Animation

Superman lernt fliegen

Mit Batman und Superman im Kino ist das eine interessante Sache: Wenn Superman groß im Kino war, war es Batman nicht – das gilt auch andersrum. Während der George-Reeves-Ära gab es keinen Batman, während der Adam-West-Ära gab es keinen Superman. Während Christopher Reeve im Kino lief, gab es keinen Batman, während Burton und Schumacher ihre Batman-Filme machten, war Superman nur im Fernsehen präsent, während Christopher Nolan seine Dark Knight-Filme drehte, gab es nur Smallville und Superman Returns, der aber ohne große Resonanz in der Versenkung verschwand.

Diese Geschichte beginnt schon in den 40ern. Im Jahr 1941 debütierte Superman mit 17 legendären Zeichentrickfilmen im Kino, während Batman nur zwei billige Serials bekam, die noch trashiger waren als Adam Wests Auftritte in den 60ern. Die Trickfilme, von denen die ersten neun aus den Fleischer-Studios stammten, waren bahnbrechend – und ein Vorläufer der Batman Animated Series der 90er.

Zu Beginn sehen wir Superman wie ein Komet oder eine Rakete durchs Bild fliegen: „Look, up in the sky! It’s a bird! It’s a plane! It’s Superman!“ Das ist bemerkenswert, denn 1941 konnte der Held noch gar nicht fliegen. Und so heißt es auch im zweiten Vorspann, dass er nicht nur „faster than a speeding bullet, more powerful than a locomotive“ sei, sondern auch fähig, Hochhäuser zu überspringen. Aber das ändert sich in diesem Serial.

In Episode 9 heißt es, statt dann: „Able to soar higher than any plane“, fliegen sieht man ihn aber eindeutig erst in Episode 10 (Japoteurs), wenn er tatsächlich mit einem Flugzeug mithalten kann, er hält sogar eines vom Absturz ab, indem er es in der Luft bremst und auf dem Boden absetzt.

In Episode 11 ist der Vorspann ganz anders, diesmal misst sich Supermans Kraft nicht mehr an technischen Errungenschaften, sondern an Naturgewalten: „Faster than a streak of lightning, more powerful than a pounding surf! Mightier than a roaring hurricane!“ In der Episode sehen wir Superman wieder nicht fliegen, sondern eindeutig fallen. Er muss sich festhalten, um nicht abzustürzen.

Mild-mannerd news reporter Clark Kent

Die erste Episode beginnt mit Krypton, einem grün leuchtenden Planeten im Weltall. Viel mehr bekommt der Zuschauer von dieser Welt nicht zu sehen, die Story von der hoch entwickelten Zivilisation und dem Wissenschaftler, der sein Kind zur Welt schickt, hört man nur durch den Erzähler. Dann startet eine Rakete im hohen Bogen von Krypton (der Planet explodiert) und landet auf der Erde – und die beiden Bilder erinnern an den fliegenden Superman vom Anfang.

Ein anonymer Autofahrer findet das Kind und übergibt es dem Waisenhaus. Dass Superman Adoptiveltern hatte (wie seit Superman #1, 1940), spielt hier keine Rolle. Man sieht nur ein Bild des Waisenhauses.

Supermans Waisenhaus

Der Ablauf der Cartoons ist immer gleich. Irgendein verrückter Wissenschaftler lässt seine Roboter los, eine Bande stiehlt Gold, ein Monster macht die Stadt unsicher, Lois Lane bringt sich für die Story fast um, Clark Kent wird zu Superman, bannt die Gefahr – und rettet Lois.

Der Mad Scientist hat einen Vogel

In der ersten Episode geht es um einen namenlosen Mad Scientist, der sich dafür rächt, ausgelacht worden zu sein und mit seinem „Electrothanasia-Ray“ die Stadt zerstören will. Keine Forderung, nur eine Frist: Mitternacht. Der Chefredakteur will Clark darauf ansetzen, aber Lois schnappt sie ihm weg.

