Kelley Puckett

Batman bricht den Rekord

Batman and Robin Adventures Vol. 3

DC Comics

Titel: Batman and Robin Adventures Vol. 3

Autor/Zeichner: Ty Templeton, Hilary J. Bader, Kelley Puckett/Bo Hampton, Brandon Kruse, Joe Staton

Erschienen: 1997 (Batman and Robin Adventures #19-25, Annual #2), Paperback 2018


Wie viele Verbrecher schaffen Batman und Robin in einer Nacht? Bei der Polizei von Gotham schließt man Wetten ab. Bullock kommt zu spät, ihm bleibt nichts anderes mehr übrig, als auf 20 zu setzen. 20 böse Buben in einer Nacht? Unmöglich! Oder? – Solche pfiffigen Ideen machen nicht nur Batman: The Animated Series interessant, sondern auch die besten Ausgaben der Adventures-Comics. Mit dieser Story sind die Comics zur Abwechslung mal der Serie voraus.

Im letzten Band der Batman and Robin Adventures kommt auch Batgirl zum Zug. Allein darf sie mehrere Rätsel des Riddlers lösen und dabei ihren Vater befreien. Eine intelligente Story, die der sympathischen Heldin zu ihrem Recht verhilft. (Die Geschichte erschien auch auf deutsch in Batman & Superman Adventures #4, Dino Verlag.) Auch Huntress wird in diesem Band eingeführt, allerdings nicht so, dass man sie unbedingt wiedersehen will – die Figur bleibt ihrem Vorbild aus dem regulären Comics verhaftet.

Das dritte Highlight ist das Annual #2, in dem Batman mit Zatanna sich gegen einen Hypnotiseur helfen muss. Der lässt in Wayne Manor ein Amulett stehlen, das seine Kräfte verstärkt. Parallel dazu sehen wir in Rückblenden, wie Bruce als junger Mann dem Hypnotiseur begegnet ist, als er bei Zatara in die Lehre ging. Zwar erfindet die Geschichte das Rad nicht neu, aber allein die epische Breite, die hier eingeräumt wird, ist eine willkommene Abwechslung in dieser Sammlung von Kurzgeschichten.

Ansonsten bricht Two-Face wieder mal aus dem Knast aus, Killer Croc spielt Die Schöne und das Biest mit Summer Gleason und Poison Ivy hilft einem Jungen, der ein tödliches Gift absondert. Das ist mal mehr, mal weniger gelungen, und wenn man sich die Cover dazu ansieht, wünscht man sich, dass Ty Templeton die Geschichten selbst gezeichnet hätte.

Zum Schluss sinkt das Niveau leider enorm. 1997 kam der Film Men in Black in die Kinos und es jährte sich der angebliche „Roswell-UFO-Absturz“ zum 50. Mal. Da dachte man sich bei DC: Springen wir doch auf den Zug auf. Und so kam es auch – in der dämlichsten Form, die man sich vorstellen kann. Alle Klischees werden bedient und ins Absurde getrieben: Ra’s al Ghul wird von Aliens entführt, er übernimmt das UFO, entführt Batman, wirft ihn hinaus und will die Polkappen schmelzen. Batman überlebt und bekommt Besuch von zwei „Men in Black“. Es läse sich wie eine Parodie, wenn es denn wirklich lustig wäre. Aber das ist einfach nur Murks.

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Dämonen der Vergangenheit

DC Comics

Titel: Batman Adventures Vol. 4

Autor/Zeichner: Paul Dini, Kelley Puckett/Bruce Timm, Mike Parobeck

Erschienen: 1995 (Batman Adventures #28-36, Annual #2, The Batman Adventures Holiday Special #1), Paperback 2016


Batman verliert sein Gedächtnis, fällt geistig zurück auf den Stand eines Kindes, Catwoman macht ihn als Catman zu ihrem Verbündeten – und Robin muss nicht nur den Aufpasser spielen, sondern auch Batman dabei helfen, wieder normal zu werden.

Diese dreiteilige Story bildet das Finale der Batman Adventures (bevor sie als Batman & Robin Adventures weitergeht). Verantwortlich für die Amnesie ist Hugo Strange, der hier zur tragischen Figur wird. Denn Stranges Sohn wurde von Gangstern ermordet, nachdem Strange sich geweigert hat, für sie zu arbeiten. Mit seiner Amnesie-Maschine wollte er bloß vergessen.

Es macht viel Spaß, Batman als Kind im Körper eines Mannes zu sehen: Er macht Verbrecherverprügeln zum Spiel, hat einen flotten Umgangston und hält mit seinen Gefühlen nicht zurück. Catwoman gegenüber wird er einmal ungewöhnlich deutlich: „I promise no matter what, I will never be your friend and I will never forgive you and I will hate you for the rest of my life.“

Das ist nicht das einzige Highlight des vierten Bandes: In der Story davor erlebt Bruce Wayne sein Kindheitstrauma erneut, als er mit seiner neuen Liebschaft und ihrem Sohn das Kino verlässt und wieder ausgeraubt wird. Danach verschwindet Bruce, um als Batman den Täter zu fassen. Doch obwohl er erfolgreich ist, will die Frau später nichts mehr mit Bruce zu tun haben. Bitter fällt Batmans Bilanz am Ende aus: „… nobody got hurt“.

Die Comic-Serie gibt auch Figuren Auftritte, die in der Zeichentrickserie nicht vorkommen. Wie etwa Anarky. Der entführt Unternehmer, die seiner Meinung nach schmutzige Geschäfte machen und lässt sie im Fernsehen exekutieren, wenn nicht genug Zuschauer zu ihren Gunsten anrufen. Unter den Geiseln ist auch Bruce Wayne und wieder muss Robin den Tag retten.

Es gibt auch einiges zu lachen: Nicht nur mit dem Trio Mastermind, Perfesser und Mr. Nice, auch als Harley Quinn versucht, als falscher Psychiater verkleidet den Joker kurz vor Weihnachten aus Arkham freizukriegen. Und zum Schluss trifft Dämon Ra’s al Ghul auf den Dämon Etrigan – was wunderbar gezeichnet ist von Bruce Timm. Von ihm stammt auch ein Teil der Weihnachts-Sonderausgabe (Holiday Special), der später unter dem Titel Holiday Knights als Serien-Episode adaptiert wurde.

Batman Adventures Vol. 4 ist damit der stärkste Band der Reihe.

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Der falsche Batman

DC Comics

Titel: Batman Adventures Vol. 3

Autor/Zeichner: Paul Dini, Kelley Puckett/Bruce TImm, Mike Parobeck

Erschienen: 1994 (Batman Adventures #21-27, Annual #1), Paperback 2015


Bevor mit Roxy Rocket die frivolste Folge der Animated Series produziert wurde, hatte sie ihren ersten Auftritt im Batman Adventures Annual #1. Perfekt inszeniert, mit flottem Strich von Bruce Timm (dem besten Animated-Zeichner überhaupt) ist sie hier schon die sympathische Ganovin, aber sie hilft Batman dabei, die wahre Übeltäterin zu fassen, nämlich Catwoman.

In weiteren, von anderen Zeichnern inszenierten Episoden, rekapituliert Batman, inwiefern sich seine Gegner rehabilitieren lassen. Wir sehen kurze Geschichten mit dem Bauchredner und Scarface, Scarecrow und Harley Quinn. Zum Schluss sehen wir Joker bei einem ebenso sinnlosen wie brutalen Amoklauf durch die Stadt zu. Das ist eher etwas für Freunde des schwärzesten Humors.

