Detective Comics

Tim Drake gegen sich selbst

DC Comics

Titel: A Lonely Place of Living

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Eddy Barrows, Alvaro Martinez

Erschienen: 2017 (Detective Comics #963-968), Paperback 2018 (Detective Comics Vol. 5)


Red Robin (Tim Drake) ist scheinbar tot. Aber wir wissen es besser: Er ist nur gefangen an einem mysteriösen Ort. Sein Entführer stellt sich heraus als ein alter Bekannter aus Supermans Vergangenheit. Tim befreit sich aus dem Gefängnis, aber nicht von der Frage, warum er hier ist. Er bekommt bloß kryptische Antworten, damit es für die Leser länger spannend bleibt. Und noch bevor man sich fragen kann, was das alles soll, taucht plötzlich Batman auf. Ein Batman, der sich als der Tim Drake der Zukunft herausstellt. Und dieser geht mit Schusswaffen über Leichen: Er will Batwoman töten, um eine schlimme Entwicklung aufzuhalten. Der junge Tim Drake kämpft gegen sein älteres Gegenstück.

Und wieder sind sie alle dabei: Alle ehemaligen und amtierenden Robins (Nightwing, Red Hood, Damian Wayne), die Frauen Batwoman und Orphan sowie drei Außenseiter Batwing, Azrael und Clayface. Heillos überladen mit Figuren für eine dünne und auch schnell abgefertigte Handlung. Später gibt es noch ein kurzes Nachspiel mit Spoiler, Bluebird und Anarky. Letzterer will eine neue Gesellschaft in Gothams Untergrund aufbauen. Gleichzeitig dreht Clayface durch – er war doch keine besonders gute Wahl für die Batman-Familie.

A Lonely Place of Living ist eine Hommage an A Lonely Place of Dying, die Storyline, in der Tim Drake als Robin eingeführt wurde. Damals ging es um Batmans Nachfolger nach dem Tod von Jason Todd, jetzt kehrt einfach Tim selbst von den Toten zurück. Zugleich stellt die Story – wie auch die zuvor und wie es überhaupt seit drei Jahrzehnten Mode ist – Batman und seine Methoden infrage. Batman wird immer wieder zum Auslaufmodell erklärt und gleichzeitig doch immer wieder neu in den Comics etabliert. Warum eigentlich? Wegen der Tradition. Batman legitimiert sich aus sich selbst heraus, aus seiner 80-jährigen Geschichte, den Traditionen und seinem Status in der Popkultur. Daher stützen sich viele moderne Batman-Comics immer wieder auf ältere Comics. Batman steckt, wie andere Superhelden auch, im Leerlauf einer Retroschleife.

Aber es gibt ja auch die visuelle Komponente: Die Zeichnungen sind grandios, Eddy Barrows gehört zu den besten Batman-Zeichnern der Gegenwart. Das hält bei Laune wie die billigen Tricks, zu denen etwa ein Gastauftritt von Doomsday gehört. Die Story unterhält auf einem durchschnittlichen Niveau, wie immer wird zu viel geschwätzt. Aber dieser Band unterhält dennoch etwas besser als die letzten drei. Und langsam fügen sich die bisher erschienen Teile der Detective-Serie zu einem größeren Plot zusammen, der in den nächsten Ausgaben (hoffentlich) aufgelöst wird. Eins ist klar: Die Batman-Familie wird zerfallen. Ich freue mich schon drauf. Dann ist auch Zeit für einen Autorenwechsel.

Bisher erschienen:

 

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Wie Black Mask in die Welt kam

Titel: Black Mask: Losing Face/The False Face Society of Gotham/Ebon Masquery

Autor/Zeichner: Doug Moench/Tom Mandrake, Klaus Janson

Erschienen: 1985 (Batman #386, Detective Comics #553, Batman #387)


„Know that the mask destroys one identity while creating another. Know that the mask recreates its wearer.“ (Black Mask)

Batman ist auch eine Geschichte über Identitäten, über Gesichter und Masken. Batmans wahre Identität ist zwar Bruce Wayne, aber nur an der Oberfläche. In Wahrheit ist Wayne nur eine Maske, während die Batman-Maske sein wahres Gesicht ist. Und dennoch bedeckt seine Maske nur das halbe Gesicht, seine Mundpartie bleibt (meist) frei. Wir haben es also nur mit einer halben Maske zu tun. Batman ist eben nur zur Hälfte Fledermaus. Und damit ist er so gespalten wie Two-Face – und nicht mehr als ein Zerrbild wie Joker oder Clayface.

