Das Two-Face-Double-Feature

Titel: The Crimes of Two-Face/The Man Who Led a Double Life

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Detective Comics #66, 68), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two-Face)


„… the most bizarre criminal of all time … a twentieth century Jekyll-Hyde …“

Einer der interessantesten von Batmans Erzfeinden ist Two-Face. Nicht nur wegen seines Doppellebens, das er mit Batman gemeinsam hat, nicht nur wegen des persönlichen Bezugs zu ihm, weil er einst ein Freund gewesen ist, sondern vor allem wegen seiner tragischen Vorgeschichte. Die wird gleich in der ersten Ausgabe ausführlich ausgebreitet. Ganze vier Seiten bekommt Harvey Kent (!), um zu Two-Face zu werden. So viel hat nicht einmal Batmans Entstehungsgeschichte bekommen.

Es ist bemerkenswert, wie gut die Figur durchdacht ist, von Anfang an ist alles da: der Staatsanwalt, der vom Gangster Moroni im Gerichtssal Säure ins Gesicht geschüttet bekommt, die Entfremdung von seiner Frau Gilda, der Doppelkopf-Dollar, die für ihn die Entscheidungen trifft. Die Münze ist zunächst ein Beweisstück gegen den Moroni. Weil Two-Face sie für sein Unglück verantwortlich macht, zerkratzt er sie mit einem Skalpell und widmet sein Leben einer Obsession für die Dualität: Sein Versteck ist zweigeteilt, seine Verbrechen haben stets mit der Zahl zwei zu tun: ein Doppeldecker-Bus, ein Double-Feature-Kino. Doch wenn die Münze auf die unversehrte Seite fällt, spendet er seine Beute auch für wohltätige Zwecke. Es ist noch Gutes in ihm …

Zunächst soll Kent von einem plastischen Chirurgen aus Deutschland behandelt werden – aber der wurde von den Nazis in ein Konzentrationslager gesteckt. Und Kent entscheidet sich, nicht auf dessen mögliche Befreiung zu warten. Interessant ist auch, dass seine Frau Künstlerin ist, die Skulpturen anfertigt. Nachdem sie sich vom entstellten Gesicht ihres Mann erschüttert zeigt, zerschlägt er eine Büste, die ihn darstellt, mit zwei Hammern. Früher, sagt er, sei er Apollo genannt worden, aber die Büsten zeigten nicht mehr sein wahres Gesicht. Er kommt in eine Persönlichkeitskrise: „Who … what am I? I’m not a man! I’m half a man … beauty and beast … good and evil! I’m a living Jekyll and Hyde!“ Seine Spaltung wird schon beim ersten Blick in den Spiegel deutlich: schon da ist sein Anzug zweifarbig.

Der Showdown wird zum Kammerspiel: Batman versucht, Kent zum Guten zu bewegen, Two-Face wirft seine Münze – und sie landet auf der Kante. Mit diesem Cliffhanger endet der erste Teil, zwei Ausgaben später geht es weiter. Two-Face entkommt durch den übereifrigen Einsatz der Polizei. Als nächstes entführt er das Double eines alten Unternehmers, dann versucht er ein Wohltätigkeits-Baseball-Spiel zwischen der Polizei und der Feuerwehr auszurauben. Auch Batman, da Ehrenmitglied der Polizei, spielt mit.

Der Höhepunkt ist allerdings ein emotionaler: Nachdem Two-Face feststellen muss, dass seine Frau mittlerweile Trost bei einem anderen Mann gefunden hat, stellt er sein Gesicht mit Wachs wieder her und besucht sie. Zunächst scheint alles wieder gut zu werden, Harvey will sich sogar der Polizei ausliefern, um wieder gut zu werden. Aber als sie bei Kerzenschein beisammen sitzen, sein Gesicht schmilzt und dann auch noch Batman reinplatzt, ist es mit den guten Vorsätzen vorbei. Armer Harvey. Der perfekte Schurke ist geboren – aus dem Geist der Tragödie.

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