Detective Comics

Ein Kavalier taugt nicht zum Schurken

detective comics #81 1943

DC Comics

Titel: The Cavalier of Crime/The Cavalier Rides Again

Autor/Zeichner: Don Cameron, Bill Finger/Bob Kane, Jack Burnley

Erschienen: 1943-1944 (Detective Comics #81, Batman #22), Paperback 2018 (Batman: The Golden Age Vol. 5)


„‚You can’t do monkey business with Batman!‘ — Is the first rule of the underworld!“

Gotham ist schon ein seltsamer Ort. Alle paar Wochen tauchen da irgendwelche Spinner im Kostüm auf und nerven alle mit ihren Ticks. Wie gut, dass man zwei andere Spinner dafür hat, sich darum zu kümmern. Eines Tages taucht ein Typ auf, der sich Cavalier nennt und an einen Musketier erinnert, aber ein Held ist er nicht. Aber ein Schurke auch nicht so richtig, weil zunächst nicht klar ist, was er überhaupt will.

Zuerst bittet er einen Jungen um seinen Baseball. Als er ihn nicht hergeben will, gibt er ihm drei neue dafür. Der Junge verlangt aber seinen zurück. Bruce Wayne und Dick Grayson sehen die Szene und statt den Gauner zu stellen, wie es sich für Bürger mit Zivilcourage gehört, ziehen sie sich zunächst um – und zwar in Rekordzeit. Vom Bruchteil einer Sekunde ist die Rede!

Bringt aber nix, denn der Cavalier entkommt. Der Ball trägt das Autogramm eines berühmten Pitchers Berry Berrigan. Der Cavalier lässt dessen Unterschrift fälschen, um an einen kleinen Baseballschläger aus einem Bankschließfach heranzukommen, darin steckt ein Schlüssel, um an Berrigans Trophäensammlung heranzukommen.

Der Cavalier hält das Dynamische Duo mit einem elektrischen Schwert in Atem, zum Schluss kämpft Batman mit einer Angel gegen ihn, besiegt ihn, aber der Cavalier nagelt Batman mit seiner Hutfeder fest und haut mit einem Motorrad ab.

Der zweite Versuch mit Diamanten

Was das alles sollte, erfährt man erst später, beim zweiten Auftritt des Schurken: Der Cavalier ist Mortimer Drake, ein reicher Bekannter von Bruce Wayne. Er hat sich schon mal einen Trophäenraum eingerichtet für die schönsten Schätze der menschlichen Kultur. Klar, wer hätte da nicht zuerst an Sport-Miniaturen gedacht?

Der Cavalier lockt Batman und Robin in eine Falle. In einem Antiquitätenladen legt er Batman mit dem Schwert herein. Als der es ihm wegnehmen will, bekommt er einen Stromschlag und landet in einer Kiste, Robin in einem Schrankbett. Für den Fall, dass sie herauskommen, lässt er in alter Schurkentradition einen Zettel mit einem Hinweis zurück.

Mit dem Entkommen hat er es ihnen leicht gemacht: Batman entdeckt, dass er in der Kiste des Magiers Houdin steckt, Vorbild für Houdini, und steigt an der Seite heraus. Das Duo folgt dem Hinweis zu Diamantenschleifern, wo der Cavalier ein paar dicke Klunker absahnen will. Der Schurke bereut sogleich, dass er den Zettel geschrieben hat, er hält die beiden Gegner mit Schnupftabak hin, aber die beiden haben leichtes Spiel gegen seine Bande. Der Anführer haut ab, die Beute bleibt zurück.

Batman stellt fest, dass die ganze Aufregung nicht nötig war, weil der Cavalier bloß Modelle gestohlen hat. So bleiben die Vitrinen in seiner Trophäenhalle leer. Der Cavalier ärgert sich, denn er hat es eben auf das Modell abgesehen. Was sollte das? Ein sehr schräger Vogel … Am Ende bleibt auch offen, warum sich Drake als Musketier verkleidet hat. Aber Batman fragt sich nur, wer der Cavalier wirklich sein mag. Der Erzähler verspricht, dass Batman noch Gelegenheit haben wird, das herauszufinden, aber das wird nie passieren. Vielleicht haben die Autoren eingesehen, dass niemand mit der Figur etwas anzufangen weiß.

