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Poison Ivy in Batman: The Animated Series

In der großartigen Batman-Zeichentrickserie der 90er ist Poison Ivy wie auch Catwoman vor allem eine Umweltaktivistin. Wir erfahren nicht, wie sie entstanden ist, wir wissen nur, dass sie Botanikerin ist. Aber woher ihr starkes Immunsystem kommt, wird nie erklärt. Die Autoren haben sich dazu entschieden, die Figur als Geheimnis einzuführen.

Pamela Isley ist zunächst die Geliebte von Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent (bevor er Two-Face wird). Er ist ihr total verfallen, will sie heiraten, obwohl er sie kaum kennt. Dann wird er vor den Augen von Bruce Wayne ohnmächtig und landet im Krankenhaus – wegen einer Vergiftung. Poison Ivy will sich an ihm rächen, weil er beim Spatenstich für ein neues Gefängnis dabei war und weil beim Bau später eine vom aussterben bedrohte Rosenart vernichtet wurde.

Vielleicht hätte Ivy etwas subtiler dabei vorgehen können, denn die Verantwortliche ist schnell gefunden, Batman spürt Ivy in einem Gewächshaus auf, das mit einer Falltür versehen ist und in dem eine riesige fleischfressende Pflanze ihre Tentakel ausfährt. Zum Schluss gelingt es ihm, der Schurkin ein Gegenmittel abzuluchsen und sie in den Knast zu bringen, den sie so sehr hasst …

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Harley Quinn: Die erste Episode

Im Jahr 2019 bekam Harley Quinn ihre erste eigene Animationsserie, allerdings nur auf DC Universe und später HBO Max (in Deutschland beim Pay-TV-Sender Warner TV Comedy). Nun wurde die erste Folge offiziell auf YouTube veröffentlicht und man kann sich kostenlos ein Bild von ihr machen. Vorab gesagt: Es ist keine Kinderserie. Sie ist extrem brutal, menschenverachtend, voller Schimpfwörter und schwarzem Humor. Aber wenn man diesem Konzept etwas abgewinnen kann, ist der Mix sogar unterhaltsam.

Die Story kann man sich denken: Harley Quinn emanzipiert sich vom Joker. Ja, schon wieder. Zwar nicht ganz so gut wie in Mad Love, aber allemal witziger als in den unsäglichen Filmen Suicide Squad oder Birds of Prey. Hier hilft Poison Ivy ihrer Freundin, aus ihrer toxischen Beziehung auszubrechen. Mit dabei sind auch Batman, der Riddler sowie Commissioner Gordon, der als kaffeesüchtiges Nervenwrack dargestellt wird.

Zwei Staffeln mit 26 Folgen sind bereits erschienen, die dritte soll am 28. Juli 2022 in den USA herauskommen.

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Pinguin in Batman: The Animated Series

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Hoch die Flossen! Pinguin im DeVito-Stil. (Warner Bros.)

Der Pinguin von Danny DeVito in Batman Returns hat einen so großen Eindruck gemacht, dass die Figur in Batman: The Animated Series ihm nachempfunden wurde: mit langen schwarzen Haaren und Flossenhänden – wenn auch nicht ganz so düster, um kindgerecht zu sein. Und das ist auch schon das Problem. Denn so sehr sich die Macher der meist großartigen Serie bemüht haben, die schaurige Figur fürs junge Publikum anzupassen, haben sie vergessen, ihm als Charakter eine Tiefe zu verleihen wie bei anderen bis dato eindimensionalen Figuren wie Mr. Freeze.

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Pinguin mit Dolch im Kampf mit Batman.

Das geht schon ungünstig los mit einer Episode, in der weder der Pinguin noch Batman im Vordergrund stehen, sondern Kinder (I’ve Got Batman in My Basement, S01E13). Batman erwischt zwei Handlanger, die ein großes funkelndes Fabergé-Ei klauen, dann hat er es mit einem Riesengeier zu tun. Nach einer späteren Konfrontation mit dem Pinguin wird Batman von einer Rauchbombe außer Gefecht gesetzt, kann sich mit Mühe ins Batmobil retten. Zufällig sehen das zwei Kinder und sie bringen ihn mit dem Auto zu sich nach Hause, wo sie ihn im Keller gesund pflegen. Später bricht der Pinguin dort ein und wird nach Kevin-Allein-Zuhaus-Manier abgewehrt, bevor Batman wieder zu sich kommt und sich einen Kampf mit dem kleinen Dicken liefert.

