Harley Quinn

Joker: Batmans größter Fan

DC Comics

Titel: White Knight (dt. Der weiße Ritter)

Autor/Zeichner: Sean Murphy

Erschienen: 2017-2018 (Mini-Serie #1-8), Paperback 2018


Batman sitzt in Arkham, gefesselt in einer Zelle. Ein gewisser Mr. Napier sucht ihn auf und bittet ihn um seine Hilfe – es ist der ehemalige Joker. Wie konnte es dazu kommen? Ein Jahr zuvor wird der Joker durch ein geheimnisvolles Medikament vom Irrsinn geheilt, vom Gericht wird er freigesprochen und will dann als Jack Napier Stadtverordneter werden, um Gotham endlich vom Verbrechen zu befreien. Sein Vorwurf: Batman hat versagt, er richtet mehr Schaden an als er helfen sollte, und die Stadt und die Polizei haben zu lange dabei zugesehen. Jetzt soll Batman Teil der Polizei werden.

Aber meint es Napier wirklich ernst oder ist das nur ein Trick des Jokers? Harley Quinn gegenüber verhält er sich jedenfalls ganz anders als früher. Das kann sie gar nicht leiden. Da taucht aber plötzlich eine andere Harley auf – im alten Kostüm – und es stellt sich heraus, dass es zwei Harleys gibt. Die erste verdrängt die zweite, daraufhin wird diese zum Neo Joker und setzt sich zum Ziel, ihren Joker zurückzuholen. Währenddessen schart Napier eine Armee von Schurken um sich, die dank Mad Hatter und Clayface seinem Willen gehorchen.

Das ist nur der Anfang einer noch viel komplexeren Geschichte, die der Autor und Zeichner Sean Murphy hier entfaltet. White Knight spielt in einer eigenen Welt, die aber an vieles Vertraute erinnert. Murphy bedient sich hier stark in der Batman-Tradition, spickt seine Story mit zahllosen Verweisen. Der Name „Jack Napier“ stammt aus Tim Burtons Batman (The Animated Series hat ihn übernommen), die Idee des genesenen Jokers stammt aus Going Sane, wieder gibt es den Tod von Robin Jason Todd und mal wieder wird die Watchmen-Idee bemüht (die sich auch in Marvels Civil War zu finden ist), dass Superhelden einer staatlichen Kontrolle unterworfen werden sollen, besonders viele Anspielungen finden sich auf The Animated Series (z.B. die Folgen Almost Got ‚Im, The Ultimate Thrill und Over the Edge). Was auf den ersten Blick wirkt, wie überall dreist zusammengeklaut, ergibt ein zwar traditionsbewusstes, aber auch stimmiges Werk eigenen Rechts, das viele eigene Akzente setzt.

Murphy schafft es tatsächlich, den Joker zum Helden der Story zu machen, der ohne Albernheiten ein ernstzunehmendes Anliegen verfolgt. Bemerkenswert ist auch, dass der Joker trotz einer Vorgeschichte nichts von seiner Faszination einbüßt. Der Joker ist zunächst Batmans größter Fan. Man sieht ihn in seiner Zelle inmitten von Merchandising, Postern und Zeitungssauschnitten. Gleich zu Beginn bekennt er, Batman überlegen zu sein und sich bei ihm immer zurückgehalten zu haben, damit ihr Spiel zwischen den beiden immer weitergehen kann.

Als Napier ist er nicht Batmans Feind, sondern will ihn als Verbündeten gewinnen. Der Schurke will nicht siegen, er will einen Kompromiss – und Batman wird zum Schurken, weil er sich hartleibig gibt. Nicht nur darf der Joker Batman mal wieder den Spiegel vorhalten und dessen Konzept und Methoden infrage stellen, sondern auch Batman erscheint zweifelhaft in seinem radikalen Vorgehen. Am Ende sieht er selbst seine Fehler ein und lernt daraus. Das ist kühn – und in dieser Konsequenz besteht das wahrhaft Neue an dieser Story.

Mister Freeze spielt hier eine ganz neuartige Rolle als Batmans Verbündeter, Duke Thomas wird völlig neu erfunden, als ambige erwachsene Figur, die zwischen „der Straße“ und Napier vermittelt, Nightwing und Batgirl werden Teil einer Polizei-Spezialeinheit und schließlich gibt es mit beiden Harley Quinns auch starke Frauenfiguren, die für einige Überraschungen sorgen – und die Figur auch für Nicht-Fans erträglich machen. Ganz nebenbei dekonstruiert er Harley Quinn, indem er die neuere Entwicklung der Figur quasi annuliert und als Rückschritt für den Feminismus bezeichnen lässt.

