Detective Comics

Batman und der Hutsammler

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DC Comics

Titel: The Mad Hatter of Gotham City 

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1956 (Detective Comics #230)


Die heute klassischen Batman-Schurken waren in ihrer Anfangszeit eher seltene Erscheinungen. Bis auf Joker, Pinguin und Catwoman kamen z.B. Clayface, Riddler und Scarecrow nur zweimal vor, bevor sie für Jahre verschwanden. Der Mad Hatter hatte im Golden Age nur einen Auftritt (1948) und dann erst acht Jahre später wieder, als bereits das Silver Age anbrach. Niemand scheint ihn vermisst zu haben. Nur Robin äußert zu Beginn den Wunsch, endlich mal den Hatter zu schnappen, obwohl sie das bereits getan haben und es bislang kein Wiedersehen gab.

Doch während der erste Verrückte Hutmacher ein kleines, glattrasiertes Männlein mit übergroßem Hut war (wie sein Vorbild aus Alice im Wunderland), ist der neue Hutmacher ein rothaariger Schnurbartträger in Normalgröße, ohne Hut auf dem Kopf, dafür mit einer Sammelleidenschaft für Hüte, weshalb es umso seltsamer erscheint, dass er selbst keinen trägt. Auch mit einem Hutmacher hat er – Achtung Kalauer – nichts am Hut.

Jervis Tetch will Batmans Maske

Diesem Mad Hatter (Jervis Tetch ist sein Name) scheint es ganz gut zu gehen. Er lebt in einem riesigen Anwesen mit Kaminzimmer und einer stattlichen Sammlung an Kopfbedeckungen, die er alle geklaut hat. Nur noch eine fehlt ihm: Batmans Maske. (Es mutet seltsam an, „cowl“ hier wörtlich mit „Kutte“ zu übersetzen.) Tetch hat auch einen Plan: Er hat aus der Zeitung erfahren, wo Batman das nächste Mal auftauchen wird. Dort schlägt er zu. Wie gut, dass der Maskierte Rächer eine so öffentliche Figur ist …

Erstes Ziel: Ein Mittagessen in einem Lokal namens Green Derby, dessen Dach von einem riesigen Hut (einer Melone) geziert wird. Als Batman und Robin den Laden betreten wollen, schlingt sich ein Lasso um Batman und zieht ihn aufs Dach. Statt sich gegen die Angreifer zu wehren (zum Beispiel mit den Beinen), wartet er darauf, dass Robin sich die Melone vom Portier schnappt und damit den Mad Hatter bewirft. Das allein reicht, um den Schurken und seinen Handlanger in die Flucht zu schlagen. Verfolgung? Nö.

Die vertrahlte Maske

Zweiter Versuch: Tetch gibt sich als Bildhauer aus, der eine Statue von Batman anfertigt. Unter einem Vorwand bittet der ihn, sich seiner Maske zu entledigen. Obwohl Batman das falsche Spiel sofort durchschaut, spielt er es mit und setzt sich dann beim Angriff einen übergroßen Hut mit Augenschlitzen auf, damit man ihn nicht erkennt. Eine Statue geht zu Bruch, wieder haut Tetch ab, ohne dass jemand auch nur daran denkt, ihm zu folgen.

Dritter Versuch: Batman besucht ein Labor für Experimente mit radioaktivem Material. Was er dort will, bleibt ein Rätsel. Plötzlich gibt aber seine Maske Strahlung ab. Tetch gibt sich als Laborant aus, um die Maske stehlen zu können. Wieder fällt Batman drauf rein. Dann setzt er sich den Helm eines Strahlenanzugs an und folgt dem Gauner diesmal mit dem Batplane. Ein Geigerzähler zeigt ihm, wohin Tetch flieht – nämlich nach Hause.

Das war ja einfach. Noch einfacher ist das Finale: Batman entwindet einen Turban und haut Tetch mit dem Tuch auf die Finger. Zum Schluss setzt es den obligatorischen Haken und der Hatter wird unter Hüten begraben. Ab in den Knast.

Diese Story inspirierte auch die ersten Mad-Hatter-Folge der Batman-TV-Serie mit Adam West: „The Thirteenth Hat/Batman Stands Pat“ (dt. Der 13. Hut).

