Batmans fast verlorenes Weihnachten

DC Comics

Titel: The Mystery of Christmas Lost

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Romeo Tanghal, Frank Springer

Erschienen: 1977 (Batman #285)


Batman im Bann des Weihnachtsbaums, ein Schurke mit Umhang wirft einen Dolch auf ihn – was ist denn hier los? Der Schurke ist Dr. Tzin-Tzin, Diabolist und Zauberer. Batman hatte schon mit ihm zu tun, jetzt sitzt der schwarze Magier im Knast von Gotham und entkommt, indem er goldene Ameisen mit Gedankenkraft manipuliert. Allerdings hinterlässt er noch einen Hinweis: „Merry Christmas to the Batman and Gotham City“. Eigentlich ganz nett von ihm – würde sich die Botschaft (geformt von den Ameisen) nicht in ein Fragezeichen verwandeln. Für Batman ist es klar: Tzin-Tzin hat Böses vor an Weihnachten. Nur was?

Das findet er schon bald heraus: Auf dem Rathausplatz steht angeblich der große Weihnachtsbaum in Flammen. Doch als Batman auftaucht, springt ihn bloß ein riesiger Bär an. Kaum nimmt er es mit ihm auf, fesseln ihn die Zweige des Baumes und aus dem Schlund des Bären erscheint Tzin-Tzin. Es ist alles bloß ein böser Zauber. Schließlich beraubt der Schurke Gotham einer Sache, die selbst Batman nicht wiederherstellen kann. Nur Batman wird verschont. (Dazu dient der Dolch.)

Batman in den Fängen eines Weihnachtsbaums – und eines Bären. (DC Comics)

Was die Bürger von Gotham verlieren, ist ihr Bewusstsein für Weihnachten wie überhaupt ihr Gedächtnis: Dick Grayson und Alfred wissen kaum noch, was sie vor einer Minute wollten. Die Menschen können sich kaum noch konzentrieren und wirken planlos. An Heiligabend sind alle unterwegs auf der Straße, als ob es ein normaler Wintertag wäre.

Batman folgt seltsamen Dämpfen in die Kanalisation, auf de Gelände der Gotham Steam Company trifft er den Schurken mit seinen herbeigezauberten, schwertschwingenden Kriegern. Batman schnappt sich eines der Schwerter, zerschlägt ein Ventil, lässt alles in Dampf aufgehen und der Spuk ist vorbei. Was lernen wir aus dieser seltsamen Geschichte? Irgendwie gehört Weihnachten dazu, selbst für Nichtchristen, sonst wirkt das dunkle und kalte Jahresende bloß trist und deprimierend.

Am Ende schmücken Bruce, Dick und Alfred den Weihnachtsbaum und er wird der schönste überhaupt. Leider hat Dick aber kein Geschenk für seine Freundin Lori besorgt. Da holt Bruce einfach eine Perlenkette aus seinem Notfall-Geschenke-Fundus. Merkt euch das: Jeder sollte einen haben. Von Batman lernen, heißt vorbereitet sein.

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Rummelplatz des Grauens

Batman: Gotham Nights Vol. 2 #1-4 (DC Comics)

Titel: Batman – Gotham Nights II

Autor/Zeichner: John Ostrander/Mary Mitchell

Erschienen: 1995 (Miniserie #1-4)


Im Vergnügungspark Little Paris, der auf einer künstlichen Insel vor Gotham liegt, entgleist eine Achterbahn und stürzt ins Meer. Zwölf Menschen sterben, zwölf werden schwer verletzt. Batman, der den Fall undercover mit Schlapphut und Trenchcoat (ja, über dem Kostüm!) untersucht, geht von Sabotage aus.

Um den Park weiter betreiben zu können, muss Inhaber Frank Dunker die Stadtverwaltung bestechen, statt das Geld in nötige Reparaturen zu stecken. Er hat ohnehin Geldsorgen, weil der Park immer weniger Menschen anzieht – die Glanzzeit von Little Paris ist längst vorbei. Kurz darauf stürzt eine Gondel vom Riesenrad ab. Will sich da etwa jemand für alte Sünden rächen?

Wie schon in der ersten Gotham Nights-Miniserie stehen auch hier die normalen Menschen im Vordergrund: Vor allem geht es um Familien und ihre Sorgen, in einer Nebenhandlung bandelt eine junge Frau gleichzeitig mit einem Latino und einem schwarzen Künstler an, was zu Eifersüchteleien führt. Auch der Soap-Faktor ist wieder hoch. Doch anders als beim ersten Mal ist der Personenkreis deutlich enger gefasst und auf Menschen beschränkt, die mit dem Park zu tun haben. Außerdem steht hier der Kriminalfall im Zentrum und Batman hält sich zwar im Hintergrund, bleibt aber ständig präsent, um den Fall zu lösen.

Leider löst er sich so gut wie von selbst, indem der Täter sich schon früh selbst zu erkennen gibt und den ganzen Rummelplatz abfackelt. Dadurch tritt im vierten Teil aber wieder das Drama in der Vordergrund: die Familien, die in Gefahr geraten, die Beziehungen. Der Vater rettet die Tochter, der Sohn den Vater – oder sie versuchen es zumindest. Denn das letzte Wort hat auch hier immer Batman.

Damit ist Gotham Nights II leider deutlich schwächer als der erste Teil. Auch die Zeichnungen von Mary Mitchell wirken sperriger und weniger elegant. Viel wird nach dieser Lektüre nicht im Gedächtnis haften bleiben.

>> Batman 1990-1999

Robin läuft die Zeit davon

Star Spangled Comics #70-74 (DC Comics)

Titel: Clocks of Doom/The Clock Strikes

Zeichner: Win Mortimer, Jim Mooney

Erschienen: 1947 (Star Spangled Comics #70-74, 1947)


„I’ve killed time before, but I’m certainly not going to let time kill me!“ (Robin)

Batman hat seinen Joker. Aber auch Robin hat in seinen ersten Solo-Abenteuern einen Erzfeind: The Clock. Gleich viermal tritt er gegen ihn an. Es beginnt zunächst harmlos. Dick Grayson produziert gerade einen Abenteuerfilm mit einen Mitschülern der Gotham High School, „The Jewels of Doom“, in dem Robin der Held ist. Dick hat das Drehbuch geschrieben. Als sie gerade am Hafen drehen, sehen sie zwei Seemänner in einen Uhrenladen gehen und machen eine Aufnahme von ihnen.

Bei The Clock läuft alles wie ein Uhrwerk. Daher mag er keine Unpünktlichkeit. (DC Comics)

Dadurch kommen die beiden zu spät zu ihrem Chef und der ist gar nicht erfreut. Denn der kann Unpünktlichkeit gar nicht leiden. Er nennt sich nämlich The Clock, sein Name ist Programm, und obwohl er ein Gauner ist, ist auch für einen solchen Unternehmer Zeit gleich Geld. Als die beiden Untergebenen ihm beichten, warum sie zu spät sind, beschimpft er sie als Idioten: Die Filmaufnahmen beweisen, dass sie Platin gestohlen haben. Daraufhin entführen sie Robin und seinen Kumpel, um die Filmaufnahmen zu stehlen. Doch der Film ist bei den anderen Kindern auf Shark Island. Dann machen sich die Ganoven auf den Weg dorthin, allerdings nicht ohne Robin und Kumpel mit einer Zeitbombe im Laden einzuschließen.

Die beiden Helden sägen mit Zahnrädern ein Wasserrohr auf, fluten den Boden und können sich befreien, nachdem die Bombe explodiert ist. Sie verfolgen den Uhrenschurken zu Shark Island und es kommt zum Showdown auf einem Leuchtturm. Clock stürzt Dicks Schulkameradin Mary hinunter, Robin rettet sie heldenhaft, wie im Film. Im Zweikampf wird der Schurke per Zufall von einem Pendel ausgeknockt. Später schreibt Dick aus aktuellem Anlass den Film um: Er trägt den Titel „Clocks of Doom“.

The Clock tarnt sich als Standuhr (DC Comics)

Im Knast macht sich Clock als Uhrmacher fürs Personal nützlich. Doch das ist nur eine Masche, um die Uhren mit Giftnadeln zu versehen, sodass die Wärter ihn auf der Flucht nicht erschießen können (The Clock Strikes, Star Spangled Comics #74, 1947). Sobald er draußen ist, legt er sich einen neuen Stil zu: Er nimmt die Form einer Standuhr ein, sein Schnurrbart wird zu zwei Zeigern, die auf 8:18 Uhr eingestellt sind, Krawatte und Gürtelschnalle bilden ein Pendel.

Sein erstes Ding dreht er in einer Uhrenfabrik, wo er mit Orangenstücken um sich wirft. Da die Säure die Uhren rosten lässt, entsteht eine große Aufregung und der Schurke kann einen Haufen winziger Schrauben stehlen, um später Lösegeld dafür zu verlangen. Könnte man für das Geld nicht einfach neue Schrauben kaufen?

Dank Mehlspuren verfolgt Robin Clock zu einem Geheimversteck in einer alten Mühle (das ebenfalls in einer Bäckerei hätte sein können). Dort wird er überwältigt und in eine perfide Todesfalle gesteckt. Robin hängt an einem Uhrenpendel und soll mit sieben spitzen Uhrzeigern beschossen werden. Damit es fair ist, hat er sieben Minuten Zeit, sich zu befreien. Das schafft er auch – und wie? Mit dem zerbrochenen Glas seiner Armbanduhr.

Big Time: Robin gegen The Clock.

Im Finale sehen wir das, was in keiner Story dieser Jahre fehlen darf: Bei einer Uhrenausstellung springt Clock aus einer übergroßen Kuckucksuhr, reitet auf einem mechanischen Vogel, wirft Rauchbomben und liefert sich mit Robin ein Duell auf einer riesigen Taschenuhr. Doch als er einen Zeiger nach ihm werfen will, wird er von einer Sprungfeder gefangen genommen.

Wem das alles bekannt vorkommt, der irrt nicht: Teile dieser Story wurden später in Detective Comics #265, 1959, wiederverwendet, als Batman gegen eine andere Version von Clock kämpft. Da wird aber behauptet, es sei Batmans allererster Fall. Robins Errungenschaften scheinen vergessen …

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Batman: Earth One Vol. 3 kommt 2021

DC Comics

Fünf Jahre ist es her, seit der zweite Band von Batman: Earth One erschienen ist. Nun hat DC offiziell den dritten Teil angekündigt: Batman: Earth One Vol. 3 soll am 8. Juni 2021 erscheinen. Story und Zeichnungen werden wieder von Geoff Johns und Gary Frank stammen, die auch die ersten beiden Bände gemacht haben.

DC Comics

Die Story in Teil drei dreht sich um das Zwillingspaar Harvey und Jessica Dent. Im letzten Teil ist der Staatsanwalt scheinbar gestorben. Jetzt finanziert er eine Bande schwer bewaffneter Diebe, die Gotham City in Angst versetzen. Bruce Wayne arbeitet mit Alfred, Jim Gordon, Waylon „Killer Croc“ Jones und Catwoman zusammen, um das Schlimmste zu verhindern. Außerdem kehrt sein Großvater zurück: Adrian Arkham.

Das Team Johns/Frank hat bereits an Superman: Secret Origin zusammengearbeitet und war zuletzt mit dem Watchmen-Crossover Doomsday Clock beschäftigt, das zwölf umfangreiche Ausgaben umfasste und immer wieder verschoben wurde. Daher hat sich auch der Batman-Band verzögert. Von Johns ist zuletzt Three Jokers erschienen.

Die Reihe Earth One (Erde Eins) hat DC im Jahr 2010 gestartet, um die Geschichten der klassischen Helden neu zu erzählen und dadurch Leser zu gewinnen, die ohne Vorwissen einsteigen können. Bislang sind drei Bände zu Superman erschienen und jeweils zwei zu den Teen Titans, zu Wonder Woman und Green Lantern. Der dritte Wonder Woman-Teil, geschrieben von Grant Morrison, wurde für 9. März 2021 angekündigt. Außerdem soll es noch Bände zu Aquaman (Francis Manapul) und Flash (J. Michael Straczynski) geben, aber bislang noch ohne Termin.

>> Batman: Earth One Vol. 1

Das Rätsel der drei Joker

Three Jokers #1-3 (DC Comics)

Titel: Three Jokers

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Jason Fabok

Erschienen: 2020 (#1-3), Hardcover 2020


„Batman needs a better Joker.“

Vor über fünf Jahren stellte Batman dem allwissenden Möbius-Stuhl die Frage, wie der wahre Name des Joker lautet (Justice League #42, 2015). Die Antwort auf diese Frage zog sich lange hin. Acht Ausgaben später hieß es: Es gibt drei. (Siehe auch DC Universe Rebirth.) Und es sollte noch einmal vier Jahre dauern, bis das Rätsel der drei Joker aufgelöst wurde – im Dreiteiler Three Jokers. Hat sich das Warten gelohnt?

Zu Beginn ist der Joker mal wieder als Serienmörder aktiv: Er tötet die letzten Mitglieder der Moxon-Familie, den Comedian Kelani Apaka (der als „Fatman“ auftrat), den Psychiater Dr. Roger Huntoon, schließlich findet man drei weitere grinsende Leichen im ACE-Chemiewerk – verkleidet als Red Hoods. Batman, Batgirl und Red Hood (Jason Todd) vermuten, dass es nicht nur einen Joker gibt. Gemeinsam gehen sie der Sache nach.

Criminal, Clown, Comedian

Und tatsächlich gibt es drei verschiedene Joker: „the Criminal“, „the Clown“ und „the Comedian“. Der Kriminelle ist dem Joker aus Batman #1 (1940) nachempfunden, der Clown ist der alberne Joker, der nach ihm folgte und Jason Todd erschlagen hat (A Death in the Family), der (gescheiterte) Comedian ist der sadistische Zyniker, den man seit The Killing Joke kennt und der Barbara Gordon verkrüppelt hat. Das Trio arbeiten zusammen als Team und tut das, was sie angeblich immer tun. Nein, nicht die Weltherrschaft an sich zu reißen, sondern einen besseren Joker herzustellen. (Denn dazu reicht es, jemanden in die bekannte Chemiebrühe zu tunken, die sogar das Wunder vollbringt, die Kandidaten physiognomisch anzupassen, sodass selbst Batman der Unterschied nicht auffällt.)

ACHTUNG: SPOILER!!!

Dazu verwandeln sie sehr viele Menschen in Joker-Wiedergänger, die meisten davon sterben. Es gibt ein Wiedersehen mit lachenden Fischen und auch Jason Todd ist ein heißer Kandidat für den Posten – immerhin trägt er die ursprüngliche Maske des Mannes, dem er seine Existenz (bzw. Wiedergeburt) zu verdanken hat (siehe Under the Hood). Als er sich weigert, wird er wieder mit einer Brechstange traktiert. Schließlich soll alles auf Joe Chill als neuen Joker hinauslaufen – den Mann, der Bruce Waynes Eltern ermordet hat und seitdem eine lebenslängliche Haftstrafe absitzt.

Aber wozu das alles? Der Joker will für Batman bedeutsamer werden. Also noch bedeutsamer, als er es ohnehin schon ist. (Denn eigentlich dominiert er derzeit die Comics und Filme so sehr, dass ihm weniger Bedeutung ganz gut täte.) Aber wie dem auch sei: Der wahre Joker inszeniert das alles nur, um Batman mit Joe Chill zu versöhnen und damit dessen größte Wunde zu heilen. Der Joker, der um Batmans Geheimidentität weiß, will selbst an diese Stelle treten, um ihm den größtmöglichen Schmerz zufügen zu können.

Undefinierbare Definition des Jokers

Three Jokers Cover

Three Jokers (DC Comics)

Three Jokers ist der Versuch, die 80-jährige Joker-Tradition zu einem kompakten Paket zusammenzuschnüren und die widersprüchlichen Joker-Inkarnationen miteinander zu versöhnen. Das ist an sich ein interessanter Ansatz, aber am Ende bleiben doch offene Fragen und Rätsel. Das muss auch so sein, denn, wie der Joker selbst einräumt: „A defined Joker? One with a name? An identity? Why, that ruins the very definition of me.“ Daher bleibt auch die Frage nach dem wahren Namen bzw. der Identität zum Schluss ungeklärt. Das scheint aber nur zum Teil konsequent, wenn man sich daran erinnert, dass der ganze Anlass doch erst Batmans Frage nach dem wahren Namen war.

Doch am Ende offenbart Batman, dass er den wahren Namen des Jokers längst kennt, der aber unwichtig sei, um die Identität der Frau zu schützen, die einst vor dem Joker davongerannt ist. Warum also die Frage an den Möbius-Stuhl? Als Leser könnte man sich leicht veralbert vorkommen. Denn am Ende läuft die Geschichte nicht nur auf ein „Egal“ hinaus, sondern sie bleibt auch egal: Nichts, was hier passiert, hat gravierende Konsequenzen, sondern endet im bekannten Status quo – aus drei Jokern wird wieder einer, ohne dass sich etwas am Verhältnis zu Batman wirklich ändert.

Der wahre Namen des Jokers

Allerdings gibt es doch einen Hinweis auf den wahren Namen: Im allerersten Panel sehen wir den Buchstaben W auf dem Grabstein der Waynes in Nahaufnahme. Auf dem Koffer von Jokers Frau stehen die Initialen „J.W.“ – und damit dürfte auch der Bogen zum Joker-Film geschlagen sein, in dem zumindest die Möglichkeit erwogen wird, der Joker und Batman könnten miteinander verwandt sein, Halbbrüder. Aber abseits der Spekulation ist es auch nicht so wichtig. Oder doch? Die Fans dürften für die nächsten Jahre jedenfalls etwas zum Rätseln haben – auch wenn uns Autor Geoff Johns uns weismachen will, dass der Witz gerade im Rätsel, nicht in der Lösung besteht.

Three Jokers liefert also eine Menge Stoff, dazu viele Horrormomente und große Dramatik. Jason Todd wird zum Mörder und Rächer an seinem Peiniger. Er entzweit sich beinahe mit Batman und Batgirl, bandelt aber daraufhin kurz mit ihr an, nur um alles wieder zu annulieren. Trotzdem bleibt die Story einfühlsam und psychologisch meist überzeugend.

Remix von Altbekanntem

Belesene Fans werden zahlreiche Anspielungen an die großen Joker-Storys erkennen, vor allem steht die Geschichte – auch optisch – tief in der Schuld von The Killing Joke. Sie ist sozusagen zugleich spirituelle Fortsetzung und Hommage. Zeichner Jason Fabok muss den Vergleich mit Brian Bolland nicht scheuen. Seine präzisen und ausdrucksstarken Zeichnungen veredeln jede Story und dank vieler wortloser Panels ist es ein Genuss, ein Comic zu lesen, das sich – trotz vieler Worte – auch oft auf das Storytelling mit reinen Bildern verlässt. Allein die ersten Seiten, auf denen die Geschichte der Wunden auf Bruce Waynes vernarbtem Körper erzählt wird, sind grandios inszeniert.

Aber es bleibt ein Gefühl zurück, das man auch schon nach anderen Joker-Storys der vergangenen Jahre hatte, wie etwa Death of the Family und Endgame: Three Jokers versucht so sehr, dem Joker eine neue Seite abzutrotzen, dass es sich immer wieder in der Tradition verfängt. Mit anderen Worten: Es wirkt alles wie schon einmal dagewesen. Wie eine Kapitulation: Da es nichts Neues geben kann, gibt es eben bloß einen Remix des Altbekannten. Der Joker ist auch hier der von Batman Besessene, der mit ihm bis auf den gemeinsamen Tod hin kämpfen will, aber diesen noch hinauszögert – ungeachtet dessen, dass genau dieser Kampf in Endgame bereits stattgefunden hat. Insofern wirkt Three Jokers auch seltsam geschichtsvergessen.

Und so ist das Einzige, was an neuer Erkenntnis über den Joker übrig bleibt, das hier: „It hurts when I laugh.“

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Calendar Man als Auftragskiller

Batman #384, Detective Comics #551, Batman #385

DC Comics

Titel: Broken Dates/The First Day of Spring/Day of Doom

Autor/Zeichner: Doug Moench/Rick Hoberg

Erschienen: 1985 (Batman #384, Detective Comics #551, Batman #385)


„I don’t really want to kill Batman.“ (Calendar Man)

Alles kehrt wieder. Tag und Nacht, die Wochentage, die Jahreszeiten. Und auch die Superschurken. Der Grund leuchtet nicht immer ein. Manchmal ist es einfach wieder an der Zeit, jemanden wieder aus dem Figurenfundus zu holen. Wie den Calendar Man. Der nimmt sich diesmal die Feiertage als Thema vor.

Es beginnt mit einem Haufen Gauner, die Batman ausschalten wollen. Also bestellen sie seinen Tod bei einem geheimnisvollen Typen namens Monitor, der irgendwo in einem Satelliten hockt und dafür einen geeigneten Auftragskiller beauftragt. Warum er sich ausgerechnet für den Calendar Man entscheidet, bleibt so rätsel- wie zweifelhaft. Interessant auf verschiedenen Ebenen nennt er ihn, aber der Schurke hat, abgesehen von seiner mageren Erfolgsbilanz, noch nie Interesse am Töten gezeigt – und erweist sich auch hier als völlig unbrauchbar.

Julian Day in seinem Kalendarium. (DC Comics)

Schon zu Beginn steht Julian Day in seinem mit übergroßen Kalender-Requisiten vollgestopften Geheimversteck und grübelt, ob er den Auftrag überhaupt annehmen soll. Er ist zwar kein Killer, aber das Geld ist immerhin ein guter Motivator. Vor allen will er die Gelegenheit nutzen, sich noch einmal mit Batman messen. Und sollte er ihn nicht stoppen, wird Batman am 21. März sterben. Aber das wirkt alles sehr halbherzig. Denn im Vordergrund steht natürlich der Spaß an schrägen Verbrechen.

Calendar Man spielt mit falschen Karten. (DC Comics)

Bald darauf ist die erste Bank ausgeraubt, um an das nötige Startkapital zu kommen (wie er sein Versteck so aufwendig einrichten konnte, bleibt ein Rätsel). In einer Rückblende erfahren wir nur, dass Julian Day einst ein Illusionist unter dem Künstlernamen Maharaj gewesen ist. Es folgt die übliche Schnitzeljagd: Calendar Man tritt an jedem Tag in einem anderen Kostüm auf und schafft es, sich jedes Mal in Sachen Kuriosität zu überbieten. Einmal trägt er schwarz-weiß, kann blendendes Licht strahlen, wirft mit übergroßen Karten, dann tritt er als eine Art Sonnengott auf und wirft Blendgranaten („solar bomb“) in einem Theater und stiehlt Juwelen. Nur das rot-weiße Kalenderkostüm, das er auf den Covern trägt, hat er in der Story kein einziges Mal an. Nicht, dass man es vermissen würde, aber betrogen kann man sich schon fühlen. (Mit riesigen Zahlen wirft er übrigens auch nicht.)

Calendar Man als Sonnengott (DC Comics)

Der Calendar Man lässt ein Kalenderblatt zurück und Batman und Robin erfahren, dass er es auf sie abgesehen hat. Batman erteilt Robin daraufhin Hausarrest, Robin widersetzt sich wie immer und es entspinnt sich die alte Diskussion, welche Rolle Robin spielt: Ist er Batmans Schwachstelle oder dessen Verstärkung?

Mörderische Pfeile: Calendar Man als Amor (DC Comics)

Am Valentinstag tritt Calendar Man als gelber Amor mit Lendenschurz, Flügeln und Bombenpfeilen auf, dann als eine Art Uncle-Sam-Verschnitt mit Zylinder und Sternchenunterhose, schließlich wirft er mit Schlangen um sich und kämpft mit einem Flammenschwert und einer Laserkanone. Unnötig zu erwähnen, dass der ganze Aufwand umsonst ist und dass am Ende Robin mal wieder Batman rettet – weil er ihm nicht gehorcht.

Patriot: Calendar Man als Uncle Sam (DC Comics)

Wer hat eigentlich behauptet, dass das Bronze Age Batman wieder ernsthafter gemacht haben soll? In manchen Geschichten ist das arg zu bezweifeln. Und zwischendurch gibt es ganz viel Melodrama: Bruce Wayne ist immer noch in Selina Kyle und Nocturna verliebt, während er mit Vicky Vale und Julia Pennyworth zu tun hat. Es war bei Batman wohl nie mehr Herz im Spiel als in den 80er-Jahren.

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Ein erster Blick auf „Batman: Soul of the Dragon“

In den 70er-Jahren entdeckte Batman den fernen Osten. Mit Ra’s al Ghul wurde nicht nur öfter Asien zum Schauplatz, sondern auch zum Anlass, Batmans Kampfkünste unter Beweis zu stellen, die er, wie später klar wird, dort auch einst erlernt hat. Diese Entwicklung passte in die Zeit: Anfang der 70er wurden durch Bruce Lee die Martial-Arts-Filme populär und Kung-Fu war eine Zeit lang mal der große Renner.

Im Januar 2021 erscheint nun ein Animationsfilm, der all das wieder vereint: Batman: Soul of the Dragon spielt in den „swinging 70s“ und handelt von Bruce Wayne, der zusammen mit anderen Eliteschülern vom Meister O-Sensei unterrichtet wird. Dazu zählen Richard Dragon, Ben Turner/Bronze Tiger und Lady Shiva. Gemeinsam kämpfen sie gegen Monster aus dieser Welt und darüber hinaus.

Im Trailer kann man sich einen ersten Eindruck davon machen. Es wirkt, als würde sich der Film nicht allzu ernst nehmen. Die Digitalversion erscheint am 12. Januar 2021 in den USA, die Blu-ray am 26. Januar.

Richard Dragon und Batman in The Brave and the Bold #132 (DC Comics)

Richard Dragon wurde von Dennis O’Neil und Jim Berry geschaffen und trat zum ersten Mal in dem Roman Dragon’s Fists (1974) auf. Von 1975 bis 1976 hatte er als „Kung-Fu Fighter“ eine eigene Comicserie, von der 18 Ausgaben erschienen sind, ebenfalls geschrieben von O’Neil. Darin traf Richard bereits auf Ben Turner und Lady Shiva, die hier ihre ersten Auftritte hatten. Im Jahr darauf kam es zum Team-up mit Batman in der Story „Batman — The Dragon Slayer?“ (The Brave and the Bold #132, 1977), geschrieben von Bob Haney und gezeichnet von Jim Aparo.

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Das Leben in Gotham City

Batman: Gotham Nights #1-4 (DC Comics)

Titel: Batman: Gotham Nights

Autor/Zeichner: John Ostrander/Mary Mitchell

Erschienen: 1992 (Miniserie #1-4)


Zwei Jahrzehnte bevor „Gotham Nights“ eine digitale Anthologieserie wurde, gab es eine Miniserie mit dem Titel, die den Menschen von Gotham gewidmet war. Gleich zu Beginn verfolgt Batman zwar einen Verbrecher durch den U-Bahn-Tunnel, aber wir erfahren nichts über den Fall, der offenbar etwas mit Kindesentführung zu tun hat. Stattdessen sehen wir, wie der Zugführer reagiert und dann, was daraufhin einige andere Menschen in der Station bewegt.

Eine Donutverkäuferin verliebt sich in einen attraktiven Stammkunden und malt sich aus, er sei in Wahrheit Batman. Zwei Arbeitskollegen, Mann und Frau, fühlen sich zueinander hingezogen, aber wollen es sich nicht eingestehen. Ein alter Mann erfährt, dass er todkrank ist und zieht in Erwägung, sich das Leben zu nehmen, um sich und seiner Frau Leid zu ersparen. Und dann ist da noch Dio, ein Ex-Sträfling, der auf Bewährung draußen ist und seine Frau verdächtigt, dass ihr Kind von einem anderen stammen könnte. Er droht wieder, straffällig zu werden.

Die eine träumt märchenhaft, der andere wird vom Geist seiner Frau verfolgt, der dritte vergeht vor Eifersucht. – Autor John Ostrander (Suicide Squad, Justice League, Martian Manhunter) zeigt das Leben in Gotham aus der Perspektive verschiedener Altersgruppen, Schichten und Geschlechter. Schurken wie der Riddler, der Pinguin oder der Joker werden nur am Rande erwähnt, Batman taucht immer nur kurz auf, erst am Ende spielt er wieder eine Rolle.

Gotham Nights ist ein Ensemblestück ohne Helden, ein kleines Gesellschaftspanorama in einer Stadt, die hart zu ihren Bewohnern ist. Verbrecher bleiben Verbrecher, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt, andere werden zu Verbrechern, weil sie verrückt werden vor Einsamkeit. 1992 ist so ein Ansatz zwar nicht neu, erinnert zuweilen an den Film Noir (Ostrander gibt unter anderem den Soundtrack von Taxi Driver als Inspiration an), Will Eisner hat das Prinzip des Gesellschaftscomics mit A Contract With God und weiteren „Graphic Novels“ bereits seit den 70ern zur Meisterschaft getrieben.

Gotham Nights ist der Versuch, all das nachzuahmen, zuweilen immer noch etwas soapig bis melodramatisch erzählt, und natürlich dürfen Batman und Bruce Wayne am Ende als Deus ex machina die Probleme einfacher Menschen lösen. Aber für ein Batman-Comic ist es ein beachtliches Wagnis, das Mut zum Experiment und zu ernsthaften Themen fast ohne Superhelden-Klischees beweist. (Ähnlich wurde das Konzept später mit Gotham Central weiterentwickelt, die Comic-Serie über die Polizei von Gotham.) Es werden sogar neue Probleme wie die Angst vor AIDS angesprochen. Mit Mary Mitchell haben wir es auch mit einem der seltenen Fälle zu tun, in denen eine Frau Batman zeichnen durfte. Sie tut es sehr ausdrucksstark, am spektakulärsten sind ihre Stadtpanoramen geraten.

Es wäre mal an der Zeit für einen Nachdruck oder zumindest für eine digitale Neuaflage.

Hinweis: 1995 wurde die Serie mit Gotham Nights II fortgesetzt.

>> Batman 1990-1999

Batman verknackt im All

Titel: The Interplanetary Batman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1959 (Batman #128)


Batman und Robin fahren nachts durch die Gegend, da sehen sie plötzlich einen Alien am Straßenrand um Hilfe rufen: mit Fühlern, Klauen und einem Schuppenkostüm. Gejagt wird er von einer Horde anders aussender, rothäutiger und langohriger Aliens mit Strahlenkanonen. Ohne zu fragen, wer hier der wahre Schurke ist, schlägt sich das Dynamische Duo auf die Seite des Verfolgten und prügelt auf die Rothäute ein.

Doch dann werden Batman, Robin und der Verfolgte mit einem Strahl gelähmt und auf einen Gefängnisplaneten gebracht. Das Alien namens Kraak soll ein gesuchter Weltraumpirat sein. Robin beteuert ihre Unschuld, aber dafür interessieren sich die Aliens nicht. Und auch Kraak zeigt sich von seiner unschönen Seite: Batman und Robin sind ihm völlig egal. Er schlägt sogar Robin ins Gesicht.

Trotzdem wollen die drei gemeinsam ausbrechen. Dazu müssen sie durch den „Wald der Gefahr“ („forest of peril“), was unmöglich zu überleben scheint. Aber da Batman und Robin nicht im Knast verrotten wollen, versuchen sie ihr Glück. Kraak bietet sich als Führer an. Im Wald, wo Pilze so hoch wie Bäume wachsen, müssen sie ein Rudel Spür-Roboter ausschalten, Robin wird von einer riesigen Sumpf-Amöbe gepackt und schließlich rennt ein „Ram-Beast“ auf sie zu. Sie wissen es zu nutzen, indem sie das Tier einen Baum umkippen lassen, der sie über einen gefährlichen Fluss führt.

Schließlich entkommen die drei in einem Raumschiff. Auf dem Klauen-Asteroiden, Kraaks Geheimversteck, erweist sich das Alien erneut als Verräter und holt seine Bande herbei. Wie gut, dass Batman ein paar Körner vom Pfefferbaum mitgenommen hat, der Rest ist gute alte Handarbeit – so werden die beiden Helden mit den fiesen Aliens fertig.

Und zum Schluss die überraschende Wendung: Das alles haben Batman und Robin so mit den rothäutigen Aliens abgesprochen, um ihre Unschuld zu beweisen und die Guten zum Versteck der Bösen zu führen. Glück gehabt, noch mal davongekommen.

>> Batman 1950-1959

Batman in einem Husch

Tales from the Dark Multiverse: Batman: Hush #1

DC Comics

Titel: Tales from the Dark Multiverse: Hush

Autor/Zeichner: Phillip Kennedy Johnson, Dexter Soy

Erschienen: 2020 (One-shot)


Was wäre wenn … Bruce Wayne beim Mord seiner Eltern nicht allein gewesen wäre, sondern in Begleitung von Thomas Elliot und seinen Eltern? Dann wäre Bruce bei den Elliots aufgewachsen, Bruce und Thomas wären wie Brüder gewesen, aber Bruce wäre verrückt geworden, mit dem Ergebnis, dass Bruce zu einer Art Hush-Version von Batman mutiert wäre.

Wie bitte? Ja, so läuft das in aller Kürze bei Tales from the Dark Multiverse: Hush, DCs Versuch, einen modernen Batman-Klassiker neu zu erzählen – in einer Art Elseworlds-Manier, wie schon bei Knightfall geschehen. Auch hier ist Gotham eine Dystopie, in der das Verbrechen in der High Society regiert und die Bürger in einem Polizeistaat in Schach hält. Thomas Elliot ist Senator, anscheinend mit Präsidentschafts-Ambitionen, außerdem mit Talia al Ghul zusammen, die ihren Vater getötet und die League of Assassins übernommen hat.

Elliot feiert in Gesellschaft von Jason Todd, einem Waffenhändler (an der Seite von Dinah Drake), Staatsanwalt Harvey Dent und Oswald Cobblepot. Da wird er nach Arkham gerufen, das von Dr. Crane geleitet wird und wo er an Patienten herumexperimentiert. Einer davon ist Bruce Wayne, der als Resultat davon nun tot ist. Jedenfalls scheint es so, denn kurz darauf gehen in Arkham die Lichter aus und ein mumienhaft bandagierter Batman mit roten Augen metzelt Crane nieder und dann begeht er einen Anschlag auf Elliots Hubschrauber.

Nebenbei erfahren wir, dass Barbara Gordon (ein blindes Orakel) eine Gruppe von Outsiders anführt, um ihren toten Vater zu rächen und das Regime zu stürzen. Dabei legt sie sich aber mit „Gray Son“ an, der als Talon den Status Quo mit dem Schwert aufrecht erhält – bis er auf Hush trifft.

Abgehetzt und oberflächlich

Das alles klingt nach einer Menge Stoff und es hätte vielleicht Potenzial für epische Breite, aber leider muss das alles in 52 Seiten abgehetzt werden. Also wird man in eine fremde verkehrte Welt geworfen, mit Informationen bombardiert und dann wieder mit einem abrupten Ende hinausgestoßen. Was man mit Bildern nicht erzählen kann, wird mit vielen Worten nachgetragen, was ebenso ermüdend wie uninspiriert ist.

Im Grunde sehen wir also bloß einem simplen Rachefeldzug zu, der sich ohne Probleme vollzieht, denn für Hindernisse ist ja kein Raum. Auch die Beziehung von Thomas und Bruce, das emotionale Zentrum der Original-Hush-Storyline, bleibt oberflächlich, die Auflösung am Ende kryptisch und unbefriedigend. Statt hier mehr zu erklären, wird eine ganze Seite wird verschwendet zu erzählen, wem alles Bruce seine tollen Fähigkeiten zu verdanken hat – was für die Handlung überhaupt keine Rolle spielt.

Recycling von Bewährtem

Es stellt sich die Frage, wozu man überhaupt eine so runde Geschichte wie Hush noch einmal, aber anders erzählt. Die einzige Antwort, die mir darauf einfällt, ist keine befriedigende: Es ist leicht verdientes Geld, ein bewährtes Rezept zu recyceln und in ein Häppchen zu packen, das ohne Vorwissen schnell konsumiert ist. Als nächstes erwartet uns ein solcher Remix von Flashpoint.

Und so kann ich am Ende nur etwas Positives über dieses Heft sagen, was sich jedes Mal wie ein Trostpreis anhört, aber keineswegs den Leser für sein Geld entschädigt: schön gezeichnet.

>> Batman 2020