Batman-Splitter

Batman-Splitter #10: Wenn Batman lacht

Batman kann alles. Außer Spaß haben. Batman ist der Griesgram, der Miesepeter, der Spielverderber schlechthin. Ein verbitterter Rächer, der nichts als sein Trauma im Hinterkopf und seine Mission vor Augen hat. Verblendet, fanatisch und absolut humorbefreit. Als das Gegenteil vom bunten Strahlemann Superman konzipiert, haftet Batman das Image des düsteren Gesellen an. Wenn Batman lacht, wird’s gruselig. Dann ist er nicht er selbst. Er steht unter Fremdeinfluss, wie etwa unter dem des Joker-Gases. Oder er ist der Joker selbst. In diese Richtung geht es im derzeit laufenden Event Dark Nights: Metal. Neue Zeichnungen und Cover zeigen mit dem neuen Schurken The Batman Who Laughs eine Fusion aus Batman und dem Joker.

Der Name spielt auf den Film „The Man Who Laughs“ von 1928 an, dessen Hauptfigur Bill Finger einst als Inspirationsquelle für die Schöpfung des Jokers diente. Ein Mann, der nicht anders als grinsen kann – eine Perversion des Lachens. Doch der Joker hat mit der Zeit viel von seinem Schrecken eingebüßt. Deshalb ließ man ihn 2011 sich das Gesicht abschneiden und kurz darauf wieder anheften. Mit dem Man Who Laughs wird das Konzept erneut gesteigert, indem man den Joker in ein Gothic-mäßiges Batman-Kostüm steckt und seine Augen von einem stacheligen Metallreif verdecken lässt. Damit wird auch das Konzept des Dunklen Ritters pervertiert: Batman ist zwar dadurch auch im Inneren so düster wie er nach Außen wirkt, aber sein fieses Grinsen lässt den Aufzug absurd erscheinen.

detective comics 38 (DC Comics)

Dabei ist ein lächelnder Batman – historisch betrachtet – gar nicht mal so ungewöhnlich. Zwar war der Dunkle Ritter am Anfang, als er noch ein Einzelgänger war, noch sehr düster, aber schon sehr früh, änderte sich seine Erscheinung – und blieb drei Jahrzehnte lang so. In seinem erstem Jahr (1939 bis 1940) huscht Batman kaum ein Lächeln über die Lippen. Aber dann, im April 1940, kommt Robin. Und siehe da: Batman strahlt regelrecht auf dem Cover von Detective Comics #38, das den Sidekick einführt. Er lacht – genauso wie der junge Mann neben ihm. Robin bringt Batman das Lachen bei. Und das soll ihm so schnell nicht vergehen. Mit Robin wird alles leichter, heiterer, lässiger. In den 40er, 50er und 60er Jahren ist die Comicwelt knallbunt und fröhlich. Im Grunde geht es in den Geschichten nur darum, diesen Status quo wiederherzustellen. Und das gelingt den Superhelden spielend: Egal, ob das Dynamische Duo alleine kämpft oder mit Superman. Zwischen den Helden besteht nur äußerlich ein Unterschied, in ihrem Aussehen und Fähigkeiten, aber ihre Mentalität ist gleich. Passend dazu sind die Sprechblasen voller Kalauer.

Detective Comics #332 (1964, DC Comics)

Interessanterweise folgt kurz nach der Einführung von Robin auch der erste Auftritt des Jokers. Mit der kindlichen Fröhlichkeit hält auch ein falsches Lachen in die Comics Einzug, das im grotesken Widerspruch zu den willkürlichen Morden des Schurken steht. Doch auch der wird bald gezähmt zu einem harmlosen Clown, der Menschen nicht mehr mit einem Lächeln tötet, sondern nur noch ärgert. Der Joker – nicht mehr als eine Witzfigur, die Batman mehr nervt als schockiert. Der Held ist immer der, der zuletzt lacht.

The Dark Knight Returns: Batman & Joker (DC Comics)

Erst in den 70ern wird es wieder ernster und düsterer. Nach und nach vergeht Batman das Lachen. Bis hin zum ultimativen Tiefpunkt, der in der Comicgeschichte ein Höhepunkt ist: Frank Millers The Dark Knight Returns. Doch auch in dieser knallharten Dystopie mit seinem gebrochenen Helden, findet Batman noch die Kraft zu einem Lächeln. Doch es ist nur noch das müde Lächeln eines vom Todestrieb gelenkten Zynikers, der nichts mehr zu verlieren hat. Als der Joker endlich tot neben ihm liegt, ist aber Schluss mit lustig: „Stop laughing“, sagt Batman zu der Leiche seines Erzfeindes. Selbst das brennende Skelett des Jokers scheint noch zu lachen. Dem verletzten und gebrochenen Batman ist der Anblick sichtlich unheimlich.

Batman lacht nicht mehr. Der Held, der Gute der Geschichte, ist ein Dunkler Ritter mit finsterem Gemüt. Das Gelächter ist den Bösen und den Irren überlassen. Gotham City ist von daher eine verkehrte Welt, in der bunte Clowns Kinder töten und teuflisch, dämonenhaft wirkende Schreckgespenster sie davor bewahren. Der erste Eindruck ist falsch. Wer hier lächelt, der täuscht. Er grinst eigentlich hinterlistig und führt Schlimmes im Schilde. Wer grimmig dreinschaut, stellt sich als Retter in der Not heraus.

Im Jahr darauf, 1987, beweist Batman in der regulären Serie Selbstironie: Er lacht schallend, als er sieht, dass jemand die Reifen des Batmobils gestohlen hat. „And Batman does something he has never done before, in Crime Alley …“, heißt es in Batman #408, bevor er auf den Dieb, Jason Todd, den späteren Robin, trifft.

Batman #408 (1987) (DC Comics)

Ein Jahr später, 1988, macht Alan Moore einen Schritt zurück: In The Killing Joke erzählt er davon, wie der Joker das Lachen lernte. Der Comic endet damit, dass der Joker, von Batman überführt, einen Witz erzählt – und Batman mit ihm darüber lacht. Die Situation ist absurd: Gerade hat der Joker noch Barbara Gordon verkrüppelt und ihren Vater beinahe in den Wahnsinn getrieben, Batman müsste das Lachen also allen Grund haben, spaßbefreit zu sein. Aber am Ende gehen die Gefühle so sehr mit ihm durch, dass er sich sogar vor Lachen an den Schultern des Joker festhält, fast kumpelhaft wirkt es. Manche haben das so gelesen, dass Batman den Joker am Ende mit bloßen Händen tötet – aber dafür gibt es keinen eindeutigen Beleg.

The Killing Joke (DC Comics)

Das nächste Mal bringt Harley Quinn Batman richtig zum Lachen – wenn auch unfreiwillig. In Mad Love (1994) schildert sie Batman, der kopfüber gefesselt über einem Piranha-Becken hängt, ihren Wunsch von einem Leben mit dem Joker. Batman bricht in schallendes Gelächter aus (Harley erschaudert). Es dient der taktischen Einschüchterung, damit Harley verunsichert wird und den Joker herbeiholt, der Batman daraufhin aus der Falle rettet. Trotz seines grundsätzlich ernsten Tones und seiner düsteren Inszenierung lächelt Batman in The Animated Series, auf der Mad Love basiert, sogar ziemlich oft.

Mad Love (1994, DC Comics)

Wenn der moderne Batman lacht, dann höchstens zurückhaltend, wenn er schallend lacht, dann wissen wir: er kann nicht er selbst sein. Oder er wird wahnsinnig, wie etwa in der Story Venom (Legends of the Dark Knight #16), wo der Held zum Drogensüchtigen wird und sich unkontrolliert freut, wenn er an seinen Stoff gekommen ist.

Batman: Venom (DC Comics)

Das Lachen ist etwas, das Batman seinem Alter Ego, Bruce Wayne überlässt. Er setzt die fröhliche Maske auf, um den Milliardär und Lebemann zu spielen. Das Lächeln ist – wie bei seinen Feinden – bloß Fassade, um von seinen wirklichen Absichten abzulenken. Doch auch hier gibt es Ausnahmen, auch Wayne ist nicht sicher vor den bösen Einflüssen des Jokers: In der Neufassung der ersten Joker-Story, The Man Who Laughs, ist es Bruce Wayne, der vom Joker-Gas infiziert lachen muss. Und in Batman Beyond: Return of the Joker fällt sogar noch der alte Bruce Wayne dem Gas zum Opfer. Darin besteht mittlerweile der Horror von Batman: Wenn hier jemand lacht, dann stimmt etwas nicht. Am meisten gilt das für Batman selbst. Für Spaß sind andere zuständig.

