Scarecrow

Scarecrows Evolution durch Angst

DC Comics

Titel: Fear State

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Jorge Jimenez

Erschienen: 2021 (Batman #112-117), Hardcover 2022


Als ich dieses Blog anfing (2013), war es jedes Mal ein besonderes Ereignis, wenn ein weiterer Band der damals neuen Batman-Serie erschien. Die Serie von Scott Snyder und Greg Capullo wirkte frisch und aufregend und bildete sogar der Auslöser dafür, mit dem Blog anzufangen. Auch wenn die Qualität immer mehr abnahm, bekam man doch meist gute Unterhaltung für sein Geld.

Dann kam die schlimme Tom-King-Phase. Schweigen wir lieber darüber – nuff said. Und dann übernahm James Tynion IV und ließ es wieder mehr nach Batman aussehen, hob aber trotz Joker War nie richtig ab. Nach viel Vorlauf und Zwischengedöns kommen wir also zu Fear State, Tynions großem Batman-Finale. Im vergangenen Band (The Cowardly Lot) haben wir gesehen, wie Scarecrow die Stadt terrorisiert und Batman halluzinieren und fast wahnsinnig werden lässt. Gleichzeitig schickt Simon Saint seinen Magistrate los, eine Hightech-Spezialtruppe, die in Gotham für Ordnung sorgen soll – ganz vorne mit dabei Peacekeeper-01, der aber durchdreht.

Eine ziemlich harte Nuss für Batman. Könnte man meinen, denn Batman spaziert dann einfach aus Scarecrows Versteck, spritzt sich irgendein Gegenmittel, das im Batmobil herumliegt und ist wieder ganz auf der Höhe. Doch in der Zwischenzeit ist die Situation noch komplizierter geworden: Poison Ivy, die sich jetzt Queen Ivy nennt, hat unter Gotham einen Garten angelegt, mit dessen Pflanzen sie die Stadt vernichten will.

Parallel dazu schickt Simon Saint Peacekeeper-X los, um Peacekeeper-1 einzufangen. Und los geht die erste Keilerei. PK-1 steckt einiges ein, wird entstellt zu einer Art Two-Face und tritt dann am Ende als eine Art Bane-Verschnitt gegen Batman an, Keilerei 2.

Angst als Therapie gegen Angst

Zwischendurch findet Batman heraus, dass Scarecrow Angst als Mittel einsetzt, damit die Bürger von Gotham ihre Angst überwinden. Angst macht stark, so die Devise. Die Menschen sollen dafür zunächst in Schockzustand versetzt und dann mit Propaganda aufgestachelt werden. Die Figur von Scarecrow soll als „Strohmann“ dienen, um diese Furcht zu kanalisieren – das ist der „Fear State“ (Angstzustand), den sie dann bewältigen sollen.

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Robins Weihnachten mit Scarecrow und Mr. Freeze

Batman: Urban Legends #10 und „Tis the Season to be Freezin“ (DC Comics)
Nach dem Halligalli von Fear State und Future State ist in Gotham die Verzweiflung groß. Besonders in der kalten Jahreszeit. Kurz vor Weihnachten werden die Kirchen geplündert, sogar die Synagogen und Moscheen sind nicht sicher. Die Bedürftigsten trauen sich nicht mal mehr zur Armenspeisung. Die Menschen leben haben Angst, vertrauen weder Polizei noch Regierung, sie wissen nicht mal mehr, wie man fröhlich ist. Batman macht sich mal wieder selbst Vorwürfe: „There’s nothing that will make the city better. Nothing will fix this city. The people of Gotham aren’t just scared. They’re angry.“ Es sei seine Schuld, sagt er zu Red Robin (Tim Drake). Als dann ein wütender Mob wieder auf die Kirche losgehen will, befriedet Batman sie mit einem unerwartetem Akt: einer Umarmung. Batman wird zum Hugger, versorgt die Leute mit dem Nötigsten.
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Batman als Hugger. (DC Comics)

