Autor/Zeichner: Dan Jurgens/Mike Perkins
Erschienen: 2025-2026 (Miniserie #1-3), Hardcover 2026; dt. Panini 2026 (Dreiteiler)
Gotham City, Ende des Jahres 1939. Mittlerweile herrscht Krieg in Europa, in den USA geht die Angst herum, erneut mithineingezogen zu werden und die Große Depression belastet immer noch die Gesellschaft. Und als hätte man nicht schon genug Probleme, bringt ein maskierter Irrer mit einer Kapuzenmaske und Schlinge um den Hals Unschuldige um, ja, sogar Leute, die Gutes tun! Einen, der Spenden für Arme sammelt, zerschmettert er in einer Kirchenglocke. Da wird Jonathan Crane alias Scarecrow auf den „Hangman“ aufmerksam und bietet eine Zusammenarbeit an. Gemeinsam könnte man noch mehr in Sachen Angst und Schrecken erreichen. Scarecrow hat Gas im Angebot …
Und so stirbt bald ein bekannter Radiomoderator sinnlos und auf grausame Weise, dann wird bei einer Filmpremeire auch noch Commissioner James Gordon mit einer Schlinge um den Hals vom Dach gestoßen und der Hangman ballert mit einem Maschinengewehr in die Menschenmenge. Und hier wird es leider blöd.
Dumme Dialoge, dämliche Handlung
Dass Gordon den Sturz in die Tiefe überlebt, weil er seine Finger in die Schlinge schiebt und Batman ihn schnell rettet – okay. Aber dann bekämpft Batman den Hangman und wird zwar plötzlich von Superman gerettet, der jedoch nimmt dem Schurken nur die Axt weg und rauscht dann davon, obwohl er ihn genauso gut und schnell aufhalten könnte. Der Killer lässt dann netterweise von Batman ab und rennt weg.
Ohnehin hätte Superman früher eingreifen können, aber nein, er lässt sich als Clark Kent zunächst alle Zeit der Welt, hilft erstmal einer alten Frau auf, bringt einen Verletzten in Sicherheit und zieht sich dann erstmal um, während weiter Menschen sterben. Anschließend rettet er Lois Lane und Julie Madison, die nach Scarecrows Gasangriff mit einem Auto von einer weit entfernten Klippe stürzen. Woher weiß Superman das eigentlich? Ach ja, er ist Superman. Er habe sie lediglich auf „erratische Weise“ wegfahren sehen und dann seine Schlüsse gezogen … Und das alles erklärt er Lois, während Julie im Auto fast ertrinkt. First things first …
Und dann noch diese saudummen Dialoge! In der allgemeinen Panik, als in die Menge geschossen wird, haben die Leute nichts besseres zu tun als zu beschreiben, was um sie herum passiert und Kriegserinnerungen wieder aufleben zu lassen: „It’s a shootin‘ gallery!“ – „It’s like the battle of Cantigny all over again!“ Kein Mensch würde in so einer Situation so etwas sagen, sondern bloß schreiend wegrennen. Noch schlimmer ist Lois: Sie ergreift zwar die Initiative, indem sie mit einem Stein einen Scheinwerfer zerschmettert, damit der Schütze schlechter zielen kann, aber sie tut es nicht etwa aus Nächstenliebe, sondern nur, weil sie keinen toten Mann interviewen könne. Und für alle, die es immer noch nicht kapiert haben, erklärt sie laut: „… so that spotlight needs to go.“ Als wären wir zu blöd, die Bilder zu lesen. Zur Sicherheit muss uns noch ein Radioreporter live alles noch einmal erklären, statt selbst vor den Kugeln wegzurennen. Batman redet auch nicht klüger daher: „That helps“, bemerkt er, als es dunkel wird. Danke, Captain Obvious! Und als ihn Superman rettet: „Not sure what that was … but I’ll take it.“ Und so geht es leider immer weiter.
Damit will Autor Dan Jurgens wohl stilistisch dem Golden Age nahesein, als auch da die Figuren (und Captions) alles erklärt haben, was man ohnehin sieht. Doch es gibt gute Gründe, warum man sich eigentlich von so einem infantilen Erzählstil verabschiedet hat. Man sollte die Leser nicht unterschätzen. Bild und Text sollten sich ergänzen. Und falls das lustig sein soll, dann ist das völlig daneben.
Bemühte Kooperationen
Viel fürs Hirn bietet auch die Handlung nicht. Die beiden Schurken bleiben eindimensional. Sie wollen bloß Chaos stiften, als ob nicht alles schon schlimm genug wäre. Crane will sich dafür rächen, dass er keinen Job mehr hat, seit kein Kampfgas mehr hergestellt wird. Deshalb will er Werbung für sein eigenes Produkt machen, um es an Hitler zu verkaufen. Aber der Hangman bleibt einfach nur ein Sadist mit Spaß am Töten. Wer er wirklich ist, was ihn antreibt – erfahren wir nicht. Die beiden brauchen einander auch nicht wirklich. Als der Hangman fragt, warum Scarecrow ihn gewählt habe, erklärt dieser: „Because you terrify people.“ Aber das Crane mit dem Angstgas ja ebenfalls und sogar noch en masse!
The Bat-Man: First Knight war ein Geniestreich: nostalgisch, sehr retro und doch modern inszeniert, ein herrliches Period Piece mit einem Batman, wie er ursprünglich war. Second Knight ist leider alles andere als genial – sondern leider sehr blöd. Da hilft es auch nicht, dass wir von Gordon erzählt bekommen, er habe im Ersten Weltkrieg gekämpft und sei von Thomas Wayne behandelt worden. Es wird zu viel geredet und zu wenig (sinnvoll) gehandelt. Eine interessante Handlung fehlt genauso wie eine Entwicklung der Charaktere. Am Ende ist das Problem schnell erledigt und man füllt die verbliebenen elf Seiten mit einem überlangen Epilog – als hätte man sonst nichts zu erzählen gehabt.
Darin darf Superman immerhin erklären, warum er nicht in den Krieg eingreift. Die Menschen müssen ihre Probleme selbst regeln. Doch Supermans Präsenz stört hier ebenfalls. Zeichner Mike Perkins inszeniert ihn zwar herrlich im alten Gewand, stark, aber menschlich, doch der Mann aus Stahl ist mit diesen beiden Schurken ohne Superkräfte kaum gefordert und der Fall wird künstlich in die Länge gezogen. Der Hangman beseitigt sich selbst – Superman muss nur Zivilisten vor einem explodierenden Weihnachtsbaum retten. Zumindest ein moralisches Dilemma hätte den Kryptonier mehr abverlangt, aber nein, er unterstellt lieber Batman, ein Mörder zu sein. Daher gibt es eine kurze Konfrontation mit diesem.
Auch wenn Perkins stimmungsvolle Noir-Ästhetik und ausdrucksstarke Horrorbilder zeichnet, überzeugt auch seine Erzählform nicht immer. Bei der Kampfszene auf dem Dach verwirrt es, dass Batman plötzlich ein Messer in der Seite hat, ohne zu sehen, wann das passiert sein soll, und erst im Panel darauf kommt seine Reaktion darauf. Ein Fehler? Oder wurde die Seite hier im Nachhinein gespiegelt? Außerdem ist bei einigen Sequenzen zunächst nicht klar erkennbar, wo sie überhaupt spielen. Die Orte werden nicht gut eingeführt. Dabei wird sonst alles dreimal für die Dümmsten erklärt.
Fazit: Atmosphärisch top, aber sonst ein Flop.










