Harley Quinn

Harley Quinns neue Kleider

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DC Comics

Titel: Batman: White Knight Presents: Harley Quinn

Autor/Zeichner: Katana Collins, Sean Murphy/Matteo Scalera

Erschienen: 2020-2021 (Miniserie #1-6), Hardcover 2021


Wer Batman: White Knight und Curse of the White Knight nicht gelesen hat, lese bitte hier nicht weiter. Ich will keine Beschwerden über Spoiler. Danke.

Zwei Jahre später: Der Joker ist tot, Bruce Wayne sitzt im Knast, Harley Quinn ist alleinerziehende Mutter von Zwillingen. Da taucht ein neues Schurkenpaar auf, das alte Filmstars umbringt: Starlet und der Producer, der im Hintergrund Pläne schmiedet. Sie haben es auch auf Simon Trent abgesehen, Darsteller des Gray Ghost. Duke Thomas von der GTO (Gotham Terrorist Oppression) bittet Harley, ihm bei der Suche nach den Killern zu helfen. Da sie Geld braucht, macht sie mit – und kehrt zurück ins alte Kostüm.

Das ist aber nur ein Teil der Geschichte, die das Spin-off zur White-Knight-Saga erzählt. Denn viel Platz wird der Vorgeschichte eingeräumt, wie aus Harleen Quinzel Harley Quinn wurde – und das ist der interessantere Teil. Denn das Autorenpaar hat sich eine ungewöhnliche Variation auf das Altbekannte überlegt. Hier ist Harleen zunächst eine Studentin, die sich als Go-Go-Tänzerin die Uni finanziert. So lernt sie zunächst nicht den Joker, sondern den Gangster Jack Napier kennen. Er leidet unter einer gespaltenen Persönlichkeit. Sie versucht, ihn zu heilen. Dass das in einer Beziehung nicht funktioniert, sieht sie nicht. Jacks Alter Ego Joker tritt erst hervor, als er nach einer Konfrontation mit Batman in den Säuretank fällt. Danach wird Harleen zu Harley, um Schadensbegrenzung zu betreiben. Sie rettet schließlich Robin Jason Todd das Leben, bevor der Joker ihn töten kann.

Damit wird Harley weiter zu einer starken Frauenfigur ausgebaut, die als Heldin allein die Geschichte trägt. Es erschließt sich zwar nicht, wozu sie wieder ein Harlequin-Kostüm anhat und auch nicht, warum sie sich ein neues in Grau und Schwarz machen lässt, und schon gar nicht, warum sie am Ende einen ausfahrbaren gelben Hammer schwingt, aber das ist verzeihlich, wenn man bedenkt, dass ein Superheldencomic solche visuellen Anreize und Zitate braucht.

Bruce Wayne als Red Hood

Und da wir schon vom Visuellen reden: Zeichner Matteo Scalera (u.a. bekannt aus Mark Millars Space Bandits) macht seine Sache so gut, dass man Sean Murphy nicht vermisst. Der Stil ist anders, aber ähnlich genug, dass er sich in die Reihe einfügt: sehr dynamisch, sehr elegant und dank der wasserfarbenartigen Kolorierung entsteht eine organische Atmosphäre.

Allein die Rahmenhandlung um die Serienkiller bleibt hinter all dem zurück. Das Motiv bleibt obskur. Dass auch noch ein FBI-Agent namens Hektor involviert ist, weil seine Mutter eine Schauspielerin ist, weil er zuerst Batman-Fan und dann besessen von Harley Quinn war, weil die Killerin seine Nanny war – das ist alles etwas zu viel und schafft es nicht, für die Figuren oder den Plot tieferes Interesse zu wecken. Der Plan des Producers, neue Schurken für Gotham zu erschaffen, nachdem die alten von Azrael ermordet wurden, ist nichts, was man nachvollziehen könnte. Anscheinend soll damit bloß der nächste Teil vorbereitet werden.

