Harley Quinn

Helden mit Problemen

heroes in crisis tpb

DC Comics

Titel: Heroes in Crisis

Autor/Zeichner: Tom King/Clay Mann

Erschienen: 2018-2019 (Heroes in Crisis #1-9), Hardcover 2019


„Bros before heroes.“

Helden haben es nicht leicht. Auch Superhelden brauchen mal eine Auszeit. Und Hilfe. Vor allem psychologisch. Denn auch Superhelden leiden unter posttraumatischer Belastungsstörung. Dafür haben Superman und Co. Sanctuary eingerichtet, einen Zufluchtsort in Kansas, in den sich Superhelden anonym zurückziehen, über ihre Erfahrungen sprechen und in einer Art Holo-Deck ihre Traumata verarbeiten können. Flash Wally West ist dort, aber auch der ehemalige Green-Arrow-Sidekick Arsenal, Harley Quinn und Booster Gold. Dann endet das Experiment plötzlich, als alle Helden bei Sanctuary abgeschlachtet werden.

Superman, Batman und Wonder Woman untersuchen den Fall mit Hilfe von Flash. Sie verdächtigen Harley Quinn und Booster Gold, aber beide beteuern ihre Unschuld. Booster wird von seinem alten Kumpel Blue Beetle aus dem Knast befreit, während Harley sich mit Batgirl verbündet. In der Zwischenzeit macht Lois Lane das Geheimnis um Sanctuary ohne Rücksicht auf Verluste publik …

Regelmäßige Leser werden wissen, dass ich nicht gut auf Autor Tom King zu sprechen bin. Er hat zwar mit Sheriff of Babylon und The Vision bewiesen, dass er schreiben kann, aber sein Batman ist eine Qual, weil sich die minimale Handlung in die Länge zieht. Hier zäumt King das Pferd von hinten auf. Noch bevor Sanctuary eingeführt ist, ist es damit auch schon vorbei, weil das Schlimmste bereits passiert ist. Erst nach und nach erfährt man als Leser, was das für ein Ort war.

Wir sehen unzählige Aufzeichnungen von Helden, die erzählen, was sie belastet, meistens unbekannte Gesichter, die hier als Kanonenfutter dienen. Sie rechtfertigen sich, offenbaren sich oder üben sich im beredtem Schweigen. Das sind vielleicht die stärksten Momente, auch wenn sich das Prinzip, eingepfercht in das typische Neuner-Panel-Raster, etwa nach der Hälfte verbraucht und ab dann nur noch nervt – denn es muss einfach jeder mal was sagen. Wenn ein Neandertaler beginnt, über Hobbes und Rousseau zu philosophieren und mit einem Mammut kuschelt, wird es zu viel des Guten.

Erst am Ende überrascht und bewegt die Geschichte – wenn es eigentlich schon zu spät ist. Dann wird eine überkomplizierte Zeitreisegeschichte daraus. Man hätte das alles interessanter hinkriegen können. Denn die eigentliche Ermittlung spielt keine große Rolle, viel mehr sieht man bloß Harley, wie sie versucht, ihre Mordlust auszuleben.

Ein großes Problem ist auch das Konzept von Heroes in Crisis: Warum sollte Sanctuary ein anonymer Ort sein? Warum sollte man Menschen mit Problemen in Kameras sprechen lassen statt mit anderen, wo doch selbst Kriegsveteranen in einer Gruppentherapie zusammensitzen? Kein Wunder, dass der Aufenthalt nicht hilft und sich die Teilnehmer einsam fühlen. Daher wirkt die Story forciert und die Erkenntnis am Ende banal. Den Ärger hätte man sich sparen können – aber dann hätte es eben diese Geschichte nicht gegeben …

Ansonsten ist es typischer Tom King: Minimale Handlung, die auf großen Panels breitgetreten wird, lange Dialoge und Monologe mit abgehackten Sätzen und Endloswiederholungen, mal mehr, mal weniger gelungene Pointen. Allerdings wird so viel gewitzelt, dass man das Ganze nicht ganz ernst nehmen kann. Wieder einmal lassen die besten Zeichner die Story mehr glänzen, als sie es verdient. Manche Doppelseiten sind geradezu atemberaubend. Leider hat der auf dem Cover angepriesene Clay Mann nur einen geringen Anteil an den Seiten.

