Batman und die Aussteiger

Batman Gotham Nights #7, 9, 10 (DC Comics)

Titel: Gotham Nights

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2020 (Gotham Nights #7-12)


Der Joker würde gerne als Comedian aufsteigen, fällt aber bloß in die Lächerlichkeit und steigt hinab in den Wahnsinn, woraufhin er seinen Promoter in den Kofferraum steigen lässt. Und während Batman eine Leiche im Koffer untersucht, versucht Two-Face mithilfe der Liebe aus dem Dasein als Krimineller auszusteigen. Killer Moth findet für seinen eigenen Ausstieg eine kreative Lösung. Und Signal versucht, einem alten Jugendfreund zu helfen, aus einer Gang auszusteigen, während der Sohn von Tony Zucco das bereits geschafft hat.

Man sieht: In Gotham Nights #7-12 geht sehr viel um Aufsteiger, Absteiger und vor allem Aussteiger. Vor allem Nightwing, Red Hood und Robin bekommen diesmal viel Raum, gerade die Sidekicks, die versuchen, sich von Batman zu lösen. Alle fünf (ehemaligen) Robins werden entführt und gemeinsam festgehalten, um sich wieder befreien zu können. Und Red Hood will … ach, das hab ich schon wieder vergessen … Jedenfalls geht es auch da ums Rauskommen.

Batman Gotham Knights #8, 11, 12 (DC Comics)

Nach einem immerhin halb gelungenen Auftakt von Gotham Nights folgen nun lauter Routinestorys, zu oft aber in unterdurchschnittlicher Optik. Wahre Highlights sucht man in dieser Sammlung vergeblich, sodass DCs Digitalserie auch die Leser eher zum Aussteigen motiviert. Super – immerhin da passt es.

Das nächste Mal: Bitte nur etwas erzählen, wenn man was zu erzählen hat. Eine richtig gute Idee wäre nicht verkehrt. Und vielleicht auch etwas mehr Raum als nur eine Handvoll Seiten. Und weniger Joker täte auch ganz gut. Dieser Schurke wird in letzter Zeit eindeutig überstrapaziert. Vor allem: Bitte keine Origins mehr. Spätestens nach Joaquin Phoenix dürfte für sehr lange Zeit alles darüber gesagt sein.

Das Ganze wirkt natürlich umso liebloser, dass die meisten Ausgaben nicht einmal eigene Cover bekommen, sondern bloß einzelne Panels dafür wiederverwertet werden.


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Batman kämpft mit der deutschen Sprache

Bitte sprechen Sie langsam: Batman versucht sich mit Deutsch.

Batman kann alles. Außer Deutsch. Als er einmal in Österreich auf einen Mönch trifft (Gothic, Legends of the Dark Knight #8), spricht er zwar flüssig Deutsch, aber als der Mönch antwortet, bittet Batman ihn darum, langsamer zu sprechen, da sein Deutsch dafür nicht gut genug sei. Aber zum Glück spricht der Abt, auf den er später trifft, perfekt Englisch und Batman kehrt zurück in die Komfortzone.

Wer kann es Batman verübeln? Schon Mark Twain widmete 1880 der „schrecklichen deutschen Sprache“ einen bösen Essay, in dem es heißt:

Wer nie Deutsch gelernt hat, macht sich kein Bild davon, wie verwirrend diese Sprache sein kann. Gewiss gibt es keine andere Sprache, die derart schlampig und unsystematisch ist und sich jeglichem Zugriff auf so schlüpfrige Weise entzieht. (…) Der Erfinder dieser Sprache scheint sich einen Spaß daraus gemacht zu haben, sie in jeder erdenklichen Weise zu verkomplizieren.

