Detective Comics

Wie Tim Drake zu Robin wurde

DC Comics

Titel: Robin Vol. 1: Reborn

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Alan Grant/Norm Breyfogle, Tom Lyle

Erschienen: 1990 (Detective Comics #618-621, Batman #455-457, Robin #1-5), Paperback 2015


„I’m not sure I have what it takes. I’m not street tough.“ (Tim Drake)

Tim Drake hat bereits in A Lonely Place of Dying (genauer: Batman #442, 1989) das Robin-Kostüm getragen. Allerdings noch ohne Batmans Segen. Bis es offiziell wird, muss er noch ein Jahr warten. Wie es dazu kommt, davon erzählt die erste Hälfte des ersten Robin-Paperbacks Reborn.

Damit Robin komplett ist, braucht er aber nicht nur Training und ein Kostüm, sondern auch Drama, um nicht zu sagen: eine Tragödie. Die tritt ein, als der Voodoo-Priester Obeah Man seine Eltern nach Haiti entführen lässt. Obwohl Batman die Mühe nicht scheut, der Spur in die Karibik zu folgen, kann er nicht verhindern, dass [ACHTUNG: SPOILER!!!] ein Elternteil stirbt und der andere im Rollstuhl landet. Allerdings passiert diese Tragödie völlig unnötig und beiläufig, als das Schlimmste schon vorbei zu sein scheint …

Parallel dazu beweist sich Tim Drake erneut als Computer-Crack, indem er Anarky ausfindig macht und im Zweikampf besiegt. Doch zu Robin wird er erst, als kurz vor Weihnachten beliebige Menschen in Gotham Totenkopfmasken anziehen und Amok laufen. Dahinter steckt Scarecrow. Batman begibt sich in eine Todesfalle und Robin muss sich über Batmans Befehl hinwegsetzen, ihm nicht zu folgen. Das ist das eigentliche Initiationsritual. Batman erteilt Robin Hausarrest und Robin rettet ihm den Hintern, weil er ungehorsam ist. Eine alte Tradition.

Es sind typische Batman-Geschichten im Stil der Zeit. Solide erzählt und gezeichnet, mit ausreichend Platz (bzw. Zeit) für den Ausbau der Figurenkonflikte. Sie erfüllen ihren Zweck, aber sind nichts Besonderes, was im Gedächtnis bleibt. Das Beste ist daran, dass sie Robins Erscheinung bis zuletzt aufspart, das hält die Spannung aufrecht. Tim verdient sich seine Sporen ohne das Kostüm – und das macht ihn erst würdig, das Erbe als Robin III anzutreten.

Im zweiten Teil des Paperbacks ist die erste Robin-Mini-Serie enthalten. Tim Drake fliegt nach Paris, um sich von einem alten Meister in Kampfkunst ausbilden zu lassen. Doch schon nach drei Wochen wird er abgelenkt durch einen Vorfall: Über eine junge Frau gerät er an eine Straßengang, er wird zu Robin und entdeckt, dass dahinter ein Schurke namens Sir Edmund Dorrance steckt, der Hong Kong mit der Pest verseuchen will. Robins Ausbildung geht von Training direkt zum Praxistest des Ernstfalls über.

Robin verbündet sich mit Shiva und einem ehemaligen DEA-Agenten, die beide Rache an Dorrance nehmen wollen. Es beginnt eine Verfolgungsjagd um die halbe Welt, zwischendurch bekommt Robin in kleinen Trainingseinheiten von seinen Kollegen den Hintern versohlt. Robin wählt im Laufe der Reise Steinschleuder und Stab als seine Waffen und schwört explizit dem Töten ab.

Immer wieder beweist Tim jedoch, dass er vor allem genug Grips hat, um den Job zu erfüllen. Mit pfiffigen Tricks schafft er es, seine Gegner zu besiegen, während andere scheitern. Seine Ausbildung dauert zwar nur kurz, aber dafür sehen wir Tim beim Reifen zu. Er will sich beweisen, sich für würdig erweisen, aber immer wieder plagen ihn Selbstzweifel. Nur mit der Trauer scheint er es nicht so zu haben. Der Tod seiner Mutter scheint relativ schnell verkraftet zu sein. Vielleicht liegt es ja an der Robin-Therapie – die war schon immer gut dafür, über tragische Ereignisse hinwegzukommen.

Auch dieser zweite Teil macht den Band nicht wirklich zu einem Muss, vieles läuft nach Schema F, aber das immerhin kurzweilig. Wer sich für die Figur interessiert, macht hier nichts verkehrt, denn auch die durchgehend klaren Zeichnungen von Tom Lyle dürften niemanden verschrecken.

>> Liste der Robin-Comics

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Immer die passende Garderobe

DC Comics

Titel: The Strange Costumes of Batman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1950 (Detective Comics #165)


Batman ist nicht Superman – er hat keine Superkräfte. Und trotzdem kann er alles. Seine Superkraft ist, reich zu sein, also über die Mittel zu verfügen, seine menschliche Unzulänglichkeit zu kompensieren. Also hat er nicht nur allerlei Gerätschaften und Zubehör, sondern auch einen passenden Anzug. Doch eigentlich nicht nur einen, sondern viele verschiedene Anzüge – für jeden Anlass einen.

Ein weißes Kostüm, um im Schnee unsichtbar zu werden, ein goldfarbenes, ein zusammenfaltbares aus Zellophan, einen Weltraumanzug und einen, der im Dunkeln leuchtet (um einen besonders abergläubigen Schurken zu ängstigen, das Gegenteil vom ursprünglichen Gedanken, sich wie eine Fledermaus zu kleiden, aber mit dem selben Zweck).

Diese Story ist all den Anzügen gewidmet – und es kommen noch mehr zum Einsatz. Eine Räuberbande um Dr. Robert Darcy beschäftigt das Dynamische Duo. Dabei erweist sich zunächst der feuerfeste Standard-Anzug als nützlich, dann der Wingsuit und ein Taucheranzug (ein ähnlicher kam schon mal gegen Two-Face vor). Batman zeigt dabei auch seine besondere Fähigkeit, immer den passenden Anzug für den jeweiligen Anlass zu tragen – ein bemerkenswerter Instinkt. Der verlässt ihn leider, als er in den Kofferraum der Gangster steigt. Die entdecken seine Spuren und schießen ein paar Löcher ins Heck des Wagens. Batman überlebt schwerverletzt, schuss-sicher war der Anzug wohl nicht …

Da der Held sich ausruhen muss, steigt Robin in den mysteriösesten aller Batsuits, den absoluten Notfallplan: einen Anzug, der ihn wie Batman aussehen lässt. Überzeugt sind die Diebe nicht: Sie halten ihn für Fake. Am Ende kann der falsche Batman ihnen mit einem Laster genug Angst einjagen, dass sie sich ergeben. Warum aber sind die Gauner misstrauisch geworden? Vielleicht weil auf dem Anzug statt einer Fledermaus ein schwarzer Vogel mit roter Brust zu sehen ist? An der Tarnung muss Batman noch arbeiten …

Aber diese Kostüm-Story ist nur die erste von vielen. In den nächsten Wochen werde ich einige der kuriosesten Outfits vorstellen, die Batman in den 50ern und 60ern getragen hat. Manche davon sind auch keine Anzüge, sondern ganz neue Batman-Inkarnationen.

>> Batman in den 50ern

Eingeholt von der Zeit: Batmans allererster Einsatz

Titel: Batman’s First Case

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1959 (Detective Comics #265)


„Easy Robin — I’ve killed time before — but I’m not going to let time kill me!“

Im Gotham City Park wird eine neue Uhr eingeweiht, getragen von einer Batman-Statue in Übergröße. Doch kaum ist das Tuch gelüftet, ist auf dem Ziffernblatt eine Drohung zu lesen: Um 3 Uhr soll Batman zerstört werden. Kurz darauf zerbricht die Statue und der Übeltäter offenbart sich: The Clock – ein alter Bekannter.

The Clock zerstört Batmans Uhrenstatue

Batman erinnert sich an seinen allerersten Fall: Als er sich gerade das Kostüm angezogen hatte, verfolgte er einen Dieb namens Kyle, ließ sich zweimal von ihm übertölpeln, bevor er ihn in einem Glaswerk mit einem Spiegel austrickste und zur Strecke brachte. Nun holt Batman die Vergangenheit ein, denn Kyle will sich als The Clock an ihm rächen. „Because Batman made me do time in prison!“

Die Verfolgung beginnt thematisch passend in einer Uhren-Manufaktur. Dort erweist sich The Clock als besonders perfide: Weil er weiß, dass Uhrwerke empfindlich auf Säure reagieren, bewirft er sie mit – Orangenschalen. Und dann klaut dieser Unmensch noch einen Sack voll Schrauben, bevor er abhaut. Auf Profit kommt es ihm offenbar nicht wirklich an.

Als Indiz lässt er seine Armbanduhr zurück. Batman untersucht das Ding unterm Mikroskop, entdeckt Mehlspuren und Robin zieht den richtigen Schluss, dass der Gauner sich in einer alten Mühle versteckt. (Naheliegender wäre, dass Kyle vorher Kuchen gebacken hat, aber sei’s drum. Es gehört nun mal dazu, dass irgendwelche Spuren von irgendwas immer eindeutig zum Geheimversteck des Schurken führen.)

In der Mühle knockt The Clock Batman und Robin mit Mehlsäcken aus und fesselt sie unter einer Zeitbombe. Sie befreien sich (dank dem gesprungenen Glas einer Uhr) und es kommt zum Showdown auf einem Riesenuhrwerk – ganz im Stil des Zeitgeistes.

Der Uhren-Schurke wird für Batman Anlass zu einer Zeitreise: Denn in dieser Ausgabe wird auf einer Seite erneut Batmans Entstehungsgeschichte nacherzählt. Danach wird Batman als Anfänger dargestellt, der zwar Fehler macht, aber schon die nötigen Fähigkeiten hat, um den gewieften Dieb zu fassen. So eskapistisch das Silver Age scheint, geschichtsvergessen ist es nicht, denn gerade in den 50ern erfahren wir immer mehr über Batmans Vergangenheit (z.B. dass sein Vater, Thomas Wayne, der erste Batman war und Bruce als Robin anfing).

Ein ähnlicher Schurke, der Clock King, taucht auch in der Batman ’66-Serie auf (S02E11-12), unter dem gleichen Namen gibt es auch einen in Batman: The Animated Series (S01E25), allerdings sind das ganz andere Geschichten, die ich bei anderer Gelegenheit erzählen will.

>> Batman in den 50ern

Die gute Seele von Crime Alley: Leslie Thompkins

DC Comics

Titel: There Is No Hope in Crime Alley

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Dick Giordano

Erschienen: 1976 (Detective Comics #457)


Am Jahrestag der Ermordung seiner Eltern dreht Batman seine Runden auf der Straße Park Row, besser bekannt als Crime Alley. Einst eine florierende Gegend für Wohlhanbende, ist es jetzt ein Ghetto. Batman, der die Runde jedes Jahr macht, räumt ein bisschen auf: Zuerst hindert er zwei Diebe, ein Autoradio zu stehlen, dann fragt er sie nach einer gewissen Leslie Thompkins.

Eine Messerattacke später, die Batman abwehrt, findet er die Frau, als die alte Dame von zwei Straßenräubern ihre Handtasche abgenommen kriegen soll. Thompkins lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie hat Geld für arme Kinder aus der Nachbarschaft gesammelt, damit sie eine Chance auf ein besseres Leben bekommen. Die Verbrecher kümmert das wenig. Batman geht dazwischen. Als einer ihm eine Pistole vorhält, kommen Batmans böse Erinnerungen hoch und er prügelt dem Kerl fast die Seele aus dem Leib.

Leslie Thompkins

Wir erfahren: Leslie Thompkins war damals die Frau, die den jungen Bruce nach dem Tod seiner Eltern getröstet hat. Sie sagt Batman, dass dieses Ereignis für sie der Antrieb ist, solche Tragödien zu verhindern. Sie will, dass Batman eines Tages überflüssig wird. Batman lobt sie als Hoffnung von Crime Alley und bedankt sich mit einem Kuss auf die Stirn. Bald darauf staunt Alfred über einen Batman, der im Schlaf lächelt. Ein seltener Anblick.

Batman und Thompkins

Über Leslie Thompkins erfährt man bei ihrem ersten Auftritt noch nicht viel. Sie ist noch nicht die aufopferungsvolle Ärztin. Später stellt sich heraus, dass sie Thomas Wayne gekannt hat. Erst in Batman Special #1 (1984) erfährt sie, dass Batman Bruce Wayne ist (obwohl man diesen Schluss schon bei ihrem ersten Treffen ziehen kann).

Batman & Leslie

In Batman: The Animated Series taucht sie erstmals in der Episode Appointment in Crime Alley (S01E26) auf. Die Story (verfasst von Gerry Conway) lehnt sich zwar an ihrem ersten Comic-Auftritt an, aber läuft deutlich dramatischer und persönlicher ab. Leslie Thompkins weiß um Batmans Geheimnis, er hat jedes Jahr um 20 Uhr eine Verabredung mit ihr, um der ermordeten Eltern zu gedenken.

Batman & Roland Daggett

Doch an einem Abend kommt einiges dazwischen: Roland Daggett, Inbegriff des bösen Kapitalisten, will die Häuser der Park Row illegal sprengen, damit er dort ein Einkaufszentrum errichten kann. Dazu vertreibt er die Bewohner aus ihren Häusern. Als Thompkins Zeugin wird, wird sie in einem der mit Sprengstoff gespickten Gebäude gefesselt.

Schluss mit illegalen Böllern

Batman muss eine Mutter mit Kind vor den Schurken retten, dann eine Geiselnahme beenden, schließlich auch eine außer Kontrolle geratene Straßenbahn mit dem Batmobil aufhalten (ein wahres Highlight). Emotionaler Höhepunkt ist aber das Ende: Nach getaner Arbeit legt Batman zwei rote Rosen an der Stelle hin, an der seine Eltern gestorben sind. Leslie Thompkins tröstet ihn, wie sie ihn schon als Kind getröstet hat.

Mehr zum Thema:

Wie der Vater, so der Sohn

DC Comics

Titel: The First Batman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1956 (Detective Comics #235), Paperback 2009 (The Black Casebook)


„I wanted to take him alive … to stand trial for his crimes … but his own guilt convicted him!“ (Batman)

Warum ist Bruce Wayne zu Batman geworden? Klar: Wegen der Fledermaus, die durchs Fenster flog. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist, dass Bruce Waynes Vater Thomas bereits ein Fledermauskostüm getragen hat. Bei einem Maskenball, der unter dem Motto „Flying Creatures“ stattfand. Dick Grayson findet das Kostüm zufällig, dazu passend einen Film und ein Tagebuch.

Während sich die beiden die Dokumente ansehen, entfaltet sich die Rückblende: Während der Party wird Thomas entführt, um dem Gangster Lew Moxon eine Kugel aus dem Leib zu holen. Weil Wayne befürchtet, danach selbst eine Kugel verpasst zu bekommen, wehrt er sich und als Moxon vor Gericht kommt, sagt Wayne gegen ihn aus. Moxon rächt sich, indem er die Waynes von Joey Chill (!) erschießen lässt. Bruce wird verschont, damit er gegen Chill aussagt und nicht gegen Moxon.

Batman und Robin versuchen, das Unrecht wieder gut zu machen, indem sie Moxon mit dem Vorwurf konfrontieren, aber der stellt sich dumm. Am Ende tritt Batman im Kostüm seines Vaters vor Moxon, der kriegt einen Schreck, gesteht und läuft auf die Straße – und wird von einem Lkw erfasst. Glückliche Fügung für Batman: Er konnte erneut, wie schon bei Joe Chill, seine Eltern rächen, ohne sich die Hände schmutzig zu machen.

Die Geschichte hat fünf Jahrzehnte später Grant Morrison zu seinem Batman R.I.P. inspiriert …

>> Batman in den 50ern

Als Bruce Wayne zu Robin wurde

DC Comics

Titel: When Batman Was Robin

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1955 (Detective Comics #226)


Jeder hat mal klein angefangen. Batman sogar sehr klein: als Robin. Ja, tatsächlich, Bruce Wayne war der erste Robin, lange bevor er Batman wurde. Wir erfahren es zusammen mit Dick Grayson, als Batman ein Paket mit seinem alten Kostüm geschickt bekommt.

Seine Geschichte geht so: Als Kind bewunderte Bruce den Police Detective Harvey Harris, der es mit seinen gelösten Fällen sogar auf die Titelseiten schaffte. Bruce, der damals noch beide Eltern hat, will bei ihm in die Lehre gehen, aber er befürchtet, abgewiesen zu werden. Und weil er davon ausgeht, dass Harris ein verantwortungsvoller Erwachsener ist, der denkt, dass Kinder sich nicht mit Verbrechern anlegen sollten, beschließt Bruce, seine Identität zu verstecken.

Eine Maske hätte zwar gereicht, aber Bruce schneidert sich ein rot-grün-gelbes Kostüm mit einem R auf der Brust. Warum? Das wird leider nicht erklärt. Bruce wird zum Stalker, indem er Harris verfolgt, um ihn zu beeindrucken. Er hilft ihm sogar, einen Verdächtigen zu fassen. Weil Harris ihn für so brillant wie ein Rotkehlchen hält (wer hätte gedacht, dass diese Vögel so schlau sind?), nennt er ihn Robin und nimmt ihn als Schüler auf.

Erste Lektion: absoluter Gehorsam! Jawohl, Sir! Zweite Lektion: keine. Denn Streber-Robin weiß bereits alles aus Kriminologie-Büchern. Selbst Boxen hat er schon gelernt. Also darf Robin seinem Lehrer dabei helfen, Gauner dranzukriegen, die Sammler erpressen, sich versichern zu lassen. Zuerst geht es um Modellschiffe, dann um Uhren und schließlich um historische Fahrzeuge. Robin gibt sein bestes, aber er macht Fehler und am Ende lernt er die dritte Lektion: Er muss noch viel lernen.

Am Ende muss Robin Harris versprechen, erst wieder Verbrechen zu bekämpfen, wenn er voll ausgebildet ist. Robin verspricht es und schickt ihm als Versicherung sein Kostüm. Als Bruce erwachsen ist, bekommt er es per Post zurück – denn Harris hat längst herausgefunden, wer Robin wirklich war. „He was a greater detective than I!“, sagt Batman am Ende.

Was er nicht sagt: Dass Harris auch der bessere Erzieher war. Denn statt dass Bruce Wayne sein Mündel Dick Grayson nachts ausschlafen lässt, damit er fit für die Schule ist, gefährdet er Nacht für Nacht dessen Leben mit gefährlichen Abenteuern, bei denen er regelmäßig fast draufgeht. Diese Vorgeschichte soll zwar den Robin-Mythos erklären, lässt ihn aber noch viel fragwürdiger erscheinen, denn die Moral, die hier den jungen Lesern mitgegeben wird, widerspricht Batmans eigener Praxis.

>> Batman in den 50ern

Der Erste ist nicht immer der Beste

DC Comics

Titel: The Original Batman

Zeichner: Dick Sprang

Erschienen: 1953 (Detective Comics #195)


In Gotham City gibt es ein bestimmtes Gesetz: Es darf nur einen Batman geben. Auch wenn niemand weiß, dass Bruce Wayne Batman ist, und es schwer nachprüfbar ist, wer die Maske trägt, darf niemand sonst als das Original Verbrechen bekämpfen. Doch plötzlich taucht ein zweiter Batman auf, der statt eines Capes zwei steife Flügel hat und das Fledermaus-Symbol nicht auf der Brust, sondern am Gürtel trägt. Dieser ältere Herr namens Hugo Marmon behauptet, der erste Batman zu sein. Denn er hat als Zirkusartist bereits diesen Namen getragen.

Die Geschichte stimmt. Gesetzestreu wie Batman ist, müsste er also aufhören, aber Marmon erlaubt ihm, das Kostüm weiterhin zu tragen. Mehr noch: Er will ihm beweisen, dass das Original besser ist als der Imitator. Zuerst vollführt er einen Hochseilakt ohne Netz zwischen zwei Wolkenkratzern. Doch die Menge ist nicht angetan: Dieser Angeber kann keine Verbrecher bekämpfen!

Also versucht sich Marmon in diesem Gewerbe. Dabei lässt er sich von Gaunern reinlegen. Irgendwelche Typen behaupten einfach nur besorgte Bürger zu sein und Marmon glaubt ihnen jedes Wort. Batman und Robin ahnen Böses, verfolgen den alten Möchtegernhelden und helfen ihm zweimal aus der Patsche, als er durch Ungeschicklichkeit die Bösen entkommen lässt. Da wird Marmon wütend und entzieht Batman seine Lizenz, ein Batman zu sein.

Batman aber weiß sich zu helfen: Er kratzt an dessen Ego. Er wird zum Zirkusartisten, stellt sich dabei ziemlich tollpatschig an, Marmon kriegt das mit und wird sauer. Man tauscht wieder die Rollen: Der Alte geht zurück in den Zirkus, Batman und Robin kümmern sich um die Bösen. Um die Gauner zu täuschen, steigt Batman in das Kostüm des Alten …

Die Geschichte zeigt: Die ersten sind nicht immer die Besten. Thomas Edison erfand nicht die Glühbirne, Google nicht die Suchmaschine und Facebook nicht das Soziale Netzwerk – und trotzdem setzten sie sich durch. So ist es auch mit Batman. Auch er hatte seine historischen Vorläufer: Von Zorro bis hin zu The Shadow. Und auch der erste Batman-Entwurf, als Bob Kane ihm steife Flügel verpasste, war es nicht, der sich durchgesetzt hat. Darum geht es hier zwar nicht explizit, aber indem ein Batman vor dem Batman erfunden wird, wird deutlich, dass er eben kein Original ist – aber auch dass es darauf gar nicht ankommt. Denn der Batman, wie wir ihn kennen, ist vielleicht nicht der Erste, aber einfach der Beste.

>> Batman in den 50ern

Detective Comics: 80 Years of Batman – Das steckt drin

DC Comics

Am 13. März veröffentlicht DC seine Anthologie Detective Comics: 80 Years of Batman – Deluxe Edition. Enthalten sind darin die ersten Auftritte von Batman, Robin, Batwoman, Bat-Mite und Batgirl, sowie der Schurken Two-Face, Riddler, Clayface und Man-Bat. Darüber hinaus werden auch die Auftritte anderer Comic-Helden wie Slam Bradley, Air Wave, Boy Commandos, Martian Manhunter und des Manhunters der 70er, Paul Kirk, abgedruckt.

Von Paul Levitz, Denys Cowan und Bill Sienkiewicz wird es eine neue Geschichte geben, außerdem die Original-Layouts der Batman-Story aus Detective Comics #200, illustriert von Lew Sayre Schwartz. Einzelne Batman-Essays stammen von Cory Doctorow, Neil Gaiman, Glen David Gold, Dennis O’Neil sowie der ehemalige Police Chief von San Diego, Shelley Zimmerman, und Pulp-Historiker Anthony Tollin.

Der Sonderband wird 29,99 US-Dollar kosten.

Leider hat DC nur eine Liste von Zahlen angekündigt hat, aber keine Storytitel. Davon ausgehend, dass die ersten Auftritte von Figuren gesammelt werden, habe ich folgende Liste der Comics erstellt, allerdings bleiben einige Zweifel:

  1. Slam Bradley: „The Streets of Chinatown“ (#1, 1937)
  2. The Crimson Avenger: „Block Buster“ (#20)
  3. Batman: The Case of the Chemical Syndicate (#27, 1939)
  4. Batman and „Robin the Boy Wonder“ (#38, 1940)
  5. Air Wave: „Case of the Missing Evidence“ (#60)
  6. Boy Commandos: „The Commandos Are Coming“ (#64)
  7. Batman: „The Crimes of Two-Face“ (#66)
  8. Batman: „The Riddler“ (#140)
  9. Pow-Wow Smith: „The Origin of Pow-Wow Smith“ (#151)
  10. Roy Raymond: „The Land of Lost Years“ (#153, 1949)
  11. Martian Manhunter: „The Strange Experiment of Dr. Erdel“ (#225, 1955)
  12. Batman: „The Batwoman“ (#233, 1956)
  13. Batman: „… Meets Bat-Mite“ (#267, 1959)
  14. Batman: The Challenge of Clay-Face (#298, 1961)
  15. Batman: „The Mystery of the Menacing Mask!“ oder Elongated Man: „Ten Miles to Nowhere!“? (#327, 1964)
  16. Batman: „The Million Dollar Debut of Batgirl!“ (#359, 1967)
  17. Batman: „Challenge of the Man-Bat!“ (#400, 1970)
  18. Manhunter: „The Himalayan Incident“ (#437, 1973)
  19. „The Coming of the Creeper“ (#443, 1974)
  20. Batman: „There is No Hope in Crime Alley!“ (#457, 1976) [Erster Auftritt: Leslie Thompkins]
  21. Batman: „The Deadshot Ricochet“ (#474, 1977)
  22. Batman: „Night of the Body Snatcher“ oder Bat-Mite: „Bat-Mite’s New York Adventure“? (#482, 1979)
  23. Batman: „To Kill a Legend“ (#500, 1981)
  24. Batman: „The Night of Thanks, But No Thanks!“ (#567, 1986)
  25. Batman: „The Honored Dead“ (#742, 2000)
  26. Detective Comics #27 (The New 52, 2014)

Unsicher bin ich mir bei #327 und #482. Aus #327 wurde die Batman-Story bereits im Jubiläumsband Batman: A Celebration of 75 Years (2014) abgedruckt, allerdings erhielt Elongated Man in der Ausgabe seine erste Back-up-Story. Die Batman-Geschichte aus #482 enthält nichts Besonderes, allerdings wurde die Bat-Mite-Story in dem Paperback The Greatest Batman-Stories Ever Told (1988) nachgedruckt. (Die Ausgabe ist die erste des Redakeurs Paul Levitz.)

Wenn ich mit dieser Liste richtig liege, handeln neun oder zehn von 26 Geschichten nicht von Batman. Das ist zwar kein Problem für eine Detective Comics-Anthologie, die mehr zu bieten hat als Batman, aber dafür führt der Titel „80 Years of Batman“ in die Irre. Außerdem wirkt die Auswahl nach dem Prinzip der ersten Auftritte gegen Ende beliebig: Da taucht plötzlich eine Deadshot-Story auf (die erste, die den Schurken im neuem Look zeigt), die schon in Batman: A Celebration of 75 Years (2014) erschienen ist, Detective #567 gilt als erste in der neuen Continuity nach dem Reboot der Crisis on Infinte Earths, Ausgabe #742 ist die erste nach dem No Man’s Land-Event, aber hat bis auf einen neuen Look nicht viel Historisches zu bieten. Detective Comics #27 von 2014 (erschienen zu Batmans 75-jährigem Jubiläum) ist allerdings ein Highlight – allerdings nur, wenn sie hier auch ganz nachgedruckt wird.

Genauso gut, oder eher noch lieber, hätte man „The Doomsday Book“ (Detective Comics #572, 1987) nachdrucken können, in der Batman auf Sherlock Holmes trifft.

>> Details zu Detective Comics #1000

Batmans erster Trip ins Wunderland

DC Comics

Titel: Tweedledum and Tweedledee

Autor/Zeichner: Don Cameron/Bob Kane

Erschienen: 1943 (Detective Comics #74)


Batman und Alice im Wunderland – das gehört einfach zusammen. Ich kann mir noch nicht erklären, warum. Aber angefangen hat es früh. Und nicht erst mit dem Mad Hatter, sondern mit Tweedledum und Tweedledee.

Die beiden, Dumfree und Deever Tweed, sind Cousins, die sich zum verwechseln ähnlich sehen: Beide sind dick, haben Knollennasen und tragen gern lila Anzüge. Und sie sind erfinderische Gauner. Während der eine Pelze raubt, holt sich der andere Diamanten. Als Batman und Robin über einen Übergrößen-Händler herausfinden, dass es sich nur um die Tweeds handeln kann, tappen sie in eine Falle und werden durch elektromagnetische Strahlung festgehalten.

Die Cousins haben sich umgezogen für einen Wohltätigkeits-Kostümball (es geht um Kriegsanleihen), den sie zu überfallen gedenken. Natürlich sind die verkleidet wie für ihre Rollen bei Alice im Wunderland, ein Komplize trägt ein Märzhasenkostüm, der andere eine Hasenmaske und Zylinder – der erste Mad Hatter. Sie gewinnen mit ihren Kostümen den ersten Preis und wollen noch mehr, da springen Batman und Robin wie Springteufel aus einer riesigen Geschenkpackung und schlagen alle zusammen.

Tweedledum und Tweedledee kehren in Batman #24 (1944) zurück. In diesem Heft lassen sie sich in einer Kleinstadt zum Bürgermeister wählen und üben auch das Amt des Richters aus, sie sperren Batman und Robin ins Gefängnis und betrügen die Gemeinde mit einer falschen Goldmine. Mit Alice im Wunderland hat das Ganze nichts zu tun – es ist eine ganz gewöhnliche, überkonstruierte Gaunerei.

Die beiden Widersacher tauchen erst wieder in den 70ern auf und schließen sich 2008 der Wonderland Gang an, in der auch andere Alice-Figuren wie der Mad Hatter zusammenkommen.

Mehr Batman im Wunderland:

80 Jahre Batman: Neues zu Detective Comics #1000

Detective Comics #1000 Jim Lee Cover (DC Comics)

Detective Comics #1000 Jim Lee Cover (DC Comics)

Am 27. März 2019 ist es soweit: Dann erscheint Detective Comics #1000. Wie DC ankündigt, soll die Jubiläumsausgabe 96 Seiten umfassen und 9,99 US-Dollar kosten. Das Cover stammt von Jim Lee und zeigt die Batman-Familie, die die bekanntesten Schurken in der Bathöhle besiegt hat: Batman hält den Joker im Würgegriff, Robin hockt auf einem liegenden Bane – und leider schwingt sich auch Harley Quinn durch den Hintergrund. Ohne sie scheint es heute nicht mehr zu gehen …

Arkham Knight (DC Comics)

In dem Heft wird eine neue Storyline von Peter J. Tomasi und Doug Mahnke beginnen, in der die Figur des Arkham Knight in das DC-Universum eingeführt werden soll, ein neuer Schurke aus dem Game und der Mini-Serie Arkham Knight: Genesis (2015). In der Rüstung steckt Jason Todd (Robin II). Ob das auch in den Comics der Fall sein wird, ist unklar.

Darüber hinaus soll das Heft zehn Kurzgeschichten folgender Batman-Veteranen enthalten:

  • Kevin Smith & Jim Lee
  • Brian Michael Bendis & Alex Maleev
  • Warren Ellis & Becky Cloonan
  • Paul Dini & Dustin Nguyen
  • Denny O’Neil & Steve Epting
  • Christopher Priest & Neal Adams
  • Geoff Johns & Kelley Jones
  • Tom King, Tony Daniel & Joëlle Jones
  • Scott Snyder & Greg Capullo
  • James Tynion IV & Alvaro Martinez

Die O’Neil-Story soll eine Fortsetzung von „There’s No Hope in Crime Alley“ (Detective Comics #457, 1976) sein, in der die Ärztin Leslie Thompkins ihren ersten Auftritt hatte. Dass Kevin Smith nach Jahren zu Batman zurückkehrt, lässt hoffen, dass er längst angekündigte Trilogie, die mit Cacophony und The Widening Gyre begann, bald endlich abschließt (auch wenn die beiden ersten Teile nicht überzeugt haben).

DC hat auch einige Variant-Cover veröffentlicht: Abgesehen von den üblichen Verdächtigen wie Frank Miller, Tim Sale, Jock und Greg Capullo haben einige Künstler Reminiszenzen an die Batmen früherer Epochen gezeichnet: Bruce Timm verneigt sich mit einer Hommage an Jerry Robinson, Steve Rude hat ein prächtiges Cover zu Batmans Anfangszeit gemalt, Michael Cho versammelt die kuriosesten Batman-Kostüme des Silver Age, auch Urgesteine wie Jim Steranko und Bernie Wrightson tragen Variants im Oldschool-Stil bei.

Zu Detective Comics #1000 soll auch der Sammelband Detective Comics: 80 Years of Batman mit Reprints vieler klassischer Ausgaben erscheinen.