Pinguin

Vier Verschwörer gegen Batman

DC Comics

Titel: Batman Vol. 1: Their Dark Designs

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Guillem March, Tony Daniel, Jorge Jimenez

Erschienen: 2020 (Batman #86-94), Hardcover 2020


Fünf Attentäter versammeln sich in Gotham: Deathstroke, Cheshire, Merlyn, Gunsmith und Mr. Teeth. Batman ist vorbereitet, schaltet sie aus, lässt sie von der Polizei in ein selbstgebautes Spezialgefängnis bringen, aber kurz darauf sind sie wieder draußen, bis der Pinguin sie wieder einfängt, bis sie wieder freikommen und sie Batman wieder einfängt …

Catwoman und Harley Quinn helfen dabei, nachdem Selina die angebliche Leiche des Joker ausgräbt. Und dann gesteht sie Batman, was wirklich vor sich geht: Hinter all dem steckt ein neuer Schurke, der Designer. Der Name ist Programm, nicht unbedingt was Stil angeht, denn eine Kobination aus Feldhose, alter Militäruniform, Krawatte, Goldketten und einem Pelzkragen, sowie einer weißen Maske mit deinem großen roten D in Frakturschrift in der Mitte kündet nicht gerade von Stilbewusstsein – um nicht zu sagen: Es sieht ziemlich bescheuert aus. Aber der Designer ist ein Planer. Er hat sich vor ein paar Jahren überlegt, wie er Gotham von Kriminellen übernehmen lassen kann.

ACHTUNG SPOILER!!!

Seine Auserwählten waren auch die klassischen Schurken Joker, Pinguin, Riddler und Catwoman (wohl nicht zufällig die, die in Batman hält die Welt in Atem gemeinsame Sache machten und die Riege der Erzschurken begründeten). Mit jedem von ihnen klügelte der Designer einen Plan aus, wie sie die Herrschaft über die Stadt gewinnen sowie Batman und Robin ausschalten. Leider kam es nie dazu, weil der Joker den Designer tötete. Und jetzt stellt sich heraus: Hinter all dem Chaos steckt in Wahrheit der Joker, der mal wieder Großes im Schilde führt …

Punchline ohne Pointe

Their Dark Designs, der erste Batman-Band von James Tynion IV (nach Detective Comics, Batman Eternal, Batman & Robin Eternal), markiert einen klaren Stilwechsel gegenüber der Ära von Tom King (City of Bane). Hier bekommen wir wieder eine klassische, großangelegte Batman-Story geliefert mit reichlich Action und Wendungen, und alles dient nur dazu, das eigentliche Event vorzubereiten: den Joker War. Allerdings ist das Ganze etwas zu gut gemeint. Es gibt so viele Wendungen und so viele Hintergrundinformationen, das alles wirkt so abgehetzt, dass es einen zwar in Atem hält, aber zuweilen auch überfordert. Und wie oben bereits angedeutet, bringt nicht jede dieser Wendungen die Handlung wirklich voran, sondern lässt sie eher unnötige Schleifen drehen.

DC Comics

Die Story um die fünf Attentäter muss einen nicht groß kümmern. Sie sind angeblich die Besten der Besten, aber nicht nur Batman wird so leicht mit ihnen fertig, auch der Pinguin, Catwoman und Harley Quinn. Sie werden auch nicht interessanter, wenn die beiden neuen Gesichter ihre Hintergrundgeschichten nachgereicht bekommen. Das alles dient nur als Auftakt. Dass nebenher auch ein verrückter Riddler ein paar Rätsel abspulen darf, spielt eigentlich keine große Rolle für die Handlung.

Der wichtigste Neuzugang ist aber Punchline, die Harley Quinns Stelle an der Seite des Jokers übernimmt. Ihr Name ist leider nicht Programm: Sie hält sich zwar für lustig, gibt sich aber nicht im Ansatz Mühe, es zu beweisen. Das Einzige, was wir von ihr erfahren: Sie will den Joker so, wie er wirklich ist, was zu sehr an den Konflikt der beiden Harleys aus White Knight erinnert. Unvermeidlich, dass sie gleich zu Beginn sich ein Duell mit Harley Quinn liefert. Ob sie aber eine würdige Nachfolgerin ist, bleibt nach diesem faden Auftakt fragwürdig. Wie der Designer wirkt auch Punchline arg übertrieben.

