Dennis O’Neil

Batman gegen Liebeswahn

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DC Comics

Titel: Paint a Picture of Peril

Autor/Zeichner: Dennis O’Neill/Neal Adams

Erschienen: 1970 (Detective Comics #397), Paperback 2013 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 2), 2019 (Batman by Neal Adams: Book Two)


Am Hafen findet ein Festival statt. Bruce Wayne stiftet eine Kunstausstellung. Da steigen nachts vier Taucher aus dem Wasser, um ein Bild zu stehlen. Batman versucht, sie aufzuhalten, fängt sich dabei aber eine Harpune ein, weil er auch einfach nur blöd in der Gegend rumsteht statt auszuweichen. Er dachte wohl, seine erschreckende Präsenz würde reichen.

Nachdem er sich zu Hause selbst ärztlich versorgt hat, verfolgt Batman die Spur, die zum Millionär Orson Payne führt, der zurückgezogen in einem Schloss lebt, seit seine Verlobte, die Opernsängerin Caterina Valance, verschwunden ist. Die Spur sind glühende Algen, hervorgerufen von Radioaktivität. Nur fürs Protokoll: Radioaktive Strahlung glüht nicht, aber da Batman alles kann, kann er sie halt auch glühen sehen.

Besessener Kunstsammler

Orson Payne erinnert nicht nur an einen anderen bekannten Orson, nämlich Welles, er hat auch eine Kunstsammlung angelegt, die an Charles Foster Kane aus dem Film Citizen Kane erinnert, nur mit dem Unterschied, dass Payne alles sammelt, was wie seine geliebte Caterina aussieht. Daher auch der jüngste Kunstdiebstahl: Niemand wollte ihm das Bild verkaufen.

Als Batman ihn konfrontiert, lässt Payne ihn in einer Falltür verschwinden, aber bevor ein riesiger Steinklotz auf ihn fällt, kann er sich befreien. Dann löst sich das Problem fast von selbst: Payne wird wahnsinnig, sieht Gespenster und folgt dem halluzinierten Geist seiner Caterina über die Balkonbrüstung. Leider spoilert das Cover diesen Moment. Batman kann Payne retten.

Am Ende stellt sich heraus: Caterina ist nun Bruce Waynes Haushälterin. Sie singt zwar nicht mehr Opern, aber immerhin ist sie frei, sagt sie. Von Payne zu Wayne also, von einem exzentrischen Einsiedler zum anderen. Eine seltsame Art, sich von einem Liebhaber loszumachen, aber Emanzipation muss jede für sich selbst definieren.

>> Batman 1970-1979

Unsterblich, wahnsinnig oder tot

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DC Comics

Titel: The Secret of the Waiting Graves

Autor/Zeichner: Dennis O’Neill/Neal Adams

Erschienen: 1970 (Detective Comics #395), Paperback 2013 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 2), 2019 (Batman by Neal Adams: Book Two)


Unsterblichkeit oder sofortiger Tod – eine interessante Wahl, die die Frau mit dem Falken und den Wölfen Batman da auf dem Cover unterbreitet. Wie kommt’s? Und wie wird Batman sich entscheiden? In der Story hat er diese Wahl zwar nicht, aber da hier Dennis O’Neill und Neal Adams erstmals zusammenarbeiten, schauen wir trotzdem mal rein.

Die Geschichte spielt in Mexiko. Bruce Wayne ist eingeladen zu einem Fest bei Dolores und Juan Muerto. Der Name ist Programm. Denn kaum sind die Gäste zu einer Fahrt in Heißluftballons gestartet, machen sich Falken über einen her, sodass der Mann im Korb in die Tiefe stürzt. Als hätte Bruce es geahnt, fliegt er nicht mit, sondern springt im Batman-Kostüm genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort herbei, um den Mann zu retten und ins Wasser zu stoßen.

Muertos lernen Sterben

Als sich Bruce wieder in die Party stürzt und mit der Gastgeberin tanzt, wird auf den eben geretteten Mann (Valdes) geschossen. (Übrigens scheint es niemanden zu kümmern, dass er gerade einen Sturz ins Wasser überlebt hat.) Batman hält die Attentäter auf, wird aber von zwei Wölfen in die Flucht geschlagen. Hinter den Attentaten stecken die Muertos – was auch kein Wunder ist bei dem Namen.