1985 kam ein neuer Schurke auf, der diese Masken-Thematik neu aufgriff: Black Mask (Roman Sionis). Erzählt wird seine Geschichte ganz altmodisch, nämlich von Anfang an, wie etwa bei Scarecrow. Es beginnt damit, dass Roman Sionis gleich nach der Geburt fallengelassen wird. Nur ein Versehen macht den Tag der Geburt gleich zum einem fatalen Datum, das sein restliches Leben bestimmt. Denn Roman wird ein Kind, das nie Gefühle zeigt, sondern bloß falsche Gesichter aufsetzt, um so zu tun als ob.

Dabei hat Roman sonst alles, was er braucht, denn seinen Eltern gehört der Kosmetikhersteller Janus. Als Erwachsener verliebt er sich in das Model Circe und stellt es ein, doch als seine Eltern gegen die Verbindung sind, ermordet er sie durch Brandstiftung. Er übernimmt das Unternehmen und richtet es mit iditotischen Entscheidungen zugrunde. Nachdem es wegen eines gesichtsschädigenden Make-ups vielfach verklagt wird, übernimmt Wayne Enterprises Janus.

Der verbitterte Roman Sionis schnitzt sich in der Familiengruft eine schwarze Maske aus dem Ebenholz-Sarg seines Vaters, macht ein paar Gauner zu seiner maskentragenden False Face Society und geht auf Rachefeldzug. Seine ehemaligen Vorstandskollegen werden mit Masken getötet, die mit dem zerstörerischen Make-up bestrichen sind, dann müssen auch die amtierenden Vorstandsmitglieder dran glauben. Black Mask entstellt Circe. Schließlich soll auch Bruce Wayne sterben – Sionis kannte ihn schon als Kind.

Batman lockt ihn in eine Falle, indem er ihn als Bruce Wayne zu einem Maskenball einlädt. Am Ende, nachdem Roman seine Kuscheltiere abfackelt, brennt sich die Maske in sein Gesicht – und Black Mask ist fürs Leben entstellt.

Black Mask hat eine Ideologie: die Maske dient als Mittel zur Reinkarnation. Sie zerstört die alte Identität und erschafft eine neue. Autor Doug Moench lässt sich viel Zeit, um seine Motivation zu erklären, eine ganze Ausgabe lang wird die tragische Vorgeschichte ausgebreitet. Aber wie so oft übertreibt er maßlos, wenn der junge Roman zum Beispiel inspiriert wird von einem Waschbär – weil der scheinbar eine Maske trägt. Dieses Waschbär-Motiv zieht sich durch die ganze Geschichte und wird damit überzogen, weil es schon am Anfang zu bemüht wirkt.

Bei aller Liebe zur Exposition – die Story erschöpft sich leider darin. Es folgt eine Reihe von Grausamkeiten, aber Empathie verspürt man bei diesem Rachefeldzug nicht für den Schurken. Denn er rächt sich für etwas, das er selbst zu verantworten hat. Roman Sionis ist ein unsympathischer Irrer, der sich bloß von seinen emotionalen Kurzschlüssen leiten lässt und das macht sein Verhalten schwer nachvollziehbar. Sein Ende kommt abrupt, denn er ist nicht einmal ein besonders gewiefter Gegner für Batman. Interessanter wird Black Mask erst später: im Vorspiel zu Knightfall, in War Games und Under the (Red) Hood.

Kill Your Darlings

DC Comics

Titel: Deus Ex Machina

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Alvaro Martinez, Raul Fernandez

Erschienen: 2016 (Detective Comics #957-962), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 4)


Nachdem Batwoman, Spoiler und Orphan ihre Storylines hatten, bekommt nun Azrael seinen großen Auftritt. (Für alle, die es nicht wissen: Azrael ist das Alter Ego von Jean-Paul Valley, der nach Knightfall der neue Batman geworden ist. In Batman & Robin Eternal hat er eine neue Backstory bekommen.) Ihm fällt sein Mentor Namoz vor die Füße, der von einem Roboter-Killer namens Ascalon angegriffen wurde. Der Orden von St. Dumas hat damit seine Racheengel ersetzt und macht Jagd auf die eigenen Leute. Azrael ist der Nächste.

