Batman

Catwoman trägt Tigermuster

DC Comics

Titel: The Last Angel

Autor/Zeichner: Eric Lustbader/Lee Moder

Erschienen: 1994 (One-shot)


Eine unbezahlbare Maya-Maske soll in Gotham ausgestellt werden. Weil nicht nur Mafioso Rupert Thorne und Catwoman es darauf abgesehen haben, soll Batman sie aufhalten. Doch dann wird die Mäzenin der Ausstellung ermordet, die Spur führt zunächst zu Thorne. Und Catwoman bandelt mit dem Archäologen an, der die Maske gefunden hat. Er erklärt ihr, dass es sich um die Maske eines Fledermausgottes handelt. Sie birgt eine ungeheuer böse Macht, mit der ein Priester einst sein Volk ruiniert hat.

Fledermausgott? Das erinnert Bruce an sein Erlebnis in Alaska (Batman: Shaman). Und kaum wird er der Maske habhaft, ergreift ihr Fluch auch schon Besitz von ihm. Batman wird böse, läuft Amok und fordert Menschenopfer – zuerst Selina Kyle, dann Gordon. Catwoman muss von der Gegnerin und Diebin zur Heldin werden, um Batman und die ganze Welt zu retten …

Am Ende müssen Catwoman und Batman (kein Spoiler) gemeinsam gegen den eigentlichen geheimen Drahtzieher des komplizierten Komplotts vorgehen, der all das nur geplant hat, um … äh … was genau zu erreichen? Batman zu demütigen? Na ja …

Zerbrochen an einer Männer-Welt

Das Besondere an dieser aufgeblasenen Geschichte: Catwoman trägt (ohne Erklärung) ein braun-gelbes Kostüm mit Tigerstreifen. Außerdem hat sie ihre Peitsche bondage-mäßig um den Körper geschlungen. Ein sehr kurioses und schrilles Kostüm, das so ziemlich das genaue Gegenteil ihrer bisherigen Kostüme ist, die violett, grau oder schwarz gehalten sind.

Aber hier ist Catwoman auch keine Schurkin mehr, sondern eben eine Superheldin. Passend dazu ist sie mit einem Jaguar als Sidekick unterwegs, mit dem sie nicht nur sprechen kann, sie kann ihn sogar bei einem komplexen Diebstahl einsetzen, was der alberne Höhepunkt der Geschichte ist.

Nebenbei erfahren wir in Rückblenden, dass Selika Kyles Mutter in der Psychiatrie gelandet ist. „The pressure of performing in a man’s world was too much for her. It’s driven her mad …“, sagt ihr Vater, der bedauert, keinen Sohn in die Welt gesetzt zu haben, der die Härten des Lebens erträgt. Das führte zum Bruch zwischen Selina und ihrem Vater, wobei sie sich später fragt, wen sie damit habe bestrafen wollen, und ob sie mit Batman nicht nur den Konflikt fortsetzt. Zum Schluss ist sie plötzlich mit beiden versöhnt, obwohl ihr Vater ihr keinen Grund dazu gegeben hat. Muss man das verstehen? Wenn einer schlauer ist, möge er/sie es mir erklären …

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Das Problem mit Batman

Für jemanden, der mit dem Batman der späten 80er und 90er aufgewachsen ist, ist Batman ein Dunkler Ritter in einer düsteren Stadt. Ein kaputter Typ in kaputter Umwelt: Korruption, Armut, Finsternis, Schmutz. Egal ob bei Frank Miller, Tim Burton, in The Animated Series oder den Comics der 90er – Gotham ist ein Albtraum des Verbrechens, ein Ort des Horrors.