Batman Beyond: Return of the Joker

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Batman-Splitter #9: Kontrollverlust

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Batman ist die Ruhe selbst? Ist immer Herr der Lage? Hat sich ständig unter Kontrolle? Von wegen. Batman dreht eigentlich bei jeder Gelegenheit durch, schreit herum, verprügelt irgendwelche Leute und schlägt willkürlich um sich. Dabei gehen Dinge kaputt. Vornehmlich aus Glas. Weil sie sehr leicht zu zerstören sind und dabei viele Stücke durch die Gegend fliegen. Das sieht einfach cool aus. (Deshalb springt er auch so gerne durch Fensterscheiben.)

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Besonders bringt ihn der Joker in Rage. In Going Sane zerschlägt Batman gleich dreimal Monitore seines Batcomputers.

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Und in Lovers and Madmen zerlegt er eigenhändig den Batcomputer.

Lovers and Madmen

Lovers and Madmen: Batcomputer in Einzelteilen.

Wenn der Joker etwas besonders gut kann, dann ist es, Batman aus der Reserve zu locken. Der stoische Held wird zu einem Fall für die Aggressionsbewältigung. Wie gut, dass es Bruce Wayne nicht an Geld mangelt. Sonst wäre er bei diesem Materialverschleiß längst pleite.

Batman-Splitter #8: Joker

Joker von Alex Ross

Joker von Alex Ross (DC Comics)

Je besser der Schurke, desto besser der Film, sagte einst Alfred Hitchcock. Das gilt auch für Comics. Man kann sogar so weit gehen zu sagen: Noch besser, wenn der Schurke der Held ist. Deshalb funktioniert Batman so gut, weil er als eine Art Anti-Held irgendwo dazwischen steht. Aber Batman wäre nur halb so gut ohne seinen Erzfeind: den Joker. Und wenn der gut dargestellt wird, stiehlt er Batman sogar die Show. So am besten vorgeführt im Film The Dark Knight (2008). Ganz im Gegenteil zu Suicide Squad (2016), wo man mit Jared Leto einen Charakterdarsteller verpflichtet hat, aber sein Marilyn-Manson-Gangster-Joker im allgemeinen Radau des Stumpfsinns untergeht. Ein Film voller Schurken ist eben nicht genug. Und einen so missratenen Film kann selbst der Joker nicht retten.

Was die Geschichten von Batman ausmacht, ist nicht der Held, sondern seine Gegner. Die Verrückten, die Psychopathen, Serienmörder. Die meisten davon sind Insassen des Arkham Asylum, der Heilanstalt, aus der niemand geheilt hervorgeht, sondern aus der man immer nur fliehen kann. Das Superheldenkonzept verlangt, dass das so bleibt, sonst hätte Batman ja nichts zu tun. Zwar gibt es noch die Typen aus dem Blackgate Gefängnis, die ganz normalen Mörder, Schläger, Räuber und Vergewaltiger, aber wer Batman liest oder schaut, interessiert sich nicht für normale Verbrechen von normalen Verbrechern, sondern immer für das Abseitige, Perverse, besonders Grausame. Batman steht für eine Freakshow, wie sie früher am Rande von Zirkussen zu sehen war: eine Parade von Außenseitern, Entstellten und Verkrüppelten. Der Held selbst ist der Strongman, den man gegen Halbgesichtige, Krokodilmenschen, Pinguinmenschen, Schlamm-Menschen und andere Irre mit ihren Spleens (Rätsel, Pflanzen, Eis, Feuer) antreten lässt.

Joker in Streets of Gotham (Dustin Nguyen)

Joker in Streets of Gotham (Dustin Nguyen, DC Comics)

Der Joker ist die Personifikation dieses Konzepts. Im Batman-Zirkus ist er der Anti-Clown. Der Joker ist alles andere als komisch. Sein Lachen ist falsch, eingefroren, zynisch. Sein Gesicht ist ein Zerrbild. Der Joker trägt klassischerweise keine Maske, keine Schminke. Seine Haut ist durch einen Unfall gebleicht. Später, in Heath Ledgers Interpretation im Film The Dark Knight und Brian Azzarellos Comic Joker, trägt er ein Glasgow-Smile, also vernarbte Wangen von aufgeschlitzten Mundwinkeln. Doch hier wie da gehört das falsche Lachen zum festen Bestandteil des Joker-Gesichts, während Batman seine Maske abnehmen kann. Jokers Vorbild ist die Hauptfigur des Grusel-Stummfilms The Man Who Laughs (1928), doch zugleich ist er ein Hofnarr, der oft die unliebsame Wahrheit spricht. Das mit tödlichen Chemikalien herbeigeführte Lächeln, das er seinen Opfern verleiht, ist zum einen ein Spiegelbild seines Egos, andererseits Signatur eines Mörders, der ein Künstler sein will.

Teil des Gründungsmythos

Der Joker ist einer der ältesten Batman-Schurken. Erstmals erschienen ist er in der ersten Ausgabe der Serie Batman im Jahr 1940 (der Titelheld hatte seinen ersten Auftritt in Detective Comics 27, 1939). In diesem Heft gibt es gleich zwei Abenteuer mit dem Joker. Interessant ist bereits, wie Protagonist und Antagonist eingeführt werden. Auf den ersten zwei Seiten bekommt Batman eine ausführliche Entstehungsgeschichte, vom Mord der Eltern bis zum berühmten Entschluss „I shall become a bat“. Die Seiten sind auf den ersten Blick ähnlich aufgebaut wie die beiden nachfolgenden, die den Joker einführen: Sie beginnen mit einem großen, fast die ganze Seite füllenden Panel, das den Helden, bzw. den Schurken zeigen. Doch während Batmans Porträt im Dreiviertelprofil zu sehen ist, wendet uns Joker den Rücken zu und dreht sich grinsend zu uns um. Wie bei Batman erscheint auch seine Kleidung überwiegend schwarz, nur zum Teil ist das Violett seines Sakkos zu sehen, seine Haare sind – wie Batmans Maske – fast schwarz, nur mit einzelnen grünen Sprenkeln durchsetzt.

Joker in Batman #1 (1940) (DC Comics)

Joker in Batman #1 (1940) (DC Comics)

In der Hand hält er drei Karten: Batman, Robin und in der Mitte ein Joker. (Man könnte es fast als böses Omen für Jason Todd lesen, den zweiten Robin, den der Joker 1989 zu Tode schlägt.) Über dem Bild schwebt ein Batman-Logo, erstmals mit dem Hinweis „with Robin – The Boy Wonder“ versehen, der Wunderknabe hatte erst in der zuvor erschienenen Ausgabe von Detective Comics 38 seinen ersten Auftritt gehabt. Damit ist das klassische Dreigespann mit dieser Geschichte festgelegt. Der Joker wird meistens ein „Fall für zwei“ sein – und zugleich auch eine Gefahr für die Zweisamkeit. Und es ist auch prägend, dass der Joker Batmans Entstehungsgeschichte fortsetzt – er gehört fest zu Batmans (Gründungs-)Mythos dazu.

Conrad Veidt in The Man Who Laughs

Conrad Veidt in The Man Who Laughs

Die Story geht gleich zur Sache: Im Radio kündigt der Joker den Mord an einem Millionär und einen Diamantenraub an. Das allein ist schon ungewöhnlich. Ein normaler Schurke würde drohen, erpressen, stehlen oder rauben. Doch dieser verrät, was passieren wird – jedoch ohne, dass die Polizei das verhindern könnte. Es ist reiner Terror. Auf der darauffolgenden Seite wird klar, wie pervers er die Sache durchzieht: Er bringt sein Opfer zunächst zum Lachen, bevor es mit einem Grinsen zu Tode erstarrt. Wie man erst am Ende erfährt, bringt das der Joker mit einer Droge zustande. Der Joker selbst erscheint zunächst in typischer Superschurkenpose, in einem dunklen Raum auf einem großen Stuhl am Schreibtisch sitzend, erst nachdenklich, dann mit breitem Grinsen. „A man smiles a smile without mirth … rather a smile of death! The awesome, ghastly grin of .. the Joker!!“

Jokers erster Auftritt 1940

Jokers erster Auftritt 1940

Auch wenn er es zunächst auf Juwelen absieht: Der Schurke ist kein einfacher Gangster. Im Gegenteil: Er macht sich auch die Unterwelt zum Feind. Batman und der Polizei ist er immer um einen Schritt voraus. Drei Morde begeht er auf diese hinterhältige Weise, einmal sogar, indem er sich als Polizist verkleidet. Am Ende, nachdem Batman ihn eingebuchtet hat, kündigt der Joker seinen Ausbruch an: „The Joker will yet have the last laugh!“ Gesagt, getan. Und selbst in der zweiten Geschichte hält sich das Grinsen in seinem Gesicht – auch wenn er am Ende, mit dem eigenen Messer in der Brust, am Boden liegt. Aber der Joker stirbt nicht. Noch nicht.

