Bob Kane

Batman 1939: Doctor Death

Titel: The Batman Meets Doctor Death/The Return of Doctor Death

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #29-30)


Die dritte und vierte Batman-Story fallen durch drei Neuerungen auf: Sie stammen von einem neuen Autor, Gardner Fox, sie bilden einen Zweiteiler und sie führen den ersten Superschurken ein, einen Mad Scientist namens Doctor Death.

Der heißt eigentlich Karl Helffern und hat aus Pollenextrakten ein Gift entwickelt, mit dem er reiche Leute erpressen will. Vorher will er jedoch „Bat-Man“ aus dem Weg schaffen. Dazu gibt er eine Zeitungsanzeige auf, in der steht, dass sich Batman einen Brief für John Jones bei der Post abholen soll. Bruce Wayne geht hin (keinen kümmert’s) und der Brief führt ihn zu einem Apartment.

Erstmals sehen wir Batman bei der Vorbereitung: Er nimmt Handschuhe und Knieschoner mit Saugnäpfen mit, um die Wand hochgehen zu können, außerdem steckt er Tränengas in seinen Gürtel, der zum ersten Mal eine Funktion bekommt. Die Leser bekommen alles gezeigt: Wie Batman in seinem roten Auto hinfährt, wie er es an einem abgelegenen Ort parkt, wie er sich mit einem Lasso am Haus hochzieht und dann weiter hinaufkrabbelt – wie eine Riesenfledermaus, heißt es, aber es wirkt eher wie eine Spinne.

Batman überwältigt die zwei Auftragskiller, die schon auf ihn warten, und bedroht sie mit ihrer Waffe: Wenn sie ihm nicht verraten, wo Helffern ist, will er sie erschießen. Doch da wird er von Doctor Deaths Diener, einem Inder namens Jabah, angeschossen. Er rettet sich mit seiner Gaskapsel und schwingt sich wieder vom Dach. Da er noch keinen allseits begabten Alfred hat, muss ihn sein Hausarzt zusammenflicken.

Als Jabah loszieht, um sein erstes Opfer zu töten, rettet Bruce Wayne den Mann, dann folgt ihm Batman in Helfferns Geheimversteck und erwürgt ihn offenbar mit einem Lasso. Helffern haut ab, will eine Feuerkapsel nach Batman werfen, der kommt ihm mit einem Feuerlöscher zuvor und Helffern verbrennt durch seine eigene Waffe. „Death … to Doctor Death“, sagt Batman. Aber da täuscht er sich.

In der nächsten Ausgabe, die ein paar Tage später spielt, ist der Schurke wieder da und hat sein erstes Opfer getötet. Nun will er auch die Diamanten von der Witwe stehlen. Da Jabah tot zu sein scheint (warum, bleibt unklar), muss der Kosake Mikhail die Beute besorgen. Wieder kann ihm Batman folgen, wieder wird nach ihm geschossen, doch diesmal entgeht er der Kugel und bricht dem Diener das Genick mit einem Tritt.

Als Batman die Beute von dem Pfandleiher zurückholen will, stellt der sich als verkleideter Doctor Death heraus. Diesmal überlässt Batman ihn der Polizei.

Batman erscheint als sehr finsterer Charakter mit noch längeren Ohren, die wie Teufelshörner wirken. Vielen Panels sind wortlos und nur seinen dramatischen Auftritten gewidmet. Batman schwingt sich aber auch immer wieder, das Gesicht im Schatten, durch die Nacht, wobei Bob Kane (wie auf dem Cover) immer wieder die gleiche Pose benutzt – ein einfallsreicher Zeichner war er nicht. Außerdem fällt auf, dass Batman bevorzugt durch Fenster steigt, einmal öffnet er es, einmal springt der durch das Glas – damit nimmt er bereits die Fledermaus vorweg, die ihm in seinem späteren Origin als Omen erscheinen wird, aber auch sonst gehören zu einem dramatischen Auftritt stets Splitter.

Batman wird bereits zu Beginn seines dritten Abenteuers als „legendary figure“ bezeichnet. Er ist eine Legende noch bevor er richtig angefangen hat. Und er ist skrupellos: In bisher jedem Heft stirbt jemand durch seine Hand, auch wenn er selbst keine Schusswaffe bei sich trägt.

Batman: I’ll kill you!

>> Batman 1939-1949

 

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Batman 1939: Detective Comics #28

DC Comics

Titel: Frenchy Blake’s Jewel Gang

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #28)


Batmans zweites Abenteuer beginnt mit einer Besonderheit: Batman ist nicht auf dem Cover. Insgesamt erscheinen mit dieser vier Ausgaben von Detective Comics, die nicht Batman (oder etwas Verwandtes) auf dem Titelbild haben. Die Entscheidung mutet heute seltsam an, aber geschadet hat es der Figur nicht. Immerhin wurde Batman zumindest klein auf dem Cover angekündigt.

Wie schon die erste hat auch diese Geschichte nur sechs Seiten, aber die Seiten sind nicht so vollgepackt. Statt vier Reihen haben die Seiten nur drei, die Panels sind größer und entfalten eine stärkere Wirkung.

Auf der ersten Seite sehen wir im Titel Batmans Kopf neben seinem Schriftzug, der immer noch in Anführungszeichen steht. Daneben ein kleines Waagensymbol mit der Inschrift „Justice“. Der Ankündigungstext ähnelt sehr dem ersten, nur dass diesmal erklärt wird, dass er in Wahrheit Bruce Wayne ist.

Zu Beginn der Geschichte haben unbekannte Diebe Juwelen im Wert von 100.000 Dollar gestohlen. Der Polizei fehlt jede Spur. Bruce Wayne klärt den Fall mit einem Telefonat: Er ruft einen Informanten im Knast an, gibt sich als Gordon aus und erfährt, dass Frenchy Blake und seine Gang dahintersteckt.

Als Batman überwältigt er zwei Diebe auf einem Dach, einen stürzt er in die Tiefe – Batmans zweites Todesopfer. Als einer eine Waffe auf ihn richtet, schlägt er ihn K.O. Er schnappt sich die Beute, doch als er zwei Polizisten auf sich zukommen sieht, lässt er sie absichtlich fallen. Die Polizisten schießen nach ihm, aber er springt vom Dach, macht einen Salto und schwingt sich mit einem Seil davon. Das ist das erste Mal, dass Batman als Akrobat auftritt.

Danach wird Batman aber für den Kopf der Gang gehalten. Aber Batman wollte das so. Die Diebe machen dann nämlich weiter – und Batman sie auf frischer Tat schnappen. Er belauscht sie am Fenster, er schwingt sich später am Tatort zum Fenster rein und knockt die Diebe aus, informiert Gordon.

Schurke mit Monokel und Ziegenbärtchen: Frenchie Blake

Später stürzt er sich auf den Anführer Frenchy Blake, einem Mann mit Monokel und Ziegenbärtchen. Zunächst sieht man, wie schwarze Silhouette zur Tür hereinkommt und ihn erschreckt. Batman schlägt ihn zur Begrüßung, dann wickelt er ein Seil um ihn und wirft ihn aus dem Fenster. Batman erpresst ihn, ein Geständnis zu schreiben oder er schneidet das Seil durch. Frenchy tut, wie ihm geheißen, versucht es trotzdem nochmal mit Gewalt, aber bei Batman ist nichts zu machen, er verpasst ihm noch eine, und zwar so stark, dass Frenchy ihn anfleht, es nie wieder zu tun. Der Held lädt den Gauner vorm Polizeihauptquartier ab, samt Geständnis, Juwelen und einer Botschaft an Gordon.

Der Mythos wird hier beträchtlich erweitert: Batman ist nicht nur ein beliebig kostümierter Vigilant, er verbreitet mit seinem Kostüm Angst und wird ihm gerecht, indem er im Rahmen seiner Möglichkeiten zu fliegen scheint. Batman nutzt aber auch moralisch alle Möglichkeiten aus: Er foltert und er tötet, auch wenn man es hier ihm als Notwehr durchgehen lassen kann.

Obwohl er außerhalb des Gesetzes wirkt und von der Polizei verfolgt wird, arbeitet er hier direkt der Polizei zu. Dabei geht er sogar den Umweg, selbst des Diebstahls verdächtigt zu werden. Batman ist ein Held, der wie ein Schurke aussieht. Aber es sollen nur die Schurken sein, die vor ihn Angst haben. Man könnte sagen, er arbeitet an seiner Reputation. Das gibt Gordon am Ende zu denken.

>> Batman 1939: Detective Comics #27
>> Batman 1939-1949

Batman 1939: Detective Comics #27

detective comics 27 cover

DC Comics

Titel: The Case of the Chemical Syndicate

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #27)


Vor 80 Jahren, am 30. März 1939, erschien die erste Batman-Story in Detective Comics #27. The Case of the Chemical Syndicate (inspiriert von einer The Shadow-Geschichte) umfasst nur sechs Seiten, aber diese haben gereicht, um der Titelfigur sofort zum Erfolg zu verhelfen.