Dann endlich könnte Bruce wieder aus dem Knast kommen und wir erfahren, was es mit Jason Todd auf sich hat, der als Red Hood auf ihn aufpassen soll. In einer Sequenz wird Bruce selbst kurz zu Red Hood, um Harleys Kinder zu retten. Bruce und Harley bleiben einander verbunden – und die Szenen, in denen Harley Bruce besucht, gehören zu den emotional stärksten. So könnte es weitergehen. Und tatsächlich tritt sie hier gewissermaßen sein Erbe an. Auch wenn dieser Band nicht ganz so stark ist wie die vorherigen, unterhält er und macht Lust auf die Fortsetzung.

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Zwischen Clownhunter und Ghost-Maker

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Titel: Batman Vol. 3 Ghost Stories

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Guillem March

Erschienen: 2020 (Batman #101-105, Annual #5), Hardcover 2021


Der Joker War ist vorbei. Batman sieht ein, dass er bisher etliche Fehler gemacht hat (er gibt dem Joker recht), und beschließt, künftig seinen Job besser zu machen. Er muss auch deswegen umdenken, weil ihm seit dem Joker War die Mittel als Bruce Wayne fehlen. Jetzt heißt es sparen bei Hightech-Spielzeug. Lucius Fox kann ihn nicht mehr versorgen. Catwoman gibt ihm ein Jahr Bedenkzeit, auch um ihre gemeinsam Zukunft zu klären.

In Gotham treiben noch die Grinners ihr Unwesen, Opfer des Jokergases, während die Mitglieder von Jokers Armee ihre Masken abgelegt und sich verkrochen hat. Doch da ist noch ein Junge, der nicht bereit ist, zu vergessen, und die Übeltäter mit einem Baseballschläger jagt, in dem ein Batarang steckt – ein „Bat-Bat“.

Morden oder nicht morden?

Dieser Clownhunter ist ein siebzehnjähriger Junge namens Bao. Hier (in Batman Annual #5) wird erklärt, wie er dazu kam: Er will – nach altem Brauch – seine Eltern rächen, die dem Joker zum Opfer gefallen sind (siehe auch Signal). Damit es nicht zu sehr wie ein Abklatsch von Batman und Robin wirkt, beschließt er es erst, nachdem ihm Batman versprochen hat, sich drum zu kümmern, und gescheitert ist. Also nimmt er den Batarang, den ihm Batman geschenkt hat, bastelt sich einen feschen Irokesenhelm und legt los. Allein wie ein Dauergamer so ein geschickter Nahkämpfer wird, wird leider nicht erklärt.

Und dann taucht noch ein neuer Vigilant-aber-eigentlich-Schurke auf: der Ghost-Maker, ein alter Bekannter von Bruce Wayne. Der findet es gar nicht gut, dass irgendwelche Leute losziehen und andere Leute umbringen, und sei es für den guten Zweck. Also zieht er selbst mit seinen zwei Schwertern los und bringt diese Leute um – nämlich für den guten Zweck, um endlich mal Ordnung in diesen Saustall namens Gotham zu bringen. Es kommt zum Kampf Clownhunter gegen Ghost-Maker, das heißt: fast, denn Batman geht dazwischen. (Daher ist der angekündigte Kampf auf dem Cover von Batman #103 eine dreiste Mogelpackung.)

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Clownhunter und Ghost-Maker (Batman #105, DC Comics)

Gekämpft wird um zwei verschiedene Auffassungen darüber, wie man mit Verbrechern umgehen soll. Batman glaubt daran, dass Menschen sich ändern können, Ghost-Maker ist skeptisch. Im Grunde geht es also um die alte Frage: Darf man Verbrecher töten oder nicht? (ACHUNG SPOILER!) 

