Comic

Batman und der Unsichtbare

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DC Comics

Titel: Batman Unseen

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 2009-2010 (Miniserie #1-5), Paperback 2010


„Take that, Mr. H.G. Wells…Eat your own invisible heart out–and you still got nothin‘ on the real-gone genius me!“

Black Mask heuert den ehemaligen Waynetech-Forscher Nigel Glass an, um ihm ein Serum herzustellen, das unsichtbar macht. Glass macht sich an die Arbeit und entdeckt nach und nach, wie er seine Haut, Muskeln, Innereien und Knochen fürs Auge verschwinden lässt. Tolle Sache, doch Glass entdeckt die Vorzüge für sich, wird zum Mörder und rächt sich an all den Menschen, die ihm einst Schlechtes angetan haben. Batman muss sich fragen: Wie fängt man einen Mörder, den man nicht sehen kann?

Doug Moench und Kelley Jones, die bereits in den 90ern Batman haben gegen Dracula antreten lassen (Red Rain), lassen ihn hier gegen ein weiteres Universal-Film-Monster kämpfen: den Unsichtbaren nach dem Roman von H.G. Wells. Jones inszeniert den Fünfteiler in gewohnt surrealistischer Manier mit vielen Schatten, Cape-Eskapaden, gewaltigen Muskelbergen und kuriosen Maschinen. Man muss diese Eigenwilligkeit mögen – ich liebe es mittlerweile, auch weil es Batman stets zu seinem Ursprung im Horror zurückführt.

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DC Comics

Abgesehen davon darf Batman hier auch Detektiv spielen, der Rest ist kraftstrotzende Action mit vielen Prügeleien gegen den unsichtbaren Gegner. Das darf auch mal sein und hört auch auf, bevor es öde wird – insofern ist Batman Unseen eine kurzweilige Lektüre. Nur dass Batman am Ende das Serum selbst nimmt und dann nackt im Cape durch den Schnee stapft, ist wohl eher visuell motiviert als wirklich sinnvoll.

Sinnvoller wäre es zum Beispiel, einen Eimer Farbe oder eine Packung Mehl mitzubringen, um den Schurken sichtbar zu machen. Aber nein, es müssen fancy Supersichtlinsen sein. Sinn ist hier auch eher nebensächlich. Herrje, es macht Spaß und sieht toll aus. Kann man mehr verlangen? Ja. Aber man kann es auch einfach genießen.

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Robin als Weihnachtsgeschenk

Star Spangled Comics #77 (Cover & Page 1)

DC Comics

Titel: The Boy Who Wanted Robin for Christmas

Zeichner: Jim Mooney

Erschienen: 1948 (Star Spangled Comics #77)


Was schenkt man einem Jungen, der alles hat? Der Millionärsbengel Bert Beem hat bereits zwei Roadster und eine Yacht – da wird es schwierig, sich ein Weihnachtsgeschenk für ihn auszudenken. Alles, was ihm fehlt, sind seine Eltern, die sind gestorben. Alles, was er sich wünscht, ist ein Treffen mit Robin, seinem Idol. Denn Bert wäre gern auch mal Detektiv.

Der Vormund, Coombs, fragt Commissioner Gordon, der fragt Robin und dieser erklärt sich bereit, einen Fall zu inszenieren, um Bert die Flausen mit dem Detektivspielen auszutreiben. Er engagiert Schauspieler. Ein falscher Weihnachtsmann kommt bei Bert vorbei und tut so, als würde er ihn ausrauben. Da kommt Robin herbeigeeilt, Santa kann fliehen. Weil er aber Fichtennadeln fallengelassen hat, können die kleinen Detektive seiner Spur folgen und finden Santa mit seinen Little Helper. Die überwältigen die Bengel und fesseln sie auf einen Schlitten, den sie einen Abhang hinunterjagen. Das war gar nicht so geplant. Die Schauspieler stellen sich als wahre Verbrecher heraus.

Zum Glück sind Kinder gut im Rodeln und können so können auch unsere beiden Helden den Schlitten ablenken, sodass sie nicht sterben. Wer aber steckt hinter dem Santa-Kostüm? Man versucht sich an einer Ohrenanalyse, denn darin ist Bert Experte. Eigentlich kommen nur zwei Verdächtige in Frage: Butler Jervis und Coombs, der Vormund des Jungen.

Beim Finale im Haus trickst das Duo die Banditen aus, mit einem Robin-Mannequin und einem Spiegeltrick, dann lassen sie einen Stapel Bücher auf Bad Santa fallen. Und wer steckt hinter dem falschen Bart? Natürlich: der Butler. Bert stellt fest, dass er nicht das Zeug zum Detektiv hat. Robin empfiehlt ihm eher, beim Geschäftlichen zu bleiben.

>> Batman zu Weihnachten

Batman und Green Arrow gegen den Pinguin

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DC Comics

Titel: Batman & Green Arrow: The Falcon’s Lair!

Autor/Zeichner: Don Karr/Adrian Gonzales

Erschienen: 1982 (The Brave and the Bold #185), erschienen in: The Brave and the Bold – The Bronze Age Omnibus Vol. 3 (2021)


Als Green Arrow mal wieder zufällig in Gotham vorbeischaut, um sich zu amüsieren, kann er Batman dabei helfen, ein paar Gauner hochzunehmen. Da der Spaß schnell vorbei ist, fragt Batman, ob er nicht beim 40. Geburtstag seines Millionärskumpels Hamilton Mellor als Robin Hood auftreten will. Mellor veranstaltet nämlich eine Mittelalter-Mottoparty. Auf keinen Fall!, sagt Green Arrow, ist ja auch lächerlich, sich wie Robin Hood zu kleiden und dann Pfeiltricks zu vollführen.

Doch weil er selbst letztens Batman um einen ähnlichen Gefallen gebeten hat (The Brave and the Bold #168), vertritt er ihn bei der Party, die auf einer Burg stattfindet. Zufällig ist aber auch der Pinguin zugegen, als uneingeladener Gast. Der hat Hamilton Mellor hypnotisiert, um ihn durch einen Roboter zu ersetzen und auszunehmen. Außerdem plant er, Batman zu töten. Dafür hat er einen Roboterfalken gebaut und den Ernstfall mit einem Batman-Roboter erprobt.

Dass Batman gar nicht auftaucht, scheint den Pinguin aber nicht zu stören. Schnell ist eine Falle für Green Arrow bereitet: ein Black-Canary-Roboter auf einem Scheiterhaufen. Die Figur schreit zwar, es sei eine Falle, aber er tappt trotzdem gern hinein und lässt sich gefangennehmen.

Batman eilt zur Hilfe, um den Freund zubefreien. Dabei kriegt er es mit einem feuerspeienden Drachen, einem Ritter mit Lanze und einem Robin-Roboter zu tun. Batman meistert alle Aufgaben souverän, er hat ja bereits Mittelalter-Erfahrung, doch die Mühe ist völlig unnötig, denn Green Arrow befreit sich in der Zwischenzeit selbst, befreit Mellor, besorgt sich eine Armbrust und erledigt Pinguin und Falken.

Damit endet die Geschichte der Team-ups zwischen Batman und Green Arrow in Brave & Bold. Es gibt noch zwei weitere Treffen, die sogar mit Green Lantern und Black Canary (#100) und auch eins mit den Metal Men (#135-136), aber davon erzähle ich ein andermal.

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Man-Bat gegen Scarecrow – und sich selbst

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DC Comics

Titel: Man-Bat (dt. Das Monster von Gotham)

Autor/Zeichner: Dave Wielgosz/Sumit Kumar

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-5), Paperback 2021


„It’s time to make peace with who you are.“

Kirk Langstrom spielt den Helden. Zunächst hat er sein Man-Bat-Serum nur erfunden, um seiner Schwester Lisa das Gehör wiederzugeben (hat nicht geklappt, mit den bekannten Nebenwirkungen), jetzt geht er auch noch auf Verbrecherjagd, um sich wenigstens irgendwie nützlich zu machen. Doch das geht schief.

Als er die Blackout-Gang angreift, die gerade eine Schallkanone klaut, verlieren alle Umstehenden ihr Gehör (bis auf Man-Bat und Batman). Batman nimmt Kirk mit in die Batcave, analysiert ihn und kommt zu dem Schluss, dass Man-Bat zunehmend von ihm Besitz ergreift – und das werde er nicht überleben. Kirk will alles wiedergutmachen und haut ab, da schickt Amanda Waller die Suicide Squad auf ihn los – und dann taucht auch noch Scarecrow auf, der ganz eigene Pläne verfolgt …

Man-Bat wird hier zur Jekyll-und-Hyde-Figur. Kirk Langstrom trägt einen Konflikt mit dem inneren Monster aus, das immer schon ein Teil seiner selbst gewesen ist. Gleichzeitig ist er ein Junkie des von ihm geschaffenen Serums, das nur Unheil über ihn und seine Ehe mit Francine bringt. Die ganze Story ist im Grunde nichts als eine große Selbstanalyse. Figuren wie Harley Quinn und Scarecrow halten ihm den Spiegel vor, bis er endlich die Wahrheit über sich erkennt und sich mit sich selbst versöhnt.

Kirk Langstrom akzeptiert das Monster in sich

Es ist die typische Geschichte einer Selbsterkenntnis, eine Wandlung von der Lüge zur Wahrheit. Nicht alles auf dem Weg dahin ist notwendig, der Auftritt der Suicide Squad wirkt beliebig, ebenso wie der von Harley Quinn. Scarecrow versucht mal was Neues: Statt mit Angstgas will er mit unterschwelligen akustischen Botschaften das Schlimmste der Menschen hervorbringen – was auf ein Duell zwischen einem fiesen Batman und einem mit Venom aufgepumpten Man-Bat führt.

Die Tatsache, dass das Szenario zweimal mit dem Modeschlagwort „toxische Männlichkeit“ betitelt wird, macht den Stumpfsinn darin nicht klüger. Batman sagt etwas Dummes in der Art von „Es kann nur einen geben“ und dann folgen Kalenderspruchklischees wie „Frieden mit sich selbst schließen“ und „Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens“ – das nennt man dann wohl toxische Einfallslosigkeit.

Auch wenn es mich freut, dass Man-Bat mal wieder mehr Aufmerksamkeit bekommt, und alles dafür getan wird, eine Charakterstudie aus dieser Story zu machen, ringt dieser Fünfteiler der Figur nicht viel Neues ab und so bleibt dieser Comic nichts als gut aussehende Durchschnittsware, wie das Meiste, was derzeit an Fledermausbüchern auf dem Markt ist.

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Batman, Green Arrow und die Fesseln der Hypnose

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DC Comics

Titel: Batman & Green Arrow: Shackles of the Mind

Autor/Zeichner: Cary Burkett/Jim Aparo

Erschienen: 1980 (The Brave and the Bold #168), enthalten in: Batman: The Brave and the Bold – The Bronze Age Omnibus Vol. 3 (2021)


Batman wird zu einem Juwelendiebstahl gerufen. Der Dieb hat das beste Sicherheitssystem überwunden. Doch sonst fehlt jede Spur.

Dann taucht Green Arrow bei Bruce Wayne zu Hause auf und bittet ihn um einen Gefallen. Ein junger Freund von ihm, Samson Citadel, versucht sich nach einer gescheiterten Einbrecherkarriere nun als Entfesselungskünstler. Green Arrow will, dass Batman zu der Show erscheint und ihm ein bisschen Starthilfe in Sachen Publicity gibt. Bruce zögert. Er hat zwar ähnlichen Unsinn schon mal gemacht, aber dann eingesehen, dass das seiner Reputation schadet, um Gauner das Fürchten zu lehren. Doch Green Arrow hat Batman bereits angekündigt – und so sagt Bruce zu.

Weil Green Arrow ihn in dieser Zeit in Gotham vertreten soll, nimmt Batman ihn mit auf Patrouille, zum Eingewöhnen. Da erwischen sie zwei Diebe, einer davon entkommt dem Handschellenpfeil – und stellt sich dann als Samson heraus.

Batman folgt der Spur zum Magician’s Club, wo er sofort von einem hypnotisierten Muskelberg überwältigt wird. Der arbeitet für den Hypnosekünstler Rhinehart, welcher herausgefunden hat, wie man Menschen dazu bringt, Verbrechen für ihn zu begehen – darunter auch Samson. Batman wird eingepackt, gefesselt und in einer Kiste in einem Piranhabecken versenkt. Rhinehart hat eine Schwäche fürs Theatralische, auch wenn er der Vorstellung leider nicht beiwohnen kann.

Batman als Houdini

Während Batman also selbst den Houdini macht, muss Green Arrow versuchen, seinen Kumpel Samson wieder zur Vernunft zu bringen. Doch am Ende schaut der Held in den Lauf einer Pistole … Wie mag es wohl ausgehen? (Trommelwirbel) Ich will nichts spoilern – ihr könnt es euch denken.

Viel interessanter ist die Frage, wie Batman aus der Todesfalle rausgekommen ist. Das will ich euch nicht vorenthalten, falls ihr mal selbst in so eine Verlegenheit kommt: Handschellen lösen (easy), mit dem gezackten Ende den Stoff zerreißen, dann die Gewichte, mit denen die Kiste beschwert ist, ans Fußende verlagern, die Kiste treibt mit dem Kopfende nach oben, dann ein bisschen Muckis einsetzen (Workout!) und schon entsteigt man der Kiste ganz ohne Bisswunden.

Aber wie auch mit der Arrow-Line gilt: Bitte nicht zu Hause nachmachen.

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Ein Pfeil für alle Fälle

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DC Comics

Titel: Batman & Green Arrow: The Arrow of Eternity

Autor/Zeichner: Bob Haney/Jim Aparo

Erschienen: 1978 (The Brave and the Bold #144)


Kaum kommt Bruce Wayne ins Büro, sieht er einen Pfeil auf den Kopf seiner Sekretärin zufliegen. Zum Glück trifft der Pfeil nur den Apfel auf dem Kopf der Frau. Hinter dem Wilhelm-Tell-Trick kann nur einer stecken: Oliver Queen alias Green Arrow. Bruce so: Was soll der Scheiß? (Sinngemäß.) Oliver so: „You know I never miss, Bruce — especially with a target like Gwen!“ Er will sie dafür zum Essen ausführen. Und schon erscheint der Pfeil wie ein Symbol für etwas anderes …

Erst Recht wird die Sache pikanter, als Oliver Bruce verrät, was er eigentlich von ihm will: den legendären Pfeil von Agincourt, von Merlin persönlich verzaubert. Er hat in einem alten Buch davon gelesen. „That arrow had the ability to penetrate anything … Follow the archers will and go anywhere!“ Ein Pfeil, der jedes Ziel trifft und alles durchdringt? Geht es hier wirklich nur um eine Waffe, ein Sammlerstück oder eher um den Wunschtraums eines Weiberhelden?

Ein Wasserspeier als Schurke

Für alle, die finden, dass die schmutzige Phantasie mit mir durchgeht, kehren wir zurück zur Handlung: Batman wirft Green Arrow über Frankreich ab, dann verschwindet das alte Buch plötzlich. Batman geht der Sache nach, sucht Green Arrow und findet sich plötzlich im 15. Jahrhundert wieder, wo er von drei französischen Rittern niedergestreckt wird. Die haben gerade Beef (oder eher boef?) mit den Engländern. Angeführt werden die Franzosen vom Schurken Gargoyle, der schon mit den Teen Titans zu tun hatte.

Green Arrow trifft zufällig Merlin und bekommt von ihm den Zauberpfeil zugesteckt, mit dem er später Gargoyle trifft und in Stein verwandelt. Doch dieser Merlin war bereits Gargoyle und alles diente nur dazu, in die Gegenwart zurückzukehren. Das tun Batman und Green Arrow dann auch, als die Ritter aufeinander losgehen. Sie kehren einfach auf demselben Weg zurück (Anomalie, ihr wisst schon). Dann schnappen sie sich den Schurken in einem alten Nazi-Bunker.

Und was sollte das alles? Gargoyle war im Mittelalter gefangen und hat von dort aus Green Arrow das Buch untergejubelt, damit der den Pfeil sucht, ihn damit „tötet“ und so in die Gegenwart zurückkehren lässt. Logisch, oder? Nein? Überhaupt nicht? Doch Batman versichert uns: „It’s the only possible explanation for what happened!“ Na, dann wollen wir ihm einfach mal glauben …

Übrigens: Einen Pfeil, der alles penetriert, braucht Green Arrow eigentlich gar nicht – er ist ja immer noch an Black Canary vergeben.

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Batman und die Stadt des Lichts

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DC Comics

Titel: Batman: City of Light

Autor/Zeichner: The Pander Brothers, Mark Paniccia/The Pander Brothers

Erschienen: 2003-2004 (Miniserie #1-8), kein Paperback


„To become the man you must first become the beast.“

Bei einem Einsatz gegen Kleinganoven bringt Batman eine Feuertreppe zum Einsturz, sodass ein unschuldiger Junge lebensgefährlich verletzt wird und im Koma landet. Batman macht sich schwere Vorwürfe, pausiert und lässt sich von einem Maler porträtieren. Batgirl (Cassandra Cain) macht gegen seinen Willen für ihn weiter.

Derweil entscheidet Bruce Wayne mit darüber, wie das Gotham von morgen aussehen soll. Der Architekt Evan Slate will mittels einer neuen Technologie eine weiß leuchtende Stadt ohne Schatten errichten, damit sich das Verbrechen nicht mehr im Dunkeln verstecken kann. Klingt einfältig, ist aber so. Praktischerweise jagt dann ein neuer Schurke namens Purge den Altbestand in die Luft. Er trägt einen leuchtenden Anzug, wie ihn Slate besitzt, aber in dem Kostüm scheint ein anderer zu stecken …

Batman wird zum Tier

Batman ist hier mal wieder ein großer Selbstzweifler: „I have become part of the sickness that I had set out to vanquish.“ Er spürt ein Monster in sich wüten, das er eigentlich zerstören wollte. Er fühlt sich nutzlos, hat Angst, dass seine Zeit als Batman vorbei ist. Der Künstler, der ihn malt, gibt ihm einen Rat: Um ein Mensch zu werden, müsse er zuerst zum Tier werden. Also suhlt sich Batman im Dreck und gibt befremdliche Grunzgeräusche von sich („GRRMBLL“).

So interessant die Prämisse daherkommt, ist City of Light etwas seltsam gewichtet: Das Finale füllt vier von acht Ausgaben. Es gibt unnötige Subplots mit Künstlern, Polizei und Batgirl, die einen nicht weiter zu interessieren brauchen. Und Batmans Benehmen befremdet zuweilen etwas („Paint me“), genauso wie die naive Vision des Architekten. Der Zeichenstil besticht eher durch Action-Sequenzen als durch Mimik, die Gesichter wirken zuweilen cartoonhaft. Dennoch gehört die Miniserie dank des starken Erzähltons und dynamischer Kämpfe zu den unterhaltsameren und hätte eine Neuauflage in Form eines Sammelbandes verdient.

>> Batman 2000-2011


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Batman und Aquaman am Kap der Angst

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DC Comics

Titel: Batman vs. Aquaman: Enigma of the Death-Ship

Autor/Zeichner: Bob Haney/Jim Aparo

Erschienen: 1978 (The Brave and the Bold #142)


Auf der Suche nach einem Drogendealer führt die Spur Batman zu einem gesunkenen Schiffswrack vor Cape Fear. Als er versucht, das Logbuch zu bergen, muss er Fische und bewaffnete Taucher abwehren und schließlich auch Aquaman.

(Das waren nur zwei Sätze, doch bis dahin sind zehn von 17 Seiten vergangen.)

Damit ist das Schema erfüllt: Wirklich jedes Mal, wenn Batman in The Brave and the Bold auf Aquaman trifft, kommt es erst einmal zum Kampf – und jedes Mal ohne Erklärung. Auch hier wird Aquaman zuerst handgreiflich und warnt Batman, sich vom Wrack fernzuhalten. Statt sich vor seinem alten Mitstreiter zu erklären, lässt er Mera eine Kugel aus hartem Wasser um Batman bilden.

Aquamans Stunde der Wahrheit

Während Aquaman weiter gegen die schurkischen Froschmänner kämpft, befreit sich Batman und birgt das Logbuch. Das führt zum zweiten Kampf mit Aquaman – unter Wasser, auf dem Boot und an Land. Auf dem Trockenen behält Batman dann die Oberhand, ein Kinnhaken und Aquaman gibt nach. Batman liest das Buch und erfährt, dass sein gesuchter Verdächtiger das Schiff versenkt hat – und nicht Aquamans Vater, der ehemalige Leuchtturmwärter.

Darum ging es also: Aquaman wollte die Erinnerung an seinen Vater rein halten, deshalb wollte er nicht zulassen, dass jemand die mögliche Wahrheit erfährt. All der Ärger also nur wegen Stolz und Sturheit, wie Batman feststellt. Und so ein Feigling nennt sich Held? Und so ein Realitätsverweigerer war mal König von Atlantis? Oje … Langsam verstehe ich, warum Aquaman nie ein besonders populärer Charakter war.

Immerhin wurden nicht alle Klischees erfüllt. Diesmal gab’s keinen Pottwal und Riesenkraken. Dafür einen Hammerhai und kleine Tintenfische. Und Batman hat von den Viechern gelernt: Den Hammerhai verjagt er mit Tinte. Vielleicht sollte er das mal bei Aquaman versuchen – aber der scheint schon verblendet genug zu sein.

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Batman und Aquaman gegen Nazis

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DC Comics

Titel: Batman & Aquaman: What Lurks Below Buoy 13

Autor/Zeichner: Bob Haney/Jim Aparo

Erschienen: 1976 (The Brave and the Bold #126)


„Yes, nations, like men who live in mistrust and fear, end up destroying each other!“

Eigentlich ist Batman gerade auf dem Meer unterwegs, um Waffenschmuggler zu jagen, da wird sein Boot von einem U-Boot umgehauen. Als er seinen Fahrer rettet, entdeckt er unter Wasser eine seltsame Kugel umherschwimmen. Dann taucht auch noch ein Zerstörer der Navy auf und versenkt Batmans Boot. Was ist denn da los?

Der Kalte Krieg droht, zu einem heißen zu werden, erklärt ihm ein US-Offizier. Die Navy war hinter der Kugel her, einem Unterwasser-Satelliten, der angeblich von feindlicher Seite kommt und U-Boote aufspüren kann. Doch die andere Seite denkt, der Satellit wäre eine US-Erfindung. Warum druckse ich herum und sage nicht einfach: Russen oder Sowjets? Weil diese Wörter hier seltsamerweise auch kein einziges Mal fallen. Das Pendant zum Weißen Haus erinnert bestenfalls entfernt an den Kreml – so als traute man sich nicht einmal, in einem Comic die andere Weltmacht beim Namen zu nennen, als könnte die kleinste Provokation das Pulverfass zur Explosion bringen.

Nazis planen Comeback

Batman sucht Aquaman auf und bittet ihn um Hilfe. Es stellt sich heraus: Der Satellit ist eine Erfindung aus Atlantis, um Fische zu orten. Die Vereinten Nationen sollen entscheiden, was damit passieren soll. Doch nachdem ein UN-Vertreter namens Baron Mannheim das Ding von den Helden abholt, stellt sich heraus: Mannheim gehört nicht zur UNO, sondern ist ein international gesuchter Verbrecher, ein Nazi, der nach Südamerika geflohen ist.

Batman steht da wie ein Idiot. Doch er macht es wieder gut, indem er schneller als Interpol Mannheims Versteck findet – einfach nur, indem er eine Karte aufschlägt. Der Baron unterhält nämlich eine Schiffswerft mit U-Boot, Waffen, Besatzung und unübersehbaren Hakenkreuzen. Die Nazis sehen ihren großen Tag der Wiederkehr hereingebrochen.

Es kommt zum obligatorischen Duell unter Wasser. Wieder wird Batman die Luftzufuhr geraubt, wieder kommt Aquaman mit zwei Delfinen und zum Schluss mit einem Pottwal (vgl. The Brave and the Bold #114), der das alte und rostige Nazi-U-Boot zerlegt. Der Schurke stirbt dabei, doch keiner verliert ein Wort darüber. Hauptsache die olle Kugel ist sicher in der „Aquacave“. So bleibt der Weltfrieden gewahrt. Jetzt wissen wir, warum. Nur warum das Ding den Frieden gefährdet hat, das bleibt ein Rätsel.

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Gordon jagt den Joker

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DC Comics

Titel: The Joker Vol. 1

Autor/Zeichner: James Tynion IV, Matthew Rosenberg/Guillem March, Francesco Francavilla

Erschienen: 2021 (The Joker #1-5), Hardcover 2021


„…there’s the law and there’s evil, Jim. And when you see evil, you aim for the head.“

Nach dem Joker War und dem Anschlag auf Arkham, bei dem alle Insassen und auch Bane ums Leben gekommen sind (siehe Batman: The Cowardly Lot) ist der Joker auf der Flucht. James Gordon, Commissioner im Ruhestand, bekommt von einer mystiösen unbekannten Schönen gesagt, der Schurke halte sich in Belize auf (Breaking-Bad-Gucker wissen Bescheid). Gordon soll ihn finden und töten. Es gibt 25 Millionen Dollar plus Spesen. Warum gerade er? Gordon hat eine lange Vergangenheit mit dem Joker, er kennt ihn fast am besten – und er hat mit ihm auch etliche Rechnungen offen, erst recht seit The Killing Joke.

Gordon akzeptiert. Doch bringt er es fertig, den Joker zu töten? Könnte sein, dass er das gar nicht muss, denn nicht nur er sucht den Joker, sondern auch ein neuer, weiblicher Bane, eine Kannibalen-Familie aus Texas und dann gibt es noch den Rat der Eulen (Court of Owls).

Hardboiled-Krimi- und Horror-Mix

Ich bin bis dato kein Fan von Autor James Tynion IV gewesen. Ich mochte weder seine Detective Comics noch seinen Batman, aber hier legt er das erste Werk vor, das ich wirklich gerne gelesen habe. Und das, obwohl ich nichts Großartiges erwartet habe. Eine Joker-Serie gab es zuletzt in den 70ern, und die war eher albern. Der Joker als Held, das funktioniert nur ganz selten. Aber das hier ist zum Glück keine Joker-Story, sondern eine Gordon-Story.

Tynion lässt es nach dem Schema des Hardboiled-Detektiv-Romans ablaufen. Wir verfolgen Gordons abgründige Gedanken wie schon zu Frank Millers besten Zeiten mit Batman: Year One. Tynion lässt eine Rückblende sogar in dieser Zeit spielen (wunderbar illustriert von Francesco Francavilla, der David Mazzucchelli alle Ehre macht). Wir sehen einen Mann, der sein ganzes Leben und seine Ehe dem Kampf gegen das Verbrechen geopftert hat. Gordon ist ein Besessener, der trotz allem nicht auf das Niveau seiner Gegner abgerutscht ist. Der Joker steht für das ultimative Böse, das ihn verführt, zum Mörder zu werden. Er will Gordon beweisen, dass dessen Kampf sinnlos ist.

Batman spielt nur am Rande eine Rolle, dafür umso mehr Barbara Gordon als Oracle, die ihrem Vater als Sidekick aus der Ferne hilft. Daneben bedient sich Tynion noch großzügig bei Tobe Hoopers The Texas Chainsaw Massacre (1974), was die Story noch mit Horror würzt und zeigt, dass der Joker für das ultimative Böse kein Monopol hat. Man kann nur hoffen, dass das Rezept dieser wilden Mischung am Ende auch aufgeht. Der Auftakt macht jedenfalls Lust auf mehr.

Einzig die Ausstattung des Bandes lässt zu wünschen übrig: Für stolze 25 Dollar bietet DC nur magere fünf Ausgaben plus Füllmaterial aus Batman #100 (das schon in The Joker War abgedruckt war) und Batman: The Joker War Zone – und das auch noch lieblos nachgeschoben, obwohl chronologisch früher einzuordnen. Man darf sich von DC immer mehr ausgenommen fühlen.

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