Deadman

Neal Adams zerstört Batman

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DC Comics

Titel: Batman vs. Ra’s al Ghul

Autor/Zeichner: Neal Adams

Erschienen: 2019-2021 (Miniserie #1-6), Hardcover 2021


„What … the living hell is this?!“ (Deadman)

Zugegeben: Ich war skeptisch, als DC verkündete, dass Neal Adams noch eine Batman-Miniserie macht. Als Zeichner ist er eine Legende der 60er- und 70er-Jahre, als Autor hat er spät so ein Machwerk wie Batman: Odyssey verbrochen, das ich immer nich nicht verdaut habe. Nun kehrt er zu Ra’s al Ghul zurück, dem Schurken, den er 1971 mit Dennis O’Neil geschaffen hat. Doch leider ist das so geworden wie befürchtet.

Worum geht’s? Tja, allein das ist nicht leicht zu beantworten. Batman vs Ra’s al Ghul spielt in einem eigenen Universum mit einigen bekannten Versatzstücken: Einerseits wird Bezug genommen auf die Zerstörung Gothams in Cataclysm (Das Beben) und No Man’s Land (Niemandsland), andererseits gibt es einen Damian Wayne, was viel später spielt. Dann ist Commissioner Gordon aus irgendeinem Grund in Japan als Energieberater tätig und Ra’s al Ghul wird Professor (für was?) genannt und darf unbescholten Atomkraftwerke errichten, nur um sich am Ende davon zu distanzieren und für Wasserstoff zu werben.

Batman trifft Deadman (wieder)

Wie bitte? All das wird nie erklärt. Doch kommen wir zur Geschichte. Kurz gesagt: Terroristen greifen ein Kraftwerk an, Batman vereitelt das und wird dabei getötet. Doch dann stellt sich heraus, dass Bruce Wayne weiterlebt, sich aber nicht mehr an sein Dasein als Batman erinnern kann (genauso wenig wie Damian) und Geschäfte mit Ra’s macht. Parallel dazu lebt Batman weiter, allerdings in einer anderen Dimension, wo er mit Deadman unterwegs ist (schon wieder) und buchstäblich zum Dämon mutiert – aber nicht, dass das irgendwelche Konsequenzen hätte.

Außerdem findet noch eine Batman-Olympiade statt, in der Nacheiferer aus aller Welt zusammenkommen. Und es gibt Dinos, Monster, Trolle und Etrigan. Und Man-Bat mit She-Bat. Und Matches Malone. Und für alle, die es interessiert: Boston Brand alias Deadman hat einen Bruder usw.

Adams hat seine besten Jahre hinter sich

So spricht es dem Leser aus der Seele, wenn sich Deadman an den Kopf greift und fragt, was zur Hölle hier eigentlich los ist, bzw. was sich Neal Adams dabei gedacht hat. Offenbar nimmt er sich selbst nicht ganz ernst, denn er lässt Robin fragen: „Doesn’t this feel kinda like a Batman/Robin cartoon?“ Ja, auch das tut es. Manche Sequenz ist so lächerlich, dass man es als Selbstironie verstehen könnte – wäre da nicht so viel Ernst dabei und wären die Dialoge nicht so grenzdebil geschrieben. Damit liefert Adams genauso ein unsägliches Werk wie Odyssey ab, über das sich nichts Gutes sagen lässt. Mit Ra’s al Ghul hat das alles nur wenig zu tun.

Normalerweise kommt jetzt der Part, in dem ich sage: Aber die Optik! Doch auch hier muss man wieder feststellen, dass der Zeichner seine besten Jahre längst hinter sich hat. Nicht nur seinen Figuren mangelt es an Ausdruck, auch seine Layouts wirken aus der Zeit gefallen bis stümperhaft. Wer einen Pfeil braucht, um zu zeigen, wie man die Panels lesen soll, hat etwas falsch gemacht. Und wenn Adams keine Lust hatte, Hintergründe zu zeichnen (etwa einen steinigen Weg), hat er verfremdete Fotos eingesetzt. Das wirkt furchtbar lieblos und billig.

Keine Frage: Adams hat seinen festen Platz in Batmans Geschichte. Aber der Name allein sollte nicht mehr dazu reichen, ihn weitere Comics schreiben zu lassen.

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Batmans Halbzeitshow

DC Comics

Titel: To Kill A Legend/Once Upon A Time/What Happens When A Batman Dies?

Autor/Zeichner: Alan Brennert, Len Wein, Cary Bates/Dick Giordano, Walter Simonson, Tom Yeates, Carmine Infantino

Erschienen: 1981 (Detective Comics #500), Hardcover 2014 (Tales of the Batman: Carmine Infantino, Tales of the Batman: Len Wein), 2016 (Tales of the Batman: Alan Brennert), 2018 (Detective Comics: 80 Years of Batman)


Zu Batmans 42. Geburtstag erschien Detective Comics #500, eine 82-seitige Jubiläumsausgabe mit vier Batman-Storys, darunter eine in guter alter Groschenroman-Prosa, sowie Geschichten mit Slam Bradley, Elongated Man und Hawkman. Aus heutiger Sicht, da Detective Comics #1000 erschienen ist, kann das Heft als etwas wie Batmans Halbzeitshow gelten.

In Alan Brennerts Story „To Kill A Legend“ schickt der Phantom Stranger Batman und Robin auf eine Parallelwelt, um den Mord an Thomas und Martha Wayne zu verhindern. Wir erfahren, dass sich dieser Mord zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten wiederholt. Während sich für Batman die Chance bietet, seine Eltern zu retten, hat Robin Skrupel.

Denn Klein-Bruce ist ein verzogenes Balg (Thomas Wayne ist kurz davor, ihn zu schlagen) und Robin fragt sich, ob man nicht aus pädagogischen Gründen dafür sorgen sollte, dass er seine Eltern sterben sieht. Außerdem versagt man dieser Welt ihren einzigen Helden – denn sie kennt weder Helden in der Literatur noch im wahren Leben. Trotzdem: „No one should be angry all his life“, sagt Batman. Also jagt der Joe Chill, um ihn von seinem Attentat abzuhalten.

Am Ende kommt es anders als gedacht. Der Mörder ist ein anderer, der Mord wird verhindert, aber Bruce ist trotzdem so beeindruckt von der Heldentat, dass er Detektivbücher liest und trainiert, um der nächste (bzw. erste) Batman zu werden. Diese optimistische Wendung zeigt, dass es nicht imm Tragödien braucht, um Helden zu gebären, sondern dass Batman auch mit gutem Beispiel vorangehen kann.

DC Comics

In „What Happens When A Batman Dies?“ von Cary Bates und Carmine Infantino sehen wir einen Batman am Ende. Zunächst ist er verbittert, dass sein Kampf gegen das Verbrechen nie genügt, um wirklich dauerhaft Gutes zu schaffen. Batman empfindet seine Mühe als vergeblich. Dann wird er von einem Kampfhund angefallen, der ihn mit einem Gift beinahe tötet. Während ein Arzt im Krankenhaus um Batmans Leben kämpft, trifft Batman auf Deadman.

Wieder spricht der Fatalist: „… the fight for life just wasn’t worth the ordeal!“ Erst seine Eltern können ihm zeigen, dass er bereits viele Leben gerettet hat und dass es für ihn noch viel zu tun gibt. Das alles mag schön und gut sein, aber leider geht die Geschichte noch weiter. Deadman ergreift Besitz von Robin, der Batman eine Ladung Adrenalin ins Herz jagt, daraufhin ergreift Deadman Besitz von Batman und lässt ihn aus dem Fenster springen, um dann seinen Mörder und ein Gegengift zu finden.

Auch wenn die Zeit angeblich knapp ist, weil Batman kurz vor dem Hirntod steht, bleibt dennoch genau so viel, wie nötig ist, um den Fall nach Detektiv-Manier zu lösen, einen weiteren Hundeangriff abzuwehren und den Mörder zu überwältigen. Das Unglaubwürdigste an der Geschichte ist aber, dass niemand in der Notaufnahme daran denkt, Batman die Maske abzunehmen oder ihn aus dem Kostüm zu holen.

Zeichner Carmine Infantino, der Batman in den 60ern zu einem neuen Look verholfen hat, hat hier leider den Höhepunkt seiner Kunst überschritten. Die Zeichnungen wirken unbeholfen und sperrig, bei den Hunden versagt die Anatomie völlig.

Die visuell interessanteste, weil düstere Geschichte ist der Zweiseiter „One Upon A Time“ von Len Wein und Walter Simonson. Batman verhindert einen Raubüberfall, Dialog gibt es keinen. Aber die Bilder sprechen für sich und zeigen einen schaurigen Dunklen Ritter in Aktion.

Hinweis: Detective Comics #500 gibt es digital bei Comixology. Die drei Batman-Comics sind einzeln in den oben genannten Bänden enthalten.

Verloren in der Zauberwelt

Batman zwischen Superman und Zatanna (Warner Bros.)

„Wo bin ich bloß hier reingeraten?“ Batman zwischen Superman und Zatanna (Warner Bros.)

Titel: Justice League Dark

Drehbuch/Story: Ernie Altbacker, J.M. DeMatteis

Erschienen: 2017 (Direct-to-Video)


„The criminally insane don’t need magic as a excuse.“ (Batman)

Auf der ganzen Welt begehen Menschen Morde, weil sie glauben, von Dämonen verfolgt zu werden. Die Justice League sieht sich außerstande, etwas dagegen zu unternehmen, weil sie gegen Magie machtlos ist. Also zieht Batman los und bringt eine neue Band von Freaks zusammen, die sich mit diesem Zeug auskennen: Constantine, Zatanna, Deadman, Etrigan, Swamp Thing – kurz: die Justice League Dark.

Gruppenbild ohne Dame (Warner Bros.)

Gruppenbild ohne Dame (Warner Bros.)

Der Rest der Story ist das Übliche mystische Herumgedöns. Kämpfe zwischen Zauberern und gehörnten Monstern, ein austauschbarer Endgegner. Aus irgendeinem Grund wirken solche Geschichten immer noch ein bisschen willkürlicher als normale Superheldenstorys. Ob jetzt der eine Zauberspruch wirkt und der andere nicht, welches Artifakt was kann – das ist eigentlich ziemlich beliebig. Aber trotzdem macht der Film Spaß: Die Action ist ziemlich rasant inszeniert, die Figuren dynamisch animiert und der Humor von Constantine und Deadman lockert das Ganze auf; die Pointen zünden meist, wenn auch zum Teil bloß auf Kalauer-Niveau. Und dann ist da noch Batman.

Steht verloren da: Batman. (Warner Bros.)

Steht meist verloren in der Gegend herum: Batman. (Warner Bros.)

Batman hat hier eigentlich nicht viel zu tun. Er ist ziemlich überflüssig. Hin und wieder wirft er mal ein paar explodierende Batarangs und schießt seinen Haken ab, aber sonst steht er nur verloren in der Gegend rum und grunzt, wenn ihm was nicht passt. Mit einem Wort: man merkt, er gehört nicht in die Justice League Dark, aber um diesen Film besser zu pushen, hat man ihn sozusagen als Testimonial eingesetzt. Und, na ja, der Dark Knight passt zumindest vom Namen her gut hinein – auch wenn er mit Magie (zum Glück) selten was am Hut hat. Denn:

„Not everything requires magic.“