Ghost-Maker bringt Clownhunter und Harley Quinn zusammen, damit dieser sie töten kann. Sie bringt den Jungen mit einer langen Ansprache davon ab. Am Ende, bevor es wieder zum Schwertkampf der beiden Kontrahenten kommen kann, will Ghost-Maker wieder das Weite suchen, aber Batman bringt ihn dazu, zu bleiben und sich mit ihm in Gotham nützlich zu machen. Aber ohne Mord. Deal.

Die Batman-Familie wächst weiter

Leider ergibt das keinen Sinn. Ghost-Maker ist ein Massenmörder, und ein Psychopath, wie Batman feststellt. Er hat auch in Gotham bereits viele Menschen getötet. Und statt dass Batman seinen Gegner zur Strecke bringt und der Polizei übergibt, ist plötzlich alles vergeben und vergessen. Und der so sehr von sich selbst überzeugte Ghost-Maker klein bei und fügt sich, obwohl er Batman immer noch Unrecht gibt.

Der dritte Batman-Band von James Tynion IV ist damit ein arg bemühtes und auch sonst uninspiriertes Zwischenstück, das bloß noch einen neuen Charakter einführt, die überfüllte Batman-Familie um ein Mitglied erweitert (als wären vier Robins und drei Batgirls nicht genug), wobei die größte Bereicherung darin besteht, dass Ghost-Maker zwar einen bescheuerten Namen, aber dafür das stylischste Kostüm trägt. Downgraden geht eigentlich anders.

Immerhin überzeugt Ghost Stories visuell, auch wenn hier zu viele Zeichner am Werk waren, die auch innerhalb der Ausgaben wechseln, was einen uneinheitlichen Gesamteindruck macht. Besonders interessant aber ist das Annual über Clownhunter. James Stokoe hat einen sehr eigenwilligen, sperrigen Stil, der aber auf angenehme Weise herausfällt aus der üblichen glatten Superheldenästhetik.

>> Batman 2020-2029

Fluch des Weißen Ritters, Segen für die Leser

Batman: Curse of the White Knight

DC Comics

Titel: Batman: Curse of the White Knight (dt. Der Fluch des Weißen Ritters)

Autor/Zeichner: Sean Murphy

Erschienen: 2019-2020 (#1-8), Hardcover 2020


Neulich habe ich folgendes Zitat von Comic-Autor Garth Ennis (The Boys, Preacher) gefunden: „I find most superhero stories completely meaningless“, sagte er bereits 2012 auf SciFiNow. „You’re never going to see any real growth. The stories can’t end, so they’ll never mean anything.“ So ist es leider auch oft mit Batman: Was sich innerhalb der Continuity abspielt, ist selten von echter Tragweite. Was auch immer geschieht, man kehrt doch immer wieder zum Status quo zurück. Selbst ein „Tod in der Familie“ ist bedeutungslos geworden, weil er früher oder später rückgängig gemacht wird. Das liegt in der Grundstruktur endloser Geschichten: Sie müssen immer weitergehen. Daher wird Personal nicht verheizt.

Anders hingegen ist es bei Storys, die für sich stehen – unabhängig von Continuity. Sean Murphys Miniserie White Knight ist in den vergangenen Jahren das beste Beispiel dafür. Einerseits stark traditionsbewusst, andererseits radikal anders. Die 80-jährige Batman-Geschichte verwendet er nur als Vorlage für einen Remix, um etwas Neues zu schaffen. Dieses Erfolgsrezept hat er mit Curse of the White Knight fortgeschrieben.

Batman trifft Azrael

Der Joker kommt wieder frei und setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, um Batman endgültig fertigzumachen. Hinter ihm steht eine ominöse Frau namens Ruth, die im Auftrag von Gothams Elite einen neuen Batman erschafft, der den alten ersetzen soll: Azrael. Hinter der Maske steckt der alte Kriegsveteran Jean-Paul Valley, der nur mitmacht, weil ihm eine bessere Krebstherapie versprochen wird. Doch die Geschichte geht noch viel weiter zurück: Wir erfahren von einem alten Familiengeheimnis der Waynes, die bis zur Gründung von Gotham zurückreicht und auch den Orden von St. Dumas betrifft.

Batgirl, Azrael, Joker by Sean Murphy

Cover zu Curse of the White Knight (DC Comics)

Keine Sorge: Ich werde nicht zu viel verraten. Nur so viel sei gesagt: Es geht zur Sache – und zwar heftig. Wertvolle Dinge werden zerstört und es gibt viele Tote, darunter sehr bekannte Figuren. Batman macht sich in den eigenen Reihen Feinde, steht isoliert da, will wie immer den einsamen, selbstlosen Märtyrer spielen. Mit der Masche übertreibt es Batman aber, dass es mitunter nervt. Wie üblich zweifelt er an seiner Rolle als Batman, will sie aufgeben, aber dass ihn das dunkle Familiengeheimnis nicht mehr ein Wayne sein lassen will, geht dann doch in Sachen Melodrama zu weit.

Fortsetzung mit Harley Quinn

Aber ansonsten ist Curse of the White Knight ein würdiger, weil radikaler Nachfolger. Der Autor verspricht, in seinem Universum konsequent zu bleiben: Wer tot ist, bleibt tot, lautet eine von Sean Murphys Regeln. Und damit schockieren die Ereignisse umso mehr. Und bei der Rasanz seiner Geschichte bleibt kaum Zeit, das alles zu verarbeiten. Als Leser bleibt man mit der Frage zurück: Wie soll das alles noch weitergehen?

Im Oktober geht es zunächst weiter mit dem Sechsteiler Batman: White Knight Presents Harley Quinn. Murphy hat die Figur extrem weiterentwickelt, von der nervigen Psychopatin und Punk-Göre zu einer klugen, nachdenklichen und empathischen Frau, die jetzt sogar Mutter von Zwillingen ist. Außerdem sind Spin-offs zu Nightwing und Batgirl geplant.

Neue Vorgeschichte für Mr. Freeze

In Curse of the White Knight ist bereits der Tie-in Von Freeze enthalten, der Victor Fries‘ Familiengeschichte aus dem Dritten Reich nacherzählt. Auch hier beweist Sean Murphy nicht nur den Mut, altbekannte Charaktere radikal neu zu denken, sondern sie auch in ein ernsthaftes historisches Setting zu versetzen. Eine starke Story, wären da nicht die sperrigen Zeichnungen von Klaus Janson – sorry, bin kein Fan. Vor allem im Vergleich zu Murphys genialem dynamischen Stil kann der Altmeister nicht mithalten.

Damit erweist sich der zweite White-Knight-Band als Segen für die Leser. Er zeigt, wie man Superhelden heute erzählen muss: Als Geschichten, die sich weiterentwickeln, die Konsequenzen haben und darin auch konsequent bleiben. Nur so erhalten sie Bedeutung, nur so kann man mitfiebern, wenn man merkt: Die Risiken, die Helden eingehen, sind erst dann welche, wenn alles auf dem Spiel steht. Solchen Storys gehört die Zukunft, denn sie bleiben in Erinnerung. Damit ist Murphys White-Knight-Saga immer noch das Beste, was man heute an Batman-Comics bekommt.

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Erster Blick auf James Gunns „The Suicide Squad“

Poster zu "The Suicide Squad"

Das Poster zu „The Suicide Squad“ (Ausschnitt) (Warner Bros.)

Im August 2021 soll James Gunns The Suicide Squad in die Kinos kommen. Wer mitspielt, ist schon lange bekannt, nun hat der Regisseur und Autor beim Event DC Fandome auch die Rollen der Schauspieler verraten.

