Joker auf Eis

DC Comics

DC Comics

Titel: The Joker Walks the Last Mile!

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1942 (Detective Comics #64)


„The Joker shall die so that he may live again!“

Der Joker leidet. Den ganzen Tag über muss er sich mit seinen Handlangern verstecken. Ein normales Leben in der Außenwelt ist nicht möglich, wegen seiner auffälligen Erscheinung kann der Clown nur verkleidet raus. Doch da heckt der Joker mal wieder einen genialen Plan aus: er stellt sich der Polizei, er gesteht alle Verbrechen vor Gericht und lässt sich zum Tode verurteilen. Ein paar Stromstöße auf dem Stuhl später liegt der Joker im Leichenschauhaus. Seine Handlanger holen die Leiche raus, beleben sie wieder und der Joker ist frei und kann in Ruhe shoppen gehen.

Als Batman den Erzschelm auf der Straße sieht, ist er entsetzt und schleppt ihn wieder vor Gericht. Aber da bekommt er eine Grundlektion Jura verpasst: zweimal wegen derselben Verbrechen verurteilen geht nicht. Der Joker hat seine Strafe bekommen, jetzt darf er wieder bei Null anfangen.

Aber ein neues Leben führt der Joker deshalb nicht. Seine Handlanger übernehmen die Überfälle für ihn, er stellt sich dabei als Raubopfer dar. Batman und Robin dürfen ein paar Kunststückchen auf dem Eis durchführen (nachdem sie sich schnell umgezogen und sich Schlittschuhe besorgt haben) und am Ende landet der Joker – schon wieder – im Meer, bevor er sich erneut in seinem Versteck wiederfindet.

Bemerkenswert: In dieser Story wird der Krieg sichtbar. Zum einen ist ein Schild zu sehen, auf dem für Kriegsanleihen geworben wird. Zum anderen stiehlt der Joker einen Jeep der Armee, schlägt einen Soldaten und sagt: „You idiot, I’m the Joker! More important than your whole silly army!“ Einen größeren Schurken kann man sich nicht vorstellen, der in so schwierigen Zeiten ein solches Sakrileg begeht und damit den Zusammenhalt der Nation gefährdet.

Blüten des Zorns

DC Comics

DC Comics

Titel: Bloom (Batman Vol. 9)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Yanick Paquette

Erschienen: 2016 (Batman #46-50, Detective Comics #27; Hardcover 2016)


„For Batman to live, Bruce Wayne always has to die!“ (Bruce Wayne)

Was bisher geschah: Nach einem Kampf mit dem Joker (Endgame/Todesspiel) ist Batman tot – aber Bruce Wayne lebt. Batman ist aus Bruces Gedächtnis gelöscht. Bruce arbeitet in einem Jugendzentrum und hat eine Freundin. James Gordon übernimmt die Batman-Rolle, indem er in einen Panzeranzug steigt. Seine Herausforderung: Ein neuer Schurke namens Mr. Bloom, der Gaunern Superkräfte verleiht und sie daraufhin tötet (siehe Superheavy/Superschwer).

Was hier geschieht: Bloom startet seine Offensive gegen Gotham. Gordon gerät als Batman an seine Grenzen. Bruce Wayne wird bewusst, dass er Batman war – und als die Stadt in größter Not ist, unterzieht sich Bruce einer qualvollen wie gefährlichen Prozedur, um sich wieder geistig zu Batman zu machen. Unterstützt wird er dabei von Duke Thomas, einem Jungen, den er schon aus dem Zero Year/Jahr Null kennt, und der hier zu Robin wird.

Höhepunkt: Ein Treffen zwischen Bruce Wayne und dem Joker auf einer Parkbank. Das heißt: Die Szene lässt offen, ob es sich wirklich um den Joker handelt, der wie Batman körperlich erneuert und geistig auf Null zurückversetzt wurde, aber es spricht vieles dafür. Der Unbekannte will sich selbst erschießen, dann verschwindet er im Nichts. Hier wird klar, dass Scott Snyder mit seinem Dionesium, das wie eine Lazarus-Grube wirkt, einen Weg gefunden hat, nach dem ultimativen Endkampf, einen Neuanfang für Batman und Joker zu finden. Beide waren tot, beide entstehen wieder neu. (Der Joker sogar in drei Gestalten?)

