Dennis O’Neil

Die Rache des Schnitters

The Reaper

DC Comics

Titel: Night of the Reaper

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil, Bernie Wrightson, Harlan Ellison/Neal Adams

Erschienen: 1971 (Batman #237), Paperback 1999 (Batman in the Seventies), Hardcover 2013/2020 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 3/Batman by Neal Adams: Book Three)


Dick Grayson ist an Halloween mit seinen Kumpels auf einer Superhelden-Parade, da wird die Gruppe von drei Fremden angefallen. Als Robin verkleidet findet Dick später einen Toten im Batman-Kostüm, dann geht plötzlich einer im Sensenmann-Kostüm auf ihn los. Robin fällt nach hinten in eine kleine Senke, Batman holt ihn später raus und bringt ins Haus eines Mannes namens Tom Fagan, der gerade eine Halloween-Party schmeißt. Dort wird Robin von Doctor Gruener behandelt, einem Holocaust-Überlebenden.

Gruener erzählt, er sei in einem Konzentrationslager inhaftiert gewesen, das von dem Nazi Colonel Kurt Schloss geführt worden sei, einem Sadisten und Mörder. Gruener hat herausgefunden, dass Schloss ebenfalls in den USA lebt. Die Männer, die Dick angegriffen haben, sollen Nazis sein, die hinter Schloss her sind, weil er sich mit ihrem Gold aus dem Staub gemacht hat (was immer noch nicht erklärt, warum sie auf die Gruppe losgegangen sind).

Ein weiterer Mann wird vom „Reaper“ (Sensenmann/Schnitter) getötet. Schloss wird von den Nazis in seinem Auto hochgejagt. Am Ende stellt sich heraus, dass Gruener selbst der Reaper ist. Der will sich an seinen ehemaligen Folterknechten rächen. Aber Batman kann keinen Mord durchgehen lassen. Am Ende bringt Gruener eine Kette mit Davidstern-Anhänger zur Vernunft. Er sieht ein, dass er selbst geworden ist, was er hasst – und fällt in sein Verderben.

Superhero-Parade in Batman #237 (1971)

DC trifft Marvel bei der Superhelden-Parade zu Halloween. (DC Comics)

Bei aller ernsten Geschichtsaufarbeitung gibt es in der Story auch einen netten kleinen Gag: Bei der Parade ist auch Captain America zu sehen, auf der Halloween-Party tummeln sich auch Gesichter aus dem Marvel-Universum. Wir sehen einen „Thor“ mit Zimmermannshammer und einen Spider-Man, der sich „Webslinger Lad“ nennt.

>> Batman 1970-1979

Jokers kurze Solo-Karriere

DC Comics

Titel: The Joker – The Clown Prince of Crime

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil, Elliot S. Maggin, Martin Pasko/Irv Novick, Ernie Chan, José Luis García-López u.a.

Erschienen: 1975-1976 (Joker #1-9), Paperback 2013


Nach 35 Jahren war es so weit: Der Joker bekam seine eigene Serie. Damit war er der allererste Batman-Schurke, dem diese Ehre zuteil wurde. (Der zweite war Man-Bat, aber das hielt nicht lange.) Batman tritt hier nicht auf, der Joker ist der Held, oder besser gesagt: Anti-Held, denn natürlich ist er – wie Charlie Brown – zum Misserfolg verdammt.

Im ersten Abenteuer nimmt der Joker es mit Two-Face auf. Ein anderer Gauner bricht aus Arkham aus und nimmt statt den Joker Two-Face mit. Zusammen wollen sie wertvolle Dublonen stehlen. Der Joker ist sauer und will sich an beiden rächen. Es fliegen Säure-Torten. Doch Two-Face kommt davon und revanchiert sich später mit einer Todesfalle: Er will den Joker mit einer Kreissäge halbieren. Aber der Clown hat sich von seinem Erzfeind Batman einiges abgeschaut, um auch in einer aussichtslosen Lage zu triumphieren.

So geht es immer weiter. Im zweiten Teil verbündet er sich mit einem gewissen Willie the Weeper, der jeden seiner Coups versaut, indem er in Tränen ausbricht, weil ihn sein schlechtes Gewissen einholt. Im dritten legt sich der Joker mit dem Creeper an. Es folgen Begegnungen mit Green Arrow und Dinah Lance (die hier nicht als Black Canary agiert), der Royal Flush Gang und mit Catwoman. Einmal tauscht er die Persönlichkeit mit Lex Luthor, ein anderes Mal konkurriert er mit Scarecrow.

Es geht dabei sehr albern zu – und meistens völlig sinnfrei. Der Joker wird als total Verrückter dargestellt, der mehr am Spaß interessiert ist, als an der Bereicherung, weshalb man sich fragen muss, wie er seine Handlanger finanziert, die ihm trotz allem die Treue halten. Er hockt in einem Hauptquartier, das er „Ha-Hacienda“ nennt, fährt mit einem Wohnmobil namens „Ho-Home-on-Wheels“ oder mit dem Jokermobil, mit dem er im Grunde „verhaftet mich“ in die Welt hinausposaunt, was aber keinen zu kümmern scheint. Das Hauptproblem: Ein Joker ohne Batman macht nicht viel her. Vor allem taugt er weder als Held noch als Antiheld, wenn er kein klares Ziel hat.

Die dämlichste Geschichte handelt von Sherlock Holmes. Natürlich begegnet der Joker nicht wirklich dem Meisterdetektiv, sondern nur einem Schauspieler, der sich nach einem Kopfstoß dafür hält. Der Joker verübt Gaunereien, die irgendwie thematisch zu Holmes-Storys passen, aber nichts bringen, während Holmes immer wieder zufällig auf ihn trifft und ihn schließlich zur Strecke bringt. Das ist so bemüht und weit hergeholt, dass man sich als Leser für dumm verkauft fühlen kann – es sei denn man kann über dieses Gaga-Niveau lachen.

