Der furchtlose Batman

Batman & Scarecrow

DC Comics

Titel: Fear for Sale

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis

Erschienen: 1987 (Detective Comics #571), Paperback 2016 (Batman Arkham: Scarecrow), 2018 (Batman: The Dark Knight Detective Vol. 1), Hardcover 2013 (Legends of the Dark Knight: Alan Davis)


Eine Reihe seltsamer Ereignisse führt Bruce Wayne und Jason Todd zu einem Autorennen. Zwei Sportler sind verunglückt: ein Turmspringer hat einen fünffachen Salto versucht und hat sich dabei verletzt, ein Fallschirmspringer hat zu spät die Reißleine gezogen und ist gestorben. Jetzt befürchtet Bruce, dass auch auf der Rennbahn etwas passieren kann – und er irrt sich nicht. Ein Rennfahrer verunglückt. Batman kann ihn gerade noch aus den Flammen retten.

Hinterher stellt sich heraus, dass der Fahrer völlig ohne Einsicht ist – und ohne Furcht. Eine chemische Analyse später ist klar: Dahinter kann nur Scarecrow (Jonathan Crane) stecken. Statt Furcht zu verbreiten, enthemmt er seine Opfer, um Geld fürs Lösegeld zu erpressen. So taucht der Schurke im Krankenhaus auf. Als Robin ihn aufhalten will, bekommt er jedoch Angstgas verabreicht und wird entführt.

Angst als Gegenmittel

Als Batman Scarecrow in der Verkleidung des nächsten Opfers täuschen und übermannen will, kommt ihm Crane zuvor und verabreicht ihm eine Dosis des Anti-Angst-Mittels. Als er aufwacht, folgt er der Spur zu einem Betonwerk, wo Scarecrow mit etlichen Todesfallen auf seinen Gegner wartet. Der tollkühne Batman nimmt die Todesfallen sportlich und stürzt sich ins Vergnügen. Er weicht vier Lastern aus, die gleichzeitig auf ihn zurasen, er sprengt ein Mahlwerk für Steine, schließlich fällt er in einen Wassergraben und duckt sich vor den Kugeln zweier Maschinenpistolen weg.

Wie er das überlebt, ist eigentlich nebensächlich (ausweichen und Luft anhalten). Scarecrow bekommt statt einer Erklärung einen Kinnhaken verpasst, der sich gewaschen hat. Aber wie hat Batman seine Furchtlosigkeit überwunden? Mit einem Gegenmittel: Er hat sich einfach das Furchtbarste vorgestellt – Robins Tod. Ein Jahr später wird er tatsächlich wahr: in A Death in the Family.

Ansonsten ist Fear for Sale – wie auch Catch as Catscan/The Last Laugh – eine schön altmodische Kurzgeschichte im modernen Gewand, präzise, dynamisch und dramatisch inszeniert vom wunderbaren Alan Davis. Die Grundidee der Story diente später als Inspiration für die Batman-TAS-Folge Nothing to Fear.

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Scarecrow im Spukhaus

DC Comics

Titel: The Frequency of Fear/Something Scary

Autor/Zeichner: Doug Moench/Gene Colan

Erschienen: 1984 (Batman #373/Detective Comics #540)


Jonathan Crane gilt als geheilt und ist aus Arkham (das jetzt Asylum heißt) entlassen. Dass das ein Fehler ist, sieht man gleich am ersten Panel: Crane hat sich in sein altes Haus zurückgezogen, das nicht ohne Grund an Psycho erinnert, und davor eine Vogelscheuche aufgestellt. Kurz darauf sieht man ihn wieder im vertrauten Kostüm. Nach seiner Demütigung durch andere Schurken (Detective Comics #526) will er sich an ihnen rächen. Zuerst ist der Joker dran, der zu einer Anhörung vor Gericht geladen ist.

Scarecrow verschafft sich Zugang zu der schwer bewachten Zelle, indem er eine Angststrahlung von einem Totenkopf aussendet. Die Menschen sehen plötzlich Spinnen und Fledermäuse. Im entscheidenden Moment tauchen dann Batman und Robin auf, werden aber von der Strahlung aufgehalten. Robin bekommt Höhenangst, fällt beinahe vom Hochseil, als er Crane verfolgt, Batman kann ihn gerade noch retten.

Danach gibt’s erst mal Hausarrest. Denn die Spur führt zum Zoo, wo Jason Todds Eltern gestorben sind, und Batman will ihn nicht mit dem noch frischen Trauma konfrontieren. Zu Cranes Haus zu fahren findet Batman übrigens zu offensichtlich. Also tappt er im Zoo in die Falle, kriegt es wieder mit der Angst zu tun, halluziniert Jason unter Krokodilen. Der echte Jason denkt natürlich nicht daran, zu Hause zu bleiben und geht zu Cranes Haus, wo er sich von Scarecrow überrumpeln lässt, weil er die Vogelscheuche nicht auf ihre Füllung überprüft.

Während Batman mit Krokodilen ringt, prügelt sich Robin mit Scarecrow und folgt ihm ins Haus, das zu einem Spukhaus auf Jahrmarktniveau wird: mit Plastikskeletten, Gummispinnen und Scarecrow-Puppen. Da taucht Batman auf, polt Scarecrows Angstgerät um und so machen sie sich immun gegen seine Strahlung.

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Killer Croc ist nicht zu fassen

DC Comics

Wie Jason Todd auf Batman traf, habe ich bereits erzählt – in Second Chances. Doch die Geschichte von 1987 lief vier Jahre zuvor, in ihrer ersten Variante, noch ganz anders ab – und war eng verknüpft mit dem ersten Auftritt von Killer Croc.

Erster Auftritt ist vielleicht zu viel gesagt, denn Croc taucht in Detectice Comics #523 (1983) zunächst als graue Eminenz auf, ein Mann mit Trenchcoat und Hut, dessen Gesicht im Schatten liegt. Er ist der Chef einer kleinen Bande von Gaunern, die Solomon Grundy dafür benutzen, Pelze zu stehlen. Dafür dass Grundy Schaufenster einwirft, bekommt er die Puppen zum spielen. Batman betrachtet Grundy trotz seines Bewusstseins nicht als Lebewesen und lockt ihn in eine Falle, in der er verbrennt. Zwar hat Batman hinterher keine Gewissensbisse, hinterfragt aber immerhin sein Tun. (Wenn ihr mich fragt, ist es kaltblütiger Mord.)

Eine Ausgabe später, in Batman #357, arbeitet Croc für einen Gangsterboss, der sich The Squid nennt und einen Riesen-Kalmar als Haustier hat, den er mit unliebsamen Menschen füttert. Squid lässt den Sloan-Zirkus um Schutzgeld erpressen (10.000 Dollar pro Tag würde jeden in den Ruin treiben). In diesem Zirkus arbeiten auch die Flying Todds mit Jason als Trapezkünstler – wie damals auch die Flying Graysons. Die Geschichte von Dick Grayson scheint sich zu wiederholen. Dick lernt die Todds kennen.

Batman kommt Squid auf die Spur, landet aber im Wassertank als Kalmar-Futter (Detective Comics #524). Nachdem er entkommt, verlässt Croc seinen Chef und nennt ihn einen Loser. Als Squid ihn daraufhin packt, fällt Croc der Hut vom Kopf und wir sehen zum ersten Mal seine schuppige Haut. Beim zweiten Kampf zwischen Batman und Squid erschießt Croc seinen ehemaligen Boss aus der Ferne. Batman jagt dann den mysteriösen Killer.

Killer Crocs Vorgeschichte

Croc macht sich weiterhin in der Unterwelt einen Namen als Dieb. Schließlich findet er in seinem geheimen Apartment Batman – und ist ganz und gar nicht erfreut. Nachdem er Batman niedergeschlagen hat, sprengt Croc alles in die Luft, weil der Eindringling seine Privatsphäre ruiniert hat. (Jeder, bei dem schon mal eingebrochen wurde, kennt sicher das Gefühl.) Bei der nächsten Konfrontation in der Kanalisation kann Croc wieder entwischen. Hier erfahren wir, dass er einst ein Zirkusfreak in Florida war, wo er mit Alligatoren gerungen hat. Noch später kommt die typische Vorgeschichte einer traurigen Jugend, die im Knast endete.

Nach dem jüngsten Kampf mit Batman denkt Croc, er habe ihn getötet. Also versammelt er Gothams Unterwelt im Reptilienhaus des Zoos und ruft sich als neuer Oberboss von Gotham aus (Batman #359). Weil aber die anderen ihn daran erinnern, es gäbe da noch Tony Falco, der zwar im Knast sitzt, aber immer noch das Sagen hat. Croc bricht ins Gefängnis ein und metzelt Falco dahin. Wieder taucht Batman auf, wieder scheitert er gegen ihn. Croc scheint übermächtig zu sein.

Alle Schurken gegen Batman

In der Zwischenzeit zieht Dick Grayson die Eltern von Jason Todd in seine Suche nach Croc hinein. Sie finden ihn, werden von ihm ermordet und den Krokodilen im Zoo zum Fraß vorgeworfen. Das geschieht in Detective Comics #526, die deshalb eine extragroße Jubiläumsausgabe ist, weil Batman hier seinen 500. Auftritt in der Serie feiert. (2020 feierte man in Detective Comics #1027 den 1000. Auftritt.) In der Story All My Enemies Against Me versammelt Croc alle bekannten und einige unbekannte Schurken, um gemeinsam endlich Batman zu erledigen.

Alle gegen einen: Detective Comics #526 (DC Comics)

Catwoman und Talia al Ghul sind nicht so begeistert von der Idee. Sie büchsen aus, um ihren Geliebten zu warnen und helfen ihm gemeinsam, die Gefahr abzuwehren. Doch einen richtigen Plan scheint die Schurkenriege nicht zu haben. Riddler, Cavalier und Scarecrow sind schnell besiegt, der Mad Hatter fällt vor einen Zug und stirbt. Ähnlich geht es später weiter: Die Schurken werden jeweils in leicht verdaulichen Kleingruppen zusammengeschlagen. Am Ende bleibt nur der Joker übrig.

