Riddler

Riddler als Regisseur

That’s why the Riddler is a Tramp …

Titel: Death in Slow Motion/The Riddler’s False Notion (dt. Das Stummfilmfestival)

Drehbuch: Richard Carr

Erschienen: 1966 (S01E31-32)


Bei einem Stummfilmfestival taucht der Riddler verkleidet als Charlie Chaplins Tramp auf und raubt die Einnahmen. Nur 200 Dollar – das ist aber nur der Anfang. Danach ist eine Bäckerei dran, dort werden Torten mit „sleeping cream“ geworfen. Und schließlich führt die Spur zu einer Bibliothek. Die ist leider wegen fehlender Mittel mittwochs geschlossen, aber zum Glück hat Batman den Batkey dabei, einen Generalschlüssel für jede Tür.

Passt überall: der Batkey.

Doch kaum betritt das Dynamische Duo die Bibliothek, fällt ein riesiges Buch über Stummfilme auf sie drauf – „Holy headache!“ – und offenbart ihnen zwei weitere Rätsel. Auf einer Party versetzt der Riddler eine Limonade mit einer Droge, die die Gäste aggressiv macht, eine Schlägerei bricht aus. Draußen wird Robin kein bisschen misstrauisch, als er eine seltsam gekleidete Schäferin trifft, die ihn daraufhin betäubt, um ihn zu entführen und entzwei zu sägen. Batman lässt sich dann merkürdigerweise sehr viel Zeit, um seinen Partner zu retten. Und tatsächlich wäre er zu spät gekommen, wenn der Riddler es sich nicht anders überlegt hätte, um den Wunderknaben anders zu erledigen.

Riddler als Stummfilm-Regisseur – samt Crew.

Doch was hat der Riddler vor? Er filmt das alles mit seiner Crew aus Handlangern und der obligatorischen Femme fatale. Dabei hat er offenbar eine Zauberkamera, die zwar immer nur aus einer Perspektive filmt, aber trotzdem alle möglichen Einstellungen einfängt. Am Ende entsteht der erste Batman-Stummfilm. Den will der Riddler für viel Geld einem Sammler verkaufen, doch das ist ihm noch zu wenig. Der Riddler wird zum räuberischen Cowboy …

Zu groß für jeden Couchtisch: Die Geschichte des Stummfilms.

In dieser Doppelfolge wird von Anfang an viel gelacht, obwohl eigentlich kaum etwas witzig ist. Frank Gorshins Auftritt als Tramp ist erschreckend einfallslos, sodass man sich fragt, ob die Umstehenden unter Joker-Gas stehen. Eine verschenkte Chance, denn das Thema Stummfilm hätte einiges an Potenzial gehabt. Hierfür wäre der Joker vielleicht auch die besser Wahl gewesen. Und tatsächlich: Ein Jahr zuvor erschien ein Comic, in dem der Joker sich wie Stummfilmstars verkleidete – angefangen mit dem Tramp (The Joker’s Comedy Capers, Detective Comics #341, 1965).

Ein kleines Highlight dieser Episode: Batman bringt neben Riddlers Handlangerin auch Commissioner Gordon in die Bathöhle, als Zeugen fürs Verhör, falls er sich nicht mehr beherrschen könnte, Gewalt anzuwenden. Gordon wird zur Anstandsdame und lässt sich bereitwillig von Batman ausknocken, bevor der ihn in die Höhle fährt. Dort probiert Batman eine Art chemischen Lügendetektor an der jungen Dame aus.

Zweites Highlight: Als der Riddler Robin von einem Hochhaus stürzt, wirft ihm Batman einen Batarang zu, den Robin mit den Zähnen auffängt. An diesem kann Batman ihm dann hochziehen. Also immer schön Zähne putzen, Kinder!

Und liebe Drehbuchautoren: Witzig ist es nicht, wenn die Figuren lachen, sondern wenn das Publikum lacht.

