Pinguin

Pinguin in Batman: The Animated Series

batman-tas-penguin.jpg

Hoch die Flossen! Pinguin im DeVito-Stil. (Warner Bros.)

Der Pinguin von Danny DeVito in Batman Returns hat einen so großen Eindruck gemacht, dass die Figur in Batman: The Animated Series ihm nachempfunden wurde: mit langen schwarzen Haaren und Flossenhänden – wenn auch nicht ganz so düster, um kindgerecht zu sein. Und das ist auch schon das Problem. Denn so sehr sich die Macher der meist großartigen Serie bemüht haben, die schaurige Figur fürs junge Publikum anzupassen, haben sie vergessen, ihm als Charakter eine Tiefe zu verleihen wie bei anderen bis dato eindimensionalen Figuren wie Mr. Freeze.

penguin-vs-batman-tas1

Pinguin mit Dolch im Kampf mit Batman.

Das geht schon ungünstig los mit einer Episode, in der weder der Pinguin noch Batman im Vordergrund stehen, sondern Kinder (I’ve Got Batman in My Basement, S01E13). Batman erwischt zwei Handlanger, die ein großes funkelndes Fabergé-Ei klauen, dann hat er es mit einem Riesengeier zu tun. Nach einer späteren Konfrontation mit dem Pinguin wird Batman von einer Rauchbombe außer Gefecht gesetzt, kann sich mit Mühe ins Batmobil retten. Zufällig sehen das zwei Kinder und sie bringen ihn mit dem Auto zu sich nach Hause, wo sie ihn im Keller gesund pflegen. Später bricht der Pinguin dort ein und wird nach Kevin-Allein-Zuhaus-Manier abgewehrt, bevor Batman wieder zu sich kommt und sich einen Kampf mit dem kleinen Dicken liefert.

(mehr …)

Pinguin bekommt Serie auf HBO Max

penguin-hbo2.jpg

Colin Farrell als Pinguin (DC Comics/HBO Max)

Es gehörte sicher zu den überraschenden Entscheidungen, Colin Farrell als Pinguin im Film The Batman zu casten. Allerdings erkennt man ihn unter der Maske auch kaum. Er wirkt eher wie ein aufgedunsener Robert De Niro aus Wie ein wilder Stier. Als rechte Hand von Kingpin Carmine Falcone macht „Oz“ jedenfalls eine gute Figur, auch wenn die Iceberg Lounge äußerlich nicht viel hermacht.

Nun soll der Pinguin seine eigene Miniserie auf HBO Max bekommen. The Batman-Regisseur Matt Reeves soll mitproduzieren, Lauren LeFranc soll als Showrunner dienen. Die Autorin hat bereits für Serien wie Chuck, Impulse und Marvel’s Agents of SHIELD geschrieben. Details zur Handlung sind nicht bekannt. Selbst die Pressemitteilung von DC spekuliert darüber, ob es sich bei dem Spin-off um ein Prequel oder Sequel handeln könnte. „The Penguin“ soll auch nur ein Arbeitstitel sein.

Im Jahr 2020 war bereits eine Spin-off-Serie zu The Batman über die Polizei von Gotham angekündigt. Aus der ist aber nie etwas geworden, da der vorgesehene Showrunner Terence Winter das Projekt verlassen hat. Nun soll es stattdessen eine TV-Serie rund um Arkham Asylum und seine Insassen geben, wie Matt Reeves enthüllt hat.

>> Pinguin-Comics

Filmkritik: „The Batman“

the-batman-werbung-berlin.jpg

„No More Lies“: Batman-Werbung in Berlin. (Foto: LG)

HINWEIS vorab: Diese Kritik setzt voraus, dass man den Film „The Batman“ gesehen hat, und verrät einige Details zur Handlung. Die betreffenden Absätze sind mit einer Spoiler-Warnung versehen. Wer nur wissen will, worum es grob geht und ob sich das Schauen lohnt, sollte nur Anfang und Ende des Textes lesen.

Ein Film, der sich „The Batman“ nennt, macht bereits zwei Aussagen. Erstens: Zurück zum Ursprung, denn der Dunkle Ritter hatte anfangs noch den bestimmten Artikel (und sogar noch einen Bindestrich). Zweitens: Das ist der wahre Batman.

