Len Wein

Bruce liebt Selina: Ein Melodrama

Titel: Shadow of the Cat/The Cat Who Would Be King

Autor/Zeichner: Len Wein/Irv Novick

Erschienen: 1980 (Batman #323-324), Hardcover 2014 (Tales of the Batman: Len Wein),


Kaum hat Bruce Wayne die Beziehung mit Silver St. Cloud in den Sand gesetzt, taucht eine Frau aus seiner Vergangenheit in seinem Büro auf: Selina Kyle! Die ehemalige Catwoman ist auf Bewährung frei und will ein neues, ehrliches Leben anfangen. Dazu bittet sie Bruce um eine Chance. Sie will Geld, das sie geerbt hat, in Wayne Enterprises investieren. Selina verspricht: Catwoman hat sie hinter sich gelassen. Dass sie eine Katze dabeihat, lässt sie allerdings nicht sehr glaubwürdig erscheinen.

Zuerst ziert sich Bruce, er sorgt sich um den Ruf seiner Firma. Doch dann überlegt er es sich anders: Was, wenn er sie zurückweist und sie wieder kriminell wird? Da er sich das nicht verzeiehen könnte, sagt er zu. Aber natürlich nicht, ohne dass Lucius Fox sie gründlich prüft.

Selina besucht Bruce – mit Katze

Mit diesen drei Seiten in Batman #308 (1979), die anfangs nur eine Nebenhandlung bilden, beginnt ein Handungsbogen, der sich über mehrere Ausgaben, bis Batman #326 (1980) erstreckt. Autor Len Wein macht aus der Geschäftsbeziehung schnell eine Romanze, die dadurch verhindert wird, dass der Batman in Bruce Wayne bis zum Schluss an Selinas Rehabilitation zweifelt.

Bruce und Selina: Der erste Kuss

In Batman #313 kommt es zum ersten Abendessen – und dann auch gleich zum ersten Abschiedskuss. Selina gesteht ihm, dass sie nur zum einen wegen der „thrills“ Catwoman geworden sei, zum anderen, um Batmans Aufmerksamkeit zu erregen: Sie habe ihn geliebt. Und Bruce erinnere sie sehr an ihn …

Später findet Selina heraus, dass Bruce sie von Lucius hat untersuchen lassen – und sie ist gar nicht erfreut. Dafür gibt es Wasser ins Gesicht. Doch schon bald kann Bruce die Wogen wieder glätten und es gibt einen zweiten Kuss. Gegenüber Dick Grayson gerät er ins Schwärmen: „She is one fascinating woman!“

Bruce und Selina: Der zweite Kuss

Selina leidet allerdings unter mysteriösen Kopfschmerzen. Die Diagnose ist übel: Eine exotische Krankheit, sie hat nur noch einen Monat zu leben. Allerdings: Ihr Arzt weiß, dass die alten Ägypter ein Heilmittel hatten – leider ist es verloren gegangen. Zufällig findet Selina beim Museumsbesuch heraus, dass einige ägyptische Katzenstatuen offenbar Kräuter enthalten, die sie retten könnten.

In Batman #323-324 erreicht die Story ihren Höhepunkt. Aus einem Museum wurden ägyptische Katzenstatuen gestohlen. Obwohl er nur Indizien, aber keine Beweise hat, platzt Batman bei Selina rein, um sie zu verhaften. Als er sich von ihr nicht überzeugen lässt, wirft sie ihm eine Katze ins Gesicht und haut ab. Dabei hatte sie selbst mit dem Gedanken gespielt, die Statuen zu stehlen, um sich das Leben zu retten.

