Detective Comics

Joker reitet ein Riesenhuhn

Titel: The Joker’s Last Laugh

Autor/Zeichner: John Broome/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1964 (Detective Comics #332), Paperback 2008 (Joker: The Greatest Stories Ever Told)


Vor einem Rubingeschäft fährt ein Auto mit Lautstprechern vor: „Why does a chicken cross the road?“, tönt es daraus. „To get to the other side.“ Der Witz ist ein alter Hut. Und trotzdem brechen alle Passanten, die ihn hören, in schallendes Gelächter aus. Dann springt der Joker aus dem Auto aus, das plötzlich zu einem Lieferwagen gewachsen zu sein scheint, er reitet ein Riesenhuhn, schnappt sich die Rubine und haut wieder ab.

The Joker's Last Laugh

Joker reitet das Riesenhuhn.

Als nächstes verkleidet er sich als Feuerwehrmann, um Gemälde aus einer Kunstgallerie zu stehlen, diesmal bringt er auch Batman und Robin mit einem faden Gag zum Lachen. Die beiden finden später heraus, dass der Joker mit einem bestimmten Staub die Leute erheitert hat. Batman und Robin nehmen ein Gegenmittel ein, aber dann überrascht der Joker sie mit einem Heulmittel.

The Joker's Last Laugh

Batman und Robin lachen über Jokers schlechten Witz.

Das Dynamische Duo folgt dem Clown, sie schnappen ihn vor einer Polizeiwache, aber kaum ist er eingebuchtet, dreht sich plötzlich die Zellentür und Batman und Robin sitzen in der Falle. Ihre einzige Chance ist der Schlüssel, den nur der Joker bei sich hat. Wenn sie einen anderen Weg versuchen, fliegt alles in die Luft.

Aber wie gut, dass Batman so ein gutes Gedächtnis hat: Er hat sich gemerkt, wie der Schlüssel des Jokers aussieht und schnitzt sich aus einem Stuhlbein ein Duplikat – schon sind die beiden wieder frei. Als der Schurke versucht, einen wertvollen Globus bei einer Fernsehübertragung zu rauben, kommen sie ihm zuvor. Zurück im Knast lachen die Insassen dann über ihn.

„This proves one thing about the Joker, Batman!“, sagt Robin. „He has no sense of humor when the joke is on him.“ Tatsächlich ist die Vorstellung, die er hier abgibt, ein Armutszeugnis. Hier zeigt sich, dass der Joker alles andere als witzig ist.

Warum kann er keine besseren Witze erzählen? Und wie wurde aus dem Auto ein Lieferwagen? Und woher hatte der Joker das Riesenhuhn? War es eine Superrasse oder ein Roboter? Das alles wird für immer ein Rätsel bleiben.

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Batmans Krieg gegen sich selbst

DC Comics

Titel: Mythology

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Doug Mahnke

Erschienen: 2019 (Detective Comics #994-999), Hardcover 2019 (Detective Comics Vol. 1)


„We always knew that to wear the cape and cowl we’d have to wage war on ourselves, Bruce.“

Detective Comics fängt noch einmal von vorne an. Schon wieder. Denn nach der siebenbändigen Storyline von James Tynion IV kamen nur zwei Gastautoren vorbei, kurz vor der Nummer 1000 hat man Peter J. Tomasi (Batman and Robin) und Altmeister Doug Mahnke (The Man Who Laughs, Under the Hood) zusammengebracht, um die Serie zum Jubiläum und darüber hinaus weiterzuführen.

Die Geschichte beginnt so, wie man es von einer Serie mit dem Titel erwartet: mit einem Mord. Im Gotham City Aquarium werden zwei Leichen gefunden, die bis aufs Haar Thomas und Martha Wayne ähneln – inklusive der Einschusswunden und Kleidung. Kurz darauf wird Leslie Thompkins von einem Monster angegriffen. Batman kann es zwar abwehren, aber das Monster setzt Leslie einem Joker-Gas aus. Dann wird auch noch Alfred von einem falschen Zorro angegriffen …

Batman von Doug Mahnke in Detective Comics #994

Batman von Doug Mahnke in Detective Comics #994 (DC Comics)

Batman wird klar, dass die Angriffe von jemandem stammen müssen, der sein Geheimnis kennt. Also sucht er jeden auf, der dafür infrage käme: Henri Ducard, Sensei Kirigi, Thaddeus Brown (dem ersten Mr. Miracle), Hugo Strange und Etrigan. Zwischendrin taucht das Monster wieder auf, das diesmal die Gesichter von Batmans Rogues Gallery trägt. Und spätestens hier wird die Story verdächtig. Und tatsächlich: Hier geht es um nichts anderes, als um Mythologie. Zu Deutsch: Batman betreibt mal wieder Nabelschau.

