Mad Hatter

Mit dem Gesetz nix am Hut

Jervis Tetch alias Mad Hatter

Titel: The Thirteenth Hat/Batman Stands Pat (dt. Der 13. Hut)

Drehbuch: Charles Hoffman

Erschienen: 1966 (Batman S01E13-14)


„Fighting crime deserves no gratitude.“ (Batman)

„Clues are always helpful.“ (Robin)

Kaum ist der verrückte Hutmacher auf Bewährung aus dem Knast, klaut er Menschen die Hüte vom Kopf, hypnotisiert ihre Träger mit Strahlen, die aus seinem Zylinder kommen und entführt sie. Insgesamt kommen so zwölf Entführungsopfer zusammen. Was kommt in Zwölfen?, fragen sich Batman und Robin. Da sie beim Brainstorming nicht weiterkommen, muss der Bat-Computer helfen, erst er spuckt das Offensichtliche aus: zwölf Geschworene! Jawohl, Jervis Tetch stellt eine Jury zusammen, nämlich die, die ihn verurteilt hat. Als Lösegeld will er eine Sammlung von Präsidenten-Hüten erpressen.

Mad Hatters Geschworene

Der Mad Hatter trägt hier wie im Comic rote Haare, schwarze Augenbrauen und einen großen braunen Schnurrbart. In seinem Geheimversteck hat er ein Fließband zur Hutherstellung aufgebaut, das so beschriftet wie die Geräte in der Bathöhle, nur dass sie weitaus tödlicher sind. Hier soll der sinistre Racheplan an Batman seine Vollendung finden: Weil Batman einst gegen ihn ausgesagt hat, will er sich an Batman rächen, indem er seine Kutte stiehlt und ihn zu einem Hut verarbeitet.

Mad Hatters mörderische Hutfabrik

Während Commissioner Gordon bereut, dass es so etwas wie Bewährung gibt, hofft Batman weiterhin auf Resozialisierung. Der verschlungene Pfad des Verbrechens führt Batman zum Bildhauer Octave Marbot. Batman hat ihm Modell gesessen für eine Statue. Sie soll im Gefängnis ausgestellt werden, um die Häftlinge zur Resozialisierung zu inspirieren. Das ist in etwa so, als wollte man einen Stier mit einem roten Tuch zähmen. Robin hält das aber für eine großartige Idee.

Mad Hatter als Bildhauer

Der Mad Hatter legt Marbot lahm und gibt sich als selbst als der Künstler aus. Er tarnt sich etwa so gut wie Clark Kent, mit Brille, schwarzem Ziegenbart und Baskenmütze. Als Batman eintrifft, bittet er ihn, für die Statue seine Maske abzulegen. Batman durchschaut das falsche Spiel, aber nach einer Prügelei, bei der das halbe Atelier verwüstet wird, kommt er in eine Todesfalle: schnell trocknenden Gips. Wie kommt Batman raus? Ganz einfach: Er hält einfach die Luft an, bis er freigemeißelt wird. Und Robin so: „Holy frogman!“

Gimmick der Folge: Die Anti-Diebstahl-Vorrichtung im Batmobil ist nichts als eine Tafel, die einen Knopf falsch beschriftet. Wenn die Gauner ihn drücken, geht ein Feuerwerk los.

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Auf einen Kaffee mit Mad Hatter

DC Comics

Titel: New Gotham Vol. 2

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Shawn Martinbrough, Rick Burchett

Erschienen: 2001-2002 (Detective Comics #755-765, Superman #168), Paperback 2018


Polizisten in Gotham begehen Raubüberfälle, darunter auch Renee Montoya. Beeinflusst werden sie durch den Mad Hatter, der verkleidet als Verkäufer mit Drogen versetzten Kaffee an die Polizei verteilt. Aber er stellt keine Forderungen. Er will bloß Chaos stiften. Und auch sonst hat der Schurke nichts Sinnvolles zu sagen.

Batman vereitelt den Plan mit Hilfe von Sasha Bordeaux, seinem neuen Sidekick. Im ersten Band von New Gotham wurde sie als Bruce Waynes Bodyguard eingeführt, im zweiten kommt sie hinter sein Geheimnis und Batman spannt sie gleich mit ein. Mehr noch: Innerhalb eines Monats trainiert er sie zur Vigilantin. Sie bekommt sogar ein Kostüm.