So stellt es Zane Whitener im Video seines YouTube-Kanals In Praise of Shadows dar und zeigt damit auf, was das Problem mit dem Batman der letzten 20 Jahre ist: Er wird diesem Gotham nicht mehr gerecht. Wer keine Lust hat, sich diese eine Stunde Video anzusehen oder der englischen Sprache nicht ganz mächtig ist, dem seien die wichtigsten fünf Kritikpunkte kurz erklärt:

  • Gotham ist zu hell: Der Gothic-Stil ist verloren gegangen, aber auch das Ausmaß des Elends in der Stadt. Seit der Jahrtausendwende ist Gotham zu optimistisch.
  • Batman darf nicht mehr Batman sein: nicht mehr der einsamer Grübler, nicht mehr Detektiv, nicht mehr er selbst – vor allem bei Tom King ist er kaum noch wiederzuerkennen. Vor allem ist er zu pessimistisch.
  • Die Batman-Familie ist zu groß – und wird immer größer, weil ständig neue Nebencharaktere hinzukommen. Batman verkommt zur Soap.
  • Das Potenzial der Schurken wird verschwendet. Die meisten klassischen Schurken spielen keine große Rolle mehr, bekommen kaum noch längere Geschichten, die sie interessant machen und ihnen Tiefe verleihen.
  • Der Joker dominiert alles: Er wird in Filmen und Comics zu oft verwendet. Dadurch stellt sich eine Joker-Müdigkeit ein.

Besonders hart geht der Autor des Videos mit Grant Morrison und Tom King ins Gericht, letzteres kann ich nur unterstützen. King untergrub ständig Erwartungen, aber das war reiner Selbstzweck – ein hohler Leerlauf. Lob gibt es hingegen für die Storys von Scott Snyder und Greg Capullo in The New 52, auch wenn die beiden den Joker ebenfalls zu oft verwendet haben und zum Schluss die Luft raus war.

Die meisten dieser Punkt stellen wirklich ein Problem dar. Es ist enttäuschend zu sehen, wie immer wieder Schurken auf Cameo-Auftritte reduziert werden oder nur kurze Storys bekommen. Meistens spielen Sie keine große Rolle mehr, sondern stehen bloß sinnlos in der Gegend rum. Es gibt viele berühmte Schurken, für die man kaum ein gutes Comic zu nennen weiß.

Doch es gibt Ausnahmen, auf die der Autor zu wenig eingeht. Man kann aber auch sagen: Das Wichtigste findet heutzutage nicht mehr in den regulären Traditionsserien Batman und Detective Comics statt, sondern eben außerhalb der Continuity. Die besten Batman-Comics der letzten zehn Jahre waren Batman: Earth One, Dark Night: A True Batman-Story, und White Knight. Alles Werke ohne den Ballast der großen Storylines.

Trotzdem muss man zur Verteidigung der Autoren sagen: Nach 80 Jahren Batman ist es verdammt schwer, noch etwas Neues zu erzählen. Alles ist schon dagewesen. Man kann nur noch versuchen, die einzelnen Bestandteile neu zu mischen. Besonders gelungen ist das Sean Murphy in White Knight. Das Werk ist traditionsbewusst, aber fühlt sich trotzdem frisch an.

Jeder gibt sein Bestes, seine Vision von Batman zu verwirklichen – und in 80 Jahren Tradition findet jeder den Batman für seinen Geschmack. Man darf nicht vergessen: Batman hat zwar seine Wurzeln als düsterer Einzelgänger, aber das war er nur im ersten Jahr. Von 1940 bis 1969 war er knallbunt, lächelnd, ständig in Begleitung von Robin, und Freund und Helfer der Polizei, seine Geschichten mitunter hanebüchen. Das stehen die ersten drei Jahrzehnte gegen die 35 Jahre seit Frank Miller. Selbst in den 70ern war nicht alles ernst zu nehmen. Es ist also durchaus berechtigt, dass wir ständig neue Versionen von Batman sehen. So ist auch für jeden Geschmack was dabei.

Aber vielleicht ist das gar nicht mal ein echtes „Problem“. Denn am Ende gilt wie immer Sturgeons Gesetz, benannt nach einer Aussage des Science-Fiction-Autors Theordore Sturgeon: „90 Prozent von allem ist Mist.“ Das gilt für alles, nicht nur für Batman. Wie kann bei dem riesigen Output an Comics und Filmmaterial auch alles gut sein? Seien wir ehrlich: Das Meiste ist bestenfalls Durchschnitt, vergessenswert. War es immer schon. Aber darauf kommt es nicht an. Was zählt, ist was in Erinnerung bleibt. Und das zu finden, darum geht es vor allem mir.

