Dick Sprang

Superman für einen Tag

Titel: Batman The Superman of Planet X

Autor/Zeichner: Ed Herron/Dick Sprang

Erschienen: 1958 (Batman #113), Paperback 2009 (The Black Casebook)


„I wonder how my pal Superman would handle this situation?“ (Batman)

Seltsamerweise zieht Batman eines nachts alleine los. Und seltsamerweise wird er, als er im Batplane sitzt, in eine fremde Welt befördert: auf den Planeten Zur-En-Arrh. Der Bewohner Tlano, der sich von Batman hat inspirieren lassen und ein eigenes violett-rot-gelbes Kostüm trägt, hat sein Vorbild hergeholt, damit er die Welt von bösen Invasoren befreit. Warum? Weil Batman auf dem fremden Planeten über Superkräfte verfügt: er ist stark und unverwundbar wie Superman und kann fliegen.

Batman of Zur En Arrh

Batman, erfreut über seine neue Fähigkeiten, macht die Aliens spielend fertig, bis er erkennt, dass sie sich unsichtbar machen können, doch auch das Problem löst er schnell und besiegt den Feind, indem er dessen Riesen-Roboter verschrottet.

Der Batman von Zur-En-Arrh diente Grant Morrison als Vorbild für Batman R.I.P. Darin nimmt Batman diese Identität an, um sich vor einem Psychoangriff zu schützen. Die Identität wird zu seinem Notfallplan.

>> Batman in den 50ern

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Batman und Superman: Wie alles begann

Titel: The Origin of the Superman-Batman-Team

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1958 (World’s Finest #94)


Wie Batman und Superman das erste Mal aufeinandertrafen, ist eigentlich seit 1952 (Superman #76) bekannt: Sie begegneten sich auf einer Kreuzfahrt. Das war lustig. Doch sechs Jahre später will Batman uns weismachen, dass alles ganz anders war, bzw. dass es ein Treffen vor dem ersten Treffen gegeben hat.

Anlass für die Rückblende ist, dass Luthors wieder mal aus dem Gefägngnis ausbricht und damit prahlt, sich eines Tages an Superman und Metropolis zu rächen. Kaum hören Bruce und Dick die Nachricht, ziehen sie sich um und eilen nach Metropolis, weil sie glauben, sie könnten Superman helfen, falls Luthor Kryptonit benutzt. Schon das ist seltsam, denn dann müssten sie jedes Mal nach Metropolis fahren, aber sei’s drum.

Doch Superman lehnt ihre Hilfe ab. Bei ihrem Treffen hat er einen neuen Helfer dabei: Powerman, einen maskierten Helden, der nicht fliegen kann. Trotzdem folgt ihnen das Dynamische Duo und Batman erinnert sich an ihr erstes Treffen: Als die beiden einst beinen Schmuggler-Ring ausgehoben haben, hörten sie die Ganoven von Kryptonit sprechen. Daraufhin flogen sie nach Metropolis, um Superman zu warnen. Und das war auch gut so: Denn als Superman von Gangstern mit flüssigem Kryptonit bespritzt wurde und vom Himmel fiel, konnten sie ihm mit dem Bat-Plane das Leben retten.

Als sie es dann mit den Gangstern aufnahmen, verkleidete sich Batman als Superman, weil er immun gegen Kryptonit war. Dabei riskierte er aber trotzdem sein Leben, denn die Schurken wollten es daraufhin mit Blei versuchen, aber da war Superman schon zur Stelle. Der Beginn einer langen Freundschaft. Der Rollentausch erinnert an ihren zweiten gemeinsamen Auftritt in World’s Finest Comics #71 (1954) – seitdem eine Tradition.

Und ähnlich läuft es auch in der Gegenwart: Batman findet heraus, wie er Luthors Todesstrahlen von sich fernhalten kann, dann nimmt er ihm sein Kryptonit weg und rettet Superman das Leben. Und wer ist dieser Powerman? Es ist ein Roboter, den Superman gegen das Kryptonit einsetzen wollte, um nicht das Dynamische Duo zu gefährden. Na dann ist ja alles wieder gut …

>> Liste der World’s Finest-Comics

Batmen aller Länder, vereinigt euch!

