Batwoman

Die recycelte Katze: Cat-Man

Als Catwoman in den Comics ihre zwölfjährige Pause machte, bekam Batman es mit einem anderen Katzenschurken zu tun: Cat-Man. Anfang der 60er schrieb Bill Finger drei Geschichten über ihn, allerdings zunächst nicht aus einer Inspiration heraus. Im Gegenteil. Cat-Man war zunächst nichts als ein männlicher Abklatsch von Catwoman.

Die Geschichte beginnt mit Challenge of the Cat-Man (Detective Comics #311, 1962): Der reiche Großkatzenjäger Thomas Blake langweilt sich. Er könnte sich die Zeit auch so verkürzen wie Bruce Wayne und das Verbrechen bekämpfen, aber da es ja schon einen Batman gibt, reizt ihn die Aufgabe nicht. Nein, vielmehr wäre er lieber ein Schurke. Nur so zum Spaß. Aber es muss etwas Originelles her, er braucht ein Thema, eine Masche.

Als er sich in seinem Privatzoo und seinem mit Katzen geschmückten Haus umsieht, erinnert ihn das an Catwoman. Sie soll einst Batmans größte Gegnerin gewesen sein, aber dann sei sie rehabilitiert (dass sie rückfällig geworden ist, weiß er entweder nicht oder spielt keine Rolle, denn Selina ist seit 1954 in keinem Comic mehr aufgetaucht). Außerdem sei sie „nur eine Frau“ gewesen. Nicht auszudenken, was er als Mann ausrichten könnte, denkt er und beschließt, zum Cat-Man zu werden.

Naja, originell ist es nicht wirklich, die Katzenmasche einfach zu übernehmen. Auch sein Kostüm, eine orange-gelbe Variation von Batman mit „CM“ auf der Brust, ist auch nicht gerade einfallsreich. Catwoman hat die Farbkombination bereits 1940 getragen, bevor sie später auf violett und grün umgestiegen ist.

Cat-Mans erster Raub

Passend dazu wird eine Woche später im Gotham Museum ein Flügel für altägyptische Kunst eröffnet. Ausgestellt wird eine goldene Katzenstatue: die Queen of all the Cats. Da taucht der Cat-Man aus einem Sarkophag auf und ernennt sich zum König aller Katzen. Unbemerkt bleibt, dass es auch schon einmal so einen Schurken gegeben hat (The King of the Cats! Batman #69, 1952).

Cat-Man im Cat-Car

Vor den Augen von Batman und Robin stiehlt er die Statue und haut mit seinem Cat-Car ab. Die Idee hat er ebenfalls von Catwoman geklaut. Bewundernswert ist nur, dass er es innerhalb von einer Woche konstruiert hat. Noch bewundernswerter ist sein Geheimversteck. In diesen „Catacombs“ (wieder bei Catwoman abgeguckt) hat er sogar eine riesige Roboterkatze, die er auf das Dynamische Duo hetzt. Das ist mal was Neues, aber Catwoman haben wir natürlich auch schon mal auf Riesenkatzen reiten sehen.

Cat-Man und die geigende Katze

Richtig dreist fällt der Abklatsch auf, als Catman zum Klub „Cat and the Fiddle“ fährt und auf einer Riesenkatze mit Geige gegen Batman kämpft. Auch das hat es schon mit Catwoman gegeben (Claws of the Catwoman, Batman #42, 1947)! Vorher begegnet ihm noch Batwoman und er bietet ihr an, sich zu verbünden, damit sie „King and Queen of Crime“ werden, was wiederum an die Story Catwoman – Empress of the Underworld (Batman #65, 1951) und den King of Cats erinnert. (Auch Catwoman hat Batman die Partnerschaft angeboten.) Selbst Cat-Mans Ende ist abgeguckt: Er verschwindet in den Fluten eines Wasserfalls …

Cat-Man scheint sich seiner wahren Motive zunächst nicht bewusst zu sein. Im Laufe der Geschichte wird klar, dass er sein Vermögen verzockt hat und offenbar wieder Geld braucht, um wieder so reich zu werden, wie andere es von ihm denken.