Und dann erklärt ihm Tim, was die Leser seit Sommer 2021 : Tim mag auch Männer (Urban Legends #4), er ist verliebt in einen Schulkameraden. Batman nimmt das Outing wortkarg zur Kenntnis, fragt noch mal nach Tims alter Flamme Stephanie Brown (Spoiler) und sagt sonst nur: „Good.“ Na ja, was soll man dazu noch sagen, wenn man kein Fascho ist? Er bekennt sich sogar zu Tim als seinen Sohn und bekommt ein Weihnachtsgeschenk. So geschieht es in „A Carol of Bats“ (Batman: Urban Legends #10, 2021).  
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Batman und Robin wünschen frohe Weihnachten. (DC Comics)

Nightwing als Scrooge

In derselben Ausgabe gibt es noch eine Weihnachtsgeschichte mit Nightwing: „The Bats of Christmas Past“. Der hat an Heiligabend zunächst damit zu tun, die Last-Minute-Geschenkekäufer davon abzuhalten, sich gegenseitig abzustechen. Dann taucht Scarecrow mit seinen Schergen auf und verbreitet noch mehr Angst. Barbara Gordon will, dass er endlich aufhört, den Helden zu spielen und mit ihr Weihnachten feiert. Unter dem Einfluss von Angstgas halluziniert Nightwing dann drei Batgirls, die ihn besuchen und ihm die Weihachten von damals, heute und morgen vorführen, um ihm eine Lehre zu erteilen … Muss ich noch weitererzählen? Werden die Menschen jemals müde, diese Geschichte wieder zu erzählen, in immer neuen Variationen? Allein zweimal gibt es sie schon für Batman (Haunted Knight und Noel). Na gut, jetzt wird eben auch Nightwing bekehrt. Nicht gerade ein Scrooge-Charakter und die Dringlichkeit scheint mir hier auch nicht geboten, aber okay, wir nehmen es mal so zur Kenntnis. Moral: In Dicks Zukunftsvision ist er tot, gestorben im Kampf an Weihnachten und seitdem zieht die Batman-Familie jedes Jahr an dem Tag in den Krieg gegen das Verbrechen. Das darf natürlich nicht sein. Doch wer hält Scarecrow auf? Wozu hat man Freunde …

Robin und Mister Freeze

Und dann ist da dieses Jahr noch eine dritte Weihnachtsgeschichte: „Window Shopping“ in der Anthologie Tis the Season to be Freezin. Schon wieder Robin, schon wieder Tim, aber ein anderer, diesmal der aus Batman TAS. Auch er geht auf den letzten Drücker Geschenke kaufen – für Bruce. Was schenkt man einem, der alles hat, nichts braucht? Zufällig wird Tim schnell fündig im Schaufenster eines Spielzeugladens, da kommt ihm Mister Freeze in die Quere, der mit einer dicken Eiskanone herumballert und ihm den Laden zufriert.
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Robin gegen Mister Freeze (DC Comics)

Dieser Wahnsinnige! Robin liefert sich einen kleinen Kampf mit ihm, merkt aber schnell, dass Freeze nicht richtig bei der Sache ist. Was will er überhaupt? Dafür gibt es einen schönen Ausdruck im Englischen: „Strolling down memory lane“. Freeze erinnert sich an seine Kindheit, als er die Weihnachtsdekoration in einem Schaufenster betrachtet hat: „Winterland“. Ein schöner Moment einer unglücklichen Jugend mit zwei vielbeschäftigten Eltern. Am Ende kann Tim auch ihm geben, wonach er sich sehnt. Mehr zum Thema:

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Pinguin und Catwoman gegen Corona

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DC Comics

Titel: Gotham City Villains Anniversary Giant

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2021 (One-shot)


„Everyone needs to be their own parent.“ (Ra’s al Ghul)

Was wäre, wenn Catwoman und Pinguin ein Liebespaar wären? Dann würden sie spielende Kinder vor fahrenden Autos und aus Nestern gefallene Küken retten. Sie würden von den Reichen stehlen und es den Armen geben. Und sie würden die Pandemie beenden – einfach so, indem sie fünf Milliarden Dosen Impfstoff umverteilen würden.

