Two-Face

40 Jahre The Dark Knight Returns

DC Comics

Zugegeben: Ich habe mich anfangs damit schwer getan. Ich war ungefähr 15 Jahre alt, hatte gerade erst Superhelden-Comics für mich entdeckt. Superman, Batman, JLA – knallbunt, kindgerecht, auf Hochglanzpapier, später auch die „erwachseneren“ Serien. Und dann fand ich so einen seltsamen Band in der Stadtbibliothek: Die Rückkehr des Dunklen Ritters, ein dicker Wälzer über Batman, auf dem Cover war der Held nur als schwarze Silhouette vor einem Blitz zu sehen.

Beim Durchblättern sah ich lauter triste Bilder mit krakeligen Zeichnungen und viel Grau. Hier hatte nichts die Anmut von Heldentum: Batman war ein alter Mann, ein riesiger Brocken, mit viel zu kleinen, kaum noch sichtbaren Fledermausohren an der Maske. Nichts war hier im klassischen Sinne „schön“, gezeichnet wurde das Bild einer ziemlich schrecklichen Welt am Rande des Untergangs, in der nicht einmal der Joker lachte.

Die Lektüre machte keinen Spaß. Alles war abgebrüht, verbittert und schockierend. Batman war fast so unsympathisch wie jeder andere auch, er kämpfte brachial wie seine Gegner, er benutzte sogar Schusswaffen, auch wenn er damit niemanden tötete. Gute und Böse gab es nicht – alle waren auf ihre Weise am Ende. Harvey Dent wird geheilt und sofort rückfällig. Die Mutants terrorisieren Gotham mit grausamen, sinnlosen Verbrechen. Ein unheimlicher Joker begeht eiskalt Massenmord, tötet sogar Kinder. Der Endgegner ist Superman, einst Symbol des Guten, nun ein Handlanger der inkompeteten Regierung, die einen Atomkrieg riskiert.

Deprimierender geht’s nicht. Aber ich hielt durch. Trotz aller Tristesse: Irgendetwas ließ mich den Comic zu Ende lesen. Er hinterließ aber ein mulmiges Gefühl. Danach konnte ich nicht sagen, es hätte sich gelohnt, aber vieles blieb hängen: die Bilder, die Sequenzen, die Sätze. Jahre später kaufte ich mir das Buch gebraucht und las es wieder, diesmal lieber. Weitere Jahre später kaufte ich es mir in der Originalfassung und konnte es noch mehr genießen. Endlich war ich reif für The Dark Knight Returns. Und jedes Mal war ich mehr fasziniert davon, weil ich mehr entdeckte, was so meisterhaft daran war. Das war der ultimative Batman. Frank Miller hatte den Dunklen Ritter konsequent zu Ende gedacht.

DC Comics

Der Hype um The Dark Knight Returns hält an seit 40 Jahren – und das Ding verkauft sich immer noch, als Paperback, in Hardcover-Deluxe-Ausgaben, nun auch im Mini-Compact-Format. Wer sich mit Comics beschäftigt, kennt es, sollte es jedenfalls kennen. Man kommt nicht drum herum. Es ist ein moderner Klassiker, genauso wie das etwa zeitgleich entstandene Watchmen (zu dem es viele Parallelen gibt) und auch Batman: Year One, den Origin, der kurz darauf folgte und ganz anders aussieht, aber im selben Geist und von gleicher Qualität ist. Frank Miller hat mit diesen beiden Comics Epoche gemacht. Damit war über Batman im Grunde alles gesagt. Das Meiste, was seitdem folgte, steht in dessen Schatten oder baut darauf auf.

Was aber ist an Frank Millers TDKR immer noch so faszinierend?