Superman mit Phallus-Symbol

Und Lois macht das Naheliegendste und zugleich Dümmste als Reporterin: Sie fliegt (selbst!) zum Haus des Irren (woher sie seine Adresse kennt?), um ihn zu interviewen. Doch dazu kommt es nicht: Der Schurke fesselt sie und legt los. Eine Brücke geht zu Bruch, ein Wolkenkratzer fällt zusammen als wäre er aus Gummi, Superman biegt ihn wieder gerade – und das hat mit Sprüngen nichts mehr zu tun, Superman fliegt jetzt tatsächlich!

Superman drückt den Todesstrahl zurück zu der Kanone, verknotet das Rohr und lässt die Maschine explodieren. In freudianischen Kategorien: Superman führt bei seinem Gegner zu einem Samenstau und macht ihn impotent. Trotzdem rettet der Held nicht nur die Maid in Nöten, sondern auch den Bösewicht, und sperrt ihn sogar selbst in den Knast. Superman wird zur Exekutive.

Die Fleischer-Studios produzierten neun Episoden von 1941 bis 1942, danach übernahmen die Famous-Studios acht weitere Folgen, die von 1942 bis 1943 in den Kinos liefen. In letzteren bekommt es Superman nicht nur mit Mumien und Vogelmenschen zu tun, er wird auch zum Instrument von Kriegspropaganda, indem er gegen Japaner und Nazis kämpft.

In „Japoteurs“ werden japanische Saboteure an US-Flugzeugen gezeigt, in „Eleventh Hour“ revanchiert sich Superman in Yokohama an den den Japanern, indem er Kriegsschiffe demoliert, Panzer, Brücken, Züge und Flugzeuge in die Luft sprengt. Sicher gehen dabei einige Menschen drauf – aber das ist nicht zu sehen. Wir sehen auch nicht, ob Superman auf Geheiß des US-Präsidenten arbeitet oder aus eigenem Antrieb heraus. Wir sehen nur, dass Lois und Clark als Kriegsgefangene festgehalten werden und Superman Lois am Ende vor der Exekution rettet.

Hitler ärgert sich über Superman

In „Jungle Drums“ haben sich Nazis einen Dschungel-Stamm untertan gemacht. Am Ende bringt Superman sogar Hitler persönlich gegen sich auf. Nur die letzte Folge bricht mit dem Schema. Statt Lois Lane ist eine ehemalige Saboteurin die Jungfer in Nöten, die wichtige Dokumente über die Nazis nach Washington bringen soll. Superman hilft ihr dabei – indem er fliegt.

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Supermans Tod: Vergebliche Re-Animation

Warner Bros.

Titel: The Death of Superman

Regie/Drehbuch: Jack Castorena, Sam Liu/Peter Tomasi

Erschienen: 2018 (Direct-to-Video)


Superman ist vor 80 Jahren zur Welt gekommen und vor 25 Jahren gestorben – Anlass genug, die Story nochmal als Animationsfilm zu erzählen. DC folgt damit dem erfolgreichen Rezept, Comic-Klassiker zu verfilmen, statt auf neue Storys zu erzählen. Bereits 2007 hat man Superman vs. Doomsday antreten lassen mit dem gleichen Ergebnis, aber das hatte nur lose, sehr lose mit der Vorlage zu tun. Elf Jahre später bittet man die Fans erneut zur Kasse, um eine zweite Chance zu bekommen: The Death of Superman.

Das Ergebnis? Vorhersehbar. Tatsächlich hält sich der Film eng an die Vorlage. Das Problem ist leider nur, dass die Vorlage nicht besonders interessant ist. Der Film macht ein wenig davon wieder gut, vieles andere macht er wiederum schlechter.

Das Gute: Die echte Justice League darf zuerst gegen Doomsday kämpfen. Während es im Comic eine ziemlich lahme Truppe aus Zweit- und Drittligisten war (Booster Gold, Blue Beetle, Guy Gardner, Ice, Fire, Bloodwynd), kriegen wir hier endlich unter anderem Wonder Woman, Flash, Green Lantern und sogar Batman geboten. Außerdem findet das Finale am Abend statt, was viel dramatischer ist, als im Comic, wo alles im stimmungslosen Tageslicht passiert.