Pinguin und Catwoman

Pinguin und Catwoman in „Bird Cat Love“ (DC Comics)

 

Eine richtige Pointe hat Danny DeVitos und Dan Moras Kurzgeschichte nicht, außer dass man ständig auf eine wartet und dann doch keine kommt. Keine außer: Ja, es wäre möglich, wenn die zwei ungleichen Schurken aus Batman Returns zueinander finden würden. Dagegen kann selbst Batman nichts machen, außer es schmollend in seiner Höhle zur Kenntnis zu nehmen.

Scarecrow, Ra’s al Ghul und Red Hood

Mit dieser „Bird Cat Love“ beginnt der Gotham City Villains Anniversary Giant, eine Anthologie, die DC im Jubiläumsjahr von Pinguin und Scarecrow (80 Jahre) sowie Talia und Ra’s al Ghul (50 Jahre) veröffentlicht hat. So wird jeder in einer Kurzgeschichte geehrt, darunter auch Killer Moth und Red Hood, die jeweils 70 Jahre feiern (auch wenn Red Hood bloß die Vorstufe des Jokers ist), außerdem Mad Hatter und Poison Ivy, auch wenn da ein Anlass fehlt.

Die Scarecrow-Story ist mehr eine der üblichen Reflexionen über Angst, mit Frank-Miller-Zitat, einer hübschen Variation auf den Batman-Origin und einem kleinen überraschenden Twist am Ende, gezeichnet in einem wunderbar düsterem Noir-Stil. Die Red-Hood-Geschichte erzählt von einem armen Kleinganoven, dem der Helm nur Pech gebracht hat. Killer Moth sieht ein, dass er ein Versager und Parasit ist – und macht aus der Not eine Tugend. Ra’s hält seiner jungen Tochter Talia eine Standpauke darüber, dass man nicht wissen muss, wer seine Mutter ist, um ein erfülltes Leben zu füllen.

Füll- und Werbematerial

Oh, schon vorbei? Tja, dafür werden viele Seiten mit Pin-ups bzw. Nachdrucken alter Cover gefüllt. Das hat schon fast eine eigene schurkische Qualität: nämlich Abzocke.

Das wirklich Ärgerliche ist das Prinzip, das hinter vier von acht Geschichten steckt: Die Storys zu Talia und Ra’s sowie Mad Hatter und Poison Ivy dienen bloß als Vorspiele bzw. Teaser auf Geschichten, die anderswo fortgesetzt werden. Das hat sich offenbar schon in früheren Anthologien bewährt. Also lässt DC die Leser zehn Dollar oder Euro für ein Heft löhnen, das eigentlich zur Hälfte aus Werbematerial besteht.

Zugegeben: Die Ivy- und die Ra’s-Episoden sind was fürs Auge, wenn auch so altbackene Klischees wie das übliche Schachspiel als Metapher bedient werden. Aber im Grunde bleibt auch da nur das schale Gefühl zurück, dass dieses Material besser in einem Aktionsheft des Gratis-Comic-Tags aufgehoben wäre.

>> Batman 2020-2029

Man-Bat gegen Scarecrow – und sich selbst

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DC Comics

Titel: Man-Bat (dt. Das Monster von Gotham)

Autor/Zeichner: Dave Wielgosz/Sumit Kumar

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-5), Paperback 2021


„It’s time to make peace with who you are.“

Kirk Langstrom spielt den Helden. Zunächst hat er sein Man-Bat-Serum nur erfunden, um seiner Schwester Lisa das Gehör wiederzugeben (hat nicht geklappt, mit den bekannten Nebenwirkungen), jetzt geht er auch noch auf Verbrecherjagd, um sich wenigstens irgendwie nützlich zu machen. Doch das geht schief.

