Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Die Abenteuer gehen weiter – im Halbformat

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DC Comics

Titel: Batman: The Adventures Continue

Autor/Zeichner: Alan Burnett, Paul Dini/Ty Templeton

Erschienen: 2020 (Batman: The Adventures Continue #1-8), Paperback 2021 (Season One)


Seien wir ehrlich: So maßgeblich und einflussreich Batman: The Animated Series auch war, sogar auf die DC-Hauptcontinuity (siehe Mr. Freeze, Harley Quinn), die Comic-Serie dazu, Batman Adventures (später Batman & Robin Adventures, Gotham Adventures), konnte da nicht mithalten. Bis auf das Special Mad Love, das eigene Maßstäbe setzte, indem es über die kindgerechte TV-Serie hinausging, blieb der Rest bloß Begleitmaterial – bestenfalls: nett.

So war die Botschaft, dass das Universum mit einer neuen Comicserie fortgesetzt wird, zwar eine erfreuliche, aber auch eine, von der man nicht zu viel erwarten sollte. Das Resultat, das nach seinem digitalen Ersterscheinen auch als Paperback erhältlich ist, bleibt aber sogar hinter niedrigen Erwartungen zurück.

Es beginnt mit Batman gegen Lex Luthor und einen Riesenroboter, dann werden neue Charaktere aus der Mainstream-Continuity eingeführt: Deathstroke, Azrael und sogar die Wonderland Gang, die es wirklich nicht gebraucht hätte. Azrael wird als alter Kampfgefährte eingeführt, der nur spontan in eine Art Bat-Rüstung umsteigt, um vor dem Pinguin einen guten Eindruck als Verbündeter zu machen (anscheinend ist so eine Rüstung schnell gemacht). Wirklich motiviert werden die ganzen neuen alten Figuren nicht, es wirkt eher so, als wollte man möglichst viele von ihnen in den Kurzgeschichten unterbringen, doch zusammen mit Bane, Clayface, Mr. Freeze, Catwoman und Joker wirken sie überfüllt.

Jason Todd im BTAS-Universum

Die Handlung ist episodenhaft, als roter Faden dient das Auftauchen von Red Hood, der im Schatten lauert. Das ist seltsam, denn weder im Zeichentrick noch im Comic gab es jemals einen Jason Todd, der vom Joker mit einer Brechstange traktiert wurde. Das hat man dann nachträglich hinzugedichtet, wenn auch stark verändert – und am Ende auch unglaubwürdig, da in dem Universum nie von solchen dramatischen Ereignissen die Rede war.

Jason Todd ist hier zunächst Mitglied einer Jugendbande namens Wolves, die zur Initiation ihre „Cubs“ als Rotkäppchen verkleidet losschicken. Nachdem Jasons Bruder dabei umkommt, rächt sich Jason und wird später von Batman aufgenommen. Der Rest ist typisch Jason Todd (post Crisis): ein Robin, der es mit der Gewalt übertreibt, bereit ist zu töten und nicht auf Batman hört. Er wird gefeuert und nimmt es daraufhin mit dem Joker auf. Der Joker nimmt ihn gefangen, bringt ihn fast um und als Batman auftaucht und alles in die Luft fliegt, rettet er den Joker, während Jason totgeglaubt endet. Jahre später kehrt diser als Red Hood wieder, um sich am Joker zu rächen. Es kommt zum dramatischen Finale, in der Batman eine schwierige Entscheidung treffen muss.

Viele Figuren, viel Action

Bis auf diesen dramatischen Dreiteiler, der vieles sogar besser macht als A Death in the Family und sogar Under the (Red) Hood, aber dennoch unnötig bleibt, sind die Geschichten kaum der Rede wert, sie bieten bloß Action am laufenden Band, ohne einmal durchzuschnaufen und zu reflektieren. Auch die Red-Hood-Story wirkt abgehetzt.

Auch visuell macht der Comic nicht viel her. Ty Templetons Zeichnungen beschwören nicht die Nostalgie des eleganten Animated-Stils herauf, sondern wirken naiv bis infantil. Kaum ein Panel, das Eindruck macht mit einer interessanten Perspektive oder auch nur Stimmung, es gibt kaum Schatten in diesem kunterbunten Spektakel, und weil alles zunächst aufs digitale Querformat angelegt war, bestehen die Heftseiten eigentlich aus zwei halben, sodass es nicht einmal dramatische Splash Pages gibt, ganz zu schweigen mit Spielereien mit dem Layout.

