Two-Face

Die Geschichte wiederholt sich

DC Comics

Titel: Batman: Two-Face Strikes Twice!

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Joe Staton, Daerick Gross

Erschienen: 1993 (Zweiteiler)


„I guess there really are two sides to every story!“ (Robin)

Anfang der 90er kam eine Two-Face-Story heraus, die es mit dem Doppelten auf die Spitze trieb: Two-Face Strikes Twice erschien nicht nur als Zweiteiler, sondern auch als Doppelausgabe mit Wendecover und jeweils zwei Hälften zweier Geschichten, die aufeinander aufbauen.

Die erste Hälfte (gezeichnet von Joe Staton) ist im Stil des Golden Age gehalten. Harvey Dents Ex-Frau Gilda heiratet wieder: den Unternehmer/Wissenschaftler Paul Janus. Und als wäre der Name nicht schon genug, reibt sie es auch noch ihrem Ex unter die Nase. Klar, dass er aus dem Knast ausbricht und die Hochzeit vereitelt.

Two-Face verkleidet sich als Pfarrer und wirft dem Bräutigam Säure ins Gesicht. Kurz darauf trägt Janus eine Doppelmaske und begeht mit Two-Face Verbrechen. Sehr glaubwürdig ist das nicht, aber auch Batman und Robin haben ihren Verdacht, dass hier irgendwas faul ist. Das Dynamische Duo landet in einer Todesfalle, in der der Schurke eine riesige Münze über sie rollen lassen will. Später tritt Two-Face in Ritterrüstung auf einer Van-Gogh-Ausstellung auf und Robin wird – wie symbolträchtig – von einem Pinsel gerettet.

Fortsetzung mit Zwillingen

Die zweite Story (gemalt von Daerick Gross) erzählt die Fortsetzung in einem (für die 90er) zeitgemäßeren Stil. Familie Janus hat Zwillinge bekommen. Gilda ahnt, dass das wieder nur Ärger bedeutet – und damit liegt sie richtig, denn ihr Ex lässt nicht lange auf sich warten und entführt die beiden Babys. Ein zwielichtiger Wissenschaftler will aus ihnen das Fruchtbarkeitsmittel extrahieren, das Janus entwickelt hat. Allerdings stellt sich heraus, dass die Zwillinge ohne das Mittel entstanden sind. Also erpresst Two-Face Janus. Die Frage ist: Ist Harvey fähig, Kinder zu töten?

Für Batman wiederholt sich die Geschichte: Wieder landet er in einem Graben und soll von einer riesigen rollenden Scheibe zerdrückt werden, mit dem Unterschied, dass er diesmal allein ist und es sich um eine große Linse aus Glas handelt. Dann wird Robin entführt …

Brücke zwischen Continuitys

Interessant an dieser Doppel-Struktur ist, dass Autor Mike W. Barr stets den Epochen treu bleibt: Im ersten Teil kämpft Batman an der Seite von Dick Grayson, im zweiten ist es Tim Drake. Im ersten sitzt Two-Face im Knast, im zweiten in Arkham Asylum. Trotzdem schlägt die Story eine Brücke über die beiden Continuitys vor und nach der Crisis.

Ansonsten handelt es sich um eine wendungsreiche Story, die von viel Nostalgie und Albernheit geprägt ist. Die zweite Hälfte wirkt zwar ernsthafter, aber ist ebenso plakativ gemacht und nicht ernst zu nehmen. Superdämliche Handlanger und eine übertriebene Neigung zur Zahl Zwei heben die Qualität nicht wirklich. Harvey Dent bleibt in der Falle seiner Zweidimensionalität stecken, mehr eine Karikatur seiner selbst. Daran ändert auch die Wendung am Ende nicht viel. In den 90ern war man eigentlich schon weiter, daher wirkt der zweite Teil merkwürdig anachronistisch.

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Harleen: Heilung durch Liebe

DC Comics

Titel: Harleen

Autor/Zeichner: Stjepan Sejic

Erschienen: 2019 (Harleen #1-3), Hardcover 2020


Harley Quinn ist gerade so hoch im Kurs und omnipräsent, dass es nervt: im Kino, als Zeichentrickserie, in den Comics. DC hat 2019 in seinem Black Label gleich zwei Harley-Miniserien parallel gestartet. Eine davon ist Harleen. Erzählt wird in diesem Dreiteiler alles noch einmal, schon wieder und von vorn, wie aus Harleen Quinzel Jokers Geliebte Harley Quinn wurde. Also noch eine Mad-Love-Variation für Erwachsene und breitgewalzt auf 200 Seiten. Aber nein: Denn so vertraut die Story zunächst scheint, ist hier doch alles anders.