Zweiter Höhepunkt: Eine andere starke Sequenz ist ein wilder Trip durch eine Reihe von Elseworlds-Szenarien, als Batman wieder zu sich kommt.

Was gefällt: Dass Scott Snyder und Greg Capullo erzählen können, haben sie schon oft bewiesen. Auch Bloom ist ein Comic auf höchstem Niveau. Sensibel werden Charaktere ausgebaut, Konflikte vertieft und auch für ein wenig Humor ist Platz. Capullo zeichnet ein paar herausragende Seiten mit tollen Inszenierungen, unterstützt wird er dabei zum Teil von Yanick Paquette, dessen Figuren dagegen leider zu steif wirken.

Was nicht gefällt: Im dritten Akt verliert sich die Story zu sehr im Radau des Endkampfes. Wieder wird die halbe Stadt zerstört, wieder dreht halb Gotham durch, wieder müssen Schurken und Roboter riesengroß werden und alles in einem großen Knall enden lassen. Das ermüdet. Es wäre mal wieder an der Zeit, eine Batman-Story zu erzählen, ohne dass dabei fast die Welt untergeht. Gegen Ende wird Snyder auch etwas geschwätzig, wenn er Gordon über Batman schwadronieren lässt. (Und sich dabei für seinen Gordon-Batman-Plot rechtfertigt.) Und dass Batman noch die Nerven hat, sich im Notfall noch ein neues Kostüm zu designen – das hätte man sich auch sparen können. (Warum muss sich ständig das Kostüm ändern? Warum ist die Fledermaus gelb umrandet?)

Bonus: DC hat in den Sammelband noch eine Story aus Detective Comics #27 dazugepackt. Eigentlich unnötig, weil sie schon in Detective Comics Vol. 5: Gothtopia veröffentlicht wurde. Aber sie gehört thematisch zur Story, weil hier Bruce Waynes Batman-Maschine erstmals eingeführt wird. Der Rest des Bandes ist gefüllt mit einer Reihe „Batman v Superman“-Variant-Cover, darunter auch einige Perlen.

Bilanz: Es ist seltsam: Obwohl ich die Snyder-Capullo-Storys am meisten mag, gehe ich mit ihnen sehr kritisch um. Keine Frage: sie sind (innerhalb von The New 52) das Beste der vergangenen fünf Jahre. Wer’s mag, wird auch das hier mögen. Vielleicht sind die Geschichten aber so gut, dass ich deswegen umso enttäuschter bin, dass sie nicht perfekt sind.

Batman gegen Deathstroke

Bevor Regisseur Tim Miller Deadpool gemacht hat, war er für zwei Arkham Origins-Trailer verantwortlich. Der erste zeigt den Werdegang von Bruce Wayne zu Batman in einer Reihe von Schlüsselszenen seiner Lehrjahre. Der andere lässt Batman gegen Deathstroke antreten. Beide sind hervorragend animiert und packend inszeniert. Dieses Video können wir als Messlatte für Ben Afflecks Batman-Film nehmen, in dem Deathstroke der Schurke werden soll.

Kartenspiel mit Joker

DC Comics

DC Comics

Titel: The Riddle of the Missing Card

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Batman #5), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration von 75 Years)


„All life is a gamble.“ (Batman)

Der Joker kehrt mal wieder von den Totgeglaubten zurück. Rastlos, wie er nun mal ist, stürzt er sich sofort ins nächste Verbrechen: Drei Gauner holen ihn buchstäblich ins Boot, um ihr nächstes Ding zu planen. Da kommt dem Criminal Mastermind auch schon gleich eine Idee: Als ihm auffällt, dass die Namen der Komplizen sich auf Spielkarten übertragen lassen (wie auch seiner), will er einen Haufen Bonzen am Kartentisch abziehen – und dabei herausbekommen, welche Juwelen sie zu Hause bunkern, um auch die zu stehlen.

