Scarface

Im Bann der Puppe

Scarface und Bauchredner

Titel: Read My Lips/Catwalk/Double Talk (dt. Der Bauchredner/Katzenjammer/Dem Bösen verfallen)

Erschienen: 1993/1995/1997 (Batman: The Animated Series S01E64, S02E09, The New Batman Adventures S01E04)


Eine dreiköpfige Bande raubt ein Wettbüro bei einem Boxwettkampf aus. Sie geht geschickt vor, alles ist gut geplant. Die Beute laden sie bei ihrem Boss ab: Scarface, ein neuer Gauner in der Stadt. Comicleser kennen ihn schon, aber für die Zuschauer von Batman: The Animated Series bleibt es spannend. Man sieht ihn zunächst nur von hinten. Arnold Wesker steht neben ihm. Erst nach acht Minuten der Episode („Read My Lips“), als Wesker Scarface wecken soll, wird klar, dass es sich um eine Handpuppe handelt und Wesker der Bauchredner und damit eigentlicher Schurke ist.

Scarface und Bauchredner

Als Batman ihm einen Besuch abstattet, erfährt er, dass Wesker eine gespaltene Persönlichkeit hat. Beide scheinen nicht voneinander zu wissen. Batman verwanzt Wesker. Doch dann wird er in eine Falle gelockt. Der Bauchredner gehorcht seiner Puppe. Batman schafft es, Wesker mit eigenen Bauchrednerkünsten (hat er beim Magier Zatarra gelernt) zu verwirren, indem er so tut, als würde Scarface sprechen. Am Ende wird die Puppe von einem Handlanger „erschossen“.

Wesker landet in Arkham. Die Ärzte sagen, er spreche auf die Behandlung an. Doch in der Holzwerkstatt arbeitet Wesker bereits an einer neuen Puppe. Das letzte Bild zeigt, wie er mit einem Messer eine Narbe in den Kopf schneidet.

Catwoman mit Scarface

In der zweiten Staffel trifft Scarface auf Catwoman („Catwalk“). Diese hat die Karriere als Verbrecherin aufgegeben. Als Scarface ihr jedoch einen Plan für einen Juwelenraub anbietet, kann sie nicht widerstehen. Denn Scarface verspricht ihr auch die Gelegenheit, sich einer Familie zu rächen, die Tiere ausgerottet hat.

Scarface legt Catwoman allerdings herein. Ihm geht es nicht um die Juwelen, sondern um die ausgestopften Tiere. Die sind selten und damit auch teuer auf dem Schwarzmarkt. Beim Finale in einem Holzlager wird die Puppe von einer Kreissäge in Stücke gerissen. Selina bekennt sich am Ende zu ihrer Rolle – sie kann nicht aus ihrer Haut. Und so geht es natürlich auch dem Bauchredner.

Der neue Scarface

Allerdings: In der dritten Staffel („Double Talk“, The New Batman Adventures) besteht Grund zur Hoffnung. Arnold Wesker wird aus Arkham entlassen. Er gilt als geheilt. Kaum beginnt er ein neues Leben und einen neuen Job bei Wayne Enterprises, scheint Scarface von selbst zurückzukehren. Wesker hört dessen Stimme und Batman kann ihn sogar laufen sehen. Es stellt sich die Frage, ob die Puppe über ein Eigenleben verfügt. Und falls ja: Kann Wesker sich ihm widersetzen?

Arnold Wesker

Schon bei seinem zweiten Auftritt wirkt Scarface anders: Die Puppe hat viel mehr Mimik als beim ersten Mal. In der dritten Staffel sieht sie zwar anders aus (was auch für jede andere Figur der Serie gilt), aber hinter ihrer Lebendigkeit steckt nur ein Trick. Scarfaces alte Komplizen wollen den Bauchredner zurückholen. Batman und Batgirl helfen Wesker dabei, sich der Stimme in seinem Kopf zu widersetzen. Wesker erschießt Scarface selbst und wieder landet die Puppe im Schredder.

Scarfaces Ende

Was der animierten Scarface-Version fehlt, ist jegliche Vorgeschichte. Wir erfahren nichts über Weskers Vorleben oder wie die Puppe entstanden ist. Dafür bekommt er im dritten Teil viel Charaktertiefe als armer, einsamer von Ängsten geplagter Mann. Immerhin ist ihm ein optimistisches Ende gegönnt.

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Batman und der Bauchredner

Der Bauchredner und seine Puppe Scarface, geschaffen von John Wagner, Alan Grant und dem Zeichner Norm Breyfogle, hatte seinen ersten Auftritt 1988 in Detective Comics #583-584 (nachgedruckt in Legends of the Dark Knight: Norm Breyfogle Vol. 1, 2015). Aber sein Charakter wurde erst allmählich entwickelt.

Die Geschichte beginnt so: Eine neue Droge flutet Gothams Straßen: „Fever“ lässt Menschen nicht nur körperlich heißlaufen, sondern auch übermütig werden – und mörderisch. Batman bricht in das Hauptquartier der Dealer ein und seine Spur führt zu einem neuen Gangster: Scarface.

Parallel dazu lernen wir bereits, dass Scarface nur eine Holzpuppe ist, die von einem geheimnisvollen Bauchredner bedient wird. Dieser schreckt nicht davor zurück, seine eigenen Leute mit dem Maschinengewehr zu ermorden, wenn sie versagen. Schließlich lässt er einen sogar in einem mexikanischen Drogenlabor umbringen und in seiner Leiche die Droge über die Grenze schaffen.

Offiziell betreibt Scarface nur den Ventriloquist Club, in dem er gerne Spaghetti und Minestrone isst und aus dem er Gäste auch gerne mal hinauswirft, wenn sie ihn schräg ansehen. In dem ersten Zweiteiler geht alles ganz schnell: Batman erwischt Scarface auf frischer Tat, es gibt einen makabren Zwischenfall in einem Beerdigungsinstitut, Batman steht kurz selbst unter dem Einfluss der Droge, aber kann den Rausch überwinden. Der Bauchredner landet samt Puppe im Knast. Hier zeigt sich die gespaltene Persönlichkeit: Der Bauchredner behauptet, nur Scarfaces Handlanger zu sein, aber dafür rächt sich die Puppe, indem sie auf ihn einschlägt.

In The Return of Scarface (Batman #475, Detective Comics #642, Batman #476, 1992) wird der Bauchredner aus dem Knast entlassen und Scarface nimmt Rache an den Leuten, die ihn in seiner Abwesenheit um sein Drogenimperium gebracht haben. Zunächst wird er kaputtgeschossen und fast schon beerdigt. Der Bauchredner sieht seine Chance, ihm zu entkommen und will sich schon nach Kalifornien absetzen, aber dann fängt er nicht nur selbst an, die Bs als Gs auszusprechen und die Puppe holt ihn zurück zu sich.

Daraufhin repariert Wesker die Puppe und tötet alles, was sich ihm in den Weg stellt. Sogar einen Panzer fährt er auf, um die Street Demonz zu erledigen. Dabei werden seine Prioritäten klar: Geld und Drogen sind nicht so wichtig, wie den Menschen zu zeigen, wer der Boss ist. Bei der ganzen Aktion wird Fotografin Vicki Vale angeschossen. Bruce Wayne, der etwas mit ihr laufen hat, überlegt, ob er sich ihr nicht als Batman offenbaren soll. Aber das bringt er dann doch nicht über sich.

DC Comics

Über den Bauchredner erfährt man in den ersten beiden Storys nichts. In der Storyline Prodigal erwähnt Batman nebenbei (Shadow of the Bat #32), dass Arnold Wesker ein Psychopath sei, der unter extremer Schizophrenie leide (was Unsinn ist, weil Schizophrenie – ein populärer Irrtum – keine gespaltene Persönlichkeit beschreibt). Er drücke seine böse Seite durch die Puppe aus.

Die Vorgeschichte wird erst 1994 ausführlich erzählt, in Showcase ’94 #8-9. Darin ist es zunächst der lebenslänglich verurteilte Mörder Donnegan, der in Blackgate zufällig ein Buch übers Bauchreden in die Hände kriegt und aus Langeweile die Kunst lernt. Daraufhin schnitzt er sich eine Handpuppe aus altem Holz – das Holz stammt von einem Galgen.