Erst im Jahr 1992 taucht in Blades (Legends of the Dark Knight #32-34) ein Cavalier wieder auf – aber das ist ein ganz anderer, ein Konkurrent im Geiste von Bruces Jugendhelden Zorro und damit auch eine viel größere Herausforderung für Batman.

>> Batman 1939-1949

Die Bathöhle fliegt wieder

Detective Comics #317 (1963)

DC Comics

Titel: The Secrets of the Flying Bat-Cave

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1963 (Detective Comics #317)


Batman und Robin sind zur Police Convention in Center City eingeladen. Da sie dabei ihre Ausrüstung zeigen wollen, aber nicht die Bathöhle mitnehmen können, fliegen sie mit der Flying Bat-Cave hin. Obwohl sie sie kaum benutzen, haben sie ihr ein Upgrade verpasst.

Kaum sind sie in der Luft, sehen sie, wie zwei Mitglieder der Condor Gang eine Bank ausrauben – unverkennbar an den Vogelmasken, die sie tragen. Mit einem Magneten sind schnell ihre Waffen gefasst.

Auf der Convention zeigen Batman und Robin ihre Höhle, in der auch Miniaturen ihrer Trophäen gelagert sind, wie der Riesenpenny und die Joker-Maske, aber auch ein Mini-Batmobil, der Bat-Racer.

Die Condor-Gang fordert das Dynamische Duo heraus, aus der Stadt zu verschwinden. Das denkt nicht dran. Verhüllt als Wolke nähert sich die Flying Bat-Cave dem Geheimversteck der Bande, Batman und Robin gleiten mit Wingsuits zum Kampf. Doch die Bande entkommt.

Später wollen sie die Gauner in einem Stadion die Polizei um ihre gesammelten Spenden erleichtern, jagen sie die Flying Bat-Cave in die Luft – aber nur scheinbar, denn Batman hat nur eine aufblasbare Version des Gefährts vorgeschickt. Als die echte Flyig Batcave herannaht, fährt ein Greifarm aus, mit dem auch die letzten Mitglieder der Condor-Gang geschnappt werden können. Spätestens hier fällt auf: Was soll eigentlich eine Bande, die sich nach einem Vogel benennt, aber nichts mit Fliegen zu tun hat? Wäre die Geschichte nicht viel aufregender, wenn sich auch die Gegner durch die Luft bewegten? Hier hat es sich Bill Finger etwas zu leicht gemacht.

>> Batman 1960-1969

Scarecrow wird zum Dichter

The Return of the Scarecrow

DC Comics

Titel: The Return of the Scarecrow

Autor/Zeichner: Don Cameron/Bob Kane

Erschienen: 1943 (Detective Comics #73), Hardcover 2016 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 2), Paperback 2016 (Batman Arkham: Scarecrow), 2018 (Batman: The Golden Age Vol. 4)


Scarecrow ist wieder da! Aus dem Knast ausgebrochen geht er diesmal mit einer Gang auf Raubzüge. Diesmal ohne Mord (wie bei seinem ersten Auftritt in World’s Finest #3, 1941), dafür mit Ansage. Jonathan Crane schreibt „HAT“ auf eine Tafel und stiehlt ein paar wertvolle Hüte. Zufällig ist Bruce Wayne gerade da. Um sich nicht als Batman zu outen, stellt er sich tollpatschig an und tut so, als würde er unabsichtlich in die Gauner hineinstolpern. Da Scarecrow sich nicht sicher ist, ob es Absicht war, knockt er Bruce daraufhin nur aus.

Am Tatort lässt die Vogelscheuche ihre Tafel zurück. Darauf steht unter „HAT“ das Wort „MAT“. Bruce kombiniert, hat eine Vermutung und zieht daraufhin als Batman mit Robin zum Wrestling, wo man eben auf der Matte landet. In Gotham findet gerade ein Wohltätigkeitskampf statt, um für Kriegsanleihen zu werben. Hier zeigt sich Scarecrow nicht nur als gewissenloser Schurke, sondern auch als unpatriotisch – was für Amerikaner das größte Sakrileg sein dürfte. Doch auch im Ring kann die Vogelscheuche triumphieren. Am Ende landet eine große Lampe auf dem Dynamischen Duo.

Dann finden sie wieder eine Tafel: „VAT“ lautet der nächste Hinweis. Zusammen mit einem Flugblatt für eine Reinigungsfirma ist klar, wohin die Reise geht. Batman und Robin landen gefesselt in einem Wassertank. Batman schimpft: „You rat!“ Scarecrow offenbart: Eigentlich müsste es auf der Tafel „BAT“ heißen, Robin sein ein „BRAT“ (eine Göre). Er haut ab, lässt aber auf der Tafel zur Sicherheit den nächsten Hinweis („YAT“) zurück.

Trotzdem ist er überrascht, als er bei der nächsten Station (im Jade-Laden „Yat Sing“) Batman und Robin wiedersieht. Die beiden zeigen sich diesmal nicht nur schlagfertig mit Fäusten, sondern auch mit Worten. Batman wird dabei aus dem Stegreif zum Dichter. So klappt es am Ende immer: Man muss nur die Waffen des Gegners gegen ihn selbst richten.

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Joker lässt Batman hoffen

DC Comics

Titel: Fool’s Errand

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Brian Stelfreeze

Erschienen: 1998 (Detective Comics #726), Hardcover 2015 (Joker: A Celebration of 75 Years)


Nach dem Beben von Gotham wird ein Mädchen entführt. Batman befragt den Joker, denn der hat seine Zelle in Arkham neben dem mutmaßlichen Täter gehabt. Es ist der Jahrestag des Mordes an Jason Todd (Robin II). Da Batman weiß, dass er aus dem Joker nichts herausprügeln kann, lässt er sich auf das alte Hannibal-Lecter-Spiel „Quid pro quo“ ein: Er erzählt ihm was, der Joker revanchiert sich.

Es stellt sich heraus, dass der Joker den Täter dazu gebracht hat, seine eigene Mutter zu töten. Das bedeutet: Der Joker ist so mächtig, dass er von seiner Zelle aus töten kann, indem er andere beeinflusst. Kaum hat Batman das anerkannt, gibt der Joker den Auftenhaltsort des entführten Mädchens preis. Es liegt im Kofferraum eines Autos. In einer waghalsigen Rettungsaktion legt sich Batman mit einem Haufen schießwütiger Gangster an, um das Kind zu befreien …

Das Besondere an der Geschichte: Dialog und Action werden parallel auf jeweils gegenüberliegenden Seiten erzählt. Dadurch wird zusätzliche Spannung aufgebaut. Die Pointe: Der Joker hat Batman nur deshalb den Gefallen getan, um ihn künftig in solchen Situationen mit der falschen Hoffnung zu nähren, er könnte noch ein Leben retten. Sonst gehe Batman nämlich davon aus, dass das Opfer bereits tot sei. Der Joker kennt seinen Gegenspieler so gut, dass er weiß, wo seine wunden Punkte liegen.

Damit ist „Fool’s Errand“ nicht ganz so banal, wie es auf den ersten Blick scheint. Es ist eine kleine, aber feine, raffinierte Kurzgeschichte, das dem altbekannten Verhältnis noch eine neue Seite abgewinnen kann.

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Joker als One-Man-Show

Titel: Trust

Autor/Zeichner: Paul Dini/Don Kramer

Erschienen: 2007 (Detective Comics #833-834), Paperback 2007 (Batman: Death and the City), 2019 (The Joker: His Greatest Jokes)


Nachdem bei einer Vorstellung des Illusionisten Ivar Loxias eine Assistentin stirbt und das Theater abbrennt, geht Batman dem Fall nach. Zuletzt ist nämlich bei Loxias einiges schiefgelaufen: ein Leopard hat eine Assistentin angegriffen, ein Techniker bekam einen Stromschlag, ein Freiwilliger verlor einen Arm durch eine Kreissäge.

Batman verbündet sich mit der Magierin Zatanna, denn sie kannte das letzte Opfer. Schnell finden sie heraus, dass es kein Unfall, sondern Mord war. Als sie Loxias stellen wollen, schießt er Zatanna in den Hals, setzt Batman auf einen elektrischen Stuhl und offenbart sich als – Joker.

