Pinguin

All-Star Alfred und die Piraten

Titel: All-Star Batman Vol. 3 The First Ally (dt. Der Verbündete)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Rafael Albuquerque

Erschienen: 2017-2018 (All-Star Batman #10-14), Hardcover 2018; dt. Panini 2018 (Paperback)


„He’s an absurd human being, is the truth … bloody absurd. And I love him for it.“ (Alfred)

Batman jagt Hush in Florida, er will an die Genesis Engine herankommen, eine Technologie, mit der man Zellen erneuern und überschreiben kann. Als Bruce Wayne gerät er an moderne Piraten, kämpft mit Krokodilen und trifft auf einen neuen Schurken: Nemesis, einen Supersoldaten mit scharfen Klingen.

Doch eigentlich ist das weniger eine Batman-Story. Eigentlich geht es um Alfred Pennyworth. Der ist hier nicht Bruce Waynes Butler. Eher ist Batman hier nur sein Sidekick. Denn Alfred hat eine Vergangenheit, die weit über einen Armee-Einsatz hinausgeht. Er war in einer geheimen Einheit tätig, geführt von einem Mann namens Briar. Alfred machte eine Ausbildung zum Supersoldaten durch. Und jetzt dürft ihr alle mal raten, wer Nemesis ist …

Scott Snyders Abschluss seiner All-Star Batman-Serie ist also eine Mogelpackung. Zum Konzept der Serie gehörte es ursprünglich, nicht nur mit verschiedenen Lieblingszeichnern zusammenzuarbeiten, sondern auch Storys mit klassischen Batman-Schurken zu erzählen. In Teil eins war es Two-Face (neben vielen anderen wie Pinguin, Black Mask, KGBeast), in Teil zwei Mr. Freeze, Poison Ivy, Mad Hatter und Ra’s al Ghul. Wahrscheinlich weil nach diesen zwei riesigen Schurken-Aufgeboten keiner mehr übrig war, haben in diesem dritten Teil Gegner wie Hush nur Gastauftritte. Der Hauptgegner ist ein Neuer.

Und zugleich ein alter Bekannter aus Alfreds Vergangenheit. Weil es hier mehr um Alfred als um Batman geht, führt der Titel in die Irre. Was wir bekommen, ist ein ganz neuer Alfred. Einer, der mehr an die Earth One-Version erinnert als an den, den uns Scott Snyder bisher gezeigt hat. Kein steifer Butler mehr, sondern ein Action-Held, dessen Weg einige Leichen pflastern und der völlig aus der Rolle fällt, als er mit einem Maschinengewehr ein Flugzeug abschießt, in dem ein schwer verletzter Batman liegt – immerhin eine Art Sohn für ihn.

Wenn man sich mit diesem drastischen Ansatz anfreundet, ist The First Ally eine solide Alfred-Story, die dem Charakter viel Raum lässt. Viele Rückblenden, viel Introspektion (und wie immer viel Text). Alfred outet sich als junger Rebell und Fan von Piraten-Geschichten. Und so ist auch diese genau das: eine Hommage an das Genre und zugleich der Versuch einer modernen Adaption. Auf eine kurzweilige Art unterhaltsam, aber immer over the top und leider auch mit einigen Klischees á la „es steckt noch Gutes in ihm“.

Aber es gibt ja nicht nur was zu lesen, sondern auch viel zu schauen. Über die Zeichnungen von Rafael Albuquerque muss man kein Wort mehr verlieren, die sind wie immer stark – und dank der knalligen Farben von Jordie Bellaire ist das Serien-Finale auf jeden Fall ein Spektakel fürs Auge.

Mehr von Scott Snyder:

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Two-Face unterm Messer

Harvey Dent soll operiert werden

Titel: Second Chance (dt. Sein schlimmster Feind)

Story/Drehbuch: Paul Dini, Michael Reeves/Gerry Conway

Erschienen: 1994 (Batman: The Animated Series, S02E15)


Two-Face ist auf dem Weg der Besserung. Harvey Dent hat seine böse Seite im Griff, jetzt soll er auch eine plastische Chirurgie bekommen. Bruce Wayne zahlt. Doch kaum liegt Harvey unterm Messer, kommen Typen mit Maschinengewehren in den OP und entführen ihn. Batman und Robin verfolgen die Entführer und finden zwei Spuren: Die eine führt zu Rupert Thorne, die andere zum Pinguin. Aber wer ist der Auftraggeber?