Schon das Cover mit seinem rot-gelben Hintergrund erregt Aufmerksamkeit. Während Superman auf dem Cover von Action Comics #1 im Jahr zuvor noch übermenschliche Stärke bewies, indem er ein Auto an einen Felsen rammte, schwingt hier eine maskierte Figur mit bauschendem schwarzen Umhang an einem Seil durch die Luft und hält einen Mann im Schwitzkasten – auch das eine beachtliche athletische Leistung, die über menschliche Grenzen hinausgeht. Bei Superman rannten die Menschen und damit die Verbrecher in Angst davon, Batman aber hält das Verbrechen buchstäblich im Würgegriff, er ist näher an den Menschen, was man auch daran sieht, dass die beiden Gangster im Vordergrund sich ihm zuwenden, einer richtet sogar seine Waffe auf den Helden – und stellt so eine Gefahr dar. Superman hingegen kann nichts etwas anhaben.

Damit ist Batman, der zunächst erfunden wurde, um einen zweiten Superman zu etablieren, etwas ganz Eigenes geworden. Bereits auf dem Cover wird deutlich, dass es sich um einen Anti-Superman handelt. Schwarz-grau statt rot-blau, menschlich statt außeridisch, mysteriös statt auffällig. Batman verbirgt sein Gesicht. Und genau darum geht es auch in der ersten Geschichte, um eine Geheimidentität. Zugleich tritt auch bereits sehr viel von dem zutage, was den Charakter von Batman ausmachen wird.

Auf Seite eins sieht man zunächst nur Batman als Schattenriss. Noch bevor ein Logo etabliert ist, das den Neuling zur Marke macht, etabliert sich hier bereits die abstrahierte Fledermaus, die sich vor einem gelben Vollmond abzeichnet, als Prototyp mit Wiedererkennungswert. Batman steht auf einem Dach, steht damit über den Dingen, behält den Überblick, während im Hintergrund die Wolkenkratzer der Stadt zu sehen sind, die später einmal Gotham City genannt werden wird – eines der Pseudonyme für New York City.

Batman erscheint im ersten Panel bereits als eine Art Batsignal, noch bevor es als solches etabliert wird. Der Schattenriss ist aber auch ein Hinweis darauf, dass seine wahre Identität unbekannt ist. Nicht von ungefähr heißt es noch „The Bat-Man“ – Fledermaus und Mann sind noch getrennt durch einen Bindestrich. Erst später sollen sie zur unzertrennlichen Einheit verschmelzen.

Raucher unter sich: Bruce Wayne und Gordon

Zu Beginn sind wir bei Commissioner Gordon zuhause. Bei ihm ist sein junger Freund, der Promi Bruce Wayne. Man sitzt gemützlich im Sessel und raucht: Gordon Zigarre, Bruce Pfeife. Bruce stützt melancholisch oder gelangweilt den Kopf mit der Hand und fragt, ob in letzter Zeit etwas Spannendes passiert sei. Nein, sagt Gordon, nur dieser „Bat-Man“ lege ihm Rätsel auf, aber da klingelt auch schon das Telefon und die Krimi-Handlung setzt ein.

Der Chemie-König Lambert, wurde erstochen. Die Fingerabdrücke seines Sohnes sind auf dem Messer. Gordon fährt hin, Bruce kommt mit, da er nichts Besseres zu tun hat. Der Sohn behauptet, seinen Vater sterbend gefunden zu haben und beteuert seine Unschuld. Dann ruft ein anderer, Steven Crane, bei Lambert an, um ihn vor dem Mord zu warnen, und behauptet, eine Morddrohung erhalten zu haben. Während Gordon sich die Story anhört, empfiehlt sich Bruce Wayne.

Batmans erster Auftritt

Kurz darauf wird Crane tatsächlich ermordet. (Diese angekündigten Morde werden auch später in der ersten Joker-Story ein wichtiger Modus Operandi.) Und als der Mörder seinen Komplizen auf dem Dach des Hauses trifft, um ihm ein Dokument zu übergeben (ein seltsamer Treffpunkt), steht da plötzlich Bat-Man mit verschränkten Armen vor ihnen, als hätte er sie bereits erwartet. Die beiden Gauner wissen, mit wem sie es zu tun haben. Bat-Man verhaut den einen, den anderen wirft er vom Dach und greift sich das Dokument. Ob der Hinabgestürzte überlebt, bleibt unklar, genauso wie die Frage: Wenn Bat-Man wusste, dass auf Crane ermordet werden sollte, warum hat er auf dem Dach gewartet, dass es passiert, statt es zu verhindern?

Vielleicht war er nicht rechtzeitig genug da. Denn erst kurz darauf trifft auch Gordon ein. Doch als er Bat-Man sieht, befielt er den anderen Polizisten, den Maskierten zu schnappen. Ein Schuss geht los, aber man kümmert sich nicht weiter drum. Später wird dieser Aspekt in Year One zu einem handlungstragenden Element: Die Polizei jagt den Vigilanten auch deshalb, weil er die Korruption gefährdet. Gordon konvertiert vom Verfolger zum Partner. Hier aber beschränkt sich seine Freundschaft nur auf Bruce. Bat-Man ist zu Beginn noch illegal und unerwünscht.

In der nächsten Sequenz sehen wir Batman in seinem Auto davonbrausen: das Batmobil ist noch eine rote Limousine, ohne Fledermaus-Markenzeichen. Zwei weitere Männer sind in Gefahr: Rogers und Stryker. Als der eine den anderen besucht, um ihn zu warnen, schlägt der Strykers Assistent, Jennings, Rogers K.o. und will ihn in einem Labor vergasen. Bat-Man stürzt sich tollkühn unter die Glasglocke, verstopft das Gas-Rohr und zerschlägt die Glocke mit einer Zange. Jennings wird ausgeknockt.

Batman rettet Rogers

Als Stryker auftaucht und sieht, dass Rogers immer noch lebt, geht er mit einem Messer auf ihn los, um den Job selbst zu erledigen. Bat-Man entwaffnet ihn mit einem Handgriff und erklärt die Handlung: Der Schurke war mit den drei Partnern an einem Chemie-Unternehmen beteiligt und wollte die anderen töten lassen, um sie nicht auszahlen zu müssen. Stryker versucht noch einmal, mit einer Waffe freizukommen, Batman schlägt ihn und der Schurke fällt in einen Säuretank. Bat-Man ist ungerührt: „A fitting ending for his kind“, findet er und versucht nicht mal, den Mann da rauszuholen. Das ist die erste Leiche, die auf Batmans Konto geht. (Falls nicht schon der Komplize, den er vom Dach geworfen hat, gestorben ist.)

Sturz in den Säuretank: Batmans erste Leiche

Rogers will seinem Retter danken, aber da ist er schon mitten im Satz verschwunden (allerdings noch sichtbar durch das Oberlicht) – auch das ist ein Verhalten, mit dem er später vor allem den Commissioner nerven wird. Als Gordon Bruce Wayne am nächsten Tag die Story erzählt, tut dieser sie als Märchen ab. Gordon findet, dass er zwar ein netter Junge sei, aber er bedauert ihn, ein so langweiliges Leben zu führen, dass er sich für nichts interessiere.

Bruce Wayne erweist sich als Bat-Man

Doch als Bruce nach Hause geht, erfahren die Leser, dass er niemand Geringeres als Bat-Man ist. Was für heutige Leser Allgemeingut ist, war in der ersten Ausgabe noch eine verblüffende Wendung – und darin lag auch, abgesehen von der waghalsigen Action, der eigentliche Reiz dieser allzu abgehetzt erzählten und konventionellen Kriminal-Geschichte.

Was die erste Batman-Story ebenfalls einführt, ist das Thema Chemie. Immer wieder wird es Batman mit Schurken zu tun bekommen, die von Säure entstellt wurden (Joker, Two-Face), die mit Gas (Scarecrow) oder mit Gift manipulieren (Poison Ivy) oder sich mit Drogen aufputschen (Bane, Man-Bat). Der Sturz in den Säuretank wird später Teil des Joker-Mythos (The Man Behind the Red Hood, Detective Comics #168, 1951 & The Killing Joke) und eine spätere Neu-Interpretation von The Case of the Chemical Syndicate deutet an, dass bereits dabei der Joker entstanden sein könnte (Detective Comics #27, 2013).

Weitere Adaptionen gab es in Detective Comics #387 (1969), Secret Origins #6 (1986) und Detective Comics #627 (1991). Aber dazu später mehr.