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Der erste Trailer zu „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“

Acht Monate ist es her, seit der erste Teaser zum Film Birds of Prey herausgekommen ist, gerade mal 20 Sekunden, die mehr nach einem Werbespot für Klamotten aussahen als für einen Spielfilm. Jetzt hat Warner endlich einen anständigen Trailer herausgebracht. Aber hat sich der Eindruck verändert? Kein bisschen. Das Ganze wirkt wie eine knallbunte, überdrehte Harley-Quinn-Show, bei der die anderen Teammitglieder wie Huntress, Black Canary und Renée Montoya nur blasse Sidekicks sind. Wir haben uns wohl auf eine Art „Pyjamaparty“ einzustellen, um es mit Quinns Worten zu sagen.

Ewan McGregor scheint als Schurke Black Mask auch nur auf Spaß und Harley Quinn selbst aus zu sein. Es wirkt nicht so, als ob wir einen ernstzunehmenden Gegner bekämen, der sich an den Comics orientiert. Natürlich kann man von einem Trailer nur schwer über einen Film urteilen. Aber es ist schon seltsam: Ein echtes Highlight, einen wirklich zündenden Gag zeigen diese ersten zwei Minuten nicht.

„Birds of Prey: And the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn“ wird auf Deutsch einfach nur den Untertitel „The Emancipation of Harley Quinn“ tragen und erscheint am 6. Februar 2020 im Kino.

Vorschau auf Animationsserie „Harley Quinn“

Harley Quinn bekommt im Oktober eine eigene Zeichentrickserie auf dem Streamingdienst DC Universe. Die erste Vorschau, die zugleich ein Blick hinter die Kulissen ist, zeigt, dass es eine Serie für Erwachsene sein wird: Knochen brechen, Blut fließt, Köpfe explodieren – und es wird geflucht.

Mit dabei wird natürlich der Joker sein (gesprochen von Alan Tudyk), von dem sich Harley (gesprochen von Kaley Cuoco) immer noch zu emanzipieren versucht, aber auch Poison Ivy, Clayface, Riddler, Batman und Wonder Woman werden eine Rolle spielen.

Harley Quinns Look orientiert sich zunächst an Batman: The Animated Series, dann aber an dem Punk-Stil aus dem Suicide Squad-Spielfilm, der sich auch in den Comics niedergeschlagen hat.

Wo und wann Harley Quinn auf Deutsch erscheinen wird, steht noch nicht fest.

Noch mehr Harley Quinn beim Black Label: „Harleen“

DC Comics

Die Harley Quinn-Mode geht weiter. Nachdem DC für sein Black Label bereits die Miniserie Joker/Harley: Criminal Sanity angekündigt hat, soll bereits im September eine andere beginnen: In „Harleen“ erzählt Stjepan Šejić (Aquaman) Harley Quinns Vorgeschichte in drei Ausgaben neu. Die Geschichte wurde schon in Mad Love und in mehreren Varianten davon erzählt, aber eben noch nicht so: Harleen Quinzel glaubt, ein Heilmittel gegen Wahnsinn gefunden zu haben und probiert es in Arkham Asylum aus. Aber als sie auf den Joker trifft, verfällt sie selbst dem Wahnsinn und wird zu Harley Quinn …

Wer das langweilig findet, weil es immer noch wie ein müder Aufguss von Altbekanntem ist, dem sei ein Blick auf die ersten Seiten empfohlen, den Šejić ist ein wahrer Künstler.