The Adventures Continue ist kein Comic für die, die in den 90ern oder Nullerjahren Kinder waren und die Serie geschaut haben und heute immer noch die Qualität schätzen, es ist ein Comic für Kinder, wobei selbst dafür der Anspruch extrem heruntergeschraubt ist. Sowohl die Zeichentrickserie als auch die Comicserien waren für Kinder – aber nicht so unterfordernd wie dieser Neuaufguss.

>> Batman 2020-2021

Neal Adams wird 80

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Große spitze Ohren, ein langer, wallender Umhang, dramatische und kraftstrotzende Posen: Neal Adams ist der Mann, der entscheidend dazu beitrug, dass Batman erwachsen wurde. Für viele Fans ist er mit seinem dynamischen Stil der prägendste Batman-Zeichner der 70er. Nun ist Adams 80 Jahre alt geworden.

Der gebürtige New Yorker zeichnet Comics seit 1959, also seit er 18 ist. Anfangs wurde er von DC abgelehnt, also fing er an mit Archie und Werbecomics. Mit Superhelden konnte er nicht viel anfangen, er wollte lieber Kriegscomics zeichnen, wie seine Vorbilder. Die Chance bekam er dann 1967 bei DC. Später bekam er Aufträge wie Elongated Man, Spectre und Deadman, für den er auch als Autor tätig war.

Doch eigentlich wollte Adams gar keine Comics machen, sondern Illustrator werden. Comics seien für ihn „ein Schritt abwärts“ gewesen, wie er dem DC-Historiker Paul Levitz im Interview gestand:

„Dann geschah etwas. Ich weiß nicht, wann es passierte, wie es passierte, aber ich verliebte mich einfach in Comic-Hefte. Ich hatte nicht damit gerechnet. Die Freiheit – die künstlerische Freiheit, eine ganze Seite zu gestalten, Dinge mit einer ganzen Seite anzustellen, mich auszudrücken, zu schreiben, zu zeichnen, Geschichten zu erfinden – das riss mich einfach total mit. Ich verliebte mich, völlig unerwartet und gegen meinen Willen. (…) Und es macht mir heute mehr Spaß als je zuvor.“
(aus: The Silver Age of DC Comics, Taschen 2013, S. 12)

Adams zeichnete Batman zum ersten Mal 1968 in World’s Finest #175 (The Superman-Batman Revenge Squads!), zusammen mit Superman. Später folgten The Brave and the Bold #79-85. Am bekanntesten ist Adams für seine Zusammenarbeit mit dem Autor Dennis O’Neil: Ihre erste gemeinsame Batman-Story war The Secret of the Waiting Graves (Detective Comics #395, 1970), es sollten noch weitere folgen, darunter die erste Geschichte um Talia und Ra’s al Ghul sowie die Comebacks von Two-Face und Joker, die Jahrelang pausiert hatten. Zusammen mit dem Autor Frank Robbins schuf Adams auch Man-Bat (Detective Comics #400, 1970).

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Ra’s al Ghul, Joker, Two-Face von Dennis O’Neil und Neal Adams. (DC Comics)

1970 schickten Adams und O’Neil Green Lantern und Green Arrow auf eine sozialkritische Reise durch die USA, wobei es dabei auch um tabuisierte Themen wie Rassismus und Drogenmissbrauch ging – eine Pionierarbeit, die Adams mit seinem realistischen Zeichenstil prägte. Comics wurden wieder gesellschaftlich relevant. Was nicht hieß, dass es auch mit Figuren aus der wahren Welt auch mal albern zugehen konnte: 1978 ließ das Kreativteam Superman gegen Muhammad Ali kämpfen.

