Batman

Der unschuldige Joker

DC Comics

Titel: Death Has the Last Laugh/Only Angels Have Wings

Autor/Zeichner: Bob Haney, Dan Mishkin, Gary Cohn/Jim Aparo

Erschienen: 1974/1982 (The Brave and the Bold #111/#191), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Eigentlich ist die Serie The Brave and the Bold für Crossover zwischen Batman und einem Gaststar gedacht, mit dem er sonst nicht viel zu tun hat. Aber zweimal war sein Partner der Joker – und beide Male wurde er verdächtigt, Morde begangen zu haben, was er jedes Mal abgestritten hat.

In Death Has the Last Laugh wird eine Familie tot aufgefunden – der Joker hat am Tatort seine Karte hinterlassen, doch von Grinsegrimassen fehlt jede Spur. Die wird dann plötzlich im Leichenschauhaus nachgetragen. Höchst seltsam, selbst für den Joker. Batman ist stinksauer. So sauer, dass er Commissioner Gordon droht, seine Jungs sollen sich lieber beeilen, denn wenn er, Batman, den Joker erwische, könne er für nichts garantieren.

Auf Krawall gebürstet mischt Batman die ganze Stadt auf, um eine Spur zu finden, aber als er den entscheidenden Tipp bekommt, will sich der Joker gerade in der Sauna an einem gewissen Slade dafür rächen, ihm den Mord angehängt zu haben. Batman wird dabei von Slade angeschossen. Später verbündet er sich mit dem Joker, um Slade zu fassen. Doch das geht gründlich schief, weil Batman auffliegt, als er sich in dessen Wagen schleicht.

Am Ende führt die Spur zu einem stillgelegten Kanal. Batman steigt hinab ins Becken, um der Spur einer Joker-Karte zu folgen, da lassen der Joker und Slade das Wasser ein. Die ganze Aktion war diente nur dazu, um Batman zu ertränken. Sie hätten ihn vorher schon in der Sauna erschießen können, der ganze Plan erscheint mal wieder unnötig aufwendig, aber egal.

Batman befreit sich auch aus diesem Schlamassel, der Joker will mit dem Batmobil fliehen, kann aber nicht, weil er den Code fürs Autoradio nicht kennt. Der lautet: BATMAN. Wer solche Passwörter hat, sollte sich nicht wundern, wenn er auf der Schurkenjagd fast draufgeht, aber so schnell hat der Joker zum Glück nicht geschaltet. In dem Fall hätte es auch gereicht, den Autoschlüssel mitzunehmen …

Der Joker tötet den Pinguin

DC Comics

Acht Jahre später, in Only Angels Have Wings, ermordet der Joker den Pinguin live bei einem Fernsehauftritt. Dann lockt er Batman mit dem Jokersignal zum Jokermobil, verpasst ihm erstmal eine riesige Faust, die aus einem Kofferraum springt, beteuert dann aber seine Unschuld. Batman hat zwar nicht den geringsten Grund, ihm zu glauben, immerhin hat der Clown ihn schon einmal so reingelegt (siehe oben), aber andererseits: Warum sollte der Joker einen Mord nicht für sich reklamieren? Immerhin gibt er daraufhin zu, einen von Pinguins Handlangern vergast zu haben.

Der Joker aber will angeblich den Fall aufklären, um sich für den Pinguin zu rächen – er habe an dem Vogel gehangen. Also lässt sich Batman widerwillig auf die temporäre Partnerschaft ein und sie ermitteln gemeinsam. Dass der Joker gerade einen Mord gestanden hat und später zweimal versucht, Batman umzubringen, bringt den Dunklen Ritter aber auch nicht davon ab, das Spiel weiter mitzuspielen.

Als er den toten Pinguin aufgebahrt im Sarg liegen sieht, schaut der beste Detektiv der Welt nicht einmal nach, ob die Leiche echt ist. Spoiler: Ist sie natürlich nicht. Der Plan dahinter ist so weit hergeholt, dass jeder Erklärungsversuch scheitern muss. Der Pinguin hat seinen Mord inszeniert, damit er einen Kardinal entführen kann, der zu seiner Totenfeier ein Kardinal aus Rom kommt, dann will er den Vatikan um Millionen erpressen. (Außerdem ist Kardinal auch der Name eines Vogels …) Der Kardinal kommt, weil der Pinguin der Kirche Geld gespendet hat. Aber demnach war der Schurke gut bei Kasse – wozu also … Ach, vergesst es. Am Ende werden beide eingebuchtet.