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Mad Hatter in Batman: The Animated Series

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Jervis Tetch als Mad Hatter mit Alice. (Warner Bros.)

Jervis Tetch war ein Räuber, ein Hutsammler, ein Hobby-Neurologe und IT-Techniker, aber eins war er nicht: ein Hutmacher. Vor allem ging schnell der Bezug zum Vorbild aus Alice im Wunderland verloren, der nur beim ersten Auftritt des Mad Hatters 1948 vorhanden war. Das ändert sich in Batman: The Animated Series. Gleichzeitig wird zum ersten Mal ein Charakter aus der bisher eindimensionalen Figur.

Tetch ist hier zunächst ein (britischer) Wissenschaftler, der für Bruce Wayne arbeitet (Episode Mad as a Hatter/Der Verrückte Hutmacher S01E27). Von seiner direkten Vorgesetzten wird er unter Druck gesetzt, Resultate zu liefern. Mittels seiner Geräte bringt er Ratten Manieren bei, dann überträgt er die Gedankenkontrolle auf Menschen.

Auslöser ist die Liebe: Tetch schwärmt für seine Sekretärin, die junge Alice. Doch die ist bereits vergeben und interessiert sich nicht für ihren älteren Chef mit dem Überbiss, sondern hat einen Verehrer in ihrem Alter. Kurz überlegt Tetch, ihre Liebe mit seiner Technik zu erwirken, aber er lässt es, denn er will keine seelenlose Marionette.

Als Alice von ihrem Freund sitzen gelassen wird, wittert Jervis seine Chance und führt sie aus. Um sie zu beeindrucken, zieht er sich an wie der Mad Hatter aus Alice im Wunderland, weil es sein Lieblingsbuch ist und ein Plakat vom Hutmacher in seinem Labor hängt. Eine seltsame Masche, aber er setzt dabei auch seine Karten zur Gedankenkontrolle ein, sodass Jervis und Alice etwa im Restaurant vorzugsweise behandelt werden. Als ihn zwei Räuber angreifen, steckt er ihnen zwei seiner Karten in die Stirnbänder und befiehlt ihnen, von der Brücke zu springen – was Batmans Aufmerksamkeit erregt.

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Batman im Wunderland: Grinsekatze und Kaninchen. (Warner Bros.)

Alle Mühe ist jedoch vergebens, als Alice und ihr Freund wieder zusammenfinden. Dann entführt er Alice und bringt sie in einen Vergnüngspark im Wunderland-Stil. Dabei macht er aus ihr dann doch die Marionette, indem er sie in die Titelrolle zwingt. Batman kämpft gegen lauter willenlosen Menschen in Rollen aus dem Wunderland: Walross, Zimmermann, Kaninchen, Grinsekatze und die Herzkönigin. Durch die Gedankenkontrolle haben sie Superkräfte.

Mit dieser Episode erhält der Mad Hatter erstmals eine Vorgeschichte und Persönlichkeit – wie auch andere bis dato unterbelichtete Batman-Schurken (Two-Face, Clayface und Mister Freeze).

Alternative Traumwelt für Bruce Wayne

In Perchance to Dream erschafft der Mad Hatter eine Traumwelt für Bruce Wayne, in der seine Eltern noch leben und er nicht mehr Batman ist. Was es damit auf sich hat, wird erst am Ende klar, als die Illusion zerbricht und Bruce Wayne gegen Batman kämpft. Der Hatter erscheint, als Bruce Batman die Maske vom Gesicht reißt, und erklärt ihm, er sei auch nur eine Konstruktion. Indirekt zitiert er aus Alice Hinter den Spiegeln, als er die Meta-Frage stellt: „Are you the dreamer, or merely part of somebody else’s dream?“

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Hinter Batmans Maske steckt der Mad Hatter. (Warner Bros.)

Bruce befreit sich aus dem Traum, indem er sich von einem Turm stürzt. Nachdem er erwacht, offenbart ihm der (wahre) Hatter, er habe Batman ein perfektes Leben erschaffen wollen, damit er sich aus seinem heraushält. Eine überraschende Wendung: Statt Rache will der Hatter eine Win-Win-Situation schaffen.

