Bill Finger

Batman gegen Thor

Titel: The Hammer of Thor/The Second Life of Batman/Batman’s Super-Partner

Autor/Zeichner: Bill Finger, Jerry Coleman/Sheldon Moldoff, Dick Sprang

Erschienen: 1959 (Batman #127)


Die Batman-Hefte der 50er waren wahre Wundertüten: Sie enthielten drei Geschichten und manchmal waren sogar alle ganz interessant. So wie in Ausgabe 127, denn darin trifft Batman auf den nordischen Donnergott Thor – und zwar drei Jahre bevor Jack Kirby diese Figur für Marvel Comics erschafft (allerdings hat Kirby bereits 1957 eine Thor-Version bereits für DC geschrieben, in Tales of the Unexpected #16, aber das nur am Rande).

Als es in Gotham gewittert, stoßen Batman und Robin auf einen Typen mit geflügeltem Helm, der mit einem bumerangartigen Hammer eine Bank aufbricht. Das Dynamische Duo will ihn aufhalten, aber kommt nicht gegen ihn an. Thor verschwindet mit der Beute. Batman und Robin treffen auf Henry Meke, den Betreiber eines privaten Kuriositätenmuseums, dem kürzlich eine Nachbildung von Thors Hammer gestohlen wurde.

Kurz darauf schlägt Thor wieder zu, hält zwei Bankräuber auf, um selbst fette Beute zu machen – mit dem Geld will er Vater Odin einen Tempel bauen. Wieder besiegt sie der Gott mit seinem Hammer. Danach erinnert sich Meke plötzlich: Eines Tages hat ein Meteorit den Hammer getroffen und ihn in Thor verwandelt. Als er beim nächsten Gewitter wieder zum Gott mutiert, wirft er den Hammer nach Batman, der duckt sich weg, der Hammer trifft einen Stromkasten, verliert seine Macht und Meke wird wieder normal.

In der zweiten Story, „The Second Life of Batman“, geht Bruce Wayne der Frage nach: Was wäre, wenn seine Eltern nicht ermordet worden wären? Dazu lässt er sich von einem Wissenschaftler eine alternative Welt simulieren, in der er zwar ein guter Athlet ist, aber sonst nur sein Leben genießt. Bei einem Kostümfeier mit dem Thema „Flying Creatures“ (die in Wahrheit Thomas Wayne abgehalten hat), taucht Bruce als Superman auf. Doch ein ungebetener Gast verkleidet sich als „Blue Bat“ (der aussieht wie Batman) und verlangt alles Geld von den Gästen. Zum Glück taucht der echte Superman auf und auch Bruce macht sich nützlich so gut er kann, um die Gauner aufzuahlten.

Doch Blue Bat entkommt, schlägt später Bruce und droht ihm mit noch mehr Prügeln, sollte Bruce nicht von ihm ablassen. Aber Bruce denkt nicht dran. Mit guter alter Detektivarbeit spürt er Blue Bats Geheimversteck auf, zieht dessen Ersatzkostüm an, lockt die Polizei zum nächsten Tatort und überwältigt den Schurken.

Kurz darauf ist der Entschluss gefasst: Er widmet sein Leben dem Kampf gegen das Verbrechen. Das Kostüm behält er, um es zu einem Symbol für Gerechtigkeit umzuwidmen. Nachdem die Simulation beendet ist, kommt Bruce zu dem Schluss, dass er auch unter anderen Umständen dasselbe Leben für sich gewählt hätte. „There’d always be a Batman!“

In der dritten Story bekommen Batman und Robin beim Kampf gegen den Joker Unterstützung von einem neuen Helden: the Eagle, einem Unbekannten in einem Adlerkostüm. Dahinter verbirgt sich Alfred, der durch Zufall Superkräfte bekommen hat. Aber zum Glück nur vorübergehend, denn als Alfred helfen will, geht eigentlich alles nur schief …

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Batman und sein Wingman

Batman 65 1951

DC Comics

Titel: A Partner For Batman!