Batman trifft in diesem Band auch erstmals auf Superman. In der Animated-Series kam dies nie vor, erst in der Superman-Serie wurde das nachgeholt. Hier kämpfen sie gegen Maxie Zeus. Auch wenn erstklassige Schurken wie Poison Ivy und Two-Face hier Auftritte haben, ist die interessanteste Story eine ohne Prominenz.

In „Survivor Syndrome“ hat Batman einen Nachahmer, einen Sportler, der Rache nehmen will für seine ermordete Freundin. Als dieser Möchtegern-Batman angeschossen wird, rettet das Vorbild ihm nicht nur das Leben, sondern hilft ihm auch, wieder auf die Beine zu kommen. Er trainiert ihn. Am Ende muss sich der junge Mann aber als der moralisch überlegenere beweisen. Die Geschichte ist eine der stärksten in diesem Paperback, das eher eine Lektüre für nostalgische Momente zwischendrin ist.

Joker lässt Comics zeichnen

DC Comics

Titel: Batman Adventures Vol. 2

Autor/Zeichner: Kelley Puckett/Mike Parobeck

Erschienen: 1993-1994 (Batman Adventures #11-20), Paperback 2015


Auch im Universum der Batman Adventures gibt es Comics. Sie heißen Gotham Adventures, also so, wie die Comic-Serie von 1998 bis 2003 hieß. Als der Joker sieht, dass er in den Heften stets schlecht wegkommt, entführt er den Zeichner seine wahren Verbrechen als Comic zeichnen. Die Episode ist voller Anspielungen auf die Comic-Geschichte: Joker trägt einen Pelzmantel wie in The Laughing Fish, die Kapitel heißen „Seduction of the Innocent“ und „Comics and Sequential Death“ (in Anspielung auf Will Eisner).

Der zweite Band der Adventures bietet einige kleine Highlights: Barbara Gordon zieht das Batgirlkostüm an, noch bevor sie offiziell (in der TV-Serie) Batgirl wird. Wie auch schon bei ihrem ersten Auftritt 1967 schneidert sie sich das Kostüm selbst für einen Ball. Zufällig gerät sie an Harley Quinn, Poison Ivy und Catwoman einander. Später bildet sie ein gutes Team mit Robin.

Was noch? Scarecrow sorgt dafür, dass sich die ganze Stadt vor ihm fürchtet, Bruce Wayne verbringt einen romantischen Kurzurlaub mit Talia in Paris und Gordon selbst wird zum Helden im Kampf gegen Rupert Thorne. Außerdem Wiedersehen mit Man-Bat, Scarface und Ra’s al Ghul.

Insgesamt eine bunte Mischung, die unter einigem Durchschnitt auch kleine Perlen für Zwischendurch bietet.

Fernsehen schafft Analphabeten

DC Comics

Titel: Batman Adventures Vol. 1

Autor/Zeichner: Kelley Puckett, Martin Pasco/Ty Templeton, Rick Burchett

Erschienen: 1992-1993 (Batman Adventures #1-10), Paperback 2014


Was bei dem Ruhm um Batman: The Animated Series häufig untergeht, ist die Tatsache, dass es zu der TV-Serie auch eine Comic-Serie gab. Und nicht nur eine: Es waren sogar vier, dazu eine Mini-Serie, einige Adaptionen zu den Filmen (bzw. zu Serien-Episoden) und vor allem Mad Love, ein Original-Comic, das nicht nur Geschichte schrieb, sondern später sogar zu einer Episode adaptiert wurde. Die Comics erschienen noch weit über die TV-Serie hinaus – bis ins Jahr 2004.

Die ersten Ausgaben der 90er Jahre beginnen bemerkenswert: Es geht ums Fernsehen. Der Joker schickt dem Pinguin einen Fernseher, über dem er mit ihm kommunizieren kann. Er macht ihm ein Angebot für einen Plan, später macht er dasselbe bei Catwoman. Im dritten Teil tritt der Joker dann selbst in einer TV-Show auf, entführt Commissioner Gordon und Harvey Dent. Es wird brutal: Während der Sendung bricht er Gordon vor laufender Kamera mit einem Baseballschläger die Arme. Seine Handlanger erschießt er kaltblütig. Er will zeigen, dass in Gotham das reine Chaos herrscht. Auch wenn man nie Blut sieht: Für ein Comic, das sich an Kinder richtet, ist das harter Tobak. Die Comics gehen deutlich weiter als die TV-Serie.

