Elliot S. Maggin

Jokers kurze Solo-Karriere

DC Comics

Titel: The Joker – The Clown Prince of Crime

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil, Elliot S. Maggin, Martin Pasko/Irv Novick, Ernie Chan, José Luis García-López u.a.

Erschienen: 1975-1976 (Joker #1-9), Paperback 2013


Nach 35 Jahren war es so weit: Der Joker bekam seine eigene Serie. Damit war er der allererste Batman-Schurke, dem diese Ehre zuteil wurde. (Der zweite war Man-Bat, aber das hielt nicht lange.) Batman tritt hier nicht auf, der Joker ist der Held, oder besser gesagt: Anti-Held, denn natürlich ist er – wie Charlie Brown – zum Misserfolg verdammt.

Im ersten Abenteuer nimmt der Joker es mit Two-Face auf. Ein anderer Gauner bricht aus Arkham aus und nimmt statt den Joker Two-Face mit. Zusammen wollen sie wertvolle Dublonen stehlen. Der Joker ist sauer und will sich an beiden rächen. Es fliegen Säure-Torten. Doch Two-Face kommt davon und revanchiert sich später mit einer Todesfalle: Er will den Joker mit einer Kreissäge halbieren. Aber der Clown hat sich von seinem Erzfeind Batman einiges abgeschaut, um auch in einer aussichtslosen Lage zu triumphieren.

So geht es immer weiter. Im zweiten Teil verbündet er sich mit einem gewissen Willie the Weeper, der jeden seiner Coups versaut, indem er in Tränen ausbricht, weil ihn sein schlechtes Gewissen einholt. Im dritten legt sich der Joker mit dem Creeper an. Es folgen Begegnungen mit Green Arrow und Dinah Lance (die hier nicht als Black Canary agiert), der Royal Flush Gang und mit Catwoman. Einmal tauscht er die Persönlichkeit mit Lex Luthor, ein anderes Mal konkurriert er mit Scarecrow.

Es geht dabei sehr albern zu – und meistens völlig sinnfrei. Der Joker wird als total Verrückter dargestellt, der mehr am Spaß interessiert ist, als an der Bereicherung, weshalb man sich fragen muss, wie er seine Handlanger finanziert, die ihm trotz allem die Treue halten. Er hockt in einem Hauptquartier, das er „Ha-Hacienda“ nennt, fährt mit einem Wohnmobil namens „Ho-Home-on-Wheels“ oder mit dem Jokermobil, mit dem er im Grunde „verhaftet mich“ in die Welt hinausposaunt, was aber keinen zu kümmern scheint. Das Hauptproblem: Ein Joker ohne Batman macht nicht viel her. Vor allem taugt er weder als Held noch als Antiheld, wenn er kein klares Ziel hat.

Die dämlichste Geschichte handelt von Sherlock Holmes. Natürlich begegnet der Joker nicht wirklich dem Meisterdetektiv, sondern nur einem Schauspieler, der sich nach einem Kopfstoß dafür hält. Der Joker verübt Gaunereien, die irgendwie thematisch zu Holmes-Storys passen, aber nichts bringen, während Holmes immer wieder zufällig auf ihn trifft und ihn schließlich zur Strecke bringt. Das ist so bemüht und weit hergeholt, dass man sich als Leser für dumm verkauft fühlen kann – es sei denn man kann über dieses Gaga-Niveau lachen.

Von daher ist es kein Verlust, dass die Serie nach neun Ausgaben eingestellt wurde. Eigentlich ist es sogar ein Wunder, dass sie so lange durchhielt. Die geplante, aber damals nicht veröffentlichte zehnte Ausgabe ist 2019 im Sammelband The Joker: The Bronze Age Omnibus erschienen.

>> Liste der Joker-Comics

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Superman kommt ins Grübeln

DC Comics

Titel: Must There Be A Superman?

Autor/Zeichner: Elliot S. Maggin/Curt Swan

Erschienen: 1972 (Superman #247), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


„For years I’ve been playing Big Brother to the human race! Have I been wrong?“ (Superman)

Superman wird verurteilt wegen Verbrechen gegen die Menschheit? Das Cover von Superman #247 ist sehr dramatisch: Dort die Guardians of the Universe (Chefs der Green Lanterns), in der Mitte ein Superman, der sehr verzweifelt aussieht. Mit dem Inhalt hat das aber wenig zu tun.

Nach einem aufopferungsvollen Einsatz im All wird Superman von einer Green Lantern gerettet. Kaum regeneriert, erteilen die Wächter ihm eine Lektion: Supermans Handlungen verhindern, dass sich die Menschen weiterentwickeln. Beim Rückflug zur Erde hinterfragt er sich selbst, ob die Menschen nicht zu abhängig von ihm geworden sind.

Superman macht aber zunächst weiter wie gehabt. Er interveniert auf einer Plantage, wo Mexikaner ausgebeutet werden, dann aber überlegt er es sich nochmal, will nichts dagegen tun. Als aber die Erde bebt, beendet er es nicht nur, sondern baut auch ihre zerstörten Häuser wieder auf. Superman moralisiert: Ja, er kann helfen, wo Menschen machtlos sind, aber man könne nicht immer auf ihn zählen, in der Regel müssten sie sich um sich selbst kümmern. „What you really need is a super-will to be guardians of your own destiny!“

Damit ist Superman zwar einerseits Helfer, aber auch Überbringer der ur-amerikanischen Botschaft, dass man sein Schicksal selbst in der Hand habe und man nur durch harte Arbeit alle seine Träume erfüllen könne. Wer sich die Realität ansieht, weiß, dass das Mumpitz ist. Superman ist zwar selbst ein „illegaler Einwanderer“, aber er hat ja leicht reden: Er ist mit Superkräften gesegnet. Für sein Glück musste er nie hart arbeiten.

Die Story zeigt, in welchem Spannungsverhältnis Superman mittlerweile steht: Einerseits ist er immer noch der Retter in der Not, andererseits erkennt er, dass er nicht die Lösung für alle Probleme sein kann. Einerseits kann er inspirieren und moralisieren, andererseits wirkt er dadurch überheblich, wenn er den Leuten sagt, was sie zu tun haben. Gutgemeinte Ratschläge mögen Hilfe zur Selbsthilfe sein. Aber es zeigt auch, wie machtlos Superman ist, wenn es um die wahren Probleme der Menschheit geht.

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Batman als Revolverheld

DC Comics

DC Comics

Titel: The Blue, the Grey, and the Bat

Autor/Zeichner: Elliot S. Maggin, Alan Weiss/Alan Weiss

Erschienen: 1992 (One-shot), Paperback 2016 (Elseworlds: Batman Vol. 1)


„You sons of whores killed my horse!“ (Batman)

Wir hatten schon alles: Batman als Vampir, als Green Lantern, sogar als Pirat. Was fehlt? Ach ja, Batman als Cowboy. Aber warum sollte ein Cowboy sich als Fledermaus verkleiden? Egal, einfach so. Doch anders als man von einem Western erwarten könnte, ist er kein Outlaw, der nach eigenen Regeln kämpft, sondern ein treuer Staatsdiener der USA. Genauer gesagt: der Nordstaaten, die sich gerade im Bürgerkrieg mit dem Süden befinden. Präsident Abraham Lincoln höchstselbst beauftragt Batman, eine Ladung Gold zu retten, um den Krieg finanzieren zu können. Also macht sich Bruce Wayne auf den Weg nach Nevada, um herauszufinden, wer den Schatz stiehlt …

Batman ist hier also bloß Diener der Staatskasse. Mit anderen Worten: er jagt dem Geld hinterher. So gehört es sich zwar nicht für Batman, aber für einen Cowboy. Und zu einem Cowboy gehört auch, ein Revolverheld zu sein. Also ballert Batman wild herum (manchmal benutzt er auch eine Peitsche oder Pfeil und Bogen). Ein moralisches Problem stellt das nicht dar. Allerdings sieht man nie, dass er jemanden umbringt. Die Schüsse landen bloß entweder in der Hand oder im Arm der Gegner und wenn er wahllos in eine Gruppe schießt, dient das nur dem Zweck, sie am Ende fesseln zu können. Blut fließt nie. Damit ist das Reflexionsniveau über Gewalt etwa so hoch wie in John-Wayne-Filmen.

Und auch sonst ist The Blue, the Grey, and the Bat eine altbackene Story mit einem Reigen an Western-Klischees – von sinnlosen Saloon-Schlägereien bis zu gefiederten Indianern. Apropos: der einzige Indianer, der eine Rolle spielt, ist das Robin-Pendant Redbird (ein Name, der verdächtig nah an das Wort „Redskin“ gerät). Immerhin er darf einmal metzeln, dass das Blut spritzt. Aber das nur, um seine Familie zu rächen. Die Wilden sind hier die Weißen. Puh, gerade nochmal gut gegangen – wenigstens ein Klischee wurde zu einem politisch korrekten Statement abgewandelt. Immerhin: Eine kleine Truppe von ehemaligen Sklaven darf für die gute Sache kämpfen. Doch das ist bloß eine gesichtslose Menge. Die meisten Helden bleiben die Weißen. Neben Lincoln treten noch andere historische Personen wie Samuel Clemens (alias Mark Twain) und der Revolverheld James Butler Hickok (alias Wild Bill) auf, aber sie bereichern die Story nicht wirklich. Sie lenken eher von der Hauptfigur ab. Aber die wird ohnehin vernachlässigt.

Das Problem an diesem Elseworlds-Szenario ist, dass es nicht die Essenz von Batman in ein anderes Setting überträgt, um ihm eine neue Facette abzugewinnen, sondern den Helden beliebig erscheinen lässt. Es spielt keine große Rolle, dass der Mann auf dem schwarzen Pferd ein Fledermauskostüm trägt. Weder kann er sich damit in der Wüste und bei Tageslicht gut verstecken, noch jagt er damit jemandem Angst ein, noch hat er Tricks auf Lager, die sonst keiner hat. Bruce Wayne ist kein grimmiger Einzelgänger, der eine Bürde zu tragen hat, er lächelt, als ob er das alles nur zum Spaß machte. Batman als Cowboy ist nicht als eine platte Wildwest-Show.

Gibt es denn sonst nichts Gutes über dieses Machwerk zu sagen? Doch: Batmans Kostüm (ganz in schwarz) ist gelungen. Und das Cover des Erstdrucks mit seiner Prägung und seiner Anmutung von handgeschöpftem Papier ist ganz hübsch geraten. Aber das ist bloß ein Sahnehäubchen auf dem Misthaufen.

P.S.: Ja, den oben zitierten Satz hat Batman wirklich gesagt. (Wütend und schießend wie John Wick nachdem man seinen Hund getötet hat.)

Zieh dich aus, Fledermaus!

Batman: The Cape and Cowl Conspiracy

Titel: The Cape and Cowl Conspiracy (dt. Die Verschwörung)

Regie/Autor: Frank Paur/Elliot S. Maggin

Erschienen: 1992 (Batman: The Animated Series, S01E31)


Das geht gar nicht: Da kommt man zu einer Spendengala und wird vor aller Augen von Batman gedemütigt und entführt. So geschieht es Baron Jozek, einer zwielichtigen Gestalt. Nachdem Batman ihn verhört, will sich Jozek an seinem Peiniger rächen und beauftragt einen Kerl, Batman in eine Falle zu locken, um ihm Umhang und Maske abzunehmen. Das klappt natürlich nicht beim ersten Mal, denn Batman wehrt sich sehr ausgebufft gegen die Verschwörung. Aber es kommt schließlich zum Äußersten und das Ende ist so überraschend, dass es nicht verraten werden soll. Es macht die Episode jedenfalls zu einer der besten.

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