Harleen Quinzel ist hier zunächst eine talentierte junge Psychiaterin, die an starken Selbstzweifeln leidet. Anders als in Mad Love hat sie sich nicht hochgeschlafen, sondern ihre Karriere hart erarbeitet. Sie ist eine Idealistin, die herausfinden will, warum psychisch Kranke ihre Empathie verlieren, und fängt dafür Interviews mit Insassen in Arkham Asylum an. Darunter ist auch der Joker.

Harleen hat Angst vor ihm. Sie leidet unter Schlaflosigkeit und Alpträumen. Und sie lässt sich nicht täuschen. Die Erfahrungen ihrer Vorgänger zeigen ihr, dass der Joker ein Manipulator ist, der selbst Profis mit seinen Lügen einwickelt. Trotzdem glaubt sie in den Gesprächen mit ihm, zu seinem wahren Selbst vorzudringen und ihm helfen zu können. Sie überschreitet eine Grenze nach der anderen, um ihm näher zu kommen – und verliert sich selbst.

Joker á la Thomas Hobbes

Der Joker ist hier ein junger attraktiver Mann, dessen Philosophie an Heath Ledgers Interpretation, bzw. an Thomas Hobbes, erinnern:

„We’re all monsters in a civilized cage, it just takes the right kind of pain and fear to break the lock.“

Gotham sei die „city of monsters“, aber mit seinen vielen gewalttätigen Irren immerhin ein ehrlicher Ort. Denn auch die scheinbar guten Menschen sehen sich danach, sich in gewalttätige Tiere zu verwandeln.

„Gotham is full of people like that. Hands twitching while they dream of violence, shivering with barely suppressed rage, brimming with righteous indignation. Smiling politely as they imagine savage things. Every last one of them a bomb that needs but a single spark to set it of.“

Harleen funktioniert aber nicht nur wegen einer starken Joker-Figur so gut, sondern auch weil es keine Harley Quinn-Story ist. Die Figur kommt kaum vor. Stattdessen ist es eine Harleen-Quinzel-Story. Die Geschichte einer scheiternden Psychiaterin, die nur helfen will, aber sich selbst nicht helfen kann, immer tiefer in den Abgrund zu rutschen. Zum anderen gelingt Harleen, weil sich Autor Stjepan Sejic viel Zeit lässt, seine Hauptfigur zu ergründen und glaubwürdig zu erzählen, wie eine intelligente Frau zu einer Psychopathin unter dem Einfluss des Jokers werden kann. Die Antwort: Sie bildet sich ein, ihm helfen zu können, weil er in ihr die Liebe findet, die er braucht. Die Story profitiert davon, dass die tragische Heldin ihre Geschichte in einer zweifelnden Offenheit selbst erzählt.

Warum Batman nicht tötet

Batman spielt hier nur eine kleine Rolle am Rande. In einer Sequenz fragt ihn Harleen, warum er nicht tötet. Er antwortet, dass er hofft, den Tätern helfen zu können:

„I don’t kill because as hard as it sometimes is, it’s still the right choice. I don’t kill because I don’t want to give up on them…or on myself.“

Durch diese Aussage bestärkt er indirekt die Psychiaterin in ihrem Willen, dass man auch den Joker heilen könne.

Harleen ist zu einem großen Teil auch eine Two-Face-Story. In einer intensiven Variation seiner Entstehungsgeschichte wird gezeigt, wie Staatsanwalt Harvey Dent im Kampf für das Gute langsam in den Wahnsinn abrutscht und sich mit den Executioners, einer Bande von Polizisten, verbündet, die davongekommene Verbrecher tötet. Gemeinsam planen sie, die Insassen von Arkham zu befreien, um in der Stadt wieder die Todesstrafe einzuführen. Allein hier könnte man kritisieren, dass es naheliegender wäre, wenn sie die Verbrecher selbst hinrichten würden – so wie sie es auch sonst tun.