ACHTUNG: SPOILER!!!

Wenn Peter Tomasi auch noch Etrigan einführt, ohne wirklich zu motivieren, und am Ende auflöst, es habe sich bloß um eine Simulation gehandelt, der sich Batman jedes Jahr zu seinem Geburtstag aussetzt, um seine Leistung zu steigern, dann fällt die ganze Geschichte in sich zusammen.

Immer wenn es heißt, es sei alles nur Vorstellung, ein Traum/Albtraum oder ein Trugbild, verliert die Story an Brisanz, denn in so einem Konstrukt kann alles passieren, ohne dass es ernsthafte Folgen hat – und das wirkt beliebig. Und so werden wir mit dem Tod von Leslie Thompkins und dem Angriff auf Alfred getäuscht. So etwas haben wir in letzter Zeit zu oft lesen müssen: ob in Kings of Fear oder in Tom Kings Knightmares. Hier verliert sich die Detektivgeschichte in einer Parade von All-Stars und Kämpfen.

detective comics 999

Cover zu Detective Comics #999 (DC Comics)

Bei aller Kritik muss man dem Kreativteam zugestehen, dass das alles immerhin kurzweilig und spannend inszeniert ist, sei es der Angriff auf Leslie oder die Befreiungsaktion unter Wasser. Doug Mahnke zeichnet die Stippvisiten bei alten Bekannten herrlich detailliert und spektakulär, jede Seite ist eine farbenprächtige Augenweide voller kraftstrotzender Muskeln und ausdrucksstrarker Gesichter. Auch die Hellbat-Rüstung ist immer wieder ein Hingucker.

Dennoch: Es bleibt noch viel Luft nach oben, es wirkt wie ein weiterer Lückenbüßer bis endlich das große Ding kommt. Verbuchen wir es als Aufwärmübung für Arkham Knight – und hoffen wir, dass es noch besser wird. Und mit besser meine ich eine Geschichte, die endlich auch emotionalen Eindruck hinterlässt, ohne dass Batman nur über sich selbst nachdenkt.

(Nach einigem Hin- und Her hat sich DC dazu entschieden, doch nur eine Storyline zu bündeln, dafür aber als Hardcover – die Kraut- und Rübensammlung im Comicregal ist um eine Ausnahme reicher.)

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Alle werden Man-Bat

Detective Comics #19 (DC Comics)

Detective Comics #19 (DC Comics)

Anfangs war es nur einer, dann gab es zwei davon, schließlich eine ganze Familie: Vater, Mutter und zwei Kinder – alle Langstroms waren mehr oder weniger Man-Bats. Doch dann gibt es plötzlich einen ganzen Schwarm, der über eine Kunstausstellung herfällt und den britischen Premier entführt. Und mittendrin: Talia al Ghul. Sie hat die League of Assassins von ihrem Vater übernommen, Francine Langstrom entführt und Kirk erpresst, ihr sein Were-Bat-Serum zu geben. Damit macht sie ihre Bande zu schwertschwingenden Monstern. Und wozu? Um Bruce Wayne seinem Sohn, Damian Wayne vorzustellen – dem späteren Robin IV, nachzulesen in Batman and Son.

Das ist nur der Auftakt zu einem Trend: Fünf Jahre später, nach dem großen DC-Reboot The New 52, grassiert plötzlich eine Art Man-Bat-Virus in Gotham, der jeden infizieren kann (The 900, Detective Comics #19). Sogar der Killer Zsasz mutiert zum Monster. Verantwortlich ist der Kirk Langstrom, aber es handelt sich um ein Versehen: Der Genetiker hat eigentlich nur hörgeschädigte Kinder heilen wollen, indem er sie mit einem Echolot versorgt (auch wenn das mehr den Blinden nutzen würde), aber das Mittel, das er dafür entwickelte, ließ bereits die ersten Patienten zu Fledermausmonstern werden. Und durch ein kompliziertes Um-die-Ecke-denken macht Kirk alles wieder rückgängig, indem er sich selbst infinziert.

Verwandelt in Man-Bat fliegt Kirk davon. Daraufhin folgt ihm Francine nach, indem sie selbst (wie schon in früheren Comics) das Serum schluckt. Die beiden verwandeln sich von selbst wieder zurück, aber Kirk wird süchtig nach dem Zeug – und er greift anscheinend Menschen an. Kirk schüttet das Mittel weg, aber es ist zu spät. Er verwandelt sich auch ohne Drogen. Da verdächtigt ihn die Polizei wegen achtfachen Mordes. Francine deckt ihn mit Alibis. Doch Kirk findet heraus: Sie selbst ist für die Morde verantwortlich, denn sie hat sich mit einer Vampirfledermaus gekreuzt.