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Der unsichtbare Batman

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Detective Comics #199 (DC Comics)

Titel: The Invisible Batman

Autor/Zeichner: William Woolfolk, Bill Finger/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz, Sheldon Moldoff

Erschienen: 1953/1959 (Detective Comics #199/Batman #124)


Batman kann bekanntlich alles – auch sich unsichtbar machen. Nicht von ungefähr trägt er Schwarz: So kann er in der Dunkelheit der Nacht für das Auge verschwinden und sich verstecken, um dann umso überraschender angreifen zu können. So lehrt man die feigen und abergläubischen Verbrecher das Fürchten.

Doch das war nicht immer so. Nach seinen düsteren Anfängen wurde Batmans schwarzes Kostüm zunehmend blauer und heller. Nacht und Schatten verloren an Bedeutung, furchterregend war der bunte und fröhliche Batman nur noch selten. In den 50ern wurde dann Batman wirklich unsichtbar – und das gleich zweimal.

Radioaktive Farbe

In der ersten Geschichte (Detective Comics #199, 1953) bekommt Batman bei einem Einsatz in einem Chemiewerk eine Ladung radioaktive Farbe ab, als er eine Bande davon abhalten will, selbige zu stehlen. Ein ganzer Tank geht auf ihm nieder – aber zum Glück wird zumindest nichts gestohlen, auch wenn der Schaden durch den Unfall noch größer sein dürfte.

Daraufhin wird Batman unsichtbar, was große Vorteile dabei hat, wenn man Gauner vermöbeln will, denn nun kommen die Prügel aus dem Nichts. Batman fällt sogar nicht mal auf einen Trick mit einer Lampe herein, als ihn ein Bösewicht so erkennbar machen will.

Nachteile hat die Sache aber, als Batman vor Gericht gegen den Obergauner Big Jack Baker aussagen soll, der seinetwegen im Knast sitzt. Bakers Anwalt Verne, der die Geschäfte übernommen hat, soll bis dahin Batmans Geheimdentität ausfindig machen. Nach einigen Stunden Recherche ist klar: Es kommen nur fünf Playboys in Frage, darunter ist auch Bruce Wayne. Alle fünf sind zu einer Pferdeshow eingeladen. Und wenn einer von denen unsichtbar ist, dürfte der Gesuchte als einziger nicht erscheinen. Doch auch Bruce erscheint, eingepackt in Mantel, Handschuhe und eine Gummimaske. Er lässt sich warme Orangenlimo servieren (die gegen seine angebliche Erkältung helfen soll) …

Vor Gericht hat es der unsichtbare Batman aber schwer, zu beweisen, dass er wirklich Batman ist. Abgesehen von der Tatsache, dass man ohnehin nicht feststellen kann, wer unter der Maske steckt, hat man es hier auch noch mit einem sprechenden Geist zu tun. Batman muss eine Handschriftenprobe abgeben, die wird angezweifelt, schließlich beweist ein Röntgenbild seine Identität und er kann aussagen.

Gauneranwalt Verne versucht dann in seiner Verzweiflung, Robin als Geisel zu nehmen, aber Batman beendet die Sache schnell. Die Lösung für sein Problem bringt dann eine Dusche aus Orangenlimonade – Citronensäure ist das Gegenmittel, wie er bereits beim Trinken herausgefunden hat. Hätte ihm das nicht früher einfallen können?

Sichtbar mit Mehl

Sechs Jahre später wird Batman aber wieder unsichtbar. Unter dem gleichen Titel, als wäre das noch nie zuvor passiert. Diesmal gerät er unter einen mysteriösen Strahl im Laboratorium einer Glühlampenfabrik. Wieder kommt der Held auch als Bruce in Bedrängnis. Einer Besucherin gegenüber lässt er sich in heiße Tücher wickeln, um so zu tun, als würde er sich von Alfred rasieren lassen.

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The Invisible Batman, Batman #124 (DC Comics)

Dann wird eine Bäckerei überfallen. Warum gerade die? Weil es dort Mehl gibt – und man damit bekanntlich Unsichtbare gut sichtbar machen kann, sowohl mit Fußspuren als auch mit einem riesigen Saugblaser. Wie gut, dass Robin mit einem Ventilator zur Stelle ist, bevor sie Batman als Bruce Wayne enttarnen können. Robin hatte schon befürchtet, neben einem unsichtbaren Mentor überflüssig zu sein.

