Die Rache des Schnitters

The Reaper

DC Comics

Titel: Night of the Reaper

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil, Bernie Wrightson, Harlan Ellison/Neal Adams

Erschienen: 1971 (Batman #237), Paperback 1999 (Batman in the Seventies), Hardcover 2013/2020 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 3/Batman by Neal Adams: Book Three)


Dick Grayson ist an Halloween mit seinen Kumpels auf einer Superhelden-Parade, da wird die Gruppe von drei Fremden angefallen. Als Robin verkleidet findet Dick später einen Toten im Batman-Kostüm, dann geht plötzlich einer im Sensenmann-Kostüm auf ihn los. Robin fällt nach hinten in eine kleine Senke, Batman holt ihn später raus und bringt ins Haus eines Mannes namens Tom Fagan, der gerade eine Halloween-Party schmeißt. Dort wird Robin von Doctor Gruener behandelt, einem Holocaust-Überlebenden.

Gruener erzählt, er sei in einem Konzentrationslager inhaftiert gewesen, das von dem Nazi Colonel Kurt Schloss geführt worden sei, einem Sadisten und Mörder. Gruener hat herausgefunden, dass Schloss ebenfalls in den USA lebt. Die Männer, die Dick angegriffen haben, sollen Nazis sein, die hinter Schloss her sind, weil er sich mit ihrem Gold aus dem Staub gemacht hat (was immer noch nicht erklärt, warum sie auf die Gruppe losgegangen sind).

Ein weiterer Mann wird vom „Reaper“ (Sensenmann/Schnitter) getötet. Schloss wird von den Nazis in seinem Auto hochgejagt. Am Ende stellt sich heraus, dass Gruener selbst der Reaper ist. Der will sich an seinen ehemaligen Folterknechten rächen. Aber Batman kann keinen Mord durchgehen lassen. Am Ende bringt Gruener eine Kette mit Davidstern-Anhänger zur Vernunft. Er sieht ein, dass er selbst geworden ist, was er hasst – und fällt in sein Verderben.

Superhero-Parade in Batman #237 (1971)

DC trifft Marvel bei der Superhelden-Parade zu Halloween. (DC Comics)

Bei aller ernsten Geschichtsaufarbeitung gibt es in der Story auch einen netten kleinen Gag: Bei der Parade ist auch Captain America zu sehen, auf der Halloween-Party tummeln sich auch Gesichter aus dem Marvel-Universum. Wir sehen einen „Thor“ mit Zimmermannshammer und einen Spider-Man, der sich „Webslinger Lad“ nennt.

>> Batman 1970-1979

Der unheilige Batman

Tales from the DC Dark Multiverse: Knightfall

DC Comics

Titel: Tales from the DC Dark Multiverse – Knightfall

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Kyle Higgins/Javi Fernandez

Erschienen: 2019 (One-shot)


„Some wounds don’t heal. What’s broken cannot always be fixed.“

Was wäre wenn … Jean-Paul Valley Bruce Wayne nach dem Knightfall besiegt hätte? Dieses Szenario spielt der One-shot Tales from the DC Dark Multiverse: Knightfall durch. Die Antwort: Jean-Paul übernimmt als Saint Batman eine Schreckensherrschaft in Gotham, schart eine Bande von St.-Dumas-Anhängern um sich, die Schurken wie den Pinguin auf offener Straße exekutieren. Bruce Wayne lebt nur noch in Gefangenschaft weiter, als Kopf und Torso – Saint Batman hat ihm seine Gliedmaßen amputiert.

Da gehen plötzlich in der Stadt mehrere Bomben hoch und es erscheint ein neuer Held: Tourne, der Sohn von Bane. Venom fließt durch seinen Körper. Er befreit Bruce, macht ihn zu einem noch mächtigeren Batman, der mittels Nano-Fledermäusen fliegen und alles zerfetzen kann, das sich ihm in den Weg stellt und zusammen mit Lady Shiva (die Bruce einst trainiert hat) stellen sie sich Saint Batman …

Diese Kurzgeschichte im Elseworlds-Stil setzt auch die Tradition fort, dass ein interessanter Ansatz viel zu schnell abgehandelt wird. Zu dieser Tradition gehört es, dass am Ende auch der alte Status quo wieder hergestellt wird, aber hier bekommt die Geschichte eine unerwartete, tragische Wendung. Ausdrucksstark und präzise gezeichnet bietet diese alternative Batman-Story eine gelungene Variation eines bekannten Themas, nach dem zwar niemand gefragt hat, aber den Wunsch nach mehr zurücklässt.