Francine ist auch sonst nicht, was sie scheint. Sie ist eine Spionin namens Felicity Lee, die sich im Auftrag ihres Arbeitgebers, Caldwell Industries, mit Kirk eingelassen hat, um mit seinen Erkenntnissen biologische Waffen zu erschaffen: fliegende Supersoldaten. (Wirklich Sinn ergibt das nicht, denn da Caldwell die Forschung finanziert, wäre es ein Leichtes, auch so an die Ergebnisse heranzukommen: Man hätte einfach fragen können.) Um das Serum zu testen, hat sie die Menschen von Gotham als Versuchskaninchen missbraucht. Als Kirk sie konfrontiert, kommt es zum Kampf. Francine erbarmt sich seiner, tötet ihn nicht und macht sich als She-Bat davon. (Die Story ist verstreut über mehrere Detective-Ausgaben, nachzulesen in Detective Comics Vol. 4: The Wrath.)

Während der Forever Evil-Krise (Descent, Detective Comics #23.4, 2014) macht Francine als She-Bat die Stadt unsicher und schnappt sich Kinder vom Spielplatz als Beute. Kirk hält sie auf, indem er wieder zum Man-Bat-Serum greift. Aber um sie besiegen zu können, hat er ihre beiden Formeln kombiniert. Das hat den Nebeneffekt, dass er als Man-Bat immer brutaler und animalischer wird. Als Batman verschwunden ist, räumt er in Gotham auf, indem er Verbrecher abschlachtet. Zwischendurch putscht er sich mit immer stärkeren Versionen des Serums auf, bis er selbst am Ende Kinder raubt …

In Detective Comics #26 (Vol. 5: Gothtopia) kommt es schließlich zum vorläufigen Showdown. Nachdem es zu weiteren Todesfällen kommt, bei denen mutierte Fledermäuse wie Piranhas Menschen abnagen, brechen Batman und Kirk Langstrom auf, um Francine alias She-Bat aufzuhalten. Doch sie hat sich weiterentwickelt, nennt sich nun Bat-Queen und herrscht über ein Volk von Killer-Fledermäusen.

Kirk verwandelt sich in Man-Bat und kämpft gegen sie, sie beißt ihn. Und weil Batman Kirk vorher mit einem Gegenmittel behandelt hat, verwandelt sich Bat-Queen zurück in Francine. Beide landen in Arkham Asylum, wobei Francine dann wieder Fledermausgestalt annimmt …

In Batman: The Dark Knight #28-29 wird noch ein unnötiges Nachspiel gebracht: Langstroms böser Vater Abraham verschafft sich das Serum, verbessert es, wird zu einer Art Super-Man-Bat, metzelt ein paar Leute hin. Wir erfahren von einer schwierigen Vater-Sohn-Beziehung, die erneut belastet wird. Abraham hält seinen Sohn für einen Versager. Der Sohn hat es aber zumindest geschafft, Arkham zu verlassen – jedenfalls ist davon nicht mehr die Rede.

Da Batman es nicht schafft, dem neuen Man-Bat das Gegenserum zu verabreichen, verpasst er es sich selbst und lässt sich von dem neuen Monster aussaugen. – Es störte bei DC offenbar niemanden, dass Batman bereits denselben Trick mit Kirk anwendete, um Francine zuzrückzuverwandeln. Aber Francine ist hier kein Thema mehr. Mit dieser Einfallslosigkeit endet vorläufig die Geschichte von Man-Bat.

>> Liste der Man-Bat-Comics

Von Batman zu Man-Bat (Teil 3)

Titel: Beware the Eyes of Baron Tyme/Fugitive from Blind Justice/Peal of the Devil-Bell/Scream of the Gargoyle

Autor/Zeichner: Gerry Conway, Martin Pasko/Steve Ditko, Pablo Marcos

Erschienen: 1976 (Man-Bat #1-2, Detective Comics #458-459)


Im Jahr 1976 bekam Man-Bat sogar eine eigene Serie. Sie hielt allerdings nur zwei Ausgaben durch. Immerhin wurde die Geschichte später in zwei Ausgaben von Detective Comics zu Ende erzählt.

