Comic

Neue Miniserie: Batman – Kings of Fear

DC Comics

Am 22. August 2018 erscheint die erste Ausgabe einer neuen Batman-Miniserie: Batman – Kings of Fear. In sechs Teilen soll es um Scarecrow gehen, der einen Aufstand in Arkham anzettelt, dabei wird Batman mit seiner größten Furcht konfrontiert. Nein, es soll diesmal nicht um Fledermäuse und andere bekannte Kindheitstraumata gehen, wie Autor Scott Peterson sagt. Peterson war einst als Redakteur für Batman in den 90ern verantwortlich. Wie das Cover zeigt, wird wieder die ganze Schurkenriege vertreten sein.

Gezeichnet wird die Serie von Kelley Jones, der vor allem in den 90ern zu den wichtigsten Batman-Zeichnern gehörte. Begonnen hat er mit dem Elseworlds-Vampir-Comic Red Rain: Batman vs. Dracula, danach zeichnete er einige Batman-Cover der Knightfall-Saga, in der zweiten Hälfte der 90er war er Hauptzeichner der Serie. Darüber wirkte er – mit Autor Doug Moench – an einigen Elseworlds-Comics mit.

Jones zeichnet sich durch einen düsteren Stil aus, der jede Geschichte wie einen Horrorfilm erscheinen lässt: Seine Figuren haben oft verzerrte Gesichter, seine Monster sind besonders furchterregend und sein Batman hat überlange Ohren und Capes. Zuletzt durfte Jones Batman in Gotham After Midnight (2008) und Batman Unseen (2009) inszenieren.

Quelle: cbr.com

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Vier Schurken und drei Todesfallen

DC Comics

Titel: Batman 3D – Ego Trip (dt. Ego Trip)

Autor/Zeichner: John Byrne

Erschienen: 1990 (One-shot), Paperback 2017 (DC Universe by John Byrne); dt. Carlsen 1997


Batman in 3D zu sehen, ist heute im Kino Standard. In den Comics gab es das schon 1953, als ein erstes 3D-Special erschien, zusammen mit einer passenden zweifarbigen Brille. Darin wurden drei bereits erschienene Batman-Storys wieder aufbereitet. Nachgedruckt wurde es 1966 – und eine Geschichte daraus auch 1990, in einem neuen 3D-Special.

John Byrne erzählt darin eine klassische Batman-Story mit Joker, Pinguin, Riddler und Two-Face. Darin verneigt er sich vor den Comics des Golden Age, insbesondere vor seinem Vorbild Dick Sprang. Batman geht einem Mordfall nach. Ein reicher Antiquitätensammler soll Suizid begangen haben, aber der Pinguin deutet in einem Video darauf hin, dass es Mord war.

Doch Batman wird zunächst abgelenkt vom Riddler, der ihm drei Rätsel aufgibt und ihn in eine Todesfalle lockt. Batman entkommt und lässt sich daraufhin von Two-Face (viel zu leicht: mit einem Netz) gefangen nehmen – und der steckt ihn wieder in eine Todesfalle. Und schließlich gerät er an den Joker, der sich (wer hätte das gedacht?) in einem stillgelegten Vergnügungspark versteckt. Statt einer Todesfalle gibt es einen Kampf gegen Two-Faces Zwillingsschergen und wilde Verfolgungsjagd mit Joker über Riesen-Requisiten wie eine Schreibmaschine (Dick Sprang lässt grüßen). Ehrlich gesagt eine schwache Vorstellung, die der Joker da abliefert.

Am Ende kommen wir endlich da aus, worauf es schon am Anfang hinausgelaufen ist: ein Showdown mit dem Pinguin (Todesfalle #3). Er ist der Mörder. Die Erklärung wird im Epilog nachgereicht. Überhaupt wird hier viel erklärt. Ständig liest man die Gedanken von Batman mit, der Selbstgespräche führt, damit man immer weiß, was in ihm vorgeht und klar wird, dass er immer Herr der Lage ist. Für Batman ist das alles Routine wie in einem altbekannten Spiel.

Ego Trip ist spannungsarm und vorhersehbar, funktioniert als Hommage aber ganz gut. Doch da gibt es auch noch Elemente, die sehr modern erscheinen: Der Joker flößt Riddler sein Gift intravenös ein, damit dieser einen langsamen Tod stirbt, und dann ist da noch ein Hinweis darauf, dass der Joker Robin getötet hat. Um welchen Robin es sich handelt, wird nicht erklärt. Damit wirkt der Comic wie ein unentschlossener Hybrid zwischen dem naiven Charme der Vergangenheit und abgeklärter Moderne.

Die Story bleibt flach – trotz 3D.

Hinweis: Ego Trip wurde ohne 3D-Effekt in schwarz-weiß nachgedruckt in DC Universe by John Byrne (siehe oben).

Mehr von John Byrne:

Noch ein letzter Kryptonier

DC Comics

Titel: Last Son (of Krypton) (dt. Kryptons letzter Sohn)

Autor/Zeichner: Geoff Johns, Richard Donner/Adam Kubert

Erschienen: 2006-2008 (Action Comics #844-846, #851, Action Comics Annual #11), Paperback 2013; dt. Panini 2013


„You’ve taught humanity to rely on you and not fight for themselves.“ (Lex Luthor)

Superman gilt als der letzte Kryptonier. Eine traurige Figur. Doch das blieb nicht lange so: Da gab es Cousine Supergirl, General Zod und seine Mitstreiter und es gab die ganze Stadt Kandor. Der letzte Kryptonier ist also keineswegs allein mit sich.

In Last Son geht es genau darum: Es kommt ein Kind zur Erde, das offenbar von Krypton stammt. Das Militär nimmt ihn in Obhut, Superman befreit es, dann will sich Lex Luthor den Jungen holen und bringt Bizarro ins Spiel. Letzten Endes ist der Junge nur die Vorhut von Zod, dem Vater des Kindes, der mit den anderen Gefangenen aus der Phantomzone die Weltherrschaft übernimmt. Selbst die Justice League kommt dagegen nicht an.

Superman landet selbst in der Phantomzone, er verbündet sich mit Lex Luthor und anderen klassischen Schurken. Hier beginnt der wahre Spaß. Geoff Johns und Richard Donner (Regisseur der ersten beiden Superman-Filme) entwerfen eine typische All-Star-Story, die alles bietet, was Superman-Fans kennen und lieben: die größten Schurken, Krypton-Backstory, eine vernichtende Alien-Invasion – und das alles dargestellt in vielen großen, atemberaubenden Splash Pages. (Allerdings bin ich kein großer Fan von Adam Kubert, die Zeichnungen seines Bruders Andy sprechen mich persönlich eher an.)

Dabei wird das Rad leider nicht gerade neu erfunden: Lex Luthor geht wieder in seiner Rolle als xenophobes Genie auf, das sich in seinem Kryptonier-Hass bestätigt sieht und Superman die Schuld dafür gibt, nicht den Krebs besiegt zu haben. Superman, so Luthor, sei auch verantwortlich dafür, dass die Menschen sich zu sehr auf ihn verlassen, statt selbst nach Höherem zu streben. Das alles hat man schon oft gelesen.

Leider bleibt die Story auch hinter der Erwartung zurück, dem kryptonischen Jungen, der später Christopher Kent getauft wird, so etwas wie einen Charakter zu geben. Dafür aber bekommt Zod eine ungeahnte Tiefe, als er sich als Mann mit einst noblen Motiven entlarvt.

Anmerkung: Die 2013er Ausgabe enthält auch die Storyline Brainiac von Geoff Johns und Gary Frank.

>> Liste der Superman-Comics

Alfred Begins

DC Comics

Titel: Here Comes Alfred!

Autor/Zeichner: Don Cameron/Bob Kane

Erschienen: 1943 (Batman #16)


„We’ve found we can get along better without servants of any kind!“ (Robin)

Der treue Butler Alfred kam erst vergleichsweise spät zu Bruce Wayne. Zu spät, um genau zu sein. Denn der Brite hatte seinem Vater Jarvis schon vor zwei Jahren am Sterbebett versprochen, in den Dienst der Familie Wayne zu treten – sein Vater hatte einst Bruce Waynes Vater gedient. Doch der Krieg erschwerte die Reise in die USA. Als er dann endlich ankommt, wird er von drei Männern überfallen, Batman und Robin retten ihn.

Kurz darauf staunen Bruce und Dick, als Alfred bei ihnen vor der Tür steht: Alfred tritt seinen Dienst als Butler an. Doch Bruce kam in den letzten Jahren auch sehr gut ohne zurecht, er will gar keinen Butler, aber Alfred ist das egal – und Bruce lässt ihn gewähren. Ganz ohne Gehaltsverhandlung, Arbeitsvertrag oder Sozialversicherungsnummer. Alfred nennt nicht einmal seinen Nachnamen (der erst Jahre später Beagle lauten wird).

Batman #16 (1943): Alfred entdeckt die Bathöhle

Bruce hat andere Sorgen: Sein Problem ist nämlich, dass Alfred sich als Amateur-Detektiv betätigt, was natürlich eine Gefahr für das Alter Ego seines Herren darstellt. Und so kommt es auch: Als die drei Gauner vom Anfang in Wayne Manor einbrechen, hauen zwei ab, Batman und Robin verfolgen sie, einer bleibt zurück. Und als sich Alfred gegen ihn wehrt, fällt der Gauner gegen einen geheimen Schalter, der den Zugang zur Bathöhle öffnet. Es ist noch nicht die Trophäenhalle, sondern nur ein unterirdischer Hangar fürs Batplane. Aber Alfred schließt sehr scharf auf die wahre Identität von Batman und Robin.

Später rettet er die beiden aus einer misslichen Lage in einem Theater, er outet sich als passionierter Schauspieler und er eröffnet den beiden Herren, dass er um ihr geheimes Hobby weiß. Allerdings lässt er sie denken, er hätte es durch einen Scharfsinn herausgefunden und nicht durch bloßen Zufall.

Alfred wird zu einem wiederkehrenden Charakter, der immer mehr in den Vordergrund rückt und schließlich auch eigene Abenteuer bekommt. Anfangs ist er noch pummelig, aber auch das ändert sich bald, so dass er schnell die Form annimmt, die man heute am besten kennt.

Mehr über Alfred:

Jeder will ein Held sein

DC Comics

Was macht einen Helden aus? Außergewöhnliche Fähigkeiten? Oder vielmehr außerordentliche Taten? In der bislang unveröffentlichten Superman-Story Too Many Heroes (1945), die in der Jubiläumsausgabe Action Comics: 80 Years of Superman erschienen ist, wollen plötzlich sehr viele den Helden spielen. Denn in der Geschichte von Jerry Siegel und Joe Shuster geht es um Geld. Ein reicher Schauspieler vermacht auf dem Sterbebett demjenigen eine Million Dollar, der sich innerhalb einer Woche als größter Held beweist. Als Testamentsvollstrecker engagiert er Jonathan Trundle, einen der miesesten Anwälte der Stadt, nach dem Zufallsprinzip.

Kaum hat der Daily Planet die Story gedruckt, begehen plötzlich sehr viele Menschen in Metropolis Heldentaten. Kleiner Haken: sie alle sind fingiert. Ein Zoowärter lässt einen Tiger frei, ein Mann wirft einen anderen vor einen Bus, einer stürzt sich von einer Brücke usw. Schließlich aber wird Trundle selbst von der Nichte des Schauspielers gerettet, später erwidert er den Gefallen und wird selbst zum Begünstigten.

Natürlich hilft Superman kräftig mit, dass es dazu kommt. Er legt für den Loser-Anwalt ein gutes Wort beim Richter ein. Und am Ende findet Trundle nicht nur einen Topf voll Gold, sondern auch die große Liebe. Moral: Jeder kann ein Held sein – selbst der größte Versager. Aber die Story ist viel interessanter, weil sie die Frage aufwirft, was Heldentum ausmacht. Wer nur für Geld den Helden spielt, ist ein Betrüger und verdient keine Belohnung. (Allerdings lässt das Polizisten und Feuerwehrleute in einem fragwürdigen Licht dastehen.) Da hat DC jedenfalls für den Jubiläumsband eine schöne Geschichte aus dem Archiv gegraben. Und dankenswerterweise wurde sie unkoloriert und offenbar auch sonst unbearbeitet abgedruckt – am Rand kann man immer noch handschriftliche Anmerkungen lesen.

DC Comics

Die zweite neue Geschichte im Jubiläumsband ist The Game. Die Comic-Urgesteine Paul Levitz und Neal Adams erzählen von einem Schachspiel zwischen Superman und Lex Luthor. Die Szene erinnert an das Spiel der Erzfeinde und Freunde Charles Xavier und Erik Lehnsherr aus X-Men, aber leider kommt hier weder ein interessanter Dialog zustande noch sonst irgendeine Spannung. Nach wenigen Panels ist Luthor matt, dann fesselt Luthor Superman mit Kryptonitketten (Klischee) und Superman befreit sich sofort daraus dank einer Motherbox von Scott Free (Deus ex machina). Ende der Geschichte. So schnell gelesen wie vergessen. Eine Enttäuschung.

Die dritte neue Superman-Story ist Supersquare, ein zweiseitiger Comic Essay von Gene Luen Yang. Ein Mann, der dem Autor ähnlich sieht, wirft Superman vor, langweilig und lächerlich zu sein. Warum ist Superman so ein Spießer?, fragt er. Aber Superman schweigt. Der Autor antwortet sich selbst: Weil Superman ein Alien, ein Immigrant sei, müsse er sich wie ein mustergültiger Staatsbürger benehmen. Dadurch werde er von den Menschen akzeptiert. Ein interessanter Gedanke, leider etwas einfallslos ausgeführt …

Mehr zum Thema:

Doppeldate mit Lois und Clark

DC Comics

Titel: Rules of Engagement (Batman Vol. 5)

Autor/Zeichner: Tom King/Joelle Jones, Michael Lark, Clay Mann

Erschienen: 2018 (Batman #33-37, Batman Annual #2), Paperback 2018 (Batman Vol. 5)


„I’ll always be second to a child’s idiotic fantasy.“ (Selina Kyle)

Kaum sind Batman und Catwoman verlobt, erleben sie ihr erstes gemeinsames Abenteuer als Paar. In der Wüste von Khadym treffen sie auf Talia al Ghul, wo sie sich Schwertkämpfe mit ihr liefern, wobei Selina länger durchhält als Bruce. Nebenbei erfahren die drei Robins und Duke Thomas erst von Alfred von der Verlobung und fragen sich, wieso Bruce ihnen so etwas vorenthält …

Dann kommt es zum Doppeldate zwischen Bruce, Selina, Superman und Lois Lane. Ein Kapitel lang geht es um die Frage, wer wen anrufen soll, um ein Treffen vorzuschlagen. Ein Kapitel lang sehen wir die vier auf einem Jahrmarkt. Weil das Motto Superhelden lautet, tauschen die beiden Herren und Damen ihre Kostüme: Batman wird zu Superman und umgekehrt. Lois Lane wird zu Catwoman und Catwoman zu Selina Kyle in Lois‘ Kleid. Und so plaudert man über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede und die Ehe.

Schließlich ist da noch ein sentimentales Schlusskapitel, in dem eine Episode aus der Anfangszeit von Batman und Catwoman erzählt wird, verbunden mit einer Zukunftsepisode über die letzten Tage des alten Paares.

Der fünfte Band von Tom Kings Batman-Serie ist der bisher ruhigste und nachdenklichste, aber auch der heiterste und emotionalste, aber obwohl ein Spannungsbogen fehlt, unterhält er besser als die meisten vorherigen. Da ist zum einen der Humor, der die Geschichten mit Ironie durchzieht, da sind zum anderen Highlights wie Batman und Superman beim Baseball. Man mag das lächerlich finden, aber Tom King bekommt es gut hin, dass es Spaß macht, ohne weh zu tun.

Und natürlich sind die Zeichungen von vorn bis hinten erstklassig: Mit Joelle Jones darf erstmals eine Frau an Batman ran und man fragt sich, warum das erst jetzt passiert, da mit Selina Kyle auch eine Frau dauerhaft in Batmans Leben tritt. Jetzt müsste man sie nur noch Batman schreiben lassen, aber so weit ist man bei DC wohl noch nicht …

Mehr Batman von Tom King:

Supermans Aufstieg, Luthors Fall

DC Comics

Titel: Superman – Up, Up and Away (dt. Auf, auf und davon!)

Autor/Zeichner: Kurt Busiek, Geoff Johns/Pete Woods, Renato Guedes

Erschienen: 2006 (Superman #650-653, Action Comics #837-840), Paperback 2006; dt. Panini 2007


„You’re the worm in the apple, Superman …“ (Lex Luthor)

Ein Jahr nach der Infinite Crisis: Superman hat keine Kräfte mehr, lebt nur noch als Clark Kent. Wenn’s Ärger gibt, ruft er Supergirl. Lex Luthor hat seine politische Karriere hinter sich und ist von der Justiz freigesprochen worden. Doch seine Firma will ihn nicht mehr wieder, sein guter Ruf ist endgültig ruiniert. Jetzt will er Rache: Er schnappt sich den Sunstone von Krypton, entführt den Kryptonite Man, klaut alles Kryptonit zusammen und will Metropolis vernichten.

Up, up and away ist eine Story, die in zweifacher Hinsicht den Status quo wiederherstellt: Superman bekommt allmählich seine Kräfte wieder (einfach so), er kann zunächst nur springen, bevor er fliegen kann. Er wächst mit seinen Aufgaben. Und Lex Luthor ist kein gewiefter Unternehmer, sondern mehr der Mad Scientist, der sein Genie nur dazu benutzt, alles in Schutt und Asche zu legen, um sein Ego zu pampern. Wir sehen zu, wie der eine wieder aufsteigt und der andere noch tiefer sind.

Luthors Feldzug ist persönlich. Eigentlich wollte er Krebs heilen und den Welthunger bekämpfen, aber er gibt Superman die Schuld dafür, dass daraus nichts geworden ist. Am Ende kommt es zu einem Faustkampf … Und dann noch zu einem unnötig langen Epilog. Aber schließlich ist die Story eine im Großen und Ganzen runde Sache. Es gibt ein gutes Gleichgewicht zwischen Action und Zwischenmenschlichem, man kommt auch ohne Vorkenntnisse gut rein und findet raus, ohne unbedingt weiterlesen zu müssen. Als Extra gibt es Gastauftritte einiger anderer Superhelden.

Up, up and away ist eine solide wie altmodische Superhelden-Story, nur im neuen Gewand. Leider überzeugen die Zeichnungen nicht ganz, was Ausdruck und Einfallsreichtum angeht. Aber alles erfüllt hier ganz seinen bescheidenen Zweck.

Mehr zum Thema:

Poison Ivy küsst zurück

DC Comics

Titel: A Touch of Poison Ivy

Autor/Zeichner: Robert Kanigher/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1966 (Batman #183)


Batman steht noch immer sehr unter dem Eindruck von Poison Ivy. Egal, mit welcher Frau Bruce Wayne anbandelt, ihm erscheint jedes Mal die in Blattgrün gekleidete Schurkin, die ihn mit einem Kuss in ihren Bann gezogen hatte. Robin versucht, mit kleinen Kämpfen gegen das Verbrechen Batmans Kopf wieder klarzukriegen. Aber so ganz klappt das nicht. Ivy lässt nicht locker. Zunächst tut sie so, als wäre sie im Gefängnis geläutert und schickt Batman zum Dank ein Geschenk: einen Handspiegel. Doch der ist vergiftet, und so fällt Batman wieder dem Bann der Frau zum Opfer – davor schützen ihn auch nicht die Handschuhe.

Er hilft ihr dabei, aus dem Knast zu entkommen und wird dadurch selbst zu ihrem Gefangenen. Tagelang liegt er gefesselt auf einem Sofa, ohne dass Ivy auch nur versucht, ihn zumindest seiner Maske zu entledigen, und widersteht der Versuchung, etwas zu essen. Als er zwangsernährt werden soll, dreht Poison Ivys Haustier, ein Panther, plötzlich durch und greift sie an. Batman rettet sie, Robin eilt herbei, und während es wieder zum Kuss kommt, beweist Batman, dass er immun gegen sie geworden ist. Zumindest vorläufig …

Tim Drake gegen sich selbst

DC Comics

Titel: A Lonely Place of Living

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Eddy Barrows, Alvaro Martinez

Erschienen: 2017 (Detective Comics #963-968), Paperback 2018 (Detective Comics Vol. 5)


Red Robin (Tim Drake) ist scheinbar tot. Aber wir wissen es besser: Er ist nur gefangen an einem mysteriösen Ort. Sein Entführer stellt sich heraus als ein alter Bekannter aus Supermans Vergangenheit. Tim befreit sich aus dem Gefängnis, aber nicht von der Frage, warum er hier ist. Er bekommt bloß kryptische Antworten, damit es für die Leser länger spannend bleibt. Und noch bevor man sich fragen kann, was das alles soll, taucht plötzlich Batman auf. Ein Batman, der sich als der Tim Drake der Zukunft herausstellt. Und dieser geht mit Schusswaffen über Leichen: Er will Batwoman töten, um eine schlimme Entwicklung aufzuhalten. Der junge Tim Drake kämpft gegen sein älteres Gegenstück.

Und wieder sind sie alle dabei: Alle ehemaligen und amtierenden Robins (Nightwing, Red Hood, Damian Wayne), die Frauen Batwoman und Orphan sowie drei Außenseiter Batwing, Azrael und Clayface. Heillos überladen mit Figuren für eine dünne und auch schnell abgefertigte Handlung. Später gibt es noch ein kurzes Nachspiel mit Spoiler, Bluebird und Anarky. Letzterer will eine neue Gesellschaft in Gothams Untergrund aufbauen. Gleichzeitig dreht Clayface durch – er war doch keine besonders gute Wahl für die Batman-Familie.

A Lonely Place of Living ist eine Hommage an A Lonely Place of Dying, die Storyline, in der Tim Drake als Robin eingeführt wurde. Damals ging es um Batmans Nachfolger nach dem Tod von Jason Todd, jetzt kehrt einfach Tim selbst von den Toten zurück. Zugleich stellt die Story – wie auch die zuvor und wie es überhaupt seit drei Jahrzehnten Mode ist – Batman und seine Methoden infrage. Batman wird immer wieder zum Auslaufmodell erklärt und gleichzeitig doch immer wieder neu in den Comics etabliert. Warum eigentlich? Wegen der Tradition. Batman legitimiert sich aus sich selbst heraus, aus seiner 80-jährigen Geschichte, den Traditionen und seinem Status in der Popkultur. Daher stützen sich viele moderne Batman-Comics immer wieder auf ältere Comics. Batman steckt, wie andere Superhelden auch, im Leerlauf einer Retroschleife.

Aber es gibt ja auch die visuelle Komponente: Die Zeichnungen sind grandios, Eddy Barrows gehört zu den besten Batman-Zeichnern der Gegenwart. Das hält bei Laune wie die billigen Tricks, zu denen etwa ein Gastauftritt von Doomsday gehört. Die Story unterhält auf einem durchschnittlichen Niveau, wie immer wird zu viel geschwätzt. Aber dieser Band unterhält dennoch etwas besser als die letzten drei. Und langsam fügen sich die bisher erschienen Teile der Detective-Serie zu einem größeren Plot zusammen, der in den nächsten Ausgaben (hoffentlich) aufgelöst wird. Eins ist klar: Die Batman-Familie wird zerfallen. Ich freue mich schon drauf. Dann ist auch Zeit für einen Autorenwechsel.

Bisher erschienen:

 

Die letzte Superman-Geschichte

Titel: Whatever Happened to the Man of Tomorrow? (dt. Was wurde aus dem Mann von morgen?)

Autor/Zeichner: Alan Moore/Curt Swan

Erschienen: 1986 (Superman #423, Action Comics #583), Paperback 1997, 2006 (DC Universe: The Stories by Alan Moore), 2009 (Whatever Happened to the Man of Tomorrow?); dt. Panini 2010 (Paperback)


„I think I’m going to die, and there’s so much in my life I have to get straight …“ (Superman)

Nachdem die Crisis on Infitite Earths das DC-Universum auf Null gesetzt hat, wurde es Zeit, von Superman Abschied zu nehmen, wie man ihn kannte. Also erschien in den Serien Superman und Action Comics die letzte Story über den Helden – vor dem Reboot (Man of Steel). Doch dabei handelte es sich auch nur um eine „Imaginary Story“, eine „Was wäre wenn“-Geschichte nach der Tradition des Silver Age.

Im Jahr 1997 ist Superman seit zehn Jahren tot. Lois Lane, die geheiratet hat, gibt einem Reporter ein Interview darüber, wie es zum Ende des Helden gekommen ist. Viele Schurken waren bereits erledigt, als eine Kette von Ereignissen in Gang kam: Bizarro begeht Suizid, nachdem er Amok läuft. Toyman und Prankster enthüllen öffentlich, dass Superman Clark Kent ist. Brainiac ergreift Besitz von Lex Luthors Körper. Eine Bande Metallos stürmt den Daily Planet und greift Clark Kents Freunde an. Superman rettet sie in die Festung der Einsamkeit. Brainiac folgt ihm dorthin zum letzten Gefecht.

Niemand kann behaupten, Batman hätte es nicht versucht.

Es kommen noch viele andere Helden und Schurken wie der Kryptonite Man. Doch die meisten Helden können Superman nicht helfen, weil sie von einem Energiefeld abgeschirmt werden (selbst Batman kommt nicht rein, obwohl er mit einem Holzknüppel dagegen schlägt). Viele sterben – selbst Krypto, der Hund mit dem Cape. Am Ende ist der schuld, der bisher gefehlt hat: Mr. Mxyzptlk, der Quälgeist aus der fünften Dimension. Superman tötet ihn. Aber weil Superman nicht töten darf, bringt er sich daraufhin selbst um. Er läuft durch ein Lager mit Goldenem Kryptonit, wodurch er seine Kräfte verliert, und erfriert daraufhin im arktischen Eis.

Aber natürlich ist das eine Lüge: Superman lebt mit Lois Lane als Jordan Elliott (abgeleitet von Jor-El) und hat mit ihr ein Kind, das mit bloßen Händen Kohlenstücke in Diamanten verwandeln kann. Das bedeutet aber auch, dass Superman offenbar nicht darunter zu leiden scheint, seinen Widersacher getötet zu haben.

Eine seltsame Geschichte. Hier geht es darum, vieles zu einem Abschluss zu bringen, aber ohne kanonischen Anspruch. Das heißt, dass wir sehen nur ein mögliches Szenario, das zugleich als Hommage an die Comics aus den 50ern und 60ern dient. Trotz der abgehetzten Handlung findet sich Raum für Komtemplation: Superman geht davon aus, dass er sterben wird, und will noch einiges zum Abschluss bringen, wie etwa Lois seine Liebe gestehen.

23 Jahre später, als Batman starb, erschienen nach diesem Vorbild zwei „letzte“ Batman-Ausgaben: Whatever Happened to the Caped Crusader? von Neil Gaiman und Andy Kubert.

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