Legends of the Dark Knight

Der rätselhafte Edward Nigma

DC Comics

Seien wir ehrlich: Warum eigentlich halten wir den Riddler für einen coolen Schurken? Wenn man sich die Figur bis zum Jahr 1990 ansieht, ist daran gar nichts cool. Potenzial hat er ja, mit seinen Rätseln, aber meistens ist die Figur lächerlich, die Rätsel sind belanglos und die Auflösungen lachhaft weit hergeholt. Zwar gab es mit Dark Night, Dark City den Versuch, das zu ändern, aber dann fiel man doch wieder ins alte Schema zurück. (Ganz zu schweigen von Jim Carrey in Batman Forever …)

Erst in den 2010er-Jahren wird der Riddler wieder dauerhaft zu einem ernstzunehmenden Schurken umgeschrieben. Das alte Spandex-Kostüm ist vergessen. Man trägt den grünen Anzug samt passendem Bowler. Nach dem Reboot von The New 52 wird er in Zero Year (Jahr Null) zu Batmans erstem großen Gegner (nach dem Anführer der Red Hood Gang), in Earth One Vol. 2 wird er zum Terroristen, der sogar ohne Kostüm auskommt. Der Riddler schöpft in beiden Geschichten sein Potenzial aus und tritt endlich als das Mastermind auf, für das er sich bisher nur gehalten hat. (Später führt er sogar einen Krieg gegen den Joker.)

Der verliebte Riddler

Doch auch in drei Kurzgeschichten aus diesem Jahrzehnt schafft er es, immer wieder zu überraschen: Zum einen, weil er mehr Menschlichkeit bekommt. In „The House the Cards Built“ (Joker’s Asylum: The Riddler #1, 2010) verliebt sich Edward Nigma erstmals. Bei einem Raub lernt er eine Kunststudentin kennen. Er entkommt einer Begegnung mit Batman und schickt ihr daraufhin Blumen und Geschenke – doch sie schickt alles wieder zurück. Dann zahlt er ihren Studienkredit ab – doch sie kann man nicht kaufen. Schließlich bietet ihm ein Schurke Hilfe an und Edward setzt alles an, um das größte Rätsel seiner Laufbahn zu lösen. Ich will nicht zu viel verraten, aber die Sache geht natürlich nicht gut aus. Für den Leser aber endet es überraschend und mit einer offenen Frage …

In „Solitaire“ (Batman #23.2: The Riddler, 2013) bricht der Riddler in das Wayne Enterprises Tower ein. Mühelos dringt er durch die Sicherheitsvorkehrungen, überwältigt das Personal – und wozu? Alles nur, um eine Kleinigkeit zu rächen, die lange her ist. Edward Nigma ist ein Mann, dem neben seinem Ego auch Details wichtig sind.

Der Riddler bleibt sich treu

Rätselhaft verhält sich der Schurke ebenfalls lange in „Riddler in the Dark“ (Legends of the Dark Knight 100-Page Super Spectacular #2, 2014). Gleich zu Beginn lässt er sich von der Polizei festnehmen, bevor er sie auf ein Rätsel aufmerksam macht. Batman zieht los und findet einen geheimen Server in einem Zug – und stößt auf Black Mask … Wieder mal stellt sich die Frage: Hätte man das, was der Riddler will, nicht einfacher haben können?

„You know, Riddler, there are easier ways“, sagt Batman. „It doesn’t always have to be a riddle.“ Und der Riddler antwortet knapp: „For you, perhabps. Not me.“ Also finden wir uns damit ab: Ein Detektiv braucht Rätsel, die er löst. Und er braucht jemanden, der sie aufgibt. Der Riddler ist die Verkörperung dieses Prinzips. Mal albern und harmlos, mal tödlich ernst. Aber Hauptsache er bringt mit seinem erfrischenden Grün Farbe in das allzu schwarze Gotham. Grün wie die Hoffnung, dass sich jedes noch so knifflige Rätsel auch lösen lässt.

