Detective Comics

Riddler als Performance-Künstler

DC Comics

Titel: Questions Multiply the Mystery

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Kieron Dwyer

Erschienen: 1995 (Detective Comics Annual #8), Paperback 1998 (Four of a Kind)


„I’m sick of all your questions!“ (Riddler)

Im Sommer 1995, als Batman Forever in die Kinos kam, nahm DC das zum Anlass, die Entstehung des Riddlers von vorn zu erzählen. Das geschah im Rahmen des „Year One“-Events, das sich durch alle Annuals zog (bei Batman waren es noch Man-Bat, Scarecrow und Poison Ivy). Hier erzählt der Riddler selbst – und entlarvt sich als widersprüchlicher Charakter zwischen Betrüger, gelangweiltem Genie und Möchtegern-Künstler.

Typischerweise ist es mal wieder eine rührselige Geschichte, die bereits mit einer schwierigen Kindheit beginnt (ist es jemals anders?): Edward Nigma ist ein neugieriger Junge, der gerne Fragen stellt, etwa warum Blätter grün sind. Seine Eltern wissen es nicht, schicken ihn genervt weg, aber Edward kommt offenbar nicht auf die Idee, einen Lehrer zu fragen oder ein Buch aufzuschlagen.

Dann kommt es zu dem Schlüsselerlebnis, das Bill Finger bereits in Detective Comics #140 (1948) erzählt hat: Edward soll in der Schule ein Puzzle lösen. Damals trickste er, indem die Lösung abfotografierte. (Was irgendwie nicht zu dem angeblichen späteren Genie passt.) Diesmal geht es aber darum, die Zeit dabei zu messen. Edward trickst, indem er es vorher übt, dann löst er es am schnellsten. Der Außenseiter Edward, ein ungeliebtes Kind, sehnt sich nämlich nach Anerkennung. Er ist bloß Mittelmaß, ein Niemand, den nicht mal die bösen Buben verkloppen wollen. Doch als er den Puzzletest gewinnt, kriegt er statt Anerkennung Schläge.

Verbrecher aus Langeweile

Edward bekommt aber auch ein Rätselbuch als Preis. Seitdem ist die Liebe zu Rätseln geweckt. Als Erwachsener ist er gelangweilt von seinem Botenberuf, daher fängt er mit Diebstahl und Raub an. Weil auch das langweilig ist, schickt er der Polizei Hinweise. Zunächst ist James Gordon hinter ihm her, dann hält ihn Batman auf. Riddler erklärt, was seine Masche soll: Es gehe nicht darum, erwischt zu werden. „To me crime is performance art!“ Wer das nicht sehe, dem fehle es eben an Vorstellungskraft.

Der Riddler findet mit dem Verbrecherduo Query und Echo zwei willige Helferinnen und gibt der Polizei und Batman mit ein Kreuzworträtsel auf. Doch statt, wie erwartet, ein Bankett zu plündern („banquet“), raubt er einen Safe im Wasser aus („bank wet“). Diese Sequenz erinnert an die Batman-Episode „Batman’s Anniversary/A Riddling Controversy“ (dt. Riddlers Geheimwaffe, S02E45-46), in der der Riddler einen ähnlichen Tauchgang macht, was bei Adam West aber deutlich spaßiger ist.

Zum Schluss „entführt“ der Riddler eine Sammlung von Stradivary-Geigen, wobei er sich als Banause entlarvt, indem er eine zerschlägt. So richtig mag man ihm das mit der Performance-Kunst nicht mehr glauben. Es kommt zum großen Finale bei einer Wagner-Oper, die dann auch eher Batmans Metier zu sein scheint. Und dann kommt das Geständnis: „It wasn’t the money I wanted“, sagt der Riddler. „It wasn’t the action I sought. I just like the attention.“ Nein, er sei kein kriminelles Genie, sondern in Wahrheit nur ein einsamer kleiner Junge, der sich nach Liebe sehnt. Armer Eddie …

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Der Riddler bringt Batman in den Knast

DC Comics

Titel: The Riddler’s Prison-Puzzle Problem

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Frank Springer

Erschienen: 1968 (Detective Comics #377), Paperback 2015 (Batman Arkham: The Riddler)


Batman bekommt eine Benachrichtigung: Er kann in der Bibliothek ein bestelltes Buch über Krimonlogie abholen. Obwohl der Detektiv keines bestellt hat, fährt er mit Robin trotzdem vorbei. Als er das Buch vorsichtshalber mit einem langen Lineal öffnet, geht eine Bombe hoch. Zum Glück keine große. Und zum Glück macht die Bibliothekarin, angetan von dem prominenten Besuch, just im Moment der Explosion ein Foto, sodass auf dem Foto eine Nachricht in der Explosionswolke sichtbar wird: „Why is a diamond like a stew?“ (Was wäre eigentlich gewesen, wenn niemand ein Foto gemacht und Batman nicht überlebt hätte?)