Auch wenn sein Schöpfer Bill Finger jegliche Kreativität bei dieser Figur vermissen ließ, kehrte Catman bald darauf zurück – aber noch dreister als zuvor. Denn The Cat-Man Strikes Back (Detective Comics#318, 1963) ist fast identisch mit der Story Claws of the Catwoman (Batman #42, 1947). Entweder haben es die Redakteure nicht gemerkt, dass ihnen ihr Autor dieselbe Geschichte zweimal verkauft hat, oder man dachte sich, es würde den jungen Lesern nicht auffallen, denn vor 16 Jahren waren die meisten noch nicht geboren.

Cat-Man rettet Batwoman

Wieder gibt es die ganzen Anspielungen auf Katzenliteratur, den gestiefelten Kater, Alice im Wunderland, wieder hängen die Kätzchen am Baum usw. Neu ist die Handlung mit Batwoman. Durch ihre Fehler lässt die Cat-Man davonkommen, Batman macht ihr Vorwürfe, aber weil Cat-Mans Angebot noch steht, sich ihm anzuschließen, er ihr das Leben rettet und behauptet, sie zu lieben, wechselt sie die Seiten.

Batwoman als Catwoman

Batwoman wird zur neuen Cat-Woman, aber das nur für etwa ein paar Minuten. Denn kaum hat sie das neue Kostüm angezogen, tauchen Batman und Robin im Versteck des Katzenmannes auf. Batwoman hat sie hergeführt. Doch Cat-Man durchschaut das Falschspiel. Am Ende befreit der Bat-Hound die beiden Helden aus der Falle, Batwoman macht sich doch nützlich und Cat-Man stirbt scheinbar bei der Flucht in einem Motorboot – aber nur bis zur nächsten Ausgabe.

Beim dritten Mal wird es spannender. Zwar bemüht Bill Finger wieder die alte Leier, dass Katzen neun Leben haben, doch im Vergleich zu Catwoman, die damals nur so getan hat, als ob es so wäre (Nine Lives Has The Catwoman, Batman #35, 1946), kann Cat-Man tatsächlich neun Mal weiterleben, obwohl er tot sein müsste. Zwei Male hat er bereits in den ersten beiden Geschichten verbraucht, den Rest macht er in „The Strange Lives of the Cat-Man“ (Detective Comics #325, 1964) zunichte.

Cat-Mans Kostüm verleiht neun Leben

Zuerst entführt er einen schwarzen Löwen und macht auf der Flucht einen halsbrecherischen Sprung in die Tiefe, dann lässt er einen Stromschlag über sich ergehen. Batwoman kommt dem Rätsel auf die Spur: Cat-Mans Kostüm besteht aus einem mysteriösen Stoff, der von Katzenanbetern auf einer pazifischen Inseln stammt, dieser verleiht ihm seine Kräfte. Also steigt Batwoman in das Catwoman-Kostüm, das er für sie genäht hat, rettet Batman und Robin das Leben, indem sie durch einen Ring aus Feier läuft und sie daraus befreit.

Als Catwoman verfolgt sie Cat-Man, verbraucht weitere zwei Leben, will ihn verhaften, doch erst mit den vereinten Kräften von Batman und Robin kriegen sie ihn endlich hinter Gitter. Am Ende hat er nur noch ein Leben übrig.

Auch wenn die Figur zunächst nur eine dreiste Kopie war, entwickelte sie dank der Catwoman-Story zu eine gewisse Eigenständigkeit. Aber richtig durchgesetzt hat sie sich nicht. Besonders als bald darauf die echte Catwoman zurückkehrte, war Cat-Man überflüssig. Mit dem Original konnte er ohnehin nicht mithalten. Zumindest vorläufig.

Erst in den 80ern bekam er ein Comeback (dann ohne den Bindestrich), als gemeinsamer Gegner von Batman und Catwoman, in den 90ern bekam er ein neues Kostüm. Später schloss er sich Schurkengruppen wie den „Misfits“ und den Secret Six an.