Als Batman den Schurken auf die Schliche kommt, nimmt der Joker Robin gefangen und lockt Batman in eine Falle: dort muss Batman gegen die Bande an einem Kartenspiel teilnehmen, um Robins Leben zu retten. Das Spiel dauert nicht lange, der Joker gewinnt – mit einer Joker-Karte. Aber das ist Batman egal: er wirft dem Joker die Karten ins Gesicht, wirft den Tisch um und befreit Robin. Fragt sich nur, warum er sich überhaupt auf das Spiel eingelassen hat. Klar: sonst gäbe es diese absurde Szene nicht. Aber Batman erklärt es damit, dass das Leben ohnehin ein Glücksspiel sei. No risk, no fun.

Interessant ist dabei ein Nebenaspekt: eine Frau, die zu den Gaunern gehört, deckt Batmans Geheimidentität auf. Sie erkennt ihn an einer Schnittwunde am Kinn von Batman. (Da zeigt sich, wie gefährlich so eine Maske sein kann, die nur das halbe Gesicht verdeckt.) Aber statt ihn zu verpfeifen, weckt gerade diese Erkenntnis ihre Sympathie und sie hilft Batman. Dass dabei plötzlich aus dem Nichts Waffen auftauchen und wieder spurlos verschwinden, ist eine dieser vermeintlichen Macken, die den Geschichten aus dem Golden Age ihren trashigen Charme verleihen.

Übrigens endet die Sache nach einer wilden Verfolgungsjagd wieder damit, dass der Joker im Wasser landet – und offen bleibt, ob er überlebt hat … Diese Cliffhanger-Masche war schon damals ein alter Hut – aber als Tradition des Genres wird sie bis heute gepflegt (z.B. in Death of the Family).

Batman Junior gegen den Joker

DC Comics

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Titel: Batman and Robin Vol. 3 – Death of the Family (dt. Der Tod der Familie)

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Ardian Syaf

Erschienen: 2013 (Batman and Robin Annual #1, Batman and Robin #15-17, Batman #17), dt. Panini 2013 (Sonderband)


„I’m here to bring illumination to your life — a little clarity.“ (Joker)

Damian Wayne schickt seinen Vater auf eine Schnitzeljagd durch Europa: London, Barcelona, Athen – Bruce begibt sich auf eine sentimentale Reise auf den Spuren seiner Eltern. Doch für Damian ist das bloß ein Vorwand, um einmal allein auf Gothams Straßen zu patroullieren, – nicht als Robin, sondern in einem selbstgemachten Batman-Kostüm. Als Batman Junior wird er zwar nicht ernst genommen, dafür belehrt er seine Feinde umso schneller eines Besseren. Ganz putzig, der Kleine in seiner (zugegeben sinnlosen) Combo aus Cape und Trenchcoat.

Das ist aber nur das nette Vorgeplänkel dieses Bandes, bevor es richtig zur Sache geht: in den beiden Tie-ins zu der Batman-Storyline Death of the Family (Tod der Familie) erfahren wir, wie der Joker Robin in eine Falle führt und ihn gegen einen falsch grinsenden Batman kämpfen lässt. Ziel des Spiels: einer soll den anderen töten. Damit will der Joker zeigen, dass die größte Angst von Batman und Robin darin besteht, verantwortlich für den Tod des jeweils anderen zu sein. Außerdem führt der Narr mit seinem faulenden Gesicht vor, wie absurd das Konzept des Dynamischen Duos ist …

Dieser Teil ist (wie die Hauptstoryline) drastisch bis hin zu widerwärtig, aber so stark inszeniert, dass man dennoch den Blick nicht abwenden kann. Aber weil diese paar Ausgaben zu wenig sind, um ein Paperback zu füllen (und den Preis zu rechtfertigen), hat DC überflüssigerweise noch das Finale, Batman #17, dazugepackt. Für Sammler der Hauptserie ist diese Dopppelung ärgerlich. Am Ende kommt noch eine Einzelepisode, in der wir alle bisherigen Abenteuer, Sehnsüchte, Sorgen und Ängste in einem Alptraum vorgeführt bekommen.