Das Schlechte: alles andere. Am Anfang sehen wir ein steriles, totes Metropolis, in dem nur drei Leute auf der Straße zu sein scheinen, eine beliebige Bande raubt eine Bank aus, Superman hält sie auf. Das ist ein Beginn, der für jeden anderen Superman-Film durchgehen würde, aber hier werden nur Minuten verschwendet, die nichts mit der Story zu tun haben. Die Comic-Story hingegen beginnt mit Doomsdays Hand, die gegen ihre Gefängniswand schlägt – was viel bedrohlicher erscheint. Im Film taucht Doomsday erst sehr spät auf – das zwar sehr wirkungsvoll als Asteroid, der eine Raumstation zerstört, ohne dass Superman hilft, aber trotzdem eine vertane Chance.

Clark Kent offenbart sich unbeholfen Lois als Superman. Aber während die Comic-Vorlage hier wenigstens eine Splash-Page für diesen historischen Moment übrig hat, tut es Clark hier in Bibbos Bar, mitten unter Leuten, wo er nicht wirkungsvoll sein Hemd aufreißen kann, sondern nur die Brille abnimmt und Lois die Erkenntnis wie Schuppen von den Augen fällt. Die Szene hat höchstens Wert in Sachen unfreiwilliger Komik. Danach gibt es nichts zu lachen, denn der Großteil des Films besteht (wie der Comic) aus nichts als stumpfer Prügelei. Selbst Lex Luthor versucht sein Glück in einem Kampfanzug, aber egal.

Ansonsten ist The Death of Superman einer dieser am Fließband produzierten, generischen Zeichentrickfilme, die steift, steril und tot wirken. Da hilft auch alles Blutvergießen nichts. Doomsday ist ein beliebiges Monster, das nicht genug gewürdigt wird, um so zu wirken, wie es in den Comics tut. Die Animation fehlt es an Dynamik und interessanten Perspektiven. Es scheint, als wäre dieser Film ein weiterer Beleg dafür, wie tot DCs alte Kunst des Zeichentrickfilms ist, wie man sie von Batman: The Animated Series bis heute verehrt. Dabei sollte gerade ein Animationsfilm es schaffen, Comic-Panels zum Leben zu erwecken. Neue Impulse für altbekannte Storys sind von DC bislang nicht zu erwarten. Man geht lieber auf Nummer sicher.

Teil 2, Reign of the Supermen, erscheint 2019.

Big in Japan

Joker und Batman im Duell. (Warner Bros.)

Titel: Batman Ninja

Regie/Drehbuch: Junpei Mizusaki/ Kazuki Nakashima, Leo Chu

Erschienen: 2018 (Direct-to-Video)


Kaum stört Batman Gorilla Grodd bei einem Experiment in Arkham, landet er zusammen mit seinen Erzfeinden und Verbündeten im alten Japan. Zusammen mit Catwoman, Nightwing, Red Robin, Robin und Alfred geht es gegen Grodd, Joker, Harley Quinn, Two-Face, Pinguin, Poison Ivy, Bane und Deathstroke. Die Schurken haben – trotz Sprachbarriere – innerhalb von zwei Jahren Japan unter sich aufgeteilt, der Joker will das Reich beherrschen und hat ihm dafür einen technologischen Sprung nach vorne beschert.

Berittener Batman mit Gefolgschaft (Warner Bros.)

Zum Glück hat Batman nicht nur Alfred bei sich, der ihm schwarzen Tee zubereitet, sondern auch das Batmobil. Als das im Einsatz gegen Jokers Riesenroboter geschrottet wird, wird ein Batplane daraus, als das geschrottet wird, wird ein Batpod daraus und dann verwandelt es sich in eine Bat-Rüstung … Doch das ist nur ein Vorgeschmack darauf, was am Ende kommt, denn es fährt nicht nur jeder Schurke einen Transformer auf (der vom Palast zum Roboter wird), sie vereinen sich sogar zu einem Mega-Roboter. Und der kämpft dann gegen einen Riesen-Affen, der sich aus Millionen (!) von kleinen Affen zusammensetzt. Und wenn man meint, dass es bescheuerter nicht mehr geht, kommt eine Schar von Fledermäusen, die einen Riesen-Batman bilden …

Riesen-Roboter vs. Riesen-Affe

Nein, das ist kein Witz. Das passiert wirklich im Anime Batman Ninja. Zwischendrin fragt man sich, worin eigentlich der Sinn besteht, die Handlung im alten Japan spielen zu lassen, wenn man es auf hanebüchene Science Fiction anlegt. Aber sei’s drum. Vielleicht entspricht das ja dem japanischen Publikumsgeschmack. Genauso wie das kleine süße Äffchen, das Robin begleitet …