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Neue Anthologie: „Batman Arkham: Talia al Ghul“

DC Comics

Die Batman Arkham-Reihe präsentiert seit 2015 einen Querschnitt durch die Karrieren von Batmans Schurken. Nicht vollständig, aber weitgehend repräsentativ schließen sie einige Bildungslücken für alle, die sich für Comicgeschichte interessieren – auch wenn manches selbst lückenhaft bleibt und manche Storys nur angerissen werden.

Die größten Schurken haben bereits einen solchen Band bekommen: Riddler, Scarecrow, Clayface, Two-Face, Pinguin, Mister Freeze, Man-Bat, Poison Ivy, Killer Croc und Black Mask. Allerdings auch bestenfalls zweitrangige Gestalten wie Hugo Strange, Zsasz und die vergessenswerte Joker’s Daughter (die niemals seine Tochter war), während Mad Hatter, Scarface und Bane immer noch fehlen.

Aber auf die werden wir wohl noch warten müssen: Nach einem unnötigen Band Ra’s al Ghul ist für den 23. März 2021 auch Talia al Ghul angekündigt. Das führt dazu, dass darin wieder Batman #232 (1971) vorkommt. Der Rest bildet einen seltsamen Flickenteppich:

Da ist man besser bedient mit Bänden wie Tales of the Demon und Birth of the Demon, das im September als The Demon Trilogy als Hardcover erscheint. Auch das Meisterwerk Death and the Maidens liest man besser vollständig – es ist viel zu schade, daraus nur ein Kapitelchen zu reißen.

Vielleicht steckt dahinter auch der Versuch, Talia zu einer Figur eigenen Rechts zu machen. Aber dazu ist sie viel zu sehr mit ihrem Vater verbunden. Auf jeden Fall tut man ihr mit einer solchen halbgaren Sammlung keinen Gefallen. Denn Fans haben das Meiste davon schon und Neulinge bekommen eigentlich nur ein paar Teaser ohne Zusammenhang geliefert. Schwach.

Übrigens: Wer den Riddler- oder Scarecrow-Band von Batman Arkham besitzt, kann sich glücklich schätzen. Bei Amazon werden dafür mittlerweile dreistellige Summen verlangt.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Riddler als Quizmaster

DC Comics

Titel: Riddler – The Riddle Factory

Autor/Zeichner: Matt Wagner/Dave Taylor

Erschienen: 1995 (One-Shot), Hardcover 2020 (Legends of the Dark Knight: Matt Wagner)


Der Riddler veranstaltet seine eigene Quiz-Show. An wechselnden geheimen Orten in Gotham versammelt er ein Publikum und lässt Freiwillige seine Rätsel lösen, während sie sich in Lebensgefahr begeben. Wenn sie die Fragen falsch beantworten, werden sie von einem tollwütigen Waschbären gebissen, in Tomatensuppe versenkt oder als Pinnball missbraucht. Die Lösungen der einzelnen Rätsel geben zusammen das Geheimnis eines Prominenten preis, eines Milliardärs oder eines Künstlers zum Beispiel. Schließlich soll als nächstes Bruce Wayne bloßgestellt werden …

Abgesehen von Kleinigkeiten tut der Riddler nichts Illegales – aber was hat er wirklich vor? Batman vermutet, dass mehr dahintersteckt. Und natürlich trügt ihn sein Instinkt nicht. Die Auflösung ist aber so banal, dass die ganze Grundidee der Story in sich zusammenfällt. Genauso wie dem Riddler bei seiner Recherche über Bruce Wayne klar wird, dass es da kein dunkles Geheimnis zu entlarven gibt. Auf die Verbindung zu Batman kommt dieses vermeintliche Genie nicht.

