Neal Adams ist tot

Batman by Neal Adams (DC Comics)

Im vergangenen Jahr feierte er noch seinen 80. Geburtstag, nun ist Batman-Zeichner und -Autor Neal Adams gestorben. Laut Hollywood Reporter starb er an Komplikationen nach einer Blutvergiftung.

Adams prägte in den 70ern gemeinsam mit Dennis O’Neil (der bereits 2020 starb) den modernen Batman und führte ihn zu seinen Wurzeln zurück. Batman wurde wieder düsterer und mysteriöser. Adams zeichnete ihn realistisch, muskulös und dynamisch. Außerdem war er mitverantwortlich für Schurken wie Man-Bat sowie Talia und Ra’s al Ghul sowie die Comebacks von Two-Face und Joker, nachdem diese für Jahre aus den Comics verschwunden waren.

Ra’s al Ghul, Joker, Two-Face von Dennis O’Neil und Neal Adams. (DC Comics)

Adams zeichnete Batman zum ersten Mal 1968 in World’s Finest #175 (The Superman-Batman Revenge Squads!), zusammen mit Superman. Später folgten The Brave and the Bold #79-85. Seine erste Batman-Story mit O’Neil war The Secret of the Waiting Graves (Detective Comics #395). Zuletzt schrieb und zeichnete Adams die sehr eigenwilligen Batman-Miniserien Batman: Odyssey und Batman vs. Ra’s al Ghul.

Green Lantern und Green Arrow

Der gebürtige New Yorker zeichnete Comics seit 1959, also seit er 18 war. Anfangs wurde er von DC abgelehnt, also fing er an mit Archie und Werbecomics. Mit Superhelden konnte er nicht viel anfangen, er wollte lieber Kriegscomics zeichnen, wie seine Vorbilder. Die Chance bekam er dann 1967 bei DC. Später bekam er Aufträge wie Elongated Man, Spectre und Deadman, für den er auch als Autor tätig war.

Doch eigentlich wollte Adams gar keine Comics machen, sondern Illustrator werden. Comics seien für ihn „ein Schritt abwärts“ gewesen, wie er dem DC-Historiker Paul Levitz im Interview gestand:

„Dann geschah etwas. Ich weiß nicht, wann es passierte, wie es passierte, aber ich verliebte mich einfach in Comic-Hefte. Ich hatte nicht damit gerechnet. Die Freiheit – die künstlerische Freiheit, eine ganze Seite zu gestalten, Dinge mit einer ganzen Seite anzustellen, mich auszudrücken, zu schreiben, zu zeichnen, Geschichten zu erfinden – das riss mich einfach total mit. Ich verliebte mich, völlig unerwartet und gegen meinen Willen. (…) Und es macht mir heute mehr Spaß als je zuvor.“
(aus: The Silver Age of DC Comics, Taschen 2013, S. 12)

1970 schickten Adams und O’Neil Green Lantern und Green Arrow auf eine sozialkritische Reise durch die USA, wobei es dabei auch um tabuisierte Themen wie Rassismus und Drogenmissbrauch ging – eine Pionierarbeit, die Adams mit seinem realistischen Zeichenstil prägte. Comics wurden wieder gesellschaftlich relevant. Was nicht hieß, dass es auch mit Figuren aus der wahren Welt auch mal albern zugehen konnte: 1978 ließ das Kreativteam Superman gegen Muhammad Ali kämpfen.

„Als ich die Zeichnungen von Neal Adams sah, übertrafen sie alle meine Erwartungen“, erinnerte sich Dennis O’Neil. „Wir befruchteten uns gegenseitig und steckten einander mit dieser wahnsinnigen Begeisterung an. Und wir hatten das Gefühl, dass wir mit dem Format vielleicht etwas anstellten, was noch nie zuvor gemacht worden war.“ (aus: The Silver Age of DC Comics, S. 353)

Neil Adams zeichnete außerdem Hefte wie X-Men und die Avengers für den Konkurrenzverlag Marvel.

Über sein Comic-Schaffen hinaus setzte er sich für die Rechte von Autoren und Künstlern ein, unter anderem haben es Jerry Siegel und Joe Shuster ihm zu verdanken, dass sie als Schöpfer von Superman genannt werden.

Adams‘ Frühwerk für Batman ist versammelt in den Bänden Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 1-3 bzw. in der Neuausgabe Batman by Neal Adams Vol. 1-3, auch auf Deutsch bei Panini erschienen als Neal Adams Collection Bd. 1-3 (Panini 2019) sowie in der Batman Graphic Novel Collection (Eaglemoss).

>> Lesetipp (ein besonders schönes Beispiel für Adams‘ Fertigkeit): „The Senator’s Been Shot“ (The Brave and the Bold #85, 1969)

3 Kommentare

  1. Ein großer Mann. Er und Dennis O’Neil haben mich maßgeblich geprägt. Ihr Vermächtnis lebt weiter. Die größte Auszeichnung im Leben ist es, wenn man eines anderen Menschen Leben berührt, erleuchtet und bereichert hat. Danke Mr. Adams, mögen Sie in Frieden ruhen.

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