Neue Batman-Gadgets

Und wie schlägt sich Batman? Der hat in Lucius Fox nicht nur einen würdigen Alfred-Nachfolger gefunden, sondern auch einen Partner á la Q. Wie schon Morgan Freeman in der Dark-Knight-Trilogie versorgt er Batman mit allen möglichen Gadgets, darunter ein paar neuen wie dem Nightclimber und dem Batspawn (einen Drohnenschwarm), The Echo verwandelt einen gewöhnlichen Sportwagen in ein Batmobil und es gibt auch ein Wiedersehen mit dem Bat-Train. In dieser Fülle wirkt das alles, als hätte man einen Zehnjährigen in einem Spielzeugladen eingeschlossen. Das Interessante daran ist aber: Es zeigt zwar, was für ein Kontrollfreak Batman ist, aber es hilft ihm nicht, Herr der Lage zu bleiben. All sein Spielzeug ist nutzlos gegen das, was hier passiert.

Batman #86 (DC Comics)

Symbol dafür ist sein Anzug, der seltsamerweise nicht viel aushält, bei jeder Gelegenheit zerreißt, sodass er in Fetzen hängt. Batman erscheint so als gebeutelter Zweifler, der feststellt, dass all seine Mühe nichts bringt. Er träumt den Traum eines neuen, besseren Gotham, er will ein besserer Batman werden, der die Probleme seiner Stadt nachhaltig löst. Doch erfahrenen Lesern kommt das bekannt vor (siehe Tynions Detective Comics, um nur ein Beispiel zu nennen): Das kann nicht gutgehen und wird immer wieder scheitern. Ein Superheld wie Batman kann nur vorläufig siegen, damit seine Geschichten weitergehen. Er bleibt zur Sisyphusarbeit verdammt.

Und das gilt auch für die Autoren, die mit dem Dilemma der ewigen Wiederholung zu kämpfen haben. Ein abschließendes Urteil über Their Dark Designs zu fällen, ist nicht möglich, denn hier haben wir höchstens die halbe Geschichte. Einen wirklich innovativen Ansatz kann ich aber nicht erkennen. Worauf alles hinausläuft wirkt wie alles schon mal gesehen – es ist der große Plot von der Zerstörung Batmans auf jeder Ebene (siehe Knightfall etc.). Aber zumindest ist der Band durchgehend wunderbar gezeichnet.

>> Batman 2020

Batmans letzter Tag auf Erden

DC Comics

Titel: Batman DOA

Autor/Zeichner: Bob Hall

Erschienen: 1999 (One-Shot)


Wenn morgen die Welt unterginge, würde er heute noch einen Apfelbaum pflanzen, ist von Martin Luther überliefert. Ganz ähnlich ist es mit Batman: Wenn er morgen stürbe, würde er nicht etwa Abschied vom Leben, von Freunden und Weggefährten nehmen, er würde bis zum letzten Atemzug das Verbrechen bekämpfen. So, als könnte das sonst niemand außer ihm.

In Batman: DOA (was sowohl für „Dead on Arrival“ als auch für „Dead or Alive“ stehen kann) läuft es so: Pinguin, Joker und Two-Face infizieren Batman von Arkham aus mit einem tödlichen neuen Virus. Er hat nur noch 24 Stunden zu leben. Unmöglich, so schnell ein Heilmittel zu finden. Das hat nur der Pinguin, aber das weiß kaum jemand. Das Problem: Die Tochter eines Politikers wurde entführt, die Erpresser wollen 50 Millionen Dollar. Doch Batman befürchtet, dass sie das Kind nicht am Leben lassen, wenn sie das Geld haben.

Batman sammelt seine letzten Kräfte, um die Erpresser aufzuhalten. Er kann kaum stehen, nicht mal Autofahren. Robin muss ihm helfen, um herauszufinden, wer ihn umbringen will. Wir sehen einen Helden am Ende, ausgezehrt, wie ein Untoter wandelt er durch Gotham und kotzt sich die Seele aus dem Leib. Er muss viel trinken, aber hat nicht mal Geld, um in einer Bar dafür zu bezahlen. Selten sieht man Batman dem Tode so nah.