Dieser hat sich nach seinen Eskapaden zu Weihnachten (Slayride, Detective Comics #826, 2007) von Loxias gesund pflegen lassen, ihn zum Dank dafür getötet und seine Rolle eingenommen. Auf der Bühne konnte er seiner Mordlust frönen. Aber da der Egomane nicht für sich selbst die Lorbeeren einheimsen kann, plant er jetzt seine letzte große Vorstellung.

Er verkleidet sich als Sensenmann, stellt sich auf einen Kirchturm und setzt sein Publikum mit Joker-Gas aus. Als die Leute fliehen wollen, rennen sie gegen ein Tor, das unter Strom steht. Zatanna verwandelt daraufhin die Menge in Vampirfledermäuse. Die fallen dann über den Joker her.

Auch wenn Paul Dini ein hervorragender Autor ist, erweist er sich in seiner Detective-Comics-Phase als Routinier, der allenfalls solide Kurzgeschichten schreibt. Trust ist eine weitere davon, aufgewertet wird sie durch die zwar braven, aber sehr majestätischen Zeichnungen von Don Kramer. Immerhin inszeniert Dini den Joker hier als eine andere Art von Showman. Er ist ein Sadist, der sein Publikum zuerst schockieren und dann töten will. Seine Show dient also nur ihm zum Vergnügen. Der Joker als One-Man-Show.

Übrigens: Der Joker trägt ein schwarzes T-Shirt mit einem Smiley mit einer blutigen Einschusswunde. Ein Wink Richtung Comedian aus Watchmen? Vielleicht. Aber ohne tieferen Sinn.

>> Liste der Joker-Comics

Joker reitet ein Riesenhuhn

Titel: The Joker’s Last Laugh

Autor/Zeichner: John Broome/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1964 (Detective Comics #332), Paperback 2008 (Joker: The Greatest Stories Ever Told)


Vor einem Rubingeschäft fährt ein Auto mit Lautstprechern vor: „Why does a chicken cross the road?“, tönt es daraus. „To get to the other side.“ Der Witz ist ein alter Hut. Und trotzdem brechen alle Passanten, die ihn hören, in schallendes Gelächter aus. Dann springt der Joker aus dem Auto aus, das plötzlich zu einem Lieferwagen gewachsen zu sein scheint, er reitet ein Riesenhuhn, schnappt sich die Rubine und haut wieder ab.

The Joker's Last Laugh

Joker reitet das Riesenhuhn.

Als nächstes verkleidet er sich als Feuerwehrmann, um Gemälde aus einer Kunstgallerie zu stehlen, diesmal bringt er auch Batman und Robin mit einem faden Gag zum Lachen. Die beiden finden später heraus, dass der Joker mit einem bestimmten Staub die Leute erheitert hat. Batman und Robin nehmen ein Gegenmittel ein, aber dann überrascht der Joker sie mit einem Heulmittel.

The Joker's Last Laugh

Batman und Robin lachen über Jokers schlechten Witz.

Das Dynamische Duo folgt dem Clown, sie schnappen ihn vor einer Polizeiwache, aber kaum ist er eingebuchtet, dreht sich plötzlich die Zellentür und Batman und Robin sitzen in der Falle. Ihre einzige Chance ist der Schlüssel, den nur der Joker bei sich hat. Wenn sie einen anderen Weg versuchen, fliegt alles in die Luft.

Aber wie gut, dass Batman so ein gutes Gedächtnis hat: Er hat sich gemerkt, wie der Schlüssel des Jokers aussieht und schnitzt sich aus einem Stuhlbein ein Duplikat – schon sind die beiden wieder frei. Als der Schurke versucht, einen wertvollen Globus bei einer Fernsehübertragung zu rauben, kommen sie ihm zuvor. Zurück im Knast lachen die Insassen dann über ihn.

„This proves one thing about the Joker, Batman!“, sagt Robin. „He has no sense of humor when the joke is on him.“ Tatsächlich ist die Vorstellung, die er hier abgibt, ein Armutszeugnis. Hier zeigt sich, dass der Joker alles andere als witzig ist.

Warum kann er keine besseren Witze erzählen? Und wie wurde aus dem Auto ein Lieferwagen? Und woher hatte der Joker das Riesenhuhn? War es eine Superrasse oder ein Roboter? Das alles wird für immer ein Rätsel bleiben.