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1951 (Batman #65), Paperback 2009 (The Black Casebook)


Bei einem Einsatz bricht sich Robin das Bein. Für sechs Wochen kann er nicht mehr das Verbrechen bekämpfen. Doch Commissioner Gordon weiß Rat: Zusammen mit Batman castet er einen Stellvertreter aus Europa: Wingman heißt die rot-gelb kostümierte Gestalt. Ein Typ mit Flügeln und ohne Eigenschaften.

Robin sorgt sich, dass dieser Wingman ihn dauerhaft ersetzen könnte. Danach sieht es zunächst nicht aus, denn während seiner Ausbildung mit Batman erweist er sich Robin gegenüber als unterlegen. Doch als es dann gegen das Verbrechen geht, zeigt Wingman sein Talent – und schon ist die Rede davon, dass Robin überflüssig sein könnte.

Am Ende stellt sich alles nur als großes Missverständnis heraus. Eines, das Batman sogar selbst befördert hat, indem er mit Wingman die Kostüme getauscht hat. Davon hat sich selbst Robin täuschen lassen. Moral: Hätte er mal lieber Batman vertraut! Wer Wingman wirklich ist, bleibt allerdings offen. Ist auch egal. Am Ende diente das ganze Abenteuer nur dazu, dass sich Robin seiner Freundschaft zu Batman versichert.

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Batman trifft Fatman

Batman meets Fatman

Batman meets Fatman (Batman #113, DC Comics)

Titel: Batman Meets Fatman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1958 (Batman #113)


Er ist übergewichtig, tollpatschig, er schwingt einen übergroßen Batarang und trägt einen übergroßen Gürtel, in dem er allerlei überflüssiges Zeug aufbewahrt. Das ist Fatman. Keine billige Kopie von Batman, sondern ein Zirkusclown, der mit seinem Auftritt ein großes Publikum zum Lachen bringt.

Aber Fatman will mehr sein als ein Clown. Er will mehr sein wie sein Vorbild, er will Verbrechen bekämpfen und im Batmobil mitfahren. Na gut, Batman lässt ihn. Sie passen sogar mit Robin ins Auto. Doch kaum fahren sie los, treiben schon wieder Verbrecher ihr Unwesen. Batman und Robin legen sich mit ihnen an, sie werden überwältigt und festgenommen. (Wo ist eigentlich die Polizei, wenn man sie braucht?)

Da kommt Fatman ins Spiel. Er versucht, sie zu befreien, aber er stolpert, verheddert sich – und schließlich wirft er einen Hammer, mit dem er Batman und Robin befreit. Es war alles nur Show. Am Ende macht sich sogar sein dicker Bauch nützlich, um den letzten Gauner von der Flucht abzuhalten. Fatman hat, was er wollte: Einmal ein Held wie Batman …

Notiz am Rande: Regisseur und (Batman-)Autor Kevin Smith (Cacophony, The Widening Gyre) nennt seinen Podcast „Fatman on Batman“

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Batman zweifelt an seinem Verstand

Titel: Am I Really Batman?

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1957 (Batman #112), Paperback 2009 (The Black Casebook)


Batman wacht in einer Gummizelle auf. Er kann sich nicht erinnern, wie er reingekommen ist. Als er dem Pfleger sagt, er sei Batman, lacht der ihn nur aus – er sei einer von vielen Verrückten, die sich für jemand anderes halten. Aber Batman ist sich seiner sicher. Da zeigt ihm ein Arzt den echten Batman im Fernsehen. Batman hält das für Schwindel, er haut ab, flieht vor der Polizei.

Als er in Wayne Manor ankommt, begrüßt ihn ein verwirrter Alfred. Dick Grayson erkennt ihn nicht mehr, die Bathöhle ist verschwunden. Niemand scheint zu verstehen, wovon er redet. Da taucht auch noch ein Bruce Wayne auf, der sich ebenfalls für das Original, aber nicht für Batman hält.