Weitere Auftritte von Catman (Auswahl):

  • Batman #323-324, 1980
  • Detective Comics #509, 1981
  • Batman #371/Detective Comics #538 1984
  • Detective Comics #612, 1990
  • Heat (Legends of the Dark Knight #46-49, 1993)

>> Liste der Catwoman-Comics

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Pax Batmana

DC Comics

Titel: Batmen Eternal

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Javier Fernandez, Eddy Barrows, Alvaro Martinez

Erschienen: 2018 (Detective Comics #975-981),  Paperback 2018 (Detective Comics Vol. 7)


„Batman doesn’t have to be eternal.“

Regelmäßige Leser werden sich denken können, dass ich mich auf dieses Heft gefreut habe. Nicht, weil die Geschichte hier ihr Finale findet, sondern weil sie zu Ende geht. Nein, ich bin wirklich kein Fan von Detective Comics, seit 2011 ist das meine ungeliebte Serie. Im Falle der aktuellen Storyline von James Tynion IV bedeutet der siebte Band das Ende von

  • langen Monologen und endlosen Dialogen,
  • exzessivem Einsatz von Doppelseiten, bei denen man nie weiß, wie man lesen soll,
  • faden, aber unnötig ausgebreiteten Nebenschauplätzen,
  • einer Story, die zu wenig Batman zu bieten hat.

Was bisher geschah: Batwoman hat Clayface erschossen, nachdem er Amok gelaufen war. Jetzt steht sie am Pranger. Batman beruft die Familie zusammen, um darüber zu beraten, was mit Batwoman geschehen soll – allerdings ohne Batwoman. Man ist sich uneins. Die „Angeklagte“ verbündet sich in der Zwischenzeit wieder mit ihrem Vater und der Colony, seiner Batmen-Armee, um künftig global für Recht und Ordnung zu sorgen. Tödliche Gewalt soll nur noch die Ausnahme sein. Batwing und Azrael schließen sich ihr an (auch wenn Azrael in Band 1 fast von der Colony ermordet worden wäre).

Ulysses Hadrian Armstrong, dem ehemaligen Programmierer der Colony, hat derweil andere Pläne für ein eigenes Batman-Netzwerk. Dafür versucht er Red Robin (Tim Drake) auf seine Seite zu ziehen, der ohnehin seine Allmachtsfantasie der Verbrechensbekämpfung nicht aufgeben will. Ulysses benutzt die Technik des finsteren Tim Drake-Batman der Zukunft, den wir bereits in Band 5 (A Lonely Place of Living) kennenlernen durften. Ums kurz zu machen: Ulysses dreht durch und wird zum General, und damit seinem Vorbild aus dem Prelude zu Knightfall sehr ähnlich (ein Wandel, der sich schleichend vollzieht). Er hackt sich in die Colony und dann gehen die Probleme erst richtig los. Und alle wollen das Gleiche: die Pax Batmana, den großen Frieden im Zeichen der Fledermaus …

Kurz gesagt: Hier schließt sich der Kreis zu Band eins. Hier kommen nicht nur die wichtigsten Handlungsfäden zusammen, sondern auch fast alle Mitglieder des ursprünglichen Teams. Wer den ersten Band mochte, wird hier einen actionreichen Abschluss finden, allerdings ist es wichtig, zumindest auch Band 5 gelesen zu haben, um der Handlung folgen zu können.

Mich irritiert das viele Hin und Her der Figuren. Ständig ändern sie ihre Meinung, auf welcher Seite sie stehen, wie es gerade für die Story passt. Nicht nur Batwing und Azrael, auch andere Charaktere werden in kürzester Zeit von Freunden zu Feinden und umgekehrt. Batwomans großer Tabubruch scheint zum Schluss plötzlich vergessen, Kathy Kane sitzt gemütlich mit Bruce beim Essen und alles scheint wieder gut. Ich verstehe auch nicht, warum Batwomans Vater, der eigentlich ein Verbrecher ist, am Ende wieder den Mentor seiner Tochter spielt.

Auch dieser Abschluss ist jedoch so geschwätzig wie die übrigen Bände, drei lange Epiloge gibt es zum Schluss, sodass das Ganze kein Ende zu nehmen scheint. Aber immerhin löst sich alles so gut auf, dass wir so bald keine Batman-Soap wie diese mehr zu erwarten haben. Das dürfte die wahre „Pax Batmana“ sein …

2019: Das Jahr der Detective Comics

DC Comics

Im Jahr 2019 wird Batman 80 Jahre alt – und Detective Comics, die Serie, mit der alles begann, erhält ihre 1000. Ausgabe. Zu diesem Anlass wird DC im März zu der Jubiläumsausgabe eine umfangreiche Anthologie herausbringen – wie schon in diesem Jahr mit Supermans Action Comics #1000. Eine erste Ankündigung bei Amazon verspricht 300 Seiten mit Storys ab den 30er Jahren, darunter einige mit Batmans wichtigsten Verbündeten und Feinden. Welche das sind, ist noch offen. Das Cover soll von Jim Lee gezeichnet werden, aber bisher ist nur ein Dummy zu sehen.

