Detective Comics

Poison Ivy und der Weltfrieden durch Hanf

DC Comics

Im Jahr 1996 hatte Poison Ivy gleich zwei größere Auftritte in Batman-Comics. In „Systemic Shock/Violent Reactions“ (Detective Comics #693-694, von Chuck Dixon und Staz Johnson) versprüht ein Pollenallergiker Entlaubungs- und Pflanzenvernichtungsmittel in Gotham. Naturgemäß hat Poison Ivy etwas dagegen, denn sie mag nur natürliche Gifte, die von Pflanzen produziert werden. Also bereitet sie für die Arkham-Ärzte einen Salat mit Tollkirschen, die sind naiv genug, den zu essen, und so bricht sie aus, um den Pflanzenfeind aufzuhalten.

Muss ich darüber noch mehr sagen? Ich denke nicht, daher gehen wir mal zur zweiten Geschichte aus dem Jahr 1996 über – die ist auch viel interessanter.

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Detective Comics #27 als „Facsimile Edition“

DC Comics

Batmans erster Auftritt in Detective Comics #27 wurde schon oft nachgedruckt, doch bisher nur einmal in seinem gesamten Kontext und das ist lange her, nämlich 1974 in der Reihe Famous First Edition (in der auch Batman #1 erschien). Nun hat DC angekündigt, das gesamte Heft mit allen 64 Seiten erneut nachzudrucken – zusammen mit den Storys mit Speed Saunders, Buck Marshall, the Crimson Avenger und Slam Bradley sowie den Original-Anzeigen.

Das Heft, das am 23. August 2022 erscheinen soll, nennt sich Facsimile Edition, doch den ersten Unterschied zum Original kann man schon am Cover erkennen: Da hat DC den damaligen Heftpreis von 10 Cent wegretuschiert, um satte 6,99 US-Dollar für dieses uralte Material zu verlangen. (Zum Vergleich: 10 Cent von 1939 sind heute etwa 2 Dollar wert.) Aber immer noch billiger, als sich eine Originalausgabe zu kaufen – dafür können 1,5 Millionen Dollar fällig werden.

Doch anscheinend lohnt sich die Masche. Bisher sind folgende Batman-Hefte in dieser Reihe erschienen:

>> Batman 1939-1949

Poison Ivy plant die Apokalypse

DC Comics

Titel: The Green Ghosts of Gotham/Brambles

Autor/Zeichner: Doug Moench/Don Newton, Gene Colan

Erschienen: 1984 (Batman #367/Detective Comics #534)


Poison Ivy schickt die Sporen los: Ein paar fallen ins Wasser und gebären Pflanzenungeheuer, die an Swamp Thing erinnern, aber keinen Verstand haben. Ivy hat sie mit dem Wissenschaftler Lignier erschaffen. Nun machen sie Gotham unsicher – als „green ghosts“. Parallel dazu lädt Ivy Vorstandsmitglieder der Wayne Foundation zu sich nach Hause ein, in ihr grünes Refugium „Exotica“, damit sie sich dort erholen und sich ihrem Willen ergeben können. Ivy erscheint als Eva in diesem neuen Paradies.

Batman und Jason Todd (der hier in einem neuen Kostüm nicht als Robin unterwegs ist) müssen gegen grüne Monster kämpfen, Jason wird fast von Ivy vergiftet und am Ende setzt sie auf der Flucht ihre Pflanzen in Flammen, sodass auch ihre neuesten Kreationen verbrennen.

Poison Ivy fantasiert von Gothams Untergang. (DC Comics)

Aber wozu das Ganze? Einerseits will sich Ivy an der Wayne Foundation für ihren letzten gescheiterten Coup rächen und wieder Geld zu stehlen. Andererseits wird der Plan schnell vereitelt, da Lucius Fox vorgesorgt hat. Dann werden die Green Ghosts mit dem Bewusstsein der Vorstandsmitglieder gespeist, allerdings auch nur, um willenlos Ivy zu gehorchen.