Dank der tollen Zeichnungen von Patrick Gleason und Ardian Syaf ist das auch alles in Ordnung. Aber Ende hat man das Gefühl, dass die Serie ihren Fokus verliert, nicht wirklich etwas Neues zu erzählen hat und eigentlich nur Zeit bis Robins anstehendem Tod überbrückt. Die Serie ist voller Andeutungen gewesen, in Batman Incorporated wird es so weit sein. Davon später mehr.

Wer ist der einzig wahre Batman?

Die sechs Dunklen Ritter des Kinos. (Warner Bros.)

Die sechs Dunklen Ritter des Kinos. (Warner Bros.)

Wer ist der beste Kino-Batman? Viele werden denken: „Was für eine banale Frage! Ist doch klar!“ Aber werden sie auch die gleiche Meinung haben? Adam West war der erste Batman in einem langen Kinofilm von 1966 (und der erste, der im kulturellen Gedächtnis hängen blieb), ironisch-lächerlich aber auch originell. Michael Keaton war 1989 der erste düstere Batman, mit Val Kilmer wurde es 1995 bunter und mit George Clooney wurde es 1997 schrill (Stichwort: Nippel), wobei man sich wieder Adam West annäherte. Mit Christian Bale wurde Batman 2005 wieder düster mit realistischem Anspruch. Und zuletzt wurde Ben Affleck als bislang älteste Batman-Film-Inkarnation zu einer Art Hommage an den grauen Batman aus The Dark Knight Returns von Frank Miller.

Welcher ist für euch der beste Darsteller?

Bevor ihr wählt, bedenkt: Es geht NICHT darum, wer im besten Film mitspielt, sondern wer als Batman/Bruce Wayne die beste Figur macht. (Kommentare erwünscht.)

Wie Batman den Joker schuf

DC Comics

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Titel: Lovers and Madmen (dt. Joker)

Autor/Zeichner: Michael Green/Denys Cowan

Erschienen: 2007-2008 (Batman Confidential #7-12), Paperback 2008, dt. Panini 2008 (Batman Sonderband #16)


„Crime is like anything else, it follows an ordered structure.“ (Bruce Wayne)

„He’s not a criminal. This isn’t crime. This is evil.“ (Jonathan Crane)

„He looks … ridiculous.“ (Jack)

Batman ist am Ende seines ersten Jahres, er hat gerade einen Drogenring zerschlagen und sich einen Namen gemacht. Da taucht plötzlich Jack auf, ein schlanker Mann im braunen Anzug. Jack ist ein Naturtalent im Einbrechen und Morden. Er hat keine Lust mehr darauf, ihm fehlt die Lebensenergie, er will aufhören. Doch als Batman erscheint, fängt Jack an zu lachen und findet seine neue Herausforderung: Batman mit willkürlichen Verbrechen zu beschäftigen. Batman wiederum stößt an die Grenzen seiner Fähigkeiten. Er erkennt, dass seine Vorbereitung vergebens war. Das ist eine neue Sorte von Schurke, unberechenbar und skrupellos. Dagegen gibt es kein Mittel.

20 Jahre lang galt The Killing Joke als Origin des Jokers, in Lovers and Madmen bekommt die Geschichte ein Update: Hier läuft alles anders. Wir erfahren nicht nur den Vornamen des bisher anonymen Jokers, sondern auch eine neue Version seiner Entstehung. Die erste Inspiration dazu hat er zunächst Harleen Quinzel zu verdanken, die hier noch Medizinstudentin ist und sich ihr Studium als Bardame finanziert. (Später wird sie zu Jokers Sidekick Harley Quinn.)

Wesentlich aber ist, dass Batman Jack später mit zwei Batarangs Schnittwunden am Gesicht zufügt, die ihm sein falsches Grinsen bescheren (Glasgow-Smile). Dann taucht Jack in sein grünes Chemiebad, nachdem Batman ein paar Gangster beauftragt hat, ihn auszuschalten. Und fertig ist der Joker – geschaffen von Batman. So wurde das noch nie gezeigt. Und auch wenn die Geschichte sich mit dem Kanon beißt, ist sie doch so einnehmend, dass sie die Lektüre lohnt – auch wenn der unruhige Zeichenstil gewöhnungsbedürftig ist: er erfüllt seinen Zweck, eine Geschichte des Irrsinns zu erzählen.

Interessant ist die Nebenhandlung, die einen bereits bekannten Aspekt herausarbeitet: Bruce Wayne bandelt mal wieder mit einer Frau an – und wie üblich tritt sie in Konkurrenz zum Joker. Jack ersticht sie, sie wird lebensgefährlich verletzt. Sie überlebt zwar, aber die Beziehung mit Bruce zerbricht. Kein Wunder: Batman hat seinen wahren „Partner“ bereits gefunden.

Im Dezember kommt das DC Rebirth Holiday Special

DC Comics

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DC Comics hat für den 14. Dezember ein Weihnachtscomic angekündigt: das DC Rebirth Holiday Special. Auf 96 Seiten gibt es unter anderem eine Chanukkah-Krise für Huntress, eine Familienweihnachtsfeier mit Flash und Wonder Woman trifft auf Constantine. Paul Dini trägt eine Harley Quinn-Story bei, mit der alle Einzelgeschichten verknüpft werden sollen („in the weirdest way possible“). Die anderen Geschichten stammen von James Tynion IV, Steve Orlando, Vita Ayala, Cullen Bunn, Tim Seeley , James Asmus, Heath Corson, Gustavo Duarte, Dustin Nguyen und anderen.

Was der One-shot kosten soll, ist bislang nicht bekannt.

Vom Wahnsinn befreit

DC Comics

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Titel: Going Sane

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis/Joe Staton

Erschienen: 1994/1995 (Legends of the Dark Knight #65-68), Paperback 2008


„If there’s no Batman to drive crazy, then what’s the point of being crazy?“ (Joker)

„You’re as crazy as I am.“ (Joker)

Hätten Batman und Joker nicht einander – sie wären wohl glücklich verheiratet. Das ist die These von Going Sane. Sie brauchen aber einander. Der Held braucht den Schurken, um sich zu beweisen, und ebenso ist es andersum. Der Joker braucht ein Publikum, einen, an dem er sich abarbeiten kann. Und als Batman nach einer Konfrontation mit dem Joker scheinbar stirbt, und das Publikum plötzlich fehlt, beschließt der Joker plötzlich, ein normales bürgerliches Leben zu führen: er nimmt eine gesündere Hautfarbe an und legt sich den Namen Joseph Kerr zu und er verliebt sich in eine Frau, die die Liebe sogar erwidert.

Klar geht das nicht lange gut. Nicht nur, weil der Joker seinen Wahnsinn nicht einfach so ablegen kann. Sondern auch, weil Batman natürlich nicht tot ist. Er wird von einer Frau gefunden und gesund gepflegt: Lazarus nennt sie ihn. Und wie ein Auferstandener kommt er wieder zu Kräften und sucht seinen Erzfeind. Dank der offensichtlichen Wahl des Decknamens Joseph Kerr findet er ihn schnell. Und kaum ist Batman wieder da, fällt der Geläuterte wieder in den Wahnsinn zurück – mit allem drum und dran.

Die Story hat eine interessante Prämisse, aber ist etwas holzhammermäßig ausgeführt. (Frage am Rande: Warum zerschlägt Batman ständig Dinge?) Vor allem leidet die Geschichte an den sperrigen, manchmal karikaturenhaft überzeichneten Zeichnungen und verwirrenden Seitenstrukturen. Ein talentierterer Künstler hätte mehr herausholen können. Was aber gut gelingt ist, das Abhängigkeitsverhältnis der beiden Antagonisten ausführlich darzustellen. Wir bekommen einen der seltenen Einblicke in Jokers Gedankenwelt – und die sind sehr aufschlussreich:

„He’s a bigger clown than I am. Thinks the world can be stacked and folded and filed! Thinks there’s logic and meaning and order! No matter how many times he slips on a banana peel, he never sees the humor! Never gets the joke! It’s so infuriating! I hate him! Oh, I suppose I should be grateful! After all — he does provide me with my greatest audience! My greatest challenge!“

Der Joker erscheint als Komiker, der seine größte Herausforderung darin sieht, Batman zum Lachen zu bringen (vgl. Return of the Joker). Aber Batman findet den Joker nicht witzig, ihm fehlt auch jeglicher Humor. In der Regel. Denn wie man am Ende von The Killing Joke (1988) gesehen hat, konnte der Joker wenigstens einmal sein Ziel erreichen. Aber das ist die Ausnahme in der Tragödie dieser ganz besonderen Beziehung. Es hat einen Grund, warum sie beide keine (dauerhafte) Partnerin finden: sie sind bereits aneinander vergeben (vgl. The Dark Knight Returns).

Die grinsende Katze

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Titel: Images

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Bret Belvins

Erschienen: 1993 (Legends of the Dark Knight #50), Paperback 1996 (Dark Legends)


„We can’t go on meeting like this.“ (Batman)

„A true artist never repeats himself.“ (Joker)

Fast hätte er ihn gehabt: Batman platzt mitten in eine Gangster-Versammlung, doch statt sich den Kerl im lila Anzug vorzunehmen, mischt er lieber die üblichen Verdächtigen auf. Das erweist sich bald als Fehler: denn der komische Kauz ist der Joker – und er mordet bald darauf so willkürlich wie perfide. Mit Ansage und … Augenblick mal, die Story kennen wir doch! Ja, stimmt. Es ist eine Variation der allerersten Joker-Story aus Batman #1 (1940). Die wurde 2005 als The Man Who Laughs wieder erzählt, und 1993 schon einmal unter dem Titel Images.

Was macht diese Version interessant? Dennis O’Neil gibt dem Joker einen Cousin namens Melvin Reipan, der etwas zurückgeblieben und naiv, aber ein Chemie-Genie ist. Er braut dem Joker sein Gift zusammen – und dieser testet es zunächst an Melvins Katze. Dabei wird angedeutet, dass Jokers echter Name mit Ja… beginnt, er ihn aber nicht mehr hören will. Auch Cousin Melvin überlebt seinen ersten Auftritt nicht, Bruce Wayne spendiert ihm ein pompöses Grab. (Warum auch immer; manchmal schießt der Milliardär etwas übers Ziel hinaus.)

Sonst ist die Geschichte eben mehr oder weniger die vertraute: Persönlichkeiten werden bedroht, mit viel Polizei geschützt, aber dann sterben sie doch lachend. Dabei stellen sich die Bullen ziemlich dämlich an: Wenn schon der erste wegen vergiftetem Papier draufgegangen ist, wieso gehen sie dann davon aus, dass sie das nächste Mal mit mehr Polizei und einem Tresor für mehr Sicherheit sorgen können? Am Ende läuft es leider auf banale Beweggründe hinaus: der Joker giert bloß nach Geld. Im Finale haut er Batman eine rein, Batman revanchiert sich mit einem Haken und das war’s. Ziemlich banal. Die einzige Pointe: Bruce Wayne glaubt am Ende dann tatsächlich, dass der Fall damit erledigt wäre. Aber das ist nur einer von vielen seltsamen Schlüssen, die der Meisterdetektiv in dieser sperrigen Story zieht.