Die Rahmenhandlung deutet an, dass das kommen könnte – ein Reisender durchs Multiversum mit dem bescheuerten Namen Tempus Fuginaut (vgl. Temple Fugate) weist auf eine kommende Krise hin, die noch größer ist, als alle Krisen zuvor … Wie oft wir das schon gelesen haben …

Nachricht ohne Spoiler

Batman: Pennyworth R.I.P.

DC Comics

Wer DC auf Twitter abonniert, will über neueste Comics auf dem Laufenden bleiben. Das klappt meistens ganz gut. Aber heute bin ich über eine Nachricht gestolpert, die zu viel des Guten berichtet. Darin steht, dass in Batman #77 das Undenkbare geschehen sei. Was das ist, das will ich hier nicht verraten, denn ich will es nicht für die Leser spoilern, die es selbst noch lesen wollen. Jedenfalls erscheint zu diesem unerhörten Ereignis am 12. Februar 2020 ein Comic, das davon erzählt, was nach diesem Ereignis passiert. Der Dunkle Ritter steht mal wieder am Scheideweg.

Dieser One-shot umfasst 48 Seiten und wird im Prestige-Format gedruckt sein. Geschrieben wird er von James Tynion IV (Detective Comics) und Peter J. Tomasi (Detective Comics, Batman and Robin) und gezeichnet von Eddy Barrows und Eber Ferreira.

Ich kann euch nicht mal verraten, wie dieses Comic heißt, weil damit schon zu viel gespoilert wäre. Wer Batman #77 gelesen hat oder wem Spoiler egal sind, der kann das alles bei DC Comics nachlesen. Auf eigene Gefahr.

Flash stellt Batman seine Faust vor

Batman/Flash: Der Preis

DC Comics

Titel: Heroes in Crisis – The Price and other Stories (dt. Der Preis)

Autor/Zeichner: Joshua Wiliamson/Guillem March u.a.

Erschienen: 2019 (Batman #64-65, The Flash #64-65, Green Arrow #45 and #48-50, The Flash Annual #2), Hardcover 2019; dt. Panini 2019 (nur „The Price“)


„The price of wearing these costumes is just too much!“ (Flash)

Nach den Ereignissen von Heroes in Crisis trauert Flash (Barry Allen) um Wally West. Da greift jemand das Flash Museum in Central City an – nämlich Gotham Girl. Jene unglückselige Möchtegern-Superheldin, die mit ihrem Bruder „Gotham“ einst Batman ablösen sollten, aber wegen unglücklicher Umstände ihre Kräfte nicht einsetzen können, ohne zu sterben. Jetzt dreht das Mädchen durch und Batman und Flash müssen sie davon abhalten, noch mehr Schaden anzurichten.

Batman und Flash sind ein ungleiches Team, das zuletzt in Flashpoint und The Button sehr gut funktioniert hat. In „The Price“ stimmt wieder die Chemie zwischen ihnen, sie bilden ein starkes Team. Batman fragt sich, wer wohl der bessere Detektiv von beiden ist, während Flash ihm den Rang zugesteht. Aber die Story will einfach nicht fesseln, weil Gotham Girl keine interessante Gegnerin darstellt. Auch als sie ihren toten Bruder von den Toten zurückzuholen scheint, wird nicht mehr als eine beliebige Actionsequenz daraus. Beide Probleme lösen sich von selbst, weil die Gegner an ihrer gemeinsamen Schwäche scheitern.

Erst am Ende wird es aufregend, wenn ein Streit zwischen Flash und Batman über Wallys Tod ausbricht. Während Barry Allen findet, der Preis für ihr Heldentum sei zu hoch, ist Bruce der Ansicht, dass er ein notwendiges Übel ist, damit ihre Nächsten den Preis nicht zahlen müssen. Flash ist kurz davor, Batman zu verprügeln … Dann ist die Story leider zu Ende und weist wieder zurück aufs große Ganze.

Flash vs. Batman

Flash rückt Batman zu Leibe.

Die zweite Hälfte des Bandes ist Green Arrow gewidmet. Er trauert um Roy Harper (Arsenal), der ebenfalls in Sanctuary getötet wurde. Dann muss er mit Black Canary gegen Count Vertigo kämpfen, der aus dem Gefängnis ausgebrochen ist, um sich an Roy zu rächen. Es sind viele Seiten schwindelerregender Stadtverschiebungen nötig, um dem Schurken die Wahrheit zu stecken. Schließlich wird Black Canary darauf angesetzt, Green Arrow auszuschalten – davon handelt dann das letzte Kapitel.

Das alles ist stark erzählt, aber nötig ist es nicht unbedingt, das alles zu wissen, wenn man sich nicht besonders für Green Arrow interessiert. Vor allem das letzte Kapitel hätte man sich sparen können, weil damit eine neue Geschichte beginnt, die auch kaum etwas mit Heroes in Crisis zu tun hat. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass hier neue Leser für Green Arrow (und Flash) gewonnen werden sollen. Wer kein Sammler ist, der alles haben muss, der kann auf diesen Band sogar noch mehr verzichten als auf das Hauptevent Heroes in Crisis.

Batman und der Werwolf

moon of the wolf

DC Comics

Titel: Moon of the Wolf

Autor/Zeichner: Len Wein/Neal Adams

Erschienen: 1974 (Batman #255), Hardcover 2014 (Tales of the Batman: Len Wein)


Wenn Batman durch Gotham patrouilliert, ist mit Überraschungen zu rechnen. Einmal kraxelt gerade ein Werwolf ein Hochhaus hoch und fällt über eine Frau her – was Werwölfe so machen. Aber nicht in Batmans Stadt! (Zumindest nicht dann, wenn der Dunkle Ritter zufällig Zeuge wird.) Batman konfrontiert den pelzigen Aggressor, der wirft die Frau aus dem Fenster, Batman springt hinterher und kann die Jungfer in Nöten rechtzeitig retten, auch wenn er sich dabei den Arm auskugelt.

Wo aber kommt dieser Werwolf her? Ein Mad Scientist hat ihn geschaffen. Nicht irgendein Mad Scientist, sondern Professor Achilles Milo. Ja, genau der Milo, der 1957 beinahe Batmans Karriere beendet hat – und das gleich zwei Mal (Batman #112/Detective Comics #247)! Milo hat einem jungen Mann namens Anthony Lupus (!) ein Serum verabreicht, das ihn zum Tier werden lässt, damit er Batman in Fetzen reißt. Er lockt Batman in eine Falle. Batman soll einen Spendenscheck abholen und wird dabei mit Gas betäubt, gefesselt und dem Werwolf zum Fraß vorgeworfen.

Doch Batman kann sich aus der Todesfalle befreien und es kommt zu einem spektakulären Kampf auf einer Baustelle. Batman rammt dem Monster eine Stahlstange in die Brust, dann schlägt dort zufällig der Blitz ein, weil solche Kämpfe schon allein wegen der Dramatik immer bei Gewitter stattfinden und von allen Göttern am meisten der Deus ex machina den Superhelden gewogen ist. Der Werwolf ist dann nicht etwa geröstet, sondern hat sich in Luft aufgelöst, taucht dann aber später in Alaska auf, wo die Gesellschaft echter Wölfe sucht.

Und wieder stellen wir fest, dass wissenschaftliches Genie nicht alles ist. Ein kluger Schurke hätte Batman einfach sofort erschossen, sobald er am Boden lag. Aber nein, man muss ja alles unnötig kompliziert machen. Schwer zu glauben, dass es diesen Bösewichten um Rache geht. Im Grunde sind alle bloß Egomanen, die der Welt zeigen können, welch genialen Erfindungen sie erschaffen können. Merke: Todesfallen sind nicht genial, sondern ziemlich dumm. Aber sie werden es wohl nie lernen. Na ja, irgendwie auch gut so, denn Batman soll uns noch lange erhalten bleiben …

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Helden mit Problemen

heroes in crisis tpb

DC Comics

Titel: Heroes in Crisis

Autor/Zeichner: Tom King/Clay Mann

Erschienen: 2018-2019 (Heroes in Crisis #1-9), Hardcover 2019


„Bros before heroes.“

Helden haben es nicht leicht. Auch Superhelden brauchen mal eine Auszeit. Und Hilfe. Vor allem psychologisch. Denn auch Superhelden leiden unter posttraumatischer Belastungsstörung. Dafür haben Superman und Co. Sanctuary eingerichtet, einen Zufluchtsort in Kansas, in den sich Superhelden anonym zurückziehen, über ihre Erfahrungen sprechen und in einer Art Holo-Deck ihre Traumata verarbeiten können. Flash Wally West ist dort, aber auch der ehemalige Green-Arrow-Sidekick Arsenal, Harley Quinn und Booster Gold. Dann endet das Experiment plötzlich, als alle Helden bei Sanctuary abgeschlachtet werden.

