Batman Adventures

Fernsehen schafft Analphabeten

DC Comics

Titel: Batman Adventures Vol. 1

Autor/Zeichner: Kelley Puckett, Martin Pasco/Ty Templeton, Rick Burchett

Erschienen: 1992-1993 (Batman Adventures #1-10), Paperback 2014


Was bei dem Ruhm um Batman: The Animated Series häufig untergeht, ist die Tatsache, dass es zu der TV-Serie auch eine Comic-Serie gab. Und nicht nur eine: Es waren sogar vier, dazu eine Mini-Serie, einige Adaptionen zu den Filmen (bzw. zu Serien-Episoden) und vor allem Mad Love, ein Original-Comic, das nicht nur Geschichte schrieb, sondern später sogar zu einer Episode adaptiert wurde. Die Comics erschienen noch weit über die TV-Serie hinaus – bis ins Jahr 2004.

Die ersten Ausgaben der 90er Jahre beginnen bemerkenswert: Es geht ums Fernsehen. Der Joker schickt dem Pinguin einen Fernseher, über dem er mit ihm kommunizieren kann. Er macht ihm ein Angebot für einen Plan, später macht er dasselbe bei Catwoman. Im dritten Teil tritt der Joker dann selbst in einer TV-Show auf, entführt Commissioner Gordon und Harvey Dent. Es wird brutal: Während der Sendung bricht er Gordon vor laufender Kamera mit einem Baseballschläger die Arme. Seine Handlanger erschießt er kaltblütig. Er will zeigen, dass in Gotham das reine Chaos herrscht. Auch wenn man nie Blut sieht: Für ein Comic, das sich an Kinder richtet, ist das harter Tobak. Die Comics gehen deutlich weiter als die TV-Serie.

Aber medien- und gesellschaftskritisch geht es weiter: Scarecrow macht die Bewohner Gothams zu Analphabeten – und zwar mit manipulierten Fernsehern. Damit will sich der ehemalige Hochschulprofessor am Bildungssystem rächen, das die Bevölkerung mit Sparprogrammen verdummt. Zwar kann man sich fragen, warum ein Mann der Bildung alles noch schlimmer machen will, aber auch das ist eine Geschichte, die über das hinaus geht, was man von reiner Unterhaltung für Kinder erwartet. Das ist fast schon pädagogisch wertvoll. Und es zeugt von einiger Selbstironie, dass gerade das Fernsehen, das Medium, in dem die Zeichentrickserie mit gutem Beispiel vorangeht, so skeptisch betrachtet wird.

Die nachfolgenden Storys sind weniger ambitioniert: Killer Croc als Ringkämpfer, Clayface taucht überraschend auf, der Riddler plant seinen letzten Coup – das alles sind nette kleine Geschichten, manchmal zum Schmunzeln, aber oft einfach nur zum Bewundern der geschwungenen klaren Linien, die den Animated-Stil ausmachen. Einzig die Hitchcock-artige Story, in der Bruce Wayne eines Mordes verdächtigt wird und als Batman seine Unschuld beweisen muss, ragt dabei heraus. (Das Motiv wurde später in Bruce Wayne: Murderer? aufgegriffen.) Aber kurzweilige Lektüre ist der erste Band allemal, vor allem für Nostalgiker und Fans, die vom Universum der Serie nicht genug bekommen können.

Werbeanzeigen

Weihnachten mit dem Riddler

DC Comics

Titel: A Christmas Riddle (dt. Ein Weihnachtsrätsel)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Ty Templeton

Erschienen: 1996 (Batman and Robin Adventures #3), dt. Dino 1997 (Batman Adventures #19)


„Eventually I realized I’m just not the club-joining-type.“ (Bruce Wayne)

Bei der traditionellen Weihnachtsfeier des Peregrinator Clubs, einem Bonzen-Verein, dem auch mal Thomas Wayne angehört hat, gibt es eine böse Überraschung: Santa Claus entpuppt sich als Riddler. Während seine zwei Helferinnen die Menge mit Maschinengewehren in Schach halten, kündigt er an, die Identitäten von Batman und Robin preiszugeben.

Dabei geht er so vor, wie selten jemand im Comic: indem er kurz nachdenkt. Was man über Batman weiß: Er ist relativ jung, ein Mann zwischen 28 und 40, und er hat viel Geld oder einen reichen Sponsor, um sich Batmobile leisten zu können. Da diese Beschreibung auf einige in dem Club zutreffen, verdächtigt der Riddler einige Unschuldige.

Doch als Batman und Robin eintreffen, erkennen sie, dass sich andere Gauner am Safe zuschaffen machen. Die ganze Show, die der Riddler auch im Fernsehen übertragen lässt, ist nichts als Ablenkung. Doch der wahre Horror beginnt, als plötzlich alle Weihnachtsbäume im Saal anfangen zu brennen.

Der Riddler vernichtet also beinahe Weihnachten, um sich selbst zu beschenken. Was hat er stattdessen zu bieten? Verkleidungen, Täuschungen, Ablenkung, ein paar flotte Sprüche. Aber leider nicht mal ein richtiges Rätsel … Schade.

>> Batman zu Weihnachten

Weiße Weihnacht dank Mister Freeze

DC Comics

DC Comics

Titel: The Batman Adventures Holiday Special

Autor/Zeichner: Paul Dini/Bruce Timm u.a.

Erschienen: 1995 (One-shot), Paperback 2016 (The Batman Adventures Vol. 4)


„One of these years I’m going to beat him to the check.“ (James Gordon)

Batgirl gegen Clayface im Kaufhaus, Harley Quinn und Poison Ivy auf Shoppingtour mit Bruce Wayne, Silvester mit dem Joker. Das Batman Adventures Holiday Special versammelt fünf humorvolle Episoden rund um Weihnachten und Silvester. Abgesehen von den herausragenden Zeichnungen von Bruce Timm (Mad Love) leben sie von lauter schönen Einfällen: Bullock als Undercover-Weihnachtsmann, Montoya als sein Elf und am Ende treffen sich Batman und James Gordon an Neujahr zu einer Tasse Kaffee – eine Tradition, die im Rahmen einer größeren steht: Batman kippt den Kaffee eilig runter, zahlt und verschwindet wieder, während Gordon mal kurz wegguckt.

Neujahrstradition: Batman und Gordon in Holiday Knights

Neujahrstradition: Batman und Gordon in Holiday Knights

Das Special wurde 1997 unter dem Titel „Holiday Knights“ für The New Batman Adventures verfilmt. Auch wenn die Serienfolge sehr nah an der Vorlage ist, fehlt die Episode, auf die das Heftcover verweist: In „White Christmas“ bricht Mr. Freeze am Weihnachtsabend aus Arkham aus und hinterlässt eine kalte Spur bis zum Friedhof, nur um seiner toten Frau Nora ein weißes Weihnachten zu bescheren. Sentimental, aber wohl etwas zu traurig für den sonst launigen Ton der übrigen Storys.

>> Mehr Batman-Weihnachtsgeschichten