Batman trägt Catwoman

Um ihre Unschuld zu beweisen, steigt sie wieder ins Catwoman-Kostüm und ersucht Bruce um Hilfe. Eine eigenwillige Überzeugungsmethode, und so ist auch er nicht überzeugt. Bruce bietet ihr – wie Batman – auch nur Anwälte und Privatdetektive an, um ihre Unschuld zu beweisen. Catwoman und Batman untersuchen den Fall parallel und finden heraus, dass der Cat-Man dahintersteckt. In einer Höhle lockt der Schurke sie in eine Falle: ein Netz aus klebrigen Bändern, das die beiden Helden zu zerreißen droht. Aber dank Batman zerreißen nur die Kleider …

Batman und Catwoman in der Höhle

Er bringt Selina in die Bathöhle, versorgt sie mit einem alten Kostüm aus der Trophäensammlung und dann geht die Reise nach Griechenland. Dort versucht Cat-Man eine Insel zu kaufen. Batman und Catwoman verhindern das zwar, aber auch die Statuen gehen dabei verloren. Trotzdem erlebt Selina in Gotham eine Wunderheilung. Die nicht befriedigende Erklärung: Ein Fetzen von Cat-Mans Umhang hatte noch eines seiner neun Leben für sie übrig …

Es hilft alles nichts: Zwei Ausgaben später verlässt Selina Bruce und Gotham. Cat-Man habe alles, was sie sie sich habe aufbauen wollen, zunichte gemacht. Auch das überzeugt nicht, denn immerhin ist ihre Unschuld bewiesen. Der wahre Grund: Sie nimmt es Bruce immer noch übel, dass er ihr nicht vertraut hat, als sie ihn um Hilfe gebeten hatte. Melodramatisch reist sie ab, um in Ruhe über alles nachzudenken. Bruce macht sich Vorwürfe, zweifelt an seiner Rolle als Batman, verflucht sie sogar. Aber dann ruft die Pflicht – und alles ist wieder so wie immer.

>> Liste der Catwoman-Comics

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Clayface Nummer Drei: Der tragische Mister Payne

DC Comics

Titel: The Coming of … Clayface III!/If a Man Be Made of Clay…!

Autor/Zeichner: Len Wein/Marshall Rogers

Erschienen: 1978 (Detective Comics #478-479), Paperback 1999 (Strange Apparitions), 2014 (Tales of the Batman: Len Wein); dt. Panini 2012 (Batman Collection: Marshall Rogers), Eaglemoss Collection 2015 (Im Zeichen des Jokers)


„Because … it’s my job.“ (Batman)

Darf ich vorstellen: Preston Payne, der Name ist Programm. Er ist mit Abstand die tragischste der drei klassischen Clayface-Figuren. Missgestaltet geboren war er immer ein Außenseiter, er hatte nur Bücher und die Wissenschaft. Nachdem er einen Job in den Star-Labs bekommen hatte, versuchte er, sein Gesicht ansehnlich zu gestalten. Er bediente sich an dem Wissen von Matt Hagen (Clayface 2), aber beim ersten Date schmolz nicht nur seine Visage, sondern auch seine Begleitung dahin – buchstäblich. Denn wenn Preston von einer Art Fieber gepackt wird, muss er seine Kräfte an jemanden übertragen, mit verheerender Wirkung.

Als die Story einsteigt, muss er einen Anzug ähnlich dem von Mr. Freeze tragen, um seine Form zu wahren. Die verleiht ihm immerhin Superstärke. Sein Geheimversteck hat er in einem verlassenen Wachsfiguren-Kabinett, seine Freundin ist eine Wachspuppe. Er bricht bei Star-Labs ein, um seine menschliche Form wiederzurkiegen, aber da kommt ihm Batman in die Quere.

Der hat seine eigenen Probleme: Seit ihn seine letzte Flamme, Silver St. Cloud verlassen hat, hat er die Kontrolle über sich verloren und lässt seine Wut an Kleinkriminellen aus. Einmal gibt er sogar seinen Eltern die Schuld für sein Elend: Wären sie nicht gestorben, wäre ihm das Leben als Batman erspart geblieben. Doch da sieht selbst Bruce schnell ein, was für einen schändlichen Unsinn er redet.

Batman wird auf ganz klassische Weise mit Clayface III fertig: durch Beharrlichkeit und eine Schwachstelle seines Gegners. Am Ende stürzt Preston sich von einer Brücke – und dann in die Flammen, um seine geliebte aus Wachs zu retten.

>> Liste der Clayface-Comics

 

Batman trifft Edgar Allan Poe

DC Comics

Titel: Batman – Nevermore

Autor/Zeichner: Len Wein/Guy Davis

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-5)


Eines Tages musste es so kommen, es war nur eine Frage der Zeit. Und nach Jack the Ripper und Houdini kam sie endlich, kurz vor Ende der Elseworlds-Ära: Eine Batman-Story, die sich bei Edgar Allan Poe bedient. Ja, mehr noch: Der Erfinder der Detektiv-Story wird hier sogar zum Protagonisten gemacht. Batman ist nur der Sidekick und Retter in der Not. Er trägt eine Maske mit einem Schnabel, wodurch er an einen Raben mit Ohren erinnert. Warum? Wohl damit es besser mit dem Titel Nevermore korrespondiert – eine Anspielung auf das Gedicht „The Raven“. Aber Sinn ergibt es nicht, Batman zu einem Raben zu machen …

Außer natürlich, wenn man eine Mordserie danach benennen will. Denn so passiert es in Baltimore des 19. Jahrhunderts. Weil bei zwei Leichen Batman gesichtet wird, spricht man von den „Raven Murders“. Das dürfte einen, der sich wie eine Fledermaus kleiden will, um für Recht und Ordnung zu sorgen, bestimmt ärgern, aber darum geht es nicht. Der junge Poe, ein beginnender Journalist, will darüber für eine Zeitung schreiben, aber der Chefredakteur ist nicht begeistert. Und auch sonst hat keiner Lust, mit ihm darüber zu reden. Auch nicht die Gentlemen des Gotham Club, zu deren Mitgliedern Bruce Wayne und Jonathan Crane gehören.

Poe redet trotzdem mit ihnen – und macht sich unbeliebt. Doch statt einer Detektivgeschichte, in der der Held Hinweise sammelt und seine Schlüsse daraus zieht, verfolgt man den unbeholfenen Möchtegern-Journalisten dabei, wie er von einer Todesfalle in die nächste tappt und dabei von Batman gerettet wird, einmal auch andersrum. Schlauer wird er allein dadurch, dass nebenbei weitere Mitglieder des Clubs auf fürchterliche Weise draufgehen und so der Kreis der Verdächtigen enger wird.

Die einzige Überraschung an der Story ist lediglich, dass alles genauso kommt wie erwartet. Aber unüberzeugend. Der Rest ist eine Hommage an Poe: viele Anspielungen auf seine Werke, die am Ende darauf hinauslaufen, dass der ganze Fall ihm viel Stoff zum Schreiben gibt. Mit Poe wurde schon viel getrieben, aber dieser Schindluder dürfte deutlich unter seinem Niveau sein.

Auch grafisch bleibt Nevermore unterdurchschnittlich, mit einfältigen, plumpen Zeichnungen ohne Ausdruck und Fantasie. Und Batman mit Schnabelnase? Das sieht auch einfach nur dämlich aus.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Im Zweifel für den Angeklagten

DC Comics

Titel: The Two-Way Crimes of Two-Face!

Autor/Zeichner: Harlan Ellison, Len Wein/José Luis García-López

Erschienen: 2015 (Batman ’66: The Lost Episode), Paperback 2015 (Batman ’66 Vol. 4)


„Harvey, you are a tremendous disappointment to me.“ (Batman)

„The coin obviously wants us to choose our own destiny.“ (Batman)

Die Batman-TV-Serie der 60er hatte einen Joker, einen Pinguin, einen Riddler und Catwoman – aber keinen Two-Face. Verständlich, denn der Schurke mit dem entstellten Gesicht und der düsteren Entstehungsgeschichte eignet sich eher als Kinderschreck denn als Clown. Und trotzdem gab es Pläne für eine Two-Face-Episode. Der Autor Harlan Ellison schrieb einen Entwurf, aber der wurde nie realisiert. Erst im Jahr 2015 wurde das Treatment als Comic adaptiert – und zwar ganz im Geiste der Serie. (Im Anhang hat DC Ellisons Original-Script abgedruckt.)

Das Batman-66-Special erzählt eine klassische Two-Face-Story, die sich nah an den Comics hält – und damit auch jegliche Originalität vermissen lässt: Wir sehen die altbekannte Entstehungsgeschichte mit Maroni, von dem auch die doppelköpfige Münze stammt, Two-Face benutzt sie, um zu entscheiden, ob er Böses oder Gutes tun will (wie schon bei seinem ersten Auftritt). So kommt es dazu, dass er Dinge stiehlt und sie im besten Fall sogar mit Zinsen zurückgibt, allein das ist eine ironische Übertreibung des altbekannten Prinzips.

Variant (DC Comics)

Die Story beginnt mit einer Auktion wertvoller Porzellanwaren. Two-Face erscheint als Diener mit Wachsmaske. Als sie vom Kerzenlicht schmilzt, gibt sich der Schurke zu erkennen, haut mit dem Porzellan ab und gibt es später wieder – ergänzt durch ein Stück, das zuvor gefehlt hat. So geht es munter weiter: Mal so, mal so. Batman und Robin ermitteln seinen nächsten Coup mittels des Bat-Computers, der mit Heisenbergs Unschärferelation und Neumanns Spieltheorie arbeitet, und Batman findet seinen Gegner in einer Sternwarte.

Die Münze fällt auf die Kante, Batman blendet Two-Face mit Sonnenlicht, das von seinem Gürtel reflektiert wird (obwohl es Nacht ist), doch als Batman den Schurken festnehmen will, rutscht Robin auf Patronenhülsen aus und die Helden sind offenbar so perplex von diesem peinlichen Faupax, dass sie Two-Face entkommen lassen.

Zur Revanche kommt es auf einem alten Zweimaster. Batman lässt sich von Two-Face gefangennehmen, über ihm schwebt das Schwert des Damokles, und bringt ihn dazu, erneut die Münze zu werfen. Wieder landet sie auf der Kante – und der „Denizen of Duplicity“ muss kapitulieren. Wie das sein kann? Batman hat gemogelt – ein alter Trick. Und warum fällt ein Unentschieden zu Batmans Gunsten aus? Wahrscheinlich nach dem juristischen Grundprinzip: im Zweifel für den Angeklagten.

Armer Harvey, aber Batman versichert am Ende, dass wenn es eine Chance für Harvey Dent gebe, er diese nutzen werde. Eine zweite Chance im Batman-66-Universum bekommt Two-Face zwei Jahre später: im Animationsfilm Batman vs. Two-Face, aber der hat nichts mit diesem Comic zu tun.

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Batman wird zum Eis-Zombie

DC Comics

Titel: There’ll Be a Cold Time in the Old Town Tonight!

Autor/Zeichner: Len Wein/John Calnan

Erschienen: 1979 (Batman #308), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


Nachdem seine Ansätze als Bankräuber und Kunstdieb gescheitert sind, hat Mister Freeze bei seinem dritten Versuch eine neue Mission: Ewige Jugend durch Frost. Er verspricht sie reichen Leuten, die lassen sich naiverweise von ihm einfrieren, aber weil ihre Hirne dabei Schaden erleiden, werden sie zu Eiszombies, die ihm willenlos dienen. Doch das ist nur Mittel zum Zweck: denn Freeze hat sein kaltes Herz für eine junge, schöne Frau erwärmt: Hildy. (Die steht aber gar nicht auf ihn, sondern benutzt ihn nur.)

Batman kommt dem Schurken auf die Spur und es kommt, wie es auch die Male davor gekommen ist: Er wird auf Eis gelegt. Batman wird also selbst zum Eiszombie! Wer jetzt enttäuscht ist, wie schlecht Batman – im Vergleich zu früher – vorbereitet ist, der irrt. Denn statt Streusand und einer integrierten Heizung hat er Make-up dabei, um sich weiß anzumalen, damit er wie ein Eiszombie aussieht und so Freeze täuschen kann. Fragt sich nur, wann und wie er das schafft – ganz zu schweigen davon, woher er von den Eiszombies weiß. Naja, im Zweifel gilt: weil er halt Batman ist …

Am Ende ist die Lösung ganz einfach: Ein Schlag gegen Freeze’s Helm, den er immer noch trägt, obwohl er schon beim ersten Auftritt als geheilt galt. Der ist nämlich nicht aus Panzerglas, wie seine Eiskammern. Egal: Schicker Anzug übrigens, der nicht nur besser den eiszapfenförmigen Körper betont, sondern in weiß-blau mehr der Eis-Ästhetik enspricht. Aber hilft alles nix, wenn man am falschen Ende spart …

>> Liste der Mister Freeze-Comics