1995 schuf DC dieses Special zum Film Batman Forever. Matt Wagner ist eigentlich ein fähiger Autor, von ihm stammt die brilliante Two-Face-Story Faces, aber auch die beiden gelungenen Neufassungen von Batman and the Monster Men (2005/2006) sowie Batman and the Mad Monk (2006/2007). Aber dieses Werk wirkt ziemlich uninspiriert.

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Katzen auf dem heißen Blechdach

DC Comics

Titel: Heat

Autor/Zeichner: Doug Moench/Russ Heath

Erschienen: 1993 (Legends of the Dark Knight #46-49)


Batmans Anfangszeit. Es ist heiß in Gotham City. Sehr heiß. So heiß, dass sich junge attraktive Frauen bis auf die Unterwäsche ausziehen. Egal, ob Wetteransagerin oder Studentinnen, alle tragen nur so viel Stoff am schwitzenden Körper wie es die amerikanische Prüderie des Comics-Codes der 90er gerade noch zulässt. (Außer Catwoman und Batman, die laufen immer noch in Ganzkörperanzügen herum.) Nur einem Mann gefällt diese viele nackte Haut gar nicht: Also steigt der Unbekannte in ein Katzenkostüm und metzelt mit einer Metallklaue unschuldige Frauen nieder, die er für unzüchtig und daher böse hält. Als Andenken lässt er ein paar Wertgegenstände mitgehen.

Batman merkt schnell, dass er allein mit dem Serienmörder nicht fertig wird. Also verbündet er sich wider Willen mit Catwoman, die wegen ihres Kostüms selbst unter Verdacht steht und den Täter aufhalten will. Dabei wird sie verletzt – Batman bringt sie in seine kühle Batcave. Doch als es anfängt, zwischen ihnen wärmer zu werden, zeigt sich Batman gegen ihren Charme resistent. Im Batmobil darf sie nur im Kofferraum mitfahren. Immerhin gilt es, eine Geheimidentität zu schützen. Eine Augenbinde hätte es auch getan, sagt Catwoman. Aber sicher ist sicher. Doch zum Schluss enttäuscht sie ihn, indem sie als Diebin wieder rückfällig wird.

Der „Catman“ ist ein alter Bekannter, aber nicht zu verwechseln mit Cat-Man, dem Schurken, der in den 60ern einst Catwoman ersetzt hat und in den 80ern wiederkam. Auch nicht dem kurzlebigen Catman aus The Batman & Robin Adventures #16 (1997). Und schon gar nicht mit dem Superhelden-Boxer Wildcat. Aber auch wenn dieser Catman ein schwieriger Gegner ist, ist er keiner, der in Erinnerung bleibt: ein brutaler Psychopath mit eindimensionalem Weltbild und Mutterkomplex – das ist einfach nur uninspiriert. Aber hier geht es nicht um den Schurken. Der bietet nur den Anlass für ein weiteres Kapitel in der tragische Liebesgeschichte zwischen Batman und Catwoman.

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Wie „Batman: The Animated Series“ entstanden ist

Batman in The Animated Series (Warner Bros.)

Für mich repräsentiert sie Batman schlechthin: The Animated Series aus den 90er-Jahren. Keine andere TV-Serie und wahrscheinlich auch kein Film wird der Quintessenz von Batman so gerecht wie diese Zeichentrickserie: Das düstere Gotham als Film Noir-Setting, das zeitlose Art déco-Design, die wunderbare Dynamik der Animation, die aufs Wesentlichste reduziert ist, die perfekt getroffenen Figuren, und natürlich Geschichten, die ans Herz gehen hinterlassen einen tiefen Eindruck. Die eingängige Orchestermusik verleiht dem Ganzen die Würde einer edlen Hollywood-Produktion.

Nein, das ist eigentlich keine Serie für Kinder, sondern eine für Erwachsene. Eine für Genießer. Eine, die das Kunststück vollbringt, Batman ernst zu nehmen. Sie ist in fast 30 Jahren so gut wie gar nicht gealtert. Viele Episoden gehören zu den besten Batman-Geschichten, die je geschrieben wurden. Einige haben Comic-Klassiker neu erzählt, andere haben auch die Comics beeinflusst: Mister Freeze wird erstmals zu einer tragischen Figur, ebenso wie Clayface und Two-Face. Harley Quinn wurde dafür erfunden und ist heute fast so bekannt wie der Joker.

Da eine deutsche Blu-ray-Ausgabe dieses Meisterwerks leider immer noch fehlt, kann man sich zumindest damit trösten, dass Warner Bros. eine 99-Minuten-Dokumentation auf YouTube gestellt hat: Darin erklären die Macher, Bruce Timm und Eric Radomsky, neben dem Autor Paul Dini, Batman-Sprecher Kevin Conroy und anderen, wie es zu der Entstehung dieses Klassikers kam, der stark von den Superman-Cartoons der 40er und von Tim Burtons Batman-Film beeinflusst ist.

In der Doku wird deutlich, welche historische Bedeutung die Serie hat: Damals befanden sich Zeichentrickserien für Kinder in einem Tief. Die Qualität war mies, die Storys langweilig, der Humor platt – Kreativität wurde von Zensur erstickt. („Super-Friends“ war ein Beispiel dafür.) Insofern stellte Batman: The Animated Series einen radikalen Bruch damit dar. Die Serie war ein Wagnis. So etwas gab es bis dahin nicht. Und sie setzte Maßstäbe, an denen sich alles Spätere wird messen lassen müssen.

Der Titel der Doku versteht sich daher von selbst: The Heart of Batman.

>> Liste der Batman-TAS-Episoden

Riddler als Performance-Künstler

DC Comics

Titel: Questions Multiply the Mystery

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Kieron Dwyer

Erschienen: 1995 (Detective Comics Annual #8), Paperback 1998 (Four of a Kind)


„I’m sick of all your questions!“ (Riddler)

Im Sommer 1995, als Batman Forever in die Kinos kam, nahm DC das zum Anlass, die Entstehung des Riddlers von vorn zu erzählen. Das geschah im Rahmen des „Year One“-Events, das sich durch alle Annuals zog (bei Batman waren es noch Man-Bat, Scarecrow und Poison Ivy). Hier erzählt der Riddler selbst – und entlarvt sich als widersprüchlicher Charakter zwischen Betrüger, gelangweiltem Genie und Möchtegern-Künstler.

Typischerweise ist es mal wieder eine rührselige Geschichte, die bereits mit einer schwierigen Kindheit beginnt (ist es jemals anders?): Edward Nigma ist ein neugieriger Junge, der gerne Fragen stellt, etwa warum Blätter grün sind. Seine Eltern wissen es nicht, schicken ihn genervt weg, aber Edward kommt offenbar nicht auf die Idee, einen Lehrer zu fragen oder ein Buch aufzuschlagen.

Dann kommt es zu dem Schlüsselerlebnis, das Bill Finger bereits in Detective Comics #140 (1948) erzählt hat: Edward soll in der Schule ein Puzzle lösen. Damals trickste er, indem die Lösung abfotografierte. (Was irgendwie nicht zu dem angeblichen späteren Genie passt.) Diesmal geht es aber darum, die Zeit dabei zu messen. Edward trickst, indem er es vorher übt, dann löst er es am schnellsten. Der Außenseiter Edward, ein ungeliebtes Kind, sehnt sich nämlich nach Anerkennung. Er ist bloß Mittelmaß, ein Niemand, den nicht mal die bösen Buben verkloppen wollen. Doch als er den Puzzletest gewinnt, kriegt er statt Anerkennung Schläge.

Verbrecher aus Langeweile

Edward bekommt aber auch ein Rätselbuch als Preis. Seitdem ist die Liebe zu Rätseln geweckt. Als Erwachsener ist er gelangweilt von seinem Botenberuf, daher fängt er mit Diebstahl und Raub an. Weil auch das langweilig ist, schickt er der Polizei Hinweise. Zunächst ist James Gordon hinter ihm her, dann hält ihn Batman auf. Riddler erklärt, was seine Masche soll: Es gehe nicht darum, erwischt zu werden. „To me crime is performance art!“ Wer das nicht sehe, dem fehle es eben an Vorstellungskraft.

Der Riddler findet mit dem Verbrecherduo Query und Echo zwei willige Helferinnen und gibt der Polizei und Batman mit ein Kreuzworträtsel auf. Doch statt, wie erwartet, ein Bankett zu plündern („banquet“), raubt er einen Safe im Wasser aus („bank wet“). Diese Sequenz erinnert an die Batman-Episode „Batman’s Anniversary/A Riddling Controversy“ (dt. Riddlers Geheimwaffe, S02E45-46), in der der Riddler einen ähnlichen Tauchgang macht, was bei Adam West aber deutlich spaßiger ist.

Zum Schluss „entführt“ der Riddler eine Sammlung von Stradivary-Geigen, wobei er sich als Banause entlarvt, indem er eine zerschlägt. So richtig mag man ihm das mit der Performance-Kunst nicht mehr glauben. Es kommt zum großen Finale bei einer Wagner-Oper, die dann auch eher Batmans Metier zu sein scheint. Und dann kommt das Geständnis: „It wasn’t the money I wanted“, sagt der Riddler. „It wasn’t the action I sought. I just like the attention.“ Nein, er sei kein kriminelles Genie, sondern in Wahrheit nur ein einsamer kleiner Junge, der sich nach Liebe sehnt. Armer Eddie …

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Sechs Jahre Batman-Projekt

Batman und Robin in der Kostenfalle. (Warner Bros.)

Batman ist ein weites Feld. Vor sechs Jahren kam es mir endlos vor. Dann habe ich beschlossen, das Feld zu beackern und um all das zu dokumentieren, was ich las und sah, habe ich das Batman-Projekt gegründet. Seitdem sind über 1200 Beiträge entstanden: über Comics, TV-Serien, Filme. Mittlerweile ist das Batman-Projekt im deutschsprachigen Raum nicht nur das umfangreichste Blog zu dem Thema, sondern auch ein oft aufgesuchter Leitfaden, der auf dem unübersichtlichen Feld Batman Orientierung bietet.

Die Zugriffszahlen steigen jedes Jahr. Auf diesen Erfolg bin ich stolz – und vor allem dankbar: Danke an alle Leser, danke für das großartige Feedback, das ich ständig bekomme. Das ist ein großer Ansporn, jedes Jahr wieder viele weitere Stunden dafür aufzuwenden.

Eine Neuerung als Wagnis

Anfang des Jahres habe ich die Werbung von dieser Seite verbannt. Zum einen, weil man im Netz mehr als genug davon sieht, zum anderen weil sie diesem Blog nicht gut steht. Es war ein Wagnis, denn leider kostet das Geld. 96 Euro berechnet WordPress für dieses Abo im Jahr, das sind 8 Euro im Monat, inklusive Speicher und Domain. Dahinter stand die Hoffnung, dass sich die Kosten durch die User von selbst decken werden.

Bislang hielt sich die Bereitschaft allerdings in Grenzen. Gerade einmal ein Drittel der Kosten sind gedeckt. (Leider kommt auch nicht alles Geld bei mir an: Von einem Euro Soli zieht Paypal Gebühren ab, bei einem Euro sind es 37 Cent, bei zehn Euro 60 Cent.) Ich möchte betonen: Hier geht es nicht darum, Profit zu machen. Ich verdiene hiermit keinen Cent. Meine gesamte Arbeit ist Ehrenamt. Es wäre aber schön, nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Falls ihr gut findet, was ich hier mache und in den Jahren aufgebaut habe, würde ich mich über eure Unterstützung freuen.

Es bedankt sich vorab

Lukas


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Catwoman: Die Schöne und das Biest

DC Comics

Titel: Catwoman Defiant

Autor/Zeichner: Peter Milligan/Tom Grindberg

Erschienen: 1992 (One-shot)


Als Catwoman versucht, eine Kette des Gangsterbosses Mr. Handsome zu stehlen, tappt sie in eine Falle und wird fast gefangen genommen. Batman rettet ihr die Haut, bietet ihr aber an, ihm dabei zu helfen, Mr. Handsome zu schnappen. Dessen maskierte Model Army verübt nicht nur Verbrechen, er selbst zerstört auch gerne alles, was schön ist – von Kunstwerken bis hin zu Menschen, daher hat er es auf Catwoman abgesehen. Doch dann wird Batman abgelenkt und Catwoman landet in Gefangenschaft.

Sie trifft auf eine verunstaltete Bestie und die Ex von Mr. Handsome, der sie versprechen muss, sich zu rächen – doch Selina weigert sich, jemanden zu ermorden. Batman versucht derweil, Selina zu finden, indem er seine Fledermäuse auf einen Handlanger jagt, ihn also foltert. Das ist nicht nur ungewöhnlich, sondern auch ziemlich unwahrscheinlich, da Fledermäuse Menschen eher meiden. Außerdem dürfte das nicht nur gegen den Tierschutz sondern auch gegen Menschenrechte verstoßen, aber sei’s drum.

Zum Schluss findet Catwoman heraus, dass alles ganz anders ist als gedacht, und wie so oft bleibt die größte Frage: Wozu betreibt der Schurke diesen horrenden Aufwand, wenn er es viel einfacher haben könnte? Aber das Ende, in dem Catwoman Batman auf die Bestie loslässt, ohne dass er ahnt, was ihm blüht, entschädigt dann doch für eine insgesamt zwar durchschnittliche, aber dann doch nicht vergebliche Lektüre.

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Batman und Riddler gegen Gentrifizierung

DC Comics

Titel: Run, Riddler, Run

Autor/Zeichner: Gerard Jones/Mark Badger

Erschienen: 1992 (Miniserie #1-3)


Gotham wird gentrifiziert: Anstelle eines Gettos soll eine Gated Community für Reiche entstehen. Seltsamerweise ist auch Bruce Wayne für die Idee, denn mit dem Projekt kommt auch das Versprechen, ein Quartier ohne Verbrechen zu erbauen. Doch dazu müssen erstmal die Armen verschwinden, die lassen sich aber nicht verdrängen und leisten Widerstand.

Die Verantwortliche heuert für die Räumung einen Trupp von Paramilitärs an, die in Super-Kampfrüstungen stecken und von der Polizei gutgeheißen wird. Leider wird der Trupp geleitet von einem ruchlosen Kerl aus der ehemaligen DDR, der mit seinen Leuten die Unliebsamen hinrichtet. Aber niemand greift ein, weil es niemanden zu kümmern scheint – niemand außer Batman. Er verbündet sich mit dem Riddler, um das Schlimmste zu verhindern.

Der Riddler ist hier auf Bewährung frei und versucht, als Sicherheitsexperte einem ehrlichen Beruf nachzugehen. Zum Beispiel, indem er Todesfallen mit Haifischbecken installiert, die man nur mit dem Lösen von Rätseln umgehen kann. Weil das niemand haben will, wird er gefeuert – und dann muss er später mit Batman diese Rätsel lösen.

DC Comics

Als wäre die Geschichte nicht schon seltsam genug, ist das Ganze auch sperrig gezeichnet, teilweise überzeichnet, der Riddler wirkt wie eine Karikatur. In den 90ern hat DC abseits der regulären Batman-Serien immer wieder Autoren und Zeichner experimentieren lassen. Run, Riddler, Run ist ein typisches Beispiel dafür. Der Dreiteiler ist weder angenehm anzusehen noch schafft es die Story zu fesseln. Der Schurke ist ein austauschbarer Fiesling, für den man sich nicht interessiert, was auch für die Nebenfiguren gilt.

Das größte Problem ist aber der Titelheld: Dafür dass das eine Riddler-Story sein soll, bekommt er viel zu wenig Raum, um sich zu entfalten. Er wird bloß als nerdig-schräger Comic Relief verheizt, der alle mit seinen ewigen Rätseln nervt, ohne aber wirklich witzig zu sein.

Insofern verwundert es nicht, dass die drei Teile bisher nicht als Paperback erschienen sind. Run, Riddler, Run ist wert, vergessen zu werden.

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