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Batman auf Eiersuche

DC Comics

Titel: Batman Universe

Autor/Zeichner: Brian Michael Bendis/Nick Derington

Erschienen: 2019-2020 (Mini-Serie #1-6), Hardcover 2020


Brian Michael Bendis hat sich zwei Jahrzehnte lang einen Namen als Autor bei Marvel gemacht, seit 2018 schreibt er Superman – und jetzt schickt er auch noch Batman quer durchs ganze Universum. Und das kommt so: Der Riddler hat ein Fabergé-Ei gestohlen, das 15 Millionen US-Dollar wert ist. Batman versucht, es wiederzubeschaffen. Doch jedes Mal, wenn er es in die Finger bekommt, erlebt er eine Überraschung.

Batman gleitet (DC Comics)

Zum Beispiel: Deathstroke kommt ihm in die Quere, die Reise geht nach Gorilla City, Dinosaur Island, Thanagar und sogar in den Wilden Westen von Jonah Hex. Hinter all dem steckt der unsterbliche Schurke Vandal Savage. Zwischendurch helfen ihm Green Arrow und Green Lantern. Am Ende wird Batman selbst zu einem – ACHTUNG SPOILER! – … ach nee, ich verrat’s lieber nicht.

Batman mit Green Lantern auf Dinosaur Island (DC Comics)

Batman Universe ist eine wilde Schnitzeljagd, die nie langweilig wird, ständig etwas Neues und Unvorhergesehenes bietet und dabei bestens unterhält, weil sie sich selbst nicht ernst nimmt. Die Dialoge sind durchzogen von einem wunderbaren Humor, der für Batman eher unüblich ist, aber die Story trotzdem nicht lächerlich macht. Innere Monologe fehlen, stattdessen gibt es für Batman immer wieder Anlässe, Selbstgespräche zu führen oder laut sein Innerstes in einer ungeahnten Offenheit preiszugeben.

Batman kämpft sich mit Nightwing durch. (DC Comics)

Das Ganze liest sich wie eine Hommage an das naive Silver Age, als noch alles möglich war und auch hier darf man bloß nicht nach dem tieferen Sinn fragen: Warum katapultiert das Ei Batman nach Thanagar, in den Wilden Westen und dann nach Crime Alley? Ganz einfach: Weil es cool ist, dass Batman Flügel bekommt, sich wie ein Cowboy kleidet und dann fast an derselben Stelle erschossen wird wie seine Eltern. Warum Gorilla City? Warum hauen Green Arrow und Green Lantern nach kurzer Zeit wieder ab? Egal! Es macht einfach nur Spaß.

Und das auch in visueller Hinsicht. Zeichner Nick Derington hat mich bereits mit seinen Covern für Mister Miracle beeindruckt, aber sein Batman ist einfach umwerfend: Mal bestechend schlicht, mal spektakulär und detailreich, aber immer so lebendig, dass sich darin die ganze Lakonie der Story wiederfindet. Jede der knallbunten Seiten eine Augenweide, ich konnte nicht genug bekommen, ja, ich muss gestehen: Derington ist mein neuer Lieblingszeichner.

Muss ich noch mehr sagen? Nein, genug gelobt. Na gut, vielleicht noch ein kurzes Schlusswort: Batman Universe ist kein typischer Batman, aber genau das ist so toll daran. Es ist erfrischend anders und doch klassisch, geeignet für Einsteiger wie alte Fans. Bitte mehr davon, Mr. Bendis! Und mehr von Derington kann man derzeit in der Serie Batman/Superman bestaunen.

(Hinweis: Batman Universe erschien seit 2018 zuerst im Batman 100-Page Giant, einer Serie, die nur über Walmart vertrieben wurde.)

>> Batman 2011-2019

Alfred: Immer Herr der Lage

DC Comics

Titel: Captive Audience

Autor/Zeichner: Scott Peterson/Craig Rousseau

Erschienen: 1999 (Gotham Adventures #16), Paperback 2020 (Batman Allies: Alfred Pennyworth)


Alfred ist bekanntlich mehr als nur ein Butler. Der Weg dahin war lang: Zunächst wollte er mehr sein, indem er sich als Möchtegern-Detektiv versuchte. Später wurde er zur Allzweckwaffe: Ein Mann mit Kampferfahrung im Krieg, ein Schauspieler und ein Unfallchirurg – nützliche Fähigkeiten für jede Situation.