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Der rätselhafte Edward Nigma

DC Comics

Seien wir ehrlich: Warum eigentlich halten wir den Riddler für einen coolen Schurken? Wenn man sich die Figur bis zum Jahr 1990 ansieht, ist daran gar nichts cool. Potenzial hat er ja, mit seinen Rätseln, aber meistens ist die Figur lächerlich, die Rätsel sind belanglos und die Auflösungen lachhaft weit hergeholt. Zwar gab es mit Dark Night, Dark City den Versuch, das zu ändern, aber dann fiel man doch wieder ins alte Schema zurück. (Ganz zu schweigen von Jim Carrey in Batman Forever …)

Erst in den 2010er-Jahren wird der Riddler wieder dauerhaft zu einem ernstzunehmenden Schurken umgeschrieben. Das alte Spandex-Kostüm ist vergessen. Man trägt den grünen Anzug samt passendem Bowler. Nach dem Reboot von The New 52 wird er in Zero Year (Jahr Null) zu Batmans erstem großen Gegner (nach dem Anführer der Red Hood Gang), in Earth One Vol. 2 wird er zum Terroristen, der sogar ohne Kostüm auskommt. Der Riddler schöpft in beiden Geschichten sein Potenzial aus und tritt endlich als das Mastermind auf, für das er sich bisher nur gehalten hat. (Später führt er sogar einen Krieg gegen den Joker.)

Der verliebte Riddler

Doch auch in drei Kurzgeschichten aus diesem Jahrzehnt schafft er es, immer wieder zu überraschen: Zum einen, weil er mehr Menschlichkeit bekommt. In „The House the Cards Built“ (Joker’s Asylum: The Riddler #1, 2010) verliebt sich Edward Nigma erstmals. Bei einem Raub lernt er eine Kunststudentin kennen. Er entkommt einer Begegnung mit Batman und schickt ihr daraufhin Blumen und Geschenke – doch sie schickt alles wieder zurück. Dann zahlt er ihren Studienkredit ab – doch sie kann man nicht kaufen. Schließlich bietet ihm ein Schurke Hilfe an und Edward setzt alles an, um das größte Rätsel seiner Laufbahn zu lösen. Ich will nicht zu viel verraten, aber die Sache geht natürlich nicht gut aus. Für den Leser aber endet es überraschend und mit einer offenen Frage …

In „Solitaire“ (Batman #23.2: The Riddler, 2013) bricht der Riddler in das Wayne Enterprises Tower ein. Mühelos dringt er durch die Sicherheitsvorkehrungen, überwältigt das Personal – und wozu? Alles nur, um eine Kleinigkeit zu rächen, die lange her ist. Edward Nigma ist ein Mann, dem neben seinem Ego auch Details wichtig sind.

Der Riddler bleibt sich treu

Rätselhaft verhält sich der Schurke ebenfalls lange in „Riddler in the Dark“ (Legends of the Dark Knight 100-Page Super Spectacular #2, 2014). Gleich zu Beginn lässt er sich von der Polizei festnehmen, bevor er sie auf ein Rätsel aufmerksam macht. Batman zieht los und findet einen geheimen Server in einem Zug – und stößt auf Black Mask … Wieder mal stellt sich die Frage: Hätte man das, was der Riddler will, nicht einfacher haben können?

„You know, Riddler, there are easier ways“, sagt Batman. „It doesn’t always have to be a riddle.“ Und der Riddler antwortet knapp: „For you, perhabps. Not me.“ Also finden wir uns damit ab: Ein Detektiv braucht Rätsel, die er löst. Und er braucht jemanden, der sie aufgibt. Der Riddler ist die Verkörperung dieses Prinzips. Mal albern und harmlos, mal tödlich ernst. Aber Hauptsache er bringt mit seinem erfrischenden Grün Farbe in das allzu schwarze Gotham. Grün wie die Hoffnung, dass sich jedes noch so knifflige Rätsel auch lösen lässt.