Superman, Batman und Wonder Woman untersuchen den Fall mit Hilfe von Flash. Sie verdächtigen Harley Quinn und Booster Gold, aber beide beteuern ihre Unschuld. Booster wird von seinem alten Kumpel Blue Beetle aus dem Knast befreit, während Harley sich mit Batgirl verbündet. In der Zwischenzeit macht Lois Lane das Geheimnis um Sanctuary ohne Rücksicht auf Verluste publik …

Regelmäßige Leser werden wissen, dass ich nicht gut auf Autor Tom King zu sprechen bin. Er hat zwar mit Sheriff of Babylon und The Vision bewiesen, dass er schreiben kann, aber sein Batman ist eine Qual, weil sich die minimale Handlung in die Länge zieht. Hier zäumt King das Pferd von hinten auf. Noch bevor Sanctuary eingeführt ist, ist es damit auch schon vorbei, weil das Schlimmste bereits passiert ist. Erst nach und nach erfährt man als Leser, was das für ein Ort war.

Wir sehen unzählige Aufzeichnungen von Helden, die erzählen, was sie belastet, meistens unbekannte Gesichter, die hier als Kanonenfutter dienen. Sie rechtfertigen sich, offenbaren sich oder üben sich im beredtem Schweigen. Das sind vielleicht die stärksten Momente, auch wenn sich das Prinzip, eingepfercht in das typische Neuner-Panel-Raster, etwa nach der Hälfte verbraucht und ab dann nur noch nervt – denn es muss einfach jeder mal was sagen. Wenn ein Neandertaler beginnt, über Hobbes und Rousseau zu philosophieren und mit einem Mammut kuschelt, wird es zu viel des Guten.

Erst am Ende überrascht und bewegt die Geschichte – wenn es eigentlich schon zu spät ist. Dann wird eine überkomplizierte Zeitreisegeschichte daraus. Man hätte das alles interessanter hinkriegen können. Denn die eigentliche Ermittlung spielt keine große Rolle, viel mehr sieht man bloß Harley, wie sie versucht, ihre Mordlust auszuleben.

Ein großes Problem ist auch das Konzept von Heroes in Crisis: Warum sollte Sanctuary ein anonymer Ort sein? Warum sollte man Menschen mit Problemen in Kameras sprechen lassen statt mit anderen, wo doch selbst Kriegsveteranen in einer Gruppentherapie zusammensitzen? Kein Wunder, dass der Aufenthalt nicht hilft und sich die Teilnehmer einsam fühlen. Daher wirkt die Story forciert und die Erkenntnis am Ende banal. Den Ärger hätte man sich sparen können – aber dann hätte es eben diese Geschichte nicht gegeben …

Ansonsten ist es typischer Tom King: Minimale Handlung, die auf großen Panels breitgetreten wird, lange Dialoge und Monologe mit abgehackten Sätzen und Endloswiederholungen, mal mehr, mal weniger gelungene Pointen. Allerdings wird so viel gewitzelt, dass man das Ganze nicht ganz ernst nehmen kann. Wieder einmal lassen die besten Zeichner die Story mehr glänzen, als sie es verdient. Manche Doppelseiten sind geradezu atemberaubend. Leider hat der auf dem Cover angepriesene Clay Mann nur einen geringen Anteil an den Seiten.

>> Liste der DC-Events und Crossover

Batman und der herzlose Vampir

Titel: Heart of a Vampire

Autor/Zeichner: Elliot S. Maggin/Mike Grell

Erschienen: 1976 (Detective Comics #455)


Batman und Dracula sind von je her miteinander verbunden: Das schwarze Cape, die Vorliebe für Fledermäuse, die theatralischen Auftritte, die Schattenspiele – das alles diente als Inspiration für Batman. Schon 1939 (Detective Comics #31-32) kämpfte Batman gegen einen Vampir und 1976 trat er erstmals gegen einen Dracula-Verschnitt an, der an Christopher Lee erinnert.