Kaum ist die Puppe fertig, entwickelt sie ein Eigenleben. Sie protestiert gegen den Namen Woody und verrät, dass ihr Schöpfer einen geheimen Fluchttunnel gräbt. Als ein neuer Insasse Arnold Wesker in die Zelle kommt, überredet die Puppe ihn, mit ihm zu fliehen. Doch zuvor wird der schüchterne Arnold zum Mörder. Zuerst erschlägt er Donnegan, als dieser ihn hindern will. Als er dann einen Selbstmord fingieren will, bemerkt er, dass sein Opfer noch lebt. So lässt er ihn hängen. Auf der Flucht erschießt er noch zwei Wachmänner. Und schließlich gibt sich die Puppe selbst den Namen Scarface.

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Arnold Wesker kam wegen Totschlags nach Blackgate. Bei einem Kampf in einer Bar soll sein Opfer unglücklich gestürzt sein. Noch mehr tragische Vorgeschichte bekommt er drei Jahre später (Killer Killer, Part 1/2: Storm Gird/The Old Man and the Sea; Shadow of the Bat #59-60, 1997). Darin erfahren wir, dass Weskers Eltern vor seinen Augen von einem Laster für Schaufensterpuppen überfahren wurden, als er noch ein Kind war. Und weil zuvor ein Albatross vorbeiflog, glaubt er, dass das sein Unglücksvogel ist. Scarface will ihn davon befreien und ihn dazu zwingen, einen Albatross zu erwürgen, aber er bringt es nicht übers Herz. Dann kommt Batman dazwischen.

Während der Storyline Cataclysm versucht der Bauchredner als Trittbrettfahrer Profit aus dem Beben zu schlagen, indem er eine neue Puppe als Quakemaster ausgibt und so versucht, Gotham zu erpressen. In Detective Comics #818 (2006) wurde Wesker erschossen und Detective Comics #843 von einer Frau, Peyton Riley, ersetzt. In der neuen Continuity (The New 52) lebt Wesker wieder.

Nächste Woche: Der Bauchredner in Batman: The Animated Series.

Knightfall #10: Prodigal

Bruce Wayne tut, was er schon früher hätte tun sollen: Er macht Dick Grayson zum neuen Batman. Und dann ist er weg. Wohin auch immer. Dick, der sich darüber beklagt hatte, dass Bruce zunächst den gestörten Jean Paul Valley zu Batman gemacht hatte, übernimmt seine Rolle ohne zu zögern. Aber dann hadert er doch mit sich …

Zunächst darf er sich mit ein paar einfachen Übungen eingewöhnen: Killer Croc, Bauchredner/Scarface, Ratcatcher – alles Episoden, die innerhalb von einer Heftlänge erledigt werden und zwar so belanglos, dass sie sofort in Vergessenheit geraten.

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Dann aber kommt Two-Face durch einen Justizfehler frei (er wird mit einem Harvey Kent verwechselt) und beschäftigt Batman und Robin über vier Kapitel. Two-Face will das Justizsystem auslöschen, also massakriert er zunächst ein Dutzend Staatsanwälte und vernichtet dann die digitalen Akten (mit einer Kettensäge). Batman und Robin sind ratlos: Was hat Two-Face vor? Weil das nicht in sein übliches Dualitäts-Schema passt, haben sie keine Ahnung. Dabei kann man es sich leicht denken. Erst sehr spät, zu spät kommt Tim drauf, dass Two-Face auch das analoge Aktenarchiv zerstören will. Batman muss einen Aufstand in Blackgate verhindern – kein Problem. Als Tim gefangen genommen wird (wie erfahren wir nicht, egal), muss Batman Two-Face entgegentreten. Dick Grayson, der schon als Robin schleche Erfahrungen mit dem Schurken gemacht hat, bekommt es mit der Angst zu tun, aber meistert seine Aufgabe schließlich überraschend einfach mit einem Gabelstapler …

Keine Story für eine Two-Face-Anthologie. Auch wenn es mit „Harvey Kent“ einen interessanten Bezug zu seinem ursprünglichen Namen hat (erst später wurde er in Dent umbenannt), ist seine Faszination zum Binärcode von Rechnern eine Idee, die bereits 1986 aufgegriffen wurde – übrigens vom gleichen Autor (Doug Moench).

Im letzten Drittel kommt wieder Kleinkram: Drei Gauner, die man noch nie gesehen hat, nie wiedersehen und auch nicht vermissen wird, ein Wiedersehen mit dem Tally Man (Batman lässt sich von ihm wie ein Amateur gefangen nehmen), dann schließlich noch ein austauschbarer Schurke in einer Rüstung mit Flügeln, der Robin an einer Leine durch die Stadt zieht. Außerdem muss sich der Leser durch belanglose Episoden aus Robins Teenager-Alltag kämpfen.

Am Ende taucht endlich wieder Bruce Wayne in der Bathöhle auf. Einfach so. Aus dem Nichts. Wo er war, warum er zurück ist? Keine Ahnung. Dick macht ihm Vorwürfe (die gleichen wie zuvor), Bruce gibt zu, Fehler gemacht zu haben. Und dann ist wieder alles gut. Dick wird wieder Nightwing, Bruce wird wieder Batman.

Prodigal ist ein unnötiger, überlanger Anhang an die große Knightfall-Saga. Keine Storyline, sondern – wie schon Knightquest: The Crusade – eine Reihe kurzer Storys mit dem Rahmen des Haderns mit der Batman-Rolle. Im Rückblick funktioniert Knightfall periodisch: Teil 1 ist stark, Teil 2 schwach, Teil 3 wieder stark, Teil 4 (Prodigal) wieder schwach – mit dem Unterschied, dass Knightquest der Story noch einige wichtige Aspekte hinzugefügt hat, aber Prodigal ist einfach nur überflüssig.

Mehr zu Knightfall:

Lektüre für Minuten

DC Comics

Titel: Private Casebook

Autor/Zeichner: Paul Dini/Dustin Nguyen

Erschienen: 2007-2008 (Detective Comics #840-845, DC Infinite Halloween Special #1), Paperback 2008


Paul Dini gehört zu den Legenden unter den Batman-Autoren: Miterfinder von The Animated Series, Autor von Mad Love, zuletzt schrieb er den autobiografischen Comic Dark Night: A True Batman Story. Doch schon in den Nuller Jahren durfte er lange Comics schreiben, wie The Resurrection of Ra’s al Ghul, Heart of Hush und Streets of Gotham. Daneben schrieb er auch eine Reihe von Kurzgeschichten; Private Casebook ist eine Sammlung davon.

Der Auftakt ist ein Epilog zu The Resurrection of Ra’s al Ghul, der eigentlich im dazugehörigen Paperback besser aufgehoben wäre. Der auferstandene Schurke versucht wieder, in Gotham Fuß zu fassen. Aber Batman prügelt ihn nach Arkham. Aber das ist auch schon die stärkste Erzählung des Bandes.

Was sonst noch passiert?

In „The Wonderland Gang“ versammelt der Mad Hatter eine Gruppe von Handlangern, die wie er von Alice im Wunderland inspiriert sind. „The Suit of Sorrows“ macht eigenartigerweise einen Sprung zurück zu The Resurrection of Ra’s al Ghul, wo Batman eine historische Rüstung getragen hat. Hier geht er dem Geheimnis der Rüstung nach. Aber interessieren muss uns das nicht.

Zu einem Team-up mit der Zauberin Zatanna kommt es im Zweiteiler „Opening Night/Curtains“. Zusammen nehmen sie es mit einem neuen Bauchredner auf, einer Frau, die offenbar von Scarface besessen ist. Wir lernen die Frau mit sehr viel Vorgeschichte näher kennen, bevor wir uns wieder schnell von ihr verabschieden. Schließlich trifft Batman in „The Riddle Unanswered“ auf Catwoman, aber das ist eigentlich nicht nennenswert, ebenso wie die Halloweengeschichte am Ende.

Kurz gesagt: Man muss Private Casebook nicht lesen. Außer man braucht eine Klolektüre für Minuten oder belanglose Gutenachtgeschichten zum Einschlafen.

Der Tod und die Rache von Matches Malone

DC Comics

DC Comics

Titel: False Faces (Batman by Brian K. Vaughan)

Autor/Zeichner: Brian K. Vaughan/Scott McDaniel, Rick Burchett

Erschienen: 2000, 2001, 2004 (Batman #588-590, Detective Comics #787, Wonder Woman #160-161, Gotham City Secret Files #1), Paperback 2008/2017


„Possessing more than one distinct identity allows a man to do things most people could never imagine.“ (Batman)

Bruce Wayne ist nicht nur Batman, er ist auch Matches Malone. Ein Alter Ego als Kleinganove. Mit Sonnenbrille, Schnurrbart und Streichholz zwischen den Zähnen stellt Batman verdeckt Nachforschungen in der Unterwelt an. Matches Malone, der zum ersten Mal 1972 in Batman #242 erschien, ist bislang nichts als eine Nebenerscheinung gewesen, ein Running Gag für Fans. In False Faces kommt er erstmals zu seinem vollen Recht.

Batman fingiert ein Verhör mit Matches Malone, um ihn in einen illegalen Waffendeal hineinzuschmuggeln. Kurz darauf heuert ihn Scarface (Bauchredner) für die Aktion an. Als Batman den Deal platzen lässt, rächt sich Scarface an Matches – und legt ihn um. Wie kann das sein? Matches Malone ist nicht nur ein Alter Ego – es gibt ihn wirklich! Batman erzählt, wie er die Identität von einem Erpresser übernahm, nachdem dieser vermeintlich Suizid begangen hatte. Nun fühlt er sich mitschuldig an dessen wirklichem Tod und will ihn rächen.

Abgesehen von Albernheiten, dass man erst einmal einen Sterbenden seine Lebensgeschichte erzählen lässt, bevor man ihn ins Krankenhaus bringt, ist die Matches Malone-Story sehr stark: Voller Drama, interessanter Situationen und Batman in Versuchung, mit seinen Idealen zu brechen.

Der Rest des Bandes ist eher minderwertiges Füllmaterial: eine alberne Kurzgeschichte im Animated-Stil (gezeichnet von Rick Burchett) um den Mad Hatter, Wonder Woman gegen Clayface und ein Auftakt zu einer Geschichte mit einem neuen Schurken (Skeleton), die nie weiter erzählt wurde. Aber die drei Kapitel Malone lohnen sich allemal.

Batman tappt im Dunkeln

DC Comics

DC Comics

Titel: Broken City (dt. Kaputte Stadt)

Autor/Zeichner: Brian Azzarello/Eduardo Risso

Erschienen: 2003-2004 (Batman #620-625, Paperback 2004), dt. Panini 2012


„I wouldn’t fret over it too much, detective. After all, what makes four a better story than the one that got away?“ (Little Boy)

Batman sucht Angel Lupo, einen kleinen Fisch, der Autos geklaut hat. Er soll seine Schwester hat umbringen lassen. Von Killer Croc. Als Batman Lupo nahe kommt, haut dieser ab – und hinterlässt zwei weitere Leichen, nämlich die Eltern eines Jungen – auf offener Straße. Das kann Batman erst recht nicht auf sich beruhen lassen. Also mischt er die ganze Stadt auf, um den Täter zu kriegen. Schließlich ist auch die ganze Stadt – Unterwelt wie Polizei – hinter Lupo her.

Brian Azzarello und Eduardo Risso (100 Bullets) erzählen eine Batman-Story in bester, klassischer Noir-Manier. Die Nähe zu Frank Miller ist vor allem grafisch unverkennbar, zuweilen erinnert das Setting sehr an seinen Dark Knight oder Sin City. In gewisser Weise ist es das Gegenstück zu dem überbordenden Hush von Loeb und Lee: Auch hier trifft Batman auf eine Reihe der üblichen Verdächtigen (Croc, Pinguin, Scarface, Joker) sowie einige neue (Fatman und Little Boy), die er nach dem Verdächtigen befragt, aber anders als bei Hush ist hier alles düster und in gedeckten Farben gehalten und es geht auch nicht um das große Ganze, ein Riesenkomplott oder ähnliches.

Darin liegt der Reiz der Story: Batman kümmert sich um einen kleinen Fall, aber begeht dabei große Fehler – er tappt auch buchstäblich im Dunkeln, weil er sich von persönlichen Gefühlen in die Irre leiten lässt. Azzarello konzentriert sich ganz auf die Hauptfigur, es gibt keine Batman-Familie, nicht einmal einen Alfred. Bruce Wayne brät sich sein Steak sogar alleine – zur Entspannung. Wir erfahren, dass er Angst vor dem Träumen hat, weil er darin sein Kindheitstrauma immer wieder erleben muss, und wir sehen einige interessante Variationen des altbekannten Motivs.

Broken City mag optisch vielleicht zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig sein, aber auf langer Strecke entfalten die Zeichnungen ihren Reiz. Azzarellos Worte hingegen machen es leicht, in die Geschichte einzutauchen. Das ist hardboiled Batman, wie ihn die Fans von Frank Miller und Alan Moore lieben.

(Im Band Batman Noir: Eduardo Risso ist Broken City auch in einer Schwarz-Weiß-Fassung erschienen.)

Galgenmännchen

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman/Scarface – A Psychodrama (dt. Batman/Scarface – Ein Psychodrama)

Autor/Zeichner: Alan Grant/Charlie Adlard

Erschienen: 2001 (One-shot), dt. Panini 2002 (Batman Finest #1)


„Ich bin nicht nur ein Holzglock –“ (Scarface)

Der Bauchredner Arnold Wesker klebt seiner Puppe Scarface den Mund zu, fesselt sie auf einem Brett und lässt sie in Flammen aufgehen während sie aufs Meer hinaustreibt. Mithilfe von Doktor Arkham soll das der erste Schritt zur Heilung sein. Wesker wird aus der Anstalt entlassen und versucht ein neues Leben anzufangen – als Bauchredner. Ob das eine gute Idee ist? Natürlich nicht. Denn auch wenn er sich eine neue Puppe schnitzt, auch wenn sie weiblich ist und Lola heißt, lässt sich Scarface nicht abschütteln. Das Holz, aus dem die Puppe gemacht ist, entstammt einem Galgen, an dem die Verurteilten von Blackgate gehängt wurden, und ist folglich verflucht von ihren Seelen. Also entwickelt Scarface ein Eigenleben, das ihn über Umwege wieder zurück zu Wesker führt. Auch der Pinguin hat die Flossen im Spiel …

Batman spielt in diesem Psychodrama nur eine kleine Rolle. Im Mittelpunkt stehen Wesker und die Puppe, allerdings ohne große psychologische Tiefe. Durch den angedichteten Fluch wird die Einbildung relativiert. In gewisser Weise erinnert das Comic an die Serienepisode „Double Talk“ der New Batman Adventures (S01E04, 1997), in der Wesker ebenfalls versucht, von Scarface loszukommen, aber seine alte Gang ihn wieder mit Scarface zu verbünden versucht. Die Episode macht vieles besser als das Comic, weil sie wirkliche Empathie für die Hauptfigur weckt. Die Figur so stark mit Hokuspokus aufzuladen, schießt in diesem „Psychodrama“ übers Ziel hinaus. Grafisch ist das Heft auch eher aus einfachem Holz geschnitzt.

Erschütternd, nicht weltbewegend

Titel: Cataclysm (dt. Inferno)/Aftershock (dt. Nachbeben)

Autor/Zeichner: Alan Grant, Doug Moench, Chuck Dixon u.a./Jim Aparo, Klaus Janson u.a.

Erschienen: 1998 (18-teilig in mehreren Serien und One-Shots), dt. Dino 1999-2000 (Batman #40-46, Batman Special #9-11, Batman präsentiert #1-2)


„It’s never easy to find inner strength and peace, even when the outer world is relatively stable…the destruction of physical reality always does spiritual damage.“ (Bruce Wayne)

„… there’s little I can do against disease and natural disasters. A lost cause can become a fool’s errand. I’m still only human. I did what was humanly possible. I hope you don’t think I’ve failed in my promise.“ (Batman)

Nach der Seuche kommt das Erdbeben. Gotham wird zerstört, es herrschen Tod, Chaos und Verbrechen. Ein gewisser Quakemaster bekennt sich, die Katastrophe verursacht zu haben und erpresst die Stadt. Die Frage ist nicht, ob er es wirklich war, denn umgehen müssen Batman und seine Verbündeten so oder so mit einer kaum zu bewältigenden Herausforderung. Batman verzweifelt an dem Verfall seiner Stadt und dem Massentod seiner Bewohner, vor allem aber an der Tatsache, dass er niemandem die Schuld an dem Unglück geben kann. Er kämpft an allen Fronten – aber es gibt keinen Gegner, den man verprügeln und einbuchten könnte. Das mag zwar das alte Batman-Schurken-Schema durchbrechen, indem es dem Helden neue Seiten und Leidenswege eröffnet, aber es funktioniert nur schleppend.

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