Knightfall #3: Das erste Vorspiel

DC Comics

Knightfall beginnt nicht erst mit Batmans Kampf gegen Bane. Das Besondere daran ist, dass das unerhörte Ereignis gut vorbereitet wird – und zwar mit langem Vorlauf. Nachdem Azrael (Jean-Paul Valley) und Bane eingeführt wurden, wurde Batman geschwächt. Das geschah zunächst in den Ausgaben Batman #484-490  (1992-1993).

Zu Beginn lässt Black Mask seine Gang an mehreren Orten Feuer legen – ein Rachefeldzug gegen Bruce Wayne, denn Roman Sionis gibt ihm die Schuld dafür, sein Unternehmen verloren zu haben. Batman tut sich schwer damit, ihm auf die Spur zu kommen. Lucius Fox wird entführt. Dann schleust sich Batman undercover in die False Face Society ein. Als Skullface gelingt es ihm, die Gang zu zerschlagen, aber Black Mask entkommt ihm.

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Batman sieht sich gescheitert, was ihn noch mehr runterzieht. Er hat schon während des Falls Ermüdungserscheinungen gezeigt, hat kaum geschlafen und sich zur Höchstleistung angetrieben. Im Nachgang schont er sich nicht, sondern versucht, sein Versagen wiedergutzumachen. Sein Zustand bessert sich nicht, als er es mit einem gestachelten Freak namens Metalhead zu tun bekommt. Dann muss er auch noch ein Attentat auf Commissioner James Gordon verhindern.

Bruce Wayne geht zum Arzt. Dieser versichert ihm, es gehe ihm körperlich gut, nur psychisch nicht. Batman leidet unter einer Art Burnout – all die Strapazen haben ihre Spuren hinterlassen. Schließlich sucht er sich Hilfe bei der Psychiaterin Shondra Kinsolving, die es mit einem ganzheitlichen Ansatz versuchen will: Medikamenten und Gesprächen. Bruce legt sich ins Bett, träumt aber schlecht.

In Batman #489 tritt Bane erstmals öffentlich auf. Zugleich ist es auch das erste Mal, dass Jean-Paul Valley das Batman-Kostüm anzieht, während Bruce Wayne sich auszuruhen versucht. Nach einem ersten Training mit Robin, das er in einem schwarzen Kostüm (mit seltsamen Kopf-Fransen, vgl. Metalhead) absolviert, muss sich der Neuling gegen einen durchdrehenden Killer Croc beweisen. Doch das geht schief, er steckt mächtig Prügel ein. Da erscheint Bane und bricht Croc den Arm. Er besiegt ihn, um seine Würdigkeit zu beweisen. Mehr noch: Bane durchschaut, dass nicht der wahre Batman im Kostüm steckt.

Der wahre Batman kommt eine Ausgabe später wieder (Batman #490), obwohl noch längst nicht fit, und lässt sich auf den Riddler ein. Doch dem wird von Bane die Droge Venom verabreicht. Batman muss zweimal gegen einen „aufgepumpten“ Edward Nigma kämpfen, der mit seinen Aktionen die Stadt zu terrorisieren versucht. Schließlich sind es die Bane-Schergen Bird, Zombie und Trogg, die den Riddler zu Fall bringen, indem sie ihn anschießen.

In Batman #491 schließlich befreien Bane und seine Gang die Arkham-Insassen, was offiziell zwar auch noch zum Vorspiel zählt, aber womit die tatsächliche Handlung von Knightfall einsetzt; daher ist die Ausgabe auch in Band eins des Paperbacks von 2012 enthalten. Die Ausgaben 484 bis 490 sind erstmals gesammelt im Knightfall Omnibus Vol. 1 enthalten. Und man sollte sie unbedingt lesen, wenn man die ganze Story erfassen will. Denn sie zeigen nicht nur, dass Batman schon vor Banes Intervention psychisch zusammenbricht, sondern sie führen auch wichtige Figuren wie Dr. Kinsolving ein und erklären, wie Killer Croc zu seinem gebrochenem Arm kam und wie sich Bane in Batmans Leben einschleicht.

Wer noch früher ansetzen will, sollte auch Batman #386, Detective Comics #553 und Batman #387 lesen (in dieser Reihenfolge) – darin wird nämlich Black Mask eingeführt.