Zunächst wird Francine Langstrom wieder rückfällig, weil sie von einem Schurken namens Baron Tyme manipuliert wird, um für ihn Morde zu erledigen. Dieser bunt gekleidete Typ residiert in einem Schloss und spielt mit schwarzer Magie, um Macht anzuhäufen. Außerdem hat er ein paar fiese Illusionstricks drauf.

Als Batman auf Francines She-Bat-Eskapaden aufmerksam wird, will er zunächst Man-Bat ausschalten, doch nach einiger Erklärung heilen sie Francine und Man-Bat zieht alleine los, um den bösen Baron zu besiegen. Ihm ist es wichtig, sich von Batman zu emanzipieren: Er will nicht mehr auf dessen Hilfe angewiesen sein.

Im zweiten Heft kriegt es Man-Bat mit dem Ten-Eyed-Man zu tun, einem Attentäter, der seine Augen in den Fingerspitzen trägt (was erhebliche Nachteile hat, wenn er seine Hände benutzt). Er bekommt den Auftrag, Man-Bat zu töten, weil jemand ein persönliches Problem mit Vigilanten und anderen Monstern hat.

Während Langstroms Freunde eine Party für ihn feiern, muss er als Man-Bat den Attentäter zur Strecke bringen. Und dann wird es albern. Der Schurke hält sich bei einer Explosion die Hände vor seine blinden Augen – und wird dadurch erst recht blind. Orientierungslos fällt er vom Hochhaus. Man-Bat macht sich keine große Mühe, hinterherzuspringen, um ihn zu retten.

Kurz darauf (in Detective Comics #458) wird Francine wieder kontrolliert von einem Schurken, verwandelt sich wieder in She-Bat und folgt dem Ruf einer Glocke zu einer alten Kirche. Ein Dämon in Menschengestalt lockt sie und Man-Bat her, um sie zu steinernen Gargoyles zu machen. Wieder hat alles eine magische Vorgeschichte rund um Flüche usw., die allerdings den Leser nicht zu bezaubern vermag.

Wieder muss Man-Bat seine Frau retten (Detective Comics #459). Wieder bleibt sie bei all dem das passive Opfer. Ihre Superkräfte gelten als Fluch, weil sie immer wieder von bösen Mächten missbraucht werden. Kirks Kräfte hingegen dienen heldenhaften Zwecken. Die Geschichte über die beiden erschöpft sich in Wiederholung, da es an interessanten neuen Ideen fehlt. Das ist zwar schade, aber am Ende vielleicht doch das geringere Übel, dass dieses Konzept eingestellt wurde.

In den Jahren 1977 und 1978 tauchte Man-Bat allerdings regelmäßig in der Serie Batman Family auf (ab Ausgabe #11), ein Konzept, das eine Zeit lang auch in Detective Comics fortgesetzt wurde.

>> Liste der Man-Bat-Comics

Von Batman zu Man-Bat (Teil 1)

Titel: Challenge of the Man-Bat/Man or Bat/Marriage Impossible

Autor/Zeichner: Frank Robbins/Neal Adams

Erschienen: 1970-1971 (Detective Comics #400, 402, 407), Paperback 2004/2019 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 2/Batman by Neal Adams: Book Two), 2017 (Batman Arkham: Man-Bat)


Wenn man bedenkt, dass Schurken meist das Gegenteil des Helden darstellen, dann verwundert es, dass die Batman-Autoren erst nach 31 Jahren auf die naheliegendste aller Ideen kamen: einen echten Fledermausmann. Zur Jubiläumsausgabe von Detective Comics #400 bekam Batman es mit Man-Bat zu tun – einer Variation des Jekyll & Hyde-Themas, des Werwolf-Mythos und auch Dracula spielt hier hinein.

Die Geschichte handelt von Kirk Langstrom, einem Zoologen, der eine Ausstellung zu nachaktiven Tieren im Museum vorbereitet. Dazu erschafft er überlebensgroße Modelle von Fledermäusen. Und er tut es anscheinend ganz allein. Nebenbei findet er trotzdem die Zeit für Privatforschung. Denn Langstrom ist ein Batman-Fan, der seinem Vorbild nacheifern will, indem er es übertrifft. Also injiziert er sich ein Serum, das er aus Fledermäusen gewonnen hat.

Eigentlich will er nur besser hören und im Dunkeln sehen, aber dann stellt er fest, dass auch sein Körper sich verändert: Langstrom bekommt Riesenohren, Fell und schließlich auch Flügel. Als Man-Bat hilft er anfangs noch Batman, der desen Aussehen für eine Maske hält. Dann will Langstrom den Mutationsprozess stoppen, aber sobald die Verwandlung komplett ist, wehrt sich sein neues Ich gegen jeden Eingriff. Aus Langstrom ist die Bestie Man-Bat geworden. Und was tun Monster wie diese? Sie schnappen sich eine Schönheit, die sie auf ihre Seite ziehen wollen – und zwar durch Nötigung.