Darin besteht die eigentliche Handlung von New Gotham. Aber sie überzeugt nicht. Schon als Bodyguard nervte Sasha, auch später wird sie weder interessanter noch sympathischer. Dass Batman sie einspannt und dass sie das mitmacht, wirkt unglaubwürdig. Batman behandelt sie (wie immer) wie Dreck, aber sie lässt alles über sich ergehen. Außerdem wird sie noch eifersüchtig, als Bruce wieder mit Vesper Fairchild anbandelt.

In einer zweiteiligen Story bricht Batman mit Lois Lane ins Weiße Haus ein, um von Luthors Kryptonitring zu stehlen, und Superman interveniert. Das ist auch schon das einzige Highlight des Bandes. Der Rest besteht bloß aus Kurzgeschichten über den Alltag in Gotham: Batman kämpft gegen Kleinganoven, James Gordon geht (nach einem Attentat auf ihn) in Ruhestand, die Polizei bekommt einen neuen Commissioner, es wird intern wegen Mordverdacht ermittelt, Bullock hört auf, Sawyer kommt, und Sidekick Sasha trifft auf Huntress.

Das sind Geschichten, die man als Hinführung auf die Storyline Bruce Wayne: Murderer? lesen kann, aber nicht muss. Freunde von Gotham Central könnten ihre Freude daran haben. Allerdings ist der Band (wie schon in Teil 1) meist sperrig gezeichnet und zweifarbig koloriert, was bei Superman sehr bemüht wirkt, allein die Seiten von Rick Burchett (Batman Adventures) bilden eine angenehme Ausnahme.

>> Liste der Mad Hatter-Comics

Vicky Vale, Mad Hatter und ein Knüller

Vicky Vale (DC Comics)

Titel: The Scoop of the Century

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1948 (Batman #49), Hardcover 2014 (Batman: A Celebration of 75 Years)


„Being Batman is tough work, and once in a while Bruce Wayne deserves to take time off for romance!“

Die erste Mad Hatter-Story steckt voller Überraschungen. Die erste ist gleich auf der ersten Seite: Die Überschrift lautet „The Scoop of the Century“, aber zu sehen ist nicht der Verrückte Hutmacher, sondern die Fotografin Vicky Vale, wie sie zu beweisen versucht, dass Batman und Bruce Wayne dieselbe Person sind. Das ist der Spannungsbogen der Story, während der Mad Hatter nur kurioses Beiwerk ist. Aber genau das macht die Geschichte interessant.

Es beginnt damit, dass Vicky Vale (übrigens auch ihr erster Auftritt) im Yacht Club auftaucht, um ein Foto von Bruce Wayne zu schießen. Bruce findet zwar, dass sie sich selbst gut auf einem Bild machen würde, aber er sagt zu. Als er ihr ein Date vorschlägt, lässt sie ihn abblitzen.

Vicky Vale und Mad Hatter

Da taucht ein kleiner Mann mit großem Kopf und Zylinder auf, der Mad Hatter mit zwei Komplizen, auf und klaut einen Goldpokal. Bruce zieht sich schnell um und verfolgt ihn als Batman auf einem Segelboot. Vicky kommt mit, um zu helfen. Batman flirtet: „There’s nothing ordinary about you.“

Der Mad Hatter entkommt, weil er Batman mit einer Gaspistole betäubt, ihm die Waffe ins Gesicht wirft und damit über Bord bringt. Immerhin Vicky war erfolgreich mit ihren Fotos von dem Einsatz. Doch Vicky will mehr von Batman. Kaum taucht sie bei Commissioner Gordon auf, weiht er sie in seine Ermittlung ein: Der Mad Hatter hat einen Hut als Hinweis auf sein nächstes Verbrechen geschickt. Gordon ruft Batman mit dem Batsignal, das noch in einem Leuchtturm steckt.

Gordon wirft das Batsignal an.

Robin reflektiert: Der Mad Hatter imitiert mit der Ankündigung die Masche vom Joker und Pinguin. Batman redet über was anderes: „How can we teach these criminals they can’t win?“ Das ist keine Erwiderung auf Robin, denn Robin bringt auf, dass Schurken Hinweise schicken, damit sie gefasst werden können. Die Hinweise setzen erst das Spiel mit Batman und Robin in Gang.