Autor Bob Hall schafft eine äußerst brenzlige Situation, in der er über die ganzen 64 Seiten seine Spannung aufrecht erhält. Als Zeichner ist er sperrig, aber ausdrucksstark, mit Anleihen beim Film Noir. Sein Batman DOA ist heute fast vergessen, aber durchaus wert, wiederentdeckt zu werden.

Mehr von Bob Hall:

>> Batman 1990-1999

Honest Trailer zu Batman Returns

Es ist noch etwas früh für Batman Returns – eigentlich ist es ein Weihnachtsfilm. Aber die Screen Junkies haben mit diesem „Honest Trailer“ immerhin die Reihe der ersten Batman-Filme abgehakt. Jetzt fehlt nur noch Adam Wests Batman hält die Welt in Atem.

Doch auch wenn man sich Tim Burtons zweites Batman-Werk ansieht, gibt es einiges daran auszusetzen: Einerseits richtet sich der Film zwar mit seinen sexuellen Anspielungen und Ekelmomenten deutlich an ein erwachsenes Publikum, Danny DeVito und Michelle Pfeiffer liefern denkwürdige Vorstellungen als Pinguin und Catwoman ab. Andererseits ist es der Batman-Film mit dem geringsten Batman-Anteil, es gibt darin viele Albernheiten wie die Pinguin-Armee und es stellt sich die Frage, warum der Pinguin Clowns als Handlanger beschäftigt, während der Joker im ersten Teil mit ganz normalen Ganoven auskommen musste.

Wenn man den „Honest Trailer“ sieht, kann man sich zu recht fragen, ob Joel Schumachers Batman Returns und Batman & Robin wirklich so viel schlechter waren. Jedenfalls ersparen einem diese fünf Minuten den ganzen Film.

Batman im Wahlkampf gegen Pinguin

Pinguin macht Wahlkampf

Titel: Hizzonner the Penguin/Dizzoner the Penguin (Wahltag)

Drehbuch: Stanford Sherman

Erschienen: 1966 (Batman S02E17-18)


Commissioner Gordon ist außer sich: Der Pinguin hat nicht nur einen Raubüberfall verhindert, er war auch noch freundlich zu einem Polizisten, hat einen Kinderwagen vor einem Lkw gerettet und hat 100.000 Dollar für wohltätige Zwecke gespendet. Das ist ja unerhört! Da ist doch was faul! Und es gibt natürlich wieder mal nur einen Mann, der der Sache gewachsen ist …

In einer normalen Welt würde man sich freuen: Ein ehemaliger Verbrecher ist endlich resozialisiert! Aber in Batmans Welt hält ein Polizist es auch eher für bemerkenswert, dass der Pinguin einen Raub verhindert, als selbst den Täter zu fassen, obwohl er selbst dabeisteht. Daher verwundert es nicht, dass Gordon seinen eigenen Leuten nichts zutraut – und anderen Wohltätern dafür alles.

Wahlwerbung für den Pinguin

Aber Gordons Intuition trügt ihn nicht: Der Pinguin hat etwas vor. Er will Bürgermeister werden. Verboten ist das nicht. Und obwohl er gerade erst angefangen hat, liegt er in Umfragen mit 60 Prozent vorn. Batman sieht keinen Grund zur Sorge, dass der Gauner gewählt werden könnte: „People of Gotham City are not as simple-minded as he might think.“ Man muss kein Zyniker sein, um zu merken, dass sich Batman irrt.

Pinguin in seiner Wahlkampfzentrale

Der amtierende Bürgermeister gibt sich geschlagen noch bevor der Wahlkampf beginnt. Nur einer kann gegen den Pinguin gewinnen: Batman! Er sei der einzige in Gotham mit einem makellosen Ruf, sagt Gordon. Es klingt sehr trostlos, wenn man so etwas über eine ganze Stadt sagt. Batman sträubt sich zunächst, sagt dann aber zu. Drei Stunden später sind 55 Prozent für Batman und nur noch 35 Prozent für den Pinguin. Die Menschen von Gotham sind ein sehr wankelmütiges Volk. Es entscheidet aus dem Bauch heraus.

Neue Methoden des Guerilla-Marketings

Doch der Pinguin holt bald auf, denn er fährt eine erfolgreiche Strategie: Große Show, keine Politik. „Issues confuse people.“ Batman sieht das anders. Der unverbesserliche Idealist glaubt an Inhalte. Na ja, ein bisschen Showmanship würde nicht schaden, meint Robin, doch Batman winkt ab.

„I’m convinced the American electrorate is too mature to be taken in by cheap vaudeville trickery. After all, if our national leaders were elected on the basis of tricky slogans, brass bands and pretty girls, our country would be in a terrible mess, wouldn’t it?“

Ein klarer politischer Appell, den er da auch an die TV-Zuschauer richtet. In Trump-Zeiten klingt das noch mehr wie ein böses Omen. Klar, dass das nur schiefgehen kann.

Aber Batman bleibt bei seinem Idealismus und hält lieber Reden über Inhalte. Reden, zu denen kaum jemand kommt und die Anwesenden einschläfert. Ein begnadeter Rhetoriker ist er leider nicht. Es hilft auch nicht, als er aus hygienischen Gründen keine Babys küssen will. Der Pinguin wirbt ihm Wähler ab, lässt eine Bauchtänzerin und eine Rock-Band auftreten (Paul Revere and the Raiders!). Der Mann weiß einfach, was dem Volk gefällt.

Wagschale des Todes

Um ganz sicherzugehen, lockt er Batman und Robin trotzdem in eine Todesfalle. Sie hängen in einer Waagschale über Schwefelsäure, auf der anderen Seite schmelzen Eisbrocken. Wie gut, dass Batmans Anzug zufällig säureresistent ist …

Als schließlich die Stimmen ausgezählt werden, hält der Pinguin die Wahlhelfer als Geiseln. Am Ende ist alles vergebens, denn Batman gewinnt doch die Wahlen. Unerklärlicherweise. Das Gute hat gesiegt. So klappt das nur im Fernsehen.

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Pinguin, Prügel, Pennyworth

DC Comics

Titel: The Tyrant Wing

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Otto Schmidt

Erschienen: 2018 (Batman #58-60, Secret Files #1, Batman Annual #3), Paperback 2019 (Batman Vol. 9)


Es ist schwierig, über diesen Band zu urteilen. Denn die erste Hälfte enthält nur drei Hefte der Batman-Serie und diese bilden keine abgeschlossene Handlung, sondern nur ein kleines Zwischenstück, das die Ereignisse von Band 8 fortsetzt und zu Band 10 hinführt.

Kurz gesagt: Batman erfährt vom Pinguin, dass Bane Arkham übernommen hat. Doch als Batman der Behauptung nachgeht, findet er keine Belege dafür. Bane scheint ein psychisches Wrack zu sein. Der Ablauf ist ermüdend: Batman verprügelt einen B-Schurken nach dem anderen, ob Maxie Zeus, Firefly oder Kite-Man („Hell yeah“), aber er kriegt nichts über Bane heraus. Schließlich macht Batman sich bei Commissioner Gordon unbeliebt, indem er auch ihm einen Schlag ins Gesicht verpasst. Gordon Und natürlich verrät Banes Lächeln am Ende, dass alles nach einem fiesen Plan abläuft – aber offensichtlich mischt noch ein ganz anderer Schurke mit …

Mikel Janins Zeichnungen lassen die Story mal wieder besser aussehen als sie ist. Aber wie gesagt: Darüber zu urteilen, fällt schwer, da alles nur Teil eines größeren Ganzen ist. Es fällt aber auf, dass Batman hier wieder nur der verbitterte und besessene Haudrauf ist, der er schon im Band zuvor war. Die geplatzte Hochzeit mit Catwoman hängt ihm noch nach, aber besonders tief steigt die Handlung nicht in die Seele des Helden ein, vielmehr widmet sie sich Pinguin, der diesmal nicht als Fiesling, sondern als trauernder und einfühlsamer Charakter mit Shakespeare-Spleen dargestellt wird. Wenn man überhaupt etwas über diese drei Kapitel sagen kann, dann ist das das Positivste.