Von daher ist es kein Verlust, dass die Serie nach neun Ausgaben eingestellt wurde. Eigentlich ist es sogar ein Wunder, dass sie so lange durchhielt. Die geplante, aber damals nicht veröffentlichte zehnte Ausgabe ist 2019 im Sammelband The Joker: The Bronze Age Omnibus erschienen.

>> Liste der Joker-Comics

„Tales of the Demon“: Klassiker neu aufgelegt

Batman & Ra's al Ghul

DC Comics

Lange waren die ersten Ra’s al Ghul-Storys von Dennis O’Neil und Neal Adams nur teilweise erhältlich. Das Paperback Tales of the Demon ist seit Jahren vergriffen. Nun hat DC angekündigt, den Band im März 2020 neu aufzulegen – als Hardcover.

Enthalten sind Detective Comics #411, #485, #489-490, Batman #232, #235, #240, #242-244 und DC Special Series #15. Damit gibt DC denselben Inhalt wider – aber leider nicht den vollständigen. Denn es fehlt immer noch die wichtige Storyline Bat-Murderer (Detective Comics #444-448, 1975), in der erzählt wird, wie Ra’s al Ghul aus dem Gefängnis kommt.

Der Band erscheint passend zum Hardcover der Miniserie Batman vs. Ra’s al Ghul, die im September startet und allein von Neal Adams gezeichnet und geschrieben wird.

Tales of the Demon gelten neben Strange Apparitions von Steve Englehart und Marshall Rogers als wichtigste Storyline der 70er-Jahre. Auch letztere sollen im nächsten Jahr neu aufgelegt werden, als Legends of the Dark Knight: Steve Englehart (Januar 2020).

Außerdem erscheinen im März 2020 mit Tales of the Batman: Marv Wolfman weitere Klassiker der 70er und 80er: Batman #328-335 (1980-1981) erzählt (zum größten Teil) die Ra’s al Ghul-Story The Lazarus Affair, die sich direkt an Tales of the Demon anschließt, in Batman #436-439 (1989) wird wieder die Storyline Year 3 neu aufgelegt (wie schon in Batman: The Caped Crusader Vol. 2), außerdem sind die Storys aus Detective Comics #408, The Brave and the Bold #167, World’s Finest Comics #288, New Teen Titans #37 und Batman and the Outsiders #5 enthalten.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Die gute Seele von Crime Alley: Leslie Thompkins

DC Comics

Titel: There Is No Hope in Crime Alley

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Dick Giordano

Erschienen: 1976 (Detective Comics #457)


Am Jahrestag der Ermordung seiner Eltern dreht Batman seine Runden auf der Straße Park Row, besser bekannt als Crime Alley. Einst eine florierende Gegend für Wohlhanbende, ist es jetzt ein Ghetto. Batman, der die Runde jedes Jahr macht, räumt ein bisschen auf: Zuerst hindert er zwei Diebe, ein Autoradio zu stehlen, dann fragt er sie nach einer gewissen Leslie Thompkins.

Eine Messerattacke später, die Batman abwehrt, findet er die Frau, als die alte Dame von zwei Straßenräubern ihre Handtasche abgenommen kriegen soll. Thompkins lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie hat Geld für arme Kinder aus der Nachbarschaft gesammelt, damit sie eine Chance auf ein besseres Leben bekommen. Die Verbrecher kümmert das wenig. Batman geht dazwischen. Als einer ihm eine Pistole vorhält, kommen Batmans böse Erinnerungen hoch und er prügelt dem Kerl fast die Seele aus dem Leib.

Leslie Thompkins

Wir erfahren: Leslie Thompkins war damals die Frau, die den jungen Bruce nach dem Tod seiner Eltern getröstet hat. Sie sagt Batman, dass dieses Ereignis für sie der Antrieb ist, solche Tragödien zu verhindern. Sie will, dass Batman eines Tages überflüssig wird. Batman lobt sie als Hoffnung von Crime Alley und bedankt sich mit einem Kuss auf die Stirn. Bald darauf staunt Alfred über einen Batman, der im Schlaf lächelt. Ein seltener Anblick.

Batman und Thompkins

Über Leslie Thompkins erfährt man bei ihrem ersten Auftritt noch nicht viel. Sie ist noch nicht die aufopferungsvolle Ärztin. Später stellt sich heraus, dass sie Thomas Wayne gekannt hat. Erst in Batman Special #1 (1984) erfährt sie, dass Batman Bruce Wayne ist (obwohl man diesen Schluss schon bei ihrem ersten Treffen ziehen kann).

Batman & Leslie

In Batman: The Animated Series taucht sie erstmals in der Episode Appointment in Crime Alley (S01E26) auf. Die Story (verfasst von Gerry Conway) lehnt sich zwar an ihrem ersten Comic-Auftritt an, aber läuft deutlich dramatischer und persönlicher ab. Leslie Thompkins weiß um Batmans Geheimnis, er hat jedes Jahr um 20 Uhr eine Verabredung mit ihr, um der ermordeten Eltern zu gedenken.

Batman & Roland Daggett

Doch an einem Abend kommt einiges dazwischen: Roland Daggett, Inbegriff des bösen Kapitalisten, will die Häuser der Park Row illegal sprengen, damit er dort ein Einkaufszentrum errichten kann. Dazu vertreibt er die Bewohner aus ihren Häusern. Als Thompkins Zeugin wird, wird sie in einem der mit Sprengstoff gespickten Gebäude gefesselt.

Schluss mit illegalen Böllern

Batman muss eine Mutter mit Kind vor den Schurken retten, dann eine Geiselnahme beenden, schließlich auch eine außer Kontrolle geratene Straßenbahn mit dem Batmobil aufhalten (ein wahres Highlight). Emotionaler Höhepunkt ist aber das Ende: Nach getaner Arbeit legt Batman zwei rote Rosen an der Stelle hin, an der seine Eltern gestorben sind. Leslie Thompkins tröstet ihn, wie sie ihn schon als Kind getröstet hat.