Aber Batman leitet zu einem anderen Thema über: Prävention. „Stopping crime before it starts has always been my hope!“, sagt er zu Vicky, als sie ihm vorschlägt, mit Fotos von ihm abschreckend auf Kriminelle wirken zu können. Daher macht er sie zu seiner offiziellen Fotografin. Und dann sagt sie ihm auch noch, dass der Hut auf ein Reitsport-Event hindeutet.

Batman reitet gegen den Hatter

Vicky geht mit Bruce hin, entdeckt die Wunde an seinem Kinn, die er sich beim letzten Kampf zugezogen hat. Der Mad Hatter taucht mit Pferden auf, Robin kümmert sich drum. Als Vicky ihren Job macht, wird Bruce zu Batman. Der springt auf einem Pferd durch einen Feuerring und stößt den Hatter mit einer Lanze vom Pferd. Trotzdem hat der Schurke ab. Viel wichtiger ist: Vicky stellt sich später die Frage, die sich Lois Lane schon immer bei Clark Kent und Superman gestellt hat: Wieso verschwindet Bruce immer dann, wenn Batman erscheint? Und was ist mit dem Schnitt am Kinn? Sie vergleicht Fotos von Batman und Bruce Wayne und kommt zum einzig logischen Schluss.

Vicky Vale entdeckt Batmans Geheimnis

Obwohl Vicky ihren Scoop hat, will sie noch einen Beweis. Als Batman und Robin sie (mit verbundenen Augen) in die Bathöhle führen, bringt sie ein Pulver auf Batmans Handschuh an, das im Dunkeln leuchtet. Wenn sie später Bruce Waynes Hände sehen würde, wüsste sie Bescheid.

Batman findet im Labor winzige Spuren von Heu auf dem Hut des Hatters. Für den leser heißt das: Er könnte überall sein. Einziger möglicher Schluss für Batman: Der Hatter versteckt sich in einem Scheunentheater, in dem gerade Alice im Wunderland gespielt wird. Dort sitzen die Gauner dann tatsächlich auf der Bühne zusammen. (Wo sind die Schauspieler? In der Mittagspause?)

Batman im Wunderland: Mad Hatters Versteck

Robin zerbricht einen Spiegel, um einen seiner schlechten Witze zu machen („Alice went through the looking glass!“), Batman wirft eine Katze, der Mad Hatter holt eine Axt raus, um dem Ruf der Roten Königin zu folgen. Vicky bittet ihn, fürs Bild in der Position zu bleiben. In dem Moment schlägt Batman ihn zu Boden.

Mad Hatter mit Axt

Am Ende trickst Bruce Wayne sie aus: Er hat natürlich das Leuchtpulver bemerkt und ihr dann leuchtende Blumen gekauft, damit seine beiden Hände mit dem Pulver bestäubt sind. Bruce denkt, er wäre sie los, aber da hat er sich getäuscht …

Bemerkenswert ist, dass der Verrückte Hutmacher einfach nur ein gewöhnlicher Schurke in ungewöhnlichem Kostüm ist. Das Alice im Wunderland-Thema spielt noch keine große Rolle. Der Hut-Fetisch ist nur angedeutet und von Gedankenmanipulation ist noch nicht die Rede. Das kommt später.

Trotzdem: Bei so einer starken Frauenfigur braucht es keinen besseren Schurken. Diese einfallsreiche Geschichte vom Meister und Batman-Vater höchstselbst ist ein wahrer Knüller.

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Am Ende der Ideen

Titel: All-Star Batman Vol. 2 – Ends of the Earth

Aut0r/Zeichner: Scott Snyder/Jock, Francesco Francavilla

Erschienen: 2017 (All-Star Batman #6-9), Hardcover 2017


„Because like it or not … this is a Batman story after all.“ (Batman)

Batman besucht Mister Freeze in der Arktis. Der Schurke hat sich in einer Forschungsstation verschanzt und Menschen aus dem kryogenischen Schlaf erweckt, damit sie ihm als Eiszombies dienen. (Nebenbei erfahren wir, was Victor Fries‘ Lieblingsgedicht ist.) Doch Batman interessiert sich nicht für Freeze, er will verhindern, dass ein tödliches Bakterium aus dem Eis freigesetzt wird. Obwohl er erfolgreich ist, findet der Tod seinen Weg in die Welt. Er bittet Poison Ivy um Hilfe, später sucht er den Mad Hatter auf. Verfolgt wird er von einer mysteriösen Spezialeinheit, den Blackhawks. Am Ende kommt es zum Showdown mit Ra’s al Ghul in Washington.