Darüber hinaus ist der Comic auch optisch gelungen. Stjepan Sejic zeichnet mit präzisem, feinfühligem Strich ausdrucksstarke Figuren mit nuancierten Mimiken und Körperhaltungen. Schurken wie Two-Face, Poison Ivy und Killer Croc wirken ebenso schrecklich wie anziehend. Auf dem großen Seitenformat kommen die Bilder besonders gut zur Geltung.

Insgesamt ist Harleen unbedingt lesenswert und einer der besten Harley-Quinn-Origins seit Mad Love. Eine echte Bereicherung dürfte es gerade für die sein, die Harley Quinn nicht mögen. Dieses Comic könnte sie endlich mit der Figur versöhnen.

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Batmans letzter Tag auf Erden

DC Comics

Titel: Batman DOA

Autor/Zeichner: Bob Hall

Erschienen: 1999 (One-Shot)


Wenn morgen die Welt unterginge, würde er heute noch einen Apfelbaum pflanzen, ist von Martin Luther überliefert. Ganz ähnlich ist es mit Batman: Wenn er morgen stürbe, würde er nicht etwa Abschied vom Leben, von Freunden und Weggefährten nehmen, er würde bis zum letzten Atemzug das Verbrechen bekämpfen. So, als könnte das sonst niemand außer ihm.

In Batman: DOA (was sowohl für „Dead on Arrival“ als auch für „Dead or Alive“ stehen kann) läuft es so: Pinguin, Joker und Two-Face infizieren Batman von Arkham aus mit einem tödlichen neuen Virus. Er hat nur noch 24 Stunden zu leben. Unmöglich, so schnell ein Heilmittel zu finden. Das hat nur der Pinguin, aber das weiß kaum jemand. Das Problem: Die Tochter eines Politikers wurde entführt, die Erpresser wollen 50 Millionen Dollar. Doch Batman befürchtet, dass sie das Kind nicht am Leben lassen, wenn sie das Geld haben.

Batman sammelt seine letzten Kräfte, um die Erpresser aufzuhalten. Er kann kaum stehen, nicht mal Autofahren. Robin muss ihm helfen, um herauszufinden, wer ihn umbringen will. Wir sehen einen Helden am Ende, ausgezehrt, wie ein Untoter wandelt er durch Gotham und kotzt sich die Seele aus dem Leib. Er muss viel trinken, aber hat nicht mal Geld, um in einer Bar dafür zu bezahlen. Selten sieht man Batman dem Tode so nah.

Autor Bob Hall schafft eine äußerst brenzlige Situation, in der er über die ganzen 64 Seiten seine Spannung aufrecht erhält. Als Zeichner ist er sperrig, aber ausdrucksstark, mit Anleihen beim Film Noir. Sein Batman DOA ist heute fast vergessen, aber durchaus wert, wiederentdeckt zu werden.

Mehr von Bob Hall:

>> Batman 1990-1999

Jokers kurze Solo-Karriere

DC Comics

Titel: The Joker – The Clown Prince of Crime

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil, Elliot S. Maggin, Martin Pasko/Irv Novick, Ernie Chan, José Luis García-López u.a.

Erschienen: 1975-1976 (Joker #1-9), Paperback 2013


Nach 35 Jahren war es so weit: Der Joker bekam seine eigene Serie. Damit war er der allererste Batman-Schurke, dem diese Ehre zuteil wurde. (Der zweite war Man-Bat, aber das hielt nicht lange.) Batman tritt hier nicht auf, der Joker ist der Held, oder besser gesagt: Anti-Held, denn natürlich ist er – wie Charlie Brown – zum Misserfolg verdammt.

Im ersten Abenteuer nimmt der Joker es mit Two-Face auf. Ein anderer Gauner bricht aus Arkham aus und nimmt statt den Joker Two-Face mit. Zusammen wollen sie wertvolle Dublonen stehlen. Der Joker ist sauer und will sich an beiden rächen. Es fliegen Säure-Torten. Doch Two-Face kommt davon und revanchiert sich später mit einer Todesfalle: Er will den Joker mit einer Kreissäge halbieren. Aber der Clown hat sich von seinem Erzfeind Batman einiges abgeschaut, um auch in einer aussichtslosen Lage zu triumphieren.