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Wie Black Mask in die Welt kam

Titel: Black Mask: Losing Face/The False Face Society of Gotham/Ebon Masquery

Autor/Zeichner: Doug Moench/Tom Mandrake, Klaus Janson

Erschienen: 1985 (Batman #386, Detective Comics #553, Batman #387)


„Know that the mask destroys one identity while creating another. Know that the mask recreates its wearer.“ (Black Mask)

Batman ist auch eine Geschichte über Identitäten, über Gesichter und Masken. Batmans wahre Identität ist zwar Bruce Wayne, aber nur an der Oberfläche. In Wahrheit ist Wayne nur eine Maske, während die Batman-Maske sein wahres Gesicht ist. Und dennoch bedeckt seine Maske nur das halbe Gesicht, seine Mundpartie bleibt (meist) frei. Wir haben es also nur mit einer halben Maske zu tun. Batman ist eben nur zur Hälfte Fledermaus. Und damit ist er so gespalten wie Two-Face – und nicht mehr als ein Zerrbild wie Joker oder Clayface.

1985 kam ein neuer Schurke auf, der diese Masken-Thematik neu aufgriff: Black Mask (Roman Sionis). Erzählt wird seine Geschichte ganz altmodisch, nämlich von Anfang an, wie etwa bei Scarecrow. Es beginnt damit, dass Roman Sionis gleich nach der Geburt fallengelassen wird. Nur ein Versehen macht den Tag der Geburt gleich zum einem fatalen Datum, das sein restliches Leben bestimmt. Denn Roman wird ein Kind, das nie Gefühle zeigt, sondern bloß falsche Gesichter aufsetzt, um so zu tun als ob.

Dabei hat Roman sonst alles, was er braucht, denn seinen Eltern gehört der Kosmetikhersteller Janus. Als Erwachsener verliebt er sich in das Model Circe und stellt es ein, doch als seine Eltern gegen die Verbindung sind, ermordet er sie durch Brandstiftung. Er übernimmt das Unternehmen und richtet es mit iditotischen Entscheidungen zugrunde. Nachdem es wegen eines gesichtsschädigenden Make-ups vielfach verklagt wird, übernimmt Wayne Enterprises Janus.

Der verbitterte Roman Sionis schnitzt sich in der Familiengruft eine schwarze Maske aus dem Ebenholz-Sarg seines Vaters, macht ein paar Gauner zu seiner maskentragenden False Face Society und geht auf Rachefeldzug. Seine ehemaligen Vorstandskollegen werden mit Masken getötet, die mit dem zerstörerischen Make-up bestrichen sind, dann müssen auch die amtierenden Vorstandsmitglieder dran glauben. Black Mask entstellt Circe. Schließlich soll auch Bruce Wayne sterben – Sionis kannte ihn schon als Kind.

Batman lockt ihn in eine Falle, indem er ihn als Bruce Wayne zu einem Maskenball einlädt. Am Ende, nachdem Roman seine Kuscheltiere abfackelt, brennt sich die Maske in sein Gesicht – und Black Mask ist fürs Leben entstellt.

Black Mask hat eine Ideologie: die Maske dient als Mittel zur Reinkarnation. Sie zerstört die alte Identität und erschafft eine neue. Autor Doug Moench lässt sich viel Zeit, um seine Motivation zu erklären, eine ganze Ausgabe lang wird die tragische Vorgeschichte ausgebreitet. Aber wie so oft übertreibt er maßlos, wenn der junge Roman zum Beispiel inspiriert wird von einem Waschbär – weil der scheinbar eine Maske trägt. Dieses Waschbär-Motiv zieht sich durch die ganze Geschichte und wird damit überzogen, weil es schon am Anfang zu bemüht wirkt.

Bei aller Liebe zur Exposition – die Story erschöpft sich leider darin. Es folgt eine Reihe von Grausamkeiten, aber Empathie verspürt man bei diesem Rachefeldzug nicht für den Schurken. Denn er rächt sich für etwas, das er selbst zu verantworten hat. Roman Sionis ist ein unsympathischer Irrer, der sich bloß von seinen emotionalen Kurzschlüssen leiten lässt und das macht sein Verhalten schwer nachvollziehbar. Sein Ende kommt abrupt, denn er ist nicht einmal ein besonders gewiefter Gegner für Batman. Interessanter wird Black Mask erst später: im Vorspiel zu Knightfall, in War Games und Under the (Red) Hood.

Superman und der Flaschensammler

DC Comics

Titel: The Super-Duel in Space!

Autor/Zeichner: Otto Binder/Al Plastino

Erschienen: 1958 (Action Comics #242)


Brainiac gehört neben Lex Luthor zu Supermans Erzschurken. Ihr erstes Aufeinandertreffen stellte Superman bereits vor eine große Herausforderung und involvierte ihn auch stark persönlich.

Wie immer beginnt es damit, dass Lois und Clark gemeinsam unterwegs sind. Diesmal dürfen sie mit einem neuen Raumschiff mitfliegen. Kaum im All, kommt schon eine fliegende Untertasse, die sie beschießt. Clark pflegt wieder sein Image als Feigling und haut in einem Raumanzug ab, kurz darauf erscheint Superman und rettet das Raumschiff vor den Strahlen.