Ja, der gute alte Ra’s will mal wieder die Welt vernichten. Aus den altbekannten Gründen. Und Batman trickst ihn aus. Zweimal mit der gleichen Masche, nämlich mit Ra’s eigenen Mitteln. Vorher wird viel geredet, wenig gehandelt. Statt eine Detektivstory zu erzählen, lässt Autor Scott Snyder die Zwischenschritte aus und liefert uns nur vier Höhepunkte der Geschichte, den Rest trägt er in langen Sprechblasen nach. Das hat den negativen Nebeneffekt, dass jegliche Spannung auf der Strecke bleibt.

DC Comics

Stattdessen dreimal der gleiche Aufbau: Batman kommt aus der Ferne an einen abgelegenen Ort, er versucht es mit Worten, dann mit Gewalt. Doch die üblichen Verdächtigen handeln auch stets so, wie man es von ihnen erwartet, nichts davon hat mich nicht schon zigmal so gesehen. Mister Freeze und seine Nora-Mission, Poison Ivy und ihre Schlingpflanzen, Mad Hatter und seine alten Hüte. Und dass Bruce Wayne beim Mad Hatter schon wieder mit seinen eigenen Dämonen konfrontiert wird (Joker! Bane! Riddler! Catwoman!) und das alles mal wieder im Alice im Wunderland-Stil – geschenkt.

An Ends of the Earth wird am deutlichsten, was Scott Snyder mit All-Star Batman wollte: Geschichten über die Schurken erzählen, zu denen er bisher noch nicht gekommen ist, zusammen mit einer Parade seiner Lieblingszeichner. Doch statt nach John Romita Jr. einen weiteren Zeichner zu engagieren, gibt es nun vier davon (Jock, Francesco Francavilla, Tula Lotay, Guiseppe Camuncoli), womit der Qualität nicht immer ein Gefallen getan wird.

Es wirkt, als wollte Snyder in kürzester Zeit möglichst viel unterbringen. Das wirkte auch schon in My Own Worst Enemy so, aber da hat es immerhin noch eine mitreißende (wenn nicht gar allzu reißerische) Story gegeben, hier ist alles nur eine Aneinanderreihung von vermeintlichen Höhepunkten, die in Wortwüsten und Klischees ersticken, ohne dem Altbekannten irgendetwas Neues abzugewinnen.

So ist Ends of the Earth mit Abstand das schwächste von Snyders bisherigen Batman-Comics geworden. Enttäuschend, dass seine bisherige Kreativität, für die er sonst bekannt geworden ist, hier offenbar erschöpft ist.

Mehr von Scott Snyder:

Lektüre für Minuten

DC Comics

Titel: Private Casebook

Autor/Zeichner: Paul Dini/Dustin Nguyen

Erschienen: 2007-2008 (Detective Comics #840-845, DC Infinite Halloween Special #1), Paperback 2008


Paul Dini gehört zu den Legenden unter den Batman-Autoren: Miterfinder von The Animated Series, Autor von Mad Love, zuletzt schrieb er den autobiografischen Comic Dark Night: A True Batman Story. Doch schon in den Nuller Jahren durfte er lange Comics schreiben, wie The Resurrection of Ra’s al Ghul, Heart of Hush und Streets of Gotham. Daneben schrieb er auch eine Reihe von Kurzgeschichten; Private Casebook ist eine Sammlung davon.

Der Auftakt ist ein Epilog zu The Resurrection of Ra’s al Ghul, der eigentlich im dazugehörigen Paperback besser aufgehoben wäre. Der auferstandene Schurke versucht wieder, in Gotham Fuß zu fassen. Aber Batman prügelt ihn nach Arkham. Aber das ist auch schon die stärkste Erzählung des Bandes.

Was sonst noch passiert?

In „The Wonderland Gang“ versammelt der Mad Hatter eine Gruppe von Handlangern, die wie er von Alice im Wunderland inspiriert sind. „The Suit of Sorrows“ macht eigenartigerweise einen Sprung zurück zu The Resurrection of Ra’s al Ghul, wo Batman eine historische Rüstung getragen hat. Hier geht er dem Geheimnis der Rüstung nach. Aber interessieren muss uns das nicht.

Zu einem Team-up mit der Zauberin Zatanna kommt es im Zweiteiler „Opening Night/Curtains“. Zusammen nehmen sie es mit einem neuen Bauchredner auf, einer Frau, die offenbar von Scarface besessen ist. Wir lernen die Frau mit sehr viel Vorgeschichte näher kennen, bevor wir uns wieder schnell von ihr verabschieden. Schließlich trifft Batman in „The Riddle Unanswered“ auf Catwoman, aber das ist eigentlich nicht nennenswert, ebenso wie die Halloweengeschichte am Ende.

Kurz gesagt: Man muss Private Casebook nicht lesen. Außer man braucht eine Klolektüre für Minuten oder belanglose Gutenachtgeschichten zum Einschlafen.

Der Tod und die Rache von Matches Malone

DC Comics

DC Comics

Titel: False Faces (Batman by Brian K. Vaughan)

Autor/Zeichner: Brian K. Vaughan/Scott McDaniel, Rick Burchett

Erschienen: 2000, 2001, 2004 (Batman #588-590, Detective Comics #787, Wonder Woman #160-161, Gotham City Secret Files #1), Paperback 2008/2017


„Possessing more than one distinct identity allows a man to do things most people could never imagine.“ (Batman)

Bruce Wayne ist nicht nur Batman, er ist auch Matches Malone. Ein Alter Ego als Kleinganove. Mit Sonnenbrille, Schnurrbart und Streichholz zwischen den Zähnen stellt Batman verdeckt Nachforschungen in der Unterwelt an. Matches Malone, der zum ersten Mal 1972 in Batman #242 erschien, ist bislang nichts als eine Nebenerscheinung gewesen, ein Running Gag für Fans. In False Faces kommt er erstmals zu seinem vollen Recht.

Batman fingiert ein Verhör mit Matches Malone, um ihn in einen illegalen Waffendeal hineinzuschmuggeln. Kurz darauf heuert ihn Scarface (Bauchredner) für die Aktion an. Als Batman den Deal platzen lässt, rächt sich Scarface an Matches – und legt ihn um. Wie kann das sein? Matches Malone ist nicht nur ein Alter Ego – es gibt ihn wirklich! Batman erzählt, wie er die Identität von einem Erpresser übernahm, nachdem dieser vermeintlich Suizid begangen hatte. Nun fühlt er sich mitschuldig an dessen wirklichem Tod und will ihn rächen.

Abgesehen von Albernheiten, dass man erst einmal einen Sterbenden seine Lebensgeschichte erzählen lässt, bevor man ihn ins Krankenhaus bringt, ist die Matches Malone-Story sehr stark: Voller Drama, interessanter Situationen und Batman in Versuchung, mit seinen Idealen zu brechen.

Der Rest des Bandes ist eher minderwertiges Füllmaterial: eine alberne Kurzgeschichte im Animated-Stil (gezeichnet von Rick Burchett) um den Mad Hatter, Wonder Woman gegen Clayface und ein Auftakt zu einer Geschichte mit einem neuen Schurken (Skeleton), die nie weiter erzählt wurde. Aber die drei Kapitel Malone lohnen sich allemal.

Bullock und Bat-Robocop

DC Comics

DC Comics

Titel: Blood of Heroes (Detective Comics Vol. 8)

Autor/Zeichner: Brian Buccellato, Ray Fawkes, Francis Manapul, Peter J. Tomasi/Fernando Blanco, Francis Manapul, Steve Pugh, Marcio Takara

Erschienen: 2015-2016 (Detective Comics #41-47), Hardcover 2016


„You’ve got to be kidding me … a Joker robot?!“

„Subtlety is not what we do.“

Während Batman (James Gordon) sich mit drei Attentätern in Skelett-Kostümen („La Morte“) herumschlagen muss, die ihm den Reaktor aus seinem Robocop-Anzug klauen. Dann muss er gegen einen viel größeren Joker-Roboter antreten, in dem Jokers Daughter mal wieder das tut, was sie am besten kann: total abnerven. Schließlich gilt es, ein Attentat abzuwenden …

Doch eigentlich geht es weniger um Batman. Die Serie sollte eigentlich „Detective Bullock Comics“ heißen, weil hier noch mehr als in den zwei Bänden zuvor ist Good Ol‘ Harvey der Held der Geschichte. Sensation: Wir sehen ihn zum ersten Mal beim Sex! Ja, der grobschlächtige Harvey Bullock bandelt mit seiner ziemlich ansehnlichen Kollegin Nancy Yip an. Doch die ist leider korrupt. Und steckt in Schwierigkeiten mit der Mafia. Also muss sich Harvey etwas einfallen lassen …

Mehr Polizei- als Batman-Comic

Anders als in den Bänden Icarus und Anarky stammen die meisten Zeichnungen nicht von Francis Manapul. Das ist ein großer Verlust, denn seine kraftvollen Panels haben die Bände stets vor dem Abdriften in die völlige Belanglosigkeit gerettet. Die weitaus weniger filigraneren Zeichnungen von Fernando Blanco erinnern stark an den Stil der Polizei-Serie Gotham Central – und das passt natürlich zu der Story, die sich mehr um die Polizisten dreht als um Batman. (Bruce Wayne spielt gar keine Rolle.) Aber auch wenn es löblich ist, einmal einen Randcharakter zu seinem Recht kommen zu lassen, es ist nicht der richtige Ort dafür. Und es ändert nichts daran, dass die Story fade Durchschnittskost ist und ebenso vergessenswert wie ihre Vorgänger.

In der zweiten Geschichte des Bandes trifft Bat-Gordon auf die Justice League. Die holen ihn extra in Gotham ab, damit er ihnen bei einer dringenden Untersuchung (warum eigentlich dringend?) eines Riesenskeletts im Himalaya hilft. Gordons Fähigkeiten als Detektiv sind gefragt. Aha! Hat die Serie doch ihren Titel verdient? Naja, nicht ganz. Was Gordon entdeckt, hätten auch die anderen finden können. Und was für einen Tathergang er daraus ableitet, ist – gelinde gesagt – ziemlich weit hergeholte Spekulation. Aber hey, der alte Hase behält Recht und darf am Ende sogar ein Schlaflied singen …

Das Schluss-Kapitel ist eine Episode aus dem Crossover Robin War, die keinen Mehrwert hat, wenn man nicht den Rest der Geschichte kennt. Höhepunkt: Gordon kämpft gegen Grayson. Sei’s drum.

Eigentlich wollen wir nur wissen, wie die Haupt-Gordon-Story, Superheavy, weitergeht. Bis zur Fortsetzung müssen wir uns aber noch etwas gedulden.

Der Batman, der lächelt

Batman versus Superman, Teil 21: Knight Time (1998)

Heiteres Gemüt: Superman als Batman

Heiteres Gemüt: Superman als Batman

Titel: Knight Time (dt. Wo ist Batman?)

Regie/Drehbuch: Curt Geda/Robert Goodman

Erschienen: 1998 (Superman: The Animated Series S03E02)


„See what I mean about him acting strange? He’s smiling!“ (Robin)

Roxy Rocket in Metropolis? Ja, was soll man auch machen, wenn Batman verschwunden ist? Superman fliegt nach Gotham City, wo Robin allein gegen Verbrecher kämpfen muss. Also wechselt Superman kurzerhand das Kostüm und wird zu Batman. Gemeinsam kommen sie einer Verschwörung von Bane, Riddler und dem Mad Hatter auf die Spur. Am Ende geht es gegen Brainiac.

Super-Batman und Robin

Super-Batman und Robin

Der Rollenwechsel geht zunächst nicht ganz glatt. Superman muss erst lernen, wie sich ein Dunkler Ritter benimmt und Robin hilft ihm dabei, wie man etwa bei einem Verhör seinen Fragen Nachdruck verleiht. Es sind diese Fish-out-of-Water-Momente, die die Episode so unterhaltsam machen. Sie machen deutlich, wie unterschiedlich die beiden Helden arbeiten und dass eine Konfrontation dieser beiden Welten immer großen Spaß macht – auch wenn in diesem Fall der wahre Batman eher durch Abwesenheit glänzt.