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Batman: The Last Halloween

DC Comics

Deutscher Titel: Batman: Das letzte Halloween

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale, Eduardo Risso, Klaus Janson, Mark Chiarello, Cliff Chiang, Bill Sienkiewicz, Enrico Marini, Dave Johnson, Becky Cloonan, Chris Samnee, Matteo Scalera

Erschienen: 2021, 2024-2025 (Miniserie #1-10), Hardcover/Paperback 2026; dt. Panini 2025-2026 (2 Bände)


Vor fünf Jahren erschien mit The Long Halloween Special das letzte Werk von Tim Sale, bevor er 2022 leider starb. Es stand für sich als ein kurzer Epilog zu der Saga, die mit The Long Halloween begann und mit Dark Victory fortgesetzt wurde – nicht nur für mich die besten Batman-Comics der 1990er. Erzählt wurde vom Calendar Man, der Gilda Dent entführt, um sich an ihr zu rächen. Two-Face und Batman befreien sie. Doch das Special sollte kein Abschluss, sondern der Beginn einer längeren Story sein. Nun ist sie erschienen, als der Zehnteiler The Last Halloween.

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Batman and Robin: Year One

Deutscher Titel: Batman & Robin: Das erste Jahr

Autor/Zeichner: Mark Waid/Chris Samnee

Erschienen: 2024-2025 (Miniserie #1-12), Hardcover/Paperback 2025; dt. Panini 2025-2026 (2 Bde.)


Wie alles mit Batman und Robin begann, wurde schon zigmal erzählt. Es gab sogar zweimal ein Robin: Year One, dazu noch Dark Victory und The Gauntlet und zuletzt auch Robin & Batman (2021-2022) – um nur die wichtigsten zu nennen. Es scheint also alles gesagt. Nur noch nicht von jedem. Nun aber haben sich auch noch Mark Waid und Chris Samnee daran versucht – und das ist bereits ein Dynamisches Duo, das unsere Aufmerksamkeit verdient, denn die beiden bildeten bereits bei Daredevil ein gutes Team.

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Two-Faces Secret Origins

Titel: The Secret Origin of Two-Face– Double Take/Two-Face

Autor/Zeichner: Jack C. Harris, Mark Verheiden/Ed Davis, Pat Broderick

Erschienen: 1977, 1989 (DC Super Stars #14, Secret Origins Special #1)


„Secret Origins“ gibt es bei DC schon lange. Seit den 60ern will man den Lesern weismachen, wie die Helden und Schurken „wirklich“ entstanden sind, nur dass es oft ganz anders dabei zuging, als bisher bekannt war. Damit mogelt man mit Retcons, um die Continuity etwas anzupassen oder einfach nur, um Aufmerksamkeit zu erregen. Oft bleibt das Wesentliche allerdings gleich, wird aber nur neu erzählt, so auch bei Two-Face.

Harvey Dent wird in Arkham Asylum von einem Polizisten besucht, der wie Humphrey Bogart aussieht: Detective David Davis hat einst den Gauner Maroni verhaftet, eben den Maroni, der Staatsanwalt Dent mit Säure zu Two-Face verunstaltet hat. (Im Golden Age hieß er noch „Moroni“, allerdings wird die Umbenennung später nicht konsequent durchgehalten.) Nun braucht er Harveys Hilfe, um ein verlorenes Beweisstück zu finden, um Maroni wieder festzunehmen. Dabei stellt sich heraus, dass die Säure eigentlich einst Davis gegolten hat. Harvey folgert daraus, dass seine Wandlung Schicksal sei.

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Two-Face: Trial Separation

Deutscher Titel: Two-Face: Zwei Seiten des Gesetzes

Autor/Zeichner: Christian Ward/Fabio Veras

Erschienen: 2024-2025 (Miniserie #1-6), Paperback 2025; dt. Panini 2025


„How can a man be half good if all he does is bad?“

Harvey Dent hat seine böse Seite in ein imaginäres Gefängnis seiner Seele verbannt. Nun tritt er in der Rolle von Two-Face als Verteidiger in einer neuen Institution auf: der White Church, einem Gericht für die Unterwelt. Ein seltsames Konzept: Der Reaper spielt zwar den Richter, doch am Ende entscheidet Two-Faces Münze.