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Mr. Dent geht nach Washington

DC Comics

Titel: Threat of the Two-Headed Coin

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Irv Novick

Erschienen: 1974 (Batman #258)


„Whenever I begin to think I’ve got nothing else to learn from you, you prove me wrong!“ (Robin)

Die Geschichte des Arkham Asylums beginnt erst 1974: Damals wurde es als Arkham Hospital eingeführt, ganz nebenbei, als Aufenthaltsort von Two-Face und dem Joker. Und schon beim ersten Erscheinen erweisen sich die Sicherheitsvorkehrungen als bedenklich. John Harris, ein frustrierter General, der sich an den USA rächen will, überfällt Arkham und befreit Two-Face, weil er ihn für seinen ach so genialen Plan braucht. Doch kaum ist Two-Face frei, macht er seinem Namen alle Ehre: Er hat jetzt das Sagen und da der General widerspricht, schmeißt er den General raus.

Erster Blick auf Arkham Hospital

Harris wendet sich an die Polizei von Gotham, um sie vor Two-Face zu warnen, doch als Batman ihn zur Rede stellt, springt er aus dem Fenster. Völlig ungerührt machen Batman und Gordon weiter, als wäre nichts passiert. Psychologisch glaubwürdig wird es erst wieder, als Batman feststellt, dass er und Two-Face so verschieden nicht sind: Beide seien besessen. Two-Face von dem Widerspiel zwischen Gut und Böse, Batman vom Verbrechen.

Ein Mann stürzt sich in den Tod. Und dann weiter im Text …

Batman und Robin geraten in die Falle. Two-Face erweist sich als gnädig: Statt Batman endlich ein für alle Mal zu töten, betäubt er ihn nur und nimmt ihn gefangen. Batman kommt auf eine interessante Weise frei: Im linken Ohr seiner Maske befindet sich ein kleiner Schweißbrenner, mit dem sich die Fesseln lösen lassen. Genial! Nicht nur Robin ist begeistert.

Two-Face und die Bombe

In der Zwischenzeit hat Two-Face eine Atombombe im Kapitol in Washington D.C. platziert und will die Regierung um zwei Milliarden US-Dollar erpressen. Zwölf Stunden lang steht er mit dem Zünder rum, ohne dass er müde wird oder irgendjemand einen Finger rührt (zum Beispiel, um das Geld zu besorgen oder den Schurken zu erschießen). Erst als Batman eintrifft, kümmert sich jemand um die Lösung des Problems.

Zum Schluss spielt wieder die Münze eine große Rolle: Batman wendet wieder diesen Schwachpunkt gegen seinen Erzrivalen. Two-Face soll, bevor er den Knopf drückt, erstmal seine Münze konsultieren. Sie fällt auf die heile Seite. Doch kurz bevor er sich ergibt, erkennt er: Die Münze hat nur zwei heile Seiten – er wurde reingelegt. Der hat bereits in „The New Crimes of Two-Face“ (Batman #68, 1951) und ähnlich auch in „Half an Evil“ (Batman #234, 1971) geklappt. Mensch, Harvey, du fällst aber auch immer wieder auf den gleichen Trick rein!

Two-Face hilft Joker … nicht.

Aber Two-Face erweist sich auch sonst als inkonsequent: Als der Joker ihn in Arkham bittet, ihn zu befreien, wirft Two-Face seine Münze, und weil sie auf der zerkratzten Seite landet, sagt er nein. Als er sie später noch einmal wirft, bedeutet die zerkratzte Seite, dass er sich dem General anschließt, also ja. Aber auch falls die Münze für Gut und Böse steht, wäre es doch naheliegender, den Joker bei der bösen Seite freizulassen – um noch mehr Böses zu stiften. Stattdessen ist Two-Face einfach böse dem Joker gegenüber. Es ist wohl zu viel verlangt, den Verstand eines Irren verstehen zu wollen …

>> Liste der Two-Face-Comics

Vom Doktor zum Dämon: Die Entstehung von Ra’s al Ghul

Titel: Birth of the Demon

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Norm Breyfogle

Erschienen: 1992 (One-shot), Paperback 2012 (Batman: Birth of the Demon)


Ra’s al Ghul liegt im Sterben. Ein Bad in einer Lazarus-Grube täte ihm gut, seine Leute versuchen auf der ganzen Welt, eine auszuheben, doch leider kommt ihnen immer wieder Batman dazwischen oder zuvor. Jetzt nimmt sich Talia der Sache an. Als sie und ihr Geliebter in der Sahara aufeinandertreffen, erfahren wir in einer langen Rückblende, wie Ra’s al Ghul wurde, der er ist.

Die Entstehungsgeschichte beginnt vor etwa 500 Jahren in Nordafrika. Ra’s ist da zunächst ein namenloser Arzt, der den kranken Sohn eines Herrschers vor dem Tod retten soll. Nachts im Traum kommt dem Heiler in der Wüste die Eingebung, an der Stelle ein paar tödliche Gifte und Säuren zusammenzumischen und den Sterbenden hineinzulegen. Gesagt, getan: Der Herrscher ist so verzweifelt, dass er für das Wohlergehen seines Sohnes einem Dämon sogar ein Baby opfern (heißt: kaltblütig abschlachten) lässt. (Womit der Heiler aber nichts zu tun hat.)

Birth of the Demon (Cover)

Der Arzt erschafft also die erste Lazarusgrube, der Sohn wird wieder munter, doch nur allzu munter: Gepackt vom Wahnsinn ermordet er die geliebte Frau des Heilers. Obwohl der Vater Zeuge ist, gibt er dem Retter seines Sohnes die Schuld dafür und verurteilt ihn dazu, mit der Leiche seiner Frau in einem Käfig im Wüstensand begraben zu werden – zusammen mit einem Haufen feindlicher Nomaden.