Die Pflicht ruft: Superman, Robin und das Batsignal

Die Pflicht ruft: Superman, Robin und das Batsignal

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Batman ist nicht genug

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Bad Blood

Drehbuch: J.M. DeMatteis

Erschienen: 2016 (Direct-to-Video)


„Dressing like a bat doesn’t make you a hero. It just makes you a target.“ (Batman)

Die Batman-Familie ist eine ambige Angelegenheit. Eigentlich ist Batman ein Einzelgänger. Ein Einzelkämpfer. Aber dann kam der bunte, lachende Robin. Und damit niemand auf die abstruse Idee einer Schwulen-WG kam, stellte man ihm Batwoman zur Seite, dann Batgirl, einen Hund, einen Kobold. Aus Nightwing wurde Robin, es kamen drei bis vier Nachfolger, starben und kamen in anderen Formen wieder, ebenso wie die Batgirls. Ganz zu schweigen von den anderen Batmen, die Filialen in der ganzen Welt betreiben.

Das Gute an dieser Familie ist, dass es eine Reihe von Stellvertretern gibt, wenn Batman mal fehlt. Die Tatsache, dass es immer mehrere Aspiranten auf das Amt gibt und sich die Nachfolger schwer damit tun, spricht für sich: es kann nur einen geben – und das ist Bruce Wayne. Alle anderen sind also bloßes Beiwerk und daher auch verzichtbar. Dass sie immer in Batmans Schatten stehen werden und den Kampf eines anderen kämpfen werden, darin besteht der gemeinsame Grundkonflikt all dieser Figuren. Nun gut, weil Batman allein auch mal langweilig wird und der Rest der Familie dank der langen Tradition nun mal da ist (einige von ihnen sind zugegebenermaßen sogar interessante Charaktere), gibt es eben auch Familiengeschichten, auch wenn es zuletzt Überhand nimmt (siehe Batman Eternal).

Auch im Universum der jüngsten Animationsfilme ist Batman nie genug. Aber selbst Nightwing und Robin reichen offenbar nicht. In Bad Blood nimmt sich auch Batwoman des Verbrechens an (zuletzt war sie in Mystery of the Batwoman im Film zu sehen). Sie schlägt sich auf eigene Faust durch, gehört aber (noch) nicht zur „Familie“, Batman ist nicht erfreut, aber hilft dennoch aus, als es darum geht, eine Bande von Schurken zu erledigen. Bei dem gemeinsamen Einsatz geht Batman verloren. Als sich die Sache herumspricht, entsteht ein Machtvakuum. Dick Grayson steigt ins Batman-Kostüm und nimmt es mit Black Mask auf. Während ein neuer Schurke namens The Heretic, ein Muskelberg mit Batman-Maske, zusammen mit anderen Technologie aus Waynes Firma raubt, wird Wayne von Talia al Ghul einer Gehirnwäsche unterzogen, bei der er sein Trauma als eine Reihe von Albträumen durchlebt. Schließlich wird auch Robin (Damian Wayne) gefangengenommen. Am Ende geht es darum, die Poltiker der Welt unter Kontrolle zu bringen. Es kommt zum Kampf zwischen Batman und Nightwing …

Im Laufe der Handlung schließt sich noch Luke Fox als Batwing der Bat-Familie an. Zusammen mit Batman sind es damit fünf. Die vielen Figuren sind der größte Schwachpunkt des Films, denn dadurch wirken die einzelnen Charaktere oberflächlich. Allen voran Nightwing, der – anders als in den Comics – kaum dazu kommt, mit der angenommenen Batman-Rolle zu hadern. Dafür ist in 70 Minuten Film kaum Zeit. Am meisten Raum bekommt Batwoman (Kate Kane), sie ist die eigentliche Heldin des Films – und das sogar eine sympathische. Die Rolle der Schurkin Talia schwankt von Film zu Film: mal sorgt sie sich um ihren Sohn Damian, dann wieder nicht, schließlich erweist sie sich als plumper Machtmensch im Sinne ihres Vaters Ra’s. Ihr Ziel ist so beliebig und vage, dass es einen kaltlässt. Darüber hinaus wäre es zu wünschen, wenn nicht wieder (zum dritten Mal) die Familie al Ghul der Gegner wäre. Es gibt noch so viele Schurken, die man einsetzen und ausbauen könnte. Hier aber hat der Mad Hatter bloß einen enttäuschenden Gastauftritt als Handlanger. Alle anderen bösen Buben im Film wie Black Mask, Firefly und Killer Moth sind nicht mehr als Kanonenfutter.