Vier sind bekannte Gesichter aus dem ersten Teil:

  • Viola Davis als Amanda Waller
  • Margot Robbie als Harley Quinn
  • Joel Kinnaman als Colonel Rick Flag
  • Jai Courtney als Captain Boomerang

Die neuen Rollen sind überwiegend eher abseitige Charaktere, von denen die meisten nur eingefleischten Comic-Experten etwas sagen dürften:

  • Idris Elba als Bloodsport
  • David Dastmalchian als Polka-Dot Man
  • Michael Rooker als Savant
  • Flula Borg als Javelin
  • Daniela Melchior als Ratcatcher 2
  • Mayling NG als Mongal
  • Peter Capaldi als Thinker
  • Alica Braga als Solsoria
  • Pete Davidson als Blackguard
  • Nathan Fillion als T.D.K.
  • Sean Gunn als Weasel
  • John Cena als Peacemaker
  • Steve Agee als King Shark

Ein Trailer wurde bei DC Fandome nicht gezeigt, dafür ein kurzer Blick hinter den Kulissen, der auch ein paar kurze Einblicke in den Film gewährt:

James Gunn (Guardians of the Galaxy) verspricht ein großes Spektakel mit mehr Spezialeffekten als irgendwo sonst – und spart auch nicht mit Superlativen für die Besetzung und den Spaß, den er bei der Arbeit hatte (und noch immer hat). Hoffen wir, dass es wenigstens halb so gut wird, wie er sagt. Aber James Gunn ist zum Glück nicht David Ayer, der den ersten Teil verbrochen hat. Außerdem: Es kann nur besser werden. Und vor allem witziger.

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White Knight geht weiter mit Harley Quinn

DC Comics

Die deutsche Paperback-Ausgabe von Curse of the White Knight (Der Fluch des Weißen Ritters) gibt es schon im Laden (ich warte immer noch auf die englische, die erst im September herauskommt), nun hat DC Nachschub angekündigt: Am 20. Oktober 2020 startet die sechsteilige Miniserie Batman: White Knight Presents Harley Quinn. Diese spielt zwei Jahre nach den Ereignissen des „Fluchs“ und behandelt die Rolle von Harley Quinn als Mutter von Zwillingen.

Geschrieben wird die Story von Katana Collins, Ehefrau von Sean Murphy, dem Autor und Zeichner von Batman: White Knight und Curse of the White Knight. Murphy ist hier als Co-Plotter und Cover-Zeichner beteiligt. Für die Zeichnungen im Inneren wird Matteo Scalera verantwortlich sein.

Ein erster Spin-off von White Knight war im vergangenen Jahr Batman: White Knight Presents Von Freeze. Ferner hat Murphy auch neue Storys zu Nightwing und Batgirl angekündigt, allerdings noch ohne Details zu nennen.

Eine gemeinsame Arbeit von Collins und Murphy gibt es schon am 31. Juli zu sehen: Sie gestalten gemeinsam das sechste Kapitel der Digital First-Serie Harley Quinn: Black + White + Red.

>> Harley Quinn-Comics

Riddler wird Privatdetektiv

DC Comics

Titel: E. Nigma, Consulting Detective/Honor Among Thieves

Autor/Zeichner: Paul Dini/Don Kramer

Erschienen: 2006/2007 (Detective Comics #822/837), Paperback 2015 (Batman Arkham: Riddler)


Ein Jahr lang lag der Riddler nach einer Kopfverletzung im Koma, jetzt ist er wieder da: Zurück im Bowler, grünem Jackett und mit Krawatte – und einer neuen Profession. Denn der neue Edward Nigma verspürt nicht mehr den Zwang, Verbrechen zu begehen und Rätsel als Hinweise zu hinterlassen, nein, er setzt sein Genie dafür ein, um Rätsel zu lösen, als Privatdetektiv. (Das größte Rätsel bleibt jedoch, warum er immer noch Fragezeichen auf dem Jacket trägt.)

Sein erster Fall ist ein Mord und er führt ihn zu Bruce Wayne. Zusammen mit James Gordon fragt er ihn nach dem Opfer, Karrie Bishop, aus, einer Frau, die Bruce nur flüchtig kannte. Jemand hat sich als Bruce ausgegeben. Batman und Riddler verbünden sich, um den Fall zu lösen.

Die Geschichte ist ein klassischer Whodunit, führt in Gothams Rotlicht- bzw. S/M-Szene. Der Riddler löst den Fall nur scheinbar, denn am Ende ist wie immer alles ganz anders als gedacht, wodurch es dann doch wieder ziemlich wie erwartet läuft.

Ein paar Detective-Ausgaben später spielt Batman kaum eine Rolle. Bruce Wayne gibt Edward Nigma den Auftrag, nach einer Angestellten zu suchen, die mit einem Kraft-Serum verschwunden ist. Edwards Recherche führt ihn nach Metropolis, wo er im „Athenian Women’s Help Shelter“, einer Art Amazonen-Camp, auf Harley Quinn trifft. Diese kapert dann die Story. Nach einer albernen Rückblende in Harleys jüngste Vergangenheit gibt es eine Prügelszene mit der Schurkin, bis Edward sie ausknockt.

Eine richtige Riddler-Story ist das nicht, eine Batman-Story noch weniger. Und von Paul Dini hat man auch schon Unterhaltsameres gelesen als diesen belanglosen Quark.

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Neue Comic-Serie: „Harley Quinn: Black + White + Red“

Digitale Serie in 14 Kapiteln: „Harley Quinn: Black + White + Red“ (DC Comics)

Die Kunst mag frei sein, aber wahrhafte Größe erreicht sie oft erst, wenn sie sich selbst enge Grenzen setzt: Batman: Die Anthologieserie Batman: Black and White (1996) führte das beispielhaft vor. Achtseitige Kurzgeschichten in Schwarz-weiß, geschrieben und gezeichnet von den besten Autoren – bis heute ein Klassiker mit drei Nachfolgebänden. Nun legt DC Comics nach mit einer neuen Serie nach einem ähnlichen Prinzip: Harley Quinn: Black + White + Red ist eine 14-teilige Serie, die zunächst digital erscheint, immer freitags (z.B. bei Comixology oder Amazon).

Die erste Story, die bereits erschienen ist, stammt von Stjepan Šejić, der mit Harleen der Figur ein grandioses Update verpasst hat. (Eine Vorschau gibt’s bei DC.) Die Geschichte umfasst 19 Seiten und kostet bei Comixology 1,09 Euro. Zu den Erzählern der nächsten Ausgaben gehören neben Harley-Quinn-Co-Schöpfer Paul Dini, Amanda Conner, Jimmy Palmiotti und Tim Seeley. Außerdem sollen sich Zeichner erstmals als Autoren betätigen, dazu zählen: Mirka Andolfo (DC Comics: Bombshells), Dani (The Low, Low Woods), Joe Quinones (Dial H for Hero) und Riley Rossmo (Martian Manhunter).

Mit dieser neuen Serie erweitert DC seine „Digital First„-Reihe, die im April mit mehreren Serien begann, darunter Batman: Gotham Nights.

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Gratis Comic Tag 2020: Verschoben auf Herbst

Panini Comics

Eigentlich sollte am 9. Mai 2020 der Gratis Comic Tag stattfinden. Dieser wurde nun wegen der Coronakrise auf Herbst verschoben. Die Veranstalter wollen sich im Juli erneut beraten und Anfang August ein neues Datum verkünden. Bis zum 31. August sind Großveranstaltungen in Deutschland verboten.

Das diesjährige Angebot an Gratis-Comics steht schon länger fest: Zum Thema Batman bringt Panini ein Heft mit drei Leseproben heraus zu den Graphic Novels Harley Quinn: Breaking Glass, Batman: Nightwalker und Mera: Gegen den Strom. Daneben gibt es ein Heft namens Hallo Justice League mit drei Leseproben von Kinder-Comics.

Mehr geboten wird für Spider-Man-Fans: Die bekommen zwei komplette Storys in einem Heft. Ein Highlight dürfte auch ein Auszug aus Berserker Unbound von Jeff Lemire (Black Hammer/Justice League, Joker: Killer Smile) und Mike Deodato Jr. sein – aber das kann man sich wahrscheinlich auch kaufen, ohne vorher reingelesen zu haben. Alle Gratis-Comics findet ihr hier.

Honest Trailers zu Birds of Prey und Justice League: The Snyder Cut

Birds of Prey hat im Kino gerade einmal etwas mehr als 200 Millionen US-Dollar eingespielt. Das mag doppelt so viel sein wie die Produktionskosten, aber dürfte kaum genug sein, um sie zu decken. Obwohl der Film überwigend positiv besprochen wurde, blieb ihm der kommerzielle Erfolg des miesen Suicide Squad verwehrt. Das mag daran liegen, dass das Leben unfair ist. Oder einfach daran, dass Birds of Prey keinen Erfolg verdient (wie ich finde).

Wie dem auch sei: Was sich an dem Streifen aussetzen lässt, haben die Screen Junkies in ihrem Honest Trailer mal wieder wunderbar auf den Punkt gebracht, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin. Allerdings ist es sehr richtig beobachtet, dass Harley Quinn sich nicht wirklich vom Joker emanzipiert, wenn sie im Grunde weiterhin seine Clowns-Masche kopiert.

Schluss mit dem Snyder-Cut

Und dann gibt es noch einen Honest Trailer zum „Snyder Cut“ von Justice League (zu dem es bereits einen Honest Trailer gibt.) Bevor jetzt alle Anhänger jubeln: Nein, Warner Bros. hat noch immer nicht den „Snyder Cut“ veröffentlicht – und wird es wohl auch niemals tun. (Hintergrund: Nach dem Rückzug von Regisseur Zack Snyder in der Postproduktion hat Joss Whedon den Film zum Teil umgeschrieben und neue Szenen gedreht, dafür andere rausgeschnitten, die etwa im Trailer zu sehen waren.) Also bitte hört endlich damit auf, einen Film zu fordern, der wahrscheinlich nicht besser sein wird als das, was im Kino zu sehen war.

Für alle, die diese nicht enden wollende Fan-Aktion so nervt wie mich, bietet dieser Honest Trailer eine wunderbare Parodie darauf. Viel Spaß damit!

Harleen: Heilung durch Liebe

DC Comics

Titel: Harleen

Autor/Zeichner: Stjepan Sejic

Erschienen: 2019 (Harleen #1-3), Hardcover 2020


Harley Quinn ist gerade so hoch im Kurs und omnipräsent, dass es nervt: im Kino, als Zeichentrickserie, in den Comics. DC hat 2019 in seinem Black Label gleich zwei Harley-Miniserien parallel gestartet. Eine davon ist Harleen. Erzählt wird in diesem Dreiteiler alles noch einmal, schon wieder und von vorn, wie aus Harleen Quinzel Jokers Geliebte Harley Quinn wurde. Also noch eine Mad-Love-Variation für Erwachsene und breitgewalzt auf 200 Seiten. Aber nein: Denn so vertraut die Story zunächst scheint, ist hier doch alles anders.

Harleen Quinzel ist hier zunächst eine talentierte junge Psychiaterin, die an starken Selbstzweifeln leidet. Anders als in Mad Love hat sie sich nicht hochgeschlafen, sondern ihre Karriere hart erarbeitet. Sie ist eine Idealistin, die herausfinden will, warum psychisch Kranke ihre Empathie verlieren, und fängt dafür Interviews mit Insassen in Arkham Asylum an. Darunter ist auch der Joker.

Harleen hat Angst vor ihm. Sie leidet unter Schlaflosigkeit und Alpträumen. Und sie lässt sich nicht täuschen. Die Erfahrungen ihrer Vorgänger zeigen ihr, dass der Joker ein Manipulator ist, der selbst Profis mit seinen Lügen einwickelt. Trotzdem glaubt sie in den Gesprächen mit ihm, zu seinem wahren Selbst vorzudringen und ihm helfen zu können. Sie überschreitet eine Grenze nach der anderen, um ihm näher zu kommen – und verliert sich selbst.

Joker á la Thomas Hobbes

Der Joker ist hier ein junger attraktiver Mann, dessen Philosophie an Heath Ledgers Interpretation, bzw. an Thomas Hobbes, erinnern:

„We’re all monsters in a civilized cage, it just takes the right kind of pain and fear to break the lock.“

Gotham sei die „city of monsters“, aber mit seinen vielen gewalttätigen Irren immerhin ein ehrlicher Ort. Denn auch die scheinbar guten Menschen sehen sich danach, sich in gewalttätige Tiere zu verwandeln.

„Gotham is full of people like that. Hands twitching while they dream of violence, shivering with barely suppressed rage, brimming with righteous indignation. Smiling politely as they imagine savage things. Every last one of them a bomb that needs but a single spark to set it of.“

Harleen funktioniert aber nicht nur wegen einer starken Joker-Figur so gut, sondern auch weil es keine Harley Quinn-Story ist. Die Figur kommt kaum vor. Stattdessen ist es eine Harleen-Quinzel-Story. Die Geschichte einer scheiternden Psychiaterin, die nur helfen will, aber sich selbst nicht helfen kann, immer tiefer in den Abgrund zu rutschen. Zum anderen gelingt Harleen, weil sich Autor Stjepan Sejic viel Zeit lässt, seine Hauptfigur zu ergründen und glaubwürdig zu erzählen, wie eine intelligente Frau zu einer Psychopathin unter dem Einfluss des Jokers werden kann. Die Antwort: Sie bildet sich ein, ihm helfen zu können, weil er in ihr die Liebe findet, die er braucht. Die Story profitiert davon, dass die tragische Heldin ihre Geschichte in einer zweifelnden Offenheit selbst erzählt.

Warum Batman nicht tötet

Batman spielt hier nur eine kleine Rolle am Rande. In einer Sequenz fragt ihn Harleen, warum er nicht tötet. Er antwortet, dass er hofft, den Tätern helfen zu können:

„I don’t kill because as hard as it sometimes is, it’s still the right choice. I don’t kill because I don’t want to give up on them…or on myself.“

Durch diese Aussage bestärkt er indirekt die Psychiaterin in ihrem Willen, dass man auch den Joker heilen könne.

Harleen ist zu einem großen Teil auch eine Two-Face-Story. In einer intensiven Variation seiner Entstehungsgeschichte wird gezeigt, wie Staatsanwalt Harvey Dent im Kampf für das Gute langsam in den Wahnsinn abrutscht und sich mit den Executioners, einer Bande von Polizisten, verbündet, die davongekommene Verbrecher tötet. Gemeinsam planen sie, die Insassen von Arkham zu befreien, um in der Stadt wieder die Todesstrafe einzuführen. Allein hier könnte man kritisieren, dass es naheliegender wäre, wenn sie die Verbrecher selbst hinrichten würden – so wie sie es auch sonst tun.

Darüber hinaus ist der Comic auch optisch gelungen. Stjepan Sejic zeichnet mit präzisem, feinfühligem Strich ausdrucksstarke Figuren mit nuancierten Mimiken und Körperhaltungen. Schurken wie Two-Face, Poison Ivy und Killer Croc wirken ebenso schrecklich wie anziehend. Auf dem großen Seitenformat kommen die Bilder besonders gut zur Geltung.

Insgesamt ist Harleen unbedingt lesenswert und einer der besten Harley-Quinn-Origins seit Mad Love. Eine echte Bereicherung dürfte es gerade für die sein, die Harley Quinn nicht mögen. Dieses Comic könnte sie endlich mit der Figur versöhnen.

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