Interessanterweise haben sich die Autoren von der Comicstory  Identity Crisis (Detective Comics #633, 1991) inspirieren lassen (wo die Auflösung aber eine ganz andere ist), die ist wiederum inspiriert von Alan Moores For the Man Who Has Everything. Hier hat man Mad Hatter also neue Fähigkeiten angedichtet, die in die Richtung von Matrix und Inception vorausweisen (wobei diese vom Roman Simulacron-3 inspiriert sind, der später als Welt am Draht und als The 13th Floor verfilmt wurde).

Hatters Sorgenpüppchen

In The Worry Men (Die Sorgenpüppchen, S01E65) arbeitet der Hatter ebenfalls zunächst hinter den Kulissen: Er verteilt an die High Society Gothams kleine Puppen, die Sorgen vertreiben sollen, wenn man sie sich unters Kopfkissen legt. Tatsächlich aber brachte er die Reichen damit nur dazu, ihm ihr Geld zu geben.

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Mad Hatter verkauft Sorgenpuppen. (Warner Bros.)

Am Ende erklärt Tetch, er habe danach dem Verbrechen abschwören wollen: Er wollte sich eine Insel kaufen, um dort einen Laden für Sonnenhüte aufzumachen: „Aber Inseln, selbst die kleinsten kosten Geld! Sehr viel Geld!“ Und so manipulierte er einen „Eingeborenen“, der die kleinen Figürchen herstellte, um sie mit seinen Mikrochips auszustatten. Dieser treibt dann in einem „Eingeborenen“-Kostüm mit Lendenschurz etc. das Geld ein und kämpft mit Batman.

Im Finale schickt der Hatter noch eine Reihe Roboter auf Batman los, die wie seine klassischen Gegner aussehen: Riddler, Pinguin, Harley Quinn und Joker.

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Albtraum für Schurken: Batman als Sorgenpuppe. (Warner Bros.)

Als Tetch wieder in Arkham ist, liegt ein Batman-Püppchen unter seinem Kopfkissen, das ihn von einem ehrlichen Lebenswandel träumen lässt – es scheinen sehr unruhige Träume zu sein.

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Mad Hatter und die verstrahlte Maske

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Radioaktiv: Batmans pinke Maske. (Warner Bros.)

Titel: The Contaminated Cowl/The Mad Hatter Runs Afoul (dt. Vorsicht, Strahlung!)

Drehbuch: Charles Hoffman

Erschienen: 1967 (S02E35-36)


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Mad Hatter mit Schlinge und Komplizin. (Warner Bros.)

Der Mad Hatter klaut 700 Hutschachteln, um seine Sammlung einzumotten. Er hat seine Sammelleidenschaft einem anderen Objekt der Begierde zugewandt: Juwelen. Trotzdem will er immer noch Batman um seine Maske bringen. Und das geht so.

Zunächst klaut der Schurke einen Rubin aus der extravagaten Kopfbedeckung einer Frau. Nach der obligatorischen Keilerei mit Batman und Robin, besprüht er Batmans Maske mit einem radioaktivem Spray. Zum Glück hat Batman eine „Anti-Radioactive-Bat-Pill“ gegen Strahlung dabei. Doch wie lange die wirkt, ist unklar. Außerdem bleibt die Maske verstrahlt und nimmt eine pinke Farbe an – was radioaktive Masken eben so tun. Leider sind die Ersatzmasken gerade alle in der Reinigung. Was tun?

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Mad Hatter Undercover mit Fez. (Warner Bros.)

Batman bittet einen Atomforscher um Hilfe. Bruce Wayne hat gerade Geld für seine Einrichtung gespendet. Der Wissenschaftler will die Maske dekontaminieren und ruft seinen Mitarbeiter Otto herbei. Otto trägt einen Strahlenanzug (im Gegensatz zu allen anderen), doch in Wahrheit steckt der Mad Hatter darin, der die Chance ergreift, an Batmans Maske zu kommen. (Inspiriert wurde die Geschichte von Detective Comics #230 und Batman #161.)

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Batman und Robin unter Bestrahlung. (Warner Bros.)

Batman hat aber zum Glück plötzlich einen Ersatz dabei und kann die Verfolgung aufnehmen. Robin ist leider indisponiert, weil der Hatter ihm gegens Schienbein tritt. Ohne groß Widerstand zu leisten wird das Dynamische Duo in einer Kammer eingesperrt und Röntgenstrahlen ausgesetzt. Und was dann folgt, ist nichts für schwache Nerven. Daher ist diese SPOILER-Warnung gleichzeitig eine Trigger-Warnung. Wer immer noch weiterlesen möchte, tut dies auf eigenes Risiko …

Bereit?

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Jokers Schlüssel zur Zeit

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Kleiner Schlüssel, große Wirkung: Joker hat einen genialen Plan.

Titel: The Impractical Joker/The Joker’s Provokers (dt. Die Zeitmaschine)

Drehbuch: Jay Thompson & Charles Hoffman

Erschienen: 1966 (Batman S02E21-22)


Des Jokers neuer Fetisch: Schlüssel. Zuerst zerreißt er im „Keyborn Bookstore“ den Roman „Keys of the Kingdom“, dann zertrümmert er im „Keynote Music Shop“ eine Platte mit dem Titel „You’re the Key to My Heart“, dann verbrennt er im „Key Club“ eine Akte. Zufälligerweise geht es auch in Wayne Manor gerade um Schlüssel: der Fels von Gibraltar gilt als „key to the Mediterrenean“, weiß Dick Grayson brav aufzusagen. Es soll „keynote“ seines Geografie-Aufsatzes werden, schlägt Bruce vor.

Okay, wir haben’s kapiert, es geht um Schlüssel. Aber damit nicht genug: Jemand hat im „Keystone Building“ ein Schild ruiniert. Wenn es um Bücher, Platten oder Akten geht, könnte sich eigentlich die Polizei selbst drum kümmern. Aber wenn es um Gebäude geht, hat Gordon keine andere Wahl, als zum roten Telefon zu greifen. Aber damit immer noch nicht genug: Der Joker schickt der Polizei einen „skeleton key“ (wörtlich genommen: einen Schlüssel in Form eines Skeletts) mit dem Hinweis, dass er den juwelenbesetzten Schlüssel von Kaincardine stehlen will.

Okay, jetzt reicht’s aber wirklich mit den Schlüsseln, sonst straft mich Google für mein „keyword stuffing“ ab. Daher zur Grundfrage: Was hat der Joker eigentlich vor? Eigentlich geht es ihm nur um einen kleinen, selbstgemachten Schlüssel, mit dem er eine kleine selbstgebastelte Maschine aktiviert und damit Batman und Robin in eine Art Hypnostarre versetzt. Wir erfahren später: Der Joker war mal ein bekannter Hypnotiseur. Wozu aber braucht er einen Schlüssel für eine selbstgebaute Maschine, wenn es doch auch ein einfacher Schalter täte?

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Jokers teuflische Todesfalle: Batman im „Human Key Duplicator“.

Wie dem auch sei: Batman soll später in der Todefalle selbst zum Schlüssel verarbeitet werden, während Robin eine dicke Wachsschicht bekommt (was mit Schlüsseln nichts zu tun hat). Batman kommt frei, da er im Gürtel immer seinen Ersatzschlüssel dabeihat, den er diesmal in die Zahnräder der Maschine stecken kann. Den gewachsten Robin nimmt er mit, um ihn in der Batcave mit Bat-Anti-Wachs-Spray wieder freizubekommen. Zum Glück kann Robin so lange (d.h. sehr lange) die Luft anhalten.

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Batman bringt den gewachsten Robin in Sicherheit.

Im zweiten Teil des Abenteuers ist die Hypno-Maschine zerstört (und dank Bat-Anti-Hypno-Pillen ohnehin nutzlos), dafür hat der Joker aber mal eben eine kleine Zeitmaschine gebaut, die ebenfalls mit einer Schlüsselumdrehung funktioniert – und zwar nur damit, um gezielt die Zeit vor- und zurückzudrehen.

Doch dann hat es der Joker – ganz der Alte – auf das Trinkwasser-Reservoir abgesehen. (Er will eine Droge reinschütten, um damit die Stadt zu kontrollieren, als wäre die Zeitmaschine nicht genug.) Darauf kommen Batman und Robin nach weiterem aufwendigem Rätselraten, bis Batman dann einfällt, dass da zuletzt eine Joker-artige Gestalt gesichet wurde.

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Alfred hält als Wachmann den Joker in Schach.

Zufällig arbeitet dort Alfreds Cousin Egbert als Wachmann, zufällig sieht er genauso aus wie Alfred, also tauschen sie die Rollen, was völlig sinnlos ist, da Batman und Robin ohnehin im Hintergrund lauern. Aber Alfred würde gerne „part of the team“ sein, also lässt man ihn mitmachen. (Immer nur putzen, Telefondienst schieben und Tante Harriet anlügen füllt auf Dauer einfach nicht aus.) Er hat sich sogar ein Fahrrad, ein Alf-Cycle zugelegt, mit eingebautem Funkgerät. Für ein Motorrad scheint das Butler-Gehalt nicht gereicht zu haben.

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Alfred zeigt Initiative: mit seinem Alf Cycle.

Als der Joker mit Bande am Tatort auftaucht, stellt sich heraus: Cousin Egbert ist käuflich! Für schlappe fünf Dollar hat er sich bereits vom Joker bestechen lassen – ein wahrer Judaslohn. Großzügigerweise legt der Schurke jetzt noch mal fünf drauf. Er hat eben doch ein gutes Herz, wie seine Handlanger uns versichern, da er schon viel für sie getan hat (wie etwa Mord und Erpressung). Wie aber hat dieser Mann mit den vielen Talenten es fertig gebracht, eine Zeitmaschine zu bauen? Das bleibt ein Rätsel, genauso wie die Zeit selbst …

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Catwoman grillt Batman

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Catwoman (Julie Newmar) mit Katzenbetäubungspistolen.

Titel: Hot Off the Griddle/The Cat and the Fiddle (dt. Frisch vom Grill)

Drehbuch: Stanley Ralph Ross

Erschienen: 1966 (Batman S02E03-04)


Ein Katalog wird gestohlen. Dann ein Modell eines Katamarans. Schließlich drei Fäustlinge. Catalog, catamaran und „mittens from three kittens“ – dahinter kann nur eine stecken: Catwoman! Denn das einzige Gesetz, an das sich Gesetzlose in Gotham halten, ist, dass jedes Verbrechen zum Thema ihres Kostüms passen muss. Doch der ganze Aufwand ist nur die Vorstufe zu einem weitaus größeren Plan.

Wie der aussieht? Batman und Robin haben keine Ahnung. Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Sie locken Catwoman in eine Falle. Oder versuchen es wenigstens. Sie lassen einen Klatschreporter eine falsche Fährte in seiner nächten Kolumne einbauen und vertrauen darauf, dass Catwoman diese auch liest. Aber das muss sie gar nicht, denn der Reporter (der in der Telefonzelle einer Drogerie arbeitet) warnt Catwoman über sein „gossip phone“, sodass sie vorbereitet zum Tatort im Museum eintrifft. Batman und Robin werden mit Gift betäubt und aus dem Fenster geworfen. Zum Glück ist aber unten ein Netz gespannt.

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Tante Harriet tanzt den „Catuzzi“.

Auf die nächste Spur bringt die beiden planlosen Helden Tante Harriet. Die alte Dame tanzt nämlich den Catuzzi, den neuesten Modetanz, der zu einer Art Katzenmusik gespielt wird. Der Batusi hat offenbar ausgedient. Jetzt heißt es, Krallen zeigen. Tante Harriet weiß auch, dass der Trend aus dem Lokal „The Pink Sandbox“ stammt. Kein Wunder, dass die beiden Spießer noch nie was davon gehört haben. Wer würde schon freiwillig in einen Laden gehen, der sich Katzenklo nennt?

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Tanzen im Katzenklo: The Pink Sandbox.

Dort sind alle passend gekleidet, von der Go-Go-Tänzerin bis hin zur Kellnerin. Auf der Speisekarte stehen: „Catburgers with catsup, Chicken Cat-atore, and various cuts of meat from choice Kansas City cattle.“ Hier wurde offenbar wieder mal das Wörterbuch geplündert.

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Die Qual der Wahl: Batman und Robin mit Katzenmenü.

Batman und Robin landen dann selbst in der Pfanne – und zwar buchstäblich. Zuerst werden sie in einen Raum gesperrt, dessen Boden so heiß wird, dass man Spiegeleier drauf braten kann (was Catwoman auch demonstriert). Dann landen sie auf zwei Grillrosten auf dem Dach, wo riesige Brenngläser über ihnen angebracht werden. Wozu der Aufwand? Um diesen literarischen Witz zu machen: „bat on a hot tin roof“.

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Auf der Speisekarte: Fledermaus auf dem heißen Blechdach.

Findet Batman gar nicht lustig. Aber für Humor war er ohnehin noch nie bekannt, wie Catwoman ernüchtert feststellt. Fragt sich nur, was sie dann an dem Langweiler findet. Wie dem auch sei: Zum Glück findet just in dem Moment eine Sonnenfinsternis statt, die den beiden Helden Zeit verschafft, sich zu befreien.

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Volle Kraft voraus: Batjets schießen Batman in die Höhe.

Beim Finale in einem Hochhaus kommt eine Rakete zum Einsatz, mit der Batman einen defekten Fahrstuhl wieder in Betrieb nehmen kann. Dort oben hat Catwoman eine Rakete für die Flucht bereit, die aber nicht starten will, während sich die anderen prügeln. Am Ende rettet Batman ihr das Leben mit dem Bat-Seil und stürzt dabei selbst fast ab. Doch dann kann Robin sie gemeinsam wieder hochziehen. Kräfte wie Superman muss dieser schmächtige Wunderknabe haben.

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Catwomans Fluchtrakete.

Apropos: Tatsächlich findet sich in dieser Folge eine Anspielung auf den Mann aus Stahl. Als die Polizei von der Straße aus Catwomans Bande auf dem Hochhaus sieht, fragt Chief O’Hara: „Are they birds?“Und Gordon fragt: „Are they planes?“ – „No“, sagt Batman. „They’re cat burglars!“ Schade, dass Superman es nie persönlich in die Serie geschafft hat.

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Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, nur Einbrecher.

Außerdem lernen wir zweierlei. Erstens: Nie direkt in die Sonne schauen. Und zweitens erfahren wir etwas über englische Grammatik: „You can’t get away from Batman that easy!“, sagt Robin. – „Easily“, korrigiert Batman. „Good grammar is essential.“

Wunderbar.

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Wie Batman Beyond entstanden ist

Nach dem Reboot von Batman: The Animated Series mit dem Titel The New Batman Adventures kam das jähe Ende. Eine erfolgreiche Staffel, dann war Schluss. Der Sender WB Kids wollte etwas anderes: einen jungen Batman, einen Teenager. Produzent Bruce Timm war da nicht wirklich scharf drauf, wie er erzählt. Wie soll das auch gehen, wenn Bruce Wayne erst als Erwachsener Batman wurde?

Aus der Not wurde eine Tugend: Ein neuer Batman musste her, nicht Bruce Wayne, sondern ein Teenager, der in dessen Fußstapfen tritt. Ein Batman der Zukunft. Eine Kurz-Doku von IGN erzählt, wie die Zeichentrickserie Batman Beyond zum Klassiker wurde, den niemand wollte. Bemerkenswert ist, dass das Konzept innerhalb weniger Monate fertiggestellt werden musste – samt Design und neuer Schurkenriege. Die Schurken wurden aus Zeitnot heraus zuerst gezeichnet und dann mit einer Story versehen.

Batman Beyond wurde zum Erfolg: drei Staffeln und ein Joker-Film, der es in sich hat, wurden produziert. Es gab auch Pläne für eine Live-Action-Adaption. Daraus ist zwar nichts geworden, aber dafür gibt es zahlreiche Comics, die die Geschichte von Terry McGinnis weitererzählen.

Gehirnwäsche statt Kaviar

Batman 1966

Gehirnwäsche: Der Pinguin steckt Alfred in seine „Penguin Box“.

Titel: Fine Finny Fiends/Batman Makes the Scenes (dt. Der Pinguin schlägt zu)

Drehbuch: Sheldon Stark

Erschienen: 1966 (Batman S01E33-34)


Es steht mal wieder das Wohltätigkeitsdinner der Millionäre von Gotham an. Alfred geht schon mal einkaufen. Auf der Liste steht Kaviar – und das nicht zu knapp, ein Pfund pro Kopf muss schon drin sein. Auch wohltätige Millionäre wollen sich schließlich nicht lumpen lassen. Da ist es gut, dass ein neuer Fischladen aufgemacht hat und den edlen Störrogen wohlfeil anbietet. Doch kaum hat der Feinschmecker das Zeug gekostet, steckt er unter einem Regenschirm und wird mit Gas ausgeknockt.

Chief O’Hara schaltet scharf: Dahinter kann wohl nur der Pinguin stecken! Und er hat natürlich Recht, auch wenn er die Drecksarbeit – wie immer – lieber Batman überlässt. Der Schurke will von Alfred herausfinden, wo das Wohltätigkeitsdinner stattfinden wird, denn es wird jedes Jahr an einem anderen geheimen Ort abgehalten. Alfred weiß es aber noch gar nicht, weil es noch nicht entschieden wurde, und selbst wenn er es wüsste, würde er es nicht preisgeben.

Pinguin schreibt sogar mit Schirmen.

Für diese Probleme hat der Pinguin eine Lösung: Gehirnwäsche. Mittels Penguin-Box, einem Gerät, das aussieht wie eine Art Schwitzbad mit Leuchtgirlanden, macht er sich Alfred erstens gefügig und zweitens vergesslich. Nur ein nervöses Zucken bleibt bei dem treuen Butler zurück. So wird er wieder in die Freiheit entlassen.

Die Polizei hat natürlich keine Ahnung davon, wo der Pinguin stecken könnte. Batman und Robin kommen dahinter, weil sie als einzige auf die Idee kommen, den Zettel vom Boden des Fischgeschäfts aufzugeben. „Knott A. Fish“ nennt sich der Inhaber des Ladens, „not a fish“ – das kann nur Pinguin bedeuten, sagt Robin. Und später erweist sich der Hinweis als nützlich, weil der Schurke so dumm war, den bescheuerten Namen auch auf ein Schild am Hafen zu schreiben.

Batman und Robin – verloren im Schirmwald.

Doch als das Dynamische Duo eintrifft, findet es sich in einem Wald aus aufgespannten Regenschirmen wieder und landet nach der Prügelei an zwei übergroßen Angelhaken. Die Todesfalle: eine Vakuumkammer, aus der Pinguins Schergen mit einem Blasebalg Luft rauslassen. Um deutlich zu machen, wie brenzlig die Lage ist, werden Luftballons zum Platzen gebracht. Nur die Körper der Helden bleiben seltsamerweise intakt. Als die Luft aus dem Raum raus ist, dürften Batman und Robin erledigt sein, aber dann sind sie plötzlich frei. Warum? Zum Glück hat Batman etwas Sauerstoff im Bat-Gürtel dabei gehabt.

Tödliches Vakuum: Batman und Robin in der Todesfalle.

Natürlich ist Batman auch schlau genug, das falsche Spiel des Pinguins zu durchschauen: Er lässt ihm von Alfred eine Adresse geben, bei der auch er zugegen ist. (Allerdings trinkt er nur Milch. Ob er als Bruce Wayne zur Tarnung bloß Ginger Ale trinkt?) Das Dinner erweist sich als frivoles Spektakel: Als Höhepunkt springt eine schöne Frau aus einer Riesentorte, während die Millionäre sie mit Banknoten bewerfen. Diesmal aber steckt die Komplizin des Pinguins drin – ihr größter Wunsch ist es ohnehin, eine Misswahl zu gewinnen, jetzt ist ihr großer Auftritt. Auf ihrer Schärpe steht der Verwendungszweck der Spenden: Miss Natural Ressources. Dass sie zuvor einen Pelzmantel getragen hat, dürfte ein Scherz sein, dessen Ironie sich erst heutzutage erschließt.

Alles nur für den guten Zweck: Miss Natural Ressources im Geldregen.

Doch dann versprüht die Dame wieder Betäubungsgas und die Helden schlafen ein. Aber das scheint nur so. Denn kurz darauf springen sie aus dem Safe des Pinguins und bringen die Bande zur Strecke. Sie haben zuvor ein Gegengift genommen. Sie hätten das alles auch viel einfacher haben können. Auch der Pinguin hätte bloß Bruce Wayne zum Dinner folgen müssen, um die Kohle abzusahnen. Doch all das hätte nicht zwei Episoden mit herrlich schönem Quatsch gefüllt.

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Batman mit acht Celli

Neil Heftis Main Theme der Batman-Serie mit Adam West ist so genial eingängig, dass sie schon in den 60ern oft gecovert wurde: von The Who, The Standells, Jan & Dean, The Ventures, The Markettes und Los Monjes. Aber hier kommt eine ganz andere Instrumentalversion: Samara Ginsberg spielt die Batman-Theme mit acht Celli.

Wie schon die Beatles übrigens bei Eleanor Rigby, nur dass die Beatles damals nicht an den Instrumenten saßen: Frau Ginsberg kriegt das Oktett hingegen ganz allein hin – und das nur mit zwei Händen. Und sie schafft es, zwischendrin noch, etwas zu lesen, zu trinken und mit dem Handy zu spielen. Beeindruckend.