Bruce und Dick fahren dann zu einem Wohltätigkeitsdinner. Bruce pinselt sich mit Schminke ein Gesicht, fängt dann aber an zu schwitzen und wischt sich die Schminke ab. Doch da ist die Wirkung des ominösen Strahls bereits abgeklungen. Einfach so. Ja, so geht’s manchmal auch, wenn man nur acht Seiten für eine Geschichte zur Verfügung hat.

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Batman im Spiegel

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DC Comics

Titel: Road to Ruin

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Brad Walker u.a.

Erschienen: 2021 (Detective Comics #1028-1033), Hardcover 2021 (Detective Comics Vol. 6)


Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich würde einen Band von Detective Comics nicht unbedingt „Road to Ruin“ nennen. Seit zehn Jahren hat sich diese Serie selten mit Ruhm bekleckert (das letzte Mal war The Black Mirror). Nun bringt Peter J. Tomasi seinen bisher unbeeindruckenden Run zu Ende und der Titel verheißt schon mal nichts Gutes.

Aber der bezieht sich ja auf die Handlung. Wir sehen, wie Gotham dem Future State entgegenschlittert. Der Ex-Cop Nakano, der in Detective Comics #1027 ein Auge verloren hat, will Bürgermeister werden, um alle „Masks“, also Vigilanten und Schurken, abzuschaffen. Passend dazu taucht ein neuer Schurke auf, der sich Mirror nennt und genau dasselbe will. Dieser Mirror trägt zwar auch eine Maske, eine reflektierende Folie am ganzen Körper, aber nur, um anderen den Spiegel vorzuhalten: Jeder kann Mirror sein.

Abgesehen davon, dass die Figur zu sehr an den Charakter Looking Glass aus der TV-Serie Watchmen erinnert (der ironisch auch „Mirror Guy“ genannt wurde), erweist sich diese Figur als Rohrkrepierer: Kaum eingeführt, verpufft sie buchstäblich wieder. Das Problem löst sich in Wohlgefallen auf, zurück bleibt aber eine maskenfeindliche Stimmung, die Nakano den Wahlsieg beschert. Hätte es dafür wirklich so eine Eintagsfliege wie Mirror gebraucht? Nein.

Stattdessen mündet die Handlung in eine Episode mit Hush. Der entführt im Handgemenge mit dem Pöbel die Bat-Family, um sie aufzuschneiden und ihre Organe zu verkaufen. Erstens weil er Chirurg ist, zweitens weil es Bruce Wayne weiter in den Ruin treibt (siehe Titel!). Damian, der als Robin aufgehört hat und nun versucht, die offenen Fälle aus dem Black Casebook zu lösen, hilft Batman dabei, die Familie vor der Ausweidung zu retten. Wie üblich endet hier alles mit einer Prügelei.

Sonst noch was? Ach ja: Batman jagt einen Cop-Killer auf einem Pferd.

Damit endet dieses Kapitel Detective Comics. Als nächstes ist Mariko Tamaki dran. Ja, eine Frau, die erste bei Batman, seit Devin Grayson Gotham Knights verantworten durfte. Das ist DC sogar eine neue Nummer 1 bei den Sammelbänden wert – die dritte innerhalb von sechs Jahren. Hoffentlich bringt sie endlich neuen Schwung in die Serie, mit der einst alles begann.

>> Batman 2020-2029


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Clayface wird zu Batman – und andersrum

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DC Comics

Titel: The Secret of Clayface’s Power

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1963 (Detective Comics #312)


Ein Déjà-vu: Wieder bricht Matt Hagen aus dem Knast aus, wieder verwandelt er sich in Clayface, wieder geht er auf Beutezug. Diesmal beginnt er – sehr passend – als Raubvogel. Und dann: als Batman! Clever, darauf hätte man früher kommen können, zuletzt hatte es nur zu einer Riesenfledermaus gereicht (Detective Comics #304), jetzt gibt er sich als Batman aus, marschiert in eine Bank, fingiert eine Bombendrohung und spaziert mit einem Koffer voller Geld raus.