Natürlich hat er Recht: Deutsch ist sogar für Deutsche zu kompliziert. Nun muss man Twain dafür loben, dass er immerhin versucht hat, die Sprache zu lernen und es offenbar auch gut beherrschte. Das gilt für die meisten Amerikaner nicht, die ohnehin nicht für Fremdsprachenkenntnisse bekannt sind – wozu auch, wenn die meisten ihre Sprache sprechen? Und dieser Bildungsmangel macht sich auch in den Comics deutlich – und gerade beim Deutschen hat das Tradition.

Nazi-Denglisch: Batman #14, 1942 (DC Comics)

Seit den 40ern tauchen Deutsche in Comics auf. Zunächst als Nazis, vor allem Spione. Man erkannte sie daran, dass sie so etwas wie „Halt!“ oder „Himmel!“ riefen. „Führer“ wurde aber meist mit normalem U oder mit UE geschrieben. Die Deutschen sprechen meist Mischformen von Deutsch und Englisch, gepfeffert mit einem starken Akzent: „Himmel! It iss too late! Step on der Gas!“, heißt es da, oder: „Der Batman’s finished! Heil Hitler!“ oder „Der hour has struck — also mein head!“(Batman #14). Im Zweifel lautet der Artikel immer „der“, das klingt am deutschesten.

Wem die Stunde schlägt: Robin gegen Nazis.

Aber gut, das waren noch andere Zeiten: die Deutschen waren noch Feinde wie die Japaner, die in den Comics während des Zweiten Weltkriegs genauso schlecht wegkamen. Doch seitdem änderte sich kaum etwas an der Qualität des Deutschen in Comics.

Auch in den 70ern wurde es nicht besser. Hier rufen Österreicher, wenn sie entsetzt sind, „Himmel!“, allerdings kennen sie mittlerweile auch „Donnerwetter!“ Und aus „der Batman“ (oder „der Fledermaus“) wird „der Fledermausmann“ (The Brave and the Bold #88, 1970). Das hat natürlich weder in Deutschland noch in Österreich je ein Mensch gesagt. Auch bei uns ist Batman einfach nur Batman – schon allein wegen der Kürze. (Anders als in Schweden, wo man von 1951 bis 1990 „Läderlappen“ schrieb, womit man die Fledermausfamilie der Glattnasen bezeichnet.) Aber „der Fledermausmann“ klingt halt so schön nach Lokalkolorit. Warum aber ein Österreicher „Denglisch“ denkt, bleibt etwas schleierhaft.

„Himmel! Der Fledermausmann!“

Im Zweifel ist auch der Österreicher ein Ordnungsfanatiker, der gerne andere zurechtweist: „Nein! Nein! Verboten!“, liest man da, als Batman ein Riesenrad erklimmt. Und warum ein Riesenrad? Na klar, wir sind ja in Wien – das kommt auch schon in Gothic vor. (Und: Der Dritte Mann lässt grüßen.)

Batman auf dem Riesenrad

„Donnerwetter! Ein Fledermausmann!“ Batman auf dem Riesenrad.

Anfang des neuen Jahrtausends scheint es zunächst besser zu werden. In Joker’s Last Laugh #1 liest man, wie ein deutscher Insasse einer Haftanstalt sagt: „Das ist der schonste Tag in meinem Leben!“ Bis auf den fehlenden Umlaut ist der Satz bemerkenswert tadellos.

Das ist der korrekteste deutsche Satz in einem Batman-Comic. (DC Comics)

Doch das wird noch in derselben Ausgabe wieder zunichte gemacht mit dem Satz: „Wir bist frei.“ Damit haben sich auch die Autoren von den Zwängen der deutschen Grammatik befreit.

Frei von den Fesseln der Grammatik: Jokers Last Laugh #1.

Und nicht nur in Batman-Comics findet man solche Sprachpatzer. In Daredevil #66 (2004) leistet sich ein Profi wie Brian Michael Bendis eine ganze Reihe von kuriosen Sätzen: „Aber was über die Diamanten!“ ist noch verzeihlich, fast schon drollig liest sich „Jemand töten diesen Fruchtkuchen!“ Aber ein Satz ergibt einfach keinen Sinn: „Gerecht schieben sie ihn und halten sie das Geld!“ Da scheint jemand eine Auto-Übersetzung auf dem Stand der Nuller-Jahre benutzt zu haben – ohne das Ergebnis zu prüfen.