Bruce Wayne und Alfred bleiben mit dem Auto in einer gottverlassenen Gegend liegen. Auf der Suche nach Wasser für den Kühler bricht Bruce in ein leerstehendes Haus ein. Wasser finden die beiden nicht, dafür einen Sarg, der von einer Sonnenlampe angestrahlt wird. Kurz darauf steht ein Mann im Cape vor ihnen, der sich als Gustav Decobra vorstellt, ein ehemaliger Wissenschaftler – und Vampir.

Bruce zieht sich daraufhin in die Schatten zurück und macht eine wundersame Verwandlung in Batman durch. Wo er das Kostüm her hat und wie er sich so schnell umzieht, bleibt ein Rätsel. (Warum der Vampir so geduldig ist, darauf zu warten, ist ein anderes.) Jedenfalls fackelt Batman dann nicht lange, greift den Vampir an und rammt ihm einen Pflock in die Brust.

Nützt aber nix, weil Decobra schlau genug war, sein Herz vorsorglich vor solchen Angriffen zu verstecken. Transplantationen waren nämlich früher sein Spezielgebiet. Aber Decobra war seiner Zeit voraus, von der Wissenschaft abgelehnt, musste er an Leichen experimentieren und weil ihm offenbar die frischen ausgingen, öffnete er ein paar Gräber – und einmal eben das falsche, das eines Vampirs …

Batman und Alfred fliehen nicht etwa aus dem Haus, sondern rennen nach oben. Dort wird dann gekämpft. Decobra hat die Superkraft, einen Spaten aus einem Gemälde herauszuholen, um ihn als Waffe zu benutzen – für einen Vampir ist das eine bemerkenswerte Eigenschaft. Am Ende schießt Batman einen Pfeil in das Zifferblatt einer Standuhr und unser Vampir vergeht. Batmans Grundregel, das fünfte Gebot, gilt offenbar immer noch nicht für Untote …

Später, im Elseworlds-Abenteuer Red Rain trifft Batman auf den echten Dracula und wird sogar selbst zum Vampir.

Joker lehrt Batmanologie

Batman Jokers Apprentice

DC Comics

Titel: Joker’s Apprentice

Autor/Zeichner: C.J. Henderson/Trevor von Eeden

Erschienen: 1999 (One-shot)


Der Joker feiert in Arkham den Jahrestag seiner Entstehung. Zu diesem Anlass nimmt er sich Arthur Rankel vor, der 18 Frauen vergewaltigt und ermordet hat. Der Joker bildet ihn in Batman-Kunde aus und hilft ihm beim Ausbruch. Arthur holt sich zwei Helfer, zusammen verüben sie eine Reihe von brutalen Morden an Frauen, bis Batman ihnen auf die Schliche kommt. Doch der ganze Aufwand wird nur deshalb betrieben, um Batman in die Falle zu locken …

Nach den üblichen Kämpfen gegen Schurken und Hunde kehren die Bösen wieder in Gewahrsam zurück. Pointe: Der Joker hat alles so geplant, um Batman – genau ein Jahr später – ein Geschenk zu ihrem fünften gemeinsamen Jahrestag zu machen. – Eine sehr zynische Pointe auf Kosten vieler Menschenleben. Der Joker tritt hier als Manipulator auf, der auch dann die Kontrolle behält, wenn er andere für sich töten lässt.

Ansonsten ist dieses rund 50 Seiten lange Heft eine solide gezeichnete und geschriebene Detektivstory mit reichlich Action zum Schluss. Kurzweilig, aber keine Pflichtlektüre.

>> Liste der Joker-Comics

Joker auf Beamtenjagd

DC Comics

Titel: Jokers and Madmen (Soft Targets)

Autor/Zeichner: Ed Brubaker, Greg Rucka/Michael Lark

Erschienen: 2003-2004 (Gotham Central #11-22, Soft Targets: #12-15), Paperback 2009


Kurz vor Weihnachten wird der Bügermeister von Gotham in seinem Büro erschossen – von einem Scharfschützen. Kurz darauf ist ein Schulleiter dran. Dann folgen noch weitere Polizisten, selbst auf dem Dach des Präsidiums. In den jeweiligen Nestern des Schützen findet die Polizei einen eindeutigen Hinweis: Der Joker erlaubt sich einen kranken Spaß. Als eine Person entführt wird, beginnt die Suche nach ihr. Da stellt sich der Joker überraschend und lässt sich festnehmen.