So geht es immer weiter. Im zweiten Teil verbündet er sich mit einem gewissen Willie the Weeper, der jeden seiner Coups versaut, indem er in Tränen ausbricht, weil ihn sein schlechtes Gewissen einholt. Im dritten legt sich der Joker mit dem Creeper an. Es folgen Begegnungen mit Green Arrow und Dinah Lance (die hier nicht als Black Canary agiert), der Royal Flush Gang und mit Catwoman. Einmal tauscht er die Persönlichkeit mit Lex Luthor, ein anderes Mal konkurriert er mit Scarecrow.

Es geht dabei sehr albern zu – und meistens völlig sinnfrei. Der Joker wird als total Verrückter dargestellt, der mehr am Spaß interessiert ist, als an der Bereicherung, weshalb man sich fragen muss, wie er seine Handlanger finanziert, die ihm trotz allem die Treue halten. Er hockt in einem Hauptquartier, das er „Ha-Hacienda“ nennt, fährt mit einem Wohnmobil namens „Ho-Home-on-Wheels“ oder mit dem Jokermobil, mit dem er im Grunde „verhaftet mich“ in die Welt hinausposaunt, was aber keinen zu kümmern scheint. Das Hauptproblem: Ein Joker ohne Batman macht nicht viel her. Vor allem taugt er weder als Held noch als Antiheld, wenn er kein klares Ziel hat.

Die dämlichste Geschichte handelt von Sherlock Holmes. Natürlich begegnet der Joker nicht wirklich dem Meisterdetektiv, sondern nur einem Schauspieler, der sich nach einem Kopfstoß dafür hält. Der Joker verübt Gaunereien, die irgendwie thematisch zu Holmes-Storys passen, aber nichts bringen, während Holmes immer wieder zufällig auf ihn trifft und ihn schließlich zur Strecke bringt. Das ist so bemüht und weit hergeholt, dass man sich als Leser für dumm verkauft fühlen kann – es sei denn man kann über dieses Gaga-Niveau lachen.

Von daher ist es kein Verlust, dass die Serie nach neun Ausgaben eingestellt wurde. Eigentlich ist es sogar ein Wunder, dass sie so lange durchhielt. Die geplante, aber damals nicht veröffentlichte zehnte Ausgabe ist 2019 im Sammelband The Joker: The Bronze Age Omnibus erschienen.

>> Liste der Joker-Comics

Two-Face als Batmans Sidekick

Deface the Face

DC Comics

Titel: Deface the Face

Autor/Zeichner: James Robinson/Steven Segovia, Carmine Di Giandomenico

Erschienen: 2018 (Detective Comics #988-993), Paperback 2019 (Detective Comics Vol. 9)


James Robinson gehört für mich zu den heimlichen Alt-Stars unter den Batman-Autoren. Geschichten wie Blades und Face the Face gehören zum Besten, was es gibt. Es hat mich also sehr gefreut, als ich gelesen habe, dass Robinson wieder sechs Ausgaben von Detective Comics schreiben darf.

Der Titel Deface the Face deutet an, dass er eine Art Fortsetzung seiner Two-Face-Story bringt. Aber in Wahrheit ist es nur irgendeine weitere Two-Face-Story, die stärker Bezug nimmt zu Batmans Hochzeits-Trauma und den neuen Outsiders. Und leider hält sie nicht, was der Name verspricht. Batman untersucht einen gewöhnlichen Mord, den er auf Two-Face zurückführt. Aber siehe da: Es war gar nicht Two-Face, sondern Harvey Dent. Die „gute Seite“ wollte damit ein altes Versäumnis wiedergutmachen. Two-Face arbeitet mit zwei Fireflys zusammen und schließlich kämpft er als Batman Sidekick (wie schon in My Own Worst Enemy) gegen den Schurkenkult Kobra.

Als ich das las, habe ich immer wieder gefragt, wohin diese Geschichte steuert. Und bis zum Schluss habe ich nicht begriffen, worauf Robinson damit hinauswill. Es drängt sich der Verdacht auf, dass alles im Nirgendwo verläuft. Wieder mal geht es vordergründig um das Verhältnis zwischen Batman und Two-Face, aber diesmal will Batman ihn nicht vom Guten überzeugen. Two-Face erteilt ihm eine Absage: Dafür ist es zu spät. Aber über die Figur erfährt man nichts Neues. Und alle Plot-Twists wirken beliebig. Weder die beiden Fireflys noch Kobra erscheinen als interessante Gegner. Das alles wirkt sehr halbherzig und nicht richtig durchdacht.