Ra’s al Ghul trifft auf seinen Dämon

Der Arzt entkommt dank fremder Hilfe, flieht zu den Nomaden, von denen er abstammt, verbündet sich mit ihnen und nimmt grausame Rache: Er tötet nicht nur den Sohn des Despoten mit einer falschen Lazarusgrube, er lässt die ganze Stadt niedermetzeln. Dann nimmt er ein Bad in einem echten Heilbad und erklärt sich zum Kopf des Dämons – Ra’s al Ghul.

Nach dem Ende der Rückblende verrät Talia Batman ihr Alter: Sie ist nicht mal 30. (Das widerspricht zwar den Ereignissen in The Lazarus Affair, aber da Birth of the Demon nach dem Reboot der Crisis spielt, gilt diese Version als neue Continuity.) Ihr Vater hat ihre Mutter 1969 in Woodstock getroffen (seltsame Vorstellung, dass Ra’s auf Rock steht, aber vielleicht war er mehr wegen der Röcke da), mittlerweile ist die Mutter aber an einer Drogenüberdosis gestorben. Im Finale kommt es zu einem epischen Kampf zwischen Batman und seinem Erzfeind.

Dennis O’Neil erzählt hier 20 Jahre nach seiner Erfindung von Ra’s al Ghul erstmals die Vorgeschichte des Schurken. Er verleiht ihm Menschlichkeit, aber auch eine tiefe Abgründigkeit. Denn hier wird Ra’s selbst als die Plage, die er später beseitigen will. Die eigentliche Überraschung besteht darin, dass Ra’s in seinen Träumen schon lange von einer drachenartigen Fledermauskreatur heimgesucht wurde – seine Feindschaft mit Batman ist also tragischerweise lange im Voraus angelegt.

Batman im Duell mit Ra’s al Ghul

Es ist eine überaus grausame Geschichte, allerdings von Norm Breyfogle so prächtig inszeniert, dass sie sich angenehmer lesen lässt, als der Inhalt vermuten lässt. Breyfogle ist nicht nur Zeichner, sondern hat auch die Kolorierung selbst übernommen. Im Gegensatz zu den ersten beiden Demon-Bänden (Son of the Demon/Bride of the Demon) ist hier keine typische Comic-Optik mit schwarzen Tuschestrichen zu sehen, sondern eine durchgängig farbig ausgemalte Welt, in der immer wieder kunstvoll ausgestaltete Splash Pages mit Abstraktionen, Spritztechnik und Traum-Collagen für besondere visuelle Anreize sorgen. Die Kunst bekommt so viel Raum wie die Story, sodass die Story umso „epischer“ erscheint.

Birth of the Demon ist wahrscheinlich Breyfogles ambitioniertestes Batman-Comic – und definitiv eine der besten Ra’s al Ghul-Geschichten.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Zwei Grüne suchen Amerika

Titel: Green Lantern – Green Arrow (Hard-Travelling Heroes)

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Neal Adams

Erschienen: 1970-1974 (Green Lantern #76-87, 89, The Flash #217-219, 226), Paperback 2012, Deluxe Edition 2018; dt. Eaglemoss 2016 (nur #76-81)


„My ward, Speedy, is a junkie!“

Es beginnt alles ganz harmlos: Eigentlich will Green Lantern seinen Kumpel Green Arrow besuchen, da sieht er, wie junge Leute einen älteren Mann auf der Straße angreifen. Der Held hilft dem Opfer, aber wird dann selbst mit Müll beworfen. Warum? Green Arrow taucht auf und zeigt es ihm: Weil das Opfer eigentlich der Täter ist: ein gieriger Vermieter, der ein Wohnhaus herunterkommen lässt und seine Mieter vertreiben will, um dort mehr Profit zu machen.

Ein alter schwarzer Mann stellt Green Lantern zur Rede: Er hätte sich bereits um Blauhäutige, Orangehäutige und Violetthäutige gekümmert, aber warum nie um die Schwarzen auf der Erde? Das soziale Gewissen des Helden ist geweckt. Er versucht, es auch in dem Vermieter zu wecken, aber es ist nichts zu machen. Als GL es mit Gewalt versucht, gibt es eine Rüge von den Wächtern auf Oa. Green Arrow versucht ebenfalls, den Mann einzuschüchtern, doch erst gemeinsam mit GL gelingt ihnen Gerechtigkeit.

Am Ende ruft wieder ein Wächter GL zur Ordnung. Da rechnet Green Arrow mit ihnen ab: Statt sich sinnlos in der Galaxis herumzutreiben, sollte man sich lieber um die Probleme auf der Erde kümmern, vor allem in den USA. „It’s a good country … beautiful … fertile … and terribly sick!“ Kinder sterben, ehrliche Menschen leben in Angst, Martin Luther King und Bobby Kennedy wurden erschossen. „Something is wrong! Something is killing us all…! Some hideous moral cancer is rotting our very souls!“ Also brechen die beiden Helden auf, um Amerika zu finden. In zivil besteigen sie einen Pick-up, ein Wächter schließt sich ihnen an.

1970 begann so eines der wichtigsten Crossover des DC-Universums. Statt Superschurken zu vermöbeln und hanebüchene Abenteuer zu erleben, kümmerten sich die beiden Grünen um ganz konkrete, reale Probleme: die Ausbeutung von Minenarbeitern, die Diskriminierung von Indianern, einen Sektenführer, der seine Mitglieder hypnotisiert. Nebenbei sehen sie großer Umweltverschmutzung zu, als ein brennendes Schiff Giftmüll ins Wasser kippen muss, um Schlimmeres zu verhindern.

Die Rollen sind klar verteilt: Während Green Arrow als linksradikaler Rebell über die Stränge schlägt, ist Green Lantern der Gemäßigte, der auf dem legalen Wege versucht, die Probleme zu lösen. So kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen ihnen, wobei sie hinterher nur zusammen Erfolg haben. Erst am Ende tauschen sie die Rollen: Arrow drängt einen Umweltaktivisten zum Kompromiss, während Lantern wütend randaliert.

Dass sich Superhelden um reale Probleme kümmern, ist damals nichts Neues gewesen. Das hat Superman schon in 1938 getan, da war er sich sogar nicht zu schade, gegen häusliche Gewalt vorzugehen. Was O’Neil und Adams 1970 mit den Grünen taten, war also eher eine Rückbesinnung auf die Anfangszeit von Superhelden, bevor sie in den 50ern und 60ern weltfremden Eskapismus betrieben haben.

Ein weiteres Verdienst ist auch die Darstellung der Superhelden: Sie sind nicht bloß Figuren, sondern Charaktere, sie wirken menschlicher und lebensechter, im Vordergrund stehen ihre Überzeugungen und Schwächen. Auch die ausdrucksstarken und detaillierten Zeichnungen von Neal Adams tragen dazu bei, sie wie echte Menschen wirken zu lassen. Außerdem werden Green Lanterns Kräfte gedrosselt.

Allerdings: So real die Probleme scheinen, mit dem Realismus ist es nicht weit her. Dass ein Konflikt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern so ausartet, dass es zum regelrechten Krieg kommt, dass dabei sogar Söldner eingesetzt werden, die früher unter Hitler gedient haben und ihren Vorgesetzten immer noch mit „mein Führer“ anreden, das ist ziemlich dick aufgetragen.

Doch der Road Trip á la Easy Rider nimmt nur die ersten viereinhalb Ausgaben ein. Dann werden die Probleme wieder nicht mehr ganz so real und die Helden kehren vorübergehend zu ihrer übernatürlichen Routine zurück: Zuerst bekämpfen sie einen Despoten im All, dann besuchen sie einen hoffnungslos überbevölkerten Planeten. Es tauchen Amazonen, Harpyen und Sinestro auf, ein Kind mit telepathischen Kräften, dann versucht sich der Superschurke Black Hand in Massen-Gehirnwäsche. Die Sozialkritik ist meist bestenfalls noch im Subtext zu finden – aber das ist bei anderen Superheldencomics nichts Ungewöhnliches. Nur bei Black Hand ist noch die Rede von der Manipulierbarkeit der Massen: „People are like cattle. Give them just enough comfort to satisfy them, and anything that threatens them or they think threatens them … they attack!“ Das ist heute noch so aktuell wie damals.

In den Ausgaben #85-86 geht es wieder um die harte Realität: um Drogen. Diese Ausgaben haben Comic-Geschichte geschrieben. Roy Harper, Green Arrows Sidekick Speedy, stellt sich als heroinabhängig heraus. Green Arrows erste Reaktion: ein Schlag ins Gesicht. Roy revanchiert sich am Ende dafür, aber viel schwerer wiegen seine Vorwürfe, die er Green Lantern gegenüber an dessen Generation äußert: „You’ve told us war is fun … skin-colour is important … a man’s worth is the size of his bank account … All crocks! So why believe your drug rap?“ GL ist wieder mal sprachlos.

In den letzten Ausgaben (#87, 89), wenn Aushilfs-Green-Lantern John Stewart eingeführt wird, ist Rassismus in der Politik ein Thema (die Nähe zu Trump erweist sich als erschreckend prophetisch), am Ende provozieren O’Neil und Adams mit einem Umweltaktivisten, der wie Jesus an einem Flugzeug gekreuzigt wird. Oliver Queen fragt sich, was ein Einzelner bewirken kann und beschließt, als Bürgermeister zu kandidieren.

Im Laufe der Abenteuer sterben immer wieder Unschuldige und solche, die tragische Opfer der Umstände sind. Es ist eine raue Welt, die hier dargestellt und zynisch kommentiert wird, am eindrucksvollsten in der Sequenz, in der Oliver Queen einen Pfeil in die Brust geschossen bekommt, ihm niemand auf der Straße hilft, er sich selbst in der Notaufnahme schleppt und kurz vor dem Zusammenbruch sagt: „Isn’t modern civilization wonderful…?“

Der Mut, den DC Anfang der 70er aufgebracht hat, ist bewundernswert. Zu Beginn des Bronze Ages waren Superheldencomics plötzlich erwachsener und glaubwürdiger geworden. Man kann diese Ausgaben heute immer noch lesen, weil die Themen darin überwiegend aktuell geblieben sind. Auch Superman und Batman begannen, ihre Rollen zu hinterfragen und ihre Abenteuer erweckten immer mehr den Eindruck, in unserer Welt zu spielen.

Trotz des neuen Ansatzes oder gerade wegen seiner Radikalität verkaufte sich die Serie nicht gut und wurde eingestellt. Das Team-Up mit Green Arrow setzte sich kurz in zunächst in The Flash fort und ging in der Green Lantern-Serie erst vier Jahre später und mit anderen Zeichnern bis Ausgabe #122 (1979) weiter, bevor Green Lantern wieder solo wurde.

Im Jahr 1996 hat DC das Team-up mit den jungen Versionen der Helden wiederholt: Kyle Rayner als Green Lantern und Connor Queen als Green Arrow. „Hard Traveling Heroes- The Next Generation“ umfasst die Ausgaben Green Lantern #76-77 und Green Arrow #110-111.

Ra’s und Batman retten die Welt

DC Comics

Titel: Batman & Ra’s al Ghul: The Crystal Armageddon

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Jim Aparo

Erschienen: 1980 (The Brave and the Bold #159)


Ein Wissenschaftler hat ein Mittel entwickelt, das alles in Kristall verwandelt. Nicht nur, dass es Menschen sofort tötet: Wenn es ins Meer geraten sollte, kann es alles Leben auf dem Planeten auslöschen. Die League of Assassins hat den Forscher entführt und erpresst ihn. Das gefällt nicht nur Batman nicht, sondern auch Ra’s al Ghul will das verhindern. Die beiden Erzfeinde verbünden sich also mal wieder, um die Welt zu retten.

Leider ist diese Story schneller vorbei als sie beginnt. Highlights: Ra’s stirbt, wird durch die Lazarusgrube wiederauferweckt und springt Batman an den Hals. Batman macht einen Sprung aus einem Flugzeug mit einem Batgleiter. Das schreibe ich allerdings nur, um der Story wenigstens etwas Gutes abzugewinnen. Der Rest ist öder Dialog und Prügelei. Das Problem löst sich fast von selbst. Eine Story, die man sich auch deshalb sparen kann, weil sie der Beziehung zwischen Ra’s, Batman und Talia nichts hinzufügt.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Ra’s al Ghul: Wie alles begann (Teil 3)

Titel: Tales of the Demon

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Michael Golden, Don Newton

Erschienen: 1978-1980 (DC Special Series #15, Detective Comics #485, 489, 490), Paperback 1991


Was bisher geschah: Ra’s al Ghul will Batman zu seinem Nachfolger machen und mit seiner Tochter Talia verheiraten (Tales of the Demon, Teil 1). Nachdem die ersten Versuche scheiterten und Ra’s ins Gefängnis kam, hat Ra’s einen Mord an Talia und ihm selbst inszeniert und Batman als Schuldigen dastehen lassen (siehe Detective Comics #444-448). Ra’s kam als falsche Leiche frei. Batman und Talia lieben immer noch einander, aber das ist zum Scheitern verurteilt.

Was jetzt geschieht: Ra’s al Ghul entführt Batman und erklärt ihn und Talia zu Mann und Frau. Dass Batman nicht einwilligt, spielt keine Rolle. In seiner Kultur, sagt Ra’s, reiche die Zustimmung der Braut und ihres Vaters. (Ich frage mich, in welcher Kultur das irgendwie praktikabel sein kann, aber sei’s drum.) Auch wenn Talia für ihn alles ist, was eine Frau sein soll (schön, intelligent, loyal), kann Batman diese Ehe nicht ernst nehmen.

Aber das Unfassbare geschieht in der Hochzeitsnacht: Batman schlägt Talia bewusstlos. Einfach so. Mit der Faust ins Gesicht. Dass er dabei um Verzeihung bittet, macht es kein bisschen besser. Batman schlägt seine Geliebte! Und das im Jahr 1978 – dagegen ist sein „Quiet or papa spank“ gegenüber Catwoman (Batman #1, 1940) harmlos.

Batman schlägt Talia K.O.

Allerdings ist unsere Talia nicht nachtragend. Nachdem Batman Ra’s an einem Diamantenraub gehindert hat, bewahrt sie Batman vor einer tödlichen Kugel und widersetzt sich ihrem Vater und gibt Batman den obligatorischen Abschiedskuss, als wäre nichts gewesen. Und tatsächlich sieht man nicht einmal einen blauen Fleck in ihrem Gesicht. Übrigens trägt sie in dieser Szene nur einen Bikini – warum auch immer. Beziehungsstatus: It’s complicated …

In den restlichen drei Kapiteln (Detective Comics #485, 489, 490) geht es dann weniger um Ra’s al Ghul als um die League of Assassins und ihren Anführer Sensei. Die ehemalige Batwoman Kathy Kane, die jetzt einen Zirkus betreibt, wird von den Attentätern ermordet. Da erscheint Ra’s am Tatort und Batman vermutet, dass er Kathy gegenüber Sensei als Bedrohung dargestellt hat. Klar ist nur: Ra’s versucht, totale Kontrolle über die League zu bekommen.

Ohne auch nur kurz um seine einstige Gefährtin zu trauern oder ein Wort in Gedenken über sie zu verlieren, jagt Batman den Attentäter: Bronze Tiger, einen Martial Arts-Meister mit Tigermaske. Als Batman ihn im Duell fast besiegt, will Sensei ihn umbringen lassen, der Tiger protestiert, dann will Sensei auch ihn töten lassen und Batman muss ihm das Leben retten.

Schließlich plant Sensei, Religionsvertreter bei einem Friedenstreffen zu töten. Wie es sich für Terroristen gehört, geht er nicht den einfachsten Weg, sondern will das Haus mit einem Erdbeben zum Einsturz bringen. Ein Geologe soll ihm dabei helfen. Und dann wird es absurd: Auf der Flucht vor den Bösen platzt der Geologe in ein Bingo-Spiel rein und zerstört auf der Nummernanzeige zwei Zahlen. Der Vorfall steht dann in der Zeitung, Alfred liest Bruce den Artikel vor und dann schließt Bruce, dass der Mann ihm damit einen Ort auf der Karte vermitteln wollte. Er hätte auch einfach die Polizei anrufen können. Aber wie gut, dass Alfred so aufmerksam die Panorama-Seiten liest und Batman Gedanken von Wirrköpfen lesen kann …

Noch absurder endet eine Verfolgungsjagd auf einem Rummelplatz: Ein Attentäter entführt den Geologen und fährt mit ihm erstmal Achterbahn. Vielleicht hätte jemand dem Mann mal sagen sollen, dass er damit nicht weit kommt, aber Batman hat natürlich wieder mal eine halsbrecherische Herausforderung zu meistern. Er hätte allerdings einfach warten können, bis der Wagen wieder am Ausgangspunkt zurück ist.

Batmans Spoiler-Warnung

Und als man denkt, es geht nicht mehr blöder, legt Dennis O’Neil noch einen drauf: Als sich Batman mit dem Batgyro dem Versammlungsort der Religionsvertreter nähert, ordnet James Gordon ohne zu zögern an, auf ihn zu schießen. Batman stürzt ab. Als er kurz darauf Gordon trifft, scheint er allerdings nicht nachtragend zu sein. Allerdings scheint Gordon seinem Freund auch dann nicht zu vertrauen, als dieser ihn vor den kommenden Gefahren warnt. Batman wird ziemlich sauer. Sensei nutzt die Chance und haut ab.

Als am Ende Ra’s auftaucht, ist immer noch nicht klar, ob er mit dem Mord an Kathy Kane zu tun hat. Batman will ihn festnehmen, aber da schießt ihm Talia einen Betäubungspfeil in den Rücken. Später wacht er bei ihr in einem idyllischen Landhaus auf und alles scheint vergeben und vergessen. (Vielleicht weil er noch Gewissensbisse wegen des Schlags hat?) Von Talia überredet gönnt sich Batman mal einen Tag Ruhe. Was das bedeutet, bleibt der Fantasie der Leser überlassen.

Damit enden die Tales of the Demon so unbefriedigend wie unüberzeugend. Abgesehen von der fragwürdigen Handlung erschließt sich nicht, was Batman, der sonst so Unbestechliche, an Talia findet. Er weiß nichts über sie, außer dass sie ihn mehrfach belogen und hintergangen hat, sie ist alles andere als loyal, sondern extrem sprunghaft, aber im Zweifel dem Vater ergeben. Kurz: Wenn sie keine Verbrecherin ist, ist sie zumindest eine Helferin. So eine Beziehung ist toxisch. Batman fällt hier mehr aus der Rolle als er es bei Catwoman und anderen Frauen getan hat. Das muss wohl wahre Liebe sein …

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Ra’s al Ghul: Wie alles begann (Teil 1)

DC Comics

Titel: Tales of the Demon

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Bob Brown, Neal Adams, Irv Novick

Erschienen: 1971-1972 (Detective Comics #411, Batman #232, 235, 240, 242, 243, 244), Paperback 1991


Die Geschichte von Ra’s al Ghul beginnt ungewöhnlich geheimnisvoll. In den ersten Auftritten erfährt man so gut wie nichts über die Herkunft, Fähigkeiten und die Motive des Schurken. Er bleibt ein mysteriöser Machtmensch – und seltsamerweise stellt Batman auffallend wenig Fragen, um das Rätsel zu klären.

Batman trifft zuerst dessen Tochter Talia, nachdem sie von Doctor Darrk, dem Anführer der League of Assassins, entführt worden ist (Detective Comics #411). Mit dieser tödlichen Geheimorganisation hatte es Batman bereits in Detective Comics #405-406 (1970) zu tun. Ein Hinweis führt ihn nach Asien, wo er gefangengenommen und mit Talia eingesperrt wird. Die Hintergründe bleiben vage. Sie erklärt ihm, dass Darrk irgendein Geschäft mit ihrem Vater hatte. Batman darf sie dann gegen einen Stier verteidigen. Doch als er Darrk der Polizei übergeben will, zückt der Schurke ein Messer, Talia schießt auf ihn und er fällt vor einen Zug.

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Erst in Batman #232 trifft Batman Ra’s al Ghul. Zuerst wird Robin von Unbekannten entführt, dann taucht plötzlich Ra’s in der Bathöhle mit seinem Diener Ubu auf, erklärt ihm, dass er Batmans wahre Identität herausgefunden habe und dass auch Talia entführt worden sei (schon wieder). Batman soll ihm helfen, sie wiederzufinden. Eine Spur führt sie nach Kalkutta. Batman muss gegen einen Leoparden kämpfen und sich beim Bergsteigen gegen Attentäter wehren.

Doch dann wird ihm klar: Die ganze Sache stinkt. Talia ist nicht entführt, Ra’s hat den Aufwand nur betrieben, um Batman zu testen. Er will Batman zu seinem Nachfolger und zum Schwiegersohn machen – Talia sei verliebt in ihn. Und im letzten Panel zeigt sie es ihm, indem sie ihn küsst. Batman schaut entsetzt. Aber mehr passiert nicht. Die Geschichte ist plötzlich zu Ende und erst drei Ausgaben später sehen wir Ra’s und Talia wieder, allerdings seltsamerweise ohne dass die ganze Nachfolge- und Heiratsthematik eine Rolle spielt.

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In Swamp Sinister (Batman #235) bekommt Bruce Wayne eine Leiche per Post zugeschickt, kurz darauf taucht Ra’s al Ghul auf und bittet mal wieder um Hilfe. Batman soll eine Chemikalie wiederfinden, die dazu benutzt werden kann, eine tödliche Seuche herzustellen. Diese hat ihm ein ehemaliger Mitarbeiter gestohlen. Wieder hilft ihm Talia und am Ende gibt es wieder ein Küsschen auf die Wange. Batman ist nicht besonders erfreut, denn Talia hat sich hier als mordlüstig erwiesen. Aber sie ist sich sicher, dass sich seine Meinung bald ändern werde.

In Vengeance for a Dead Man (Batman #240) beginnt die Story damit, dass Batman bei einer Ermittlung in einem Mordfall auf Talia trifft (wieder gibt’s einen Schmatzer). Der Leiter einer Forschungseinrichtung wurde ermordet und der Leiche wurde das Gehirn entfernt. Der Mörder ist schnell gefunden, aber als Talia ihm ein Wahrheitsserum verabreichen will, drückt sie ihm ein Amnesie-Mittel rein – aus Versehen, wie sie behauptet.

Batman glaubt ihr kein Wort. Er verfolgt sie, als sie mit dem U-Boot in ein Unterwasser-Versteck ihres Vaters. Ra’s al Ghul hat das Gehirn des Toten nicht nur konserviert, sondern auch zum Sprechen gebracht, weil es für ihn wertvolle Informationen über die US-Außenpolitik hat. Diese könnten ihm helfen, mit seiner Organisation eine bessere Welt zu schaffen, und dazu gehört, dass Batman Talia zur Frau nimmt.

