Hush

Jokers Junggesellenabschied für Batman

DC Comics

Titel: Preludes to the Wedding

Autor/Zeichner: Tim Seeley, Tom King/Clay Mann u.a.

Erschienen: 2018 (5 One-shots, DC Nation #0)


„Keep it simple.“ (Joker)

Batman und Catwoman wollen heiraten. Der Joker ist nicht eingeladen. Er ist beleidigt. Also läuft er Amok. Zuerst sucht er einen zufällig ausgewählten Mann heim und terrorisiert ihn. Diese ersten acht Seiten, geschrieben von Tom King und gezeichnet von Clay Mann, sind der größte Höhepunkt in Preludes to the Wedding. Hier gibt es Spannung und einiges zu lachen.

Danach hetzt der Joker vier Schurken auf Batman, indem er ihnen von der Hochzeit erzählt – und keiner ist von der Sache begeistert. Robin nimmt es mit seinem Großvater Ra’s al Ghul auf, Nightwing mit Hush, Batgirl mit Riddler und Red Hood mit Anarky. Wie immer geht es dabei um alte Wunden, die aufreißen. Um Enttäuschungen und Eifersucht. Jeder dieser Schurken hat eine persönliche Rechnung offen mit Batman.

Besonders persönlich wird es, wenn sich am Ende Harley Quinn den Joker vornimmt. Harley tut so, als wollte sie ihn umbringen, die Frage ist, ob sie ihn wirklich töten will, aber natürlich schafft er es, sich aus zwei Todesfallen zu befreien. Am Ende ist er der Sentimentale, der es nicht übers Herz bringt, seine alte Komplizin zu töten.

Preludes to the Wedding ist das Gegenstück zu den beiden Batman-Bänden Rules of Engagement und Bride or Burglar. Während da Batman, bevor er sich an Catwoman bindet, die Frauen in seinem Leben wiedertrifft, sind es hier die Männer, die noch einmal ihr Verhältnis zu Batman Revue passieren lassen.

Natürlich ist Joker der Eifersüchtigste von allen, denn zwischen ihm und Batman besteht schon immer eine ganz besondere Verbindung – und das nicht erst seit Frank Miller beide im Liebestunnel intim werden ließ. Im Grunde inszeniert der Joker hier einen Junggesellenabschied für seinen liebsten Feind, nur das der Bräutigam meist nicht anwesend ist. Es ist ein verkappter Akt der Liebe auf Umwegen, der daher tragischerweise unerwidert bleibt und schließlich damit endet, dass der Joker versucht, die Hochzeit zu sabotieren.

Tiefsinnigere Erkenntnisse bekommt man in diesen kurzweiligen Kapiteln zwar nicht, aber dafür solide Unterhaltung. Aber einmal überrascht Autor Tim Seeley dann doch, wenn er den eigentlichen Jungesellenabschied (Batman, Nightwing, Superman) in eine Dimension bringt, die von Gestalten bevölkert wird, die nur noch gesichtslose Schatten echter Menschen sind, lauter vertane Chancen aus unserer Welt. So viel Gesellschaftskritik bekommt hier nicht einmal Anarky hin.

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Der totale Hush

In vergangenen Jahr ist die Storyline Hush 15 Jahre alt geworden. Dazu hat DC eine Deluxe Edition herausgebracht. Im März 2019 erscheint Batman: The Hush Saga Omnibus. Der 800-Seiten-Band enthält alle Hush-Storys von 2002 bis 2011. Im Klartext sind das:

  1. Hush (Batman #608-619)
  2. Hush Returns (Batman: Gotham Knights #50-74)
  3. Heart of Hush (Detective Comics #846-852)
  4. Hush Money (Batman: Streets of Gotham #1-4)
  5. House of Hush (Batman: Streets of Gotham #14, #16-21)

Darüber hinaus sind drei weitere Storys enthalten: Batman #685, Batman Villains Secret Files and Origins 2005 #1 und eine aus Wizard #0. Etwas irritierend ist, dass so viel aus Gotham Knights enthalten sein soll. Die Ausgaben, die Hush betreffen, sind nur die Nummern 50-55 sowie 60-74 (bis Joker vs. Hush). Die Hefte dazwischen sind Teil von War Games bzw. eines handelt von Mister Freeze. Aber vielleicht handelt es sich bloß um einen Fehler in der Ankündigung.

Abgesehen davon, dass das Meiste davon als Paperback erhältlich ist (außer der Gotham Knights-Storys), ist erstaunlich, dass es noch eine Hush-Ausgabe geben soll. Insgesamt wird es nämlich, wenn ich mich nicht verzählt habe, die achte Hush-Edition sein. Bisher gibt es folgende:

  • Batman Hush Vol. 1-2 (Paperbacks 2004)
  • Batman Hush (Paperback, 2009)
  • Absolute Batman: Hush (Hardcover 2011)
  • Batman: Hush Unwrapped Deluxe (Hardcover 2011)
  • Batman Noir: Hush (Hardcover 2015)
  • Coloring DC: Batman-Hush Vol. 1 (2016)
  • Batman Hush: The 15th Anniversary Deluxe Edition (Hardcover 2017)
  • Batman: Hush Unwrapped Deluxe Edition (New Edition, Hardcover 2018)

Hush gibt es in jeder erdenklichen Fassung: Hardcover und Softcover, in Farbe, in Schwarzweiß, mit Bleistift gezeichnet und zum Ausmalen. Keine Frage: Die Story ist gut. Aber wer braucht das alles? Vielleicht ist „brauchen“ der falsche Ausdruck. Das Angebot schafft ja die Nachfrage …

Allerdings fällt dabei unter den Tisch, dass der angekündigte Omnibus bei weitem nicht alles versammelt. Denn Hush spielt auch in der Serie Batman Eternal eine zentrale Rolle – diese Kapitel kommen im Omnibus nicht vor. Wäre auch sinnlos, wenn man sie aus dem Zusammenhang reißen würde. Außerdem gibt es noch Hush Beyond (2010), was ebenfalls nicht enthalten ist. Andererseits kann man einwenden, dass diese beiden in anderen Continuitys stattfinden …

All-Star Alfred und die Piraten

Titel: All-Star Batman Vol. 3 The First Ally (dt. Der Verbündete)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Rafael Albuquerque

Erschienen: 2017-2018 (All-Star Batman #10-14), Hardcover 2018; dt. Panini 2018 (Paperback)


„He’s an absurd human being, is the truth … bloody absurd. And I love him for it.“ (Alfred)

Batman jagt Hush in Florida, er will an die Genesis Engine herankommen, eine Technologie, mit der man Zellen erneuern und überschreiben kann. Als Bruce Wayne gerät er an moderne Piraten, kämpft mit Krokodilen und trifft auf einen neuen Schurken: Nemesis, einen Supersoldaten mit scharfen Klingen.

Doch eigentlich ist das weniger eine Batman-Story. Eigentlich geht es um Alfred Pennyworth. Der ist hier nicht Bruce Waynes Butler. Eher ist Batman hier nur sein Sidekick. Denn Alfred hat eine Vergangenheit, die weit über einen Armee-Einsatz hinausgeht. Er war in einer geheimen Einheit tätig, geführt von einem Mann namens Briar. Alfred machte eine Ausbildung zum Supersoldaten durch. Und jetzt dürft ihr alle mal raten, wer Nemesis ist …

Scott Snyders Abschluss seiner All-Star Batman-Serie ist also eine Mogelpackung. Zum Konzept der Serie gehörte es ursprünglich, nicht nur mit verschiedenen Lieblingszeichnern zusammenzuarbeiten, sondern auch Storys mit klassischen Batman-Schurken zu erzählen. In Teil eins war es Two-Face (neben vielen anderen wie Pinguin, Black Mask, KGBeast), in Teil zwei Mr. Freeze, Poison Ivy, Mad Hatter und Ra’s al Ghul. Wahrscheinlich weil nach diesen zwei riesigen Schurken-Aufgeboten keiner mehr übrig war, haben in diesem dritten Teil Gegner wie Hush nur Gastauftritte. Der Hauptgegner ist ein Neuer.

Und zugleich ein alter Bekannter aus Alfreds Vergangenheit. Weil es hier mehr um Alfred als um Batman geht, führt der Titel in die Irre. Was wir bekommen, ist ein ganz neuer Alfred. Einer, der mehr an die Earth One-Version erinnert als an den, den uns Scott Snyder bisher gezeigt hat. Kein steifer Butler mehr, sondern ein Action-Held, dessen Weg einige Leichen pflastern und der völlig aus der Rolle fällt, als er mit einem Maschinengewehr ein Flugzeug abschießt, in dem ein schwer verletzter Batman liegt – immerhin eine Art Sohn für ihn.

Wenn man sich mit diesem drastischen Ansatz anfreundet, ist The First Ally eine solide Alfred-Story, die dem Charakter viel Raum lässt. Viele Rückblenden, viel Introspektion (und wie immer viel Text). Alfred outet sich als junger Rebell und Fan von Piraten-Geschichten. Und so ist auch diese genau das: eine Hommage an das Genre und zugleich der Versuch einer modernen Adaption. Auf eine kurzweilige Art unterhaltsam, aber immer over the top und leider auch mit einigen Klischees á la „es steckt noch Gutes in ihm“.

Aber es gibt ja nicht nur was zu lesen, sondern auch viel zu schauen. Über die Zeichnungen von Rafael Albuquerque muss man kein Wort mehr verlieren, die sind wie immer stark – und dank der knalligen Farben von Jordie Bellaire ist das Serien-Finale auf jeden Fall ein Spektakel fürs Auge.

Mehr von Scott Snyder:

Verloren in der Rückblende

DC Comics

DC Comics

Titel: Streets of Gotham Vol. 3 – The House of Hush (dt. Familiengeschichten)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Dustin Nguyen

Erschienen: 2010-2011 (Streets of Gotham #12-14, 16-21), Paperback 2011; dt. Panini 2011 (Paperback, #14-21)


„You Waynes are hard to kill. I’ll say that much for you.“

Bruce Wayne ist zurück, Batman wird globalisiert – aber Moment mal, da ist noch eine Rechnung offen! Ja, stimmt: Was ist eigentlich mit Hush, der sich während der Streets of Gotham-Storyline als Bruce Wayne ausgegeben hat? Die Angelegenheit wird hier zu Ende gebracht. Aber allzu einfach macht es sich Autor Paul Dini damit nicht. Und deshalb wird der Abschluss seiner Story auch sehr schwerfällig.

Den Auftakt macht noch eine kurzweilige Episode um die Schurken The Carpenter und The Director (in der deutschen Ausgabe ausgespart), die eine Todesfalle für Batman aufbauen, um einen perversen Film damit zu drehen. Leichtes Spiel für Bats. Dann kommt der Hush-Teil. Aber statt einfach zu erzählen, wie der echte Bruce Wayne den falschen überführt oder ihn ausschaltet, greift Dini erstmal in tief in die Kiste der Vergangenheit, d.h. er macht ausgiebig vom Retcon-Trick Gebrauch, indem er die (überstrapazierte) Familiengeschichte von Thomas Elliot und Bruce Wayne ausschmückt. So wird den Eltern der beiden eine Affäre mit italienischen Mafiosi angedichtet, neue Nebenfiguren werden eingeführt werden, außerdem hat der Joker einen Gastauftritt. Das Problem daran: Es gibt so viele Rückblenden, dass die eigentliche Story daran erstickt. Man muss sagen: Die eigentliche Story spielt in ferner Vergangenheit. (Damit wird der deutsche Titel sehr passend: es geht um Familiengeschichten.)

Wanzen im Bett

Dadurch verliert sich jede Spannung, die für die Gegenwart hätte aufkommen können. Hush versucht zunächst, die Killerin Jane Doe aus Arkham freizulassen, die kommt schließlich ganz von selbst frei. Dann versucht ein alter Mafiosi, den falschen Bruce Wayne kaltzumachen, weil er sich an dessen Familie rächen will. (Seltsame Logik: Wenn du nicht mehr die Eltern töten kannst, töte den Sohn.) Nachdem Hush ihn überzeugt hat, dass er den falschen hat, verbünden sich die beiden, um den Wayne Tower zu vergasen. Dabei soll Doctor Death helfen. Doch das Finale endet abrupt: Jane Doe schneidet Hush sein Gesicht ab und als sie ihn töten will, greift Batman ein.

Zwischendurch wird noch eine völlig zusammenhanglose Handlung um einen neuen Schurken eingeführt: Bedbug, der mittels Bettwanzen Menschen zum Diebstahl anstiftet. Ziemlich ekelhaft, aber sinnlos. Die Sache verpufft so schnell und unvermittelt wie sie angefangen hat. Ein offenes Ende bleibt.

Insgesamt ist The House of Hush ein enttäuschender Abschluss einer eigentlich soliden Serie, die den Fokus nicht auf Batman, sondern auf die Schurken und andere Gotham-Bewohner gelegt hat. Das Finale wirkt überzogen lang und ohne klaren Fokus. Altmeister Paul Dini (The Animated Series) hat das schon mal besser hingekriegt. Mit Mad Love, oder zuletzt mit Dark Night – A True Batman Story.

Zum Schluss ein wenig Musik über das Schwelgen in Erinnerungen (man beachte das Label):

Verprasste Vermögen

DC Comics

DC Comics

Titel: Streets of Gotham Vol. 1: Hush Money (dt. Die Straßen von Gotham)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Dustin Nguyen

Erschienen: 2009 (Detective Comics #852, Batman: Streets of Gotham #1-4, Paperback 2010), dt. Panini 2010 (Batman Sonderband 25, enthält #1-6)


„Gotham City … even in these hard times it’s the home of unlimited opportunity. Of course you’ve got to keep your eyes open.“

„And that’s the formula for doing business in Gotham. You give, you take, you bend and you bleed.“

Der Schurke Hush erweist sich als ewiges Stehaufmännchen: Seine aufwendigen Versuche, Batman zu vernichten, sind gescheitert. Er wäre fast draufgegangen, hat sein gesamtes Vermögen an Catwoman verloren (siehe Heart of Hush). Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch berappelt er sich wieder und unternimmt einen neuen Versuch der Rache. Das Dumme ist nur: Batman ist tot. Oder wenigstens verschollen im Kampf. Daher nimmt sich Hush einfach das, was noch übrig ist: den Ruf von Bruce Wayne. Da Tommy Eliott bereits dessen Gesicht trägt, nimmt er dessen Identität an, verschafft sich Wohlstand und geht dabei über Leichen. In Vietnam wird er zwar von der Bat-Familie gefangen genommen, aber kurz darauf – als Firefly Gotham in Brand steckt – bricht er aus und verpulvert öffentlich als Bruce Wayne Milliarden von Dollar für wohltätige Zwecke. Die Bat-Familie muss das zähneknirschend mitansehen und ihn gewähren lassen. In der Zwischenzeit lässt Black Mask Victor Zsasz und den besagten Firefly in Gotham Chaos stiften. Zsasz bekommt dabei einen neuen Anzug und einen eigenen Schlachthof, um seine mörderischen Fantasien auszuleben.

Die kurzlebige Serie Streets of Gotham hat zwar Batman auf dem Cover, aber legt den Schwerpunkt auf die Schurken und Bewohner von Gotham, wie etwa den Broker, einen Immobilienmakler für Gangster, der mit leerstehenden Gebäuden für sinistre Zwecke seine Seele mitverkauft. Die Tatsache, dass Dick Grayson im Batman-Kostüm steckt, spielt im ersten Band fast keine Rolle – es hätte ebenso gut Bruce Wayne sein können.

Streets of Gotham verdankt seinen Reiz der ungewöhnlichen Erzählweise: Statt eines durchgehenden Plots mäandert die Geschichte durch mehrere Geschichten, die ineinandergreifen. So bekommt man nicht nur Einblicke in Hushs und Zsasz‘ Innenleben, sondern auch in die dunkle Seele des eigentlichen Protagonisten: Gotham City. Dustin Nguyens Zeichnungen sind sperrig und nicht immer gelungen, entfalten aber hin und wieder einen besonderen Charme – besonders bei den Covern.

Die üblichen Verdächtigen

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Eternal Vol. 3

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Fernando Blanco, Alvaro Martinez, Andrea Mutti u.a.

Erschienen: 2015 (Batman Eternal #35-52, Batman #28, Paperback 2015), dt. Panini 2015-2016 (Batman Eternal #18-26)


„It’s so vast and complex that even the Great Detective can’t solve this riddle.“ (Scarecrow)

„This is too much for us to handle.“ (Julia Pennyworth)

Die Welt von Batman zerbricht. Bruce Waynes Vermögen ist eingefroren, Wayne Manor ist das neue Arkham Asylum, Hush ist zwar gefangen, aber er ist nicht der Mann hinter dem Chaos, das in Gotham um sich greift. Commissioner Jason Bard versucht weiterhin, Batman fertigzumachen, während draußen ein paar ausgebrochene Schurken (Bane, Mr. Freeze, Clayface, Poison Ivy, Scarecrow, Jokers Tochter) Pläne schmieden, um alles noch schlimmer zu machen. Catwoman versucht als Mobchefin zu intervenieren. Batman folgt einer Spur zum Riddler, dann stattet er Ra’s al Ghul einen Besuch ab; der Rest der Familie gerät an den Mad Hatter. Doch keiner davon ist der wahre Strippenzieher hinter dem großen Ganzen. Es jemand, mit dem man nicht gerechnet hätte: Bruce Wayne. Das behauptet jedenfalls

SPOILER!

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Von allem zu viel

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Eternal Vol. 2

Autor/Zeichner: Scott Synder, James Tynion IV u.a./Jason Fabok u.a.

Erschienen: 2014-2015 (Batman Eternal #22-34, Paperback 2015), dt. Panini 2015 (Batman Eternal #11-17)


„We’re stretched in too many directions. Perhaps more than ever before. I’m getting worried.“ (Batman)

Nach dem ersten Akt von Batman Eternal ist klar, wer für das Chaos in Gotham verantworltich ist: Hush. Zuletzt ist er in Wayne Manor eingedrungen und hat Alfred Angstserum ins Hirn gespritzt; der Butler wird im Krankenhaus ins Koma gebracht und dann nach Arkham verlegt. Doch die Hauptarbeit lässt Hush immer noch traditionsgemäß von anderen erledigen: Der Architekt (Zachary Gate) versucht, Waynes Beacon Tower zu zerstören und löst damit ein Erdbeben in Gotham aus. Daraufhin sorgt der neue Commissioner Jason Bard dafür, dass in Gotham das Kriegsrecht ausgerufen wird. Auf eine Massenpanik folgen Aufstände. Der viel zu spät erwachte Spectre vernichtet Arkham Asylum beim Kampf gegen den Schurken Deacon Blackfire. Catwoman tritt das Erbe ihres Gangster-Vaters Rex „The Lion“ Calabrese an, indem sie zur Mobchefin wird. Stephanie Brown wird zur Superheldin Spoiler und wehrt sich gegen ihren mordlüstigen Vater.

Obwohl die Autoren es schaffen, mit immer neuen Zuspitzungen den Leser bei Laune zu halten, hat der zweite Akt von Batman Eternal einige Durchhänger. Das liegt auch daran, dass weniger Handlungsstränge in die einzelnen Kapitel gepackt werden. Dadurch verliert man aber auch einige Personen aus dem Blick: die Polizei und die Presse spielen eine marginale Rolle. Der Subplot in Arkham mit Spectre wird allzuschnell aufgelöst, war aber auch zuvor nicht besonders geistreich. Es sollte bloß auf die Vernichtung von Arkham und die Befreiung der Insassen hinauslaufen.

Bei Hush stellt sich wieder der Verdacht ein, dass der grandiose Racheplan an Batman vielleicht eine Spur übertrieben sein könnte. Dabei lernt man schon beim Big Lebowski, dass Pläne am besten einfach sein sollten, damit sie funktionieren … Hush hat übrigens auch die bemerkenswerte Fähigkeit, immer zufällig an der richtigen Stelle zu sein, wo es seinem grandiosen Plan dienlich ist. Leider aber scheitert er an seiner Inkonsequenz. Nach einem furiosen Finale scheint die Schlacht gewonnen, aber Batman steht fast vor dem Nichts.

Trotzdem tut es der Über-Story gut, dass sie sich wieder auf ihren Hauptcharakter besinnt. Batman schien in dem ganzen Aufgebot an Charakteren zwischenzeitlich unterzugehen. Jetzt wird es wieder persönlicher, es steht wieder mehr Batman im Mittelpunkt. Er muss mal wieder gegen sich selbst kämpfen und die Dämonen, die er erschaffen hat. Dabei wird er erneut mit der Frage konfrontiert, ob sein Kreuzzug nicht doch mehr Schaden verursacht, als er verhindert. Denn wieder werden dafür neue Soldaten rekrutiert, die unter dem ewigen Krieg leiden. Dazu zählen neben der neuen Spoiler und Harper Row auch Julia Pennyworth, Alfreds Tochter. Sie sorgt mit ihren bissigen Sprüchen für einige Seitenhiebe auf den Batman-Mythos und damit einige Lacher. Erfreulich ist daran auch, dass dadurch die Frauenquote sehr hoch ist, aber die Batman-Familie so groß wird wie wahrscheinlich noch nie zuvor:

  1. Red Hood
  2. Red Robin
  3. Batgirl
  4. Batwoman
  5. Bluebird (Harper Row)
  6. Spoiler
  7. Alfred Pennyworth
  8. Julia Pennyworth

Es fehlen nur Nightwing (da gegenwärtig als Grayson unterwegs), Robin (da gegenwärtig noch tot) und Ace der Bathund (hoffentlich bleibt es dabei). Aber zu einer solchen Mega-Story wie Batman Eternal gehört es wohl dazu, nicht nur viel, sondern von allem zu viel zu bieten. Schon in Goethes Faust heißt es: „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen.“

Fortsetzung folgt.

Späte Rache

DC Comics

DC Comics

Titel: Gates of Gotham (dt. Die Pforten von Gotham)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Kyle Higgins/Trevor McCarthy, Ryan Parrott

Erschienen: 2011 (Mini-Serie #1-5, Paperback 2012), dt. Panini 2012 (DC Premium)


„How can you … ever hope to protect Gotham’s future … when you’re so naive of it’s past?“ (Hush)

Ein Unbekannter jagt drei Brücken in Gotham in die Luft. Dann drei Hochhäuser. In einer anonymen Botschaft verlautbart er, dass er sich an Familien rächen will. Es geht um die Familien der drei Gründungsväter: Wayne, Cobblepott und Elliott. Während Batman (Dick Grayson), Robin (Damian Wayne), Red Robin (Tim Drake) und Black Bat (Cassandra Cane, ehemals Batgirl) versuchen zu verhindern, dass auch der Rest von Gotham zertstört wird und den Täter aufspüren, erfährt der Leser eine Episode aus der frühesten Geschichte der Stadt. Darin geht es um zwei Architektenbrüder, die Ende des 19. Jahrhunderts für die drei Macher die wichtigsten Brücken und Hochhäuser entworfen haben und dabei hintergangen wurden. Ein Nachfahre, Zachary Gate, will offene Rechnungen begleichen …

Der Schurke „The Architect“ tritt in einem ziemlich coolen Taucheranzug im Steampunk-Stil auf, der in gewisser Weise den Anzug der Talons aus Rat der Eulen/Stadt der Eulen vorwegnimmt. Es gibt einen Gastauftritt von Hush. Am Ende wird auch eine überraschende Wendung aus dem Hut gezaubert. Und dennoch ist Gates of Gotham bloß eine solide Batman-Story, in der sich zu viele Charaktere tummeln, als dass man einem davon gerecht werden könnte, zu sehr Geschichtsstunde, als dass sie für die Gegenwart fesseln könnte, und zu cartoonhaft gezeichnet, als dass man sie ernst nehmen könnte.

Hirnchirurg pfuscht am Herz

Batman: Heart of Hush

DC Comics

Titel: Heart of Hush (dt. Hush – Herz der Finsternis)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Dustin Nguyen

Erschienen: 2008-2009 (Detective Comics # 846-850, Paperback 2009), dt. Panini Sonderband 2009


„Beware the man who can strike from a distance.“

Ein drittes Mal versucht Hush, seine Rache an Batman zu vollziehen: Rache dafür, dass Bruce Waynes Vater damals bloß seinen Job gemacht hat, als er Tommy Elliots Mutter rettete. In Heart of Hush wird ausführlich die Geschichte nach dem von Tommy verursachten Autounfall erzählt, von der Schreckensherrschaft der Mutter bis zu ihrem unglückseligen Ende. Autor Paul Dini versucht damit, stärker das Rachemotiv herauszuarbeiten, was aber nur leidlich glückt. Wie schon bei Jeph Loeb ist Hushs Hass auf Batman weit hergeholt und nur damit zu erklären, dass der Schurke eben – wie die meisten – verrückt ist.

Als Chirurg hat sich Tommy Elliot weiterentwickelt: Vom Hirnchirurgen hat er sich auf Kardiologie spezialisiert und eine leerstehende Klinik gekauft, in der er ein paar Obdachlose unter Drogen setzt und sie zu seinem Personal macht. Nach einem Vorspiel mit Scarecrow und Venom (Hush lässt immer noch gerne andere die Drecksarbeit erledigen), nimmt er Catwoman gefangen und entfernt ihr Herz, wobei er sie und ihr Organ mit einem komplexen Apparat am Leben erhält (Mr. Freeze hilft dabei). Batman muss sich beeilen. Doch Hush hat auch als plastischer Chirurg dazugelernt und verfolgt noch weitere Pläne …

Die Story, die als Tie-in zu Batman R.I.P. angelegt ist, aber vor den Ereignissen spielt, ist zwar ebenso kurzweilig wie Hushs erster Auftritt, aber bei weitem nicht so furios. Sie ist bescheidener angelegt, aber auch fader. Dass ein Großteil der Story der Vorgeschichte gewidmet ist, beraubt sie der Spannung und lässt den Verdacht entstehen, dass sonst nicht viel zu erzählen war. Das Finale leidet darunter, dass man den Schurken nicht besonders ernst nehmen kann, wie er mit seinen Waffen durch Wayne Manor streift – selbst Alfred kann ihn erledigen, und als noch Robin und Nightwing dazu kommen, ist die Sache ohnehin gelaufen.

Heart of Hush ist ein ziemlich durchschnittliches Vergnügen, auch in visueller Hinsicht: die kantigen Zeichnungen von Dustin Nguyen haben ihren Charme, doch überzeugen sie nicht durchgehend. Außerdem werden zu viele alte Griechen zitiert – lauter kluge Sprüche machen noch kein kluges Buch.

Wiederauferstehung einer Mumie

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Beyond – Hush Beyond (dt. Batman of the Future: Die Rückkehr von Hush)

Autor/Zeichner: Adam Beechen/Ryan Benjamin

Erschienen: 2010-2011 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2011), dt. Panini 2013 (Paperback)


„The costumed lunatics give Batman his meaning … they’re the only family he ever truly loved …“ (Hush)

„Gotham. Nothing ever changes.“ (Dick Grayson)

Im Gotham der Zukunft ist mal wieder ein Irrer mit Bandagenmaske unterwegs, der Leute umbringt. Um genau zu sein: Der Mumientyp hat es auf Batmans ehemalige Widersacher abgesehen – und auch auf den amtierenden Batman, den er für einen Betrüger hält. Wieder nennen die Medien den Schurken „Hush“, wieder scheint er über Bruce Wayne Bescheid zu wissen, aber der alte Hush (Thomas Elliot) sollte eigentlich längst tot sein. Wer verbirgt sich dieses Mal hinter der Maske?

Für Terry McGinnis ist das nur ein Problem. Wie schon in der Zeichentrickserie leidet er unter dem Stress, den ihn sein Arbeitgeber, der alte Bruce Wayne aussetzt. Terry hat wegen seiner Batman-Rolle kaum noch Schlaf oder Privatleben. Doch der Alte treibt ihn bloß immer weiter, damit der Junge dessen Kampf gegen das Verbrechen weiterkämpft. Wayne droht ihm sogar, den Anzug abzuschalten und untergräbt dessen Moral. Schließlich setzt er zwischenzeitlich sogar Bat-Roboter (Bat-Wraiths genannt) ein, um Terry zu ersetzen. Das geht nach hinten los.

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