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Riddler wird Privatdetektiv

DC Comics

Titel: E. Nigma, Consulting Detective/Honor Among Thieves

Autor/Zeichner: Paul Dini/Don Kramer

Erschienen: 2006/2007 (Detective Comics #822/837), Paperback 2015 (Batman Arkham: Riddler)


Ein Jahr lang lag der Riddler nach einer Kopfverletzung im Koma, jetzt ist er wieder da: Zurück im Bowler, grünem Jackett und mit Krawatte – und einer neuen Profession. Denn der neue Edward Nigma verspürt nicht mehr den Zwang, Verbrechen zu begehen und Rätsel als Hinweise zu hinterlassen, nein, er setzt sein Genie dafür ein, um Rätsel zu lösen, als Privatdetektiv. (Das größte Rätsel bleibt jedoch, warum er immer noch Fragezeichen auf dem Jacket trägt.)

Sein erster Fall ist ein Mord und er führt ihn zu Bruce Wayne. Zusammen mit James Gordon fragt er ihn nach dem Opfer, Karrie Bishop, aus, einer Frau, die Bruce nur flüchtig kannte. Jemand hat sich als Bruce ausgegeben. Batman und Riddler verbünden sich, um den Fall zu lösen.

Die Geschichte ist ein klassischer Whodunit, führt in Gothams Rotlicht- bzw. S/M-Szene. Der Riddler löst den Fall nur scheinbar, denn am Ende ist wie immer alles ganz anders als gedacht, wodurch es dann doch wieder ziemlich wie erwartet läuft.

Ein paar Detective-Ausgaben später spielt Batman kaum eine Rolle. Bruce Wayne gibt Edward Nigma den Auftrag, nach einer Angestellten zu suchen, die mit einem Kraft-Serum verschwunden ist. Edwards Recherche führt ihn nach Metropolis, wo er im „Athenian Women’s Help Shelter“, einer Art Amazonen-Camp, auf Harley Quinn trifft. Diese kapert dann die Story. Nach einer albernen Rückblende in Harleys jüngste Vergangenheit gibt es eine Prügelszene mit der Schurkin, bis Edward sie ausknockt.

Eine richtige Riddler-Story ist das nicht, eine Batman-Story noch weniger. Und von Paul Dini hat man auch schon Unterhaltsameres gelesen als diesen belanglosen Quark.

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Riddlers Bombenspaß mit Cluemaster

DC Comics

Titel: Badd Girls/Lethal Pursuits/Riddled

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Graham Nolan

Erschienen: 1997 (Detective Comics #705-707), Paperback 2020 (Batman: Knight Out), dt. Dino Verlag 1998-1999 (Batman #25-26)


Während der Riddler nach einer Operation seiner gebrochenen Hand im Krankenhaus liegt, befreien seine Handlangerinnen Query und Echo den Schurken Arthur Brown. Dessen Zeit als Möchtegern-Riddler namens Cluemaster sind zwar vorbei, aber der Riddler hat andere Pläne mit ihm: Er legt ihm eine Sprengstoff-Weste an und lässt Batman und Robin Rätsel lösend durch die Stadt hetzen. Sie haben jeweils 15 Minuten Zeit, um zur nächsten Station zu gelangen, sonst stirbt Brown.

Die Rätsel sind auffallend einfach, meistens sind nur Buchstaben und Zahlen gefragt, aber was haben sie zu bedeuten? Was hat der Riddler mit dieser Masche vor? Während Robin und Oracle knobeln, begibt sich Batman in ernsthafte Lebensgefahr …

Ach ja, die guten alten 90er: Chuck Dixon und Graham Nolan bildeten neben Doug Moench und Kelley Jones das andere Dreamteam (neben Alan Grant und N. Wem die düsteren Zeichnungen von Jones zu viel waren, der fand beim klaren Stil von Nolan seinen Trost. Und Dixon landete als Storyteller bei der Masse an Output immer wieder einen Treffer. Dieser Dreiteiler gehört zu den Höhepunkten dieser Zeit zwischen Knightfall und dem Beben (Cataclysm) und er gehört auch zu den wohl besten, weil cleversten Riddler-Storys überhaupt (und clever sind sie leider selten).

Der Riddler tritt hier mit seinen Rätseln erneut als Künstler nach eigenem Selbstverständnis auf. Aber auch als Baseball-Fan. Zum einen treibt er also sein Spiel mit Batman, zum anderen geht es ihm bei seiner Beute nicht um Profit, sondern um einen ideellen Wert. Allerdings ist er mehr als nur ein Spieler: Wieder einmal schreckt er auch hier nicht vor Mord zurück.