Da fragt man sich: Wie kommt so eine Schlamperei zustande? Dass weder Autoren noch Redakteure Deutsch können müssen, versteht sich von selbst. Anscheinend behelfen sie sich mit Wörterbüchern und dem Internet. Aber offenbar konsultieren sie auch niemanden, der der Sprache mächtig wäre. Selbst in einem aufwendigen und minutiös recherchiertem Werk wie Berlin von Jason Lutes finden sich Fehler in den eingesprengten deutschen Sätzen. Im Zweifel fällt es kaum einem auf: Die US-Leser wissen es ja selbst oft nicht besser und die Deutschen lesen meist Übersetzungen.

Dass es auch anders geht, zeigt Altmeister Alan Moore. In The League of Extraordinary Gentlemen Vol. 1 lässt er Figuren Französisch, Chinesisch und Arabisch sprechen – ohne Übersetzung ins Englische. In den Sprechblasen stehen die Zeichen der jeweiligen Originalsprachen. Dafür hat Moore Übersetzer beauftragt. Ein bisschen Aufwand, ein bisschen Kosten, aber Moore macht eben keine halben Sachen. Auch in dieser Hinsicht sollten sich andere Autoren an ihm ein Vorbild nehmen.


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„The Batman“ bekommt Spinoff-Serie auf HBO Max

Gotham Central (DC Comics)

Der neue Batman-Film von Matt Reeves ist noch gar nicht fertig, wegen der Coronakrise verzögert sich der Starttermin voraussichtlich bis 1. Oktober 2021, da kommt Warner Bros. schon mit etwas Neuem um die Ecke: Auf dem Streamingportal HBO Max soll eine Spinoff-Serie erscheinen, in deren Mittelpunkt das Gotham City Police Department und die Korruption in Gotham stehen. Ein Titel, ein Starttermin sowie Details zu Charakteren und Besetzung sind nicht bekannt. Allerdings deutet die Pressemitteilung an, dass es darum geht, ein neues Batman-Universum über mehrere Plattformen aufzubauen. Es soll viele Charaktere geben, die in der Serie vertieft werden.

Die Serie wird produziert von Matt Reeves und Dylan Clark, die gemeinsam auch The Batman produzieren. Showrunner wird Terence Winter sein, der bereits an den Sopranos mitgeschrieben hat und für die grandiose Prohibitions-Serie Boardwalk Empire verantwortlich war. Von ihm stammt auch das Drehbuch zum Martin Scorsese-Film The Wolf of Wall Street.

Das neue Batmobil in The Batman (Quelle: Matt Reeves/Twitter)

Das Konzept des neuen Projekts erinnert an die preisgekrönte Comicserie Gotham Central (2002-2006) von Ed Brubaker und Greg Rucka. Darin taucht Batman nur am Rande auf, während im Mittelpunkt die Polizisten und ihr Umgang mit dem Verbrechen stehen. Die Grundidee wurde bereits in der Serie Gotham (2014-2019) adaptiert, allerdings als Prequel vor der Entstehung von Batman.

In The Batman wird Robert Pattinson die Hauptrolle übernehmen. Jeffrey Wright (bekannt als Felix Leiter aus James Bond) wird James Gordon spielen, Andy Serkis wird als Alfred Pennyworth auftreten. Catwoman wird gespielt von Zoë Kravitz, der Pinguin von Colin Farrell, der Riddler von Paul Dano und Carmine Falcone von John Turturro.

Dass Kinofilme zu Serien adaptiert werden, ist ein Trend, der seit Jahren anhält. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Neu ist, dass jetzt Filme Hand in Hand mit Serien konzipiert werden. Für HBO Max wurde auch bereits eine Spinoff-Serie zum neuen Dune-Film von Denis Villeneuve angekündigt: Dune: The Sisterhood. Und im Jahr 2021 soll dort dann auch endlich Zack Snyder’s Justice League erscheinen – möglicherweise als vierteilige Miniserie.