Als er die Blackout-Gang angreift, die gerade eine Schallkanone klaut, verlieren alle Umstehenden ihr Gehör (bis auf Man-Bat und Batman). Batman nimmt Kirk mit in die Batcave, analysiert ihn und kommt zu dem Schluss, dass Man-Bat zunehmend von ihm Besitz ergreift – und das werde er nicht überleben. Kirk will alles wiedergutmachen und haut ab, da schickt Amanda Waller die Suicide Squad auf ihn los – und dann taucht auch noch Scarecrow auf, der ganz eigene Pläne verfolgt …

Man-Bat wird hier zur Jekyll-und-Hyde-Figur. Kirk Langstrom trägt einen Konflikt mit dem inneren Monster aus, das immer schon ein Teil seiner selbst gewesen ist. Gleichzeitig ist er ein Junkie des von ihm geschaffenen Serums, das nur Unheil über ihn und seine Ehe mit Francine bringt. Die ganze Story ist im Grunde nichts als eine große Selbstanalyse. Figuren wie Harley Quinn und Scarecrow halten ihm den Spiegel vor, bis er endlich die Wahrheit über sich erkennt und sich mit sich selbst versöhnt.

Kirk Langstrom akzeptiert das Monster in sich

Es ist die typische Geschichte einer Selbsterkenntnis, eine Wandlung von der Lüge zur Wahrheit. Nicht alles auf dem Weg dahin ist notwendig, der Auftritt der Suicide Squad wirkt beliebig, ebenso wie der von Harley Quinn. Scarecrow versucht mal was Neues: Statt mit Angstgas will er mit unterschwelligen akustischen Botschaften das Schlimmste der Menschen hervorbringen – was auf ein Duell zwischen einem fiesen Batman und einem mit Venom aufgepumpten Man-Bat führt.

Die Tatsache, dass das Szenario zweimal mit dem Modeschlagwort „toxische Männlichkeit“ betitelt wird, macht den Stumpfsinn darin nicht klüger. Batman sagt etwas Dummes in der Art von „Es kann nur einen geben“ und dann folgen Kalenderspruchklischees wie „Frieden mit sich selbst schließen“ und „Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens“ – das nennt man dann wohl toxische Einfallslosigkeit.

Auch wenn es mich freut, dass Man-Bat mal wieder mehr Aufmerksamkeit bekommt, und alles dafür getan wird, eine Charakterstudie aus dieser Story zu machen, ringt dieser Fünfteiler der Figur nicht viel Neues ab und so bleibt dieser Comic nichts als gut aussehende Durchschnittsware, wie das Meiste, was derzeit an Fledermausbüchern auf dem Markt ist.

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Noch einmal Scarecrows erstes Jahr

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DC Comics

Titel: Year One: Batman/Scarecrow

Autor/Zeichner: Bruce Jones/Sean Murphy

Erschienen: 2005, Paperback 2009 (Batman: Two-Face and Scarecrow Year One)


Batman: „You really that…scared of me?“
Robin: „Yeah. In a God-fearing kinda way.“

Nichts ist beliebter als Geschichten vom Anfang und vom Ende. Daher müssen alle paar Jahre Origins von Superhelden und Schurken neu erzählt werden – und natürlich jedes Mal verändert, sonst wär’s ja öde. Zehn Jahre nach dem letzten Scarecrow Year One bekam Jonathan Crane noch eins, als Zweiteiler.

Die bekannten Komponenten sind alle da: die traumatische Kindheit, die Besessenheit von Angst, Vögel, Chemikalien, die Schusswaffe, das Rachemotiv. Diesmal aber kommt einiges Neue hinzu. Jonathan Crane ist das uneheliche Kind einer drogensüchtigen und sehr jungen Mutter, das von der Großmutter am liebsten lebendig begraben worden wäre, aber dann von der Urgroßmutter aufgezogen wird – allerdings nicht nur lieblos, sondern auch grausam.