In dem Fall ist das Francine, Langstroms Verlobte. Im dritten Teil zwingt er sie vor den Traualtar. Batman will das verhindern, ohne dass klar wird, warum. Der Mann, der sich anzieht wie eine Fledermaus, hat wohl etwas gegen Mischwesen und -ehen. Vielleicht auch, weil dieser Man-Bat zufällig seine Batcave entdeckt hat.

Francine hingegen ist anfangs noch gewillt, sich an den neuen Anblick ihres Geliebten zu gewöhnen, doch das reicht Man-Bat nicht. Er will, dass sie ihn genauso toll findet, wie er ist. Also macht er auch sie zum Fledermausmenschen.

Batman will Langstrom jedenfalls lieber von seiner Bürde „heilen“, auch wenn Langstrom sie nicht als Bürde ansieht. Erst als Batman ihm das Gegenmittel in die Blutbahn jagt und aus Man-Bat wieder Langstrom wird, sieht es Langstrom so wie Batman: „I was inhuman!“

>> Liste der Man-Bat-Comics

Batman und sein Wingman

Batman 65 1951

DC Comics

Titel: A Partner For Batman!

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1951 (Batman #65), Paperback 2009 (The Black Casebook)


Bei einem Einsatz bricht sich Robin das Bein. Für sechs Wochen kann er nicht mehr das Verbrechen bekämpfen. Doch Commissioner Gordon weiß Rat: Zusammen mit Batman castet er einen Stellvertreter aus Europa: Wingman heißt die rot-gelb kostümierte Gestalt. Ein Typ mit Flügeln und ohne Eigenschaften.

Robin sorgt sich, dass dieser Wingman ihn dauerhaft ersetzen könnte. Danach sieht es zunächst nicht aus, denn während seiner Ausbildung mit Batman erweist er sich Robin gegenüber als unterlegen. Doch als es dann gegen das Verbrechen geht, zeigt Wingman sein Talent – und schon ist die Rede davon, dass Robin überflüssig sein könnte.

Am Ende stellt sich alles nur als großes Missverständnis heraus. Eines, das Batman sogar selbst befördert hat, indem er mit Wingman die Kostüme getauscht hat. Davon hat sich selbst Robin täuschen lassen. Moral: Hätte er mal lieber Batman vertraut! Wer Wingman wirklich ist, bleibt allerdings offen. Ist auch egal. Am Ende diente das ganze Abenteuer nur dazu, dass sich Robin seiner Freundschaft zu Batman versichert.

>> Batman 1950-1959

Batman wird Starman

Titel: The Man Who Ended Batman’s Career

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1957 (Detective Comics #247), Paperback 2009 (The Black Casebook)


Über dem Polizeihauptquartier leuchtet ein neues Zeichen am Nachthimmel: ein Stern statt einer Fledermaus! Kurz darauf kommt ein sternförmiges Flugzeug hergeflogen und es springen Robin und Starman heraus, um ein paar Gauner dingfest zu machen. Starman trägt ein gelb-rotes Kostüm und wirft Star-Darts. Aber wer ist das? Jedenfalls nicht der Starman aus dem Golden Age (Ted Knight). Und was ist mit Batman?

Der hat seine Karriere aufgegeben. Der böse Wissenschaftler Professor Milo hat Batman mit einer künstlichen Angst vor Fledermäusen infiziert, um ihn auszuschalten. Seitdem fürchtet sich Bruce Wayne vor allem, was die Form von Fledermäusen hat. Er traut sich nicht mal, ins Batmobil zu steigen und kann keine Batarangs mehr werfen. Einmal erschreckt ihn ein Gauner mit einer echten Fledermaus so sehr, dass er vom Dach fällt und von Robin gerettet werden muss.

Also wird Batman kurzerhand zu Starman. Offenbar ist es weniger ein Problem, in kürzester Zeit einen fliegenden Stern zu bauen, als sich von der Krankheit heilen zu lassen. Doch da früher oder später auffliegen wird, dass Starman bloß Batman ist, fesselt Robin Bruce an einem Stuhl und zeigt ihm anhand seiner Taten als Batman, dass er nichts zu befürchten habe – die Fledermaus hilft ihm sogar.

