Bob Kane

Bruce Wayne verliert Dick Grayson

batman #20 1943

DC Comics

Titel: Bruce Wayne Loses Guardianship of Dick Grayson

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1943 (Batman #20), Hardcover 2015 (Robin, The Boy Wonder: A Celebration of 75 Years), Paperback 2018 (Batman: The Golden Age Vol. 5)


„Bruce Wayne lost Dick, but the Batman can bring him back again!“

Seit Jahren kümmert sich Bruce Wayne um das Waisenkind Dick Grayson. Beide haben ihre Eltern durch Mord verloren. Seitdem eint die beiden auch ein gemeinsames Hobby: Verbrecherjagen im Kostüm. Plötzlich aber taucht George Grayson auf, der behauptet, der Onkel von Dick zu sein, zusammen mit dessen angeblicher Tante beansprucht er das Sorgerecht. Es soll der letzte Wille des Vaters gewesen sein, dass George sich um Dick kümmert. Warum sie sich nicht früher gemeldet haben? Sie seien auf Europatournee gewesen, heißt es.

Bruce Wayne zieht vor Gericht. Aber alle Millionen auf dem Konto nützen nichts, wenn ihm ein zweifelhafter Ruf als Playboy vorauseilt. Bruce kann natürlich nicht dem Richter sagen, dass es sich nur um Fassade handelt, um Batman sein zu können. Also geschieht das Unglück: George Grayson bekommt das Sorgerecht.

Batman muss alleine gegen die Bande von Gangster Fatso Foley losziehen. Entmutigt, lustlos, nachlässig vermöbelt er die Gauner. Ohne Robins Kalauer macht es eben keinen Spaß. (Seltsam, dass es bei diesem ernsten Geschäft, das dazu dienen soll, den Mord an den Eltern zu rächen, plötzlich um Entertainment geht.) Da taucht plötzlich doch Robin auf und rettet ihm den Kopf. Schnell ist der Lebensmut wieder da.

Bald zeigt George Grayson sein wahres Gesicht: Er hat das Sorgerecht nur eingeklagt, um Bruce Wayne erpressen zu können. Eine Million Dollar verlangt er, um Dick Grayson wieder herauszurücken. Doch dann fällt Bruce ein, dass er als Batman nicht nach den Regeln spielen muss – schon gar nicht nach denen der Gauner. Batman will von George Grayson ein Geständnis erpressen und ihn zum Abhauen zwingen. Grayson willigt ein, bittet aber um eine Stunde, um mit seiner Komplizin die Koffer zu packen. Batman ist so naiv, sie ihm zu geben, und als er wiederkommt, hat George bereits Fatso Bescheid gesagt. Batman wird (wieder mit einem Schlag auf den Hinterkopf, er lernt es nie) überwältigt und in eine Hochdruckkammer gesteckt.

Während der Druck in der Kammer steigt und Batman kaum noch atmen kann, kriegt Alfred einen Anruf von George und versucht herauszufinden, wo Batman stecken könnte. Alfred fährt erst mal zu Dick und holt ihn aus dem Bett, dann knocken sie einen von Fatsos Komplizen aus, bringen ihn in ein Versteck, fesseln ihn und verhören ihn, während sich Batman – obwohl fast erstickt – mit dem Sterben glücklicherweise ebenso viel Zeit lässt.

Alfred und Dick befreien Batman. Ein Schirm des Pinguins ist dabei ziemlich hilfreich. Hinterher ist Vorsicht geboten: Der Druck in der Kammer muss langsam reduziert werden, damit Batman nicht explodiert. Am Ende fliegt George auf, er landet wieder vor Gericht, aber weil Dick seinen Onkel nicht verklagt (völlig unverständlich!), lässt ihn das Gericht laufen. Unglaubwürdig, aber so kann Bruce ihn wenigstens mit einem Arschtritt aus der Stadt jagen.

Und klar: Bruce übernimmt wieder die Vormundschaft für Dick – auch weil Batman beim Richter ein gutes Wort für ihn eingelegt hat. Wenn der Richter nur wüsste, dass Wayne Batman ist und mit seinem Hobby ständig ein Kind in Lebensgefahr bringt, würde das Ende wohl anders ausfallen.

>> Batman 1939-1949

Scarecrow wird zum Dichter

The Return of the Scarecrow

DC Comics

Titel: The Return of the Scarecrow

Autor/Zeichner: Don Cameron/Bob Kane

Erschienen: 1943 (Detective Comics #73), Hardcover 2016 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 2), Paperback 2016 (Batman Arkham: Scarecrow), 2018 (Batman: The Golden Age Vol. 4)


Scarecrow ist wieder da! Aus dem Knast ausgebrochen geht er diesmal mit einer Gang auf Raubzüge. Diesmal ohne Mord (wie bei seinem ersten Auftritt in World’s Finest #3, 1941), dafür mit Ansage. Jonathan Crane schreibt „HAT“ auf eine Tafel und stiehlt ein paar wertvolle Hüte. Zufällig ist Bruce Wayne gerade da. Um sich nicht als Batman zu outen, stellt er sich tollpatschig an und tut so, als würde er unabsichtlich in die Gauner hineinstolpern. Da Scarecrow sich nicht sicher ist, ob es Absicht war, knockt er Bruce daraufhin nur aus.

Am Tatort lässt die Vogelscheuche ihre Tafel zurück. Darauf steht unter „HAT“ das Wort „MAT“. Bruce kombiniert, hat eine Vermutung und zieht daraufhin als Batman mit Robin zum Wrestling, wo man eben auf der Matte landet. In Gotham findet gerade ein Wohltätigkeitskampf statt, um für Kriegsanleihen zu werben. Hier zeigt sich Scarecrow nicht nur als gewissenloser Schurke, sondern auch als unpatriotisch – was für Amerikaner das größte Sakrileg sein dürfte. Doch auch im Ring kann die Vogelscheuche triumphieren. Am Ende landet eine große Lampe auf dem Dynamischen Duo.

Dann finden sie wieder eine Tafel: „VAT“ lautet der nächste Hinweis. Zusammen mit einem Flugblatt für eine Reinigungsfirma ist klar, wohin die Reise geht. Batman und Robin landen gefesselt in einem Wassertank. Batman schimpft: „You rat!“ Scarecrow offenbart: Eigentlich müsste es auf der Tafel „BAT“ heißen, Robin sein ein „BRAT“ (eine Göre). Er haut ab, lässt aber auf der Tafel zur Sicherheit den nächsten Hinweis („YAT“) zurück.

Trotzdem ist er überrascht, als er bei der nächsten Station (im Jade-Laden „Yat Sing“) Batman und Robin wiedersieht. Die beiden zeigen sich diesmal nicht nur schlagfertig mit Fäusten, sondern auch mit Worten. Batman wird dabei aus dem Stegreif zum Dichter. So klappt es am Ende immer: Man muss nur die Waffen des Gegners gegen ihn selbst richten.

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Joker lässt Batman Gags schreiben

Batman #67 (1951): Joker

DC Comics

Titel: The Man Who Wrote the Joker’s Jokes

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1951 (Batman #67), Paperback 2019 (The Joker: His Greatest Jokes)


Der Joker steckt in einer Schaffenskrise. Ihm sind die Ideen für seine Gaunereien ausgegangen. Nur noch eine bleibt: Sich bei anderen zu bedienen. Wenn auch die Comedians im Showgeschäft professionelle Gagschreiber engagieren, warum sollte der Joker darauf verzichten? Damals war der Joker noch nicht der eitle Künstler mit Berufsethos – er war ein Geschäftsmann. Trotzdem war er auch Idealist genug, dass es stets auch darum ging, Batman zu blamieren. Geld allein reichte nicht.

Der Joker veranstaltet ein Casting und wählt am Ende drei Favoriten aus. Erster Streich: Ein überdimensionaler Kartoffelsack bei einer Parade. Man kann sich nichts Schöneres vorstellen, was man bei einer Parade in Übergröße präsentiert. Der Joker entkommt, aber einer seiner Komplizen ist zu langsam, wird geschnappt – und mit ihm die Beute.

Zweiter Streich: Joker raubt einen Kamera-Laden aus, setzt den Laden in Flammen, als Batman und Robin sich darin befinden. Der Schurke wirft ihnen Eselkostüme aus Asbest hin, um den Flammen zu entkommen. Sie ziehen sie an, überleben – aber landen als Esel („jackasses“) in der Zeitung. Trotzdem: Wieder keine Beute für den Joker.

Der dritte Streich ist viel ausgeklügelter: Joker lockt Robin in einem Liebestunnel (!) eines Freizeitparks in die Falle, entführt ihn und erpresst Batman, sich einen witzigen Raubzug zu überlegen. Er hat 24 Stunden Zeit. Batman führt den Joker in eine Kaugummi-Fabrik und verspricht ihm, sich von ihm festkleben zu lassen. Nachdem der Schurke mit seiner Bande den Tresor geplündert hat, kippt Batman den Kaugummitank über ihnen aus.

Merke: Gags kann man ruhig andere schreiben lassen. Aber Pläne sollte man lieber selbst schmieden. Sonst geht der Witz auf eigene Kosten.

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Jokers größte Reinfälle

Batman #66 (Joker)

DC Comics

Titel: The Joker’s Comedy of Errors

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1951 (Batman #66), Paperback 2008 (The Joker: The Greatest Stories Ever Told)


Der Joker bricht in einem Elektrizitätswerk ein. Vorher lässt er den Strom abschalten. So weit, so genial. Nur dass er den Fluchtweg über den Aufzug geplant hat, erweist sich als keine so gute Idee – denn der braucht ja Strom … Als Joker und seine Bande die Treppe nehmen, treffen sie auf Batman und Robin. Nur mit Not können sie entkommen. Die Beute bleibt zurück.

Die Blamage ist groß, als die Geschichte am Tag darauf auf der Titelseite der Zeitung steht. Aber der Joker lässt sich nicht entmutigen, sondern will aus der Not eine Tugend machen. Er will sich die größten Fehlschläge der Geschichte zum Vorbild für seinen nächsten Raubfeldzug machen. Es beginnen die „Boner-Crimes“. (Hier ganz unschuldig ohne die obszöne Bedeutung, auch wenn das Cover dadurch eine interessane Zweideutigkeit bekommt …)

Zunächst raubt er einen Ozeandampfer aus, der auf Grund läuft, dann macht er sich über ein Schloss her, indem er einen Turm schräg stellt wie den schiefen Turm von Pisa. Spätestens hier fragt man sich, ob mal wieder nicht der Aufwand den Nutzen übersteigt … Der Joker lässt einen Komplizen aus dem Knast ausbüchsen, indem er eine Holz-Pistole einschmuggelt und einen Wärter damit narrt. Dann guckt sich der Joker den ältesten Trick der Welt ab, indem er sich in einem Trojanischen Pferd versteckt.

Aber der große Triumph ist erst vollzogen, wenn sein Erzfeind blamiert ist. Also verwirrt der Joker die Navigation des Batplanes und lässt Batman und Robin nach England fliegen statt nach Kalifornien. Die Geschichte macht die Runde, der Joker freut sich, dass Batmans Ruf dahin ist. Doch dann ist alles ganz anders als gedacht: Batman hat alles längst durchschaut – vor allem, wo Jokers Versteck ist. Tja, das war dann wohl ein Reinfall. Nicht der erste. Und auch nicht der letzte.

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Jokers Schnitzeljagd durch die Staaten

batman #8 1941

DC Comics

Titel: The Cross Country Crimes

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Batman #8), Paperback 2017 (Batman: The Golden Age Vol. 3), 2019 (The Joker: His Greatest Jokes)


Als es noch kein Batsignal gab, mussten Batman und Robin per Radio von den Behörden kontaktiert werden. Diesmal kommt eine Einladung aus Washington D.C.: Der Chef des FBI, G. Henry Mover (wer gemeint ist, dürfte klar sein), will das Dynamische Duo ehren – eine Anordnung des Präsident höchstselbst. Da die beiden gerade keine bösen Buben jagen, ziehen sie sich um und fahren los. In der Hauptstadt werden sie mit einer Parade begrüßt.

Doch kaum haben sie Mover die Hand geschüttelt, wird er angeschossen vom Joker. Das ganze Land ist in Aufruhr. 100.000 US-Dollar Belohnung für jeden, der ihn fasst – tot oder lebendig. Dann fordert der Joker Batman und Robin mit einer Radiodurchsage heraus. Als die beiden beim Sender eintreffen, finden sie eine Joker-Karte: „Guess where I am going now, Batman“, steht darauf. Es ist nicht schwer zu erraten, denn der Joker hat New Jersey darunter geschrieben und noch die Umrisse des Bundesstaates eingezeichnet. Allerdings ist das „New“ durchgestrichen …

Und so beginnt eine Schnitzeljagd. Das Dumme ist nur: New Jersey ist groß. Also wo anfangen? Bruce und Dick entspannen erstmal im Theater. Doch dann raubt der Joker auf der Bühne Juwelen. Er hat es nicht eilig, wartet sogar ab, bis Bruce und Dick sich umziehen und auf die Bühne schwingen. Aber er entkommt. Wieder lässt er eine Karte da: diesmal steht Ohio drauf. Dann geht die Reise nach Kansas und Delaware, wobei das D darin wieder durchgestrichen ist.

Batman erkennt des Rätsels Lösung: Zusammen bilden die Anfangsbuchstaben den Namen Joker – falls man am Ende Rhode Island hinzufügt. Und das ist auch der nächste Aufenthaltsort des Clowns.

Der Joker ist hier noch ein skrupelloser und gewiefter Schurke. Andere Gauner schaltet er mit vergifteten Zigarren aus, einen Bus lässt er mit einer falschen Straßenmarkierung in den Abgrund fahren. Es kommt zu spektakulären Verfolgungsjagden in den Gondeln einer Seilbahn und auch auf den Dächern fahrenden Autos. Der Joker narrt Batman und Robin mit einem Dummy, der ihm täuschend ähnlich sieht und unter Strom steht.

Das waren noch Zeiten, als der Joker noch ein ernstzunehmender Gegner war. In den 50ern sollte sich das ändern. Aber nach dem tieferen Sinn dieser Schnitzeljagd sollte man lieber nicht fragen. Und wie geht es eigentlich dem FBI-Chef? War wohl nur halb so wild …

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Batman und sein Wingman

Batman 65 1951

DC Comics

Titel: A Partner For Batman!

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1951 (Batman #65), Paperback 2009 (The Black Casebook)


Bei einem Einsatz bricht sich Robin das Bein. Für sechs Wochen kann er nicht mehr das Verbrechen bekämpfen. Doch Commissioner Gordon weiß Rat: Zusammen mit Batman castet er einen Stellvertreter aus Europa: Wingman heißt die rot-gelb kostümierte Gestalt. Ein Typ mit Flügeln und ohne Eigenschaften.

Robin sorgt sich, dass dieser Wingman ihn dauerhaft ersetzen könnte. Danach sieht es zunächst nicht aus, denn während seiner Ausbildung mit Batman erweist er sich Robin gegenüber als unterlegen. Doch als es dann gegen das Verbrechen geht, zeigt Wingman sein Talent – und schon ist die Rede davon, dass Robin überflüssig sein könnte.

Am Ende stellt sich alles nur als großes Missverständnis heraus. Eines, das Batman sogar selbst befördert hat, indem er mit Wingman die Kostüme getauscht hat. Davon hat sich selbst Robin täuschen lassen. Moral: Hätte er mal lieber Batman vertraut! Wer Wingman wirklich ist, bleibt allerdings offen. Ist auch egal. Am Ende diente das ganze Abenteuer nur dazu, dass sich Robin seiner Freundschaft zu Batman versichert.

>> Batman 1950-1959

Batman verliert sich selbst

Detective_Comics_190

DC Comics

Titel: How to Be the Batman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1952 (Detective Comics #190)


Batman und Robin werden zu einem seltsamen Fall gerufen: Ein Unternehmen wurde ausgeraubt und der Wachmann kann sich an nichts mehr erinnern – nicht mal mehr daran, wer er ist. Dahinter steckt Dr. Sampson, ein Psychologe auf Abwegen, der ein Amnesie-Gas entwickelt hat. Als er wieder zuschlägt, verliert Batman sein Gedächtnis. Daraufhin muss Robin ihm alles wieder mühsam beibringen.

Zuerst erklärt er ihm Batmobil, Batplane und Bathöhle, aber das sagt ihm alles nichts mehr. Die Erinnerung kehrt auch nicht zurück, als Robin ihm erzählt, was ihn zu Batman gemacht hat. Die Geschichte hat den Nebeneffekt, dass auch neue Leser eingeführt werden. Aber nebenbei wird diese umgeschrieben: Statt dass der Räuber beide von Bruce Waynes Eltern umbringt, feuert er hier nur noch eine Kugel ab, die den Vater trifft – und Martha stirbt daraufhin, weil sie ein schwaches Herz hat. Damit erscheint die Tragödie weniger grausam, denn bisher hat der Mörder Martha mit dem Schuss zum Schweigen bringen wollen.

Wieder sehen wir Bruce Wayne seinen Eid leisten, diesmal am Grab seiner Eltern, wieder sehen wir ihn im Labor heranreifen, wieder sehen wir ihn den jungen Dick Grayson trösten. Aber es nützt alles nichts: Robin muss Batman wieder lehren, was es heißt, Batman zu sein. Der Held stellt sich daraufhin im Einsatz tollpatschig an, selbst Gordon verliert das Vertrauen in ihn.

Dann entdeckt Batman, dass er bereits vor seiner Amnesie ein Gegenmittel entwickelt hat, doch als er es ausprobiert, scheint es nicht zu wirken. Beim nächsten Einsatz gegen den Schurken wird Batman gefangen genommen. Er bietet dem Gauner, der ihn bewacht, seinen Gürtel als Belohnung, wenn er ihn gehen lässt. Hier wird es dann albern: Obwohl der Gauner ihn nicht gehen lassen will, löst er ihm die Fesseln, damit Batman ihm den Gürtel geben kann. Das Resultat kann man sich denken. Batman ist wieder der Alte – denn die Wirkung des Gegenmittels hat erst spät eingesetzt.

>> Batman 1950-1959

Batman 1940: Detective Comics #38 – Robin

detective comics 38 robin

DC Comics

Titel: Introducing Robin, the Boy-Wonder

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #38), Paperback 2005/2016 (Batman Chronicles Vol. 1/Batman: The Golden Age Vol. 1)


Detective Comics #38 stellt einen Wendepunkt dar: Batman kämpft nicht mehr allein – und er lächelt. Am Ende von Batmans wildem Jahr, in dem er sich erst entwickelte, tritt an seine Seite eine bunte Erscheinung, die im völligen Kontrast zu ihm steht und ihn für 30 Jahre (und auch darüber hinaus) begleiten wird: Es ist der erste Auftritt von Robin, dem Wunderknaben.

Dick Graysons Eltern sterben

Dick Graysons Eltern sterben.

Seine Geschichte ist im Grunde eine neue Version von Batmans Entstehungsgeschichte: Der Zirkusjunge Dick Grayson sieht seine Eltern bei einer Trapeznummer sterben, nachdem ein Gangster die Seite sabotiert hat. Zirkusdirektor Haley hat sich geweigert, Schutzgeld an die Bande von Boss Zucco zu zahlen. Wieder sieht man ein Kind, das beide Eltern auf einmal verliert.

Batman trifft Dick Grayson

Batman trifft Dick Grayson.

Während Dick zur Polizei will, um den Mord zu melden, taucht Batman auf und hält ihn davon ab, denn in der Stadt herrscht Boss Zucco und Dick wäre innerhalb einer Stunde selbst tot. Der Polizei ist also nicht zu trauen, sie ist machtlos und dient nicht dem Gesetz. Es herrscht das Recht des Stärkeren. Kaum sind seine Eltern tot, wird der Junge erneut mit der harten Realität konfrontiert – ein weiterer Schritt in Richtung Erwachsenwerden.

Batman schwört Dick ein.

Batman schwört Dick ein.

Batman weiht den Jungen ein, einmal selbst in einer solchen Situation gewesen zu sein. Und nachdem Dick erklärt hat, keine Angst zu haben, wiederholt er schließlich Batmans Schwur, das Verbrechen (und die Korruption) zu bekämpfen. Wieder geschieht es bei Kerzenschein, wieder sehen wir einen Helden beim Training, allerdings geht es nur um die körperliche Fitness: Dick lernt Boxen und Jiu Jitsu, Bruce gibt zu, dass er selbst von Dick einiges lernen könnte. Entscheidend ist, dass Dick anders als damals Bruce dabei nicht allein ist.

Dick Grayson wird zu Robin

Dick Grayson wird zu Robin ausgebildet.

Am Ende steht der Junge im Gegensatz zu Batman in einem bunten Kostüm da: rot, gelb und grün. Er ist keine Fledermaus, sondern orientiert sich an einem Vogel, dem Rotkehlchen. Wie es zu dieser Kostümwahl kam, wird nicht erklärt. Obwohl Robin Batman bei seinen nächtlichen Streifzügen unterstützen soll, trägt er Farben, die nicht gerade hilfreich dabei sind, in der Dunkelheit zu verschwinden. Robin ist keine Kreatur der Nacht, er soll den Verbrechern keine Angst einjagen.

Mit dem Namen, den er von Robin Hood entlehnt hat, ist auch angedeutet, dass er sich an die Opfer richtet: Robin Hood nimmt von den Reichen, um es den Armen zu geben. Aber Robin ist keine Figur, der es um Umverteilung des Reichtums geht, sonst müsste er sich zuerst bei Bruce Wayne bedienen, sondern schlicht um Gerechtigkeit. Um Ausgleich. In dieser Geschichte ist es Batman, der von den Reichen stiehlt. Er mischt Zuccos Spielcasino auf, wirft Spieltische um und die Spieler holen sich so ihre Verluste wieder. Robin ermittelt zunächst undercover als Zeitungsjunge.

Zucco ist ein Schurke mit Charakter: Ein dicker, grobschlächtiger Boss mit Zigarre und der Macke, jeden Satz mit „see!“ beenden zu müssen. Batman macht seine Geschäfte zunichte, schickt ihm zum Gruß eine Fledermaus und lockt ihn auf eine Baustelle. Zwischen Stahlträgern kommt es zum Showdown. Robin wird spielend und lachend mit den Gangstern fertig. Er wirft einen um, den anderen knockt er mit einer Steinschleuder aus – wie David einst Goliath, der Kleine ist den Großen plötzlich überlegen, sie fallen um wie die Fliegen. Selbst als Robin einmal ausrutscht, schafft er es, sich schnell wieder aufzurappeln und einen Ganoven in die Tiefe zu stürzen. Dass zumindest dieser eine Mensch bei der Aktion sterben müsste, wird nicht problematisiert. Zwar hat Batman dem Töten abgeschworen, aber ganz sauber läuft es auch hier nicht, nur dass man keine Leichen sieht.

Robin kommt nicht dazu, sich bei Zucco selbst zu revanchieren. Es ist Batman, der ihn überwältigt, ebenso wie den Handlanger, der die Graysons auf dem Gewissen hat. Der Schurke unterschreibt ein Geständnis, Zucco rächt sich, indem er ihn hinunter schubst. Statt den anderen zu retten, macht Robin nur ein Foto von dem Mord, um einen Beweis gegen Zucco zu haben – und damit übt er eine doppelte indirekte Vergeltung für den Mord an seinen Eltern. Zucco, so verheißt ihm Batman, erwartet der elektrische Stuhl.

Am Ende fragt Bruce Dick, ob er wieder in den Zirkus zurückkehren wolle, jetzt, da seine Eltern gerächt seien. Nein, sagt er, er wolle weiter das Verbrechen bekämpfen – seine Eltern hätten es so gewollt. Bruce hat nichts dagegen. Und Dick kann das nächste Abenteuer kaum erwarten. Von Adoption ist noch nicht die Rede. Und auch nicht von Gefahr, Verantwortung und Aufsichtspflicht.

Als Figur ergibt Robin auf den ersten Blick keinen Sinn. Doch Robin ist – ähnlich wie Superman – ein buntes Pendant zu Batman. Und als solcher ergänzt er ihn nicht nur, sondern wandelt ihn auch vom grimmigen Rächer zu einem Menschen, der lachen kann. Bereits auf dem Cover sieht man Batman strahlen, auf der ersten Seite wird das Bild wiederholt. Robin bringt Batman das Lachen bei. Das Kind bringt ihm ein Stück verlorene Kindheit wieder. Obwohl beide das gleiche Unglück teilen, ist Robin dank Batman der Optimist. Er ist nicht allein, Bruce Wayne nimmt ihn auf und unterstützt ihn, er gibt ihm einen neuen Sinn im Leben, bewahrt ihn sogar vor größerem Unglück. An Dick Grayson kann Bruce all das wiedergutmachen, was er selbst nicht hatte.

Robin ist eine Identifikationsfigur für junge Leser. Dank ihm wird Batman menschlicher und zugänglicher, er hat, wie Bill Finger einst erklärt hat, jemanden zum reden. Danach wendet Batman nur noch einmal tödliche Gewalt an (in Batman #1), allerdings kämpft er darin allein, weil die Story noch ein Überbleibsel aus der Zeit vor Robin ist. Aus erwachsener Sicht bleibt Robin ein fragwürdiges Konzept. Dass ein Vigilant, der sich nachts in Lebensgefahr begibt, um auf eigene Faust das Verbrechen zu bekämpfen, ein Kind auf seinen Kreuzzug mitnimmt, ist höchst unverantwortlich. Bruce Wayne macht sich der Kindesgefährdung schuldig. Dass selbst die Polizei das akzeptiert und die beiden sich als Dynamisches Duo etablieren, ist wohl der unglaubwürdigste Aspekt.

Aber Superheldencomics gehorchen einer eigenen Logik. Und so bleibt Dick Grayson für 30 Jahre Batmans treuer Begleiter, auch im Verbund mit Superman und anderen Helden. 1983 wird Jason Todd als Nachfolger eingeführt (1987 noch einmal in einer neuen Version), und 1988 trifft die schlimmste Befürchtung ein: Der Joker tötet Robin. Batman ist am Boden zerstört. Trotzdem lässt Nachfolger Tim Drake nicht lange auf sich warten. Und als auch der sich von ihm emanzipiert hat und Jason Todd als Red Hood von den Toten auferstanden ist, wird Bruce Waynes eigener Sohn Damian zum vierten Robin, nur um ebenfalls (wenn auch nur temporär) zu sterben. Doch auch dieser Vorfall kann nichts daran ändern, dass Batman immer wieder auch mit einem Robin und anderen minderjährigen Helfern zusammenarbeitet.

>> Batman 1939-1949
>> Liste der Robin-Comics

Batman 1940: Detective Comics #37

Titel: The Spies

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Detective Comics #37), Paperback 2005/2016 (Batman Chronicles Vol. 1/Batman: The Golden Age Vol. 1)


Batman hat sich verfahren. Wir wissen nicht, warum er außerhalb von Gotham auf einer einsamen Nebenstraße unterwegs ist, aber wir erfahren, dass er sich nicht zu schade ist, aus seinem schwarz-blauen Auto (noch nicht das Batmobil) auszusteigen und in einem Haus nach dem Weg zu fragen. Im Handschuhfach steckt offenbar keine Karte.

Als er einen Schrei hört, tritt er ein und sieht, wie drei Ganoven einen gefesselten Mann mit einem heißen Eisen foltern. Er soll ihnen verraten, wem er Informationen verkauft hat. Batman interveniert, schlägt die Bande zusammen. Doch kaum hat er das Opfer befreit, revanchiert sich der Mann, indem er Batman bewusstlos schlägt. Schon wieder auf den Hinterkopf! Wie schon in Detective Comics #32, 33, 35 und 36. Der Superdetektiv und Meisterathlet scheint, was das angeht, schwer von Begriff zu sein.

Batman wird ausgeknockt.

Immer wieder von hinten: Batman wird ausgeknockt.

Es ist aber nicht das letzte Mal, dass er sich in dieser Geschichte übertölpeln lässt, aber dazu später mehr. Batman stellt fest, dass der Mann seine Peiniger ermordet hat. Später geht Batman „undercover“ als Bruce Wayne in einem dubiosen Laden einkaufen, um Hinweise zu sammeln, aber kurz darauf als Batman wiederzukommen und zu sagen „I’m not buying anything this time“ ist vielleicht keine so gute Idee, wenn man eine Geheimidentität zu wahren hat.

Batmans Nachtsichtbrille

Batmans Nachtsichtbrille

Wie auch immer: Batman findet die Gauner. Als sie auf ihn schießen wollen, schaltet er das Licht aus, und während die Bösen ihn suchen, setzt sich Batman eine Nachtsichtbrille auf. Es wird nicht klar, was das soll, denn Batman zieht bald wieder von dannen. Der Anführer der Bande ermordet einen seiner Kompliten, weil er ihn für einen Verräter hält. Kaum sind sie weg, sehen wir, dass Batman sich nur versteckt hat. Der Held lobt sich selbst für seine Gerissenheit, aber vielleicht wäre es eine noch bessere Idee gewesen, den Mord zu verhindern? Egal. Der Sterbende gibt ihm den entscheidenden Hinweis: Die Gauner sind Spione, die ein ausländisches Schiff hochjagen wollen, um eine internationale Krise auszulösen.

Batman in Detective Comics 37

Erschlagen von einem Sack

Batman düst zum Hafen. Dort bekommt er erstmal einen Sack auf den Kopf geworfen. Wieder fällt er ohnmächtig zu Boden. Die Spione stecken ihn in den Sack und werfen ihn ins Wasser. Aber Batman kommt wieder zu sich und kann sich dank eines Messers im Gürtel befreien und den Anschlag auf das Schiff verhindern. Batman sagt dabei so coole Sachen wie „Come on, suckers!“ und auch so uncoole, aber auch drollige wie „Feet, run like you’ve never run before!“

Batman befreit sich mit einem Messer

Batman befreit sich mit einem Messer

Im Finale stellt Batman den Drahtzieher: Count Grutt. Der Adelige wirft ein Schwer nach ihm, Batman reißt eine Tür auf, das Schwert dringt in das Holz, Batman schlägt ihm ins Gesicht und der Graf fällt nach hinten in die Klinge, die aus der Tür heraussteht. Der Ablauf ist nicht nur sehr unwahrscheinlich, er ignoriert auch alle Gesetze der Physik. Außerdem: Warum sollte der Graf in die Tür fallen, wenn er zunächst mit dem Gesicht zu ihr steht? Es sei denn, Batman hat den Schlag mit Absicht so ausgeführt, dass er tödlich ausgeht …

Am Ende scheint es fast so, denn Batman ist zufrieden: Gut, dass der Graf tot ist, denn er hätte sonst Tausende in den sicheren Tod auf dem Schlachtfeld geschickt, sagt er im Selbstgespräch. Eine seltsame Einstellung. Vor allem wenn man bedenkt, dass die USA ein Jahr später doch in den Krieg ziehen – ganz ohne Provokation durch Spione. Jedenfalls hat Batman damit noch ein Menschenleben auf dem Gewissen. Der Tod ist ein alter Vertrauter. Reue kennt Batman nicht.

>> Batman 1939-1940

Batman 1940: Detective Comics #35

Titel: The Case of the Ruby Idol

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Detective Comics #35), Paperback 2005/2016 (Batman Chronicles Vol. 1/Batman: The Golden Age Vol. 1)


Mit dieser Ausgabe kehrt nicht nur Bill Finger als Autor zurück, auch Batman ist wieder auf dem Cover. Aber Moment mal: Erinnert der Schurke auf dem Bild nicht an den aus dem letzten Heft? Genau. Hier findet eine kuriose Verschiebung statt. Erst das nächste Cover von Ausgabe 36 wird eher zu diesem Heft passen. Auf Seite eins sehen wir Batman, wie am Ende von Detective Comics #33, mit einer rauchenden Pistole. Auch das hat nichts mit der Handlung zu tun, denn hier wird zwar auf Batman geschossen, aber er selbst hat und benutzt keine Waffe.

Es beginnt mal wieder wie im allerersten Abenteuer: Bruce Wayne hängt mal wieder bei Commissioner Gordon ab. Gordon klagt ihm sein Leid mit der Fledermaus: „I tell you, Bruce, if I ever catch the Batman!“ Doch da kommt ein Kuriositätensammler Weldon hereingeplatzt und erzählt, dass er von einem Mann namens Sheldon Lenox eine Rubin-Statue gekauft habe und seitdem sein Leben von einem „Kila“-Kult bedroht werde, wenn er die Statue nicht zurückgebe.

Bruce und Gordon sehen, wie Lenox von einer Bande „Hindus“ entführt und ermordet wird. Gordon kann es nicht verhindern, weil sein Reifen plattgeschossen wird. Einige Wochen lang steht Lenox unter Polizeischutz, dann verzichtet er auf die Hilfe. Doch da Bruce vermutet, dass sein Leben immer noch in Gefahr sein könnte, kreuzt er als Batman auf. Er überwältigt zwei Diebe, doch als die Hindus wieder auftauchen, kriegt er einen Schlag auf den Kopf und bleibt allein zurück.

Batman gegen die Polizei

Batman gegen die Polizei

Die Polizei rückt vor, muss Batman erstmals einen Beamten schlagen, um zu entkommen. Batman fährt diesmal ein neues Auto, ein blaues, das viel besse zu ihm passt. In Chinatown wird er zu dem Kuriositätenhändler Sin Fang geleitet, der behauptet, die Rubin-Statue zu haben und sie natürlich zurückgeben wolle, wenn es sich um Diebesgut handle.

Mongole am Spieß

Mongole am Spieß

Dann wird es seltsam. Auf dem Weg zur Statue rennen plötzlich zwei Wachen (Mongolen) mit Schwertern auf Batman zu. Batman wehrt sich, einer wird vom anderen unabsichtlich aufgespießt. Sin Fang lässt das ziemlich kalt, er entschuldigt sich für das Versehen. Dann fällt eine Tür zu und es strömt Senfgas aus den Leitungen, Batman kann mit einer eigenen Gaskapsel das tödliche Gas neutralisieren. Wieder soll das nur ein Versehen sein. Schließlich öffnet Sin Fang eine Falltür, Batman stürzt hinein, kann sich aber an einem Wasserrohr hinaufschwingen.

Batman in der Falle

Batman in der Falle

Sin Fang stellt sich als Lenox heraus, der seinen Tod bloß vorgetäuscht hat. Der Grund dafür erschließt sich nicht ganz: Er habe das alles nur inszeniert, um an Geld zu kommen. Dabei hatte er doch die Statue bereits verkauft? Offenbar wollte er zweimal Geld machen, indem er sie stahl und noch einmal verkaufte? Ist auch nicht so wichtig: Lenox schießt nach Batman, verfehlt, Batman schnappt sich die Statue, wirft sie Lenox an den Kopf und der stürzt aus dem Fenster in den Tod.

Tod durch Rubin: Batman wehrt sich

Tod durch Rubin: Batman wehrt sich

Wieder eine Leiche mehr auf Batmans Liste. Wieder kann man sagen, es war Notwehr. Aber: Eine Pistole benutzt er hier nicht. Noch können sich die Autoren nicht entscheiden, wie sie Batman handeln lassen sollen, aber da er nie direkt auf Menschen, sondern bisher nur auf zwei Vampire geschossen hat, scheinen sowohl Bill Finger als auch Gardner Fox Skrupel zu haben, ihn, wie Bob Kane ihn gern zeichnet, Pistolen benutzen zu lassen. Batman steht über solchen „unzivilisierten“ Waffen.

>> Batman 1939-1949