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Riddlers Bombenspaß mit Cluemaster

DC Comics

Titel: Badd Girls/Lethal Pursuits/Riddled

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Graham Nolan

Erschienen: 1997 (Detective Comics #705-707), Paperback 2020 (Batman: Knight Out), dt. Dino Verlag 1998-1999 (Batman #25-26)


Während der Riddler nach einer Operation seiner gebrochenen Hand im Krankenhaus liegt, befreien seine Handlangerinnen Query und Echo den Schurken Arthur Brown. Dessen Zeit als Möchtegern-Riddler namens Cluemaster sind zwar vorbei, aber der Riddler hat andere Pläne mit ihm: Er legt ihm eine Sprengstoff-Weste an und lässt Batman und Robin Rätsel lösend durch die Stadt hetzen. Sie haben jeweils 15 Minuten Zeit, um zur nächsten Station zu gelangen, sonst stirbt Brown.

Die Rätsel sind auffallend einfach, meistens sind nur Buchstaben und Zahlen gefragt, aber was haben sie zu bedeuten? Was hat der Riddler mit dieser Masche vor? Während Robin und Oracle knobeln, begibt sich Batman in ernsthafte Lebensgefahr …

Ach ja, die guten alten 90er: Chuck Dixon und Graham Nolan bildeten neben Doug Moench und Kelley Jones das andere Dreamteam (neben Alan Grant und N. Wem die düsteren Zeichnungen von Jones zu viel waren, der fand beim klaren Stil von Nolan seinen Trost. Und Dixon landete als Storyteller bei der Masse an Output immer wieder einen Treffer. Dieser Dreiteiler gehört zu den Höhepunkten dieser Zeit zwischen Knightfall und dem Beben (Cataclysm) und er gehört auch zu den wohl besten, weil cleversten Riddler-Storys überhaupt (und clever sind sie leider selten).

Der Riddler tritt hier mit seinen Rätseln erneut als Künstler nach eigenem Selbstverständnis auf. Aber auch als Baseball-Fan. Zum einen treibt er also sein Spiel mit Batman, zum anderen geht es ihm bei seiner Beute nicht um Profit, sondern um einen ideellen Wert. Allerdings ist er mehr als nur ein Spieler: Wieder einmal schreckt er auch hier nicht vor Mord zurück.

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Batmans Retter: Dennis O’Neil

Der Tod von Dennis „Denny“ O’Neil im Juni gibt Anlass dazu, sich der Bedeutung dieses Autors bewusst zu werden. Vor allem für Batman. Denn während heute vor allem Frank Miller als Erfinder des modernen Batman gilt, wird oft übersehen, dass O’Neil schon in den 1970 den Grundstein dafür gelegt hat. Zusammen mit Zeichner Neal Adams hat er Batman wieder zu einem düsteren Einzelgänger gemacht. Damit wurde er nicht nur zu seinem Ursprung zurückgeführt, Batman fand auch wieder mehr in der wahren Welt statt.

Das war auch dringend nötig, denn in den 60ern war Batman nicht mehr ernst zu nehmen. Zunächst wurden die Geschichten immer verrückter, doch durch die TV-Serie mit Adam West war der trashige Ruf zementiert. Comicverkäufe nahmen ab. O’Neil hat sozusagen Batman gerettet, wie es in dem oben stehenden Video-Essay auf YouTube heißt.