Die erste Ausgabe von „Harleen“ erscheint am 25. September 2019, die beiden weiteren sollen monatlich folgen.

Neue Serie: Joker/Harley – Criminal Sanity

Joker/Harley: Criminal Sanity

DC Comics

DC hat eine neue Mini-Serie unter seinem „Black Label“ angekündigt: Joker/Harley: Criminal Sanity. In neun Ausgaben erzählen Kami Garcia, Mike Mayhew und Mico Suayan einen psychologishen Thriller aus einer alternativen Welt, in der Harley Quinn zunächst eine brilliante forensische Psychiaterin und Profilern für die Polizei von Gotham arbeitet. Einst wurde ihre Mitbewohnerin vom Joker getötet, jetzt muss sie eine Mordserie aufklären, die von ihm begangen wurde.

Bemerkenswert: In der Pressemitteilung findet sich kein einziges Mal das Wort Batman …

Die erste Ausgabe soll am 2. Oktober 2019 in den USA erscheinen, und von da an monatlich – falls alles gut geht.

“There is no character more terrifying than the Joker“, sagt Garcia. „He is one of the most complex psychopathic killers ever created. I wanted to approach the project as if the Joker was a real person—an intelligent and sane psychopath, who kills because he wants to, not because he suffers from delusions. To me, a version of the Joker, who is sane like John Wayne Gacy or Ted Bundy, is more frightening. In the series, Harley is the only character with the skill set and intelligence to hunt the Joker, but the investigation will force her to confront her own inner demons.”

Joker lässt Comics zeichnen

DC Comics

Titel: Batman Adventures Vol. 2

Autor/Zeichner: Kelley Puckett/Mike Parobeck

Erschienen: 1993-1994 (Batman Adventures #11-20), Paperback 2015


Auch im Universum der Batman Adventures gibt es Comics. Sie heißen Gotham Adventures, also so, wie die Comic-Serie von 1998 bis 2003 hieß. Als der Joker sieht, dass er in den Heften stets schlecht wegkommt, entführt er den Zeichner seine wahren Verbrechen als Comic zeichnen. Die Episode ist voller Anspielungen auf die Comic-Geschichte: Joker trägt einen Pelzmantel wie in The Laughing Fish, die Kapitel heißen „Seduction of the Innocent“ und „Comics and Sequential Death“ (in Anspielung auf Will Eisner).

Der zweite Band der Adventures bietet einige kleine Highlights: Barbara Gordon zieht das Batgirlkostüm an, noch bevor sie offiziell (in der TV-Serie) Batgirl wird. Wie auch schon bei ihrem ersten Auftritt 1967 schneidert sie sich das Kostüm selbst für einen Ball. Zufällig gerät sie an Harley Quinn, Poison Ivy und Catwoman einander. Später bildet sie ein gutes Team mit Robin.

Was noch? Scarecrow sorgt dafür, dass sich die ganze Stadt vor ihm fürchtet, Bruce Wayne verbringt einen romantischen Kurzurlaub mit Talia in Paris und Gordon selbst wird zum Helden im Kampf gegen Rupert Thorne. Außerdem Wiedersehen mit Man-Bat, Scarface und Ra’s al Ghul.

Insgesamt eine bunte Mischung, die unter einigem Durchschnitt auch kleine Perlen für Zwischendurch bietet.

Neues zu The Batman, The Suicide Squad & Birds of Prey

Harley Quinn im „Birds of Prey“-Teaser. (Warner Bros.)

Es geht voran mit den DC-Filmen rund um Batman. Zu drei Filmen gab es diese Woche Neuigkeiten. Die beste: The Batman von Matt Reeves (Cloverfield, Planet der Affen: Revolution) hat einen Starttermin bekommen. Die schlechte: Erst am 25. Juni 2021 soll es soweit sein. Noch zweieinhalb Jahre werden wir uns also gedulden müssen. Über den Film selbst wissen wir noch nichts, außer dass es eine Noir-Detektiv-Story mit einer „Rogues Gallery“, also mehreren Schurken, werden soll. Ein Drehbuch soll bereits fertig sein. Wer wird Batman? Ben Affleck jedenfalls nicht.

