Batman

Blauer Batman gegen roten Batman

DC Comics

Titel: The Player on the Other Side

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Michael Golden

Erschienen: 1984 (Batman Special #1), Paperback 2009 (Batman: The Wrath), Hardcover 2014 (Batman: A Celebration of 75 Years)


Im Grunde ist es trivial zu sagen, ein bestimmter Schurke sei das Gegenteil von Batman. Denn das trifft auf die meisten seiner klassischen Schurken zu: Joker ist der Anarchist im Gegensatz zu Recht und Ordnung, Two-Face spiegelt die dunkle Seite seines Doppellebens, der Riddler ist mit seinen Rätseln der intellektuelle Gegenpart zum Detektiv, Man-Bat erklärt sich von selbst usw.

1984 wurde aber ein Schurke geschaffen, der als das genaue Gegenstück konzipiert war: The Wrath. Ein Schurke mit einem ganz ähnlichen Kostüm, nur eben in Rot und Violett statt in Blau und Grau. Er ist sogar am gleichen Tag entstanden: Während Bruce Waynes Eltern von einem Räuber erschossen wurden, wurden seine Eltern, die Einbrecher waren, von einem Polizisten erschossen. Aus dem einen wurde ein Verbrechensbekämpfer, aus dem anderen ein Verbrecher, der sich an Polizisten rächt.

Batman & The Wrath (DC Comics)

Als nächstes ist Commissioner James Gordon dran: Drei Attentatsversuche verübt Wrath auf ihn: ein Schuss, eine Autobombe, eine Bombe in einer Essenslieferung. Batman sieht einen Zusammenhang mit anderen Polizistenmorden. Ohne bestimmten Grund (wahrscheinlich „Instinkt“) vermutet er, sein Gegenstück gefunden zu haben: „The Player on the Other Side“. Laut einem Essay von Thomas Huxley handelt es sich dabei um eine Allegorie: Ein unbekannter Gegner in einem Schachspiel (Welt), der nach den Regeln spielt (Naturgesetze), aber keine Fehler macht.

Doppelter Gedenktag am 26. Juni

The Wrath erfährt, dass der 26. Juni für Batman eine besondere Bedeutung hat. An diesem Tag sind die Waynes gestorben, also muss er Batman sein. Er zerstört das Grab der Waynes und sprayt die Botschaft „Give me C.G.“ darauf – gemeint ist Commissioner Gordon. Dann schlägt er Alfred krankenhausreif. Schließlich kommt es zur Konfrontation in Crime Alley, inklusive Leslie Thompkins.

Mike W. Barr erzählt in „The Player on the Other Side“ eine dramatische und sehr persönliche Geschichte voller Spannung und Wendungen, in der am Ende sogar Batman für einen Tod verantwortlich ist, was aber niemanden zu stören scheint. Michael Golden inszeniert sie über 40 Seiten hinweg mit präzisem Strich, lebensnah und ausdrucksstark.

The Wrath ist ein skrupelloser Killer, der jeden umbringt, der sich ihm in den Weg stellt, aber man erfährt nie seinen wahren Namen. Etwas schade ist, dass es so schnell mit ihm zu Ende geht. Allerdings kehrt der „Anti-Batman“ zurück in Batman Confidential #13-16 (2008) und in Detective Comics Vol. 4: The Wrath (2014).

>> Batman 1980-1989

Aus Hugo Strange wird keiner schlau

DC Comics

Titel: Gotham Knights: Transference

Autor/Zeichner: Devin Grayson/Dale Eaglesham, Paul Ryan

Erschienen: 2000-2001 (Gotham Knights #1-12), Paperback 2020


„I am a model of sanity.“ (Hugo Strange)

Nach dem Ende von No Man’s Land begann auch für Batman ein neues Jahrtausend. Gotham und Wayne Manor wurden neu aufgebaut. Die Serie Shadow of the Bat wurde beendet und durch Gotham Knights ersetzt. Und diesmal durfte erstmals eine Frau eine Batman-Serie schreiben: Devin Grayson.

In den ersten sechs Ausgaben erzählt sie zunächst Kurzgeschichten, die sich über ein bis zwei Ausgaben erstrecken und jeweils andere Mitglieder der Batman-Family zum Schwerpunkt haben: Robin, Nightwing, Batgirl, Oracle. Der rote Faden ist die berechtigte Frage: Warum umgibt sich einer wie Batman mit Helfern? Batman müsste es nach seinem Schicksalsschlag besser wissen: „The risk of LOSS is always too GREAT.“ In den Captions reflektiert in jeder Ausgabe ein unbekannter Erzähler, der Bruce Waynes Geheimidentität kennt, über die einzelnen Mitglieder seiner „Familie“. Dabei geht es auch um die Frage, wie Batman damit klarkommt, seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden.