In Captive Audience wird er entführt, seine Kidnapper verlangen Lösegeld von Bruce Wayne. Batman schickt Nightwing, Robin und Batgirl los, um ihn zu befreien, aber Alfred hilft sich selbst. Die Entführer sind nicht die hellsten: Zur Sicherheit haben sie nämlich auch drei andere Butler mitgenommen, die gerade zugegen waren.

Während die drei Helden sich durch einen Haufen von Ganoven prügeln, trickst Alfred die Bande aus: Zunächst verspricht er dem Anführer, ihm ein Geheimnis über Bruce Wayne zu verraten. Dafür muss er aber die anderen Opfer wegbringen. In der Zwischenzeit hypnotisiert er die beiden Helfer, die auf ihn aufpassen sollen und lässt sie in Tiefschlaf fallen. Schließlich knockt er den anderen aus. Als Nightwing und Co. eintreffen, ist alles erledigt und Alfred  erscheint völlig abgebrüht als Herr der Lage.

Wir erfahren: Derlei ist bereits öfter passiert. 27 Mal um genau zu sein, deshalb hat Alfred für solche Fälle auch einen Tracker bei sich. Wer sich jetzt über Spoiler aufregt, dem geht es so wie mir: Denn bereits das Cover verrät leider alles. Amüsant zu lesen ist es trotzdem.

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Robin als Vorbild – für Verbrecher

DC Comics

Titel: The Midnight Raid of the Robin Gang

Autor/Zeichner:  John Broome, Jack Shiff/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1965 (Detective Comics #342), Hardcover 2015 (Robin, The Boy Wonder: A Celebration of 75 Years)


In der Klatschspalte der Zeitung ist Unerhörtes zu lesen: Robin soll Batman bei einem Einsatz in die Quere gekommen sein, denn der Wunderknabe soll neidisch sein. Er habe es satt, dass Batman ständig die Lorbeeren für ihr Teamwork einheimst. Totaler Blödsinn, denken sich Bruce und Dick, da informiert Commissioner Gordon Batman, dass derzeit viele Jugendliche die Schule schmeißen, um Karriere als Verbrecher zu machen.

Auch einer von Dick Graysons Mitschüler, Tom Willard, hat sich dem Trend angeschlossen. Dick will ihn davon überzeugen, in die Schule zurückzukehren, da findet er bei ihm zuhause eine Robin-Uniform. Tom bringt ihn zu einem Wrestling-Studio. Der Betreiber lässt vier Jungs in Robin-Kostümen Diamanten klauen. Welchen Sinn es hat, Kinder in knallbunten Kostümen Diebstahl begehen zu lassen, wird leider nicht erklärt. Es reicht offenbar, dass es sich um eine Unverschämtheit handelt, Robins guten Ruf zu missbrauchen.

Robin als Dieb?

Zunächst fällt auch Batman auf die Täuschung herein. Als Dick den Fall lösen will, tritt er aus Versehen Batman vom Dach – und zufällig hält eine Fernsehkamera drauf. Das Gerücht vom Streit des Dynamischen Duos bekommt neues Futter. Aber dann beweisen die beiden das Gegenteil, indem sie zu dem Sportstudio zurückkehren und alle umhauen, die sich ihnen in den Weg stellen.

Was hat es aber mit Dicks seltsamem Benehmen auf sich? Ganz einfach: Er es was an den Augen. Mit ein paar Tropfen und etwas Ruhe hat sich das erledigt. Mit dieser Nichtigkeit macht Robin auch noch Schlagzeilen. Immerhin einmal schafft er es auf die Titelseite. Aber Dick ist guter Dinge: „Batman always will be the top headliner as far as I’m concerned!“ In den 60ern war die Welt der beiden noch in Ordnung – bis die Frauen ins Spiel kommen, etwa mit Poison Ivy und Batgirl.