Gotham Central ist so etwas wie The Wire in Comicform: Eine Comicserie über die Polizei von Gotham, angelegt als Ensemblestück mit lauter Menschen statt Helden. Realistisch in der Figurenzeichnung, visuell nah am Film Noir. Batman taucht wenn, dann nur am Rande auf, die Schurken spielen auch nur eine untergeordnete Rolle.

Das Besondere hier: Der Joker ist lange nicht zu sehen. Das deutet sich auch in dem ersten Cover an: Man sieht bloß den Gewehrlauf, der aus einem Fenster herausragt. Diese Anonymität und Willkür der Morde schafft eine paranoide Atmosphäre. Es kann jederzeit jeden treffen. Aber am stärksten ist die Geschichte im Zusammenspiel der Polizisten, die ganz normale Sorgen plagen.

Auch Gesellschaftskritik steckt darin: Zuerst will der Bürgermeister die Überstunden für die Polizei kürzen, weil sie die Stadt zu viel kosten. Das bedeutet, dass die Beamten mitten in der Ermittlung nach Hause geschickt werden – obwohl Zeit dabei ein kritischer Faktor ist. Der Bürgermeister sieht nur Missbrauch und Kosten und muss in gewisser Weise dafür mit dem Leben bezahlen. Ironischerweise trifft Joker aus der Sicht der Polizei „den Richtigen“.

In gewisser Weise nimmt die Geschichte den Film The Dark Knight vorweg. Am Ende muss dann doch Batman helfen, wieder als Deus ex machina. Das ist einerseits schade, weil es den Polizisten etwas von ihrer Unabhängigkeit nimmt, andererseits muss die Serie rechtfertigen, warum sie in Gotham und nicht sonstwo spielt. In dem Fall hätte der Joker genügt. Aber irgendwie muss DC ja auch seine Polizei-Comics verkaufen – und das geht am besten eben mit der Fledermaus.

Interessant im zweiten Band von Gotham Central ist auch „Unresolved“, eine Story über den Mad Hatter, in der auch Harvey Bullock eine tragende Rolle spielt und einige Grenzen überschreitet.

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Joker lässt Batman hoffen

DC Comics

Titel: Fool’s Errand

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Brian Stelfreeze

Erschienen: 1998 (Detective Comics #726), Hardcover 2015 (Joker: A Celebration of 75 Years)


Nach dem Beben von Gotham wird ein Mädchen entführt. Batman befragt den Joker, denn der hat seine Zelle in Arkham neben dem mutmaßlichen Täter gehabt. Es ist der Jahrestag des Mordes an Jason Todd (Robin II). Da Batman weiß, dass er aus dem Joker nichts herausprügeln kann, lässt er sich auf das alte Hannibal-Lecter-Spiel „Quid pro quo“ ein: Er erzählt ihm was, der Joker revanchiert sich.

Es stellt sich heraus, dass der Joker den Täter dazu gebracht hat, seine eigene Mutter zu töten. Das bedeutet: Der Joker ist so mächtig, dass er von seiner Zelle aus töten kann, indem er andere beeinflusst. Kaum hat Batman das anerkannt, gibt der Joker den Auftenhaltsort des entführten Mädchens preis. Es liegt im Kofferraum eines Autos. In einer waghalsigen Rettungsaktion legt sich Batman mit einem Haufen schießwütiger Gangster an, um das Kind zu befreien …

Das Besondere an der Geschichte: Dialog und Action werden parallel auf jeweils gegenüberliegenden Seiten erzählt. Dadurch wird zusätzliche Spannung aufgebaut. Die Pointe: Der Joker hat Batman nur deshalb den Gefallen getan, um ihn künftig in solchen Situationen mit der falschen Hoffnung zu nähren, er könnte noch ein Leben retten. Sonst gehe Batman nämlich davon aus, dass das Opfer bereits tot sei. Der Joker kennt seinen Gegenspieler so gut, dass er weiß, wo seine wunden Punkte liegen.

Damit ist „Fool’s Errand“ nicht ganz so banal, wie es auf den ersten Blick scheint. Es ist eine kleine, aber feine, raffinierte Kurzgeschichte, das dem altbekannten Verhältnis noch eine neue Seite abgewinnen kann.

>> Liste der Joker-Comics