Heilsbringer aus dem All

Titel: Justice League of America – Power and Glory

Autor/Zeichner: Bryan Hitch (u.a)

Erschienen: 2015-2016 (Justice League of America #1-4, 6-10), Hardcover 2017, dt. Panini 2016-2017 (Justice League of America #1-5)


Früher war die Justice League (JLA) für mich das Maß aller Dinge. Die größten Superhelden in einer Geschichte – mehr konnte man für sein Geld nicht bekommen. Aber mit der Zeit ließ die Begeisterung nach. Und als ich mich durch all die Krisen der Mega-Events kämpfte, bei denen es immer um alles ging und jeder mitmischte, verlor ich jegliche Lust daran. Auch die Justice League-Serie von The New 52 konnte mich nicht packen. Und obwohl ich die JL aufgegeben hatte, hat mich die Neugier doch dazu gebracht, die neue JLA-Serie zu lesen. Wegen der guten Kritiken – und wegen des Zeichners Bryan Hitch, den ich spätestens mit seiner Arbeit an Marvels The Ultimates schätzen gelernt habe.

Hitch zeichnet hier nicht nur, er schreibt auch die Geschichte. Die Erde bekommt Besuch von Rao, dem kryptonischen Gott. Er will die Welt von Leid befreien – und macht die Menschheit zu Gläubigen. Superman ist sofort von Rao begeistert und legt ein gutes Wort vor der Menschheit für ihn ein. Natürlich steckt dahinter ein fauler Zauber. Denn Rao ist einfach nur ein Despot, der die Menschheit unterjochen will, indem er sie zu friedfertigen und unterwürfigen Wesen umprogrammiert.

Was folgt, ist der typische Kampf an vielen Fronten: Superman kloppt sich bis zum Tod, Batman und Cyborg kümmern sich um die Kopfarbeit und Technik, Wonder Woman treibt sich im verlassenen Olymp herum, Green Lantern landet auf einem Krypton der frühen Vergangenheit. Es geht also auch um Zeitreisen, um mysteriöse Steine, eine nervige Gruppe von Geheimniskrämern und auch der Parasit hat einen großen Auftritt, dessen Sinn ich aber nicht ganz verstanden habe. Ebenso wenig wie den Prolog …

Naja, am Ende geht jedenfalls alles sehr schnell, sodass nicht einmal für einen anständigen Epilog Zeit ist. Das Schlusskapitel ist das einzige, das von Bryan Hitch weder gezeichnet noch geschrieben ist. Letzteres fällt nicht besonders auf, weil Hitch keinen besonderen Schreibstil hat, aber dass die Zeichnungen nicht von ihm sind, lässt die Qualität und Stimmung schon stark nachlassen. Der Grund dafür ist einfach: der Mann hat sich mit seiner Serie übernommen, kam nicht hinterher, die Erscheinungstermine wurden mehrfach verschoben, selbst eine Lückenbüßer-Ausgabe musste gedruckt werden (#5), die im Sammelband aber nicht aufgenommen wurde.

Ist Power and Glory unterhaltsam? Ja, aber darüber hinaus nicht viel. Das alles ist so vollgepackt mit Figuren und Plot, das nicht viel Raum bleibt für Aspekte, die eine Geschichte wirklich leben lassen, wie etwa Ruhe und Humor. Im Grunde bekommt man, was auf den heillos überladenen Covern zu sehen ist: knallbunte Action ohne Atempause. Bryan Hitch liefert solide Arbeit ab, ein Heilsbringer ist er nicht.

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