Pax Batmana

DC Comics

Titel: Batmen Eternal

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Javier Fernandez, Eddy Barrows, Alvaro Martinez

Erschienen: 2018 (Detective Comics #975-981),  Paperback 2018 (Detective Comics Vol. 7)


„Batman doesn’t have to be eternal.“

Regelmäßige Leser werden sich denken können, dass ich mich auf dieses Heft gefreut habe. Nicht, weil die Geschichte hier ihr Finale findet, sondern weil sie zu Ende geht. Nein, ich bin wirklich kein Fan von Detective Comics, seit 2011 ist das meine ungeliebte Serie. Im Falle der aktuellen Storyline von James Tynion IV bedeutet der siebte Band das Ende von

  • langen Monologen und endlosen Dialogen,
  • exzessivem Einsatz von Doppelseiten, bei denen man nie weiß, wie man lesen soll,
  • faden, aber unnötig ausgebreiteten Nebenschauplätzen,
  • einer Story, die zu wenig Batman zu bieten hat.

Was bisher geschah: Batwoman hat Clayface erschossen, nachdem er Amok gelaufen war. Jetzt steht sie am Pranger. Batman beruft die Familie zusammen, um darüber zu beraten, was mit Batwoman geschehen soll – allerdings ohne Batwoman. Man ist sich uneins. Die „Angeklagte“ verbündet sich in der Zwischenzeit wieder mit ihrem Vater und der Colony, seiner Batmen-Armee, um künftig global für Recht und Ordnung zu sorgen. Tödliche Gewalt soll nur noch die Ausnahme sein. Batwing und Azrael schließen sich ihr an (auch wenn Azrael in Band 1 fast von der Colony ermordet worden wäre).

Ulysses Hadrian Armstrong, dem ehemaligen Programmierer der Colony, hat derweil andere Pläne für ein eigenes Batman-Netzwerk. Dafür versucht er Red Robin (Tim Drake) auf seine Seite zu ziehen, der ohnehin seine Allmachtsfantasie der Verbrechensbekämpfung nicht aufgeben will. Ulysses benutzt die Technik des finsteren Tim Drake-Batman der Zukunft, den wir bereits in Band 5 (A Lonely Place of Living) kennenlernen durften. Ums kurz zu machen: Ulysses dreht durch und wird zum General, und damit seinem Vorbild aus dem Prelude zu Knightfall sehr ähnlich (ein Wandel, der sich schleichend vollzieht). Er hackt sich in die Colony und dann gehen die Probleme erst richtig los. Und alle wollen das Gleiche: die Pax Batmana, den großen Frieden im Zeichen der Fledermaus …

Kurz gesagt: Hier schließt sich der Kreis zu Band eins. Hier kommen nicht nur die wichtigsten Handlungsfäden zusammen, sondern auch fast alle Mitglieder des ursprünglichen Teams. Wer den ersten Band mochte, wird hier einen actionreichen Abschluss finden, allerdings ist es wichtig, zumindest auch Band 5 gelesen zu haben, um der Handlung folgen zu können.

Mich irritiert das viele Hin und Her der Figuren. Ständig ändern sie ihre Meinung, auf welcher Seite sie stehen, wie es gerade für die Story passt. Nicht nur Batwing und Azrael, auch andere Charaktere werden in kürzester Zeit von Freunden zu Feinden und umgekehrt. Batwomans großer Tabubruch scheint zum Schluss plötzlich vergessen, Kathy Kane sitzt gemütlich mit Bruce beim Essen und alles scheint wieder gut. Ich verstehe auch nicht, warum Batwomans Vater, der eigentlich ein Verbrecher ist, am Ende wieder den Mentor seiner Tochter spielt.

Auch dieser Abschluss ist jedoch so geschwätzig wie die übrigen Bände, drei lange Epiloge gibt es zum Schluss, sodass das Ganze kein Ende zu nehmen scheint. Aber immerhin löst sich alles so gut auf, dass wir so bald keine Batman-Soap wie diese mehr zu erwarten haben. Das dürfte die wahre „Pax Batmana“ sein …

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Mit dem Gesetz nix am Hut

Jervis Tetch alias Mad Hatter

Titel: The Thirteenth Hat/Batman Stands Pat (dt. Der 13. Hut)

Drehbuch: Charles Hoffman

Erschienen: 1966 (Batman S01E13-14)


„Fighting crime deserves no gratitude.“ (Batman)

„Clues are always helpful.“ (Robin)

Kaum ist der verrückte Hutmacher auf Bewährung aus dem Knast, klaut er Menschen die Hüte vom Kopf, hypnotisiert ihre Träger mit Strahlen, die aus seinem Zylinder kommen und entführt sie. Insgesamt kommen so zwölf Entführungsopfer zusammen. Was kommt in Zwölfen?, fragen sich Batman und Robin. Da sie beim Brainstorming nicht weiterkommen, muss der Bat-Computer helfen, erst er spuckt das Offensichtliche aus: zwölf Geschworene! Jawohl, Jervis Tetch stellt eine Jury zusammen, nämlich die, die ihn verurteilt hat. Als Lösegeld will er eine Sammlung von Präsidenten-Hüten erpressen.

Mad Hatters Geschworene

Der Mad Hatter trägt hier wie im Comic rote Haare, schwarze Augenbrauen und einen großen braunen Schnurrbart. In seinem Geheimversteck hat er ein Fließband zur Hutherstellung aufgebaut, das so beschriftet wie die Geräte in der Bathöhle, nur dass sie weitaus tödlicher sind. Hier soll der sinistre Racheplan an Batman seine Vollendung finden: Weil Batman einst gegen ihn ausgesagt hat, will er sich an Batman rächen, indem er seine Kutte stiehlt und ihn zu einem Hut verarbeitet.

Mad Hatters mörderische Hutfabrik

Während Commissioner Gordon bereut, dass es so etwas wie Bewährung gibt, hofft Batman weiterhin auf Resozialisierung. Der verschlungene Pfad des Verbrechens führt Batman zum Bildhauer Octave Marbot. Batman hat ihm Modell gesessen für eine Statue. Sie soll im Gefängnis ausgestellt werden, um die Häftlinge zur Resozialisierung zu inspirieren. Das ist in etwa so, als wollte man einen Stier mit einem roten Tuch zähmen. Robin hält das aber für eine großartige Idee.

Mad Hatter als Bildhauer

Der Mad Hatter legt Marbot lahm und gibt sich als selbst als der Künstler aus. Er tarnt sich etwa so gut wie Clark Kent, mit Brille, schwarzem Ziegenbart und Baskenmütze. Als Batman eintrifft, bittet er ihn, für die Statue seine Maske abzulegen. Batman durchschaut das falsche Spiel, aber nach einer Prügelei, bei der das halbe Atelier verwüstet wird, kommt er in eine Todesfalle: schnell trocknenden Gips. Wie kommt Batman raus? Ganz einfach: Er hält einfach die Luft an, bis er freigemeißelt wird. Und Robin so: „Holy frogman!“

Gimmick der Folge: Die Anti-Diebstahl-Vorrichtung im Batmobil ist nichts als eine Tafel, die einen Knopf falsch beschriftet. Wenn die Gauner ihn drücken, geht ein Feuerwerk los.

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Superman macht sein Testament

DC Comics

Titel: The Last Days of Superman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1962 (Superman #156)


„Do good to others and every man can be a Superman.“

Ein Jahr nach dem ersten Tod von Superman soll der Held wieder hops gehen. Das Cover kündigt an: „Not a hoax… not a dream, but real!“ Die letzten Tage von Superman! Jetzt aber wirklich?

Es beginnt alles mit einer grünen Kapsel, die auf die Erde fällt. Superman entdeckt sie, vermutet Kryptonit, Jimmy öffnet sie, Superman liest die Warnung, die auf Kryptonisch darauf steht: Die Kapsel enthält das Virus X, das jeden Kryptonier in 30 Tagen tötet. Superman zerstört die Kapsel mit einem Felsbrocken, aber da ist es schon zu spät.

Superman ist infiziert, es besteht keine Hoffnung mehr. Also beschließt er, die letzten Tage zum Wohle der Menschheit zu nutzen. Doch als er gerade Kanäle in der Wüste schaufeln will, bricht er zusammen. Um Supergirl nicht anzustecken, lässt sich Superman lässt sich in einem verbleiten Glaskasten einsperren. Dann erstellt er eine Liste mit Gefahren, die der Erde bevorstehen und bittet Supergirl darum, sich drum zu kümmern. Es ist sein Testament.

Supergirl bittet die Legion of Superheroes um Hilfe, auch die Super-Roboter helfen mit. Gefahren aus dem All werden gebannt, die Antarktis vom Eis befreit. Superman nimmt Abschied von seinen Freunden und hinterlässt der Menschheit eine Botschaft auf dem Mond: Jeder, der Gutes tut, kann ein Superman sein (P.S. Superman ist Clark Kent).

Obwohl Supergirl auch ihr Bestes gibt, Superman doch noch zu retten (z.B. durch eine Reise ins vergangene Krypton), ist alles vergebens. Nicht etwa, weil Superman wirklich am Virus X stirbt, sondern weil der Grund für sein Leiden ein kleines Stück Kryptonit ist, das Jimmy ohne sein Wissen mit sich herumschleppt. Problem gelöst, alles wieder gut. Ach ja, schnell noch den Namen Clark Kent vom Mond entfernen, dann ist alles wieder beim Alten. (Und Lois und Lana fragen dann auch nicht mehr danach, wo Clark Kent eigentlich steckt.)

>> Liste der Superman-Comics

Catwomans Kampf der Geschlechter

Catwoman im Silver Age: Teil 3

DC Comics

Titel: The Case of the Purr-Loined Pearl

Autor/Zeichner: Frank Robbins/Irv Novick

Erschienen: 1969 (Batman #210)


„If I were Catman instead of Batman, I’d smell a rat!“

Catwoman ist aus dem Knast raus, diesmal ganz ordnungsgemäß. Sie eröffnet einen Schlankheitssalon. Batman und Robin drehen trotzdem ihre Runden in der Nähe, weil sie befürchten, sie könnte bald wieder zuschlagen. Und tatsächlich: Kurz darauf trägt sie ein Katzenkostüm, diesmal eine Art schwarzen Badeanzug mit Stehkragen, grauen Leggins und rot-schwarzen Piratenstiefeln und einer roten Augenmaske, jedenfalls deutlich katzenhafter als der grüne Schuppenanzug aus dem letzten Abenteuer.

Doch Catwoman hat acht weitere dieser Kostüme angefertigt, denn sie rekrutiert acht ehemalige Knastschwestern, um als Legion of Feline Furies eine Perle zu rauben. Dahinter steckt nicht nur pure Habgier, Unlust zu arbeiten oder alte Gewohnheit, nein, es geht (zumindest auch) darum, den Männern eins auszuwischen. Catwoman eröffnet den Geschlechterkampf!

Dazu bemächtigt sich die Schurkin allerdings fragwürdiger Mittel: Als die acht Frauen gar nicht von ihrer Idee begeistert sind, hilft sie ihnen ein wenig mit Gewalt nach. Dann landen sie auf Trainingsgeräten, um abzunehmen und in ihre Kostüme zu passen. Neun Tage später sehen wir neun identische Catwomen in einem „Catillac“ mit neun Sitzen durch die Gegend brausen und den Coup ausführen.

Doch Batman lässt die ganze Aktion nach Wayne Manor verlegen, wo er Heimvorteil hat und Catwoman mit einfachen Tricks hochgehen lässt. Am Ende verheddert sie sich in einem Wollknäuel. Als feministische Schurkin ist Catwoman gescheitert. War ja auch von Anfang an eine nicht ganz überzeugende Idee …

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Jokers Junggesellenabschied für Batman

DC Comics

Titel: Preludes to the Wedding

Autor/Zeichner: Tim Seeley, Tom King/Clay Mann u.a.

Erschienen: 2018 (5 One-shots, DC Nation #0)


„Keep it simple.“ (Joker)

Batman und Catwoman wollen heiraten. Der Joker ist nicht eingeladen. Er ist beleidigt. Also läuft er Amok. Zuerst sucht er einen zufällig ausgewählten Mann heim und terrorisiert ihn. Diese ersten acht Seiten, geschrieben von Tom King und gezeichnet von Clay Mann, sind der größte Höhepunkt in Preludes to the Wedding. Hier gibt es Spannung und einiges zu lachen.

Danach hetzt der Joker vier Schurken auf Batman, indem er ihnen von der Hochzeit erzählt – und keiner ist von der Sache begeistert. Robin nimmt es mit seinem Großvater Ra’s al Ghul auf, Nightwing mit Hush, Batgirl mit Riddler und Red Hood mit Anarky. Wie immer geht es dabei um alte Wunden, die aufreißen. Um Enttäuschungen und Eifersucht. Jeder dieser Schurken hat eine persönliche Rechnung offen mit Batman.

Besonders persönlich wird es, wenn sich am Ende Harley Quinn den Joker vornimmt. Harley tut so, als wollte sie ihn umbringen, die Frage ist, ob sie ihn wirklich töten will, aber natürlich schafft er es, sich aus zwei Todesfallen zu befreien. Am Ende ist er der Sentimentale, der es nicht übers Herz bringt, seine alte Komplizin zu töten.

Preludes to the Wedding ist das Gegenstück zu den beiden Batman-Bänden Rules of Engagement und Bride or Burglar. Während da Batman, bevor er sich an Catwoman bindet, die Frauen in seinem Leben wiedertrifft, sind es hier die Männer, die noch einmal ihr Verhältnis zu Batman Revue passieren lassen.

Natürlich ist Joker der Eifersüchtigste von allen, denn zwischen ihm und Batman besteht schon immer eine ganz besondere Verbindung – und das nicht erst seit Frank Miller beide im Liebestunnel intim werden ließ. Im Grunde inszeniert der Joker hier einen Junggesellenabschied für seinen liebsten Feind, nur das der Bräutigam meist nicht anwesend ist. Es ist ein verkappter Akt der Liebe auf Umwegen, der daher tragischerweise unerwidert bleibt und schließlich damit endet, dass der Joker versucht, die Hochzeit zu sabotieren.

Tiefsinnigere Erkenntnisse bekommt man in diesen kurzweiligen Kapiteln zwar nicht, aber dafür solide Unterhaltung. Aber einmal überrascht Autor Tim Seeley dann doch, wenn er den eigentlichen Jungesellenabschied (Batman, Nightwing, Superman) in eine Dimension bringt, die von Gestalten bevölkert wird, die nur noch gesichtslose Schatten echter Menschen sind, lauter vertane Chancen aus unserer Welt. So viel Gesellschaftskritik bekommt hier nicht einmal Anarky hin.

Batman und der Nerd

Bookworm

Titel: The Bookworm Turns/While Gotham City Burns (dt. Die Bücherwurm-Affäre)

Drehbuch: Rik Vollaerts

Erschienen: 1966 (Batman S01E29-30)


Den Autoren der Batman-TV-Serie war kein Metier zu abwegig, um eine Geschichte draus zu stricken. Auch nicht die Welt der Bücher. Der Bookworm war zugleich eine perfekte Parodie des Superschurken und auch der perfekte Schurke schlechthin, denn er war der Inbegriff des Nerds – und damit sowohl eine Identifikationsfigur für (Comic-)Leser und eine Hass-Figur für Fernseh-Gucker. Die Story treibt die Absurdität mustergültig auf die Spitze.

1. Kapitel

Bei einer Brückeneinweihung wird Commissioner Gordon erschossen. Dahinter kann nur der Bookworm stecken, den Bruce und Dick kurz zuvor auf der Brücke gesichtet haben. „This is one time we don’t wait for the Batphone!“, sagt Bruce. Statt zum Tatort fahren sie jedoch zum Polizeihauptquartier, wo sie zu ihrer Überraschung einen quicklebendigen Gordon treffen. Es war alles nur ein Trick.

Gefährliches Buch: Wem die Stunde schlägt

Kurz darauf geht draußen eine Bombe hoch: Bookworms Gefährtin hat eine explosive Ausgabe von Hemingways „Wem die Stunde schlägt“ im Batmobil deponiert. Dank des Schleudersitzes konnte das Schlimmste verhindert werden. Batman stellt fest: Ein ganz normaler Buchumschlag – aus Asbest.

2. Kapitel

Bookworm mit Komplizen

Bookworm, der sein Hauptquartier selbstverständlich in einer Bibliothek hat, bildet sich viel drauf ein, dass er jedes Buch gelesen hat und daher jeden Plan für ein Verbrechen kennt. Als ihn seine hübsche Helferin darauf anspricht, er könne bald seinen eigenen Bestseller schreiben, ist sein wunder Punkt getroffen: Er rastet aus, weil es ihm an Originalität fehlt. Dann findet er ein sehr dickes Buch über die Kunst der Selbstbeherrschung und liest es in Sekunden durch, indem er dabei mit den Händen über die Seiten streicht.

3. Kapitel

Batmobile Parachute Pickup Service

Batman und Robin machen mal wieder ihre berühmte Kehrtwende mit dem Fallschirm im Batmobil. Aber was passiert eigentlich mit dem Fallschirm auf der Straße? Robin ruft den „Batmobile Parachute Pickup Service“ und schon braust ein Bulli los, der offenbar den ganzen Tag lang nur herumsteht und auf diesen Moment wartet, um den Schirm einzusammeln. Da gehen also Waynes Millionen hin …

4. Kapitel

Schlage niemals einen Mann mit Brille.

Bookworm lockt Batman und Robin an einen Ort, wo das Bild der Brücke an eine Hauswand projiziert wird. Doch wo kommt der Projektor her? Statt der Lichtquelle zu folgen, holen sie mal wieder die Batzooka heraus und machen einen Vertikalgang. Als sie am Projektor angelangt sind, scharen sich Bookworms Handlanger um sie. Doch vorher: Bitte Brillen abnehmen. Denk dran, Robin, mahnt Batman, schlage niemals einen Brillenträger!

Batmans Lügendetektor

In einem Transporter finden sie die hübsche Komplizin des Bookworm. Batman und Robin unterziehen sie einem Lügendetektor-Test. Sie behauptet, der Bookworm wolle die Unabhängigkeitserklärung stehlen. Aber Batman durchschaut es: eine Falle. Er fährt trotzdem hin. Fragt sich nur, wozu dann der Aufwand mit dem Lügendetektor? Robin bleibt zurück mit der Schönen, beim Versuch, ihr ein Buch vorzulesen, wird er durch ein Gas ausgeknockt – englische Geschichte wirkt eben immer einschläfernd bei ihm.

5. Kapitel

Robin wird gefangengenommen und kopfüber an den Klöppel einer Glocke gehängt: Big Benjamin in Wayne-Memorial-Tower. Wenn die Stunde Mitternacht schlägt, ist es um ihn geschehen. Batman versucht mit einer Art Meditation oder Kontemplation das Unterbewusstsein des Verbrechers zu ergründen und kommt ihm auf die Spur. In letzter Sekunde hilft dann wieder die Batzooka, mit der Batman die Glocke magnetisch auflädt und so den Schlag verhindert …

6. Kapitel

Bookworm überfällt Wayne Manor und stiehlt ein altes Kochbuch. Daraufhin stellt er in Gotham ein riesiges Kochbuch mitten auf die Straße. Batman warnt die Schaulustigen: Vorsicht, die Rezepte in dem Buch könnten explosiv sein. Mit dem Energieradar stellt er fest: das Buch ist hohl. Mit dem Batmagneten öffnet er es.

In dem Riesenbuch steckt eine Küche. Eine Todesfalle. „We are trapped inside a cook book.“ Die Polizei naht heran, versucht, die beiden Helden zu befreien. Kann man sich ein tragischeres Ende vorstellen, fragt Gordon?

Batman und Robin in Teufelsküche

Doch als man glaubt, die Helden könnten verdampft sein, sind die bloß abgedampft zur Bibliothek, wo sie Bookworms Schergen zusammenschlagen. Der Anführer versteckt sich in einer Mülltonne. Batman und Robin trommeln ein wenig darauf herum …

Doppel-Drumsolo mit Batman und Robin.

… und der Bookworm ist K.O. Diese Büchernerds sind eben doch nur Weichlinge.

Bookworm in der Tonne

>> Liste der Batman-Episoden

Wenn Krypton nicht explodiert wäre

DC Comics

Titel: Superman’s Other Life

Autor/Zeichner: Otto Binder/Wayne Boring

Erschienen: 1959 (Superman #132), Paperback 1987/2006 (The Greatest Superman Stories Ever Told; Superman: The Greatest Stories Ever Told Vol. 2.)


Batman und Robin wollen sich mit einem Geschenk bei Superman bedanken. Aber was schenkt man einem Mann, der alles hat? Sie schenken ihm ein Was-wäre-wenn-Szenario. Mittels eines Computers zeigen sie ihm auf einem Bildschirm, wie es gewesen wäre, wenn Krypton nicht explodiert wäre. Die Bilanz fällt so ernüchternd aus wie meistens bei solchen Imaginary- oder Elseworld-Storys: Im Grunde liefe es fast aufs Gleiche hinaus.

Zwar überleben seine Eltern und kriegen noch ein Kind, aber beide sterben später bei einem Unfall. Es gäbe zwar keinen Superman, aber dafür den Superhelden Futuro. Zwar hätte Kal-El keine Kräfte, er wäre nur ein Sidekick á la Jimmy Olsen, aber dafür trüge er schon das bekannte Superman-Kostüm (das S stünde für „Spaceman“). Und ganz am Ende bekäme Kal-El doch Superkräfte und den Namen Superman.

Bemerkenswert ist, dass auch Lois Lane den Weg in diese Geschichte schafft. Raumfahrer von der Erde, die eigentlich zum Mond fliegen wollten, sind buchstäblich über ihr Ziel hinausgeschossen und auf Krypton gelandet. Lois, wie es ihre liebenswerte Art ist, hat sich (ohne Raumanzug) an Bord geschlichen. Wie man es von ihr ebenfalls kennt, verliebt sie sich in den Helden. Aber das ist auf Krypton Futuro.

Daran offenbart sich ihr ein nicht ganz liebenswerter Charakterzug: Sie steht nicht wirklich auf Superman, sondern bloß auf seine Kräfte – und vielleicht auch den Fame. Im Gegensatz zu Superman fackelt Futuro nicht lange. Kaum hat er Lois getroffen, macht er ihr einen Antrag und fliegt mit ihr zur Erde zurück, weil er ihr jeden Wunsch erfüllt. Da spielt es auch keine Rolle, dass die Frau schon am ersten Tag für Chaos sorgt. Egal: Lois hat ihn in der Tasche und Kal-El bleibt allein zurück – aber als Superman. (Den Namen hat er sich ganz allein ausgedacht.)

Diese Story, die ein ganzes Superman-Heft füllt, (25 Seiten), zeigt uns also nicht nur, wie es auf Krypton zugeht (kein Krieg, keine Krankheit, Bildung mittels Gedankenübertragung), sondern vor allem, wie Superhelden-Comics funktionieren. Egal, wie es kommt, es endet im Wesentlichen immer gleich. Die Leser können sich auf den Status quo verlassen. Das ist beruhigend und tragisch zugleich, denn es bedeutet auch: immerwährende Langeweile.

>> Liste der Superman-Comics

Selina Kyle wird Schönheitskönigin

Catwoman im Golden Age (Teil 17)

DC Comics

Titel: The Sleeping Beauties of Gotham City

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1954 (Batman #84)


„And don’t underestimate her, just because she’s a woman!“ (Robin)

Ein Nachtrag: In 16 Folgen habe ich bisher die Abenteuer von Catwoman im Golden Age vorgestellt, eine Folge habe ich mir für Weihnachten aufgespart, aber eine habe ich übersehen. Sorry, das möchte ich hier nachholen. (Falls einem noch eine einfällt, bitte schreibt mir!)

Nach ihrer Rückkehr zum Verbrechen ist Catwoman wieder da. Diesmal kündigt sie sich doppelt an: Als Catwoman lässt sie Katzen-Scherenschnitte vom Himmel fallen, als Selina Kyle kandidiert sie als Schönheitskönigin von Gotham. Und sie hat auch ihre Tierhandlung wieder eröffnet. Warum nehmen Batman und Robin sie nicht fest? Angeblich, weil sie ihr nicht beweisen können, dass sie Catwoman ist. Die Erklärung überzeugt nicht ganz, aber sei’s drum …

Es geht das übliche Katz- und Fledermaus-Spiel los. Diesmal führt es zunächst ins Musik-Museum, wo (wie immer) riesige Musikinstrumente aufgebaut sind, die natürlich voll funktionstüchtig sind, obwohl niemand auf ihnen spielen kann – außer man ist ein Superheld auf Verfolgungsjagd. Man läuft ein bisschen über die Tasten eines Klaviers (wie Katzen es gerne tun), man tritt auf ein Pedal, um Catwoman in der Hi-Hat eines Schlagzeugs einzuklemmen (ohne Schäden) und sie lässt eine Riesenharfe auf Batman fallen.

Später fällt Selina Kyle einer mysteriösen Schlafkrankheit zum Opfer und präsentiert sich wie Schneewittchen in einer Glasvitrine in ihrer Tierhandlung. Kurz darauf fallen auch die anderen Kandidatinnen des Wettbewerbs in Tiefschlaf. Als Batman der Schurkin auf die Schliche kommt, denkt sie sich eine besonders kreative Todesfalle für ihn aus: eine Riesensaftpresse.

Batman mit Saftpresse und Panthern. (DC Comics)

Kein Witz. In einer Messe für Haushaltswaren stellt sie Batman auf eine Riesensaftpresse und setzt drei Panther darunter. Sie können nicht rauf, er kann nicht runter. Was tun? Batman tritt die Presse aus Glas mit seinem Stiefel ein und flieht durch das Loch.

Am Ende wacht Selina auf, wird als einzige Kandidatin zur Schönheitskönigin gekürt – und warum? Der ganze Aufwand nur, um Diamanten zu schmuggeln. Und wie konnte sie zeitgleich in der Vitrine liegen und Catwoman sein? Ganz klar: Mittels 3-D-Projektion. Diese Idee würde man den Autoren selbst heute nicht abkaufen.

>> Liste der Catwoman Comics

Catwoman will Batman heiraten

Catwoman im Silver Age: Teil 2

Batman #197

DC Comics

Titel: The Catwoman Sets Her Claws For Batman

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Frank Springer

Erschienen: 1967 (Batman #197)


Als Catwoman nach 13 Jahren wieder in einer Batman-Comic-Serie auftaucht, hat sie nicht nur ein neues Kostüm, ganz grün und schuppig, sondern auch neue Ambitionen. Sie versucht sich erneut auf der guten Seite des Gesetzes und bekämpft Ganoven mit ihrer Peitsche. Batman und Robin wissen nicht, wie ihnen geschieht, ganz besonders dann nicht, als Catwoman ihnen aus der Klemme hilft. Sie hat es schon einmal ehrlich versucht (The Secret Life of the Catwoman) und ist gescheitert (The Crimes of the Catwoman). Ist ihr diesmal zu trauen?

Nein. Denn Catwoman hat keine edlen Absichten, sondern will nur Batman beeindrucken, damit er sie heiratet. Vielleicht liegt es an dieser etwas eigenwilligen Logik, dass Batman es selbst dann nicht versteht, als Catwoman alle Diskretion in den Wind schlägt und ihn fragt, wann er sich ihr anschließt und ihr einen Antrag macht. Batman sagt, er sei ganz zufrieden mit der Situation und sagt später zu Robin: „I don’t want to sound egoistical, Robin–but I’ve come to the conclusion that Catwoman is in love with me!“ Robin daraufhin: „Of course she is! Everybody knows that–but you!“ So viel zum besten Detektiv der Welt …

Catwoman hat aber noch ein anderes Problem: Batgirl. Selina ist eifersüchtig auf Barbara, dass sie Batman bei der Verbrechensbekämpfung hilft, und Catwoman versucht, sie in Misskredit zu bringen. Am Ende aber beweist Batgirl ihre Kompetenz, indem sie sich, Batman und Robin aus Catwomans Falle befreit und die Schurkin überwältigt.

Batgirl stellt zum Schluss unmissverständlich fest, dass sie kein romantisches Interesse an Batman habe. Catwoman bezweifelt das. Aber hätte sie das von Anfang an gewusst, meint Batman, dann wäre ihr die Mühe erspart geblieben. Das mit der Liebe hat er immer noch nicht verstanden …

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Schwach trotz Superkräften

DC Comics

Titel: Super Powers

Autor/Zeichner: Marc Guggenheim/Jerry Bingham

Erschienen: 2010-2011 (Batman Confidential #50-54), Paperback 2018


Man soll ja Bücher nicht nach ihrem Umschlag beurteilen, aber bei diesem Cover fällt es schwer. Batman umarmt eine leichtbekleidete Frau von hinten, ihre Brüste fallen fast raus, das hat schon etwas von den Nackenbeißern, den berüchtigten Kitsch-Groschenromanen. Im Vordergrund stehen seltsamerweise drei völlig unbekannte, asiatisch anmutende Superhelden, die irgendwelche viereckigen Dinger herumwerfen.

Naja, geben wir dem mal eine Chance. Doch der Inhalt überzeugt genau so wenig. Erzählt werden parallel zwei Geschichten aus Batmans Anfangszeit. In der Vergangenheit sehen wir den jungen Bruce Wayne auf seinen Wanderjahren in Asien, in der Gegenwart versucht er aufzuklären, was es mit der vertrockneten Frau auf sich hat, die ihm tot in die Hände fällt – eine von 26 Vermissten. Batman trifft hier zum ersten Mal die Justice League, die aus Wonder Woman, Green Lantern, Flash, Aquaman und Martian Manhunter besteht.

Natürlich hat er zunächst keine Lust auf den Haufen. Es geht darum, dass sich der Einzelgänger Batman als Teamplayer beweisen muss. Doch in den Rückblenden erfahren wir, dass schon der junge Bruce sich einem chinesischen Superheldenteam anschloss und neben Superkräften ein Kostüm bekam. Als „Dark Night“ bekämpften sie einen hünenhaften Despoten. Batman wird scheinbar zum Mörder …

In der Gegenwart geht es um grüne Männchen mit roten Augen. Ein alienhaft wirkender Wissenschaftler will Menschen nach seinem Bilde formen. Das Beste an dieser Story ist ein Kapitel, in dem erzählt wird, wie die Justice League zum ersten Mal auf das Wesen traf. Das Kapitel ist nämlich im Stil der ersten Justice League-Comics aus den 60er Jahren erzählt. Aber abgesehen von dem gelungenen Retro-Charme ist dem Heft nichts abzugewinnen.

Zwar geben sich die Illustratoren Mühe, die Rückblenden mit Wasserfarben aufzuwerten, aber viel zu oft werden die beiden Erzählstränge so stark parallel geführt, dass man oft den Eindruck bekommt, hier wird zweimal dieselbe Geschichte erzählt. Immer wieder ähneln sich die Panels, während der Text ebenfalls zu Wiederholungen neigt und krampfhaft Bezüge zueinander herstellt. Hier hat man es mit dem Willen zu künstlerischen Übergängen etwas zu gut gemeint. Der Comic wirkt so elegant wie eine Holzschnitzerei mit einer Axt.

Und auch wenn man hier scheinbar zwei Storys zum Preis von einer bekommt: Keine ist besonders interessant, vielmehr wirken beide wie aus Schundromanen. (Allerdings kommt es zu keiner Romanze, wie auf dem Cover angedeutet wird.) Dabei geht es hier auch um Batmans Skepsis gegenüber dem Übernatürlichen. Das ist ein interessantes Thema, aber hier wird es verschwendet für eine unausgegorene Mischung aus Nebenschauplätzen ohne klaren Fokus.