Interessanter ist hingegen der zweite Teil des Bandes, der nichts mit der Handlung des ersten zu tun hat. In Secret Files erzählen mehrere Kurzgeschichten von zeitlosen Aspekten des Dunklen Ritters. Batman bekommt von Superman eine Kugel Platinum-Kryptonit, das ihm für ihmmer Superkräfte verleihen kann. Er gerät in Versuchung, sie zu benutzen. Dann zeigt Batman einem Polizisten, der unter Scarecrows Angstgas leidet, den Weg hinaus aus der Angst. Schließlich bekämpft Batman Drohnen aus eigener Herstellung und hilft Detective Chimp bei einem Fall. All diese Geschichten sind nachdenklich und feinfühlig geschrieben sowie ausdrucksstark gezeichnet. Wer Freude hat an Anthologien wie Batman Black and White oder Detective Comics #1000, der sollte auch hier sein Glück finden.

Die stärkste Story hat aber Tom Taylor (Injustice) in Batman Annual #3 zu erzählen. In Father’s Day ist der Kampf Gut gegen Böse nebensächlich, im Vordergrund steht das Verhältnis zwischen Bruce Wayne und Alfred Pennyworth. Batman zieht (mal wieder) trotz Erkältung hinaus, um einen Schurken aufzuhalten. Wir sehen, wie Alfred sich um ihn sorgt und kümmert, wie er seiner Sorge in kleinen Gemeinheiten Ausdruck verleiht, wie er ihm Suppe macht und ihn schließlich auch vor dem Tod rettet, indem er (mal wieder) selbst die Batman-Maske aufsetzt.

Mag sein, dass man das so oder ähnlich schon oft gesehen und gelesen hat. Aber hier ist es kein Neben-, sondern ein Hauptaspekt in einer ebenso sensibel wie grafisch stark umgesetzten Geschichte, die nach Tom Kings Prügeleskapaden sehr wohltut.

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Fernsehen schafft Analphabeten

DC Comics

Titel: Batman Adventures Vol. 1

Autor/Zeichner: Kelley Puckett, Martin Pasco/Ty Templeton, Rick Burchett

Erschienen: 1992-1993 (Batman Adventures #1-10), Paperback 2014


Was bei dem Ruhm um Batman: The Animated Series häufig untergeht, ist die Tatsache, dass es zu der TV-Serie auch eine Comic-Serie gab. Und nicht nur eine: Es waren sogar vier, dazu eine Mini-Serie, einige Adaptionen zu den Filmen (bzw. zu Serien-Episoden) und vor allem Mad Love, ein Original-Comic, das nicht nur Geschichte schrieb, sondern später sogar zu einer Episode adaptiert wurde. Die Comics erschienen noch weit über die TV-Serie hinaus – bis ins Jahr 2004.

Die ersten Ausgaben der 90er Jahre beginnen bemerkenswert: Es geht ums Fernsehen. Der Joker schickt dem Pinguin einen Fernseher, über dem er mit ihm kommunizieren kann. Er macht ihm ein Angebot für einen Plan, später macht er dasselbe bei Catwoman. Im dritten Teil tritt der Joker dann selbst in einer TV-Show auf, entführt Commissioner Gordon und Harvey Dent. Es wird brutal: Während der Sendung bricht er Gordon vor laufender Kamera mit einem Baseballschläger die Arme. Seine Handlanger erschießt er kaltblütig. Er will zeigen, dass in Gotham das reine Chaos herrscht. Auch wenn man nie Blut sieht: Für ein Comic, das sich an Kinder richtet, ist das harter Tobak. Die Comics gehen deutlich weiter als die TV-Serie.

Aber medien- und gesellschaftskritisch geht es weiter: Scarecrow macht die Bewohner Gothams zu Analphabeten – und zwar mit manipulierten Fernsehern. Damit will sich der ehemalige Hochschulprofessor am Bildungssystem rächen, das die Bevölkerung mit Sparprogrammen verdummt. Zwar kann man sich fragen, warum ein Mann der Bildung alles noch schlimmer machen will, aber auch das ist eine Geschichte, die über das hinaus geht, was man von reiner Unterhaltung für Kinder erwartet. Das ist fast schon pädagogisch wertvoll. Und es zeugt von einiger Selbstironie, dass gerade das Fernsehen, das Medium, in dem die Zeichentrickserie mit gutem Beispiel vorangeht, so skeptisch betrachtet wird.

Die nachfolgenden Storys sind weniger ambitioniert: Killer Croc als Ringkämpfer, Clayface taucht überraschend auf, der Riddler plant seinen letzten Coup – das alles sind nette kleine Geschichten, manchmal zum Schmunzeln, aber oft einfach nur zum Bewundern der geschwungenen klaren Linien, die den Animated-Stil ausmachen. Einzig die Hitchcock-artige Story, in der Bruce Wayne eines Mordes verdächtigt wird und als Batman seine Unschuld beweisen muss, ragt dabei heraus. (Das Motiv wurde später in Bruce Wayne: Murderer? aufgegriffen.) Aber kurzweilige Lektüre ist der erste Band allemal, vor allem für Nostalgiker und Fans, die vom Universum der Serie nicht genug bekommen können.

Guter Pinguin, böser Pinguin

DC Comics

Titel: He Who Laughs Last

Autor/Zeichner: Jason Aaron/Jason Pearson

Erschienen: 2008 (Joker’s Asylum: Penguin #1), Paperback 2012 (Penguin: Pain and Prejudice), 2018 (Batman Arkham: Penguin)


Warum ist der Pinguin so geworden, wie er ist? Die Antwort ist dieselbe wie bei den meisten anderen: schwere Kindheit. Nicht nur, dass er eine tyrannische Mutter hatte, die ihn dazu zwang, einen Regenschirm zu tragen, wenn die Sonne schien, er wurde in der Schule auch wegen seines Äußeren gehänselt. Ein Mädchen, dem er Blumen bringt, lacht ihn aus. Das prägt fürs Leben.

Deswegen ist der Pinguin ein Schurke. Aber nicht ganz ein Unmensch. Als er ein paar Frauen von Menschenhändlern in einem Käfig eingesperrt sieht, befreit er zumindest eine davon und nimmt sie bei sich auf. Aus reiner Nächstenliebe und ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Sie liebt ihn, er liebt sie, alles scheint gut. Aber als er einmal einen Koch lachen sieht, scheinbar über ihn, kann er sich nicht halten und ruiniert dessen Leben. Die Sache kommt raus, seine Geliebte sieht das Monster in ihm und der Pinguin ist bitter enttäuscht von ihr – und ebenso bitter endet diese kleine, ausdrucksstark und düster gezeichnete und äußerst schaurige Geschichte …

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Todesfalle unter Freunden

DC Comics

Titel: Night of Penguin

Autor/Zeichner: Paul Dini/Don Kramer

Erschienen: 2006 (Detective Comics #824), Paperback 2007 (Batman: Detective), 2018 (Batman Arkham: Penguin)


Nachdem Batman mal wieder einer von Pinguins Todesfallen entkommt (er hängt über einem Becken voller hungriger Seehunde), wird er zur großen Neueröffnung der Iceberg Lounge eingeladen. Der Pinguin will ihm beweisen, dass er ein ehrlicher Geschäftsmann geworden ist. (Warum dann die Todesfalle? Nur ein kleiner Spaß unter Freunden, wohl der alten Zeiten wegen.) Batman geht als Bruce Wayne hin, begleiten lässt er sich von einer oberflächlichen Frau, eine bessere Gesellschaft leistet ihm Lois Lane.

Der Pinguin offenbart sich als nicht ganz ehrlicher Geschäftsmann, indem er 38 Dollar für Iceberg-Lounge-Shirts verlangt. Schluss mit lustig ist aber, als mal wieder ein Mann in seinem Casino zu viel Geld gewinnt. Mr. ZZZ, ein Ganove, der es trotz Narkolepsie fertig bringt, Poker zu spielen. Batman findet heraus, dass dahinter ein Trick und eine Entführung steckt und beschafft dem Pinguin die Kohle wieder.