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Erst jetzt sagt Batman Ra’s die Meinung: Er will nicht. „You’re mad … Insane with the need for power! I’ve never realized it until this moment!“ Manchmal hat auch der weltbeste Detektiv eine lange Leitung. Und offenbar hat Batman, der sonst so gründlich Nachforschungen anstellt, seine Hausaufgaben nicht gemacht. Vielleicht liegt es daran, dass er abgelenkt war, in Gedanken bei Talia. Indirekt gesteht er ihr, dass er sie so liebt wie sie ihn. Aber Vater und Tochter schaffen es, abzuhauen noch bevor Batman etwas dagegen tun kann – und auch bevor das Gehirn Ra’s sagen kann, was er wissen will. Ist wohl doch nicht so wichtig, denn es geht später ja auch ohne.

Danach betreibt Batman einen immensen Aufwand, um Ra’s al Ghul zu finden. Zuerst inszeniert er Bruce Waynes Tod, dann nimmt er die Identität eines Gauners an, der auf der Flucht vor ihm von einem Querschläger getötet wird: Matches Malone. (Das Alter Ego soll ihm später noch viele gute Dienste bei Undercover-Ermittlungen erweisen.)

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Als Matches verhindert er, dass einer von al Ghuls Schergen, Lo Ling, einen Wissenschaftler entführt, Harris Blaine, weil er an „etwas“ arbeite, was ihm nützlich sei. Wieder bleibt dieses Etwas vage. Batman bittet Blaine, ihm dabei zu helfen, Ra’s al Ghul aufzuhalten. Alleine schaffe er es nicht, bisher sei es nur zum Unentschieden zwischen ihnen gekommen, aber er müsse besiegt werden, weil er besessen von weltweiter Macht sei und eine Diktatur des Verbrechens errichten wolle.

Hier könnte man stutzig werden: Was hat Batman eigentlich gegen Ra’s? Und was genau hat er gegen ihn in der Hand? Batman hat Ra’s vorgeworfen, unmenschlich gehandelt zu haben, indem er das Gehirn zum Sprechen brachte. Aber Ra’s wandte ein: „It it inhuman to prolong life in whatever form?“ Der Punkt geht klar an ihn: Er hat ein Bewusstsein vor dem Tod bewahrt. Das Ganze mag zwar geschmacklos erscheinen, aber getötet hat er bislang nicht. Angegriffen haben seine Leute nur Batman, aber das nur als Reaktion auf sein Eindringen. Und mehr als Andeutungen hat Ra’s über seine Pläne auch nicht gemacht. Worüber regt sich Batman eigentlich auf? Ist er noch nachtragend wegen Robins Entführung? Auch wenn sie prinzipiell justiziabel gewesen wäre, war die ganze Sache bisher ziemlich harmlos …

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Batmans Motiv bleibt also noch schleierhafte als das seines Gegners. Aber zunächst ist da die Sache mit dem Handlanger Ling. Batman rettet ihm das Leben, aber weil Ling jetzt bei zwei Herren in einer Lebensschuld steht und sich das nicht verträgt, entscheidet sich Lings Loyalität in einem Messerduell mit Batman. Gemeinsam mit Blaine fliegt er als Matches in die Schweiz, wo Ra’s untergetaucht ist. (Wieder Berge!) Ihnen schließt sich die Skifahrerin Molly Post an, die auch noch eine Rechnung mit dem Schurken offen hat.

Jeder der vier macht sich auf der Quest nützlich und als sie endlich zu Ra’s Versteck vordringen, ist ihr Gegner tot. Kurz darauf wird er in der Lazarus-Grube versenkt und wiederbelebt. Wahnsinnig verfolgt er die vier Helden, verletzt Ling und schlägt Batman K.O., dann haut er mit Talia in einem Hovercraft ab. Molly versucht ihn aufzuhalten, aber wird dabei verletzt. Batman muss sich um sie kümmern und kann Ra’s nicht weiter verfolgen.

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Er findet ihn kurz darauf trotzdem: in der Sahara. Ra’s zollt dem Detective seinen Respekt und bietet ihm eine Chance: Es kommt zu einem Duell mit Schwertern. Batman kämpft oben ohne, aber mit Maske. Batman wird von einem Skorpion gestochen, Ra’s überlässt ihn dem Tod, aber Talia verabreicht ihm bei einem letzten Kuss ein Gegenmittel und so kann Batman doch – mit einem finalen Faustschlag – triumphieren.

Talia kommt natürlich ungeschoren davon. Es gibt sogar noch einen großen Abschiedskuss. Warum er sie verschont, bleibt auch hier unklar. Batmans Urteilskraft scheint bei ihr sehr getrübt zu sein. Allerdings scheint es sich von selbst zu verstehen, dass ihre Liebe keine Zukunft hat. Immerhin liefert Batman Ra’s den Behörden aus.

Damit endet die erste große Ra’s al Ghul-Story. Bemerkenswert ist, dass diese Geschichte zwar über ganze sieben Ausgaben erzählt wird, aber nicht direkt hintereinander. Zwischen den ersten Kapiteln liegen stets mehrere Ausgaben, erst die letzten drei bilden eine durchgehende Story. Erst nach und nach werden Informationen preisgegeben, aber die eine große Erklärung gibt es nicht. Vieles bleibt offen, vor allem, was Ra’s überhaupt will und wie er es erreichen will.

Am Ende erklärt er selbst, dass er sich weder für einen Kriminellen noch ein Genie hält, sondern für einen Künstler: „I have a vision … of an earth as clean and pure as a snow-swept mountain … or the desert!“ Er will auf der Erde Harmonie herstellen. Wie das gehen soll, bleibt unklar. Die Vernichtungspläne, für die er später berüchtigt sein wird, formuliert er hier noch nicht. Aber Batman bleibt dabei: Ra’s ist irre. Das muss wohl der untrügliche Instinkt des Detektivs sein.

(Fortsetzung folgt.)

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics