Die Zukunft wird hässlich

DC Comics

DC Comics

Titel: Year 100 (dt. Das 100. Jahr)

Autor/Zeichner: Paul Pope

Erschienen: 2006 (Mini-Serie #1-4), Paperback 2007; dt. Panini 2007


Ihr kennt Batmans Jahr eins und das Jahr null, jetzt kommt das Jahr 100. Genau gesagt ist es 2039, also das Jahr, in dem Batman 100 wird. Batman ist längst vergessen. Und dann taucht er wieder auf: Ein Typ im Cape, mit grauem Pullover, geschnürten Shorts, zu kurzen Handschuhen und Springerstiefeln. Zu Beginn wird er von der US-Bundespolizei über die Dächer von Gotham verfolgt. Schließlich wird in einer U-Bahn-Station ein Polizist erschossen – und Batman gilt als Mörder. Von da an wird er mit noch größerem Druck gejagt.

Und das war’s im Grunde auch schon. Unser Batman ist, wie Dr. Richard Kimble auf der Flucht und muss zugleich seine Unschuld beweisen, bzw. den Schuldigen ausmachen. Dabei entlarvt er eine große Verschwörung um eine Superwaffe. Unterstützt wird er von James Gordon, einem gewissen Robin (ohne Kostüm) und einem Hacker-Mädchen. Um seinen Verfolgern einen Schrecken einzujagen, setzt er sich falsche Raubtierzähne ein. Was übrigens sein Outfit vollends ins Lächerliche zieht.

Doch auch sonst ist Batman, dessen Gesicht stets geschwollen aussieht wie nach einem Kampf, ziemlich hässlich. Wie auch alles andere in diesem Comic. Autor und Zeichner Paul Pope kann offenbar nicht anders, als alles krumm und schief zu zeichnen. Selbst die Schönheiten sind abstoßend. Es ist ein Stil, der nur mit gutem Willen als gewöhnungsbedürftig bezeichnet werden kann. Denn angesichts dieser dünnen Story und der schwachen Charaktergestaltung wird man mit dieser Elseworld nicht warm. Schon gar nicht interessiert einen, worauf die Story hinausläuft.

Das Ganze ist bloß eine große, abgehetzte Verfolgungsjagd, unterbrochen von zu viel Gerede, in dem zu wenig Substanzielles gesagt wird. Wer sind diese ganzen Figuren? Und vor allem: wer ist Batman? Dazu gibt es bloß am Ende einen Hinweis, sonst wird man mit dieser Welt allein gelassen. Vor allem wird nicht klar, warum die Geschichte unbedingt in der Zukunft spielen muss; das Jahr 2039 hat mehr symbolischen Wert, um zwischendrin ein paar Reminiszenzen an die Batman-Historie unterzubringen, als dass es eine Funktion hätte.

Year 100 mag als moderner Klassiker gelten, der Grund dafür bleibt mir aber schleierhaft.

Batman v Superman: Das Problem der Momente

Schwache Kritiken, vier Goldene Himbeeren: Batman v Superman hat vor fast einem Jahr die Fangemeinde entzweit. Es gibt viele Gründe dafür: es lag nicht nur an „Martha“, nicht nur an einem unausgereiftem Drehbuch oder der Tatsache, dass zu viel daran gewollt war. Für den Videoblogger Nerdwriter liegt das Hauptproblem an Zack Snyders Regie-Stil. Gemeint ist der Fokus auf sogenannte Moments Scenes, also starke Momente, die sich dank sorgfältiger Bildkomposition, Slow Motion-Effekt und dramatischer Musik einprägen. In diesem Video wird erklärt, warum das allein nicht ausreicht, um einen interessanten Film zu machen.

Vier Goldene Himbeeren für Batman v Superman

The Golden Raspberry Award Foundation

The Golden Raspberry Award Foundation

Einen Tag vor den Oscars wurden zum 37. Mal die Goldenen Himbeeren für die schlechstesten Leistungen in US-Filmen verliehen. Batman v Superman: Dawn of Justice wurde von der Golden Raspberry Award Foundation mit vier Preisen geschmäht: schlechtestes Sequel, schlechtestes Leinwandpaar (Affleck und Cavill), schlechtestes Drehbuch und schlechtester Nebendarsteller (Jesse Eisenberg als Lex Luthor). Nominiert war der Film für acht Preise in sieben Kategorien, darunter als schlechtester Film.

Suicide Squad, nominiert für das schlechteste Drehbuch und den schlechtesten Nebendarsteller (Jared Leto als Joker) ist verschont geblieben.

Die ganze Liste der Nominierten und Gewinner gibt es hier.

Lego-Batman besucht seine Ex

Vor The Lego Batman Movie gab es bereits Lego-Kurzfilme zum Thema, wie etwa Lego Batman is Jelly, produziert von HISHE (How it should have ended). Ein amüsantes Video.

Robin liest Fanpost vor – und singt

Nicht nur Adam West hat 1966 als Batman gesungen, auch Robin-Darsteller Burt Ward ließ sich dazu hinreißen. Auf der Single „Boy Wonder I Love You“ liest er zunächst nur Fanpost vor, unterlegt von einem Stück, das Frank Zappa geschrieben hat. Warum er nicht singt, wird auf der B-Seite deutlich: da versucht er sich an „Orange Colored Sky“. Hätte er das mal lieber sein gelassen … Denn damit hat er seinen Fans keinen Gefallen getan.

Matt Reeves führt Regie bei The Batman

Zack Snyder/Warner Bros

Zack Snyder/Warner Bros

Nachdem Ben Affleck aufgegeben hat, soll Matt Reeves die Regie bei dem Film The Batman übernehmen. Das hat Warner Bros. offiziell bestätigt. Reeves hat sich mit Cloverfield sowie Dawn of the Planet of the Apes (Planet der Affen: Revolution) einen Namen gemacht. Bislang war The Batman ein Projekt von Ben Affleck, der nicht nur für die Regie und die Hauptrolle verpflichtet wurde, sondern auch am Drehbuch mitwirkte (neben Geoff Johns und Chris Terrio, der auch für Batman v Superman verantwortlich war). Doch seltsamerweise wollte er dann doch nicht mehr Regie führen – und es ist fraglich, ob er überhaupt noch beteiligt ist, denn in der offiziellen Pressemitteilung ist Affleck nicht mit einem Wort erwähnt.

Allerdings äußerte er sich auf Twitter so, als würden sie künftig gemeinsame Sache machen:

Inhaltlich ist über den Film noch nichts bekannt, außer dass Deathstroke der Schurke sein soll. Er wird gespielt von John Manganiello. Commissioner Gordon wird gespielt von J.K. Simmons. Jeremy Irons soll als Alfred zurückkehren. Ein Starttermin steht noch nicht fest.

(Der Artikel wurde am 24.2.2017 aktualisiert.)

Der seltsame Fall des Jonathan Crane

DC Comics

DC Comics

Titel: The Riddle of the Human Scarecrow

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Jerry Robinson

Erschienen: 1941 (World’s Finest Comics #3)


„Poor Crane! He looks like a scarecro in those clothes – he certainly is a queer fellow“

Oft ist es ein Ereignis aus der Kindheit, das bestimmt, wie sich ein Mensch entwickelt. Jonathan Crane hat schon als Kind schon gerne Vögel aufgescheucht. Und so fasziniert ihn noch als Erwachsener die Angst so sehr, dass er sie als Psychologe erforscht und bei seinen Vorlesungen seinen Studenten einen Schrecken einjagt, indem er sinnlos mit einer Pistole herumballert. Das kostet ihn dann bald darauf den Job. Aber das macht nichts, denn schon zuvor hat er einen anderen Weg gefunden, wie man bequem Geld verdienen kann: indem er als Vogelscheuche verkleidet anderen Leuten Angst einjagt.

Crane sucht einen Geschäftsmann auf und bietet ihm für ein Honorar seine Dienste an: Als Scarecrow will Crane seinen Rivalen, der ihn vor Gericht verklagt, so sehr zu erschrecken, dass dieser daraufhin die Klage fallen lässt. Warum er nicht einfach den ersten erpresst, ist wohl ein Teil des Rätsels um diesen seltsamen Fall bleiben. Doch auch der umständliche Plan bleibt zunächst erfolglos, weil das Opfer sich nicht einschüchtern lässt. Crane muss mit Gewalt nachhelfen – und wird zum Mörder. Macht nix, denn er bekommt, was er will: Geld. Und damit kauft er sich Bücher, noch mehr als er ohnehin schon hat.

Jonathan Crane muss man nicht verstehen, aber er bietet viel Potenzial dazu: denn es ist die tragische Geschichte eines Nerds, der in abgewetzten Klamotten herumläuft, weil er lieber sein ganzes Geld in Bücher investiert. Und damit wird er zur Identifikationsfigur für die Außenseiter und Comicsammler, denen es ähnlich gehen dürfte. Hätte  man bloß den Respekt, von anderen gefürchtet zu werden, hätte man bloß die Kohle, um sich alles zu kaufen, was einem noch fehlt … Crane aber übertreibt es: er protzt mit seinem Swag. Und er kriegt den Hals nicht voll, er stiehlt sogar Bücher, obwohl er es nicht nötig hätte. Das wird ihm zum Verhängnis.

Batman und Robin kommen ihm auf die Spur. Obwohl sie mit vereinten Kräften auf ihn losgehen, gibt ihnen Scarecrow ordentlich was zu tun. Dünne Typen kämpfen, wie wir seit Tyler Durden wissen, bis sie Ragout sind. Und auch Batman muss am Ende gestehen: „He certainly gave me the fight of my career“. Da weiß der Held aber noch nicht, dass ihm der größte Kampf noch bevorsteht, nämlich der gegen seine eigenen Ängste, wenn Scarecrow sein Angstgas auf ihn loslässt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Manbat gründet eine Familie

DC Comics

DC Comics

Titel: Manbat (The Subterraneans)

Autor/Zeichner: Jamie Delano/John Bolton

Erschienen: 1995 (Mini-Serie #1-3, Paperback 1997)


„The universal cruelty of nature is hard to face. But all life is subject to her one immutable law: adapt, or die.“ (Kirk Langstrom)

Die Tierschutzaktivistin Marylin Munro (nicht zu verwechseln mit der Schauspielerin) will eigentlich nur mit der Kamera dokumentieren, welche Monster in den Laboren von Edencorp erschaffen werden. Dabei kommt sie in den Besitz eines genetischen Materials für Killer-Heuschrecken, die die ganze Menschheit ausrotten könnten. Auf der Flucht fällt sie allerdings in eine Höhle, wo Kirk Langstrom eine Familie gegründet hat. Eine Familie von Manbats, also Mensch-Fledermaus-Mutanten. Langstrom hält sich und seinesgleichen für eine überlegene Superrasse und will die Menschheit mit den Heuschrecken auslöschen. In der Zwischenzeit düst Batman im Auftrag von Edencorp durch die Gegend, um Marylin zu finden und das Schlimmste zu verhindern. Es kommt zum Kampf zwischen den Fledermausmenschen.

So eine Story zusammenzufassen klingt doch immer ein bisschen bescheuert. Es ist der alte Superhelden-Topos vom Mad Scientist, der die Apocalypse heraufbeschwört. Aber wenn man die im aufwendig gemalten Seiten von John Bolton sieht, merkt man schnell, dass der banale Inhalt in einer künstlerisch hochwertigen Verpackung steckt, wodurch er gleich viel weniger banal erscheint. Bolton schafft mit seinen Bildern, die irgendwo zwischen schwarzer Romantik (Füsslis Nachtmahr) und Expressionismus verortet sind, eine beklemmende, alptraumhafte Atmosphäre.

Aber auch ist die Handlung gar nicht mal so plump, wie sie sein könnte, weil Langstrom nicht einfach nur irre oder böse oder beides ist, sondern eine höchst konfliktreiche Figur. Ein Mann, äußerlich zwischen Mensch und Tier, der einfach nur seinen Frieden will und der innerlich zerrissen ist in der Frage, ob er den Untergang der Menschheit beschleunigen soll oder nicht. Aber auch die Nebenfiguren, wie Langstroms Frau Francine, sein Sohn oder die Aktivistin Marylin kommen zu ihrem Recht.

Nur Batman bleibt relativ plump und langweilig. Zwar macht er als blauer Koloss mit Riesenohren und extroviertiertem Umhang was fürs Auge her. Sonst ist er aber so aufgesetzt steif, pflichtbewusst und humorlos wie ein Beamter – und erinnert dadurch an den alten Spießer-Batmanh Adam West. Passend dazu gibt es auch Szenen wie: Batman bekommt einen Strafzettel fürs Zuschnellfahren, Batman reitet auf einem Esel und Batman stülpt sich einen Schlapphut über seine spitzen Ohren oder er belehrt Prostituierte, wie sie ein besseres Leben führen können. Manche mögen das witzig finden, die Fledermaus abseits der vertrauten Routinen zu sehen, aber mir fällt es dadurch schwer, das Ganze ernst zu nehmen.

Batmans Jugendsünden

Die neue Zeichentrickserie Justice League Action beweist Humor und Traditionsbewusstsein: in der Episode „Time Share“ trifft Batman mit Blue Beetle auf sein jüngeres Ich, das aus Batman: The Animated Series. Das ist dem Dunklen Ritter ziemlich peinlich, aber seht selbst.

Adam West singt „Miranda“

Adam West war sich als Batman für nichts zu schade. In der 60er-Jahre-TV-Serie lief er in einem lächerlichen Kostüm herum, er tanzte den Batusi – und er sang sogar. 1966 kam der Popsong „Miranda“ als Single heraus. In dem Stück kommt nicht nur Robin zu Wort, sondern auch die Main Theme wird darin angedeutet.

„Will tonight be the night that Bruce reveals himself to the magnificent Miranda?“, fragt zu Beginn eine dramatische Stimme. Und dann geht es munter weiter: „I never met a girl like you before, Miranda.“ Alles würde er für diese Frau tun, singt Batman, nur nicht seine Maske zu lüften. „It’s against the code of heroes.“ Doch als er es dann doch tut, zeigt sie sich unbeeindruckt.

„Miranda“ ist mittlerweile gemeinfrei, man kann es sich legal unter Archive.org herunterladen.