Auch Sean Murphys Vorliebe für Autos wird hier deutlich. Nicht nur in den vielen spektakulären Verfolgungsjagden, und der Tatsache, dass Batman ständig Rennfahrer-Handschuhe trägt, sondern auch im Design des neuen Batmobils. Gleichzeitig verleiht er den berühmtesten Batmobilen prominente Gastauftritte, die kein Selbstzweck sind, sondern tatsächlich einen Sinn in der Story haben: Da fährt Adam Wests Batmobil neben dem Tumbler aus Christopher Nolans Dark Knight-Trilogie, wir sehen Michael Keatons Gefährt neben dem aus The Animated Series. Fans frohlocken.

Insgesamt erzählt White Knight eine ebenso fesselnde wie dynamisch gezeichnete Story, in der so ziemlich jeder Aspekt gut durchdacht ist, jede Figur interessant erscheint und die Handlung viele Überraschungen bietet. Das Verhältnis zwischen Dialog und Action ist ebenso im Gleichgewicht wie zwischen Tradition und Innovation. Damit ist White Knight ohne Zweifel das beste Batman-Comic seit Dark Night: A True Batman Story.

Für nächstes Jahr ist bereits eine Fortsetzung angekündigt: Curse of the White Knight. Darin soll auch Azrael vorkommen.

DC Comics

(Hinweis: Die deutsche Ausgabe erscheint im März 2019. )

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Verloren im Labyrinth

DC Comics

Titel: Dark Nights: Metal – The Resistance (dt. Widerstand in Gotham/Die Batmen aus der Hölle)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2017 (diverse Ausgaben, Paperback 2018), dt. Panini 2018 (Batman Metal Sonderbände)


Die bösen Batman aus dem Dunklen Multiversum haben Gotham zu einem Labyrinth gemacht und unter Arkham-Schurken aufgeteilt: Riddler, Poison Ivy, Mister Freeze, Mad Hatter. Batman ist verschwunden. Nun müssen Robin und Nightwing zusammen mit Green Arrow, den Titans und der Suicide Squad Gotham retten und dabei Batman finden. Doch die beiden Teams werden zu Schurken gemacht und so bilden Damian, Dick und Oliver zusammen mit Killer Croc und Harley Quinn ein Team. In der Zwischenzeit irrt Batman durch ein ganz eigenes metaphysisches Labyrinth, in dem er sein erstes Abenteuer wiedererlebt, das sich mit vielen neuen Welten verbindet.

The Resistance ist mehr als nur eine Sammlung von fakultativen Tie-ins zu Dark Nights: Metal. Der erste Teil bildet eine wichtige Ergänzung zwischen Teil 2 und 3 der Mini-Serie. Der zweite Hauptteil beschreibt den Kampf zwischen der einzelnen Justice League-Mitglieder (Flash, Green Lantern, Wonder Woman, Aquaman, Cyborg) gegen ihre bösen Gegenstücke, bleibt aber ziemlich oberflächlich und ist nichts anderes als ein Umweg, der zurück zum Status quo führt. Dagegen hat der erste deutlich mehr interessante Situationen zu bieten, auch weil zwischen den Charakteren mehr Spannung besteht.

Der eigentliche Höhepunkt des Bandes ist Batman: Lost, ein Fest für Fans. Bruce Wayne erscheint in der Rahmenhandlung als alter Mann, der seiner Enkelin aus The Case of the Chemical Syndicate (Detective Comics #27) vorliest und dabei in historische, postapokalyptische und Science-Fiction-Szenarien stolpert. Dieser Bruce Wayne hat im Alter all seine Abenteuer aufgeschrieben, wir sehen die Bände (in einer seltsam unsystematischen Reihenfolge) in seinem Bücherregal stehen und es ist bemerkenswert, dass er allen dieselben literarische Titel gegeben hat wie die Comics (Court of Owls, A Lonely Place of Dying, Knightfall, Hush, Dark Victory, aber auch Public Enemies, Daughter of the Demon, Under the Red Hood und The Black Mirror, Long Halloween, Tower of Babel und The Man Who Laughs). Und Bruce bestätigt, was wir schon seit Grant Morrison wissen: Alle diese Batman-Abenteuer aus 80 Jahren sind (für Batman) wirklich passiert, auch wenn sie sich zum Teil widersprechen.

Es ergibt sich folgende sinnvolle Lesereihenfolge für das Event (ausgenommen sind die Tie-ins von Dark Knights Rising):

  • Dark Days: The Forge/The Casting
  • Dark Nights: Metal #1-2
  • The Resistance, Teil 1 (Teen Titans #12, Nightwing #29, Suicide Squad #26, Green Arrow #32, Batman: Lost #1)
  • Dark Nights: Metal #3
  • The Resistance, Teil 2 (The Flash #33, Justice League #32, Hal Jordan #32, Justice League #33)
  • Dark Nights: Metal #4
  • Hawkman: Found #1
  • Dark Nights: Metal #5-6

Die eine Regel des Jokers

Titel: The Dark Prince Charming – Book 2 (dt. Der Dunkle Prinz)

Autor/Zeichner: Enrico Marini

Erschienen: 2018, dt. Panini 2018


Was bisher geschah: Der Joker hat ein Mädchen namens Alina entführt, das Bruce Waynes Tochter sein soll. Er plant ein Geburtstagsgeschenk für Harley Quinn (siehe Batman: The Dark Prince Charming 1). Im zweiten Teil erfahren wir, was es ist: Der Blue Cat-Diamant. Der Joker erpresst Bruce Wayne, ihm den Diamanten bei einer Auktion zu besorgen. Doch dann wird Bruce von Selina Kyle abgelenkt und Catwoman krallt sich den Stein …

Mit dem zweiten Teil bringt Enrico Marini seinen Dunklen Prinzen zu einem würdigen Ende. Der Joker kehrt hier in gewisser Weise zu seinen Ursprüngen als Juwelendieb (und skrupelloser Mörder) zurück, inklusive eines Abgangs ins Wasser, der gerade im Golden Age typisch für ihn war. Das Neue an diesem Joker ist – neben seinem punkigen Look und seine Vorliebe für Rachmaninow – sein Verhältnis zu dem Kind. Der Spannungsbogen besteht darin, ob der Joker bereit ist, dem Kind etwas anzutun. (Und, keine Sorge, ich werde nicht verraten, was er tut.)

Was hier nicht überzeugt, ist das Verhältnis zwischen Selina und Bruce. Einerseits schlafen sie miteinander, andererseits wissen sie offenbar nicht von ihre Doppelidentitäten und so kommt Catwoman Batman in die Quere. Warum Selina aber den Stein vor Bruces Augen stiehlt, bleibt in der Motivation unklar, außer dass es den Plot voranbringt.

Enrico Marini erzählt eine schlichte Story, die kurzweilig mit einigen Überraschungen, schwarzem Humor und pointierten Dialogen unterhält, vor allem aber visuell beeindruckt, denn als Künstler inszeniert er Gotham in stimmungsvollen Schatten und Farben, seine Figuren wirken lebendig und ausdrucksstark. Auch die Gefährte werden regelrecht zelebriert, das Batmobil erinnert an die jüngste Filmversion, inklusive Maschinengewehren, was nicht unbedingt die beste Referenz ist.

Apropos Fan-Service: In einer Sequenz liegt Harley Quinn nackt und nur mit Sushi bedeckt auf einem Tisch. Was der Joker mit ihr anstellt, müsst ihr schon selbst lesen.

Die nächste DC-Krise: Heroes in Crisis

Heroes in Crisis #1 DC Comics)

Alle paar Jahre kriegt das DC-Universum die Krise: Crisis on Infinite Earths (1985), Identity Crisis (2004), Infinite Crisis (2005), Final Crisis (2008). In diesem Jahr ist es wieder soweit: Heroes in Crisis heißt eine siebenteilige Mini-Serie, die am 26. September 2018 in den USA startet. Doch dieses Mal geht es nicht um kosmische Krisen, sondern um ganz persönliche. Batman-Autor Tom King und Zeichner Clay Mann erzählen eine Story, in der es vordergründig um einen Mordfall geht (vgl. Identity Crisis), aber tatsächlich darum, wie die Helden mit der Erfahrung von Gewalt umgehen. Im Mittelpunkt stehen die Helden hinter der Maske. Wenn ihnen die Kämpfe zu viel werden, ziehen sie sich an einen Ort namens Sanctuary zurück, eine Art Krisenzentrum für Superhelden. Heroes in Crisis handelt davon, was passiert, wenn Sanctuary versagt und katastrophale Folgen hat. Die Story kreist neben der Dreifaltigkeit aus Batman, Superman und Wonder Woman auch um Harley Quinn und Booster Gold, die vorne auf dem ersten Cover zu sehen sind.

