Steve Englehart

„Tales of the Demon“: Klassiker neu aufgelegt

Batman & Ra's al Ghul

DC Comics

Lange waren die ersten Ra’s al Ghul-Storys von Dennis O’Neil und Neal Adams nur teilweise erhältlich. Das Paperback Tales of the Demon ist seit Jahren vergriffen. Nun hat DC angekündigt, den Band im März 2020 neu aufzulegen – als Hardcover.

Enthalten sind Detective Comics #411, #485, #489-490, Batman #232, #235, #240, #242-244 und DC Special Series #15. Damit gibt DC denselben Inhalt wider – aber leider nicht den vollständigen. Denn es fehlt immer noch die wichtige Storyline Bat-Murderer (Detective Comics #444-448, 1975), in der erzählt wird, wie Ra’s al Ghul aus dem Gefängnis kommt.

Der Band erscheint passend zum Hardcover der Miniserie Batman vs. Ra’s al Ghul, die im September startet und allein von Neal Adams gezeichnet und geschrieben wird.

Tales of the Demon gelten neben Strange Apparitions von Steve Englehart und Marshall Rogers als wichtigste Storyline der 70er-Jahre. Auch letztere sollen im nächsten Jahr neu aufgelegt werden, als Legends of the Dark Knight: Steve Englehart (Januar 2020).

Außerdem erscheinen im März 2020 mit Tales of the Batman: Marv Wolfman weitere Klassiker der 70er und 80er: Batman #328-335 (1980-1981) erzählt (zum größten Teil) die Ra’s al Ghul-Story The Lazarus Affair, die sich direkt an Tales of the Demon anschließt, in Batman #436-439 (1989) wird wieder die Storyline Year 3 neu aufgelegt (wie schon in Batman: The Caped Crusader Vol. 2), außerdem sind die Storys aus Detective Comics #408, The Brave and the Bold #167, World’s Finest Comics #288, New Teen Titans #37 und Batman and the Outsiders #5 enthalten.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Steve Englehart stellt Dark Detective III online

Dark Detective III: Marshall Rogers

Batman von Marshall Rogers in Dark Detective III

Jeder hat seinen Lieblings-Batman. Für manche ist es der Batman des Golden Age, für andere ist es Frank Millers Dark Knight, aber sehr viele sagen: Der ultimative Batman war der von Steve Englehart und Marshall Rogers. Man kann darüber streiten, wie gut die Geschichten der acht Hefte (Detective Comics #469-476) aus den Jahren 1977 und 1978 wirklich sind, unbestritten ist ihre Wirkung.

Englehart holte in den 70ern vergessene Figuren wie Hugo Strange und Deadshot aus der Versenkung, er schrieb die Joker-Geschichte The Laughing Fish, die zusammen mit der Strange-Story zu Episoden von Batman: The Animated Series adaptiert wurden.

Nach einer Fortsetzung im Jahr 2005, Dark Detective, war ein dritter Teil geplant, kam aber nie zustande. Jetzt hat der Autor jetzt sein unveröffentlichtes Skript für Teil III selbst herausgebracht, zusammen mit den Zeichnungen von Rogers für Ausgabe 1. Auf Engleharts Website kann man gratis nachlesen, was er mit Batman vorhatte.

Erst 1999 wurden die ersten Geschichten vollständig als Strange Apparitions in einem Paperback neu aufgelegt (mit der Clayface III-Story von Len Wein) – und seitdem nie wieder. (Die deutsche Ausgabe erschien 2015 als Im Zeichen des Jokers.) Zwar gab es Jahre später ein Hardcover namens Legends of the Dark Knight: Marshall Rogers (2012 auch auf Deutsch erschienen), aber darin fehlten die Ausgaben #469 und 470, weil sie nicht von Rogers gezeichnet worden sind. Der Sinn solcher Bände, die verstümmelte Geschichten wiedergeben, erschließt sich nicht, aber DC bringt immer noch einige davon heraus. Im Januar 2020 soll endlich eine Komplett-Edition erscheinen: „Legends of the Dark Knight: Steve Englehart“.

Zwar durften Englehart und Rogers ihre Geschichte in der sechsteiligen Mini-Serie Dark Detective weitererzählen, aber nur widerwillig soll DC einem dritten Teil zugestimmt haben, wie Englehart erzählt. Das Skript war geschrieben, doch nachdem Rogers die erste Ausgabe fertig gezeichnet hatte, starb er im Jahr 2007.

Batman und Batmobil in Dark Detective III

Batman und Batmobil in Dark Detective III

Frustriert darüber, dass DC nie eine anständige Version seines Batman-Epos veröffentlicht hat, hat Englehart nun eine Bootleg-Version online gestellt, die man sich gratis von seiner Website herunterladen und mit einem Comic-Reader lesen kann. Das Epos trägt den Titel The Complete Dark Detective und versammelt nicht nur Strange Apparitions und die Dark Detective-Miniserie, sondern auch das ganze Skript zu Teil 3, die Bleistift-Zeichnungen zum ersten Heft und einen Plan für Teil 4. Die Geschichte sollte noch weit darüber hinaus weitererzählt werden.

Dala trifft Batman in Dark Detective III

Dala trifft Batman in Dark Detective III

Teil III setzt Dark Detective direkt fort. Der Joker kehrt wieder zurück, auch Two-Faces Klon. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit Dala, der Vampirin aus Detective Comics #31-32 (1939). Sie ist damals nicht durch Batmans Silberkugel gestorben, weil es dafür einen Holzpflock gebraucht hätte, jetzt versucht sie Batman zu becircen und ihn dazu zu überreden, sie zu töten. Damit schlägt Englehart den Bogen zurück zu Batmans Anfängen.

Englehart drückt auch deshalb seinen Unmut aus, weil er behauptet, Strange Apparitions sei zum Batman-Film von 1989 adaptiert worden, ohne dass er dafür anerkannt worden sei. Englehart hat tatsächlich in den 80ern einen Drehbuchentwurf geschrieben, der auf seinen Comics basierte, aber nie umgesetzt wurde. Außerdem soll Dark Detective für die Filme The Dark Knight (2008) und Teil 3 für The Dark Knight Rises (2012) ausgeschlachtet worden sein – ebenfalls ohne Credit.

Auch wenn ich selbst kein großer Fan dieser Batman-Geschichten bin, ist es doch immer zu bedauern, wenn Künstler nicht zu der Anerkennung kommen, die sie verdienen, oder ihre Visionen adäquat realisieren können. Insofern ist es interessant zu sehen, was noch aus der Geschichte hätte werden können. Wie gut, dass sich jetzt jeder selbst davon überzeugen kann.

Wählt Joker – sonst gibt’s Tote!

Titel: Dark Detective

Autor/Zeichner: Steve Englehart/Marshall Rogers

Erschienen: 2005 (Mini-Serie #1-6), Paperback 2006; dt. Panini 2007 (DC Premium #49)


Der Joker will als Gouverneur kandidieren. Sein Wahlversprechen: Sonst gibt’s Tote. Two-Face hat etwas dagegen – und schließlich mischt auch Scarecrow mit. Der Joker macht einem Politiker Konkurrenz, der Lebensgefährte von Silver St. Cloud ist, ehemalige Liebe von Bruce Wayne. Als sie wieder auftaucht, kommt sie wieder mit Bruce zusammen und löst ihre Verlobung …

Rund 30 Jahre nach Strange Apparitions, einer der bekanntesten Storylines der 70er, haben Steve Englehart und Marshall Rogers eine Fortsetzung geschrieben und gezeichnet. Entstanden ist eine Story, die mehr in der Gegenwart als in den 70ern angesiedelt ist, weil sie stark auf die turbulente Bush-Wahl 2000 anspielt. Allerdings darf man keine tiefgreifenden politischen Statements erwarten. So weit wagt sich DC dann doch nicht aus der Unterhaltungsecke hervor.

Vielmehr erinnert die Kampagne des Jokers an seinen Versuch in Strange Apparitions, seine lachenden Fische patentieren zu lassen – es ist bloß eine Schnapsidee, mit der der Joker um Aufmerksamkeit buhlt. Die Kampagne endet so schnell wie sie angefangen hat. Der Joker entführt Silver St. Cloud und lockt Batman in ein Haus voller Todesfallen. Wie bei Jäger des verlorenen Schatzes und Kevin allein zuhaus müssen Batman und der Gouverneurs-Kandidat allerlei Gefahren ausweichen. Und am Ende erklärt der Joker ihre Beziehung: dass sie einander bedingen, dass sie einander zu dem machen, was sie sind, dass das Scheitern des Jokers zum Konzept gehöre.

(ACHTUNG: SPOILER!)

Keine ganz neuen Einsichten. Überraschend ist nur Batmans Reaktion darauf: Es ist ihm egal. Für ihn ist der Joker am Ende nur ein Schurke wie jeder andere. Noch überraschender fällt seine Folgerung am Ende aus. Weil Silvers Ex-Verlobter durch den Joker zwei Gliedmaßen verloren hat, schickt Batman sie wieder zu ihm zurück. Er „leiht“ sie an ihn aus, solange er sich regenerieren muss. Silver ist entsetzt. Und ich bin es auch. Denn erstens bevormundet er die Frau, die er liebt, zweitens geht er mit ihr um wie mit einem Objekt, drittens will auch der Geschädigte nicht nur eine Frau, die aus Mitleid mit ihm zusammen ist. Die einzig logische Lösung? Im Gegenteil: Es leiden alle drei.

Zwischendrin gibt es noch Intermezzi mit Scarecrow und Two-Face. Während der erste Batman (mal wieder) mit seinen größten Ängsten konfrontiert, lässt sich Two-Face einen Klon von sich anfertigen, der allerdings nach fünf Minuten vom Joker getötet wird. Dann taucht noch ein böser Klon auf. Aber diese Handlungsstränge enden mehr oder weniger im Nichts.

Insgesamt ist Dark Detective eine Fortsetzung, nach der keiner verlangt hat und die niemand braucht. Marshall Rogers zeichnet einen prächtigen düsteren Batman und lebendige Figuren. Allein Nostalgiker und Fans von Strange Apparitions könnten ihren Spaß daran haben.

Kein Patent auf gute Storys

Batman: Strange Apparitions

Titel: Strange Apparitions

Autor/Zeichner: Steve Englehart, Len Wein/Marshall Rogers, Walt Simonson

Erschienen: 1977/1978 (Detective Comics #469-479), Paperback 1999; dt. Panini 2012 (Batman Collection: Marshall Rogers), Eaglemoss Collection 2015 (Im Zeichen des Jokers)


 

„But the fish share my unique face! If colonel what’s-his-name can have chickens, when they don’t even have mustaches –!“ (Joker)

Obwohl die Geschichte unter einem Titel zusammengefasst wurde und ein linearer Zusammenhang besteht, ist es schwer, hier von einer Story zu sprechen. Im Grunde sind es sechs Geschichten, die aufeinander folgen. Batman begegnet einem radioaktiven Glühwürmchen namens Dr. Phosphorus, dann Hugo Strange, dem Pinguin, Deadshot, Joker und Clayface. Den roten Faden bilden Nebenhandlungen mit Rupert Thorne, der Batman aus der Stadt haben will, sowie Bruce Waynes Liebschaft mit Silver St. Cloud. Aber ein Spannungsbogen ergibt sich nicht.

Die meisten dieser Geschichten mögen für die späten 70er vielleicht was hergegeben haben, aus heutiger Sicht sind sie altbackene Standardware. Vor allem die Erzählung, in der der Joker, Fische zum Lächeln bringt (The Laughing Fish), um sie patentieren zu lassen, hat zwar einen ungewöhnlichen Ausgangspunkt, ist aber sonst ziemlich schwach, vor allem, weil sie sich zu stark bei der ersten Joker-Story in Batman #1 bedient.

Die interessanteste Geschichte ist die um Hugo Strange. Der kommt nämlich zufällig hinter Batmans Geheimidentität, nimmt dessen Position als Bruce Wayne ein, um ihn auszunehmen und zu ruinieren, und veranstaltet eine Auktion, bei der er den Namen an den meistbietenden Schurken zu versteigern versucht. Wie man sich denken kann, wird das Schlimmste verhindert. Dafür gibt es aber eine Frau, Silver St. Cloud, die ebenfalls eins und eins zusammenzählt und herausfindet, dass der Mann den sie liebt, nachts gerne Verbrecher verprügelt. Die Schlussfolgerung daraus kann nur eine Tragische sein: Die Beziehung zerfällt.

Die filigranen Zeichnungen von Marshall Rogers entschädigen für die Kritzeleien eines Walt Simonson und das insgesamt mäßige Storytelling. Aber vielleicht muss man diese 70er-Jahre-Geschichten auch mit anderen Augen sehen. Immerhin gelten sie als einflussreiche Klassiker. (In den 80ern diente Strange Apparitions zunächst als Vorlage für das Drehbuch des geplanten Batman-Films, der erst 1989 von Tim Burton realisiert wurde – allerdings mit einem ganz anderem Script.)

Zwei der Storys wurden für Episoden der Animated Series wiederverwendet. Die Grundidee der Hugo Strange-Story wurde in „The Strange Secret of Bruce Wayne“ (S01E37) aufgegriffen; dort bieten Joker, Two-Face und Pinguin um ein Videoband, auf dem Strange Bruce’s Trauma aufgezeichnet hat.

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In „The Laughing Fish“ (S01E34) erzählt Paul Dini die Joker-Story neu, wobei er sich zwar überwiegend an die Vorlage hält (zum Teil sogar wörtlich), er aber ein wesentlich spannenderes Finale mit einem Haifisch-Kampf erzählt (der ist „The Joker’s Five-Way-Revenge“ entlehnt). Vor dem Hintergrund der lachenden Fische allerdings erscheint die später in Mad Love zum Tragen kommende Idee mit den grinsenden Pyranhas wie ein Abklatsch … (wenn auch ein guter!)

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(Dieser Artikel wurde am 6.11.2017 überarbeitet und aktualisiert.)