Seine alte Konditionierung ergreift Besitz von ihm, Azrael wird in seinem Anzug wieder böse. Da kommt Zatanna (der einzige Deus ex machina in dieser Story), bringt ihn wieder zur Vernunft, er bekommt einen neuen Anzug, der wie sein alter aus Knightfall aussieht. Ascalon startet zum Angriff zusammen mit einer Armee von bösen Batwings (dank Lucas Fox‘ fahrlässiger Bastelei) und dann hat die Bat-Familie alle Hände voll zu tun.

Klingt nach viel Action? Ist es aber nicht. Denn in der ersten Hälfte passiert fast nichts – außer Dialog. Bruce Wayne sucht Zatanna auf, wir verlieren uns in Rückblenden und Sprechblasen. Das ist nicht nur ein Problem des Autors James Tynion IV, der seine Figuren zu viel reden und erklären lässt. Auch andere Autoren wie Scott Snyder und Tom King ergötzen sich an ihren Monologen, Tiraden und Suaden. Das kann mitunter so ermüdend sein wie zu lange Kampfsequenzen – vor allem, wenn nichts Substanzielles gesagt wird.

Was ist aus der guten alten Schreibertugend von „kill your darlings“ geworden? Dann würde es wahrscheinlich auch solche 08/15-Comics wie diese nicht geben, die sich so furchtbar wichtig nehmen, ohne etwas von Belang zu sagen oder etwas Spannendes zu erzählen.

Detective Comics bleibt damit eine durchschnittliche Serie für alle, die sich für die Seifenoper der Batman-Familie interessieren. Und für alle, die die abtrünnige Spoiler vermisst haben: Sie bekommt am Ende noch einmal ein ganzes Kapitel gewidmet. Sie hat die Schnauze voll von Superhelden und versucht etwas Neues. Eine gute Idee …

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Two-Face und die Maske des Pharao

Titel: Free Faces/Binary Brains/Double Crosses/About Faces

Autor/Zeichner: Doug Moench/Tom Mandrake, Gene Colan

Erschienen: 1986 (Detective Comics #563-564, Batman #397-398), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two-Face)


„Fate has cursed me with duality — and I decided long ago that it is my ugly evil side which dominates! Similarly, Batman’s fate-given destiny is to oppose evil and ugliness.“ (Two-Face)

Harvey Dent hat in Arkham ein neues Hobby: Bildhauerei. Am liebsten Form er Batman-Büsten, die er zur Vollendung gerne halbseitig entstellt. Mittels dieses neu entwickelten Talents bricht Two-Face aus, stiehlt zwei identische Supercomputer und lässt sich ausrechnen, wo er als nächstes zuschlagen soll. Ein Münzwurf entscheidet. Seine Ziele tragen stets ein „two“ oder „double“ oder „twin“ im Namen. Aber braucht es wirklich einen Computer, um herauszufinden, dass Gotham eine Twin Towers Bank hat? Eigentlich ist Two-Face dank seines immer gleichen (wenn auch nicht bewährten) Modus Operandi der alte Gauner geblieben – und damit auch berechenbar. So spannend der Charakter wegen seiner Spaltung ist, so langweilig ist er auch in seinem Handeln. Einen großen Plan hat Two-Face nicht.

Batman hingegen schon. Er holt sich Hilfe von Circe, einer Maskierten, deren Gesicht von Black Mask entstellt worden ist. Zusammen versuchen sie, Harvey Dent in eine Falle zu locken. Ihm wird die Aussicht auf eine wundersame Heilung durch Magie aus dem Alten Ägypten verheißen. Doch als sich Two-Face die Totenmaske eines Pharao aufsetzt und Circe ihn zu hypnotisieren versucht, geht die Sache nach hinten los …

Harvey Dent erscheint mit einem wieder heilen Gesicht, doch dann reißt er sich das Make-up herunter und es offenbart sich ein total entstelltes – er hat sich eine doppelte Maske geformt. (Wozu der Aufwand?) 