Das Paar führt Valdes in eine Höhle mit Blumen, die unsterblich, aber wahnsinnig machen. Valdes entpuppt sich als Agent der Regierung und will die beiden festnehmen. Sie schlagen ihn K.O., dann auch den dazuspringenden Batman, der von den Blumen Halluzinationen bekommt. Natürlich wird er nicht demaskiert, soll er ruhig in seiner Verkleidung sterben, wenn ihn die Falken auffressen – auch die fiesesten Schurken mögen einen würdigen Tod. Aber müssten die Blumen, die angeblich auch unsterblich machen, den Tod nicht verhindern?

Wir werden es nie erfahren, denn Batman befreit sich und entkommt, indem er die Tiere schwer misshandelt, dann fackelt er auch noch die Blumen ab. Die Muertos werden dann plötzlich sehr schnell älter und ihrem Namen endlich gerecht. Bequemerweise purzeln sie direkt in ihre offenen Gräber, die Grabsteine stehen samt Inschrift schon da, als würden sie sie erwarten. Batman muss nur noch das Todesjahr dazuschreiben. Zum Glück hat er Fingerfarbe dabei.

Und wieder stellen wir fest: Batman tötet zwar nicht, aber er hilft trotzdem gern nach.

>> Batman 1970-1979

Batman auf dem Pfad der Angst

DC Comics

Titel: The Scarecrow’s Trail of Fear

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Ernie Chua

Erschienen: 1975 (Batman #262)


Batman verfolgt einen Dieb namens Toomey. Als er ihn in einer Gasse erwischt, bricht der plötzlich vor Angst zusammen und stirbt. So hat sich das Batman nicht gedacht, als er schwor, Verbrecher das Fürchten zu lehren. Kurz darauf versucht ihn jemand mit einem Auto zu überfahren. Dahinter kann nur einer stecken: Scarecrow! Der hat eine Art Funkgerät entwickelt, mit dem er Menschen Angst einjagen kann.

Batman findet Scarecrow und seine Bande in einem leeren Vergnügungspark. Man versucht ihn, mit einer Granate in die Luft zu jagen, zu erschießen und mit einem Achterbahnwagen zu überfahren – nichts davon mit Erfolg. Batman knockt die Gauner so eiskalt aus, dass der Autor es auf einer ganzen Seite nicht einmal für nötig hält, es mit Text zu versehen.

Batman spürt plötzlich eine diffuse Angst und folgt dem Pfad, indem er sich zur Quelle der Strahlung begibt. Da steht Scarecrow auf einer Riesenrutsche und merkt, wie Batman sich ihm nähert, ohne sich zu fürchten. Warum? Weil Batman weiß, dass es nichts zu fürchten gibt – genauso wie Scarecrow selbst, der von seiner Erfindung ebenfalls nicht tangiert wird. Alles reine Kopfsache also.

Da kriegt es Scarecrow doch mit der Angst zu tun, der Angst vor Prügeln. Er fleht Batman auf Knien an, keine Gewalt anzuwenden und rutscht hinab in die Hände der Staatsgewalt.

Mehr zum Thema:

Riddler: Todesfalle statt Therapie

Batman & Riddler

DC Comics

Titel: Riddler on the Move

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Ernie Chua

Erschienen: 1975 (Batman #263)


Warum muss der Riddler eigentlich ständig Rätsel aufgeben? Warum kündigt er seine Verbrechen mit Hinweisen an und lässt immer weitere für Batman zurück? Diese Frage hat er sich erstmals 1975 gestellt: „Why do I do these things? Why am I driven to crime … and riddles? I know my behavior isn’t normal — but I can‘t help it!“

Aber er findet sich damit ab: „Oh, well … it‘s my fate and I‘m stuck with it! Always on the move to avoid the law!“ – Wäre da nur nicht Batman im Weg … Es gilt also, eher ihn loszuwerden als in Therapie zu gehen.

Der Riddler lockt Batman ins Museum. In der Halle der Waffen ist er plötzlich umgeben von Armbrüsten, die auf ihn gerichtet sind. Wenn er sich von der Plattform in der Mitte wegbewegt, schießen sie automatisch auf ihn. Eigentlich kein Problem: Batman könnte sich einfach ducken und sich zur Seite rollen, aber er löst lieber Rätsel.

Buchstabe des Todes

„What letter is like death?“ Auf der Plattform hat er sechs Buchstaben von A bis F zur Auswahl. Zielt er den richtigen, kommt er frei. Richtig? Falsch! Denn die richtige Antwort lautet „E“, weil der Buchstabe am Ende des Wortes „life“ kommt, aber Batman zieht am C, weil man hier um die Ecke denken muss: „E“ wäre der Buchstabe des Todes, der die Armbrüste losschießen ließe.