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Batmans Krieg gegen sich selbst

DC Comics

Titel: Mythology

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Doug Mahnke

Erschienen: 2019 (Detective Comics #994-999), Hardcover 2019 (Detective Comics Vol. 1)


„We always knew that to wear the cape and cowl we’d have to wage war on ourselves, Bruce.“

Detective Comics fängt noch einmal von vorne an. Schon wieder. Denn nach der siebenbändigen Storyline von James Tynion IV kamen nur zwei Gastautoren vorbei, kurz vor der Nummer 1000 hat man Peter J. Tomasi (Batman and Robin) und Altmeister Doug Mahnke (The Man Who Laughs, Under the Hood) zusammengebracht, um die Serie zum Jubiläum und darüber hinaus weiterzuführen.

Die Geschichte beginnt so, wie man es von einer Serie mit dem Titel erwartet: mit einem Mord. Im Gotham City Aquarium werden zwei Leichen gefunden, die bis aufs Haar Thomas und Martha Wayne ähneln – inklusive der Einschusswunden und Kleidung. Kurz darauf wird Leslie Thompkins von einem Monster angegriffen. Batman kann es zwar abwehren, aber das Monster setzt Leslie einem Joker-Gas aus. Dann wird auch noch Alfred von einem falschen Zorro angegriffen …

Batman von Doug Mahnke in Detective Comics #994

Batman von Doug Mahnke in Detective Comics #994 (DC Comics)

Batman wird klar, dass die Angriffe von jemandem stammen müssen, der sein Geheimnis kennt. Also sucht er jeden auf, der dafür infrage käme: Henri Ducard, Sensei Kirigi, Thaddeus Brown (dem ersten Mr. Miracle), Hugo Strange und Etrigan. Zwischendrin taucht das Monster wieder auf, das diesmal die Gesichter von Batmans Rogues Gallery trägt. Und spätestens hier wird die Story verdächtig. Und tatsächlich: Hier geht es um nichts anderes, als um Mythologie. Zu Deutsch: Batman betreibt mal wieder Nabelschau.

ACHTUNG: SPOILER!!!

Wenn Peter Tomasi auch noch Etrigan einführt, ohne wirklich zu motivieren, und am Ende auflöst, es habe sich bloß um eine Simulation gehandelt, der sich Batman jedes Jahr zu seinem Geburtstag aussetzt, um seine Leistung zu steigern, dann fällt die ganze Geschichte in sich zusammen.

Immer wenn es heißt, es sei alles nur Vorstellung, ein Traum/Albtraum oder ein Trugbild, verliert die Story an Brisanz, denn in so einem Konstrukt kann alles passieren, ohne dass es ernsthafte Folgen hat – und das wirkt beliebig. Und so werden wir mit dem Tod von Leslie Thompkins und dem Angriff auf Alfred getäuscht. So etwas haben wir in letzter Zeit zu oft lesen müssen: ob in Kings of Fear oder in Tom Kings Knightmares. Hier verliert sich die Detektivgeschichte in einer Parade von All-Stars und Kämpfen.

detective comics 999

Cover zu Detective Comics #999 (DC Comics)

Bei aller Kritik muss man dem Kreativteam zugestehen, dass das alles immerhin kurzweilig und spannend inszeniert ist, sei es der Angriff auf Leslie oder die Befreiungsaktion unter Wasser. Doug Mahnke zeichnet die Stippvisiten bei alten Bekannten herrlich detailliert und spektakulär, jede Seite ist eine farbenprächtige Augenweide voller kraftstrotzender Muskeln und ausdrucksstrarker Gesichter. Auch die Hellbat-Rüstung ist immer wieder ein Hingucker.

Dennoch: Es bleibt noch viel Luft nach oben, es wirkt wie ein weiterer Lückenbüßer bis endlich das große Ding kommt. Verbuchen wir es als Aufwärmübung für Arkham Knight – und hoffen wir, dass es noch besser wird. Und mit besser meine ich eine Geschichte, die endlich auch emotionalen Eindruck hinterlässt, ohne dass Batman nur über sich selbst nachdenkt.

(Nach einigem Hin- und Her hat sich DC dazu entschieden, doch nur eine Storyline zu bündeln, dafür aber als Hardcover – die Kraut- und Rübensammlung im Comicregal ist um eine Ausnahme reicher.)