Bad Blood setzt auf starke Action-Szenen und markige Sprüche. Wer nicht mehr verlangt, kommt auf seine Kosten. Die Pointen sitzen wie die Schläge. Wie schon beim Vorgänger Batman vs. Robin ersetzt der Film aber kaum das Lesevergnügen der Comics, bei denen er sich bedient: Battle for the Cowl, Long Shadows, Batwoman: Elegy und Batman Incorporated. (Besprechungen für die ausstehenden folgen.)

(Achtung Spoiler!)

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Revolution für die eigene Sache

DC Comics

DC Comics

Titel: Anarky (Detective Comics Vol. 7)

Autor/Zeichner: Brian Buccellato, Francis Manapul, Benjamin Percy/Francis Manapul, John Paul Leon u.a.

Erschienen: 2014-2015 (Detective Comics #35-40, Detective Comics: Endgame #1, Detective Comics: Future’s End #1; Paperback 2016), dt. Panini 2015 (Batman #38-40)


„… sometimes, you need to take a moment to breathe, and not be Batman. It’s easy to get lost in all this darkness.“ (Alfred)

„How contradictory.“ (Alfred)

Anarky ist wieder da. Statt rotem Hut und Umhang trägt er einen Hoodie mit einem großen A auf der Brust – aber die Maske ist ähnlich. So gleicht sein Update im neuen DC Universum einem heutigen Aktivisten, oder besser gesagt: Hacktivisten. Denn Anarky hackt sich zunächst in den Wayne Tower ein, löscht alle Bankdaten und verteilt er seine Masken an jeden (!) in Gotham – V wie Vendetta und Anonymous lassen grüßen – damit die Menschen ein neues Leben nach ihrem Sinn anfangen können. Als hätten alle nur darauf gewartet, bricht Chaos in Gotham aus.

Doch die Aktion ist nicht so einfach, wie es zunächst aussieht, hinter dem Plan steckt mehr: der Mad Hatter und ein Politiker haben damit etwas zu tun. Wie schon in Ikarus arbeiten Batman und Bullock zusammen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Revolution ist gelenkt und soll bloß von einem persönlichen Rachefeldzug ablenken. Es stellt sich die Frage, was der immense (auch bestimmt finanzielle) Aufwand für dieses banale Ziel überhaupt sein soll. Damit geht aber vor allem die politische Dimension und die philosophische Vielschichtigkeit verloren, die Anarky einst ausgemacht hat. Buccellato und Manapul verstehen es, eine Geschichte wenigstens visuell interessant zu erzählen und mit Panels zu experimentieren, aber sie schaffen es nicht, für ihre Geschichten zu fesseln. Trotz aller Ambition und Versuche, mit Bullock eine menschliche Komponente hineinzubringen, bleibt die Story flach, was wohl vor allem an der Enttäuschung liegt, dass Anarky hinter der Erwartung zurückbleibt.

Über die zweiteilige Nebenstory Terminal kann man Ähnliches sagen: Ein hervorragend (von John Paul Leon) gezeichnetes Werk, das vielversprechend anfängt (ein Flugzeug kracht in den Flughafen, wieder geht es um Terror für die „gute Sache“), aber eine all zu schnelle und banale Lösung findet. Die anderen beiden Kurzgeschichten sind Ergänzungen zu Endgame (Todesspiel) und Future’s End: entbehrlich. Immerhin letztere, in der Batman und Riddler in Arkham Asylum einbrechen, hat einen bemerkenswerten Twist am Ende.

Ansonsten bleibt der siebte Band von Detective Comics erneut enttäuschend. Und wieder bleibt die Hoffnung, dass der neue Autor ab Heft 45 (Peter Tomasi) das Niveau dieser dauerhaften B-Serie endlich hebt.