Two-Face mit Münze

Die deprimierende Antwort: Harvey Dents schlimmster Feind. Batman zieht allein los, um ihn zu fassen, Robin soll zuhause bleiben, denn es wird persönlich. Batman gerät in Gefangenschaft, Two-Face wirft eine Münze, die auf der Kante stehen bleibt. Immer wieder. Ein alter Trick, den wir schon aus den Comics kennen: Batman hat die Münze ausgetauscht.

Münze auf der Kante

Am Ende kommt es zu einer dramatischen Entscheidung: Two-Face hängt am Abgrund, Batman hält ihn an einer Hand fest, in der anderen hält Two-Face seine falsche Münze fest. Doch Überleben heißt nur Rückkehr nach Arkham. Armer Harvey. Manche wollen einfach nicht gesund werden.

Second Chance ist eine gelungene und tragische Fortsetzung des Zweiteilers Two-Face. Zusammen bilden sie eine Art Trilogie, die man auch als einen Film schauen kann. Die Episode zeigt drastisch die Hoffnungslosigkeit dieser gescheiterten Existenz.

Mehr zum Thema:

Die schrillen Zwei auf Achse

DC Comics

Titel: All-Star Batman Vol. 1 – My Own Worst Enemy (dt. Mein schlimmster Feind)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/John Romita Jr., Declan Shalvey

Erschienen: 2016 (All-Star Batman #1-5), Hardcover 2017; dt. Panini 2017 (Paperback)


„There will be a mess.“

Nachdem Two-Face einen Säureregen über Gotham niedergehen ließ, offenbart sein gutes Ich, Harvey Dent, dass er an einer dauerhaften Lösung für das Problem arbeite: Er will Two-Face mit einer chemischen Kur beseitigen. Batman packt den Schurken ein und macht sich im Flieger zu dem Ort auf – doch dann wird er abgeschossen. Weil Two-Face ein Kopfgeld auf Batman ausgesetzt hat, sind jetzt alle hinter ihm her – Schurken wie Zivilisten. Und dann schicken Pinguin, Black Mask und Great White (Shark) auch noch einen alten Bekannten ins Spiel: The Beast, ehemals KGBeast.

Scott Snyders erste All-Star Batman-Storyline ist ein Road Movie, in dem fast jedes denkbare Transportmittel bemüht wird, es steckt voller erst-, zweit- und drittklassiger Schurken, voller Waffen von der Kettensäge bis zur Machete, und demnach auch voller Gemetzel. Und dann bricht auch noch die Polizei in Wayne Manor ein, um die Bathöhle zu suchen. Auch die immer noch die namenlose gelbe Bat-Aushilfe Duke darf mitspielen. (Der bekommt am Ende des Bandes noch ein kleines Extra-Abenteuer.) Als wäre das noch nicht genug, dichtet Snyder dem jungen Bruce Wayne noch eine gemeinsame Vergangenheit mit Harvey Dent an. (Armer Bruce: Hat der Junge mit dem Tod seiner Eltern und der Suche nach dem Rat der Eulen nicht schon genug durchmachen müssen?)

Snyder zieht also mal wieder alle denkbaren Register. Das sorgt zwar für viel Abwechslung, aber führt auch zu Ermüdungserscheinungen. Denn natürlich muss es auch um den alten Widerstreit der gespaltenen Persönlichkeiten gehen. Doch das eigentliche Thema bleibt zuweilen auf der Strecke. Bei dem schnell ausgetauschten Kanonenfutter an Schurken hat man selten den Eindruck, dass es sich wirklich um eine Two-Face-Story handelt. Immerhin ist die Wendung am Ende interessant ausgefallen, wenn auch die Idee von Two-Face, von jedem Menschen die stärkere Seite hervorzubringen, nicht ganz neu ist (siehe Jekyll & Hyde).

Eigentlich kann man sich kaum beschweren: My Own Worst Enemy ist ein knallbuntes, wildes Spektakel.  Aber es leidet, wie andere Snyder-Storys, an dem alten Problem: es wirkt überladen. Es passiert so viel, dass man fast vergessen könnte, dass hier nichts von Substanz passiert. Snyder hat zwar viele Ideen. Leider sticht keine davon besonders heraus. Da erscheint es nur passend, dass gerade Zeichner John Romita Jr. (The Last Crusade) das Ganze inszeniert – klobig und brachial.

Mehr von Scott Snyder:

>> Liste der Two-Face-Comics

Tausend Seiten Langeweile

Titel: War Games Vol. 1-2 (früher: War Drums, War Games, War Crimes)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2004-2005; Paperbacks 2004-2006 (5 Bände), 2015-2016 (2 Bände); dt. Panini 2005 (diverse Hefte)


„War is not a game. It’s an abomination. And this must be stopped.“ (Batman)

Die Kurzfassung: Ein Bandenkrieg bricht in Gotham aus, Black Mask übernimmt die Unterwelt.

SPOILER: Stephanie Brown wird zu Robin, wird aber schnell gefeuert und stirbt bald darauf, nachdem sie von Black Mask gefoltert wird.

Bilanz: Zwei Bände mit über 1000 Seiten, auf denen zu wenig Spannendes passiert – verschwendete Lesezeit.

Die ausführliche Fassung:

Tim Drake hat keine Lust mehr. Er hat als Robin hingeschmissen. Ein Ersatz muss her, da steht auch schon die erste Aspirantin auf das Amt des Wunderknaben bereit: Stephanie Brown, Tochter des Schurken Cluemaster, ehemals als Spoiler unterwegs. Kaum bricht sie in die Bathöhle ein und steht im selbstgenähtem Kostüm vor Batman, ist sie engagiert. Bei Tim hat Batman noch gezögert und mit sich gehadert, immerhin war gerade erst Jason Todd im Einsatz draufgegangen. Aber beim ersten Mädchen in der Rolle scheint er keine Skrupel zu haben. Warum, erfährt man später: sie ist bloß Kanonenfutter.

Ja, ich weiß: strenggenommen ist Stephanie nicht der erste weibliche Robin. Vor ihr gab es Carrie Kelley, allerdings nur im alternativen Universum von The Dark Knight Returns (auch wenn sie kürzlich Eingang in den Kanon fand, aber das ist eine andere Geschichte). Spoiler-Robin ist aber die erste in der regulären Continuity. Es ist allerdings bezeichnend: Wenn Robin ein Mädchen wird, dann nur für kurze Zeit. So geht Stephanie Brown leider nur als Fußnote in die Comic-Geschichte ein. Alfred Pennyworth kommentiert das so:

„One has difficulty adjusting to the recurrent personnel changes, what with Robin, and the Robin before her …“

Die Handlung von War Games lässt sich Zeit. Das erste Drittel (ursprüglich War Drums genannt) baut nur allmählich die Geschichte in Gang. Ein Gang-Krieg hier, Mr. Freeze da, eine Pest frisst Menschen auf, der Pinguin macht Waffendeals, Robin darf sich beweisen und wird nach ein paar Tagen gefeuert, während Tim Drake Liebeskummer hat und sich woanders Trost sucht. Kurz gesagt: ziemlich schleppend und belanglos.

Nach diesem zähen Auftakt geht die eigentliche War Games-Story los. Nachdem es bei einem Treffen der Gangster-Bosse zu einer Schießerei kommt, bei der die meisten getötet werden, bricht ein Bandenkrieg in der ganzen Stadt aus. Das Treffen hat Stephanie Brown einberufen, um Batman zu beweisen, das sie das Verbrechen in Gotham beseitigen kann. Falsch gedacht, es endet in einer Katastrophe. Auch für sie. Und auch narrativ. So wird das Lesen selbst zum Kampf.

Der erste Akt von War Games, mit dem der erste Band (500 Seiten!) schließt, ist nichts als eine große Prügelei:

  • Batman vermöbelt Gangster
  • Nightwing vermöbelt Gangster
  • Catwoman vermöbelt Gangster
  • Robin vermöbelt Gangster
  • Batgirl vermöbelt Gangster
  • neue Heldinnen wie Onyx und Tarantula vermöbeln Gangster

Eintönig? Ja, so ging es mir auch. Aber so geht es im zweiten Band (600 Seiten!) weiter. Bis irgendwann endlich der Hauptschurke auftaucht: Black Mask. Zu lange hält man mit ihm hinterm Berg, dann ist er plötzlich da, ohne großen Auftritt – und als Batman dahinterkommt, ist es keine Überraschung mehr, weil der Leser es längst weiß, ohne dass er selbst rätseln musste. Das hätte man eleganter lösen können. Aber immerhin ist Black Mask, ein grausamer, sadistischer wie wortgewandter Schurke, das Einzige an dieser Story, das Interesse weckt.

Alles weitere ist entbehrlich. Zu viele Charaktere tummeln sich da (Hush! Deadshot! Scarecrow!), die die dünne Story mehr mit unnötigen Schlägereien ausbremsen als sie voranzubringen. Batman wirkt mal wieder sehr unsympathisch, weil herrisch, als er auch noch der Polizei vorschreiben will, was sie zu tun hat, und danach bei ihr in Ungnade fällt. Dabei ist die eigentlich spannende Prämisse, dass der Mann, der an alles gedacht hat, unfreiwillig zum eigentlichen Auslöser der Krise wird. Aber hier wird die Idee verschenkt.

Der Schlussteil, War Crimes, ändert an dem Gesamteindruck wenig: er liest sich wie ein Epilog, der sich noch mehr zieht als das Ende von Herr der Ringe III. Das Finale enttäuscht, Black Mask und Joker gehen in einer Seitengasse wegen einer Nichtigkeit aufeinander los, Batman mischt sich ein, es geht kindisch zu wie auf dem Pausenhof. Da kann auch die überraschende Wendung am Ende nicht mehr helfen. Sie braucht uns ebenso wenig zu jucken wie die über 1000 Seiten davor.

Pinguins erster Coup

DC Comics

DC Comics

Titel: One of the Most Perfect Frame-Ups

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Detective Comics #58)


„I’m afraid you’d never appreciate the beauty of a successful robbery!“ (Pinguin)

Bevor der Pinguin zu einem Herrscher der Unterwelt wird, einem Gangster, der illegale Geschäfte unter dem Deckmantel des Legalen macht, ist er zunächst ein Dieb, der für andere Aufträge ausführt. Allerdings ein sehr geschickter. Von Anfang an hat er schon alle seine Attribute, die ihn so klassisch machen: Zylinder, Mononkel, Zigarettenspitze und eine Vorliebe für Edelsteine und vor allem Regenschirme aller Art. Einer hat einen Dolch versteckt, ein anderer Betäubungsgas, ein anderer spritzt Säure. Obwohl körperlich unterlegen, bleibt der kleine dicke Mann für Batman eine Herausforderung.

In seiner ersten Geschichte erfahren wir nicht, woher er kommt, aber dafür geht es um Kunst: Bruce und Dick besuchen gerade eine Kunstausstelung, Dick stellt sich wie ein Banause an und macht sich bei einem Künstler unbeliebt, da kommt ein kleiner dicker Mann mit Zylinder herein, ähnlich einer Pinguin-Plastik, die zufällig in der Ausstellung steht. Kurz darauf ist ein teures Gemälde verschwunden. Die Besucher müssen daraufhin die Taschen leer machen, auch der Pinguin, aber auch er kommt davon. Denn er hat das Gemälde aus dem Rahmen genommen und in seinem Schirm versteckt.

Pinguin (DC Comics)

Pinguin (DC Comics)

Ziemlich ausgebufft, der Kleine. Als nächstes raubt er einen Diamanten. Wie schon beim ersten Mal handelt er ihm Auftrag für einen Gangsterboss. Aber als ein Streit um ihre Anteile ausbricht, knallt der Pinguin seinen Auftraggeber mit seinem Schirm ab und übernimmt seine Bande und setzt seinen Raubzug fort. Beim nächsten Fall kann zwar Batman intervenieren (dabei zerstört er ein Gemälde), indem er es zwei Handlangern über den Kopf schlägt, aber er wird vom Pinguin überwältigt und (wegen einer vagen Behauptung) von der Polizei gefangen genommen. Doch kurz darauf lässt der Schurke Batman wieder befreien, nur um ihn selbst gefangen zu nehmen. Das hat angeblich mehrere Gründe. Nachvollziehbar sind sie nur bedingt.

Batman ruft Robin mit einer interessanten Vorrichtung herbei: einem Morsetelegrafen in seinem Schuhabsatz. Beim Endkampf kann der Schurke entkommen, indem er auf einen fahrenden Zug springt. Er soll demnächst noch öfter wieder auftauchen. Drei Jahre später wird er mit dem Joker gemeinsame Sache machen.

Lesetipp: Penguin – Pain and Prejudice

Der Mann ohne Augenlider

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman by Ed Brubaker Vol. 1

Aut0r/Zeichner: Ed Brubaker/Scott McDaniel

Erschienen: 2000-2002 (Batman #582-586, #591-597, Batman: Our Worlds at War #1), Paperback 2016


„… the bat will always surprise you. That’s just his nature. He’s a nature of determination.“

Die Story dieses Comics zusammenzufassen, ist gar nicht so leicht. Ich versuche es mal so: Ein neuer Schurke erscheint in Gotham: Zeiss, ein Killer mit technisch verbessertem Gehirn. Weil er Batmans Kampftechnik gespeichert hat, kann er dessen Bewegungen vorhersehen und abwehren. Sein Markenzeichen ist eine Brille mit Kamerablenden, die ihm die Augenlider ersetzen. Das ist natürlich noch keine Story. Aber das Problem ist, dass Zeiss zwar der rote Faden ist, aber der Band episodenhaft erzählt ist und dadurch mal mehr und mal weniger mit ihm zu tun hat.

Auf den ersten Blick ist der erste Ed Brubaker-Band eine lose Story-Sammlung: mal geht es um einen ehemaligen Wayne-Mitarbeiter auf Abwegen, mal um zwei Leute, die eine Batman-Doku drehen. Mal geht es um einen Rechtsstreit zwischen Pinguin und Bruce Wayne, mal um eine Fehde zwischen verfeindeten Gangsterfamilien, der Auftragskiller Deadshot tritt auf. Von der Batman-Family haben Robin, Nightwing, Batgirl und Huntress kleine Gastauftritte.

Erst nach und nach kristallisiert sich Zeiss als zentrales Element heraus, aber als Antagonist taugt er nur wenig, weil er nur Handlanger von Gangstern ist – mit Batman verbindet ihn nichts. Überhaupt mäandert die Handlung zu sehr und franst in unnötige Nebenhandlungen aus, wie etwa das Erscheinen eines gestrandeten Aliens, das Batman kurz beschäftigt, aber nichts mit der eigentlichen Story zu tun hat.

Unnötiger Einschub

Nichts hat auch der One-shot Batman: Our Worlds at War mit dem Rest zu tun, der ebenfalls in den Band integriert wurde, da er auch von Brubaker geschrieben wurde. Wer nicht vor hat, dieses Crossover weiterzulesen, sollte auch diese Episode lassen. Überflüssigerweise wurde sie mitten in den Band geschoben, wo sie die Leser von der Haupt-Story ablenkt.

Die meisten Zeichnungen stammen von Scott McDaniel – ein Künstler, der viel zu lange an Batman herangelassen wurde. Er hat einen furchtbar übertriebenen und unübersichtlichen Stil, der die Panels überfrachtet und die Gesichter wie Grimassen erscheinen lässt. Ein zu oft verwendetes Stilmittel: Wenn Batman durch die Luft fliegt, folgt ihm stets ein Schwarm von Fledermäusen.

Insgesamt ist Batman by Ed Brubaker zwar solide geschrieben, aber zu wenig einnehmend erzählt. Durchschnittsware, die bloß deshalb als Paperback neu aufgelegt wurde, damit sich Hardcore-Fans ein weiteres Buch ins Regal stellen können. Lesen muss man es nicht.

Alles muss man selber machen

Eingeschlafen vor Langeweile. (Warner Bros.)

Batman und Robin: Eingeschlafen vor Langeweile. (Warner Bros.)

Titel: Batman – Return of the Caped Crusaders

Drehbuch: Michael Jelenic, James Tucker

Erschienen: 2016 (Direct-to-Video)


„It is imperative we follow the rules.“ (Batman)

Adam West lebt. Noch. Mit 88 ist er zwar zu alt, um wieder ins Batman-Kostüm zu steigen, aber dafür gibt es jetzt einen Zeichentrickfilm mit ihm, da reicht seine Stimme. Allerdings ist sie schon sehr brüchig; man hört, dass Batman nicht mehr der Jüngste ist. Und das ist nicht das einzige Problem mit Batman – Return of the Caped Crusaders.

Warum gibt es diesen Film, der auf der Fernsehserie aus den 60ern basiert? Ganz unvermittelt kommt er nicht. DC hat bereits im Jahr 2013 eine Comicserie mit dem Titel Batman ’66 gestartet, die es mittlerweile auf 30 Ausgaben sowie drei Mini-Serien gebracht hat. Der Film ist die animierte Variante davon. Und auf den ersten Blick scheint alles da zu sein: der knallbunte Look, die absurden Situationen, die flachen Kalauer („There’s a bat moon on the rise“), die bemühten Alliterationen („the plan of planetary proliferation was prevented“). Was fehlt, ist aber der trashige Charme, der die Serie und den Film der 60er ausgemacht hat. Es macht einen großen Unterschied, ob man die Schauspieler in billigen Kostümen und Kulissen in einer Parodie herumhampeln sieht, oder nur gezeichnete Versionen davon. Der Animationsfilm wirkt zu sauber, zu glatt, zu steril – und vor allem ist er steif und fade. Der Animation fehlt die Seele. Das Gefühl hatte man schon bei The Killing Joke.

Warner Bros.

Warner Bros.

So schaut man gelangweilt diesem albernen Nostalgie-Trip eine Weile zu und fragt sich warum, wenn man all das schon gesehen hat. Okay, Adam West war bis dato noch nie im Weltall gewesen. Die Sache mit der Batrakete ist neu – und dann auch noch eine Raumstation, die aussieht wie der Kreml, ganz nett. Und ich gebe zu, dass mir auch die Szene gefallen hat, als die beiden schwerelos an der Wand der Raumstation entlanglaufen – und es ohne Seil so viel leichter geht und Batman wieder moralisiert „there are consequences doing things the easy way“. Ein kleines Schmunzeln.

Dann nimmt die Handlung sogar eine interessante Wendung: Batman wird (dank eines Wundermittels von Catwoman) langsam böse. Er benutzt einen gezackten Schlagring, er sagt so einen Killer-Satz wie „this is an operation table and I am the surgeon“ (ein Zitat aus The Dark Knight Returns) und wenn Gordon mit ihm spricht, verschwindet er plötzlich im Nichts, was in der heilen Welt der 60er noch gar nicht typisch für den sonst höflichen Batman ist. Der Caped Crusader wird zum Dark Knight – ja mehr noch, er übernimmt die Stadt. Dank eines Reproduktionsstrahls vermehrt er sich selbst, ersetzt die Polizei, die Justiz und den Bürgermeister, sogar andere Jobs. Batman weiß: Wenn du willst, dass es richtig läuft, muss man es selbst machen. Und der moderne Batman macht am liebsten alles selbst.

Dieses Spiel mit Anachronismen, die die Autoren in den Film reinbringen, macht ihn dann doch guckbar. Es bleibt ein kindischer Film und kein besonders sehenswerter, aber wer ein Fan der Vorlage ist, könnte auch hier seinen Spaß haben. Dann lohnt sich sogar der Abspann, denn da sieht man Batman eine ausführliche Version des Batusi tanzen.

P.S.: Für 2017 ist bereits eine Fortsetzung angekündigt, mit William Shatner als Two-Face. Das Besondere daran: Two-Face kam nie in der Serie vor.

Zwei komische Vögel

DC Comics

DC Comics

Titel: Knights of Knavery

Autor/Zeichner: Don Cameron/Jack Burnley

Erschienen: 1944 (Batman #25), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„This town isn’t big enough for both of us to operate in!“ (Joker)

Nach einem gescheiterten Juwelendiebstahl wird der Pinguin mal wieder eingebuchtet. Doch diesmal wird er zusammen mit dem Joker in eine Zelle gesteckt. Die beiden stellen fest, dass die Stadt nicht groß genug für sie ist – deshalb vereinbaren sie einen Wettbewerb: Wer einen bestimmten Smaragd stiehlt, darf bleiben. Es braucht nicht mehr als einen Besen, um ausbrechen zu können (es waren so simple Zeiten) und schon schreiten sie zur Tat.

Nur ein Blick in die Zeitung und Batman ahnt sofort, wo die beiden als nächstes zuschlagen werden. Zusammen mit Robin versteckt er sich in zwei riesigen Vasen und wartet auf die Schurken. Denn wenn wir etwas von Batman gelernt haben dann das: ein Überraschungseffekt ist nicht zu unterschätzen. Pinguin und Joker treffen ein, kommen sich in die Quere und können nur knapp dem Dynamischen Duo entkommen.

Joker und Pinguin machen gemeinsame Sache

Man beschließt, fortan gemeinsame Sache zu machen. Versuch zwei sieht so aus: Der Pinguin schnappt sich eine Tasche voll Geld und entfliegt mit einem Bündel Ballons. Als Batman und Robin ihn zufällig am Fenster vorbeischweben sehen, hängen sie sich dran und landen beim Joker. Der wiederum ist so fürsorglich und spannt ein Netz für die drei auf, bevor er sie vom Himmel schießt.

Ohne erfindlichen Grund lassen Batman und Robin sich gefangen nehmen. Im Geheimversteck der Gauner prangt bereits ein Wappen mit einem eigens designten Joker-Pinguin-Logo. Da die Helden ohnehin um ihr Leben bangen, lassen sie sich zwei kleine Vasen vom Kopf schießen (schon wieder Vasen!). Aber dahinter steckt ein ausgeklügelter Plan: denn mit den Scherben können sie ihre Fesseln durchschneiden. Zum Schluss, als sie sich auf Pinguin und Joker stürzen, überkommt sie der Dichterdrang: sie fangen an, in Reimen zu sprechen:

„I’m free! But you won’t be!“, sagt Robin zum Pinguin. „My bonds are loose! Here’s where I cook your goose!“, ruft Batman zum Joker. „I hate to upset you, but I promised to get you!“ Und weil Robin dann kein vierter Reim mehr einfällt, haut er diesen Spruch raus: „I’m starting a victory garden … do you mind if I plant my fist?“ Ja, so sind sie, unsere Helden: schlagfertig in jeder Beziehung.

>> Mehr Joker-Comics

Aushilfen bringen’s nicht

Batman versus Superman, Teil 18: World’s Finest (2009-2010)

DC Comics

DC Comics

Titel: World’s Finest

Autor/Zeichner: Sterling Gates/Julian Lopez, Ramon F. Bachs, Jamal Igle, Phil Noto

Erschienen: 2009-2010 (Mini-Serie #1-4, Paperback 2010), dt. Panini 2010 (DC Premium #68)


„A giant Superman/Batman robot? That might be the stupidest thing I’ve ever heard.“ (Robin)

„This is a job for the both of us, Batman. But you’ve got to get me close enough to help.“ (Superman)

Batman ist verschwunden, Superman hat sich auf New Krypton niedergelassen. Jetzt müssen die Aushilfen ran: Red Robin und Chris Kent (Supermans Sohn alias Nightwing) gegen den Pinguin und den Kryptonite Man, die Flamebird gefangen halten. Der Kryptonitmann wird von Toyman gefangen genommen. In Metropolis kämpfen Robin und Guardian gegen das Team Parasit und Mr. Freeze, letzterer wird von Toyman befreit. Dann verbünden sich Supergirl und Batgirl gegen Toyman und Freeze, die einen Riesen-Superman-Batman-Roboter (mit Kryptonite Man als Waffe) ins All jagen wollen, um New Krypton zu vernichten. Toyman mag nämlich keine Aliens. Weil aber die Aushilfen damit nicht klarkommen, müssen zum Schluss die altgedienten Profis ran: Batman (Dick Grayson) ruft Superman und zusammen haben die beiden leichtes Spiel gegen Toymans mechanisches Monster … (Verzeiht den Kalauer.)

Viel kann man über das Verhältnis von Batman und Superman nicht sagen: Am Ende ist Superman stolz auf Dick und freut sich schon aufs nächste Team-up. Die eigentlichen Konflikte beider Sphären tragen die Robins aus: Red Robin hat keine Lust auf eine Kooperation, weil er den echten Batman sucht, Robin widersetzt sich dem fliegenden Polizisten Guardian, der ihm nicht viel entgegenzusetzen hat. Aber das alles bleibt sehr oberflächlich.

Dieses World’s Finest ist eine Mogelpackung: Statt Batman und Superman bekommt man drei Team-ups von Stellvertretern beider Dunstkreise bis erst am Ende die eigentlichen Helden zum Einsatz kommen. Es wäre noch zu verkraften gewesen, wenn wenigstens Superboy dabei gewesen wäre, aber Guardian und der kryptonische Nightwing sind einfach alles andere als „World’s Finest“, sondern sehr lahme Nebenfiguren. Das Aufgebot an Helden und Schurken kann auch nicht über die altbackene und banale Story hinwegtrösten. So setzt auch die dritte Mini-Serie mit diesem Titel die Tradition der Enttäuschung fort. Und weil zu wenig Superman und Batman darin vorkommen, ist diese Story auch die schwächste.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

(mehr …)

Schwere Geschütze, alle Register

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Eternal Vol. 1

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV u.a./Jason Fabok, Dustin Nguyen, Guillem March, Andy Clarke u.a.

Erschienen: 2014 (Batman Eternal #1-21), Paperback 2014, dt. Panini 2015 (Batman Eternal #1-11)


„You have no idea what’s happening, no idea who’s been pulling the strings behind the curtain.“

Gotham brennt. Batman hängt unmaskiert und gefesselt an einem zerstörten Bat-Signal, auf seiner nackten Brust ist sein Symbol eingeritzt. Was ist geschehen? Die Geschichte beginnt hier: Bei einem gemeinsamen Einsatz von Batman und Polizei gegen Professor Pyg verfolgt Commissioner James Gordon einen Verdächtigen in den U-Bahn-Tunnel. Weil Gordon sieht, dass der Verdächtige bewaffnet ist, schießt er auf ihn und trifft dabei auch eine Leitung der U-Bahn, sodass zwei Züge miteinander kollidieren. Gordon wird verhaftet und muss sich für den Tod von über 160 Menschen verantworten. In der Zwischenzeit übernimmt Major Forbes seinen Posten und erklärt Batman zum primären Ziel der Polizei. Doch Forbes dient Carmine Falcone, einem alten Mafioso, der sich vor fünf Jahren aus Gotham zurückgezogen hat und nun die Stadt zurückerobern will. Während zwischen Falcone und dem Pinguin ein Bandenkrieg ausbricht, müssen sich Batman und seine Familie um viele andere Probleme kümmern:

  • Batgirl reist mit Red Hood und Batwoman nach Brasilien, um die Unschuld ihres Vaters zu beweisen,
  • Red Robin untersucht mit der Hackerin Harper Row in Japan einen mysteriösen Nanobot-Virus, der in Gotham grassiert,
  • Batwing und Jim Corrigan (The Spectre) gehen in Arkham Asylum der Wiederauferstehung von Deacon Blackfire nach,
  • Stephanie Brown entdeckt, dass ihr Vater der Superschurke Cluemaster ist und muss fortan um ihr Leben fürchten,
  • Alfred Pennyworth bekommt ein unverhofftes Wiedersehen mit seiner Tochter Julia,
  • Catwoman legt sich mit Falcone an und gerät in seine Gefangenschaft,
  • Batman spielt Detektiv in Hong Kong, rettet Catwoman in Gotham und geht mit Killer Croc und dem Polizisten Jason Bard in der Kanalisation einer Kindesentführung nach.

Doch bald stellt sich für Batman heraus, dass im Hintergrund jemand anderes die Fäden zieht. Leider hat er keine Ahnung, wer das sein könnte. Klar ist: Es ist ein Feind aus seiner Vergangenheit.

In Batman Eternal, der wöchentlichen, ein Jahr laufenden Serie zu Batmans 75. Geburtstag, wird Großes aufgefahren: Eine Story, die nicht nur viele Charaktere und viele Erzählstränge aufbietet, sondern auch jede Facette von Superhelden-Storys abbildet: Klassische Schurkenjagd gegen Psychos und organisiertes Verbrechen, Science Fiction und Übernatürliches/Magie. Dabei stehen die Autoren tief in der Schuld von Jeph Loeb, bei dessen drei großen Batman-Epen (The Long Halloween, Dark Victory und Hush) sie sich reichlich bedienen. Schließlich findet sich auch etwas von der Polizeiserie Gotham Central darin und mit dem Erzählstang mit der Gotham Gazette-Reporterin Vicky Vale bekommt das Ganze Ausmaße von The Wire.

Batman Eternal liest sich daher so wie eine gute moderne Fernsehserie: Vielschichtig und komplex, allerdings ohne – wie sonst bei Comic-Events/-Crossovern üblich – in unendliche Tie-ins auszufransen. Die überbordende Story entwickelt einen großen Sog und hält mit vielen überraschenden Wendungen bei Laune, auch wenn man zuweilen fürchtet, vor lauter Subplots den Überblick zu verlieren. Daher empfiehlt sich hier ein Binge-Reading. Die Zeichnungen sind zwar wegen der verschiedenen Zeichner von schwankender Qualität, aber die meisten liefern eine solide Arbeit ab.

Fortsetzung folgt.