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Robin verliebt sich – und wird erwachsen

DC Comics

Titel: Robin Falls in Love/The Grown-Up Boy Wonder

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1957 (Batman #107), Hardcover 2015 (nur „The Grown Up Boy Wonder“ in: Robin, The Boy Wonder: A Celebration of 75 Years)


Auch wenn im Comic die Zeit viel langsamer vergeht als in der Realität: Nach 17 Jahren im Dienst müsste auch Dick Grayson langsam in der Pubertät ankommen. Aber was die Frauen angeht, eifert er eher seinem Vormund Bruce Wayne nach. Der hat sich kurz zuvor schon mit Batwoman schwer getan. Aber dann rettet Robin der 14-jährigen Eiskunstläuferin Vera Lovely das Leben, indem er sie vor einem missglückten Sprung durch einen Flammenring bewahrt.

Kuss für den Retter: Robin und Vera Lovely. (DC Comics)

Wer kann bei diesem Namen widerstehen? Schon zuvor war ihm aufgefallen, dass sie „very pretty“ ist. Hinterher gibt es einen Kuss als Belohnung und ein Pressefotograf hält die Szene für die Nachwelt fest. Während Robin danach Herzchen sieht, hat Batman erkannt, dass der Fotograf ein Gauner war. Robin bandelt aber weiterhin mit Vera an, geht mit ihr Eis essen und Rollschuhlaufen – selbstverständlich mit Maske und Kostüm (nicht gerade die beste Vorraussetzung für eine Beziehung). Doch er muss mit dem Schauspieler Roddy Dale konkurrieren, der Vera große Blumengestecke liefert. Robin schreibt daraufhin mit dem Batplane ein Herz in den Himmel.

Bei einem Einsatz mit Batman verrät er sich mit einem klingelnden Anhänger, den er von Vera bekommen hat und vergeigt beinahe die Mission. Aber später kann er einen Räuber davor bewahren, Veras Kinderschlittschuhe zu stehlen. Batman ist nachsichtig: Ohne Robins Liebe zu Vera hätten sie den Gauner nicht gekriegt, aber der Wunderknabe kommt trotzdem zu dem Schluss: „From now on I’m keeping my mind on criminals, not girls!“ Also zurück zum Status quo.

Das ist höchst befremdlich, wo doch erst 1954 der Psychiater Fredric Wertham Batman und Robin eine homosexuelle Beziehung unterstellt hat. Wenn man die beiden schon von dem Verdacht befreien will, wieso lässt man sie dann trotzdem wie Mönche leben?

Robin wird Owlman

Einen Schritt zum Erwachsenen darf Robin trotzdem machen – und zwar noch in derselben Ausgabe. Durch ein unbekanntes Gas, das Superman aus dem All geholt hat, wächst Dick Grayson über Nacht zum Mann heran. Als das Batsignal am Himmel erscheint, passt er aber nicht mehr ins Robin-Kostüm. Er würde gerne zum zweiten Batman werden, aber das Original verbietet es ihm, weil Dick noch nicht reif sei (außerdem: Es kann nur einen geben).

Robin als Owlman (DC Comics).

Enttäuscht greift Dick zu einem Anzug, den Bruce für einen Kostümball besorgt hat – und wird zu Owlman. (Hier könnte man sich fragen, warum Robin eigentlich ein Rotkehlchen ist und nicht wie Batman eine Kreatur der Nacht geworden ist, aber das nur am Rande.) Als Batman die Bande der „Daredevils“ bei einem Diamantendiebstahl erwischt, taucht Owlman auf und vergeigt die Verfolgung, weil er sich an einen Fahnenmast hängt, für den er zu schwer ist. Batman muss ihm das Leben retten.

Beim zweiten Einsatz als Owlman, im Versteck der Daredevils, stößt sich Dick den Kopf an einem Deckenbalken. Die Bande fesselt ihn und wieder muss ihm Batman aus der Patsche helfen. Der Wunderknabe darf dann endlich seine Zirkusakrobatik einsetzen, um die Gauner zur Strecke zu bringen. Ein paar Stunden später ist alles wieder normal – und Dick freut sich, wieder ein Kind zu sein. Und das wird er noch eine Weile bleiben.

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Dick Graysons zweite Chance als Robin

DC Comics

Titel: Dick Grayson, Boy Wonder

Autor/Zeichner: Bill Finger/Dick Sprang

Erschienen: 1945 (Batman #32)


Nach fünf Jahren im Dienst erzählt Bill Finger die Entstehungsgeschichte von Robin (Detective Comics #38) noch einmal nach – allerdings mit einigen Änderungen. Nachdem Dick Grayson den Mord an seinen mitangesehen und herausgefunden hat, das Zucco dahintersteckt, will er zur Polizei. Batman hält ihn ab. Aber nicht, weil – wie in der Urfassung – Boss Zucco so mächtig ist (und die Polizei mutmaßlich korrupt), sondern weil die Beweise fehlen.

Robins neuer Origin in Batman #32 (1945) (DC Comics)

Dick will auch das Verbrechen bekämpfen, doch Batman zögert, warnt ihn vor den Gefahren. Dick Grayson überredet ihn, aber Batman bleibt skeptisch: „What did I let myself in for?“, fragt er sich selbst. Solche Zweifel gab es am Anfang noch nicht. Doch nachdem Zucco und seine Bande den Stuhl gekriegt haben, will Batman Dick abservieren.

Bruce macht sich Sorgen um ihn. „I’m not going to have you on my conscience all my life! I like you too much!“ Seltsamerweise ist es aber nicht die Angst darum, ein Kind zu gefährden, sondern eine Sorge um den richtigen Beweggrund: Dick sei zunächst motiviert gewesen, weil er seine Eltern rächen wollte, aber würde er auch danach furchtlos kämpfen?

Robins erster Fehler

Doch Dick überredet ihn wieder: Wenn er jetzt aufhöre, würde er nie erfahren, ob er ein Feigling sei oder nicht. Das klingt so, als könnte man Mut nur als maskierter Rächer beweisen. Das Konzept „Robin“ wird zum Persönlichkeitstest. Bruce gibt ihm noch eine Chance. Nachdem er ihm Kampfsport beigebracht hat, bildet er ihn jetzt auch in Chemie und Kriminologie aus.

Bei einem Einsatz gegen den lispelnden Sidney wird das Dynamische Duo wegen Robin gefangen genommen. Robin kann sich mit einem Trick befreien, aber ihn plagt das schlechte Gewissen, dass Batman noch immer in Gefahr ist. Dank seiner neuen Fähigkeiten als Detektiv findet er Batmans Aufenthaltsort heraus und befreit ihm, indem er den Kamin des Verstecks abdeckt und die Bande ausräuchert.

Dick will danach als Robin aufgeben, weil er einen Fehler gemacht hat, aber Bruce sieht den Test als bestanden an. Die Geschichte soll zeigen, dass es für einen Wunderknaben mehr brauche als ein Kostüm, aber wirklich Sinn ergibt das nicht – denn Dick hat ja das Kostüm getragen. Und wäre es nicht viel anschaulicher gewesen, wenn er in zivil Mut bewiesen hätte? Egal. Jetzt wissen wir wenigstens, dass das mit Robin nicht so schnell ging wie anfangs dargestellt. Und dass es berechtige Zweifel gab. Die Geschichte bekommt Tiefe.

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Fünf Robins in zehn Geschichten

DC Comics

Titel: Robin 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2020 (One-Shot)


Vor 80 Jahren ist Detective Comics #38 erschienen. Ein Jahr nach Batman wurde damit Robin eingeführt. Der grimmige dunkle Ritter bekam ein bunt gekleidetes, gut gelauntes Kind zur Seite gestellt, das ein ähnliches Schicksal teilte. Batman gewöhnte sich das Töten ab und das Lächeln an. Im Grunde war damit für lange Zeit Schluss mit dem Dunklen Ritter, wie ihn Bob Kane und Bill Finger ursprünglich geschaffen hatten. (Bemerkenswert an Robin: Mit seinem roten Anzug und der schwarzen Domino-Maske sah er Kanes erstem Entwurf für Batman sogar sehr ähnlich.)

DC Comics

Zum Jubiläum hat DC – wie bei Action Comics #1000 und Detective Comics #1000 – ein 100-seitiges Special herausgebracht, das in zehn Kurzgeschichten alle bisherigen Wunderknaben (und -mädchen) würdigt. Alle noch lebenden Robin-Veteranen durften daran mitwirken: von Marv Wolfman über Chuck Dixon bis hin zu Peter J. Tomasi, James Tynion IV und Tom King.

Vier Storys sind Dick Grayson gewidmet, eine Jason Todd (Red Hood), zwei Tim Drake, eine Stephanie Brown und zwei Damian Wayne, alles schön brav in chronologischer Reihenfolge. (Eine Preview mit Variant Covern gibt es bei CBR.)

Nightwing und Geheimagent

Von Dick Grayson sehen wir keine Reminiszenzen an die gute alte Anfangszeit – zum Glück, denn die wurde schon eine Millionen Mal rauf und runter erzählt. Stattdessen zeigt Marv Wolfman, wie der 18-Jährige den Schritt von Robin zu Nightwing macht. Eine altbackene Story mit einem militanten Batman, wäre da nicht die überraschende Wendung. Dabei wird auch klar, dass Robin ursprünglich dafür geschaffen wurde, um eine Identitifikationsfigur für Kinder zu sein.

Die Nightwing-Story von Chuck Dixon und Scott McDaniel bedient die 90er-Nostalgie mit einer Anekdote aus der Zeit nach dem Erdbeben. Nightwing rettet ein paar Zivilisten, ach ja, wie schön, weiter im Text: Nightwing kämpft mit den Titans gegen H.I.V.E – die wohl witzigste Geschichte im ganzen Heft. Dick wird hier als Superstratege dargestellt, der seinen Gegnern jederzeit voraus ist, aber leider ist von ihm nicht viel zu sehen.

Von seiner Zeit als Geheimagent 37 (nachzulesen in der Serie Grayson) erzählen Tim Seeley und Tom King. Hier gibt er seine Lektionen, die er bei Batman gelernt hat, an eine Kollegin weiter, während die Story von Schauplatz zu Schauplatz hetzt und eigentlich keine große Rolle spielt. Aber zum Glück illustriert Mikel Janin das alles ganz ordentlich.

Robin I-V von Andy Kubert und Brad Anderson (DC Comics)

Die wohl gelungenste Geschichte erzählt Judd Winick (Under the Red Hood) von Jason Todd, der Batman eine Uhr zum Geburtstag schenkt. Es handelt sich um die Uhr von Thomas Wayne, die kaputt war und die Jason aufwendig repariert hat. Die Uhr wird zum Symbol für Robin: Man muss sie immer bei sich tragen, damit sie nicht stehen bleibt. Und selbst wenn man sie nicht dabei hat, muss man daran denken, sie aufzuziehen.

Wenn man bösartig sein möchte, könnte man sagen: Batman ist also bisher auch gut ohne Uhr zurechtgekommen und braucht deshalb auch keine. Wir wollen aber nicht bösartig sein, Robin hat immerhin Geburtstag, also sagen wir: Gut gemacht.

Die unglückselige Nummer 3

Tim Drake hat eigentlich nie so richtig den Absprung geschafft. Während Dick und Jason aus sich eigene Marken wie Nightwing und Red Hood gemacht haben, wurde aus Tims Robin bloß „Red Robin“ – dabei ist er heute nicht mal richtig rot, sondern sieht mit dem vielen Grün aus wie seine Vorgänger. Das ist ärgerlich einfallslos. Wie lange soll dieser Mann noch in einem Kinderkostüm herumrennen? Aber richtig cool war Tim auch nie. Eher ein Streber und Computer-Nerd, der niemals als Robin berufen wurde, sondern sich in die Rolle gedrängt hat. (Außer in Batman: The New Adventures, als die Figur mit Elementen von Jason Todd kombiniert wurde.)

DC Comics

Im Special handelt eine Geschichte davon, wie ein Vertrauenslehrer ihn darauf anspricht, er betätige sich zu wenig außerhalb der Schule, was darauf hinausläuft, dass sich Tim und Leser sagen: Höhö, wenn der nur wüsste … In einer anderen stellt ihn James Tynion IV den Vorgängern gegenüber, aber ohne dass es ihm gelingt, Tim ein eigenes Profil zu geben. Am Ende führt alles bloß dazu, dass er Batman das Gotham Knights Protocol vorstellt, also das Team, das einige Zeit in Detective Comics operiert. Aber weil es nur von kurzer Dauer und bescheidenem Erfolg ist, wirkt diese Hinführung ziemlich forciert und unüberzeugend.

Dann wird es banal: Stephanie Brown bekommt ein Kostüm geschneidert, das für ein Mädchen angemessen ist, und Jonathan Kent schreibt einen Aufsatz darüber, warum Damian sein bester Freund ist (Super-Sons lassen grüßen – gähn). Das letzte Kapitel spielt wieder in der jetzigen Continuity und handelt vom schwierigen Verhältnis zwischen Damian und seinem Vater, was wieder stark gemacht ist, aber aufhört, als es interessant wird.

Gemischte Bilanz

Insgesamt ist das Robin-Special weder „super“ noch „spectacular“. Das wäre auch zu viel erwartet. In der Regel sind solche Kurzgeschichten meist Gemischtwarenläden, in denen man nur ein paar Perlen findet. Es gibt sie auch hier. Es sind eher die kleinen Momente, auf die es ankommt. Leider versäumen es die Autoren, nach 80 Jahren Robin eine (kritische) Zwischenbilanz zu ziehen oder einen Ausblick auf die Zukunft zu geben. Vielleicht weil ersteres schon sehr oft gemacht wurde, vielleicht weil es sich nicht wirklich lohnt, tiefer über Robin nachzudenken, weil sich dann herausstellt, dass die Figur höchst fragwürdig und vielleicht sogar unzeitgemäß ist.

Batman wird längst nicht mehr von Kindern gelesen – wozu also noch Robin? Aus Nostalgie. Aus Tradition. Das ist nicht wirklich ein Argument, aber bei Comics durchaus ein Grund, sonst rennen einem die Fans die Bude ein. Es ist damit wie mit langen Ehen: Nach 80 Jahren hört man nicht mehr auf.

>> Liste der Robin-Comics

Wiedersehen mit Retro-Alfred

DC Comics

Titel: The Battling Butler!

Autor/Zeichner: Alan Grant/Bret Blevins

Erschienen: 1994 (Batman: Shadow of the Bat #31), Paperback 2017, (Batman: Zero Hour), 2018 (Batman: Shadow of the Bat Vol. 3), 2020 (Batman Allies: Alfred Pennyworth)


Während des Knightfall-Events hat es Bruce Wayne übertrieben, deshalb hat Alfred seinen Dienst quittiert und musste dann später von Nightwing zurückgeholt werden. Aber zwischendrin passiert noch die Zero Hour, ein Event, bei dem die Zeit durcheinander gerät. Und plötzlich taucht der alte Alfred Beagle aus den 40ern wieder auf: dick, tollpatschig und voller Eifer, ein Detektiv zu werden.

Der stürzt sich auch gleich auf Tim Drake, den er für einen Robin-Hochstapler hält, sobald der zusammen mit Batman die Bathöhle betritt. Später zerbricht er ein Bild seines Nachfolgers und schüttet Kaffee über den Batcomputer. Dafür gibt’s Hausarrest – dem Dynamischen Duo darf er nicht bei seinem neuesten Fall helfen. Alfred widersetzt sich natürlich und das ist auch gut so, denn als Batman und Robin von den Schurken mit einem Halluzinogen benebelt werden, rettet er ihnen mit seiner Tollpatschigkeit das Leben.

Kaum hat Alfred seinen Zweck erfüllt, löst er sich auch schon in Luft auf. Allerdings verkündet er vorher noch seinen Beschluss, nicht mehr Detektiv werden zu wollen, sondern nur noch Butler zu sein – und zwar ein treuer, der seinen „Mawster“ nicht im Stich lässt. Dem haben Batman und Robin nichts mehr hinzuzufügen. Sie dürften einfach nur froh sein, dass dieses Wiedersehen zu Ende ist.

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Batman-Specials als Hardcover

Cover zu Batman Family 80 Years, Batman by Tom King & Lee Weeks, Batman: Knight Out (DC Comics)

Wer Robins 80. Geburtstag feiern und sich das dazugehörige Comicspecial besorgen will, der sollte noch etwas warten – denn Geduld zahlt sich aus. DC hat angekündigt, nicht nur die Jubiläums-Specials dieses Jahres (Catwoman, Joker), sondern auch die Storys aus Detective Comics #1000 (auch der Deluxe Edition) sowie aus Detective Comics: 80th Anniversary Giant #1 in einem Paperback zu versammeln: Batman Family 80th Anniversary Collection soll der Band (etwas irreführend) heißen und laut Amazon am 20. Oktober herauskommen und 396 Seiten umfassen. Der Inhalt als Liste:

  • Detective Comics #1000
  • Detective Comics #1000: The Deluxe Edition #1
  • Detective Comics: 80th Anniversary Giant #1
  • Robin 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1
  • Catwoman 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1
  • The Joker 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1

Diese Publikation bietet eine gute Möglichkeit, Geld zu sparen. Sonst müsste man nämlich mindestens zehn US-Dollar, bzw. Euro für jedes einzelne Special bezahlen.

Weitere Batman-Bände im Herbst 2020

Viel weniger Sinn ergibt der für den 17. November angekündigte Band Batman by Tom King & Lee Weeks Deluxe Edition. Hier werden einzelne Storys bzw. Storylines aus der Batman-Serie extrahiert, obwohl die gesamte Serie bereits in Paperbacks und Deluxe-Editions herauskommt. Darüber hinaus soll das Batman/Elmer Fudd Special darin enthalten sein. Keine Frage: Lee Weeks ist ein toller Zeichner, aber warum er einen eigenen Band verdient, ist schwer nachvollziehbar, zumal die Geschichten meist in einem größeren Zusammenhang stehen. Ich behaupte mal: Dieses Buch braucht kein Mensch.

Für Nostalgiker der 90er erschein am 29. September Batman: Knight Out, eine Sammlung von Storys von Chuck Dixon und Graham Nolan aus den Jahren 1996 bis 1998 (Detective Comics #703-715, #717, #718). Batman trifft in diesen Kurzgeschichten auf Riddler, Firefly, Deathstroke, Gearhead und den Martian Manhunter. Deutschen Lesern der Dino-Hefte aus den 90ern dürften diese Storys noch bekannt sein – das Highlight ist die Riddler-Story. Warum es aber ausgerechnet diese sind, warum nicht schon frühere Dixon-Nolan-Storys gesammelt werden, das erscheint etwas willkürlich und rätselhaft.

>> Batman-Comics 2020

Batman und die Viren

DC ComicsDenken wir uns einen tödlichen Gegner, den man nicht verprügeln, nicht bestrafen und nicht einsperren kann. Den müssen wir uns nicht denken, den kennen wir schon, seit die Corona-Krise zur Pandemie geworden ist. Aber für Batman wurde ein Virus im Jahr 1996 zur großen Herausforderung. In Contagion (dt. Die Seuche) kämpfte er gegen ein Killer-Virus nach Ebola-Vorbild. Aber wie besiegt man einen unsichtbaren und unberechenbaren Gegner? Damit wird Batman an seine Grenzen gebracht. Wie gut, dass die Gegner danach ein Gesicht bekommen, denn dann wollen Ra’s al Ghul und Bane den Virus entfesseln, um die Weltbevölkerung zu dezimieren (Legacy, dt. Der Fluch).

Die Seuche bildet nur den Auftakt in einer Reihe von Katastrophen: danach wird Gotham von einem Erdbebeben zerstört und von der Außenwelt abgeriegelt – die Stadt wird zum Niemandsland. Aber Killer-Viren stellten auch danach Bedrohungen für Batmans Welt dar.

DC Comics

In Batman: DOA wird der Held sogar selbst infiziert mit einem Erreger, den sich seine größten Feinde – Joker, Pinguin und Two-Face – für ihn ausgedacht haben. Und 20 Jahre später mutiert Batman in DCeased sogar zu einem blutrünstigen Zombie, während die Welt in Chaos versinkt.

In Batman: Europa (2015) reist der Dunkle Ritter mit dem Joker durch die Welt, um ein Virus aufzuhalten, im selben Jahr lässt der Schurke in der Haupt-Continuity sogar ein Joker-Virus in Gotham los, das alle Infizierten zum Joker macht (Endgame).

Wer jetzt ein mulmiges Gefühl bekommt: Keine Panik, denn meistens gehen die Geschichten gut aus. Batman hält die Viren auf, dämmt sie ein, findet ein Gegenmittel. In unserer Welt, die leider auf einen „realen“ Batman verzichten muss, geht das leider nicht so einfach. Hier kann aber jeder selbst zum Helden werden – und zwar supereinfach.

 

Batman würde uns wahrscheinlich empfehlen, was man nicht oft genug wiederholen kann:

  1. Häufig und gründlich Hände waschen (mindestens 20 Sekunden lang einseifen),
  2. Finger vom Gesicht fernhalten,
  3. Niesen in Taschentücher oder Armbeuge,
  4. von Menschen fernhalten,
  5. anderen nicht das Klopapier wegkaufen,
  6. nicht jeden Mist glauben, den ihr im Netz lest, informiert euch gründlich aus zuverlässigen Quellen (z.B. beim Robert-Koch-Institut).

Und ich empfehle darüber hinaus: Ruhe bewahren, zuhause bleiben und Comics lesen.