Green Lantern

Der Golem aus dem All

Wiedersehen mit dem Time Commander: War of the Cosmic Avenger (DC Comics)

Titel: Batman & Green Lantern: War of the Cosmic Avenger

Autor/Zeichner: Bob Haney/Win Mortimer

Erschienen: 1967 (The Brave and the Bold #69)


Der Time Commander ist wieder da! Aber Batman hat zunächst andere Sorgen: Er läuft gebeugt durch die Straßen mit einem roten Fledermaus-Kostüm, einer Art starrer Metallpanzer, der sich um Kopf, Rücken, Arme und Oberschenkel schließt. Während das umstehende Volk sich wundert, versucht die Polizei, den Panzer zu knacken – doch vergeblich.

Wie ist das überhaupt passiert?, fragt Gordon. Das kam so: Batman hat das Frühlingsfieber gepackt, er ist mit dem Batmobil aufs Land gefahren, hat sich unter einen Baum gelegt, ist eingeschlafen – und als er erwachte, war er plötzlich gefangen. Eine seltsame Geschichte, aber da bei Batman allerhand Kurioses passiert, verwundert auch das nicht besonders.

Batman lässt Green Lantern rufen. Der düst sofort herbei und löst mittels Ring die Fessel. Doch als GL wieder nach Hause düst, kommt ihm Batman auf dem Whirlybat entgegen. Moment mal, wie kann das sein? Die Lösung: Der andere war nicht Batman, sondern ein Betrüger! Aber wer? Es konnte nur jemand gewesen sein, der sich die Kraft des Rings zunutze machen wollte. Und aus irgendeinem Grund kommen die beiden auf John Starr, den Time Commander.

Der Golem nimmt Rache

Mit der Ring-Energie aus der Rüstung schafft er Cosmo herbei, eine Art Golem, der vor zehn Jahren von Dr. Elijah Carruthers erschaffen wurde. Der Wissenschaftler hat Cosmo aber zerstört, weil er unzufrieden mit dem Ergebnis gewesen ist. Der neue Cosmo ist dank kosmischer Energie mächtiger denn je und will dem Time Commander nicht gehorchen. Er will nur eins: Rache an seinen Schöpfer und Vernichter nehmen.

Also randaliert Cosmo in der Stadt, Batman und Green Lantern sind machtlos gegen ihn. Da hilft nur eins: Dr. Carruthers herbeizuholen. Doch der verbringt seine letzten Lebensjahre dement in einem Pflegeheim. Trotzdem schaffen es die Helden, ihn vor Cosmo zu stellen, mit einer Chemikalie als Waffe, doch das stellt sich als Bluff hinaus, wie auch der Time Commander merkt. Carruthers ist eigentlich Batman mit Maske, und Batman ist Carruthers Pfleger. Da kehrt durch den Schock die Erinnerung des Doktor wieder, er taucht plötzlich auf wie Kai aus der Kiste, wirft eine wirksame Chemikalie auf Cosmo, sodass der Golem wieder verschwindet.

Bleibt nur noch die Frage, ob das alles moralisch okay war. Carruthers hat keine Bedenken: Die Zerstörung eines bewussten Wesens wegen seiner Imperfektion nagt nicht gerade an seinem Gewissen, er fühlt sich vielmehr durch den Amoklauf des Golems bestätigt, es noch einmal getan zu haben – auch wenn erst die Handlung des Doktors den Rachefeldzug bewirkt hat. Aber keiner widerspricht, sodass der Wissenschaftler das letzte Wort hat: „The time has not come for humanoids such as Cosmo … but someday it will come!“

>> The Brave and the Bold

Bruce Waynes Zeitvertreib

Batman und Green Lantern gegen den Time Commander

Batman und Green Lantern gegen den Time Commander (DC Comics)

Titel: Batman & Green Lantern: The Tick-Tock Traps of the Time Commander

Autor/Zeichner: Bob Haney/Ramona Fradon

Erschienen: 1965 (The Brave and the Bold #59)


In den Kinos ist endlich Christopher Nolans Film Tenet angelaufen. Darin versucht sich der Regisseur und Autor an einer Variation auf das alte Zeitreisethema: Die „Inversion“ von Gegenständen und Personen erlaubt ihnen, sich rückwärts durch die Zeit zu bewegen. Welche Möglichkeiten und Gefahren das mit sich bringt? Schaut es euch lieber selbst an. (Mich hat es nicht überzeugt.)

Doch auch wenn die Idee neu anmutet: Es gibt leider nichts ganz Neues unter der Sonne. Denn in ähnlicher Form gab es das auch schon bei Batman. Im ersten Batman-Team-up mit Green Lantern in der Serie The Brave and the Bold treffen sie auf den Schurken Time Commander, der Dinge und Menschen in der Zeit vor- und zurücksetzen kann.

Bruce Wayne (Batman)

Dichterlesung statt Langeweile: Bruce Wayne in seiner Freizeit. (DC Comics)

Die Geschichte beginnt mit John Starr, einem entflohenen Sträfling, der bei einer öffentlichen Lesung seine Unschuld zu beweisen versucht – als selbsternannter „Monte Christo des 20. Jahrhunderts“. Da Bruce Wayne sich gerade langweilt und nichts Besseres zu tun hat (Dick und Alfred sind außer Haus), will er sich mit der Lesung die Zeit vertreiben und trifft dort auf Commissioner Gordon, der nur auf die Gelegenheit wartet, Starr wieder einzufangen.

Kaputte Uhr wird wieder ganz: Der Time Commander führt Bruce Wayne seine Kräfte vor. (DC Comics)

Doch wider Erwarten taucht der Sträfling nicht selbst auf, sondern nur auf einer Filmleinwand, wo er dem Publikum in einem Film erklärt, warum er das Verbrechen, wegen dem man ihn veurteilt hat, nicht begangen haben kann. Das Publikum ist überzeugt, Gordon nicht. Als Bruce nach Hause kommt, begrüßt ihn Starr im Kostüm als Time Commander. Er zerbricht eine antike Uhr und lässt sie wie von Zauberhand wieder zusammensetzen. Er weiß, dass Bruce Batman ist und er bittet ihn um Hilfe, seine Unschuld zu beweisen. Bruce willigt ein.

Batman als Dieb?

Zwei Tage später bekommt Hal Jordan ein Telegramm, in dem Batman ihn um Hilfe bittet. Jordan fliegt als Green Lantern nach Wayne Manor, wo er Batman nach einem Laborunfall starr daliegen sieht. GL kann ihn mittels Ring wiederherstellen und verschwindet wieder, später hört er aber, dass Batman unbezahlbare Isotope aus einem Labor gestohlen haben soll. Batman fliegt durch die Gegend und widersetzt sich mittels einer mysteriösen Sanduhr der Polizei, dann wehrt er Green Lantern ab, indem er dessen Ringkräfte gegen ihn selbst richtet. Doch als Hal später Bruce stellen will, behauptet dieser, von all dem nichts gewusst zu haben. Der Time Commander hat sich als Batman ausgegeben.

Time Commander, Batman, Green Lantern

Der Time Commander befördert Batman und Green Lantern durch die Zeit. (DC Comics)

In der Zwischenzeit wütet der Schurke weiter: Er lässt Teile von Gotham City verschwinden. Doch als Green Lantern und Batman im Flug versuchen, ihn davon abzubringen, kriegt GL eine Ladung gelben Sand zu spüren (sein Ring hat eine Gelbschwäche) und Batman bringt ein Hagel aus Pendeluhren zu Fall. Woher die Ihren kommen, bleibt unklar – oder soll sich bei einem „Time Commander“ wohl von selbst verstehen. (Wahrscheinlich durch Green Lanterns Ring-Energie, die ihn wohl auch fliegen lässt.) Als beide Helden bewusstlos sind, lässt der Gegner sie aber nicht einfach in den Tod stürzen, sondern fängt sie auf und lässt sie in der Zeit verschwinden: GL einen Tag in die Vergangenheit, Batman einen Tag in die Zukunft.

Rache an Gotham

Macht aber gar nix, denn dank GL-Ring können sich die beiden trotzdem absprechen über das weitere Vorgehen. In der Zwischenzeit stellt der Time Commander seine Forderung an die Stadt: John Starr soll freigesprochen werden – sonst gibt’s Rache. Ein etwas seltsames Vorgehen, wenn man Menschen von seiner Unschuld überzeugen will, indem man eine weitere Straftat begeht, für die man ganz sicher den Knast verdient. Aber auch unabhängig davon beharrt Gordon auf Starrs Schuld.

Dinosaurier und Vulkane: Der Time Commander befördert Gotham in die Urzeit zurück. (DC Comics)

Also lässt der Time Commander in Gotham die Dinosaurier wiederauferstehen sowie Vulkane und Feuer ausbrechen, schließlich zaubert er ein paar feindliche Aliens aus der Zukunft herbei, die wild herumballern. Das Volk probt den Aufstand: Sprecht Starr frei! Die Stadt knickt ein. Dann lassen Green Lantern und Batman die Sanduhr des Time Commander durch ein schrilles Sirenensignal zerspringen und er fällt machtlos zu Boden. Aber wie haben die das geschafft? Kommunikation ist alles – auch zwischen Vergangenheit und Zukunft. Kaum ist die Sanduhr zerstört, kehrt alles wieder zum Status quo zurück.

Nun könnte man sich wieder fragen: Wenn der Time Commander die Zeit beeinflussen kann, hätte er dann nicht einfach die Tat, derer man ihn bezichtigt, ungeschehen machen können? Ja, hätte er. Aber dann gäbe es diese Geschichte nicht. Aber sich zu verschulden, um seine Unschuld zu untermauern, ist auf jeden Fall die schlechtere Lösung gewesen. Und so wird ein weiterer Schurke mit seinen eigenen Waffen geschlagen.

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Green Lantern wird 80

DC Comics

Das Jahr 2020 ist das Jahr der Jubiläen: Neben Joker, Robin und Catwoman feiert auch Green Lantern sein 80-jähriges Bestehen. 1940 hieß er noch Alan Scott und trug ein rot-violett-grünes Kostüm, erfunden wurde er von Zeichner Martin Nodell und Batman-Co-Schöpfer Bill Finger, aber erst 1959 übernahm der ikonische Hal Jordan und seitdem wurde die Rolle immer wieder neu besetzt, sodass wir heute einen ganzen Haufen GLs haben, die Sektor 2814 bewachen oder bewacht haben.

DC würdigt das Jubiläum wie bei den anderen Figuren mit einem 100-Seiten-Special, in dem verschiedene Autoren und Künstler den GLs mit Kurzgeschichten ihren Tribut zollen, darunter Geoff Johns, Darryl Banks, Charlotte Fullerton McDuffie, Sina Grace, Mike Grell, Jeff Lemire, Ron Marz, Denny O’Neil, Fernando Pasarin, Ivan Reis, Rafa Sandoval, Mariko Tamaki, Peter J. Tomasi, James Tynion IV und Robert Venditti. Darüber hinaus wird es wieder acht Variant Cover geben, die jeweils ein Jahrzehnt würdigen, darunter von Neal Adams, Doug Mahnke, Jim Lee, David Finch und Ivan Reis.

DC Comics

Green Lantern 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1 soll am 20. Mai 2020 erscheinen und 9,99 US-Dollar kosten.

UPDATE: Der Termin wurde auf den 23. Juni 2020 verschoben.

Dazu erscheint im Juni auch die 400-seitige Anthologie Green Lantern: 80 Years of the Emerald Knight.

Im Juni kommt dann auch Green Lantern Earth One Vol. 2 von Gabriel Hardman und Corinna Bechko heraus. Der erste Teil von 2018 bot einen frischen Zugang zu dem Helden, jetzt kommt endlich die Fortsetzung. Darin trifft Hal Jordan auf John Stewart, der einen gelben Ring bekommt.

Außerdem gibt es im Mai einen neuen Sammelband zum klassischen Crossover aus den 70ern: Green Lantern/Green Arrow: Space Traveling Heroes (Green Lantern/Green Arrow #90-106). Es ist die Fortsetzung des Bandes Green Lantern/Green Arrow: Hard Travelin‘ Heroes, in dem Dennis O’Neil und Neal Adams die Reise der beiden Helden durch die USA erzählen.

Mehr zum Thema:

>> Green Lantern Rebirth

 

Darkseid lässt die Zombies los

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DC Comics

Titel: DCeased

Autor/Zeichner: Tom Taylor/Trevor Hairsine u.a.

Erschienen: 2019 (DCeased #1-6, DCeased: A Good Day to Die #1), Hardcover 2019


Der Zombie-Hype ist eigentlich längst vorbei, dachte ich jedenfalls, als Jim Jarmusch in diesem Jahr The Dead Don’t Die ins Kino brachte und die letzte Ausgabe von Robert Kirkmans The Walking Dead-Comic erschien. Aber aus irgendeinem Grund gibt es mittlerweile zehn TV-Staffeln The Walking Dead und fünf Staffeln Fear the Walking Dead – und es ist kein Ende in Sicht. Zombies sind immer noch quicklebendig.

Nach Marvel Zombies hat auch die Konkurrenz nachgelegt: DCeased, lautet der naheliegende Titel. Die Story stammt von Tom Taylor, der bereits mit Injustice eine action- und wendungsreiche Serie rund um mörderische Superhelden schreiben durfte. Auch DCeased spielt jenseits der regulären Continuity und das bedeutet völlige erzählerische Freiheit.

DC Comics

Die Geschichte ist simpel: Nach einem gescheiterten Eroberungsversuch verseucht Darkseid durch ein Versehen die Erde mit der Anti-Life-Equation, einem bösartigen Killervirus, der sich übers Internet (Social Media) und über Blut verbreitet und alle in mordwütende Monster verwandelt. Zombies? Nein, nicht wirklich, wird mehrmals versichert. Aber ziemlich nah dran …

Ich will nicht zu viel verraten, aber das Prinzip erschließt sich schnell: Natürlich müssen auch die Helden dran glauben. In jedem Kapitel verwandeln sich ein paar und werden zu einer Bedrohung für die Überlebenden. Die Ereignisse überschlagen sich. Immer mehr sterben. Von Heft zu Heft wird es schlimmer und furchtbarer und aussichtsloser. Tom Taylor treibt es mit seiner Radikalität so weit, dass am Ende kaum noch etwas von Hoffnung auf Besserung übrig bleibt.

 

Aber um das Ganze etwas aufzulockern, lässt er Helden wie Green Arrow, Mister Miracle und Constantine witzeln. Die Pointen zünden – aber leider in den unpassendsten Situationen. Die Selbstironie darin nimmt dem Geschehen die Dramatik und es ist schwer, das alles so ernst zu nehmen, wie es eigentlich sein sollte. Aber Taylor rast auch so sehr durch seine Geschichte, für die Protagonisten bleibt zu wenig Zeit zum Nachdenken und zur Trauer, dass 90 Prozent der Weltbevölkerung ausgelöscht werden. Hier ist alles Action und Gemetzel. Die braven Superhelden des DC-Universums müssen sich nicht mehr zurückhalten und können nach Gutdünken alles zerfetzen, was ohnehin nicht mehr richtig lebt.

Und darum geht es wohl am Ende bei Zombie-Storys: eine Gesellschaft ohne Regeln, hemmungsloses Töten, weil die Menschen ihre Menschlichkeit verloren haben. Ach nein, zwischen den Zeilen schwingt immer auch Sozialkritik durch: die Gesellschaft als verblödete, konsumgierige Masse. Das gibt es hier auch. Die Message ist aber ziemlich aufs Auge gedrückt: Das Internet ist böse und schafft Mörder. Also einfach mal wieder abschalten und Comics lesen? Ob DCeased aber ein so viel smarterer Zeitvertreib ist, das darf bezweifelt werden.

Auch visuell überzeugt die Miniserie nicht immer, weil mehrfach – auch innerhalb von Ausgaben – die Zeichner wechseln und darunter leider nicht nur talentierte sind.

Fortsetzung folgt – schon im nächsten Jahr mit DCeased: Unkillables, drei Ausgaben sollen von Februar bis April erscheinen.

Mehr Batman und Zombies:

Anarky: Idealist in der Krise

DC Comics

Titel: Anarky – The Complete Series

Autor/Zeichner: Alan Grant/Norm Breyfogle

Erschienen: 1999 (Anarky #1-8), Paperback 2018


Nach dem großen Beben von Gotham jagt Batman Anarky (Lonnie Machin) aus der Stadt. Sechs Monate später hat er sich in Washington D.C., direkt unter dem Washington Monument, eine neue Zentrale aufgebaut und nebenher entdeckt, dass die Naturgesetze in Gefahr sind. Anarky trommelt die JLA zusammen, die ist skeptisch. Nachdem er einen Green Lantern-Ring findet, nimmt er den Kampf gegen das Wesen, das die Existenz bedroht, selbst auf. Der echte Green Lantern (Kyle Rayner) hilft ihm dabei.

So beginnt die Serie Anarky, die es im Jahr 1999 auf nur acht Ausgaben gebracht hat und erst nach zwei Jahrzehnten als Paperback erschienen ist. Die erste Anarky-Miniserie ist eine der interessantesten Batman-Storylines der 90er Jahre. Leider hält ihre Nachfolgerin dieses Niveau nicht. Das liegt auch daran, dass der einst radikale Lonnie Machin aus seinen Fehlern gelernt hat, die Menschen ändern zu wollen. Das nimmt der Figur viel von ihrer Brisanz. Allerdings bleibt er ein Idealist in der Krise, der am Zustand der Welt verzweifelt.

Nach der Raum-Zeit-Krise zu Beginn, die in psychedelische Willkür ausartet, will Anarky die Korruption bekämpfen. Doch dann bekommt er es mit Ra’s al Ghul zu tun, der einen Dritten Weltkrieg beginnen will, um die Menschheit auszumerzen. Sozialkritik klingt zwar an, aber bleibt nur Beiwerk, ein Dialog mit Ra’s al Ghul über die Motive und Vorgehen endet nach einem kurzen und oberflächlichen Austausch. Anarkys Triumph stellt sich allzu abrupt ein.

In Heft 7 wird es mit einem Tie-in zum Crossover „Judgement Day“ ziemlich verrückt: US-Soldaten aller Epochen steigen aus ihren Gräbern, zusammen mit den Gründervätern der USA und führen Krieg. Das Ganze läuft auf Nichts hinaus. Und zum Schluss kommt Anarky nach Arkham, um herauszufinden, ob der Joker sein Vater ist, aber auch das bleibt ohne Antwort oder Konsequenzen. Stattdessen sehen wir einem planlosen Fluchtversuch von Joker, Two-Face, Killer Croc und dem Bauchredner beim Scheitern zu.

Was Anarky bietet, ist kurzweilige Unterhaltung mit reichlich Action – und das auch noch stark gezeichnet. Norm Breyfogle liefert eine seiner besten Arbeiten ab. Seine Figuren bestechen durch klaren Strich, starken Ausdruck und Dynamik. Knallige Farben machen die Seiten zu einem bunten Hingucker. Aber nach acht Kapiteln bleibt nur das Gefühl von Leere. Auch wenn hin und wieder ein interessanter Gedanke in den Captions zu finden ist, wird die Serie nicht ihrem Potenzial gerecht. Eine entbehrliche Lektüre.

Leider waren auch jüngere Versuche, Anarky wiederaufleben zu lassen, nicht geglückt, wie man hier nachlesen kann:

Zwei Grüne suchen Amerika

Titel: Green Lantern – Green Arrow (Hard-Travelling Heroes)

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Neal Adams

Erschienen: 1970-1974 (Green Lantern #76-87, 89, The Flash #217-219, 226), Paperback 2012, Deluxe Edition 2018; dt. Eaglemoss 2016 (nur #76-81)


„My ward, Speedy, is a junkie!“

Es beginnt alles ganz harmlos: Eigentlich will Green Lantern seinen Kumpel Green Arrow besuchen, da sieht er, wie junge Leute einen älteren Mann auf der Straße angreifen. Der Held hilft dem Opfer, aber wird dann selbst mit Müll beworfen. Warum? Green Arrow taucht auf und zeigt es ihm: Weil das Opfer eigentlich der Täter ist: ein gieriger Vermieter, der ein Wohnhaus herunterkommen lässt und seine Mieter vertreiben will, um dort mehr Profit zu machen.

Ein alter schwarzer Mann stellt Green Lantern zur Rede: Er hätte sich bereits um Blauhäutige, Orangehäutige und Violetthäutige gekümmert, aber warum nie um die Schwarzen auf der Erde? Das soziale Gewissen des Helden ist geweckt. Er versucht, es auch in dem Vermieter zu wecken, aber es ist nichts zu machen. Als GL es mit Gewalt versucht, gibt es eine Rüge von den Wächtern auf Oa. Green Arrow versucht ebenfalls, den Mann einzuschüchtern, doch erst gemeinsam mit GL gelingt ihnen Gerechtigkeit.

Am Ende ruft wieder ein Wächter GL zur Ordnung. Da rechnet Green Arrow mit ihnen ab: Statt sich sinnlos in der Galaxis herumzutreiben, sollte man sich lieber um die Probleme auf der Erde kümmern, vor allem in den USA. „It’s a good country … beautiful … fertile … and terribly sick!“ Kinder sterben, ehrliche Menschen leben in Angst, Martin Luther King und Bobby Kennedy wurden erschossen. „Something is wrong! Something is killing us all…! Some hideous moral cancer is rotting our very souls!“ Also brechen die beiden Helden auf, um Amerika zu finden. In zivil besteigen sie einen Pick-up, ein Wächter schließt sich ihnen an.

1970 begann so eines der wichtigsten Crossover des DC-Universums. Statt Superschurken zu vermöbeln und hanebüchene Abenteuer zu erleben, kümmerten sich die beiden Grünen um ganz konkrete, reale Probleme: die Ausbeutung von Minenarbeitern, die Diskriminierung von Indianern, einen Sektenführer, der seine Mitglieder hypnotisiert. Nebenbei sehen sie großer Umweltverschmutzung zu, als ein brennendes Schiff Giftmüll ins Wasser kippen muss, um Schlimmeres zu verhindern.

Die Rollen sind klar verteilt: Während Green Arrow als linksradikaler Rebell über die Stränge schlägt, ist Green Lantern der Gemäßigte, der auf dem legalen Wege versucht, die Probleme zu lösen. So kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen ihnen, wobei sie hinterher nur zusammen Erfolg haben. Erst am Ende tauschen sie die Rollen: Arrow drängt einen Umweltaktivisten zum Kompromiss, während Lantern wütend randaliert.

Dass sich Superhelden um reale Probleme kümmern, ist damals nichts Neues gewesen. Das hat Superman schon in 1938 getan, da war er sich sogar nicht zu schade, gegen häusliche Gewalt vorzugehen. Was O’Neil und Adams 1970 mit den Grünen taten, war also eher eine Rückbesinnung auf die Anfangszeit von Superhelden, bevor sie in den 50ern und 60ern weltfremden Eskapismus betrieben haben.

Ein weiteres Verdienst ist auch die Darstellung der Superhelden: Sie sind nicht bloß Figuren, sondern Charaktere, sie wirken menschlicher und lebensechter, im Vordergrund stehen ihre Überzeugungen und Schwächen. Auch die ausdrucksstarken und detaillierten Zeichnungen von Neal Adams tragen dazu bei, sie wie echte Menschen wirken zu lassen. Außerdem werden Green Lanterns Kräfte gedrosselt.

Allerdings: So real die Probleme scheinen, mit dem Realismus ist es nicht weit her. Dass ein Konflikt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern so ausartet, dass es zum regelrechten Krieg kommt, dass dabei sogar Söldner eingesetzt werden, die früher unter Hitler gedient haben und ihren Vorgesetzten immer noch mit „mein Führer“ anreden, das ist ziemlich dick aufgetragen.

Doch der Road Trip á la Easy Rider nimmt nur die ersten viereinhalb Ausgaben ein. Dann werden die Probleme wieder nicht mehr ganz so real und die Helden kehren vorübergehend zu ihrer übernatürlichen Routine zurück: Zuerst bekämpfen sie einen Despoten im All, dann besuchen sie einen hoffnungslos überbevölkerten Planeten. Es tauchen Amazonen, Harpyen und Sinestro auf, ein Kind mit telepathischen Kräften, dann versucht sich der Superschurke Black Hand in Massen-Gehirnwäsche. Die Sozialkritik ist meist bestenfalls noch im Subtext zu finden – aber das ist bei anderen Superheldencomics nichts Ungewöhnliches. Nur bei Black Hand ist noch die Rede von der Manipulierbarkeit der Massen: „People are like cattle. Give them just enough comfort to satisfy them, and anything that threatens them or they think threatens them … they attack!“ Das ist heute noch so aktuell wie damals.

In den Ausgaben #85-86 geht es wieder um die harte Realität: um Drogen. Diese Ausgaben haben Comic-Geschichte geschrieben. Roy Harper, Green Arrows Sidekick Speedy, stellt sich als heroinabhängig heraus. Green Arrows erste Reaktion: ein Schlag ins Gesicht. Roy revanchiert sich am Ende dafür, aber viel schwerer wiegen seine Vorwürfe, die er Green Lantern gegenüber an dessen Generation äußert: „You’ve told us war is fun … skin-colour is important … a man’s worth is the size of his bank account … All crocks! So why believe your drug rap?“ GL ist wieder mal sprachlos.

In den letzten Ausgaben (#87, 89), wenn Aushilfs-Green-Lantern John Stewart eingeführt wird, ist Rassismus in der Politik ein Thema (die Nähe zu Trump erweist sich als erschreckend prophetisch), am Ende provozieren O’Neil und Adams mit einem Umweltaktivisten, der wie Jesus an einem Flugzeug gekreuzigt wird. Oliver Queen fragt sich, was ein Einzelner bewirken kann und beschließt, als Bürgermeister zu kandidieren.

Im Laufe der Abenteuer sterben immer wieder Unschuldige und solche, die tragische Opfer der Umstände sind. Es ist eine raue Welt, die hier dargestellt und zynisch kommentiert wird, am eindrucksvollsten in der Sequenz, in der Oliver Queen einen Pfeil in die Brust geschossen bekommt, ihm niemand auf der Straße hilft, er sich selbst in der Notaufnahme schleppt und kurz vor dem Zusammenbruch sagt: „Isn’t modern civilization wonderful…?“

Der Mut, den DC Anfang der 70er aufgebracht hat, ist bewundernswert. Zu Beginn des Bronze Ages waren Superheldencomics plötzlich erwachsener und glaubwürdiger geworden. Man kann diese Ausgaben heute immer noch lesen, weil die Themen darin überwiegend aktuell geblieben sind. Auch Superman und Batman begannen, ihre Rollen zu hinterfragen und ihre Abenteuer erweckten immer mehr den Eindruck, in unserer Welt zu spielen.

Trotz des neuen Ansatzes oder gerade wegen seiner Radikalität verkaufte sich die Serie nicht gut und wurde eingestellt. Das Team-Up mit Green Arrow setzte sich kurz in zunächst in The Flash fort und ging in der Green Lantern-Serie erst vier Jahre später und mit anderen Zeichnern bis Ausgabe #122 (1979) weiter, bevor Green Lantern wieder solo wurde.

Im Jahr 1996 hat DC das Team-up mit den jungen Versionen der Helden wiederholt: Kyle Rayner als Green Lantern und Connor Queen als Green Arrow. „Hard Traveling Heroes- The Next Generation“ umfasst die Ausgaben Green Lantern #76-77 und Green Arrow #110-111.

Gefangen in der Traumwelt

Titel: Imaginary Stories/Elseworlds

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Oscar Jimenez

Erschienen: 1997 (JLA #8-9), dt. Dino Verlag 1997


Batman und Catwoman verheiratet? Superman als Green Lantern? Das gab es auch einmal in den 90ern, nämlich in Grant Morrisons legendärer JLA-Serie. Als der Schurke The Key die Liga auf einmal ausschaltet (was genau genommen bereits in Ausgabe 7 passiert), indem er sie in einen Schlaf versetzt, hält er sie in Traumwelten gefangen. Superman träumt, er würde zum Green Lantern von Krypton werden, der einer Spur zur Erde folgt. Wonder Woman muss ohne ihre Kräfte gegen Nazis kämpfen, Aquaman in einem versunkenen New York.

Batman träumt, bereits 21 Jahre mit Selina Kyle verheiratet zu sein, sie haben einen gemeinsamen Sohn. Bruce Wayne Jr. ist Robin, während Tim Drake Batman im Gotham der Zukunft ist. Aber auch der Joker lebt noch. Trotz seines hohen Alters nimmt er Robin als Geisel und schießt auf ihn, so lange er auf den alten Batman wartet. Bruce und Selina steigen wieder in ihre Kostüme, um ihren Sohn zu retten. Der Joker will eine Atombombe zünden, die er am Körper trägt, aber da kommt Green Lantern Kal-El zur Hilfe. Batman spürt aber bereits, dass er und die anderen einer Illusion anheimgefallen sind. Doch das Aufwachen könnte alles nur noch schlimmer machen …

Währenddessen, in der wahren Welt, bekämpft der neue Green Arrow (Connor Queen) den Key, indem er die Pfeile seines gestorbenen Vaters benutzt. Green Arrow soll JLA-Mitglied werden. Da er sich bewährt und die anderen rettet, wird der Aufnahmeritus verkürzt.

So unterhaltsam und fantasievoll die Geschichte auch ist, so bedauerlich scheint ihre Kürze. Denn die Szenarien sind so spannend, dass jedes einzelne eine ausführliche Behandlung verdient hätte.

Die Titel des Zweiteilers beziehen sich auf die früheren Heldenszenarien, die außerhalb der Continuity spielten: Imaginary Storys waren Was-wäre-wenn-Szenarien, in den 90ern übernahmen die Elseworlds-Storys diese Funktion.

>> Liste der Justice League-Comics

Superman als Green Lantern

Titel: Superman – Last Son of Earth/Last Stand on Krypton

Autor/Zeichner: Steve Gerber/Doug Wheatley

Erschienen: 2000 (Zweiteiler)/2003 (One-Shot)


„Ours is a culture founded on fear. We fear each other. We fear our past. We fear the unknown.“ (Kal-El)

Was wäre, wenn Clark Kent auf der Erde geboren und zu Krypton geschickt worden wäre? Dann wäre er nicht Superman, sondern ein Green Lantern geworden. Der Elseworlds-Zweiteiler Last Son of Earth spielt das Szenario durch. Jonathan Kent ist ein Astrophysiker, der im Jahr 1968 als einziger einen Asteroiden auf die Erde zurasen sieht. Weil ihm keiner glaubt, baut er eine Rakete für seine Frau Martha und seinen noch ungeborenen Sohn. Der folgende Teil der Story ist der altbekannte, aber bleibt genauso unglaubwürdig: Statt mit ihrem Kind zu reisen, stirbt Martha lieber bei ihrem Mann. Dabei schießt er es ohne ein Ziel ins Weltall – alleine würde es mit hoher Wahrscheinlichkeit sterben! (Immerhin gibt Martha später zu, dass es ziemlich abwegig war, bei ihrem Mann zu bleiben.)

Egal: Durch einen glücklichen Zufall fliegt die Rakete in ein Wurmloch und landet auf Krypton. Dort nimmt Jor-El das Kind auf. Damit ist allerdings ein Risiko verbunden. Krypton ist eine sterile Welt, die sich vor dem Fremden und vor physischer Nähe fürchtet. Jor-El zieht den Jungen, den er Kal-El nennt, im Geheimen groß. Kal-El muss einen Spezialanzug tragen, um auf dem Planeten zu überleben.

Superman als Green Lantern

Eines Tages findet er den grünen Ring, wird Green Lantern, rettet Krypton vor dem Untergang (Explosion), fliegt zu Oa, dann zur Erde. Dort haben nur wenige Menschen überlebt und kämpfen sich in einem dystopischen Mad-Max-Szenario durch. Einige schließen sich dem Diktator Lex Luthor an, aber Perry White, Lois Lane und Jimmy Olsen leisten Widerstand. Kal-El hilft ihnen und entdeckt neue Superkräfte …

Lois Lane als Widerstandskämpferin

Bereits 1994 wurde Batman zu Green Lantern gemacht. Während damals aber die Story in einer furchtbaren Hetze abgehandelt wurde, nimmt man sich bei Superman zwei Teile á 48 Seiten Zeit. Die Geschichte bleibt zwar simpel, kann sich aber so entfalten, dass man gut an ihr Anteil nehmen kann. Der Aspekt der Angst wird gut herausgearbeitet; der Held kämpft dagegen auf zwei Welten an, die unter jeweils anderen Schreckensszenarien leiden.

Zusammen mit sehr naturalistischen Zeichnungen und lebendigen Farben ergibt sich eine solide Lektüre für Fans alternativer Welten. Allerdings überzeugt Kal-Els Green Lantern-Kostüm nicht wirklich – warum ist es blau-weiß? Und das Logo hätte mal auch eleganter gestalten können, ohne dass es aussieht, als wäre die Laterne in die Diamantenform gequetscht worden.

In Last Stand on Krypton geht die Geschichte weiter. Da Kal-El seinen Ring aber schon in Teil 1 aufgegeben hat, hat diese Fortsetzung nichts mehr mit Green Lantern zu tun. Kal-El ist nur noch Superman (sieht aber nicht aus wie auf dem Cover!) und hat zehn Jahre später der Erde Kryptons Technologie beschert. Ein unzufriedener Politiker wirft Kal-El vor, gewisse Techniken zurückgehalten zu haben und verhilft Luthor zu einem Gefängnisausbruch, um an das Wissen heranzukommen. Doch Luthor hat seine eigene Agenda: Er reist nach Krypton, wo Jor-El sich damit unbeliebt gemacht hat, die Flora und Fauna auf den Wüstenplaneten zurückzubringen. Es kommt zum letzten großen Gefecht.

Superman als Red Hulk

Weil Superman auf Krypton keine Superkräfte hat, wird er mittels roter Kryptonit-Strahlung zu einer Art Red Hulk gemacht. Zusammen mit einer Lois Lane im Kampfanzug und einigen geklonten Supertierchen kann er es mit einem – ebenfalls optimierten – Luthor aufnehmen.

ACHTUNG SPOILER!

Am Ende läuft es darauf hinaus, dass Krypton wirklich zerstört wird und Jor-Els leiblicher ungeborener Sohn mit Lara den Planeten verlässt. Es ist also mal wieder eine Elseworlds-Story, die nur einen Umweg nimmt, um zum bekannten Status quo zurückzukehren. Schon der erste Teil lief darauf hinaus. Ja, mehr noch: Clark ins All zu schießen war letztlich sinnlos, weil die Kents den Aufpfall überlebt haben und Krypton ohnehin untergegangen ist. Alles kommt also wie es kommen muss. Und auch wenn der Weg dorthin kurzweilig unterhält, ist die Unvermeidlichkeit dieses Szenarios zutiefst deprimierend, berechenbar und daher langweilig.

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Finsterste Gesellen

DC Comics

Titel: Dark Nights Metal – Dark Knights Rising (dt. Der Aufstieg der Dunklen Ritter)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Grant Morrison, James Tynion IV u.a.

Erschienen: 2017, Hardcover 2018; dt. Panini 2018 (2 Sonderbände)


Batmans schlimmste Albträume sind wahr geworden: Auf verschiedenen Welten des Dark Multiverse sind düstere Versionen von ihm entstanden, die jeweils auch eine Kombination mit anderen Helden wie Flash und Green Lantern sind, aber auch mit Schurken wie Doomsday und Joker. Sie alle dienen dem Überschurken Barbatos, der auch die Kehrseite des Multiversums vernichten will (siehe Dark Nights: Metal).

Der Schlimmste von ihnen ist The Batman Who Laughs, eine Kreuzung aus Batman und Joker. Der Joker hat bei seinem letzten grausamen Akt (Eltern vor den Augen ihrer Kinder umbringen und die Kinder zu Jokern machen) Batman mit einem Joker-Virus infiziert. Nachdem der Clown tot ist, erschießt Batman zunächst die Bat-Familie, dann erledigt er auch den Rest der Superhelden auf furchtbarste Weise.

So zieht er von Welt zu Welt, um weitere böse Batmen auf seine Seite zu ziehen. Wie sie entstanden sind, davon erzählt der Band Dark Knights Rising. Einige dieser Hintergrundgeschichten sind interessant, wie etwa die von Red Death, dem Flash-Batman: Batmans Kampf gegen das Verbrechen ist gescheitert, seine Familie ist tot. Jetzt will er von Flash die Speed Force haben, um endlich schnell genug und überall zugleich zu sein. Flash weigert sich, da kettet Batman ihn an ein Batmobil, das er mit dessen Tretmühle kombiniert hat und holt sich das, was er will, mit Gewalt.

Oder da ist die Story vom Devastator, dem Doomsday-Batman: Superman dreht durch, Batman versucht, ihn mit einer Kryptonitlanze zu erledigen, als das scheitert, lässt Batman das Doomsday-Virus in sich wirken.