Sie lässt ihn schon als Kind auf dem Feld arbeiten und bestraft ihn, indem sie dressierte Krähen auf ihn hetzt. Er lernt ihr Geheimnis, versenkt sich in das Studium von Psychologie und Chemie, später lehrt Crane an der Uni, wo er suspendiert wird, weil er eine Schusswaffe vor Studenten abfeuert. Daraufhin wird er zu Scarecrow und rächt sich an all seinen Peinigern, indem er sie mit ihren eigenen Ängsten tötet.

Scarecrows Vorgeschichte: Noch grausamer

Anfangs hat Scarecrow noch kein Angstgas, sondern experimentiert mit einer Mischung aus Pheromonen und Halluzinogenen wie LSD. Batman und Robin folgen einer Spur aus Leichen und Stroh und versuchen, den Serienmörder zu schnappen. Das passiert allerdings über etwas seltsame Umwege. Statt sich zu fragen, was die Opfer gemeinsam haben könnten, stellen die Helden weit hergeholte Nachforschungen über den Ursprung von Strohhalmen an. Spätestens als Cranes ehemaliger toter Professor aufgefunden wird, sollte klar sein, wer sich da gerächt hat. Aber nein, Zeugenbefragung steht nicht auf den Plan. Man geht lieber dem vagen Hinweis nach, den ein Buch zu geben scheint, das aus dem Regal herausragt: Sleepy Hollow

Spannender als die Detektivarbeit ist Scarecrows Vorgeschichte. Die ist ziemlich dick aufgetragen, dicker als sonst, mit allen möglichen Grausamkeiten versehen, die einem passieren können (darunter auch häusliche Gewalt), aber dafür auch sehr ausführlich und so plausibel wie möglich hergeleitet. Scarecrow selbst ist äußerst brutal dargestellt, denn er ist sogar bereit, ein Baby zu töten – damit dürfte jegliche Sympathie für ihn schwinden.

Umso angenehmer sind Sean Murphys Zeichnungen anzusehen, die hier noch nicht seinen heute markanten Stil tragen (Batman: White Knight), aber trotzdem schön düster, stimmungsvoll und dynamisch sind. Ein beachtliches Frühwerk, das über die sonstigen Schwächen hinwegsehen lässt. Aber da war Murphy noch nicht selbst als Batman-Autor tätig.

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Neues Batman-Event: „Fear State“

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DC Comics

Kein Jahr ohne Weltuntergang. Zumindest einmal pro Jahr muss Gotham zur Hölle fahren – jedenfalls beinahe, denn zum Glück kann Batman stets das Schlimmste verhindern oder zumindest rückgängig machen. Wie halten das nur die Bewohner von Gotham aus?

Das nächste dicke Ding heißt Fear State. Darin versucht Scarecrow (im 80. Jahr seines Bestehens) in Gotham buchstäblich seine Schreckensherrschaft zu errichten.

Das Event wird sich von Batman #112 bis 117 hinziehen und im September 2021 beginnen. Aber ein Event wäre kein Event, wenn es nicht einen langen Vorlauf hätte. Begonnen hat alles bereits in DC Future State und Infinite Frontier (Rezensionen folgen im Juni), im August geht es weiter in I Am Batman #0, Catwoman #34, Harley Quinn #6 und Batman: Fear State Alpha #1.

Scarecrows neues Design mit Gasmaske und Spritzen an den Händen sieht nicht nur furchterregend aus, es wirkt auch wie die Personifikation der Pandemie. Außerdem erwarten uns Auftritte von Schurken wie Peacekeeper-01, anti-Oracle und die Rückkehr von Poison Ivy. Als Autoren dienen unter anderen John Ridley und James Tynion IV, als Zeichner Travel Foreman, Riccardo Federici und Jorge Molina.

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Angstmacher in einer schrecklichen Welt

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DC Comics

Titel: Dark Knight of the Scarecrow/Double Jeopardy

Autor/Zeichner: Joe Harris, Peter J. Tomasi/Juan Doe, Szymon Kudranski

Erschienen: 2008/2013 (Joker’s Asylum: Scarecrow #1/Detective Comics #23.3), Paperback 2016 (Batman Arkham: Scarecrow)


Zuerst eine Scarecrow-Story wie ein Teenie-Horror: Drei junge hübsche Freundinnen laden das Mauerblümchen Lindsay zu einer kleinen Party ein, dessen Sinn es ist, sie bloßzustellen. Obwohl Lindsay weiß, was läuft, geht sie trotzdem hin – auf Anraten ihres Psychiaters, Jonathan Crane, der aus irgendeinem Grund wieder praktizieren darf.

Doch der Plan der drei geht nach hinten los: Nach und nach konfrontiert Scarecrow sie mit ihren Ängsten, Furch vor Hässlichkeit, Höhenangst, Klaustrophobie etc. Dann trifft Batman ein und rettet den Tag. Doch für eine ist es zu spät: Lindsay selbst ist zur Nacheifererin der Vogelscheuche geworden.

Bemerkenswert ist an dieser Kurzgeschichte allein der Zeichenstil: ohne Tusche, stark abstrahiert und glatt, wie ein Cartoon, der am Computer generiert wurde. Eine ästhetische Ausnahmeerscheinung, gewöhnungsbedürftig, aber dafür zu schnell vorbei.

Stippvisite bei Schurken

Ganz anders, aber spektakulär gezeichnet ist hingegen das Forever-Evil-Tie-in zu Scarecrow. Doch das lässt mich noch ratloser zurück. Eine Story im Sinne von Handlung ist hier kaum vorhanden, aber auch in keinem anderen Sinne. Gotham City wird beherrscht von Schurken, sie haben die Stadt unter sich aufgeteilt. Scarecrow geht von Schurken zu Schurken und redet dabei mit Mr. Freeze, Riddler, Poison Ivy … Man tauscht ein paar Worte und geht weiter … Was soll das?

Ein wenig Introspektion, Selbstreflexion, Analysen und Diagnosen – doch all diese Nachdenkereien haben wenig Erkenntnismehrwert. Eine vielleicht ist erwähnenswert. Scarecrow fragt sich, was für einen Stellenwert er als Angstmacher noch in einer Welt hat, die ständig aus den Fugen gerät:

„My fear is that in a world where people are moving the moon around … well … I certainly don’t have to work too hard to get them terrified. My gifts are better suited for a world whre fear is the contrast … not where it’s the status quo.“

Man könnte auch argumentieren, gerade in einer solchen Welt ist es schwer, Menschen noch zu beeindrucken. Aber Scarecrow gibt sich eher gelangweilt von seinem Tun. Und die Leser dürften es hier auch sein.

>> Scarecrow-Comics

Scarecrows neuer Rachefeldzug

DC Comics

Titel: Scarecrow: Dark Wings Fly Away in Fear/Haunted House of the Head

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1995 (Batman #523-524), Paperback 2016 (Batman Arkham: Scarecrow), Hardcover 2014 (Batman by Doug Moench & Kelley Jones Vol. 1), dt. Dino 1997 (Batman-Special #1)


Was macht Scarecrow eigentlich, wenn er mal wieder aus Arkham ausgebrochen ist, aber noch nicht seinen nächsten ach so genialen Plan in die Tat umsetzt? Ganz einfach: rumhängen. Er zieht sich sein Vogelscheuchenkostüm an und hängt sich an ein Holzgestell, wo er wartet, bis sich ein Rabe zu ihm begibt, um ihn dann nach alter Gewohnheit aufzuschrecken.