Schade, denn dafür glänzen die Zeichnungen umso mehr. Beide Künstler schaffen grandiose Perspektiven auf düstere Settings, die Bilder bekommen viel Raum in großen Panels, eine Doppelseite ist sogar ziemlich genial gelayoutet, aber schließlich wirkt das alles nur wie Seitenschinderei. Mal wieder so ein Comic fürs Auge statt fürs Hirn. Und leider eines, das man nur einmal lesen wird – wenn überhaupt.

>> Liste der Two-Face-Comics

Mr. Dent geht nach Washington

DC Comics

Titel: Threat of the Two-Headed Coin

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Irv Novick

Erschienen: 1974 (Batman #258)


„Whenever I begin to think I’ve got nothing else to learn from you, you prove me wrong!“ (Robin)

Die Geschichte des Arkham Asylums beginnt erst 1974: Damals wurde es als Arkham Hospital eingeführt, ganz nebenbei, als Aufenthaltsort von Two-Face und dem Joker. Und schon beim ersten Erscheinen erweisen sich die Sicherheitsvorkehrungen als bedenklich. John Harris, ein frustrierter General, der sich an den USA rächen will, überfällt Arkham und befreit Two-Face, weil er ihn für seinen ach so genialen Plan braucht. Doch kaum ist Two-Face frei, macht er seinem Namen alle Ehre: Er hat jetzt das Sagen und da der General widerspricht, schmeißt er den General raus.

Erster Blick auf Arkham Hospital

Harris wendet sich an die Polizei von Gotham, um sie vor Two-Face zu warnen, doch als Batman ihn zur Rede stellt, springt er aus dem Fenster. Völlig ungerührt machen Batman und Gordon weiter, als wäre nichts passiert. Psychologisch glaubwürdig wird es erst wieder, als Batman feststellt, dass er und Two-Face so verschieden nicht sind: Beide seien besessen. Two-Face von dem Widerspiel zwischen Gut und Böse, Batman vom Verbrechen.

Ein Mann stürzt sich in den Tod. Und dann weiter im Text …

Batman und Robin geraten in die Falle. Two-Face erweist sich als gnädig: Statt Batman endlich ein für alle Mal zu töten, betäubt er ihn nur und nimmt ihn gefangen. Batman kommt auf eine interessante Weise frei: Im linken Ohr seiner Maske befindet sich ein kleiner Schweißbrenner, mit dem sich die Fesseln lösen lassen. Genial! Nicht nur Robin ist begeistert.

Two-Face und die Bombe

In der Zwischenzeit hat Two-Face eine Atombombe im Kapitol in Washington D.C. platziert und will die Regierung um zwei Milliarden US-Dollar erpressen. Zwölf Stunden lang steht er mit dem Zünder rum, ohne dass er müde wird oder irgendjemand einen Finger rührt (zum Beispiel, um das Geld zu besorgen oder den Schurken zu erschießen). Erst als Batman eintrifft, kümmert sich jemand um die Lösung des Problems.

Zum Schluss spielt wieder die Münze eine große Rolle: Batman wendet wieder diesen Schwachpunkt gegen seinen Erzrivalen. Two-Face soll, bevor er den Knopf drückt, erstmal seine Münze konsultieren. Sie fällt auf die heile Seite. Doch kurz bevor er sich ergibt, erkennt er: Die Münze hat nur zwei heile Seiten – er wurde reingelegt. Der hat bereits in „The New Crimes of Two-Face“ (Batman #68, 1951) und ähnlich auch in „Half an Evil“ (Batman #234, 1971) geklappt. Mensch, Harvey, du fällst aber auch immer wieder auf den gleichen Trick rein!

Two-Face hilft Joker … nicht.

Aber Two-Face erweist sich auch sonst als inkonsequent: Als der Joker ihn in Arkham bittet, ihn zu befreien, wirft Two-Face seine Münze, und weil sie auf der zerkratzten Seite landet, sagt er nein. Als er sie später noch einmal wirft, bedeutet die zerkratzte Seite, dass er sich dem General anschließt, also ja. Aber auch falls die Münze für Gut und Böse steht, wäre es doch naheliegender, den Joker bei der bösen Seite freizulassen – um noch mehr Böses zu stiften. Stattdessen ist Two-Face einfach böse dem Joker gegenüber. Es ist wohl zu viel verlangt, den Verstand eines Irren verstehen zu wollen …

>> Liste der Two-Face-Comics

Wählt Joker – sonst gibt’s Tote!