Zum Glück ist gerade das Dynamische Duo in der Gegend (immer diese Zufälle!) und der wahre Batman kann dem Betrüger einen rechten Haken verpassen. Dann mutiert Clayface zu einem Riesenhummer und fliegt als Pterodactylus (Flugsaurier) mit der Beute davon.

Nächster Coup: mal wieder ein Kunstraub. Clayface verbündet sich mit einem Komplizen, der sich als Bildhauer ausgibt und eine falsche Statue an eine Sammlerin verkauft. Die Statue zeigt einen „man of mars“, ein sechsarmiges Monster. Kaum ist es Teil der Sammlung, will Clayface etwas Wertvolles mitgehen lassen, aber da eilen schon die Helden herbei. Clayface wird zu einem großen Kugelfisch und dann zu einem Riesenbohrer, bevor er wieder abhaut – zurück zur Zaubergrotte, die ihm seine Kräfte für 48 Stunden verleiht.

Kampf der Formwandler

Als Batman ihm folgt, fallen beide hinein und – analog zum Beginn – bekommt Batman Clayfaces Kräfte. Dann wird es richtig wild: Clayface wird zu einem T-Rex, Batman zu einem Pogo-Stick (!), Clayface zu einem Elefanten, Batman  zu einem Stachelschwein, Clayface zu einem Batarang (!) usw., bis nicht mal Robin mehr durchblickt, wer wer ist, als ein Nashorn auf einen Eisbären zurennt. Der Eisbär wird zum Baumstumpf, ein anderer Baum bekommt plötzlich einen Arm und knockt Clayface aus.

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Kampf der Formwandler: Clayface gegen Batman. (DC Comics)

Die Erklärung ist höchst interessant: Batman ist in den Wald geflohen, verwandelte sich in eine Kreissäge, formte blitzschnell aus einem Baum einen Eisbären, verwandelte sich selbst in einen Baum und wartete, bis Clayface in seiner Nähe war …

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Batman als Stachelschwein, Clayface als Elefant und Batarang. (DC Comics)

Dann ist ja alles klar. Matt Hagen geht zurück in den Knast, die Grotte mit dem Zauberschlamm wird versiegelt und das war’s dann mit Clayface. Aber nein: Matt Hagen hat noch eine Flasche mit dem Zeug versteckt. Na gut, dann bis zum nächsten Mal!

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Dieser Baum haut Clayface um. (DC Comics)

>> Clayface-Comics

Clayface wird zur Fledermaus

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DC Comics

Titel: The Return of Clayface

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1962 (Detective Comics #304)


Matt Hagen hat versprochen zurückzukehren, nun ist er aus dem Knast ausgebrochen. Der zweite Clayface (erstmals erschienen in Detective Comics #298, 1961) sucht erneut die geheime Grotte auf, in der ein verzaubertes Schlammbecken ihn zum Formwandler macht – aber nur für 48 Stunden. Fürs Erste genug, um sich neue Reichtümer zu verschaffen. Clayface wird zum Hai und schwimmt in die Stadt, um Gehälter einzusacken, die er sich nicht verdient hat. Die Symbolik ist offensichtlich: Es geht um reine Gier.

Zufällig fahren Batman und Robin vorbei. Batman versucht, Clayface mit dem Bat-Seil einzufangen – nicht sehr schlau, Herr Detektiv. Clayface entschlüpft ihm aber nicht, sondern verwandelt sich in einen Riesenkreisel und wirbelt Batman ins Hafenbecken. Dann wird er zum Pegasus und fliegt mit 60.000 Dollar davon – Startkapital, um sich ein Haus zu kaufen und wie ein reicher Mann zu leben. Eine wilde Phantasie hat der Mann auf jeden Fall.

Heuschrecke klaut Rembrandt

Eine Woche später ist Batman immer auf der Suche nach dem Schurken, kann nicht schlafen. Als Bruce Wayne entspannt er sich im exklusiven Pharaoh-Club, wo ihm Professor Colton einen Freund vorstellt: John Royce. Ein anderes Clubmitglied namens Phipps bekommt einen Rembrandt nach Haus geliefert. Bruce schaut bei ihm vorbei, doch dann entpuppt sich Phipps als Clayface. Bruce zieht sich um, schießt mit einer Eiskanone, doch ohne Wirkung – Clayface wird zur Riesenheuschrecke und haut mit dem Rembrandt ab.

Später täuscht der Schurke ihm auch noch vor, John Roye zu sein. Er hält Professor Colton im Keller gefangen, um das Geheimnis des Schlamms („Protoplasma“) zu lösen. Batman und Robin befreien ihn. Clayface taucht auf und verwandelt sich in eine riesige Fledermaus – Batman soll mit seinem eigenen Symbol geschlagen werden. Doch Batman hat seine Eiskanone dank des Zauberschlamms verbessert und kann den Schurken auf Eis legen, bis der wieder im Knast auftaut.

Beim nächsten Mal, verrät uns der Held, wird der Trick aber nicht mehr klappen.

>> Clayface-Comics

Batman gegen Liebeswahn

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DC Comics

Titel: Paint a Picture of Peril

Autor/Zeichner: Dennis O’Neill/Neal Adams

Erschienen: 1970 (Detective Comics #397), Paperback 2013 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 2), 2019 (Batman by Neal Adams: Book Two)


Am Hafen findet ein Festival statt. Bruce Wayne stiftet eine Kunstausstellung. Da steigen nachts vier Taucher aus dem Wasser, um ein Bild zu stehlen. Batman versucht, sie aufzuhalten, fängt sich dabei aber eine Harpune ein, weil er auch einfach nur blöd in der Gegend rumsteht statt auszuweichen. Er dachte wohl, seine erschreckende Präsenz würde reichen.

Nachdem er sich zu Hause selbst ärztlich versorgt hat, verfolgt Batman die Spur, die zum Millionär Orson Payne führt, der zurückgezogen in einem Schloss lebt, seit seine Verlobte, die Opernsängerin Caterina Valance, verschwunden ist. Die Spur sind glühende Algen, hervorgerufen von Radioaktivität. Nur fürs Protokoll: Radioaktive Strahlung glüht nicht, aber da Batman alles kann, kann er sie halt auch glühen sehen.

Besessener Kunstsammler

Orson Payne erinnert nicht nur an einen anderen bekannten Orson, nämlich Welles, er hat auch eine Kunstsammlung angelegt, die an Charles Foster Kane aus dem Film Citizen Kane erinnert, nur mit dem Unterschied, dass Payne alles sammelt, was wie seine geliebte Caterina aussieht. Daher auch der jüngste Kunstdiebstahl: Niemand wollte ihm das Bild verkaufen.

Als Batman ihn konfrontiert, lässt Payne ihn in einer Falltür verschwinden, aber bevor ein riesiger Steinklotz auf ihn fällt, kann er sich befreien. Dann löst sich das Problem fast von selbst: Payne wird wahnsinnig, sieht Gespenster und folgt dem halluzinierten Geist seiner Caterina über die Balkonbrüstung. Leider spoilert das Cover diesen Moment. Batman kann Payne retten.

Am Ende stellt sich heraus: Caterina ist nun Bruce Waynes Haushälterin. Sie singt zwar nicht mehr Opern, aber immerhin ist sie frei, sagt sie. Von Payne zu Wayne also, von einem exzentrischen Einsiedler zum anderen. Eine seltsame Art, sich von einem Liebhaber loszumachen, aber Emanzipation muss jede für sich selbst definieren.

>> Batman 1970-1979

Unsterblich, wahnsinnig oder tot

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DC Comics

Titel: The Secret of the Waiting Graves

Autor/Zeichner: Dennis O’Neill/Neal Adams

Erschienen: 1970 (Detective Comics #395), Paperback 2013 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 2), 2019 (Batman by Neal Adams: Book Two)


Unsterblichkeit oder sofortiger Tod – eine interessante Wahl, die die Frau mit dem Falken und den Wölfen Batman da auf dem Cover unterbreitet. Wie kommt’s? Und wie wird Batman sich entscheiden? In der Story hat er diese Wahl zwar nicht, aber da hier Dennis O’Neill und Neal Adams erstmals zusammenarbeiten, schauen wir trotzdem mal rein.

Die Geschichte spielt in Mexiko. Bruce Wayne ist eingeladen zu einem Fest bei Dolores und Juan Muerto. Der Name ist Programm. Denn kaum sind die Gäste zu einer Fahrt in Heißluftballons gestartet, machen sich Falken über einen her, sodass der Mann im Korb in die Tiefe stürzt. Als hätte Bruce es geahnt, fliegt er nicht mit, sondern springt im Batman-Kostüm genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort herbei, um den Mann zu retten und ins Wasser zu stoßen.

Muertos lernen Sterben

Als sich Bruce wieder in die Party stürzt und mit der Gastgeberin tanzt, wird auf den eben geretteten Mann (Valdes) geschossen. (Übrigens scheint es niemanden zu kümmern, dass er gerade einen Sturz ins Wasser überlebt hat.) Batman hält die Attentäter auf, wird aber von zwei Wölfen in die Flucht geschlagen. Hinter den Attentaten stecken die Muertos – was auch kein Wunder ist bei dem Namen.

Das Paar führt Valdes in eine Höhle mit Blumen, die unsterblich, aber wahnsinnig machen. Valdes entpuppt sich als Agent der Regierung und will die beiden festnehmen. Sie schlagen ihn K.O., dann auch den dazuspringenden Batman, der von den Blumen Halluzinationen bekommt. Natürlich wird er nicht demaskiert, soll er ruhig in seiner Verkleidung sterben, wenn ihn die Falken auffressen – auch die fiesesten Schurken mögen einen würdigen Tod. Aber müssten die Blumen, die angeblich auch unsterblich machen, den Tod nicht verhindern?

Wir werden es nie erfahren, denn Batman befreit sich und entkommt, indem er die Tiere schwer misshandelt, dann fackelt er auch noch die Blumen ab. Die Muertos werden dann plötzlich sehr schnell älter und ihrem Namen endlich gerecht. Bequemerweise purzeln sie direkt in ihre offenen Gräber, die Grabsteine stehen samt Inschrift schon da, als würden sie sie erwarten. Batman muss nur noch das Todesjahr dazuschreiben. Zum Glück hat er Fingerfarbe dabei.

Und wieder stellen wir fest: Batman tötet zwar nicht, aber er hilft trotzdem gern nach.

>> Batman 1970-1979

Two-Face gründet einen Kult

DC Comics

Titel: Detective Comics Vol. 5: The Joker War

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Brad Walker

Erschienen: 2020 (Detective Comics #1020-1026, Annual #3, Batman: Pennyworth R.I.P.), Hardcover 2021


„Seeing the world in black-and-white is a grace note. Life is a simple equation. Fundamental arithmetic is our core religion. And one and one do not make two … one and one make one!“ (Two-Face)

Two-Face ist wieder da. Und er ist nicht allein. Schon immer war er von Dualität besessen, aber diesmal hat er einen Kult mit treuen Jüngern begründet, die für eine zerkratzte Münze und Hostie bereit sind, für ihn in der Stadt entweder Gutes oder Schlechtes zu tun – was in jedem Fall Tod bedeutet, im Zweifel für sie selbst. Mit seiner Sekte will er Gotham lehren, dass man Gut und Böse nur verstehen kann, wenn man beides ganz erlebt. So will er die Sadt in eine stärkere verwandeln.

Als Batman ihm auf die Spur kommt und schon mit dem Batmobil losfährt, um ihn zu stoppen, steht Harvey Dent plötzlich vor der Batcave und bittet Batman um Hilfe. Er ist stärker denn je hin- und hergerissen, er weiß, dass Batman Bruce ist, will das Geheimnis aber von Two-Face fernhalten. Batman fährt mit ihm zum Hauptquartier des Kultes und lässt Harvey gefesselt allein im Wagen, doch da bricht Two-Face durch …

DC Comics

Wie dieser Ausbruch aus dem Batmobil erzählt wird, ergibt nicht wirklich Sinn. Man hätte Batman bessere Sicherheitsmaßnahmen zugetraut. Außerdem: Wer sich per Schleudersitz gegen die Scheibe schießen lässt, der dürfte kaum überleben. Sei’s drum. Später werden noch schwerere Geschütze aufgefahren. Denn die Geschichte dient als „Road to Joker War“ und es stellt sich heraus, dass der Joker mit Schuld ist an Harveys Zustand. Im Waffenlager der Polizei steigt Two-Face in die Batman-Rüstung, die einst James Gordon getragen hat (siehe Superheavy) und kämpft später gemeinsam mit Batman gegen einen Haufen Talons (siehe Court of Owls).

Damit ereilt diese Two-Face-Geschichte das Schicksal vieler anderer: Was ambitioniert beginnt, endet in einer Abfolge brachialer Action-Szenen. Wunderbar inszenierter Action, keine Frage, aber es ist eben das Übliche, ohne besondere eigene Einfälle, bloß eine Reihe von Zitaten, aber immerhin kurzweilig zu lesen.

Die beiden weiteren Detective-Comics-Ausgaben erzählen Tie-ins zum Joker War: Wir erfahren, wie Batwoman und Batman Lucius Fox befreien. Damit wird zwar eine Lücke im Batman-Joker-War-Band geschlossen, aber keine, die einen Erkenntnismehrwert bringt, denn die Mission verläuft ziemlich glatt. Und dann trifft Batman noch auf Killer Croc, der ein paar andere Freak-Freunde in der Kanalisation gefunden hat und nun ganz Gotham zu ihresgleichen machen will. Auch das muss man nicht unbedingt gelesen haben, um das große Ganze zu verstehen. Damit bleibt die Traditionsserie, in der einst Batman begann und von der DC seinen Namen hat, immer noch B-Ware.

Batman begleicht Alfreds offene Rechnung

Ein großer Teil des Bandes ist Alfred gewidmet. Den One-shot Batman: Pennyworth R.I.P. habe ich bereits an anderer Stelle besprochen. Im Annual #3 erzählt Peter J. Tomasi mit Zeichner Sumit Kumar eine Geschichte aus Alfreds Vergangenheit als britischer Geheimagent. Bruce Wayne bekommt unangemeldeten Besuch von Marigold Sinclair, einer ehemaligen Kollegin von Alfred, die ihn um Hilfe bittet. Alfred hat einst bei einer Mission herausgefunden, dass ein alter Freund, Kendall Pierce, für die Sowjets gearbeitet hat. Doch der Landesverräter wurde nie bestraft. Nun bittet Sinclair Bruce um Hilfe, das nachzuholen – was auch immer das heißt, den Bruce fragt nicht.

In der Ukraine kämpft Batman gegen NKVDemon (nicht zu verwechseln mit KGBeast), wird besiegt und zur Zielperson gebracht, nur um festzustellen, dass Marigold Sinclair das Versteck des Feindes ganz von selbst gefunden und eine Pistole mitgebracht hat, um sich zu rächen. Wozu hat es dazu Batman gebraucht? Storytechnisch, nur um zu verhindern, dass jemand getötet wird. Am Ende schafft es Bruce durch den Fall aber, endlich mal in Wayne Manor aufzuräumen. Seit Alfreds Ableben herrschen dort unhaltbare hygienische Zustände. Bruce vernachlässigt sogar die Ernährung seines Sohnes.

Am Ende schwelgen wir noch einmal in Erinnerungen an Batmans erstes Jahr, bzw. an seine erste Woche, nachdem er blutend nach Hause gekommen ist, um zu beschließen, eine Fledermaus zu werden. Tomasi und Zeichner Eduardo Risso (Broken City) erzählen die Woche aus Alfreds Sicht nach. Er entfernt Blutflecken aus dem Teppich und näht das erste Batman-Kostüm.

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Der furchtlose Batman

Batman & Scarecrow

DC Comics

Titel: Fear for Sale

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis

Erschienen: 1987 (Detective Comics #571), Paperback 2016 (Batman Arkham: Scarecrow), 2018 (Batman: The Dark Knight Detective Vol. 1), Hardcover 2013 (Legends of the Dark Knight: Alan Davis)


Eine Reihe seltsamer Ereignisse führt Bruce Wayne und Jason Todd zu einem Autorennen. Zwei Sportler sind verunglückt: ein Turmspringer hat einen fünffachen Salto versucht und hat sich dabei verletzt, ein Fallschirmspringer hat zu spät die Reißleine gezogen und ist gestorben. Jetzt befürchtet Bruce, dass auch auf der Rennbahn etwas passieren kann – und er irrt sich nicht. Ein Rennfahrer verunglückt. Batman kann ihn gerade noch aus den Flammen retten.