Two-Face hat sich für das Böse entschieden. Er kann, so sagt er, seine Münze so oft werfen, bis er ein Resultat bekommt, das ihm gefällt. Das ist eine neue Entwicklung: Harvey ist nicht mehr Sklave seiner Münze. Seine böse Seite herrscht über ihn.

Armer Harvey!

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Bewährungsprobe für Two-Face

Titel: Half A Hero …/Is Better Than None!

Autor/Zeichner: Gerry Conway/Don Newton

Erschienen: 1982 (Batman #346/Detective Comics #513), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two Face)


„–there are two sides to every story!“

Weil Two-Face keine Bewährung bekommt, bricht er aus dem Knast aus. Er schafft das, indem er die Wärter mit seinem Münzwurf hypnotisiert. Wie er den Rest mit den Gittern, Schlössern und Mauern geschafft hat, bleibt ein Rätsel. Aber halten wir uns nicht an Details auf: Er nistet sich in einem Halfway House ein, einem sogenannten Übergangshaus für Ex-Knackis auf dem Weg zur Besserung. Aber der tragische Harvey pflegt dort bloß seine alten, schlechten Angewohnheiten: Er teilt das Haus in eine luxuriöse, saubere sowie eine schäbige Seite und beheimatet dort zwei Gangs, von denen eine sauber und eine schäbig herumläuft.

Batman hat zunächst keine Ahnung, wo er suchen soll, aber dank einer zündenden Idee, kommt er doch darauf, sich das Übergangshaus anzusehen – was anscheinend niemandem sonst eingefallen ist. (Wo sind die alten Bewohner hin? Wo die Angestellten? Was ist eigentlich los mit dem Justizvollzug in Gotham? Noch so ein ungelöstes Rätsel…) Für Batman wird das Haus zur Todesfalle. Er wird mit einem Gas bewusstlos gemacht und eingesperrt und auch fast abgeknallt, aber jedes Mal, wenn Harvey ihn erschießen will, fällt seine Münze auf die unversehrte Seite.

Als das Glück ihn verlässt, entkommt der machtlose Held durch einen Trick: Er formt sich aus einem Stück Plastik eine Gesichtshälfte, mit der er Two-Face in gewisser Weise den Spiegel vorhält. Two-Face wird an sein eigenes Trauma erinnert, bekommt Mitleid, öffnet die Tür – und wird zum Dank ausgeknockt. Wieder reicht nur ein Hieb. Ins Gesicht. Immer auf die Schwachstelle … Armer Harvey!

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Das Two-Face-Trauma

DC Comics

Titel: The Double Crimes of Two-Face

Autor/Zeichner: Don Cameron/Dick Sprang

Erschienen: 1952 (Detective Comics #187), Paperback 2008 (Batman vs. Two-Face)


„… for the sake of realism!“

Merke: Wenn man ein schweres Trauma erlebt und dabei eine Gesichtshälfte verloren hat, danach zu einem wahnsinnigen Verbrecher geworden ist, aber dank plastischer Chirurgie wieder ein normales Leben lebt, dann sollte man besser nicht dafür sorgen, dass alte Wunden wieder aufreißen. Zum Beispiel, indem man an einer öffentlichen Aufführung teilnimmt, bei der man sich wieder zu einem entstellten und irren Kriminellen machen lässt.

In diese Verlegenheit kommt Harvey Dent. Batman und Robin zeigen ihre Trophäen in einer Ausstellung, darunter auch die Utensilien, die an Two-Face erinnern. Dent maskiert sich für eine kleine Aufführung vor Publikum als Two-Face – obwohl er dabei ein ungutes Gefühl hat. Warum also tut er sich das an? Es wirkt schon fast zwanghaft. Aber niemand scheint darin ein Problem zu sehen.

Kaum hat der maskierte Two-Face seine Münze geworfen und sieht ihre zerkratzte Seite, wird er wieder rückfällig und haut ab. Bald darauf verübt er die üblichen Schandtaten: Zunächst raubt er ein Doppeldeckerbus-Unternehmen aus, dann einen Optiker. Dabei setzt er einen neuen Trick ein: Ein Gas, mit dem er Batman und Robin doppelt sehen lässt. Two-Face erscheint ihnen zweimal, so dass sie nicht wissen, wen sie verfolgen sollen.

Verfolgungsjagd mal anders.

Es wird noch absurder: Two-Face haut in einer zweirädrigen Karre ab, mit der er bergab rollt, das Dynamische Duo verfolgt ihn auf eine Tandem, Two-Face versteckt sich auf einem Dampfer, auf dem ein Zwillingstreffen stattfindet, tarnt sich mit einer Maske und tut so, als hätte er einen Zwillingsbruder, indem er einen kopfförmigen Luftballon schweben lässt. Batman lässt sich davon so leicht für dumm verkaufen, dass es ihm selbst peinlich ist.

Der beste Detektiv der Welt kann ein Gesicht nicht von einem Luftballon unterscheiden.

Kann man das noch steigern? Man kann: Bei der Verfolgung werden Batman und Robin im Theater von Two-Face zwischen zwei große Schaumkissen geklemmt. Bevor er sie tötet, wirft er fairerweise eine Münze, es geht wieder gut für die beiden aus. Statt sie sich selbst zu überlassen überreicht Two-Face ihnen ein Schwert, mit dem sie sich befreien können. Bei der Flucht stürzt er jedoch unglücklich und wird bewusstlos. Und haut dann doch wieder ab, weil alles nur gespielt war.

Kreative Schurkenfalle.

Der Showdown dieser atemlosen Hetzjagd ist der bisher spektakulärste in der Geschichte des Schurken: Batman und Two-Face liefern sich ein Duell auf einer riesigen Turmuhr. Beide fallen beinahe in den Tod und die Entscheidung fällt um genau zwei Uhr …

Am Ende stellt sich heraus: Two-Face war nicht Harvey Dent, es war George Blake, der Theater-Manager, der Versicherungsbetrug begehen und Dent reinreiten wollte. Armer Harvey, wieder Glück gehabt. Zum letzten Mal …

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Das Mädchen, das ein Schatten war

DC Comics

Titel: League of Shadows

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Marcio Takara, Christian Duce

Erschienen: 2017 (Detective Comics #950-956), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 3)


„The course of history is not guided in the light. It is guided in the shadows.“ (Ra’s al Ghul)

„There’s so much that still doesn’t make any sense.“ (Batman)

Einst galten sie als ein Mythos, den Ra’s al Ghul in die Welt gesetzt hat, jetzt treten sie in Erscheinung: die League of Shadows. Shiva (auch bekannt als Lady Shiva), früher beste Auftragskillerin bei der League of Assassins, führt die Bande an, um Gotham City zu vernichten. Der Grund: Weil Ra’s al Ghul die Stadt im Hintergrund beherrscht. (Was sind dagegen schon zehn Millionen Menschenleben?)Die Bande stiftet zunächst Chaos in Gotham, indem sie Bürgermeister Hady ermordet und Batman die Schuld dafür in die Schuhe schiebt, dann lässt sie Joker-Gas frei. Schließlich soll die Stadt mit einer Atombombe in die Luft gejagt werden.

Die Batman-Familie hat viel zu tun. Batwing und Azrael bekommen jeweils ein Schwert ab, später auch Batwoman. Batman wird von Ra’s in der Bathöhle ausgetrickst und an Shiva ausgeliefert. Jetzt kann nur noch Cassandra Cain alias Orphan helfen, Shiva aufzuhalten. Es kommt zum Kampf Tochter gegen Mutter. Und es fließt sehr viel Blut.

Cassandra steht im Mittelpunkt der Story. Wir erfahren, dass sie gerne tanzen würde und deshalb eine Baletttänzerin stalkt, und dass sie zwar zur Killerin ausgebildet wurde, aber nicht mehr töten will. Deshalb schafft sie es, 1000 Schattenligisten blutig zu prügeln und mit dem Schwert zu malträtieren, ohne dass einer dabei drauf geht. Mein Problem dabei ist: Wenn ich eine Batman-Story lese, will ich eine Story über Batman lesen, nicht über einen Nebencharakter. Aber Batman bekommt man hier nur wenig.

Detective Comics ist seit dem Neustart von DC Rebirth eben eine Serie über ein Bat-Team und jedes Mal liegt der Schwerpunkt auf einem anderen Charakter: Batwoman, Spoiler oder jetzt eben Orphan. Das Problem ist, dass es die Nebenfiguren hier eigentlich nicht braucht, außer als Kanonenfutter. Sie stehen syptomatisch für eine einfallslose Handlung nach altem Muster, ohne sich zumindest die Mühe zu machen, die Motivation der Schurkin plausibel zu gestalten. Mag sein, dass sich das ein oder andere aufklären wird, wenn noch der große Krieg kommt, den Batman vorausahnt, aber ehrlich gesagt: Ich will’s gar nicht wissen.

Was bisher geschah:

Neues Gotham, alte Probleme

DC Comics

Titel: New Gotham (frühere Ausgabe: Evolution)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Shawn Martinbrough (u.a.)

Erschienen: 2000 (Detective Comics #742-753), Paperback 2001 (Evolution, bis Detective Comics #750), Neuausgabe 2017 (New Gotham)


„Gotham is still Batman’s city.“

Das No Man’s Land ist überstanden, Gotham wird wiederaufgebaut. Aber auch das Verbrechen kehrt wieder zurück. Fünf Organisationen kämpfen um die Vorherrschaft in Gothams Unterwelt. Da mischt sich Ra’s al Ghul ein, indem er zwei Profikiller losschickt, die den Kampf zu einem Krieg eskalieren lassen. Sein Ziel: eine neue Droge auf den Markt zu bringen, die den Menschen ewige Jugend verspricht, aber den Nebeneffekt hat, sie in halbe Tiere zu verwandeln. Batman verfolgt Ra’s bis nach Europa und trifft dabei auf Talia …

Doch diese Geschichte macht nur den kleinsten Teil der Handlung aus. Anders als andere Batman-Storylines dreht sich nicht alles um das Prinzip Held gegen Schurke. Den roten Faden bildet der Wiederaufbau und wie die Menschen mit den Folgen der zerstörten und abgeschotteten Stadt zurechtkommen. Viele haben alles verloren und sind weggegangen, andere sind geblieben – jetzt bilden die Dagebliebenen und Zurückgekehrten verfeindete Lager. Commissioner James Gordon trauert um seine Frau Sarah, die der Joker erschossen hat (siehe Niemandsland). Wir sehen, wie Detective Montoya ihren Geburtstag feiert. Bruce Wayne bekommt einen Bodyguard: Sascha Bordeaux, die in der Storyline Murderer/Fugitive eine Rolle spielen wird. Und zum Schluss wird gezeigt, wie Poison Ivy aus ihrem Revier im Robinson Park geholt wird, aber das ist ziemlich fade.

New Gotham (das zuerst als Evolution als Paperback erschienen ist) erzählt nichts von Substanz und ist erst recht kein Meisterwerk, aber es wäre wesentlich lesbarer, wenn die Zeichnungen besser wären. Zwar versucht man hier mit einer reduzierten Farbpalette etwas Neues (meistens gibt es nur ein bis zwei Farben neben Schwarz und Weiß), aber die Figuren von Shawn Martinbrough wirken so unbeholfen und leblos, das es keinen Spaß macht, mit dem Blick auf den Seiten zu verharren. Einzig die Cover von Dave Johnson bilden Oasen in dieser großen grafischen Wüste.

Die neue Paperback-Ausgabe dieser Comics schließt eine Lücke in der Sammlung. Aber wer wissen will, wie es nach dem No Man’s Land in Gotham weitergeht, sollte lieber gleich die nächsten Storylines wie Officer Down und Murderer/Fugitive lesen.

Eiskalte Rache (zweiter Versuch)

DC Comics

Titel: Cold Cuts

Autor/Zeichner: Jeff O’Hare/Roderick Delgado

Erschienen: 1988 (Detective Comics #595), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


Nachdem Mr. Freeze’s genialer Racheplan an Gotham nicht geklappt hat, kommt jetzt die Rache an Batman. Das geschieht jedoch ziemlich zufällig. Zufall eins: Eine Laserkanone wird geschaffen, mit der man präzise durch alles schneiden kann. Zufall zwei: Mister Freeze büchst aus dem Knast aus. Da er aus Arkam dortin verlegt wurde, um sich wieder besser in die Gesellschaft eingliedern zu können, die aber keine Kältezelle einrichten konnten, wird er im Kühlraum der Küche aufbewahrt. Trotzdem steckt er aber in seinem Kühlanzug. Das soll verstehen wer will. Jedenfalls nutzt er eine Lebensmittellieferung aus, um abzuhauen.

Er bricht im Laser-Labor ein, Batman folgt ihm, Freeze nimmt ihn gefangen und fängt an, ihn mit dem Laser zu zerhacken. Wie es sich für sadistische Schurken gehört, die ihre Rache eiskalt auskosten wollen, fängt er erstmal klein an: mit einem Spitzohr, dann mit dem Gürtel. Zufall drei: ein Batarang fällt heraus. Zufall vier: Batman fängt ihn und wirft ihn aus dem Handgelenk so, dass (Zufall fünf) ein großer Eiszapfen getroffen wird, dieser herunterfällt (Zufall sechs) und dann auch noch irgendeine wichtige Leitung trifft, die einen Kurzschluss verursacht (Zufall sieben). Alles explodiert, Freeze’s Helm geht (wieder) zu Bruch, Batman rettet ihn mit der Eiskanone vor den Flammen.

Dumm gelaufen, aber das Glück ist eben auf Batmans Seite. Und Mister Freeze bleibt einfach ein Versager.

>> Liste der Mister Freeze-Comics

Aus Mister Zero wird Mister Freeze

DC Comics

Titel: Mr. Freeze’s Chilling Deathtrap!

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Chic Stone

Erschienen: 1968 (Detective Comics #373), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


„Mr. Freeze! That sounds like a campy name dreamed up for a villain in a television program!“ (Robin)

Bruce Waynes Tante, aunt Harriet, wird ins Krankenhaus eingeliefert. Nur eine Notoperation kann sie retten, bei der Kryochirurgie angewandt wird, also eine Technik bei der starke Kälte angewandt wird. Doch mitten in der OP fällt das Gerät aus. Wie der Zufall es will, hat just an diesem Tag Mister Zero sein Comeback. Er nennt sich jetzt Mister Freeze und erweist sich als wahrer Kunstliebhaber, denn er raubt ein Gemälde, das ein Winter Wonderland zeigt – und zwar nur, weil es ihm gefällt. Wie er die Aktion finanziert und warum er wieder seinen Kälteanzug trägt, obwohl er zuletzt dank einer Dampfkur von seinem Leiden geheilt war, das bleibt ein Rätsel.

Jedenfalls lassen Bruce und Dick die geliebte Tante schweren Herzens im Krankenhaus zurück, um sich um Freeze zu kümmern und ihm für die OP seine Eiskanone zu klauen. Und obwohl das alles sehr sporadisch passiert, sind sie bestens vorbereitet: Gegen Eisglätte streuen sie sich schnell Sand vor die Füße, gegen die Kälte tragen sie beheizte Anzüge. Und kaum haben sie dem Schurken die Eiskanone abgenommen, ist Robin auch schon verschwunden. „Run for aunt Harriet’s life!“, ruft Batman selbstvergessen Robin zu, ungeachtet der Preisgabe seiner Geheimidentität.

Doch zum Glück hören die Schurken nicht hin, als sie sich auf ihn stürzen. Batman wird (schon wieder) in einem Eisklotz gefangen genommen. Um ihn diesmal wirklich zu beseitigen, schleppen Freeze’s Handlanger den Klotz auf das Dach eines Wolkenkratzers und der Schurke stößt ihn in die Tiefe. (Umständlicher geht es wirklich nicht.) Innerhalb von Sekunden kann sich der Entfesselungskünstler mittels einer hanebüchenen Methode befreien und eiskalt mit Freeze abrechnen …

Verzeiht diesen miesen Kalauer. Das muss dem Einfluss der Lektüre geschuldet sein, denn die Sprechblasen sind voll davon: „What a chill!“, „real cool action“, „N-ice work, Robin!“,  „I hate cold feet“, „you give me the chills“, „be prepared for chills and fever“ usw. Bei dieser Vorlage muss man sich über die platten Gags im Film Batman & Robin (1997) nicht wundern – sie stehen in einer langen Batman-Tradition.

>> Liste der Mister Freeze-Comics