Ja ja, so ist er, unser guter alter Jonathan Crane. Er kommt einfach nicht los von der Sache mit der Angst – und auch nicht von seiner Vergangenheit. Also gilt es wieder mal, alte Rechnungen zu begleichen, mit alten Feinden. Es reicht nicht, dass er den armen Footballspieler Bo Briggs aus der Highschool für den Rest seines Lebens in den Rollstuhl befördert hat, jetzt lässt er ihn auch noch vor Schreck sterben. Weitere Opfer sollen folgen, bis am Ende Batman dran glauben muss, damit niemand mehr Scarecrow im Weg steht …

Zurück in die Geisterbahn

Der Zweiteiler von Doug Moench setzt seine Geschichte aus Year One: Scarecrow – Masters of Fear (Batman Annual #19, 1995) fort. Kelley Jones zeichnet in seiner düsteren Schattenwelt Scarecrow noch furchterregender als bisher: als profillose Puppe mit rotglühenden Punktaugen und einem nach unten gezogenen Mund. Batman erscheint hingegen typischerweise als Muskelberg im Bane-Format mit sehr langen Spitzohren und einem noch übertriebenerem Cape – alles ist hier auf den reinen visuellen Effekt und vor allem auf Horror.

Passenderweise lockt Scarecrow Batman auch am Ende in „Dr. Terror’s House of Fear“ auf einem verlassenen Rummelplatz, ähnlich wie bereits in der Moench-Story von 1984 (Detective Comics #540) geht es also durch eine Geisterbahn. Batman steigt durch einen riesigen Teufelskopf ein, um verschlungen zu werden von Angst, doch der ist bestens vorbereitet und umgeht alle Fallen. Brenzlig wird’s nur, als er ein Opfer vor der Guillotine retten muss.

Schließlich wird Scarecrow wieder Opfer seines eigenen Gases, fürchtet sich vor seinem eigenen Schatten und gesteht nach kurzem Gerangel ein: „You’re the king … Just deliver me from this fear I can never master!“ Doch das ist wieder nur ein Trick. Allerdings ist der schnell mit einem Schlag beendet. Als Batman den Schurken hinausträgt, offenbart er seine Furcht: „But remember this — Some of your victims are beyond help … because you killed them. That scares me. It should be enough to stop your heart.“

Wünscht da der Held etwa seinem Gegner den Tod?

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Neubeginn für Scarecrow

Year One: Scarecrow

DC Comics

Titel: Year One: Scarecrow – Masters of Fear

Autor/Zeichner: Doug Moench/Bret Blevins

Erschienen: 1995 (Batman Annual #19), Paperback 2016 (Batman Arkham: Scarecrow)


Als im Jahr 1995 die Annuals genutzt wurden, um Riddler, Man-Bat und Poison Ivy eine Year-One-Behandlung zu verpassen, bekam auch Scarecrow eine neue Vorgeschichte. Schluss mit dem noch in den 80ern wiederholten Origin vom Besessenen, der schon als Kind gerne Vögel aufscheuchte und daher prädestiniert zum Schurken war. Schluss mit dem akademischen Außenseiter, der sein Geld in Bücher steckte, sich keine anständige Kleidung leisten konnte und zur Vogelscheuche wurde, um mehr Geld für mehr Bücher zu stehlen (siehe World’s Finest #3, 1941).

Na ja, nicht ganz. Jonathan Crane bleibt auch in dieser Variante der Außenseiter und Büchernerd. Nur diesmal ist er traumatisiert, weil er als junger Mann von anderen Jungs gemobbt wird. So entsteht immerhin ein glaubwürdiges, wenn auch küchenpsychologisches Motiv. Crane zieht sich zurück und nimmt sich ein Vorbild an Ichabod Crane, dem Helden aus der Geschichte Sleepy Hollow von Washington Irving, er wird zum wilden Tänzer und entwickelt darüber einen eigenen Kampfstil: „the Crane style of kung fu“, wie es heißt. (Damit soll wohl erklärt werden, warum er sich später Duelle mit Batman leisten kann.) Nachdem ihn seine große Liebe demütigt, nimmt er an ihr und ihrem Freund Rache, indem er sich als Vogelscheuche verkleidet, auf ihr fahrendes Auto springt und sie zu Tode erschreckt, sodass sie verunglücken.