Titel: The Batman of England/The Batmen of All Nations/The Club of Heroes

Autor/Zeichner: Bill Finger, Edmond Hamilton/Dick Sprang, Sheldon Moldoff

Erschienen: 1950, 1955, 1957 (Batman #62, Detective Comics #215, World’s Finest #89)


Batman macht Schule. Bereits 1950 lernen die Leser, dass es auch in England einen Batman gibt – oder zumindest zwei andere kostümierte Helden, der sich Batman und Robin zum Vorbild genommen haben. The Knight & the Squire kleiden sich wie Ritter aus dem Mittelalter: In Rüstung und mit Umhängen, fahren sie auf Motorrädern, die aussehen wie Pferde, und dabei tragen sie Lanzen. Offenbar entsprach das dem Bild von Europa, das man damals in den USA hatte …

Dahinter stecken Lord Wordenshire und sein Sohn Cyril, die zusammen in einer alten Burg in der Nähe eines Dorfes wohnen. In London hätten die beiden zwar mehr zu tun, aber aufregend genug wird es trotzdem noch.  Zwei Pub-Räuber überwältigen sie, indem sie den Tank im Fluchtauto durchstechen.

Als dann Batman und Robin einer Gang folgen, die einen alten Nazi-Schatz in England ausbuddeln will, treffen sie zufällig auf Knight & Squire, aber die beiden stellen sich mit ihren Lanzen so unbeholfen an, dass sie die Gauner entkommen lassen. Die beiden müssen noch viel lernen, sagt Batman, also teilt man sich zur Nachhilfestunde in Zweiergruppen auf: Batman und Squire ziehen nach Stonehenge, Robin und Knight folgen der Spur in ein historisches Museum. Aber auch später verpatzen die beiden Stümper ihre Einsätze. Zwar machen die Engländer beim Finale auf der Burg alles wieder gut, aber dann muss ihnen das Dynamische Duo mit einer Maskerade dabei helfen, ihre Geheimidentitäten nicht preiszugeben.

Am Ende versichert der Earl, es gebe nur einen wahren Batman und Robin. Fünf Jahre später tauchen vier andere Nachahmer auf: der Musketeer aus Frankreich, der Legionary aus Italien, der Gaucho in Argentinien und der Ranger aus Australien. Batman lädt sie alle nach Gotham ein, um ihnen Nachhilfe zu geben. Dabei sehen wir auch Knight & Squire wieder, die sich mittlerweile praktischere Kostüme zugelegt haben, verschwunden sind die klobigen Rüstungen, die Gesichter liegen frei, leider aber hantieren sie immer noch mit Lanzen und fahren auf motorisierten Pferden, während Gaucho und Ranger tatsächlich reiten.

Wie dem auch sei: Während alle neue Tricks vom Original lernen, nutzt die Bande um den Gangster Cardine die Chance, um Verbrechen zu begehen. Diesmal ist es Batman, der sich nicht sehr geschickt anstellt. Während des Einsatzes stirbt er sogar bei einer Explosion. Als aber die restlichen „Batmen“ Cardine hinterherjagen, erweist sich der Legionary als Schurke – und Batman springt im rechten Augenblick quicklebendig hervor, um den Fall aufzuklären. Und wieder herrscht die Einsicht: Es gibt nur einen echten Batman.

In World’s Finest treffen die Batmen aller Länder wieder auf ihr Vorbild – und auf Superman. John Mayhew lässt sie alle nach Metropolis rufen. Der reiche Philanthrop hat den Helden zu Ehren für viel Geld einen Club of Heroes errichtet, samt aufwendiger Innendekoration. Jetzt muss nur noch ein Vorsitzender gewählt werden – der, der die größte Heldentat vollbringt. Aber keiner hat so richtig Lust auf den Job: Superman schlägt Batman vor, Batman schlägt Superman vor, die anderen sind für einen der beiden (und sie spielen hier auch kaum eine Rolle).

Doch Superman kommt nicht zum Zuge. Er bekommt unerklärte Schwächeanfälle, die ihn ohnmächtig werden lassen. Dann taucht ein neuer Held namens Lightning-Man auf, um das Schlimmste zu verhindern. Am Ende stellt sich heraus: Ein Brocken Kryptonit in der Erdumlaufbahn hat Superman ausgeknockt und ihn in Momenten geistiger Umnachtung die Identität von Lightning Man annehmen lassen. In ebendiesem Zustand war Superman in der Lage, sich aus einer Gardine ein neues Kostüm zu schneidern – und so wird Superman dank seiner Taten zum Vorsitzenden des Clubs.