Mehr zum Thema:

Alle werden Man-Bat

Detective Comics #19 (DC Comics)

Detective Comics #19 (DC Comics)

Anfangs war es nur einer, dann gab es zwei davon, schließlich eine ganze Familie: Vater, Mutter und zwei Kinder – alle Langstroms waren mehr oder weniger Man-Bats. Doch dann gibt es plötzlich einen ganzen Schwarm, der über eine Kunstausstellung herfällt und den britischen Premier entführt. Und mittendrin: Talia al Ghul. Sie hat die League of Assassins von ihrem Vater übernommen, Francine Langstrom entführt und Kirk erpresst, ihr sein Were-Bat-Serum zu geben. Damit macht sie ihre Bande zu schwertschwingenden Monstern. Und wozu? Um Bruce Wayne seinem Sohn, Damian Wayne vorzustellen – dem späteren Robin IV, nachzulesen in Batman and Son.

Das ist nur der Auftakt zu einem Trend: Fünf Jahre später, nach dem großen DC-Reboot The New 52, grassiert plötzlich eine Art Man-Bat-Virus in Gotham, der jeden infizieren kann (The 900, Detective Comics #19). Sogar der Killer Zsasz mutiert zum Monster. Verantwortlich ist der Kirk Langstrom, aber es handelt sich um ein Versehen: Der Genetiker hat eigentlich nur hörgeschädigte Kinder heilen wollen, indem er sie mit einem Echolot versorgt (auch wenn das mehr den Blinden nutzen würde), aber das Mittel, das er dafür entwickelte, ließ bereits die ersten Patienten zu Fledermausmonstern werden. Und durch ein kompliziertes Um-die-Ecke-denken macht Kirk alles wieder rückgängig, indem er sich selbst infinziert.

Verwandelt in Man-Bat fliegt Kirk davon. Daraufhin folgt ihm Francine nach, indem sie selbst (wie schon in früheren Comics) das Serum schluckt. Die beiden verwandeln sich von selbst wieder zurück, aber Kirk wird süchtig nach dem Zeug – und er greift anscheinend Menschen an. Kirk schüttet das Mittel weg, aber es ist zu spät. Er verwandelt sich auch ohne Drogen. Da verdächtigt ihn die Polizei wegen achtfachen Mordes. Francine deckt ihn mit Alibis. Doch Kirk findet heraus: Sie selbst ist für die Morde verantwortlich, denn sie hat sich mit einer Vampirfledermaus gekreuzt.

Francine ist auch sonst nicht, was sie scheint. Sie ist eine Spionin namens Felicity Lee, die sich im Auftrag ihres Arbeitgebers, Caldwell Industries, mit Kirk eingelassen hat, um mit seinen Erkenntnissen biologische Waffen zu erschaffen: fliegende Supersoldaten. (Wirklich Sinn ergibt das nicht, denn da Caldwell die Forschung finanziert, wäre es ein Leichtes, auch so an die Ergebnisse heranzukommen: Man hätte einfach fragen können.) Um das Serum zu testen, hat sie die Menschen von Gotham als Versuchskaninchen missbraucht. Als Kirk sie konfrontiert, kommt es zum Kampf. Francine erbarmt sich seiner, tötet ihn nicht und macht sich als She-Bat davon. (Die Story ist verstreut über mehrere Detective-Ausgaben, nachzulesen in Detective Comics Vol. 4: The Wrath.)

Während der Forever Evil-Krise (Descent, Detective Comics #23.4, 2014) macht Francine als She-Bat die Stadt unsicher und schnappt sich Kinder vom Spielplatz als Beute. Kirk hält sie auf, indem er wieder zum Man-Bat-Serum greift. Aber um sie besiegen zu können, hat er ihre beiden Formeln kombiniert. Das hat den Nebeneffekt, dass er als Man-Bat immer brutaler und animalischer wird. Als Batman verschwunden ist, räumt er in Gotham auf, indem er Verbrecher abschlachtet. Zwischendurch putscht er sich mit immer stärkeren Versionen des Serums auf, bis er selbst am Ende Kinder raubt …

In Detective Comics #26 (Vol. 5: Gothtopia) kommt es schließlich zum vorläufigen Showdown. Nachdem es zu weiteren Todesfällen kommt, bei denen mutierte Fledermäuse wie Piranhas Menschen abnagen, brechen Batman und Kirk Langstrom auf, um Francine alias She-Bat aufzuhalten. Doch sie hat sich weiterentwickelt, nennt sich nun Bat-Queen und herrscht über ein Volk von Killer-Fledermäusen.