Aber medien- und gesellschaftskritisch geht es weiter: Scarecrow macht die Bewohner Gothams zu Analphabeten – und zwar mit manipulierten Fernsehern. Damit will sich der ehemalige Hochschulprofessor am Bildungssystem rächen, das die Bevölkerung mit Sparprogrammen verdummt. Zwar kann man sich fragen, warum ein Mann der Bildung alles noch schlimmer machen will, aber auch das ist eine Geschichte, die über das hinaus geht, was man von reiner Unterhaltung für Kinder erwartet. Das ist fast schon pädagogisch wertvoll. Und es zeugt von einiger Selbstironie, dass gerade das Fernsehen, das Medium, in dem die Zeichentrickserie mit gutem Beispiel vorangeht, so skeptisch betrachtet wird.

Die nachfolgenden Storys sind weniger ambitioniert: Killer Croc als Ringkämpfer, Clayface taucht überraschend auf, der Riddler plant seinen letzten Coup – das alles sind nette kleine Geschichten, manchmal zum Schmunzeln, aber oft einfach nur zum Bewundern der geschwungenen klaren Linien, die den Animated-Stil ausmachen. Einzig die Hitchcock-artige Story, in der Bruce Wayne eines Mordes verdächtigt wird und als Batman seine Unschuld beweisen muss, ragt dabei heraus. (Das Motiv wurde später in Bruce Wayne: Murderer? aufgegriffen.) Aber kurzweilige Lektüre ist der erste Band allemal, vor allem für Nostalgiker und Fans, die vom Universum der Serie nicht genug bekommen können.

Super-Santa vs. Bat-Santa

DC Comics

Titel: Yes, Tyrone, There Is A Santa Claus

Autor/Zeichner: Kelley Puckett/Pete Woods

Erschienen: 2006 (DCU Infinite Holiday Special #1)


„It’s like something out of a comic book.“ (Batman)

Ein Junge schreibt einen Brief an den Daily Planet: Gibt es einen Weihnachtsmann? Oder ist alles bloß Schwindel? Perry White wittert eine Story und setzt sofort Clark Kent darauf an, eine Kolumne darüber zu schreiben. Doch der übertreibt es mal wieder. Übereifrig wie er ist, belädt er einen Schlitten mit Geschenken, steigt in ein rotes Superman-Kostüm mit roter Bommelmütze und will den Jungen zum Glauben an eine Kunstfigur missionieren.

Super-Santa

Da kommt Batman zufällig vorbeigeflogen. Lächerlich, sagt er. Superman sei zu höherem berufen, zum Beispiel die Welt zu retten. Richtig, sagt Superman, vielleicht sollte er lieber den Nahen Osten befrieden, aber, naja, die Geschenke möchte er schon noch loswerden. Doch als er bei den Kids auftaucht, steht da schon Bat-Santa. Und Superman, der keinen Spaß versteht, reagiert etwas über – und dabei sehen auch noch Kinder zu …

Bat-Santa

Ob Batman den Schlag überlebt, ist nicht überliefert. Aber da es sich ohnehin um eine Elseworlds-Story handelt, können uns die Motive und Folgen dieses Ausrasters ziemlich egal sein. Bemerkenswert ist allerdings die Ironie, dass Superman, der dem Kind ein wenig Romantik schenken wollte, sich überhaupt nicht danach verhält. Out of character, nennt man das. Aber da, wo sich die Comic-Fiktion selbst untreu wird, wird letztlich doch ein ziemlich realistisches Bild von Weihnachten gezeigt: Man zofft sich um die einfachsten Kleinigkeiten.

Superman vs. Bat-Santa

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Der Tod des Bruce Wayne

Titel: Bruce Wayne: Murderer?/Fugitive (dt. Bruce Wayne – Mörder/Auf der Flucht)

Autor/Zeichner: Ed Brubaker, Chuck Dixon, Devin Grayson, Kelley Puckett, Greg Rucka/Rick Burchett, Scott McDaniel u.a.

Erschienen: 2002 (alle Serien), Paperbacks 2014 (New Edition), dt. Panini 2003-2004 (2 Bände „Mörder“, 3 Bände „Auf der Flucht“)


„I know he’s a bit of a lady killer …“

„… killer’s don’t go free.“ (Batman)

„… I know that I’m not an easy person to know.“ (Bruce Wayne)

Irgendwann beim Comiclesen kam mir eine Idee: Wäre es nicht cool, wenn Batman mal selbst unter Mordverdacht stehen würde? Wenn er als Bruce Wayne unschuldig hinter Gitter käme, fliehen würde und dann – ganz nach Dr. Richard Kimble-Manier – versuchen würde, den wahren Täter auf der Flucht zu fassen? Doch bevor ich meine Fantasie ausleben konnte, stellte ich nach kurzer Recherche fest: die Idee hatten andere schon vor mir – und DC hat ihr eine ganze Storyline gewidmet, die über 1000 Seiten umfasst.

Sie liest sich so: Als Batman mit seinem Sidekick (und Bodyguard) Sasha Bordeaux von der Patrouille zurück nach Wayne Manor komm, findet er seine alte Freundin Vesper Fairchild tot auf – ermordet. Kurz darauf trifft die Polizei ein und nimmt Bruce Wayne und Sasha wegen Mordverdacht fest. Während Wayne im Knast sitzt und die Aussage verweigert, versucht der Rest der Bat-Familie herauszufinden, wer Bruce den Mord angehängt hat. Nachdem sie herausfinden, dass Vesper Batmans Geheimidentität gelüftet hat, kommen Zweifel auf, ob der Held, der niemals tötet, erstmals eine Ausnahme gemacht haben könnte. Doch kaum haben die Mühlen der Justiz angefangen zu mahlen, bricht Wayne aus dem Knast aus, fingiert für Wayne eine Flucht ins Ausland und erklärt seine zivile Identität für tot. Das macht vor allem Nightwing stinksauer, der Batman seine Meinung mit den Fäusten sagt.

Batmans Lethargie

Aber Batman bleibt stur, geht seinen Weg alleine, erklärt Bruce Wayne für tot, ist nur noch als Batman unterwegs – und tut so, als wäre nichts gewesen. Und das ist der schwer nachvollziehbare Aspekt an Bruce Wayne – Murderer?: Nicht nur, dass Batman sich erneut von seinen Mitstreitern isoliert, er bleibt auch eigenartig lethargisch, wie schon zuvor bei seinem „Urlaub“ nachdem Gotham zum Niemandsland erklärt wurde und nach dem Attentat auf James Gordon. Statt, wie es für den größten Detektiv der Welt üblich wäre, Vespers Mörder zu suchen, übernehmen Nightwing, Robin, Batgirl und Orakel diese Aufgabe und Batman kümmert sich lieber um Nachrangiges wie einen Feuerteufel und Bombenleger, um Drogendealer und einen Pseudo-Engel sowie einen Frankenstein-Typ, der Zombies erschafft. Das alles lenkt zu sehr von der Hauptgeschichte ab, ebenso wie die vielen anderen Binnenhandlungen um Robin, Nightwing, Batgirl, Spoiler, Black Canary und sogar Blue Beetle. Dadurch wird das Epos auf sein Überformat gestreckt und verliert an Stringenz. Dafür hätte man gerne den Ausbruch von Bruce Wayne gesehen. Aber diese Szene wird – völlig unverständlicherweise – ausgespart und bloß in ein paar Sätzen nacherzählt.

In der Fortsetzung (die Fugitive heißt, obwohl Wayne schon länger auf der Flucht ist) fängt sich Batman wieder, indem er sich auf seine Anfänge zurückbesinnt, auf die im ersten Jahr als Vigilant und auch auf seine Begegnung mit Detective Sloan, der dem Jungen Bruce versprochen hat, den Mörder der Eltern zu fassen – aber es nie geschafft hat. Schließlich findet er zu seiner Identität als Bruce Wayne zurück. Doch von seiner Hauptaufgabe wird er zunächst von einem Subplot um Drogen und der Organisation Checkmate sowie einem Intermezzo mit der alten Reizbacke Azrael abgelenkt. In der Zwischenzeit versuchen Nightwing, Robin und Batgirl, das Verbrechen an Vesper zu rekonstruieren. Aber sie hätten sich die Mühe auch sparen können, denn auf den Mörder und seinen Auftraggeber kommt Batman schließlich ganz schnell von selbst. Unnötigerweise bleibt aber auch viel zu lange die Frage bestehen, ob nicht doch Batman selbst den Mord verübt haben könnte. Erst viel zu spät spricht Nightwing aber das Naheliegendste aus, nämlich dass Batman es bestimmt besser angestellt hätte, als seine zweite Identität damit zu gefährden. Auch hier leidet die Geschichte an zu viel unnötigem Beiwerk.

Keine üblichen Verdächtigen

Die Lösung des Falls befriedigt nur leidlich. Die Motivation des Urhebers ist schwer nachzuvollziehen und wird nur oberflächlich erklärt. Auch bleibt unverständlich, warum Batman ihn nicht verfolgt oder wenigstens zur Rede stellt. Wie sonst auch bleibt der Held desinteressiert. Stattdessen gibt es nur einen Epilog darum, dass Batman den reumütigen Auftragskiller vor dem Attentäter Deadshot zu bewahren versucht, und dass Sasha auf Umwegen aus dem Knast kommt. Warum Bruce Wayne nach seiner Flucht ohne Konsequenzen zu seinem zivilen Leben zurückkehren kann – und das auch noch ohne dass die Polizei fragt, wie er das gemacht hat – bleibt wohl das größte Rätsel der Geschichte.

Auch visuell befriedigen Murderer und Fugitive nicht. Die Zeichnungen variieren in Stil und Qualität, bleiben aber meist auf durchschnittlichem Niveau, einige Male sogar darunter. Die Stümperei fällt vor allem im Vergleich mit den meisterhaften Covern von Brian Bolland auf (The Killing Joke). Trotzdem gibt es einige stimmungsvoll gelungene Panels. Und auch die meisten Kapitel sind (zumindest in der ersten Hälfte) einnehmend erzählt, etwa in den Momenten des Zweifels, wenn Alfred in der Bathöhle darüber räsonniert, was Mord mit einem macht und mit Nightwing darüber spricht, ob Bruce nicht doch dazu fähig wäre, oder wenn Leslie Thompkins Bruce im Gefängnis besucht und nur von ihm angeschwiegen wird. Selbst wie Bruce und Sasha sich im Gefängnis fühlen, wird sehr eindringlich vermittelt. Interessant ist an dieser Geschichte ist, dass sie auch (bis auf Deadshot und Catwoman) ohne die klassischen Schurken auskommt und auch keinen neuen einführt. Zur Abwechslung tut es gut, die üblichen Verdächtigen ruhen zu lassen.

Damit ist die Story trotz der vielen Durchhänger und Schwächen zwar meistens unterhaltsam zu lesen, gäbe es nur die Hälfte der über 1000 Seiten, hätte das der Handlung besser getan.

(Ich denke, meine Version wäre gelungener gewesen.)

>> Batman 2000-2011