Batman haut ab, versteckt sich, er ist voller Selbstzweifel: Verliert er wirklich den Verstand? Um sich seiner selbst zu versichern, nimmt er ein paar Einbrecher fest. Dann sieht er Batman und Robin, versteckt sich im Kofferraum des Batmobils und lässt sich in die Bathöhle bringen. Da stellt er fest, dass in Wayne Manor alles nur Show war.

Bruce Wayne war in Wahrheit nur Alfred in Maske und Verkleidung, Dick hat nur so getan, als ob er Batman nicht erkenne – aber alles nur zu Batmans Bestem. Der Schurke Professor Milo hat Batman einem Gas ausgesetzt, das einem den Lebenstrieb nimmt, bis man stirbt. Um dem zu entgehen, haben sich Robin, Alfred und Gordon eine Strategie überlegt, wie sie Batmans Lebenstrieb erhalten können. Daher die ganze Inszenierung …

Die Geschichte hat einige spätere Autoren beeinflusst: In ähnlicher Form wird die Idee 1991 in der Story „Identity Crisis“ aufgegriffen und ein Jahr später in der Batman: The Animated Series-Episode „Perchance to Dream“ adaptiert. Batman in der Nervenheilanstalt ist auch ein Motiv in „The Last Arkham“ und der BTAS-Episode „Dreams in Darkness„.

Batman wird Starman

Titel: The Man Who Ended Batman’s Career

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1957 (Detective Comics #247), Paperback 2009 (The Black Casebook)


Über dem Polizeihauptquartier leuchtet ein neues Zeichen am Nachthimmel: ein Stern statt einer Fledermaus! Kurz darauf kommt ein sternförmiges Flugzeug hergeflogen und es springen Robin und Starman heraus, um ein paar Gauner dingfest zu machen. Starman trägt ein gelb-rotes Kostüm und wirft Star-Darts. Aber wer ist das? Jedenfalls nicht der Starman aus dem Golden Age (Ted Knight). Und was ist mit Batman?

Der hat seine Karriere aufgegeben. Der böse Wissenschaftler Professor Milo hat Batman mit einer künstlichen Angst vor Fledermäusen infiziert, um ihn auszuschalten. Seitdem fürchtet sich Bruce Wayne vor allem, was die Form von Fledermäusen hat. Er traut sich nicht mal, ins Batmobil zu steigen und kann keine Batarangs mehr werfen. Einmal erschreckt ihn ein Gauner mit einer echten Fledermaus so sehr, dass er vom Dach fällt und von Robin gerettet werden muss.

Also wird Batman kurzerhand zu Starman. Offenbar ist es weniger ein Problem, in kürzester Zeit einen fliegenden Stern zu bauen, als sich von der Krankheit heilen zu lassen. Doch da früher oder später auffliegen wird, dass Starman bloß Batman ist, fesselt Robin Bruce an einem Stuhl und zeigt ihm anhand seiner Taten als Batman, dass er nichts zu befürchten habe – die Fledermaus hilft ihm sogar.

So geheilt täuscht Bruce als Starman die Gauner, die einen fliegenden Bat-Ballon auf ihn losschicken und auch Professor Milo kann mit dem Fledermaus-Symbol nichts mehr gegen ihn ausrichten. Als er es ihm hinhält, schlägt der Held die Faust hindurch und ihm ins Gesicht. Batman hat die Fledermaus wieder. Bemerkenswert ist, dass die Fledermaus ursprünglich die Schurken das Fürchten lehren sollte, hier aber gegen Batman gewendet wird.

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Batman verliert sich selbst

Detective_Comics_190

DC Comics

Titel: How to Be the Batman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1952 (Detective Comics #190)


Batman und Robin werden zu einem seltsamen Fall gerufen: Ein Unternehmen wurde ausgeraubt und der Wachmann kann sich an nichts mehr erinnern – nicht mal mehr daran, wer er ist. Dahinter steckt Dr. Sampson, ein Psychologe auf Abwegen, der ein Amnesie-Gas entwickelt hat. Als er wieder zuschlägt, verliert Batman sein Gedächtnis. Daraufhin muss Robin ihm alles wieder mühsam beibringen.

Zuerst erklärt er ihm Batmobil, Batplane und Bathöhle, aber das sagt ihm alles nichts mehr. Die Erinnerung kehrt auch nicht zurück, als Robin ihm erzählt, was ihn zu Batman gemacht hat. Die Geschichte hat den Nebeneffekt, dass auch neue Leser eingeführt werden. Aber nebenbei wird diese umgeschrieben: Statt dass der Räuber beide von Bruce Waynes Eltern umbringt, feuert er hier nur noch eine Kugel ab, die den Vater trifft – und Martha stirbt daraufhin, weil sie ein schwaches Herz hat. Damit erscheint die Tragödie weniger grausam, denn bisher hat der Mörder Martha mit dem Schuss zum Schweigen bringen wollen.

Wieder sehen wir Bruce Wayne seinen Eid leisten, diesmal am Grab seiner Eltern, wieder sehen wir ihn im Labor heranreifen, wieder sehen wir ihn den jungen Dick Grayson trösten. Aber es nützt alles nichts: Robin muss Batman wieder lehren, was es heißt, Batman zu sein. Der Held stellt sich daraufhin im Einsatz tollpatschig an, selbst Gordon verliert das Vertrauen in ihn.

Dann entdeckt Batman, dass er bereits vor seiner Amnesie ein Gegenmittel entwickelt hat, doch als er es ausprobiert, scheint es nicht zu wirken. Beim nächsten Einsatz gegen den Schurken wird Batman gefangen genommen. Er bietet dem Gauner, der ihn bewacht, seinen Gürtel als Belohnung, wenn er ihn gehen lässt. Hier wird es dann albern: Obwohl der Gauner ihn nicht gehen lassen will, löst er ihm die Fesseln, damit Batman ihm den Gürtel geben kann. Das Resultat kann man sich denken. Batman ist wieder der Alte – denn die Wirkung des Gegenmittels hat erst spät eingesetzt.

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Batman 1940: Detective Comics #38 – Robin

detective comics 38 robin

DC Comics

Titel: Introducing Robin, the Boy-Wonder

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #38), Paperback 2005/2016 (Batman Chronicles Vol. 1/Batman: The Golden Age Vol. 1)


Detective Comics #38 stellt einen Wendepunkt dar: Batman kämpft nicht mehr allein – und er lächelt. Am Ende von Batmans wildem Jahr, in dem er sich erst entwickelte, tritt an seine Seite eine bunte Erscheinung, die im völligen Kontrast zu ihm steht und ihn für 30 Jahre (und auch darüber hinaus) begleiten wird: Es ist der erste Auftritt von Robin, dem Wunderknaben.

Dick Graysons Eltern sterben

Dick Graysons Eltern sterben.

Seine Geschichte ist im Grunde eine neue Version von Batmans Entstehungsgeschichte: Der Zirkusjunge Dick Grayson sieht seine Eltern bei einer Trapeznummer sterben, nachdem ein Gangster die Seite sabotiert hat. Zirkusdirektor Haley hat sich geweigert, Schutzgeld an die Bande von Boss Zucco zu zahlen. Wieder sieht man ein Kind, das beide Eltern auf einmal verliert.

Batman trifft Dick Grayson

Batman trifft Dick Grayson.

Während Dick zur Polizei will, um den Mord zu melden, taucht Batman auf und hält ihn davon ab, denn in der Stadt herrscht Boss Zucco und Dick wäre innerhalb einer Stunde selbst tot. Der Polizei ist also nicht zu trauen, sie ist machtlos und dient nicht dem Gesetz. Es herrscht das Recht des Stärkeren. Kaum sind seine Eltern tot, wird der Junge erneut mit der harten Realität konfrontiert – ein weiterer Schritt in Richtung Erwachsenwerden.

Batman schwört Dick ein.

Batman schwört Dick ein.

Batman weiht den Jungen ein, einmal selbst in einer solchen Situation gewesen zu sein. Und nachdem Dick erklärt hat, keine Angst zu haben, wiederholt er schließlich Batmans Schwur, das Verbrechen (und die Korruption) zu bekämpfen. Wieder geschieht es bei Kerzenschein, wieder sehen wir einen Helden beim Training, allerdings geht es nur um die körperliche Fitness: Dick lernt Boxen und Jiu Jitsu, Bruce gibt zu, dass er selbst von Dick einiges lernen könnte. Entscheidend ist, dass Dick anders als damals Bruce dabei nicht allein ist.

Dick Grayson wird zu Robin

Dick Grayson wird zu Robin ausgebildet.

Am Ende steht der Junge im Gegensatz zu Batman in einem bunten Kostüm da: rot, gelb und grün. Er ist keine Fledermaus, sondern orientiert sich an einem Vogel, dem Rotkehlchen. Wie es zu dieser Kostümwahl kam, wird nicht erklärt. Obwohl Robin Batman bei seinen nächtlichen Streifzügen unterstützen soll, trägt er Farben, die nicht gerade hilfreich dabei sind, in der Dunkelheit zu verschwinden. Robin ist keine Kreatur der Nacht, er soll den Verbrechern keine Angst einjagen.

Mit dem Namen, den er von Robin Hood entlehnt hat, ist auch angedeutet, dass er sich an die Opfer richtet: Robin Hood nimmt von den Reichen, um es den Armen zu geben. Aber Robin ist keine Figur, der es um Umverteilung des Reichtums geht, sonst müsste er sich zuerst bei Bruce Wayne bedienen, sondern schlicht um Gerechtigkeit. Um Ausgleich. In dieser Geschichte ist es Batman, der von den Reichen stiehlt. Er mischt Zuccos Spielcasino auf, wirft Spieltische um und die Spieler holen sich so ihre Verluste wieder. Robin ermittelt zunächst undercover als Zeitungsjunge.

Zucco ist ein Schurke mit Charakter: Ein dicker, grobschlächtiger Boss mit Zigarre und der Macke, jeden Satz mit „see!“ beenden zu müssen. Batman macht seine Geschäfte zunichte, schickt ihm zum Gruß eine Fledermaus und lockt ihn auf eine Baustelle. Zwischen Stahlträgern kommt es zum Showdown. Robin wird spielend und lachend mit den Gangstern fertig. Er wirft einen um, den anderen knockt er mit einer Steinschleuder aus – wie David einst Goliath, der Kleine ist den Großen plötzlich überlegen, sie fallen um wie die Fliegen. Selbst als Robin einmal ausrutscht, schafft er es, sich schnell wieder aufzurappeln und einen Ganoven in die Tiefe zu stürzen. Dass zumindest dieser eine Mensch bei der Aktion sterben müsste, wird nicht problematisiert. Zwar hat Batman dem Töten abgeschworen, aber ganz sauber läuft es auch hier nicht, nur dass man keine Leichen sieht.

Robin kommt nicht dazu, sich bei Zucco selbst zu revanchieren. Es ist Batman, der ihn überwältigt, ebenso wie den Handlanger, der die Graysons auf dem Gewissen hat. Der Schurke unterschreibt ein Geständnis, Zucco rächt sich, indem er ihn hinunter schubst. Statt den anderen zu retten, macht Robin nur ein Foto von dem Mord, um einen Beweis gegen Zucco zu haben – und damit übt er eine doppelte indirekte Vergeltung für den Mord an seinen Eltern. Zucco, so verheißt ihm Batman, erwartet der elektrische Stuhl.

Am Ende fragt Bruce Dick, ob er wieder in den Zirkus zurückkehren wolle, jetzt, da seine Eltern gerächt seien. Nein, sagt er, er wolle weiter das Verbrechen bekämpfen – seine Eltern hätten es so gewollt. Bruce hat nichts dagegen. Und Dick kann das nächste Abenteuer kaum erwarten. Von Adoption ist noch nicht die Rede. Und auch nicht von Gefahr, Verantwortung und Aufsichtspflicht.

Als Figur ergibt Robin auf den ersten Blick keinen Sinn. Doch Robin ist – ähnlich wie Superman – ein buntes Pendant zu Batman. Und als solcher ergänzt er ihn nicht nur, sondern wandelt ihn auch vom grimmigen Rächer zu einem Menschen, der lachen kann. Bereits auf dem Cover sieht man Batman strahlen, auf der ersten Seite wird das Bild wiederholt. Robin bringt Batman das Lachen bei. Das Kind bringt ihm ein Stück verlorene Kindheit wieder. Obwohl beide das gleiche Unglück teilen, ist Robin dank Batman der Optimist. Er ist nicht allein, Bruce Wayne nimmt ihn auf und unterstützt ihn, er gibt ihm einen neuen Sinn im Leben, bewahrt ihn sogar vor größerem Unglück. An Dick Grayson kann Bruce all das wiedergutmachen, was er selbst nicht hatte.

Robin ist eine Identifikationsfigur für junge Leser. Dank ihm wird Batman menschlicher und zugänglicher, er hat, wie Bill Finger einst erklärt hat, jemanden zum reden. Danach wendet Batman nur noch einmal tödliche Gewalt an (in Batman #1), allerdings kämpft er darin allein, weil die Story noch ein Überbleibsel aus der Zeit vor Robin ist. Aus erwachsener Sicht bleibt Robin ein fragwürdiges Konzept. Dass ein Vigilant, der sich nachts in Lebensgefahr begibt, um auf eigene Faust das Verbrechen zu bekämpfen, ein Kind auf seinen Kreuzzug mitnimmt, ist höchst unverantwortlich. Bruce Wayne macht sich der Kindesgefährdung schuldig. Dass selbst die Polizei das akzeptiert und die beiden sich als Dynamisches Duo etablieren, ist wohl der unglaubwürdigste Aspekt.

Aber Superheldencomics gehorchen einer eigenen Logik. Und so bleibt Dick Grayson für 30 Jahre Batmans treuer Begleiter, auch im Verbund mit Superman und anderen Helden. 1983 wird Jason Todd als Nachfolger eingeführt (1987 noch einmal in einer neuen Version), und 1988 trifft die schlimmste Befürchtung ein: Der Joker tötet Robin. Batman ist am Boden zerstört. Trotzdem lässt Nachfolger Tim Drake nicht lange auf sich warten. Und als auch der sich von ihm emanzipiert hat und Jason Todd als Red Hood von den Toten auferstanden ist, wird Bruce Waynes eigener Sohn Damian zum vierten Robin, nur um ebenfalls (wenn auch nur temporär) zu sterben. Doch auch dieser Vorfall kann nichts daran ändern, dass Batman immer wieder auch mit einem Robin und anderen minderjährigen Helfern zusammenarbeitet.

>> Batman 1939-1949
>> Liste der Robin-Comics

Batman 1940: Detective Comics #37

Titel: The Spies

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Detective Comics #37), Paperback 2005/2016 (Batman Chronicles Vol. 1/Batman: The Golden Age Vol. 1)


Batman hat sich verfahren. Wir wissen nicht, warum er außerhalb von Gotham auf einer einsamen Nebenstraße unterwegs ist, aber wir erfahren, dass er sich nicht zu schade ist, aus seinem schwarz-blauen Auto (noch nicht das Batmobil) auszusteigen und in einem Haus nach dem Weg zu fragen. Im Handschuhfach steckt offenbar keine Karte.

Als er einen Schrei hört, tritt er ein und sieht, wie drei Ganoven einen gefesselten Mann mit einem heißen Eisen foltern. Er soll ihnen verraten, wem er Informationen verkauft hat. Batman interveniert, schlägt die Bande zusammen. Doch kaum hat er das Opfer befreit, revanchiert sich der Mann, indem er Batman bewusstlos schlägt. Schon wieder auf den Hinterkopf! Wie schon in Detective Comics #32, 33, 35 und 36. Der Superdetektiv und Meisterathlet scheint, was das angeht, schwer von Begriff zu sein.

Batman wird ausgeknockt.

Immer wieder von hinten: Batman wird ausgeknockt.

Es ist aber nicht das letzte Mal, dass er sich in dieser Geschichte übertölpeln lässt, aber dazu später mehr. Batman stellt fest, dass der Mann seine Peiniger ermordet hat. Später geht Batman „undercover“ als Bruce Wayne in einem dubiosen Laden einkaufen, um Hinweise zu sammeln, aber kurz darauf als Batman wiederzukommen und zu sagen „I’m not buying anything this time“ ist vielleicht keine so gute Idee, wenn man eine Geheimidentität zu wahren hat.

Batmans Nachtsichtbrille

Batmans Nachtsichtbrille

Wie auch immer: Batman findet die Gauner. Als sie auf ihn schießen wollen, schaltet er das Licht aus, und während die Bösen ihn suchen, setzt sich Batman eine Nachtsichtbrille auf. Es wird nicht klar, was das soll, denn Batman zieht bald wieder von dannen. Der Anführer der Bande ermordet einen seiner Kompliten, weil er ihn für einen Verräter hält. Kaum sind sie weg, sehen wir, dass Batman sich nur versteckt hat. Der Held lobt sich selbst für seine Gerissenheit, aber vielleicht wäre es eine noch bessere Idee gewesen, den Mord zu verhindern? Egal. Der Sterbende gibt ihm den entscheidenden Hinweis: Die Gauner sind Spione, die ein ausländisches Schiff hochjagen wollen, um eine internationale Krise auszulösen.

Batman in Detective Comics 37

Erschlagen von einem Sack

Batman düst zum Hafen. Dort bekommt er erstmal einen Sack auf den Kopf geworfen. Wieder fällt er ohnmächtig zu Boden. Die Spione stecken ihn in den Sack und werfen ihn ins Wasser. Aber Batman kommt wieder zu sich und kann sich dank eines Messers im Gürtel befreien und den Anschlag auf das Schiff verhindern. Batman sagt dabei so coole Sachen wie „Come on, suckers!“ und auch so uncoole, aber auch drollige wie „Feet, run like you’ve never run before!“

Batman befreit sich mit einem Messer

Batman befreit sich mit einem Messer

Im Finale stellt Batman den Drahtzieher: Count Grutt. Der Adelige wirft ein Schwer nach ihm, Batman reißt eine Tür auf, das Schwert dringt in das Holz, Batman schlägt ihm ins Gesicht und der Graf fällt nach hinten in die Klinge, die aus der Tür heraussteht. Der Ablauf ist nicht nur sehr unwahrscheinlich, er ignoriert auch alle Gesetze der Physik. Außerdem: Warum sollte der Graf in die Tür fallen, wenn er zunächst mit dem Gesicht zu ihr steht? Es sei denn, Batman hat den Schlag mit Absicht so ausgeführt, dass er tödlich ausgeht …

Am Ende scheint es fast so, denn Batman ist zufrieden: Gut, dass der Graf tot ist, denn er hätte sonst Tausende in den sicheren Tod auf dem Schlachtfeld geschickt, sagt er im Selbstgespräch. Eine seltsame Einstellung. Vor allem wenn man bedenkt, dass die USA ein Jahr später doch in den Krieg ziehen – ganz ohne Provokation durch Spione. Jedenfalls hat Batman damit noch ein Menschenleben auf dem Gewissen. Der Tod ist ein alter Vertrauter. Reue kennt Batman nicht.

>> Batman 1939-1940

Ein Schurke für alle Jahreszeiten

Calendar Man

DC Comics

Titel: The Challenge of the Calendar Man

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1958 (Detective Comics #259)


Bruce Wayne schlägt die Zeitung auf und liest, dass ein gewisser Calendar Man Batman herausfordert. Vier Raubzüge in vier Tagen, für jede Jahreszeit einer – plus eine extra für die fünfte Jahreszeit. Nein, er meint nicht Karneval damit, auch wenn seine Kostüme durchaus darauf schließen ließen.

Die erste Jahreszeit ist der Frühling. Batman und Robin fahren zur Gartenausstellung. Dort steht er da: Ein Typ in frühlingshafter Blütentracht, der sich die Einnahmen vom Eintritt schnappt. Er entkommt und wird am nächsten Tag zu einem hitzestrahlenden Sonnenmann, der bei einem Bademodenwettbewerb den Damen einheizt. Zum Glück ist Bruce Wayne einer der Juroren. Warum Bruce Wayne? Der Mann scheint bereits – trotz seiner Asexualität – einen Ruf als Experte auf dem Gebiet zu haben.

Der Calender Man bringt erst den Pool zum Kochen, dann blendet er Batman und Robin mit einem Scheinwerfer und bringt schließlich den Bürgersteig zum Glühen. Als die Helden ihn einwickeln, haben sie nur einen Roboter gefangen.

Am nächsten Tag lässt der Schurke einen starken Herbstwind wehen und raubt einen Geldtransporter aus, während sich die Wachen die Augen reiben. Schließlich wird Calender Man zum Schneemann bei einer Diamantenausstellung. Batman folgt ihm zwar auf Skiern, aber er entkommt auf einem Schlitten mit Düsenantrieb (der allerdings mehr aussieht wie ein übergroßes Skateboard).

Batman und Robin sind gescheitert. Da entdecken sie in der Zeitung eine Anzeige für einen Magier, der nur fünf Tage in der Stadt ist. Fünf Tage? Das muss der Calender Man sein! Und so ist es auch. Batman bringt ihn mit einem Kalender zu Fall.

Der Calendar Man kehrte 1979 in Batman #312 zurück. Dann begeht er Verbrechen, die mit den Wochentagen zu tun haben. In The Long Halloween wurde er von Jeph Loeb und Tim Sale neu erfunden, 2016 tauchte er im Batman Rebirth-Special als Gegenspieler auf.

>> Batman 1950-1959

Der gepunktete Schurke

Polka Dot Man

DC Comics

Titel: The Bizarre Polka-Dot Man

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1962 (Detective Comics #300)


Zu Batmans kuriosesten Schurken gehört der Polka-Dot-Man, der sich selbst Mr. Polka-Dot nennt. Offenbar soll er Teil von James Gunns Suicide Squad werden. Zum ersten Mal begegnet ihm das Dynamische Duo in einer Teppichreinigung. Warum da? Weil es da um Fleckenentfernung geht. Und Mr. Polka-Dot hat es mit Punkten aller Art. Sein weißes Kostüm ist bedeckt mit vielen bunten Kreisen. Wenn er einen von ihnen wirft, werden sie Waffen. Zum Beispiel zu Sägeblättern oder einer blendenden Sonne. Aber er hat auch welche, die zu Fluchtfahrzeugen werden: Einer wird zur fliegenden Untertasse oder zur fliegenden Blase.

So bescheuert der Schurke aussehen mag, Batman und Robin tun sich sehr schwer damit, ihn zu kriegen. Ihm gelingt ein Raubzug nach dem anderen – natürlich hat alles irgendwie einen Bezug zu Punkten, Kreisen und Flecken. Als Robin der Bande auf eine Schlittschuhbahn folgt, fliegen ihm plötzlich Punkte entgegen, die zu Fäusten werden und ihn zu Boden schlagen. Robin versucht daraufhin, den Gepunkteten mit einem gezähmten Leoparden, weil gefleckte Katzen offenbar einen Sinn für Ihresgleichen haben. Mr. Polka-Dot entführt ihn.

Robin soll eine Botschaft an Batman schreiben, die ihn in eine Todesfalle lockt. Aber Robin schafft es, seinen Partner mit Braille-Schrift zu warnen. Diese Punkte hat der Punkt-Experte nicht kommen sehen. Batman löst das Rätsel der Punktverbrechen, befreit Robin und schaltet Mr. Polka-Dot aus. Zunächst mit einem Blend-Batarang, dann lässt er ihn mit seiner Faust bunte Punkte sehen.

>> Batman 1960-1969