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Riddler als Quizmaster

DC Comics

Titel: Riddler – The Riddle Factory

Autor/Zeichner: Matt Wagner/Dave Taylor

Erschienen: 1995 (One-Shot), Hardcover 2020 (Legends of the Dark Knight: Matt Wagner)


Der Riddler veranstaltet seine eigene Quiz-Show. An wechselnden geheimen Orten in Gotham versammelt er ein Publikum und lässt Freiwillige seine Rätsel lösen, während sie sich in Lebensgefahr begeben. Wenn sie die Fragen falsch beantworten, werden sie von einem tollwütigen Waschbären gebissen, in Tomatensuppe versenkt oder als Pinnball missbraucht. Die Lösungen der einzelnen Rätsel geben zusammen das Geheimnis eines Prominenten preis, eines Milliardärs oder eines Künstlers zum Beispiel. Schließlich soll als nächstes Bruce Wayne bloßgestellt werden …

Abgesehen von Kleinigkeiten tut der Riddler nichts Illegales – aber was hat er wirklich vor? Batman vermutet, dass mehr dahintersteckt. Und natürlich trügt ihn sein Instinkt nicht. Die Auflösung ist aber so banal, dass die ganze Grundidee der Story in sich zusammenfällt. Genauso wie dem Riddler bei seiner Recherche über Bruce Wayne klar wird, dass es da kein dunkles Geheimnis zu entlarven gibt. Auf die Verbindung zu Batman kommt dieses vermeintliche Genie nicht.

1995 schuf DC dieses Special zum Film Batman Forever. Matt Wagner ist eigentlich ein fähiger Autor, von ihm stammt die brilliante Two-Face-Story Faces, aber auch die beiden gelungenen Neufassungen von Batman and the Monster Men (2005/2006) sowie Batman and the Mad Monk (2006/2007). Aber dieses Werk wirkt ziemlich uninspiriert.

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Riddler als Performance-Künstler

DC Comics

Titel: Questions Multiply the Mystery

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Kieron Dwyer

Erschienen: 1995 (Detective Comics Annual #8), Paperback 1998 (Four of a Kind)


„I’m sick of all your questions!“ (Riddler)

Im Sommer 1995, als Batman Forever in die Kinos kam, nahm DC das zum Anlass, die Entstehung des Riddlers von vorn zu erzählen. Das geschah im Rahmen des „Year One“-Events, das sich durch alle Annuals zog (bei Batman waren es noch Man-Bat, Scarecrow und Poison Ivy). Hier erzählt der Riddler selbst – und entlarvt sich als widersprüchlicher Charakter zwischen Betrüger, gelangweiltem Genie und Möchtegern-Künstler.

Typischerweise ist es mal wieder eine rührselige Geschichte, die bereits mit einer schwierigen Kindheit beginnt (ist es jemals anders?): Edward Nigma ist ein neugieriger Junge, der gerne Fragen stellt, etwa warum Blätter grün sind. Seine Eltern wissen es nicht, schicken ihn genervt weg, aber Edward kommt offenbar nicht auf die Idee, einen Lehrer zu fragen oder ein Buch aufzuschlagen.

Dann kommt es zu dem Schlüsselerlebnis, das Bill Finger bereits in Detective Comics #140 (1948) erzählt hat: Edward soll in der Schule ein Puzzle lösen. Damals trickste er, indem die Lösung abfotografierte. (Was irgendwie nicht zu dem angeblichen späteren Genie passt.) Diesmal geht es aber darum, die Zeit dabei zu messen. Edward trickst, indem er es vorher übt, dann löst er es am schnellsten. Der Außenseiter Edward, ein ungeliebtes Kind, sehnt sich nämlich nach Anerkennung. Er ist bloß Mittelmaß, ein Niemand, den nicht mal die bösen Buben verkloppen wollen. Doch als er den Puzzletest gewinnt, kriegt er statt Anerkennung Schläge.

Verbrecher aus Langeweile

Edward bekommt aber auch ein Rätselbuch als Preis. Seitdem ist die Liebe zu Rätseln geweckt. Als Erwachsener ist er gelangweilt von seinem Botenberuf, daher fängt er mit Diebstahl und Raub an. Weil auch das langweilig ist, schickt er der Polizei Hinweise. Zunächst ist James Gordon hinter ihm her, dann hält ihn Batman auf. Riddler erklärt, was seine Masche soll: Es gehe nicht darum, erwischt zu werden. „To me crime is performance art!“ Wer das nicht sehe, dem fehle es eben an Vorstellungskraft.

Der Riddler findet mit dem Verbrecherduo Query und Echo zwei willige Helferinnen und gibt der Polizei und Batman mit ein Kreuzworträtsel auf. Doch statt, wie erwartet, ein Bankett zu plündern („banquet“), raubt er einen Safe im Wasser aus („bank wet“). Diese Sequenz erinnert an die Batman-Episode „Batman’s Anniversary/A Riddling Controversy“ (dt. Riddlers Geheimwaffe, S02E45-46), in der der Riddler einen ähnlichen Tauchgang macht, was bei Adam West aber deutlich spaßiger ist.

Zum Schluss „entführt“ der Riddler eine Sammlung von Stradivary-Geigen, wobei er sich als Banause entlarvt, indem er eine zerschlägt. So richtig mag man ihm das mit der Performance-Kunst nicht mehr glauben. Es kommt zum großen Finale bei einer Wagner-Oper, die dann auch eher Batmans Metier zu sein scheint. Und dann kommt das Geständnis: „It wasn’t the money I wanted“, sagt der Riddler. „It wasn’t the action I sought. I just like the attention.“ Nein, er sei kein kriminelles Genie, sondern in Wahrheit nur ein einsamer kleiner Junge, der sich nach Liebe sehnt. Armer Eddie …

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Batman und Riddler gegen Gentrifizierung

DC Comics

Titel: Run, Riddler, Run

Autor/Zeichner: Gerard Jones/Mark Badger

Erschienen: 1992 (Miniserie #1-3)


Gotham wird gentrifiziert: Anstelle eines Gettos soll eine Gated Community für Reiche entstehen. Seltsamerweise ist auch Bruce Wayne für die Idee, denn mit dem Projekt kommt auch das Versprechen, ein Quartier ohne Verbrechen zu erbauen. Doch dazu müssen erstmal die Armen verschwinden, die lassen sich aber nicht verdrängen und leisten Widerstand.

Die Verantwortliche heuert für die Räumung einen Trupp von Paramilitärs an, die in Super-Kampfrüstungen stecken und von der Polizei gutgeheißen wird. Leider wird der Trupp geleitet von einem ruchlosen Kerl aus der ehemaligen DDR, der mit seinen Leuten die Unliebsamen hinrichtet. Aber niemand greift ein, weil es niemanden zu kümmern scheint – niemand außer Batman. Er verbündet sich mit dem Riddler, um das Schlimmste zu verhindern.

Der Riddler ist hier auf Bewährung frei und versucht, als Sicherheitsexperte einem ehrlichen Beruf nachzugehen. Zum Beispiel, indem er Todesfallen mit Haifischbecken installiert, die man nur mit dem Lösen von Rätseln umgehen kann. Weil das niemand haben will, wird er gefeuert – und dann muss er später mit Batman diese Rätsel lösen.

DC Comics

Als wäre die Geschichte nicht schon seltsam genug, ist das Ganze auch sperrig gezeichnet, teilweise überzeichnet, der Riddler wirkt wie eine Karikatur. In den 90ern hat DC abseits der regulären Batman-Serien immer wieder Autoren und Zeichner experimentieren lassen. Run, Riddler, Run ist ein typisches Beispiel dafür. Der Dreiteiler ist weder angenehm anzusehen noch schafft es die Story zu fesseln. Der Schurke ist ein austauschbarer Fiesling, für den man sich nicht interessiert, was auch für die Nebenfiguren gilt.

Das größte Problem ist aber der Titelheld: Dafür dass das eine Riddler-Story sein soll, bekommt er viel zu wenig Raum, um sich zu entfalten. Er wird bloß als nerdig-schräger Comic Relief verheizt, der alle mit seinen ewigen Rätseln nervt, ohne aber wirklich witzig zu sein.

Insofern verwundert es nicht, dass die drei Teile bisher nicht als Paperback erschienen sind. Run, Riddler, Run ist wert, vergessen zu werden.

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Das Ei des Riddlers

DC Comics

Titel: When Riddled by the Riddler

Autor/Zeichner: Doug Moench/Don Newton

Erschienen: 1983 (Batman #362), Paperback 2015 (Batman Arkham: The Riddler)


Der Riddler versucht sich in Resozialisierung: Als Aushilfe eines Winzers hat er die ehrenvolle Aufgabe, jeden Tag Weinflaschen umzudrehen. Doch an Resozialisierung hat der Riddler gar kein Interesse – er heckt dort bloß seinen nächsten Coup aus. Als ihm endlich eine Idee kommt, haut er ab, steigt ins grüne Kostüm und schickt Commissioner Gordon ein goldenes Gänse-Ei mit der Aufschrift „MA“.

„Ma Goose“ – also Mother Goose, das deutet auf einen gleichnamigen Vergnügungspark hin. Aber Vergnügungspark – das riecht eigentlich sehr nach Joker. Und als Batman dort eintrifft, sieht man auch die fidelnde Katze, die an eine Catwoman-Story erinnert, und Humpty Dumpty, der auch Erinnerungen an Alice im Wunderland weckt und an den Mad Hatter denken lässt. Der Riddler bewegt sich also in fremden Gefilden, um nicht zu sagen: Er schmückt sich mit fremden Federn. Tatsächlich springt er dann aus Humpty-Dumpty-Ei wie ein Springteufel, was wiederum an Jokers Masche erinnert und dann schießt er mit einem Maschinengewehr auf Batman.

Busfahrt mit Maschinengewehr

Der Riddler, der einige Jahre zuvor noch gegen das Töten geträubt hat, ist nun wieder nicht mehr ganz so abgeneigt, seinen Spielkameraden zu erledigen, bevor das Spiel vorbei ist. Batman verliert die Spur. Im Gordons Büro lässt Harvey Bullock inzwischen Riddlers Ei fallen und es kommt das eigentliche Rätsel zutage. Über einige Ecken kommen Batman und Gordon darauf, dass der Riddler eine Game-Show namens „Enigma“ überfallen und den Hauptpreis erbeuten will.

Ein Plan, der zunächst aufgeht. Nur für die Flucht hat sich der Riddler nichts Besseres einfallen lassen, als in einen (voll besetzten) Omnibus zu steigen. Das ist höchstens gut für ein Wortspiel mit „Re-Bus“, aber nicht um vor Batman abzuhauen, der mit Gordon im Auto hinterjagt. Batman springt aufs Dach, der Riddler schießt ein paar Löcher hinein – gerade groß genug, dass Batman eine Rauchkapsel hineinwerfen kann. Und so erweist sich Riddlers grandioser Plan mal wieder als schneller Rohrkrepierer. Wäre er mal lieber beim Flaschendrehen geblieben.

Ein anderer Riddler, ein anderer Bullock

Für einen kurzen Moment gibt es in dieser Ausgabe einen Riddler mit grünem Bowler und Jackett zu sehen – ein Stilwechsel, den der Schurke erst wieder 1990 in Batman #452 (Dark Knight, Dark City) vollziehen wird. Aber dann wird er auch ein radikal anderer Schurke sein.

Übrigens: In dieser Ausgabe sieht man einen anderen Harvey Bullock, als man ihn heute kennt. Hier ist er noch ein korrupter Polizist, der für Bürgermeister Hamilton Hill James Gordon aus dem Amt drängen will. Eingeführt wird er in Batman #361 (1983) – allerdings taucht ein Harvey Bullock schon 1974 in Detective Comics #441 auf, eine komplizierte Geschichte für ein anderes Mal …

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Batman und Riddler schreiben Krimi-Geschichte

DC Comics

Titel: Batman and the Riddler: The Death of Batman

Autor/Zeichner: Don Karr/Carmine Infantino

Erschienen: 1982 (The Brave and the Bold #183), Paperback 2015 (Batman Arkham: The Riddler)


Ein Unbekannter holt den Riddler aus dem Knast, gibt ihm sein Kostüm und lädt ihn ein zu einem Spiel: „The Death of Batman“. Am selben Abend wird bei einem Empfang der Krimi-Autor Hugh Rutherford Creighton entführt. Batman wird zum Polizeipräsidium gebeten. Dort wurde ein Spiel abgegeben: The Death of Batman. Der Mitspieler muss Karten ziehen, auf denen steht, wo er als nächstes sein soll. Batman trifft auf den Riddler und sie spielen gemeinsam.

Die Schnitzeljagd führt nicht nur durch Gotham, sondern auch durch die Literaturgeschichte: vom ersten Rätselknacker Ödipus, zum Haus von Edgar Allan Poe bis hin zum Aschenbecher von Sherlock Holmes und Dashiell Hammett (Autor von The Maltese Falcon). Zwischendurch gibt es eine Explosion und eine tödliche Schlange und einmal holt der Riddler mit dem Schwert nach Batman aus.

Beim Finale in Creightons Haus stellt sich der Schurke – ACHTUNG SPOILER – als Creighton selbst heraus. Er hat seine eigene Entführung bloß inszeniert, um sich an Batman zu rächen, weil der Krimi-Autor durch ihn nicht mehr von der Polizei konsultiert wird. Außerdem hat er Spaß dran und ohnehin nicht mehr lange zu leben. Als der Lebensmüde alles in Flammen aufgehen lässt, versucht der Riddler zunächst Batman vor dem Rauch zu retten – und wird dann selbst von ihm gerettet.

„I have ethics!“, sagt der Riddler. „For me the game is everything!“ Außerdem sei Batman der einzige, der das Rätsel auflösen könne.

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Riddlers Coup des Jahrhunderts – mit Hühnern

DC Comics

Titel: The 1,001 Clue Caper or Why Did the Riddler Cross the Road?

Autor/Zeichner: Len Wein/Irv Novick

Erschienen: 1979 (Batman #317), Paperback 2015 (Batman Arkham: The Riddler)


1977 wirkte der Riddler in Who Killed the Batman? noch mordlüstig, er hat sogar damit geprahlt, Batman getötet zu haben, indem er ihn in die Luft gejagt hat, zwei Jahre später verfolgt er ganz andere Interessen – und als er im Finale Batman mit einer Waffe bedroht, schießt er nur zur Abschreckung.

Zunächst schickt der Riddler Batman ein Buch mit 1001 Rätseln – als Ankündigung dessen, was da kommen mag, auch wenn die Auswahl der Rätsel dafür etwas zu groß scheint. Auf dem Cover spricht er jedenfalls vom „Crime of the Century“. Dann entführt er einen Laster voller Hühner, um sie später auf ein paar Arbeiter loszulassen, die Stapel von Zeitschriften verladen. Der Riddler nutzt die Ablenkung, um die Hefte zu stehlen. Warum? Weil in den Stapeln Waffen versteckt sind, die er verhökern möchte. Das soll der Coup des Jahrhunderts sein? Na ja …

Das Neue daran ist höchstens, dass er diesmal kein Rätsel hinterlässt, außer dass das Rätselbuch aus der Gefängnisbibliothek stammt, was wiederum dazu führt, mal im Knast nachzufragen. Auf der Krankenstation liegt Edward Nigmas ehemaliger Zellengenosse seit einem gescheiterten Fluchtversuch in einer Art Wachkoma und murmelt einen Hinweis, der Batman und Robin zu dem falschen Zeitschriftenlager führt. Batman weiß daraufhin durch eine Eingebung, wo die Waffenübergabe stattfinden soll, also fahren sie zum Hafen, wo sie den Schurken nach einem kurzen Gefecht in einem Netz einfangen.

„Sometimes I wonder why I ever bother!“, sagt er, während er schmollt. Das fragen sich die Leser nach dieser Geschichte sicher auch. Von wegen „Crime of the Century“ …

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