Am 6. August 2021 soll dann auch die Fortsetzung von Suicide Squad erscheinen. Der Titel: The Suicide Squad. Der einfallslose Titel erweckt den Eindruck, als wollte man vergessen machen, dass es einen ersten Teil gegeben hat. Jetzt versucht man mit einem bestimmten Artikel auszudrücken, dass es diesmal richtig klappen soll. Kurz gesagt: ein Reboot. Margot Robbie soll als Harley Quinn zurückkehren. Alles andere ist unklar. Aber dass James Gunn (Guardians of the Galaxy) das Drehbuch schreibt und die Regie übernimmt, lässt auf Besserung hoffen, dass diese Peinlichkeit tatsächlich endet.

Aber so lange müssen die Fans nicht auf Harley Quinn warten. Denn bereits nächstes Jahr, am 7. Februar, soll Birds of Prey in die Kinos kommen. Der Birdman-mäßige Untertitel in Klammern „(And the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn)“ deutet bereits an, wer im Vordergrund stehen und dass sie als Galionsfigur des Feminismus dienen wird. (Daher stammen Regie und Drehbuch auch von Frauen.) Einen ersten Eindruck kann man sich von einem sehr kurzen Teaser-Video machen, das auf YouTube kursiert. Es verrät so gut wie nichts über irgendwas, es stellt nur die Figuren vor. Wobei auch das nur andeutungsweise und so schnell geschnitten, dass man schon ein Kolibri sein muss, um alles zu erkennen.

Die 20 Sekunden wirken eher wie eine kryptische Werbung für eine Bekleidungsmarke oder ein Partygetränk als für einen Superheldenfilm: Ein Hammer, eine Armbrust, ein Baseballschläger, viele Leute – am Ende eine lachende Harley Quinn mit Cocktailglas und behangen mit bunten Plastikfransen. Dahinter verbergen sich Charaktere wie Huntress, Black Canary, Renee Montoya und Cassandra Cain, sowie die Schurken Zsasz und Black Mask (Ewan McGregor). Das Problem: Selbst wenn man ständig die Pause-Taste drückt, erinnert niemand auch nur annähernd an die Comic-Vorlagen. Nicht mal Black Mask trägt eine Maske.

Nun will ich mich nicht in Kaffeesatzleserei üben. Ein Teaser oder Trailer ist, wie wir wissen, oft weit entfernt vom Film. Im Falle von Batman v Superman, Suicide Squad oder Justice League waren die Trailer sogar weit besser. Vielleicht versucht hier jemand einen frischen, gewagten Ansatz, der am Ende alle überraschen wird. Aber wenn der erste Eindruck ein Gefühl für den Stil vermitteln soll, dann müssen wir uns auf einen bunten Partyfilm gefasst machen, nach dem Motto „Girls just wanna have fun“. Es wäre schade, wenn düstere Charaktere wie Black Mask und Zsasz mit Potenzial dafür verheizt würden …

 

(Der Artikel wurde am 3.2.2019 ergänzt.)

Joker: Batmans größter Fan

DC Comics

Titel: White Knight (dt. Der weiße Ritter)

Autor/Zeichner: Sean Murphy

Erschienen: 2017-2018 (Mini-Serie #1-8), Paperback 2018


Batman sitzt in Arkham, gefesselt in einer Zelle. Ein gewisser Mr. Napier sucht ihn auf und bittet ihn um seine Hilfe – es ist der ehemalige Joker. Wie konnte es dazu kommen? Ein Jahr zuvor wird der Joker durch ein geheimnisvolles Medikament vom Irrsinn geheilt, vom Gericht wird er freigesprochen und will dann als Jack Napier Stadtverordneter werden, um Gotham endlich vom Verbrechen zu befreien. Sein Vorwurf: Batman hat versagt, er richtet mehr Schaden an als er helfen sollte, und die Stadt und die Polizei haben zu lange dabei zugesehen. Jetzt soll Batman Teil der Polizei werden.

Aber meint es Napier wirklich ernst oder ist das nur ein Trick des Jokers? Harley Quinn gegenüber verhält er sich jedenfalls ganz anders als früher. Das kann sie gar nicht leiden. Da taucht aber plötzlich eine andere Harley auf – im alten Kostüm – und es stellt sich heraus, dass es zwei Harleys gibt. Die erste verdrängt die zweite, daraufhin wird diese zum Neo Joker und setzt sich zum Ziel, ihren Joker zurückzuholen. Währenddessen schart Napier eine Armee von Schurken um sich, die dank Mad Hatter und Clayface seinem Willen gehorchen.

Das ist nur der Anfang einer noch viel komplexeren Geschichte, die der Autor und Zeichner Sean Murphy hier entfaltet. White Knight spielt in einer eigenen Welt, die aber an vieles Vertraute erinnert. Murphy bedient sich hier stark in der Batman-Tradition, spickt seine Story mit zahllosen Verweisen. Der Name „Jack Napier“ stammt aus Tim Burtons Batman (The Animated Series hat ihn übernommen), die Idee des genesenen Jokers stammt aus Going Sane, wieder gibt es den Tod von Robin Jason Todd und mal wieder wird die Watchmen-Idee bemüht (die sich auch in Marvels Civil War zu finden ist), dass Superhelden einer staatlichen Kontrolle unterworfen werden sollen, besonders viele Anspielungen finden sich auf The Animated Series (z.B. die Folgen Almost Got ‚Im, The Ultimate Thrill und Over the Edge). Was auf den ersten Blick wirkt, wie überall dreist zusammengeklaut, ergibt ein zwar traditionsbewusstes, aber auch stimmiges Werk eigenen Rechts, das viele eigene Akzente setzt.

Murphy schafft es tatsächlich, den Joker zum Helden der Story zu machen, der ohne Albernheiten ein ernstzunehmendes Anliegen verfolgt. Bemerkenswert ist auch, dass der Joker trotz einer Vorgeschichte nichts von seiner Faszination einbüßt. Der Joker ist zunächst Batmans größter Fan. Man sieht ihn in seiner Zelle inmitten von Merchandising, Postern und Zeitungssauschnitten. Gleich zu Beginn bekennt er, Batman überlegen zu sein und sich bei ihm immer zurückgehalten zu haben, damit ihr Spiel zwischen den beiden immer weitergehen kann.

Als Napier ist er nicht Batmans Feind, sondern will ihn als Verbündeten gewinnen. Der Schurke will nicht siegen, er will einen Kompromiss – und Batman wird zum Schurken, weil er sich hartleibig gibt. Nicht nur darf der Joker Batman mal wieder den Spiegel vorhalten und dessen Konzept und Methoden infrage stellen, sondern auch Batman erscheint zweifelhaft in seinem radikalen Vorgehen. Am Ende sieht er selbst seine Fehler ein und lernt daraus. Das ist kühn – und in dieser Konsequenz besteht das wahrhaft Neue an dieser Story.

Mister Freeze spielt hier eine ganz neuartige Rolle als Batmans Verbündeter, Duke Thomas wird völlig neu erfunden, als ambige erwachsene Figur, die zwischen „der Straße“ und Napier vermittelt, Nightwing und Batgirl werden Teil einer Polizei-Spezialeinheit und schließlich gibt es mit beiden Harley Quinns auch starke Frauenfiguren, die für einige Überraschungen sorgen – und die Figur auch für Nicht-Fans erträglich machen. Ganz nebenbei dekonstruiert er Harley Quinn, indem er die neuere Entwicklung der Figur quasi annuliert und als Rückschritt für den Feminismus bezeichnen lässt.

Auch Sean Murphys Vorliebe für Autos wird hier deutlich. Nicht nur in den vielen spektakulären Verfolgungsjagden, und der Tatsache, dass Batman ständig Rennfahrer-Handschuhe trägt, sondern auch im Design des neuen Batmobils. Gleichzeitig verleiht er den berühmtesten Batmobilen prominente Gastauftritte, die kein Selbstzweck sind, sondern tatsächlich einen Sinn in der Story haben: Da fährt Adam Wests Batmobil neben dem Tumbler aus Christopher Nolans Dark Knight-Trilogie, wir sehen Michael Keatons Gefährt neben dem aus The Animated Series. Fans frohlocken.

Insgesamt erzählt White Knight eine ebenso fesselnde wie dynamisch gezeichnete Story, in der so ziemlich jeder Aspekt gut durchdacht ist, jede Figur interessant erscheint und die Handlung viele Überraschungen bietet. Das Verhältnis zwischen Dialog und Action ist ebenso im Gleichgewicht wie zwischen Tradition und Innovation. Damit ist White Knight ohne Zweifel das beste Batman-Comic seit Dark Night: A True Batman Story.

Für nächstes Jahr ist bereits eine Fortsetzung angekündigt: Curse of the White Knight. Darin soll auch Azrael vorkommen.

DC Comics

(Hinweis: Die deutsche Ausgabe erscheint im März 2019. )

Verloren im Labyrinth

DC Comics

Titel: Dark Nights: Metal – The Resistance (dt. Widerstand in Gotham/Die Batmen aus der Hölle)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2017 (diverse Ausgaben, Paperback 2018), dt. Panini 2018 (Batman Metal Sonderbände)


Die bösen Batman aus dem Dunklen Multiversum haben Gotham zu einem Labyrinth gemacht und unter Arkham-Schurken aufgeteilt: Riddler, Poison Ivy, Mister Freeze, Mad Hatter. Batman ist verschwunden. Nun müssen Robin und Nightwing zusammen mit Green Arrow, den Titans und der Suicide Squad Gotham retten und dabei Batman finden. Doch die beiden Teams werden zu Schurken gemacht und so bilden Damian, Dick und Oliver zusammen mit Killer Croc und Harley Quinn ein Team. In der Zwischenzeit irrt Batman durch ein ganz eigenes metaphysisches Labyrinth, in dem er sein erstes Abenteuer wiedererlebt, das sich mit vielen neuen Welten verbindet.

The Resistance ist mehr als nur eine Sammlung von fakultativen Tie-ins zu Dark Nights: Metal. Der erste Teil bildet eine wichtige Ergänzung zwischen Teil 2 und 3 der Mini-Serie. Der zweite Hauptteil beschreibt den Kampf zwischen der einzelnen Justice League-Mitglieder (Flash, Green Lantern, Wonder Woman, Aquaman, Cyborg) gegen ihre bösen Gegenstücke, bleibt aber ziemlich oberflächlich und ist nichts anderes als ein Umweg, der zurück zum Status quo führt. Dagegen hat der erste deutlich mehr interessante Situationen zu bieten, auch weil zwischen den Charakteren mehr Spannung besteht.

Der eigentliche Höhepunkt des Bandes ist Batman: Lost, ein Fest für Fans. Bruce Wayne erscheint in der Rahmenhandlung als alter Mann, der seiner Enkelin aus The Case of the Chemical Syndicate (Detective Comics #27) vorliest und dabei in historische, postapokalyptische und Science-Fiction-Szenarien stolpert. Dieser Bruce Wayne hat im Alter all seine Abenteuer aufgeschrieben, wir sehen die Bände (in einer seltsam unsystematischen Reihenfolge) in seinem Bücherregal stehen und es ist bemerkenswert, dass er allen dieselben literarische Titel gegeben hat wie die Comics (Court of Owls, A Lonely Place of Dying, Knightfall, Hush, Dark Victory, aber auch Public Enemies, Daughter of the Demon, Under the Red Hood und The Black Mirror, Long Halloween, Tower of Babel und The Man Who Laughs). Und Bruce bestätigt, was wir schon seit Grant Morrison wissen: Alle diese Batman-Abenteuer aus 80 Jahren sind (für Batman) wirklich passiert, auch wenn sie sich zum Teil widersprechen.

Es ergibt sich folgende sinnvolle Lesereihenfolge für das Event (ausgenommen sind die Tie-ins von Dark Knights Rising):

  • Dark Days: The Forge/The Casting
  • Dark Nights: Metal #1-2
  • The Resistance, Teil 1 (Teen Titans #12, Nightwing #29, Suicide Squad #26, Green Arrow #32, Batman: Lost #1)
  • Dark Nights: Metal #3
  • The Resistance, Teil 2 (The Flash #33, Justice League #32, Hal Jordan #32, Justice League #33)
  • Dark Nights: Metal #4
  • Hawkman: Found #1
  • Dark Nights: Metal #5-6

Die eine Regel des Jokers

Titel: The Dark Prince Charming – Book 2 (dt. Der Dunkle Prinz)

Autor/Zeichner: Enrico Marini

Erschienen: 2018, dt. Panini 2018


Was bisher geschah: Der Joker hat ein Mädchen namens Alina entführt, das Bruce Waynes Tochter sein soll. Er plant ein Geburtstagsgeschenk für Harley Quinn (siehe Batman: The Dark Prince Charming 1). Im zweiten Teil erfahren wir, was es ist: Der Blue Cat-Diamant. Der Joker erpresst Bruce Wayne, ihm den Diamanten bei einer Auktion zu besorgen. Doch dann wird Bruce von Selina Kyle abgelenkt und Catwoman krallt sich den Stein …

Mit dem zweiten Teil bringt Enrico Marini seinen Dunklen Prinzen zu einem würdigen Ende. Der Joker kehrt hier in gewisser Weise zu seinen Ursprüngen als Juwelendieb (und skrupelloser Mörder) zurück, inklusive eines Abgangs ins Wasser, der gerade im Golden Age typisch für ihn war. Das Neue an diesem Joker ist – neben seinem punkigen Look und seine Vorliebe für Rachmaninow – sein Verhältnis zu dem Kind. Der Spannungsbogen besteht darin, ob der Joker bereit ist, dem Kind etwas anzutun. (Und, keine Sorge, ich werde nicht verraten, was er tut.)

Was hier nicht überzeugt, ist das Verhältnis zwischen Selina und Bruce. Einerseits schlafen sie miteinander, andererseits wissen sie offenbar nicht von ihre Doppelidentitäten und so kommt Catwoman Batman in die Quere. Warum Selina aber den Stein vor Bruces Augen stiehlt, bleibt in der Motivation unklar, außer dass es den Plot voranbringt.

Enrico Marini erzählt eine schlichte Story, die kurzweilig mit einigen Überraschungen, schwarzem Humor und pointierten Dialogen unterhält, vor allem aber visuell beeindruckt, denn als Künstler inszeniert er Gotham in stimmungsvollen Schatten und Farben, seine Figuren wirken lebendig und ausdrucksstark. Auch die Gefährte werden regelrecht zelebriert, das Batmobil erinnert an die jüngste Filmversion, inklusive Maschinengewehren, was nicht unbedingt die beste Referenz ist.

Apropos Fan-Service: In einer Sequenz liegt Harley Quinn nackt und nur mit Sushi bedeckt auf einem Tisch. Was der Joker mit ihr anstellt, müsst ihr schon selbst lesen.