So geheilt täuscht Bruce als Starman die Gauner, die einen fliegenden Bat-Ballon auf ihn losschicken und auch Professor Milo kann mit dem Fledermaus-Symbol nichts mehr gegen ihn ausrichten. Als er es ihm hinhält, schlägt der Held die Faust hindurch und ihm ins Gesicht. Batman hat die Fledermaus wieder. Bemerkenswert ist, dass die Fledermaus ursprünglich die Schurken das Fürchten lehren sollte, hier aber gegen Batman gewendet wird.

>> Batman 1950-1959

Batman verliert sich selbst

Detective_Comics_190

DC Comics

Titel: How to Be the Batman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1952 (Detective Comics #190)


Batman und Robin werden zu einem seltsamen Fall gerufen: Ein Unternehmen wurde ausgeraubt und der Wachmann kann sich an nichts mehr erinnern – nicht mal mehr daran, wer er ist. Dahinter steckt Dr. Sampson, ein Psychologe auf Abwegen, der ein Amnesie-Gas entwickelt hat. Als er wieder zuschlägt, verliert Batman sein Gedächtnis. Daraufhin muss Robin ihm alles wieder mühsam beibringen.

Zuerst erklärt er ihm Batmobil, Batplane und Bathöhle, aber das sagt ihm alles nichts mehr. Die Erinnerung kehrt auch nicht zurück, als Robin ihm erzählt, was ihn zu Batman gemacht hat. Die Geschichte hat den Nebeneffekt, dass auch neue Leser eingeführt werden. Aber nebenbei wird diese umgeschrieben: Statt dass der Räuber beide von Bruce Waynes Eltern umbringt, feuert er hier nur noch eine Kugel ab, die den Vater trifft – und Martha stirbt daraufhin, weil sie ein schwaches Herz hat. Damit erscheint die Tragödie weniger grausam, denn bisher hat der Mörder Martha mit dem Schuss zum Schweigen bringen wollen.

Wieder sehen wir Bruce Wayne seinen Eid leisten, diesmal am Grab seiner Eltern, wieder sehen wir ihn im Labor heranreifen, wieder sehen wir ihn den jungen Dick Grayson trösten. Aber es nützt alles nichts: Robin muss Batman wieder lehren, was es heißt, Batman zu sein. Der Held stellt sich daraufhin im Einsatz tollpatschig an, selbst Gordon verliert das Vertrauen in ihn.

Dann entdeckt Batman, dass er bereits vor seiner Amnesie ein Gegenmittel entwickelt hat, doch als er es ausprobiert, scheint es nicht zu wirken. Beim nächsten Einsatz gegen den Schurken wird Batman gefangen genommen. Er bietet dem Gauner, der ihn bewacht, seinen Gürtel als Belohnung, wenn er ihn gehen lässt. Hier wird es dann albern: Obwohl der Gauner ihn nicht gehen lassen will, löst er ihm die Fesseln, damit Batman ihm den Gürtel geben kann. Das Resultat kann man sich denken. Batman ist wieder der Alte – denn die Wirkung des Gegenmittels hat erst spät eingesetzt.

>> Batman 1950-1959

Batman 1940: Detective Comics #38 – Robin

detective comics 38 robin

DC Comics

Titel: Introducing Robin, the Boy-Wonder

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #38), Paperback 2005/2016 (Batman Chronicles Vol. 1/Batman: The Golden Age Vol. 1)


Detective Comics #38 stellt einen Wendepunkt dar: Batman kämpft nicht mehr allein – und er lächelt. Am Ende von Batmans wildem Jahr, in dem er sich erst entwickelte, tritt an seine Seite eine bunte Erscheinung, die im völligen Kontrast zu ihm steht und ihn für 30 Jahre (und auch darüber hinaus) begleiten wird: Es ist der erste Auftritt von Robin, dem Wunderknaben.

Dick Graysons Eltern sterben

Dick Graysons Eltern sterben.

Seine Geschichte ist im Grunde eine neue Version von Batmans Entstehungsgeschichte: Der Zirkusjunge Dick Grayson sieht seine Eltern bei einer Trapeznummer sterben, nachdem ein Gangster die Seite sabotiert hat. Zirkusdirektor Haley hat sich geweigert, Schutzgeld an die Bande von Boss Zucco zu zahlen. Wieder sieht man ein Kind, das beide Eltern auf einmal verliert.

Batman trifft Dick Grayson

Batman trifft Dick Grayson.

Während Dick zur Polizei will, um den Mord zu melden, taucht Batman auf und hält ihn davon ab, denn in der Stadt herrscht Boss Zucco und Dick wäre innerhalb einer Stunde selbst tot. Der Polizei ist also nicht zu trauen, sie ist machtlos und dient nicht dem Gesetz. Es herrscht das Recht des Stärkeren. Kaum sind seine Eltern tot, wird der Junge erneut mit der harten Realität konfrontiert – ein weiterer Schritt in Richtung Erwachsenwerden.

Batman schwört Dick ein.

Batman schwört Dick ein.

Batman weiht den Jungen ein, einmal selbst in einer solchen Situation gewesen zu sein. Und nachdem Dick erklärt hat, keine Angst zu haben, wiederholt er schließlich Batmans Schwur, das Verbrechen (und die Korruption) zu bekämpfen. Wieder geschieht es bei Kerzenschein, wieder sehen wir einen Helden beim Training, allerdings geht es nur um die körperliche Fitness: Dick lernt Boxen und Jiu Jitsu, Bruce gibt zu, dass er selbst von Dick einiges lernen könnte. Entscheidend ist, dass Dick anders als damals Bruce dabei nicht allein ist.

Dick Grayson wird zu Robin

Dick Grayson wird zu Robin ausgebildet.

Am Ende steht der Junge im Gegensatz zu Batman in einem bunten Kostüm da: rot, gelb und grün. Er ist keine Fledermaus, sondern orientiert sich an einem Vogel, dem Rotkehlchen. Wie es zu dieser Kostümwahl kam, wird nicht erklärt. Obwohl Robin Batman bei seinen nächtlichen Streifzügen unterstützen soll, trägt er Farben, die nicht gerade hilfreich dabei sind, in der Dunkelheit zu verschwinden. Robin ist keine Kreatur der Nacht, er soll den Verbrechern keine Angst einjagen.

Mit dem Namen, den er von Robin Hood entlehnt hat, ist auch angedeutet, dass er sich an die Opfer richtet: Robin Hood nimmt von den Reichen, um es den Armen zu geben. Aber Robin ist keine Figur, der es um Umverteilung des Reichtums geht, sonst müsste er sich zuerst bei Bruce Wayne bedienen, sondern schlicht um Gerechtigkeit. Um Ausgleich. In dieser Geschichte ist es Batman, der von den Reichen stiehlt. Er mischt Zuccos Spielcasino auf, wirft Spieltische um und die Spieler holen sich so ihre Verluste wieder. Robin ermittelt zunächst undercover als Zeitungsjunge.

Zucco ist ein Schurke mit Charakter: Ein dicker, grobschlächtiger Boss mit Zigarre und der Macke, jeden Satz mit „see!“ beenden zu müssen. Batman macht seine Geschäfte zunichte, schickt ihm zum Gruß eine Fledermaus und lockt ihn auf eine Baustelle. Zwischen Stahlträgern kommt es zum Showdown. Robin wird spielend und lachend mit den Gangstern fertig. Er wirft einen um, den anderen knockt er mit einer Steinschleuder aus – wie David einst Goliath, der Kleine ist den Großen plötzlich überlegen, sie fallen um wie die Fliegen. Selbst als Robin einmal ausrutscht, schafft er es, sich schnell wieder aufzurappeln und einen Ganoven in die Tiefe zu stürzen. Dass zumindest dieser eine Mensch bei der Aktion sterben müsste, wird nicht problematisiert. Zwar hat Batman dem Töten abgeschworen, aber ganz sauber läuft es auch hier nicht, nur dass man keine Leichen sieht.

Robin kommt nicht dazu, sich bei Zucco selbst zu revanchieren. Es ist Batman, der ihn überwältigt, ebenso wie den Handlanger, der die Graysons auf dem Gewissen hat. Der Schurke unterschreibt ein Geständnis, Zucco rächt sich, indem er ihn hinunter schubst. Statt den anderen zu retten, macht Robin nur ein Foto von dem Mord, um einen Beweis gegen Zucco zu haben – und damit übt er eine doppelte indirekte Vergeltung für den Mord an seinen Eltern. Zucco, so verheißt ihm Batman, erwartet der elektrische Stuhl.

Am Ende fragt Bruce Dick, ob er wieder in den Zirkus zurückkehren wolle, jetzt, da seine Eltern gerächt seien. Nein, sagt er, er wolle weiter das Verbrechen bekämpfen – seine Eltern hätten es so gewollt. Bruce hat nichts dagegen. Und Dick kann das nächste Abenteuer kaum erwarten. Von Adoption ist noch nicht die Rede. Und auch nicht von Gefahr, Verantwortung und Aufsichtspflicht.

Als Figur ergibt Robin auf den ersten Blick keinen Sinn. Doch Robin ist – ähnlich wie Superman – ein buntes Pendant zu Batman. Und als solcher ergänzt er ihn nicht nur, sondern wandelt ihn auch vom grimmigen Rächer zu einem Menschen, der lachen kann. Bereits auf dem Cover sieht man Batman strahlen, auf der ersten Seite wird das Bild wiederholt. Robin bringt Batman das Lachen bei. Das Kind bringt ihm ein Stück verlorene Kindheit wieder. Obwohl beide das gleiche Unglück teilen, ist Robin dank Batman der Optimist. Er ist nicht allein, Bruce Wayne nimmt ihn auf und unterstützt ihn, er gibt ihm einen neuen Sinn im Leben, bewahrt ihn sogar vor größerem Unglück. An Dick Grayson kann Bruce all das wiedergutmachen, was er selbst nicht hatte.

Robin ist eine Identifikationsfigur für junge Leser. Dank ihm wird Batman menschlicher und zugänglicher, er hat, wie Bill Finger einst erklärt hat, jemanden zum reden. Danach wendet Batman nur noch einmal tödliche Gewalt an (in Batman #1), allerdings kämpft er darin allein, weil die Story noch ein Überbleibsel aus der Zeit vor Robin ist. Aus erwachsener Sicht bleibt Robin ein fragwürdiges Konzept. Dass ein Vigilant, der sich nachts in Lebensgefahr begibt, um auf eigene Faust das Verbrechen zu bekämpfen, ein Kind auf seinen Kreuzzug mitnimmt, ist höchst unverantwortlich. Bruce Wayne macht sich der Kindesgefährdung schuldig. Dass selbst die Polizei das akzeptiert und die beiden sich als Dynamisches Duo etablieren, ist wohl der unglaubwürdigste Aspekt.

Aber Superheldencomics gehorchen einer eigenen Logik. Und so bleibt Dick Grayson für 30 Jahre Batmans treuer Begleiter, auch im Verbund mit Superman und anderen Helden. 1983 wird Jason Todd als Nachfolger eingeführt (1987 noch einmal in einer neuen Version), und 1988 trifft die schlimmste Befürchtung ein: Der Joker tötet Robin. Batman ist am Boden zerstört. Trotzdem lässt Nachfolger Tim Drake nicht lange auf sich warten. Und als auch der sich von ihm emanzipiert hat und Jason Todd als Red Hood von den Toten auferstanden ist, wird Bruce Waynes eigener Sohn Damian zum vierten Robin, nur um ebenfalls (wenn auch nur temporär) zu sterben. Doch auch dieser Vorfall kann nichts daran ändern, dass Batman immer wieder auch mit einem Robin und anderen minderjährigen Helfern zusammenarbeitet.

>> Batman 1939-1949
>> Liste der Robin-Comics

Der Schurke der Sternzeichen

Zodiac Master

DC Comics

Titel: The Zodiac Master

Autor/Zeichner: Dave Wood/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1964 (Detective Comics #323)


Es gibt fantasiereiche Batman-Storys, es gibt verrückte und es gibt total bescheuerte. Die Grenze dazwischen ist oft dünn, ein schmaler Grat. Aber eine Story über Astrologie kann eigentlich nur in die Hose gehen. 1964 war ohnehin keine Sternstunde der Batman-Comics, die Qualität erreichte den Tiefpunkt.

Der Zodiac Master ist ein Schurke in einem hellblauen Anzug, der mit lauter astrologischen Symbolen verziert ist. Bei Bedarf kann er sie aber werfen und dann werden sie zu tödlichen Waffen: Ein Pfeil und ein Steinbock werden zu Raketen, ein Skorpion wirft Netze, ein Krebs wird zu einem fliegenden Roboter. Der Autor hat sich vom Polka-Dot Man inspirieren lassen, macht sich aber nicht mal den Ansatz einer Mühe, zu erklären, wie das funktionieren soll.

Die Story tut nicht viel zur Sache: Der Zodiac Master prophezeit ein Schiffsunglück – und es trifft ein. Dann ein Flugzeugunglück – und es stellt sich heraus, dass es beinahe eingetreten wäre. Daraufhin verkauft er seine Vorhersagen an Verbrecher, die aufgrund ihrer Horoskope auf Raubzüge gehen. Natürlich ist er nur ein Betrüger. (Und offenbar ein genialer Erfinder, sodass man sich wieder einmal fragen kann, warum er nicht einfach damit reich werden will.)

Batman spürt undercover den Schurken in seinem Geheimversteck auf und erwischt ihn schließlich mit Robin bei einem Museumsraub. Warum begeht er selbst einen Diebstahl, wenn er sein Geld sicherer mit Horoskopen verdient? Das muss uns bei dieser Story nicht wirklich interessieren …

>> Batman 1960-1969