Zu den historischen Ausgaben von Detective Comics gehören die ersten Auftritte vieler Schurken, wie z.B. Clayface, Pinguin, Two-Face, Riddler und Man-Bat, aber auch Robin, die erste Batwoman und das zweite Batgirl (Barbara Gordon) feierten hier Premiere.

Bekanntlich hatte Batman seinen ersten Auftritt in Detective Comics #27 (1939). Aber was ist mit den 26 Ausgaben davor? DC will diese den Fans endlich zugänglich machen: Im März erscheinen  Detective Comics Before Batman als zweibändige Slipcase-Ausgabe mit insgesamt 1500 Seiten Umfang. Die bekannteste Figur, die vor Batman in der Serie erschien, war der Detektiv Slam Bradley, erfunden von den Superman-Schöpfern Jerry Siegel und Joe Shuster. Er wird sicher in dem Band vertreten sein.

Die Serie Detective Comics ist allerdings erst spät eine reine Batman-Serie geworden. Immer wieder waren in den Ausgaben noch weitere Geschichten mit anderen Charakteren enthalten, wie zum Beispiel Martian Manhunter (erster Auftritt Detective Comics #225) und Elongated Man, ab den 60ern bekamen Nebencharaktere wie Robin und Batgirl die Zweitgeschichten, später auch Green Arrow und Black Canary.

Die Tradition endete vorläufig mit Ausgabe #567 (1986) und wurde dann in den Ausgaben #746–810 (2000-2005) wieder aufgenommen. Nach dem „Tod“ von Batman übernahm die neue Batwoman die Serie als Hauptcharakter in den den Ausgaben #854-860 (Elegy, 2009), als Back-up dient Renée Montoya in der Rolle der neuen Question.

(Hinweis: Der Artikel wurde am 10.9.2018 aktualisiert. DC hat seine angekündigten Omnibus-Ausgaben gestrichen und durch die Slipcase-Ausgabe ersetzt.)

Clayfaces großer Auftritt

DC Comics

Titel: Fall of the Batmen

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Joe Bennett, Miguel Mendonca, Eddy Barrows

Erschienen: 2018 (Detective Comics #969-974, Annual #1), Paperback 2018 (Detective Comics Vol. 6)


Das Opfersyndikat ist wieder da! Die Schurken übernehmen Arkham Asylum zusammen mit Anarky, der gleichzeitig einen Aufstand der Bürger in Gotham organisiert – plötzlich sind alle irgendwie Batmans Opfer. Der neue Bürgermeister macht klar, dass er Batman okay findet, aber nicht gleich eine ganze Privatarmee von Batmen. Und dann gibt es noch den armen Clayface. Er hofft auf eine Kur seines Leidens, aber das Syndikat hat andere Pläne mit ihm: Clayface mutiert zum Riesenmonster und randaliert in der Stadt.

Es kommt, wie es kommen muss, wenn man einen ehemaligen Schurken zum Helden zu rekrutieren versucht. Alle versuchen ihr Bestes, aber scheitern. Nur Batwoman bringt eine radikale Lösung, aber die zerbricht die Batman-Familie … Dieser Aspekt ist der interessanteste der ganzen Geschichte. Leider kommt er erst am Ende. Dazwischen mal wieder nur mäßige Unterhaltung. Was die Opfer-Schurken groß aufbauen, fällt viel zu schnell und einfach in sich zusammen. Und leider sieht man nicht mal, wie es passiert. Auch andere interessante Momente, die Potenzial zu mehr hätten, wie etwa Killer Moths neue Gang, werden schnell platt gemacht, um zu zeigen, wie toll die Batman-Bande als Verbrechens-Verhinderungs-System funktioniert.

DC Comics

Immerhin der Haupt-Aspekt kommt zur Geltung: Fall of the Batmen ist eine einzige große Clayface-Show. Endlich mal eine, die ihrem Anspruch gerecht wird. Denn wir bekommen am Ende des Bandes (Annual #1) noch ein Update der Entstehungsgeschichte nachgereicht. Die ist angelehnt an die Version, die man aus Batman: The Animated Series kennt: Basil Karlo ist ein junger aufstrebender Schauspieler, der nach einem Autounfall zu einem zweifelhaften Kosmetikprodukt aus dem Hause Daggett greift und damit alles noch schlimmer macht. Dazu gibt es eine Anspielung auf die Ur-Clayface-Story.

Nein, neu ist das alles nicht. Neu ist nur die Variation des Altbekannten. Aber bei den Zeichnungen von Eddy Barrows, einem wahren Genie, verzeiht man auch die Einfallslosigkeit des Autors. Einen Band macht er noch, dann ist aber wirklich Schluss und die Detective Comics bekommen noch eine Chance.

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Bat-Girl wird Batwoman

DC Comics

Titel: Bat-Girl – Batwoman II

Autor/Zeichner: Bill Finger/Chic Stone

Erschienen: 1964 (Batman #163)


Alfred haut mal wieder in die Tasten. Nachdem er letztens Dick Grayson und Bruce Wayne Jr. eine Zukunft als Batman und Robin angedichtet hat (Bruce Wayne war mit Kathy Kane verheiratet), wird jetzt das ehemalige Bat-Girl Betty Kane zur neuen Batwoman.

Batman II und Robin II

Betty besucht ihre Tante, die führt sie herum in ihrem alten Haus und zeigt ihr auch das alte Batwoman-Kostüm. Kathy ist wehmütig: Es ist schon lange her, dass sie in Aktion getreten ist. Doch da entscheidet Betty, ihre Nachfolge anzutreten.

Als Batman II und Robin II gerade nicht in der Stadt sind, wird Bruce Wayne zu Batman und gerät sogleich in Gefahr. Milo, der Erfinder für die Unterwelt, schnappt sich den Helden mit einer riesigen fliegenden mechanischen Hand. Zufällig kommt Batwoman II vorbei und befreit ihn. Beim Sturz verliert Batman seine Maske und sein Geheimnis ist raus.

Batwoman II rettet Batman

Gemeinsam verfolgen sie Milo zu einer Vorführung seiner Erfindungen, werden gefangengenommen und Batman wird fast von einem riesigen Hammer zermatscht, doch dann kommt die nächste Generation, um ihn zu retten …

Bett Kane küsst Dick Grayson

Es ist nicht die großartigste Geschichte, die uns Alfred hier auftischt. Formelhaft und uninspiriert. Ebenfalls schade: Alle bekommen hier was zu tun, nur Kathy Kane muss zuhause bleiben. Immerhin bekommt Dick Grayson, nachdem er sich als neuer Batman geoutet hat, einen Kuss von Betty …

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Die nächste Generation braucht Starthilfe

DC Comics

Titel: The Second Batman and Robin Team

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1960 (Batman #131)


„Golly — we’re like the three musketeers!“ (Robin II)

Was wäre, wenn … Bruce Wayne als Batman in Ruhestand ginge, zusammen mit seiner Frau Batwoman? Alfred denkt sich diese mögliche Zukunft aus, als er eine neue Schreibmaschine ausprobiert. Naheliegende Folge: Dick Grayson wird Batman II – inklusive einer römischen Zwei auf der Brust. Und wer wird Robin? Natürlich Bruce Wayne, Jr. Der kleine Rotschopf (!) hat ein paar Tricks von Onkel Dick gelernt und will unbedingt der neue Wunderknabe werden. Die Eltern wollen nicht, es ist zu gefährlich (warum durfte dann Dick?), aber schließlich kann Junior sie überreden.

Schon bald stürzt sich das neue Dynamische Duo ins Abenteuer, aber beim ersten Fall baut Robin Mist und lässt die Gangster entkommen. Beim zweiten Mal wird Dick gefangen genommen, Robin befreit ihn, aber dann geraten sie beide in Gefangenschaft. Also müssen die Rentner ihre Kostüme wieder anlegen, um den Jungs aus der Patsche zu helfen – ohne Starthilfe der alten Garde geht es nicht. (Bruce will mal wieder, dass die Frau zuhause bleibt, aber natürlich kann sich der Mann mal wieder nicht durchsetzen, wie Alfred ironisch bemerkt.) Robin vergleicht das Team später mit den drei Musketieren, will heißen, dass die Frau mal wieder nicht zählt.

Am Ende sind die Eltern total stolz auf ihren Sohn, obwohl er mit Dick so ziemlich alles falsch gemacht hat und ewig Hausarrest bekommen müsste. Talentiert zu sein scheint Junior nur als Detektiv und in schlechten Kalauern. Aber das ist ja auch nur eine imaginäre Geschichte – oder jedenfalls so ähnlich.

Ein bitterer Beigeschmack: In einem Panel sagt Junior zu seinem Vater, jetzt, da er Judo könne, solle Bruce lieber nicht versuchen, ihn zu züchtigen. Bruce lacht nur. Im Jahr 1960 war daran noch nichts Schlimmes.

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Batman heiratet Batwoman

DC Comics

Titel: The Marriage of Batman and Batwoman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1959 (Batman #122)


„A wife’s place is in the home!“ (Batman)

Bruce Wayne geht auf ein Date mit Kathy Kane, alias Batwoman. Robin bleibt allein zu Haus. Er ist eifersüchtig. Und macht sich Sorgen. Was wäre wohl, wenn Batman und Batwoman verheiratet wären? In Wayne Manor sagt Bruce noch, Heiraten käme für ihn nicht in Frage, weil er sonst Gefahr laufen würde, aufzufliegen. Das wäre das Ende von Batman. Doch als er später am Abend nach Hause kommt, sind die beiden verheiratet.

Noch in der gleichen Nacht müssen Batman und Robin zu einem Einsatz. Da Kathy als einzige nicht Bescheid weiß, findet Bruce eine Ausrede, bzw. lügt seine Ehefrau an. Doch die kommt kurz darauf im Batwoman-Kostüm hinterher. In Wayne Manor gibt’s dann erstmal eine Rüge vom Ehemann: Batman offenbart sich als Bruce und sagt ihr, eine Ehefrau habe zu Hause zu bleiben. Sie widerspricht: „A wife’s place is with her husband!“ Als Batman ihr dann von der Gefahr erzählt, dass sie seine Geheimidentität aufs Spiel setzt, sieht sie es ein. Um ganz sicherzugehen, versteckt Bruce ihr Kostüm.

So viel zum Thema Vertrauen unter Eheleuten. Aber schon beim nächsten Einsatz wird es gebrochen. Kathy kann’s nicht lassen, also schlüpft sie in eines von Batmans Kostümen. Weil aber die Maske nicht dicht sitzt, fällt sie in einem ungünstigen Moment von ihrem Gesicht, die Gauner erkennen sie und ziehen ihre Schlüsse. Das wars! Das ist das Ende von Batman! Doch … es war alles nur Dicks Traum. Aber was ist, wenn er eines Tages wahr werden würde?

Nicht auszuhalten, wenn eine Frau den Helden um seine Heldenrolle bringen würde, um sein Hobby, das ihn mit Dick Grayson eint … Willkommen in der US-Gesellschaft der 50er.

Die Waffen einer Frau

DC Comics

Titel: The Batwoman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1956 (Detective Comics #233)


„A girl saving you? It’s ridiculous!“ (Robin)

Wer hätte das gedacht: In Gotham City gibt es ein Gesetz, das besagt, niemand dürfe ein Batman-Kostüm tragen. Gemeint ist wohl niemand anders als das Original. Und dann taucht plötzlich eine Frau auf, die eins trägt. Batman und Robin wissen gar nicht, wie ihnen geschieht. Sie wissen nur: Das geht gar nicht!

Batwoman ist in Wahrheit Kathy Kane, eine ehemalige Zirkusakrobatin und Batman-Fangirl, die von ihrem Onkel einen Haufen Geld geerbt hat und jetzt ihrem Vorbild nacheifert. Als Batwoman trägt sie ein schwarz-gelbes Kostüm mit rotem Cape und roter Maske, sie fährt Motorrad und statt eines Gürtels trägt sie eine Handtasche mit Hilfsmitteln.

Ihre Waffen sind die einer Frau: Puderdose, ein Flakon mit Tränengas, einen Handspiegel, ein Haarnetz, Armreife als Handschellen usw. Dank eines schicken Motorrads schafft sie es auch trotz High-Heels Batman und Robin zuvorzukommen, ja sogar Batman das Leben zu retten.