Kirk verwandelt sich in Man-Bat und kämpft gegen sie, sie beißt ihn. Und weil Batman Kirk vorher mit einem Gegenmittel behandelt hat, verwandelt sich Bat-Queen zurück in Francine. Beide landen in Arkham Asylum, wobei Francine dann wieder Fledermausgestalt annimmt …

In Batman: The Dark Knight #28-29 wird noch ein unnötiges Nachspiel gebracht: Langstroms böser Vater Abraham verschafft sich das Serum, verbessert es, wird zu einer Art Super-Man-Bat, metzelt ein paar Leute hin. Wir erfahren von einer schwierigen Vater-Sohn-Beziehung, die erneut belastet wird. Abraham hält seinen Sohn für einen Versager. Der Sohn hat es aber zumindest geschafft, Arkham zu verlassen – jedenfalls ist davon nicht mehr die Rede.

Da Batman es nicht schafft, dem neuen Man-Bat das Gegenserum zu verabreichen, verpasst er es sich selbst und lässt sich von dem neuen Monster aussaugen. – Es störte bei DC offenbar niemanden, dass Batman bereits denselben Trick mit Kirk anwendete, um Francine zuzrückzuverwandeln. Aber Francine ist hier kein Thema mehr. Mit dieser Einfallslosigkeit endet vorläufig die Geschichte von Man-Bat.

>> Liste der Man-Bat-Comics

Von Batman zu Man-Bat (Teil 3)

Titel: Beware the Eyes of Baron Tyme/Fugitive from Blind Justice/Peal of the Devil-Bell/Scream of the Gargoyle

Autor/Zeichner: Gerry Conway, Martin Pasko/Steve Ditko, Pablo Marcos

Erschienen: 1976 (Man-Bat #1-2, Detective Comics #458-459)


Im Jahr 1976 bekam Man-Bat sogar eine eigene Serie. Sie hielt allerdings nur zwei Ausgaben durch. Immerhin wurde die Geschichte später in zwei Ausgaben von Detective Comics zu Ende erzählt.

Zunächst wird Francine Langstrom wieder rückfällig, weil sie von einem Schurken namens Baron Tyme manipuliert wird, um für ihn Morde zu erledigen. Dieser bunt gekleidete Typ residiert in einem Schloss und spielt mit schwarzer Magie, um Macht anzuhäufen. Außerdem hat er ein paar fiese Illusionstricks drauf.

Als Batman auf Francines She-Bat-Eskapaden aufmerksam wird, will er zunächst Man-Bat ausschalten, doch nach einiger Erklärung heilen sie Francine und Man-Bat zieht alleine los, um den bösen Baron zu besiegen. Ihm ist es wichtig, sich von Batman zu emanzipieren: Er will nicht mehr auf dessen Hilfe angewiesen sein.

Im zweiten Heft kriegt es Man-Bat mit dem Ten-Eyed-Man zu tun, einem Attentäter, der seine Augen in den Fingerspitzen trägt (was erhebliche Nachteile hat, wenn er seine Hände benutzt). Er bekommt den Auftrag, Man-Bat zu töten, weil jemand ein persönliches Problem mit Vigilanten und anderen Monstern hat.

Während Langstroms Freunde eine Party für ihn feiern, muss er als Man-Bat den Attentäter zur Strecke bringen. Und dann wird es albern. Der Schurke hält sich bei einer Explosion die Hände vor seine blinden Augen – und wird dadurch erst recht blind. Orientierungslos fällt er vom Hochhaus. Man-Bat macht sich keine große Mühe, hinterherzuspringen, um ihn zu retten.