Die Storys handeln meist von gewöhnlichen Kriminellen, die Schurken der Rogue’s Gallery haben nur kleine Auftritte. Die Auflösungen überraschen und überzeugen mal mehr, mal weniger. In einer Ausgabe kämpft Batman gegen den Key, der zuletzt in JLA #8-9 aufgetreten ist. In einem Zweiteiler geht es um den Geist eines toten Jungen, der Tote temporär zu Zombies wiederaufstehen lässt.

Die Rückkehr des Hugo Strange

Die erste längere Story ist der Vierteiler Transference: Hugo Strange kehrt zurück. Und wieder trägt er ein Batman-Kostüm, weil er es einfach nicht lassen kann. Zunächst entführt er Catwoman und lässt sie entkommen. Dann führt er seinen neuesten Racheplan aus, der diesmal von bestechender Einfachheit ist: Er schleicht sich als Psychiater bei Wayne Enterprises ein und will Bruce Wayne bei einer Routineuntersuchung erschießen.

Aber weil er sich dabei viel Zeit mit Reden lässt und sich noch eine Zigarre anzündet, kann sich Bruce aus der misslichen Lage befreien und schnell ins Batman-Kostüm schlüpfen. Doch statt Strange zu entwaffnen und dingfest zu machen, schlägt er ihm nur die Waffe aus der Hand und rennt aufs Dach. Warum? Vielleicht weil Strange ihm später droht, sein Geheimnis zu verraten. Batman springt vom Dach ins Batmobil, das daraufhin explodiert. Strange dringt in Wayne Manor ein und gibt sich als Batman aus. Kurz darauf taucht Bruce auf und scheint völlig ahnungslos von Batman zu sein.

ACHTUNG SPOILER!

Am Ende stellt sich alles nur als große Show heraus, um Hugo Strange von der fixen Idee abzubringen, dass Bruce Wayne Batman ist. Es stellt sich die Frage: Was will er eigentlich? Batman töten oder Bruce Waynes Geheimnis verraten? Auf jeden Fall will er ihn ersetzen. Aber die Motivation scheint zu schwanken. Er sei ein Paradebeispiel geistiger Gesundheit, sagt Strange über sich, aber daran gibt es doch erheblichen Anlass zum Zweifel. Und diese planlose Besessenheit macht die Figur auch so eindimensional.

Aber auch Bruce Wayne benimmt sich hier sonderbar. Nicht nur wegen seiner plötzlichen Amnesie, sondern vor allem weil er sich beim Wiederaufbau von Wayne Manor und in seiner Firma bewusst wie ein Vollidiot verhält, der nicht mal weiß, wie man das Treppenhaus findet, wenn es brennt. Das ist so übertrieben, dass es nicht nur Lucius Fox zur Weißglut treibt.

Visuell bewegen sich die ersten zwölf Ausgaben Gotham Knights auf einem Durchschnittsniveau, wobei einige Zeichner mehr überzeugen als andere. In einer Ausgabe wirkt jede Figur, als hätte man ihre Muskeln bis zum Platzen aufgepumpt, in einer anderen entgleisen alle Gesichtszüge – sehr gewöhnungsbedürftig.

Insgesamt ist das einer der vielen Batman-Bände, die man ohne große Vorkenntnisse lesen kann, aber nicht muss. Das Interessanteste spielt sich in den Captions ab: Es sind vor allem die Essays über Batman und Co., die die Geschichten lesenswert machen.

Wer sich nur für Hugo Strange interessiert: Transference (Gotham Knights #7-11) ist auch im Paperback Batman Arkham: Hugo Strange (2018) erschienen.

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Batman ist bankrott

DC Comics

Titel: Down to the Bone

Autor/Zeichner: Doug Moench/Denys Cowan

Erschienen: 1986 (Batman Annual #10), Paperback 2018 (Batman Arkham: Hugo Strange)


Bruce Wayne ist pleite. Ganz plötzlich haben Anteilseigner der Wayne Foundation ihre Anteile verkauft, nachdem sie bedroht worden sind. Lucius Fox hat nicht aufgepasst, weil er mit Wahlkampf beschäftigt war (er will Bürgermeister werden). Aber Bruce gibt sich selbst die Schuld. Jedenfalls gehört die Stiftung nicht mehr Wayne, Lucius fliegt raus, Bruce hat kein Geld mehr, er verliert sogar Wayne Manor.

Als könnte es nicht mehr schlimmer kommen, erleidet Alfred nach dem Besuch eines Fremden plötzlich einen Herzinfarkt und Bruce verliert das Sorgerecht für Jason Todd. Bruce bleiben nur noch 37 Dollar und sein Batman-Kostüm. Zum ersten Mal muss er selbst Lebensmittel kaufen, das Meiste geht für eine Heizplatte drauf, mit der er sich in einem Glockenturm Dosen warmmacht. „Why doesn’t my utility belt have a spoon?“ Er hat nicht mal Kleingeld zum Telefonieren.

Und es kommt noch schlimmer: Ein Unbekannter gibt sich als Batman aus und begeht Diebstähle. Der wahre Batman ermittelt und erkennt einen Zusammenhang. Es muss also jemand sein, der seine Geheimidentität kennt. Da kommen nur zwei in Frage und weil es schon auf dem Cover verraten wird, wollen wir es nicht zu spannend machen: Hugo Strange.

Überleben dank Mandroids

Ist der nicht tot? Ja, das haben wir uns schon beim letzten Mal gefragt. Und nein: Er ist es auch diesmal nicht. Denn der Hugo Strange, der einen Wayne-Manor-Nachbau auf sich einstürzen ließ (Batman #356, 1983) war kein echter Hugo Strange, sondern nur ein Roboter. Diese Erklärung ergibt nicht wirklich Sinn, wo es ihm doch beim letzten Mal sehr darauf ankam, Batman im Zweikampf zu besiegen. Aber sei’s drum: Der verrückte Professor hat Bruce ruiniert und will jetzt auch Batmans Ruf folgen lassen.

Batman und Robin sprengen sich ihren Weg nach Wayne Manor, müssen mit Batman- und Strange- und Robin-Robotern („Mandroids“) fertig werden. Nach einer Prügelei in der Bathöhle, kommt es zum Showdown mit Helikopter und Batmobile. Strange landet im Knast. Aber ist es auch diesmal der echte? Ja, alle möglichen Tests beweisen es. Strange ist derweil verwirrt, ob er wirklich weiß, dass Batman Bruce Wayne ist, oder ob Batman ihn das nur glauben lassen will.

Und als Bruce, Jason und Alfred am Ende vor den Trümmern von Wayne Manor stehen, bleibt am Ende die Erkenntnis, dass aller Luxus bloß wertloses Zeug ist. „Home is where the heart is.“ Zurück zum Status quo. Bis dahin war es aber ein Vergnügen, Bruce und Batman zumindest kurz ganz am Boden zu sehen.

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Wer hat Batman getötet?

DC Comics

Titel: Where Were You On The Night Batman Was Killed?

Auto/Zeichner: David V. Reed/John Calnan

Erschienen: 1977 (Batman #291-294), Paperback 2009 (The Strange Deaths of Batman), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Batman ist tot. Doch wer hat ihn getötet? In Gotham machen Gerüchte die Runde, jeder Kleinganove reklamiert die Tat für sich, jede Geschichte klingt anders. Ein Gerichtsverfahren wird einberufen, kein offizielles, sondern eines der Schurken, in einem privaten Anwesen. Der Richter ist Ra’s al Ghul, der Ankläger ist Two-Face, die Jury besteht aus Poison Ivy, Scarecrow, Mad Hatter, Mr. Freeze, Spook und Signalman.

Nacheinander werden vier Zeugen vorgeladen, die behaupten, für Batmans Tod verantwortlich zu sein: Catwoman, Riddler, Lex Luthor und der Joker. Catwoman erzählt von einer wilden Verfolgungsjagd, bei der Batman mit ihr in einen Fluss stürzt. Sie rettet sich mit der Beute und einem Jaguar auf einen schwimmenden Käfig, als Batman aus dem kalten Wasser auftaucht und sich auf den Käfig ziehen will, stößt ihn Catwoman zurück, weil sie sonst mit ihm versinken würde. Ihre Beute ist ihr wichtiger als ihr Geliebter. Aber kann Catwoman, die noch nie getötet hat, eine Mörderin sein?

Joker: Mörder wider Willen

Der Riddler behauptet, Batman gefangen genommen und in die Luft gesprengt zu haben. Lex Luthor erzählt, er habe Supermans Bewusstsein in Batmans Körper übertragen und ihn dann totgeschlagen. Aber Two-Face schafft es, alle drei Aussagen zu widerlegen. Selbst Superman lädt er dafür als Zeugen vor, der sich bester Gesundheit erfreut.

Schließlich ist der Joker dran. Er sagt, er habe Batman im Zweikampf in einem Pelzgeschäft eine Überdosis Joker-Gift verpasst, an der er gestorben sei. Joker offenbart: Er habe schon oft Gelegenheit gehabt, Batman zu töten, aber habe ihn überleben lassen, um sich seinen aufregendsten Gegner zu bewahren – „my partner in fun and games“! Nachdem es zufällig doch passiert ist, ist es ihm auch nicht schade drum: „I hadn’t meant it–but I didn’t shed any tears over it, either!“

Der Joker habe daraufhin Batmans Maske gelüftet, aber dessen Gesicht und seine Fingerabdrücke unkenntlich gemacht, damit die Polizei was zu tun hat. Als Beweis habe der Joker aber Fotos vom Gesicht gemacht. Two-Face bezweifelt das und fordert den Beweis.

ACHTUNG: SPOILER!

Kurz darauf offenbart sich Two-Face aber als Batman selbst. Der Batman, den Joker getötet haben will, war nur ein Nacheiferer, ein Fanboy, der zur falschen Zeit am falschen Ort war. Batman hat den Prozess inszeniert, um den Mörder zu finden. Der wahre Two-Face war die ganze Zeit über in Arkham Asylum. Am Ende wird die Nachricht verkündet: Batman lebt!

Allerdings: Es hätte auch gereicht, die Leiche auf die Todesursache hin zu untersuchen. Das Gift im Körper hätte nur einen Schluss zugelassen. Aber ja, dann gäbe es diese Geschichte nicht, die allein schon wegen der Fülle an Schurken ein historisches Ereignis ist.

Der Vierteiler inspirierte Paul Dini zu der Batman: The Animated Series-Episode „Almost Got ′Im„, in der Two-Face, Pinguin, Joker und Killer Croc sich erzählen, wie sie Batman einmal „fast erwischt“ hätten. 2009 schrieb Neil Gaiman eine Comic-Story, die noch näher dran war am Original: Whatever Happened to the Caped Crusader? Auch darin gilt Batman als tot und die Schurken erzählen sich bei einer Trauerfeier verschiedene Versionen davon, wie es dazu kam – allerdings mit einem ganz anderen, geradezu genialen Dreh.

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80 Jahre Joker – und noch ein Special

DC Comics

Nach Robin und Catwoman bekommt auch der Joker eine Würdigung zum 80. Geburtstag: The Joker 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1 wird den Clown Prince of Crime mit einer Reihe von Kurzgeschichten feiern. Mit dabei sind Autoren und Zeichner wie Brian Azzarello, Lee Bermejo, Paul Dini, Denny O’Neil, Scott Snyder, Tom Taylor, Jock, José Luis García-López, Mikel Janín, James Tynion IV, Riley Rossmo und andere.

Die acht Variant Cover, die jeweils einer Dekade Tribut zollen werden, stammen unter anderem von David Finch, Jim Lee, Bill Sienkiewicz, Lee Bermejo und Jock.

Das Special soll am 29. April 2020 erscheinen und 9,99 US-Dollar kosten.

Dazu wird eine neue Anthologie erscheinen: The Joker: 80 Years of the Clown Prince of Crime. Sie soll 448 Seiten umfassen. Was drin sein wird, ist – bis auf den ersten Auftritt – noch unbekannt.

DC Comics

UPDATE am 19.1.2020: Für die Batman-Serie kündigt DC eine neue Storyline mit dem Joker als Antagonisten an: Mit dem Ende von „Their Dark Designs“ (Batman #93) wird sich der „Joker War“ abzeichnen – „and Gotham City will never be the same.“ Wie oft wir das schon gelesen haben … Das Heft, geschrieben von James Tynion IV und gezeichnet von Guillem March, erscheint am 15. April 2020.

>> Liste der Joker-Comics

Warum Hugo Strange sich für den besseren Batman hält

Titel: The Double Life of Hugo Strange

Autor/Zeichner: Gerry Conway/Don Newton

Erschienen: 1983 (Batman #356), Paperback 2018 (Batman Arkham: Hugo Strange), Hardcover 2019 (Tales of the Batman: Gerry Conway Vol. 3)


Hugo Strange hat ein neues Hobby gefunden: sich wie Batman verkleiden. Diesmal hat er einen neuen finsteren Plan. Als Bruce Wayne von einem Date mit Vicky Vale zurückkehrt, wird er von einem Gas betäubt. Er kommt wieder zu sich und ist plötzlich in Wayne Manor. Alfred begrüßt ihn mit Tee, dann mit einem Messer. Bruce knockt ihn aus, Alfred verschwindet und taucht plötzlich wieder, als wäre nichts gewesen, mit Tee auf.

Hugo Strange beobachtet das Szenario über eine Kamera und freut sich. Denn das Ganze ist ein böses Spiel. Im echten Wayne Manor fragen sich Alfred, Dick und Vicky, wo Bruce bleiben mag. Bruce steigt im falschen Zuhause unter die Dusche, da versucht Robin, ihn zu erwürgen. Bruce kann es noch verhindern, Robin verschwindet und taucht als ahnungsloser Dick wieder auf. Dann wird auch Bruce klar: Es sind alles Roboter.

Er steigt in die Batcave, da erwartet ihn schon Hugo Strange, rasiert und im Batman-Kostüm. Er ist so nett, für den anstehenden Zweikampf Bruce ein weiteres zu reichen. Während der sich umzieht, erklärt Strange, wie er Thornes Mordversuch überlebt hat (siehe Strange Apparitions, Detective Comics #472, 1977). Man prügelt sich, als Robin dazukommt, sieht sich Strange plötzlich besiegt und jagt seinen Wayne-Manor-Nachbau in die Luft. Am Ende rettet Batman noch Alfred vor einem Bruce-Wayne-Roboter, der ihn zu erschießen versucht.

Aber wozu der ganze Aufwand mit Kostümen, Robotern und Nachbau? „Because you’re the best, Batman! I built this house–this cave–my mandroids–not only to confuse you–but also to test myself–so I’d be ready to assume your fallen mantle.“ Hugo Strange hält sich selbst für einen besseren Batman, weil er keine Schwächen hat: Er ist skrupelloser.

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Batman trifft Judge Dredd

batman judge dredd cover

DC Comics

Titel: Batman/Judge Dredd Collection

Autor/Zeichner: Alan Grant/Simon Bisley u.a.

Erschienen: 1991, 1993, 1995, 1998 (Judgement on Gotham; Vendetta in Gotham; The Ultimate Riddle; Die Laughing), Paperback 2014


Judge Dredd ist Polizist, Richter und Henker in einem. Ein knallharter Typ, der in einer knallharten, dystopischen Stadt (Mega-City One) Verbrechen aufklärt und sühnt – mit roher Waffengewalt. Der Antiheld trat 1977 zum ersten Mal im der Comic-Anthologie 2000 AD auf, 1995 wurde der Stoff mit Sylvester Stallone als Trash verfilmt, 2012 kam ein Remake ins Kino, das bei Kritikern größere Gnade fand.

Bereits 1991 traf Judge Dredd auf Batman. Es war das erste Crossover der 90er mit einem Charakter von einem anderen Comicverlag und es folgten drei Fortsetzungen. Im ersten Teil, Judgement on Gotham, dringt ein böser Geist namens Judge Death in Gotham ein und tötet Menschen. Batman hält ihn vorläufig auf, wird dann aber in die Parallelwelt nach Mega-City One teleportiert, wo er auf den Cyborg-Schurken Mean Machine trifft und dann mit dem Gesetz in Form von Judge Dredd in Konflikt gerät.

Der Mann, der seinen Helm nie abnimmt, will Batman festnehmen. Als der sich widersetzt, knockt Dredd ihn aus und sperrt ihn ein. Batman stehen 15 Jahre Knast bevor. Keine Gnade. Keine Rücksicht. Nicht mal der Versuch, Batman Glauben zu schenken. Erst der Auftritt der Telepathin Judge Anderson bringt Klarheit. Dredd bleibt stur, besteht auf Strafe, Batman schlägt ihn, wird verfrachtet, Anderson befreit ihn und man fährt gemeinsam nach Gotham, um Judge Death zu besiegen, der sich in der Zwischenzeit mit Scarecrow verbündet.

Judge Dredd jagt ihnen hinterher. Er ist hier mehr Gegner als Verbündeter, ein stumpfer Haudrauf und Prinzipienreiter, der sich mehr für die Strafe an Batman als für echte Gefahren interessiert. Erst am Ende macht sich seine Brutalität nützlich, um zu verhindern, dass Judge Death Massenmord bei einem Rockkonzert begeht.

Nicht nur wegen der unsympathischen Figur ist Judgement on Gotham ist gewöhnungsbedürftig. Auch die Handlung artet in Gewaltorgien und bizarre Situationen mit einem schwarzen bis geschmacklosen Humor aus. Bewundernswert sind dabei aber die Zeichnungen von Simon Bisley, der das Szenario noch grotesker und surrealer darstellt, als es ohnehin schon ist. Albtraumhaft wirkt jedes Panel, selbst Batman ist mit seinen langen Ohren und seinem dämonischen Auftreten furchterregend.

Scarface, Riddler, Joker

The Ultimate Riddle (DC Comics)

Im zweiten Teil, Vendetta in Gotham, sind die Bilder von Cam Kennedy bodenständiger, auch wenn die Story auf andere Weise bizarr anmutet: Judge Dredd kommt nach Gotham, um mit Batman eine offene Rechnung zu begleichen. Es kommt zu einer großen, fast nicht enden wollenden Prügelei. Gleichzeitig plant der Bauchredner/Scarface einen Anschlag auf einen Politiker bei einer Theateraufführung von Kindern. Scarface schmuggelt sich als verkleidete Puppe auf die Bühne und soll dann explodieren. Schließlich stellt sich heraus, dass die Handlung doch nicht so stumpfsinnig war, wie es zunächst schien. Tieferen Sinn ergibt das alles jedoch nicht.

Teil drei, The Ultimate Riddle, beginnt mit dem Riddler. Batman wird mit ihm zu einer fremden Welt entführt und in einen Käfig gesteckt. Judge Dredd wird ebenfalls gefangen gehalten, zusammen mit sechs weiteren Kämpfern anderer Planeten. Ein Diktator namens Xero zwingt sie dazu, gegeneinander anzutreten. Wer gewinnt, darf überleben. Batman wird als Beute vorausgeschickt, die die anderen jagen sollen. Wieder gibt es mehr Action als nennenswerte Dialoge, wieder reicht es, sich an den aufwendigen Illustrationen zu ergötzen. Dredd wird auch hier nicht unbedingt interessanter. Die überraschende Wendung am Ende lässt das Ganze noch banaler erscheinen.

Batman/Judge Dredd: Die Laughing (DC Comics)

Die letzte Begegnung der ungleichen Helden ist der Höhepunkt der Reihe: In Die Laughing kommt der Joker mit dem Teleportationsgürtel nach Mega-City One, befreit Judge Death und die drei anderen Dark Judges und richtet mit ihnen ein Gemetzel in einer Hedonistengemeinde an. Die Story bekommt doppelt so viel Raum und weil Dredd selbst zum Outlaw wird, bildet er mit Batman ein gutes Team, um die Schurken aufzuhalten. Der Joker wird selbst zum Dark Judge.

Die Laughing ist eine Horrorgeschichte voller expliziter Gewalt, vieler furchterregender Gestalten und Leichen, ebenfalls sehr ausdrucksstark gezeichnet, wenn auch auf Dauer etwas anstrengend. Man kann in dem Hedonistenmassaker sogar eine Gesellschaftssatire sehen. Eine sehr schwarze. Aber all zu viel Tiefgang sollte man trotzdem nicht erwarten.

Das Schlusskapitel des Bandes, Lobo/Judge Dredd: Psycho Bikers Vs. Mutants From Hell, habe ich mir dann gespart.

>> Liste der Batman-Crossover

Hugo Stranges Todeswunsch

Batman, Robin, Hugo Strange

DC Comics

Titel: Batman & Robin: Interlude on Earth-Two

Autor/Zeichner: Alan Brennert/Jim Aparo

Erschienen: 1982 (The Brave and the Bold #182)


Auf Earth 2 bricht über Gotham City ein ungewöhnlich heftiger elektrischer Sturm ein. Dick Grayson sucht Ted Knight auf und zusammen gehen sie als Robin und Starman der Sache auf den Grund. Starman verliert seinen kosmischen Stab, da erscheint Hugo Stranges Gesicht am Himmel, der verkündet, Gotham mit dem Stab zerstören zu wollen.

Kurz darauf bringt ein Blitz den Batman von Earth 1 nach Earth 2, wo sein Gegenstück bereits tot ist, genauso wie dessen Frau Selina Wayne. Zusammen mit Robin versucht er, Strange aufzuhalten. Der Schurke legt derweil mit seinem Zerstörungswerk los. Als erstes jagt er per Fernsteuerung Catwomans alten Pantherjet auf die Menschen, dann einen Riesenkreisel (eine alte Waffe des Spinners), dann das alte Batmobil.

Der T-Rex in der Batcave erwacht zum Leben.

Zusammen mit Batwoman (die auf Batmans Welt tot ist) fliegen sie auf Whirlybats zur Bathöhle, wo der Dinosaurier zum Leben erwacht. Schließlich muss Batman gegen einen alten Batman-Roboter kämpfen. Am Ende taucht ein missgestalteter Hugo Strange auf, der nach seinem letzten Sturz mit einem Zeug behandelt wurde, mit dem er einst die Monster Men erschuf. Leider ging das schief, weshalb der Professor nur noch eine bemitleidenswerte Erscheinung ist.

Hugo Strange in der Bathöhle.

Hugo Strange in der Bathöhle.

Batman überzeugt ihn davon, nicht von Rachegelüsten, sondern bloß von einem Todeswunsch getrieben zu sein. Strange sieht es ein und löst sich selbst zu Staub auf. Zurück bleibt der bittere Nachgeschmack von Euthanasie …

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Batman in der Story-Wüste

Batman Vol. 11: The Fall and the Fallen

DC Comics

Titel: The Fall and the Fallen

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Jorge Fornes

Erschienen: 2019 (Batman ##70-74, Batman Secret Files #2), Paperback 2019 (Batman Vol. 11)


Nachdem Batman sich aus seinem Psycho-Gefängnis in Arkham Asylum befreit hat, das ihn durch eine Reihe von Albträumen jagte, vermöbelt er alle Arkham-Insassen. Bevor er sich den Drahtzieher Bane vornimmt, geht er erst mal nach Hause, um sich auszuruhen und Verstärkung zu holen. Doch als er die Batman-Family zusammentrommelt, ist in Arkham alles wieder ganz normal, als ob nie die Insassen die Anstalt übernommen hätten.

In Wayne Manor serviert Alfred inzwischen Bane Suppe. Bane vermöbelt Batman und bricht ihm in alter Tradition das Rückgrat. Weil Bane das halt so macht und irgendwie dazugehört. Inzwischen erzählt Flashpoint-Batman Thomas Wayne noch einmal nach, was bisher geschah und erklärt, dass Bane ihn mit der gescheiterten Hochzeit mit Catwoman brechen wollte.

Thomas heilt Bruce nebenbei und blitzschnell von seinem gebrochenen Rückgrat und schleppt ihn durch die Wüste, um in Ra’s al Ghuls“Nain Pit“ Martha Wayne wiederzubeleben. Indem er die Familie wiederherstellt, will er Bruce von seiner Batman-Sucht heilen. Doch Bruce wehrt sich.

Prügelei und Geschwätz

Der größte Teil von Tom Kings elftem Batman-Kapitel ist Prügelei, der andere ist Geschwätz. Es wird erzählt, was wir schon wissen, es wird erklärt, was wir uns denken oder auch nach vielen Worten nicht nachvollziehen können, und es wird noch zweimal (!) die Tierfabel aus Batman #57 (Batman Vol. 8: Cold Days) wiederholt, weil Tom King sehr stolz darauf zu sein scheint und bedeutungsschwangere Kapriolen wie diese ihm wohl den Eisner-Award eingebracht haben.

Ach ja, und Thomas Wayne singt beim Wüstenritt einen klassischen Western-Folk-Song: „Home on the Range“:

Das alles ist wie immer langweilig und ärgerlich. Diese Seitenschinderei entspricht der Wüste, durch die die Batmen reiten. Eine weitere Verschwendung von Geld, Zeit und Nerven. Nur noch zwei Bände (City of Bane), dann haben wir das Elend endlich hinter uns. Ach, nein, danach kommt noch Kings Zwölfteiler: Batman/Catwoman … Wäre das alles bloß nicht so lang und ausschweifend! Es ist schon seltsam: Da gibt man einem fast 100 Ausgaben für Batman und er weiß so gut wie nichts Interessantes damit anzufangen.

Die Oase in der Wüste

Das Beste kommt zum Schluss: In Batman Secret Files #2 werden fünf Kurzgeschichten von Batman erzählt. Gemessen an der Wüste bilden sie eine Oase. In der ersten (von Andy Kubert) hat der Joker Batman gefangengenommen und will ihm Kostüm und Gürtel abnehmen, was aber nicht so leicht ist, wie gedacht – aber dafür höchst amüsant zu lesen.

Die Storys um den Riddler und Bane können da nicht mehr mithalten, auch wenn die Bane-Story einen interessanten Aspekt hat. Kurioser ist aber die Hugo-Strange-Story um einen brutalen Test, wer der echte Batman ist. Die vielleicht schwächste Geschichte ist die über den Psycho Pirate, die ebenso wie beim Joker, beim Riddler und bei Strange mit Schlägen ins Gesicht enden. Die Pointe ist immer Gewalt, Batmans Faust markiert das Ende.

>> Batman 2011-2019

Neue Batman-Comics: Vorschau auf 2020

Batman-Comics 2020

Catwoman, Robin und Joker: Das Batman-Jahr 2020.

In diesem Jahr feiern Robin, Joker und Catwoman ihr 80-jähriges Bestehen. Zu Robin erscheint im März ein 100-seitiges Special mit Kurzgeschichten, dazu ein Bronze Age Omnibus wie dieses Jahr beim Joker. Der Joker bekommt eine neue Hardcover-Anthologie noch unbekannten Inhalts, aber da es so eine schon vor fünf Jahren gab und in diesem Jahr wieder eine (zum Film), kann man sich die neue sparen, wenn nicht endlich The Killing Joke und Mad Love enthalten sind, denn ohne die ist so eine Sammlung immer nur eine halbe. Auch Catwoman wird mit einer Anthologie gewürdigt, diesmal verpackt als Chronologie einer Liebesgeschichte: The Bat and the Cat: 80 Years of Romance.

Die Batman-Serie findet ihren vorläufigen Höhepunkt mit City of Bane, das in zwei Hardcover-Ausgaben erscheinen wird. Tom King setzt seine Geschichte mit der zwölfteiligen Serie Batman/Catwoman fort. James Tynion IV wird die Batman-Serie übernehmen – und hoffentlich interessanter fortsetzen als King.

Weitere Highlights sind die Hardcover zu Last Knight on Earth von Scott Snyder und Greg Capullo, Creature of the Knight, Batman: Universe von Brian Michael Bendis sowie das Crossover Justice League/Black Hammer und Joker: Killer Smile von Jeff Lemire und Andrea Sorrentino. Erst im September wird die Fortsetzung zu White Knight, Curse of the White Knight, als Hardcover erscheinen.

Three Jokers Cover

Three Jokers (DC Comics)

Darüber hinaus läuft in den USA die zwölfteilige Serie The Batman’s Grave, die vielleicht Ende 2020 eine Sammelausgabe bekommen könnte. Noch immer keinen Erscheinungstermin gibt es für den längst angekündigten Dreiteiler Three Jokers. Außerdem steht noch Batman: Earth One Vol. 3 an. Da Zeichner Gary Frank mit Doomsday Clock fertig ist, dürfte das Projekt als nächstes realisiert werden.

Das Kino gehört 2020 den DC-Frauen: Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn erscheint am 6. Februar, Wonder Woman 1984 erscheint am 11. Juni. Zu ersterem bringt DC einige Paperbacks heraus, die die Hintergründe von Harley Quinn, Huntress und Black Canary beleuchten.

Batman-Filme wird es nur in animierter Form geben: Zunächst wird Batman in Superman: Red Son auftauchen, der gleichnamigen Adaption von Mark Millars Elseworlds-Comic. Für das Jahr ist zudem noch eine Fortsetzung von Justice League Dark, Apokolips War, angekündigt. Da Batman schon im ersten Teil eine prominente Rolle spielte, ist davon auszugehen, dass er auch im zweiten vorkommen wird.

Folgende US-Comics sind als Sammelausgaben angekündigt:

Januar

  • Batman and the Outsiders Vol. 1: Lesser Gods (Paperback)
  • Gotham Knights: Transference (Paperback)
  • Batman Arkham: Black Mask (Paperback)
  • Birds of Prey: Huntress (Paperback, enthält Batman/Huntress: Cry for Blood #1-6)
  • Birds of Prey: Black Canary (Paperback, enthält Black Canary #1-12)
  • Birds of Prey: Harley Quinn (Paperback, enthält Harley Quinn #1-7, Harley Quinn: Future’s End #1)
  • Huntress: Origins (Paperback, enthält DC Super Stars #17, Batman Family #18-20, Wonder Woman #271-287, #289, #290, 294-295)
  • Batman: The Golden Age Vol. 6 (Paperback)
  • Batman by Neal Adams Book Three (Paperback)

Februar

harleen cover

DC Comics

  • Harleen (Hardcover)
  • Batman Beyond Vol. 6 (Paperback)
  • The Bat and the Cat: 80 Years of Romance (Hardcover: Batman #1, #3, #15, #324, #392, #615 (1. Serie), Batman #24, #44, #50 (2. Serie), The Brave and the Bold #197, Solo #1, Catwoman #32)
  • Detective Comics Vol. 1: Mythology (Paperback)
  • Batman: The Dark Knight Detective Vol. 3 (Paperback)
  • Batman Arkham: Victor Zsasz (Paperback)

März

Batman Universe #1 Cover

DC Comics

April

City of Bane Part 1

DC Comics

Mai

batman/maxx #1

Paste/IDW/DC Comics

  • Detective Comics Vol. 3: Greetings from Gotham (Hardcover)
  • Doomsday Clock Part 2 (Hardcover)
  • Batman/The Maxx: Arkham Dreams (Hardcover)
  • The Joker: 80 Years of the Clown Prince of Crime (Hardcover)
  • Superman/Batman Omnibus Vol. 1 (Hardcover: Superman/Batman #1-43, Superman/Batman Annual #1-2,  Superman/Batman: Secret Files #1)

Juni

Juli

Joker: Killer Smile

DC Comics

  • Joker: Killer Smile (Hardcover)
  • Batman Vol. 13: The City of Bane Part 2 (Hardcover)
  • Batman and the Outsiders Vol. 2 (Paperback)
  • DCeased: The Unkillables (Hardcover)
  • Batman Beyond Vol. 7 (Paperback)
  • Batman: The Deluxe Edition Book 5 (Hardcover)

August

September

Stand: 16.1.2020