Aufstieg dank Angstgas

Später, an der Uni, braut Crane ein Angstgas zusammen, um sich seines Professoren zu entledigen und selbst den Posten zu übernehmen. Im Unterricht spricht er von nichts anderem als Angst, bis er vor Studenten eine Blumenvase zerschießt und entlassen wird (das Motiv gab es auch bereits 1941). Dann rächt er sich, indem er fünf andere Professoren mit Gas vor Angst sterben lässt. Als Markenzeichen hinterlegt er einen Strohhalm.

Batman ermittelt in dem Fall, kriegt in Cranes Wohnung zum ersten Mal das Angstgas zu spüren und wird fast in die Luft gesprengt. Schließlich spürt er Scarecrow auf und es kommt zum Finale im Kornfeld. Diesmal hat Batman Filter in der Nase, sodass er nur noch gegen Cranes wildes Kung-Fu ankommen muss, aber das meistert er souverän und beendet alles mit einem schönen Spruch: „I’m the Batman, Crane … Fear me — or fall!“

Scarecrow landet direkt in Arkham Asylum, zusammen mit Joker und Two-Face. Und damit wird die Anstalt allmählich zu einem Ort, der selbst Batman – der selbsternannten personifizierten Angst – Furcht einjagt.

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Der furchtlose Batman

Batman & Scarecrow

DC Comics

Titel: Fear for Sale

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis

Erschienen: 1987 (Detective Comics #571), Paperback 2016 (Batman Arkham: Scarecrow), 2018 (Batman: The Dark Knight Detective Vol. 1), Hardcover 2013 (Legends of the Dark Knight: Alan Davis)


Eine Reihe seltsamer Ereignisse führt Bruce Wayne und Jason Todd zu einem Autorennen. Zwei Sportler sind verunglückt: ein Turmspringer hat einen fünffachen Salto versucht und hat sich dabei verletzt, ein Fallschirmspringer hat zu spät die Reißleine gezogen und ist gestorben. Jetzt befürchtet Bruce, dass auch auf der Rennbahn etwas passieren kann – und er irrt sich nicht. Ein Rennfahrer verunglückt. Batman kann ihn gerade noch aus den Flammen retten.

Hinterher stellt sich heraus, dass der Fahrer völlig ohne Einsicht ist – und ohne Furcht. Eine chemische Analyse später ist klar: Dahinter kann nur Scarecrow (Jonathan Crane) stecken. Statt Furcht zu verbreiten, enthemmt er seine Opfer, um Geld fürs Lösegeld zu erpressen. So taucht der Schurke im Krankenhaus auf. Als Robin ihn aufhalten will, bekommt er jedoch Angstgas verabreicht und wird entführt.

Angst als Gegenmittel

Als Batman Scarecrow in der Verkleidung des nächsten Opfers täuschen und übermannen will, kommt ihm Crane zuvor und verabreicht ihm eine Dosis des Anti-Angst-Mittels. Als er aufwacht, folgt er der Spur zu einem Betonwerk, wo Scarecrow mit etlichen Todesfallen auf seinen Gegner wartet. Der tollkühne Batman nimmt die Todesfallen sportlich und stürzt sich ins Vergnügen. Er weicht vier Lastern aus, die gleichzeitig auf ihn zurasen, er sprengt ein Mahlwerk für Steine, schließlich fällt er in einen Wassergraben und duckt sich vor den Kugeln zweier Maschinenpistolen weg.

Wie er das überlebt, ist eigentlich nebensächlich (ausweichen und Luft anhalten). Scarecrow bekommt statt einer Erklärung einen Kinnhaken verpasst, der sich gewaschen hat. Aber wie hat Batman seine Furchtlosigkeit überwunden? Mit einem Gegenmittel: Er hat sich einfach das Furchtbarste vorgestellt – Robins Tod. Ein Jahr später wird er tatsächlich wahr: in A Death in the Family.

Ansonsten ist Fear for Sale – wie auch Catch as Catscan/The Last Laugh – eine schön altmodische Kurzgeschichte im modernen Gewand, präzise, dynamisch und dramatisch inszeniert vom wunderbaren Alan Davis. Die Grundidee der Story diente später als Inspiration für die Batman-TAS-Folge Nothing to Fear.

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