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Katzen auf dem heißen Blechdach

DC Comics

Titel: Heat

Autor/Zeichner: Doug Moench/Russ Heath

Erschienen: 1993 (Legends of the Dark Knight #46-49)


Batmans Anfangszeit. Es ist heiß in Gotham City. Sehr heiß. So heiß, dass sich junge attraktive Frauen bis auf die Unterwäsche ausziehen. Egal, ob Wetteransagerin oder Studentinnen, alle tragen nur so viel Stoff am schwitzenden Körper wie es die amerikanische Prüderie des Comics-Codes der 90er gerade noch zulässt. (Außer Catwoman und Batman, die laufen immer noch in Ganzkörperanzügen herum.) Nur einem Mann gefällt diese viele nackte Haut gar nicht: Also steigt der Unbekannte in ein Katzenkostüm und metzelt mit einer Metallklaue unschuldige Frauen nieder, die er für unzüchtig und daher böse hält. Als Andenken lässt er ein paar Wertgegenstände mitgehen.

Batman merkt schnell, dass er allein mit dem Serienmörder nicht fertig wird. Also verbündet er sich wider Willen mit Catwoman, die wegen ihres Kostüms selbst unter Verdacht steht und den Täter aufhalten will. Dabei wird sie verletzt – Batman bringt sie in seine kühle Batcave. Doch als es anfängt, zwischen ihnen wärmer zu werden, zeigt sich Batman gegen ihren Charme resistent. Im Batmobil darf sie nur im Kofferraum mitfahren. Immerhin gilt es, eine Geheimidentität zu schützen. Eine Augenbinde hätte es auch getan, sagt Catwoman. Aber sicher ist sicher. Doch zum Schluss enttäuscht sie ihn, indem sie als Diebin wieder rückfällig wird.

Der „Catman“ ist ein alter Bekannter, aber nicht zu verwechseln mit Cat-Man, dem Schurken, der in den 60ern einst Catwoman ersetzt hat und in den 80ern wiederkam. Auch nicht dem kurzlebigen Catman aus The Batman & Robin Adventures #16 (1997). Und schon gar nicht mit dem Superhelden-Boxer Wildcat. Aber auch wenn dieser Catman ein schwieriger Gegner ist, ist er keiner, der in Erinnerung bleibt: ein brutaler Psychopath mit eindimensionalem Weltbild und Mutterkomplex – das ist einfach nur uninspiriert. Aber hier geht es nicht um den Schurken. Der bietet nur den Anlass für ein weiteres Kapitel in der tragische Liebesgeschichte zwischen Batman und Catwoman.

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Von Batman zu Man-Bat (Teil 5)

Titel: The Secret Origin of Man-Bat/Wings

Autor/Zeichner: Jan Strnad, Chuck Dixon/Kevin Nowlan, Quique Alcatena

Erschienen: 1989, 1995 (Secret Origins #39, Batman: Legends of the Dark Knight Annual #5)


Viele Geschichten haben einen „Rubber Ducky“-Moment. So nannten Filmemacher Sidney Lumet und Autor Paddy Chayefsky die Rückblenden, in denen erklärt wird, warum jemand so geworden ist, wie er ist. Nach dem Motto: Ich bin nur so geworden, weil mir jemand meine Gummi-Ente gestohlen hat, als ich ein Baby war.

Superhelden-Origins leben von Rubber Ducky-Momenten. Jeder Held und jeder Schurke hat einen. Ende der 80er Jahre bekam auch Man-Bat seinen. Es reichte nämlich nicht mehr, dass Kirk Langstrom Fledermaus-Serum trank, um wie Batman, nur besser zu sein. Diesmal widmet er seine Forschung, um Blinde wieder sehend zu machen. Aber damit nicht genug: Er hat eine besondere Beziehung zu Fledermäusen, seit er sich als Kind in einer Höhle verlaufen hat und sechs Wochen unter Fledermäusen verbrachte.

Und damit immer noch nicht genug: Kirk und Bruce Wayne kannten sich schon als Kinder, trafen sich im Kino. Und zu allem Überfluss hat Kirk als Erwachsener auch noch unfreiwillig eine taube Fledermaus aus seinem Labor entkommen lassen, die im entscheidenden Moment durch Bruce Waynes Fenster krachte. Bemerkenswert daran ist vor allem, dass erstmals erklärt wird, wie eine Fledermaus überhaupt durch eine Scheibe fliegen kann. Bruce Wayne lässt sich von einem orientierungslosen Tier leiten.

Aus Bruce wird Batman, aus Kirk wird Man-Bat. Er hilft Batman zunächst bei einem Einsatz. Aber dann kommt es zu einer unerwarteten Wendung: Als Man-Bat gerade ein Gegenmittel für seine Verwandlung in Händen hält, überfällt ihn Batman und die einzige Hoffnung auf Normalität wird zerstört. Es kommt zum Kampf, da kommt Kirks Frau Francine herein und verscheucht ihren Mann.