Hinterher stellt sich heraus, dass der Fahrer völlig ohne Einsicht ist – und ohne Furcht. Eine chemische Analyse später ist klar: Dahinter kann nur Scarecrow (Jonathan Crane) stecken. Statt Furcht zu verbreiten, enthemmt er seine Opfer, um Geld fürs Lösegeld zu erpressen. So taucht der Schurke im Krankenhaus auf. Als Robin ihn aufhalten will, bekommt er jedoch Angstgas verabreicht und wird entführt.

Angst als Gegenmittel

Als Batman Scarecrow in der Verkleidung des nächsten Opfers täuschen und übermannen will, kommt ihm Crane zuvor und verabreicht ihm eine Dosis des Anti-Angst-Mittels. Als er aufwacht, folgt er der Spur zu einem Betonwerk, wo Scarecrow mit etlichen Todesfallen auf seinen Gegner wartet. Der tollkühne Batman nimmt die Todesfallen sportlich und stürzt sich ins Vergnügen. Er weicht vier Lastern aus, die gleichzeitig auf ihn zurasen, er sprengt ein Mahlwerk für Steine, schließlich fällt er in einen Wassergraben und duckt sich vor den Kugeln zweier Maschinenpistolen weg.

Wie er das überlebt, ist eigentlich nebensächlich (ausweichen und Luft anhalten). Scarecrow bekommt statt einer Erklärung einen Kinnhaken verpasst, der sich gewaschen hat. Aber wie hat Batman seine Furchtlosigkeit überwunden? Mit einem Gegenmittel: Er hat sich einfach das Furchtbarste vorgestellt – Robins Tod. Ein Jahr später wird er tatsächlich wahr: in A Death in the Family.

Ansonsten ist Fear for Sale – wie auch Catch as Catscan/The Last Laugh – eine schön altmodische Kurzgeschichte im modernen Gewand, präzise, dynamisch und dramatisch inszeniert vom wunderbaren Alan Davis. Die Grundidee der Story diente später als Inspiration für die Batman-TAS-Folge Nothing to Fear.

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Scarecrow im Spukhaus

DC Comics

Titel: The Frequency of Fear/Something Scary

Autor/Zeichner: Doug Moench/Gene Colan

Erschienen: 1984 (Batman #373/Detective Comics #540)


Jonathan Crane gilt als geheilt und ist aus Arkham (das jetzt Asylum heißt) entlassen. Dass das ein Fehler ist, sieht man gleich am ersten Panel: Crane hat sich in sein altes Haus zurückgezogen, das nicht ohne Grund an Psycho erinnert, und davor eine Vogelscheuche aufgestellt. Kurz darauf sieht man ihn wieder im vertrauten Kostüm. Nach seiner Demütigung durch andere Schurken (Detective Comics #526) will er sich an ihnen rächen. Zuerst ist der Joker dran, der zu einer Anhörung vor Gericht geladen ist.

Scarecrow verschafft sich Zugang zu der schwer bewachten Zelle, indem er eine Angststrahlung von einem Totenkopf aussendet. Die Menschen sehen plötzlich Spinnen und Fledermäuse. Im entscheidenden Moment tauchen dann Batman und Robin auf, werden aber von der Strahlung aufgehalten. Robin bekommt Höhenangst, fällt beinahe vom Hochseil, als er Crane verfolgt, Batman kann ihn gerade noch retten.

Danach gibt’s erst mal Hausarrest. Denn die Spur führt zum Zoo, wo Jason Todds Eltern gestorben sind, und Batman will ihn nicht mit dem noch frischen Trauma konfrontieren. Zu Cranes Haus zu fahren findet Batman übrigens zu offensichtlich. Also tappt er im Zoo in die Falle, kriegt es wieder mit der Angst zu tun, halluziniert Jason unter Krokodilen. Der echte Jason denkt natürlich nicht daran, zu Hause zu bleiben und geht zu Cranes Haus, wo er sich von Scarecrow überrumpeln lässt, weil er die Vogelscheuche nicht auf ihre Füllung überprüft.

Während Batman mit Krokodilen ringt, prügelt sich Robin mit Scarecrow und folgt ihm ins Haus, das zu einem Spukhaus auf Jahrmarktniveau wird: mit Plastikskeletten, Gummispinnen und Scarecrow-Puppen. Da taucht Batman auf, polt Scarecrows Angstgerät um und so machen sie sich immun gegen seine Strahlung.

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