Comic

Finsterste Gesellen

DC Comics

Titel: Dark Nights Metal – Dark Knights Rising (dt. Der Aufstieg der Dunklen Ritter)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Grant Morrison, James Tynion IV u.a.

Erschienen: 2017, Hardcover 2018; dt. Panini 2018 (2 Sonderbände)


Batmans schlimmste Albträume sind wahr geworden: Auf verschiedenen Welten des Dark Multiverse sind düstere Versionen von ihm entstanden, die jeweils auch eine Kombination mit anderen Helden wie Flash und Green Lantern sind, aber auch mit Schurken wie Doomsday und Joker. Sie alle dienen dem Überschurken Barbatos, der auch die Kehrseite des Multiversums vernichten will (siehe Dark Nights: Metal).

Der Schlimmste von ihnen ist The Batman Who Laughs, eine Kreuzung aus Batman und Joker. Der Joker hat bei seinem letzten grausamen Akt (Eltern vor den Augen ihrer Kinder umbringen und die Kinder zu Jokern machen) Batman mit einem Joker-Virus infiziert. Nachdem der Clown tot ist, erschießt Batman zunächst die Bat-Familie, dann erledigt er auch den Rest der Superhelden auf furchtbarste Weise.

So zieht er von Welt zu Welt, um weitere böse Batmen auf seine Seite zu ziehen. Wie sie entstanden sind, davon erzählt der Band Dark Knights Rising. Einige dieser Hintergrundgeschichten sind interessant, wie etwa die von Red Death, dem Flash-Batman: Batmans Kampf gegen das Verbrechen ist gescheitert, seine Familie ist tot. Jetzt will er von Flash die Speed Force haben, um endlich schnell genug und überall zugleich zu sein. Flash weigert sich, da kettet Batman ihn an ein Batmobil, das er mit dessen Tretmühle kombiniert hat und holt sich das, was er will, mit Gewalt.

Oder da ist die Story vom Devastator, dem Doomsday-Batman: Superman dreht durch, Batman versucht, ihn mit einer Kryptonitlanze zu erledigen, als das scheitert, lässt Batman das Doomsday-Virus in sich wirken.

Die Geschichte des Dawnbreakers (Green Lantern-Batman) schießt allerdings um einiges übers Ziel hinaus: Der junge Bruce Wayne bekommt den Ring unmittelbar nach dem Mord an seinen Eltern. Er will sich rächen, der Ring verweigert den tödlichen Einsatz, doch Bruces Willenskraft ist so stark, dass er es doch schafft. Daraufhin belebt er seine Eltern als Zombies wieder und tötet alles, was sich ihm in den Weg stellt. Wirklich alles. Sogar James Gordon, völlig grundlos. Und dazu hat man sich eine Variation des Green Lantern-Schwurs ausdedacht, dessen Metrum leider arg holpert: „I turn the dawn to midnight! Beware my power — Dawnbreaker’s might!“

Die anderen drei (The Drowned, The Merciless, The Murder Machine) sind hingegen nicht mehr so spannend, dazu sind die Rahmenhandlungen stets vorhersehbar formelhaft: Entweder taucht The Batman Who Laughs auf, um ihnen den Teufelspakt anzubieten, oder Doctor Strange rettet die Helden von Erde 0, wenn sie gegen ihre bösen Gegenstücke kämpfen. Das letzte Kapitel, The Wild Hunt, ist eine gänzlich überflüssige Ergänzung des Haupt-Events, die einen nicht besonders interessieren muss: Gerahmt ist sie von einer Handlung über den Affen-Ermittler Detective Chimp, der am Ende Pate steht für die Entstehung von Erde 53 …

Insgesamt bietet Dark Knights Rising eine durchwachsene Lektüre, allerdings befriedigt sie die Neugier der Leser nach den Hintergründen der im Hauptevent zu kurz gekommenen Schurken. Und trotz seiner Schwächen macht es zum Teil mehr Spaß als Dark Nights: Metal. Meisterhaft gezeichnet ist es fast durchgehend. Daher ist es neben dem anderen Ergänzungsband The Resistance zu empfehlen.

Übrigens: Wie auf der San Diego Comic-Con bekannt wurde, bekommt The Batman Who Laughs im November eine eigene Mini-Serie. Die Fans wird’s freuen.

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Mehr Joker: Neues von der San Diego Comic-Con 2018

Die diesjährige SDCC bietet so viele Neuigkeiten, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Es gibt vor allem viel Neues zum Joker. Der Schurke soll 2019 einen eigenen Kinofilm bekommen – mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle. In der Comic-Welt sind einige Projekte angekündigt:

The Batman Who Laughs kehrt zurück: Scott Snyder und Jock widmen dem bösesten aller Batmen aus dem Dunklen Multiversum (siehe Dark Nights: Metal) eine Mini-Serie. Start soll im November sein. In der Story verfolgt der Batman Who Laughs einen bösen Plan mit einem neuen Dunkler Ritter. Dieser soll Joe Chill mit seiner eigenen Waffe erschossen haben und nun als eine Art Punisher-Batman unterwegs sein. Snyder spricht von einem „weiteren schlimmsten Alptraum“ des Dunklen Ritters und der düstersten Batman-Story, die er je geschrieben habe …

Batman/Joker: Deadly Duo wird eine neue Mini-Serie von Marc Silvestri heißen. Der Joker ersucht Batman um Hilfe, indem er James Gordon entführt und Batman Körperteile schickt. Die Story soll ein neues Licht auf den Schurken werfen. „Siebeneinhalb“ Ausgaben lang soll die Geschichte sein, ein offizielles Startdatum gibt es nicht. „It would be full of dramatic and comedic moments“, sagt Silvestri. „I’ve been wanting to do this story for 20 years.“

Three Jokers von Geoff Johns und Jason Fabok erscheint irgendwann im Winter als Dreiteiler unter dem DC Black Label. Es soll darin um die Traumata gehen, die der Joker bei Bruce Wayne, Barbara Gordon und Jason Todd verursacht hat. Und so sehen wir auf dem Cover auch einen der Joker mit der typischen blutigen Brechstange aus A Death in the Family, während das Kartenlegen an The Killing Joke erinnert. Waren da etwa jeweils andere Joker am Werk?

Darüber hinaus spielt der Joker auch in Scott Snyders Justice League-Serie eine große Rolle, sowie in der Mini-Serie Old Lady Harley (ab Oktober), in der es um eine altgewordene Harley Quinn gehen wird (nach dem Konzept von Marvels Old Man Logan).

Detective Comics bekommt ein neues Team: Peter J. Tomasi und Doug Mahnke übernehmen die Serie mit Ausgabe #994. Tomasi hat bereits die Serie Batman & Robin geschrieben, Mahnke hat mit ihm bereits zusammengearbeitet (The Big Burn), aber auch moderne Klassiker wie The Man Who Laughs und Under the Red Hood gezeichnet. Auch an der Jubiläumsausgabe Detective Comics #1000 soll das Team beteiligt sein. Ab Ausgabe #988 (12. September 2018) ist erstmal James Robinson als Autor verpflichtet. Ihm haben wir so großartige Batman-Storys wie Blades und Face the Face zu verdanken.

Batman bekommt ein neues Kostüm: sein altes. Autor Tom King hat angekündigt, dass Batman nach der Hochzeit mit Catwoman zurückkehrt zum Kostüm aus Hush-Zeiten. Das bedeutet einerseits, dass das Fledermaus-Symbol auf seiner Brust seinen gelben Rand verliert (juchu), andererseits, dass die schwarze Unterhose wieder zurückkommt (buh!).

Und zum Schluss noch ein Wort zu Zeichentrickfilmen: Batman: Hush wird im Sommer 2019 als Animationsfilm erscheinen. Damit setzt Warner Bros. seine erfolgreiche Reihe von Klassiker-Adaptionen wie Year One, The Dark Knight Returns und The Killing Joke fort. Für nächstes Jahr sind auch die Filme Reign of the Supermen (Fortsetzung zu Death of Superman, der im August 2018 rauskommt), Justice League vs. The Fatal Five und Wonder Woman: Bloodlines angekündigt.

Bat-Girls erster Auftritt

DC Comics

Titel: Bat-Girl!

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1961 (Batman #139)


„Not bad — for a girl!“ (Robin)

Fünf Jahre nach Batwomans erstem Auftritt, der das Dynamische Duo zu einem Trio machte, kam Bat-Girl. Und zwar aus dem Nichts. Die drei sind gerade dabei, eine neue Bande, die Cobra Gang, aufzumischen, da werden sie durch einen Kraftstrahl außer Gefecht gesetzt. Plötzlich kommt Bat-Girl zum Fenster rein, schwingt sich mit einem Vorhang auf den Schurken und befreit die anderen.

Bat-Girl als Retterin in der Not verschwindet genauso schnell wie sie aufgetaucht ist. Kathy Kane erfährt später in ihrer Höhle, dass es sich um ihre Nichte Betty Kane handelt. Sie besuchte die reiche Tante, kam hinter ihr Geheimnis, nähte sich ein ähnliches Kostüm und begann damit, ihr Idol zu stalken. Warum scheint in letzter Zeit jeder zu glauben, dass er Vigilant spielen müsse? Und dann auch noch ein Mädchen!

Batman weiß Rat. Kathy soll Betty durch endloses Training hinhalten. Doch Betty wird ungeduldig und zieht wieder als Bat-Girl alleine los. Zuerst erschreckt sie die Cobra Gang mit einem riesigen Ballon, dann wird sie aber gefangengenommen – als Geisel. Betty kann sich durch eine Bastelstunde retten, indem sie Papierfledermäuse ausschneidet und als Hilferuf durch einen Lüftungsschacht schickt. Das Dynamische Trio rettet sie und sie lernt ihre Lektion.

Nach drei Jahren lernt es auch DC: Redakteur Julius Schwartz wirft Batwoman und Bat-Girl raus. Doch schon 1967 kehrt sie in neuer Form in die Comics zurück – dank der Batman-Fernsehserie.

Rebellion der Fantasie

DC Comics

Titel: If Superman Didn’t Exist

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/Gil Kane

Erschienen: 1984 (Action Comics #554), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman)


Was wäre, wenn es Superman nicht gäbe? Dann müsste ihn halt jemand erfinden, dachte sich Autor Marv Wolfman und dachte sich eine alberne Geschichte dazu aus. Die geht so: Aliens wollen die Erde erobern. Aber es sind seltsame Aliens. Denn trotz ihres Willens zur Macht haben sie keine Lust auf Stress mit den Erdenbewohnern. Also sorgen sie schon in der Urzeit der Menschen dafür, dass ihnen jeglicher Drang zur Gewalt, zur Rebellion und jede Vorstellung von Heldentum abgeht. So entwickelt sich die Menschheit zu einer Bauerngesellschaft von Luschen.

Aber während die Aliens kommen, um die Welt zu unterwerfen, stellen sie fest, dass da immer noch etwas ist, das sie davon abhält: zwei Jungs, die sich einen Superman ausgedacht haben. Zufällig heißen sie Jerry und Joe (wie Siegel und Shuster). Und allein die Fantasie von zwei Kindern kann die Welt retten. Denn schließlich wird aus der Fantasie Realität … Denn Superman war natürlich immer schon da etc.

Es ist eine furchtbar naive, pathetische und kindische Geschichte, die uns hier aufgetischt wird. Es geht bloß darum, Supermans Status als Ikone zu zementieren und ihn zu überhöhen. Solche Storys haben dazu beigetragen, dass viele den Superhelden so langweilig finden.

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Die nächste Generation braucht Starthilfe

DC Comics

Titel: The Second Batman and Robin Team

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1960 (Batman #131)


„Golly — we’re like the three musketeers!“ (Robin II)

Was wäre, wenn … Bruce Wayne als Batman in Ruhestand ginge, zusammen mit seiner Frau Batwoman? Alfred denkt sich diese mögliche Zukunft aus, als er eine neue Schreibmaschine ausprobiert. Naheliegende Folge: Dick Grayson wird Batman II – inklusive einer römischen Zwei auf der Brust. Und wer wird Robin? Natürlich Bruce Wayne, Jr. Der kleine Rotschopf (!) hat ein paar Tricks von Onkel Dick gelernt und will unbedingt der neue Wunderknabe werden. Die Eltern wollen nicht, es ist zu gefährlich (warum durfte dann Dick?), aber schließlich kann Junior sie überreden.

Schon bald stürzt sich das neue Dynamische Duo ins Abenteuer, aber beim ersten Fall baut Robin Mist und lässt die Gangster entkommen. Beim zweiten Mal wird Dick gefangen genommen, Robin befreit ihn, aber dann geraten sie beide in Gefangenschaft. Also müssen die Rentner ihre Kostüme wieder anlegen, um den Jungs aus der Patsche zu helfen – ohne Starthilfe der alten Garde geht es nicht. (Bruce will mal wieder, dass die Frau zuhause bleibt, aber natürlich kann sich der Mann mal wieder nicht durchsetzen, wie Alfred ironisch bemerkt.) Robin vergleicht das Team später mit den drei Musketieren, will heißen, dass die Frau mal wieder nicht zählt.

Am Ende sind die Eltern total stolz auf ihren Sohn, obwohl er mit Dick so ziemlich alles falsch gemacht hat und ewig Hausarrest bekommen müsste. Talentiert zu sein scheint Junior nur als Detektiv und in schlechten Kalauern. Aber das ist ja auch nur eine imaginäre Geschichte – oder jedenfalls so ähnlich.

Ein bitterer Beigeschmack: In einem Panel sagt Junior zu seinem Vater, jetzt, da er Judo könne, solle Bruce lieber nicht versuchen, ihn zu züchtigen. Bruce lacht nur. Im Jahr 1960 war daran noch nichts Schlimmes.

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Verloren im Labyrinth

DC Comics

Titel: Dark Nights: Metal – The Resistance (dt. Widerstand in Gotham/Die Batmen aus der Hölle)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2017 (diverse Ausgaben, Paperback 2018), dt. Panini 2018 (Batman Metal Sonderbände)


Die bösen Batman aus dem Dunklen Multiversum haben Gotham zu einem Labyrinth gemacht und unter Arkham-Schurken aufgeteilt: Riddler, Poison Ivy, Mister Freeze, Mad Hatter. Batman ist verschwunden. Nun müssen Robin und Nightwing zusammen mit Green Arrow, den Titans und der Suicide Squad Gotham retten und dabei Batman finden. Doch die beiden Teams werden zu Schurken gemacht und so bilden Damian, Dick und Oliver zusammen mit Killer Croc und Harley Quinn ein Team. In der Zwischenzeit irrt Batman durch ein ganz eigenes metaphysisches Labyrinth, in dem er sein erstes Abenteuer wiedererlebt, das sich mit vielen neuen Welten verbindet.

The Resistance ist mehr als nur eine Sammlung von fakultativen Tie-ins zu Dark Nights: Metal. Der erste Teil bildet eine wichtige Ergänzung zwischen Teil 2 und 3 der Mini-Serie. Der zweite Hauptteil beschreibt den Kampf zwischen der einzelnen Justice League-Mitglieder (Flash, Green Lantern, Wonder Woman, Aquaman, Cyborg) gegen ihre bösen Gegenstücke, bleibt aber ziemlich oberflächlich und ist nichts anderes als ein Umweg, der zurück zum Status quo führt. Dagegen hat der erste deutlich mehr interessante Situationen zu bieten, auch weil zwischen den Charakteren mehr Spannung besteht.

Der eigentliche Höhepunkt des Bandes ist Batman: Lost, ein Fest für Fans. Bruce Wayne erscheint in der Rahmenhandlung als alter Mann, der seiner Enkelin aus The Case of the Chemical Syndicate (Detective Comics #27) vorliest und dabei in historische, postapokalyptische und Science-Fiction-Szenarien stolpert. Dieser Bruce Wayne hat im Alter all seine Abenteuer aufgeschrieben, wir sehen die Bände (in einer seltsam unsystematischen Reihenfolge) in seinem Bücherregal stehen und es ist bemerkenswert, dass er allen dieselben literarische Titel gegeben hat wie die Comics (Court of Owls, A Lonely Place of Dying, Knightfall, Hush, Dark Victory, aber auch Public Enemies, Daughter of the Demon, Under the Red Hood und The Black Mirror, Long Halloween, Tower of Babel und The Man Who Laughs). Und Bruce bestätigt, was wir schon seit Grant Morrison wissen: Alle diese Batman-Abenteuer aus 80 Jahren sind (für Batman) wirklich passiert, auch wenn sie sich zum Teil widersprechen.

Es ergibt sich folgende sinnvolle Lesereihenfolge für das Event (ausgenommen sind die Tie-ins von Dark Knights Rising):

  • Dark Days: The Forge/The Casting
  • Dark Nights: Metal #1-2
  • The Resistance, Teil 1 (Teen Titans #12, Nightwing #29, Suicide Squad #26, Green Arrow #32, Batman: Lost #1)
  • Dark Nights: Metal #3
  • The Resistance, Teil 2 (The Flash #33, Justice League #32, Hal Jordan #32, Justice League #33)
  • Dark Nights: Metal #4
  • Hawkman: Found #1
  • Dark Nights: Metal #5-6

Batman heiratet Batwoman

DC Comics

Titel: The Marriage of Batman and Batwoman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1959 (Batman #122)


„A wife’s place is in the home!“ (Batman)

Bruce Wayne geht auf ein Date mit Kathy Kane, alias Batwoman. Robin bleibt allein zu Haus. Er ist eifersüchtig. Und macht sich Sorgen. Was wäre wohl, wenn Batman und Batwoman verheiratet wären? In Wayne Manor sagt Bruce noch, Heiraten käme für ihn nicht in Frage, weil er sonst Gefahr laufen würde, aufzufliegen. Das wäre das Ende von Batman. Doch als er später am Abend nach Hause kommt, sind die beiden verheiratet.

Noch in der gleichen Nacht müssen Batman und Robin zu einem Einsatz. Da Kathy als einzige nicht Bescheid weiß, findet Bruce eine Ausrede, bzw. lügt seine Ehefrau an. Doch die kommt kurz darauf im Batwoman-Kostüm hinterher. In Wayne Manor gibt’s dann erstmal eine Rüge vom Ehemann: Batman offenbart sich als Bruce und sagt ihr, eine Ehefrau habe zu Hause zu bleiben. Sie widerspricht: „A wife’s place is with her husband!“ Als Batman ihr dann von der Gefahr erzählt, dass sie seine Geheimidentität aufs Spiel setzt, sieht sie es ein. Um ganz sicherzugehen, versteckt Bruce ihr Kostüm.

So viel zum Thema Vertrauen unter Eheleuten. Aber schon beim nächsten Einsatz wird es gebrochen. Kathy kann’s nicht lassen, also schlüpft sie in eines von Batmans Kostümen. Weil aber die Maske nicht dicht sitzt, fällt sie in einem ungünstigen Moment von ihrem Gesicht, die Gauner erkennen sie und ziehen ihre Schlüsse. Das wars! Das ist das Ende von Batman! Doch … es war alles nur Dicks Traum. Aber was ist, wenn er eines Tages wahr werden würde?

Nicht auszuhalten, wenn eine Frau den Helden um seine Heldenrolle bringen würde, um sein Hobby, das ihn mit Dick Grayson eint … Willkommen in der US-Gesellschaft der 50er.

Cape aus Stahl

DC Comics

Titel: The Boy Who Stole Superman’s Cape

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Ben Oliver

Erschienen: 2012 (Action Comics #0), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


Superman am Anfang: Er lässt sich 200 T-Shirts mit S-Symbol bedrucken. Er fängt als Reporter beim Daily Star an. Er zockt mit Jimmy Olsen Games, aber weigert sich zu schießen, weil er Pazifist ist. Im wahren Leben lässt er auf sich schießen. Dabei verliert er sein Cape. Ein Junge klaut es ihm, hält sich damit für unverwundbar. Doch als sein Fuß einmal in einer Eisenbahnschiene stecken bleibt, muss Superman eingreifen. Dann bekommt er auch sein Cape zurück. Wofür steht das S? Superman, sagt Lois.

Eine nette kleine Kurzgeschichte. Sehr stimmungsvoll gezeichnet und koloriert. Kein großer Wurf, sondern leise Heldenverehrung nach dem Motto „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“.

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Batman mit der Keule

DC Comics

Titel: Dark Nights: Metal (dt. Batman Metal)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2017 (Mini-Serie #1-6), dt. Panini 2018


„Yeah. Riding a Joker dragon … and glowing … because of course he is.“ (Nightwing)

Die folgende Kritik wird Ihnen präsentiert von SPOILERN – Handlung wird überbewertet.

Fangen wir mal hinten an: Die Guten gewinnen. Die Welt – in diesem Fall das Multiversum – wird gerettet. Hurra. Und es stirbt – niemand Wichtiges.

So. Nachdem das geklärt wäre, kommen wir zurück zum Anfang: Zuletzt war Batman sehr damit beschäftigt, allerlei Artefakte aus besonderen Metallen zusammenzutragen, um etwas ganz ganz Schlimmes zu verhindern (siehe Dark Days: The Road to Metal). Dann ist es doch eingetroffen. Fast.

Zu Beginn des eigentlichen Metal-Events ist Batman anderweitig beschäftigt, nämlich mit der Justice League im All unterwegs, um gegen Mongul zu kämpfen. Als sie wieder zurückkehren, ist mitten in Gotham ein Berg aufgetaucht. Lady Blackhawk von einer antiapokalyptischen Eingreiftruppe erklärt die Handlung: Neben dem bekannten Multiversum aus Materie und Antimaterie gibt es noch das Multiversum aus dunkler Materie, das von sehr üblen Gestalten bevölkert wird. Die wollen schon immer in unser Multiversum, um alles plattzumachen, genauer gesagt: Barbatos, der Oberschurke. Und die wirklich schlechte Nachricht: Batman, der Altmetallsammler, ist das Einfallstor für die Bösen.

Mit anderen Worten: Die ganze Welt dreht sich um Batman. Kein Wunder, dass er größenwahnsinnig wird. Er haut ab, die Justice League verfolgt ihn, Batman legt sie rein. Er will (wie schon zuvor) zurück in die Zeit reisen und Barbatos mit Hawkmans Keule (bzw. Morgenstern) zu besiegen. Und am Ende wird er reingelegt und Barbatos sowie die bösen Batmen aus der dunklen Welt fallen in der Welt ein.

Jeder ist eine Inkarnation seiner Alpträume und damit auch ein Pendant zur Justice League: Ein Joker-Batmen mit blutrünstigen Robins an der Kette, ein böser Flash, ein böser Green Lantern, sowie auch ein Doomsday-Batman. Die Erde wird unterjocht, die Helden haben nix zu melden. Der Widerstand scheitert, aber es gibt noch eine letzte Hoffnung …

Das ist also Dark Nights: Metal, das große Ding, auf das Autor Scott Snyder seit 2011 hingearbeitet hat. Doch es sind nicht nur die letzten sechs Jahre Batman, die in diesen sechs Kapiteln einer Mini-Serie (und einem Haufen Tie-ins) kulminieren, Snyder holt sehr weit aus: Von der ersten Crisis bis zur Final Crisis und mit dem ganzen Grant-Morrison-Gedöns danach (nachzulesen im Dark Days-Band, aber am besten die ganzen Storys).

Wie immer bei solchen Events ist eine Menge los, mit zu vielen Charakteren, Handlungen, Nebenhandlungen und Anspielungen. Ich gebe zu: Wie immer habe ich nicht alles verstanden. Es reicht nicht, alles einmal gelesen zu haben, man sollte es mehrfach gelesen, verstanden und immer noch präsent haben, um hier voll durchzusteigen. Aber es reicht auch, sich an dem roten Faden entlangzuhangeln, dem kann man halbwegs folgen.

Es gibt einige tolle Szenen: Batmans Flucht, das Auftauchen der Batmen aus dem Multiversum, die Super-Sons spielen die Batman-Theme, Batmans Ritt auf einem Joker-Drachen und ein gemeinsamer Kampf mit dem Joker gegen den Batman, der lacht. Zeichner Greg Capullo setzt das alles auch in bewährter Qualität in Szene. Doch das sind nur Höhepunkte von Anfang und Ende. Dazwischen kommt leider viel, was nicht besonders im Gedächtnis bleibt: Batman wird alt und geht mit Superman durch die Hölle, Wonder Woman schlägt sich mit den anderen durch. Der Sandman taucht auch auf, aber redet bloß viel, ohne etwas zu sagen. (Ich hasse diese Figuren, die alles wissen, aber nur vage Andeutungen machen. Sie scheinen nur den Zweck zu haben, die Leser aufzuregen.) Ansonsten große Gesten, große Worte, nicht viel dahinter.

Beim Lesen hatte ich das Gefühl, zwischendrin einiges zu verpassen. Die Handlung springt, die Schurken bleiben oberflächlich und was Batman und der Widerstand in der Zwischenzeit treiben, wird anderswo erzählt. Wer das wissen will, muss die zwei Begleitbände lesen: Dark Kights Rising und The Resistance. Dass man die Handlung nicht schön durchkomponiert in einem Rutsch durchlesen kann, schmälert natürlich den Lesegenuss der Haupt-Story, aber folgt natürlich einer gewieften (wie bewährten) Verkaufstaktik.

Das Finale ist dann nicht ganz so ausgeklügelt, wie man es sich gewünscht hätte. (Es gibt einfach immer noch ein mächtigeres Metall.) Dark Nights: Metal kommt eben genauso brachial und lärmend daher wie die Musik dazu. Und am Ende bleibt der Eindruck, dass das alles nur ein Sprungbrett für Scott Snyder in den Autorenolymp war, um mit der Justice League und anderen Ereignissen von kosmischen Ausmaßen weiterzumachen.

Mehr von Scott Snyder:

 

 

Die Waffen einer Frau

DC Comics

Titel: The Batwoman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1956 (Detective Comics #233)


„A girl saving you? It’s ridiculous!“ (Robin)

Wer hätte das gedacht: In Gotham City gibt es ein Gesetz, das besagt, niemand dürfe ein Batman-Kostüm tragen. Gemeint ist wohl niemand anders als das Original. Und dann taucht plötzlich eine Frau auf, die eins trägt. Batman und Robin wissen gar nicht, wie ihnen geschieht. Sie wissen nur: Das geht gar nicht!

Batwoman ist in Wahrheit Kathy Kane, eine ehemalige Zirkusakrobatin und Batman-Fangirl, die von ihrem Onkel einen Haufen Geld geerbt hat und jetzt ihrem Vorbild nacheifert. Als Batwoman trägt sie ein schwarz-gelbes Kostüm mit rotem Cape und roter Maske, sie fährt Motorrad und statt eines Gürtels trägt sie eine Handtasche mit Hilfsmitteln.

Ihre Waffen sind die einer Frau: Puderdose, ein Flakon mit Tränengas, einen Handspiegel, ein Haarnetz, Armreife als Handschellen usw. Dank eines schicken Motorrads schafft sie es auch trotz High-Heels Batman und Robin zuvorzukommen, ja sogar Batman das Leben zu retten.

Trotzdem: Da das Ego der beiden Herren gekränkt ist, wollen sie sie stoppen. Wenn die Frau bisher erfolgreich war, dann nur weil sie Glück hatte, findet Batman. Er müsse sie unbedingt vor weiteren Gefahren bewahren. Mit anderen Worten: Wir müssen wieder den Status quo des Patriarchats wieder herstellen.

Doch Batwoman droht: Wenn Batman sie auffliegen lässt, lässt sie ihn auffliegen. Batman geht das Risiko ein. Schließlich kommt es zu einer Verfolgungsjagd in einem Nachtclub (Thema: Weltall), bei der Batman und Batwoman miteinander konkurrieren und sich gegenseitig retten. Batwoman bekommt Gelegenheit, Batman zu demaskieren, aber verzichtet darauf. Zu dritt nehmen sie später eine Bande hoch und belehren einen Gauner, der die Frau nicht für voll nimmt, eines Besseren.

Das Dynamische Duo findet heraus, dass Batwoman Kathy Kane ist, suchen sie in ihrer Höhle auf und überzeugen sie aufzuhören. Wenn Batman und Robin sie finden konnten, dann auch andere. Dass das Gleiche auch für die beiden zählt, spielt keine Rolle. Obwohl Kathy ebenfalls die beiden enttarnen könnte, gibt sie klein bei und beendet ihre Karriere als Batwoman. Natürlich nur fürs Erste – denn sie wird noch ein paar Jahre weitermachen.

Batwoman wurde eingeführt, als Batman und Robin im Verdacht standen, schwul zu sein. Der Psychiater Fredric Wertham behauptete in seinem Buch Seduction of the Innocent, dass Comics Kinder verderben würden. Daraufhin wurde nicht nur der Comics Code eingeführt, mit dem die Verlage sicherstellten, dass die Storys moralisch einwandfrei waren. Im Fall von Batman wollten die Verleger das unliebsame Gerücht zerstreuen, indem sie eine neue Frauenfigur an der Seite von Batman schufen. (Dass Batman bereits was mit Catwoman am laufen hatte, spielte keine Rolle mehr: Sie war seit zwei Jahren nicht mehr aufgetaucht und sollte noch für weitere zehn Jahre verschwinden.)

Man merkt der Story an, dass Batwoman für eine Frau in den 50ern ziemlich emanzipiert ist, aber immer noch möglichst in Schranken gehalten werden soll. Sie ist nur ein Abklatsch von Batman, ihre Gadgets sind sexistische Klischees und trotzdem hat sie ihren eigenen Kopf und lässt sich (zumindest anfangs) nichts von Batman sagen. Batman geht als der Überlegenere aus der Geschichte hervor. Doch das ist erst der Anfang. Die Zeit der Männer-WG in Wayne Manor ist vorbei. Batwoman steht am Beginn der Batman-Familie …