Jason Todd entdeckt die Bathöhle. (DC Comics)

Dick Grayson bringt den um seine Eltern besorgten Jason nach Wayne Manor, wo dieser die Bathöhle entdeckt und sich ein alternatives Robin-Kostüm anzieht. Der noch amtierende Robin und Batgirl entdecken derweil, was Croc den Todds angetan hat – Jason ahnt nichts davon. Erst am Ende, als Batman in einer Brauerei gegen Croc kämpft, erfährt er die grauenhafte Wahrheit und kann dabei helfen, den Schurken bewusstlos zu schlagen. (Zuvor rettet er auch Catwoman und Talia, die mit Batman gefangen genommen wurden.)

Jason Todd probiert sein erstes Robin-Kostüm an. (DC Comics)

Dick Grayson gibt sich die Mitschuld am Tod der Todds und will Jason adoptieren. Bruce Wayne bietet dem Waisen Trost wie einst auch Dick.

Erst in Batman #366  wird Jason Todd erstmals offiziell, wenn auch noch nicht mit dem Segen von Batman, zu Robin. Nach dem Reboot verliert er seinen Zirkus-Bezug und wird zu einem Kleinkriminellen, der nach kurzer Zeit als Robin vom Joker getötet wird (A Death in the Family). Schließlich feiert Jason seine Wiederauferstehung als Red Hood.

Hinweis: Die Geschichte von Killer Croc und Jason Todd ist nachzulesen in Tales of the Batman: Gerry Conway Vol. 3 (2019).

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Wonder Woman 1984: Zurück in die 80er

Nicht alles Gold, was glänzt: Gal Gadot als Wonder Woman. (Warner Bros.)

Fortsetzungen haben ihre eigenen Tücken. Einerseits will man das bieten, was die Fans am Original liebten, andererseits will man etwas Neues erzählen. Manche Sequels kleben so nah am Original, dass sie wie Remakes wirken (z.B. Kevin allein in New York), manche enttäuschen (wie das zu Unrecht geschmähte The Lost World), andere überbieten sogar das Original (Aliens, Terminator 2, Das Imperium schlägt zurück).

In Sachen DC-Superhelden fällt mir (unter all den zweiten Teilen) nur The Dark Knight ein, der es geschafft hätte, das Niveau zu heben. Das Snyderverse kränkelte leider bisher schon am Auftakt. Wonder Woman (2017) war (neben Shazam) die Ausnahme, die Hoffnung ins „Extended Universe“ brachte. Und mit einer wie Regisseurin Patty Jenkins – was konnte schon beim zweiten Teil schief gehen?

Pass auf, was du dir wünschst

Leider sehr viel. Denn Wonder Woman 1984 lässt den frischen Drive des ersten Teils vermissen und bietet eine sehr bunte, aber bestenfalls mittelmäßige, manchmal sogar erschreckend schwache Form der Popcornunterhaltung. Nach einem überlangen Prolog in Dianas Jugend springt der Film in die 80er-Jahre und tut zunächst alles, um diesem Zeitgeist gerecht zu werden. Die alberne und überdrehte Szene in einer Mall, in der die Heldin einen Überfall verhindert, weckt ungute Erinnerungen an Filme wie Superman III und IV. Später braucht es anscheinend auch die obligatorische Szene, in der man sich über die Mode der Zeit lustig macht.

Dann folgt eine abstruse Handlung um den Möchtegernunternehmer Max Lord, der mittels Wunschstein vom Versager zum Megalomanen aufsteigt. Was als Abrechnung mit dem amerikanischen Traum verstanden werden kann, verkommt zum plump inszenierten, mit Klischees überladenen Plot, in der der Wunschstein für so ziemlich alles zuständig ist, wofür den drei Drehbuchautoren die Ideen ausgehen, sogar eine ziemlich bemühte Wiederauferstehung von Steve Trevor.

Wie ein schlechter Kinderfilm

Die Geschichte um Barbara Minerva (Cheetah) erinnert an den Werdegang von Catwoman in Batman Returns: vom Mauerblümchen zur verbitterten Schurkin in Katzengestalt. Allerdings überzeugt schon die Prämisse nicht. Barbara soll eine Frau sein, an die sich nicht mal ihre Chefin erinnert und die angeblich niemand mag, obwohl sie eine Wissenschaftlerin ist wie jeder andere im Museum, aber Diana freundet sich sofort mit ihr an und lacht mit ihr wie schon lange nicht mehr. Daraufhin versteht man weder die Verbitterung und schon gar nicht, warum sie sich am Ende zu einer Wildkatzenfrau machen lässt.

Man hat oft den Eindruck, es mit einem Kinderfilm zu tun zu haben – allerdings keinem besonders klugen. Während die Welt ins Chaos stürzt, weil jeder Mensch, von Egoismus und Gier angetrieben, nur an die Erfüllung seiner Wünsche denkt, hält die Heldin eine pathetische Ansprache, die anscheinend vor allem auf die Zuschauer des Films gemünzt zu sein scheint, weil sie die vierte Wand durchbricht. Für alle, die die Botschaft noch immer nicht verstanden haben.