Doch eigentlich will Ivy mit ihren Monstern Pflanzen erschaffen, die ohne Licht auskommen und stattdessen alle Nahrung aus der Erde beziehen. So soll die Erde nach und nach ausgehöhlt werden, um unterirdische Gärten zu erschaffen. Die Pflanzen sollen Häuser zum Einsturz bringen und die Straßen fluten, damit sie die Stadt plündern kann. Weit hergeholt? Schierer Wahnsinn, findet auch Batman. Doch Ivy gibt ihm dafür die Schuld.

Der fragwürdige Plan scheitert daran, dass Batman die Pflanzenmonster niederschlägt und Jason Ivy mit einem Fingerdrucktrick bewusstlos macht. Und wieder mal stellt sich die Frage: Wozu der ganze Aufwand? Wozu eine Stadt vernichten, wenn man es nur auf Geld abgesehen hat? Mit der Technologie, die dafür entwickelt wurde, hätte man locker reich werden können.

Poison Ivy braucht – abgesehen von Logik – ein besseres Motiv als Gier, nämlich Idealismus. Den kriegt sie erst nach der Crisis.

Hinweis: Der zweite Teil der Geschichte ist enthalten in Tales of the Batman: Gene Colan Vol. 2. Aber eben nur der zweite Teil – was auch auf andere Storys in dem Band zutrifft.

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Two-Face gegen Two-Face

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DC Comics

Titel: Double Image/One out of Two… Isn’t Bad…

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Jim Baikie

Erschienen: 1987 (Detective Comics #580-581), Paperback 2018 (Batman: The Dark Knight Detective Vol. 1)


Ein Mann mit bandagiertem Gesicht erwacht in einem Hotelzimmer und wirkt ganz erstaunt, wie er da hin gekommen ist. Eine Gesichtshälfte ist entstellt, ein geteilter Anzug hängt im Schrank, einen Münzwurf später steht der Entschluss: Na gut, bin ich halt Two-Face …

Und so lässt der nächste Raubzug in der High Society nicht lange auf sich warten, zusammen mit eineiigen Zwillingen als Komplizen. (Wo kriegt man die eigentlich her?) Batman und Robin greifen ein, Two-Face entkommt, man sieht sich wieder in einer Spiegelfabrik – weil Spiegel bekanntlich Doppelgänger erschaffen. Da stellt sich heraus: Dieser Two-Face ist nicht Harvey Dent, sondern ein anderer, aber alter Bekannter: der Schauspieler Paul Sloane, der zweite Two-Face des Golden Age!

Sloane hat einst Harvey Dent in einem Film gespielt, bis ihm in der Gerichtsszene echte Säure ins Gesicht geschüttet wurde und sich die Geschichte wiederholte (Batman #68, 1951). Sein Gesicht wurde wiederhergestellt, doch nun hat Dent es ihm wieder zerstört, weil er ihm sein Glück nicht gönnt.

Mit Säure gegen die Verfassung

Als Batman und die Polizei Sloane mit einem Zug voller Zwei-Dollar-Noten in eine Falle locken, taucht Harvey auf – ebenfalls mit Zwillingen als Handlangern. Er überwältigt die Polizei mit Schallkanonen, schießt Sloane, Batman und Robin mit Betäubungspfeilen bewusstlos und die Münze entscheidet für einen doppelten Tod durch Feuer und Eis: in einem Kühlwaggon mit Zeitbombe. Doppelt hält bekanntlich besser. Entweder die Helden erfrieren in zwei Minuten oder werden in die Luft gejagt. Batman reißt die Leitungen von der Wand und das Trio entkommt.

Nächster Halt: „Noah’s Park“, ein Freizeitpark mit einem Fahrgeschäft, in dem paarweise Tiere das Thema bilden. Two-Face trifft wieder auf Two-Face, doch dank Sloanes Frau verbündet sich Sloane mit Batman und Robin gegen Dent. Der versucht schließlich, die Verfassung der USA zu stehlen, die wird im Jahr 1987 nämlich 200 Jahre alt und in Gotham ausgestellt. Two-Face geht amphibisch vor (was „Doppelleben“ bedeutet), bricht also als Taucher ins Ausstellungsgebäude, und kippt dann Säure auf das wertvolle Dokument. Da wirft Sloane den Silberdollar und schlägt ihm die Säureflasche aus der Hand, um Schlimmeres zu verhindern.

Two-Face geht wieder auf Two-Face los – doch wer ist der echte? Batman entscheidet per Münzwurf: Beiden schnippt er je einen Silberdollar entgegen. Der eine fängt mit links, der andere mit rechts, letzterer kriegt einen rechten Haken verpasst, Sloane eine zweite Gesichts-OP – und eine zweite Chance.

Wie auch schon die anderen Storys von Mike W. Barr aus dem Jahr 1987 ist auch diese eine Over-the-Top Hommage ans Golden Age mit absurden Wendungen, riesigen Requisiten und allen möglichen Wortspielen mit „two“, „double“ etc. Leider kann Zeichner Jim Baikie mit seinem sperrigen Stil aber nicht mit einem wunderbaren Künstler wie Alan Davis mithalten, der die früheren Geschichten elegant illustriert hat.

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Bruce Waynes mörderische Nachbarn

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DC Comics

Titel: The Neighborhood (Detective Comics Vol. 1)

Autorin/Zeichner: Mariko Tamaki/Dan Mora, Viktor Bogdanovic u.a.

Erschienen: 2021 (Detective Comics #1034-1039), Hardcover 2022


Zwischen Joker War und Future State versucht Bruce Wayne sich als Mittelloser durchzuschlagen. Statt Wayne Manor muss der verarmte Milliardär nun in ein Reihenhaus in der Stadt ziehen, allerdings ein sehr schönes Reihenhaus, ein Altbau, mitten in einer gutsituierten Nachbarschaft. Doch kaum hat er seine Nachbarn kennenlernt, wird eine von ihnen –  Sarah Worth – entführt und ermordet. Bruce gerät unter Verdacht. Und ihr Vater, Roland Worth, ein Schwergewicht, dem halb Gotham gehört, sinnt auf brutale Rache …

Während Batman, Huntress und Oracle den wahren Mörder jagen und dabei auf Lady Clayface treffen, wird Bruce Wayne zwischenzeitlich festgenommen und Mr. Worth jagt die Polizeiwache in die Luft. Spätestens hier ist jegliches Verständnis für den trauernden Vater ebenfalls vernichtet. Erst recht verblüfft es, als er nach seiner Festnahme wieder freigelassen wird. Aber wir wissen ja: Geld gewinnt immer – wenn es auch verrückt macht. Intelligenter wird die Story dadurch aber nicht.

ACHTUNG SPOILER!

Und leider bringt Worths fanatischer Kampf gegen Batman weder Mehrwert noch Erkenntnis. Der Mörder ist ein bloß ein x-beliebiges Monster, das von Menschen Besitz ergreift und aus reiner Bosheit tötet. Wie öde. Aus der potenziellen Gesellschaftskritik an der High Society wird eine banale Horrorstory.

Autorin Mariko Tamaki (die erste Frau seit Devin Grayson, die über längere Zeit an einer Batman-Serie schreiben darf und die erste für Detective Comics) legt eine sympathisch erzählte Geschichte vor, die zwar Detective Comics ihrem Namen wieder gerecht werden lässt, aber leider hinter ihrem Potenzial zurückbleibt. Verdächtig ist es immer, wenn so verschwenderisch mit Platz umgegangen wird wie hier. Zwar freut es das Auge, wenn die Zeichner Dan Mora und Victor Bogdanovic (dessen Stil sehr an Greg Capullo erinnert) sich mit prächtigen Splash Pages austoben dürfen, aber es bestätigt auch den Eindruck, dass hier nicht viel zu erzählen ist.

Etwas mehr Tiefe gewinnt das Ganze durch die Backup-Storys, mit denen wieder an die alte Anthologie-Tradition von Detective Comics angeknüpft wird. Hier bekommen Nebenfiguren wie Huntress, Pinguin aber auch Lucius Fox ihre kleine Bühne, am Ende wird dann die Vorgeschichte des Monsters nachgereicht, was niemand braucht.

Doch auch das rechtfertigt keinen Preis von 30 Euro. Nicht mal 20. Und schon gar nicht zwei kostbare Stunden Lebenszeit.

>> Batman 2020-2029


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Mad Hatters tödliche Hüte

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DC Comics

Titel: The Mad Hatter Flips His Lids

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis

Erschienen: 1987 (Detective Comics #573), enthalten in: Batman: The Dark Knight Detective Vol. 1 (2018)


Der Mad Hatter ist wieder da – doch was ist das? Da ist ja wieder dieser Rothaarige mit dem Schnauzbart. Eigentlich ist dieser vom Original ersetzt und zum Hochstapler erklärt worden (Detective Comics #510), doch nun tut man so, als wäre das nie passiert. Zurück in den 50ern?

Dazu muss man wissen: Obwohl diese Geschichte offiziell nach der Crisis spielt und zeitgleich mit Frank Millers Year One Batman neu erfunden wird, funktioniert sie nach eigenen Regeln. Wie auch schon Catch as Catscan/The Last Laugh (Detective Comics #569/570) und Fear For Sale (Detective Comics #571) sind die Storys von Mike W. Barr und Alan Davis in einem Retro-Stil konzipiert, der sich als Hommage ans Golden Age versteht.

Wir sehen riesige Requisiten, eine Schnitzeljagd mit extrem weit hergeholten Lösungen und auch wenn Jason Todd hier Robin ist, haut er nach alter Dick-Grayson-Manier einen Hut-Kalauer nach dem anderen heraus. Im Grunde ist die gesamte Geschichte mit dem Wörterbuch geschrieben worden: Hier steckt so ziemlich jede Redewendung drin, die mit Hüten zu tun hat.

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Tip to the hat: Batman und Robin empfangen den Hatter – und klauen ein Auto. (DC Comics)

Anfangs wird Jervis Tetch aus dem Knast entlassen, ein Fahrer aus der Strafanstalt soll ihn zu einer Wunschadresse bringen (gibt es so einen Service wirklich?), doch im Auto sitzen Batman und Robin, die ihm einschärfen, er solle seine zweite Chance nutzen. Kaum setzen sie ihn irgendwo ab, kauft Tetch eine Zeitung und bastelt sich einen neuen Hut (allerdings nur ein Provisorium, um den ersten Hut-Jieper zu stillen). Kurz darauf trifft eine Hutschachtel bei Gordon ein und es beginnt ein neuer Beutezug.

Interessanterweise trägt der Hatter dann erstmals den 10/6-Hut des Hutmachers aus Alice im Wunderland, den bereits sein Vorgänger getragen hat. Dabei hatte Tetch sich vorher nie auf das Vorbild bezogen, nur der Name war gleich. Dann wechselt er die Kopfbedeckung gegen einen Feuerwehrhelm aus, der Feuer schießt. Dieser Hatter macht keine Gefangenen.

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Neuer Hut steht ihm gut: Mad Hatter. (DC Comics)

Beim zweiten Mal gibt es ein Gefecht in der „Hall of Sports“ mit riesigen Billard-Kugeln. Im Finale kandidiert Bruce Wayne scheinbar als Stadtverordneter, um Tetch anzulocken. Wie das? Damit die Schlagzeile aus der Floskelwolke lauten kann: „Wayne throws hat in political ring“ – da wird der Hatter nicht widerstehen können, beim Kampagnenauftakt aufzukreuzen.

Bei der Party werden Strohhüte verteilt, die Bruce nicht bestellt hat. Kurz darauf machen die Hüte sich selbständig, indem sie als Kreissägen durch die Luft fliegen, gesteuert vom Mad Hatter. Wie durch ein Wunder kommt dabei niemand zu Schaden, bis auf einen Polizisten, der am Arm verletzt wird. Was die Aktion soll, bleibt ohnehin schleierhaft, denn der Hatter will niemanden umbringen, sondern hat es nur auf Wertgegenstände abgesehen. Der Gesellschaft nur zu drohen wäre effektiver, als sie in Panik vor Killerhüten fliehen zu lassen.

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Hut ab vor dieser Hutabwehr: Batman mit Schrotflinte. (DC Comics)

Sei’s drum. Batman kann die Hüte mit einer Schrotflinte abwehren (ohne feuern zu müssen), der Hatter haut ab mit einem fliegenden Raketenzylinder, doch dann steuert Batman die Kreissägenhüte so, dass sie den Schurken zu Fall bringen. Als sich der Hatter am Ende mit einer Pistole wehren will, trifft der Schuss zufällig Robin.

Keine Sorge: Jason geht es bald wieder besser. In der nächsten Ausgabe bringt Batman ihn zu Leslie Thompkins und gibt sich die Schuld. Ein Grund für eine kleine Retrospektive. Hier wird dann Batmans Origin noch einmal in Kurzfassung nacherzählt – ergänzend zum Year One.

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Mad Hatter: Rückkehr eines Originals

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DC Comics

Titel: Head-Hunt by A Mad-Hatter

Autor/Zeichner: Gerry Conway/Gene Colan

Erschienen: 1982 (Detective Comics #510), enthalten in: Tales of the Batman: Gerry Conway (2011) und Tales of the Batman: Gerry Conway Vol. 2 (2018)


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Das Original ist wieder da: Mad Hatter mit Affen. (DC Comics)

Im Bronze Age kehrten viele alte Schurken aus Batmans Frühzeit zurück – und wurden dadurch als wiederkehrende Klassiker etabliert. Darunter auch der Mad Hatter. 18 Jahre lang war er aus dem Comics verschwunden, erlebte nur ein kurzes Comeback in der TV-Serie der 60er, und als er wiederkam, sah er wieder ganz anders aus – nämlich so wie bei seinem ersten Auftritt (Batman #49, 1948).

Der Hatter erklärt uns später, er habe die letzten Jahre in einer Anstalt verbracht, während ein Nachahmer (der mit dem roten Schnurrbart) seinen Namen übernommen hatte. Die Hutmanie hat das Original jedoch von dem Betrüger übernommen. Neu ist ein Affe als Haustier. Außerdem scheint der Hatter in der Anstalt eine Fortbildung gemacht zu haben. Er ist jetzt Experte für Neuro- und Computerwissenschaften.

Der entführte Mr. Fox

Zuerst entführt er Bruce Waynes Assistenten Lucius Fox, wobei er ihn mit einer Explosion ausknockt, dann verlangt er zwei Millionen Dollar Lösegeld. Doch der Hatter hat noch mehr vor: Er will Lucius um sein kostbares Finanz-Fachwissen bringen und dann dessen Gedächtnis löschen. (Offenbar fehlt ihm fürs Studium eines dritten Fachs die Geduld.) Bruce Wayne ermittelt daraufhin selbst, wie der Hatter die Explosion verursacht haben könnte (anscheinend kann das die Polizei nicht selbst machen) und findet das Geheimversteck des Schurken – wobei man sich auch so hätte denken können, dass das in einem Laden namens „Top Hat“ liegt.

Eine Blendgranate hilft, die Handlanger auszuschalten, die bequemerweise nur Knüppel und Seile bei sich haben. „Nobody wins a fight fighting blind“, stellt Batman fest. „That only happens in the funny pages!“ Womit Autor Gerry Conway sicher auf Daredevil anspielt, an dem er in den 70ern mit Zeichner Gene Colan gearbeitet hat. Nach dieser Selbstironie geht es dann weiter mit einer dämlichen Zeile wie „Go down! Why don’t you go down!“ Der Affe hält sich die Augen zu – statt vielleicht besser die Ohren.

Wie dem auch sei: Der Hatter droht dann Batman, Lucius‘ Hirn zu löschen. Batman bietet sich selbst an und nimmt seinen Platz auf dem Stuhl ein. Doch die Prozedur funktioniert nicht, weil Batman mit einer beschichteten Kappe vorgesorgt hat, die er unter seiner Maske trägt. Er schnappt sich den Hatter und der Fall ist erledigt.

Damit ist aber zum ersten Mal der moderne Verrückte Hutmacher etabliert. Fehlt nur noch der Bezug zu Alice im Wunderland …

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Batman und der Hutsammler

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DC Comics

Titel: The Mad Hatter of Gotham City 

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1956 (Detective Comics #230)


Die heute klassischen Batman-Schurken waren in ihrer Anfangszeit eher seltene Erscheinungen. Bis auf Joker, Pinguin und Catwoman kamen z.B. Clayface, Riddler und Scarecrow nur zweimal vor, bevor sie für Jahre verschwanden. Der Mad Hatter hatte im Golden Age nur einen Auftritt (1948) und dann erst acht Jahre später wieder, als bereits das Silver Age anbrach. Niemand scheint ihn vermisst zu haben. Nur Robin äußert zu Beginn den Wunsch, endlich mal den Hatter zu schnappen, obwohl sie das bereits getan haben und es bislang kein Wiedersehen gab.

Doch während der erste Verrückte Hutmacher ein kleines, glattrasiertes Männlein mit übergroßem Hut war (wie sein Vorbild aus Alice im Wunderland), ist der neue Hutmacher ein rothaariger Schnurbartträger in Normalgröße, ohne Hut auf dem Kopf, dafür mit einer Sammelleidenschaft für Hüte, weshalb es umso seltsamer erscheint, dass er selbst keinen trägt. Auch mit einem Hutmacher hat er – Achtung Kalauer – nichts am Hut.

Jervis Tetch will Batmans Maske

Diesem Mad Hatter (Jervis Tetch ist sein Name) scheint es ganz gut zu gehen. Er lebt in einem riesigen Anwesen mit Kaminzimmer und einer stattlichen Sammlung an Kopfbedeckungen, die er alle geklaut hat. Nur noch eine fehlt ihm: Batmans Maske. (Es mutet seltsam an, „cowl“ hier wörtlich mit „Kutte“ zu übersetzen.) Tetch hat auch einen Plan: Er hat aus der Zeitung erfahren, wo Batman das nächste Mal auftauchen wird. Dort schlägt er zu. Wie gut, dass der Maskierte Rächer eine so öffentliche Figur ist …

Erstes Ziel: Ein Mittagessen in einem Lokal namens Green Derby, dessen Dach von einem riesigen Hut (einer Melone) geziert wird. Als Batman und Robin den Laden betreten wollen, schlingt sich ein Lasso um Batman und zieht ihn aufs Dach. Statt sich gegen die Angreifer zu wehren (zum Beispiel mit den Beinen), wartet er darauf, dass Robin sich die Melone vom Portier schnappt und damit den Mad Hatter bewirft. Das allein reicht, um den Schurken und seinen Handlanger in die Flucht zu schlagen. Verfolgung? Nö.

Die vertrahlte Maske

Zweiter Versuch: Tetch gibt sich als Bildhauer aus, der eine Statue von Batman anfertigt. Unter einem Vorwand bittet der ihn, sich seiner Maske zu entledigen. Obwohl Batman das falsche Spiel sofort durchschaut, spielt er es mit und setzt sich dann beim Angriff einen übergroßen Hut mit Augenschlitzen auf, damit man ihn nicht erkennt. Eine Statue geht zu Bruch, wieder haut Tetch ab, ohne dass jemand auch nur daran denkt, ihm zu folgen.

Dritter Versuch: Batman besucht ein Labor für Experimente mit radioaktivem Material. Was er dort will, bleibt ein Rätsel. Plötzlich gibt aber seine Maske Strahlung ab. Tetch gibt sich als Laborant aus, um die Maske stehlen zu können. Wieder fällt Batman drauf rein. Dann setzt er sich den Helm eines Strahlenanzugs an und folgt dem Gauner diesmal mit dem Batplane. Ein Geigerzähler zeigt ihm, wohin Tetch flieht – nämlich nach Hause.

Das war ja einfach. Noch einfacher ist das Finale: Batman entwindet einen Turban und haut Tetch mit dem Tuch auf die Finger. Zum Schluss setzt es den obligatorischen Haken und der Hatter wird unter Hüten begraben. Ab in den Knast.

Diese Story inspirierte auch die ersten Mad-Hatter-Folge der Batman-TV-Serie mit Adam West: „The Thirteenth Hat/Batman Stands Pat“ (dt. Der 13. Hut).

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Der unsichtbare Batman

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Detective Comics #199 (DC Comics)

Titel: The Invisible Batman

Autor/Zeichner: William Woolfolk, Bill Finger/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz, Sheldon Moldoff

Erschienen: 1953/1959 (Detective Comics #199/Batman #124)


Batman kann bekanntlich alles – auch sich unsichtbar machen. Nicht von ungefähr trägt er Schwarz: So kann er in der Dunkelheit der Nacht für das Auge verschwinden und sich verstecken, um dann umso überraschender angreifen zu können. So lehrt man die feigen und abergläubischen Verbrecher das Fürchten.

Doch das war nicht immer so. Nach seinen düsteren Anfängen wurde Batmans schwarzes Kostüm zunehmend blauer und heller. Nacht und Schatten verloren an Bedeutung, furchterregend war der bunte und fröhliche Batman nur noch selten. In den 50ern wurde dann Batman wirklich unsichtbar – und das gleich zweimal.

Radioaktive Farbe

In der ersten Geschichte (Detective Comics #199, 1953) bekommt Batman bei einem Einsatz in einem Chemiewerk eine Ladung radioaktive Farbe ab, als er eine Bande davon abhalten will, selbige zu stehlen. Ein ganzer Tank geht auf ihm nieder – aber zum Glück wird zumindest nichts gestohlen, auch wenn der Schaden durch den Unfall noch größer sein dürfte.

Daraufhin wird Batman unsichtbar, was große Vorteile dabei hat, wenn man Gauner vermöbeln will, denn nun kommen die Prügel aus dem Nichts. Batman fällt sogar nicht mal auf einen Trick mit einer Lampe herein, als ihn ein Bösewicht so erkennbar machen will.

Nachteile hat die Sache aber, als Batman vor Gericht gegen den Obergauner Big Jack Baker aussagen soll, der seinetwegen im Knast sitzt. Bakers Anwalt Verne, der die Geschäfte übernommen hat, soll bis dahin Batmans Geheimdentität ausfindig machen. Nach einigen Stunden Recherche ist klar: Es kommen nur fünf Playboys in Frage, darunter ist auch Bruce Wayne. Alle fünf sind zu einer Pferdeshow eingeladen. Und wenn einer von denen unsichtbar ist, dürfte der Gesuchte als einziger nicht erscheinen. Doch auch Bruce erscheint, eingepackt in Mantel, Handschuhe und eine Gummimaske. Er lässt sich warme Orangenlimo servieren (die gegen seine angebliche Erkältung helfen soll) …

Vor Gericht hat es der unsichtbare Batman aber schwer, zu beweisen, dass er wirklich Batman ist. Abgesehen von der Tatsache, dass man ohnehin nicht feststellen kann, wer unter der Maske steckt, hat man es hier auch noch mit einem sprechenden Geist zu tun. Batman muss eine Handschriftenprobe abgeben, die wird angezweifelt, schließlich beweist ein Röntgenbild seine Identität und er kann aussagen.

Gauneranwalt Verne versucht dann in seiner Verzweiflung, Robin als Geisel zu nehmen, aber Batman beendet die Sache schnell. Die Lösung für sein Problem bringt dann eine Dusche aus Orangenlimonade – Citronensäure ist das Gegenmittel, wie er bereits beim Trinken herausgefunden hat. Hätte ihm das nicht früher einfallen können?

Sichtbar mit Mehl

Sechs Jahre später wird Batman aber wieder unsichtbar. Unter dem gleichen Titel, als wäre das noch nie zuvor passiert. Diesmal gerät er unter einen mysteriösen Strahl im Laboratorium einer Glühlampenfabrik. Wieder kommt der Held auch als Bruce in Bedrängnis. Einer Besucherin gegenüber lässt er sich in heiße Tücher wickeln, um so zu tun, als würde er sich von Alfred rasieren lassen.

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The Invisible Batman, Batman #124 (DC Comics)

Dann wird eine Bäckerei überfallen. Warum gerade die? Weil es dort Mehl gibt – und man damit bekanntlich Unsichtbare gut sichtbar machen kann, sowohl mit Fußspuren als auch mit einem riesigen Saugblaser. Wie gut, dass Robin mit einem Ventilator zur Stelle ist, bevor sie Batman als Bruce Wayne enttarnen können. Robin hatte schon befürchtet, neben einem unsichtbaren Mentor überflüssig zu sein.

Bruce und Dick fahren dann zu einem Wohltätigkeitsdinner. Bruce pinselt sich mit Schminke ein Gesicht, fängt dann aber an zu schwitzen und wischt sich die Schminke ab. Doch da ist die Wirkung des ominösen Strahls bereits abgeklungen. Einfach so. Ja, so geht’s manchmal auch, wenn man nur acht Seiten für eine Geschichte zur Verfügung hat.

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Batman im Spiegel

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DC Comics

Titel: Road to Ruin

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Brad Walker u.a.

Erschienen: 2021 (Detective Comics #1028-1033), Hardcover 2021 (Detective Comics Vol. 6)


Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich würde einen Band von Detective Comics nicht unbedingt „Road to Ruin“ nennen. Seit zehn Jahren hat sich diese Serie selten mit Ruhm bekleckert (das letzte Mal war The Black Mirror). Nun bringt Peter J. Tomasi seinen bisher unbeeindruckenden Run zu Ende und der Titel verheißt schon mal nichts Gutes.

Aber der bezieht sich ja auf die Handlung. Wir sehen, wie Gotham dem Future State entgegenschlittert. Der Ex-Cop Nakano, der in Detective Comics #1027 ein Auge verloren hat, will Bürgermeister werden, um alle „Masks“, also Vigilanten und Schurken, abzuschaffen. Passend dazu taucht ein neuer Schurke auf, der sich Mirror nennt und genau dasselbe will. Dieser Mirror trägt zwar auch eine Maske, eine reflektierende Folie am ganzen Körper, aber nur, um anderen den Spiegel vorzuhalten: Jeder kann Mirror sein.

Abgesehen davon, dass die Figur zu sehr an den Charakter Looking Glass aus der TV-Serie Watchmen erinnert (der ironisch auch „Mirror Guy“ genannt wurde), erweist sich diese Figur als Rohrkrepierer: Kaum eingeführt, verpufft sie buchstäblich wieder. Das Problem löst sich in Wohlgefallen auf, zurück bleibt aber eine maskenfeindliche Stimmung, die Nakano den Wahlsieg beschert. Hätte es dafür wirklich so eine Eintagsfliege wie Mirror gebraucht? Nein.

Stattdessen mündet die Handlung in eine Episode mit Hush. Der entführt im Handgemenge mit dem Pöbel die Bat-Family, um sie aufzuschneiden und ihre Organe zu verkaufen. Erstens weil er Chirurg ist, zweitens weil es Bruce Wayne weiter in den Ruin treibt (siehe Titel!). Damian, der als Robin aufgehört hat und nun versucht, die offenen Fälle aus dem Black Casebook zu lösen, hilft Batman dabei, die Familie vor der Ausweidung zu retten. Wie üblich endet hier alles mit einer Prügelei.

Sonst noch was? Ach ja: Batman jagt einen Cop-Killer auf einem Pferd.

Damit endet dieses Kapitel Detective Comics. Als nächstes ist Mariko Tamaki dran. Ja, eine Frau, die erste bei Batman, seit Devin Grayson Gotham Knights verantworten durfte. Das ist DC sogar eine neue Nummer 1 bei den Sammelbänden wert – die dritte innerhalb von sechs Jahren. Hoffentlich bringt sie endlich neuen Schwung in die Serie, mit der einst alles begann.

>> Batman 2020-2029


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