Aber das Alien Brainiac hat ohnehin Besseres zu tun: Städte klauen. Zuerst Paris, dann Rom, New York und so weiter. Alle großen Städte werden verkleinert und auf dem Raumschiff in großen Flaschen verstaut. Brainiac entführt die Menschen, weil seine Spezies durch eine Seuche ausgerottet wurde und er seinen Planeten wieder besiedeln will.  Warum er nicht einfach auf der Erde um Asyl bittet, bleibt unklar. Oder vielmehr glasklar: Sonst gäbe es die Geschichte nicht und Superman wäre um einen Schurken ärmer.

Als Brainiac sich im All kurz die Füße vertritt, greift Superman an – aber vergebens, denn Brainiac hat einen undurchdringlichen Schutzschild. Auch sein Raumschiff bleibt unbeschädigt, obwohl Superman so ziemlich alles danach wirft, was im All herumtreibt. Dann hat er die Idee: Er kehrt nach Metropolis zurück, lässt sich mit der Stadt verkleinern und an Bord des Schiffes holen.

Der kleine Superman bricht aus, versteckt sich in einer anderen Flasche und stellt fest, dass er in Kandor ist – der ehemaligen Hauptstadt seines Heimatplaneten Krypton. Dank eines Wissenschaftlers und eines metallfressenden Riesenmaulwurfs entkommt er und während Brainiac schläft, bringt Superman die Städte wieder zurück auf Normalgröße und auf die Erde.

Am Ende steht er vor der Entscheidung, entweder sich selbst oder Kandor wieder groß zu machen, aber der Wissenschaftler nimmt ihm die Entscheidung ab und Kandor bleibt klein. Superman bringt die Flaschenstadt in seine Festung der Einsamkeit. Die Wiederherstellung wird vertagt. Und der Superman-Mythos ist nicht nur um einen Schurken reicher, sondern auch um das wichtigste Souvenir.

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Batman auf der Anklagebank

Joker als Richter

Titel: Trial (dt. Der Prozess)

Drehbuch/Story: Paul Dini, Bruce Timm

Erschienen: 1994 (Batman: The Animated Series S02E03)


„Ich persönlich war ja mehr für einen Schuss zwischen die Augen, verlor aber beim Münzenwerfen.“ (Two-Face)

Die neue Bezirksstaatsanwältin, Janet Van Dorn, ist kein großer Fan von Batman. Sie will ihn aufhalten. Doch bevor es dazu kommen kann, wird sie von den Schurken nach Arkham entführt. Dort haben die Irren die Anstalt übernommen und halten einen Schauprozess über Batman ab. Joker als Richter, Two-Face als Staatsanwalt, die restliche Rogues Gallery als Geschworene. Van Dorn soll ihn verteidigen. Sie spielt mit – auch wenn das Spiel keinen Sinn ergibt, weil die Verrückten ohnehin tun, was sie wollen.

Verteidigung und Geschworene

Die Anklage: Batman hat Joker und Co. zu dem gemacht, was sie sind. Van Dorn kann das zwar widerlegen, die Geschworenen sprechen Batman frei – und trotzdem wird er verurteilt. Bevor er hingerichtet wird, soll er demaskiert werden, aber da erweist sich die Verteidigerin als Retterin in der Not.

Demaskierung vor der Hinrichtung

Die Episode hat einige witzige Situationen und starke Momente. Aber die größte Stärke dieser Folge besteht nicht nur im Spaßfaktor völligen Irrsinns und in dem All-Star-Ensemble der Schurken, sondern auch, dass die Figuren sehr kritisch hinterfragt werden – genauso wie Batman selbst. Dass am Ende nicht nur Van Dorn, sondern auch Batman für eine Stadt ohne Batman kämpfen wollen, ist ein perfekter Abschluss: Batman ist die Verneinung seiner selbst. Er ist da, um sich überflüssig zu machen.

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Knightfall #2: Sword of Azrael

DC Comics

Knightfall dreht sich um drei zentrale Figuren: Den Helden Batman (Bruce Wayne), den Schurken Bane und Batmans Nachfolger, Jean-Paul Valley. Die Figur wird noch vor Bane eingeführt: in der vierteiligen Mini-Serie Sword of Azrael (1992-1993).

Azrael ist zunächst ein Typ in einer aufgemotzten Ritterrüstung, der mit brennendem Schwert das Werk eines Racheengels auszuführen versucht. Als Anhänger eines mysteriösen Geheimbundes ehemaliger Kreuzritter (St. Dumas) will er den Verräter Carlton LeHah bestrafen, doch stirbt selbst dabei. Er kann sich gerade noch zu seinem Sohn schleppen, Jean-Paul Valley, und ihm noch genug sagen, um sein Erbe anzutreten. Jean-Paul fliegt in die Schweiz und erfährt, dass er schon als Kind indoktriniert wurde, um ein neuer Racheengel zu werden. Batman reist hinterher, Carlton LeHah hat dreht durch, hält sich für einen Diener des Dämons Biis und beginnt damit, ein Ordensmitglied nach dem anderen zu töten.