Batman im Dschungel

DC Comics

Titel: The Jungle Batman

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1952 (Batman #72)


Batman und Robin nehmen die „Sinister 8“ fest, eine international besetzte Verbrecherbande. Nun müssen sie sie per Schiff auf eine Insel bringen. Kurz darauf werden sie von Verbrecherfreunden torpediert und das Dynamische Duo erleidet Schiffbruch. Sie ziehen sich bis auf das Nötigste aus (also bis auf die Unterhosen und Masken) und schwimmen zu einer verlassenen Insel.

Es beginnen die Abenteuer des Dschungel-Batman: Kaum da, muss er Robin vor einem Panther retten. Das kommt günstig, denn kurz darauf kann er sich aus dem Fell des Tieres eine schicke Dschungelkluft machen, Robin bekommt eine Leoparden-Unterhose – so viel Stilbewusstsein muss sein. Erst dann kann sich das Duo um die bösen Buben kümmern, die mit ihnen auf der Insel gestrandet sind. (Die Schurken kriegen natürlich keine Dschungelkleidung. Sie konnten offenbar auch mit Keidung gut schwimmen.)

Obwohl Batman und Robin keine Standard-Ausrüstung haben, wissen sie sich immer zu helfen, mit dem, was gerade zur Hand ist: Sie schwingen sich mit Lianen durch den Urwald, reiten auf Elefanten, essen Kokosnüsse und machen Rauchbomben daraus, am Ende bekämpft Batman einen Riesen-Kraken mit einer Flasche. Wer so gut mit dem Nötigsten klarkommt, für den ist Verbrechensbekämpfung ein Kinderspiel, das fast nebenbei erledigt wird.

Zum Schluss passiert das Unglaubliche: Kaum haben Batman und Robin ein Schiff übernommen, mit dem sie nach Hause fahren können, treibt das Meer ihre Kostüme wieder an – frisch gewaschen trieben sie die ganze Zeit umher. Die Elemente meinen es gut mit den Guten.

Zwei Jahre später wird Batman erneut zum Dschungel-Helden wider Willen: In The Jungle Cat Queen (Detective Comics #211, 1954) – Catwomans letztem Auftritt im Golden Age.

>> Batman in den 50ern

Batman rächt seine Eltern

DC Comics

Titel: The Origin of the Batman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1948 (Batman #47)


„It’s a desperate move … but I must take it … even if it means the end of Batman’s career!“

Okay, ihr kennt die Story vom jungen Bruce Wayne: sie beginnt mit dem Raubüberfall, bei dem seine Eltern ermordet werden. Bruce schwört daraufhin, das Verbrechen zu bekämpfen. Aber was ist mit dem Mörder seiner Eltern? Wurde er gefasst? Und wer ist das? Und warum hat er eigentlich nicht auch Bruce ermordet, wenn dieser Zeuge war? Die Fragen bleiben neun Jahre lang unbeantwortet. Seltsam eigentlich, weil es nahegliegend gewesen wäre, wenn Bruce zuerst den Mörder seiner Eltern gestellt hätte.

In The Origin of the Batman bekommt der Mörder einen Namen: Joe Chill. Batman und Robin entdecken ihn durch Zufall. Er betreibt ein Lkw-Unternehmen, das Gauner illegal über Staatsgrenzen bringt. Als Batman dessen Foto sieht, erinnert er sich an sein Kindheitstrauma – und zum ersten Mal seit Batman #1 wird die Urgeschichte neu erzählt. Nachdem die Eltern erschossen sind, wendet sich Bruce an Chill und wirft ihm den Mord vor. Chill erwidert: „Stop lookin‘ at me like that!“ Er bekommt Gewissensbisse und etwas in den Augen des Jungen lässt ihn sich zurückziehen.

Wir sehen wieder, wie Bruce Wayne zu Batman wird, aber der bekannte Text wurde leicht verändert. In der Urfassung (Detective Comics #33/Batman #1, 1939/1940) schwört Bruce betend am Bett, beim Geiste seiner Eltern, ihren Tod zu rächen, indem er den Rest seines Lebens Verbrecher bekämpft. In der Neufassung kommt noch der Schwur dazu, ihrem Mörder Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Als Batman wiederholt er den Schwur.

Batman tritt erstmals verkleidet vor Chill, als er versucht, sich in sein Unternehmen einzuschmuggeln. Aber seltsamerweise stellt er ihn noch nicht. Zunächst wird noch eine unnötige Schleife gedreht, indem Batman ein illegales Casino auf internationalen Gewässern aufmischt. Dabei hatte sich Batman schon entschieden, wie er vor Chill treten will: er demaskiert sich und konfrontiert ihn mit dem Mord. Aber Chill gesteht nicht. Also droht ihm Batman, ihn sein Leben lang zu verfolgen.

Verzweifelt vor Angst sucht Chill Hilfe bei seinen Angestellten, aber nachdem er ihnen erzählt hat, dass er Batman erschaffen hat, erschießen sie ihn. Er stirbt noch bevor er ihnen verraten kann, dass es Bruce Wayne ist. Batman knockt die Gauner aus, Chill stirbt, Fall geschlossen.

Interessant ist, dass Robin hier kaum eine Rolle spielt. Dadurch kann Bruce Wayne seine Geschichte allein abschließen.

Die Geschichte von Joe Chill wird in The Untold Legend of the Batman (1980) nacherzählt. In Year Two (1987) werden Batman und Joe Chill vorübergehend zu Verbündeten wider Willen – und Batman greift zur Pistole. Nach der Zero Hour (1994) wird der Wayne-Mörder wieder anonym. Nach dem Reboot von The New 52 (Batman: The Dark Knight #0) kehrt Joe Chill zurück und Bruce Wayne will sich an ihm rächen, wobei er wieder zur Waffe des Täters greift. Aber natürlich drückt er nicht den Abzug.

Batmans erster Trip ins Wunderland

DC Comics

Titel: Tweedledum and Tweedledee

Autor/Zeichner: Don Cameron/Bob Kane

Erschienen: 1943 (Detective Comics #74)


Batman und Alice im Wunderland – das gehört einfach zusammen. Ich kann mir noch nicht erklären, warum. Aber angefangen hat es früh. Und nicht erst mit dem Mad Hatter, sondern mit Tweedledum und Tweedledee.

Die beiden, Dumfree und Deever Tweed, sind Cousins, die sich zum verwechseln ähnlich sehen: Beide sind dick, haben Knollennasen und tragen gern lila Anzüge. Und sie sind erfinderische Gauner. Während der eine Pelze raubt, holt sich der andere Diamanten. Als Batman und Robin über einen Übergrößen-Händler herausfinden, dass es sich nur um die Tweeds handeln kann, tappen sie in eine Falle und werden durch elektromagnetische Strahlung festgehalten.

Die Cousins haben sich umgezogen für einen Wohltätigkeits-Kostümball (es geht um Kriegsanleihen), den sie zu überfallen gedenken. Natürlich sind die verkleidet wie für ihre Rollen bei Alice im Wunderland, ein Komplize trägt ein Märzhasenkostüm, der andere eine Hasenmaske und Zylinder – der erste Mad Hatter. Sie gewinnen mit ihren Kostümen den ersten Preis und wollen noch mehr, da springen Batman und Robin wie Springteufel aus einer riesigen Geschenkpackung und schlagen alle zusammen.

Tweedledum und Tweedledee kehren in Batman #24 (1944) zurück. In diesem Heft lassen sie sich in einer Kleinstadt zum Bürgermeister wählen und üben auch das Amt des Richters aus, sie sperren Batman und Robin ins Gefängnis und betrügen die Gemeinde mit einer falschen Goldmine. Mit Alice im Wunderland hat das Ganze nichts zu tun – es ist eine ganz gewöhnliche, überkonstruierte Gaunerei.

Die beiden Widersacher tauchen erst wieder in den 70ern auf und schließen sich 2008 der Wonderland Gang an, in der auch andere Alice-Figuren wie der Mad Hatter zusammenkommen.

Mehr Batman im Wunderland:

Weihnachten mit Catwoman

Titel: A Christmas Tale

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1947 (Batman #39)


Diesmal reiten Batman und Robin auf der Katze und grüßen Santa Claus, der mit seinem Schlitten in die andere Richtung fliegt. Aber auch wenn sie in der Geschichte tatsächlich über Catwoman triumphieren (wie immer), bleibt ihr Batman sein Leben schuldig. Aber der Reihe nach.

Kurz vor Weihnachten entführt Catwoman (die hier wieder blond ist) drei Katzen. Der Grund ist nicht klar: Weder sind die Katzen besonders (einer fehlt sogar der Schwanz), noch sind ihre Besitzer reich. Aber ein Blick in die Zeitung verrät, dass Catwoman wahrscheinlich hinter den Juwelen her ist, die in einer Katzenmumie aus dem Museum stecken. So berechenbar ist es dann auch.

Catwoman benutzt die schwanzlose Katze, um ihr einen falschen Schwanz mit einem Betäubungsgas ankleben zu können, damit überwältigt sie die Wachen. Im Museum bringt Catwoman sogar Batman und Robin zu Fall, indem sie einen Säbelzahltiger auf sie stößt. Als einer ihrer Komplizen die Knarre zückt, wehrt sie ihn mit der Peitsche ab – und rettet Batman so das Leben. Sie sagt zwar, dass sie keine Mordanklage riskieren will, aber insgeheim fragt sie sich: „Why did I save him? Maybe I am soft … oh … I’m all confused!“

Um die anderen beiden Katzen zu kriegen, verkleiden sich Batman und Robin als Santa Claus und Elf und ziehen weiße Schnee-Kostüme an (die sie bereits in World’s Finest #7 getragen haben). Wieder einmal verrät eine Katze Catwoman, sie wird gefasst und die Katzen kehren zu ihren Besitzern zurück.

Am Ende wird die Schurkin wieder sentimental: Unter einem Mistelzweig will Catwoman Batman küssen, aber als er darauf nicht reagiert, macht sie ihm ein noch dreisteres Angebot: Batman soll sich ihr anschließen, zusammen könnten sie die Unterwelt beherrschen und „king and queen of crime“ sein. Batman bleibt hart, Catwoman will ihm daraufhin die Augen auskratzen – ach ja, das Fest der Liebe …

Mehr zum Thema:

Die Katze lässt das Mausen nicht

Catwoman im Golden Age (Teil 15)

DC Comics

Titel: The Crimes of the Catwoman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Bob Kane

Erschienen: 1954 (Detective Comics #203)


„They say a leopard never chances its spots …“ (Catwoman)

Einblick in eine Zeitungsredaktion: Wenn gerade Nachrichtenflaute herrscht, berichtet man eben live aus dem Archiv. Und weil Batman und Robin die Straßen von Verbrechen befreien, bringt die Gotham Gazette einen Rückblick auf die größten Abenteuer des Dynamischen Duos. Als Selina Kyle die Zeitung liest, ist sie gar nicht erfreut. Obwohl sie ihr Leben als Catwoman aufgegeben hat, kommt ihr Ego durch. Batman gibt an, er wäre schlauer als sie? Na, der kann was erleben!

Kurz darauf sind alle guten Vorsätze vergessen und Selina trägt wieder ihr lila Kostüm. Catwoman kommt mit einem großen Auftritt wieder, angekündigt durch das Cat-Signal am Himmel stiehlt sie mittels eines Cat-apults Iridium aus einem fliegenden Hubschrauber.

Als nächstes setzt sie „Catbirds“ ein, um bei einer Löwen-Vorstellung in einem Zirkus die Einnahmen zu stehlen. Dabei bekommen ihre Komplizen Gelegenheit, Batman abzuknallen, aber da zeigt sich ihre alte Schwäche für ihn: „I couldn’t bear to see him killed!“ Sie nimmt ihn als Geisel.

Batman befreit sich, indem er seine Fesseln von Katzen aufbeißen lässt. Beim Showdown beweist Catwoman, dass sie keine Angst vor Wasser hat. Sie lässt sich von einem Millionär in einem Cat-Fish fangen und will ihn um einen Juwelen bringen. Bei einer Verfolgungsjagd verschwindet sie spurlos im Wasser.

Die Geschichte zeigt die ganze Tragik der Figur, aber auch wie Superhelden-Comics funktionieren: Am Anfang gibt es nichts zu berichten, was zwar gut ist für die Gesellschaft, aber schlecht fürs Printgeschäft. Also lässt man eine geläuterte Kriminelle rückfällig werden. Niemand will ewig nur Selina Kyle sehen.

Für Selina Kyle geht es ums Ego, sie handelt zwanghaft, alles, was sie tut, unterwirft sie dem Diktat ihrer Katzenmanie. Bloß von Katzen umgeben zu sein, hat ihr nicht gereicht. Zugleich erkennt man an den vielen Wortspielen mit „cat“, wie die Storys im Golden Age geschrieben wurden, nämlich mit einem Wörterbuch. Nicht nur alles, was mit Katzen zu tun hat, sondern auch, was die Silbe „cat“ enthält, wird hier bemüht. Damit verfallen die Autoren dem Diktat der Sprache, damit Catwoman auf ihre „cat-astrophe“ zusteuern kann, die tatsächlich einen Untergang bedeutet.

Die Geschichte von Catwoman zeigt exemplarisch, welchen Zwängen Helden, Schurken, Verleger und Autoren unterliegen. Daher muss bei Batman (und bei Superhelden überhaupt) immer alles zum Status quo zurückkehren, die Geschichten folgen einem unentrinnbaren Zyklus. Ein sinnloser Kreislauf? Nein, es geschieht alles zu unserer Unterhaltung.

>> Liste der Catwoman Comics

Catwomans Nachfolger

Catwoman im Golden Age (Teil 14)

DC Comics

Titel: The King of the Cats

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1952 (Batman #69), Hardcover 2015 (Catwoman: A Celebration of 75 Years)


Selina Kyle kommt einfach nicht zur Ruhe. Sie hat dem Verbrechen abgeschworen, doch schon wieder imitiert ein anderer ihre Methode, indem er Katzen Juwelen rauben lässt. Batman und Robin befürchten schon, dass Selina rückfällig geworden sein könnte, doch dann offenbart sich ihnen eine Überraschung: ein neuer Schurke, der sich King of the Cats nennt.

Der Mann trägt ein hautenges violettes Kostüm mit Katzenschwanz und fährt mit einem eigenen Kitty-Car davon. Bald darauf schlägt er immer wieder zu. Als das Dynamische Duo Selina Kyle dazu befragt, scheint sie darin involviert zu sein. Der King of Cats schickt ihr Blumen … Später stellen sie fest, dass sie tatsächlich von ihm weiß. Der Schurke will sie dazu überreden, seine Königin des Verbrechens zu werden. Batman geht dazwischen, doch Selina verhindert, dass er den King festnimmt. Sie versucht ihn lieber zu überreden, wieder ehrlich zu werden.

Spätestens hier könnte Batman Selina der Polizei übergeben. Doch es ist alles anders als man denkt. Als der King of Cats versucht, einen schwarzen Löwen zu kidnappen und er im Kampf mit Batman in ein Tigergehege fällt, rettet Catwoman den King und riskiert ihr Leben, um Batman zu schützen. Am Ende stellt sich heraus: der King of Cats ist Karl, Selina Kyles Bruder! Und er sieht ein, dass er sich bessern muss. Merkwürdig erscheint nur, dass in einem Panel zwischen den beiden viele Herzchen erscheinen. Aber Geschwisterliebe ist bekanntlich ein zweideutiger Begriff …

Diese Catwoman-Story erinnert (wie die vergangene) an das Prinzip von Two-Face im Golden Age. Nach einem Auftakt als Verbrecher wurde Two-Face ebenfalls resozialisiert und danach kamen drei Nachahmer, bis er selbst wieder rückfällig wurde. Catwoman wird das nächste Mal zur alten Gewohnheit zurückkehren …

>> Liste der Catwoman Comics

Catwomans Rückkehr?

Catwoman im Golden Age (Teil 13)

DC Comics

Titel: Catwoman – Empress of the Underworld

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1951 (Batman #65), Hardcover 2015 (Catwoman: A Celebration of 75 Years)


Selina Kyle ist geläutert. Nachdem sie ihre Erinnerung an ihr früheres Leben wiedererlangt hat, betreibt sie nun (wie ihr Vater) eine Zoohandlung, spezialisiert auf Katzen. Eines Tages kommt ein Gangster vorbei, Whale Morton, der ihr ein Angebot macht. Bruce und Dick sehen das und fragen sich, ob das etwas zu bedeuten hat.

Kurz darauf sind die Katzen los: Zuerst jagen Katzen Mäuse in einem Krankenhaus, dabei werden Medikamente gestohlen, dann dienen Löwen und Tiger als Ablenkungsmanöver, um an Pelze heranzukommen. Natürlich verdächtigen alle Catwoman, sie zweifelt an sich selbst. Dann kommt Whale Morton wieder und schlägt ihr erneut vor, sie zu einer Verbündeten machen. Sie sieht eine Chance, reich und mächtig zu werden – und sagt zu.

Doch obwohl sie in ihr Catwoman-Kostüm steigt und bei den nächsten Coups mithilft, erscheint auch zweimal ein Cat-Signal an den Tatorten. Batman ist sich nicht sicher, ob Catwoman wirklich gemeinsame Sache mit den Gangstern macht, bis sie ihn mit Robin mit ihrer Peitsche überwältigt und in eine Todesfalle bringt.

ACHTUNG SPOILER!

Nein, Catwoman ist nicht wieder kriminell geworden, sie hat es nur sehr geschickt angestellt, alle zu täuschen, um Whale Morton vor laufender Kamera dranzukriegen. Ende gut, alles gut. Vorläufig.

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