Ehre für Amerikas größten Helden

DC Comics

Titel: The Superman Super-Spectacular!

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1964 (Action Comics #309), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman)


Superman tut dem US-Präsidenten einen Gefallen, indem er eine Raketenspitze aus dem Ozean fischt (tierfreundlich). Dann wird er noch um ein paar andere gebeten. Und weil er gerade keine Superschurken bekämpfen muss und auch als Clark Kent offenbar nicht bei der Arbeit vermisst wird, weist er niemanden ab. Superman kann einfach nicht nein sagen. (Außer zu Krieg, Drogen und Sex natürlich.) Aber wenn man Superman ist, dann kriegt man alles irgendwie hin.

Doch dahinter steckt ein Plan: Supermans Freunde veranstalten eine Fernsehshow, in der sie dem Mann aus Stahl Tribut zollen – Amerikas größtem Helden. Alle, die für ihn einst wichtig waren und noch sind, kommen vorbei und singen ihr Loblied: Lois, Lana, Lori, Perry, Jimmy, Batman, Robin und alle Supertiere – auch Clark Kent wird erwartet. Dabei will Lois Lane die Gelegenheit nutzen, um endlich ihren Verdacht zu erhärten, dass Clark Superman ist. Denn sollte Superman einen Roboter schicken, der ihm die Hand schüttelt, schlägt Lois‘ Detektor an. Superman will sogar Batman mit seiner Super-Bauchredner-Fähigkeit zur Hilfe rufen. Aber es kommt wie immer alles ganz anders als man denkt.

ACHTUNG: SPOILER!

Am Ende taucht tatsächlich ein Clark Kent auf. Und es ist kein Roboter. Es ist – US-Präsident John F. Kennedy höchstpersönlich! Der wird zwar im ganzen Heft nicht explizit beim Namen genannt, sieht aber so aus wie er. Das ist doppelt bemerkenswert, denn als das Heft erschien im Februar 1964, als Kennedy bereits drei Monate tot war. Die Story spielt also in einer nicht allzuweit entfernten Vergangenheit und wird damit mehr zu einer Ehrbekundung an den ermordeten Kennedy als an Superman. Das Land ist in Trauer – und hat Heldenverehrung offenbar bitter nötig.

Es ist nicht das erste Mal, dass Kennedy in einem Superman-Comic vorkommt (das war in Superman’s Girlfriend, Lois Lane #25, 1961) – und es ist auch nicht das letzte Mal. In Superman’s Pal, Jimmy Olsen #89 (1965) geht es sogar explizit um dessen Tod.

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Batman und die fünf Langweiler

DC Comics

Titel: Batman and the Outsiders

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Jim Aparo

Erschienen: 1983 (The Brave and the Bold #200, Batman and the Outsiders #1-4), Hardcover 2017 (#1-13), dt. Eaglemoss 2016


Lucius Fox wird in dem Bürgerkrieg geplagten Land Markovia entführt. (Markovia wird als ein OSTeuropäisches Land bezeichnet, das auf einer Karte neben Luxemburg verortet wird …) Batman bittet die Justice League um Hilfe, aber als die sich weigert, sich in den Konflikt einzumischen, tritt er – sehr dramatisch – aus der Liga aus und holt sich anderweitig Hilfe. Er holt den Gestaltenwandler Metamorpho und Black Lightning dazu, aber nur damit sich letzterer als Bruder von Lucius Fox ausgeben kann. (Bruce Wayne würde man die Nummer aus nachvollziehbarem Grund nicht abkaufen.)

Wie der Zufall es will, kommen noch drei weitere Helden dazu: Der Prinz von Markovia lässt sich von einer Wissenschaftlerin in Geo-Force verwandeln, den Helden mit den Kräften der Erde. Aus dem Nichts tauchen dann noch Katana und Halo auf. Katana ist eine Schwertschwingerin auf einem privaten Rachefeldzug, Halo hat ihr Gedächtnis verloren und ist auch sonst – trotz ihres Namens und ihrer Kräfte – keine besonders helle Leuchte. Zusammen halten sie den Usurpator Baron Bedlam (toller Name) auf und beschließen, als „Outsiders“ weiterzumachen.

Nur zwei Ausgaben braucht es, damit sich das Team zusammenfindet. Anfang der 80er Jahre hat man noch nicht lange gefackelt. Dann geht die übliche Routine los: gegen Schurken wie Agent Orange und Meltdown, dann irgendwelche Terroristen in einem Krankenhaus (das erste Kapitel spielt faktisch erst später). Was die Serie besonders macht, ist die Teamfindung: die Helden sind noch unerfahren und können weder mit ihren Kräften umgehen noch ordentlich zusammenarbeiten. Batman weist sie gleich zu Beginn in die Schranken. Er macht sich alleine auf, weil die anderen noch nicht reif seien, aber dann ist er doch dankbar, als sie ihm helfen – das Robin-Prinzip.

Interessante Figuren sind es nicht, die Batman da um sich schart, besonders Halo nervt. Und man fragt sich, warum er sich überhaupt auf einen Haufen Anfänger einlässt. Wahrscheinlich geht einfach das Ego mit ihm durch, seit er sauer auf die Justice League ist. Im Laufe der Serie bekommen die Outsiders zwar mehr Hintergrundstory, aber so weit habe ich nicht gelesen, weil mir die fünf Ausgaben in der deutschen Ausgabe gereicht haben.

Die Ausgabe der DC Graphic Novel Collection von Eaglemoss wirkt zwar auf den ersten Blick hochwertig, aber ist leider schlampig gemacht. Das beginnt beim Lettering (abgesehen vom durchgehend falschen Serifen-I ist die Schrift zum Teil verrutscht) und endet bei einer zweifelhaften Übersetzung bzw. miesem Lektorat. Es ist nicht der einzige Fall, in dem sich die Sammlung solche und noch schlimmere Patzer leistet. Man hat zwar nicht am Druck, dafür an der inhaltlichen Qualität gespart. Noch ein Grund, beim Original zu bleiben – wenn es denn unbedingt sein muss.

Neues Crossover: Batman/The Maxx – Arkham Dreams

Paste/IDW/DC Comics

Sam Kieth kehrt zu Batman zurück – und er bringt einen Gefährten mit: The Maxx, einen Comichelden, den Kieth in den 90ern selbst geschaffen hat. Ab September erscheint Batman/The Maxx – Arkham Dreams als fünfteilige Miniserie, wie Paste berichtet. The Maxx ist ein Obdachloser, der sich für einen Superhelden hält und sich dafür in eine Traumwelt namens The Outback flüchtet. Die Serie begann 1993 bei Image und brachte es auf 35 Ausgaben. In der neuen Mini-Serie geht es darum, dass The Maxx in Arkham Asylum eingewiesen wird. Ein neuer Arzt experimentiert an ihm herum und setzt eine Kettenreaktion in Gang, bei der Gotham mit dem Outback verschmilzt. Um Gotham und die Realität zu retten, muss Batman sich dabei in die Gedankenwelt seiner Feinde begeben.

Das Crossover verspricht, wie üblich bei Kieth, ein irrer Trip zu werden. Der Autor und Zeichner ist bekannt geworden mit den ersten Sandman-Heften mit Neil Gaiman (1989). Er hat bereits einige Batman-Storys geschrieben und gezeichnet: Batman: Secrets (2006), Batman/Lobo: Deadly Serious (2007), Batman: Ghosts (2007), Arkham Asylum: Madness (2010), Batman: Through the Looking Glass (2012). Ghosts und Batman/Lobo sind kürzlich zusammen in einem Paperback erschienen.

Der deprimierendste Superman aller Zeiten

Heute vor fünf Jahren kam Man of Steel in die Kinos. Zeit für einen Rückblick. Nach seiner Dark Knight-Trilogie produzierte Christopher Nolan einen neuen Superman. Der Held hatte es nötig: Seit Christopher Reeve war es nicht gelungen, einen neuen Film-Superman zu erschaffen, der das Publikum begeistern konnte und im kulturellen Gedächtnis Bestand hatte. Bryan Singers Superman Returns (2006), ein Versuch, an Richard Donners Filme anzuknüpfen, überzeugte – trotz eher wohlwollender Kritiken – nicht wirklich. Nach dem gelungenen Reboot Batman Begins war dieser nostalgische Sprung zurück eine verschenkte Chance. Zu lange klammerte man sich an das Erbe der Klassiker.

Mit Man of Steel sollte alles anders werden. Zack Snyder versuchte, das Dark Knight-Konzept des anspruchsvollen nachdenklichen Superheldenfilms auf Superman zu übertragen. Superman wurde düsterer, das machte sich nicht nur an der Grundstimmung, sondern auch an der Optik bemerkbar. Alles Blaue wurde grau. Und mit den Farben ging auch der Humor flöten. Und eigentlich alles, was man mit Superman verbindet: Hoffnung, Optimismus, Lebensbejahung. Superman tötet – noch bevor er richtig angefangen hat, ist er am Ende. Damit war Man of Steel vielleicht nicht der schlechteste, aber bestimmt der deprimierendste Superman-Film aller Zeiten.

Der Film spaltete Kritiker und Fans. Bei Rotten Tomatoes ist er bei 55 Prozent gelandet, immerhin 75 Prozent der Fans fanden ihn gut, bei IMDb hat er eine Wertung von 7,1 – aber das muss heutzutage nichts heißen. „Man of Steel’s exhilarating action and spectacle can’t fully overcome its detours into generic blockbuster territory“, heißt es bei RT und das trifft in etwa den Kern. Gerade das Finale, bei dem Superman Metropolis in Schutt und Asche legt, schießt übers Ziel hinaus. Mag sein, dass es mit dem Beginn von Batman v Superman alles in einem größeren Kontext Sinn ergibt, aber wie wir wissen, überzeugt dieser Sinn nicht. Es bleibt ein übertriebenes und ermüdendes Spektakel.

Zack Snyder hat als Regisseur kein Gespür für Feinheiten, er macht Filme mit dem Holzhammer. Bildgewaltig, sonst nichts. Und so ist auch nichts an diesem Film hängengeblieben: Weder die Haupt- noch die Nebenfiguren. Das ist schade, denn Henry Cavill macht eigentlich eine gute Figur und auch sonst ist der Film gut besetzt. Aber trotzdem: Keine Szene bleibt besonders in Erinnerung. Bis auf diese eine, bei der ich mich am meisten geärgert habe: Als Jonathan Kent bei einem Sturm ums Leben kommt, weil er einen Hund rettet. Einen Hund. Damit ist wohl alles gesagt.

Batman sammelt Altmetall

DC Comics

Titel: Dark Days – The Road to Metal (dt. Batman Metal – Die Vorgeschichte)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Andy Kubert, Jim Lee, John Romita Jr.

Erschienen: 2017 (Dark Days: The Forge, Dark Days: The Casting), Hardcover 2018; dt. Panini 2018 (zwei Hefte)


„All the pieces are connected and the puzzle always comes together in the form of a bat.“ (Joker)

Batman reist um die Welt. Er arbeitet an etwas Großem. Er taucht in Vulkane ab, kämpft gegen griechische Fabelwesen, trifft alte Freunde und Feinde wieder. Batman ist auf Schatzsuche, denn er sammelt schon länger Antiquitäten, die Metalle mit besonderen Fähigkeiten enthalten: die Maske von Psycho Pirate, den Dolch von Shazam, das Electrum des Rats der Eulen, alte Artefakte von Atlantis und Themyscira, Dionysium, schließlich Sunblade, das Schwert des Apollos.

In der Zwischenzeit wird Green Lantern von Ganthet zur Bathöhle geschickt, um ein Unglück aufzuhalten. Dort gerät er mit Duke Thomas (der immer noch keinen Codenamen hat) in eine weitere Höhle, die viele Geheimnisse birgt – und den Joker. Der Schurke befreit sich aus seinem Gefängnis und will Batmans geheimnisvolle Maschine zerstören, Green Lantern will ihn aufhalten, aber der Kraftring versagt. Joker verschwindet spurlos, Batman kommt und mit Duke öffnet er das Tor zu einer düsteren Parallelwelt, in der böse Batmen lauern …

Ein Blick in Carter Halls Tagebuch (Hawkman) zeigt, dass alles in einem größeren Zusammenhang steht: Batman ist mit der Menschheitsgeschichte von Anfang an verbunden. Es ist kompliziert. Wie immer bei solchen Mega-Events passiert zu viel und man ist überfordert mit der Fülle an Figuren, Plots und Querverweisen. Und damit neue Leser im Ansatz verstehen können, was hier vor sich geht, hat DC in den ersten Metal-Sammelband noch ein paar Geschichten von früher eingepackt: Zwei Kapitel aus Final Crisis, eins aus The Return of Bruce Wayne, zwei aus Endgame, einmal Nightwing und ein paar Seiten aus Detective Comics Vol. 3.

Wir sehen, wie Batman durch Darkseid „stirbt“, aber in Wirklichkeit in die Zeit zurückgeschickt wird, wir sehen ihn in der Steinzeit gegen Vandal Savage kämpfen, dann wird der Ursprung des Dionysiums erklärt, jenem Element, dank dem Joker und Batman nach ihrem Todeskampf wiederbelebt wurden.

Man könnte es als Service an die Leser sehen, dass der Band überwiegend aus altem Kram besteht, oder aber als Füllmaterial. Denn seien wir ehrlich: Wenn man Final Crisis nicht ganz gelesen hat (und die Vorgeschichte nicht kennt), kann man mit den letzten zwei Kapiteln kaum etwas anfangen. Das gilt ebenso für alles, was danach in Grant Morrisons Batman-Storyline passiert. Endgame ergibt nur Sinn im Gesamtzusammenhang mit Scott Snyders früheren Batman-Geschichten.

Hätte man den neuen Lesern wirklich helfen wollen, in die komplexe Story einzusteigen, hätte man auf ein paar redaktionellen Seiten erklären können, was man wissen muss. So ist man damit allein gelassen, sich aus den teilweise wirren Ereignissen seine Puzzlestücke zusammenzuklauben – denn vieles ist hier irrelevant. Und für alle Leser, die die anderen Comics bereits im Regal haben, ist die Doppelung ein Ärgernis – aber irgendwie muss DC einen stolzen Preis von 30 US-Dollar rechtfertigen.

Wer Geld sparen will, kann sich die beiden Dark Days-Hefte einzeln (z.B. digital) besorgen. Auf Deutsch hat sie Panini (leider) in zwei Einzelausgaben gepackt.

Die nächste DC-Krise: Heroes in Crisis

Heroes in Crisis #1 DC Comics)

Alle paar Jahre kriegt das DC-Universum die Krise: Crisis on Infinite Earths (1985), Identity Crisis (2004), Infinite Crisis (2005), Final Crisis (2008). In diesem Jahr ist es wieder soweit: Heroes in Crisis heißt eine siebenteilige Mini-Serie, die am 26. September 2018 in den USA startet. Doch dieses Mal geht es nicht um kosmische Krisen, sondern um ganz persönliche. Batman-Autor Tom King und Zeichner Clay Mann erzählen eine Story, in der es vordergründig um einen Mordfall geht (vgl. Identity Crisis), aber tatsächlich darum, wie die Helden mit der Erfahrung von Gewalt umgehen. Im Mittelpunkt stehen die Helden hinter der Maske. Wenn ihnen die Kämpfe zu viel werden, ziehen sie sich an einen Ort namens Sanctuary zurück, eine Art Krisenzentrum für Superhelden. Heroes in Crisis handelt davon, was passiert, wenn Sanctuary versagt und katastrophale Folgen hat. Die Story kreist neben der Dreifaltigkeit aus Batman, Superman und Wonder Woman auch um Harley Quinn und Booster Gold, die vorne auf dem ersten Cover zu sehen sind.

„I feel like I’m part of a rolling generation of people who spent their twenties overseas fighting terrorism“, sagt King. „Millions of people cycle through that machine and come home to America. And I think that sort of experience of violence is shaping who we are as a culture, and as a country. And I want to talk about that. I want to talk about that experience, the experience of what violence can do to a person, to a community, to a nation, to a world.“ King fühle sich verpflichtet, darüber zu sprechen, was Gewalt einer Gesellschaft antun kann. Er wolle einen Sinn für Gemeinschaft von Superhelden und Menschen schaffen.

Tom King hat sich bereits kritisch mit dem Thema Gewalt in seiner Comic-Serie The Sheriff of Babylon (Vertigo) auseinandergesetzt. Darin geht es um einen Mordfall im Irak nach der Invasion der Amerikaner.

Supergirl und der rote Riese

DC Comics

Titel: The World’s Greatest Heroine/The Infinite Monster

Autor/Zeichner: Jerry Siegel/Jim Mooney

Erschienen: 1962 (Action Comics #285), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman)


Superman hat entschieden: Drei Jahre nach ihrer Ankunft auf der Erde ist Supergirl endlich reif, der Welt vorgestellt zu werden. Und ihre Adoptiveltern, die Familie Danvers, dürfen es auch erfahren, wen sie sich da ins Haus geholt haben. Doch noch bevor es zum Bekenntnis kommen kann, rettet Linda sie vor einem Autounfall und offenbart ihre Kräfte.

Daraufhin präsentiert sie Superman der Öffentlichkeit – und alle Welt feiert sie auf eine fast schon grotesk überschwängliche Art. Nicht nur die Präsident Kennedy empfängt sie, auch die UNO ehrt sie, auch Kandor, Atlantis und Aliens von anderen anderen Planeten. Die junge Frau hat noch kaum einen Finger gerührt und wird verehrt wie eine Göttin. Man setzt ihr Denkmäler.

Als Superman sich mal kurz empfiehlt, um irgendwas in der Zukunft zu erledigen, darf sich Supergirl erstmals allein an einer Gefahr beweisen. Ein riesiges rotes Monster aus einer Parallelwelt taucht auf und latscht durch die Landschaft, das Militär kann gegen die roten Beine nichts ausrichten, selbst Supergirl ist machtlos. Was tut sie also? Ruft sie die Justice League? Nein. Holt sie Superman? Auch nicht. Sie schickt eine Nachricht in die Zukunft. Die Legion of the Superheroes empfängt sie, schickt einen Schrumpfstrahler zurück und die Sache ist erledigt.

Auf den letzten drei Seiten wird Supergirl wieder abgefeiert. Militärische Ehren, wieder der Präsident, das Waisenhaus, sie wird überschüttet mit Geschenken. Superman richtet ihr ein Zimmer in der Festung der Einsamkeit ein, wodurch es nicht mehr so einsam dort wird, und schließlich macht er sie sogar zu einer gleichberechtigten Partnerin. Alle freuen sich. Aber so richtig will der Funke nicht überspringen, was das ganze Theater eigentlich soll.

Und niemand redet über den jungen Mann, den Linda in einem Labyrinth zurückgelassen hat, um sich als Supergirl verdrücken zu können. Der ist bestimmt ganz und gar nicht erfreut über die Manieren dieses Mädchens …

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„Three Jokers“: Geoff Johns kündigt neuen Comic an

Three Jokers

DC Comics

Das Geheimnis der drei Joker könnte bald gelüftet werden: DC-Autor Geoff Johns hat einen neuen Comic-Titel namens Three Jokers angekündigt. Jason Fabok soll die Geschichte zeichnen. Die beiden haben bereits an Justice League zusammengearbeitet. Auf Johns‘ Website heißt es noch kryptisch: „‚Three Jokers‘ is a mystery unlike anything the Dark Knight has faced. One that will shed a new light on The Batman and those closest to him as everything he’s ever believed about The Joker comes into question.“ Noch ist unklar, wann und wie Three Jokers erscheinen wird: als Serie, Mini-Serie oder als One-Shot.

Hintergrund: In Justice League #50 hat Batman den Möbius-Stuhl gefragt, wie der Joker wirklich heißt. Der Stuhl antwortete, es gebe drei Namen. Aufgegriffen wurde das Thema erneut in DC Universe Rebirth #1, allerdings ohne Neues preiszugeben. Darin sind Joker-Inkarnationen aus unterschiedlichen Epochen auf dem Bildschirm des Batcomputers zu sehen. Seltsam, dass Batman beim Stuhl nicht nachgefragt hat – aber dann wäre ja nicht mehr spannend.

Im Herbst 2018 soll Johns‘ neue Shazam!-Serie herauskommen. Der Autor kündigt auch einen dritten Teil von Batman: Earth One an, allerdings ohne Datum. Der wird wahrscheinlich erst nach der Serie Doomsday Clock erscheinen, in die Johns noch mit Zeichner Gary Frank eingebunden ist. Das kann sich aber noch hinziehen, denn bislang sind nur fünf von zwölf geplanten Ausgaben erschienen und DC hat den Erscheinungszyklus auf zwei Monate heraufgesetzt. Teil 6 erscheint am 18. Juli 2018.

Batman trifft Edgar Allan Poe

DC Comics

Titel: Batman – Nevermore

Autor/Zeichner: Len Wein/Guy Davis

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-5)


Eines Tages musste es so kommen, es war nur eine Frage der Zeit. Und nach Jack the Ripper und Houdini kam sie endlich, kurz vor Ende der Elseworlds-Ära: Eine Batman-Story, die sich bei Edgar Allan Poe bedient. Ja, mehr noch: Der Erfinder der Detektiv-Story wird hier sogar zum Protagonisten gemacht. Batman ist nur der Sidekick und Retter in der Not. Er trägt eine Maske mit einem Schnabel, wodurch er an einen Raben mit Ohren erinnert. Warum? Wohl damit es besser mit dem Titel Nevermore korrespondiert – eine Anspielung auf das Gedicht „The Raven“. Aber Sinn ergibt es nicht, Batman zu einem Raben zu machen …

Außer natürlich, wenn man eine Mordserie danach benennen will. Denn so passiert es in Baltimore des 19. Jahrhunderts. Weil bei zwei Leichen Batman gesichtet wird, spricht man von den „Raven Murders“. Das dürfte einen, der sich wie eine Fledermaus kleiden will, um für Recht und Ordnung zu sorgen, bestimmt ärgern, aber darum geht es nicht. Der junge Poe, ein beginnender Journalist, will darüber für eine Zeitung schreiben, aber der Chefredakteur ist nicht begeistert. Und auch sonst hat keiner Lust, mit ihm darüber zu reden. Auch nicht die Gentlemen des Gotham Club, zu deren Mitgliedern Bruce Wayne und Jonathan Crane gehören.

Poe redet trotzdem mit ihnen – und macht sich unbeliebt. Doch statt einer Detektivgeschichte, in der der Held Hinweise sammelt und seine Schlüsse daraus zieht, verfolgt man den unbeholfenen Möchtegern-Journalisten dabei, wie er von einer Todesfalle in die nächste tappt und dabei von Batman gerettet wird, einmal auch andersrum. Schlauer wird er allein dadurch, dass nebenbei weitere Mitglieder des Clubs auf fürchterliche Weise draufgehen und so der Kreis der Verdächtigen enger wird.

Die einzige Überraschung an der Story ist lediglich, dass alles genauso kommt wie erwartet. Aber unüberzeugend. Der Rest ist eine Hommage an Poe: viele Anspielungen auf seine Werke, die am Ende darauf hinauslaufen, dass der ganze Fall ihm viel Stoff zum Schreiben gibt. Mit Poe wurde schon viel getrieben, aber dieser Schindluder dürfte deutlich unter seinem Niveau sein.

Auch grafisch bleibt Nevermore unterdurchschnittlich, mit einfältigen, plumpen Zeichnungen ohne Ausdruck und Fantasie. Und Batman mit Schnabelnase? Das sieht auch einfach nur dämlich aus.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Supermans Cousine: L.L. Nummer 4

DC Comics

Titel: The Supergirl from Krypton

Autor/Zeichner: Otto Binder/Al Plastino

Erschienen: 1959 (Action Comics #252), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman)


„Look again, Superman! It’s me … Supergirl! And I’m real!“

Man muss die Comics des Silver Age einfach lieben. Diese Schlichtheit, diese Naivität und gleichzeitig diese ungehemmte Fantasie, die sich um Naturgesetze nicht schert und sich ihre eigenen schafft. So ist es auch bei der Story von Supergirl – und zwar mustergültig. Plötzlich landet eine Rakete auf der Erde und Supergirl springt heraus – ein blondes Mädchen im Kostüm. Superman hört sich ihre Geschichte an, glaubt ihr, verschafft ihr ein Inkognito und bringt sie in ein Waisenhaus. Keine Action, keine Herausforderung. Manchmal geschehen Dinge einfach so.

Die eigentliche Story ist die Vorgeschichte von Supergirl: Bei der Explosion von Krypton wurde ein großer Brocken weggesprengt, auf dem ein Teil der Einwohner überleben konnte. Aber wie soll das gehen? Ganz einfach: mit dem Stück Krypton kam eine große Luftblase mit. Und weil sie eine Lebensmittelmaschine dabei hatten, konnten sie eine Weile länger durchhalten. Allerdings nur bis das Kryptonit im Inneren des Felsbrockens sie auslöschte. Zwar konnte man die Strahlung aufhalten, weil ein Wissenschaftler zufällig eine Rolle Blei im Labor hatte, mit der man den Boden bedecken konnte, aber letztendlich mussten auch die letzten Kryptonier dran glauben.

Der Rest ist von Supermans Vorgeschichte abgeschrieben: Zor-El schickte seine Tochter Kara in einer Rakete zur Erde. Warum gerade dorthin? Weil man durch ein Super-Space-Teleskop erkennen konnte, dass da ein Superman rumfliegt. Und dank des Space-Radios (das zudem die Sprache übersetzte) konnte man erfahren, dass auch er von Krypton stammte. Warum Zor-El keine größere Rakete für seine Familie bauen konnte, ist nicht überliefert.

Superman erfährt, dass Kara seine Cousine ist. Dann kommt es zum interessantesten Irritationsmoment: Sie wählt das Pseudonym Linda Lee. Superman denkt sich, was jeder Leser denkt: Schon wieder eine L.L.? Nach seiner Jugendliebe Lana Lang und seiner unerfüllten Liebe Lois Lane ist das ein merkwürdiger Zufall. (Parallel zu Action Comics #252 erschien auch Superman #129, in dem Lori Lemaris eingeführt wurde.) Man kann sagen: Die Frauen in Supermans Leben tragen eben alle diese Initialen (warum auch immer). Aber es lässt sich nicht leugnen, dass in der Reihe mit den drei Frauen, die Superman liebte, der Name Linda Lee einen leicht inzestuösen Beigeschmack bekommt …

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