Der neue Azrael kämpft zwar zunächst gegen Batman, dann aber verbünden sie sich, um LeHah aufzuhalten – bis Batman vom Schurken entführt wird, um Bruce Wayne von seinem Vermögen zu erleichtern. Er wird gefoltert und unter Drogen gesetzt, aber Batman bleibt bis zuletzt hart. Schon vorher tritt Batman großkotzig auf, haut einen markigen Spruch nach dem anderen raus. Damit fällt er zwar etwas aus der Rolle, aber immerhin sorgt er für ein paar Schmunzler.

Jean-Paul Valley ist ein verwirrter junger Mann, der zunächst nicht weiß, wie ihm geschieht, dann eine wundersame Wandlung zum willenlosen Racheengel macht, sobald er seine Maske überzieht, und sich rücksichtslos nur um Rache kümmert. Am Ende aber gewinnt doch seine menschliche Seite und er rettet Batman.

Dennis O’Neil erzählt eine rasante, actionreiche und spannende Geschichte, Zeichner Joe Quesada inszeniert die Story mit einem präzisen Stil und ausdrucksstarken Figuren. Um die Figur Azrael/Jean-Paul Valley besser zu verstehen, sollte man dieses Vorspiel zu Knightfall nicht auslassen. Nach der Lektüre bleiben nur zwei Fragen offen: Wozu braucht Azrael ein Feuerschwert und was sind das für seltsame Streifen, die von seinen Schultern abstehen? Wahrscheinlich gibt es dafür nur eine Antwort: Weil es cool aussieht.

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Superman und der Krieg

Als Superman in die Welt kommt, hat sie ihn nötig: In Spanien tobt der Bürgerkrieg, über China fallen die Japaner her, die Briten bekämpfen den Arabischen Aufstand in Palästina – und in Europa erwartet man den Ausbruch eines weiteren Kriegs. Mit dieser Realität haben die Comics zwar nichts zu tun, aber sie hinterlässt dennoch Spuren in ihnen.

Kurz nachdem im September 1939 der Zweite Weltkrieg in Europa ausbricht, sieht man auf den Covern von Action Comics (#17, 19, 21), wie Superman Panzer und Kanonen zerlegt. Eine Aussage über konkrete politische Ereignisse steckt dahinter noch nicht. Schweres Kriegsgerät ist zunächst hervorragend geeignet, um die ungeheure Kraft des Helden darzustellen. Aber auch seinen Pazifismus.

Superman ist von Anfang an der Retter der Unterdrückten, ein Symbol für Gerechtigkeit – und ein klarer Kriegsgegner. Schon in seinem zweiten Abenteuer (Action Comics #2, 1938) reist er in das fiktive südamerikanische Land San Monte und beendet dort den Bürgerkrieg. Zunächst geht es nur darum, einen Waffenhersteller zu bekehren, indem Superman ihm das Grauen des Krieges zeigt. Superman rettet aber auch Lois vor einer standrechtlichen Erschießung, nachdem sie fälschlicherweise wegen Spionage verurteilt worden ist, er befreit Soldaten vor der Folter und bringt ein Kampfflugzeug mit bloßen Händen zu Fall. Schließlich zwingt er die beiden verfeindeten Generäle, ihren Konflikt zu zweit auszutragen, aber als ihnen klar wird, dass sie gar nicht mehr wissen, warum sie sich bekämpfen, beschließen sie, Frieden zu schließen.

Superman bekehrt einen Waffenhersteller (Action Comics #2)

Aber das ist nur eine Seite der Geschichte. Denn Superman mag vielleicht Pazifismus als Ziel anstreben, ein Mittel ist er für ihn nicht. Er wendet zum Teil drastische Gewalt an, bei der Menschen zumindest verletzt werden. Den Folterer wirft er so weit, dass er zumindest schwere Verletzungen davontragen muss, der Pilot des abgestürzten Flugzeugs dürfte auf jeden Fall sterben. Für Superman offenbar kein Problem, er verliert kein Wort darüber.

Krieg in Europa

Eisernes Kreuz? Lois und Clark bei General Lupo

Ein Jahr später greift Superman im Zweiteiler „War in Europe“ (Action Comics #22-23, 1940) in einen bewaffneten Konflikt zwischen den fiktiven Staaten Toran und Galonia ein. Clark Kent und Lois Lane werden als Reporter hingeschickt, nachdem Toran über Galonia hergefallen ist. Lois sagt naiv, sie hätte sich schon lange auf Urlaub gefreut, doch schon bald fallen – wie Clark es voraussagt – Bomben auf sie.