Riesen-Roboter gegen Riesen-Batman

Abgesehen von diesem peinlichen Quatsch macht Batman Ninja in großen Teilen Spaß. Die Story ist zwar nicht gerade innovativ oder überraschend, aber kurzweilig, die Charaktere erfüllen ihren Zweck, aber sind ohne Tiefe. Allein Batman bekommt Gelenheit, sich mal wieder selbst in Frage zu stellen und sich unabhängig von seinen Gadgets zu machen (dafür umso abhängiger von Affen und Fledermäusen). Der Joker ist so überdreht, dass sein Gelächter einem auf die Nerven fallen kann. Dafür gibt es atemberaubende Action-Szenen und ein paar Lacher, wie etwa Bruce Waynes Verkleidung als Mönch – mit Fledermaus-Tonsur.

Batman mit Familie.

Was aber wirklich beeindruckt ist die Animation. Die ist so aufwendig und detailreich, so vielfältig und künstlerisch ambitioniert, dass allein das Anschauen viel Freude bereitet – wenn man der flotten Action überhaupt folgen kann. Besonders eindrucksvoll gemacht ist eine Szene im Mittelteil, in der Red Hood (der einen sehr hohen roten Hut trägt) einen Bauern mit seiner Frau verdächtigt, Joker und Harley zu sein. Die Szene unterscheidet sich im Zeichenstil ganz vom Rest und verursacht nicht nur bei Batman ein Gefühl der Verunsicherung, wenn Red Hood auf die Unschuldigen losgeht. Solche Experimente, so viel Mut würde man auch manchen US-Produktionen wünschen.

The Death of Superman: Der erste Trailer

Im Sommer 2018 erscheint die Zeichentrick-Adaption von The Death of Superman, auf Blu-ray, DVD und VoD. Der erste Trailer zeigt die Justice League im Kampf mit Doomsday und wir bekommen Lex Luthor zu sehen. Unterschied zu den Comics: Im Film kämpft die „wahre“ Justice League, während im Comic nur eine C-Besetzung zu sehen war. Und es gibt auch einen optischen Unterschied: Superman trägt ein Kostüm, das mehr an die The New 52-Version von 2011 erinnert – mit Kragen und ohne rote Unterhose.

Ein genaues Erscheinungsdatum steht noch nicht fest.

Überdosis schützt vor Rückenleiden

Fällt immer mit der Tür ins Haus: Bane.

Titel: Bane

Drehbuch: Mitch Brian

Erschienen: 1994 (Batman: The Animated Series, S02E10)


„Er hat meinen Wagen ruiniert, Alfred. So etwas regelt man unter Freunden am besten persönlich.“ (Batman)

Ein Jahr nach dem Knightfall, als Bane Batmans Rückgrat gebrochen hat, tauchte der Schurke schon in der Zeichentrickserie Batman: The Animated Series auf. Allerdings in einer entschärften Variante und ohne weitgehende Folgen für Batman.

Ein Fall für die Vollkasko.

Bane ist hier ein Auftragskiller, der für den Gangsterboss Rupert Thorne Batman ermorden soll. Preis: fünf Millionen Dollar in Diamanten. Zunächst nimmt er sich (wie im Comic) Killer Croc vor, um zu Batman zu gelangen. Croc landet mit gebrochenem Arm und Bein im Knast. Statt daraufhin Batman anzugreifen, zerlegt Bane zunächst eigenhändig das Batmobil. Es muss ja noch spannend bleiben.

Frankensteins Supersoldat: Banes Erschaffung.

Batman findet heraus, dass Bane aus einem Gefängnis für Lebenslängliche (Pena Dura) ausgebrochen ist, wo an ihm ein Serum für Supersoldaten ausprobiert worden war.

Kann nicht gesund sein: Bane auf Droge.

