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Nachricht ohne Spoiler

Batman: Pennyworth R.I.P.

DC Comics

Wer DC auf Twitter abonniert, will über neueste Comics auf dem Laufenden bleiben. Das klappt meistens ganz gut. Aber heute bin ich über eine Nachricht gestolpert, die zu viel des Guten berichtet. Darin steht, dass in Batman #77 das Undenkbare geschehen sei. Was das ist, das will ich hier nicht verraten, denn ich will es nicht für die Leser spoilern, die es selbst noch lesen wollen. Jedenfalls erscheint zu diesem unerhörten Ereignis am 12. Februar 2020 ein Comic, das davon erzählt, was nach diesem Ereignis passiert. Der Dunkle Ritter steht mal wieder am Scheideweg.

Dieser One-shot umfasst 48 Seiten und wird im Prestige-Format gedruckt sein. Geschrieben wird er von James Tynion IV (Detective Comics) und Peter J. Tomasi (Detective Comics, Batman and Robin) und gezeichnet von Eddy Barrows und Eber Ferreira.

Ich kann euch nicht mal verraten, wie dieses Comic heißt, weil damit schon zu viel gespoilert wäre. Wer Batman #77 gelesen hat oder wem Spoiler egal sind, der kann das alles bei DC Comics nachlesen. Auf eigene Gefahr.

Der erste Trailer zu „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“

Acht Monate ist es her, seit der erste Teaser zum Film Birds of Prey herausgekommen ist, gerade mal 20 Sekunden, die mehr nach einem Werbespot für Klamotten aussahen als für einen Spielfilm. Jetzt hat Warner endlich einen anständigen Trailer herausgebracht. Aber hat sich der Eindruck verändert? Kein bisschen. Das Ganze wirkt wie eine knallbunte, überdrehte Harley-Quinn-Show, bei der die anderen Teammitglieder wie Huntress, Black Canary und Renée Montoya nur blasse Sidekicks sind. Wir haben uns wohl auf eine Art „Pyjamaparty“ einzustellen, um es mit Quinns Worten zu sagen.

Ewan McGregor scheint als Schurke Black Mask auch nur auf Spaß und Harley Quinn selbst aus zu sein. Es wirkt nicht so, als ob wir einen ernstzunehmenden Gegner bekämen, der sich an den Comics orientiert. Natürlich kann man von einem Trailer nur schwer über einen Film urteilen. Aber es ist schon seltsam: Ein echtes Highlight, einen wirklich zündenden Gag zeigen diese ersten zwei Minuten nicht.

„Birds of Prey: And the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn“ wird auf Deutsch einfach nur den Untertitel „The Emancipation of Harley Quinn“ tragen und erscheint am 6. Februar 2020 im Kino.

James Tynion IV und Tony Daniel übernehmen Batman-Serie

Im Januar 2020 bekommt Batman ein neues Kreativteam – zumindest zum Teil. Tom King verabschiedet sich nach Ausgabe 85, dem Ende seiner Storyline „City of Bane“, um in der 12-teiligen Maxi-Serie Batman/Catwoman seine bislang gescheiterte Romanze weiterzuerzählen.

Ab Batman #86 übernimmt James Tynion IV das Schreiben, während Tony S. Daniel zum Stammzeichner wird – so teilt es DC mit. (Damit erscheint die Serie wieder monatlich.) Beide sind keine Neulinge: Daniel ist bereits seit Batman R.I.P. dabei und hat auch zuletzt für Kings Batman gezeichnet. Tynion (englisch ausgesprochen wie tie-nun) hat bereits an Batman Eternal mitgeschrieben, Batman & Robin Eternal verantwortet sowie Detective Comics #934-981 seit dem Rebirth-Neustart. Außerdem hat er Batman mit den Turtles zusammengebracht …

Da ich kein Fan seiner Detective-Storyline war, die sich auf Batman als (übergroßes) Team konzentrierte, zu dem so ziemlich jeder und jede dazugehörte (auch Clayface), freut mich diese Entscheidung nicht. Auch Tynion gehört zu den geschwätzigen Autoren. Allerdings gibt es Hoffnung: In der Batman-Serie will er sich nach eigenen Worten auf Bruce Wayne konzentrieren.

“I want to dig deep into the Bat himself and tell an epic story that pushes him to his absolute limits. I want to tell a Batman story like the kinds I grew up loving, one that embraces the horror and gothic elegance of Gotham and dives deep into Batman’s greatest villains.”

Tynion ist übrigens erst 31 Jahre alt. Abseits von DC sorgt er mit seiner Horror-Comic-Serie „Something Is Killing The Children“ für Aufsehen.

Mehr von James Tynion IV:

 

Heute ist Batman-Tag!

Panini Comics

Der diesjährige Batman-Tag am 21. September 2019 steht im Zeichen des 80-jährigen Jubiläums. Weltweit finden Aktionen statt, mehrere Städte lassen sogar ein Batsignal leuchten. Während der Panini-Verlag ein Gratis-Comic (unbekannten Inhalts), Papier-Masken und Postkarten verteilt, gibt DC gleich zwei Gratis-Comics heraus. Der eine ist die Nummer 1 von The Batman Who Laughs (auch mit Maske), der andere ist Batman: Nightwalker, die Comic-Adaption eines Romans.

Darüber hinaus bringt Panini noch Variants zu Batman #30 und „Der Batman, der lacht“ heraus, die nur in Comic-Shops verfügbar sein werden. Mehr Infos gibt es hier.

Neues Comic: Dark Knight Returns – The Golden Child

Dark Knight Returns: The Golden Child

DC Comics

Frank Miller kehrt zu Batman zurück. Nach seinem Dark Knight Returns: Last Crusade, in dem er die Vorgeschichte von Robin erzählt hat, kommt im Dezember ein weiterer One-Shot heraus, der im selben Universum spielt: Dark Knight Returns: The Golden Child erzählt, was nach Dark Knight III: The Master Race passiert.

Carrie Kelley ist von Robin, Catgirl und Batgirl zur Batwoman aufgestiegen. Zusammen mit Supermans Tochter Lara müssen sie gegen den jungen Jonathan Kent kämpfen, denn der Goldjunge trägt eine große Kraft in sich, die die Welt bedroht …

The Golden Child wird gezeichnet von Rafael Grampá, der bereits auch als Künstler für Batman aufgetreten ist. DC verspricht eine „Dark Knight story like nothing you’ve ever seen before“. Es würde schon reichen, wenn Frank Miller endlich mal wieder etwas erzählt, was seinen früheren Qualitäten als Erzähler gerecht wird.

Der One-shot im Prestige-Format soll 48 Seiten umfassen und 5,99 US-Dollar kosten. Erscheinen wird er am 11. Dezember 2019 unter DC Black Label.

Neu aufgelegt: Batman – The 1989 Movie Adaptation Deluxe Edition

Batman Movie Adaptation 1989

DC Comics

Die 80er-Jahre-Nostalgie nimmt kein Ende. 30 Jahre nach dem Erscheinen von Tim Burtons erstem Batman-Film (1989) legt DC seine Comic-Adaption neu auf. Geschrieben wurde sie von Dennis O’Neil und gezeichnet von Jerry Ordway. 144 Seiten als Hardcover. Für 20 US-Dollar. Die Veröffentlichung ist für den 29. November geplant.

Es kann nur Nostalgie der Grund dafür sein, denn Comics zu Spielfilmen sind so nutzlos wie ein Kropf. Die Filme basieren ja bereits auf den Comics (in diesem Fall bediente man sich bei Strange Apparitions) und wer will schon den Comic zum Film lesen, wenn er sich auch den Film anschauen kann, denn der Film hat ja den Vorteil, bewegte Bilder zu zeigen und auch noch nach etwas zu klingen, während ein Comic zum Film bloß so etwas wie ein in Panels gepresstes Storyboard ist, bei dem nur die Seiten beim Umblättern rascheln.

Batmobile 1989 Movie

Bitte einsteigen: Batmobil 1989.

Solche Adaptionen hat es zu jedem Batman-Film gegeben. Und nie haben sie bleibenden Eindruck hinterlassen. Wer soll das also lesen? Wahrscheinlich dieselben, die sich auch die „Bücher zum Film“ kaufen, in denen man das Drehbuch ausgeschmückt in Romanform nachlesen kann. Braucht auch kein Mensch.

Allerdings geht es auch andersrum: Bereits im vergangenen Jahr sind zu den Comic-Klassikern Mad Love, The Killing Joke und The Court of Owls ebenfalls Roman-Adaptionen erschienen. Heißt also: Comics ohne die grandiosen Zeichnungen von Bruce Timm, Brian Bolland oder Greg Capullo.

Aber zurück zum Comic. Die erinnert nämlich gleich auf Seite eins daran, dass wir es mit einer Film-Adaption zu tun haben: „It’s just a movie for heaven’s sake“, lautet der erste Satz. Wir sehen ein Kinopublikum im halbdunklen Saal sitzen, vor ihm entrollt sich ein Filmstreifen, auf dem die erste Szene zu sehen ist: Die Familie will ins Kino, schafft es aber nicht dorthin.

An einigen Stellen weicht der Comic vom Film ab, weil dem Autor nur das Drehbuch zur Verfügung stand und man kurzfristige Änderungen nicht mehr berücksichtigen konnte. Welche das sind, kann man dann bald selbst herausfinden. Und wen das alles nicht interessiert, kann zumindest die gelungenen Seiten von Jerry Ordway genießen, der geschickt die Atmosphäre des Films einfängt – so gut das eben in diesem Medium geht.

80 Jahre Batman: Eine Bestandsaufnahme

Der Autor Timur Vermes hat Ende August bei Spiegel Online Batman zum 80-jährigen Jubiläum ein Armutszeugnis ausgestellt: „Batman ist 80 und hat ein Problem: In seinem Universum läuft ihm der Joker den Rang ab – denn der Dunkle Ritter schmort heute viel zu oft im eigenen Saft“, heißt es da. Batman – ein „Wegducker“, denn er er befasse sich „nicht mit der Welt, nur mit sich selbst.“ Vermes wünscht sich mehr Realismus, wie zu Zeiten von Neal Adams in den 70er Jahren. Batman soll heute lieber gegen Pharmahersteller, Terroristen und rassistische Präsidenten kämpfen. „Kurz: Batmans eigentliche Baustelle.“ Aber ist das wirklich so?

Als Belege führt Vermes einige aktuelle Bände wie Batman Metal, Der Weiße Ritter, Joker-Riddler-Krieg und Batman vs. Deathstroke an, aber auch die Storyline Niemandsland, die allerdings aus dem Jahren 1999 und 2000 stammt. Eine 20 Jahre Geschichte dient nicht gerade als Maßstab für den heutigen Batman, das allein macht Vermes‘ Analyse fragwürdig, aber auch die restliche Auswahl wirkt eher willkürlich und nicht beispielhaft für den aktuellen Batman.

Aber gehen wir es mal durch: Zugegeben, weder der Joker-Riddler-Krieg noch Batman vs. Deathstroke sind Meisterwerke. Und Metal ist tatsächlich so voraussetzungsreich, dass man selbst als Hardcore-Fan und Allesleser leicht den Überblick verliert. Das ist schon lange ein Problem dieser Mega-Events. Es geht um alles mit allem und jedem – und das ist meist zu viel.  Steht es für den alltäglichen Batman? Nein. Der kosmische Weltretter Batman war schon immer eine Ausnahme-Erscheinung. Es gibt immer noch die kurzen Geschichten, die man ohne viele Vorraussetzungen lesen kann.

Der Weiße Ritter findet bei Vermes Gnade, er nennt ihn (zusammen mit dem Joker-Riddler-Krieg) „recht unterhaltsam“, aber findet das Problem, dass der Joker die „stärkere Marke“ bilde. Das allein ist keine originelle Beobachtung, sondern ein Gemeinplatz: Der Held ist immer nur so gut wie sein Gegner. Der Schurke macht erst die Story. Auch Luke Skywalker und Harry Potter haben nur eine Daseinsberechtigung, weil sie gegen Darth Vader und Voldemort kämpfen.

Allerdings hinkt der Vergleich, denn Batman ist als düsterer Antiheld immer noch interessanter als diese blassen Abziehbilder von Helden. Der Joker bringt natürlich erst die Würze: Das war schon im Film mit Michael Keaton so und auch in The Dark Knight mit Christian Bale und Heath Ledger. Das ist keineswegs eine Fehlentwicklung. Was passiert, wenn man Batman so irre macht, wie seine Gegner, kann man an Frank Millers All-Star Batman and Robin, the Boy-Wonder sehen.

Bleibt also die Frage: Sollte Batman lieber gegen Schurken aus der echten Welt kämpfen? Allein die Frage zeugt schon von Unkenntnis und einem Fehlverständnis der Figur. Zum einen kämpfte Batman schon immer gegen Kriminelle – kleine wie große – und tut es immer noch. Gegen eine kriminellen US-Präsidenten wie Lex Luthor ging er zusammen mit Superman vor, als Donald Trump noch Demokrat war. Er setzt sich für die Armen und Schwachen, für Migranten und Flüchtlinge ein. Im Niemandsland (vor allem in der Vorgeschichte) ist Bruce Wayne sogar politisch tätig, damit Gotham nicht von der Außenwelt abgeschnitten wird. Aber auch in Storys der vergangenen Jahre ging es immer wieder um soziale Themen aus dem wahren Leben.

Batman: The Dark Knight

DC Comics

Um ein mutiges Beispiel zu nennen: In Voiceless/Angel of Darkness (Batman: The Dark Knight #26-27, 2014) wird eine Migrantengeschichte erzählt – und zwar ohne Worte. Bruce Wayne wird zum Philanthropen, um einer Familie ein besseres Leben zu ermöglichen. Ein Comic wie White Knight ist sogar sehr politisch, ohne dass es ein direkter Kommentar zu Trump sein muss – den haben dafür Frank Miller und Brian Azzarello in Dark Knight III gebracht.

Allerdings: Batmans Kerngeschäft besteht nicht im humanitären Einsatz oder darin, korrupte Politiker und kriminelle Unternehmer zu jagen. Er trägt ein Fledermauskostüm, um sich vor allem Gegnern zu stellen, die ihm ähneln und ihm gewachsen sind. Wir lesen Batman, damit er gegen Verrückte Kostümträger mit bestimmten Ticks wie Joker, Two-Face, Catwoman und Riddler kämpft, oder Freaks wie Clayface und Man-Bat. Dazu gehören auch Vertreter des organisierten Verbrechens wie Pinguin oder Black Mask.

In welcher Form auch immer: Batman bekämpft das Verbrechen – aber in der Regel in einer Form, wie es einer Figur seines Formats entspricht. Er ist kein Polizist, sondern ein Vigilant, ein Typ für die härtesten Fälle. Ein Freak für die Freaks. Batman funktioniert seit 80 Jahren in unzähligen Inkarnationen, weil seine Mission eine universelle ist: Gerechtigkeit. Am Ende ist es nicht wichtig, wie realistisch seine Gegner sind oder wie viel seiner Probleme mit der Nachrichtenlage zu tun haben. Batman ist nicht dafür zuständig, unsere wahre Welt zu retten, er kann nicht mal sein Gotham vom Verbrechen befreien. Er ist ein moderner Sisyphus, der lediglich versucht, es besser zu machen. Er steht für einen unermüdlichen Einsatz für das Gute – aber eben in seinem fiktiven Universum. Wer mehr Realität will, der sollte die Nachrichten lesen. Wer mehr Realismus fordert, sollte The Wire schauen.

Ist Batman auserzählt?

Trotzdem ist die Frage berechtigt, ob der heutige Batman etwas taugt. Dann aber sollte man ihn an der Qualität der Geschichten beurteilen: Unterhalten sie? Fesseln sie? Werden sie dem Charakter gerecht? Leider ist das Meiste – wie üblich bei dieser Masse – Durchschnitt. Meistens sehr hochwertig gezeichnet, aber selten inspiriert erzählt.

Batmans Hauptproblem ist das Zuviel. Und das zeigt sich in drei Aspekten. Erstens: In vielen Comics wird zu viel geredet. Die Panels ersticken in Sprechblasen. Die Autoren ergehen sich in langen Ausführungen und Dialogen. Es sind fast schon Essays über Batman. Dabei wäre weniger wie immer mehr. Batman ist ein wortkarger Charakter. Autoren wie Scott Snyder und Tom King lassen aber gerne lange schwadronieren und schreiben unendliche Dialoge schreiben. Man kann argumentieren, dass auch The Dark Knight Returns voller Text ist, aber da sitzt jeder Satz – und kein Wort ist zu viel.

Zweitens: Viele Geschichten wollen zu viel: Zu viele Charaktere, zu viele Wendungen, immer wieder geht es um das große Ganze, bei dem ganz Gotham von Schurken übernommen, eingeäschert oder von einer Plage heimgesucht wird. Dieser Katastrophen-Effekt hat sich seit den 90ern verbraucht.

Drittens: Zu viel Geschichte. Am schwersten leidet Batman unter der Last seiner Tradition. 80 Jahre Comics, Filme und TV sind eine ungeheure Menge. Die Autoren bemühen sich, einen Spagat zu schaffen, indem sie einerseits der Tradition gerecht werden, andererseits auch etwas Neues zu bieten. Das Ergebnis ist ein Dauer-Remix: Sie verarbeiten meist bekannte Elemente und liefern mit vielen Anspielungen Fan-Service, aber dadurch steckt Batman leider in einer Wiederholungsschleife fest.

Begonnen hat alles in den 80ern. In dieser Zeit, dem sogenannten Dark Age der Superhelden, wurden mit Watchmen eine Art Schlussstein gesetzt. Superhelden wurden als Anachronismen und moralisch zweifelhafte Machtgestalten dekonstruiert. Ähnlich und fast zeitgleich tat Frank Miller das Gleiche für Batman in The Dark Knight Returns. Diese vierteilige Mini-Serie bildet auch so etwas wie den Abgesang auf Batman. Bruce Wayne hat aufgegeben und steigt als alter Mann noch einmal ins Kostüm, um eine verkommene Welt vor Two-Face, Joker und dem abtrünnigen Superman zu bewahren.

Es hätte das Ende sein können, ein perfektes Ende. Aber es ging weiter. Denn Unendliche Erzählungen müssen immer weitergehen. Wenn für Superhelden etwas zu Ende geht, beginnt es wieder von vorn. Miller erzählte danach Batmans Entstehungsgeschichte. In Year One sehen wir, wie der Dark Knight bereits als junger Mann einen düsteren Todestrieb und Selbstzerstörungstendenzen in sich trägt. Es ist ein Neustart, in dem der Sturz in den seelischen Abgrund und das sisyphoshafte Scheitern bereits vorweggenommen wird.

Noch zwei weitere Comics der 80er setzen diese Dekonstruktionstendenz fort: Moores The Killing Joke und Grant Morrisons Arkham Asylum. Batman wird hinterfragt, ihm werden Grenzen aufgezeigt, er wird zum ohnmächtigen Spielball seiner Schurken, er wird sogar einer von ihnen – er ist auch nicht mehr als ein verkleideter Spinner.

Spätestens hier ist alles über Batman gesagt. Warum? Weil seitdem kaum etwas Neues über ihn gesagt worden ist. Vieles, was danach kam, steht in der Tradition dieser vier Comics. Es blieb düster, wurde zwischendrin wieder optimistischer, aber es stand alles im Schatten der Meilensteine und setzte diese Tendenz fort. Auch Christopher Nolans Batman-Filme stützen sich stark auf diese Geschichten, bedienen sich zudem noch bei den 90ern wie Knightfall.

In den 90er- und Nuller Jahren wurde alles nochmal erzählt, aber zeitgemäßer. Schon The Killing Joke war ein Remake der alten Red Hood-Story, dann erschienen noch The Long Halloween, Batman and the Monster Men und The Man Who Laughs als Klassiker im neuen Gewand.

Dann kam Grant Morrison. 2006 hat er die Batman-Serie übernommen und nicht nur mit Bruce Waynes Sohn Damian (Robin IV) angereichert, sondern auch ein sechs Jahre dauerndes Epos über Tod und Auferstehung, bzw. Verschwinden und Rückkehr von Batman geschrieben. Diese Hyper-Story bedient sich so sehr bei den Comics des Silver Age, dass DC dazu eine eigene Compilation herausbringen musste, The Black Casebook, damit Leser die Anspielungen verstanden.

Scott Snyder setzt diese Tendenz seit 2011 fort. Auch er erzählt Geschichten, die mit Verweisen auf die Geschichte durchsetzt sind. Seine Joker-Story Death of a Family ist nichts anderes als ein Remix der größten Joker-Storys, sein Zero Year ist – erklärtermaßen – ein helleres Year One, das sich auch beim Red Hood-Mythos bedient und Frank Miller zitiert.

Auch andere Autoren wie Tom King und James Tynion IV recyceln die Tradition mit Anspielungen und Neufassungen bekannter Geschichten. Tom King zitiert Knightfall und beim Wiedersehen zwischen Bane und Batman geht es nur darum, wer wem das Rückgrat bricht. Und auch sonst scheint er nicht viel mit ihm anzufangen zu wissen. Statt Handlung liefert er bloß seitenlange Dialoge und Monologe.

Sean Murphy hat mit White Knight eine Story geliefert, die nichts anderes als ein Best of vertrauter Motive aus Vorgängergeschichten ist. Keine Frage: eine der besten Batman-Geschichten der vergangenen Jahre, aber kann man noch von einem „selbstständigen“ Comic sprechen, wenn so viel davon auf Althergebrachtem beruht? Geht es überhaupt noch anders, oder ist das die Falle, in der Batman steckt und stecken muss?

Schließlich lautet die Frage: Ist Batman auserzählt? Nein, das ist er nicht. Kann nicht sein. Darf nicht sein. Batman ist als unendliche Geschichte angelegt. Man könnte genauso argumentieren, es wären grundsätzlich schon alle Geschichten erzählt – aber das ist kein Grund, trotzdem neue zu erzählen. Aber: Es wird immer schwieriger, die Leser zu überraschen und zu begeistern, alte Leser zufriedenzustellen und neue zu gewinnen, ohne sie zu überfordern. Das ist schwierig. Es stehen uns harte Zeiten bevor, Autoren wie Lesern.

Joker: Der finale Trailer

Am 10. Oktober 2019 kommt Joker mit Joaquin Phoenix in die Kinos. Im finalen Trailer sieht man nicht nur neue Szenen daraus, sondern erfährt auch einiges Neues über die Figur: Der Joker heißt zunächst Arthur, geht in Therapie und hat es offenbar nötig: „All I have are negative thoughts“, sagt er. Aber die Therapie wird abgebrochen.

Arthur versucht sich als Comedian in einer Fernsehshow, die Robert De Niro hostet (Anspielung auf den Film The King of Comedy von Martin Scorsese), aber scheitert, da er niemanden zum Lachen bringt und versucht es dann später nochmal mit Clownsmaske.

Am Ende heißt es: „For my whole life I didn’t know if I even really existed. But I do. And people are starting to notice.“ Offenbar setzt der Joker, um Aufmerksamkeit zu bekommen und sich so seiner Existenz zu vergewissern, eine ganze Bewegung in Gang, die sich Clownsmasken anzieht: „We are all clowns“, heißt es auf einem Pappschild bei einer Demo. Erlaubt sich der Film etwa eine sozialkritische oder gar politische Dimension?

Dass Joker bereits auch in Programmkinos beworben wird, deutet bereits darauf hin, dass es sich um einen anspruchsvolleren Film handeln könnte. Mit den Comics soll er laut Regisseur Todd Phillips nichts zu tun haben. Vielleicht wird er nicht mal als Superhelden-Film durchgehen. Das wäre mal ein interessantes Wagnis.

>>> Zum ersten Joker-Trailer

Vorschau auf Animationsserie „Harley Quinn“

Harley Quinn bekommt im Oktober eine eigene Zeichentrickserie auf dem Streamingdienst DC Universe. Die erste Vorschau, die zugleich ein Blick hinter die Kulissen ist, zeigt, dass es eine Serie für Erwachsene sein wird: Knochen brechen, Blut fließt, Köpfe explodieren – und es wird geflucht.

Mit dabei wird natürlich der Joker sein (gesprochen von Alan Tudyk), von dem sich Harley (gesprochen von Kaley Cuoco) immer noch zu emanzipieren versucht, aber auch Poison Ivy, Clayface, Riddler, Batman und Wonder Woman werden eine Rolle spielen.

Harley Quinns Look orientiert sich zunächst an Batman: The Animated Series, dann aber an dem Punk-Stil aus dem Suicide Squad-Spielfilm, der sich auch in den Comics niedergeschlagen hat.

Wo und wann Harley Quinn auf Deutsch erscheinen wird, steht noch nicht fest.

Erster Spin-off zu „White Knight“: Von Freeze

DC Comics

Während Sean Murphys gefeierte Miniserie Batman: White Knight (dt. Der weiße Ritter) in die zweite Runde geht (Curse of the White Knight), legt der Autor nach mit einem ersten Spin-off: Im November erscheint Batman: White Knight Presents Von Freeze #1. Darin wird die Vorgeschichte der neuen Version von Mister Freeze nacherzählt. Bei Murphy ist er ein deutschstämmiger Wissenschaftler mit einer bewegten Familiengeschichte.

Die Story: Victor Fries rettet Bruce Wayne am Tag seiner Geburt das Leben und erzählt Thomas die Geschichte seines Vaters: Baron von Fries war ein Wissenschaftler in Nazi-Deutschland, der zusammen mit dem Juden Jacob Smithstein an Kryo-Technologie geforscht hat. Als Heinrich Himmler Fries auffordert, die Technik als Waffe zu nutzen, kommt es zur Krise: Smithstein muss sich verstecken, um seine Frau und seine Tochter Nora zu retten …

Da Sean Murphy mit dem Zeichnen der Haupt-Serie beschäftigt ist, übernimmt für den One-Shot Batman-Veteran Klaus Janson den Job. Janson hat unter anderem in den 80ern Daredevil gezeichnet (viel später Daredevil: End of Days) und war Tuscher bei Frank Millers The Dark Knight Returns sowie Zeichner bei Batman: Gothic und der Ra’s al Ghul-Story Death and the Maidens.

Eine Vorschau auf den Comic und ein Interview mit Murphy und Janson gibt es bei Screenrant.

>> Liste der Mister-Freeze-Comics