Das klingt doch sehr nach dem Riddler. Eine wilde Assoziationskette später treffen Batman und Robin am Tatort ein, wo der Riddler gerade eine Goldmünzensammlung an sich nimmt. (Ist es nicht seltsam, dass das Dynamische Duo immer exakt dann eintrifft, wenn der Diebstahl noch im Gange ist?) Es folgen vier Seiten Prügelei. Der Riddler kommt in den Knast, kommt aber dann bald wieder auf Kaution frei. (Fragt sich nur, wie das bei einem manischen Wiederholungstäter sein kann.) Batman untersucht dessen Zelle und findet wieder einen Hinweis, den er gerade noch lesen kann, bevor er beinahe von einem Gas ausgeknockt wird, scheint aber nicht weiter schlimm zu sein.

Diesmal hat es der Riddler auf einen Diamantenring abgesehen. Am Tatort tappen Batman und Robin in eine Falle – aber keine Todesfalle, denn was würde der Riddler nur ohne die beiden machen? Er wäre arbeitslos! (Auch wenn er sie gerade noch in die Luft zu jagen versuchte.) Also gestaltet er die Falle so, dass seine Spielkameraden leicht entkommen können, aber wenn sie sich freisprengen, ruinieren sie den nächsten Hinweis, den der Riddler mit Spielklötzen vor ihnen aufbaut, und zwar so, dass sie ihn vom Käfig aus nicht lesen können. Also werfen sie zunächst die Klötze um, sodass sie sie lesen können, dann sprengen sie sich frei, folgen der Spur – und bringen den Riddler zur Strecke.

„When will I learn not to try and outwit Batman?“ Wieder ist Aufgeben keine Option. Edward Nigma hat seine Bestimmung gefunden: Zwanghaft muss er Verbrechen begehen und Fährten legen, auch wenn er gar nicht gefasst werden will – aber das alles ist nur ein Spiel um seiner selbst willen.

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Der Geist, der Clown und der Killer

DC Comics

Titel: Detective Comics Vol. 3: Greetings From Gotham

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Christian Duce, Doug Mahnke

Erschienen: 2019 (Detective Comics #1006-1011), Hardcover 2020


„It’s time to let the moonshine in and enjoy the basic pleasures of life … the classics.“ (Joker)

Nach zwei längeren Storylines (Mythology, Arkham Knight) erzählt Peter J. Tomasi in Detective Comics drei kürzere Geschichten: von Spectre, Joker und Deadshot.

In der ersten wird Jim Corrigan von Anhängern eines Spectre-Kults entführt, um ihn zu töten und das gründgewandete Gespenst, das die personifizierte Rache Gottes darstellt, für eigene Zwecke zu missbrauchen. Spectre selbst bittet Batman um Hilfe. So ganz klar wird nicht, wozu er ihn braucht. Ich meine: Der Kerl ist doch schier allmächtig. Von daher wirkt es auch etwas albern, wenn er sich zunächst übergroß vor Batman aufbaut, ihn fängt und Batman sich dann mit allerlei Gadgets gegen ihn zur Wehr setzt. Am Ende geht alles auch sehr einfach. Aber: Ausdrucksstark gezeichnet ist diese Belanglosigkeit immerhin, der schaurige Stil von Kyle Hotz erinnert an Kelley Jones. Highlight: Spectre ergreift von Batmans Dino Besitz …

Mit dem Joker auf dem Rummelplatz

Die zweite Story ist die titelgebende: Der Joker lädt Batman – ganz klassisch – zu einem Abend im Vergnügungspark ein. Der Clown hat dafür alle Mitarbeiter und Besucher in Geiselhaft genommen. Batman muss mitspielen. Also fahren die beiden Achterbahn, Autoscooter und in den Liebestunnel. Der Joker hat riesigen Spaß, Batman eher weniger.

Diese simple Quatsch-Story erinnert an The Joker’s Playground of Peril (Batman #286, 1977) und weckt natürlich Erinnerungen an Klassiker wie The Dark Knight Returns und The Killing Joke. Allerdings ohne inhaltlichen Mehrwert. Von daher kann man sie eine Hommage nennen. Oder auch nostalgisch. Oder auch einfach nur: abgedroschen und einfallslos. Ich meine: Joker auf dem Rummelplatz? Das ist kein Topos mehr, das ist längst ein Klischee …

Mit Deadshot im Pazifik

Das Beste kommt zum Schluss: Auftragskiller Deadshot kapert ein Flugzeug, in dem Bruce Wayne und Lucius Fox zusammen mit ein paar anderen Millionären sitzen. Doch dann schlägt ein Blitz ein und das Flugzeug stürzt auf einer einsamen Insel im Pazifik ab. Zwei Kriegsveteranen – einer japanisch, einer amerikanisch – die seit dem Krieg abgeschottet von der Außenwelt dort festsitzen, versorgen den verletzten Bruce Wayne. Mit ihrer Hilfe besorgt er sich ein notdürftiges Batman-Kostüm und nimmt den Kampf mit Deadshot auf.

Klingt bescheuert? Ist es aber nicht. Tatsächlich ist das Ganze so stark und humorvoll erzählt, dass diese Episode am meisten Vergnügen macht. Es ist wahrscheinlich sogar die beste Story, seit Tomasi Detective Comics übernommen hat. Und wer hätte das gedacht: Deadshot steht auf The Who …

Zwischendurch sieht man, wie die nächste größere Geschichte vorbereitet wird: Mr. Freeze schließt einen Pakt mit Lex Luthor, um endlich seine geliebte Nora aus dem kryogenischen Schlaf zu holen – eine Story im Rahmen von „Year of the Villain„. Davon dann beim nächsten Mal mehr.

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Alfred als Spion im Auftrag Ihrer Majestät

Alfred stellt sich den Waynes vor. (DC Comics)

Titel: Regnum Defende

Autor/Zeichner: Scott Beatty/Jeff Parker

Erschienen: 2005 (Detective Comics #806-807), Paperback 2020 (Batman Allies: Alfred Pennyworth)


Alfreds Vorgeschichte wurde im Laufe der Jahre immer weiter ausgebaut und verändert. Anfangs war er nur ein aufdringlicher und trampelhafter Butler, der Detektiv werden wollte. Dann wurde er zu einem Kriegshelden, der den französischen Widerstand gegen die Nazis unterstützte (und nebenbei eine Tochter zeugte). In The Untold Legend of the Batman #2 (1980) half er Flüchtlingen aus Deutschland, dem Nazi-Regime zu entkommen.

Seine wahre Leidenschaft war aber die Bühne. Doch Alfred musste seine Karriere als Schauspieler beenden, nachdem sein Vater ihm das Versprechen abrang, die Familientradition als Butler aufrecht zu erhalten. Noch später, in Waiting in the Wings (Batman Annual #13, 1989), will er nach Bruces Wanderjahren zurück auf die Bühne, überlegt es sich aber anders, als er sieht, wie Bruce sich selbst in Theatralik versucht …

Alfred gegen Nazis und Kommunisten

25 Jahre später, in Regnum Defende, läuft die Geschichte wieder ganz anders: Alfred ist Schauspiellehrer für den britischen Geheimdienst (MI-5), unterrichtet etwa, wie man in einer Menschenmenge verschwindet. Allerdings hat er keine Erfahrung im Außendienst. Da bekommt den Auftrag, in Polen ein paar Superschurken auszuspionieren, darunter Parsifal, einen alten Nazi, der Superkräfte ausschalten kann.

Es herrscht der Kalte Krieg, auch Sowjet-Schurken wie Red Scare und Iron Curtain sind da, aber auch Blitzkrieg und die Walküre Gudra. Ich habe nicht ganz verstanden, wie diese bunten Gestalten, die konkurrierenden Ideologien dienen, zusammenpassen und was sie zusammen machen. Jedenfalls darf Alfred sie als Butler bei einem Empfang bedienen. Als er sieht, dass ein anderer Spion Parsifal vergiften will, rettet er ihm das Leben. Dann wird Red Scare erschossen und Alfred outet sich als Spion …

Als er nach dieser Aktion untertauchen muss, wird er zum Butler für die Waynes. Alfred heißt damals noch Beagle. Und dank eines besonderen Pennys, der ihm das Leben rettet, nennt er sich Pennyworth. So werden alle Stränge der Tradition miteinander vereint. (Und zugleich der Grundstein für die spätere TV-Serie Pennyworth gelegt.) Außer der des tollpatschigen Möchtegern-Ermittlers – der ist endgültig in der Mottenkiste gelandet. Aber wer weiß, im Comic darf man bekanntlich niemals nie sagen …

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Alfred bekommt eine Tochter

DC Comics

Titel: The Man Who Killed Mlle. Marie/Who Shot Mlle. Marie?

Autor/Zeichner: Gerry Conway/Don Newton

Erschienen: 1981 (Detective Comics #501-502), Hardcover 2017 (Tales of the Batman: Gerry Conway Vol. 1), Paperback 2020 (Batman Allies: Alfred Pennyworth)


Alfred Pennyworth und Lucius Fox bekommen jeweils ein Telegramm aus Paris und brechen plötzlich dorthin auf. Bruce Wayne ist skeptisch und reist hinterher. Dort erklärt ihm der Geheimdienst, dass die beiden einst im Zweiten Weltkrieg den französischen Widerstand unterstützt haben, Alfred für den britischen, Lucius für den amerikanischen Geheimdienst. Unabhängig voneinander haben sie mit der berühmten Widerstandskämpferin Mademoiselle Marie gekämpft. Aber die wurde eines Tages von einem Unbekannten ermordet. Alfred und Lucius werden nach Frankreich geholt, um den Mord aufzuklären. Doch als Batman die beiden aufsucht, werden sie von einigen Resistance-Kämpfern überfallen, angeführt von einer gewissen Julia Remarque, der Tochter von Mlle. Marie. Batman will sie beschützen, aber da schlägt ihn Alfred von hinten nieder, um Julia zu schützen. Daraufhin beschuldigt sie Alfred des Mordes an ihrer Mutter.

Während Batman in einer Scheune gefesselt wird, hält Julia mit den anderen ein Tribunal ab, bei dem der Schuldige bereits feststeht. Doch Alfred schweigt zu den Vorwürfen. Batman befreit sich und versucht, innerhalb eines Tages Alfreds Unschuld zu beweisen und den wahren Mörder zu finden. Das gelingt ihm auch so schnell, dass man sich fragt, warum nicht Julia von selbst darauf gekommen ist. Aber es ist nicht die einzige Frage, die offen bleibt. Denn während der Ermittlung stellt sich heraus, dass Julia Alfreds Tochter ist. Alfred wusste es von Anfang an, hat sie finanziell unterstützt, aber offenbart sich ihr gegenüber bis zum Schluss nicht als Vater. Angeblich um sie nicht zu verstören. Aber ist sie mit ihrer Rachsucht nicht schon verstört genug? Warum sollte er nach dem ganzen Drama nicht die Wahrheit sagen?

Damit endet dieser Zweiteiler seltsam unbefriedigend. Alfreds wahre Verwandtschaft wird zwar erweitert (nach seinem Bruder und seiner Nichte), aber es bleibt alles ohne Folgen. Alle kehren zurück zum Status quo, sodass Alfred weiter nur Ersatzvater für Bruce und Ersatzgroßvater für Dick Grayson spielen muss.

Ach ja: Und was hat am Ende Lucius Fox mit all dem zu tun? Warum wurde auch er nach Paris gebracht? Keine Ahnung.

(Julia Pennyworth bekommt viel später, in Batman Eternal, eine größere Rolle in Alfreds Leben.)

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Das Batmobil der 50er – immer der Zeit voraus

DC Comics

Titel: The Batmobile of 1950/Secret of the Batmobile

Autor/Zeichner: Joseph Samachson, Bill Finger/Dick Sprang, Sheldon Moldoff

Erschienen: 1950/1956 (Detective Comics #156/Batman #98)


Das Jahr 1950: ein neues Jahrzehnt – also höchste Zeit für ein neues Batmobil! Und zwar eins, das seiner Zeit gleich um zehn Jahre voraus ist. Aber zuerst muss das alte entsorgt werden. Denn das ist immerhin auch schon fast zehn Jahre alt.

Als Batman und Robin drei Gauner nach einem Raubzug verfolgen, haben die dreimal Pech: Batman wird zunächst von einem Netz aufgehalten, dann angeschossen, schließlich sprengen die Ganoven auf der Flucht eine Brücke und das Batmobil stürzt samt den Helden in die Tiefe. Das Auto ist Schrott. Batman kommt mit einem gebrochenen Bein davon. Schon spotten die Gauner, er könne sie bald im Rollstuhl verfolgen, aber Batman wäre nicht Batman, wenn er nicht einen Plan hätte.

Schon zuvor hat er nämlich ein neues Batmobil entworfen: mit Raketenantrieb, Radar (um im Dunkeln sehen zu können) und mit einem integrierten Kriminallabor. Sofort macht sich der Wunderknabe an die Arbeit, das Wunderauto zu bauen. Aber das Verbrechen steht nicht still. Robin muss alleine los – und blamiert sich bis auf die Knochen, als er in einem schrottreifen Oldtimer die Verfolgung aufzunehmen versucht.

Das neue Batmobil: Detective Comics #156 (1950)

Doch kaum zurück, ist das Batmobil wie durch ein Wunder fertig, obwohl Batman noch immer seinen Gips trägt. Im Grunde sieht es nicht viel anders aus als das Alte, aber es fällt sofort auf, dass es leichter und schneller ist. Robin findet die Gauner, Batman wartet im Wagen. Per Monitor auf dem Armaturenbrett kann er sehen, als Robin Hilfe braucht und mit dem Auto zur Hilfe eilen. Später macht ihnen eine gesprengte Brücke nichts aus – dank Raketenantrieb springt das neue Batmobil einfach drüber.

Dann verwirrt es die Ganoven mit Rauch und mit dem Radar kann das Dynamische Duo gut erkennen, wo es zuschlagen muss. Zum Schluss lehrt das Batmobil einen der Schurken das Fürchten, indem es ihm ein kleines Batsignal ins Gesicht scheinen lässt. Batman war übrigens die ganze Zeit wieder fit. Er wollte nur sehen, ob das Batmobil sein Handicap kompensieren kann. Schade, denn ich dachte, er wollte testen, ob sich Robin auch alleine bewährt. Aber der Junge ist noch nicht so weit – auch wenn er bereits Auto fahren darf.

Panzer, Amphibienfahrzeug, Schneemobil

DC Comics

Sechs Jahre später bekommt das Batmobil Konkurrenz von einem Gegner im gelben Rennwagen: dem Racer. Als wäre der nicht schon schwierig genug zu fassen, macht Reporterin Vicky Vale noch ein Foto vom Batmobil, das Batmans Geheimidentität lüften könnte. Um die Veröffentlichung des Bildes zu verhindern, hält Batman sie mit neuen Geschichten über das Batmobil hin.

Dabei erfahren auch wir, wie vielseitig das Gefährt ist: Mal bauen Batman und Robin es zum Panzer aus, der Stürmen standhält, mal dient es als Amphibienfahrzeug, das sowohl im Wasser als auch an Land fahren kann, schließlich wird es zum Schneemobil, wo es sogar durch Eis brechen kann. Weil dabei aber der Motor zerstört wird, muss Bruce Wayne sein Privatauto als Batmobil tarnen – das ist das Geheimnis, das Vicky beinahe lüftet.

Aber natürlich nur beinahe. Denn am Ende wird wie immer das Schlimmste verhindert. Und auch der gelbe Racer wird gefangen genommen. Nichts ist schneller als das wahre Batmobil.

Batmobil als Schneemobil. (DC Comics)

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Alfred als Gastgeber für Ganoven

Unverhoffter Besuch: Alfred mit Gaunern. (DC Comics)

Titel: Alfred: The Hospitable Hostage

Autor/Zeichner: Bob Rozakis/George Tuska

Erschienen: 1979 (Detective Comics #486)


Als Alfred Pennyworth eines Tages das Hochhaus der Wayne Foundation betritt (in den 70ern hatte Batman Wayne Manor und Bathöhle verlassen), wird er von drei Gaunern in den Fahrstuhl gestoßen. Sie wollen Bruce Waynes Wohnung leerräumen und er soll ihnen dabei helfen. Bruce ist nicht da, doch das größte Problem ist, wenn er als Batman zurückkehren sollte – dann fliegt er nämlich auf.

Damit die Gauner auf der Suche nach Beute nicht zufällig die Bathöhle finden, zeigt Alfred ihnen den Safe und serviert ihnen Kaffee, denn ein guter Butler bleibt auch gegenüber ungebetenen Gästen, die sich lieber selbst bedienen, stets ein guter Gastgeber. Alfred öffnet ihnen sogar den Safe, bevor sie noch größeren Schaden anrichten. Viel Geld ist da zwar nicht drin, wertvoller sind die Aktien, aber die sind nur wertvoll, wenn Bruce Wayne sie unterschreibt. Also warten die drei Ganoven auf die Rückkehr des Hausherren.

Um die Begegnung zu verhindern bietet Alfred ihnen seine Briefmarkensammlung als Ersatz an. Die nehmen sie ihm auch gerne ab, bleiben aber trotzdem, bis Bruce kommt. Aber wo bleibt er denn?, fragen sie, als es langweilig wird. Wahrscheinlich bei James Gordon, sagt Alfred. Mit Polizei wollen die drei aber nichts zu tun haben, also hauen sie wieder ab. Alfred blockiert per Konsole den Aufzug und als Bruce zurückkehrt, kann er sich in aller Ruhe darum kümmern, für seine Gäste eine Mitfahrgelegenheit zu rufen – im Streifenwagen.

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Alfred mausert sich zum Detektiv

Alfred: Vom dicken Butler zum mageren Detektiv. (DC Comics)

„The ideal detective is athletic, light and swift in movement, graceful as a swan and utterly self-possessed in all circumstances!“

Alfred war nicht immer der, den man heute kennt. Es brauchte lange, bis er sich vom Butler zur Vaterfigur und zum Mädchen für alles mauserte. Nach ihrem ersten Auftritt wurde die Figur in den 40er-Jahren immer weiter entwickelt, allerdings noch als Comic Relief.

Anfangs hatte Alfred nicht einmal einen Nachnamen. Er war nur ein dicker, trampeliger Butler, der aber lieber Detektiv wäre. Als er einmal auf der Straße das Gespräch zweier zwielichtiger Gestalten belauscht, glaubt er, dass es sich um einen Erpressungsversuch handelt („Alfred Gets His Man“, World’s Finest #12, 1943). Er ergreift die Initiative und kommt zur Geldübergabe – natürlich undercover. Total unauffällig verkleidet mit Sherlock-Holmes-Mütze, Pfeife und Sonnenbrille …

Cover zu World’s Finest #12, Detective Comics #83 und 96 (DC Comics)

Leider stellt er sich dabei auch sonst nicht sehr geschickt an: Er bittet den Verdächtigen, mit ihm zur nächsten Polizeiwache zu kommen und das Geld mitzubringen. Der verpasst ihm einen Schlag auf den Kopf und entführt ihn mit dem anderen auf ein Schiff. Es wird klar: Die beiden sind Schmuggler. Sie wollen Alfred umbringen, aber stellen sich dabei kreativ an: Sie stellen einen Eimer mit gefrorenem CO2 auf und lassen ihn mit den aufsteigenden Dämpfen langsam ersticken.

Alfred befreit sich, ritzt ein Batsymbol in ein bemaltes Bullauge. Weil er auch noch zufällig ein Funkgerät mitgebracht hat, hören ihn Bruce und Dick, die gerade zufällig beim Tiefseefischen sind. Beim Versuch ihn zu befreien werden sie selbst gefangen genommen. Alfred hilft ihnen, sich zu befreien und sie werden zum Dynamischen Trio. Alfred will aber hinterher keinen Ruhm einheimsen. Er bleibt lieber anonym.

Alfred nimmt ab

Beim nächsten Mal („Accidentally on Purpose“, Detective Comics #83, 1944) erleben die beiden Alfred von einer ganz anderen Seite: beim Fitnesstraining. Er hat nämlich beschlossen, dass ein Detektiv auch körperlich gut in Form sein muss. Er fährt weg und macht eine Schlankheitskur. Bruce und Dick sind froh, mal das Haus für sich zu haben. Trotz seiner scheinbaren Untergebenheit kommandiert er die beiden nämlich mehr herum als sie ihn: „He’s a tyrant in his own way – and he’s clumsy as an elephant — but we’ll miss him“, sagt Bruce.

Alfred bringt sich in Form – beim Fitnesstraining. (DC Comics)

Beim nächsten Fall hilft ihnen Alfred wieder aus der Patsche, indem er sich tollkühn von hinten auf drei Gangster wirft. Allerdings erkennen ihn Batman und Robin zunächst nicht. Nicht nur weil er schlanker ist, auch weil er einen Schnurrbart trägt. Aber am Ende stolpert er wieder, als er das Essen serviert und dabei in seinem Detektiv-Ratgeber liest. Insofern bleibt er dann doch ganz der alte Trampel.

Alfred als Privatdetektiv

Alfred lässt aber nicht locker. Als Möchtegern-Detektiv erlebt er sogar eine Reihe von kurzen Solo-Abenteuern, die von 1944 bis 1946 in der Serie Batman erscheinen. Dabei löst der Tollpatsch seine Fälle stets mit mehr Glück als Verstand. Einmal trifft er im Batman-Kostüm auf Catwoman, macht ihr den Hof und verhaut sie am Ende, aber das ist eine andere Geschichte … („The Duped Domestics“, Batman #22, 1944).

Um seine Fähigkeiten zu erweitern, belegt er sogar einen Fernkurs in Kriminologie. Aber Batman und Robin lassen ihn trotzdem nicht bei sich mitmachen. „Sorry, Alfred – one doesn’t learn all there is to know about crooks by mail!“ – „Nor from books, either, Alfred.“ Auch dass er ihnen schon viele Male aus der Patsche geholfen hat, beeindruckt sie nicht.

Der frustrierte Butler nimmt also mal wieder einen Monat Urlaub und macht in der Stadt Middleton eine Privatdetektei auf („Alfred, Private Detective“, Detective Comics #96, 1945). Batman und Robin ziehen los gegen den Gangster Stoney Peters. Batman wird angeschossen. Peters haut ab – zufällig nach Middleton. Dort heuert er Alfred als Detektiv an, um einen Mann auszuspionieren, den er ausrauben will. Der naive Alfred lässt sich darauf ein und erkennt zu spät, dass seine Dienste für ein Verbrechen missbraucht worden sind. Nachdem er sich der Polizei erklärt, wird er eingesperrt.

Batman und Robin folgen Peters nach Middleton und finden Alfred im Gefängnis. Alfred will ihnen helfen und bricht aus, auch wenn er dabei beschossen wird. Ihm ist keine Gefahr zu groß im Dienste der guten Sache. Dann werden alle drei von den Gangstern wieder gefangen genommen und helfen sich wieder gegenseitig aus der Patsche. Am Ende ist Alfred der strahlende Held. Und: Endlich bekommt er in dieser Ausgabe einen Nachnamen. Er lautet noch Beagle. Pennyworth kommt erst viel später – in den 60ern.

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Tote Fledermäuse für einen Batarang

Titel: Arkham Knight

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Brad Walker

Erschienen: 2019 (Detective Comics #1000-1005, Detective Comics Annual #2), Hardcover 2019 (Detective Comics Vol. 2)


Im Gotham fallen plötzlich die Fledermäuse tot vom Himmel. Auch in der Bathöhle. Dann bildet sich aus dem Nichts eine kleine Sonne über der Skyline und macht aus der Nacht Tag. Und dann taucht eine Gestalt in einer Rüstung auf, die sich Arkham Knight nennt, begleitet von ein paar Bogenschützen. Sie perforieren Batman mit Pfeilen und verkünden sein Ende. Dann entführen sie Robin und bringen ihn nach Arkham Asylum. Dort hebt der Arkham Knight seinen Helm und offenbart sich als völlig unbekannte Frau …

Autor Peter J. Tomasi (Detective Comics: Mythology) tischt uns eine Geschichte auf, die selbst für Superhelden-Maßstäbe weit hergeholt ist: Jeremiah Arkham hatte einst eine Frau, Ingrid, mit der er gearbeitet hat. Sie wurde schwanger und war so beliebt bei den Patienten wie dem Joker, Clayface und Poison Ivy, dass sie sie nicht nur während eines Aufstandes vor den anderen Insassen beschützt, sondern auch ihr Kind wohlbehalten zur Welt gebracht haben, als ihre Wehen einsetzten. Clayface hielt einen schützenden Mantel um sie, als der Joker dem Kind einen Klaps auf den Rücken gab. Dann warf aber ein Insasse ein paar Batarangs und einer traf – durch Clayfaces Mantel hindurch – Ingrids Halsschlagader und sie starb mit ihrer neugeborenen Tochter im Arm.

Ritterin rächt ihre tote Mutter

Diese Tochter, Astrid, wuchs mit ihrem Vater in Arkham auf, freundete sich mit dem Joker an, und entdeckte im Keller mittelalterliche Schätze, die ihre Vorfahren angesammelt hatten, darunter auch eine Rüstung und ein Schwert. Weil ein Batarang ihre Mutter getötet hat, will sie sich an dem rächen, der ihn gemacht hat …

Au weia. Das ist nicht nur ein dicker Klopper, von dem Tomasi erwartet, dass wir ihn schlucken, das ist eine ganze Reihe. Die Story ist so bemüht konstruiert, so unwahrscheinlich und so sehr Retcon, dass es schon an unfreiwilliger Komik grenzt. Es wäre aber nur komisch, wenn es nicht so ärgerlich wäre, die Intelligenz der Leser mit so einem Quark zu beleidigen. Und nachdem die Story vier Ausgaben lang aufgebaut wird, endet sie viel zu schnell im letzten Teil und gerät noch schneller in Vergessenheit.

Der Reaper kehrt zurück

Im Batman Annual #2 kehrt ein Schurke aus den 80ern zurück: der Reaper, ein Rächer mit den Sensenhänden, der schon vor Batman in Gotham wütete (nicht zu verwechseln mit dem ersten Reaper aus den 70ern). Diesmal metzelt er oder sein Nachfolger in Europa. Batman muss nach Griechenland reisen, um den Schurken zu stellen. Doch das ist eine Falle …

Reaper

Der Reaper ist wieder da. Darauf hätten wir verzichten können. (DC Comics)

Aus unverständlichen Gründen greift Batman zu seinem Black Casebook, dem Buch der ungelösten Fälle, obwohl der Fall sehr wohl gelöst wurde und die Geschichte als Year Two erschien, was ebenfalls bei Bruce Wayne im Regal steht. Noch ein Kuriosum: In Batmans griechischer Höhle steht ein (nur zweiköpfiger) Riesen-Kerberos. Aber ansonsten ist diese Geschichte der Inbegriff einer 08/15-Story, bei der Tomasi wieder einmal Familienmitglieder nachträglich hinzudichtet, um … Ach, ist eigentlich egal. Nur die Zeichnungen sind ganz gut.

Kerberos

Jede Bathöhle braucht irgendein Riesenvieh, in Griechenland muss es ein zweiköpfiger Hund sein. (DC Comics)

>> Batman 2011-2019

Ein Kavalier taugt nicht zum Schurken

detective comics #81 1943

DC Comics

Titel: The Cavalier of Crime/The Cavalier Rides Again

Autor/Zeichner: Don Cameron, Bill Finger/Bob Kane, Jack Burnley

Erschienen: 1943-1944 (Detective Comics #81, Batman #22), Paperback 2018 (Batman: The Golden Age Vol. 5)


„‚You can’t do monkey business with Batman!‘ — Is the first rule of the underworld!“

Gotham ist schon ein seltsamer Ort. Alle paar Wochen tauchen da irgendwelche Spinner im Kostüm auf und nerven alle mit ihren Ticks. Wie gut, dass man zwei andere Spinner dafür hat, sich darum zu kümmern. Eines Tages taucht ein Typ auf, der sich Cavalier nennt und an einen Musketier erinnert, aber ein Held ist er nicht. Aber ein Schurke auch nicht so richtig, weil zunächst nicht klar ist, was er überhaupt will.

Zuerst bittet er einen Jungen um seinen Baseball. Als er ihn nicht hergeben will, gibt er ihm drei neue dafür. Der Junge verlangt aber seinen zurück. Bruce Wayne und Dick Grayson sehen die Szene und statt den Gauner zu stellen, wie es sich für Bürger mit Zivilcourage gehört, ziehen sie sich zunächst um – und zwar in Rekordzeit. Vom Bruchteil einer Sekunde ist die Rede!

Bringt aber nix, denn der Cavalier entkommt. Der Ball trägt das Autogramm eines berühmten Pitchers Berry Berrigan. Der Cavalier lässt dessen Unterschrift fälschen, um an einen kleinen Baseballschläger aus einem Bankschließfach heranzukommen, darin steckt ein Schlüssel, um an Berrigans Trophäensammlung heranzukommen.

Der Cavalier hält das Dynamische Duo mit einem elektrischen Schwert in Atem, zum Schluss kämpft Batman mit einer Angel gegen ihn, besiegt ihn, aber der Cavalier nagelt Batman mit seiner Hutfeder fest und haut mit einem Motorrad ab.

Der zweite Versuch mit Diamanten

Was das alles sollte, erfährt man erst später, beim zweiten Auftritt des Schurken: Der Cavalier ist Mortimer Drake, ein reicher Bekannter von Bruce Wayne. Er hat sich schon mal einen Trophäenraum eingerichtet für die schönsten Schätze der menschlichen Kultur. Klar, wer hätte da nicht zuerst an Sport-Miniaturen gedacht?

Der Cavalier lockt Batman und Robin in eine Falle. In einem Antiquitätenladen legt er Batman mit dem Schwert herein. Als der es ihm wegnehmen will, bekommt er einen Stromschlag und landet in einer Kiste, Robin in einem Schrankbett. Für den Fall, dass sie herauskommen, lässt er in alter Schurkentradition einen Zettel mit einem Hinweis zurück.

Mit dem Entkommen hat er es ihnen leicht gemacht: Batman entdeckt, dass er in der Kiste des Magiers Houdin steckt, Vorbild für Houdini, und steigt an der Seite heraus. Das Duo folgt dem Hinweis zu Diamantenschleifern, wo der Cavalier ein paar dicke Klunker absahnen will. Der Schurke bereut sogleich, dass er den Zettel geschrieben hat, er hält die beiden Gegner mit Schnupftabak hin, aber die beiden haben leichtes Spiel gegen seine Bande. Der Anführer haut ab, die Beute bleibt zurück.

Batman stellt fest, dass die ganze Aufregung nicht nötig war, weil der Cavalier bloß Modelle gestohlen hat. So bleiben die Vitrinen in seiner Trophäenhalle leer. Der Cavalier ärgert sich, denn er hat es eben auf das Modell abgesehen. Was sollte das? Ein sehr schräger Vogel … Am Ende bleibt auch offen, warum sich Drake als Musketier verkleidet hat. Aber Batman fragt sich nur, wer der Cavalier wirklich sein mag. Der Erzähler verspricht, dass Batman noch Gelegenheit haben wird, das herauszufinden, aber das wird nie passieren. Vielleicht haben die Autoren eingesehen, dass niemand mit der Figur etwas anzufangen weiß.

Erst im Jahr 1992 taucht in Blades (Legends of the Dark Knight #32-34) ein Cavalier wieder auf – aber das ist ein ganz anderer, ein Konkurrent im Geiste von Bruces Jugendhelden Zorro und damit auch eine viel größere Herausforderung für Batman.

>> Batman 1939-1949