Jeph Loeb

Das Lange Halloween geht in die Verlängerung

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DC Comics

Titel: Batman: The Long Halloween Special („Nightmares“)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 2021 (One-shot)


Lange Zeit gehörte Calendar Man (Julian Day) zu den schrägsten Schurken in Batmans Kuriositätenkabinett. Im Laufe der Zeit nahm er verschiedene Formen an, je nach seinem Schema: Jahreszeiten, Wochentage, Feiertage. Als im Klassiker The Long Halloween von Jeph Loeb und Tim Sale der Holiday-Killer ebenfalls an Feiertagen mordet, ist der Calendar Man unschuldig, da er in Arkham einsitzt.

Batman und Gordon suchen ihn auf, um ihnen bei dem Fall zu helfen – ähnlich wie bei Hannibal Lecter. Ähnlich gruselig ist seine neue Erscheinung: ein dicker, kahler Mann in einem langen weißen Kittel, der Boden seiner gläsernen Zelle voller Kalenderblätter. Seine Antworten fallen ähnlich kryptisch aus: Mal spricht er von einer Sie, mal von einem Er als Mörder. Dann zählt er eine Reihe von Feiertagen auf – in Vorausahnung, was noch kommen mag. In der Fortsetzung Dark Victory rächt er sich an Alberto Falcone aus Eitelkeit: „The Calendar Man is being forgotten. And that is unacceptable.“ Dabei wird er dann selbst fast umgebracht.

Calendar Man rekrutiert Two-Face

25 Jahre nach dem Beginn von The Long Halloween haben Loeb und Sale eine weitere Fortsetzung gemacht – und diesmal steht der Calendar Man im Vordergrund. Er hat eine Bande von Jüngern nach seinem Bilde geschaffen, die Einbrüche für ihn begehen. Jeder hat einen anderen Monat auf den Kopf geschrieben. Sie versammeln sich in einer Kirche, wo sie den Kalender verehren. Und sie stehlen Edelsteine – denn jeder steht für einen Monat.

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Kalender-Kult: Calendar Man in seiner Kirche (DC Comics)

Dann entführt der Calendar Man Gilda Dent, Ehefrau von Harvey Dent alias Two-Face. Er will, dass sich Two-Face ihm anschließt und die Doppelrolle von Mai und Juni übernimmt (zwei Handlanger, die er vorher erschossen hat). Tatsächlich ist der Schurke immer noch sauer, dass ihm jemand seine Masche gestohlen hat. Two-Face bittet dann Batman um Hilfe.

Die traurige Geschichte des Julian Day

Nach wenigen Seiten ist dieser Spaß vorbei. Ist das alles unsere Aufmerksamkeit (und unser Geld) wert? Ja und Nein. Fans der Vorgeschichten werden sich am bloßen Wiedererkennungswert erfreuen: Tim Sale erzählt das Ganze in bester Noir-Atmosphäre, als wären nicht zwei Jahrzehnte vergangen. Er ist immer noch ein bildgewaltiger Meister. Als Schauwert sehen wir ein halb zerschlagenes Bat-Signal, das entgegen jeder Physik nur auf einer Seite leuchtet (überpinseln wäre besser gewesen) und als Highlight: Robin und Batgirl gehen zum Trick-or-Treat an Halloween (obwohl es da noch kein Batgirl gibt, aber egal).

Darüber hinaus enttäuscht das allzu schnell und einfach erledigte Finale. Nach der langen Einführung hätte man sich dafür mehr Zeit lassen können. Immerhin bekommt Julian Day ein wenig Hintergrundgeschichte: Er war ein Waisenkind, das ohne Geburtstage oder Feiertage aufwachsen musste – daher der Nachholbedarf. „There were times I didn’t even know what day it was. Until I found crime. Then every day could be a holiday.“

Batmans empathische Antwort darauf: Prügel. Viele Prügel. So viele, dass die Handschuhe vor Blut nur so triefen. Moral: Eine schlimme Kindheit gibt einem nicht das Recht zu morden. Aber gibt es ihm das Recht, einen Mörder so schwer zu misshandeln? Diese Frage stellt leider niemand. Am Ende interessiert sich Batman mehr für die Dents. Er kennt jetzt ihr verstörendes Geheimnis.

Mehr von Jeph Loeb und Tim Sale:


 

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Zwei Söhne der Finsternis

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Titel: The Darkness/Batman

Autor/Zeichner: Scott Lobdell, Jeph Loeb/Marc Silvestri, Dave Finch, Clarence Lansang

Erschienen: 1999 (One-shot), 2017 (The Darkness: Darkness/ Batman & Darkness/ Superman 20th Anniversary Collection), dt. Dino 1999 (DC Crossover #30)


Letztens durchstöberte ich vor dem Comicladen ein paar Kisten mit alten Heften. Darin viele aus der Dino-Zeit, in der ich mit Comics angefangen habe. Eins nahm ich mit: das Crossover Darkness/Batman, für zwei Euro im guten Zustand – ein Schnapper mit Nostalgiefaktor.

Nun darf man nach einigen Crossovern nicht zu viel erwarten: Meistens haben sie keinen tieferen Sinn, als zwei Helden zusammenzubringen, die nicht zusammengehören. Und so ist es auch hier. Das Besondere soll sein, dass hier zwei Gestalten aufeinandertreffen, die in der Finsternis zu Hause sind, also scheinbar Gleichgesinnte sind, wenn auch mit anderen Zielen und Methoden.

Der Held mit dem nicht sonderlich einfallsreichen Namen Darkness (erschienen seit 1996 bei Top Cow) hat lange schwarze Haare, eine Metallmaske und trägt eine Art Rüstung. Mithilfe der Macht der Finsternis (also nachts) mordet er im Auftrag der Mafia. Außerdem wird er begleitet von den Darklings, einer Horde kleiner fieser Kobolde, die ihm helfen. Und genau das tun sie auch in Gotham: Sie richten ein Gemetzel unter Gangstern an. Batman ist entschlossen, sie aufzuhalten. Zugleich bekommt Darkness (der in zivil Jackie Estacado heißt) den Auftrag seines Bosses, Batman zu töten.

Gastauftritte von Batman-Schurken

Dabei erweist sich der sonst ruchlose Killer als ziemlich halbherzig. Als er das erste Mal vor Batman steht und eine Waffe zückt, lässt er sich zunächst bequatschen und dann K.O schlagen. Seine Darklings machen sich später auch eher einen Spaß daraus, Batman mehr zu nerven als wirklich anzugreifen. Dritte Runde: Darkness packt sich Batman – lässt aber von ihm ab. Denn Batman ist nun mal der Gute und warum sollte man nicht zulassen, dass einer wenigstens versucht, was Gutes zu tun?

Sein Boss ist weniger einsichtig und schießt die Polizeiwache zusammen. Zwischendurch gehen Bruce und Jackie joggen und es wird über Frauen geredet. Ach ja, und das Ganze wird noch gewürzt durch völlig unmotivierte und folgenlose Gastauftritte klassischer Batman-Schurken: Two-Face, Catwoman, Killer Croc und der Joker auf einer Doppelseite, die man um 90 Grad drehen muss, um sie in seiner ganzen Aufdringlichkeit und Pointenlosigkeit genießen zu können.

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Wenn aus Catwoman „Katzenweib“ wird. (DC Comics/Dino Comics)

Ja, auch dieses Crossover ist also ganz großer Quatsch. Aber auch Quatsch kann Spaß machen. Gerade in der deutschen Übersetzung, wenn sich Catwoman – völlig grundlos und ganz im Stil von Batman hält die Welt in Atem – „Katzenweib“ nennt. Nicht so spaßig sind die vielen Fehler, die zeigen, wie schnell und schlampig hier produziert wurde. Aber schaut euch mal die tollen detailreichen Zeichnungen an! Ja, schauen reicht eigentlich, denn Lesen muss man das Ganze nicht.

>> Batman-Crossover

The Long Halloween geht weiter

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DC Comics

25 Jahre nach dem Beginn des Batman-Klassikers The Long Halloween setzt das Kreativduo Jeph Loeb und Tim Sale ihr Werk fort: Laut DC soll das 48-seitige Batman: The Long Halloween Special am 12. Oktober erscheinen. Kosten: 7,99 US-Dollar.

UPDATE: Der Veröffentlichungstermin wurde auf den 26.10.2021 verschoben.

Man kann einwenden, die Fortsetzung sei bereits Dark Victory gewesen, aber Loeb deutet an, dass bisher noch nicht die ganze Geschichte erzählt worden sei. Allerdings ist sonst nichts weiter über den Inhalt bekannt.

Anlass dürfte eher die Verfilmung sein. Der erste Teil des Zeichentrickfilms ist bereits erschienen, der zweite Teil erscheint bei uns am 27. Juli als Video-on-Demand und am 26. August als Blu-ray und DVD. Die Kritiken für den ersten Teil sind überwiegend positiv ausgefallen.

The Long Halloween erzählt von der Frühzeit Batmans. Der Held jagt (noch ohne Robin) einen Serienkiller, der immer an Feiertagen Jagd auf Mafiosi macht. Zugleich wird die Entstehungsgeschichte von Two-Face neu erzählt. Batman trifft dabei auf einige seiner bekanntesten Gegner wie Joker, Riddler, Poison Ivy und Catwoman.

1998 und 1999 gewann das Werk den Eisner-Award, die höchste Auszeichnung der US-Comicbranche. Zurecht: Bis heute gilt es als Klassiker – und zählt nicht nur zu meinen Lieblings-Batman-Comics.

Weitere Werke von Jeph Loeb und Tim Sale:

Ein Batman aus Kryptonit

Batman versus Superman, Teil 16: Vengeance (2005)

Titel: (With A) Vengeance (dt. Voller Wut)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Ed McGuinness

Erschienen: 2005 (Superman/Batman #20-25, Paperback 2008/2014 mit Absolute Power) , dt. Panini 2007 (Paperback)


„– and what could be more fitting than … Batman killing Superman?“ (Kryponite-Batman)

Wer diese Reihe verfolgt, dem wird aufgefallen sein, dass „Batman versus Superman“ mehr ein Name ist, der sich an den kommenden Spielfilm anlehnt, als dass es tatsächlich um eine Retrospektive der Kämpfe handelt. Denn zwar gibt es einige, und einige davon habe ich bereits früher vorgestellt, aber in der Regel bilden Batman und Superman ein Team – so auch in der Superman/Batman-Serie. Hier aber, bei Vengeance, kommt es endlich wieder zu einer richtigen Prügelei. Einer auf Leben und Tod.

Aber der Reihe nach. Allerdings ist das nicht so einfach. Batman und Superman stoßen auf die Maximums, die einzige Superheldengruppe, die von der US-Regierung anerkannt ist. Noch nie von denen gehört? Macht nix, die sind neu (dazu später mehr). Jedenfalls tötet Superman einen von ihnen, als Vergeltung für den Mord an Lois Lane. Wann das passiert sein soll? Das spielt keine Rolle, denn die Maximums wissen auch nicht, wovon Superman spricht. Überhaupt haben sie ihn und Batman noch nie gesehen. Kurz darauf holen die Maximums also zum Gegenschlag aus, um den Tod ihres Gefährten zu rächen, doch die Versionen von Superman und Batman, die sie treffen, wissen auch nicht, was los ist.

Damit aber nicht genug: Parallel dazu verbündet sich Bizarro mit Batzarro, seinem Batman-Pendant, um Superman zu helfen. Dabei treffen sie auf den Red Son-Superman und Batman Beyond. Schließlich versammeln sie auch noch einen Haufen Batmen, Supermen und Supergirls aus Paralleluniversen – ganz zu schweigen von Gastauftritten von Darkseid und Lex Luthor. Ach ja, und zwischendurch kommt noch Captain Atom aus dem Weltall zurück (er hat in Public Enemies den Kryptonit-Asteroiden zerstört) und ist besessen von einer Art Kryptonitgeist. Der ergreift schließlich von Batman Besitz und versucht so, Superman zu töten. Der grüne Batman prügelt ein paarmal auf Superman ein, bis sein Gegner ihn mit einem kleinen Rippenstoß halbseitig lähmt und dann in einen Bleipanzer kleidet bis der Kryptonite Man verschwindet (wohin auch immer).

Superman/Batman #23 (DC Comics)

Superman/Batman #23 (DC Comics)

Okay, so viel zum dramatischen Höhepunkt der Story. Aber was soll der ganze Rest? Wer das Marvel-Universum ein wenig kennt, wird in den Maximums eine Art Beinahe-Avengers bzw. Fast-Ultimates erkennen: Soldier = Captain America, Robot = Iron Man, Monster = Hulk (zunächst lila, dann grün), Viking = Thor, Skyscraper = Giant Man, Hornet = The Wasp, Bug = Spider-Man. Die Ähnlichkeiten sind offensichtlich, aber immer noch so, dass es keinen Ärger mit dem Urheberrecht gibt. (Später sollte Jeph Loeb übrigens tatsächlich die Ultimates für Marvel schreiben.) Schließlich verschmelzen sie zu einem Helden („The Maximum Maximum“) und kloppen sich mit einem Amalgam aus Batman und Superman. Aber kaum geht der Kampf los, ist er auch schon wieder vorbei.

Dass das Ganze ein Spiel zwischen Mr. Mxyzptlk und dem Joker (bzw. Bat-Mite) ist, verleiht der Geschichte nicht viel mehr Sinn. Das Problem an solchen Geschichten ist, dass sie so willkürlich sind, dass darin alles passieren und am Ende alles wieder annulliert werden kann. Das Nonsens-Prizip funktioniert gut bei Alice im Wunderland, bei Superhelden-Storys wirkt es ermüdend und spannungsarm. Und so wirkt auch Vengeance völlig überladen an Figuren, ohne dass es einen Zusammenhang oder gar Mehrwert gäbe. Kurz: Viel Lärm um nichts.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Hitler Twins und Hardy Boys

Batman versus Superman, Teil 15: Absolute Power (2005)

Titel: Superman/Batman: Absolute Power (dt. Absolute Macht)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Carlos Pacheco

Erschienen: 2005 (Superman/Batman #14-18, Paperback 2006), dt. Panini 2006


„Obey or die.“ (Superman)

Das Lesen von Superheldencomics ist ein ständiges Déjà-vu-Erlebnis: Im Grunde liest man immer die gleichen Geschichten, erzählt in tausend Variationen, aber weil es dann doch immer anders ist, wirkt es, als wären es doch andere Geschichten. So beginnt auch Absolute Power mit altbekannten, bis zum Erbrechen erzählten und wiedererzählten Origins der Titelhelden – die Sache mit der Rakete im Kornfeld und die Sache mit dem Zorro-Film – man will schon weiterblättern, weil das offenbar die obligatorische Einführung für neue Leser sein soll, und dann kommt die Wendung – und alles ist anders als gedacht.

Weil drei Superschurken aus der Zukunft an diesen Stellen in der Zeit eingegriffen haben, verläuft alles anders: Superman und Batman werden zu Tyrannen, die die Welt beherrschen. Die anderen großen Superhelden wurden bei seiner Entstehung vernichtet. Wer noch übrig ist, dessen nehmen sich die Diktatoren selbst an, wie etwa Green Arrow, der die beiden bloß „Hitler Twins“ nennt. Übertrieben ist das nicht sehr, denn Batman und Superman sind als Brüder aufgewachsen und hängen entsprechend aneinander. Doch dann gibt es noch Wonder Woman. Und sie trommelt die verbliebenen Superhelden zusammen, um eine Rebellion gegen die Tyrannen starten. Dabei tötet Wonder Woman Batman. Superman zögert nicht, Wonder Woman zu ermorden. Doch damit gehen die Probleme erst los, denn danach springen Superman und Batman durch verschiedene alternative Zeitlinien, an deren Ende stets einer von ihnen draufgeht.

Eigentlich müsste man hier aufhören zu erzählen, aber eine dramatische Wendung muss gespoilert werden, weil sie einfach zu gut ist, um darüber zu schweigen: In einem Szenario interveniert Batman in die Ermordung seiner Eltern und erschießt den Mörder kurzerhand. Daraufhin löscht er einerseits seine Existenz aus und ermöglicht andererseits seinem alternativen Ich ein glückliches Leben. Doch weil in dieser Welt Ra’s al Ghul herrscht, muss Superman Bruce Wayne wieder zu Batman machen, um alles wieder in Ordnung zu bringen.

Es lohnt sich immer noch, diese Story zu lesen, denn es passiert so viel, dass ich die Hälfte weggelassen habe (Darkseid! Justice League! Und wieder der Superman aus Kingdom Come!) Waren die Helden in den ersten beiden Superman/Batman-Geschichten schon ein gutes Team, so sind sie hier ein Herz und eine Seele, ja eine Familie. Gemeinsam stehen sie als „Hardy Boys“ (Green Arrow) eine Reihe von Elseworlds-artigen-Szenarien durch und leiden miteinander, betrauern den Verluste des jeweils anderen. Das ist rührend mitanzusehen, auch wenn die beiden zunächst Arschlöcher sind. Aber im Laufe der Geschichte finden sie zu ihren wahren Identitäten zurück – denn gewisse Dinge, so die Moral, müssen nunmal so sein und nicht anders, also so wie immer – womit wir wieder beim Déjà-vu wären … Absolute Power ist so dramatisch, rasant und vollgepackt mit interessanten Einfällen, dass alle seine Bestandteile (auch die feinen Zeichnungen) eine World’s Finest-Story im besten Sinne des Wortes ergeben.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Vier Fäuste gegen Darkseid

Batman versus Superman, Teil 14: Supergirl (2004)

Titel: Supergirl (The Supergirl from Krypton)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Michael Turner

Erschienen: 2004 (Superman/Batman #8-13, Paperback 2005/2014), dt. Panini 2006, Eaglemoss 2015


„I am … not alone …“ (Superman)

„You prattle on like a child reciting bits of meaningless trivialities.“ (Darkseid)

Auch wenn Superman nie zu spüren bekommen hat, dass er eine Waise ist, fühlt er sich allein: Zwar hat er Eltern, Ehefrau, Freunde, Verbündete wie Batman, aber als Kryptonier ist er der Letzte seiner Art. Das ändert sich mit der Ankunft von Supergirl, die – wie früher, vor der Crisis – Kal-Els Cousine Kara Zor-El ist. Batman entdeckt sie beim Aufsammeln der Trümmer, die der Kryptonit-Asteroid hinterlassen hat: eine ausgewachsene junge Frau, die nackt in Metropolis für Verwirrung und Zerstörung sorgt. Nach einem kurzen Plausch auf Kryptonisch schließt sie Superman ins Herz. Doch Batman bleibt skeptisch …

Kara integriert sich schnell: innerhalb eines Monats lernt sie Englisch und andere Sprachen und entdeckt ihre Leidenschaft fürs Shoppen, aber noch bevor sie ihren Platz auf Erden finden kann, wird sie zweimal entführt und in Kriegerrollen gezwängt. Zuerst bringt sie Wonder Woman auf die Paradiesinsel Themyscira, wo Kara sich ohne Protest zum Kämpfen ausbilden lässt, kurz darauf lässt sie Darkseid nach Apokalips bringen, um seiner Sache zu dienen. Darauf lässt sich Kara ebenso schnell ein, wenn auch dank Gehirnwäsche. Superman und Batman starten mit Wonder Woman und Big Barda eine Rettungsaktion.

Was eigentlich wie eine klassische Superman- oder JLA-Story anmutet, lässt Batman etwas aus der Rolle fallen, damit er mit den Übermenschen mithalten kann. So wird er dank Mr. Miracles Rüstung zu einem Krieger, der es mit dämonischen Kötern und schließlich sogar mit Darkseid selbst aufnimmt. Solche Abenteuer wirken stets etwas bemüht, weil Batman in solchen Szenarien eigentlich keine fünf Minuten überleben dürfte. Dass er es tut, strapaziert seine Glaubwürdigkeit enorm. Batman ist eben immer Herr der Lage. Warum? „Because he’s Batman.“

Was aber wirklich nervt ist das Finale, wenn Superman aus Zorn Darkseid durchs All prügelt. Während Clark unendlich scheinende pathetische Reden schwingt, monologisiert Batman aus dem Off sentimentale Gemeinplätze, in denen er erneut, noch einmal und schon wieder in aller Ausführlichkeit Clarks Entwicklung nacherzählt. Man möchte den beiden zurufen: Aufhören, wir haben es verstanden! Und wenn dann noch zum Schluss Superman seine besten Momente mit Kara Revue passieren lässt, wird der Kitsch unerträglich. Bei der Wendung am Ende weiß man gar nicht, ob man wütend oder vor Erleichterung dankbar sein soll. Und dann muss Superman alle Helden zusammentrommeln, um ihr das neue Supergirl vorzustellen. Bei all dem Gedöns bleibt das Verhältnis zwischen Batman und Superman leider auf der Strecke. Das Auftauchen von Kara hat keinen großen Effekt auf die beiden, weder führt die Meinungsverschiedenheit zu großen Konflikten noch wachsen die beiden zusammen. Das hohe Frauenaufkommen lenkt vielmehr von der Tatsache ab, dass die World’s Finest gemeinsame Sache machen.

(The Supergirl from Krypton wurde im Jahr 2010 unter dem Titel Superman/Batman: Apocalypse als Animationsfilm adaptiert.)

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Die Weltbesten gegen den Rest der Welt

Batman versus Superman, Teil 13: Public Enemies (2003-2004)

Titel: Public Enemies (dt. Freunde und Feinde)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Ed McGuinness

Erschienen: 2003-2004 (Superman/Batman #1-6), Paperback 2005, dt. Panini 2006/2016, Eaglemoss 2014


„You know what I got sick of, Bruce? You kicking the crap out of me with your toys. When you’re nothing but a man. A man who got to stay alive because I let you.“ (Superman, Kindom Come)

„If this is going to be our last stand, I can’t think of a better ally to fight alongside.“ (Superman)

Ein Asteroid rast auf die Erde zu. Ein riesiger Klumpen Kryptonit. US-Präsident Lex Luthor versucht ihn wegzusprengen. Nachdem er scheitert, gibt er Superman öffentlich die Schuld an der nahenden Katastrophe. Statt ihn oder andere Helden um Hilfe bei der Rettung der Welt zu bitten, tut Luthor alles, um seinen Erzfeind gefangen zu nehmen. Da Superman gerade mit Batman gegen Metallo und sein Ich aus der Zukunft (Kingdom Come) gekämpft hat, steht ihm sein düsterer Freund zur Seite. Auf ein Kopfgeld von einer Milliarde Dollar reagiert zunächst eine Reihe von Superschurken (z.B. Mongul, Solomon Grundy, Grodd), dann kommen ein paar B-Superhelden, die auf Luthors Gehaltsliste stehen (z.B. Captain Atom, Green Lantern John Stewart, Power Girl), schließlich helfen Captain Marvel/Shazam und Hawkman aus, um die beiden Staatsfeinde zu jagen. Aber die Gejagten bilden ein eingespieltes Super-Team, das fast immer Herr der Lage ist …

Viel Sinn ergibt das nicht, dass mehr Aufwand betrieben wird, Superman und Batman zu bekämpfen, statt sich um den Asteroiden zu kümmen. Auch nicht, dass der Superman der Zukunft den aus der Gegenwart zu töten versucht (ganz zu schweigen vom Raum-Zeit-Kontinuum-Paradoxon). Oder dass Metallo zuerst beteuert, niemanden mehr umbringen zu wollen, dann mit Kryptonit auf Superman schießt und ihn anschließend mit Batman lebendig begräbt. Aber man kann nicht leugnen, dass das Spektakel großen Spaß macht. Spätestens seit seinen großen Epen The Long Halloween und Dark Victory wissen wir, dass wenn Jeph Loeb gerne in die Vollen greift (auch bei Hush). Und so sehen wir reihenweise Charaktere, die dem Serienauftakt von Superman/Batman die Ehre erweisen. Selbst die Familien von Batman und Superman (also die Sidekicks) schauen vorbei und versuchen eine Befreiungsaktion im Weißen Haus. Und immerhin gibt es so großartige Sequenzen, in die, in der Kingdom Come-Superman das Batmobil von Adam West hochhebt, um Batman damit zu erschlagen.

Leider meint es Loeb mal wieder zu gut. Wenn er parallel zur Handlung die inneren Monologe von Superman und Batman laufen lässt, überfordert das nicht nur beim Lesen, denn man muss drei Strängen gleichzeitig folgen, sondern hat auch keinen großen Mehrwert. Es müssen nicht immer beide Helden Anekdoten aus ihrer Vergangenheit erzählen, um einen Vergleich zur Handlung zu ziehen, zumal sich die Anekdoten in ihrer Moral ähneln. Es muss auch nicht ständig der Gegensatz von Optimismus und Pessimismus herausgearbeitet werden – ganz zu schweigen von der Parallelführung der beiden bis zum Gehtnichtmehr erzählten Origins.

DC Comics

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Abgesehen von diesem ermüdenden Erzählverfahren bietet Loeb erneut genug Stoff, um vor lauter Fan-Service die Story vergessen zu machen – bis hin zu einem hanebüchenen Unsinn wie einem Raumschiff, das wie eine Fusion aus Batman und Superman aussieht. Zeichner Ed McGuinness trägt mit seinem lieblich-klobigen Michelin-Männchen-Stil dazu bei, dass man sich in dieser knallbunten Hochglanzwelt rundum wohl fühlt. Und vor allem: Es tut so gut, die World’s Finest Heroes auf der Höhe ihrer Fähigkeiten agieren zu sehen: mit perfektem Teamwork. Die einzigen Hiebe, die sie miteinander austauschen, sind verbale. Ansonsten zeigt die Story, dass Batman und Superman es zusammen mit der ganzen Welt aufnehmen können.

(Public Enemies wurde im Jahr 2009 als Animationsfilm adaptiert.)

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Idylle mit Landei

Exkurs: Superman (Teil 3)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman For All Seasons (dt. Superman für alle Zeiten)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1998 (Mini-Serie #1-4)


 „Maybe it’s time I was a little impulsive.“ (Clark Kent)

Bevor es Superman gab, gab es nur ein Landei namens Clark Kent. Ein Farmersohn aus Kansas. Ein Durchschnittsamerikaner. Jeph Loeb und Tim Sale versuchen in ihrer Mini-Serie den Mann aus Stahl zu einem Jedermann zu machen, der klein angefangen hat, als Träumer, Grübler und Zweifler. Wie geht ein junger Mann mitten in der Gewöhnlichkeit damit um, ungewöhnlich zu sein, Superkräfte zu haben? Wer bin ich und was soll ich tun?, sind die Fragen, die ihn umtreiben.

Man könnte Superman For All Seasons auch Superman: Year One nennen. Es umfasst das erste Jahr im Leben von Clark nach dem Abschluss in Smallville und seinen Anfängen in Metropolis. Viel Handlung gibt es nicht: Zwar fängt Superman eine Atomrakete ab, zerlegt ein U-Boot voller Terroristen, hält einen Zug auf und stoppt eine Flut, aber diese Taten erscheinen nebensächlich. Es wird kein großes Drama um sie gemacht, vielmehr wirkt es, als müsste man sie zeigen, weil sie einfach nur zum Mythos dazu gehören. Zeichner Tim Sale zelebriert diese Momente in  eindrucksvollen doppelseitigen Splash Pages.

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Hush: Harte Bandagen

DC Comics

DC Comics

Titel: Hush

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Jim Lee

Erschienen: 2002-2003 (Batman #608-619), Paperback 2003 (zwei Bände), 2009 (ein Band), dt. Panini 2006 (zwei Bände), Eaglemoss DC Graphic Novel Collection 2015 (zwei Bände)


„You gotta be able to think like your opponent.“ (Thomas Elliot)

Killer Croc entführt einen Jungen. Bei der Lösegeldübergabe kommt Batman dazwischen. Catwoman macht sich mit dem Geld davon, Batman verfolgt sie, dabei wird sein Seil durchschnitten, er stürzt und wird dabei schwer am Kopf verletzt. Der Chirurg Dr. Thomas Elliot – ein alter Jugendfreund – flickt Bruce Wayne wieder zusammen . Doch als es wieder zum Kontakt zum genesenden Bruce kommt, wird „Tommy“ vom Joker erschossen. Batman gerät mal wieder in Versuchung, kurzen Prozess zu machen und seinen Erzfeind abzumurksen. Und das sind nicht die einzigen seltsamen Begebenheiten. Ein Unbekannter hat es auf Batman abgesehen. Aber wer? Und warum?

Lauter unerhörte Ereignisse passieren in Hush, einer der beliebtesten Batman-Storys des neuen Jahrhunderts. Autor Jeph Loeb setzt damit sein bewährtes Rezept fort, das er mit seinen 90er-Jahre-Epen mit Tim Sale etabliert hat: The Long Halloween und Dark Victory. Hier wie da wird eine Detektivgeschichte in rund einem Dutzend Kapiteln erzählt, die einmal durch die Rogues Gallery jagt. Bei Hush sind es neben Joker, Harley Quinn und Killer Croc auch Poison Ivy, Two-Face, Ra’s al Ghul, Riddler, Scarecrow und Clayface. Außerdem treten Helden wie Robin, Nightwing, Orakel, Huntress und Superman auf. Eine wichtige Rolle spielt außerdem Catwoman: Endlich kommt es zu einer intimen Annäherung mit Batman und zu einer Offenbarung. Eine Begegnung zwischen Batman und Superman wird weniger kuschelig – was will man mehr?

Mit diesem riesigen Personal bietet Loeb ein furioses Feuerwerk an bester Unterhaltung und Abwechslung. Es ist eine typische Story, die Fanherzen höher schlagen lässt, weil alles da ist, was sie begehren. Für alte Leser werden einige interessante Überraschungen geboten, vor allem eine, die mit einem Robin zusammenhängt und hier nicht verraten werden soll. Hinzu kommt noch, dass die Geschichte so erzählt ist, dass man auch als Neuling leicht einsteigen kann. Alle Hintergründe werden zu Genüge erklärt, sogar einige Male zu oft (vor allem den Mord an den Waynes – gähn). Loeb beweist sich erneut als erstklassiger Erzähler.

Mindestens so wichtig wie die furiose und spektakelgeladene Story sind die Zeichnungen des anderen J.L., Jim Lee. Im Gegensatz zu Tim Sale, der sich in seinen Panels auf das Wichtigste beschränkt, ist Jim Lee ein detailversessener Perfektionist. Und damit all die Details auch gut zu sehen sind, verzichtet er weitgehend auf Schatten, sodass Gotham, seine Helden und Schurken, bei ihm hell erstrahlen. Die knalligen Farben tragen dazu, dass das Lesen zu einer Augenweide wird. Seine Helden strotzen vor Kraft, seine Frauen sin voller Anmut, die Posen überaus dynamisch. Kurz: Jede Seite ist zu schön, zum Umblättern. Besonders die Rückblenden hinterlassen Eindruck. Denn die sind monochrom und (wie) mit Wasserfarben koloriert. Das verleiht den Panels eine besondere Aura von Kunst.

Bei aller Gefälligkeit gibt es dennoch einige Kritikpunkte: Der größte ist wohl die Plausibilität. Die Auflösung hinkt, die Motivation des mumienhaft bandagierten Schurken Hush leuchtet ebenso wenig ein wie der ganze Aufwand, den er betreibt, um Batman fertig zu machen. Das ginge auch einfacher, aber dann gäbe es ja die Story nicht. Trotzdem hätte man das eleganter lösen können. Und dann gibt es noch einige kleinere Plot Holes. Dass James Gordon gleich zwei Mal als deus ex machina herhalten muss, indem er aus dem Nichts auftaucht, um Batman zu retten, ist auch ein wenig plump.

Aber egal. Das sollte nicht das Gesamtvergnügen trüben. Hush hat Größe, Hush macht Spaß, Hush sollte man gelesen haben.

(Die Story wird fortgesetzt in Hush Returns, Heart of Hush, Hush Money und The House of Hush. Außerdem gibt es im Universum von Batman Beyond noch Hush Beyond.)

>> Batman 2000-2011

Geistloses Gipfeltreffen

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman/The Spirit (Crime Convention)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Darwyn Cooke

Erschienen: 2007 (One-shot)


„What is it with good girls‘ fascination with bad men?“

Wie bringt man Batman mit Will Eisners legendärem Detektiv The Spirit zusammen? Zum Beispiel, indem man zunächst beide Rogues Gallerys vereint. Die Gegner beider Helden verbünden sich, um eine Polizei-Tagung auf Hawaii in die Luft zu sprengen. Batman und Spirit kommen dahinter, folgen ihnen und halten die Schurken auf, bevor Commissioner Dolan seinen Kollegen Jim Gordon erschießen kann – denn Dolan steht unter dem Einfluss von Poison Ivy …

Naja. Was prächtig mit einer Reminiszenz an Will Eisners Vorliebe für Typografie beginnt (Spirit stürzt von einem Dach und mit ihm Buchstaben, die seinen Namen bilden), mündet in eine ziemlich alberne Story, die sich auf kindischem Niveau befindet. Die Begegnung zwischen den Helden läuft darauf hinaus, dass Spirit Batman schon vermöbeln möchte, noch bevor er weiß, mit wem es zu tun hat. Erst bei einem späteren Verhör bilden sie ein gutes Team, am Ende kommt es zum Rollentausch. Und dann ist das kurze Team-up auch schon vorbei. Ein paar müde Witze können den Comic auch nicht retten. Immerhin Darwyn Cookes flotter Zeichenstil entschädigt etwas für diese – immerhin mit einem Eisner-Award geehrte – verschenkte Chance.