Dennis O’Neil

Batman und Green Arrow verhindern eine Pandemie

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DC Comics

Titel: Batman/Green Arrow: The Poison Tomorrow

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Michael Netzer

Erschienen: 1992 (One-shot)


Batman hält den Mediziner Dr. Parsons vom Randalieren ab. Da taucht Green Arrow auf und teilt ihm mit, dass vor zwei Tagen dieser Irre seine Freundin Dinah (Black Canary) gebissen hat. Parsons hat eine ansteckende Krankheit, die Ausschlag verursacht und tödlich enden kann – und angeblich auch das Gegenmittel dafür.

Die Krankheit hat ihm Poison Ivy eingebrockt, die ein laufender Giftcocktail ist. Ein Pharmaunternehmer namens Fenn hat sich mit ihr verbündet, um die ganze Welt zu infizieren und dann mit dem Impfstoff noch reicher zu werden, weil 500 Millionen Dollar offenbar zum Leben nicht genügen. Doch Ivy hat ihre eigene Agenda …

Poison Ivy als böse Verführerin

Zugegeben: Beim ersten Lesen vor ein paar Jahren war ich nicht angetan von dieser Geschichte. Ich habe sie nicht mal für besprechenswert gehalten. Und ein Meisterwerk ist sie sicher nicht. Aber beim zweiten Lesen (und geringen Erwartungen) hatte ich meinen Spaß an den kleinen Seitenhieben von Green Arrow gegen Batman (etwa ob er nie seine Maske auszieht oder nicht den Fahrstuhl benutzt), an den dynamischen Zeichnungen sowie an Batmans Teufelshörnern und seinem eigenwilligen Cape, das an William-Blake-Gemälde erinnert.

Außerdem gibt es noch Anzüglichkeiten, die so eindeutig zweideutig sind, dass sie nichts mehr der Phantasie überlassen, wie man hier sehen kann:

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Poison Ivy in eindeutiger Position. (DC Comics)

Wer hier Sexismus schreit, verkennt, dass hier die Grenzen des Comics Codes ausgereizt wurden, der damals immer noch galt. The Poison Tomorrow ist ein Comic für Erwachsene. Poison Ivy erscheint hier als besonders böse Verfüherin, die sich als neue Eva eines neuen Garten Eden erträumt, sobald sie die zerstörerischen Menschen beseitigt hat – oder dafür gesorgt hat, dass sie sich gegenseitig auslöschen. Sie macht selbst vor Kindern nicht Halt.

Auch wenn die Realität natürlich weit entfernt ist von dieser überzogenen Fiktion, passt diese Geschichte gut in die Gegenwart, in der Pharmakonzerne verhindern, dass Impfdosen an arme Länder verschenkt werden, um ihre Profite zu steigern.

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Stern über Gotham

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DC Comics

Titel: Wanted: Santa Claus — Dead Or Alive!

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Frank Miller

Erschienen: 1980 (DC Special Series #21: Super-Star Holiday Special)


Von der großen Weihnachtskrippe in Gotham wurde der Stern gestohlen. Doch Batman hat gerade Besseres zu tun, als sich um solche Trivialitäten zu kümmern. Er jagt lieber Verbrecher. Zunächst crasht er die Weihnachtsparty eines Gangsters (Matty Lasko), um ihn nach einem Boot im Hafen auszufragen. Er hat es dort für einen ehemaligen Zellengenossen, Boomer Katz, hingesetzt. Offenbar für eine Flucht.

Batman verkleidet sich als Obdachloser und findet heraus: Boomer hat einen Job als Weihnachtsmann im Kaufhaus gefunden. Aber nur, um den Laden mit seiner Bande zu plündern. Nach dem Ende seiner Schicht meldet sich Boomers Gewissen und er will wieder ein guter Mensch sein. Leider sehen das seine Komplizen anders. Sie brechen ein und schießen Boomer in die Schulter.

Batman hört das draußen und eilt zur Hilfe. Einmal durchs Schaufenster gesprungen, prügelt er drauflos und wirft mit Mini-Tannenbäumen, was sich als wirkungsvoll erweist. Doch Boomer und ein anderer kommen davon. Batman ist ahnungslos, wo sie hin sein könnten, da sieht er plötzlich einen Stern leuchten – an der Stelle, wo er in der Weihnachtskrippe sein sollte. Und der Stern weist ihm den Weg zu dem Ganoven, der Boomer eine Waffe an den Kopf hält. Ein Schlag ins Gesicht und die Geiselnahme ist erledigt. Vielleicht, weil der Stern den Schuft geblendet hat? Wer weiß. Der Stern verschwindet jedenfalls so schnell wie er aufgetaucht ist. Wohin? Nach Hause, sagt Batman.

Übrigens: Ja, ihr habt richtig gelesen: Diese Geschichte wurde gezeichnet von Frank Miller (The Dark Knight Returns/Year One)!

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Batman gegen Liebeswahn

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DC Comics

Titel: Paint a Picture of Peril

Autor/Zeichner: Dennis O’Neill/Neal Adams

Erschienen: 1970 (Detective Comics #397), Paperback 2013 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 2), 2019 (Batman by Neal Adams: Book Two)


Am Hafen findet ein Festival statt. Bruce Wayne stiftet eine Kunstausstellung. Da steigen nachts vier Taucher aus dem Wasser, um ein Bild zu stehlen. Batman versucht, sie aufzuhalten, fängt sich dabei aber eine Harpune ein, weil er auch einfach nur blöd in der Gegend rumsteht statt auszuweichen. Er dachte wohl, seine erschreckende Präsenz würde reichen.

Nachdem er sich zu Hause selbst ärztlich versorgt hat, verfolgt Batman die Spur, die zum Millionär Orson Payne führt, der zurückgezogen in einem Schloss lebt, seit seine Verlobte, die Opernsängerin Caterina Valance, verschwunden ist. Die Spur sind glühende Algen, hervorgerufen von Radioaktivität. Nur fürs Protokoll: Radioaktive Strahlung glüht nicht, aber da Batman alles kann, kann er sie halt auch glühen sehen.

Besessener Kunstsammler

Orson Payne erinnert nicht nur an einen anderen bekannten Orson, nämlich Welles, er hat auch eine Kunstsammlung angelegt, die an Charles Foster Kane aus dem Film Citizen Kane erinnert, nur mit dem Unterschied, dass Payne alles sammelt, was wie seine geliebte Caterina aussieht. Daher auch der jüngste Kunstdiebstahl: Niemand wollte ihm das Bild verkaufen.

Als Batman ihn konfrontiert, lässt Payne ihn in einer Falltür verschwinden, aber bevor ein riesiger Steinklotz auf ihn fällt, kann er sich befreien. Dann löst sich das Problem fast von selbst: Payne wird wahnsinnig, sieht Gespenster und folgt dem halluzinierten Geist seiner Caterina über die Balkonbrüstung. Leider spoilert das Cover diesen Moment. Batman kann Payne retten.

Am Ende stellt sich heraus: Caterina ist nun Bruce Waynes Haushälterin. Sie singt zwar nicht mehr Opern, aber immerhin ist sie frei, sagt sie. Von Payne zu Wayne also, von einem exzentrischen Einsiedler zum anderen. Eine seltsame Art, sich von einem Liebhaber loszumachen, aber Emanzipation muss jede für sich selbst definieren.

>> Batman 1970-1979

Unsterblich, wahnsinnig oder tot

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DC Comics

Titel: The Secret of the Waiting Graves

Autor/Zeichner: Dennis O’Neill/Neal Adams

Erschienen: 1970 (Detective Comics #395), Paperback 2013 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 2), 2019 (Batman by Neal Adams: Book Two)


Unsterblichkeit oder sofortiger Tod – eine interessante Wahl, die die Frau mit dem Falken und den Wölfen Batman da auf dem Cover unterbreitet. Wie kommt’s? Und wie wird Batman sich entscheiden? In der Story hat er diese Wahl zwar nicht, aber da hier Dennis O’Neill und Neal Adams erstmals zusammenarbeiten, schauen wir trotzdem mal rein.

Die Geschichte spielt in Mexiko. Bruce Wayne ist eingeladen zu einem Fest bei Dolores und Juan Muerto. Der Name ist Programm. Denn kaum sind die Gäste zu einer Fahrt in Heißluftballons gestartet, machen sich Falken über einen her, sodass der Mann im Korb in die Tiefe stürzt. Als hätte Bruce es geahnt, fliegt er nicht mit, sondern springt im Batman-Kostüm genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort herbei, um den Mann zu retten und ins Wasser zu stoßen.

Muertos lernen Sterben

Als sich Bruce wieder in die Party stürzt und mit der Gastgeberin tanzt, wird auf den eben geretteten Mann (Valdes) geschossen. (Übrigens scheint es niemanden zu kümmern, dass er gerade einen Sturz ins Wasser überlebt hat.) Batman hält die Attentäter auf, wird aber von zwei Wölfen in die Flucht geschlagen. Hinter den Attentaten stecken die Muertos – was auch kein Wunder ist bei dem Namen.

Das Paar führt Valdes in eine Höhle mit Blumen, die unsterblich, aber wahnsinnig machen. Valdes entpuppt sich als Agent der Regierung und will die beiden festnehmen. Sie schlagen ihn K.O., dann auch den dazuspringenden Batman, der von den Blumen Halluzinationen bekommt. Natürlich wird er nicht demaskiert, soll er ruhig in seiner Verkleidung sterben, wenn ihn die Falken auffressen – auch die fiesesten Schurken mögen einen würdigen Tod. Aber müssten die Blumen, die angeblich auch unsterblich machen, den Tod nicht verhindern?

Wir werden es nie erfahren, denn Batman befreit sich und entkommt, indem er die Tiere schwer misshandelt, dann fackelt er auch noch die Blumen ab. Die Muertos werden dann plötzlich sehr schnell älter und ihrem Namen endlich gerecht. Bequemerweise purzeln sie direkt in ihre offenen Gräber, die Grabsteine stehen samt Inschrift schon da, als würden sie sie erwarten. Batman muss nur noch das Todesjahr dazuschreiben. Zum Glück hat er Fingerfarbe dabei.

Und wieder stellen wir fest: Batman tötet zwar nicht, aber er hilft trotzdem gern nach.

>> Batman 1970-1979

Batman auf dem Pfad der Angst

DC Comics

Titel: The Scarecrow’s Trail of Fear

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Ernie Chua

Erschienen: 1975 (Batman #262)


Batman verfolgt einen Dieb namens Toomey. Als er ihn in einer Gasse erwischt, bricht der plötzlich vor Angst zusammen und stirbt. So hat sich das Batman nicht gedacht, als er schwor, Verbrecher das Fürchten zu lehren. Kurz darauf versucht ihn jemand mit einem Auto zu überfahren. Dahinter kann nur einer stecken: Scarecrow! Der hat eine Art Funkgerät entwickelt, mit dem er Menschen Angst einjagen kann.

Batman findet Scarecrow und seine Bande in einem leeren Vergnügungspark. Man versucht ihn, mit einer Granate in die Luft zu jagen, zu erschießen und mit einem Achterbahnwagen zu überfahren – nichts davon mit Erfolg. Batman knockt die Gauner so eiskalt aus, dass der Autor es auf einer ganzen Seite nicht einmal für nötig hält, es mit Text zu versehen.

Batman spürt plötzlich eine diffuse Angst und folgt dem Pfad, indem er sich zur Quelle der Strahlung begibt. Da steht Scarecrow auf einer Riesenrutsche und merkt, wie Batman sich ihm nähert, ohne sich zu fürchten. Warum? Weil Batman weiß, dass es nichts zu fürchten gibt – genauso wie Scarecrow selbst, der von seiner Erfindung ebenfalls nicht tangiert wird. Alles reine Kopfsache also.

Da kriegt es Scarecrow doch mit der Angst zu tun, der Angst vor Prügeln. Er fleht Batman auf Knien an, keine Gewalt anzuwenden und rutscht hinab in die Hände der Staatsgewalt.

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Riddler: Todesfalle statt Therapie

Batman & Riddler

DC Comics

Titel: Riddler on the Move

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Ernie Chua

Erschienen: 1975 (Batman #263)


Warum muss der Riddler eigentlich ständig Rätsel aufgeben? Warum kündigt er seine Verbrechen mit Hinweisen an und lässt immer weitere für Batman zurück? Diese Frage hat er sich erstmals 1975 gestellt: „Why do I do these things? Why am I driven to crime … and riddles? I know my behavior isn’t normal — but I can‘t help it!“

Aber er findet sich damit ab: „Oh, well … it‘s my fate and I‘m stuck with it! Always on the move to avoid the law!“ – Wäre da nur nicht Batman im Weg … Es gilt also, eher ihn loszuwerden als in Therapie zu gehen.

Der Riddler lockt Batman ins Museum. In der Halle der Waffen ist er plötzlich umgeben von Armbrüsten, die auf ihn gerichtet sind. Wenn er sich von der Plattform in der Mitte wegbewegt, schießen sie automatisch auf ihn. Eigentlich kein Problem: Batman könnte sich einfach ducken und sich zur Seite rollen, aber er löst lieber Rätsel.

Buchstabe des Todes

„What letter is like death?“ Auf der Plattform hat er sechs Buchstaben von A bis F zur Auswahl. Zielt er den richtigen, kommt er frei. Richtig? Falsch! Denn die richtige Antwort lautet „E“, weil der Buchstabe am Ende des Wortes „life“ kommt, aber Batman zieht am C, weil man hier um die Ecke denken muss: „E“ wäre der Buchstabe des Todes, der die Armbrüste losschießen ließe.

Man muss zugeben: Ganz schön ausgefuchst! Aber was hat der Riddler vor? Zwischendurch raubt er mal einen Mann auf der Straße aus, dann gibt er einem anderen das Geld, schließlich bezahlt er einen Jungen für ein Rätsel – sehr seltsam. Aber eigentlich will er ein Unternehmen gründen. Ähnlich wie schon der Joker und Killer Moth vor ihm will er Dienstleister für Kriminelle werden. Er baut eine Agentur auf, die Kriminelle vermittelt – eine Zeitarbeitsfirma, wenn man so will. Aber dafür braucht er Startkapital, also plant er einen „genialen“ Coup. Und er muss genial sein, denn darauf wäre sonst niemand gekommen: Der Riddler stiehlt Giraffen von einem Schiff.

Batman mit Fledermaus

Der Riddler ist entsetzt: Batman schickt Rätsel per Fledermaus! (DC Comics)

Das heißt: Er versucht es zumindest, bis ihm Batman in die Quere kommt. Prügelei, Riddler entkommt, Batman mit dem Whirlybat hinterher (so etwas gibt es noch in den 70ern?). Die Jagd endet im leerstehenden Giraffenhaus des Zoos, wohin Batman eine offenbar dressierte Fledermaus mit einer Nachricht schickt, um seinen dramatischen Auftritt mit einem Rätsel anzukündigen. Gegner müssen nun mal grundsätzlich mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden – auch wenn das dem Tierschutz nicht gefällt.

Trotz seiner selbstdiagnostizierten Zwangsneurose findet der Riddler nicht den Weg in das kürzlich eröffnete Arkham Hospital (neue Heimat von Joker und Two-Face), sondern es geht zurück in den Knast.

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Batmans Retter: Dennis O’Neil

Der Tod von Dennis „Denny“ O’Neil im Juni gibt Anlass dazu, sich der Bedeutung dieses Autors bewusst zu werden. Vor allem für Batman. Denn während heute vor allem Frank Miller als Erfinder des modernen Batman gilt, wird oft übersehen, dass O’Neil schon in den 1970 den Grundstein dafür gelegt hat. Zusammen mit Zeichner Neal Adams hat er Batman wieder zu einem düsteren Einzelgänger gemacht. Damit wurde er nicht nur zu seinem Ursprung zurückgeführt, Batman fand auch wieder mehr in der wahren Welt statt.

Das war auch dringend nötig, denn in den 60ern war Batman nicht mehr ernst zu nehmen. Zunächst wurden die Geschichten immer verrückter, doch durch die TV-Serie mit Adam West war der trashige Ruf zementiert. Comicverkäufe nahmen ab. O’Neil hat sozusagen Batman gerettet, wie es in dem oben stehenden Video-Essay auf YouTube heißt.

Doch auch wenn er bedeutendes geleistet hat, wie etwa den Joker wieder zu einem zynischen Mörder zu machen, Two-Face als ernstzunehmenden Charakter zu etablieren oder Ra’s al Ghul zu erfinden, es ist nicht allein sein Verdienst. Denn einen ersten Versuch, Batman zu modernisieren, gab es schon 1964 (Detective Comics #327). Der wurde allerdings durch den Einfluss der TV-Serie wieder zunichte gemacht. Die Comics wurden dem Stil und dem Niveau der Serie angepasst. Und danach wurde bereits 1969 (Batman #217) Batman radikal geändert: Dick Grayson zog aus, ging aufs College, Bruce Wayne verließ Wayne Manor und richtete sein Batman-Hauptquartier im Wayne Tower ein. Das war der eigentliche Neubeginn für die Figur. Damals hieß der Autor aber noch Frank Robbins.

Das alles soll O’Neils Verdienste nicht schmälern. Es soll nur zeigen, dass Entwicklungen immer ein Kontinuum darstellen und es für jeden Autor Vordenker gibt und dass kreative Arbeit häufig Teamarbeit ist. In dem Fall spielt auch DC-Redakteur Julius „Julie“ Schwartz eine wichtige Rolle. Wenn einer Batman „gerettet“ hat, dann war es er.

>> Batman-Chronik

Batman-Autor Dennis O’Neil ist tot

Ra’s al Ghul, Joker, Two-Face von Dennis O’Neil und Neal Adams. (DC Comics)

Der langjährige Batman-Autor und DC-Redakteur Dennis O’Neil ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Das berichtet Gamesradar und beruft sich dabei auf O’Neils Familie. „Denny“ O’Neil hat seit den 60er-Jahren Comics geschrieben, zuerst für Marvel und Charlton, dann für DC.

O’Neil, geboren im selben Jahr wie der Dunkle Ritter, war der bedeutendste Batman-Autor der 70er. Zusammen mit Zeichner Neal Adams hat er den Joker und Two-Face modernisiert sowie die Figuren Ra’s al Ghul, Talia al Ghul, Leslie Thompkins und später auch Azrael geschaffen.

Ebenfalls mit Neal Adams hat er Green Lantern und Green Arrow zusammengebracht und auf eine sozialkritische Reise durch die USA geschickt. Nach einer Rückkehr zu Marvel war er von 1986 bis 2000 als Redakteur für DC tätig.

Von O’Neil stammen auch mehrere klassische Storys aus der Serie Legends of the Dark Knight, darunter Shaman, Venom und Images. Zu seinen weiteren Werke gehören:

Noch bis ins hohe Alter hat Dennis O’Neil Kurzgeschichten geschrieben, zuletzt auch eine für das Jubiläums-Special The Joker 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1.

Wenn zu Weihnachten die Chemie nicht stimmt

DC Comics

Titel: Merry Christmas/And a Deadly New Year

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Irv Novick, Dick Giordano

Erschienen: 1973 (Batman #247)


Eine dreiköpfige Familie kämpft sich durch den Schnee bei Nacht, kommt zu einem Haus, bittet um Einlass: der Wagen ist auf dem Highway liegen geblieben, jetzt drohen sie zu erfrieren. Aber der Hausherr weist sie ab. Da bittet sie ein anderer Mann herein, aber der ist alles andere als nett, denn es ist Chimp Manners, ein gesuchter Dieb, der eine Dosis Nervengas von der Armee gestohlen hat und sich jetzt vor dem Gesetz versteckt. Da er Zeugen nicht gebrauchen kann, will er die Familie umlegen. (Stellt sich die Frage, warum er sie überhaupt hereingebeten hat.)

Doch das Gesetz hat ihn bereits gefunden: Plötzlich steht Batman in der Tür und will Manners ein paar Manieren beibringen. Als er aber den Flakon mit den Nervengas hochhält, das ausreicht, um eine Stadt auszulöschen, gehorcht auch Batman. Manners bittet sie hinaus, weil er keine Lust auf Leichen im Haus hat. Da erscheint ein helles Licht am Himmel, Manners schießt, verfehlt und Batman knockt ihn aus. Was ist geschehen? Ein Stern, weiß der Hausbewohner, der zufällig Astronom ist, er kennt sich aus. Batman ist überzeugt: Merry Christmas.

Chemieangriff zu Silvester

Diese Weihnachtsgeschichte ist allerdings nur das Vorspiel: Batman kettet Manners an sein Handgelenk und will ihn zu Gordon bringen, da wird das Auto auf der Straße abgedrängt und eine Bande befreit Manners und knockt Batman aus (na klar: ein Schlag auf den Hinterkopf …), aber man lässt ihn am Leben, wahrscheinlich wirkt auch hier der Geist der Weihnacht.

Kurz darauf trifft eine Drohung ein: Ein gewisser Boss Halstrom soll bis nächste Woche aus dem Gefängnis entlassen werden, sonst stirbt Gotham. Warum nächste Woche? Weil man dann das Nervengas zum Neujahrswechsel entlassen kann, das ist viel effektvoller. Eine Woche braucht auch Batman, um den Fall zu lösen: Er hört sich bei einem Chemiker um, zieht als Matches Malone los, Robin verkleidet sich als Polizeikadett und sogar Alfred macht sich nützlich.

Alles läuft auf ein Finale in der Silvesternacht hinaus. Batman findet bei einem Empfang den Schuldigen mit einem Trick, stürzt sich auf die „Happy New Year“-Kugel, an der das Nervengas hängt, und sorgt dafür, dass es ein neues Jahr überhaupt gibt.

Bleibt nur noch die Frage, warum die US-Army überhaupt Nervengas besitzt und sich in dieser Geschichte niemand daran stört. Historischer Hintergrund: Chemische Waffen sind seit der Genfer Protokoll von 1925 international geächtet, allerdings haben die USA dieses erst 1975 ratifiziert. 1997 trat das Chemiewaffenübereinkommen in Kraft: Herstellung, Entwicklung und Lagerung sind seitdem verboten, auch für die Vereinigten Staaten. Seit den 80ern vernichten die USA ihre riesigen Bestände – eine Aufgabe, die voraussichtlich erst im Jahr 2023 abgeschlossen sein wird.

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Batman erlebt sein Weihnachtswunder

Batman #239 (1972)

DC Comics

Titel: Silent Night, Deadly Night

Autor/Zeichner: Dennis O’Neill/Irv Novick

Erschienen: 1972 (Batman #239)


Nein, Batman trägt in dieser Geschichte keinen Rauschebart und verteilt auch keine Geschenke, wie es auf dem Cover gezeigt wird. Der Weihnachtsmann ist ein anderer und jemand hat ihn ausgeknockt und ausgeraubt. Einer dieser Weihnachtsmänner, die auf der Straße Spenden für wohltätige Zwecke sammeln. Und nicht nur einer: Schon einige wurden an diesem Tag ausgeraubt.

Batman folgt den Spuren im Schnee zu einem Weihnachtsbaumverkäufer, bekommt einen Baum übergebraten und wird mit einer Lichterkette gewürgt. Als Batman den Angreifer ausknockt, erklärt dieser, er habe die Spenden nicht für sich geraubt, sondern um seiner Nichte ein Weihnachtsfest zu ermöglichen. Der Mann hat nämlich seinen Job in einer Spielzeugfabrik verloren.

Doch kaum hat er seine rührselige Geschichte erzählt, brät er Batman eins von hinten über und fesselt ihn an einen Heizkörper. Denn der Kerl hat noch etwas vor: Er will sich an dem Fabrikbesitzer, der ihn entlassen hat, rächen. Batman befreit sich, nimmt das Kind mit und will hinterherfahren, aber sein Auto bleibt im Schnee stecken. Da sieht er plötzlich ein herrenloses Pferd, das einen Schlitten zieht. Und wie durch geheime Kräfte geleitet, bringt es Batman und das Kind zum Tatort.

Dort ist alles anders gelaufen als geplant: Der alte Spielzeugfabrikant ist krank. Man bringt ihn ins Krankenhaus, der Alte wird wieder gesund und Batman lässt seinen Angreifer noch mal davonkommen. Am Ende ist ist das Pferd mit dem Schlitten plötzlich verschwunden – und Batman outet sich, dass er noch immer an den Weihnachtsmann glaubt.

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