Was dieser Club eigentlich soll, um den niemand gebeten hat, und wer dieser Mayhew ist und was er will, danach fragt niemand. Außer Grant Morrison. 50 Jahre später hat sich der Autor von diesen Geschichten zu seinen Storylines The Black Glove und Batman Incorporated inspirieren lassen. Die neuen Versionen von Knight and Squire bekamen 2010 ihre eigene sechsteilige Mini-Serie.

DC Comics

>> Batman in den 50ern

Als Bruce Wayne zu Robin wurde

DC Comics

Titel: When Batman Was Robin

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1955 (Detective Comics #226)


Jeder hat mal klein angefangen. Batman sogar sehr klein: als Robin. Ja, tatsächlich, Bruce Wayne war der erste Robin, lange bevor er Batman wurde. Wir erfahren es zusammen mit Dick Grayson, als Batman ein Paket mit seinem alten Kostüm geschickt bekommt.

Seine Geschichte geht so: Als Kind bewunderte Bruce den Police Detective Harvey Harris, der es mit seinen gelösten Fällen sogar auf die Titelseiten schaffte. Bruce, der damals noch beide Eltern hat, will bei ihm in die Lehre gehen, aber er befürchtet, abgewiesen zu werden. Und weil er davon ausgeht, dass Harris ein verantwortungsvoller Erwachsener ist, der denkt, dass Kinder sich nicht mit Verbrechern anlegen sollten, beschließt Bruce, seine Identität zu verstecken.

Eine Maske hätte zwar gereicht, aber Bruce schneidert sich ein rot-grün-gelbes Kostüm mit einem R auf der Brust. Warum? Das wird leider nicht erklärt. Bruce wird zum Stalker, indem er Harris verfolgt, um ihn zu beeindrucken. Er hilft ihm sogar, einen Verdächtigen zu fassen. Weil Harris ihn für so brillant wie ein Rotkehlchen hält (wer hätte gedacht, dass diese Vögel so schlau sind?), nennt er ihn Robin und nimmt ihn als Schüler auf.

Erste Lektion: absoluter Gehorsam! Jawohl, Sir! Zweite Lektion: keine. Denn Streber-Robin weiß bereits alles aus Kriminologie-Büchern. Selbst Boxen hat er schon gelernt. Also darf Robin seinem Lehrer dabei helfen, Gauner dranzukriegen, die Sammler erpressen, sich versichern zu lassen. Zuerst geht es um Modellschiffe, dann um Uhren und schließlich um historische Fahrzeuge. Robin gibt sein bestes, aber er macht Fehler und am Ende lernt er die dritte Lektion: Er muss noch viel lernen.

Am Ende muss Robin Harris versprechen, erst wieder Verbrechen zu bekämpfen, wenn er voll ausgebildet ist. Robin verspricht es und schickt ihm als Versicherung sein Kostüm. Als Bruce erwachsen ist, bekommt er es per Post zurück – denn Harris hat längst herausgefunden, wer Robin wirklich war. „He was a greater detective than I!“, sagt Batman am Ende.

Was er nicht sagt: Dass Harris auch der bessere Erzieher war. Denn statt dass Bruce Wayne sein Mündel Dick Grayson nachts ausschlafen lässt, damit er fit für die Schule ist, gefährdet er Nacht für Nacht dessen Leben mit gefährlichen Abenteuern, bei denen er regelmäßig fast draufgeht. Diese Vorgeschichte soll zwar den Robin-Mythos erklären, lässt ihn aber noch viel fragwürdiger erscheinen, denn die Moral, die hier den jungen Lesern mitgegeben wird, widerspricht Batmans eigener Praxis.

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Der Erste ist nicht immer der Beste

DC Comics

Titel: The Original Batman

Zeichner: Dick Sprang

Erschienen: 1953 (Detective Comics #195)


In Gotham City gibt es ein bestimmtes Gesetz: Es darf nur einen Batman geben. Auch wenn niemand weiß, dass Bruce Wayne Batman ist, und es schwer nachprüfbar ist, wer die Maske trägt, darf niemand sonst als das Original Verbrechen bekämpfen. Doch plötzlich taucht ein zweiter Batman auf, der statt eines Capes zwei steife Flügel hat und das Fledermaus-Symbol nicht auf der Brust, sondern am Gürtel trägt. Dieser ältere Herr namens Hugo Marmon behauptet, der erste Batman zu sein. Denn er hat als Zirkusartist bereits diesen Namen getragen.

Die Geschichte stimmt. Gesetzestreu wie Batman ist, müsste er also aufhören, aber Marmon erlaubt ihm, das Kostüm weiterhin zu tragen. Mehr noch: Er will ihm beweisen, dass das Original besser ist als der Imitator. Zuerst vollführt er einen Hochseilakt ohne Netz zwischen zwei Wolkenkratzern. Doch die Menge ist nicht angetan: Dieser Angeber kann keine Verbrecher bekämpfen!

Also versucht sich Marmon in diesem Gewerbe. Dabei lässt er sich von Gaunern reinlegen. Irgendwelche Typen behaupten einfach nur besorgte Bürger zu sein und Marmon glaubt ihnen jedes Wort. Batman und Robin ahnen Böses, verfolgen den alten Möchtegernhelden und helfen ihm zweimal aus der Patsche, als er durch Ungeschicklichkeit die Bösen entkommen lässt. Da wird Marmon wütend und entzieht Batman seine Lizenz, ein Batman zu sein.

Batman aber weiß sich zu helfen: Er kratzt an dessen Ego. Er wird zum Zirkusartisten, stellt sich dabei ziemlich tollpatschig an, Marmon kriegt das mit und wird sauer. Man tauscht wieder die Rollen: Der Alte geht zurück in den Zirkus, Batman und Robin kümmern sich um die Bösen. Um die Gauner zu täuschen, steigt Batman in das Kostüm des Alten …

Die Geschichte zeigt: Die ersten sind nicht immer die Besten. Thomas Edison erfand nicht die Glühbirne, Google nicht die Suchmaschine und Facebook nicht das Soziale Netzwerk – und trotzdem setzten sie sich durch. So ist es auch mit Batman. Auch er hatte seine historischen Vorläufer: Von Zorro bis hin zu The Shadow. Und auch der erste Batman-Entwurf, als Bob Kane ihm steife Flügel verpasste, war es nicht, der sich durchgesetzt hat. Darum geht es hier zwar nicht explizit, aber indem ein Batman vor dem Batman erfunden wird, wird deutlich, dass er eben kein Original ist – aber auch dass es darauf gar nicht ankommt. Denn der Batman, wie wir ihn kennen, ist vielleicht nicht der Erste, aber einfach der Beste.

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Batman heiratet Vicky Vale (fast)

Titel: The Bride of Batman

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Dick Sprang

Erschienen: 1953 (Batman #79)


Sechs Jahre vor der Heirat mit Batwoman (die natürlich nicht wirklich stattfand) sollte Batman bereits die Fotografin Vicky Vale heiraten. Und das kam so: Als der Shah von Nairomi in der Stadt ist, König des Landes mit dem größten Uran-Vorkommen, verliebt er sich in Vicky Vale und macht ihr einen Heiratsantrag. Ihn abzuweisen würde eine diplomatische Krise auslösen. Deshalb denkt sie sich eine Ausrede aus: Sie ist schon mit Batman verlobt.

Batman spielt den Bräutigam

Der ist ganz und gar nicht begeistert von der Idee. Spielt aber das Spiel mit. Er lässt sich mit ihr von der Presse fotografieren, tanzt mit ihr in der Öffentlichkeit, besorgt ihr Blumen – und macht sich zum Gespött. Noch schlimmer ist, dass ständig der Shah an ihnen klebt, als wäre er ein Freund. Batman vernachlässigt seine Pflichten als Verbrechensbekämpfer, die Gauner nehmen sich mehr heraus, weil sie glauben, dass er wegen seiner Braut keine Zeit mehr für sie hätte.

Peinlich: Batman bringt Blumen

Noch schlimmer wird alles, als Gauner versuchen, Vicky zu entführen und Vickys Rivalin der Presse ein falsches Hochzeitsdatum steckt. Der Shah lässt eine Parade durch die Stadt ziehen, lässt seine Köche einfiegen und spendiert einen Diamanten – langsam wird’s übergriffig. Und dann befürchtet Robin, dass Batman ihn vernachlässigen wird, wenn er erst einmal verheiratet sein wird. Batman versichert ihm: „You know that nobody can ever seperate us!“

Doch kurz bevor alles eine furchtbare Wendung nimmt, kommt der Shah zu einem Sinneswandel: Die Hochzeit dürfe nicht stattfinden, weil Vicky sich sonst einer Gesichts-OP unterziehen müsse, um als Batmans Frau unerkannt zu bleiben. Aber die Schönheit dürfe nicht verschandelt werden … OK, aber dann wird der Shah also doch Vicky heiraten? Nein, da Batman schon seine Pfoten an ihr hatte, ist das auch vom Tisch.

Puh, Glück gehabt! Nein, nicht ganz: Natürlich ist auch das ein Trick von Batman gewesen. Aber der Einfluss dieses Shah auf die angeblich so freien US-Bürger hinterlässt bei dieser Geschichte einen bitteren Beigeschmack …

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Catwomans letzter Wurf

Catwoman im Golden Age (Teil 16)

Titel: The Jungle Cat Queen

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1954 (Detective Comics #211)


Wieder sehen wir Catwoman auf Seite eins auf einer Katze reiten, einem Tiger, doch diesmal ist es nicht nur eine Metapher, diesmal wird es wirklich. Und das kommt so: Catwoman stiehlt Juwelen und fliegt mit ihrem neuesten Gefährt, dem Cat-Plane davon. Dieses Flugzeug hat sogar ausfahrbare Krallen … Batman und Robin haben keine Ahnung, wohin sie geflogen sein könnte, folgen ihr aber trotzdem auf die richtige Südsee-Insel, wo sie gemeinsame Sache mit Juwelendieben macht.

Catwoman im Cat-Plane

Batman und Robin werden gefangengenommen, in Tarzan-Uniformen gesteckt und von einem Löwen, einem Leoparden und einem Panther gejagt. An einem Katzentempel entdecken sie noch mehr Tiere, die aus einem Zirkus stammen, bringen die Großkatzen in ihre Käfige. Doch dann wird es noch wilder: Robin wird von einem Gorilla mit King Kong-Ausmaßen angegriffen und nimmt es mit einem Löwen auf, Batman wird wieder in sein Kostüm gesteckt und gefesselt einen Wasserfall hinabgeworfen. Catwoman sagt, sie hätte alle Hilfsmittel aus seinem Gürtel entfernt. Hat sie aber nicht.

Batman und Robin gegen King Kong

Batman überlebt dank Klinge und Seil, fesselt Catwoman und nimmt die Diamantenbande hoch. Doch Catwoman kommt frei und reitet auf einem Tiger davon. Robin fragt sich, ob es Nachlässigkeit war, dass sie die Klinge und das Seil im Gürtel gelassen hat, Batman glaubt das nicht. „Murder isn’t in the Catwoman’s heart. Sentiment is her weakness — and that’s why we’ll catch her next time!“

Catwoman flieht auf einem Tiger.

Aber das nächste Mal wird erst in zwölf Jahren sein. So lange wird es dauern, bis Catwoman wiederkehrt. Die Schurkin fällt nämlich dem vorauseilenden Gehorsam des Comics Code zum Opfer. Was einerseits seltsam ist, weil sie Batman vom Verdacht befreien konnte, schwul zu sein. Andererseits ist eine Verbrecherin auch kein guter Umgang für einen Helden – und daher auch kein Vorbild für die Jugend.

>> Liste der Catwoman Comics

Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 5)

DC Comics

Titel: The Year 3000

Autor/Zeichner: Joseph Greene/Dick Sprang

Erschienen: 1944 (Batman #26), Hardcover 2017 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 4)


„We must never forget that the past reveals our past mistakes and glories both!“ (Brane)

Während des Zweiten Weltkriegs hat Batman gegen Nazi-Spione im eigenen Land gekämpft und gegen Nazi-Soldaten in Atlantis, sogar in einem dystopischen Szenario gegen Nazi-Besetzer. Im fünften Abenteuer geht der Kampf in der fernen Zukunft weiter – und im Weltall. Diese Science-Fiction Geschichte ist handelt auf den ersten Blick nicht wirklich von Nazis: Es fehlen die Deutschen, Hitler und Hakenkreuze. Trotzdem geht es um sie, wenn auch nur im Gewand der Allegorie.