Doch auch wenn er bedeutendes geleistet hat, wie etwa den Joker wieder zu einem zynischen Mörder zu machen, Two-Face als ernstzunehmenden Charakter zu etablieren oder Ra’s al Ghul zu erfinden, es ist nicht allein sein Verdienst. Denn einen ersten Versuch, Batman zu modernisieren, gab es schon 1964 (Detective Comics #327). Der wurde allerdings durch den Einfluss der TV-Serie wieder zunichte gemacht. Die Comics wurden dem Stil und dem Niveau der Serie angepasst. Und danach wurde bereits 1969 (Batman #217) Batman radikal geändert: Dick Grayson zog aus, ging aufs College, Bruce Wayne verließ Wayne Manor und richtete sein Batman-Hauptquartier im Wayne Tower ein. Das war der eigentliche Neubeginn für die Figur. Damals hieß der Autor aber noch Frank Robbins.

Das alles soll O’Neils Verdienste nicht schmälern. Es soll nur zeigen, dass Entwicklungen immer ein Kontinuum darstellen und es für jeden Autor Vordenker gibt und dass kreative Arbeit häufig Teamarbeit ist. In dem Fall spielt auch DC-Redakteur Julius „Julie“ Schwartz eine wichtige Rolle. Wenn einer Batman „gerettet“ hat, dann war es er.

>> Batman-Chronik

Catwoman trägt Tigermuster

DC Comics

Titel: The Last Angel

Autor/Zeichner: Eric Lustbader/Lee Moder

Erschienen: 1994 (One-shot)


Eine unbezahlbare Maya-Maske soll in Gotham ausgestellt werden. Weil nicht nur Mafioso Rupert Thorne und Catwoman es darauf abgesehen haben, soll Batman sie aufhalten. Doch dann wird die Mäzenin der Ausstellung ermordet, die Spur führt zunächst zu Thorne. Und Catwoman bandelt mit dem Archäologen an, der die Maske gefunden hat. Er erklärt ihr, dass es sich um die Maske eines Fledermausgottes handelt. Sie birgt eine ungeheuer böse Macht, mit der ein Priester einst sein Volk ruiniert hat.

Fledermausgott? Das erinnert Bruce an sein Erlebnis in Alaska (Batman: Shaman). Und kaum wird er der Maske habhaft, ergreift ihr Fluch auch schon Besitz von ihm. Batman wird böse, läuft Amok und fordert Menschenopfer – zuerst Selina Kyle, dann Gordon. Catwoman muss von der Gegnerin und Diebin zur Heldin werden, um Batman und die ganze Welt zu retten …

Am Ende müssen Catwoman und Batman (kein Spoiler) gemeinsam gegen den eigentlichen geheimen Drahtzieher des komplizierten Komplotts vorgehen, der all das nur geplant hat, um … äh … was genau zu erreichen? Batman zu demütigen? Na ja …

Zerbrochen an einer Männer-Welt

Das Besondere an dieser aufgeblasenen Geschichte: Catwoman trägt (ohne Erklärung) ein braun-gelbes Kostüm mit Tigerstreifen. Außerdem hat sie ihre Peitsche bondage-mäßig um den Körper geschlungen. Ein sehr kurioses und schrilles Kostüm, das so ziemlich das genaue Gegenteil ihrer bisherigen Kostüme ist, die violett, grau oder schwarz gehalten sind.

Aber hier ist Catwoman auch keine Schurkin mehr, sondern eben eine Superheldin. Passend dazu ist sie mit einem Jaguar als Sidekick unterwegs, mit dem sie nicht nur sprechen kann, sie kann ihn sogar bei einem komplexen Diebstahl einsetzen, was der alberne Höhepunkt der Geschichte ist.

Nebenbei erfahren wir in Rückblenden, dass Selika Kyles Mutter in der Psychiatrie gelandet ist. „The pressure of performing in a man’s world was too much for her. It’s driven her mad …“, sagt ihr Vater, der bedauert, keinen Sohn in die Welt gesetzt zu haben, der die Härten des Lebens erträgt. Das führte zum Bruch zwischen Selina und ihrem Vater, wobei sie sich später fragt, wen sie damit habe bestrafen wollen, und ob sie mit Batman nicht nur den Konflikt fortsetzt. Zum Schluss ist sie plötzlich mit beiden versöhnt, obwohl ihr Vater ihr keinen Grund dazu gegeben hat. Muss man das verstehen? Wenn einer schlauer ist, möge er/sie es mir erklären …

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Das Problem mit Batman

Für jemanden, der mit dem Batman der späten 80er und 90er aufgewachsen ist, ist Batman ein Dunkler Ritter in einer düsteren Stadt. Ein kaputter Typ in kaputter Umwelt: Korruption, Armut, Finsternis, Schmutz. Egal ob bei Frank Miller, Tim Burton, in The Animated Series oder den Comics der 90er – Gotham ist ein Albtraum des Verbrechens, ein Ort des Horrors.

So stellt es Zane Whitener im Video seines YouTube-Kanals In Praise of Shadows dar und zeigt damit auf, was das Problem mit dem Batman der letzten 20 Jahre ist: Er wird diesem Gotham nicht mehr gerecht. Wer keine Lust hat, sich diese eine Stunde Video anzusehen oder der englischen Sprache nicht ganz mächtig ist, dem seien die wichtigsten fünf Kritikpunkte kurz erklärt:

  • Gotham ist zu hell: Der Gothic-Stil ist verloren gegangen, aber auch das Ausmaß des Elends in der Stadt. Seit der Jahrtausendwende ist Gotham zu optimistisch.
  • Batman darf nicht mehr Batman sein: nicht mehr der einsamer Grübler, nicht mehr Detektiv, nicht mehr er selbst – vor allem bei Tom King ist er kaum noch wiederzuerkennen. Vor allem ist er zu pessimistisch.
  • Die Batman-Familie ist zu groß – und wird immer größer, weil ständig neue Nebencharaktere hinzukommen. Batman verkommt zur Soap.
  • Das Potenzial der Schurken wird verschwendet. Die meisten klassischen Schurken spielen keine große Rolle mehr, bekommen kaum noch längere Geschichten, die sie interessant machen und ihnen Tiefe verleihen.
  • Der Joker dominiert alles: Er wird in Filmen und Comics zu oft verwendet. Dadurch stellt sich eine Joker-Müdigkeit ein.

Besonders hart geht der Autor des Videos mit Grant Morrison und Tom King ins Gericht, letzteres kann ich nur unterstützen. King untergrub ständig Erwartungen, aber das war reiner Selbstzweck – ein hohler Leerlauf. Lob gibt es hingegen für die Storys von Scott Snyder und Greg Capullo in The New 52, auch wenn die beiden den Joker ebenfalls zu oft verwendet haben und zum Schluss die Luft raus war.

Die meisten dieser Punkt stellen wirklich ein Problem dar. Es ist enttäuschend zu sehen, wie immer wieder Schurken auf Cameo-Auftritte reduziert werden oder nur kurze Storys bekommen. Meistens spielen Sie keine große Rolle mehr, sondern stehen bloß sinnlos in der Gegend rum. Es gibt viele berühmte Schurken, für die man kaum ein gutes Comic zu nennen weiß.

Doch es gibt Ausnahmen, auf die der Autor zu wenig eingeht. Man kann aber auch sagen: Das Wichtigste findet heutzutage nicht mehr in den regulären Traditionsserien Batman und Detective Comics statt, sondern eben außerhalb der Continuity. Die besten Batman-Comics der letzten zehn Jahre waren Batman: Earth One, Dark Night: A True Batman-Story, und White Knight. Alles Werke ohne den Ballast der großen Storylines.

Trotzdem muss man zur Verteidigung der Autoren sagen: Nach 80 Jahren Batman ist es verdammt schwer, noch etwas Neues zu erzählen. Alles ist schon dagewesen. Man kann nur noch versuchen, die einzelnen Bestandteile neu zu mischen. Besonders gelungen ist das Sean Murphy in White Knight. Das Werk ist traditionsbewusst, aber fühlt sich trotzdem frisch an.

Jeder gibt sein Bestes, seine Vision von Batman zu verwirklichen – und in 80 Jahren Tradition findet jeder den Batman für seinen Geschmack. Man darf nicht vergessen: Batman hat zwar seine Wurzeln als düsterer Einzelgänger, aber das war er nur im ersten Jahr. Von 1940 bis 1969 war er knallbunt, lächelnd, ständig in Begleitung von Robin, und Freund und Helfer der Polizei, seine Geschichten mitunter hanebüchen. Das stehen die ersten drei Jahrzehnte gegen die 35 Jahre seit Frank Miller. Selbst in den 70ern war nicht alles ernst zu nehmen. Es ist also durchaus berechtigt, dass wir ständig neue Versionen von Batman sehen. So ist auch für jeden Geschmack was dabei.

Aber vielleicht ist das gar nicht mal ein echtes „Problem“. Denn am Ende gilt wie immer Sturgeons Gesetz, benannt nach einer Aussage des Science-Fiction-Autors Theordore Sturgeon: „90 Prozent von allem ist Mist.“ Das gilt für alles, nicht nur für Batman. Wie kann bei dem riesigen Output an Comics und Filmmaterial auch alles gut sein? Seien wir ehrlich: Das Meiste ist bestenfalls Durchschnitt, vergessenswert. War es immer schon. Aber darauf kommt es nicht an. Was zählt, ist was in Erinnerung bleibt. Und das zu finden, darum geht es vor allem mir.

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Neue Anthologie: „Batman Arkham: Talia al Ghul“

DC Comics

Die Batman Arkham-Reihe präsentiert seit 2015 einen Querschnitt durch die Karrieren von Batmans Schurken. Nicht vollständig, aber weitgehend repräsentativ schließen sie einige Bildungslücken für alle, die sich für Comicgeschichte interessieren – auch wenn manches selbst lückenhaft bleibt und manche Storys nur angerissen werden.

Die größten Schurken haben bereits einen solchen Band bekommen: Riddler, Scarecrow, Clayface, Two-Face, Pinguin, Mister Freeze, Man-Bat, Poison Ivy, Killer Croc und Black Mask. Allerdings auch bestenfalls zweitrangige Gestalten wie Hugo Strange, Zsasz und die vergessenswerte Joker’s Daughter (die niemals seine Tochter war), während Mad Hatter, Scarface und Bane immer noch fehlen.

Aber auf die werden wir wohl noch warten müssen: Nach einem unnötigen Band Ra’s al Ghul ist für den 23. März 2021 auch Talia al Ghul angekündigt. Das führt dazu, dass darin wieder Batman #232 (1971) vorkommt. Der Rest bildet einen seltsamen Flickenteppich:

Da ist man besser bedient mit Bänden wie Tales of the Demon und Birth of the Demon, das im September als The Demon Trilogy als Hardcover erscheint. Auch das Meisterwerk Death and the Maidens liest man besser vollständig – es ist viel zu schade, daraus nur ein Kapitelchen zu reißen.

Vielleicht steckt dahinter auch der Versuch, Talia zu einer Figur eigenen Rechts zu machen. Aber dazu ist sie viel zu sehr mit ihrem Vater verbunden. Auf jeden Fall tut man ihr mit einer solchen halbgaren Sammlung keinen Gefallen. Denn Fans haben das Meiste davon schon und Neulinge bekommen eigentlich nur ein paar Teaser ohne Zusammenhang geliefert. Schwach.

Übrigens: Wer den Riddler- oder Scarecrow-Band von Batman Arkham besitzt, kann sich glücklich schätzen. Bei Amazon werden dafür mittlerweile dreistellige Summen verlangt.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Riddler als Quizmaster

DC Comics

Titel: Riddler – The Riddle Factory

Autor/Zeichner: Matt Wagner/Dave Taylor

Erschienen: 1995 (One-Shot), Hardcover 2020 (Legends of the Dark Knight: Matt Wagner)


Der Riddler veranstaltet seine eigene Quiz-Show. An wechselnden geheimen Orten in Gotham versammelt er ein Publikum und lässt Freiwillige seine Rätsel lösen, während sie sich in Lebensgefahr begeben. Wenn sie die Fragen falsch beantworten, werden sie von einem tollwütigen Waschbären gebissen, in Tomatensuppe versenkt oder als Pinnball missbraucht. Die Lösungen der einzelnen Rätsel geben zusammen das Geheimnis eines Prominenten preis, eines Milliardärs oder eines Künstlers zum Beispiel. Schließlich soll als nächstes Bruce Wayne bloßgestellt werden …

Abgesehen von Kleinigkeiten tut der Riddler nichts Illegales – aber was hat er wirklich vor? Batman vermutet, dass mehr dahintersteckt. Und natürlich trügt ihn sein Instinkt nicht. Die Auflösung ist aber so banal, dass die ganze Grundidee der Story in sich zusammenfällt. Genauso wie dem Riddler bei seiner Recherche über Bruce Wayne klar wird, dass es da kein dunkles Geheimnis zu entlarven gibt. Auf die Verbindung zu Batman kommt dieses vermeintliche Genie nicht.

1995 schuf DC dieses Special zum Film Batman Forever. Matt Wagner ist eigentlich ein fähiger Autor, von ihm stammt die brilliante Two-Face-Story Faces, aber auch die beiden gelungenen Neufassungen von Batman and the Monster Men (2005/2006) sowie Batman and the Mad Monk (2006/2007). Aber dieses Werk wirkt ziemlich uninspiriert.

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Von Captain Marvel zu Shazam (und Miracleman)

Eigentlich müsste er heute die Nummer eins der Superhelden sein. Eigentlich spricht er Kinder (Jungs) viel mehr an als Superman oder Batman oder Robin, weil er selbst ein Kind im Körper eines Mannes ist. Eigentlich müsste er Captain Marvel heißen. Stattdessen wird er heute „Shazam“ genannt, obwohl bereits seit 2002 auch ein Musikdienst so heißt. Captain Marvel ist eine Frau von der Konkurrenz und er selbst wirkt nur wie ein Abklatsch von Superman. Dass er das nicht ist, konnte man zuletzt im Kino sehen: Shazam! war ein viel größeres Vergnügen als der deprimierende und ermüdende Man of Steel von Zack Snyder.

Doch in den 1940ern war er viel beliebter als Superman. Er war auch der erste Superheld überhaupt, der ins Kino kam (mit einem Serial). Und weil National Publications (heute DC Comics) sich nicht gerne von der Konkurrenz ausbooten ließ, klagte der Verlag so lange wegen Urheberrechtsverletzung, bis der Verlag Fawcett pleite war und Captain Marvel 1953 eingestellt wurde. Später kaufte DC die Rechte und machte ihren eigenen Helden daraus. Und weil der Ausruf „Shazam!“ eine stärkere Marke ist als Captain Marvel und damit auch keine Verwechslungsgefahr besteht, wurde er eben umbenannt.

Eine einstündige Doku von Warner Bros. erzählt die wechselreiche Geschichte des Superhelden nach, während Alex Ross (Kingdom Come, Justice) in seinem 20-Minuten-Video ein Bild präsentiert, auf dem er alle Figuren abbildet, die von Shazam beeinflusst wurden, darunter auch Marvel-Gestalten wie Thor und Captain Marvel.

Dass Captain Marvel in Großbritannien eine zweite Karriere beschert war, davon erzählt der YouTube-Kanal Nerdwriter. Nach dem Ende von Captain Marvel wurde auf der Insel „Marvelman“ daraus, später „Miracleman“ und ein aufstrebender junger Autor erfand ihn nicht nur in den 80ern neu, sondern schrieb damit auch selbst ein Stück Comicgeschichte: Alan Moore, der später mit Comics V for Vendetta und Watchmen berühmt werden sollte.