Der Zweite, der mit Bane konfrontiert wird, ist Robin. Der Sidekick schlägt sich zwar zunächst ganz gut, wird aber schließlich von Bane entführt. Batman verfolgt ihn auf ein Schiff von Thorne, wo es endlich zum Zweikampf kommt. Die Bewegungen erinnern sehr an einen Wrestling-Kampf, was bei Banes Aufmachung natürlich naheliegt. Batman schießt ihn über Bord, aber der kehrt zurück.

Batman hat Rücken.

Bane ist der überlegenere Kämpfer, aber Batman weigert sich, aufzugeben. Schließlich kommt es zu der Variation der ikonischen Szene, in der Bane Batman übers Knie legt. Aber bevor Batmans Rücken Schaden nehmen kann, überlädt der Held die Venom-Zufuhr und Bane erleidet eine Überdosis. Alles noch mal gut gegangen.

Finger weg von Drogen …

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SubZero und Batman Ninja auf Blu-ray

Der Animationsfilm Batman & Mr Freeze: SubZero (dt. Eiszeit) wird laut Warner Bros. am 27. März 2018 in den USA auf Blu-ray erscheinen. Der 1998 erschienene Film ist der zweite, der sich an Batman: The Animated Series anschließt. Der erste, Mask of the Phantasm (dt. Batman und das Phantom, 1993), ist im im vergangenen Jahr auf Blu-ray herausgekommen. Eine deutsche Veröffentlichtung beider Filme ist noch nicht angekündigt. Der dritte Film, Mystery of the Batwoman (dt. Rätsel um Batwoman), ist bereits seit Jahren auf Blu-ray verfügbar – allerdings nicht in einer deutschen Fassung.

Der 67-minütige SubZero wird als Bonus unter anderem auch die vier Mr. Freeze-Folgen aus der Serie bzw. aus dem Animated Universe enthalten: „Heart of Ice“, „Deep Freeze“, „Cold Comfort“, „Meltdown“ (Batman Beyond). Damit werden mehr als 80 Minuten geboten, die zusammen mit dem Film eine mehr als zweistündige Saga bilden. Allerdings sollen sie nur in „Standard-Auflösung“ scheinen, heißt es in der Produktbeschreibung. Das ist insofern bedauerlich, als dass in diesem Jahr, so jedenfalls die Ankündigung, die Animated Series ebenfalls auf Blu-ray erscheinen soll.

Außerdem gibt es einen Starttermin für den ersten DC-Anime: Batman Ninja soll am 8. Mai 2018 in die Läden kommen. Auch dieser Film wurde noch nicht für Deutschland angekündigt.

Justiz mit dem Holzhammer

Richter mit Hammer

Titel: Judgment Day (dt. Der Richter)

Drehbuch: Rich Fogel, Alan Burnett

Erschienen: 1999 (The New Batman Adventures S01E24)


„Ich bin das Gesetz.“ (Der Richter)

Die letzte Folge von Batman: The Animated Series (bzw. The New Batman Adventures, wie die dritte Staffel heißt) führt einen neuen Gegner ein: den Richter. Ein gesichtsloser Unbekannter mit weißer Perücke und schwarzer Robe, der andere Schurken zur Rechenschaft zieht. Der Pinguin bekommt das Schwert zu spüren, Killer Croc den Hammer, Two-Face wird zum Erstickungstod verurteilt. Zwei Mal kann Batman das Schlimmste verhindern.

Richter mit Schwert

Der Richter hat Batmans Talent, aus dem Nichts aufzutauchen (auch auf einem fahrenden Auto) und eben dorthin wieder zu verschwinden (auch von einem Brückenpfeiler aus), er bekommt das Wohlwollen eines Staatsanwalts, der die lasche Gesetzgebung kritisiert, aber konsequent ist der Vigilant nicht. Denn keiner der Verurteilten wird hingerichtet. Auch wenn Batman nicht eingreift: Der Pinguin landet nur im Krankenhaus, ähnlich glimpflich kommt der Riddler davon. Na gut, wir haben es immer noch mit einer Kinderserie zu tun. Und auch im Comic dürfen die Erzschurken nicht draufgehen – man braucht sie noch.

Die Auflösung liegt nahe, ist aber gelungen, denn hier wird ein tragischer Charakter konsequent weiterentwickelt. Da macht es auch nichts aus, dass das Richter-Konzept stark an das Phantom aus dem ersten BTAS-Film, Mask of the Phantasm, erinnert.