Superman sorgt für Kollateralschäden

Superman beweist seine ganze Kraft, indem er den Bomber vom Himmel holt, er wirft einen Torpedo zu seinem U-Boot zurück und eine Kanonenkugel zurück zu seinem Geschoss. Wieder fliegen die Soldaten durch die Gegend – ob verletzt oder tot, man erfährt es nicht. Später schießt Superman zwei Flugzeuge mit einem Maschinengewehr ab, weitere bringt er wieder mit bloßen Händen zum Absturz. Man sieht zwar einmal einen Fallschirm, aber die meisten Soldaten dürften dabei draufgegangen sein. Wieder kein Wort des Bedauerns.

Herrsche und teile: Luthor schießt grüne Strahlen

Superman findet heraus, dass einer der Generäle (Lupo) beeinflusst wird von einem Schurken namens Luthor – es ist der erste Auftritt des späteren Erzfeindes. Der erscheint zunächst als ein riesiges Gesicht in einer Felswand. Superman droht Lupo zunächst an, ihm seinen Kopf einzuschlagen, wenn er ihm nicht sagt, wer Luthor ist, aber dann schießt Luthor grüne Strahlen aus seinen Augen, die den General zerteilen. Gegen Superman können sie jedoch nichts ausrichten.

Luthor mit Reichsadler?

Als Clark Kent später die Kriegsparteien darüber informiert, dass Luthor hinter dem Krieg steckt, glauben sie ihm nicht. Luthor versucht, Kent zu elimieren, nimmt aber dann mit Lois Lane vorlieb. Luthor entführt sie in sein schwebendes Versteck, das an einem riesigen Luftschiff hängt. Der rothaarige Schurke in der roten Robe schürt den Krieg, um die Nationen zu schwächen und die Weltherrschaft zu erlangen. Er beschießt Superman wieder mit den grünen Strahlen, die ihn zwar nicht verletzen, aber schwächen – ein Vorläufer von Kryptonit. Superman bringt schließlich den Zeppelin zu Fall. Auch hier müssen wieder etliche Menschen sterben, ohne dass das thematisiert wird. Schließlich aber kann Superman erneut einen Krieg beenden.

Superman gegen Hitler

Superman greift sich Hitler

Im Februar 1940, zehn Monate vor dem Angriff auf Pearl Harbor, erschien eine zweiseitige Geschichte im Look Magazine: „How Superman Would End the War“. Zwei Seiten reichen, denn Superman macht kurzen Prozess: Zuerst verbiegt er die Kanonen der Nazis, dann schnappt er sich Hitler und Stalin und stellt sie vor Gericht. Der Zweite Weltkrieg, der erst im wahren Leben vor einigen Monaten begonnen hat, wäre auf einen Schlag vorbei.

Stalin und Hitler werden für Kriegsverbrechen verurteilt

Aber das ist nur ein Was-wäre-wenn-Szenario. Denn in Wahrheit fängt der Krieg erst an und ihn Superman tatsächlich beenden zu lassen, das wäre eine vermessene Fantasterei. Aber Superman im Zweiten Weltkrieg kämpfen zu lassen, wäre auch deshalb ungünstig, weil er ihn einfach zu schnell beenden könnte. Die US-Soldaten wären ziemlich überflüssig – und so konnte Superman sie als wahrer Patriot nicht dastehen lassen.

Superman machte sich dennoch im echten Krieg nützlich, indem er für die Propaganda eingesetzt wurde. Auf den Covern warb er (so wie Batman und andere Helden) für den Kauf von Kriegsanleihen, um die eigenen Streitkräfte zu unterstützen. Superman schwenkte die US-Flagge, zeigte sich Seit‘ an Seit‘ mit Soldaten, nannte sie die „true Supermen“, Superman erschreckte Nazis, zerlegte feindliche Panzer, Kampfflugzeuge und U-Boote mit bloßen Händen.

Auf dem Cover von Superman #17 (1942) ging es Hitler und dem japanischen Kaiser Hirohito an den Kragen, später auch Goebbels.

Im Golden Age war Superman noch eindeutig der Gute. Auch wenn er sich über etwaige Kollateralschäden keine Sorgen machte. Das änderte sich im Laufe der Zeit: Superman tötete nicht. Und wenn doch, dann nur mit größten Skrupeln. Vier Jahrzehnte später war seine Rolle nicht mehr so eindeutig, jedenfalls abseits der Continuity. In The Dark Knight Returns (1986) diente er tatsächlich als Kriegswaffe für die USA, er wendete einen nuklearen Erstschlag ab und danach kämpfte er auf Geheiß des Präsidenten gegen Batman.