„I feel like I’m part of a rolling generation of people who spent their twenties overseas fighting terrorism“, sagt King. „Millions of people cycle through that machine and come home to America. And I think that sort of experience of violence is shaping who we are as a culture, and as a country. And I want to talk about that. I want to talk about that experience, the experience of what violence can do to a person, to a community, to a nation, to a world.“ King fühle sich verpflichtet, darüber zu sprechen, was Gewalt einer Gesellschaft antun kann. Er wolle einen Sinn für Gemeinschaft von Superhelden und Menschen schaffen.

Tom King hat sich bereits kritisch mit dem Thema Gewalt in seiner Comic-Serie The Sheriff of Babylon (Vertigo) auseinandergesetzt. Darin geht es um einen Mordfall im Irak nach der Invasion der Amerikaner.

Geburtstagsgeschenk für Harley Quinn

DC Comics

Titel: The Dark Prince Charming (dt. Der Dunkle Prinz)

Autor/Zeichner: Enrico Marini

Erschienen: 2017 (Teil 1 von 2, Hardcover), dt. Panini 2018


„I’m no monster, after all.“ (Joker)

Bruce Wayne bekommt Besuch von einer Frau mit einem achtjährigen Mädchen. Sie behauptet, das sei seine Tochter und verlangt zehn Millionen Dollar. Als die angebliche Vaterschaft in die Medien kommt, entführt der Joker das Mädchen, um Harley Quinn ein Geburtstagsgeschenk zu machen. Batman macht sich auf die Suche.

DC Comics

Enrico Marini (Batman Europa) ist ein Meister. Er inszeniert ein wahnsinnig detailliertes wie stimmungsvolles Gotham, neblig, aber in warmen Farben. Seine Figuren strotzen vor Lebendigkeit, sein Batman, der sehr an Ben Affleck erinnert, changiert irgendwo zwischen realistisch und ikonenhaft. Der Joker ist ein ultragrausamer Schurke, der seinen Handlangern keinen Patzer durchgehen lässt und auch einfach seine ganze Gang niedermetzelt, wenn ihm danach ist. Aber er ist auch ein Schurke mit einer schwierigen Kindheit, wenn man seinen Gedächtnislücken Glauben schenken darf … Das erinnert zwar stark an den Film The Dark Knight, aber seine Fürsorge für das entführte Kind verleiht ihm auch eine neue, nämlich menschliche Komponente.

Die Story nimmt sich alle Freiheiten, die sie braucht, denn sie spielt abseits der Continuity: Bruce Wayne hat eine Beziehung mit Selina Kyle (Catwoman), die offenbar immer noch Juwelen stiehlt, James Gordon raucht erstmals E-Zigarette und Batman trifft mal wieder auf einen Killer Croc, der keine Ratten in der Kanalisation frisst, sondern eine eigene Gang unterhält. Im vorläufigen Finale verprügelt ihn Batman verprügelt auf der Suche nach Antworten, aber muss eingestehen, dass er nur ans Ende seiner Möglichkeiten gekommen ist …

The Dark Prince Charming ist der furiose Auftakt einer packend erzählten Geschichte und macht große Lust auf Teil 2. Der soll allerdings erst im Frühling 2018 erscheinen.

Finger weg von Harley Quinn!

Klappe zu, Harley!

Titel: Batman and Harley Quinn

Regie/Drehbuch: Sam Liu/Bruce Timm, Jim Krieg

Erschienen: 2017 (Direct-to-Video)


Diese Harley Quinn-Mode nervt langsam. Nicht nur in den Comics, auch in Batman-Filmen ist der ehemalige Joker-Sidekick mittlerweile gefühlt omnipräsent: Nach Suicide Squad sollen noch mindestens drei weitere Spielfilme mit ihr folgen. Auch der nächste Batman-Tag soll ganz im Zeichen von Harley Quinn stehen. Jetzt hat sie auch einen Animationsfilm bekommen. Und wenn man den gesehen hat, kann man nur hoffen, dass diese Mode bald vorbei ist.

Der Plot: Um die Welt vor ihrer Zerstörung zu retten, will Poison Ivy alle Menschen in Pflanzenwesen verwandeln. Dabei wird sie unterstützt von Jason Woodrue, dem Floronic Man. Um sie zu finden und aufzuhalten, konsultieren Batman und Nightwing Ivys alte Bekannte: Harley Quinn. Die hat das Dasein als Schurkin aufgegeben und muss sich nun als Kellnerin mit Grabschern rumschlagen. Für das Dynamische Duo schlüpft sie aber noch einmal in ihre alte Rolle …

Nightwing und Harley beim Vorspiel.

Obwohl der Zeichenstil The Animated Series entspricht, fühlt sich Batman and Harley Quinn nicht so an wie aus diesem Universum. Abgesehen von der krassen Gewalt, der derben Sprache, den Furz- und Kotzwitzen gibt es auch viel Sex. Vor allem eine Szene, in der sich Harley Quinn über Nightwing hermacht – und er es mit sich machen lässt. Das allein fällt zwar aus dem Rahmen, aber ist noch zu verschmerzen, wären da nicht unnötige Sexismen, die so gar nicht zu einem Film passen, in dem sich die Titelheldin gegen sexuelle Übergriffe wehrt.

#Aufschrei: Harley von hinten.

Aber das ist nur das geringste Problem mit dem Film. Eine lahme Story, platte Witze und eine routiniert-fade Inszenierung lassen alles vermissen, was den Reiz von The Animated Series (und den Film Mask of the Phantasm) ausgemacht hat. Das einzige, worin sich noch Liebe zur Animation zeigt, ist der cartoonhafte Vorspann.

Bei Harley Quinn hat Batman das Nachsehen: Bild aus dem Vorspann.

Was den Rest angeht, kann man sich fragen: Was ist in den vergangenen Jahren aus der Animationskunst geworden? Es gibt sie noch, aber leider nicht mehr für Batman. Für den Heimkinomarkt lässt man billig produzierte Zeichentrickfilme herstellen, die den Namen Animation gar nicht verdienen, weil ihnen jegliche Seele fehlt. Steife Figuren in sterilen Kulissen, dazu eine scheußlich-künstliche Musik, die nur wie ein toter Abklatsch eines Orchester klingt. Batman and Harley Quinn ist nicht der erste Film, der so gemacht ist, aber einer der schlechtesten dieser Machart. Vom Geist der Animated Series ist hier kaum noch etwas übrig.

Unnötige Gesangseinlage.

Und zum Schluss, wenn man sich durch 75 Minuten durchgequält hat, kommt der absolute Tiefpunkt. Nachdem Batman in dieser Harley-Show ohnehin nicht viel zu tun hat, außer genervt dreinzuschauen und sich der Lächerlichkeit preiszugeben, fällt er mit Nightwing am Ende völlig aus der Rolle. Zum Fremdschämen.

Alle lieben Harley: WTF?

Ein Prequel und Sequel zu „Batman and Harley Quinn“

DC Comics

Zum Animationsfilm Batman and Harley Quinn, der am 15. August in den USA erscheint (am 7. September in Deutschland) wird es zwei begleitende Comic-Serien geben. DC hat ein fünfteiliges Prequel angekündigt, Harley Quinn and Batman, in dem erzählt wird, wie Quinn vom Sidekick des Jokers zur eigenständigen Heldin wird. Für die Mini-Serie werden Autor Ty Templeton und Zeichner Rick Burchett wieder zusammenkommen, die bereits die Batman Adventures gemacht haben, die Comics zu Batman: The Animated Series. Die neue Comic-Serie wird am 31. Juli beginnen und zweiwöchentlich erscheinen, zunächst nur in digitaler Form.

Im Oktober werden wöchentlich unter dem Titel Batman and Harley Quinn sieben Ausgaben hinzukommen, die sich an den Film anschließen. Dafür werden verschiedene Autoren und Zeichner verantwortlich sein. Im Sommer 2018 sollen alle zwölf Comics als Paperback gedruckt erscheinen.

Batman and Harley Quinn: Der erste Trailer

Batman and Harley Quinn, der nächste Animationsfilm im Stil der Animated Series, soll in Deutschland am 7. September 2017 erscheinen. (In den USA schon am 15. August in digitaler Form, am 29. August als DVD und Blu-ray.) Der erste Trailer verrät, worum es geht: Poison Ivy will die Menschheit vernichten, Batman und Nightwing bitten Harley Quinn um Hilfe, die sich aus dem Schurkendasein zurückgezogen hat.

Warner Bros.

In diesem Featurette erzählen die Macher von der Entstehung des Films:

(Dieser Artikel wurde am 1.6.2017 aktualisiert.)

Kein Batman beim Gratis Comic Tag 2017

Panini Comics

Panini Comics

Eine schlechte Nachricht für Batman-Fans: Beim nächsten Gratis-Comic-Tag, am 13. Mai 2017, wird es kein Batman-Comic geben. Damit bricht Panini eine Tradition. Stattdessen wird ein Heft erscheinen, das mit Harley Quinn, Superman und Wonder Woman für DC Rebirth werben wird. Wonder Woman soll sogar eine komplette Story bekommen – passend zum anstehenden Kinofilm, der am 15. Juni erscheinen wird. Und Harley Quinn ist ohnehin schon ein Publikumsliebling. Superman muss wohl noch stärker beworben werden. Aber Batman scheint es nicht nötig zu haben. Für den zahlen die Leser offenbar schon genug.

Gotham City Sirens: DC lernt es nicht

Wenn ein Film ein Sequel bekommt, dann nur weil er erfolgreich genug war. Und tatsächlich: alle DC-Verfilmungen dieses Jahrhunderts waren erfolgreich. Kommerziell. Auch die letzten drei, die das DC Extended Universe begründet haben. Aber schon Man of Steel spaltete die Fans, weil er zu deprimierend und ermüdend für einen Superman-Film war, Batman v Superman geriet sogar noch langweiliger und unausgegorener und Suicide Squad war ein künstlerischer Totalreinfall. Aber: alle drei Filme machten Kasse. Sei es aus Neugier der Fans oder Anspruchslosigkeit des Publikums oder weil einfach etablierte Markennamen immer ziehen werden.

Die Konsequenz? Ben Affleck darf zwar einen Batman-Film machen, der vielleicht irgendwann mal aus der sich lang hinziehenden Planungsphase in Produktion geht. Der Oscar-Preisträger macht Hoffnung. Im Hintergrund hört man von anderen Filmen wie Wonder Woman, Flash und Aquaman, dass es Ärger mit den Regisseuren gibt. Sonst geht alles munter so weiter, als wäre nichts gewesen: Zack Snyder darf weiterhin Filme für die Reihe drehen, gleich zwei Justice League-Filme erwarten uns von ihm. Und jetzt wurde bekannt, dass auch Suicide-Squad-Regisseur David Ayer noch eine Chance bekommt, und zwar mit einem weiteren Film im Stil von Suicide Squad: Gotham City Sirens soll von dem weiblichen Schurkentrio Harley Quinn, Poison Ivy und Catwoman handeln. So berichtet es der Hollywood Reporter.

Wie bitte?

Es ist ja erfreulich, dass bei Warner Bros. auch gebrannte Kinder eine zweite Chance (im Fall von Snyder auch dritte und vierte) kriegen. Aber es wirkt, als hätten die Produzenten nicht verstanden, was in den vergangenen Jahren schief gelaufen ist, was die Schmähungen der Kritiker und die Enttäuschung der Fans hervorgerufen hat: dass man zu viel auf einmal wollte, dass man die falschen Leute an die Stoffe heranließ und das zu miesen, peinlichen Resultaten führte. DC-Filme wirken stets bemüht – und jeder weiß, dass das keine Tugend ist.

Und während Marvel mit seinem Cinematic Universe einen Hit nach dem anderen produziert und sein Filmuniversum mit seiner Fangemeinde wachsen lässt, begnügt sich Warner offenbar mit dem Heilsversprechen des Geldes. Solange es Profit einbringt, macht man weiter wie bisher. Nach dem gleichen Prinzip und den gleichen Leuten. Es läuft ja. Irgendwie. Und je mehr bekannte Figuren man in einen Film packt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Leute eine Kinokarte kaufen. Daher wieder drei Schurkinnen. Einem Harley Quinn-Solo-Film traut man offenbar doch nicht genug Zugkraft zu.

Marvel hat ein Rezept für gute Unterhaltung gefunden, Warner reicht der Mechanismus zum Gelddrucken. Das geht zulasten des Comic-Erbes, weswegen die Fans in die Kinos gehen. Denn der Karren DC wird so lange gegen die Wand gefahren, bis er nicht mehr fährt. Und man kann nur hoffen, dass sich das Publikum das nicht mehr lange bieten lässt.