Die Geschichte des Dawnbreakers (Green Lantern-Batman) schießt allerdings um einiges übers Ziel hinaus: Der junge Bruce Wayne bekommt den Ring unmittelbar nach dem Mord an seinen Eltern. Er will sich rächen, der Ring verweigert den tödlichen Einsatz, doch Bruces Willenskraft ist so stark, dass er es doch schafft. Daraufhin belebt er seine Eltern als Zombies wieder und tötet alles, was sich ihm in den Weg stellt. Wirklich alles. Sogar James Gordon, völlig grundlos. Und dazu hat man sich eine Variation des Green Lantern-Schwurs ausdedacht, dessen Metrum leider arg holpert: „I turn the dawn to midnight! Beware my power — Dawnbreaker’s might!“

Die anderen drei (The Drowned, The Merciless, The Murder Machine) sind hingegen nicht mehr so spannend, dazu sind die Rahmenhandlungen stets vorhersehbar formelhaft: Entweder taucht The Batman Who Laughs auf, um ihnen den Teufelspakt anzubieten, oder Doctor Fate rettet die Helden von Erde 0, wenn sie gegen ihre bösen Gegenstücke kämpfen. Das letzte Kapitel, The Wild Hunt, ist eine gänzlich überflüssige Ergänzung des Haupt-Events, die einen nicht besonders interessieren muss: Gerahmt ist sie von einer Handlung über den Affen-Ermittler Detective Chimp, der am Ende Pate steht für die Entstehung von Erde 53 …

Insgesamt bietet Dark Knights Rising eine durchwachsene Lektüre, allerdings befriedigt sie die Neugier der Leser nach den Hintergründen der im Hauptevent zu kurz gekommenen Schurken. Und trotz seiner Schwächen macht es zum Teil mehr Spaß als Dark Nights: Metal. Meisterhaft gezeichnet ist es fast durchgehend. Daher ist es neben dem anderen Ergänzungsband The Resistance zu empfehlen.

Übrigens: Wie auf der San Diego Comic-Con bekannt wurde, bekommt The Batman Who Laughs im November eine eigene Mini-Serie. Die Fans wird’s freuen.

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Batman sammelt Altmetall

DC Comics

Titel: Dark Days – The Road to Metal (dt. Batman Metal – Die Vorgeschichte)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Andy Kubert, Jim Lee, John Romita Jr.

Erschienen: 2017 (Dark Days: The Forge, Dark Days: The Casting), Hardcover 2018; dt. Panini 2018 (zwei Hefte)


„All the pieces are connected and the puzzle always comes together in the form of a bat.“ (Joker)

Batman reist um die Welt. Er arbeitet an etwas Großem. Er taucht in Vulkane ab, kämpft gegen griechische Fabelwesen, trifft alte Freunde und Feinde wieder. Batman ist auf Schatzsuche, denn er sammelt schon länger Antiquitäten, die Metalle mit besonderen Fähigkeiten enthalten: die Maske von Psycho Pirate, den Dolch von Shazam, das Electrum des Rats der Eulen, alte Artefakte von Atlantis und Themyscira, Dionysium, schließlich Sunblade, das Schwert des Apollos.

In der Zwischenzeit wird Green Lantern von Ganthet zur Bathöhle geschickt, um ein Unglück aufzuhalten. Dort gerät er mit Duke Thomas (der immer noch keinen Codenamen hat) in eine weitere Höhle, die viele Geheimnisse birgt – und den Joker. Der Schurke befreit sich aus seinem Gefängnis und will Batmans geheimnisvolle Maschine zerstören, Green Lantern will ihn aufhalten, aber der Kraftring versagt. Joker verschwindet spurlos, Batman kommt und mit Duke öffnet er das Tor zu einer düsteren Parallelwelt, in der böse Batmen lauern …

Ein Blick in Carter Halls Tagebuch (Hawkman) zeigt, dass alles in einem größeren Zusammenhang steht: Batman ist mit der Menschheitsgeschichte von Anfang an verbunden. Es ist kompliziert. Wie immer bei solchen Mega-Events passiert zu viel und man ist überfordert mit der Fülle an Figuren, Plots und Querverweisen. Und damit neue Leser im Ansatz verstehen können, was hier vor sich geht, hat DC in den ersten Metal-Sammelband noch ein paar Geschichten von früher eingepackt: Zwei Kapitel aus Final Crisis, eins aus The Return of Bruce Wayne, zwei aus Endgame, einmal Nightwing und ein paar Seiten aus Detective Comics Vol. 3.

Wir sehen, wie Batman durch Darkseid „stirbt“, aber in Wirklichkeit in die Zeit zurückgeschickt wird, wir sehen ihn in der Steinzeit gegen Vandal Savage kämpfen, dann wird der Ursprung des Dionysiums erklärt, jenem Element, dank dem Joker und Batman nach ihrem Todeskampf wiederbelebt wurden.

Man könnte es als Service an die Leser sehen, dass der Band überwiegend aus altem Kram besteht, oder aber als Füllmaterial. Denn seien wir ehrlich: Wenn man Final Crisis nicht ganz gelesen hat (und die Vorgeschichte nicht kennt), kann man mit den letzten zwei Kapiteln kaum etwas anfangen. Das gilt ebenso für alles, was danach in Grant Morrisons Batman-Storyline passiert. Endgame ergibt nur Sinn im Gesamtzusammenhang mit Scott Snyders früheren Batman-Geschichten.

Hätte man den neuen Lesern wirklich helfen wollen, in die komplexe Story einzusteigen, hätte man auf ein paar redaktionellen Seiten erklären können, was man wissen muss. So ist man damit allein gelassen, sich aus den teilweise wirren Ereignissen seine Puzzlestücke zusammenzuklauben – denn vieles ist hier irrelevant. Und für alle Leser, die die anderen Comics bereits im Regal haben, ist die Doppelung ein Ärgernis – aber irgendwie muss DC einen stolzen Preis von 30 US-Dollar rechtfertigen.

Wer Geld sparen will, kann sich die beiden Dark Days-Hefte einzeln (z.B. digital) besorgen. Auf Deutsch hat sie Panini (leider) in zwei Einzelausgaben gepackt.