Man muss zugeben: Ganz schön ausgefuchst! Aber was hat der Riddler vor? Zwischendurch raubt er mal einen Mann auf der Straße aus, dann gibt er einem anderen das Geld, schließlich bezahlt er einen Jungen für ein Rätsel – sehr seltsam. Aber eigentlich will er ein Unternehmen gründen. Ähnlich wie schon der Joker und Killer Moth vor ihm will er Dienstleister für Kriminelle werden. Er baut eine Agentur auf, die Kriminelle vermittelt – eine Zeitarbeitsfirma, wenn man so will. Aber dafür braucht er Startkapital, also plant er einen „genialen“ Coup. Und er muss genial sein, denn darauf wäre sonst niemand gekommen: Der Riddler stiehlt Giraffen von einem Schiff.

Batman mit Fledermaus

Der Riddler ist entsetzt: Batman schickt Rätsel per Fledermaus! (DC Comics)

Das heißt: Er versucht es zumindest, bis ihm Batman in die Quere kommt. Prügelei, Riddler entkommt, Batman mit dem Whirlybat hinterher (so etwas gibt es noch in den 70ern?). Die Jagd endet im leerstehenden Giraffenhaus des Zoos, wohin Batman eine offenbar dressierte Fledermaus mit einer Nachricht schickt, um seinen dramatischen Auftritt mit einem Rätsel anzukündigen. Gegner müssen nun mal grundsätzlich mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden – auch wenn das dem Tierschutz nicht gefällt.

Trotz seiner selbstdiagnostizierten Zwangsneurose findet der Riddler nicht den Weg in das kürzlich eröffnete Arkham Hospital (neue Heimat von Joker und Two-Face), sondern es geht zurück in den Knast.

Mehr zum Thema:

Batmans Retter: Dennis O’Neil

Der Tod von Dennis „Denny“ O’Neil im Juni gibt Anlass dazu, sich der Bedeutung dieses Autors bewusst zu werden. Vor allem für Batman. Denn während heute vor allem Frank Miller als Erfinder des modernen Batman gilt, wird oft übersehen, dass O’Neil schon in den 1970 den Grundstein dafür gelegt hat. Zusammen mit Zeichner Neal Adams hat er Batman wieder zu einem düsteren Einzelgänger gemacht. Damit wurde er nicht nur zu seinem Ursprung zurückgeführt, Batman fand auch wieder mehr in der wahren Welt statt.

Das war auch dringend nötig, denn in den 60ern war Batman nicht mehr ernst zu nehmen. Zunächst wurden die Geschichten immer verrückter, doch durch die TV-Serie mit Adam West war der trashige Ruf zementiert. Comicverkäufe nahmen ab. O’Neil hat sozusagen Batman gerettet, wie es in dem oben stehenden Video-Essay auf YouTube heißt.

Doch auch wenn er bedeutendes geleistet hat, wie etwa den Joker wieder zu einem zynischen Mörder zu machen, Two-Face als ernstzunehmenden Charakter zu etablieren oder Ra’s al Ghul zu erfinden, es ist nicht allein sein Verdienst. Denn einen ersten Versuch, Batman zu modernisieren, gab es schon 1964 (Detective Comics #327). Der wurde allerdings durch den Einfluss der TV-Serie wieder zunichte gemacht. Die Comics wurden dem Stil und dem Niveau der Serie angepasst. Und danach wurde bereits 1969 (Batman #217) Batman radikal geändert: Dick Grayson zog aus, ging aufs College, Bruce Wayne verließ Wayne Manor und richtete sein Batman-Hauptquartier im Wayne Tower ein. Das war der eigentliche Neubeginn für die Figur. Damals hieß der Autor aber noch Frank Robbins.

Das alles soll O’Neils Verdienste nicht schmälern. Es soll nur zeigen, dass Entwicklungen immer ein Kontinuum darstellen und es für jeden Autor Vordenker gibt und dass kreative Arbeit häufig Teamarbeit ist. In dem Fall spielt auch DC-Redakteur Julius „Julie“ Schwartz eine wichtige Rolle. Wenn einer Batman „gerettet“ hat, dann war es er.