Trotzdem: Da das Ego der beiden Herren gekränkt ist, wollen sie sie stoppen. Wenn die Frau bisher erfolgreich war, dann nur weil sie Glück hatte, findet Batman. Er müsse sie unbedingt vor weiteren Gefahren bewahren. Mit anderen Worten: Wir müssen wieder den Status quo des Patriarchats wieder herstellen.

Doch Batwoman droht: Wenn Batman sie auffliegen lässt, lässt sie ihn auffliegen. Batman geht das Risiko ein. Schließlich kommt es zu einer Verfolgungsjagd in einem Nachtclub (Thema: Weltall), bei der Batman und Batwoman miteinander konkurrieren und sich gegenseitig retten. Batwoman bekommt Gelegenheit, Batman zu demaskieren, aber verzichtet darauf. Zu dritt nehmen sie später eine Bande hoch und belehren einen Gauner, der die Frau nicht für voll nimmt, eines Besseren.

Das Dynamische Duo findet heraus, dass Batwoman Kathy Kane ist, suchen sie in ihrer Höhle auf und überzeugen sie aufzuhören. Wenn Batman und Robin sie finden konnten, dann auch andere. Dass das Gleiche auch für die beiden zählt, spielt keine Rolle. Obwohl Kathy ebenfalls die beiden enttarnen könnte, gibt sie klein bei und beendet ihre Karriere als Batwoman. Natürlich nur fürs Erste – denn sie wird noch ein paar Jahre weitermachen.

Batwoman wurde eingeführt, als Batman und Robin im Verdacht standen, schwul zu sein. Der Psychiater Fredric Wertham behauptete in seinem Buch Seduction of the Innocent, dass Comics Kinder verderben würden. Daraufhin wurde nicht nur der Comics Code eingeführt, mit dem die Verlage sicherstellten, dass die Storys moralisch einwandfrei waren. Im Fall von Batman wollten die Verleger das unliebsame Gerücht zerstreuen, indem sie eine neue Frauenfigur an der Seite von Batman schufen. (Dass Batman bereits was mit Catwoman am laufen hatte, spielte keine Rolle mehr: Sie war seit zwei Jahren nicht mehr aufgetaucht und sollte noch für weitere zehn Jahre verschwinden.)

Man merkt der Story an, dass Batwoman für eine Frau in den 50ern ziemlich emanzipiert ist, aber immer noch möglichst in Schranken gehalten werden soll. Sie ist nur ein Abklatsch von Batman, ihre Gadgets sind sexistische Klischees und trotzdem hat sie ihren eigenen Kopf und lässt sich (zumindest anfangs) nichts von Batman sagen. Batman geht als der Überlegenere aus der Geschichte hervor. Doch das ist erst der Anfang. Die Zeit der Männer-WG in Wayne Manor ist vorbei. Batwoman steht am Beginn der Batman-Familie …

Kill Your Darlings

DC Comics

Titel: Deus Ex Machina

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Alvaro Martinez, Raul Fernandez

Erschienen: 2016 (Detective Comics #957-962), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 4)


Nachdem Batwoman, Spoiler und Orphan ihre Storylines hatten, bekommt nun Azrael seinen großen Auftritt. (Für alle, die es nicht wissen: Azrael ist das Alter Ego von Jean-Paul Valley, der nach Knightfall der neue Batman geworden ist. In Batman & Robin Eternal hat er eine neue Backstory bekommen.) Ihm fällt sein Mentor Namoz vor die Füße, der von einem Roboter-Killer namens Ascalon angegriffen wurde. Der Orden von St. Dumas hat damit seine Racheengel ersetzt und macht Jagd auf die eigenen Leute. Azrael ist der Nächste.

Seine alte Konditionierung ergreift Besitz von ihm, Azrael wird in seinem Anzug wieder böse. Da kommt Zatanna (der einzige Deus ex machina in dieser Story), bringt ihn wieder zur Vernunft, er bekommt einen neuen Anzug, der wie sein alter aus Knightfall aussieht. Ascalon startet zum Angriff zusammen mit einer Armee von bösen Batwings (dank Lucas Fox‘ fahrlässiger Bastelei) und dann hat die Bat-Familie alle Hände voll zu tun.

Klingt nach viel Action? Ist es aber nicht. Denn in der ersten Hälfte passiert fast nichts – außer Dialog. Bruce Wayne sucht Zatanna auf, wir verlieren uns in Rückblenden und Sprechblasen. Das ist nicht nur ein Problem des Autors James Tynion IV, der seine Figuren zu viel reden und erklären lässt. Auch andere Autoren wie Scott Snyder und Tom King ergötzen sich an ihren Monologen, Tiraden und Suaden. Das kann mitunter so ermüdend sein wie zu lange Kampfsequenzen – vor allem, wenn nichts Substanzielles gesagt wird.

Was ist aus der guten alten Schreibertugend von „kill your darlings“ geworden? Dann würde es wahrscheinlich auch solche 08/15-Comics wie diese nicht geben, die sich so furchtbar wichtig nehmen, ohne etwas von Belang zu sagen oder etwas Spannendes zu erzählen.

Detective Comics bleibt damit eine durchschnittliche Serie für alle, die sich für die Seifenoper der Batman-Familie interessieren. Und für alle, die die abtrünnige Spoiler vermisst haben: Sie bekommt am Ende noch einmal ein ganzes Kapitel gewidmet. Sie hat die Schnauze voll von Superhelden und versucht etwas Neues. Eine gute Idee …

Mehr zum Thema:

Das Mädchen, das ein Schatten war

DC Comics

Titel: League of Shadows

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Marcio Takara, Christian Duce

Erschienen: 2017 (Detective Comics #950-956), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 3)


„The course of history is not guided in the light. It is guided in the shadows.“ (Ra’s al Ghul)

„There’s so much that still doesn’t make any sense.“ (Batman)

Einst galten sie als ein Mythos, den Ra’s al Ghul in die Welt gesetzt hat, jetzt treten sie in Erscheinung: die League of Shadows. Shiva (auch bekannt als Lady Shiva), früher beste Auftragskillerin bei der League of Assassins, führt die Bande an, um Gotham City zu vernichten. Der Grund: Weil Ra’s al Ghul die Stadt im Hintergrund beherrscht. (Was sind dagegen schon zehn Millionen Menschenleben?)Die Bande stiftet zunächst Chaos in Gotham, indem sie Bürgermeister Hady ermordet und Batman die Schuld dafür in die Schuhe schiebt, dann lässt sie Joker-Gas frei. Schließlich soll die Stadt mit einer Atombombe in die Luft gejagt werden.

Die Batman-Familie hat viel zu tun. Batwing und Azrael bekommen jeweils ein Schwert ab, später auch Batwoman. Batman wird von Ra’s in der Bathöhle ausgetrickst und an Shiva ausgeliefert. Jetzt kann nur noch Cassandra Cain alias Orphan helfen, Shiva aufzuhalten. Es kommt zum Kampf Tochter gegen Mutter. Und es fließt sehr viel Blut.

Cassandra steht im Mittelpunkt der Story. Wir erfahren, dass sie gerne tanzen würde und deshalb eine Baletttänzerin stalkt, und dass sie zwar zur Killerin ausgebildet wurde, aber nicht mehr töten will. Deshalb schafft sie es, 1000 Schattenligisten blutig zu prügeln und mit dem Schwert zu malträtieren, ohne dass einer dabei drauf geht. Mein Problem dabei ist: Wenn ich eine Batman-Story lese, will ich eine Story über Batman lesen, nicht über einen Nebencharakter. Aber Batman bekommt man hier nur wenig.

Detective Comics ist seit dem Neustart von DC Rebirth eben eine Serie über ein Bat-Team und jedes Mal liegt der Schwerpunkt auf einem anderen Charakter: Batwoman, Spoiler oder jetzt eben Orphan. Das Problem ist, dass es die Nebenfiguren hier eigentlich nicht braucht, außer als Kanonenfutter. Sie stehen syptomatisch für eine einfallslose Handlung nach altem Muster, ohne sich zumindest die Mühe zu machen, die Motivation der Schurkin plausibel zu gestalten. Mag sein, dass sich das ein oder andere aufklären wird, wenn noch der große Krieg kommt, den Batman vorausahnt, aber ehrlich gesagt: Ich will’s gar nicht wissen.

Was bisher geschah: