Marshall Rogers

Wählt Joker – sonst gibt’s Tote!

Titel: Dark Detective

Autor/Zeichner: Steve Englehart/Marshall Rogers

Erschienen: 2005 (Mini-Serie #1-6), Paperback 2006; dt. Panini 2007 (DC Premium #49)


Der Joker will als Gouverneur kandidieren. Sein Wahlversprechen: Sonst gibt’s Tote. Two-Face hat etwas dagegen – und schließlich mischt auch Scarecrow mit. Der Joker macht einem Politiker Konkurrenz, der Lebensgefährte von Silver St. Cloud ist, ehemalige Liebe von Bruce Wayne. Als sie wieder auftaucht, kommt sie wieder mit Bruce zusammen und löst ihre Verlobung …

Rund 30 Jahre nach Strange Apparitions, einer der bekanntesten Storylines der 70er, haben Steve Englehart und Marshall Rogers eine Fortsetzung geschrieben und gezeichnet. Entstanden ist eine Story, die mehr in der Gegenwart als in den 70ern angesiedelt ist, weil sie stark auf die turbulente Bush-Wahl 2000 anspielt. Allerdings darf man keine tiefgreifenden politischen Statements erwarten. So weit wagt sich DC dann doch nicht aus der Unterhaltungsecke hervor.

Vielmehr erinnert die Kampagne des Jokers an seinen Versuch in Strange Apparitions, seine lachenden Fische patentieren zu lassen – es ist bloß eine Schnapsidee, mit der der Joker um Aufmerksamkeit buhlt. Die Kampagne endet so schnell wie sie angefangen hat. Der Joker entführt Silver St. Cloud und lockt Batman in ein Haus voller Todesfallen. Wie bei Jäger des verlorenen Schatzes und Kevin allein zuhaus müssen Batman und der Gouverneurs-Kandidat allerlei Gefahren ausweichen. Und am Ende erklärt der Joker ihre Beziehung: dass sie einander bedingen, dass sie einander zu dem machen, was sie sind, dass das Scheitern des Jokers zum Konzept gehöre.

(ACHTUNG: SPOILER!)

Keine ganz neuen Einsichten. Überraschend ist nur Batmans Reaktion darauf: Es ist ihm egal. Für ihn ist der Joker am Ende nur ein Schurke wie jeder andere. Noch überraschender fällt seine Folgerung am Ende aus. Weil Silvers Ex-Verlobter durch den Joker zwei Gliedmaßen verloren hat, schickt Batman sie wieder zu ihm zurück. Er „leiht“ sie an ihn aus, solange er sich regenerieren muss. Silver ist entsetzt. Und ich bin es auch. Denn erstens bevormundet er die Frau, die er liebt, zweitens geht er mit ihr um wie mit einem Objekt, drittens will auch der Geschädigte nicht nur eine Frau, die aus Mitleid mit ihm zusammen ist. Die einzig logische Lösung? Im Gegenteil: Es leiden alle drei.

Zwischendrin gibt es noch Intermezzi mit Scarecrow und Two-Face. Während der erste Batman (mal wieder) mit seinen größten Ängsten konfrontiert, lässt sich Two-Face einen Klon von sich anfertigen, der allerdings nach fünf Minuten vom Joker getötet wird. Dann taucht noch ein böser Klon auf. Aber diese Handlungsstränge enden mehr oder weniger im Nichts.

Insgesamt ist Dark Detective eine Fortsetzung, nach der keiner verlangt hat und die niemand braucht. Marshall Rogers zeichnet einen prächtigen düsteren Batman und lebendige Figuren. Allein Nostalgiker und Fans von Strange Apparitions könnten ihren Spaß daran haben.

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Clayface Nummer Drei: Der tragische Mister Payne

DC Comics

Titel: The Coming of … Clayface III!/If a Man Be Made of Clay…!

Autor/Zeichner: Len Wein/Marshall Rogers

Erschienen: 1978 (Detective Comics #478-479), Paperback 1999 (Strange Apparitions), 2014 (Tales of the Batman: Len Wein); dt. Panini 2012 (Batman Collection: Marshall Rogers), Eaglemoss Collection 2015 (Im Zeichen des Jokers)


„Because … it’s my job.“ (Batman)

Darf ich vorstellen: Preston Payne, der Name ist Programm. Er ist mit Abstand die tragischste der drei klassischen Clayface-Figuren. Missgestaltet geboren war er immer ein Außenseiter, er hatte nur Bücher und die Wissenschaft. Nachdem er einen Job in den Star-Labs bekommen hatte, versuchte er, sein Gesicht ansehnlich zu gestalten. Er bediente sich an dem Wissen von Matt Hagen (Clayface 2), aber beim ersten Date schmolz nicht nur seine Visage, sondern auch seine Begleitung dahin – buchstäblich. Denn wenn Preston von einer Art Fieber gepackt wird, muss er seine Kräfte an jemanden übertragen, mit verheerender Wirkung.

Als die Story einsteigt, muss er einen Anzug ähnlich dem von Mr. Freeze tragen, um seine Form zu wahren. Die verleiht ihm immerhin Superstärke. Sein Geheimversteck hat er in einem verlassenen Wachsfiguren-Kabinett, seine Freundin ist eine Wachspuppe. Er bricht bei Star-Labs ein, um seine menschliche Form wiederzurkiegen, aber da kommt ihm Batman in die Quere.

Der hat seine eigenen Probleme: Seit ihn seine letzte Flamme, Silver St. Cloud verlassen hat, hat er die Kontrolle über sich verloren und lässt seine Wut an Kleinkriminellen aus. Einmal gibt er sogar seinen Eltern die Schuld für sein Elend: Wären sie nicht gestorben, wäre ihm das Leben als Batman erspart geblieben. Doch da sieht selbst Bruce schnell ein, was für einen schändlichen Unsinn er redet.

Batman wird auf ganz klassische Weise mit Clayface III fertig: durch Beharrlichkeit und eine Schwachstelle seines Gegners. Am Ende stürzt Preston sich von einer Brücke – und dann in die Flammen, um seine geliebte aus Wachs zu retten.

>> Liste der Clayface-Comics

 

Kein Patent auf gute Storys

Batman: Strange Apparitions

Titel: Strange Apparitions

Autor/Zeichner: Steve Englehart, Len Wein/Marshall Rogers, Walt Simonson

Erschienen: 1977/1978 (Detective Comics #469-479), Paperback 1999; dt. Panini 2012 (Batman Collection: Marshall Rogers), Eaglemoss Collection 2015 (Im Zeichen des Jokers)


 

„But the fish share my unique face! If colonel what’s-his-name can have chickens, when they don’t even have mustaches –!“ (Joker)

Obwohl die Geschichte unter einem Titel zusammengefasst wurde und ein linearer Zusammenhang besteht, ist es schwer, hier von einer Story zu sprechen. Im Grunde sind es sechs Geschichten, die aufeinander folgen. Batman begegnet einem radioaktiven Glühwürmchen namens Dr. Phosphorus, dann Hugo Strange, dem Pinguin, Deadshot, Joker und Clayface. Den roten Faden bilden Nebenhandlungen mit Rupert Thorne, der Batman aus der Stadt haben will, sowie Bruce Waynes Liebschaft mit Silver St. Cloud. Aber ein Spannungsbogen ergibt sich nicht.

Die meisten dieser Geschichten mögen für die späten 70er vielleicht was hergegeben haben, aus heutiger Sicht sind sie altbackene Standardware. Vor allem die Erzählung, in der der Joker, Fische zum Lächeln bringt (The Laughing Fish), um sie patentieren zu lassen, hat zwar einen ungewöhnlichen Ausgangspunkt, ist aber sonst ziemlich schwach, vor allem, weil sie sich zu stark bei der ersten Joker-Story in Batman #1 bedient.

Die interessanteste Geschichte ist die um Hugo Strange. Der kommt nämlich zufällig hinter Batmans Geheimidentität, nimmt dessen Position als Bruce Wayne ein, um ihn auszunehmen und zu ruinieren, und veranstaltet eine Auktion, bei der er den Namen an den meistbietenden Schurken zu versteigern versucht. Wie man sich denken kann, wird das Schlimmste verhindert. Dafür gibt es aber eine Frau, Silver St. Cloud, die ebenfalls eins und eins zusammenzählt und herausfindet, dass der Mann den sie liebt, nachts gerne Verbrecher verprügelt. Die Schlussfolgerung daraus kann nur eine Tragische sein: Die Beziehung zerfällt.

Die filigranen Zeichnungen von Marshall Rogers entschädigen für die Kritzeleien eines Walt Simonson und das insgesamt mäßige Storytelling. Aber vielleicht muss man diese 70er-Jahre-Geschichten auch mit anderen Augen sehen. Immerhin gelten sie als einflussreiche Klassiker. (In den 80ern diente Strange Apparitions zunächst als Vorlage für das Drehbuch des geplanten Batman-Films, der erst 1989 von Tim Burton realisiert wurde – allerdings mit einem ganz anderem Script.)

Zwei der Storys wurden für Episoden der Animated Series wiederverwendet. Die Grundidee der Hugo Strange-Story wurde in „The Strange Secret of Bruce Wayne“ (S01E37) aufgegriffen; dort bieten Joker, Two-Face und Pinguin um ein Videoband, auf dem Strange Bruce’s Trauma aufgezeichnet hat.

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In „The Laughing Fish“ (S01E34) erzählt Paul Dini die Joker-Story neu, wobei er sich zwar überwiegend an die Vorlage hält (zum Teil sogar wörtlich), er aber ein wesentlich spannenderes Finale mit einem Haifisch-Kampf erzählt (der ist „The Joker’s Five-Way-Revenge“ entlehnt). Vor dem Hintergrund der lachenden Fische allerdings erscheint die später in Mad Love zum Tragen kommende Idee mit den grinsenden Pyranhas wie ein Abklatsch … (wenn auch ein guter!)

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(Dieser Artikel wurde am 6.11.2017 überarbeitet und aktualisiert.)