Len Wein

Batman trifft Edgar Allan Poe

DC Comics

Titel: Batman – Nevermore

Autor/Zeichner: Len Wein/Guy Davis

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-5)


Eines Tages musste es so kommen, es war nur eine Frage der Zeit. Und nach Jack the Ripper und Houdini kam sie endlich, kurz vor Ende der Elseworlds-Ära: Eine Batman-Story, die sich bei Edgar Allan Poe bedient. Ja, mehr noch: Der Erfinder der Detektiv-Story wird hier sogar zum Protagonisten gemacht. Batman ist nur der Sidekick und Retter in der Not. Er trägt eine Maske mit einem Schnabel, wodurch er an einen Raben mit Ohren erinnert. Warum? Wohl damit es besser mit dem Titel Nevermore korrespondiert – eine Anspielung auf das Gedicht „The Raven“. Aber Sinn ergibt es nicht, Batman zu einem Raben zu machen …

Außer natürlich, wenn man eine Mordserie danach benennen will. Denn so passiert es in Baltimore des 19. Jahrhunderts. Weil bei zwei Leichen Batman gesichtet wird, spricht man von den „Raven Murders“. Das dürfte einen, der sich wie eine Fledermaus kleiden will, um für Recht und Ordnung zu sorgen, bestimmt ärgern, aber darum geht es nicht. Der junge Poe, ein beginnender Journalist, will darüber für eine Zeitung schreiben, aber der Chefredakteur ist nicht begeistert. Und auch sonst hat keiner Lust, mit ihm darüber zu reden. Auch nicht die Gentlemen des Gotham Club, zu deren Mitgliedern Bruce Wayne und Jonathan Crane gehören.

Poe redet trotzdem mit ihnen – und macht sich unbeliebt. Doch statt einer Detektivgeschichte, in der der Held Hinweise sammelt und seine Schlüsse daraus zieht, verfolgt man den unbeholfenen Möchtegern-Journalisten dabei, wie er von einer Todesfalle in die nächste tappt und dabei von Batman gerettet wird, einmal auch andersrum. Schlauer wird er allein dadurch, dass nebenbei weitere Mitglieder des Clubs auf fürchterliche Weise draufgehen und so der Kreis der Verdächtigen enger wird.

Die einzige Überraschung an der Story ist lediglich, dass alles genauso kommt wie erwartet. Aber unüberzeugend. Der Rest ist eine Hommage an Poe: viele Anspielungen auf seine Werke, die am Ende darauf hinauslaufen, dass der ganze Fall ihm viel Stoff zum Schreiben gibt. Mit Poe wurde schon viel getrieben, aber dieser Schindluder dürfte deutlich unter seinem Niveau sein.

Auch grafisch bleibt Nevermore unterdurchschnittlich, mit einfältigen, plumpen Zeichnungen ohne Ausdruck und Fantasie. Und Batman mit Schnabelnase? Das sieht auch einfach nur dämlich aus.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

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Im Zweifel für den Angeklagten

DC Comics

Titel: The Two-Way Crimes of Two-Face!

Autor/Zeichner: Harlan Ellison, Len Wein/José Luis García-López

Erschienen: 2015 (Batman ’66: The Lost Episode), Paperback 2015 (Batman ’66 Vol. 4)


„Harvey, you are a tremendous disappointment to me.“ (Batman)

„The coin obviously wants us to choose our own destiny.“ (Batman)

Die Batman-TV-Serie der 60er hatte einen Joker, einen Pinguin, einen Riddler und Catwoman – aber keinen Two-Face. Verständlich, denn der Schurke mit dem entstellten Gesicht und der düsteren Entstehungsgeschichte eignet sich eher als Kinderschreck denn als Clown. Und trotzdem gab es Pläne für eine Two-Face-Episode. Der Autor Harlan Ellison schrieb einen Entwurf, aber der wurde nie realisiert. Erst im Jahr 2015 wurde das Treatment als Comic adaptiert – und zwar ganz im Geiste der Serie. (Im Anhang hat DC Ellisons Original-Script abgedruckt.)