Sechs Jahre später wird der Origin noch einmal in „Year One“-Manier aufbereitet. Diesmal ist Kirk Langstrom stark hörbehindert und erhofft sich von seiner Forschung an Fledermäusen Heilung. Von der Universität harsch zurückgewiesen, probiert er das Serum an sich selbst aus, kann wieder hören, aber leidet unter den Nebenwirkungen.

In der Zwischenzeit verwandelt sich auch Batman mehr in Richtung Fledermaus: Er baut sich Gleitflügel, allerdings scheitert er damit. Man-Bat dringt – wie schon zuvor – in die Bathöhle ein, es kommt zum Kampf mit Batman. Dieser überwältigt ihn und bringt ihn zu Francine. Sie verabreicht ihm ein Gegenmittel und er verwandelt sich zurück in Kirk.

Diese Story ist von den dreien nicht nur die ausführlichste, sondern durch ihre Inszenierung durch Zeichner Alcatena auch die visuell eindrucksvollste.

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Verneigungen vor dem Dunklen Ritter

Legends of the Dark Knight 94

DC Comics

Titel: Stories

Autor/Zeichner: Michael T. Gilbert

Erschienen: 1997 (Legends of the Dark Knight #94)


Ein Schriftsteller macht sich mit einem Buch unbeliebt bei Fundamentalisten, jetzt wollen sie ihn umbringen, während er im Aufzug feststeckt. Doch er ist nicht allein. Andere Leute stecken mit ihm fest und erzählen sich Geschichten, die sie mit Batman erlebt haben wollen, während der echte Batman zu Hilfe eilt.

Erzählt werden drei Hommagen an die klassischen Comic-Zeitalter: Eine Variation auf die Vampirgeschichte aus dem Jahr 1939, eine Story aus den 50ern über einen Schurken, der sich „the Bulb“ nennt und wie eine Glühbirne kleidet, schließlich eine aus den späten 60ern, in der ein alter Schurke zwei Hippies ihrer Jugend berauben will. Ganz zum Schluss erzählt noch ein Kind eine Anekdote über den Killer-Batman Azrael.

Legends of the Dark Knight 94

Batman erklärt die Jugend der 60er.

Autor und Zeichner Michael T. Gilbert schafft es, den verschiedenen Stilen der jeweiligen Epochen gerecht zu werden und zugleich ihre Eigenheiten ironisch zu überspitzen, jedoch ohne sich wirklich lustig über sie zu machen. Der Batman der späten 60er und 70er hatte ein stark moralisches Anliegen und brachte es mit Ansprachen zur Lage der Nation zum Ausdruck. Die Jugend sei nur zynisch, weil die Gesellschaft sie dazu bringe, heißt es hier. Am Ende geht es in der Rahmenhandlung um die Frage nach dem Mythos: Soll man nur glauben, was man sieht? Nein, am Ende zählt natürlich nur die Story …

Das Prinzip des Erzählzyklus, der gerahmt wird von einer Rahmenhandlung, hat Boccaccios Decamerone zum Vorbild. Ein Jahr später wurde es in der dritten Staffel von The Animated Series (The New Batman Adventures) wieder aufgegriffen: Die Episode Legends of the Dark Knight erzählt von verschiedenen Batman-Versionen und verneigt sich dabei vor dem Golden Age und Frank Millers The Dark Knight Returns.

>> Legends of the Dark Knight

Bruce Waynes letztes Weihnachtsgeschenk

DC Comics

Titel: Favorite Things

Autor/Zeichner: Mark Millar/Steve Yeowell

Erschienen: 1996 (Legends of the Dark Knight #79, 1996), Paperback 2005 (The Greatet Batman Stories Ever Told)


„Yes, Alfred. Time for bed.“ (Bruce Wayne)

Bei einer Weihnachtsparty in Wayne Manor wird eingebrochen. Trotz aller möglichen Sicherheitsvorkehrungen stehlen Unbekannte etwas von Bruce Wayne. Während bei ihm weitergefeiert wird, jagt er als Batman durch Gotham, um es wiederzukriegen. Auch in anderen Villen wurde eingebrochen. Dahinter steckt eine neue Bande, die Chessmen.

Doch Batman und die Polizei werden abgelenkt: Ein Museum wird angezündet, davor brennt eine Batman-Puppe. Eine Gang von Joker-Nachahmer namens Joy Boys treibt ihr Unwesen. Batman muss sich zuerst um sie kümmern. Als er bei den Chessmen eintrifft, haben die bereits Geiseln genommen und ein Polizist ist erschossen.

Interessant ist, dass Batman hier sein Ultraschallgerät einsetzt, mit dem er einen Schwarm Fledermäuse auf die Bösen hetzt. Diesen Trick wird er später auch im Film Batman Begins verwenden.

Der Rest ist Routine. Trotzdem gibt es zum Schluss zwei Überraschungen. (Achtung: Spoiler!) Der Mann, der die Beute aufbewahren sollte, hat alles wieder zu seinen Besitzern zurückgebracht. Und was ist es nun, was Bruce Wayne so wichtig war? Am Ende sehen wir ihn in seinem alten Kinderzimmer auf dem Boden sitzen und spielen – mit einer (teils vergoldeten?) Modell-Eisenbahn. Es ist das letzte Geschenk seiner Eltern. Das ist also Bruce Waynes Rosebud.

>> Batman zu Weihnachten

Mister Freeze und die Eisfee

DC Comics

Titel: Snow (dt. Schnee)

Autor/Zeichner: Dan Curtis Johnson, J.H. Williams III/Seth Fisher

Erschienen: 2005 (Legends of the Dark Knight #192-196), Paperback 2007; dt. Panini 2006 (Paperback)


„Why is the Bat fighting me? I’m not his enemy … they are. Those criminals … and murderers.“ (Victor Fries)

Victor Fries hat zwei Probleme: Der Wissenschaftler soll eine Waffe bauen, will aber nicht. Außerdem hat er eine kranke Frau. Es sieht nicht gut für sie aus. Also nimmt er die Medizin in die eigene Hand und will sie mittels seiner Maschine, die keine Waffe sein soll, heilen. Das geht schief. Die Frau erfriert im Eisklotz. Daraufhin versucht er, ihr in den Tod zu folgen. Aber weil sie ihm in einer Vision als eine Art Eisfee erscheint, wird er lieber zu Mister Freeze und kämpft gegen seine ehemaligen Kollegen, um zu verhindern, dass die Waffe wieder gebaut und verkauft wird.

In der Zwischenzeit hat Batman andere Sorgen: Er verfolgt einen Gauner namens Peter Scotta Und weil die Polizei ihm dabei nicht helfen will und er alleine nicht klarkommt, stellt er ein Team von No-Name-Outsidern zusammen, um den Mann zu kriegen. Zunächst läuft alles glatt, doch dann tanzt einer aus der Reihe und ruiniert auch die Ermittlungen der Polizei. Schließlich geht Fries gegen Scotta vor, weil dieser Interesse an der Waffe hat. Fries will also keine Rache. Er will der Held sein, der Schlimmeres zu verhindern versucht. Tragischerweise ist er verblendet, er hat den Sinn für die Realität verloren.

Was an dieser Neufassung von Freeze’s Origin am meisten auffällt, ist ein ungewöhnlicher Zeichenstil, der sich nur schwer einordnen lässt. Einerseits sind die Linien sehr präzise, klar und so streng, dass es den Figuren an Leben fehlt, andererseits gibt es immer wieder Ausfälle ins Karikaturenhafte. Da erscheinen schon mal Köpfe gestaucht untereinander wie in einem Totempfahl oder es kommt auch schon mal Rauch aus den Ohren des wütenden James Gordon. Batman wirkt alles andere als heldenhaft, eher wie ein unbeholfener Trampel, ohne Grazie und Würde. Man gewinnt zuweilen den Eindruck, das Ganze könnte eine Parodie sein, wenn die Story nicht so bierernst wäre. (Und so langweilig.)

Insgesamt ist Snow eine eigenartig unentschlossene Angelegenheit, die versucht, ins Altbekannte neue Aspekte hineinzubringen, aber dann doch zum Status quo zurückkehrt. Und diesen Kalauer kann ich mir nicht verkneifen: Diese Geschichte lässt einen ziemlich kalt.

>> Liste der Mister Freeze-Comics

Das kälteste Grab

Titel: Cold Snap

Autor/Zeichner: J. Torres/David Lopez

Erschienen: 2005 (Legends of the Dark Knight #190-191), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


„Some say the world will end in fire,
Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire
I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice,
I think I know enough of hate
To say that for destruction ice
Is also great
And would suffice.“ (Robert Frost)

Mister Freeze klaut Diamanten. Und Pinguine. Und eine Lilie. Und eine nicht allzu wertvolle Statue. Und all das wird – nach alter Freeze-Gewohnheit – in Eisblöcke eingefroren. Was das soll? Der Schurke stattet damit sein kaltes Grab aus, nach dem Vorbild altägyptischer Pharaonen will er all diese Dinge mit ins Jenseits nehmen. Freeze plant, sich selbst zu töten, indem er sich selbst noch kälter einfriert. Batman versucht, ihn davon abzubringen.

Bruce Wayne erzählt die Geschichte seinem Butler Alfred bei einer heißen Tasse Kaffee, angereichert mit einigen Kalauern, als Reminiszenz ans gute alte Silver Age, in dem Mister Freeze seinen wortspielreichen Anfang nahm.

Der Mister Freeze des 21. Jahrhunderts ist kein Verbrecher mehr, der Diamanten klaut, um sich zu bereichern. Er klaut auch keine Kunst mehr, um sich daran zu erfreuen. Er opfert sich nicht selbstlos für das Wohl seiner Frau, er will keine Rache mehr  und er richtet nicht mehr über andere. Er hat jegliches Ziel im Leben verloren. Deshalb zieht er die Folge daraus und strebt nach der Selbstauslöschung. Aber Freeze geht nicht einfach dahin, ohne Schaden um sich herum anzurichten – und andere in den Tod mitzunehmen. Tragischer geht es nicht mehr.

>> Liste der Mister Freeze-Comics

Batman und der Wikinger

Titel: Destiny

Autor/Zeichner: Bo Hampton, Mark Kneece/Bo Hampton

Erschienen: 1992 (Legends of the Dark Knight #35-36), Paperback 1998 (Other Realms)


In Gotham taucht ein Wikinger auf. Ein junger Norweger, der sich kostümiert dagegen wehrt, dass das Unternehmen Asgard radioaktiven Abfall in seiner Heimat entsorgt und dabei seine Familie zu verdrängen versucht. Batman hilft ihm, begleitet ihn nach Norwegen. Doch das ist nur die Rahmenhandlung, denn der Kern der Geschichte ist eine Rückblende in die Wikingerzeit. Schon da haben ein junger Recke mit geflügeltem Helm und ein „Bat Man“ im Fledermauskostüm gegen Eisriesen gekämpft.

Im Grunde ist Destiny also eine verpackte Elseworlds-Story. Aber mal wieder eine so bierernste und fade, dass man sich fragen muss, was sie noch mit Batman zu tun hat. Denn es reicht nicht, eine Fantasy-Geschichte zu erzählen und einen der Charaktere spitze Ohren tragen zu lassen. Und auch die Rahmenhandlung ist nicht weiter der Rede wert.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Vom Wahnsinn befreit

DC Comics

DC Comics

Titel: Going Sane

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis/Joe Staton

Erschienen: 1994/1995 (Legends of the Dark Knight #65-68), Paperback 2008


„If there’s no Batman to drive crazy, then what’s the point of being crazy?“ (Joker)

„You’re as crazy as I am.“ (Joker)

Hätten Batman und Joker nicht einander – sie wären wohl glücklich verheiratet. Das ist die These von Going Sane. Sie brauchen aber einander. Der Held braucht den Schurken, um sich zu beweisen, und ebenso ist es andersum. Der Joker braucht ein Publikum, einen, an dem er sich abarbeiten kann. Und als Batman nach einer Konfrontation mit dem Joker scheinbar stirbt, und das Publikum plötzlich fehlt, beschließt der Joker plötzlich, ein normales bürgerliches Leben zu führen: er nimmt eine gesündere Hautfarbe an und legt sich den Namen Joseph Kerr zu und er verliebt sich in eine Frau, die die Liebe sogar erwidert.

Klar geht das nicht lange gut. Nicht nur, weil der Joker seinen Wahnsinn nicht einfach so ablegen kann. Sondern auch, weil Batman natürlich nicht tot ist. Er wird von einer Frau gefunden und gesund gepflegt: Lazarus nennt sie ihn. Und wie ein Auferstandener kommt er wieder zu Kräften und sucht seinen Erzfeind. Dank der offensichtlichen Wahl des Decknamens Joseph Kerr findet er ihn schnell. Und kaum ist Batman wieder da, fällt der Geläuterte wieder in den Wahnsinn zurück – mit allem drum und dran.

Die Story hat eine interessante Prämisse, aber ist etwas holzhammermäßig ausgeführt. (Frage am Rande: Warum zerschlägt Batman ständig Dinge?) Vor allem leidet die Geschichte an den sperrigen, manchmal karikaturenhaft überzeichneten Zeichnungen und verwirrenden Seitenstrukturen. Ein talentierterer Künstler hätte mehr herausholen können. Was aber gut gelingt ist, das Abhängigkeitsverhältnis der beiden Antagonisten ausführlich darzustellen. Wir bekommen einen der seltenen Einblicke in Jokers Gedankenwelt – und die sind sehr aufschlussreich:

„He’s a bigger clown than I am. Thinks the world can be stacked and folded and filed! Thinks there’s logic and meaning and order! No matter how many times he slips on a banana peel, he never sees the humor! Never gets the joke! It’s so infuriating! I hate him! Oh, I suppose I should be grateful! After all — he does provide me with my greatest audience! My greatest challenge!“

Der Joker erscheint als Komiker, der seine größte Herausforderung darin sieht, Batman zum Lachen zu bringen (vgl. Return of the Joker). Aber Batman findet den Joker nicht witzig, ihm fehlt auch jeglicher Humor. In der Regel. Denn wie man am Ende von The Killing Joke (1988) gesehen hat, konnte der Joker wenigstens einmal sein Ziel erreichen. Aber das ist die Ausnahme in der Tragödie dieser ganz besonderen Beziehung. Es hat einen Grund, warum sie beide keine (dauerhafte) Partnerin finden: sie sind bereits aneinander vergeben (vgl. The Dark Knight Returns).

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Die grinsende Katze

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Titel: Images

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Bret Belvins

Erschienen: 1993 (Legends of the Dark Knight #50), Paperback 1996 (Dark Legends)


„We can’t go on meeting like this.“ (Batman)

„A true artist never repeats himself.“ (Joker)

Fast hätte er ihn gehabt: Batman platzt mitten in eine Gangster-Versammlung, doch statt sich den Kerl im lila Anzug vorzunehmen, mischt er lieber die üblichen Verdächtigen auf. Das erweist sich bald als Fehler: denn der komische Kauz ist der Joker – und er mordet bald darauf so willkürlich wie perfide. Mit Ansage und … Augenblick mal, die Story kennen wir doch! Ja, stimmt. Es ist eine Variation der allerersten Joker-Story aus Batman #1 (1940). Die wurde 2005 als The Man Who Laughs wieder erzählt, und 1993 schon einmal unter dem Titel Images.

Was macht diese Version interessant? Dennis O’Neil gibt dem Joker einen Cousin namens Melvin Reipan, der etwas zurückgeblieben und naiv, aber ein Chemie-Genie ist. Er braut dem Joker sein Gift zusammen – und dieser testet es zunächst an Melvins Katze. Dabei wird angedeutet, dass Jokers echter Name mit Ja… beginnt, er ihn aber nicht mehr hören will. Auch Cousin Melvin überlebt seinen ersten Auftritt nicht, Bruce Wayne spendiert ihm ein pompöses Grab. (Warum auch immer; manchmal schießt der Milliardär etwas übers Ziel hinaus.)

Sonst ist die Geschichte eben mehr oder weniger die vertraute: Persönlichkeiten werden bedroht, mit viel Polizei geschützt, aber dann sterben sie doch lachend. Dabei stellen sich die Bullen ziemlich dämlich an: Wenn schon der erste wegen vergiftetem Papier draufgegangen ist, wieso gehen sie dann davon aus, dass sie das nächste Mal mit mehr Polizei und einem Tresor für mehr Sicherheit sorgen können? Am Ende läuft es leider auf banale Beweggründe hinaus: der Joker giert bloß nach Geld. Im Finale haut er Batman eine rein, Batman revanchiert sich mit einem Haken und das war’s. Ziemlich banal. Die einzige Pointe: Bruce Wayne glaubt am Ende dann tatsächlich, dass der Fall damit erledigt wäre. Aber das ist nur einer von vielen seltsamen Schlüssen, die der Meisterdetektiv in dieser sperrigen Story zieht.

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