Wenn schon der Verstand hier Pause macht, was nicht das Schlechteste sein muss, könnte man den WW84 für seine Kurzweiligkeit loben, aber selbst da unterfordert der Film. Bis auf visuelle Highlights wie den Flug durch ein Feuerwerk hat er nicht viel zu bieten. Die Kampfszenen bleiben meist so routiniert und einfallslos wie die Gags, die höchstens zwei bis drei Schmunzler hergeben – wenn man gerade gut aufgelegt ist.

Wegen der Coronakrise ist Wonder Woman 1984 beim Streamingdienst HBO Max und in Deutschland mit einiger Verzögerung bei Sky erschienen. Das ist einerseits schade für die Kinos und für das Erlebnis auf der großen Leinwand. Andererseits kann man im Nachhinein sagen: Auf dem kleinen Bildschirm ist der Film deutlich besser aufgehoben.


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Snyder Cut oder der Mythos der Urfassung

Geborgen aus den Trümmern wie ein Heiliger Gral: Zack Snyders Fassung von „Justice League“. (Warner Bros.)

Am 18. März 2021 bekommt unglückselige Justice League-Film noch eine Chance als Zack Snyder’s Justice League beim Streamingdienst HBO Max. Ein in diesem Ausmaß bisher einmaliger Vorgang. Nachdem Fans jahrelang die sozialen Medien mit ihrem #ReleaseTheSnyderCut herumgenervt haben, hat Warner Bros. das Gejammer erhört und viel Geld hineingesteckt, dass der Regisseur seinen Film so beenden kann, wie er es angeblich schon immer wollte. Dafür gab es sogar Nachdrehs (unter anderem mit Jared Leto als Joker, der in der Urfassung aber gar nicht vorgesehen war). Das Ergebnis soll vier Stunden lang sein und auf jeden Fall etwas ganz anderes, heißt es – und alle hoffen, dass anders auch besser bedeutet.

Jared Leto als Joker in Justice League

Jared Leto als Joker in Justice League (Warner Bros.)

Wobei das für Snyder-Fans bereits eine ausgemachte Sache zu sein scheint. Denn von Anfang an wurde der Mythos beschworen, dass nur die ursprüngliche Fassung die einzig wahre sein kann. Dass Joss Whedon das Projekt kurz vor seiner Fertigstellung übernahm und einen ganz anderen Film daraus machte (er schrieb das Drehbuch um, es gab viele Nachdrehs, angeblich wurden nur ein geringer Teil von Snyders Material verwendet), wird als Ursache dafür gesehen, dass das Ergebnis weder Kritiker noch Fans noch die breite Masse der Kinogänger überzeugte. Justie League war ein sehr teurer Flop.

Wenn man noch den persönlichen Schicksalsschlag von Snyder hinzunimmt (seine Tochter hat sich umgebracht, der Grund für seinen Ausstieg) und die Tatsache, dass Joss Whedon sich während der Dreharbeiten bei den Darstellern nicht gerade beliebt gemacht hat (derzeit wird ihm sogar von Buffy-Darstellern Machtmissbrauch vorgworfen), ist die Geschichte hinter dem Film bereits spannender als der Film selbst. So dürfte das pathetische Halleluja des Teasers den vielen Fans aus der Seele sprechen.

Macht der Snyder-Cut Schule?

Der Hype um den „Snyder Cut“ griff so sehr um sich, dass im vergangenen Jahr auch von einem David Ayer-Cut für den miesen Suicide Squad die Rede war. Und zum Totalflop Fantastic Four wurde Josh Trank nach einem „Trank-Cut“ gefragt, aber der hat ihm eine Absage erteilt. Manches kann eben nicht mehr gerettet werden.

Was kommt als nächstes? Der Schumacher-Cut von Batman and Robin, der die wahre künstlerische Vision hervorbringt und beweist, wie unterschätzt dieses filmische Juwel ist? Hoffentlich nicht.

Dabei gibt es viele Beispiele in der Filmgeschichte, in der ein „Director’s“ oder „Extended Cut“ den Film besser gemacht haben, weil die Urfassung von Produzenten und Studios verstümmelt wurden – oder einfach nur um das Sitzfleisch der Kinogänger zu schonen. Am bekanntesten ist wohl Peter Jacksons Herr der Ringe-Trilogie, die (meiner bescheidenen Meinung nach) eigentlich erst in der Extended Edition ihre volle Pracht entfaltet und sogar einiges zur Story beiträgt (z.B. Sarumans Tod). Sein Hobbit war aber auch schon in der Kinofassung zu lang. Trotzdem gab es auch für diese Trilogie eine Langfassung auf Blu-ray.

Immer wieder neue Versionen

Ein ganz eigenes Kapitel ist der George-Lucas-Cut von Star Wars. Oder eigentlich vielmehr „Cuts“, denn der Schöpfer hat seine sechs Filme (vor allem die Episoden IV-VI) so oft umgeschnitten, mit neuen Spezialeffekten versehen und neu vertont, dass man über die Versionen kaum noch den Überblick behalten kann und eigentlich kaum jemand mehr weiß, wie die Filme ursprünglich aussahen. Für jede VHS, DVD, Blu-ray und sogar Disney+-Version gibt es eine neue Fassung. Der „Lucas-Cut“ ist also immer der jeweils aktuellste. Dabei macht er sich bei den Puristen unter den Fans unbeliebt, die am liebsten endlich die allerersten Kinoversionen sehen würden: #HanShotFirst. Aber Lucas ist offenbar ein Anhänger der Idee, dass ein Kunstwerk nie fertig ist.

Auch Francis Ford Coppola hat seinen Apocalypse Now mehrfach umgeschnitten. Nach einer ultralangen „Redux“-Version, kam 2017 ein „Final Cut“ heraus, aus der wiederum 20 Minuten der Redux-Fassung geschnitten waren. „Kill your darlings“, heißt es immer, aber welche Lieblinge man opfern muss, das ist gar nicht so leicht zu entscheiden und man kann es sich alle paar Jahre anders überlegen.

Romantische Idee: Der Künstler weiß es am besten

Der Mythos „Snyder Cut“ geht auf die romantische Vorstellung zurück, dass das Ursprüngliche das Beste ist (das Pendant zum naturalistischen Fehlschluss) und es auch immer am besten ist, wenn man den Künstler seine „Vision“ verwirklichen lässt. Ein Beispiel dafür ist Citizen Kane, bei dem Orson Welles machen durfte, was er wollte. Dabei wird oft außer Acht gelassen, dass Filme Teamarbeit sind. Bei Orson Welles hatten auch Co-Autor Herman J. Mankiewicz und Kameramann Gregg Toland einen großen Anteil an dem Resultat.

Häufig sind Filme auch bloß Produkte des Zufalls, also mal günstiger und mal ungünstiger Bedingungen. Von Easy Rider zum Beispiel ist eine Filmrolle ruiniert worden, weil sie vor der Entwicklung Licht ausgesetzt wurde. Später wurde (ohne Regisseur Dennis Hopper) eine Rohversion von (mindestens) vier Stunden runtergeschnitten auf knackige 95 Minuten. Hopper war zunächst nicht erfreut darüber, akzeptierte aber die Form und der Film wurde zum Klassiker.

Vier Stunden – so lang sind auch die Rohversionen von David Lynchs Filmen, wie er selbst in seiner Autobiographie behauptet. Zum Beispiel Dune. Ursprünglich wollte Lynch einen Drei-Stunden-Film daraus machen, wurde dann aber auf 136 Minuten runtergehandelt. Als dann später eine Drei-Stunden-Version im Fernsehen erschien, die ohne Lynch entstanden war, distanzierte er sich von der Fassung und ließ sich aus den Credits streichen. Dune war ein Flop. Ob ein Director’s Cut etwas daran geändert hätte, muss offen bleiben. Lynch hat kein Interesse, an dieser Niederlage noch einmal Hand anzulegen.

Verstümmelte Director’s Cuts

Es gibt auch berühmte Beispiele verstümmelter Filme, die erst spät ihre endgültige Fassung gefunden haben: Wicker Man zum Beispiel, hier wurde so viel Schindluder mit dem Material getrieben, dass einiges davon für immer verschollen ist. Selbst der Director’s Cut muss ein Torso bleiben.

Ein Director’s Cut muss nicht unbedingt länger sein: Superman II: The Richard Donner Cut ist elf Minuten kürzer als die Kinofassung. Donner wurde damals während der Dreharbeiten gefeuert und durch Richard Lester ersetzt. Erst 2006 kam seine Fassung heraus. Allerdings stammt nicht alles, was darin zu sehen ist, von Donner. Aus Mangel an Material musste er auch auf Szenen von Lester zurückgreifen.

Eine besonders nervenaufreibende und zähe Entstehungsgeschichte hat Michael Ciminos Western-Epos Heaven’s Gate. Nach seinem Kriegsfilm Deer Hunter (Die durch die Hölle gehen, 1978) bekam Cimino einen Freifahrtschein für sein nächstes Projekt – und den nutzte er voll aus für endlose Dreharbeiten, die sämtliche Kostenrahmen sprengten. Doch auch der Schnitt zog sich hin: Die Rohfassung war über fünf Stunden lang, die Premierenfassung von 1980 betrug dann immerhin noch 219 Minuten, nach vernichtenden Reaktionen kürzte Cimino im Jahr darauf den Film auf 149 Minuten. Besser wurde es nicht. Erst im Laufe der Zeit änderten die Filmkritiker und -historiker ihre Meinung über das Werk. 2005 kam dann der Radical Cut heraus mit wieder 219 Minuten, 2012 endlich der Director’s Cut mit 216 Minuten. Wird es der letzte sein?

Die Qual der Wahl

Der erste offizielle „Director’s Cut“ war Ridley Scotts Neufassung von Blade Runner. Davon gibt es mittlerweile sogar einen „Final Cut“. Da aber all diese Versionen in der Welt sind, stellt sich das Problem: Welche soll man schauen? Welche gilt als Kanon? Eine Kinofassung hat immer ihre Daseinsberechtigung, weil mit ihr auch immer eine Rezeptionsgeschichte verbunden ist – und die gehört genauso zum Film dazu wie alles, was danach mit ihm passiert. Das steht aber häufig im Widerspruch zur Autorität des Regisseurs. Ähnlich ist es beim Director’s Cut zu Donnie Darko. Welche Fassung ist die „richtige“? Die erste, die zweite?

Am Ende handelt es sich beim „Director’s Cut“ um einen Marketing-Begriff, der nur dazu dienen soll, dass Fans zweimal Geld für denselben Film ausgeben, der natürlich nicht mehr ganz derselbe – oder vielleicht sogar ein ganz neuer ist. Dann gibt es noch „Extended“ und „Ultimate Cuts“, die oft einfach nur lieblos überflüssige Szenen in den Film einfügen.

Von Zack Snyders Watchmen gibt es auch drei Fassungen: Kinofassung, Director’s Cut, Ultimate Cut. Letztere enhtält die Animationssequenzen zum Black Freighter, die den Film allerdings unnötig dehnen. Solange es auf DVDs und Blu-rays aber verschiedene Versionen zur Auswahl gibt, ist das als Fanservice zu begrüßen. Dann müssen sich nur noch die Zuschauer entscheiden, welche Fassung ihnen am liebsten ist. Und wie viel Zeit und Geduld sie beim Schauen opfern wollen. Und im Zweifel tun es auch bloß die Deleted Scenes als Bonusmaterial. Daran erkennt man meistens: Weniger ist oft mehr.

Oder um es mit Alfred Hitchcock zu sagen: „Die Länge eines Films sollte in einem direkten Verhältnis zum Fassungsvermögen der menschlichen Blase stehen.“


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Neue Nostalgie-Comics: „Batman ’89“ und „Superman ’78“

Batman & Superman

DC Comics

Die Nostalgie-Welle rollt weiter: Nachdem Batman ’66 die Serie mit Adam West in Comicform fortgeschrieben hat, wird nun auch den legendären Kinoauftritten von DCs größten Helden diese Ehre zuteil: Am 27. Juli starten Superman ’78 und Batman ’89 als digitale Serien, basierend auf den Filmen mit Christopher Reeve und Michael Keaton. Sie erzählen neue Geschichten in den jeweiligen Universen.

Superman wird geschrieben von Rob Venditti und gezeichnet von Wilfredo Torres (Batman ’66), an Batman darf Sam Hamm heran, der sowohl für die Drehbücher zu Tim Burtons Filmen verantwortlich war als auch die Comic-Storyline Blind Justice verfasst hat; sein Zeichner ist Joe Quinones.

Die Serien werden zunächst wöchentlich digital in jeweils zwölf Teilen erscheinen. Im August und Oktober sollen je sechs Heftausgaben aus Papier folgen, schließlich sind Hardcover für Oktober (Batman ’89) und November (Superman ’78) angekündigt.

Die Comic-Adaption des Batman-Films von 1989 ist vor zwei Jahren in einer Neuauflage erschienen.

Zur offiziellen Pressemitteilung von DC

„Legends of the Dark Knight“ kehrt zurück

DC Comics

Die Anthologieserie Legends of the Dark Knight hat in den 90ern einige klassische Batman-Storys hervorgebracht: Shaman, Gothic, Venom und Prey zum Beispiel. Von 2012 bis 2013 wurde sie wiederbelebt, mit einigen Highlights, aber ohne so bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Vielleicht gelingt es ja wieder beim dritten Versuch.

Am 28. März startet Legends of the Dark Knight erneut, diesmal als DC Digital First-Serie. Wöchentlich erscheinen zehnseitige Kapitel, von denen jeweils zwei später ein gedrucktes Heft bilden sollen; das erste soll am 18. Mai herauskommen. Es beginnt mit einem Sechs- bzw. Dreiteiler von Darick Robertson: In „Bad Night, Good Knight“ geht es um einen neuen Schurken, der tödliche Chemikalien an Mr. Freeze, den Pinguin und den Joker verkauft. Weitere Autoren und Zeichner stehen bereits fest, wie man bei DC nachlesen kann.

Die digitalen Ausgaben sollen 99 Cent kosten, die Hefte 3,99 US-Dollar pro Ausgabe.

Ich nehme an, dass damit die Anthologieserie Gotham Nights, die im vergangenen Jahr von April bis November erschienen ist und es auf 22 Ausgaben gebracht hat, abgelöst sein dürfte.

Joker War: Routinierter Ausnahmezustand

DC Comics

Titel: The Joker War

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Jorge Jiménez u.a.

Erschienen: 2020 (Batman #95-100), Hardcover 2021 (Batman Vol. 2)


Der Joker hat alles übernommen (siehe Their Dark Designs): Wayne Enterprises, Gotham City, nun auch Batmans Fahr- und Flugzeuge. Wayne Manor gehört der Stadt. Nachdem die Gotham Gazette berichtet hat, wer hinter all dem steckt, wurde sie durch eine Unterlassungserklärung dazu gezwungen, die Story zurückzuziehen. Und jetzt wüten Clowns in Gotham. Der Joker-Krieg hat begonnen.

Und was ist mit Batman? Der wird von der neuen Joker-Gefährtin Punchline mit einer neuen Droge betäubt und halluziniert einen Alfred (der in Wirklichkeit tot ist, siehe Alfred R.I.P.). Während Harley Quinn versucht, ihn wieder clean zu bekommen, lädt der Joker die Bewohner von Gotham ins Kino ein, um sich Mark of Zorro anzusehen, jenen Film, den der kleine Bruce Wayne mit seinen Eltern sah, kurz bevor sie erschossen wurden. Obwohl die Vorstellung tödlich enden wird, lassen sich die Leute in Scharen von einer satten Belohnung in die Kinos locken. Als Vorgeschmack lässt der Joker die von ihm bisher ermordeten Opfer auferstehen und auf Batman losgehen. (Nicht zu verwechseln mit anderen Joker-Zombies, die durch ein Joker-Virus entstanden sind.)

Der Joker will Batman was beweisen

Dann folgt die übliche Routine: Batman bekommt eine lange Standpauke, erkennt seine Irrwege, kriegt sich wieder ein, trommelt die Familie zusammen und plötzlich vollbringt er das Unmögliche ganz einfach. Wie manche Probleme im Einzelfall gelöst werden, muss man anderswo nachlesen (z. B. in dem Band The Joker War Saga, der eine Woche später erscheint). Hier wird nur die grobe Rahmenhandlung wiedergegeben und die wirkt schon rhapsodisch genug. Als Batman wieder zu sich kommt, reicht es offenbar, einfach nur aufzuspringen und „I’m Batman“ zu sagen, schon fällt Schurkin Punchline vor ihm um. Man weiß nicht recht, ob diese Universalerklärung für alles hier ironisch gemeint oder unfreiwillig komisch ist. Nicht ernst zu nehmen ist sie auf jeden Fall.

Joker War: Batman #100 (DC Comics)

Auch wenn Autor James Tynion IV bloß alte Joker-Motive wieder aufwärmt, bemüht er sich in seiner Geschichte, dem Joker unbedingt eine neue Seite abzuringen. Und so verwendet er in alter Manier sehr viele Worte, die er ihm in den Mund legt, um seine Motivationen lang und breit zu erklären. Wieder mal geht es darum, Batman etwas zu beweisen. Dass Gotham in Wirklichkeit nicht seine, sondern Jokers Stadt sei. Dass er längst sein Ziel erreicht habe, auch wenn er geschlagen scheint, denn die Stadt sei korrupt, vom Rathaus bis zur Polizei. Niemand glaube (mehr) noch an etwas. Nicht mal mehr an Batman, der es nicht geschafft hat, all das Chaos zu verhindern.

„Batman was a little kid’s stupid idea“, sagt der Joker. „And now this city sees it for how hollow it is.“ Um ihm zu zeigen, wie blöd die Idee ist, schlüpft der Clown selbst in eine alberne Version des Batman-Kostüms.

Massenmörder Clownhunter

Am Ende geht es wieder um die Frage, ob man den Joker nicht einfach töten sollte, um dem immer wiederkehrenden Albtraum ein Ende zu bereiten. Diese Frage verneint Batman weiterhin stoisch gegenüber Harley. Und er verbietet auch dem neuen Vigilanten, dem Jungen, der sich Clownhunter nennt, Jokers Schergen zu ermorden. Lässt ihn aber mit Massenmord davonkommen. Ist das wirklich ein besserer Batman, wie er sich vorgenommen hat, einer zu werden?

Der Joker War beschreibt mal wieder einen Ausnahmezustand, die in Gotham an der Tagesordnung zu sein scheinen (eben noch in City of Bane). Statt aber den Krieg darzustellen und damit das Leid, das verursacht wird, verschwendet Tynion viel Zeit für Batmans Halluzinationen und Introspektionen, unterbrochen von Prügeleien, wie etwa einer obligatorischen Revanche zwischen Harley Quinn und Punchline. Fast alle Konflikte werden mit Fausthieben gelöst.

Das alles macht den Band zu einer schnellen, aber auch ermüdenden Lektüre, die viel Lärm um nichts veranstaltet, sich keine große Mühe macht, eine intelligente Story zu konstruieren, und in die üblichen Fallen von Klischees und logischen Fragwürdigkeiten gerät: Warum arbeitet jemand noch für den Joker, wenn er jederzeit von ihm grundlos abgeknallt werden kann? Warum gehen Menschen in eine Joker-Vorstellung, wenn selbst die Einladung dazu einen Mann vor laufender Kamera das Leben gekostet hat? Warum tut eigentlich fast niemand etwas gegen die marodierenden Clownhorden, weder Helden noch Schurken, sodass ein Kind zur Selbstjustiz greifen muss?

Und so ist der Joker War nach dem War of Jokes and Riddles – abgesehen von Jorge Jimenéz visueller Kunst – bloß eine weitere Enttäuschung und ein weiterer Beitrag dazu, Batmans größten Gegner zu überstrapazieren. Aber keine Sorge: Es geht ja bald weiter – in Jokers eigener Serie

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Zum Valentinstag: Verführung mit Batman

Batman kann bekanntlich alles. Nur mit den Frauen hat er es nicht so. Das heißt: Natürlich ist Bruce Wayne ein begehrter Junggeselle, aber das ist ja nur Fassade – denn nachts verprügelt er lieber Verbrecher, als gesellschaftlichen Umgang zu pflegen. Da bleibt für eine feste Beziehung keine Zeit. In 80 Jahren gab es zwar immer wieder Kandidatinnen auf Augenhöhe wie Talia al Ghul oder Catwoman, mit der ersten hat er sogar einen Sohn, die zweite hat er schließlich auch geheiratet, aber ansonsten möchte man Batman nicht als Vorbild fürs Flirten oder Beziehungspflege konsultieren.

Das Vokalquartett The Diamonds hat 1959 dennoch in Liebesfragen eine Verwendung für Batman gefunden. Sie empfehlen, die Angebetete ins Kino mitzunehmen und mit ihr Batman zu schauen – unter anderem. Denn Frauen lieben nicht nur Batman, sondern auch Wolfman, Frankenstein und Dracula. Jedenfalls gilt das für die besungene Dame. Nur Horrorfilme bringen sie „in the mood for love“, dann erst ist sie zum Kuscheln aufgelegt.

Es wird nicht ganz klar, was Batman mit den anderen Gestalten gemein hat, eine Horrorgestalt ist er nicht gerade, insbesondere in den 50ern nicht. Allein eine Verbindung zu Dracula besteht, wenn auch nur eine entfernte. Könnte es sein, dass der Dichter dieser Zeilen keine Ahnung von Batman hatte und da einfach einen Namen in eine Reihe gestellt hat, der bloß irgendwie nach Horrorshow klingt? Durchaus möglich – wohl deshalb landete dieser Song nur als B-Seite auf Platte und die schaffte es nicht mal in die Charts.

Dann hat sich das mit dem Tipp in Sachen Frauen wahrscheinlich wieder erledigt. Vergesst es einfach. Batman bleibt ein schlechter Ratgeber. Aber ganz nett anzuhören ist der Song trotzdem. Und tanzbar, wenn man den Twist beherrscht. Von daher: Vielleicht doch nicht das Schlechteste für die Paarbindung.

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Per Angstgas nach Arkham

DC Comics

Titel: The 6 Days of the Scarecrow

Autor/Zeichner: Gerry Conway/Don Newton

Erschienen: 1981 (Detective Comics #503), Paperback 2016 (Batman Arkham: Scarecrow)


Ein Bürgermeisterkandidat will Batman loswerden, Bruce Wayne träumt von Selina Kyle – der erste März, ein ganz normaler Tag in Gotham also. Doch dann wird Batman nachts plötzlich von einem Pfeil in den Nacken getroffen. Woher der Angriff kommt, wird erst am nächsten Tag deutlich, als James Gordon bei einem Treffen plötzlich große Angst vor Bruce Wayne verspürt.

Batman merkt es, als er einen Überfall verhindern will: Die Menschen rennen vor ihm davon. „Am I going mad? Or has the Batman become so fearful a figure — he terrorizes even the innocent?“ Nein, bester Detektiv der Welt, es ist die andere, etwas wahrscheinlichere Erklärung: Scarecrow! Wer sonst? Ähnliches ist ja bereits in Batman’s Evil Eye (Detective Comics #389, 1969) passiert. Die Vogelscheuche hat auf einer Farm, unterhalb einer Scheune, ein Supergeheimlabor gebaut mit lauter Wissenschaftlern in weißen Kitteln. Dort hat er eine Angstdroge entwickelt, mit der man sogar Füchsen Angst vor Kaninchen einjagen kann.

Da er nicht mehr vor die Tür gehen kann, ohne dass er jeden in Panik versetzt, verordnet Batman sich selbst Quarantäne und denkt:

„How ironic. I chose my disguise as the Batman to strike fear into the criminal heart … but now I’ve become so frightening, I don’t dare show my face on the street! Is this how my career ends? Am I to become a prisoner of my own mystique?“

Er schickt Robin und Batgirl los, für ihn die Detektivarbeit zu übernehmen. Währenddessen treiben Scarecrows Schergen in Vogelscheuchenkostümen ihr Unwesen im Gotham Trade Center, wo sie mit Angstgas um sich schmeißen. Sie entkommen, weil Robin von hinten einen Sack über die Rübe gepfeffert bekommt.

Batman als Vogelscheuche

Der Fetzen eines Maiskolbens ist später die Spur, die die beiden Hiwis nach Hudson County führt, weil es da die nächsten Maisfelder gibt. Und natürlich ist die offensichtlichste Spur die richtige, aber Batgirl hat sogar den Stadt herausgefunden, wo sich Scarecrow versteckt. Dort finden die beiden eine Vogelscheuche mit einer Batman-Puppe – und brechen vor Angst zusammen.

Dann setzt Scarecrow eine Puppe, die aussieht wie er in Gordons Büro und teilt ihm mit, dass er Batgirl und Robin festhält. Natürlich immer noch maskiert. Natürlich bringt er sie nicht sofort um, sondern will ihnen Angstpheromone spritzen. Doch dagegen hat Batman was einzuwenden. Scarecrow schickt eine Robotereule auf seinen Gegner los, Batman zündet etwas Heu an, setzt die Eule in Flammen und es bricht ein Brand aus, weil in der Scheune alles voller Heuballen ist, wohl als Füllung für die Kostüme.

Durch einen sehr unwahrscheinlichen Zufall bekommt Scarecrow selbst sein Angstserum gespritzt und hat am Ende sogar Angst vor sich selbst. So landet er erstmals im neuen Arkham Hospital. Damit ist der moderne Scarecrow endlich so wie wir ihn heute kennen.

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