„Als ich die Zeichnungen von Neal Adams sah, übertrafen sie alle meine Erwartungen“, erinnerte sich Dennis O’Neil. „Wir befruchteten uns gegenseitig und steckten einander mit dieser wahnsinnigen Begeisterung an. Und wir hatten das Gefühl, dass wir mit dem Format vielleicht etwas anstellten, was noch nie zuvor gemacht worden war.“ (aus: The Silver Age of DC Comics, S. 353)

Neil Adams zeichnete außerdem Hefte wie X-Men und die Avengers für den Konkurrenzverlag Marvel. In den vergangenen Jahren betätigte sich Neal Adams auch wieder als Autor. Seine Serie Batman: Odyssey ist jedoch – gelinde gesagt – gewöhnungsbedürftig. Zu ausschweifend, zu undiszipliniert erzählt und geschwätzig, auch lässt er den eleganten Strich seiner Anfangstage vermissen. Zuletzt erschienen die letzten Ausgaben seiner Miniserie Batman vs. Ra’s al Ghul. Eine Besprechung folgt im nächsten Jahr, wenn der Sammelband erscheint.

Doch an einem Geburtstag soll nicht gelästert werden, heute wird ein wichtiger Künstler gefeiert, der sich auch für die Rechte anderer Künstler und Autoren eingesetzt hat. Daher: Vielen Dank und Gratulation an Neal Adams!

Hinweis: Adams‘ Frühwerk für Batman ist versammelt in den Bänden Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 1-3 bzw. in der Neuausgabe Batman by Neal Adams Vol. 1-3, auch auf Deutsch bei Panini erschienen als Neal Adams Collection Bd. 1-3 (Panini 2019), auch erschienen in der Batman Graphic Novel Collection (Eaglemoss).

Die Probleme des Riddlers

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DC Comics

Titel: Batman Adventures: Riddle Me This

Autor/Zeichner: Ty Templeton, Scott Peterson/Rich Burchett, Tim Levins

Erschienen: 2021 (enthält: Gotham Adventures #11, #28, #56-57, Batman Adventures #11, 1999-2004)


Das größte Problem mit dem Riddler ist: Er kann nicht anders. Er muss ständig Rätsel als Hinweise hinterlassen, die zu ihm führen. Auch wenn er gar kein Verbrechen begeht. In der Geschichte The Oldest One in the Book (Gotham Adventures #11) will er Batman zwar Hinweise geben, aber bloß auf die Verbrechen anderer. Das gelingt ihm auch. Dennoch bleibt er ein Arkham-Flüchtiger und Batman hat daher ein Interesse, ihn zu fassen, was er auch tut. Doch wie kommt Batman dahinter, wo der Riddler sich versteckt? Ganz einfach: Riddler hat mit seinen Rätseln hingewiesen – ganz unbewusst. Daraufhin sieht der Schurke es ein: „… I might need help. I … I might actually be crazy …“

Damit startet der Mini-Sammelband Batman Adventures: Riddle Me This, der ganz dem Riddler gewidmet ist (wie schon zuvor die Bände zu Batgirl, Nightwing und Robin). Fünf Kurzgeschichten im Kleinformat werden hier geboten.

Weit hergeholte Lösungen

In Notes kehrt der Riddler zu seinem alten Modus operandi zurück und will Batman mal wieder beweisen, dass er, Riddler, klüger ist als sein Gegner. Er hält einen bekannten Musiker als Geisel. Batman ist ratlos, doch dann hört Nightwing heraus, wie der Musiker im Hintergrund mit seinem Gitarrenspiel Hinweise hinterlässt. Mit Noten lässt sich, das wusste auch schon BACH, ganz wunderbar buchstabieren. Aber wie Nightwing auf all das kommt, das ist genauso weit hergeholt wie in der ersten Story.

Das ist das nächste Problem mit dem Riddler ist ein altbekanntes: Zwar verspricht dieser Schurke stets, den Detektiv in Batman zu bemühen, doch die Leser können selten miträtseln, weil die Schlüsse die aus den Lösungen gezogen werden, oft willkürlich sind. (An Absurdität nicht zu übertreffen ist natürlich das Prinzip bei Adam West.)

Konkurrenz für den Riddler

Dann bekommt der Riddler Konkurrenz. Nicht der Cluemaster, sondern ein junger Mann mit blonden langen Haaren, der sich einfach nur Kim nennt. Dieser hält sich auch für ein Genie und betreibt das Rätselspiel mit Batman als Selbstzweck, l’art pour l’art. Der Riddler sieht das aber gar nicht gern und bricht aus, um Kim aufzuhalten. Was sehr praktisch ist, denn dann kann sich Batman, der allen um einen Schritt voraus ist, sich beide auf einmal schnappen. Viel interessanter aber ist die Frage: Kennt Batman den japanischen Regisseur Oshima? Oder hat er gar einen seiner Filme gesehen? Ich will nicht zu viel verraten …

Jener Kim muss auch später Robin dabei helfen, Riddlers Rätsel zu lösen, als Batman fehlt. Das ist bedauerlich, denn so kann sich der Wunderknabe nicht allein beweisen. Leider versucht er es nicht einmal. Erst das Rätsel am Ende knackt er selbst, aber das ist so einfach, dass man  (fast) auch selbst drauf kommen kann. Enttäuschend.

Old habits die hard

In Poker Face (Batman Adventures Vol. 2 #11), der fünften und letzten Story des Bandes, steht die Welt von Gotham, wie wir es kennen, Kopf: Oswald Cobblepot, einstmals Pinguin, ist nun Bürgermeister und Edward Nygma ist ein Geschäftsmann geworden. Ziemlich langweilig, findet auch der ehemalige Riddler, weshalb er dann doch wieder in alte Gewohnheiten zurückfällt. Der Pinguin, der weder Vigilanten noch maskierte Schurken duldet, will ihn verhaften lassen, doch es fehlt ein Verbrechen. Und damit kommen wir zum dritten Problem: Daran hinkt die Geschichte, denn damit fehlt auch der Spannungsbogen.

Die Pointe von all dem lautet immer wieder: Old habits die hard. Das ist als Lektüre für Minuten, für Klogänge oder kurz vor dem Einschlafen, ganz nett, schön bunt, schwungvoll gezeichnet und tut nicht weh, der ein oder andere Bat-Schmunzler wird drin sein, und wer seine Kinder sanft an Batman heranführen will, wird damit bestens bedient sein (solange die Kinder des Englischen mächtig sind), aber wer Gehirntraining betreiben will, ist mit Sudoku oder einem anständigen Krimi besser bedient.

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Neues Crossover: „Batman vs. Bigby! A Wolf in Gotham“

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Wer von euch kennt die Comicserie Fables? Ich habe sie bisher nicht gelesen, aber anscheinend habe ich einiges verpasst, denn die Serie (2002-2015) wurde gefeiert und mit Preisen überhäuft. Jetzt gibt es anscheinend einen Anlass, die Lektüre nachzuholen, denn Batman trifft auf eine Hauptfigur aus Fables: Batman vs. Bigby! A Wolf in Gotham wird eine sechsteilige Miniserie, die im September startet. Autor wird der Kopf hinter Fables sein, Bill Willingham, die Zeichnungen werden von Brian Level stammen. Daraufhin soll Fables mit Ausgabe #151 fortgesetzt werden.

Fables handelt von einer modernen Welt, in der Märchenfiguren real sind. Bigby  Wolf ist eine Art Detektiv und Werwolf, daher passt es anscheinend gut, ihn mit Batman zusammenarbeiten zu lassen. Auch bedeutet das eine Rückkehr zu den Wurzeln im Horrorgenre. Denn Batman ist schon einige Male Werwölfen begegnet: gleich im ersten Jahr in Detective Comics #31-32, in Moon of the Wolf (Batman #255, 1974) sowie in Werewolf (Legends of the Dark Knight #71-73, 1995) – um nur drei Beispiele zu nennen.

Batman vs. Bigby erscheint unter DCs Black Label.

>> Liste der Batman-Crossover

Noch einmal Scarecrows erstes Jahr

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DC Comics

Titel: Year One: Batman/Scarecrow

Autor/Zeichner: Bruce Jones/Sean Murphy

Erschienen: 2005, Paperback 2009 (Batman: Two-Face and Scarecrow Year One)


Batman: „You really that…scared of me?“
Robin: „Yeah. In a God-fearing kinda way.“

Nichts ist beliebter als Geschichten vom Anfang und vom Ende. Daher müssen alle paar Jahre Origins von Superhelden und Schurken neu erzählt werden – und natürlich jedes Mal verändert, sonst wär’s ja öde. Zehn Jahre nach dem letzten Scarecrow Year One bekam Jonathan Crane noch eins, als Zweiteiler.

Die bekannten Komponenten sind alle da: die traumatische Kindheit, die Besessenheit von Angst, Vögel, Chemikalien, die Schusswaffe, das Rachemotiv. Diesmal aber kommt einiges Neue hinzu. Jonathan Crane ist das uneheliche Kind einer drogensüchtigen und sehr jungen Mutter, das von der Großmutter am liebsten lebendig begraben worden wäre, aber dann von der Urgroßmutter aufgezogen wird – allerdings nicht nur lieblos, sondern auch grausam.

Sie lässt ihn schon als Kind auf dem Feld arbeiten und bestraft ihn, indem sie dressierte Krähen auf ihn hetzt. Er lernt ihr Geheimnis, versenkt sich in das Studium von Psychologie und Chemie, später lehrt Crane an der Uni, wo er suspendiert wird, weil er eine Schusswaffe vor Studenten abfeuert. Daraufhin wird er zu Scarecrow und rächt sich an all seinen Peinigern, indem er sie mit ihren eigenen Ängsten tötet.

Scarecrows Vorgeschichte: Noch grausamer

Anfangs hat Scarecrow noch kein Angstgas, sondern experimentiert mit einer Mischung aus Pheromonen und Halluzinogenen wie LSD. Batman und Robin folgen einer Spur aus Leichen und Stroh und versuchen, den Serienmörder zu schnappen. Das passiert allerdings über etwas seltsame Umwege. Statt sich zu fragen, was die Opfer gemeinsam haben könnten, stellen die Helden weit hergeholte Nachforschungen über den Ursprung von Strohhalmen an. Spätestens als Cranes ehemaliger toter Professor aufgefunden wird, sollte klar sein, wer sich da gerächt hat. Aber nein, Zeugenbefragung steht nicht auf den Plan. Man geht lieber dem vagen Hinweis nach, den ein Buch zu geben scheint, das aus dem Regal herausragt: Sleepy Hollow

Spannender als die Detektivarbeit ist Scarecrows Vorgeschichte. Die ist ziemlich dick aufgetragen, dicker als sonst, mit allen möglichen Grausamkeiten versehen, die einem passieren können (darunter auch häusliche Gewalt), aber dafür auch sehr ausführlich und so plausibel wie möglich hergeleitet. Scarecrow selbst ist äußerst brutal dargestellt, denn er ist sogar bereit, ein Baby zu töten – damit dürfte jegliche Sympathie für ihn schwinden.

Umso angenehmer sind Sean Murphys Zeichnungen anzusehen, die hier noch nicht seinen heute markanten Stil tragen (Batman: White Knight), aber trotzdem schön düster, stimmungsvoll und dynamisch sind. Ein beachtliches Frühwerk, das über die sonstigen Schwächen hinwegsehen lässt. Aber da war Murphy noch nicht selbst als Batman-Autor tätig.

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Der Schrecken der Unterwelt

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Batman #626-628 (DC Comics)

Titel: As the Crow Flies

Autor/Zeichner: Judd Winick/Dustin Nguyen

Erschienen: 2004 (Batman #626-630), Paperback 2005


In Gotham drehen die Gangster durch. Hohe Tiere der Unterwelt kriegen furchterregnde Halluzinationen, geraten in Panik, stürzen in den Tod. Was ist da los? Dahinter kann eigentlich nur Scarecrow stecken. Doch er ist nicht allein, sondern handelt im Auftrag des Pinguin. Der will dadurch seine Macht in der Unterwelt sichern. Mit dem Angstmittelchen hat man es aber etwas zu gut gemeint. Doch dann taucht auch noch ein riesiges Monster auf, das weitere Gangster dahinmetzelt: Scarebeast! Jonathan Crane beteuert seine Unschuld …

Weitere Highlights: Batman bekommt Angstgas ab, wird mit seinen Dämonen, sprich: Erzschurken konfrontiert, muss sich die alte Leier von „Du bist selbst schuld“ anhören, während er im Batmobil heimgefahren wird. Robin muss ihn retten, dabei erscheint ihm Jason Todd als Halluzination – oder doch nicht? (Später lässt Autor Judd Winick Jason als Red Hood auferstehen.) Es gibt einen actionreichen Showdown in Wayne Manor.

Ansonsten ist dieser Fünfteiler ein schnell gelesener Pageturner für Horrorfreunde, die Gefallen finden an Batman and the Monster Men. Dustin Nguyen liefert eine gewohnte visuelle Qualität mit einigen prächtigen Panels ab, auch das Monster gelingt ihm außerordentlich gut. Doch leider kann die Story da nicht mithalten. Der innovative Aspekt an Scarecrow verpufft und die Auflösung fällt etwas uninspiriert aus. Die Figur bleibt so eindimensional wie der Pinguin, der sich bloß um Macht und Hüte kümmert. Aus einem Team-up der beiden vogelzentrierten Schurken hätte man mehr machen können.

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Verbrecher Batman

Batman ist der Gute, denn er bekämpft Verbrecher – klar. Oder? In den ersten 40 Jahren (abgesehen vom ersten) war es zumindest so. In den letzten 40 wurde das immer mehr und wieder in Frage gestellt. Batman arbeitet außerhalb des Gesetzes, er ist ein Vigilant und daher per se illegal, was weitere Vergehen und Verbrechen nach sich zieht.

Wenn man sich die Filme anschaut, stellt sich eher die Frage, ob Batman wirklich mehr Gutes tut als dass er Schaden anrichtet. Dieses Fandom-Video geht der Sache nach, von Michael Keaton bis Batfleck, und findet eine ganze Reihe von Straftaten: unbefugtes Betreten, Vandalismus, Stalking, illegales Abhören, Fahrerflucht, Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung, Körperverletzung, Folter und natürlich Mord.

Welcher Film-Batman begeht wohl die meisten Verbrechen? Die spannendere Frage ist aber: Sind sie gerechtfertigt im Hinsicht auf die Verbrechen, die er verhindert?

Die Antwort überlasse ich euch. Aber ein fragwürdiger Charakter bleibt dieser Fledermausmann …

>> Liste der Batman-Filme

Abrechnung mit dem DC Extended Universe

Nein, ich bin wahrlich kein Fan des „DC Extended Universe“ (DCEU), wie das derzeitige Filmuniversum von Superman, Batman und Wonder Woman genannt wird. Es hatte einen mehr als holprigen Start mit Man of Steel, wurde dann furchtbar mit Batman v Superman und Suicide Squad, bevor es sich dann mit Wonder Woman und Shazam berappelte, aber dann wieder abstürzte (Aquaman, Wonder Woman 1984) und immer noch wenige echte Highlights zu bieten hat.

Die Screen Junkies haben in einem Honest Trailer (dem 400.) zusammengefasst, was alles schief gelaufen ist, vor und hinter den Kulissen, und analysieren auf amüsante Art die wiederkehrenden Muster dieser Filme. Einen Anteil an der Unausgereiftheit der Filme dürften die chaotischen Produktionsbedingungen haben, wie man sie bei Zack Snyder’s Justice League erlebt hat. Doch da bleiben immer noch die deprimierenen Storys, unsympathischen Helden, nervigen Schurken und fragwürdigen Wortbeiträge. Und es scheint immer noch keinen vernünftigen Plan zu geben, wie man dieses Kinofranchise auf einen ordentlichen Kurs bringt wie bei Marvel. Mit eigenständigen Filmen wie Joker und dem kommenden The Batman hat man sich vom Snyderverse verabschiedet.

Bedenklich ist das Trollverhalten sogenannter Fans, die Soziale Medien für ihre aggressiven Snyder-Kampagnen missbrauchen. Dass sie mit Justice League Erfolg hatten, ist leider auch ein falsches Signal, das zeigt, dass man alles kriegt, wenn man nur laut genug schreit. Wenn es nur halb so viel Engagement für die wahren Probleme auf der Welt gäbe, bräuchte es keine Superhelden mehr …

>> Liste der Batman-Filme

Neuer Comic: „Batman – The World“

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DC Comics/Panini

Schon immer war Batman ein Globetrotter. Gleich im ersten Jahr führte ihn die Reise nach Europa (Paris), auch später ging es immer wieder in aller Herren (und Damen!) Länder, sodass Grant Morrison in Batman Incorporated ihn sogar zu einer global operierenden Unternehmen ausbaute.

Am 14. September erscheint nun Batman: The World, ein 184-seitiger Band als Hardcover, in dem Autoren und Zeichner aus 14 Ländern auf ihre Weise interpretieren: Nordamerika, Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland, Tschechien, Russland, Polen, Türkei, Mexiko, Brasilien, China, Korea und Japan.

Damit soll gezeigt werden, dass Batman mehr sei als eine Figur, sondern ein Phänomen, das Sprachen und Grenzen überschreitet, lässt Jim Lee von DC mitteilen. Die Anthologie erscheint kurz vor dem offiziellen Batman Day am 18. September 2021.

Jede internationale Ausgabe soll ein eigenes Cover des jeweiligen Teams haben. Eine Story wird von Brian Azzarello und Lee Bermejo stammen (Batman: Damned, Joker, Lex Luthor: Man of Steel, Batman/Deathblow). Hier die komplette Liste der Teams:

  • Mathieu Gabella (Autor)/Thierry Martin (Zeichner) – Frankreich
  • Paco Roca (Autor/Zeichner) – Spanien
  • Alessandro Bilotta (Autor)/Nicola Mari (Zeichner) – Italien
  • Benjamin von Eckartsberg (Autor)/Thomas von Kummant (Zeichner) – Deutschland
  • Stepan Kopriva (Autor)/Michal Suchánek (Zeichner) – Tschechien
  • Tomasz Kolodziejczak (Autor)/Piotr Kowalski, Brad Simpson (Zeichner) – Polen
  • Ertan Ergil (Autor)/Ethem Onur Bilgiç (Zeichner) – Türkei
  • Alberto Chimal (Autor)/Rulo Valdés (Zeichner) – Mexiko
  • Carlos Estefan (Autor)/Pedro Mauro (Zeichner) – Brasilien
  • Inpyo Jeon (Autor)/Jae-kwang Park, Kim Jung Gi (Zeichner) – Korea)
  • Xu Xiaodong, Lu Xiaotong (Autoren)/Qiu Kun, Yi Nan (Zeichner) – China
  • Kirill Kutuzov, Egor Prutov (Autoren)/Natalia Zaidova (Zeichner) – Russland
  • Okadaya Yuichi (Autor/Zeichner) – Japan

Batman trifft Joker in Deutschland

Das deutsche Team Benjamin von Eckartsberg und Thomas von Kummant (bekannt für Gung-Ho) erzählt eine elfseitige Geschichte Rauhnacht (A Better Tomorrow). Die Beschreibung liest sich bei Panini so:

„Die Inmitten der verschneiten bayerischen Alpen schart der Joker eine Gruppe fanatischer Klimaaktivisten um sich und will diese so radikalisieren, dass sie selbst vor Mord nicht zurückschrecken. Obwohl Fledermäuse hierzulande eine geschützte Art sind, steht Batman natürlich auf der Abschussliste des irren Clowns und seiner Gefolgsleute und es kommt zu einem actiongeladenen Duell im Tiefschnee.“

Ein Preis für Batman: The World steht noch nicht fest.


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Neue Miniserie: „The Joker Presents: A Puzzlebox“

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DC Comics

Und schon wieder was Neues zum Joker: Am 3. August 2021 startet eine siebenteilige Miniserie mit dem Titel The Joker Presents: A Puzzlebox. Die Polizei von Gotham findet eine geheimnisvolle Leiche, eine magische Kiste und eine Zelle voller Mörder. Nun versucht sie herauszufinden, was geschehen ist. Niemand will reden, außer der Joker. Dieser erzählt scheinbar unzusammenhängende Geschichten seiner Mitinsassen. Im Laufe der Serie wird klar, dass jede Geschichte ein Teil von Jokers Plan ist.

Die Serie wird geschrieben von Matthew Rosenberg mit Zeichnungen von Jesús Merino in der ersten Ausgabe, das Hauptcover stammt von Chip Zdarsky (Sex Criminals, Daredevil, Spider-Man: Life Story). Spätere Hefte weren illustriert von Keron Grant, Dani, Domo Stanton, Juni Ba, Vanesa Del Rey, Ricardo Ortiz, Christopher Mooneyham und anderen. Jede Ausgabe soll 40 Seiten umfassen.

Außerdem startet bereits am 7. Juni die digitale Ausgabe, die zusätzliche Hinweise zum Miträtseln enthalten soll. DC nennt es die „Director’s Cut Bonus Box“. Allerdings nur für Abonennten von DC Universe Infinite, was in Deutschland nicht verfügbar ist. Die späteren Druckusgaben sollen dasselbe Zusatzmaterial enthalten.

Außerdem erscheint bereits Jokers eigene fortlaufende Serie, darüber hinaus ist für August Suicide Squad: Get Joker angekündigt. Ich finde: Es reicht längst, aber der Markt scheint was anderes zu sagen.

>> Liste der Joker-Comics