Einer muss sterben

The Dark Knight Returns: Batman & Joker (DC Comics)

The Dark Knight Returns: Batman & Joker (DC Comics)

„Wir werden einander töten, nicht wahr?“, fragt Batman Joker in The Killing Joke (1988). „Ich töte dich oder du tötest mich. Bald vielleicht. Oder auch später … Ich verstehe nicht, warum unsere Beziehung mit dem Tod enden muss, aber ich will dein Blut nicht an meinen Händen …“ Alan Moore schreibt diese Sätze nach The Dark Knight Returns (1986), Frank Millers Schwanengesang auf den Dunklen Ritter, in dem Batmans Prophezeihung bereits eingetroffen ist, wenn auch anders als erwartet. In der Geschichte wird deutlich, dass die beiden Figuren einander bedingen. Es ist eine fast schon homoerotische Beziehung. Erst nach Batmans Rückkehr, löst sich der Joker aus seiner katatonischen Starre und wird wieder zum Massenmörder. Einfach so, aus Spaß an der Sache. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel. Beim Endkampf bringt Batman nicht den Mut auf, den Joker zu töten. Also dreht der Schurke sich selbst den Hals um – und lässt den Helden als Mörder dastehen.

Joker in Mad Love

Joker in Mad Love

In Mad Love (1994) ist es anders: Darin ist der Joker von der Idee besessen, Batman zu töten. Aber nicht irgendwie. Der Plan dazu darf nichts Geringeres als ein Meisterwerk sein. Joker – der eitle Künstler. Diese Egomanie wird ihm schließlich zum Verhängnis. Er scheitert, natürlich, das muss er, denn sonst hätte er keinen Spielkameraden mehr – und wo wäre dann der Spaß? In The Clown at Midnight (2007) sagt der Joker es so: „You can’t kill me without becoming like me. I can’t kill you without losing the only human being who can keep up with me. Isn’t it ironic?!“

Das Gegenteil von Batman?

Es wäre trivial zu sagen, dass der Joker so gut als Erzfeind Batmans funktioniert, weil er das Gegenteil des Helden repräsentiert: Bunt statt düster, lachend statt grimmig, ein Anarchist und Nihilist statt Gesetzeshüter. Im Grunde nämlich ist das ein Merkmal aller von Batmans Hauptschurken: Two Face ist der von der von der rechten Bahn abgekommene Staatsanwalt, der nun zwischen Licht und Schatten steht, Scarecrow missbraucht seine furchteinflößende Macht, Bane ist ein Zerrbild des Strategen und Athleten, Ra’s al Ghul ist der Vigilant, der über die Menschheit richten will, der Riddler ist als Rätselsteller das Gegenteil des Detektivs und die mutierte Mensch-Fledermaus Man-Bat spricht für sich … usw. Jeder dieser Bösewichter ist entweder von denselben Idealen getrieben oder getrieben gewesen wie Batman oder bedient sich ähnlicher Mittel, jedoch zu anderen Zwecken. Jeder hat eine Macke, eine Masche, ein Symbol, ein Kostüm.

Joker: The Killing Joke

Joker: The Killing Joke

Der Joker stellt das prototypisch dar. Sein Reiz liegt in der Anarchie. Insofern befremdet es, dass The Killing Joke als eines der besten Batman-Comics angesehen wird. Denn eigentlich zerstört es den Mythos des Jokers, indem es ihn mit einer anrührenden Entstehungsgeschichte erklärt: Ein arbeitsloser Chemielaborant, der sich erfolglos als Komiker versucht und aus Verzweiflung bei einem Diebstahl aushilft, um an Geld zu kommen, dabei aber durch einen Unfall in ein verseuchtes Gewässer fällt, daraufhin entstellt und verrückt wird. Immerhin bleibt die Figur anonym. Der Joker hat kein Alter Ego, das er verbirgt. Er ist, was er ist: ein Niemand, ein Nichts.

Heath Ledger als Joker

Heath Ledger als Joker

Den eigentlichen Kern dieser Figur haben Regisseur Christopher Nolan und Darsteller Heath Ledger in The Dark Knight getroffen. Dort kommt dieser Antagonist aus dem Nichts, er hat keine Identität, keine Vorgeschichte, ja er verweigert sich jeglicher kausalen Erklärung. Geld interessiert ihn nicht, er verbrennt seinen Dollarberg. Interessanterweise grenzt Bruce Waynes Butler Alfred diesen Joker von seinen früheren Inkarnationen ab, indem er die Geschichte eines Juwelendiebs erzählt, der letztendlich seine Beute wegwirft: „Manche wollen die Welt bloß brennen sehen.“ Nolans Joker stiftet Chaos und Anarchie und er tut es aus reinem Selbstzweck. Er ist nicht greifbar, ist nicht zu fassen, Polizei und Superheld immer mehrere Schritte voraus – und das ist es, was Batman zur Verzweiflung treibt. Gegen so einen Schurken kommt man nicht an, denn es gibt kein Motiv, kein Interesse, keine Schwäche, an der er zu erwischen wäre. Man kann ihn zu Brei schlagen, foltern, töten – es nützt nichts. Man kann ihn nur töten – aber dann siegt der Joker, weil Batman seine Ideale verraten würde. Darin besteht der eigentliche Schrecken dieser Figur.

Brian Azzarello führt das auch in seinem Band vor, den er einfach nur Joker (2008) genannt hat. Wie bei Nolan trägt der Schurke das Glasgow-Smile aus The Dark Knight, ansonsten ist er brutaler denn je: Er metzelt sich durch Gotham, rächt sich an seinen Feinden, selbst der Unterwelt geht er zu weit. „Für ihn ist der Tod die Pointe“, sagt Two-Face einmal. Der Joker, so die Pointe des Erzählers, ist eine Krankheit, gegen die es keine Heilung gibt – nur einen Batman. Und dessen Sisyphusaufgabe besteht darin, ihn immer wieder aufzuhalten, einzusperren und darauf zu warten, bis er wieder ausbricht.

Nicht verrückt, sondern entschieden böse

Joker in Arkham Asylum (Dave McKean)

Joker in Arkham Asylum (Dave McKean)

Auch wenn er ständig ins Irrenhaus zurückkehrt, ist der Joker kein Verrückter. Allein die Tatsache, dass er mehr Zeit außerhalb verbringt, zeigt, dass er nicht dort hin gehört. Zu dieser Erkenntnis kommt bereits Grant Morrison in seinem Buch Arkham Asylum (1989). Dort nennt ihn eine Ärztin „beyond treatment“: „In fact, we’re not even sure if he can be properly defined as insane. (…) It’s quite possible we may actually be looking at some kind of super-sanity here.“ Sein Geisteszustand entspreche eher einer neuen Wahrnehmungsfähigkeit, die mehr dem städtischen Leben im 20. Jahrhundert angepasst sei. Er scheine keine Kontrolle über seine Sinneseindrücke zu haben; er könne mit diesem chaotischen Einfluss nur umgehen, indem er sich davon treiben lasse. Der Joker habe keine Persönlichkeit, sondern erschaffe sie jeden Tag aufs Neue. In The Clown at Midnight sagt Batman: „he changes every few years. (…) He hast no real personality, remember, only a series of ’superpersonas.“

Joker in Batman RIP

Joker in Batman RIP

Was aber treibt den Joker an? Es ist – so trivial es klingt – das Böse schlechthin. Der Joker ist seine Verkörperung. Er ist ein Nihilist in einem unphilosophischen und ideologiefreien Sinn. Er begeht die Verbrechen um ihrer selbst Willen, weil’s Spaß macht. Der einzige, den der Joker amüsiert und zum Lachen bringt, ist er selbst. Der Reiz der Figur liegt auch in seiner ausgelebten Freiheit, dass sie die Dinge einfach tut. Ohne Bedenken oder Reue. Der Joker ist ebenso souverän und konsequent. Er handelt nicht irrational. Was er tut, tut er bei vollem Bewusstsein und aus Überlegung, seine Pläne sind wohl kalkuliert, obwohl sie im Wesentlichen darin bestehen, zu töten und Chaos zu stiften. Eine Spielernatur, die sich an ihrem Antagonisten abarbeitet – um ihn zum Lachen zu bringen. Aber daran scheitert er, weil Batman in der Regel humorbefreit ist und am wenigsten über die Taten des Jokers lachen kann. (Siehe Batman Beyond: Return of the Joker und Lovers and Madmen.)

Batman Beyond: Joker

Batman Beyond: Return of the Joker

Zwei Seiten einer Medaille

Das zeigt sich auch an Jokers jüngsten Inkarnation. Scott Snyder hat den Charakter im Jahr 2012 für seine Story Death of the Family weiterentwickelt. Der Joker ist nicht das Gegenteil von Batman, er ist Teil von ihm. Zwei Seiten einer Medaille. Snyder greift Morrisons Gedanken auf, dass Batman kein Held ist, der sich von seinen Feinden abhebt, sondern ebenso zu der Freak-Show von Arkham gehört, quasi als König im Hofstaat der Irren. Der Joker inszeniert diese Konstellation, um Batman zu zeigen, wer seine wahre Familie ist. Die Fledermaus ist ein Gleichgesinnter, im Grunde ein potenzieller Joker. Daher wird der Held auch in ein Chemikalien-Bad geworfen, das ihn in seinen Erzfeind verwandeln soll. Harley Quinn, die Handlangerin des Joker, hofft sogar, dass Batman einst ihren veränderten Geliebten ersetzen könnte.

Joker von Greg Capullo

Joker von Greg Capullo

Denn der Joker ist entstellter denn je, nachdem er sich sein Gesicht hat abschneiden lassen, er es sich nach einem Jahr zurückgeholt und sich notdürftig wieder angeheftet hat. Sein Gesicht wird nicht nur zu einer faulenden Fratze, es wird auch zur Maske, die er trägt wie Batman die seine. Für den Joker spielt keine Rolle, was sich darunter verbirgt. Die Masken sind es, die für das Rollenspiel der beiden entscheidend sind. Darunter sehen beide gleich aus, sind Menschen aus Fleisch und Blut. Doch dafür interessiert sich der Joker nicht. Er will Batman auf seine Seite ziehen, daher betont er deren Gemeinsamkeiten, daher wird bei ihm das Gesicht zur Maske und damit zum wahren Gesicht – wie bei Batman. Der Joker will Batman nicht mehr töten, sondern sich mit ihm verbünden. Er will das Spiel nicht beenden, sondern immer weiter, in neue Höhen treiben. Als das nicht gelingt, schlägt er in Endgame mit voller Wucht zurück: er will Batman demütigen und vernichten. Für den Dunklen Ritter geht es mal wieder an die Substanz seiner Existenz.

Batman 37 (DC Comics)

Batman #37 (DC Comics)

Wie kann man diese Figur noch verändern, wie kann man sie noch steigern, wenn sie ziemlich alle Grenzen überschritten hat? DCs neuester Versuch ist, den Joker aufzuspalten. Zuerst wurde angekündigt, Jokers wahre Identität zu enthüllen. Dann wurde Batman jüngst offenbart: der Joker hat drei Namen. Heißt das, dass der Joker nicht eine Person ist, sondern drei? Oder hat er sich bloß drei Persönlichkeiten zugelegt? Oder ist damit gemeint, dass es wegen der zwei großen Reboots des DC-Universums drei verschiedenen Versionen auf Parallelwelten gibt: Golden Age/Pre-Crisis, Post-Crisis und Post-The New 52?

Die Spekulation ist in Gang gesetzt, ebenso wie die Diskussion, ob DC damit nicht ein wichtiges Prinzip bricht, indem sie den Niemand (der bisher in manchmal auch „Jack“ genannt wurde) entmystifiziert. Egal wie das Rätsel gelöst wird: Der Joker wird sich stets eindeutigen Zuschreibungen entziehen. Und genau darin besteht der Reiz. Die Figur ist nicht greifbar – wie das wahre Böse selbst.

P.S.: In diesem Video wird der Joker als Projektionsfläche gesellschaftlicher Ängste dargestellt – ein interessanter Rückblick auf die Comic-Geschichte.

Batman-Splitter #7: Harley Quinn

Harley Quinn 1992

Harley Quinns erster Auftritt in Batman TAS (1992) (Warner Bros.)

Die junge Blondine trägt eine Polizei-Uniform. Aber zusammen mit dem Joker hat sie gerade eine Bombe bei einer Polizeiveranstaltung gelegt. Als Batman sie stellt, hat er leichtes Spiel mit ihr: „Ich weiß, was Sie denken“, sagt sie. „So ein Jammer. Wie konnte so ein junges unschuldiges Ding wie Sie nur in so schlechte Gesellschaft geraten?“ Kurz darauf greift sie zu einem Messer, doch da packt Batman auch schon ihre Hand und sie lässt das Messer fallen. Als sie dann allein in Handschellen dasitzt sagt sie zu sich: „Oje! Hätte vielleicht doch lieber auf die Kosmetikschule gehen sollen.“

Harley Quinn 1992

Beruf verfehlt: Harley Quinn 1992 (Warner Bros.)

So verläuft die erste Begegnung zwischen Batman und Harley Quinn, der Freundin und dem Sidekick des Jokers. Das war 1992 in der The Animated Series-Episode „Joker’s Favor“ (S01E22). Harley wird nicht erklärt, sie ist einfach da: In ihrem schwarz-roten Narrenkostüm, ihrem Herren loyal ergeben, lacht sie über seine schlechten Witze. Eine Szene hat sie in dieser Gestalt, eine andere als falsche Polizistin. Doch sie soll noch einige Auftritte in der Serie bekommen. Wer sie wirklich ist, erfährt man erst zwei Jahre später.

Nachdem sie 1993 auch in der Comic-Serie Batman Adventures eingeführt wurde, bekommt Harley Quinn im Jahr 1994 eine Vorgeschichte: Mad Love. Darin ist Harleen Frances Quinzel zunächst eine Psychiaterin, die sich ihren Weg nach oben geschlafen hat, bis sie in Arkham Asylum auf den Joker trifft. Sie fällt auf seinen Charme und seine Lügengeschichten über seine schlimme Kindheit herein (dieses Multiple-Choice-Prinzip wurde im Film The Dark Knight aufgegriffen) und verbündet sich mit ihm, indem sie sich ein Clownskostüm und sich die neue Persönlichkeit, Harley Quinn, zulegt. Die Psychiaterin verfällt dem Psycho.

Aber dieses Comic ist mehr als nur ein Origin. Denn interessant wird es erst, als ein Dritter die Beziehung auf die Probe stellt: Batman. Mad Love beschreibt eine gestörte Dreiecksbeziehung. Harley gibt sich Joker bedingungslos hin, in masochistischer Selbstaufgabe, aber der Joker interessiert sich nur dafür, wie er Batman möglichst spektakulär und witzig inszeniert umbringen kann. Das wiederum macht Harley eifersüchtig und sie beschließt, Batman zu beseitigen, um ihren Mr. J. wieder ganz für sich zu haben. Aber dabei unterschätzt sie die Eitelkeit ihres Geliebten – und seinen Wahnsinn.

Die Story ist von Paul Dini und Bruce Timm so mustergültig erzählt (in Wort und Bild), so witzig, einfallsreich und dynamisch, dass sie bis heute als eine der besten Batman- und Joker-Storys gilt. Nicht von ungefähr wurde sie mit dem Eisner- und Harvey-Award ausgezeichnet. Ein unerreichter Klassiker. Im Jahr 1999 wurde der Comic sehr werkgetreu, wenn auch leicht entschärft, für eine Episode der New Batman Adventures adaptiert (S01E21).

Batman: Harley Quinn #1 (1999, DC Comics))

Batman: Harley Quinn #1 (1999, DC Comics))

Harley Quinn war so beliebt, dass DC im gleichen Jahr die Figur auch in die Haupt-Continuity der Batman-Comics aufnahm, während Gotham gerade im No Man’s Land (dt. Niemandsland) in Trümmern lag. Die Figur bekam einen neuen Origin – der im Wesentlichen der alte blieb. Mit dem Unterschied, dass sie von Poison Ivy Superkräfte bekam. Die Story, die in Batman: Harley Quinn #1 von ihrem Erfinder Paul Dini erzählt wird, hat nicht annähernd den Charme und die Qualität von Mad Love. Man kann nicht einmal sagen, es wäre das Gleiche, nur ein wenig anders. Die Geschichte ist lieblos wie eine Pflichtarbeit runtererzählt, als wäre sie für ein Publikum, das die Figur bereits kennt, und nicht mehr große Erklärungen braucht. Nicht nur die Charaktere beeindrucken, auch der Plot drumherum bleibt kaum im Gedächtnis. Ganz zu schweigen von der uninspirierten visuellen Inszenierung. Allein das Cover von Alex Ross verdient es, eingerahmt zu werden.

Trotzdem setzte Harley Quinn ihre Erfolgsgeschichte fort – und emanzipierte sich vom Joker: Von 2001 bis 2003 bekam sie ihre eigene Serie. Nach dem DC-Reboot von The New 52 im Jahr 2011 wurde die Figur radikal überarbeitet: Das Harlekin-Kostüm wurde eingetauscht gegen einen wilden Punk-Look. Schwarz-rot gefärbte Haare, ein Kragen, ein Korsett, knappes Höschen, Kniestrümpfe, ein Riesenhammer als Waffe. „I’m more like a collage now“, sagt sie in Detective Comics #23.2 (2013). „A mosaic.“ So wird sie Teil der Suicide Squad, einer staatlich gelenkten Eingreiftruppe von Mördern, die gezwungen werden, dem Wohl der Menschheit zu dienen. Aus der Superschurkin ist eine Antiheldin geworden.

Detective Comics #23.2 (DC Comics)

Detective Comics #23.2 (DC Comics)

Die neue Entstehungsgeschichte „Harley Lives„, die in Detective Comics #23.2 erzählt wird, fügt Harleen eine schwierige Jugend hinzu. Harleen muss sich als Kind von ihrer wenig aufmunternden, chaotischen Familie absetzen. Deshalb strebt sie umso mehr eine akademische Karriere an. Zunächst klappt es mit dem geordneten Leben, doch es reicht ihr nicht: sie will über das Normale hinausgehen. Als sie den Joker trifft, lässt sie wieder das Chaos ins Leben. Um die Irren zu verstehen, wird sie selbst zu einer von ihnen. Die entscheidende Änderung: um sie zu seinesgleichen zu machen, wirft der Joker sie in den Chemietank, der ihn einst selbst schuf. So bekommt sie einen dauerhaft blassen Teint.

Allerdings erklärt es nicht ihre Mordlust. Denn die ist besonders ausgeprägt. Nur um an bestimmte Kleidungsstücke heranzukommen, schlägt sie willkürlich irgendwelche Leute tot. Schließlich jagt sie Kinder in ganz Gotham mit getürkten Spielkonsolen in die Luft. Einfach so. Es scheint ihr nicht einmal Spaß zu machen. Aus der Masochistin ist nicht nur eine Sadistin geworden, sondern auch eine Nihilistin, die ihr Mentor und Vorbild Joker längst ist. Mittlerweile gilt sie, laut New York Times, sogar als feministische Ikone, die sich als Misshandlungsopfer von ihrem Peiniger losgesagt hat. Gelobt wird ihre Komplexität und ihre subversive Sexualität, was bedeutet, dass sie eine lesbische Beziehung zu Poison Ivy pflegt. Das hat sogar DC bestätigt:

DC merkte nach einer Weile, dass sich die Suicide Squad-Hefte mit Harley auf dem Cover besser verkauften als die ohne. Die Konsequenz: 2014 bekam sie ihre zweite Solo-Serie. Und die gehört zu den größten Bestsellern des Verlages, zum Teil verkaufte sie sich besser als die traditionelle Batman-Serie Detective Comics. Im gleichen Jahr folgte ein Animationsfilm über die Suicide Squad (allerdings unter dem Titel Batman: Assault on Arkham), in dem Quinn die Hauptrolle – und sogar eine kleine Sex-Szene mit Deadshot bekam (aber die ist nicht weiter der Rede wert).

Es kamen weitere Miniserien dazu, in denen die Antiheldin mit anderen zusammenarbeitete: Harley Quinn and Power Girl (2015-2016) sowie Harley’s Little Black Book (2016). Jüngst hat sie, nach dem Neustart von DC Rebirth, ihre dritte Comicserie begonnen. Daneben ist sie noch für die Suicide Squad tätig – wie man neuerdings auch im Kino sehen kann. Die Darstellerin Margot Robbie trägt im Film auch nicht das alte Harlekin-Kostüm, sondern eine Variante von Punk-Harley, allerdings mit blonden Haaren, die sie übrigens auch in den neusten Comics hat. Auch Robbies Harley nimmt ein Bad in Chemie – allerdings springt sie freiwillig in den Tank, um wie der Joker zu sein.

Harley Quinn #1 (2016, DC Comics)

Harley Quinn #1 (2016, DC Comics)

Demnächst soll Harley Quinn sogar ihren eigenen Spielfilm bekommen. Ob der realisiert wird, hängt allerdings vom Kino-Erfolg des Suicide Squad-Films ab. Die Kritiken sind verheerend, aber immerhin Robbies Darstellung wird gelobt. Und auch ein neuer Animationsfilm mit dem Titel Batman and Harley Quinn ist angekündigt. Die Figur ist längst nicht am Ende.

Aber ehrlich gesagt, wenn ich mir die persönliche Bemerkung erlauben darf: mir geht Harley Quinn auf die Nerven. Schon allein ihre quäkende Stimme in der Animationsserie war schwer zu ertragen, ganz zu schweigen von ihrer bemühten Art. Harley Quinn ist einfach nicht witzig. Den Transfer von der gebildeten Psychiaterin zur naiv-unterwürfigen Mörderin habe ich nie nachvollziehen können. Und auch ihr neueres, görenhaftes Auftreten macht sie mir nicht sympathischer. Was sie trotzdem so erfolgreich macht? Keine Ahnung. Aber es wird wohl nicht nur am Aussehen liegen können …

Lektüretipps für Einsteiger:

(Beide Bände enthalten nicht Mad Love. Davon ist mittlerweile auch eine deutsche Neuauflage bei Panini erschienen.)

Batman-Splitter #6: Batusi

Batman kann alles. Und er hat auch schon alles gemacht. Gerade im Silver Age lautete die Devise „Anything Goes“ und die TV-Serie der Jahre 1966 und 1967 (und der dazugehörige Film Batman hält die Welt in Atem) hat auf die Spitze getrieben: Batman für für jeden Quatsch zu haben. Sogar zum Tanzen. Natürlich konnte ein Batman-Tanz nicht ausgeführt werden, ohne dass er – wie alles andere in der Serie – ein Label bekam. Und so wurde aus dem populären Watusi ein „Batusi“.

Gleich in der ersten Folge, „Hi Riddle Diddle“, schwingt Adam West die Hüften. Und natürlich gleich mit einer Frau. Wie es dazu kommt? Durch die Erklärung wird es nicht sinnvoller: Der Riddler legt Batman und Robin herein. Statt mit seinen Rätseln ein Verbrechen anzukündigen, inszeniert er eine Situation, in der sich das Dynamische Duo blamiert. Daraufhin verklagt der Riddler die beiden. Obwohl Batman und Robin nichts zu befürchten haben, weil niemand ihre wahre Identität kennt, nimmt Bruce Wayne sich das sehr zu Herzen, wälzt juristische Fachliteratur und sieht keinen Ausweg, als vor Gericht zu erscheinen. Denn dieser Batman ist kein Outlaw, der macht, was er will – er ist streng gesetzestreu. Doch da kommt Robin auf den Trichter, dass die Vorladung ein Hinweis sein könnte. Der führt in den Nachtclub „What A Way to Go Go“.

An der Bar bestellt Batman erstmal einen großen Orangensaft – „Batman Special“ – (Robin hat keinen Zutritt, da minderjährig) und trifft auf eine Frau, die ihn nicht lange überreden muss, mit ihr zu tanzen. Kaum bittet sie ihn, kippt er seinen O-Saft auf ex und rockt den Tanzboden, wobei die Vibes eher durch die Arme und Hände gehen. Markenzeichen: mit den Fingern ein V machen und quer über die Augen ziehen. „You shake a pretty mean cape, Batman“, sagt die Tanzbiene, und selbst Robin groovt mit, während er den Batusi vom Batmobil aus per Liveschalte verfolgt. (Wo ist die Kamera? Egal.) Doch die Einlage endet abrupt, weil Batman zusammenbricht. Der Drink ist ihm nicht bekommen …

Eine weitere Gelegenheit, das Cape zu schwingen, bekommt Batman in „The Pharaoh’s in a Rut“ (S01E28). Zunächst scheint es so, als stünde der Held unter dem Einfluss des Schurken King Tut, als er ihn auffordert, zu seiner Belustigung zu tanzen. King Tut lässt „Bat Music“ auf einem goldenen Grammophon auflegen, Batman legt sich richtig ins Zeug, zeigt vollen Körpereinsatz, hopst wild herum und dann knallt es plötzlich („BIFF!!!“) – er beginnt, des Pharaos Schergen zu vermöbeln. Aus dem Tanz wird eine Schlägerei, aus der Schlägerei ein Schwertkampf („CLANK!“), Robin springt dazu und nach ein paar weiteren Faustschlägen liegen die Gegner am Boden. So geschickt, so elegant, so durchtrieben –  Batman hat es mal wieder allen gezeigt.

Der Batusi machte Schule, er wurde zum Mode-Tanz – wenn man überhaupt von einem richtigen Tanz sprechen  kann. Wer ihn ‚erfunden‘ hat, dazu gibt es verschiedene Versionen. Auch später, von Pulp Fiction (1994) bis zum Akte X-Revival (2016), wurde der Batusi gepflegt. Doch das nächste Mal, als Batman im Film einen Nachtclub aufmischte, sparte er sich das Vorspiel. In The Dark Knight (2008) war der Kampf der Tanz.

Batman-Splitter #5: Vom Red Hood zum Joker

DC Comics

DC Comics

„That chemical vapor– it turned my hair green, my lips rouge-red, my skin chalk white! I look like an evil clown! What a joke on me!“

Wer ist der Joker? Ein Niemand, der aus dem Nichts kam. Das namenlose Böse. Das stimmt nur zum Teil. Denn der Joker ist lange mit der Tradition des Red Hood verbunden. Erst elf Jahre nach dem ersten Erscheinen des Jokers (in Batman #1, 1940) bekam der Schurke eine Vorgeschichte angedichtet: In „The Man Behind the Red Hood“ (Detective Comics #168, 1951) wird der Red Hood als ein ungelöster Fall für Batman eingeführt. Am Ende offenbart der Joker, dass er damals unter der Maske steckte. Er war ein Laborarbeiter bei der Monarch Playing Card Company und wollte sie um eine Million Doller bestehlen. Der rote Helm sollte den Zweck erfüllen, dass er durch einen Kanal für Chemie-Abwasser entkommen konnte. (Wie der Umhang dabei helfen sollte, ist allerdings unklar.) Schließlich stellte der Joker aber fest, dass die Chemikalien sein Gesicht dennoch berührt und weiß gefärbt haben. Er beschließt, aus der Not eine Tugend zu machen. Weil er aussieht wie ein Clown, lässt er sich von einer Spielkarte zu seiner neuen Identität inspirieren. (Übrigens könnte die übergroße Joker-Karte in der Bathöhle auch von dort stammen.)

DC Comics

DC Comics

In Alan Moores Neuerzählung The Killing Joke ist der Joker vor seiner Entstehung zunächst ein ehemaliger Arbeiter im ACE Chemiewerk bis er sich als Komiker versucht, um seine Familie zu ernähren. Weil das nicht klappt, lässt er sich von Gaunern dazu überreden, die Monarch Spielkartenfirma auszurauben. Sie stecken ihn in das Kostüm des Red Hood, ein Markenzeichen, das immer ein anderer trägt. (So wird der Red Hood zum Red Herring.) Damit soll er unerkannt durch das ACE Chemiewerk, in dem er einst gearbeitet hat, zur Spielkartenfirma kommen. Als Batman eingreift, springt Red Hood in das Abwasser und kommt gebleicht und verrückt wieder raus.

The Kinlling Joke (DC Comics)

The Killing Joke (DC Comics)

Im Zero Year ist der Red Hood der souveräne Anführer einer berüchtigten Verbrecherbande, in der alle eine rote Masken tragen. Allein der Anführer trägt den roten Zylinder. Bruce Wayne versucht es zunächst mit Geheimidentitäten, gegen die Bande vorzugehen. Schließlich hat er als Batman Erfolg. Red Hood fällt am Ende des Kampfes beim Einsturz einer Brücke in den Chemietank, wohlwissend, dass dies nicht sein Ende, sondern erst der Anfang seiner Karriere ist.

Batman #24 Variant (DC Comics)

Batman #24 Variant (DC Comics)

Allen drei Geschichten gemeinsam ist, dass der Joker vor seiner Entstehung keinen Namen hat. Das könnte sich mit DC Rebirth bald ändern. Im Auftakt dazu heißt es, es gebe drei Joker. Oder wenigstens drei Identitäten. Hängt das vielleicht mit den drei Red Hood-Versionen zusammen? Golden Age (Pre-Chrisis), Modern Age (Post-Crisis) und The New 52 (Post-Flashpoint)? Oder mit dem Einfluss der Watchmen (Stichwort: Comedian = Joker)? Der Joker bleibt vorläufig ein Multiple Choice-Rätsel.

Batman-Splitter #4: Bathöhle

The Bat Cave (Batman 1943 Serial)

The Bat Cave (Batman 1943 Serial)

Da hockt er in seiner Höhle, der Typ mit der Maske und den schiefen Ohren, unter einer großen schwarzen Fledermaus an einem Schreibtisch und grübelt. So erscheint Batman erstmals auf Film, im Serial des Jahres 1943. Die Bathöhle ist eine Erfindung aus dem Serial. Ebenso der Zugang zu ihr hinter einer Standuhr. Das Versteck gibt es sogar noch in Batman Begins. Ein wirkmächtiger Ort, der längst fester Bestandteil des Mythos ist.

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Jeder Held braucht ein Clubhaus. Superman hat seine Festung der Einsamkeit, Batman seine Bathöhle. Sie ist nicht nur Rückzugsort der Fledermäuse und damit Raum für die Tiere, denen er sein Kostüm als Batman verdankt, sie ist damit auch sein Hauptquartier. Die Bathöhle, die sich unter Wayne Manor befindet, ist Kommandozentrale, Waffenkammer, Garage und Garderobe. Am Bat-Computer wird recherchiert, im Labor wird untersucht. Manchmal dient sie als temporäres Gefängnis. Und sie ist ein Trophäenraum, in dem sich Batman als sentimentaler Nostalgiker erweist. Erinnerungsstücke stehen hier, wie etwa alte Kostüme. Das Robin-Kostüm von Jason Todd wird (bereits in The Dark Knight Returns) zum Mahnmal für Batmans Versagen.

Batcave in Batman #48 (1948)

Batcave in Batman #48 (1948)

Die Bathöhle sieht jedes Mal anders aus und ist auch jedes Mal anders ausgestattet. In der Batman-TV-Serie (und dem Film) der 60er drückt Bruce Wayne einen geheimen Schalter in einer Shakespeare-Büste, um den Zugang zu öffnen und rutscht mit Robin Feuerwehrstangen hinab, um unten in Kostüm anzukommen. In der Höhle gibt es alles, was man braucht – und jedes Utensil ist beschriftet, damit auch jedes Kind weiß, wozu auch alles gut ist. Von der Batlupe bis zum „Batanalyst“. Was hier allerdings fehlt, sind Trophäen. Das ist bemerkenswert, weil im Gegensatz zum verspielten Stil der Serie und des Films alles rein funktional ist. So ist es auch in den späteren Kinofilmen.

Batman 1966

Batman 1966

Im Comic hat Jim Lee die Höhle bislang am beeindruckendsten verewigt: In Hush zeichnete er sie als gigantische Garage für die wichtigsten Batmobile der Comic- und Filmgeschichte, in All-Star Batman & Robin, the Boy Wonder wirkt die Höhle schier endlos und ist so groß, dass man die Seite mehrfach ausklappen muss. Hier sind – neben vielen Robotern, die die Gefährte warten – viele historische Rüstungen in Vitrinen zu sehen, die keinen direkten Bezug zu Batman haben. Die Bathöhle dient hier also auch als Museum.

Die große Auswahl. (Hush)

Die große Auswahl. (Hush)

Die Bathöhle kam im Comic kurz nach dem Serial vor (Batman #16, 1943), auch wenn sie noch nicht so genannt wurde, und wurde zugleich mit dem Butler Alfred eingeführt (der damals noch Beagle mit Nachnamen hieß und etwas dicker war). Alfred entdeckt per Zufall den geheimen Zugang zu einem unterirdischen Labor und einem Hangar mit dem Batplane – und damit findet der Butler auch Waynes Geheimidentität heraus. Später wurde Beagle durch Pennyworth ausgetauscht und zu der Höhle kam auch der Trophäenraum.

Batman #16 (1943): Alfred entdeckt die Bathöhle

Batman #16 (1943): Alfred entdeckt die Bathöhle

Der Trophäenraum

Der erste Trophäenraum. (Batman #12, 1942)

Der erste Trophäenraum. (Batman #12, 1942)

Den Trophäenraum gab es schon bevor es die Bathöhle gab, damals noch oberirdisch in Wayne Manor (Batman #12, 1942). Bereits damals erwies sich Batman als sentimentaler (oder besser gesagt: eitler) Sammler, der für jedes seiner tausend Abenteuer ein Andenken hortete. Auch der Raum, der später in die Höhle verlagert wurde, immer anders bestückt ist, sind meistens drei übergroße Exponate zu erkennen: die große Joker-Karte, der Riesen-Penny und der Roboter-T-Rex. Auffällig ist dabei, dass zwar allein die Joker-Karte an einen klassischen Schurken erinnert, aber wie Batman zu ihr kam, ist – soweit ich herausfinden konnte – nicht überliefert.

Der Dinosaurier

DC Comics

DC Comics

Wie Batman zum Dinosaurier kam, wird gleich zweimal erzählt. Vielleicht sogar dreimal. Denn die erste Begegnung mit Roboter-Dinos machten Batman und Robin bereits in in The Isle that Time Forgot (Batman #10, 1942). Die beiden landen auf einer prähistorisch erscheinenden Insel, die sich später als Filmkulisse herausstellt. Dabei kämpfen sie gegen einen falschen T-Rex. Eine ähnliche Idee wird in Dinosaur Island (Batman #35, 1946) aufgegriffen – und auf diese Story wird später auch Bezug genommen, wenn es um den Dino in der Höhle geht.

Am Anfang ist alles nur ein Spiel. Batman und Robin werden vom Betreiber eines Freizeitparks dazu aufgefordert, gegen seine Roboter-Dinosaurier und -Höhlenmenschen zu kämpfen – natürlich ohne ernste Gefahr und für einen guten Zweck. Allerdings, damit es nicht zu einfach ist, müssen sie dafür ihre Allzeit-Bereit-Gürtel ablegen. Da das Dynamische Duo gerade nicht mit Verbrechen beschäftigt ist, machen sie mit, aber dabei kommt das Verbrechen zu ihnen. Ein Gauner namens Chase sabotiert die Roboter und versucht, Batman und Robin umzubringen. Die Helden vereiteln den Plan mit der üblichen Leichtigkeit. Fortan steht ein Dinosaurier in der Bathöhle, zu sehen in The Thousand and One Trophies of Batman (Detective Comics #158, 1950). Allerdings ist da noch kein T-Rex, sondern ein Langhals.

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Später, in Batman Chronicles #8 (1997), wird die Geschichte erneut erzählt. Dieses Mal muss Batman alleine gegen die Saurier und Höhlenmenschen kämpfen, während er einen Mord aufzuklären versucht. Der Besitzer des Freizeitparks wurde vom bösen Chase getötet, weil dieser andere Pläne mit dem Park hatte. Am Ende ist das Resultat das gleiche. Allerdings erklärt Alfred am Ende, warum Bruce Wayne sich die Mühe macht, den T-Rex in die Höhle zu stellen: Um sich, wenn er mal wieder einen Durchhänger hat und am Sinn seiner Mission zweifelt, an seine Siege zu erinnern. Alfred ersteigert den Dino bei einer Polizeiauktion unter falschem Namen. Wie der Riesenroboter in die Höhle geschafft wird, wird aber wohl immer ein Rätsel bleiben.

Dass der Dino-Roboter mehr ist als nur Deko wird in Batman #9 (2012) deutlich, wo er als Abwehr gegen die eindringenden Talons zum Einsatz (Nacht der Eulen) kommt. Dabei erfahren wir auch den Namen des T-Rex: Fido.

Der Riesenpenny/Die Riesenmünze

World's Finest #30 (1947) (DC Comics)

World’s Finest #30 (1947) (DC Comics)

Mehrere Geschichten gibt es auch zu der großen Ein-Cent-Münze. Die erste – The Penny Plunderers (World’s Finest Comics #30, 1947) – handelt von einem kleinen Gauner. In dem Fall: von Pennies, also Ein-Cent-Stücken. Joe Coyne (man beachte das Wortspiel!) hat Pech mit Pennies, eine Reihe von Unglücksfällen mit den Münzen bringt ihn in den Knast. Statt davon abzulassen, beschließt er, künftig Pennies zum Markenzeichen seiner Verbrechen zu machen. Eine atale Logik. Denn so kommen ihm Batman und Robin schnell auf die Spur und treffen ihn bei einer Briefmarkenausstellung an, bei eine kostbare Ein-Cent-Briefmarke gezeigt wird. Passend dazu wird eine riesige Ein-Cent-Münze ausgestellt. Batman benutzt ihn sogleich als Waffe gegen die Banditen. In der Folge lassen sich die Helden von viel kleineren Münzen ausschalten und von Coynes Gang gefangennehmen. Aber weil ihnen Coyne genug Gelegenheit zum Ausbüchsen gibt, kommen die beiden mit einer hanebüchenen McGyver-Methode frei. Schließlich bringen die Pennies Coyne in den Knast.

In The Batman Chronicles #19 (2000) ist die Story weitgehend ähnlich, aber weniger lächerlich (auch wenn auch einige Kalauer fallen) und nimmt für Coyne eine tragische Wendung: er wird vom Riesenpenny (den er übrigens selbst gebaut hat) zerquetscht. Wie der Penny in die Höhle kommt, wird nicht erzählt, aber der Grund könnte ein Mahnmal für die Opfer von Batmans Kreuzzug sein. Das ist eine sehr wohlwollende Auslegung, denn im Comic lässt Coynes Tod Batman eigentlich ziemlich kalt.

Batman #81 (DC Comics)

Batman #81 (DC Comics)

Eine alternative Story gibt es in Batman #81 (1954), wo Two-Face Batman und Robin an eine riesige Münze fesselt und sie auf eine Fläche voller Spieße wirft. Die beiden haben Glück, die Münze landet auf der anderen Seite. In einer Adaption der Geschichte in Batman: The Animated Series (Almost Got ‚Im, S01E46, 1992) ist nur Batman an einen Riesenpenny gefesselt, der ebenfalls geworfen wird, und kommt noch im Flug frei, weil er mit Two-Faces Dollar die Seile durchschneidet (wie er an den Dollar kommt, bleibt unklar).

BTAS: Almost Got 'Im

BTAS: Almost Got ‚Im

Im neuen DC-Universum von The New 52 ist der erste Standort des Riesen-Pennies zunächst vor dem Wayne Tower (Zero Year/Jahr Null, Batman #21, 2013). Was er dort soll ist ebenso wenig klar wie warum er in die Bathöhle geraten ist.

Dekonstruktionen

Die Bathöhle ist ein Geheimversteck. Eine Hall of Fame. Ein heiliger Raum der Ruhe, des Rückzugs, der ineren Sammlung. Das Eindringen eines Fremden, vor allem eines Schurken an diesen Ort der Sicherheit gleicht stets einem Sakrileg. In Knightfall wird die Bathöhle zum Schauplatz des Showdowns, wenn Bane in Wayne Manor einfällt und Batman zusammenschlägt. Nicht nur, dass Bane in das Allerheiligste eindringt, er vernichtet auch wichtige Symbole: die Standuhr, dann fällt die Riesenmünze auf Batman, schließlich zerbricht die Vitrine mit dem Robin-Kostüm. So wird Batman gedemütigt bevor ihm das Rückgrat gebrochen wird.

In einer Folge der TV-Serie The New Batman Adventures (Over the Edge, S01E12, 1998) wird die Bathöhle von der Polizei gestürmt, nachdem durch einen tragischen Tod Batgirls auch Batmans Geheimidentität auffliegt. Der Riesenpenny dient Batman als Schild und Waffe gegen die schießenden Polizisten, zu denen auch Gordon gehört.

Batman bringt den Riesenpenny in Bewegung

Over the Edge: Batman bringt den Riesenpenny in Bewegung

In der Storyline Endgame (dt. Todesspiel) fällt der Joker über die Höhle her und veranstaltet mit den drei Haupt-Trophäen eine Parade durch Gotham. Mit einem geschminkten T-Rex gibt er Batman öffentlich der Lächerlichkeit preis und demütigt ihn so ähnlich wie Bane es in Knightfall tat.

Parade mit Trophäen: Batman #40.

Parade mit Trophäen: Batman #40. (DC Comics)

Nach dem Kampf mit dem Joker, in Superheavy, malt Bruce Wayne den Dino bunt an und macht ihn zusammen mit der Münze und der Karte zu Spielgeräten für Kinder in einem Jugendzentrum. Damit bricht der geschichtsvergessene Held mit seiner Vergangenheit als Batman. James Gordon füllt an seiner statt die Rolle als Superheld aus.

Trophäen als Spielgeräte: Batman #45

Trophäen als Spielgeräte: Batman #45 (DC Comics)

So treiben die Autoren die Dekonstruktion eines Mythos immer weiter voran. Immerhin war die Höhle zuletzt (in Batman #51) wieder in ihrem Urzustand zu stehen, inklusive einiger neuer Souvenirs. Das wird dieser mythische Ort für die Leser immer wieder sein: Anlass für Wimmelbilder, auf denen es stets etwas zu entdecken gibt.

Die Bathöhle in Batman #51 (2016)

Die Bathöhle in Batman #51 (2016) (DC Comics)

P.S.: Was man allerdings nie in der Bathöhle sieht, ist eine Toilette. Batman auf dem Klo zu zeigen wird wohl das letzte Tabu bleiben.

Hinweis: Dinosaur Island und The Penny Plunderers wurden in Batman #256 nachgedruckt und sind in der Form auch digital verfügbar, zusammen mit The Thousand and One Trophies of Batman (Detective Comics #158, 1950).

Batman-Splitter #3: Batmobile

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„Let’s take the car“, sagt Batman zu Nightwing in Hush. Und dann kommt die großartige Doppelseite, auf der Nightwing antwortet: „Great. Which one?“ Die Halle in der Bathöhle ist voll davon. Zehn Batmobile aus über 60 Seiten Comic- und Filmgeschichte. Fanherzen schlagen höher, Nerds können ihr unnützes Wissen beweisen, indem sie jedes Autos einordnen und das Jahr nennen. Später, in Frank Millers All-Star Batman, zeichnet Jim Lee eine noch größere Bathöhle samt Garage. Da kann das Batmobil sogar fliegen.

Das Batmobil ist das Traumauto schlechthin. Es hat alles, was man sich von einem Auto wünschen kann und mehr – und es hat sich wahrscheinlich öfter verändert als der Batmans Anzug. Unzählige Versionen gab es in Comics, Filmen und Serien. Jeder Zeichner hat seine eigene gemacht, manche sogar mehrere, sogar innerhalb des gleichen Comics. Mal ist es eine Limousine, mal ein Sportwagen, mal ein klobiger Panzer, mal ein Fluggerät.

Die große Auswahl. (Hush)

Die große Auswahl: Hush. (DC Comics)

Von Anfang an (Detective Comics #27) gehörte es zu Batman dazu. Allerdings war es nicht immer schwarz. In den ersten Abenteuern war es mal eine rote Limousine, mal ein schwarzs Cabrio (das aber sehr blau wirkte). Erst 1941, in Detective Comics #48, wird es allerdings „Batmobile“ genannt. Im gleichen Jahr wird es schwarz und bekommt seinen „Kopf“ und seine Heckflosse verpasst. Seitdem variieren die Komponenten, aber meist bleibt es bei schwarz – selbst in der bunten wie albernen 60er-Jahre-Serie und dem Film mit Adam West, da bekommt das Batmobil sogar einen Raketenantrieb. Die wohl elegantesten und schnittigsten Wagen sind (meiner Meinung nach) die aus dem Burton-Filmen und aus den 90er-Jahre Zeichentrickserien.

In den 80ern lässt Frank Miller seinen zurückgekehrten Dark Knight einen gewaltigen Panzer fahren, der Gummigeschosse gegen die Mutantenbande schießt. Zwei Jahrzehnte später setzt Christopher Nolan in seinen Filmen (Batman Begins, The Dark Knight) einen ähnlichen Kampfwagen ein, der fürs Militär gebaut wurde und kaum noch Ähnlichkeit mit den klassischen Batmobilen hat. Als der zerstört wird, löst Batman ein Motorrad aus ihm heraus: den Batpod. Und Zack Snyder geht in Batman v Superman: Dawn of Justice, der nächstes Jahr erscheint, noch einen Schritt weiter Richtung Miller. Sein Batmobil ist ein Ungetüm von einem Gefährt, das einzig für den Krieg gemacht zu sein scheint – für den Krieg gegen Überwesen. Allerdings scheint Superman kein Problem damit zu haben …

Einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Batmobile gibt es unter batmobilehistory.com. Einen sehr gelungenen Dokumentarfilm findet man auf der Blu-ray zu The Dark Knight Rises. Der Eaglemoss-Verlag bietet nun eine Sammelreihe von Batmobil-Modellautos an.

Welches ist euer Lieblingsmodell?

Batman-Splitter #2: Blitz und Donner

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Zu einem dramatischen Auftritt gehört auch eine passende Kulisse. Zum Beispiel ein Gewitter bei Nacht. Besonders gut kommt es, wenn man den richtigen Augenblick abwartet, wenn man durchs Fenster gesprungen kommt – etwa, wenn gerade ein Blitz einschlägt. Batmans Superkraft besteht darin, immer exakt zu wissen, wann das passiert. Anders ist es nicht zu erklären, dass er seine coolsten Posen so oft im Schein des Blitzlichts macht, als wäre immer ein Paparazzo hinter ihm her.

Blitz und Donner sind das perfekte Setting für einen Showdown, für Trauer und Selbstzweifel. Der Regen steht für die Tränen der Trauer, der Wind für das Hin- und Her großer Emotionen (außerdem lässt er den Umhang so schön bauschen) und die Blitze, diese Rinnsale des Lichts, die sich durch den dunklen, wolkenverhangenen Himmel ihren Richtung Erde bahnen, versinnbildlichen die Spannung, die sich in der Szene entlädt. Nur eine Sache passiert nie: dass jemand vom Blitz getroffen wird. Matt Wagner ist das aufgefallen – und hat er das Muster in seiner Mad Monk-Story einmal durchbrochen. Der Deus ex machina sei ihm wegen des Gags verziehen.

Doch auch wenn das Gewitter nur eines dieser Klischees ist – es funktioniert jedes Mal wieder. Ohne das wäre das Drama nur halb so dramatisch. Von Batman lernen heißt: Kommen mit Knall.

Batman-Splitter #1: Glasbruch

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Kaum wurde ich darauf aufmerksam gemacht, muss ich jedes Mal schmunzeln, wenn ich es sehe: Batman springt durch Fensterscheiben. So gut wie jedes mal, wenn er einen Schurken angreift oder ein Opfer rettet. Immer ist das Glas im Weg. Immer muss der Held – mal mit Bein, mal mit Arm voran – durchbrechen und hoffen, dass ihn die Splitter nicht verletzen. Dafür ist ja auch zum Teil der Umhang da – wenn Batman ihn nicht gerade braucht, um seinen Sturz zu bremsen. Aber Fenster scheinen so etwas wie Batmans natürliche Feinde zu sein, er erledigt sie massenweise und ohne jeden Kommentar, immer beiläufig und ohne Verletzung. Daher ist es schwer nachvollziehbar, dass der Pinguin erst so spät auf die Idee kommt, eine Glaserei aufzumachen. Die Glaser in Gotham müssen reich sein, ihr Schutzpatron ist Batman.

Die Sache hat natürlich ihren Ursprung bei der Fledermaus, die laut Frank Miller nicht – wie noch bei Bob Kane – durchs offene Fenster hereingeflogen kam, sondern bei einem Gewitter durchs Fenster brach. (Noch so ein Aspekt, der den Glasbruch begleitet: Blitz und Donner – aber dazu später mehr.) Man muss sich fragen, wie glaubwürdig das ist. Wie groß und schwer muss eine Fledermaus sein, wie schnell muss sie fliegen, um selbst eine einfach verglaste Scheibe zu durchbrechen? Zoologen werden jetzt sagen: Das spielt keine Rolle, eine Fledermaus müsste die Scheibe orten können, daher ist es gar nicht möglich, dass sie dagegenfliegt. Es sei denn – sie ist taub.

Das wiederum gibt zu denken: Denn was sagt es über Batman aus, dass er eine orientierungslose Fledermaus zum Omen und Vorbild nimmt? Kann es sein, dass die moderne Geschichte von Batman nur auf einem Missverständnis beruht? Dass die Fledermaus eigentlich ausdrückt, der Weg des Vigilantentums sei ein Irrweg? Liegt darin vielleicht die eigentliche Tragödie der Figur, dass sie sich eine Aufgabe aufbürdet, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist? Wir wissen es nicht, was mit der Fledermaus passiert ist, nachdem sie das Fenster durchbrochen hat. Wir wissen nur, dass Batman in der Folge oft am Boden lag …

In der Neuerzählung des Batman-Mythos von Scott Snyder (Zero Year) sind es übrigens viele Fledermäuse, die durch das offene Fenster geflogen kommen, und eine, die sich auf der Büste von Thomas Wayne niederlässt. Was allerdings nichts an Batmans destruktiver Methode ändert. Und auch nichts an seinem Werdegang.

Eigentlich ergibt es keinen Sinn, dass Batman, der sonst eher davon profitiert, unbemerkt zu bleiben, so lautstark in Erscheinung tritt. Es sei denn, es handelt sich um einen Notfall. Aber manchmal kommt man nicht umhin, eine Lust am Vandalismus zu bemerken. Wie zum Beispiel in Penguin: Pride and Prejudice. Da kracht Batman nur durchs Oberlicht, um den Pinguin mal kurz was zu fragen. Dadurch sprengt der Held aber die Party und versaut dem Schurken die Laune. Batman ist ein Sadist, der am liebsten andere Menschen durch Fenster wirft (siehe The Dark Knight Returns) – natürlich nur, wenn sie es verdienen …

Ja, der Sprung durchs Fenster ist ein Klischee, ebenso wie Batmans plötzliches Verschwinden jede Konversation mit Gordon beendet, aber es gehört eben dazu. Was wäre Batman ohne dramatische Auftritte? So eine berstende Scheibe sieht halt immer wieder cool aus …