Führer Fura

Im Jahr 3000 leben die Menschen auf der Erde in Frieden, haben sich der Wissenschaft zugewandt und treiben Handel mit Außerirdischen. Da fallen Invasoren vom Saturn über die Erde her: Die grünen Männchen mit Segelohren tragen den Ringplaneten als Abzeichen und folgen ihrem Alleinherrscher, der den Namen Fura trägt, was in der englischen Aussprache nicht zufällig wie „Führer“ klingt. Die Aliens unterwerfen die Menschen in einem „Blitzkrieg“ und stecken sie in Konzentrationslager. Spätestens hier wird klar, dass wir uns nicht in einer futuristischen Fantasiewelt befinden, sondern in der Gegenwart des Zweiten Weltkrieges.

Zwei blauhaarige junge Männer, Brane und sein jüngerer Freund (?) Ricky, finden in einer Zeitkapsel aus dem Jahr 1939 nicht nur Dokumente, die sie an den US-Freiheitskampf erinnern, sondern auch an die Heldentaten von Batman und Robin. Kurzerhand werden die beiden jungen Männer zu freiheitsliebenden Patrioten, legen sich Kostüme zu und proben den Aufstand. Als Guerillakrieger gehen sie mit gutem Beispiel voran, andere folgen ihnen in den bewaffneten Widerstand, die Aliens werden vertrieben. Doch das reicht nicht: Es kommt zum Showdown auf dem Saturn, bei dem sich herausstellt, dass die Saturnbewohner nicht alle böse sind, und dass Fura bloß über eine Roboter-Armee geherrscht hat. Fura stirbt beim Kampf im Weltall, indem er erfriert.

Ende 1944 befanden sich die USA noch im Krieg, aber in dieser Story wird bereits der Friedensprozess vorweggenommen. In dieser Allegorie sind die Aliens vom Saturn nur Opfer eines Schurken geworden, der sie selbst unterjocht hat. Seine Krieger sind keine Menschen, sondern bloß Marionetten. Am Ende jubeln beide Seiten, Erdlinge und Außerirdische über das Ende des Krieges und der Diktatur.

Brane ist selbstverständlich ein direkter Nachfahre von Bruce Wayne (daher auch der Name) und er hat ebenso ein Problem damit, seiner Liebsten seine Geheimidentität als offenzulegen, weshalb sie ihn zunächst für einen Feigling hält. Erst als er sich öffentlich dazu bekennt, Batman zu sein, wird auch sie bekehrt.

Ganz abgesehen davon ist The Year 3000 auch die erste Story, in der nicht Bruce Wayne der Held ist, sondern ein alternativer Batman. Damit wurden die späteren „Imaginary Stories“ und „Elseworlds„-Comics vorweggenommen.

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Harvey Dent wird rückfällig

Batman #81 (DC Comics)

Titel: Two-Face Strikes Again

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Dick Sprang

Erschienen: 1954 (Batman #81), Paperback 2008 (Batman vs. Two-Face), Hardcover 2017 (Two-Face: A Celebration of 75 Years)


„This proves I was meant to be a criminal! Fate has decreed it!“ (Harvey Dent)

Armer Harvey Dent! Als hätte er nicht schon genug als Two-Face gelitten, musste er gleich dreimal erleben, wie andere sich in den Schurken verwandelt haben. Mal war es sein eigener Butler, mal ein korrupter Theatermanager, der Dent mit der Masche für ihre eigenen Verbrechen verantwortlich machen wollte, mal war es ein Schauspieler, der Dent spielen sollte und dabei selbst verunstaltet wurde.

Jetzt aber holt ihn das Schicksal wieder ein – und zwar endgültig. Als Harvey Dent Einbrecher auf frischer Tat ertappen will, wird er von einer Explosion wieder entstellt. Harvey meint, es müsse Schicksal sein. Zur Sicherheit wirft er noch mal eine Münze, der zerkratzte Kopf landet oben – also geht wieder alles von vorne los.

Two-Face sucht Leute auf, die von Berufs wegen zwei Gesichter haben: einen Clown, einen Taucher, einen Lincoln-Schauspieler und einen Poker-Spieler. Es gibt zwei spektakuläre Szenen mit einem riesigen Billardtisch und auf einer hohen Statue, schließlich kommt es zu einem dramatischen Finale: Two-Face bindet Batman und Robin auf eine Riesenmünze und wirft sie mit einem Katapult auf Stacheln. Eigentlich unfair, weil den Gesetzen der Physik zufolge die schwere Seite unten landen müsste, aber daran zeigt sich bereits, dass Two-Face bei aller 50:50-Besessenheit und Schicksalsgläubigkeit doch eher zur bösen Seite tendiert.

Wie dem auch sei: Unsere Helden landen natürlich oben. Die Erklärung dafür hat mit Physik nichts zu tun (Radios in den Gurten, die als Elektromagnete dienen), also lassen wir das mal unkommentiert. Die Story endet mit einer pseudowissenschaftlichen Erklärung, bei der sich Batman und Robin mal wieder selbst auf die Schulter klopfen. Aber niemand verschwendet auch nur ein Wort über Harvey Dent, diese tragische Figur, die vom Pech verfolgt wird und dadurch wieder ihre zweite Chance verpfuscht hat.

Armer Harvey! Jetzt erwarten ihn erstmal 17 Jahre Knast, bis er wieder zurückkehren darf …

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Das Two-Face-Trauma

DC Comics

Titel: The Double Crimes of Two-Face

Autor/Zeichner: Don Cameron/Dick Sprang

Erschienen: 1952 (Detective Comics #187), Paperback 2008 (Batman vs. Two-Face)


„… for the sake of realism!“

Merke: Wenn man ein schweres Trauma erlebt und dabei eine Gesichtshälfte verloren hat, danach zu einem wahnsinnigen Verbrecher geworden ist, aber dank plastischer Chirurgie wieder ein normales Leben lebt, dann sollte man besser nicht dafür sorgen, dass alte Wunden wieder aufreißen. Zum Beispiel, indem man an einer öffentlichen Aufführung teilnimmt, bei der man sich wieder zu einem entstellten und irren Kriminellen machen lässt.

In diese Verlegenheit kommt Harvey Dent. Batman und Robin zeigen ihre Trophäen in einer Ausstellung, darunter auch die Utensilien, die an Two-Face erinnern. Dent maskiert sich für eine kleine Aufführung vor Publikum als Two-Face – obwohl er dabei ein ungutes Gefühl hat. Warum also tut er sich das an? Es wirkt schon fast zwanghaft. Aber niemand scheint darin ein Problem zu sehen.

Kaum hat der maskierte Two-Face seine Münze geworfen und sieht ihre zerkratzte Seite, wird er wieder rückfällig und haut ab. Bald darauf verübt er die üblichen Schandtaten: Zunächst raubt er ein Doppeldeckerbus-Unternehmen aus, dann einen Optiker. Dabei setzt er einen neuen Trick ein: Ein Gas, mit dem er Batman und Robin doppelt sehen lässt. Two-Face erscheint ihnen zweimal, so dass sie nicht wissen, wen sie verfolgen sollen.

Verfolgungsjagd mal anders.

Es wird noch absurder: Two-Face haut in einer zweirädrigen Karre ab, mit der er bergab rollt, das Dynamische Duo verfolgt ihn auf eine Tandem, Two-Face versteckt sich auf einem Dampfer, auf dem ein Zwillingstreffen stattfindet, tarnt sich mit einer Maske und tut so, als hätte er einen Zwillingsbruder, indem er einen kopfförmigen Luftballon schweben lässt. Batman lässt sich davon so leicht für dumm verkaufen, dass es ihm selbst peinlich ist.

Der beste Detektiv der Welt kann ein Gesicht nicht von einem Luftballon unterscheiden.

Kann man das noch steigern? Man kann: Bei der Verfolgung werden Batman und Robin im Theater von Two-Face zwischen zwei große Schaumkissen geklemmt. Bevor er sie tötet, wirft er fairerweise eine Münze, es geht wieder gut für die beiden aus. Statt sie sich selbst zu überlassen überreicht Two-Face ihnen ein Schwert, mit dem sie sich befreien können. Bei der Flucht stürzt er jedoch unglücklich und wird bewusstlos. Und haut dann doch wieder ab, weil alles nur gespielt war.

Kreative Schurkenfalle.

Der Showdown dieser atemlosen Hetzjagd ist der bisher spektakulärste in der Geschichte des Schurken: Batman und Two-Face liefern sich ein Duell auf einer riesigen Turmuhr. Beide fallen beinahe in den Tod und die Entscheidung fällt um genau zwei Uhr …

Am Ende stellt sich heraus: Two-Face war nicht Harvey Dent, es war George Blake, der Theater-Manager, der Versicherungsbetrug begehen und Dent reinreiten wollte. Armer Harvey, wieder Glück gehabt. Zum letzten Mal …

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