Two-Face in Arkham

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Two-Face unterm Messer

Harvey Dent soll operiert werden

Titel: Second Chance (dt. Sein schlimmster Feind)

Story/Drehbuch: Paul Dini, Michael Reeves/Gerry Conway

Erschienen: 1994 (Batman: The Animated Series, S02E15)


Two-Face ist auf dem Weg der Besserung. Harvey Dent hat seine böse Seite im Griff, jetzt soll er auch eine plastische Chirurgie bekommen. Bruce Wayne zahlt. Doch kaum liegt Harvey unterm Messer, kommen Typen mit Maschinengewehren in den OP und entführen ihn. Batman und Robin verfolgen die Entführer und finden zwei Spuren: Die eine führt zu Rupert Thorne, die andere zum Pinguin. Aber wer ist der Auftraggeber?

Two-Face mit Münze

Die deprimierende Antwort: Harvey Dents schlimmster Feind. Batman zieht allein los, um ihn zu fassen, Robin soll zuhause bleiben, denn es wird persönlich. Batman gerät in Gefangenschaft, Two-Face wirft eine Münze, die auf der Kante stehen bleibt. Immer wieder. Ein alter Trick, den wir schon aus den Comics kennen: Batman hat die Münze ausgetauscht.

Münze auf der Kante

Am Ende kommt es zu einer dramatischen Entscheidung: Two-Face hängt am Abgrund, Batman hält ihn an einer Hand fest, in der anderen hält Two-Face seine falsche Münze fest. Doch Überleben heißt nur Rückkehr nach Arkham. Armer Harvey. Manche wollen einfach nicht gesund werden.

Second Chance ist eine gelungene und tragische Fortsetzung des Zweiteilers Two-Face. Zusammen bilden sie eine Art Trilogie, die man auch als einen Film schauen kann. Die Episode zeigt drastisch die Hoffnungslosigkeit dieser gescheiterten Existenz.

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Batman auf der Anklagebank

Joker als Richter

Titel: Trial (dt. Der Prozess)

Drehbuch/Story: Paul Dini, Bruce Timm

Erschienen: 1994 (Batman: The Animated Series S02E03)


„Ich persönlich war ja mehr für einen Schuss zwischen die Augen, verlor aber beim Münzenwerfen.“ (Two-Face)

Die neue Bezirksstaatsanwältin, Janet Van Dorn, ist kein großer Fan von Batman. Sie will ihn aufhalten. Doch bevor es dazu kommen kann, wird sie von den Schurken nach Arkham entführt. Dort haben die Irren die Anstalt übernommen und halten einen Schauprozess über Batman ab. Joker als Richter, Two-Face als Staatsanwalt, die restliche Rogues Gallery als Geschworene. Van Dorn soll ihn verteidigen. Sie spielt mit – auch wenn das Spiel keinen Sinn ergibt, weil die Verrückten ohnehin tun, was sie wollen.

Verteidigung und Geschworene

Die Anklage: Batman hat Joker und Co. zu dem gemacht, was sie sind. Van Dorn kann das zwar widerlegen, die Geschworenen sprechen Batman frei – und trotzdem wird er verurteilt. Bevor er hingerichtet wird, soll er demaskiert werden, aber da erweist sich die Verteidigerin als Retterin in der Not.

Demaskierung vor der Hinrichtung

Die Episode hat einige witzige Situationen und starke Momente. Aber die größte Stärke dieser Folge besteht nicht nur im Spaßfaktor völligen Irrsinns und in dem All-Star-Ensemble der Schurken, sondern auch, dass die Figuren sehr kritisch hinterfragt werden – genauso wie Batman selbst. Dass am Ende nicht nur Van Dorn, sondern auch Batman für eine Stadt ohne Batman kämpfen wollen, ist ein perfekter Abschluss: Batman ist die Verneinung seiner selbst. Er ist da, um sich überflüssig zu machen.

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Mord ohne Stil

Batman mit Haken

Titel: Gotham by Gaslight

Drehbuch: Jim Krieg

Erschienen: 2018 (Direct-to-Video)


„Make something else. Something better.“ (Batman)

Der Comic Gotham by Gaslight ist ein Klassiker. Nicht nur, weil Batman gegen Jack the Ripper kämpfte, nicht nur, weil es die erste Elseworlds-Story war (wenn auch noch nicht unter diesem Label), sie war auch stilistisch einzigartig, dank Mike Mignolas noiresken, sperrigen Zeichnungen. 30 Jahre später ist ein Film daraus geworden und – na ja … ein Klassiker wird der definitiv nicht.