Zurück zum Ursprung bedeutet hier kein Origin, denn Matt Reeves verschont sein Publikum dankenswerterweise mit der Entstehungsgeschichte, sondern zurück zum düsteren Rächer, der irgendwo zwischen Verbrechen und Gesetz steht. Aber ist „The Batman“ auch wirklich „THE Batman“?

Die Messlatte, die Christopher Nolan mit seiner Dark-Knight-Trilogie gelegt hat, ist hoch. Auch wenn der dritte Teil deutlich schwächer war als die ersten beiden, hat Nolan es geschafft, einen Realismus und eine Bodenständigkeit und Glaubwürdigkeit in den Mythos zu bringen. Zack Snyders Batman war mit seinem hohen Alter und in seiner Brachialität eher eine Liga für sich, um es mit Superwesen aufzunehmen.

Matt Reeves greift auf, was Nolan begonnen hat, und steigert es. Sein Gotham ist zutiefst korrupt. Auch nach zwei Jahren im Einsatz konnte Batman nichts dagegen ausrichten – es ist alles nur schlimmer geworden: Die Verbrechensrate steigt. Batman hat sich zwar seinen Ruf erarbeitet, aber bei der Polizei vertraut man ihm noch nicht, nur in James Gordon hat er einen Fürsprecher, auch wenn dieser sein Batsignal lieber nicht auf dem Polizeigebäude aufstellt.

An Halloween wird der Bürgermeister brutal ermordet, am Tatort bleibt eine rätselhafte Nachricht an Batman zurück. Der Riddler hat zugeschlagen. „No more lies“ ist sein Motto und er hat es auf die abgesehen, die in Gotham das Sagen haben. Es beginnt eine Schnitzeljagd, die Batman in Gothams Unterwelt führt, zum Pinguin und zu Selina Kyle, die beide für Kingpin Carmine Falcone arbeiten. Selina hilft ihm als (inoffizielle) Catwoman, die persönlich mit Falcone verbunden ist. Doch dann führt die Spur auch zur Familiengeschichte der Waynes …

(mehr …)

Pinguin: Wie alles begann

 

secret-origins-special-peng.jpg

Pinguin auf dem Cover von Secret Origins Special #1 (1989)

40 Jahre lang blieb der Pinguin unter den Batman-Schurken der große Unbekannte. Im Gegensatz zum Joker wusste man zwar, wie er mit wahrem Namen hieß, doch erst 1981 erfuhren die Leser, wie Oswald Chesterfield Cobblepot zum Pinguin wurde.

In The Origin of the Penguin (The Best of DC #10) erzählt Autor Michael Fleisher von einem Jungen, der nach dem Tod seines Vaters von einer kranken Mutter aufgezogen wird. Die Mutter hat eine Tierhandlung für Vögel und besteht drauf, dass Oswald jederzeit einen Regenschirm dabei hat – auch wenn draußen die Sonne scheint, denn der Vater soll sich einst in einem Gewittersturm seine tödliche Lungenentzündung geholt haben.

penguin-origin.jpg

Vögel sind die besseren Menschen, findet Oswald Cobblepot. (DC Comics)

Oswald tut seiner Mutter den Gefallen, aber sich selbst keinen, denn er wird dafür von anderen Jungs gehänselt, auch wegen seines Watschelgangs und seines Aussehens. Oswald sucht Zuflucht unter den Vögeln der Zoohandlung, studiert nach der High School Ornithologie und übertrumpft sogar das Wissen seiner Professoren. Nach dem Tod seiner Mutter bleibt Oswald allein zurück mit Schulden, die sie gemacht hat, um ihre Behandlung zu bezahlen. Die Zoohandlung wird gepfändet und er verliert seine Vögel.

Verbittert beschließt Oswald, sich dem Verbrechen zu widmen, doch er wird von einer Bande abgelehnt. Oswald baut einen Schirm zu einer Schusswaffe um, legt sich einen Frack zu und knallt den Anführer kaltblütig ab. Die anderen Gangster folgen ihm sofort und damit beginnt seine Karriere als Schurke mit Schirm, Charme und Zylinder.

The Killing Peck

Acht Jahre später (nach dem DC-Reboot der Crisis) wird die Entstehungsgeschichte etwas anders nacherzählt. Mit dem Titel, The Killing Peck (Secret Origins Special #1, 1989), orientiert sich Autor Alan Grant an dem ein Jahr zuvor erschienenen The Killing Joke, allerdings ohne sich in Form und Ausmaß damit messen zu wollen.

penguin-birds-origin

Am schönsten ist es unter Vögeln. (DC Comics)

Der Pinguin entführt einen Mann namens Sharkey. Die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit: Sharkey war einst sein Klassenkamerad, der ihn gemobbt und geschlagen hat. Er drückte Oswald das Gesicht ins Essen und verpasste ihm seinen Rufnamen: „Penguins just love fish!“ Bei einem Kostümball, als Oswald als Hamlet kam, hat ihn Sharkey sich zum Pinguin umziehen lassen.

penguin-training.jpg

Training mit Monokel: Oswald plant seine Rache. (DC Comics)

Oswald begann dann zu trainieren: Gewichteheben und Kampfsport. Nach einigen Monaten verprügelte er Sharkey, dieser rächte sich dann an Oswald, indem er alle seine Vögel tötete. Nach Jahren spürt der Pinguin ihn wieder auf und rechnet mit ihm ab, indem er in dazu zwingt, Fisch zu essen. Schließlich will er ihn im Zoo Tigern zum Fraß vorwerfen, doch dann kommt Batman dazwischen.

Unerwiderte Liebe

In den folgenden Jahren werden die Motive in den Origins immer wieder variiert. Im Film Batman Returns wird der Pinguin zu einem Ausgestoßenem, der sich nach Liebe sehnt. Wegen seiner Missbildung wird er von seinen reichen Eltern in einem Korb in einen Fluss geworfen und von Pinguinen aufgezogen. Das Motiv wird ähnlich auch in Penguin Triumphant (1992) aufgegriffen. Auch hier geht es um unerfüllte Liebe und um Mobbing als Kind. Doch der Pinguin wandelt sich zu einem von Anfang an ruchlosen Charakter.

Die Sache mit dem Regenschirm kehrt wieder in Joker’s Asylum: Penguin (2008). Die schwere Kindheit bleibt die Standarderklärung für sein menschenverachtendes Verhalten. Gesteigert wird die Grausamkeit in Penguin: Pain and Prejudice (2012). Hier wird er vom Vater und seinen Brüdern für sein Aussehen gehasst, allerdings von der kranken Mutter geliebt. Später schreckt er nicht davor zurück, einen Schwarm mordender Vögel auf die Kinder vom Gotham loszulassen …

>> Pinguin-Comics

Wie der Pinguin zu seinem Namen kam

penguin-sunday-1.jpg

Der Pinguin bedient sich im Postamt selbst. (DC Comics)

Von 1943 bis 1946 erschien Batman nicht nur in Comicheften, sondern auch in Zeitungen. Täglich ein Strip in Schwarzweiß, der am Tag darauf fortgesetzt wurde, sonntags kamen farbige Ganzseiter heraus, die eigene Geschichten erzählten. Bemerkenswerterweise kamen in diesen Strips die klassischen Schurken kaum vor. In den Dailies gab es nur einen Auftritt des Joker. Ansonsten behielt man sich die bunten Schurken für die bunten Seiten vor: Joker, Catwoman, Two-Face und sogar zweimal der Pinguin.

Im ersten Abenteuer (The Penguin’s Crime-Thunderstorms, #1-6, 1943) verkauft der Pinguin Regenschirme auf der Straße, für fünf Cent das Stück. Da greift sogar der reiche Geizhals Amos Q Pinchbeck beherzt zu. Doch der Schirm hat es in sich: Über einen Lautsprecher darin gibt der Pinguin Amos den Befehl, seine Diener und Wachen loszuwerden, damit der Schurke ihn ausrauben kann.

Dazu seilt er sich mit seinen Pinguinen zu Amos‘ Penthouse ab und bringt ihn um dessen Juwelen. Batman und Robin versuchen, ihn zu schnappen, kriegen aber nur seine zwei Pinguine zu fassen, dann rutschen sie auf einer Ölspur aus und fallen vom Dach. Aber zum Glück  die Polizei unten ein Netz gespannt. In dem fängt sie schließlich auch den Pinguin, der auf einem Regenschirm heruntergeglitten kommt.

Oswald Chesterfield Cobblepot

Interessanter ist aber das zweite Abenteuer (Oswald Who?, #119-123, 1946). Denn da erfahren wir erstmals, wie der Pinguin mit bürgerlichem Namen heißt: Oswald Chesterfield Cobblepot. Batman und Robin finden es heraus, als er gerade für Unruhe in einem Postamt sorgt. Eigentlich will er nur eine Postkarte abholen, die für ihn hinterlegt ist, doch der Beamte erkennt ihn auf einem Fahndungsplakat und will die Polizei rufen. Der Pinguin verschießt dann Tränengas und bedient sich selbst. Da schnappt das Dynamische Duo zu.

penguin-sunday-2.jpg

Stadtrundfahrt mit Pinguin, Tante, Batman und Robin. (DC Comics)

Die Karte stammt von Pinguins Tante Miranda. Sie will ihn heute – an seinem Geburtstag – besuchen kommen, um zu sehen, wie er lebt. Da Batman und Robin ihn einbuchten wollen, wäre das eine Schande für ihn. Also tun sie ihm einen Gefallen und geben ihm den Tag Aufschub, begleiten ihn und spielen das falsche Spiel mit, Tante Miranda von Oswalds Ehrlichkeit zu überzeugen.

Miranda sieht ihrem Neffen sehr ähnlich, nur dass sie eine Brille statt eines Monokels trägt. Zuerst unternehmen sie eine Stadtrundfahrt in einem Doppeldeckerbus. Der Pinguin will die Gelegenheit nutzen, um zu türmen, doch Batman fängt ihn wieder ein.

penguin-sunday-3.jpg

Schirme, die es in sich haben: Pinguin gerät in Erklärungsnot. (DC Comics)

Später führt er seiner Tante seinen Regenschirmladen vor, der mehr einem verstaubtem Waffenarsenal gleicht. Ahnungslos ballert Miranda mit einem der Schirme los. Den habe er für die Armee entwickelt, lügt der Neffe. Miranda bringt daraufhin den Laden wieder in Schwung, um ihrem Neffen mit seinem Geschäft zu helfen.

Als Gauner sehen, dass der Pinguin mit Batman und Robin rumhängt, halten sie ihn für einen Verräter und wollen ihn erledigen. Doch sie haben nicht mit seiner Tante gerechnet. Sie geht mit ihrem Schirm auf die Gauner los, gefolgt von Pinguin, Batman und Robin. Zum Glück greift keiner zu einem Schirm, der Kugeln verschießt, sonst gäbe es Tote. Und zum Glück lassen sich die harten Kerle mit Netzen, Haken und Wasserfontänen überwältigen.

penguin-sunday-4.jpg

Mit vereinten Schirmen gegen das Verbrechen: Pinguin, Tante, Batman und Robin. (DC)

Am Ende, als Tante Miranda wieder heimfährt, nehmen Batman und Robin den Schurken wieder fest – ungeachtet seiner Hilfe. Aber das scheint kein Problem zu sein: Er habe noch 237 Fluchtmöglichkeiten in petto, sagt er, nun bekommt er die Gelegenheit, eine weitere auszuprobieren.

Eine wunderbare Geschichte. Wie Autor Alvin Schwartz darauf kam, erklärt er im Kommentar: Er habe Spaß daran gehabt, sich lustige Namen auszudenken, sagt er. Außerdem verarbeitet er darin ein eigenes Erlebnis, als es ihm peinlich war, anderen seinen Ring zu zeigen, den er von seiner Mutter bekommen hat und in dem sein Name eingraviert war.

Mehr zum Thema:


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00

Krieg um Gothams Unterwelt

DC Comics

Titel: Gotham Underground

Autor/Zeichner: Frank Tieri/Jim Calafiore

Erschienen: 2007-2008 (Miniserie #1-9), Paperback 2008


Nach dem Tod von Black Mask (Catwoman #52) entsteht ein Machtvakuum in Gothams Unterwelt – und das will schnell gefüllt werden. Der Pinguin gründet eine Allianz mit anderen klassischen Schurken wie Two-Face, Scarecrow, Mad Hatter und Hugo Strange, doch auch andere melden Ansprüche an wie der Gangster Tobias Whale (eine Art Kingpin-Klon mit Harpune) und Bruno Mannheim von Intergang. Da fällt die Suicide Squad mit Bane und Deadshot über die Iceberg Lounge her und nimmt bei der Gelegenheit auch Matches Malone fest, der daraufhin im Knast von Blackgate landet …

Für alle, die es nicht wissen: Matches Malone ist das andere Alter Ego von Bruce Wayne alias Batman. Das fällt im Knast aber niemandem auf. Dann wird auch noch Victor Zsasz auf ihn angesetzt, ihn zu töten.

Ihr merkt, worauf es hinausläuft: ein Bandenkrieg, jeder gegen jeden. Fast alle aus Batmans Schurkenriege tauchen mal auf und verschwinden wieder, wie etwa Scarface, Firefly, Killer Moth und Lockup sowie ein Haufen neuer Gesichter, die sich hier nicht einzuführen lohnt. Zu allem Überfluss spielt noch Spoiler verrückt. Es kommen ungute Erinnerungen an das öde War-Games-Event hoch.

Sinnlose Gewalt, absurder Höhepunkt

Gotham Underground hat durchaus ein paar spannende und gelungene Sequenzen. Mit den unzähligen Figuren wirkt das Ganze aber aufgeblasen und überfrachtet. Bei diesem Jeder-gegen-jeden ist es eigentlich einerlei, wer am Ende gewinnt, denn keiner dieser Schurken ist auch nur annähernd ein Sympathieträger. Es geht furchtbar brutal zu, die Geschichte ist voller sinnloser Gewalt. So hält man am ehesten noch zum Pinguin, aber eher noch aus Tradition und weil er noch am „nettesten“ scheint. Die Erkenntnis: Gotham ist mit seinen verrückten Schurken zwar übel dran, aber immer noch besser als mit Intergang und anderen Gangstern.

Völlig absurd wird es auf dem Höhepunkt: Als der Pinguin allein dasteht, trommelt er alle dahergelaufenen Leute zusammen, steckt sie in Kostüme klassischer Schurken und sie kommen gegen einen Haufen von Profikillern an. Warum einer etwa in einem Mister-Freeze-Anzug frieren muss, bleibt schleierhaft.

DC Comics

Das Spektakel ist immerhin optisch ansprechend inszeniert. Abgesehen von den üblichen Massenkeilereien gibt es einige starke Einfälle wie ein Kapitel mit Panels, die aussehen wie Puzzleteile und sogar eine erzählerische Funktion erfüllen. Doch ist die im Grunde dünne Geschichte auch ziemlich verschwenderisch gezeichnet, mit vielen großen Panels und wenig Text, eine halbe Ausgabe lang sieht man Batman den völlig unwichtigen Vigilante verprügeln – ein solches Superman-gegen-Doomsday-Ausmaß steht dieser öden Gewaltorgie nicht zu.

Immerhin lässt sich dadurch das Epos schnell lesen. Wer kurzweilige, anspruchslose Unterhaltung fürs Auge sucht, kommt auf seine Kosten. Aber wer es sich spart, verpasst auch nichts. Kein Wunder, dass diese Miniserie seit 2008 nicht neu aufgelegt wurde.

>> Batman 2000-2011


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00

Pinguin und Catwoman gegen Corona

gotham-city-villains1

DC Comics

Titel: Gotham City Villains Anniversary Giant

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2021 (One-shot)


„Everyone needs to be their own parent.“ (Ra’s al Ghul)

Was wäre, wenn Catwoman und Pinguin ein Liebespaar wären? Dann würden sie spielende Kinder vor fahrenden Autos und aus Nestern gefallene Küken retten. Sie würden von den Reichen stehlen und es den Armen geben. Und sie würden die Pandemie beenden – einfach so, indem sie fünf Milliarden Dosen Impfstoff umverteilen würden.

Pinguin und Catwoman

Pinguin und Catwoman in „Bird Cat Love“ (DC Comics)

 

Eine richtige Pointe hat Danny DeVitos und Dan Moras Kurzgeschichte nicht, außer dass man ständig auf eine wartet und dann doch keine kommt. Keine außer: Ja, es wäre möglich, wenn die zwei ungleichen Schurken aus Batman Returns zueinander finden würden. Dagegen kann selbst Batman nichts machen, außer es schmollend in seiner Höhle zur Kenntnis zu nehmen.

Scarecrow, Ra’s al Ghul und Red Hood

Mit dieser „Bird Cat Love“ beginnt der Gotham City Villains Anniversary Giant, eine Anthologie, die DC im Jubiläumsjahr von Pinguin und Scarecrow (80 Jahre) sowie Talia und Ra’s al Ghul (50 Jahre) veröffentlicht hat. So wird jeder in einer Kurzgeschichte geehrt, darunter auch Killer Moth und Red Hood, die jeweils 70 Jahre feiern (auch wenn Red Hood bloß die Vorstufe des Jokers ist), außerdem Mad Hatter und Poison Ivy, auch wenn da ein Anlass fehlt.

Die Scarecrow-Story ist mehr eine der üblichen Reflexionen über Angst, mit Frank-Miller-Zitat, einer hübschen Variation auf den Batman-Origin und einem kleinen überraschenden Twist am Ende, gezeichnet in einem wunderbar düsterem Noir-Stil. Die Red-Hood-Geschichte erzählt von einem armen Kleinganoven, dem der Helm nur Pech gebracht hat. Killer Moth sieht ein, dass er ein Versager und Parasit ist – und macht aus der Not eine Tugend. Ra’s hält seiner jungen Tochter Talia eine Standpauke darüber, dass man nicht wissen muss, wer seine Mutter ist, um ein erfülltes Leben zu füllen.

Füll- und Werbematerial

Oh, schon vorbei? Tja, dafür werden viele Seiten mit Pin-ups bzw. Nachdrucken alter Cover gefüllt. Das hat schon fast eine eigene schurkische Qualität: nämlich Abzocke.

Das wirklich Ärgerliche ist das Prinzip, das hinter vier von acht Geschichten steckt: Die Storys zu Talia und Ra’s sowie Mad Hatter und Poison Ivy dienen bloß als Vorspiele bzw. Teaser auf Geschichten, die anderswo fortgesetzt werden. Das hat sich offenbar schon in früheren Anthologien bewährt. Also lässt DC die Leser zehn Dollar oder Euro für ein Heft löhnen, das eigentlich zur Hälfte aus Werbematerial besteht.

Zugegeben: Die Ivy- und die Ra’s-Episoden sind was fürs Auge, wenn auch so altbackene Klischees wie das übliche Schachspiel als Metapher bedient werden. Aber im Grunde bleibt auch da nur das schale Gefühl zurück, dass dieses Material besser in einem Aktionsheft des Gratis-Comic-Tags aufgehoben wäre.

>> Batman 2020-2029

Batman und Green Arrow gegen den Pinguin

brave-bold-185

DC Comics

Titel: Batman & Green Arrow: The Falcon’s Lair!

Autor/Zeichner: Don Karr/Adrian Gonzales

Erschienen: 1982 (The Brave and the Bold #185), erschienen in: The Brave and the Bold – The Bronze Age Omnibus Vol. 3 (2021)


Als Green Arrow mal wieder zufällig in Gotham vorbeischaut, um sich zu amüsieren, kann er Batman dabei helfen, ein paar Gauner hochzunehmen. Da der Spaß schnell vorbei ist, fragt Batman, ob er nicht beim 40. Geburtstag seines Millionärskumpels Hamilton Mellor als Robin Hood auftreten will. Mellor veranstaltet nämlich eine Mittelalter-Mottoparty. Auf keinen Fall!, sagt Green Arrow, ist ja auch lächerlich, sich wie Robin Hood zu kleiden und dann Pfeiltricks zu vollführen.

Doch weil er selbst letztens Batman um einen ähnlichen Gefallen gebeten hat (The Brave and the Bold #168), vertritt er ihn bei der Party, die auf einer Burg stattfindet. Zufällig ist aber auch der Pinguin zugegen, als uneingeladener Gast. Der hat Hamilton Mellor hypnotisiert, um ihn durch einen Roboter zu ersetzen und auszunehmen. Außerdem plant er, Batman zu töten. Dafür hat er einen Roboterfalken gebaut und den Ernstfall mit einem Batman-Roboter erprobt.

Dass Batman gar nicht auftaucht, scheint den Pinguin aber nicht zu stören. Schnell ist eine Falle für Green Arrow bereitet: ein Black-Canary-Roboter auf einem Scheiterhaufen. Die Figur schreit zwar, es sei eine Falle, aber er tappt trotzdem gern hinein und lässt sich gefangennehmen.

Batman eilt zur Hilfe, um den Freund zubefreien. Dabei kriegt er es mit einem feuerspeienden Drachen, einem Ritter mit Lanze und einem Robin-Roboter zu tun. Batman meistert alle Aufgaben souverän, er hat ja bereits Mittelalter-Erfahrung, doch die Mühe ist völlig unnötig, denn Green Arrow befreit sich in der Zwischenzeit selbst, befreit Mellor, besorgt sich eine Armbrust und erledigt Pinguin und Falken.

Damit endet die Geschichte der Team-ups zwischen Batman und Green Arrow in Brave & Bold. Es gibt noch zwei weitere Treffen, die sogar mit Green Lantern und Black Canary (#100) und auch eins mit den Metal Men (#135-136), aber davon erzähle ich ein andermal.

Mehr zum Thema:


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00

Danny DeVito schreibt Pinguin-Story

gotham-city-villains-pengui.jpg

DC Comics

Danny DeVito hat als Pinguin in Batman Returns nicht nur Filmgeschichte geschrieben, sondern auch die Figur, die er verkörpert hat, für die Comicgeschichte geprägt. Durch ihn ist der Pinguin ein Charakter mit Tiefe geworden, eine ausgestoßene Kreatur, die sich an der Menschheit rächen will. Nun hatt Danny DeVito selbst eine Pinguin-Story geschrieben. Sie erscheint zum 80-jährigen Jubiläum des Schurken im Special Gotham City Villains Anniversary Giant.

gotham-city-villains1

DC Comics

In der Tradition früherer 80-Jahre-Specials werden die 96 Seiten als Anthologie von Kurzgeschichten angelegt sein. Erzählt werden Storys über Scarecrow, Poison Ivy, Ra’s & Talia al Ghul, Mad Hatter, Killer Moth und den originalen Red Hood (Joker). Zu den weiteren Autoren zählen Wes Craig, G. Willow Wilson und Joshua Williamson.

Das Heft erscheint am 30. November 2021 und wird 9,99 US-Dollar kosten.

arkham-city-order.jpg

Arkham City: The Order of the World #1 (DC Comics)

Passend dazu bringt DC eine neue Miniserie heraus: Arkham City: The Order of the World. Autor Dan Watters und Zeichner Dani erzählen in sechs Heften eine vertraut klingende Geschichte: Arkham Asylum ist nach einem Joker-Angriff verwüstet, die meisten Patienten sind tot oder verschwunden, nur wenige Angestellte sind noch übrig. Die Entflohenen machen Gotham City unsicher, während der einzige Arkham-Arzt versucht, sie wiederzufinden.

Wer diese Patienten sind, wird nicht direkt gesagt, aber anhand der Cover kann man unter anderem von einem Wiedersehen mit dem Verrückten Hutmacher, Professor Pyg und Dr. Phosphorus ausgehen. Von Batman ist zwar nicht die Rede, dafür ist aber Azrael prominent auf den Bildern zu sehen. Die erste Ausgabe erscheint am 5. Oktober 2021.

Mehr zum Thema:

Wie „Batman Returns“ entstand

Batman Returns, der zweite Teil von Tim Burtons Batman-Reihe, ist vielleicht ein Beispiel dafür, das eine Fortsetzung das Original übertreffen kann. Im Kritikerspiegel bei Rotten Tomatoes schneidet er jedenfalls deutlich besser ab (80 zu 71 Prozent). Zwar gibt es auch hier Albernheiten wie fliegende Regenschirme, Riesengummienten und eine Pinguin-Kamikaze-Armee, aber dank eindrucksvoller Darstellungen des Pinguins (Danny DeVito) und Catwoman (Michelle Pfeiffer) hinterlässt Batman Returns einen tieferen Eindruck als der Vorgänger.

Trotzdem gab es keine Fortsetzung. Offenbar war Tim Burtons Ansatz – trotz des Kassenerfolgs – zu düster und brutal für eine Filmreihe, die Spielzeuge verkaufen sollte. Dafür wird die Geschichte nun in einer Comicserie weiter erzählt: Batman 89.

Ein interessantes Making-of lässt Darsteller und Macher zurückschauen auf die Entstehung des Films.

Mehr zum Thema: Honest Trailer