Schön und sauber gezeichnet, ein paar kleine Schmunzler – ein enette Lektüre für zwischendrin, mehr ist Paul Dinis kleine Episode leider nicht. Nach dem ungewöhnlichen Auftakt sackt die Story leider ins Anekdotisch-Banale ab. Batman rettet Pinguins Geld? Das muss wirklich niemanden interessieren.

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Der Pinguin und der Falke

Titel: The Penguin Returns – Burning Faces/The Egyptian Falcon (dt. Die Rückkehr des Pinguin: Brennende Gesichter/Der ägyptische Falke)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1997 (Batman #548-549), Paperback 2018 (Batman Arkham: Penguin), dt. Dino 1999 (Batman Special #8)


„Too long since I last gave wing to my bird compulsion.“ (Pinguin)

Seit der Pinguin seine Iceberg Lounge betreibt und so tut, als wäre er ein ehrlicher Geschäftsmann (Detective Comics #683-684, 1995), langweilt er sich. Andere verrichten für ihn die Drecksarbeit, aber leider ist auf die Handlanger kein Verlass. Als mal wieder was schief geht, weil die False Face Society (Black Mask) und Batman einen Coup vereiteln, sagt sich der Chef: Alles muss man selber machen, er nimmt seinen Regenschirm und zieht alleine los. Wie in alten Zeiten.

Der Pinguin fängt klein an: Bei einem kleinen Überfall auf einen Juwelier klaut er nur einen kleinen Diamanten und hinterlässt ein Pinguin-Ei, später klaut er im Museum eine altägyptische Falkenstatue und tauscht sie gegen ein Ei, das explodiert. Als ihn Batman konfrontiert, wird er zwar schnell mit seinem Erzfeind fertig, aber er erkennt im Kampf an, wie schnell und wendig der kleine dicke Mann mit seinem Schirm ist. Nebenbei erfahren wir, woher der Pinguin seine Schirm-Manie hat: Seine tyrannische Mutter ließ ihn als Kind nicht ohne aus dem Haus gehen, auch wenn die Sonne schien – man könne nie wissen, wann es als nächstes regnet. Deswegen wurde der kleine Oswald gehänselt.

Der Pinguin hat Batman zwar nicht viel entgegenzusetzen, aber dafür kluge Worte: Batman kann ihn auch nicht mit einer Tonaufzeichnung hinter Gitter bringen, denn da er selbst anonym bleibt und vor Gericht nicht aussagen kann, ist das Beweismittel nichts wert. Trotzdem: Den Falken kriegt der Pinguin nicht. Immerhin da trickst Batman ihn aus …

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Pinguins neue Geschäftsidee

Titel: Odds Against/Darkest Day

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Graham Nolan

Erschienen: 1995 (Detective Comics #683-684)


Nach der Knightfall-Saga beginnt – ganz nebenbei – eine neue Ära für den Pinguin: Er wird vom Vogelganoven zum Gangster, der andere die Drecksarbeit erledigen lässt. Seine Fassade: die Iceberg Lounge, ein Casino, das ihm als Hauptquartier dient und ihn als Geschäftsmann erscheinen lässt. Die Lounge wird leider nicht groß eingeführt, sie ist einfach da.

Ein Casino-Gast, der beim Blackjack zu viel gewinnt, fällt auf: Actuary, ein Kartenzähler, der gerne Wahrscheinlichkeiten berechnet. Statt ihn umlegen zu lassen, macht sich der Pinguin ihn zu nutze. Während seine Leute ständig bei ihren Coups von Batman hochgenommen werden, soll Actuary dabei helfen, bessere Pläne auszuhecken. Actuary lässt Batmans bevorzugte Aufenthaltsorte herausfinden und dann dort zuschlagen, wo Batman am wenigsten wahrscheinlich auftauchen wird.

Das klappt allerdings nicht wirklich. Und dann kommt die zündende Idee, bei der man sich fragt, warum das nicht schon längst einer ausprobiert hat: ein Überfall am helllichten Tag! Der Plan: Bei einer Blumenausstellung springen die Gangster aus einem riesigen Pinguin aus Blumen. Na ja … Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass auch das in die Hose geht. Batman ist eben auf Zack. Der Pinguin beherrscht aber eine ganz andere Kunst: trotz allem dem Knast fern zu bleiben – und zwar die nächsten über 20 Jahre.

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