Kurz darauf (in Detective Comics #458) wird Francine wieder kontrolliert von einem Schurken, verwandelt sich wieder in She-Bat und folgt dem Ruf einer Glocke zu einer alten Kirche. Ein Dämon in Menschengestalt lockt sie und Man-Bat her, um sie zu steinernen Gargoyles zu machen. Wieder hat alles eine magische Vorgeschichte rund um Flüche usw., die allerdings den Leser nicht zu bezaubern vermag.

Wieder muss Man-Bat seine Frau retten (Detective Comics #459). Wieder bleibt sie bei all dem das passive Opfer. Ihre Superkräfte gelten als Fluch, weil sie immer wieder von bösen Mächten missbraucht werden. Kirks Kräfte hingegen dienen heldenhaften Zwecken. Die Geschichte über die beiden erschöpft sich in Wiederholung, da es an interessanten neuen Ideen fehlt. Das ist zwar schade, aber am Ende vielleicht doch das geringere Übel, dass dieses Konzept eingestellt wurde.

In den Jahren 1977 und 1978 tauchte Man-Bat allerdings regelmäßig in der Serie Batman Family auf (ab Ausgabe #11), ein Konzept, das eine Zeit lang auch in Detective Comics fortgesetzt wurde.

>> Liste der Man-Bat-Comics

Von Batman zu Man-Bat (Teil 1)

Titel: Challenge of the Man-Bat/Man or Bat/Marriage Impossible

Autor/Zeichner: Frank Robbins/Neal Adams

Erschienen: 1970-1971 (Detective Comics #400, 402, 407), Paperback 2004/2019 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 2/Batman by Neal Adams: Book Two), 2017 (Batman Arkham: Man-Bat)


Wenn man bedenkt, dass Schurken meist das Gegenteil des Helden darstellen, dann verwundert es, dass die Batman-Autoren erst nach 31 Jahren auf die naheliegendste aller Ideen kamen: einen echten Fledermausmann. Zur Jubiläumsausgabe von Detective Comics #400 bekam Batman es mit Man-Bat zu tun – einer Variation des Jekyll & Hyde-Themas, des Werwolf-Mythos und auch Dracula spielt hier hinein.

Die Geschichte handelt von Kirk Langstrom, einem Zoologen, der eine Ausstellung zu nachaktiven Tieren im Museum vorbereitet. Dazu erschafft er überlebensgroße Modelle von Fledermäusen. Und er tut es anscheinend ganz allein. Nebenbei findet er trotzdem die Zeit für Privatforschung. Denn Langstrom ist ein Batman-Fan, der seinem Vorbild nacheifern will, indem er es übertrifft. Also injiziert er sich ein Serum, das er aus Fledermäusen gewonnen hat.

Eigentlich will er nur besser hören und im Dunkeln sehen, aber dann stellt er fest, dass auch sein Körper sich verändert: Langstrom bekommt Riesenohren, Fell und schließlich auch Flügel. Als Man-Bat hilft er anfangs noch Batman, der desen Aussehen für eine Maske hält. Dann will Langstrom den Mutationsprozess stoppen, aber sobald die Verwandlung komplett ist, wehrt sich sein neues Ich gegen jeden Eingriff. Aus Langstrom ist die Bestie Man-Bat geworden. Und was tun Monster wie diese? Sie schnappen sich eine Schönheit, die sie auf ihre Seite ziehen wollen – und zwar durch Nötigung.

In dem Fall ist das Francine, Langstroms Verlobte. Im dritten Teil zwingt er sie vor den Traualtar. Batman will das verhindern, ohne dass klar wird, warum. Der Mann, der sich anzieht wie eine Fledermaus, hat wohl etwas gegen Mischwesen und -ehen. Vielleicht auch, weil dieser Man-Bat zufällig seine Batcave entdeckt hat.

Francine hingegen ist anfangs noch gewillt, sich an den neuen Anblick ihres Geliebten zu gewöhnen, doch das reicht Man-Bat nicht. Er will, dass sie ihn genauso toll findet, wie er ist. Also macht er auch sie zum Fledermausmenschen.

Batman will Langstrom jedenfalls lieber von seiner Bürde „heilen“, auch wenn Langstrom sie nicht als Bürde ansieht. Erst als Batman ihm das Gegenmittel in die Blutbahn jagt und aus Man-Bat wieder Langstrom wird, sieht es Langstrom so wie Batman: „I was inhuman!“

>> Liste der Man-Bat-Comics