Der erste Klient ist der Serienkiller Victor Zsasz. Er wird beschuldigt, einen bestimmten Mord begangen zu haben, doch Two-Face will beweisen, dass Zsasz – zumindest in diesem Fall – unschuldig ist. Doch da kann sich der Angeklagte nicht beherrschen und greift im Gerichtssaal sein nächstes Opfer an. Dummerweise hat niemand daran gedacht, diesen gefährlichen Massenmörder zu fesseln und ihm die Rasierklinge abzunehmen …

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Gotham Nocturne: Der dritte Akt

DC Comics

Titel: Detective Comics Vol. 5: Gotham Nocturne: Act III

Autor/Zeichner: Ram V/Stefano Raffaele, Riccardo Federici, Javier Fernandez u.a.

Erschienen: 2024 (Detective Comics #1081-1089), Hardcover/Paperback 2025


Nachdem Batman einen Hinrichtungsversuch überlebt hat und von Catwoman und Co. befreit wurde (siehe Gotham Nocturne: Intermezzo), bringt ihn Talia al Ghul einen Fluss von Leben und Tod hinauf in die unendliche Wüste Aras, die von Geistern und anderen Dämonen bevölkert wird. Hier trifft Bruce Wayne auf Dr. Simon Hurt und kämpft gegen den Azmer-Dämon, der ihn befallen hat, schließlich auch gegen ein mögliches künftiges Selbst sowie Barbatos, der ihm die Weltherrschaft verspricht, wenn dieser sich zum Gott erhebt.

Dieser innere Fledermausdämon übernimmt die Rolle des Versuchers, also wie einst Jesus in seinen 40 Tagen Wüste vom Satan in Versuchung geführt worden ist (nachzulesen in Matthäus 4,1-11). Und Batman, ganz der genügsame Selbsterlöser, erteilt Barbatos eine klare Abfuhr, um zu sich selbst zu finden. Er akzeptiert seine Rolle und seine Schwächen, er findet sich damit ab, dass es nicht ums Gewinnen geht, sondern der Kampf nie zu Ende ist. Batman ist das ewige Stehaufmännchen. Und so kehrt er nach Gotham City zurück, um es aus der Hand der Orghams zu befreien.

Dieses Fantasy-artige Traumszenario erscheint in blassen Farben, wie hinter einem Nebel und erhält eine einzigartig entrückte Atmosphäre und gleichzeitig hyperrealistisch wie Renaissancegemälde. Riccardo Federici und Stefano Raffaele zeigen uns schreckliche Monster und einen nuancierten Batman, der zur alten Stärke zurückfindet. Ein wahrer Hingucker!

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City of Madness: Gotham als Irrenhaus

DC Comics

Titel: Batman: City of Madness

Autor/Zeichner: Christian Ward

Erschienen: 2023-2024 (Miniserie #1-3), Hardcover 2024; dt. Panini 2024


Ein Mitglied des Rats der Eulen öffnet ein geheimes Portal zu einer albtraumhaften Version von Gotham City. Aus diesem „Gotham Below“ steigt ein „Batman Below“ hervor, der einen Bart aus Tentakeln trägt, vor Mord nicht zurückschreckt und sich nun einen Robin sucht. Er findet ihn in einem Jungen, dessen Vater ermordet wurde und will ihn dazu bringen, sich am Mörder zu rächen. Derweil erscheint auch ein alternativer Harvey Dent sowie andere Schurken, die ihre oberirdischen Gegenstücke beeinflussen. Um das Grauen zu beenden und den Jungen wiederzuholen, verbündet sich Batman mit dem Rat der Eulen und steigt mit dem Killer Talon nach Gotham Below ab …

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Serienkritik: „Batman: Caped Crusader“

DC Comics

Batman mag ein zeitloser Charakter sein, doch er ist, man vergisst es leicht, ist ein Produkt der späten 30er Jahre. Und von allen späteren Varianten funktionierten stets die am besten, die sich auf diesen Ursprung besinnten. Es ist mehr als Nostalgie und Retrocharme, es ist die Gewissheit: Batman am besten hin, wo er herkommt. In eine Zeit ohne Computer und Internet, in der zwar in der (Pulp-)Fiktion alles möglich war, aber der Held sich immerhin etwas einfallen lassen musste.

Auf diese Erfolgsformel setzte Batman: The Animated Series in den 90ern, weshalb sie bis heute dafür gefeiert wird. Und nun versucht auch die neueste Zeichentrickserie, Batman: Caped Crusader (auf Prime Video), daran anzuknüpfen. Entwickler und Produzent Bruce Timm geht sogar noch weiter: Es ist nicht nur ein Retro-Gotham, sondern die Handlung spielt wirklich in den 40ern – jedenfalls was die Ausstattung angeht. Batman hat lange, hornartige Ohren und kurze Handschuhe wie bei seinen ersten Auftritten 1939, sein Batmobil ist ein einfaches schwarzes Auto, er hat keinen Robin und ist ein Held, der mehr auf Hirn und Handarbeit setzt als auf Gadgets.

ACHTUNG: SPOILER!!!

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Shadow of the Bat: Janus

Cover von Doug Beekman (DC Comics)

Titel: Janus (Two’s Company, Three’s a Corpse/Two and Two and Two is…)

Autor/Zeichner: Alan Grant/Dave Taylor

Erschienen: 1997 (Shadow of the Bat #62-63)


Two-Face flieht mal wieder aus Arkham Asylum: Er täuscht einen Herzinfarkt vor und lässt sich von seinen Leuten rausholen. Sein neuester Plan stellt mal wieder neue Maßstäbe in Sachen Verdrehtheit auf: Er will die halbe Stadt mit einer Atombombe zerstören. Um das zu verhindern, soll man ihm zwei Milliarden Dollar zahlen. Doch zunächst gilt es, laufende Kosten zu decken. Als vier Two-Face-Komplizen einen Geldboten ausrauben, stellt sich ihnen ein Mann mit einer doppelgesichtigen goldenen Maske entgegen: Janus, und erschießt sie. Der erste Verdacht überrascht: Es könnte Alfred Pennyworth sein …

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Arkham gegen Blackgate

Cover von Mike Mignola und Kyle Baker (DC Comics)

Titel: Madmen Across the Water

Autor/Zeichner: Alan Grant/Tim Sale

Erschienen: 1994 (Showcase 94 #3-4), Paperback 2007 (Tales of the Batman: Tim Sale)


Nach Banes Angriff auf Arkham Asylum wird die Anstalt saniert. In der Zwischenzeit kommen die Insassen im Gefängnis von Blackgate unter. Gouverneur Zehrhard (der Gefängnisleiter) ist nicht erfreut, er hält nicht viel von Spinnern. Und anscheinend auch nicht von Sicherheitsmaßnahmen, denn die gefährlichsten Psychos von Gotham dürfen sich auf dem Gelände frei bewegen – sogar der Massenmörder Zsasz, der in Arkham bisher nur in Zwangsjacke gehalten wurde.

Und so geht alles schief, was schief gehen kann. Die Freiheiten für Arkham-Insassen werden immer mehr eingeschränkt. Da kommt Jeremiah Arkham die Idee: Wie wäre es mit einem Wettbewerb zwischen den Verrückten und den „normalen“ Verbrechern – und zwar beim Softball? So können die Arkhamites nicht nur ihre Privilegien zurückgewinnen, sondern sich auch als Teamplayer beweisen. – Doch natürlich endet das Spiel im Chaos …

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