Die Produzenten geben sich Mühe, der Vorlage gerecht zu werden, auch wenn sich die Story nur grob daran orientiert: Jack the Ripper tötet Frauen in Gotham, Batman jagt ihn, wird selbst verdächtigt, schließlich wird Bruce Wayne verhaftet.

Wie schon beim Film The Killing Joke wird die Vorlage um einige Figuren und Plot-Elemente erweitert, was hier aber besser gelingt. In Gotham findet eine Weltausstellung statt, das ist aus der Fortsetzung Master of the Future entlehnt. Es gibt einen großen Showdown auf einem Riesenrad. Selina Kyle wird zu einer wichtigen Nebenfigur, die zwar mit Peitsche kämpft (Zirkusfrau), aber nie in ein Katzenkostüm schlüpft. Poison Ivy hat nur einen kurzen Auftritt – als erstes Mordopfer. Hugo Strange ist ein Verdächtiger, bis er von Arkham-Insassen zerrissen wird (so buchstäblich wie unnötig). Harvey Dent bleibt eingesichtig, auch wenn ihm eine Nähe zu Jekyll und Hyde nachgesagt wird, schließlich wendet er sich gegen seinen einstigen Freund.

Die Auflösung überrascht und funktioniert sogar ganz gut, auch wenn sie keinen so starken persönlichen Bezug zu Bruce Waynes Biografie mehr hat wie in der Vorlage. Der Mörder offenbart sich als fanatischer Frauenhasser, der sogar seine eigene Frau auf seiner Seite hat. Das ist aber auch schon das im besten Sinne Gruseligste an dem Film.

Jack und Selina im Schlachthaus

Der Film ist ziemlich brutal geworden – so brutal so ein Mainstream-Animationsfilm in den USA eben werden kann. Es wird viel gemetzelt, es fließt reichlich Blut, es gibt etwas Erotik und das alles in einer schaurigen Kulisse. (Eine Schlachthaus-Szene erinnert an Guy Ritchies Film Sherlock Holmes.) Und trotzdem wirkt dieses Gotham des späten 19. Jahrhunderts zu sauber und steril. Ich werde einfach nicht warm mit dem glatten Animationsstil, der stilistisch kaum eigene Akzente setzt. Nur in den Kampfszenen kommt Tempo und Dynamik auf, aber das Ganze wirkt trotzdem zu routiniert.

 

Wer steckt hinter der Maske?

Batman sieht zwar aus wie im Comic (man sieht seine Augen), aber er wird nicht gerade elegant eingeführt. Als er zum ersten Mal aus Schatten und Nebel tritt, kämpft er gegen drei Jungs. Kinder. Zwar kommt danach ein großer Typ mit Schlagringen, aber ein Batman, der es zunächst mit Kindern aufnehmen muss, das wird der Figur einfach nicht gerecht. (Auch wenn sie für drei Robins stehen.)

Es gibt ein paar gute Einfälle in dieser Verfilmung, auch ein bisschen Humor, aber im Großen und Ganzen verpasst man nichts, wenn man es nicht sieht. Wieder hat DC eine Chance verschenkt, aus einem seiner Klassiker eine Adaption zu machen, die selbst Maßstäbe setzt. Das ist offenbar auch nicht gewollt. Man geht lieber keine Risiken ein – aber so entsteht keine Kunst, sondern nur Durchschnittsware am Fließband.

Warner Bros.

Auf der Blu-ray sind noch zwei ältere Cartoons zu finden: Die BTAS-Folge „Showdown“, die Jonah Hex im Wilden Westen zeigt, und die Batman: The Brave and the Bold-Episode „Trials of the Demon“, in der Batman zu Jason Blood/Etrigan in das victorianische England reist und das Kostüm aus Gotham by Gaslight anzieht.

Außerdem kann man sich einen ersten Eindruck vom nächsten Animationsfilm machen: Suicide Squad – Hell to Pay.