Das Batman-66-Special erzählt eine klassische Two-Face-Story, die sich nah an den Comics hält – und damit auch jegliche Originalität vermissen lässt: Wir sehen die altbekannte Entstehungsgeschichte mit Maroni, von dem auch die doppelköpfige Münze stammt, Two-Face benutzt sie, um zu entscheiden, ob er Böses oder Gutes tun will (wie schon bei seinem ersten Auftritt). So kommt es dazu, dass er Dinge stiehlt und sie im besten Fall sogar mit Zinsen zurückgibt, allein das ist eine ironische Übertreibung des altbekannten Prinzips.

Variant (DC Comics)

Die Story beginnt mit einer Auktion wertvoller Porzellanwaren. Two-Face erscheint als Diener mit Wachsmaske. Als sie vom Kerzenlicht schmilzt, gibt sich der Schurke zu erkennen, haut mit dem Porzellan ab und gibt es später wieder – ergänzt durch ein Stück, das zuvor gefehlt hat. So geht es munter weiter: Mal so, mal so. Batman und Robin ermitteln seinen nächsten Coup mittels des Bat-Computers, der mit Heisenbergs Unschärferelation und Neumanns Spieltheorie arbeitet, und Batman findet seinen Gegner in einer Sternwarte.

Die Münze fällt auf die Kante, Batman blendet Two-Face mit Sonnenlicht, das von seinem Gürtel reflektiert wird (obwohl es Nacht ist), doch als Batman den Schurken festnehmen will, rutscht Robin auf Patronenhülsen aus und die Helden sind offenbar so perplex von diesem peinlichen Faupax, dass sie Two-Face entkommen lassen.

Zur Revanche kommt es auf einem alten Zweimaster. Batman lässt sich von Two-Face gefangennehmen, über ihm schwebt das Schwert des Damokles, und bringt ihn dazu, erneut die Münze zu werfen. Wieder landet sie auf der Kante – und der „Denizen of Duplicity“ muss kapitulieren. Wie das sein kann? Batman hat gemogelt – ein alter Trick. Und warum fällt ein Unentschieden zu Batmans Gunsten aus? Wahrscheinlich nach dem juristischen Grundprinzip: im Zweifel für den Angeklagten.

Armer Harvey, aber Batman versichert am Ende, dass wenn es eine Chance für Harvey Dent gebe, er diese nutzen werde. Eine zweite Chance im Batman-66-Universum bekommt Two-Face zwei Jahre später: im Animationsfilm Batman vs. Two-Face, aber der hat nichts mit diesem Comic zu tun.

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Batman wird zum Eis-Zombie

DC Comics

Titel: There’ll Be a Cold Time in the Old Town Tonight!

Autor/Zeichner: Len Wein/John Calnan

Erschienen: 1979 (Batman #308), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


Nachdem seine Ansätze als Bankräuber und Kunstdieb gescheitert sind, hat Mister Freeze bei seinem dritten Versuch eine neue Mission: Ewige Jugend durch Frost. Er verspricht sie reichen Leuten, die lassen sich naiverweise von ihm einfrieren, aber weil ihre Hirne dabei Schaden erleiden, werden sie zu Eiszombies, die ihm willenlos dienen. Doch das ist nur Mittel zum Zweck: denn Freeze hat sein kaltes Herz für eine junge, schöne Frau erwärmt: Hildy. (Die steht aber gar nicht auf ihn, sondern benutzt ihn nur.)

Batman kommt dem Schurken auf die Spur und es kommt, wie es auch die Male davor gekommen ist: Er wird auf Eis gelegt. Batman wird also selbst zum Eiszombie! Wer jetzt enttäuscht ist, wie schlecht Batman – im Vergleich zu früher – vorbereitet ist, der irrt. Denn statt Streusand und einer integrierten Heizung hat er Make-up dabei, um sich weiß anzumalen, damit er wie ein Eiszombie aussieht und so Freeze täuschen kann. Fragt sich nur, wann und wie er das schafft – ganz zu schweigen davon, woher er von den Eiszombies weiß. Naja, im Zweifel gilt: weil er halt Batman ist …

Am Ende ist die Lösung ganz einfach: Ein Schlag gegen Freeze’s Helm, den er immer noch trägt, obwohl er schon beim ersten Auftritt als geheilt galt. Der ist nämlich nicht aus Panzerglas, wie seine Eiskammern. Egal: Schicker Anzug übrigens, der nicht nur besser den eiszapfenförmigen Körper betont, sondern in weiß-blau mehr der Eis-Ästhetik enspricht. Aber hilft alles nix, wenn man am falschen Ende spart …

>> Liste der Mister Freeze-Comics