Titel: Dark Detective

Autor/Zeichner: Steve Englehart/Marshall Rogers

Erschienen: 2005 (Mini-Serie #1-6), Paperback 2006; dt. Panini 2007 (DC Premium #49)


Der Joker will als Gouverneur kandidieren. Sein Wahlversprechen: Sonst gibt’s Tote. Two-Face hat etwas dagegen – und schließlich mischt auch Scarecrow mit. Der Joker macht einem Politiker Konkurrenz, der Lebensgefährte von Silver St. Cloud ist, ehemalige Liebe von Bruce Wayne. Als sie wieder auftaucht, kommt sie wieder mit Bruce zusammen und löst ihre Verlobung …

Rund 30 Jahre nach Strange Apparitions, einer der bekanntesten Storylines der 70er, haben Steve Englehart und Marshall Rogers eine Fortsetzung geschrieben und gezeichnet. Entstanden ist eine Story, die mehr in der Gegenwart als in den 70ern angesiedelt ist, weil sie stark auf die turbulente Bush-Wahl 2000 anspielt. Allerdings darf man keine tiefgreifenden politischen Statements erwarten. So weit wagt sich DC dann doch nicht aus der Unterhaltungsecke hervor.

Vielmehr erinnert die Kampagne des Jokers an seinen Versuch in Strange Apparitions, seine lachenden Fische patentieren zu lassen – es ist bloß eine Schnapsidee, mit der der Joker um Aufmerksamkeit buhlt. Die Kampagne endet so schnell wie sie angefangen hat. Der Joker entführt Silver St. Cloud und lockt Batman in ein Haus voller Todesfallen. Wie bei Jäger des verlorenen Schatzes und Kevin allein zuhaus müssen Batman und der Gouverneurs-Kandidat allerlei Gefahren ausweichen. Und am Ende erklärt der Joker ihre Beziehung: dass sie einander bedingen, dass sie einander zu dem machen, was sie sind, dass das Scheitern des Jokers zum Konzept gehöre.

(ACHTUNG: SPOILER!)

Keine ganz neuen Einsichten. Überraschend ist nur Batmans Reaktion darauf: Es ist ihm egal. Für ihn ist der Joker am Ende nur ein Schurke wie jeder andere. Noch überraschender fällt seine Folgerung am Ende aus. Weil Silvers Ex-Verlobter durch den Joker zwei Gliedmaßen verloren hat, schickt Batman sie wieder zu ihm zurück. Er „leiht“ sie an ihn aus, solange er sich regenerieren muss. Silver ist entsetzt. Und ich bin es auch. Denn erstens bevormundet er die Frau, die er liebt, zweitens geht er mit ihr um wie mit einem Objekt, drittens will auch der Geschädigte nicht nur eine Frau, die aus Mitleid mit ihm zusammen ist. Die einzig logische Lösung? Im Gegenteil: Es leiden alle drei.

Zwischendrin gibt es noch Intermezzi mit Scarecrow und Two-Face. Während der erste Batman (mal wieder) mit seinen größten Ängsten konfrontiert, lässt sich Two-Face einen Klon von sich anfertigen, der allerdings nach fünf Minuten vom Joker getötet wird. Dann taucht noch ein böser Klon auf. Aber diese Handlungsstränge enden mehr oder weniger im Nichts.

Insgesamt ist Dark Detective eine Fortsetzung, nach der keiner verlangt hat und die niemand braucht. Marshall Rogers zeichnet einen prächtigen düsteren Batman und lebendige Figuren. Allein Nostalgiker und Fans von Strange Apparitions könnten ihren Spaß daran haben.

Selbst ist die Frau

Barbara wird Batgirl.

Titel: Shadow of the Bat I-II (dt. In Batmans Schatten)

Drehbuch: Brynne Stephens

Erschienen: 1993 (Batman: The Animated Series S01E57-58)


„Für einen mehr ist immer noch Platz.“ (Bruce Wayne)

Commissioner Gordon wird wegen Verdachts auf Bestechlichkeit verhaftet. Seine Tochter Barbara will Batman dafür gewinnen, sich für ihn öffentlich einzusetzen. Als der nicht bei einer Kundgebung auftauchen will, steigt sie ins Kostüm und gibt sich (mit Schulterpolstern) als Batman aus. Sie verhindert einen Anschlag. Nachdem Batman in Gefangenschaft gerät, wird Barbara zu Batgirl.

