist das Video mehr zu einer Würdigung und Verteidigung gegen die Kritiker geworden, die behauptet haben, der Film stifte zu Gewalt an. Die Realität hat uns eines Besseren belehrt: Es laufen nicht überall Killer-Clowns herum und spielen Revolution.

Die witzigste Bemerkung ist der Vergleich mit Jared Letos Joker in Suicide Squad: „instead of writing ‚damaged‘ on his forehead, (he) just damages his forehead“.

Wer hat Batman getötet?

DC Comics

Titel: Where Were You On The Night Batman Was Killed?

Auto/Zeichner: David V. Reed/John Calnan

Erschienen: 1977 (Batman #291-294), Paperback 2009 (The Strange Deaths of Batman), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Batman ist tot. Doch wer hat ihn getötet? In Gotham machen Gerüchte die Runde, jeder Kleinganove reklamiert die Tat für sich, jede Geschichte klingt anders. Ein Gerichtsverfahren wird einberufen, kein offizielles, sondern eines der Schurken, in einem privaten Anwesen. Der Richter ist Ra’s al Ghul, der Ankläger ist Two-Face, die Jury besteht aus Poison Ivy, Scarecrow, Mad Hatter, Mr. Freeze, Spook und Signalman.

Nacheinander werden vier Zeugen vorgeladen, die behaupten, für Batmans Tod verantwortlich zu sein: Catwoman, Riddler, Lex Luthor und der Joker. Catwoman erzählt von einer wilden Verfolgungsjagd, bei der Batman mit ihr in einen Fluss stürzt. Sie rettet sich mit der Beute und einem Jaguar auf einen schwimmenden Käfig, als Batman aus dem kalten Wasser auftaucht und sich auf den Käfig ziehen will, stößt ihn Catwoman zurück, weil sie sonst mit ihm versinken würde. Ihre Beute ist ihr wichtiger als ihr Geliebter. Aber kann Catwoman, die noch nie getötet hat, eine Mörderin sein?

Joker: Mörder wider Willen

Der Riddler behauptet, Batman gefangen genommen und in die Luft gesprengt zu haben. Lex Luthor erzählt, er habe Supermans Bewusstsein in Batmans Körper übertragen und ihn dann totgeschlagen. Aber Two-Face schafft es, alle drei Aussagen zu widerlegen. Selbst Superman lädt er dafür als Zeugen vor, der sich bester Gesundheit erfreut.

Schließlich ist der Joker dran. Er sagt, er habe Batman im Zweikampf in einem Pelzgeschäft eine Überdosis Joker-Gift verpasst, an der er gestorben sei. Joker offenbart: Er habe schon oft Gelegenheit gehabt, Batman zu töten, aber habe ihn überleben lassen, um sich seinen aufregendsten Gegner zu bewahren – „my partner in fun and games“! Nachdem es zufällig doch passiert ist, ist es ihm auch nicht schade drum: „I hadn’t meant it–but I didn’t shed any tears over it, either!“

Der Joker habe daraufhin Batmans Maske gelüftet, aber dessen Gesicht und seine Fingerabdrücke unkenntlich gemacht, damit die Polizei was zu tun hat. Als Beweis habe der Joker aber Fotos vom Gesicht gemacht. Two-Face bezweifelt das und fordert den Beweis.

ACHTUNG: SPOILER!

Kurz darauf offenbart sich Two-Face aber als Batman selbst. Der Batman, den Joker getötet haben will, war nur ein Nacheiferer, ein Fanboy, der zur falschen Zeit am falschen Ort war. Batman hat den Prozess inszeniert, um den Mörder zu finden. Der wahre Two-Face war die ganze Zeit über in Arkham Asylum. Am Ende wird die Nachricht verkündet: Batman lebt!

Allerdings: Es hätte auch gereicht, die Leiche auf die Todesursache hin zu untersuchen. Das Gift im Körper hätte nur einen Schluss zugelassen. Aber ja, dann gäbe es diese Geschichte nicht, die allein schon wegen der Fülle an Schurken ein historisches Ereignis ist.

Der Vierteiler inspirierte Paul Dini zu der Batman: The Animated Series-Episode „Almost Got ′Im„, in der Two-Face, Pinguin, Joker und Killer Croc sich erzählen, wie sie Batman einmal „fast erwischt“ hätten. 2009 schrieb Neil Gaiman eine Comic-Story, die noch näher dran war am Original: Whatever Happened to the Caped Crusader? Auch darin gilt Batman als tot und die Schurken erzählen sich bei einer Trauerfeier verschiedene Versionen davon, wie es dazu kam – allerdings mit einem ganz anderen, geradezu genialen Dreh.

Mehr zum Thema:

80 Jahre Joker – und noch ein Special

DC Comics

Nach Robin und Catwoman bekommt auch der Joker eine Würdigung zum 80. Geburtstag: The Joker 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1 wird den Clown Prince of Crime mit einer Reihe von Kurzgeschichten feiern. Mit dabei sind Autoren und Zeichner wie Brian Azzarello, Lee Bermejo, Paul Dini, Denny O’Neil, Scott Snyder, Tom Taylor, Jock, José Luis García-López, Mikel Janín, James Tynion IV, Riley Rossmo und andere.

Die acht Variant Cover, die jeweils einer Dekade Tribut zollen werden, stammen unter anderem von David Finch, Jim Lee, Bill Sienkiewicz, Lee Bermejo und Jock.

Das Special soll am 29. April 2020 erscheinen und 9,99 US-Dollar kosten.

Dazu wird eine neue Anthologie erscheinen: The Joker: 80 Years of the Clown Prince of Crime. Sie soll 448 Seiten umfassen. Was drin sein wird, ist – bis auf den ersten Auftritt – noch unbekannt.

DC Comics

UPDATE am 19.1.2020: Für die Batman-Serie kündigt DC eine neue Storyline mit dem Joker als Antagonisten an: Mit dem Ende von „Their Dark Designs“ (Batman #93) wird sich der „Joker War“ abzeichnen – „and Gotham City will never be the same.“ Wie oft wir das schon gelesen haben … Das Heft, geschrieben von James Tynion IV und gezeichnet von Guillem March, erscheint am 15. April 2020.

>> Liste der Joker-Comics

Batman trifft Judge Dredd

batman judge dredd cover

DC Comics

Titel: Batman/Judge Dredd Collection

Autor/Zeichner: Alan Grant/Simon Bisley u.a.

Erschienen: 1991, 1993, 1995, 1998 (Judgement on Gotham; Vendetta in Gotham; The Ultimate Riddle; Die Laughing), Paperback 2014


Judge Dredd ist Polizist, Richter und Henker in einem. Ein knallharter Typ, der in einer knallharten, dystopischen Stadt (Mega-City One) Verbrechen aufklärt und sühnt – mit roher Waffengewalt. Der Antiheld trat 1977 zum ersten Mal im der Comic-Anthologie 2000 AD auf, 1995 wurde der Stoff mit Sylvester Stallone als Trash verfilmt, 2012 kam ein Remake ins Kino, das bei Kritikern größere Gnade fand.

Bereits 1991 traf Judge Dredd auf Batman. Es war das erste Crossover der 90er mit einem Charakter von einem anderen Comicverlag und es folgten drei Fortsetzungen. Im ersten Teil, Judgement on Gotham, dringt ein böser Geist namens Judge Death in Gotham ein und tötet Menschen. Batman hält ihn vorläufig auf, wird dann aber in die Parallelwelt nach Mega-City One teleportiert, wo er auf den Cyborg-Schurken Mean Machine trifft und dann mit dem Gesetz in Form von Judge Dredd in Konflikt gerät.

Der Mann, der seinen Helm nie abnimmt, will Batman festnehmen. Als der sich widersetzt, knockt Dredd ihn aus und sperrt ihn ein. Batman stehen 15 Jahre Knast bevor. Keine Gnade. Keine Rücksicht. Nicht mal der Versuch, Batman Glauben zu schenken. Erst der Auftritt der Telepathin Judge Anderson bringt Klarheit. Dredd bleibt stur, besteht auf Strafe, Batman schlägt ihn, wird verfrachtet, Anderson befreit ihn und man fährt gemeinsam nach Gotham, um Judge Death zu besiegen, der sich in der Zwischenzeit mit Scarecrow verbündet.

Judge Dredd jagt ihnen hinterher. Er ist hier mehr Gegner als Verbündeter, ein stumpfer Haudrauf und Prinzipienreiter, der sich mehr für die Strafe an Batman als für echte Gefahren interessiert. Erst am Ende macht sich seine Brutalität nützlich, um zu verhindern, dass Judge Death Massenmord bei einem Rockkonzert begeht.

Nicht nur wegen der unsympathischen Figur ist Judgement on Gotham ist gewöhnungsbedürftig. Auch die Handlung artet in Gewaltorgien und bizarre Situationen mit einem schwarzen bis geschmacklosen Humor aus. Bewundernswert sind dabei aber die Zeichnungen von Simon Bisley, der das Szenario noch grotesker und surrealer darstellt, als es ohnehin schon ist. Albtraumhaft wirkt jedes Panel, selbst Batman ist mit seinen langen Ohren und seinem dämonischen Auftreten furchterregend.

Scarface, Riddler, Joker

The Ultimate Riddle (DC Comics)

Im zweiten Teil, Vendetta in Gotham, sind die Bilder von Cam Kennedy bodenständiger, auch wenn die Story auf andere Weise bizarr anmutet: Judge Dredd kommt nach Gotham, um mit Batman eine offene Rechnung zu begleichen. Es kommt zu einer großen, fast nicht enden wollenden Prügelei. Gleichzeitig plant der Bauchredner/Scarface einen Anschlag auf einen Politiker bei einer Theateraufführung von Kindern. Scarface schmuggelt sich als verkleidete Puppe auf die Bühne und soll dann explodieren. Schließlich stellt sich heraus, dass die Handlung doch nicht so stumpfsinnig war, wie es zunächst schien. Tieferen Sinn ergibt das alles jedoch nicht.

Teil drei, The Ultimate Riddle, beginnt mit dem Riddler. Batman wird mit ihm zu einer fremden Welt entführt und in einen Käfig gesteckt. Judge Dredd wird ebenfalls gefangen gehalten, zusammen mit sechs weiteren Kämpfern anderer Planeten. Ein Diktator namens Xero zwingt sie dazu, gegeneinander anzutreten. Wer gewinnt, darf überleben. Batman wird als Beute vorausgeschickt, die die anderen jagen sollen. Wieder gibt es mehr Action als nennenswerte Dialoge, wieder reicht es, sich an den aufwendigen Illustrationen zu ergötzen. Dredd wird auch hier nicht unbedingt interessanter. Die überraschende Wendung am Ende lässt das Ganze noch banaler erscheinen.

Batman/Judge Dredd: Die Laughing (DC Comics)

Die letzte Begegnung der ungleichen Helden ist der Höhepunkt der Reihe: In Die Laughing kommt der Joker mit dem Teleportationsgürtel nach Mega-City One, befreit Judge Death und die drei anderen Dark Judges und richtet mit ihnen ein Gemetzel in einer Hedonistengemeinde an. Die Story bekommt doppelt so viel Raum und weil Dredd selbst zum Outlaw wird, bildet er mit Batman ein gutes Team, um die Schurken aufzuhalten. Der Joker wird selbst zum Dark Judge.

Die Laughing ist eine Horrorgeschichte voller expliziter Gewalt, vieler furchterregender Gestalten und Leichen, ebenfalls sehr ausdrucksstark gezeichnet, wenn auch auf Dauer etwas anstrengend. Man kann in dem Hedonistenmassaker sogar eine Gesellschaftssatire sehen. Eine sehr schwarze. Aber all zu viel Tiefgang sollte man trotzdem nicht erwarten.

Das Schlusskapitel des Bandes, Lobo/Judge Dredd: Psycho Bikers Vs. Mutants From Hell, habe ich mir dann gespart.

>> Liste der Batman-Crossover