>> Batman-Chronik

Batman-Autor Dennis O’Neil ist tot

Ra’s al Ghul, Joker, Two-Face von Dennis O’Neil und Neal Adams. (DC Comics)

Der langjährige Batman-Autor und DC-Redakteur Dennis O’Neil ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Das berichtet Gamesradar und beruft sich dabei auf O’Neils Familie. „Denny“ O’Neil hat seit den 60er-Jahren Comics geschrieben, zuerst für Marvel und Charlton, dann für DC.

O’Neil, geboren im selben Jahr wie der Dunkle Ritter, war der bedeutendste Batman-Autor der 70er. Zusammen mit Zeichner Neal Adams hat er den Joker und Two-Face modernisiert sowie die Figuren Ra’s al Ghul, Talia al Ghul, Leslie Thompkins und später auch Azrael geschaffen.

Ebenfalls mit Neal Adams hat er Green Lantern und Green Arrow zusammengebracht und auf eine sozialkritische Reise durch die USA geschickt. Nach einer Rückkehr zu Marvel war er von 1986 bis 2000 als Redakteur für DC tätig.

Von O’Neil stammen auch mehrere klassische Storys aus der Serie Legends of the Dark Knight, darunter Shaman, Venom und Images. Zu seinen weiteren Werke gehören:

Noch bis ins hohe Alter hat Dennis O’Neil Kurzgeschichten geschrieben, zuletzt auch eine für das Jubiläums-Special The Joker 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1.

Wenn zu Weihnachten die Chemie nicht stimmt

DC Comics

Titel: Merry Christmas/And a Deadly New Year

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Irv Novick, Dick Giordano

Erschienen: 1973 (Batman #247)


Eine dreiköpfige Familie kämpft sich durch den Schnee bei Nacht, kommt zu einem Haus, bittet um Einlass: der Wagen ist auf dem Highway liegen geblieben, jetzt drohen sie zu erfrieren. Aber der Hausherr weist sie ab. Da bittet sie ein anderer Mann herein, aber der ist alles andere als nett, denn es ist Chimp Manners, ein gesuchter Dieb, der eine Dosis Nervengas von der Armee gestohlen hat und sich jetzt vor dem Gesetz versteckt. Da er Zeugen nicht gebrauchen kann, will er die Familie umlegen. (Stellt sich die Frage, warum er sie überhaupt hereingebeten hat.)

Doch das Gesetz hat ihn bereits gefunden: Plötzlich steht Batman in der Tür und will Manners ein paar Manieren beibringen. Als er aber den Flakon mit den Nervengas hochhält, das ausreicht, um eine Stadt auszulöschen, gehorcht auch Batman. Manners bittet sie hinaus, weil er keine Lust auf Leichen im Haus hat. Da erscheint ein helles Licht am Himmel, Manners schießt, verfehlt und Batman knockt ihn aus. Was ist geschehen? Ein Stern, weiß der Hausbewohner, der zufällig Astronom ist, er kennt sich aus. Batman ist überzeugt: Merry Christmas.

Chemieangriff zu Silvester

Diese Weihnachtsgeschichte ist allerdings nur das Vorspiel: Batman kettet Manners an sein Handgelenk und will ihn zu Gordon bringen, da wird das Auto auf der Straße abgedrängt und eine Bande befreit Manners und knockt Batman aus (na klar: ein Schlag auf den Hinterkopf …), aber man lässt ihn am Leben, wahrscheinlich wirkt auch hier der Geist der Weihnacht.

Kurz darauf trifft eine Drohung ein: Ein gewisser Boss Halstrom soll bis nächste Woche aus dem Gefängnis entlassen werden, sonst stirbt Gotham. Warum nächste Woche? Weil man dann das Nervengas zum Neujahrswechsel entlassen kann, das ist viel effektvoller. Eine Woche braucht auch Batman, um den Fall zu lösen: Er hört sich bei einem Chemiker um, zieht als Matches Malone los, Robin verkleidet sich als Polizeikadett und sogar Alfred macht sich nützlich.

Alles läuft auf ein Finale in der Silvesternacht hinaus. Batman findet bei einem Empfang den Schuldigen mit einem Trick, stürzt sich auf die „Happy New Year“-Kugel, an der das Nervengas hängt, und sorgt dafür, dass es ein neues Jahr überhaupt gibt.

Bleibt nur noch die Frage, warum die US-Army überhaupt Nervengas besitzt und sich in dieser Geschichte niemand daran stört. Historischer Hintergrund: Chemische Waffen sind seit der Genfer Protokoll von 1925 international geächtet, allerdings haben die USA dieses erst 1975 ratifiziert. 1997 trat das Chemiewaffenübereinkommen in Kraft: Herstellung, Entwicklung und Lagerung sind seitdem verboten, auch für die Vereinigten Staaten. Seit den 80ern vernichten die USA ihre riesigen Bestände – eine Aufgabe, die voraussichtlich erst im Jahr 2023 abgeschlossen sein wird.

>> Batman zu Weihnachten

Batman erlebt sein Weihnachtswunder

Batman #239 (1972)

DC Comics

Titel: Silent Night, Deadly Night

Autor/Zeichner: Dennis O’Neill/Irv Novick

Erschienen: 1972 (Batman #239)


Nein, Batman trägt in dieser Geschichte keinen Rauschebart und verteilt auch keine Geschenke, wie es auf dem Cover gezeigt wird. Der Weihnachtsmann ist ein anderer und jemand hat ihn ausgeknockt und ausgeraubt. Einer dieser Weihnachtsmänner, die auf der Straße Spenden für wohltätige Zwecke sammeln. Und nicht nur einer: Schon einige wurden an diesem Tag ausgeraubt.

Batman folgt den Spuren im Schnee zu einem Weihnachtsbaumverkäufer, bekommt einen Baum übergebraten und wird mit einer Lichterkette gewürgt. Als Batman den Angreifer ausknockt, erklärt dieser, er habe die Spenden nicht für sich geraubt, sondern um seiner Nichte ein Weihnachtsfest zu ermöglichen. Der Mann hat nämlich seinen Job in einer Spielzeugfabrik verloren.

Doch kaum hat er seine rührselige Geschichte erzählt, brät er Batman eins von hinten über und fesselt ihn an einen Heizkörper. Denn der Kerl hat noch etwas vor: Er will sich an dem Fabrikbesitzer, der ihn entlassen hat, rächen. Batman befreit sich, nimmt das Kind mit und will hinterherfahren, aber sein Auto bleibt im Schnee stecken. Da sieht er plötzlich ein herrenloses Pferd, das einen Schlitten zieht. Und wie durch geheime Kräfte geleitet, bringt es Batman und das Kind zum Tatort.

Dort ist alles anders gelaufen als geplant: Der alte Spielzeugfabrikant ist krank. Man bringt ihn ins Krankenhaus, der Alte wird wieder gesund und Batman lässt seinen Angreifer noch mal davonkommen. Am Ende ist ist das Pferd mit dem Schlitten plötzlich verschwunden – und Batman outet sich, dass er noch immer an den Weihnachtsmann glaubt.

>> Batman zu Weihnachten

Die Rache des Schnitters

The Reaper

DC Comics

Titel: Night of the Reaper

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil, Bernie Wrightson, Harlan Ellison/Neal Adams

Erschienen: 1971 (Batman #237), Paperback 1999 (Batman in the Seventies), Hardcover 2013/2020 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 3/Batman by Neal Adams: Book Three)


Dick Grayson ist an Halloween mit seinen Kumpels auf einer Superhelden-Parade, da wird die Gruppe von drei Fremden angefallen. Als Robin verkleidet findet Dick später einen Toten im Batman-Kostüm, dann geht plötzlich einer im Sensenmann-Kostüm auf ihn los. Robin fällt nach hinten in eine kleine Senke, Batman holt ihn später raus und bringt ins Haus eines Mannes namens Tom Fagan, der gerade eine Halloween-Party schmeißt. Dort wird Robin von Doctor Gruener behandelt, einem Holocaust-Überlebenden.

Gruener erzählt, er sei in einem Konzentrationslager inhaftiert gewesen, das von dem Nazi Colonel Kurt Schloss geführt worden sei, einem Sadisten und Mörder. Gruener hat herausgefunden, dass Schloss ebenfalls in den USA lebt. Die Männer, die Dick angegriffen haben, sollen Nazis sein, die hinter Schloss her sind, weil er sich mit ihrem Gold aus dem Staub gemacht hat (was immer noch nicht erklärt, warum sie auf die Gruppe losgegangen sind).

Ein weiterer Mann wird vom „Reaper“ (Sensenmann/Schnitter) getötet. Schloss wird von den Nazis in seinem Auto hochgejagt. Am Ende stellt sich heraus, dass Gruener selbst der Reaper ist. Der will sich an seinen ehemaligen Folterknechten rächen. Aber Batman kann keinen Mord durchgehen lassen. Am Ende bringt Gruener eine Kette mit Davidstern-Anhänger zur Vernunft. Er sieht ein, dass er selbst geworden ist, was er hasst – und fällt in sein Verderben.

Superhero-Parade in Batman #237 (1971)

DC trifft Marvel bei der Superhelden-Parade zu Halloween. (DC Comics)

Bei aller ernsten Geschichtsaufarbeitung gibt es in der Story auch einen netten kleinen Gag: Bei der Parade ist auch Captain America zu sehen, auf der Halloween-Party tummeln sich auch Gesichter aus dem Marvel-Universum. Wir sehen einen „Thor“ mit Zimmermannshammer und einen Spider-Man, der sich „Webslinger Lad“ nennt.

>> Batman 1970-1979

Jokers kurze Solo-Karriere

DC Comics

Titel: The Joker – The Clown Prince of Crime

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil, Elliot S. Maggin, Martin Pasko/Irv Novick, Ernie Chan, José Luis García-López u.a.

Erschienen: 1975-1976 (Joker #1-9), Paperback 2013


Nach 35 Jahren war es so weit: Der Joker bekam seine eigene Serie. Damit war er der allererste Batman-Schurke, dem diese Ehre zuteil wurde. (Der zweite war Man-Bat, aber das hielt nicht lange.) Batman tritt hier nicht auf, der Joker ist der Held, oder besser gesagt: Anti-Held, denn natürlich ist er – wie Charlie Brown – zum Misserfolg verdammt.

Im ersten Abenteuer nimmt der Joker es mit Two-Face auf. Ein anderer Gauner bricht aus Arkham aus und nimmt statt den Joker Two-Face mit. Zusammen wollen sie wertvolle Dublonen stehlen. Der Joker ist sauer und will sich an beiden rächen. Es fliegen Säure-Torten. Doch Two-Face kommt davon und revanchiert sich später mit einer Todesfalle: Er will den Joker mit einer Kreissäge halbieren. Aber der Clown hat sich von seinem Erzfeind Batman einiges abgeschaut, um auch in einer aussichtslosen Lage zu triumphieren.

So geht es immer weiter. Im zweiten Teil verbündet er sich mit einem gewissen Willie the Weeper, der jeden seiner Coups versaut, indem er in Tränen ausbricht, weil ihn sein schlechtes Gewissen einholt. Im dritten legt sich der Joker mit dem Creeper an. Es folgen Begegnungen mit Green Arrow und Dinah Lance (die hier nicht als Black Canary agiert), der Royal Flush Gang und mit Catwoman. Einmal tauscht er die Persönlichkeit mit Lex Luthor, ein anderes Mal konkurriert er mit Scarecrow.

Es geht dabei sehr albern zu – und meistens völlig sinnfrei. Der Joker wird als total Verrückter dargestellt, der mehr am Spaß interessiert ist, als an der Bereicherung, weshalb man sich fragen muss, wie er seine Handlanger finanziert, die ihm trotz allem die Treue halten. Er hockt in einem Hauptquartier, das er „Ha-Hacienda“ nennt, fährt mit einem Wohnmobil namens „Ho-Home-on-Wheels“ oder mit dem Jokermobil, mit dem er im Grunde „verhaftet mich“ in die Welt hinausposaunt, was aber keinen zu kümmern scheint. Das Hauptproblem: Ein Joker ohne Batman macht nicht viel her. Vor allem taugt er weder als Held noch als Antiheld, wenn er kein klares Ziel hat.

Die dämlichste Geschichte handelt von Sherlock Holmes. Natürlich begegnet der Joker nicht wirklich dem Meisterdetektiv, sondern nur einem Schauspieler, der sich nach einem Kopfstoß dafür hält. Der Joker verübt Gaunereien, die irgendwie thematisch zu Holmes-Storys passen, aber nichts bringen, während Holmes immer wieder zufällig auf ihn trifft und ihn schließlich zur Strecke bringt. Das ist so bemüht und weit hergeholt, dass man sich als Leser für dumm verkauft fühlen kann – es sei denn man kann über dieses Gaga-Niveau lachen.

Von daher ist es kein Verlust, dass die Serie nach neun Ausgaben eingestellt wurde. Eigentlich ist es sogar ein Wunder, dass sie so lange durchhielt. Die geplante, aber damals nicht veröffentlichte zehnte Ausgabe ist 2019 im Sammelband The Joker: The Bronze Age Omnibus erschienen.

>> Liste der Joker-Comics