Detective Comics

Batman 1939: Doctor Death

Titel: The Batman Meets Doctor Death/The Return of Doctor Death

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #29-30)


Die dritte und vierte Batman-Story fallen durch drei Neuerungen auf: Sie stammen von einem neuen Autor, Gardner Fox, sie bilden einen Zweiteiler und sie führen den ersten Superschurken ein, einen Mad Scientist namens Doctor Death.

Der heißt eigentlich Karl Helffern und hat aus Pollenextrakten ein Gift entwickelt, mit dem er reiche Leute erpressen will. Vorher will er jedoch „Bat-Man“ aus dem Weg schaffen. Dazu gibt er eine Zeitungsanzeige auf, in der steht, dass sich Batman einen Brief für John Jones bei der Post abholen soll. Bruce Wayne geht hin (keinen kümmert’s) und der Brief führt ihn zu einem Apartment.

Erstmals sehen wir Batman bei der Vorbereitung: Er nimmt Handschuhe und Knieschoner mit Saugnäpfen mit, um die Wand hochgehen zu können, außerdem steckt er Tränengas in seinen Gürtel, der zum ersten Mal eine Funktion bekommt. Die Leser bekommen alles gezeigt: Wie Batman in seinem roten Auto hinfährt, wie er es an einem abgelegenen Ort parkt, wie er sich mit einem Lasso am Haus hochzieht und dann weiter hinaufkrabbelt – wie eine Riesenfledermaus, heißt es, aber es wirkt eher wie eine Spinne.

Batman überwältigt die zwei Auftragskiller, die schon auf ihn warten, und bedroht sie mit ihrer Waffe: Wenn sie ihm nicht verraten, wo Helffern ist, will er sie erschießen. Doch da wird er von Doctor Deaths Diener, einem Inder namens Jabah, angeschossen. Er rettet sich mit seiner Gaskapsel und schwingt sich wieder vom Dach. Da er noch keinen allseits begabten Alfred hat, muss ihn sein Hausarzt zusammenflicken.

Als Jabah loszieht, um sein erstes Opfer zu töten, rettet Bruce Wayne den Mann, dann folgt ihm Batman in Helfferns Geheimversteck und erwürgt ihn offenbar mit einem Lasso. Helffern haut ab, will eine Feuerkapsel nach Batman werfen, der kommt ihm mit einem Feuerlöscher zuvor und Helffern verbrennt durch seine eigene Waffe. „Death … to Doctor Death“, sagt Batman. Aber da täuscht er sich.

In der nächsten Ausgabe, die ein paar Tage später spielt, ist der Schurke wieder da und hat sein erstes Opfer getötet. Nun will er auch die Diamanten von der Witwe stehlen. Da Jabah tot zu sein scheint (warum, bleibt unklar), muss der Kosake Mikhail die Beute besorgen. Wieder kann ihm Batman folgen, wieder wird nach ihm geschossen, doch diesmal entgeht er der Kugel und bricht dem Diener das Genick mit einem Tritt.

Als Batman die Beute von dem Pfandleiher zurückholen will, stellt der sich als verkleideter Doctor Death heraus. Diesmal überlässt Batman ihn der Polizei.

Batman erscheint als sehr finsterer Charakter mit noch längeren Ohren, die wie Teufelshörner wirken. Vielen Panels sind wortlos und nur seinen dramatischen Auftritten gewidmet. Batman schwingt sich aber auch immer wieder, das Gesicht im Schatten, durch die Nacht, wobei Bob Kane (wie auf dem Cover) immer wieder die gleiche Pose benutzt – ein einfallsreicher Zeichner war er nicht. Außerdem fällt auf, dass Batman bevorzugt durch Fenster steigt, einmal öffnet er es, einmal springt der durch das Glas – damit nimmt er bereits die Fledermaus vorweg, die ihm in seinem späteren Origin als Omen erscheinen wird, aber auch sonst gehören zu einem dramatischen Auftritt stets Splitter.

Batman wird bereits zu Beginn seines dritten Abenteuers als „legendary figure“ bezeichnet. Er ist eine Legende noch bevor er richtig angefangen hat. Und er ist skrupellos: In bisher jedem Heft stirbt jemand durch seine Hand, auch wenn er selbst keine Schusswaffe bei sich trägt.

Batman: I’ll kill you!

>> Batman 1939-1949

 

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Batmans unglücklichste Nacht

DC Comics

Titel: The Night of Thanks, But No Thanks!

Autor/Zeichner: Harlan Ellison/Gene Colan

Erschienen: 1986 (Detective Comics #567), Hardcover 2019 (Detective Comics: 80 Years of Batman)


Batman erlebt die schlimmste Nacht seines Lebens. Nein, nicht etwa den Tod seiner Eltern, sondern eine Nacht, in der es nichts für ihn zu tun gibt. Bewaffneter Ladenraub? Der Bürger hilft sich selbst. Einer alten Frau wird die Handtasche geraubt? Dei Dame weiß sich zu helfen. Batman darf nur die Polizei rufen. Doch da will sich einer von einem Haus stürzen! – Die Polizei ist schon zur Stelle. So geht das immer weiter.

Wenn man es verstanden hat, verbraucht sich der Witz. Naja, beinahe. Denn als Batman einen großen Kerl, der ein Papier auf den Boden wirft, zur Ordnung ruft, gibt der sich einsichtig, dreht um, hebt das Papier auf und wirft es reumütig in den Mülleimer.

Solche Nächte kann es in Gotham also auch geben. Es ist nicht alles verloren in dieser Stadt. Und Batman kann sich auch mal entspannen. Aber dass er es gleich so tragisch sieht, zeigt nur, dass man es ihm nie recht machen kann. Batman ist einfach nicht fähig, sich einmal über den Müßiggang zu freuen. Irgendwie auch verständlich: Niemand fühlt sich gern überflüssig – schon gar nicht als Vollzeitheld.

Fun Fact: Diese abseitige Geschichte ist der erste Auftritt für den neuen Batman nach dem Reboot der Crisis on Infinite Earths.

Batman macht ernst

DC Comics

Titel: The Mystery of the Menacing Mask

Autor/Zeichner: John Broome/Carmine Infantino

Erschienen: 1964 (Detective Comics #327), Hardcover 2014/2018 (Tales of the Batman: Carmine Infantino, Batman: A Celebration of 75 Years, Detective Comics: 80 Years of Batman)


Und plötzlich war Schluss mit dem Quatsch. Zumindest für eine Weile. Nach den irren Science-Fiction-Eskapaden, verrückten Kostümen und bizarren Wandlungen, die Batman Ende der 50er und Anfang der 60er durchmachen musste, richtete Redakteur Julius Schwartz Batman neu aus. Batman wurde ernster, realistischer und bekam dank Carmine Infantino einen neuen Look, erkennbar an dem gelb-schwarzen Logo, das von nun an auf Batmans Brust prangte – die nächsten 36 Jahre lang. (Auch wenn der neue Look bereits in World’s Finest #141 eingeführt wurde.)

Der Wandel ist schon auf dem Cover erkennbar. Statt einer üblichen Schlüsselszene, die den Clou der Geschichte verrät, sieht man eine Sequenz aus drei Panels, die neugierig macht, ohne zu viel zu verraten. Batman liegt am Boden, Robin eilt herbei, fragt, ob er okay sei, Batman sagt etwas von einer Explosion, da ruft ihm Robin zu, schnell seine Maske abzunehmen. Was ist hier los?

Die Maske abnehmen – das war für den frühen Batman stets mit der Angst verbunden, als Bruce Wayne entlarvt zu werden und damit seine Karriere beenden zu müssen. Hier wird die Maske selbst zur Bedrohung.

Wie sehr Batman plötzlich in der Realität ankommt, sieht man schon auf der zweiten Seite: Es geht um Politik, Stadtentwicklung, Gentrifizierung. In Gotham soll ein Stück Altstadt, Gotham Village, abgerissen werden, weil es als Rückzugsort für Verbrecher gilt, andere wollen es erhalten, weil Wohnraum sonst verloren geht. Bruce Wayne und Dick Grayson spazieren gerade durch das Viertel, als eine junge Frau Bruce vorwirft, dass er sich für den Erhalt einsetze. Ihr Grund: Sie befürchtet, ihr Freund habe mit Verbrechern zu tun.

Bevor er sie verlassen hat, hat er ihr eine Karte hinterlassen, auf der ein Kreuz in einen Kreis gemalt ist. Das erinnert Bruce und Dick an einen jüngsten Vorfall, als sie einen Juwelendieb verfolgten. Nach einer Explosion hatten sie plötzlich das gleiche Symbol auf ihren Stirnen. Doch als die Spur sie wieder zu dem Dieb führte, erstarrten sie vor ihm, weil er sie wegen des Symbols kurzzeitig lähmen konnte.

Die ganze Sache führt zu einer Art Refugium für Verbrecher, das unter Gotham Village liegt. Die bittere Pointe: Der Mann, der zu Beginn das Village erhalten will, um Wohnraum zu retten, stellt sich als Verbrecher heraus und seine Argumente als bloßer Schein. Trotzdem wird das Viertel vor dem Abriss verschont.

Am Ende sieht man etwas Ungewöhnliches: Batman nimmt einem Gauner die Waffe ab und hält die Bande damit in Schach. Das fiel schon damals den Fans unangenehm auf. Batman benutzt keine Pistolen. Tatsächlich war es ein Fehler des neuen Redakteurs. Julius Schwartz gab zu, dass er damals kaum etwas über Batman wusste. Dieser Fehler passierte ihm nicht nochmal.

>> Batman in den 60ern
>> Batman-Anthologien

Batman und der nervige Kobold

DC Comics

Titel: Batman Meets Bat-Mite

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1959 (Detective Comics #267), Hardcover 2019 (Detective Comics: 80 Years of Batman)


„Crime-fighting isn’t fun … It’s serious business!“ (Batman)

Wir müssen über Bat-Mite sprechen. Nur einmal, dann nie wieder, versprochen. Aber einmal muss es sein, denn Bat-Mite mag nerven, aber er steht symptomatisch für die Albernheit des Silver Age.

Der Kobold aus einer anderen Dimension taucht plötzlich in der Bathöhle auf, trägt ein schräges Batman-Kostüm und behauptet, Batman und Robin helfen zu wollen. Die brauchen aber keine Hilfe. Bekommen sie aber trotzdem. Als die Helden Gauner über eine Brücke verfolgen, verbiegt sich diese und schlägt Wellen wie ein Gummiband, später bringt Bat-Mite eine übergroße Schallplatte zum Fliegen und schließlich stellt er eine leere Lagerhalle mit anderen übergroßen Objekten voll, damit die Verbrechensbekämpfung mehr Spaß macht.

Darunter ist nicht nur ein Wikingerschiff, mit dem die Verbrecher abhauen, sondern auch eine Batman-Statue. Bat-Mite bringt die Statue zum Laufen und lässt sie die Gauner schnappen. Batman schimpft Bat-Mite zwar jedes Mal aus, aber als sich alle anderen fragen, was passiert sei, denkt er sich Erklärungen für das Übernatürliche aus. Am Ende schickt er den Kobold endlich fort und ist froh, ihn loszusein.

Aber das ist nur vorübergehend. Denn Bat-Mite trifft danach Batwoman (Detective Comics #276, 1960), Batgirl (Batman #144, 1961) und er nervt Batman und Robin auch in Detective Comics #289 (1961) und #310 (1962). Als die Comics ab 1964 wieder ernsthafter wurden, war der Kobold erstmal für lange Zeit erledigt.

Aber da er ab 1977 in der Zeichentrickserie The New Adventures of Batman vorkam, meldeten sich die Fans und wollten ihn auch in den Comics wiederhaben. Also legte DC „Bat-Mite’s New York Adventure“ vor (Detective Comics #482, 1979). In dieser kurzen Geschichte taucht Bat-Mite in der DC-Redaktion auf und fordert, endlich wieder ein Comic gewidmet zu bekommen. Zuerst zeichnet er selbst eine, dann bringt er alle nötigen Leute dafür zusammen. Aber die Redakteure wimmeln ihn ab und es kommt nur zu der Story, die in der Ausgabe eben vorliegt.

Später kam der Charakter in Legends of the Dark Knight #38 vor, bekam mit Mr. Mxyzptlk eine Elseworlds-Story namens World’s Funnest und tauchte immer wieder auch in der regulären Continuity auf, wie etwa in Grant Morrisons Batman R.I.P. Schließlich 2015 bekam Bat-Mite eine eigene sechsteilige Serie. Aber das alles muss uns nicht interessieren.

>> Batman in den 50ern

Batman 1939: Detective Comics #28

DC Comics

Titel: Frenchy Blake’s Jewel Gang

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #28)


Batmans zweites Abenteuer beginnt mit einer Besonderheit: Batman ist nicht auf dem Cover. Insgesamt erscheinen mit dieser vier Ausgaben von Detective Comics, die nicht Batman (oder etwas Verwandtes) auf dem Titelbild haben. Die Entscheidung mutet heute seltsam an, aber geschadet hat es der Figur nicht. Immerhin wurde Batman zumindest klein auf dem Cover angekündigt.

Wie schon die erste hat auch diese Geschichte nur sechs Seiten, aber die Seiten sind nicht so vollgepackt. Statt vier Reihen haben die Seiten nur drei, die Panels sind größer und entfalten eine stärkere Wirkung.

Auf der ersten Seite sehen wir im Titel Batmans Kopf neben seinem Schriftzug, der immer noch in Anführungszeichen steht. Daneben ein kleines Waagensymbol mit der Inschrift „Justice“. Der Ankündigungstext ähnelt sehr dem ersten, nur dass diesmal erklärt wird, dass er in Wahrheit Bruce Wayne ist.

Zu Beginn der Geschichte haben unbekannte Diebe Juwelen im Wert von 100.000 Dollar gestohlen. Der Polizei fehlt jede Spur. Bruce Wayne klärt den Fall mit einem Telefonat: Er ruft einen Informanten im Knast an, gibt sich als Gordon aus und erfährt, dass Frenchy Blake und seine Gang dahintersteckt.

Als Batman überwältigt er zwei Diebe auf einem Dach, einen stürzt er in die Tiefe – Batmans zweites Todesopfer. Als einer eine Waffe auf ihn richtet, schlägt er ihn K.O. Er schnappt sich die Beute, doch als er zwei Polizisten auf sich zukommen sieht, lässt er sie absichtlich fallen. Die Polizisten schießen nach ihm, aber er springt vom Dach, macht einen Salto und schwingt sich mit einem Seil davon. Das ist das erste Mal, dass Batman als Akrobat auftritt.

Danach wird Batman aber für den Kopf der Gang gehalten. Aber Batman wollte das so. Die Diebe machen dann nämlich weiter – und Batman sie auf frischer Tat schnappen. Er belauscht sie am Fenster, er schwingt sich später am Tatort zum Fenster rein und knockt die Diebe aus, informiert Gordon.

Schurke mit Monokel und Ziegenbärtchen: Frenchie Blake

Später stürzt er sich auf den Anführer Frenchy Blake, einem Mann mit Monokel und Ziegenbärtchen. Zunächst sieht man, wie schwarze Silhouette zur Tür hereinkommt und ihn erschreckt. Batman schlägt ihn zur Begrüßung, dann wickelt er ein Seil um ihn und wirft ihn aus dem Fenster. Batman erpresst ihn, ein Geständnis zu schreiben oder er schneidet das Seil durch. Frenchy tut, wie ihm geheißen, versucht es trotzdem nochmal mit Gewalt, aber bei Batman ist nichts zu machen, er verpasst ihm noch eine, und zwar so stark, dass Frenchy ihn anfleht, es nie wieder zu tun. Der Held lädt den Gauner vorm Polizeihauptquartier ab, samt Geständnis, Juwelen und einer Botschaft an Gordon.

Der Mythos wird hier beträchtlich erweitert: Batman ist nicht nur ein beliebig kostümierter Vigilant, er verbreitet mit seinem Kostüm Angst und wird ihm gerecht, indem er im Rahmen seiner Möglichkeiten zu fliegen scheint. Batman nutzt aber auch moralisch alle Möglichkeiten aus: Er foltert und er tötet, auch wenn man es hier ihm als Notwehr durchgehen lassen kann.

Obwohl er außerhalb des Gesetzes wirkt und von der Polizei verfolgt wird, arbeitet er hier direkt der Polizei zu. Dabei geht er sogar den Umweg, selbst des Diebstahls verdächtigt zu werden. Batman ist ein Held, der wie ein Schurke aussieht. Aber es sollen nur die Schurken sein, die vor ihn Angst haben. Man könnte sagen, er arbeitet an seiner Reputation. Das gibt Gordon am Ende zu denken.

>> Batman 1939: Detective Comics #27
>> Batman 1939-1949

Batman trifft Sherlock Holmes

DC Comics

Titel: The Doomsday Book

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis, Carmine Infantino u.a.

Erschienen: 1987 (Detective Comics #572), Hardcover 2012 (Legends of the Dark Knight: Alan Davis Vol. 1), Paperback 2018 (Batman: The Dark Knight Detective Vol. 1)


Als die Serie Detective Comics 50 Jahre alt wurde, wurde Sherlock Holmes 100. DC nahm das Doppeljubiläum zum Anlass, die beiden berühmtesten Detektive der Welt zusammenzubringen. Und dafür ist noch nicht einmal eine Zeitreise nötig. Außerdem brachte man noch zwei weitere Detective Comics-Veteranen zusammen: Slam Bradley, den Detektiv, der in der ersten Ausgabe auftrat, und den Elongated Man, der eine Zeitlang die Zweitstory in der Serie bekam.

Die Geschichte beginnt mit Slam Bradley, der kurz vor Weihnachten von einem jungen Engländer namens Morton den Auftrag bekommt, seine Verlobte wiederzufinden, die gekidnappt worden ist. Slam kann noch nicht mal ja sagen, als Morton entführt wird. Batman und Robin können noch verhindern, dass Schlimmeres passiert. Die Spur führt nach London, wo bereits der Elongated Man in der Baker Street einen Mann aufsuchen will, der ihm eine unveröffentlichte Sherlock-Story zeigen will. Der Held trifft dabei auf einen Nachfahren des Schurken Moriarty, der einen doppelten Anschlag auf die königliche Familie plant.

Mit vereinten Kräften können die drei Helden das Schlimmste verhindern. Aber wo bleibt Sherlock selbst? Der bekommt eine ausführliche Rückblende: In The Adventure of the Red Leech verhindern Holmes und Watson ebenfalls einen Anschlag auf die Königin. Die Geschichte droht sich 100 Jahre zu wiederholen.

[ACHTUNG: SPOILER!]

Und am Ende kommt es zum Treffen der Detektive: Sherlock steht plötzlich da, als sehr alter Mann, der immer noch lebt, weil er nicht mehr raucht, sich ausgewogen ernährt (unter anderem von einem Präparat aus Gelée royale) und im tibetischen Hochland lebt. Auch dank ihm kann der Fall schließlich gelöst werden.

Die Story feiert auf sympathische Weise sowohl Literatur- als auch Comicgeschichte, indem sie Batman nicht zum Haupthelden macht, sondern zu einem unter mehreren. Sowohl Slam Bradley als auch der Elongated Man kommen zu ihrem Recht. Batmans Rolle wird sogar für die Sherlock Holmes-Hommage sehr zurückgefahren. Die Rahmenhandlung zeichnet Alan Davis mit gewohnt elegantem Strich, während Carmine Infantino mit seinem sperrigen Stil das Niveau leider wieder senkt und sich einmal sogar blamiert, weil er nicht weiß, wie man eine Geige zeichnet – bei ihm sieht sie wegen der falschen Lochform aus wie eine Ukulele.

Auch wenn hier keine Innovation geboten wird, das muss es auch nicht. Hier geht es um Nostalgie. Und als Jubiläumsstory funktioniert diese hier allemal.

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Batmans Halbzeitshow

DC Comics

Titel: To Kill A Legend/Once Upon A Time/What Happens When A Batman Dies?

Autor/Zeichner: Alan Brennert, Len Wein, Cary Bates/Dick Giordano, Walter Simonson, Tom Yeates, Carmine Infantino

Erschienen: 1981 (Detective Comics #500), Hardcover 2014 (Tales of the Batman: Carmine Infantino, Tales of the Batman: Len Wein), 2016 (Tales of the Batman: Alan Brennert), 2018 (Detective Comics: 80 Years of Batman)


Zu Batmans 42. Geburtstag erschien Detective Comics #500, eine 82-seitige Jubiläumsausgabe mit vier Batman-Storys, darunter eine in guter alter Groschenroman-Prosa, sowie Geschichten mit Slam Bradley, Elongated Man und Hawkman. Aus heutiger Sicht, da Detective Comics #1000 erschienen ist, kann das Heft als etwas wie Batmans Halbzeitshow gelten.

In Alan Brennerts Story „To Kill A Legend“ schickt der Phantom Stranger Batman und Robin auf eine Parallelwelt, um den Mord an Thomas und Martha Wayne zu verhindern. Wir erfahren, dass sich dieser Mord zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten wiederholt. Während sich für Batman die Chance bietet, seine Eltern zu retten, hat Robin Skrupel.

Denn Klein-Bruce ist ein verzogenes Balg (Thomas Wayne ist kurz davor, ihn zu schlagen) und Robin fragt sich, ob man nicht aus pädagogischen Gründen dafür sorgen sollte, dass er seine Eltern sterben sieht. Außerdem versagt man dieser Welt ihren einzigen Helden – denn sie kennt weder Helden in der Literatur noch im wahren Leben. Trotzdem: „No one should be angry all his life“, sagt Batman. Also jagt der Joe Chill, um ihn von seinem Attentat abzuhalten.

Am Ende kommt es anders als gedacht. Der Mörder ist ein anderer, der Mord wird verhindert, aber Bruce ist trotzdem so beeindruckt von der Heldentat, dass er Detektivbücher liest und trainiert, um der nächste (bzw. erste) Batman zu werden. Diese optimistische Wendung zeigt, dass es nicht imm Tragödien braucht, um Helden zu gebären, sondern dass Batman auch mit gutem Beispiel vorangehen kann.

DC Comics

In „What Happens When A Batman Dies?“ von Cary Bates und Carmine Infantino sehen wir einen Batman am Ende. Zunächst ist er verbittert, dass sein Kampf gegen das Verbrechen nie genügt, um wirklich dauerhaft Gutes zu schaffen. Batman empfindet seine Mühe als vergeblich. Dann wird er von einem Kampfhund angefallen, der ihn mit einem Gift beinahe tötet. Während ein Arzt im Krankenhaus um Batmans Leben kämpft, trifft Batman auf Deadman.

Wieder spricht der Fatalist: „… the fight for life just wasn’t worth the ordeal!“ Erst seine Eltern können ihm zeigen, dass er bereits viele Leben gerettet hat und dass es für ihn noch viel zu tun gibt. Das alles mag schön und gut sein, aber leider geht die Geschichte noch weiter. Deadman ergreift Besitz von Robin, der Batman eine Ladung Adrenalin ins Herz jagt, daraufhin ergreift Deadman Besitz von Batman und lässt ihn aus dem Fenster springen, um dann seinen Mörder und ein Gegengift zu finden.

Auch wenn die Zeit angeblich knapp ist, weil Batman kurz vor dem Hirntod steht, bleibt dennoch genau so viel, wie nötig ist, um den Fall nach Detektiv-Manier zu lösen, einen weiteren Hundeangriff abzuwehren und den Mörder zu überwältigen. Das Unglaubwürdigste an der Geschichte ist aber, dass niemand in der Notaufnahme daran denkt, Batman die Maske abzunehmen oder ihn aus dem Kostüm zu holen.

Zeichner Carmine Infantino, der Batman in den 60ern zu einem neuen Look verholfen hat, hat hier leider den Höhepunkt seiner Kunst überschritten. Die Zeichnungen wirken unbeholfen und sperrig, bei den Hunden versagt die Anatomie völlig.

Die visuell interessanteste, weil düstere Geschichte ist der Zweiseiter „One Upon A Time“ von Len Wein und Walter Simonson. Batman verhindert einen Raubüberfall, Dialog gibt es keinen. Aber die Bilder sprechen für sich und zeigen einen schaurigen Dunklen Ritter in Aktion.

Hinweis: Detective Comics #500 gibt es digital bei Comixology. Die drei Batman-Comics sind einzeln in den oben genannten Bänden enthalten.

Vier Variationen einer Geschichte

Titel: The Case of the Chemical Syndicate

Autor/Zeichner: Marv Wolfman, Alan Grant/Jim Aparo, Norm Breyfogle

Erschienen: 1991 (Detective Comics #627)


Zum 600. Auftritt von Batman in Detective Comics wurden nicht nur die ersten beiden Versionen der ersten Batman-Story nachgedruckt, Marv Wolfman und Alan Grant haben sich auch zwei neue Adaptionen einfallen lassen.

Die Wolfman-Variante beginnt mit einer Splash Page, die wie das erste Panel der Original-Geschichte Batman nur als Silhoutte zeigt – Batman wird mit dem Original-Text als Geheimnis eingeführt, auch wenn er in der Story längst bekannt ist. Nicht Gordon ermittelt hier, sondern Dana Hanrahan.

Der Mörder geht sehr publikumswirksam vor, ein typischer Batman-Schurke. Eine Frau im Schutzanzug spritzt unter dem Pseudonym Pesticyde eine Säure, die Menschen, Autos und Asphalt schmelzen lässt. Lambert verschmilzt mit seinem Taxi, daraufhin trifft sich Bruce Wayne mit dem Sohn, Ted Lambert. Wieder ist der Sohn der Umweltschützer mit einem Motiv: Bruce erfährt, dass Ted einen Streit mit seinem Vater hatte, der Gift ins Wasser kippen ließ.

Der Täter ist Prisilla, die Tochter von Stryker. Sie will sich dafür rächen, dass ihr Vater von Säure entstellt worden ist. Statt das letzte Opfer, Rogers, wie die anderen mit der Säure zu bespritzen, wird er mühsam über einem Tank drapiert, über dem ein Fass mit der Substanz schwebt. So kann Batman Rogers noch rechtzeitig retten. Die Täterin stirbt durch eigenes Verschulden, indem sie selbst in den Tank fällt – so weit, so traditionell. Aber wie es geschieht, ist äußerst albern, um nicht zu sagen dämlich, oder einfach: einfallslos. Sie spritzt ein Loch in den Boden, rennt darauf zu und fällt hinein – was soll das denn?

Alan Grants Variante legt den Schwerpunkt auf den Umweltaspekt. Gleich auf der ersten Seite sieht man einen Haufen Fässer mit giftigen Chemikalien. Lambert wird wieder mit einem Messer erstochen, sein Sohn Mel ist am Tatort, Batman entlastet ihn zunächst, aber er findet ein Päckchen Kokain bei ihm. Mel hat das Unternehmen seines Vaters missbraucht, um Drogen zu schmuggeln. Dafür setzt es was: Als der Kleine aufmuckt und die Pistole zückt, wirft ihm Batman das Koks ins Gesicht und verpasst ihm einen rechten Haken.

Der Rest der Handlung läuft etwas raffinierter als sonst ab: Crane wird von angeheurten Killern erledigt, die es wie einen Überfall aussehen lassen wollen. Batman kommt zu spät. Um sie zum Sprechen zu bringen, greift Batman zu einer drastischen Maßnahme: Er steckt einem der Mörder die eigene Pistole in den Mund.

Das dritte Opfer, Paul Rogers, erhängt sich scheinbar und hinterlässt ein Bekennerschreiben. Aber Batman lässt sich nicht täuschen: Er weiß, dass der Vierte im Bunde, Stryker, dahintersteckt. Beim Showdown im Chemiewerk fällt Stryker durch einen Unfall in den Säuretank. Und Batman sagt, wie schon 1939 den legendären Satz: „A fitting ending for his kind!

Gerahmt wird die Geschichte durch eine Handlung, in der man einen Obdachlosen durch die Stadt ziehen sieht, er wird von Schlägern bedroht und von Batman gerettet. Daraufhin gibt er Batman den entscheidenden Hinweis auf den Giftmüll, durch den seine Kumpel getötet wurden. Alan Grant wird auch hier seinem Ruf als Sozialkritiker gerecht.

Detective Comics #627, das daneben auch die Ausgaben #27 und #387 enthält, zollt nicht nur Batmans Ursprüngen Tribut. Hier kann man auch im Kleinen beobachten, was sich ständig im Großen bei Batman (und anderen Superhelden) vollzieht: Im Grunde wird immer dieselbe Geschichte neu erzählt, oder wenigstens ein gewisser Grundstock an archetypischen Geschichten, der immer wieder variiert wird. Es kommt dabei auf eine Gratwanderung zwischen Traditionsbewusstsein und Innovationsfreude an. Die Herausforderung besteht darin, auf dem Grund des Altbekannten eine interessante Variation herzustellen, die das Lesen lohnt. So erscheint auch viermal dieselbe Geschichte jedes Mal wie eine ganz neue.

>> Batman in den 90ern

Robin mag keine Hippies

DC Comics

Titel: The Cry of Night is — ‚Sudden Death!‘

Autor/Zeichner: Mike Friedrich/Bob Brown

Erschienen: 1969 (Detective Comics #387)


30 Jahre nach dem Debut von Batman in Detective Comics #27 hat DC die Geschichte neu erzählt – allerdings mit großen Unterschieden. Der Titel ist anders, Robin ist da und es fehlt natürlich der Reiz des Neuen. Batman ist kein Mysterium mehr, sondern längst etabliert. Daher sehen wir auch keinen Bruce Wayne, der gemütlich mit Gordon raucht. Der Commissioner ist zu Beginn der Geschichte am Tatort und verdächtigt den jungen Mel Lambert, seinen Vater ermordet zu haben.

Batman redet Gordon den Verdacht schnell aus. Gordon steht ziemlich blöd da, als inkompetenter Polizist. Der Verdächtige ist nicht irgendein Typ, sondern ein Repräsentant der Jugendkultur: ein Hippie mit langen Haaren, Peace-Zeichen-Anhänger und Motorrad. Als das Dynamische Duo eintrifft, nennt er sie ironisch „Big Brother and the Holding Company“, aber Batman versteht die Anspielung – er weiß sogar, dass Janis Joplin die Leadsängerin ist. (Allerdings hat die Anspielung einen doppelten Boden: „Big Brother“ lässt auch an den Überwachungsstaat von 1984 denken.)

Doch während Batman damit beweist, auf der Höhe der Zeit zu sein, und damit keineswegs, wie ihm Lambert vorwirft, Teil des Systems, stellt sich der junge Robin als Gegenpol heraus: „Punks like Mel Lambert ought to be locked up and the key thrown away! He’s got no respect for anyone — not even you!“, wirft er seinem Mentor in der Bathöhle vor. „If it weren’t for guys like you, he couldn’t even walk the streets at night!“

Das sind starke Worte für den sonst eher optimistischen Charakter. Robin fällt als reaktionärer Spießer aus der Rolle. Im Laufe der Handlung versucht er auch einen weiteren Mord Lambert anzuhängen. Vieles spricht zunächst auch dafür, Lambert hat seinem Vater vorgeworfen, dass dessen Forschung von der Regierung für den Krieg missbraucht werden könnte, aber Batman bleibt skeptisch, solange eindeutige Beweise fehlen.

Am Ende läuft es auf die gleiche Auflösung wie in der Vorlage hinaus: Der Chemiker Stryker hat die Morde an seinen Kollegen aus Habgier in Auftrag gegeben. Der Mörder hat sich nur als Mel Lambert verkleidet. Das Finale ist mit zwei Schlägen und einem Überwurf erledigt, aber es fehlt leider die Sequenz, in der Batman unter die Glasglocke springt und verhindert, dass ein drittes Opfer vergast wird.

Die Story will auf etwas anderes hinaus: Die Pointe besteht in der pädagogisch wertvollen Erkenntnis, dass sowohl Robin als auch Lambert ihre Vorurteile überdenken. Interessant ist, dass Robin hier als der unzeitgemäße Charakter dargestellt wird. Bald darauf (in Batman #217, Dezember 1969) verlässt er Batman, Dick Grayson beginnt sein Studium und erlebt eigene Abenteuer, und Batman verlässt Wayne Manor – und damit auch die Batcave. Es war das Ende einer Ära – das Silver Age ging ins Bronze Age über.

Zum Vergleich der beiden Versionen wurde in diesem Heft auch The Case of the Chemical Syndicate nachgedruckt.

>> Batman in den 60ern

Batman 1939: Detective Comics #27

detective comics 27 cover

DC Comics

Titel: The Case of the Chemical Syndicate

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #27)


Vor 80 Jahren, am 30. März 1939, erschien die erste Batman-Story in Detective Comics #27. The Case of the Chemical Syndicate (inspiriert von einer The Shadow-Geschichte) umfasst nur sechs Seiten, aber diese haben gereicht, um der Titelfigur sofort zum Erfolg zu verhelfen.

Schon das Cover mit seinem rot-gelben Hintergrund erregt Aufmerksamkeit. Während Superman auf dem Cover von Action Comics #1 im Jahr zuvor noch übermenschliche Stärke bewies, indem er ein Auto an einen Felsen rammte, schwingt hier eine maskierte Figur mit bauschendem schwarzen Umhang an einem Seil durch die Luft und hält einen Mann im Schwitzkasten – auch das eine beachtliche athletische Leistung, die über menschliche Grenzen hinausgeht. Bei Superman rannten die Menschen und damit die Verbrecher in Angst davon, Batman aber hält das Verbrechen buchstäblich im Würgegriff, er ist näher an den Menschen, was man auch daran sieht, dass die beiden Gangster im Vordergrund sich ihm zuwenden, einer richtet sogar seine Waffe auf den Helden – und stellt so eine Gefahr dar. Superman hingegen kann nichts etwas anhaben.

Damit ist Batman, der zunächst erfunden wurde, um einen zweiten Superman zu etablieren, etwas ganz Eigenes geworden. Bereits auf dem Cover wird deutlich, dass es sich um einen Anti-Superman handelt. Schwarz-grau statt rot-blau, menschlich statt außeridisch, mysteriös statt auffällig. Batman verbirgt sein Gesicht. Und genau darum geht es auch in der ersten Geschichte, um eine Geheimidentität. Zugleich tritt auch bereits sehr viel von dem zutage, was den Charakter von Batman ausmachen wird.

Auf Seite eins sieht man zunächst nur Batman als Schattenriss. Noch bevor ein Logo etabliert ist, das den Neuling zur Marke macht, etabliert sich hier bereits die abstrahierte Fledermaus, die sich vor einem gelben Vollmond abzeichnet, als Prototyp mit Wiedererkennungswert. Batman steht auf einem Dach, steht damit über den Dingen, behält den Überblick, während im Hintergrund die Wolkenkratzer der Stadt zu sehen sind, die später einmal Gotham City genannt werden wird – eines der Pseudonyme für New York City.

Batman erscheint im ersten Panel bereits als eine Art Batsignal, noch bevor es als solches etabliert wird. Der Schattenriss ist aber auch ein Hinweis darauf, dass seine wahre Identität unbekannt ist. Nicht von ungefähr heißt es noch „The Bat-Man“ – Fledermaus und Mann sind noch getrennt durch einen Bindestrich. Erst später sollen sie zur unzertrennlichen Einheit verschmelzen.

Raucher unter sich: Bruce Wayne und Gordon

Zu Beginn sind wir bei Commissioner Gordon zuhause. Bei ihm ist sein junger Freund, der Promi Bruce Wayne. Man sitzt gemützlich im Sessel und raucht: Gordon Zigarre, Bruce Pfeife. Bruce stützt melancholisch oder gelangweilt den Kopf mit der Hand und fragt, ob in letzter Zeit etwas Spannendes passiert sei. Nein, sagt Gordon, nur dieser „Bat-Man“ lege ihm Rätsel auf, aber da klingelt auch schon das Telefon und die Krimi-Handlung setzt ein.

Der Chemie-König Lambert, wurde erstochen. Die Fingerabdrücke seines Sohnes sind auf dem Messer. Gordon fährt hin, Bruce kommt mit, da er nichts Besseres zu tun hat. Der Sohn behauptet, seinen Vater sterbend gefunden zu haben und beteuert seine Unschuld. Dann ruft ein anderer, Steven Crane, bei Lambert an, um ihn vor dem Mord zu warnen, und behauptet, eine Morddrohung erhalten zu haben. Während Gordon sich die Story anhört, empfiehlt sich Bruce Wayne.

Batmans erster Auftritt

Kurz darauf wird Crane tatsächlich ermordet. (Diese angekündigten Morde werden auch später in der ersten Joker-Story ein wichtiger Modus Operandi.) Und als der Mörder seinen Komplizen auf dem Dach des Hauses trifft, um ihm ein Dokument zu übergeben (ein seltsamer Treffpunkt), steht da plötzlich Bat-Man mit verschränkten Armen vor ihnen, als hätte er sie bereits erwartet. Die beiden Gauner wissen, mit wem sie es zu tun haben. Bat-Man verhaut den einen, den anderen wirft er vom Dach und greift sich das Dokument. Ob der Hinabgestürzte überlebt, bleibt unklar, genauso wie die Frage: Wenn Bat-Man wusste, dass auf Crane ermordet werden sollte, warum hat er auf dem Dach gewartet, dass es passiert, statt es zu verhindern?

Vielleicht war er nicht rechtzeitig genug da. Denn erst kurz darauf trifft auch Gordon ein. Doch als er Bat-Man sieht, befielt er den anderen Polizisten, den Maskierten zu schnappen. Ein Schuss geht los, aber man kümmert sich nicht weiter drum. Später wird dieser Aspekt in Year One zu einem handlungstragenden Element: Die Polizei jagt den Vigilanten auch deshalb, weil er die Korruption gefährdet. Gordon konvertiert vom Verfolger zum Partner. Hier aber beschränkt sich seine Freundschaft nur auf Bruce. Bat-Man ist zu Beginn noch illegal und unerwünscht.

In der nächsten Sequenz sehen wir Batman in seinem Auto davonbrausen: das Batmobil ist noch eine rote Limousine, ohne Fledermaus-Markenzeichen. Zwei weitere Männer sind in Gefahr: Rogers und Stryker. Als der eine den anderen besucht, um ihn zu warnen, schlägt der Strykers Assistent, Jennings, Rogers K.o. und will ihn in einem Labor vergasen. Bat-Man stürzt sich tollkühn unter die Glasglocke, verstopft das Gas-Rohr und zerschlägt die Glocke mit einer Zange. Jennings wird ausgeknockt.

Batman rettet Rogers

Als Stryker auftaucht und sieht, dass Rogers immer noch lebt, geht er mit einem Messer auf ihn los, um den Job selbst zu erledigen. Bat-Man entwaffnet ihn mit einem Handgriff und erklärt die Handlung: Der Schurke war mit den drei Partnern an einem Chemie-Unternehmen beteiligt und wollte die anderen töten lassen, um sie nicht auszahlen zu müssen. Stryker versucht noch einmal, mit einer Waffe freizukommen, Batman schlägt ihn und der Schurke fällt in einen Säuretank. Bat-Man ist ungerührt: „A fitting ending for his kind“, findet er und versucht nicht mal, den Mann da rauszuholen. Das ist die erste Leiche, die auf Batmans Konto geht. (Falls nicht schon der Komplize, den er vom Dach geworfen hat, gestorben ist.)

Sturz in den Säuretank: Batmans erste Leiche

Rogers will seinem Retter danken, aber da ist er schon mitten im Satz verschwunden (allerdings noch sichtbar durch das Oberlicht) – auch das ist ein Verhalten, mit dem er später vor allem den Commissioner nerven wird. Als Gordon Bruce Wayne am nächsten Tag die Story erzählt, tut dieser sie als Märchen ab. Gordon findet, dass er zwar ein netter Junge sei, aber er bedauert ihn, ein so langweiliges Leben zu führen, dass er sich für nichts interessiere.

Bruce Wayne erweist sich als Bat-Man

Doch als Bruce nach Hause geht, erfahren die Leser, dass er niemand Geringeres als Bat-Man ist. Was für heutige Leser Allgemeingut ist, war in der ersten Ausgabe noch eine verblüffende Wendung – und darin lag auch, abgesehen von der waghalsigen Action, der eigentliche Reiz dieser allzu abgehetzt erzählten und konventionellen Kriminal-Geschichte.

Was die erste Batman-Story ebenfalls einführt, ist das Thema Chemie. Immer wieder wird es Batman mit Schurken zu tun bekommen, die von Säure entstellt wurden (Joker, Two-Face), die mit Gas (Scarecrow) oder mit Gift manipulieren (Poison Ivy) oder sich mit Drogen aufputschen (Bane, Man-Bat). Der Sturz in den Säuretank wird später Teil des Joker-Mythos (The Man Behind the Red Hood, Detective Comics #168, 1951 & The Killing Joke) und eine spätere Neu-Interpretation von The Case of the Chemical Syndicate deutet an, dass bereits dabei der Joker entstanden sein könnte (Detective Comics #27, 2013).

Weitere Adaptionen gab es in Detective Comics #387 (1969), Secret Origins #6 (1986) und Detective Comics #627 (1991). Aber dazu später mehr.