Dass Superman seine Kräfte genauso gut auch zum Nachteil der Menschheit einsetzen könnte, wurde 2003 in der Elseworlds-Story Red Son durchgespielt. Superman wird darin zu einem totalitaristischen Herrscher der Sowjetunion – und Luthor sein Widersacher für die Freiheit. Zum Weltdiktator wurde Superman schließlich in der Comic-Adaption des Games Injustice. Frieden wird zum Zwang – und das führt wieder zum Krieg.

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Mord ohne Stil

Batman mit Haken

Titel: Gotham by Gaslight

Drehbuch: Jim Krieg

Erschienen: 2018 (Direct-to-Video)


„Make something else. Something better.“ (Batman)

Der Comic Gotham by Gaslight ist ein Klassiker. Nicht nur, weil Batman gegen Jack the Ripper kämpfte, nicht nur, weil es die erste Elseworlds-Story war (wenn auch noch nicht unter diesem Label), sie war auch stilistisch einzigartig, dank Mike Mignolas noiresken, sperrigen Zeichnungen. 30 Jahre später ist ein Film daraus geworden und – na ja … ein Klassiker wird der definitiv nicht.

Die Produzenten geben sich Mühe, der Vorlage gerecht zu werden, auch wenn sich die Story nur grob daran orientiert: Jack the Ripper tötet Frauen in Gotham, Batman jagt ihn, wird selbst verdächtigt, schließlich wird Bruce Wayne verhaftet.

Wie schon beim Film The Killing Joke wird die Vorlage um einige Figuren und Plot-Elemente erweitert, was hier aber besser gelingt. In Gotham findet eine Weltausstellung statt, das ist aus der Fortsetzung Master of the Future entlehnt. Es gibt einen großen Showdown auf einem Riesenrad. Selina Kyle wird zu einer wichtigen Nebenfigur, die zwar mit Peitsche kämpft (Zirkusfrau), aber nie in ein Katzenkostüm schlüpft. Poison Ivy hat nur einen kurzen Auftritt – als erstes Mordopfer. Hugo Strange ist ein Verdächtiger, bis er von Arkham-Insassen zerrissen wird (so buchstäblich wie unnötig). Harvey Dent bleibt eingesichtig, auch wenn ihm eine Nähe zu Jekyll und Hyde nachgesagt wird, schließlich wendet er sich gegen seinen einstigen Freund.

Die Auflösung überrascht und funktioniert sogar ganz gut, auch wenn sie keinen so starken persönlichen Bezug zu Bruce Waynes Biografie mehr hat wie in der Vorlage. Der Mörder offenbart sich als fanatischer Frauenhasser, der sogar seine eigene Frau auf seiner Seite hat. Das ist aber auch schon das im besten Sinne Gruseligste an dem Film.

Jack und Selina im Schlachthaus

Der Film ist ziemlich brutal geworden – so brutal so ein Mainstream-Animationsfilm in den USA eben werden kann. Es wird viel gemetzelt, es fließt reichlich Blut, es gibt etwas Erotik und das alles in einer schaurigen Kulisse. (Eine Schlachthaus-Szene erinnert an Guy Ritchies Film Sherlock Holmes.) Und trotzdem wirkt dieses Gotham des späten 19. Jahrhunderts zu sauber und steril. Ich werde einfach nicht warm mit dem glatten Animationsstil, der stilistisch kaum eigene Akzente setzt. Nur in den Kampfszenen kommt Tempo und Dynamik auf, aber das Ganze wirkt trotzdem zu routiniert.

 

Wer steckt hinter der Maske?

Batman sieht zwar aus wie im Comic (man sieht seine Augen), aber er wird nicht gerade elegant eingeführt. Als er zum ersten Mal aus Schatten und Nebel tritt, kämpft er gegen drei Jungs. Kinder. Zwar kommt danach ein großer Typ mit Schlagringen, aber ein Batman, der es zunächst mit Kindern aufnehmen muss, das wird der Figur einfach nicht gerecht. (Auch wenn sie für drei Robins stehen.)

Es gibt ein paar gute Einfälle in dieser Verfilmung, auch ein bisschen Humor, aber im Großen und Ganzen verpasst man nichts, wenn man es nicht sieht. Wieder hat DC eine Chance verschenkt, aus einem seiner Klassiker eine Adaption zu machen, die selbst Maßstäbe setzt. Das ist offenbar auch nicht gewollt. Man geht lieber keine Risiken ein – aber so entsteht keine Kunst, sondern nur Durchschnittsware am Fließband.

Warner Bros.

Auf der Blu-ray sind noch zwei ältere Cartoons zu finden: Die BTAS-Folge „Showdown“, die Jonah Hex im Wilden Westen zeigt, und die Batman: The Brave and the Bold-Episode „Trials of the Demon“, in der Batman zu Jason Blood/Etrigan in das victorianische England reist und das Kostüm aus Gotham by Gaslight anzieht.

Außerdem kann man sich einen ersten Eindruck vom nächsten Animationsfilm machen: Suicide Squad – Hell to Pay.

Superman endeckt Kryptonit – und Krypton

DC Comics

Titel: Superman Returns to Krypton

Autor/Zeichner: Bill Finger/Al Plastino

Erschienen: 1949 (Superman #61)


Im Jahr 1949 wussten zwar die Leser, dass Superman von Krypton stammte – aber er selbst wusste es nicht. Bis zu dieser Ausgabe, in der er selbst nach Krypton zurückkehrte. Wie das kam? Indem er das Kryptonit entdeckte. (Bisher war es nur im Radio-Hörspiel vorgekommen.) Eine selbst für Superman-Maßstäbe hanebüchene Geschichte.

Sie beginnt mit einem Tag aus dem Leben eines Lokalreporters. Perry White setzt Lois Lane darauf an, eine Story über einen falschen Wahrsager zu schreiben. Es muss wohl gerade Sommerloch sein oder der Daily Planet ist nichts weiter als ein Käseblatt, denn keinem ernsthaften Journalisten wäre eine solche Gestalt auch nur eine Zeile wert. Als gäbe es einen Wahrsager, der tatsächlich die Wahrheit sagt … Wie dem auch sei: Lois stürzt sich enthusiastisch hinein, trifft diesen turbantragenden Swami Riva, fliegt jedoch als Reporterin auf. Superman ist wie immer zur Stelle, um sie zu retten, doch als Swami Zeit schindet, indem er so tut, als würde er ihn verhexen, wird Superman plötzlich schwach. Swami haut ab.

Superman erzählt es Perry. Der aber zeigt immerhin Verantwortungsbewusstsein: Wenn das rauskommt, nutzen Gauner ihre Chance, um Verbrechen zu begehen. Daher bringt er die Story nicht. Aber Swami, der plötzlich an Zauberkräfte glaubt, anderen Räubern davon erzählt, kommt es zu einem Überfall, bei dem Superman einschreitet und wieder zusammenbricht. Superman geht der Sache nach und findet heraus, dass es mit dem Stein zusammenhängt, den Swami in seinem Turban trägt. Er stammt aus einem Meteoriten.

In der Rakete ist Platz für zwei …

Jetzt wird’s wild: Superman folgt dem Meteoriten ins All. Das geht ganz einfach. Indem er so schnell fliegt, dass er die Zeitbarriere durchbricht (analog zur Schallmauer), so reist er (unsichtbar) dem Brocken hinterher, bis er nach Krypton kommt. Dort sieht er, wie sein Vater Jor-El ihn in eine Rakete steckt, weil der Planet zu explodieren droht. Und er sieht, dass seine Mutter ihn als Kind hätte begleiten können, aber lieber bei ihrem Mann gestorben ist. Superman fragt sich aber nicht, welche Mutter so etwas tun würde, sondern folgt der Rakete zur Erde, wo die Kents ihn finden und adoptieren. Jetzt erst begreift er, dass er selbst von Krypton stammt.

Der Rest ist einfach: Superman kehrt in seine Zeit zurück und bläst Swami den Turban vom Kopf, sodass dieser ins Wasser fällt. Ein anderes Kryptonit-Fragment beseitigt er ebenfalls. Superman weiß jetzt, wo er herkommt – und was seine Schwäche ist. Dass die mit seiner Vergangenheit zusammenhängt, verbindet ihn wohl mit den Menschen.

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Batman-Killer wider Willen

Titel: The Man Who Killed Batman (dt. Der Mann, der Batman getötet hat)

Drehbuch: Paul Dini

Erschienen: 1993 (Batman: The Animated Series S01E51)


Der Kleinganove Sidney Debris will in Rupert Thornes Gang aufsteigen. Seine Mitstreiter halten nicht so viel von ihm, sie nehmen ihn bloß als Beute für Batman mit, damit sie ungestört ihr Ding drehen können. Doch als es zur Konfrontation mit dem Dunklen Ritter kommt, stürzt dieser durch Zufall vom Dach, ein Gastank explodiert – es sieht als, als wäre Batman tot. Daraufhin bekommt er unter dem Beinamen „The Squid“ den Ruf, der Mann zu sein, der die Fledermaus erledigt hat.

Jokers Sarg für Batman

Kurz darauf nimmt sich der Joker seiner an. Denn wenn Batman tot ist, dann ist nicht nur das Verbrechen keinen Spaß mehr, dann wurde er auch um das Vergnügen gebracht, seinen Erzfeind selbst zu erledigen. Bei einer Trauerfeier im ACE-Chemiewerk wird Sidney Debris im Säuretank versenkt …

Der Joker zeigt, wo es langgeht.

Wie immer bewahrheitet sich die alte Weisheit: Keine Leiche, keine Toten. Klar, Batman kann nicht sterben. Muss er auch nicht. Zwar fehlt er die meiste Zeit in dieser Folge, aber man vermisst ihn nicht. Seine Präsenz ist ständig spürbar, ob in der Betroffenheit der Polizei oder in dem Verhalten der Verbrecher. Allen voran der Joker, der ständig zwischen aufrichtiger Trauer um seinen Kontrahenten, Albernheit und Ärger changiert. Batman fehlt allen. Und ist dadurch ständig präsent.

Der eigentliche Held aber ist der kleine Sidney Debris, der tollpatschig von einer Klemme in die nächste gerät, nur weil er sich nach Anerkennung sehnt. Batman rettet ihn und macht ihn auf ungewöhnliche Weise glücklich. Eine rundum spaßige Folge.

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Knightfall #1: Vengeance of Bane

Die Knightfall-Saga beginnt mit Vengeance of Bane, der Vorgeschichte des Schurken, der Batman das Rückgrat bricht. Erschienen ist sie 1993 als 64-seitiges Special, geschrieben von Chuck Dixon und gezeichnet Graham Nolan.

Bane ist das Kind eines unbekannten Revolutionärs von dem Inselstaat Santa Prisca. In der Diktatur herrscht ein grausames Gesetz: Weil der Mann sich seiner Strafe entzogen hat, wird dessen schwangere Frau an seiner statt ins Gefängnis gesteckt. Nachdem das Kind zur Welt kommt, wächst es im Knast auf, nachdem die Mutter stirbt, wird er aus der Schutzhaft zu den anderen Verbrechern überstellt. Dort plagt ihm nach einem Sturz ein Alptraum von einer ungeheuren Fledermaus.

Der Junge wird zum Mörder. Er wird in eine Einzelzelle gesteckt, die regelmäßig mit Wasser geflutet wird. Zehn Jahre lang lebt er in völliger Isolation, ernährt sich von Fischen und meditiert. Nach dem Prinzip „Was mich nicht umbringt, härtet mich ab“ stählt Bane seinen Körper und schult seinen Geist, liest drei Bücher am Tag, lernt sechs Sprachen. Das Töten wird Alltag für ihn, er stumpft er emotional ab, findet aber drei Gefährten: Zombie, Trogg und Bird. Letzterer erzählt ihm von Gotham und Batman, der die Stadt beherrscht. Bane, der sich an seinen Dämon erinnert, findet seine Bestimmung darin, Batman zu brechen.

Bane wird zum Versuchskaninchen für die Droge Venom, die ihm Superkräfte verleiht und sie gegen Schmerz immun macht. Durch das Experiment wird er zum Junkie, der sich das Zeug ins Hirn einspeisen lassen muss. Indem er sich nach einem Versuch totstellt, bricht er aus dem Knast aus und fliegt mit seinen drei Spießgesellen nach Gotham, wo er mit gezielten Morden beginnt, die Unterwelt aufzumischen. In einer ersten Konfrontation mit Batman verschont er ihn: „You will know my name one day. And on that day you will beg for mercy.“ Bane will ihn beobachten, studieren und ihn erst dann besiegen, wenn der richtige Moment gekommen ist.

Die Entstehungsgeschichte von Bane ist so sehr auf Abhärtung getrimmt, dass sie in ihrer Übertreibung fast schon komisch wirkt. Seine Motivation, es mit Batman aufzunehmen, wird nicht ganz schlüssig. Zu weit hergeholt ist es, dass der Schurke den ganzen Aufwand betreibt, nur weil er mal als Kind schlecht geträumt hat. Mit Batman verbindet ihn nichts, außer einer willkürlichen Assoziation zwischen einer eingebildeten Fledermaus und einem Kerl, der sich wie eine anzieht.

Bane tut einem zunächst leid, dann wird er zu einem perfekten Widersacher. Seine Fähigkeiten machen ihn zu einer Art Anti-Batman. Furchterregend wirkt er durch hünenhafte Erscheinung und seine Maske mit ihren roten Augen, die ihm jegliche Menschlichkeit nimmt. Das Einzige, was die Geschichte nicht erklärt, ist, warum er sie trägt und sich wie ein mexikanischer Wrestler anzieht. Aber die wahre Erklärung lautet, wie so oft in Comics: weil es cool aussieht. Und darum geht es ja schließlich auch …

(Vengeance of Bane ist zweimal auf Deutsch erschienen: 1998 als Batman-Sonderband im Dino-Verlag und 2013 als „Batman gegen Bane“ im Panini-Verlag.)