Batgirl und Robin.

Der Schurke, der hinter allem steckt, ist Two-Face. Er arbeitet mit Gil Mason zusammen, dem stellvertretenden Commissioner – er will Gordon aus dem Weg schaffen, um Karriere zu machen. Mit vereinten Kräften kann das Dynamische Trio alles wieder richten.

Batgirls erster Auftritt.

Barbara Gordon bekommt einen starken Auftritt. Nachdem sie bereits in Heart of Steel in der Serie eingeführt wurde, darf sie hier richtig aufblühen. Sie ist eine Frau, die sich nicht unterkriegen lässt, selbst mitanpackt und Courage zeigt. Dass ihr anfangs nicht alles gelingt, dass sie sich noch ziemlich ungeschickt anstellt, macht sie nur noch sympathischer. Denn schließlich hat sie da Erfolg, wo Batman scheitert.

Matches Malone und Two-Face.

Weitere Höhepunkte: Batman tritt als Matches Malone auf und am Ende wird Two-Face von einer riesigen Silberdollar erdrückt. Und dann ist da noch die fantastische Batgirl-Theme, die diesen Charakter perfekt einfängt – und im Ohr bleibt. Das alles macht Shadow of the Bat zu einer der besten Episoden.

Barbara als Batman.

Mehr zum Thema:

Vier Schurken und drei Todesfallen

DC Comics

Titel: Batman 3D – Ego Trip (dt. Ego Trip)

Autor/Zeichner: John Byrne

Erschienen: 1990 (One-shot), Paperback 2017 (DC Universe by John Byrne); dt. Carlsen 1997


Batman in 3D zu sehen, ist heute im Kino Standard. In den Comics gab es das schon 1953, als ein erstes 3D-Special erschien, zusammen mit einer passenden zweifarbigen Brille. Darin wurden drei bereits erschienene Batman-Storys wieder aufbereitet. Nachgedruckt wurde es 1966 – und eine Geschichte daraus auch 1990, in einem neuen 3D-Special.

John Byrne erzählt darin eine klassische Batman-Story mit Joker, Pinguin, Riddler und Two-Face. Darin verneigt er sich vor den Comics des Golden Age, insbesondere vor seinem Vorbild Dick Sprang. Batman geht einem Mordfall nach. Ein reicher Antiquitätensammler soll Suizid begangen haben, aber der Pinguin deutet in einem Video darauf hin, dass es Mord war.

Doch Batman wird zunächst abgelenkt vom Riddler, der ihm drei Rätsel aufgibt und ihn in eine Todesfalle lockt. Batman entkommt und lässt sich daraufhin von Two-Face (viel zu leicht: mit einem Netz) gefangen nehmen – und der steckt ihn wieder in eine Todesfalle. Und schließlich gerät er an den Joker, der sich (wer hätte das gedacht?) in einem stillgelegten Vergnügungspark versteckt. Statt einer Todesfalle gibt es einen Kampf gegen Two-Faces Zwillingsschergen und wilde Verfolgungsjagd mit Joker über Riesen-Requisiten wie eine Schreibmaschine (Dick Sprang lässt grüßen). Ehrlich gesagt eine schwache Vorstellung, die der Joker da abliefert.

Am Ende kommen wir endlich da aus, worauf es schon am Anfang hinausgelaufen ist: ein Showdown mit dem Pinguin (Todesfalle #3). Er ist der Mörder. Die Erklärung wird im Epilog nachgereicht. Überhaupt wird hier viel erklärt. Ständig liest man die Gedanken von Batman mit, der Selbstgespräche führt, damit man immer weiß, was in ihm vorgeht und klar wird, dass er immer Herr der Lage ist. Für Batman ist das alles Routine wie in einem altbekannten Spiel.

Ego Trip ist spannungsarm und vorhersehbar, funktioniert als Hommage aber ganz gut. Doch da gibt es auch noch Elemente, die sehr modern erscheinen: Der Joker flößt Riddler sein Gift intravenös ein, damit dieser einen langsamen Tod stirbt, und dann ist da noch ein Hinweis darauf, dass der Joker Robin getötet hat. Um welchen Robin es sich handelt, wird nicht erklärt. Damit wirkt der Comic wie ein unentschlossener Hybrid zwischen dem naiven Charme der Vergangenheit und abgeklärter Moderne.

Die Story bleibt flach – trotz 3D.

Hinweis: Ego Trip wurde ohne 3D-Effekt in schwarz-weiß nachgedruckt in DC Universe by John Byrne (siehe oben).

Mehr von John Byrne:

Knightfall #10: Prodigal

Bruce Wayne tut, was er schon früher hätte tun sollen: Er macht Dick Grayson zum neuen Batman. Und dann ist er weg. Wohin auch immer. Dick, der sich darüber beklagt hatte, dass Bruce zunächst den gestörten Jean Paul Valley zu Batman gemacht hatte, übernimmt seine Rolle ohne zu zögern. Aber dann hadert er doch mit sich …

Zunächst darf er sich mit ein paar einfachen Übungen eingewöhnen: Killer Croc, Bauchredner/Scarface, Ratcatcher – alles Episoden, die innerhalb von einer Heftlänge erledigt werden und zwar so belanglos, dass sie sofort in Vergessenheit geraten.

DC Comics

Dann aber kommt Two-Face durch einen Justizfehler frei (er wird mit einem Harvey Kent verwechselt) und beschäftigt Batman und Robin über vier Kapitel. Two-Face will das Justizsystem auslöschen, also massakriert er zunächst ein Dutzend Staatsanwälte und vernichtet dann die digitalen Akten (mit einer Kettensäge). Batman und Robin sind ratlos: Was hat Two-Face vor? Weil das nicht in sein übliches Dualitäts-Schema passt, haben sie keine Ahnung. Dabei kann man es sich leicht denken. Erst sehr spät, zu spät kommt Tim drauf, dass Two-Face auch das analoge Aktenarchiv zerstören will. Batman muss einen Aufstand in Blackgate verhindern – kein Problem. Als Tim gefangen genommen wird (wie erfahren wir nicht, egal), muss Batman Two-Face entgegentreten. Dick Grayson, der schon als Robin schleche Erfahrungen mit dem Schurken gemacht hat, bekommt es mit der Angst zu tun, aber meistert seine Aufgabe schließlich überraschend einfach mit einem Gabelstapler …

Keine Story für eine Two-Face-Anthologie. Auch wenn es mit „Harvey Kent“ einen interessanten Bezug zu seinem ursprünglichen Namen hat (erst später wurde er in Dent umbenannt), ist seine Faszination zum Binärcode von Rechnern eine Idee, die bereits 1986 aufgegriffen wurde – übrigens vom gleichen Autor (Doug Moench).

Im letzten Drittel kommt wieder Kleinkram: Drei Gauner, die man noch nie gesehen hat, nie wiedersehen und auch nicht vermissen wird, ein Wiedersehen mit dem Tally Man (Batman lässt sich von ihm wie ein Amateur gefangen nehmen), dann schließlich noch ein austauschbarer Schurke in einer Rüstung mit Flügeln, der Robin an einer Leine durch die Stadt zieht. Außerdem muss sich der Leser durch belanglose Episoden aus Robins Teenager-Alltag kämpfen.

Am Ende taucht endlich wieder Bruce Wayne in der Bathöhle auf. Einfach so. Aus dem Nichts. Wo er war, warum er zurück ist? Keine Ahnung. Dick macht ihm Vorwürfe (die gleichen wie zuvor), Bruce gibt zu, Fehler gemacht zu haben. Und dann ist wieder alles gut. Dick wird wieder Nightwing, Bruce wird wieder Batman.

Prodigal ist ein unnötiger, überlanger Anhang an die große Knightfall-Saga. Keine Storyline, sondern – wie schon Knightquest: The Crusade – eine Reihe kurzer Storys mit dem Rahmen des Haderns mit der Batman-Rolle. Im Rückblick funktioniert Knightfall periodisch: Teil 1 ist stark, Teil 2 schwach, Teil 3 wieder stark, Teil 4 (Prodigal) wieder schwach – mit dem Unterschied, dass Knightquest der Story noch einige wichtige Aspekte hinzugefügt hat, aber Prodigal ist einfach nur überflüssig.

Mehr zu Knightfall: