Dennis O’Neil

Wenn zu Weihnachten die Chemie nicht stimmt

DC Comics

Titel: Merry Christmas/And a Deadly New Year

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Irv Novick, Dick Giordano

Erschienen: 1973 (Batman #247)


Eine dreiköpfige Familie kämpft sich durch den Schnee bei Nacht, kommt zu einem Haus, bittet um Einlass: der Wagen ist auf dem Highway liegen geblieben, jetzt drohen sie zu erfrieren. Aber der Hausherr weist sie ab. Da bittet sie ein anderer Mann herein, aber der ist alles andere als nett, denn es ist Chimp Manners, ein gesuchter Dieb, der eine Dosis Nervengas von der Armee gestohlen hat und sich jetzt vor dem Gesetz versteckt. Da er Zeugen nicht gebrauchen kann, will er die Familie umlegen. (Stellt sich die Frage, warum er sie überhaupt hereingebeten hat.)

Doch das Gesetz hat ihn bereits gefunden: Plötzlich steht Batman in der Tür und will Manners ein paar Manieren beibringen. Als er aber den Flakon mit den Nervengas hochhält, das ausreicht, um eine Stadt auszulöschen, gehorcht auch Batman. Manners bittet sie hinaus, weil er keine Lust auf Leichen im Haus hat. Da erscheint ein helles Licht am Himmel, Manners schießt, verfehlt und Batman knockt ihn aus. Was ist geschehen? Ein Stern, weiß der Hausbewohner, der zufällig Astronom ist, er kennt sich aus. Batman ist überzeugt: Merry Christmas.

Chemieangriff zu Silvester

Diese Weihnachtsgeschichte ist allerdings nur das Vorspiel: Batman kettet Manners an sein Handgelenk und will ihn zu Gordon bringen, da wird das Auto auf der Straße abgedrängt und eine Bande befreit Manners und knockt Batman aus (na klar: ein Schlag auf den Hinterkopf …), aber man lässt ihn am Leben, wahrscheinlich wirkt auch hier der Geist der Weihnacht.

Kurz darauf trifft eine Drohung ein: Ein gewisser Boss Halstrom soll bis nächste Woche aus dem Gefängnis entlassen werden, sonst stirbt Gotham. Warum nächste Woche? Weil man dann das Nervengas zum Neujahrswechsel entlassen kann, das ist viel effektvoller. Eine Woche braucht auch Batman, um den Fall zu lösen: Er hört sich bei einem Chemiker um, zieht als Matches Malone los, Robin verkleidet sich als Polizeikadett und sogar Alfred macht sich nützlich.

Alles läuft auf ein Finale in der Silvesternacht hinaus. Batman findet bei einem Empfang den Schuldigen mit einem Trick, stürzt sich auf die „Happy New Year“-Kugel, an der das Nervengas hängt, und sorgt dafür, dass es ein neues Jahr überhaupt gibt.

Bleibt nur noch die Frage, warum die US-Army überhaupt Nervengas besitzt und sich in dieser Geschichte niemand daran stört. Historischer Hintergrund: Chemische Waffen sind seit der Genfer Protokoll von 1925 international geächtet, allerdings haben die USA dieses erst 1975 ratifiziert. 1997 trat das Chemiewaffenübereinkommen in Kraft: Herstellung, Entwicklung und Lagerung sind seitdem verboten, auch für die Vereinigten Staaten. Seit den 80ern vernichten die USA ihre riesigen Bestände – eine Aufgabe, die voraussichtlich erst im Jahr 2023 abgeschlossen sein wird.

>> Batman zu Weihnachten

Batman erlebt sein Weihnachtswunder

Batman #239 (1972)

DC Comics

Titel: Silent Night, Deadly Night

Autor/Zeichner: Dennis O’Neill/Irv Novick

Erschienen: 1972 (Batman #239)


Nein, Batman trägt in dieser Geschichte keinen Rauschebart und verteilt auch keine Geschenke, wie es auf dem Cover gezeigt wird. Der Weihnachtsmann ist ein anderer und jemand hat ihn ausgeknockt und ausgeraubt. Einer dieser Weihnachtsmänner, die auf der Straße Spenden für wohltätige Zwecke sammeln. Und nicht nur einer: Schon einige wurden an diesem Tag ausgeraubt.

Batman folgt den Spuren im Schnee zu einem Weihnachtsbaumverkäufer, bekommt einen Baum übergebraten und wird mit einer Lichterkette gewürgt. Als Batman den Angreifer ausknockt, erklärt dieser, er habe die Spenden nicht für sich geraubt, sondern um seiner Nichte ein Weihnachtsfest zu ermöglichen. Der Mann hat nämlich seinen Job in einer Spielzeugfabrik verloren.

Doch kaum hat er seine rührselige Geschichte erzählt, brät er Batman eins von hinten über und fesselt ihn an einen Heizkörper. Denn der Kerl hat noch etwas vor: Er will sich an dem Fabrikbesitzer, der ihn entlassen hat, rächen. Batman befreit sich, nimmt das Kind mit und will hinterherfahren, aber sein Auto bleibt im Schnee stecken. Da sieht er plötzlich ein herrenloses Pferd, das einen Schlitten zieht. Und wie durch geheime Kräfte geleitet, bringt es Batman und das Kind zum Tatort.

Dort ist alles anders gelaufen als geplant: Der alte Spielzeugfabrikant ist krank. Man bringt ihn ins Krankenhaus, der Alte wird wieder gesund und Batman lässt seinen Angreifer noch mal davonkommen. Am Ende ist ist das Pferd mit dem Schlitten plötzlich verschwunden – und Batman outet sich, dass er noch immer an den Weihnachtsmann glaubt.

>> Batman zu Weihnachten

Die Rache des Schnitters

The Reaper

DC Comics

Titel: Night of the Reaper

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil, Bernie Wrightson, Harlan Ellison/Neal Adams

Erschienen: 1971 (Batman #237), Paperback 1999 (Batman in the Seventies), Hardcover 2013/2020 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 3/Batman by Neal Adams: Book Three)


Dick Grayson ist an Halloween mit seinen Kumpels auf einer Superhelden-Parade, da wird die Gruppe von drei Fremden angefallen. Als Robin verkleidet findet Dick später einen Toten im Batman-Kostüm, dann geht plötzlich einer im Sensenmann-Kostüm auf ihn los. Robin fällt nach hinten in eine kleine Senke, Batman holt ihn später raus und bringt ins Haus eines Mannes namens Tom Fagan, der gerade eine Halloween-Party schmeißt. Dort wird Robin von Doctor Gruener behandelt, einem Holocaust-Überlebenden.

Gruener erzählt, er sei in einem Konzentrationslager inhaftiert gewesen, das von dem Nazi Colonel Kurt Schloss geführt worden sei, einem Sadisten und Mörder. Gruener hat herausgefunden, dass Schloss ebenfalls in den USA lebt. Die Männer, die Dick angegriffen haben, sollen Nazis sein, die hinter Schloss her sind, weil er sich mit ihrem Gold aus dem Staub gemacht hat (was immer noch nicht erklärt, warum sie auf die Gruppe losgegangen sind).

Ein weiterer Mann wird vom „Reaper“ (Sensenmann/Schnitter) getötet. Schloss wird von den Nazis in seinem Auto hochgejagt. Am Ende stellt sich heraus, dass Gruener selbst der Reaper ist. Der will sich an seinen ehemaligen Folterknechten rächen. Aber Batman kann keinen Mord durchgehen lassen. Am Ende bringt Gruener eine Kette mit Davidstern-Anhänger zur Vernunft. Er sieht ein, dass er selbst geworden ist, was er hasst – und fällt in sein Verderben.

Superhero-Parade in Batman #237 (1971)

DC trifft Marvel bei der Superhelden-Parade zu Halloween. (DC Comics)

Bei aller ernsten Geschichtsaufarbeitung gibt es in der Story auch einen netten kleinen Gag: Bei der Parade ist auch Captain America zu sehen, auf der Halloween-Party tummeln sich auch Gesichter aus dem Marvel-Universum. Wir sehen einen „Thor“ mit Zimmermannshammer und einen Spider-Man, der sich „Webslinger Lad“ nennt.

>> Batman 1970-1979

Jokers kurze Solo-Karriere

DC Comics

Titel: The Joker – The Clown Prince of Crime

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil, Elliot S. Maggin, Martin Pasko/Irv Novick, Ernie Chan, José Luis García-López u.a.

Erschienen: 1975-1976 (Joker #1-9), Paperback 2013


Nach 35 Jahren war es so weit: Der Joker bekam seine eigene Serie. Damit war er der allererste Batman-Schurke, dem diese Ehre zuteil wurde. (Der zweite war Man-Bat, aber das hielt nicht lange.) Batman tritt hier nicht auf, der Joker ist der Held, oder besser gesagt: Anti-Held, denn natürlich ist er – wie Charlie Brown – zum Misserfolg verdammt.

Im ersten Abenteuer nimmt der Joker es mit Two-Face auf. Ein anderer Gauner bricht aus Arkham aus und nimmt statt den Joker Two-Face mit. Zusammen wollen sie wertvolle Dublonen stehlen. Der Joker ist sauer und will sich an beiden rächen. Es fliegen Säure-Torten. Doch Two-Face kommt davon und revanchiert sich später mit einer Todesfalle: Er will den Joker mit einer Kreissäge halbieren. Aber der Clown hat sich von seinem Erzfeind Batman einiges abgeschaut, um auch in einer aussichtslosen Lage zu triumphieren.

So geht es immer weiter. Im zweiten Teil verbündet er sich mit einem gewissen Willie the Weeper, der jeden seiner Coups versaut, indem er in Tränen ausbricht, weil ihn sein schlechtes Gewissen einholt. Im dritten legt sich der Joker mit dem Creeper an. Es folgen Begegnungen mit Green Arrow und Dinah Lance (die hier nicht als Black Canary agiert), der Royal Flush Gang und mit Catwoman. Einmal tauscht er die Persönlichkeit mit Lex Luthor, ein anderes Mal konkurriert er mit Scarecrow.

Es geht dabei sehr albern zu – und meistens völlig sinnfrei. Der Joker wird als total Verrückter dargestellt, der mehr am Spaß interessiert ist, als an der Bereicherung, weshalb man sich fragen muss, wie er seine Handlanger finanziert, die ihm trotz allem die Treue halten. Er hockt in einem Hauptquartier, das er „Ha-Hacienda“ nennt, fährt mit einem Wohnmobil namens „Ho-Home-on-Wheels“ oder mit dem Jokermobil, mit dem er im Grunde „verhaftet mich“ in die Welt hinausposaunt, was aber keinen zu kümmern scheint. Das Hauptproblem: Ein Joker ohne Batman macht nicht viel her. Vor allem taugt er weder als Held noch als Antiheld, wenn er kein klares Ziel hat.

Die dämlichste Geschichte handelt von Sherlock Holmes. Natürlich begegnet der Joker nicht wirklich dem Meisterdetektiv, sondern nur einem Schauspieler, der sich nach einem Kopfstoß dafür hält. Der Joker verübt Gaunereien, die irgendwie thematisch zu Holmes-Storys passen, aber nichts bringen, während Holmes immer wieder zufällig auf ihn trifft und ihn schließlich zur Strecke bringt. Das ist so bemüht und weit hergeholt, dass man sich als Leser für dumm verkauft fühlen kann – es sei denn man kann über dieses Gaga-Niveau lachen.

Von daher ist es kein Verlust, dass die Serie nach neun Ausgaben eingestellt wurde. Eigentlich ist es sogar ein Wunder, dass sie so lange durchhielt. Die geplante, aber damals nicht veröffentlichte zehnte Ausgabe ist 2019 im Sammelband The Joker: The Bronze Age Omnibus erschienen.

>> Liste der Joker-Comics

„Tales of the Demon“: Klassiker neu aufgelegt

Batman & Ra's al Ghul

DC Comics

Lange waren die ersten Ra’s al Ghul-Storys von Dennis O’Neil und Neal Adams nur teilweise erhältlich. Das Paperback Tales of the Demon ist seit Jahren vergriffen. Nun hat DC angekündigt, den Band im März 2020 neu aufzulegen – als Hardcover.

Enthalten sind Detective Comics #411, #485, #489-490, Batman #232, #235, #240, #242-244 und DC Special Series #15. Damit gibt DC denselben Inhalt wider – aber leider nicht den vollständigen. Denn es fehlt immer noch die wichtige Storyline Bat-Murderer (Detective Comics #444-448, 1975), in der erzählt wird, wie Ra’s al Ghul aus dem Gefängnis kommt.

Der Band erscheint passend zum Hardcover der Miniserie Batman vs. Ra’s al Ghul, die im September startet und allein von Neal Adams gezeichnet und geschrieben wird.

Tales of the Demon gelten neben Strange Apparitions von Steve Englehart und Marshall Rogers als wichtigste Storyline der 70er-Jahre. Auch letztere sollen im nächsten Jahr neu aufgelegt werden, als Legends of the Dark Knight: Steve Englehart (Januar 2020).

Außerdem erscheinen im März 2020 mit Tales of the Batman: Marv Wolfman weitere Klassiker der 70er und 80er: Batman #328-335 (1980-1981) erzählt (zum größten Teil) die Ra’s al Ghul-Story The Lazarus Affair, die sich direkt an Tales of the Demon anschließt, in Batman #436-439 (1989) wird wieder die Storyline Year 3 neu aufgelegt (wie schon in Batman: The Caped Crusader Vol. 2), außerdem sind die Storys aus Detective Comics #408, The Brave and the Bold #167, World’s Finest Comics #288, New Teen Titans #37 und Batman and the Outsiders #5 enthalten.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Die gute Seele von Crime Alley: Leslie Thompkins

DC Comics

Titel: There Is No Hope in Crime Alley

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Dick Giordano

Erschienen: 1976 (Detective Comics #457)


Am Jahrestag der Ermordung seiner Eltern dreht Batman seine Runden auf der Straße Park Row, besser bekannt als Crime Alley. Einst eine florierende Gegend für Wohlhanbende, ist es jetzt ein Ghetto. Batman, der die Runde jedes Jahr macht, räumt ein bisschen auf: Zuerst hindert er zwei Diebe, ein Autoradio zu stehlen, dann fragt er sie nach einer gewissen Leslie Thompkins.

Eine Messerattacke später, die Batman abwehrt, findet er die Frau, als die alte Dame von zwei Straßenräubern ihre Handtasche abgenommen kriegen soll. Thompkins lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie hat Geld für arme Kinder aus der Nachbarschaft gesammelt, damit sie eine Chance auf ein besseres Leben bekommen. Die Verbrecher kümmert das wenig. Batman geht dazwischen. Als einer ihm eine Pistole vorhält, kommen Batmans böse Erinnerungen hoch und er prügelt dem Kerl fast die Seele aus dem Leib.

Leslie Thompkins

Wir erfahren: Leslie Thompkins war damals die Frau, die den jungen Bruce nach dem Tod seiner Eltern getröstet hat. Sie sagt Batman, dass dieses Ereignis für sie der Antrieb ist, solche Tragödien zu verhindern. Sie will, dass Batman eines Tages überflüssig wird. Batman lobt sie als Hoffnung von Crime Alley und bedankt sich mit einem Kuss auf die Stirn. Bald darauf staunt Alfred über einen Batman, der im Schlaf lächelt. Ein seltener Anblick.

Batman und Thompkins

Über Leslie Thompkins erfährt man bei ihrem ersten Auftritt noch nicht viel. Sie ist noch nicht die aufopferungsvolle Ärztin. Später stellt sich heraus, dass sie Thomas Wayne gekannt hat. Erst in Batman Special #1 (1984) erfährt sie, dass Batman Bruce Wayne ist (obwohl man diesen Schluss schon bei ihrem ersten Treffen ziehen kann).

Batman & Leslie

In Batman: The Animated Series taucht sie erstmals in der Episode Appointment in Crime Alley (S01E26) auf. Die Story (verfasst von Gerry Conway) lehnt sich zwar an ihrem ersten Comic-Auftritt an, aber läuft deutlich dramatischer und persönlicher ab. Leslie Thompkins weiß um Batmans Geheimnis, er hat jedes Jahr um 20 Uhr eine Verabredung mit ihr, um der ermordeten Eltern zu gedenken.

Batman & Roland Daggett

Doch an einem Abend kommt einiges dazwischen: Roland Daggett, Inbegriff des bösen Kapitalisten, will die Häuser der Park Row illegal sprengen, damit er dort ein Einkaufszentrum errichten kann. Dazu vertreibt er die Bewohner aus ihren Häusern. Als Thompkins Zeugin wird, wird sie in einem der mit Sprengstoff gespickten Gebäude gefesselt.

Schluss mit illegalen Böllern

Batman muss eine Mutter mit Kind vor den Schurken retten, dann eine Geiselnahme beenden, schließlich auch eine außer Kontrolle geratene Straßenbahn mit dem Batmobil aufhalten (ein wahres Highlight). Emotionaler Höhepunkt ist aber das Ende: Nach getaner Arbeit legt Batman zwei rote Rosen an der Stelle hin, an der seine Eltern gestorben sind. Leslie Thompkins tröstet ihn, wie sie ihn schon als Kind getröstet hat.

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Mr. Dent geht nach Washington

DC Comics

Titel: Threat of the Two-Headed Coin

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Irv Novick

Erschienen: 1974 (Batman #258)


„Whenever I begin to think I’ve got nothing else to learn from you, you prove me wrong!“ (Robin)

Die Geschichte des Arkham Asylums beginnt erst 1974: Damals wurde es als Arkham Hospital eingeführt, ganz nebenbei, als Aufenthaltsort von Two-Face und dem Joker. Und schon beim ersten Erscheinen erweisen sich die Sicherheitsvorkehrungen als bedenklich. John Harris, ein frustrierter General, der sich an den USA rächen will, überfällt Arkham und befreit Two-Face, weil er ihn für seinen ach so genialen Plan braucht. Doch kaum ist Two-Face frei, macht er seinem Namen alle Ehre: Er hat jetzt das Sagen und da der General widerspricht, schmeißt er den General raus.

Erster Blick auf Arkham Hospital

Harris wendet sich an die Polizei von Gotham, um sie vor Two-Face zu warnen, doch als Batman ihn zur Rede stellt, springt er aus dem Fenster. Völlig ungerührt machen Batman und Gordon weiter, als wäre nichts passiert. Psychologisch glaubwürdig wird es erst wieder, als Batman feststellt, dass er und Two-Face so verschieden nicht sind: Beide seien besessen. Two-Face von dem Widerspiel zwischen Gut und Böse, Batman vom Verbrechen.

Ein Mann stürzt sich in den Tod. Und dann weiter im Text …

Batman und Robin geraten in die Falle. Two-Face erweist sich als gnädig: Statt Batman endlich ein für alle Mal zu töten, betäubt er ihn nur und nimmt ihn gefangen. Batman kommt auf eine interessante Weise frei: Im linken Ohr seiner Maske befindet sich ein kleiner Schweißbrenner, mit dem sich die Fesseln lösen lassen. Genial! Nicht nur Robin ist begeistert.

Two-Face und die Bombe

In der Zwischenzeit hat Two-Face eine Atombombe im Kapitol in Washington D.C. platziert und will die Regierung um zwei Milliarden US-Dollar erpressen. Zwölf Stunden lang steht er mit dem Zünder rum, ohne dass er müde wird oder irgendjemand einen Finger rührt (zum Beispiel, um das Geld zu besorgen oder den Schurken zu erschießen). Erst als Batman eintrifft, kümmert sich jemand um die Lösung des Problems.

Zum Schluss spielt wieder die Münze eine große Rolle: Batman wendet wieder diesen Schwachpunkt gegen seinen Erzrivalen. Two-Face soll, bevor er den Knopf drückt, erstmal seine Münze konsultieren. Sie fällt auf die heile Seite. Doch kurz bevor er sich ergibt, erkennt er: Die Münze hat nur zwei heile Seiten – er wurde reingelegt. Der hat bereits in „The New Crimes of Two-Face“ (Batman #68, 1951) und ähnlich auch in „Half an Evil“ (Batman #234, 1971) geklappt. Mensch, Harvey, du fällst aber auch immer wieder auf den gleichen Trick rein!

Two-Face hilft Joker … nicht.

Aber Two-Face erweist sich auch sonst als inkonsequent: Als der Joker ihn in Arkham bittet, ihn zu befreien, wirft Two-Face seine Münze, und weil sie auf der zerkratzten Seite landet, sagt er nein. Als er sie später noch einmal wirft, bedeutet die zerkratzte Seite, dass er sich dem General anschließt, also ja. Aber auch falls die Münze für Gut und Böse steht, wäre es doch naheliegender, den Joker bei der bösen Seite freizulassen – um noch mehr Böses zu stiften. Stattdessen ist Two-Face einfach böse dem Joker gegenüber. Es ist wohl zu viel verlangt, den Verstand eines Irren verstehen zu wollen …

>> Liste der Two-Face-Comics

Vom Doktor zum Dämon: Die Entstehung von Ra’s al Ghul

Titel: Birth of the Demon

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Norm Breyfogle

Erschienen: 1992 (One-shot), Paperback 2012 (Batman: Birth of the Demon)


Ra’s al Ghul liegt im Sterben. Ein Bad in einer Lazarus-Grube täte ihm gut, seine Leute versuchen auf der ganzen Welt, eine auszuheben, doch leider kommt ihnen immer wieder Batman dazwischen oder zuvor. Jetzt nimmt sich Talia der Sache an. Als sie und ihr Geliebter in der Sahara aufeinandertreffen, erfahren wir in einer langen Rückblende, wie Ra’s al Ghul wurde, der er ist.

Die Entstehungsgeschichte beginnt vor etwa 500 Jahren in Nordafrika. Ra’s ist da zunächst ein namenloser Arzt, der den kranken Sohn eines Herrschers vor dem Tod retten soll. Nachts im Traum kommt dem Heiler in der Wüste die Eingebung, an der Stelle ein paar tödliche Gifte und Säuren zusammenzumischen und den Sterbenden hineinzulegen. Gesagt, getan: Der Herrscher ist so verzweifelt, dass er für das Wohlergehen seines Sohnes einem Dämon sogar ein Baby opfern (heißt: kaltblütig abschlachten) lässt. (Womit der Heiler aber nichts zu tun hat.)

Birth of the Demon (Cover)

Der Arzt erschafft also die erste Lazarusgrube, der Sohn wird wieder munter, doch nur allzu munter: Gepackt vom Wahnsinn ermordet er die geliebte Frau des Heilers. Obwohl der Vater Zeuge ist, gibt er dem Retter seines Sohnes die Schuld dafür und verurteilt ihn dazu, mit der Leiche seiner Frau in einem Käfig im Wüstensand begraben zu werden – zusammen mit einem Haufen feindlicher Nomaden.

Ra’s al Ghul trifft auf seinen Dämon

Der Arzt entkommt dank fremder Hilfe, flieht zu den Nomaden, von denen er abstammt, verbündet sich mit ihnen und nimmt grausame Rache: Er tötet nicht nur den Sohn des Despoten mit einer falschen Lazarusgrube, er lässt die ganze Stadt niedermetzeln. Dann nimmt er ein Bad in einem echten Heilbad und erklärt sich zum Kopf des Dämons – Ra’s al Ghul.

Nach dem Ende der Rückblende verrät Talia Batman ihr Alter: Sie ist nicht mal 30. (Das widerspricht zwar den Ereignissen in The Lazarus Affair, aber da Birth of the Demon nach dem Reboot der Crisis spielt, gilt diese Version als neue Continuity.) Ihr Vater hat ihre Mutter 1969 in Woodstock getroffen (seltsame Vorstellung, dass Ra’s auf Rock steht, aber vielleicht war er mehr wegen der Röcke da), mittlerweile ist die Mutter aber an einer Drogenüberdosis gestorben. Im Finale kommt es zu einem epischen Kampf zwischen Batman und seinem Erzfeind.

Dennis O’Neil erzählt hier 20 Jahre nach seiner Erfindung von Ra’s al Ghul erstmals die Vorgeschichte des Schurken. Er verleiht ihm Menschlichkeit, aber auch eine tiefe Abgründigkeit. Denn hier wird Ra’s selbst als die Plage, die er später beseitigen will. Die eigentliche Überraschung besteht darin, dass Ra’s in seinen Träumen schon lange von einer drachenartigen Fledermauskreatur heimgesucht wurde – seine Feindschaft mit Batman ist also tragischerweise lange im Voraus angelegt.

Batman im Duell mit Ra’s al Ghul

Es ist eine überaus grausame Geschichte, allerdings von Norm Breyfogle so prächtig inszeniert, dass sie sich angenehmer lesen lässt, als der Inhalt vermuten lässt. Breyfogle ist nicht nur Zeichner, sondern hat auch die Kolorierung selbst übernommen. Im Gegensatz zu den ersten beiden Demon-Bänden (Son of the Demon/Bride of the Demon) ist hier keine typische Comic-Optik mit schwarzen Tuschestrichen zu sehen, sondern eine durchgängig farbig ausgemalte Welt, in der immer wieder kunstvoll ausgestaltete Splash Pages mit Abstraktionen, Spritztechnik und Traum-Collagen für besondere visuelle Anreize sorgen. Die Kunst bekommt so viel Raum wie die Story, sodass die Story umso „epischer“ erscheint.

Birth of the Demon ist wahrscheinlich Breyfogles ambitioniertestes Batman-Comic – und definitiv eine der besten Ra’s al Ghul-Geschichten.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Zwei Grüne suchen Amerika

Titel: Green Lantern – Green Arrow (Hard-Travelling Heroes)

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Neal Adams

Erschienen: 1970-1974 (Green Lantern #76-87, 89, The Flash #217-219, 226), Paperback 2012, Deluxe Edition 2018; dt. Eaglemoss 2016 (nur #76-81)


„My ward, Speedy, is a junkie!“

Es beginnt alles ganz harmlos: Eigentlich will Green Lantern seinen Kumpel Green Arrow besuchen, da sieht er, wie junge Leute einen älteren Mann auf der Straße angreifen. Der Held hilft dem Opfer, aber wird dann selbst mit Müll beworfen. Warum? Green Arrow taucht auf und zeigt es ihm: Weil das Opfer eigentlich der Täter ist: ein gieriger Vermieter, der ein Wohnhaus herunterkommen lässt und seine Mieter vertreiben will, um dort mehr Profit zu machen.

Ein alter schwarzer Mann stellt Green Lantern zur Rede: Er hätte sich bereits um Blauhäutige, Orangehäutige und Violetthäutige gekümmert, aber warum nie um die Schwarzen auf der Erde? Das soziale Gewissen des Helden ist geweckt. Er versucht, es auch in dem Vermieter zu wecken, aber es ist nichts zu machen. Als GL es mit Gewalt versucht, gibt es eine Rüge von den Wächtern auf Oa. Green Arrow versucht ebenfalls, den Mann einzuschüchtern, doch erst gemeinsam mit GL gelingt ihnen Gerechtigkeit.

Am Ende ruft wieder ein Wächter GL zur Ordnung. Da rechnet Green Arrow mit ihnen ab: Statt sich sinnlos in der Galaxis herumzutreiben, sollte man sich lieber um die Probleme auf der Erde kümmern, vor allem in den USA. „It’s a good country … beautiful … fertile … and terribly sick!“ Kinder sterben, ehrliche Menschen leben in Angst, Martin Luther King und Bobby Kennedy wurden erschossen. „Something is wrong! Something is killing us all…! Some hideous moral cancer is rotting our very souls!“ Also brechen die beiden Helden auf, um Amerika zu finden. In zivil besteigen sie einen Pick-up, ein Wächter schließt sich ihnen an.

1970 begann so eines der wichtigsten Crossover des DC-Universums. Statt Superschurken zu vermöbeln und hanebüchene Abenteuer zu erleben, kümmerten sich die beiden Grünen um ganz konkrete, reale Probleme: die Ausbeutung von Minenarbeitern, die Diskriminierung von Indianern, einen Sektenführer, der seine Mitglieder hypnotisiert. Nebenbei sehen sie großer Umweltverschmutzung zu, als ein brennendes Schiff Giftmüll ins Wasser kippen muss, um Schlimmeres zu verhindern.

Die Rollen sind klar verteilt: Während Green Arrow als linksradikaler Rebell über die Stränge schlägt, ist Green Lantern der Gemäßigte, der auf dem legalen Wege versucht, die Probleme zu lösen. So kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen ihnen, wobei sie hinterher nur zusammen Erfolg haben. Erst am Ende tauschen sie die Rollen: Arrow drängt einen Umweltaktivisten zum Kompromiss, während Lantern wütend randaliert.

Dass sich Superhelden um reale Probleme kümmern, ist damals nichts Neues gewesen. Das hat Superman schon in 1938 getan, da war er sich sogar nicht zu schade, gegen häusliche Gewalt vorzugehen. Was O’Neil und Adams 1970 mit den Grünen taten, war also eher eine Rückbesinnung auf die Anfangszeit von Superhelden, bevor sie in den 50ern und 60ern weltfremden Eskapismus betrieben haben.

Ein weiteres Verdienst ist auch die Darstellung der Superhelden: Sie sind nicht bloß Figuren, sondern Charaktere, sie wirken menschlicher und lebensechter, im Vordergrund stehen ihre Überzeugungen und Schwächen. Auch die ausdrucksstarken und detaillierten Zeichnungen von Neal Adams tragen dazu bei, sie wie echte Menschen wirken zu lassen. Außerdem werden Green Lanterns Kräfte gedrosselt.

Allerdings: So real die Probleme scheinen, mit dem Realismus ist es nicht weit her. Dass ein Konflikt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern so ausartet, dass es zum regelrechten Krieg kommt, dass dabei sogar Söldner eingesetzt werden, die früher unter Hitler gedient haben und ihren Vorgesetzten immer noch mit „mein Führer“ anreden, das ist ziemlich dick aufgetragen.

Doch der Road Trip á la Easy Rider nimmt nur die ersten viereinhalb Ausgaben ein. Dann werden die Probleme wieder nicht mehr ganz so real und die Helden kehren vorübergehend zu ihrer übernatürlichen Routine zurück: Zuerst bekämpfen sie einen Despoten im All, dann besuchen sie einen hoffnungslos überbevölkerten Planeten. Es tauchen Amazonen, Harpyen und Sinestro auf, ein Kind mit telepathischen Kräften, dann versucht sich der Superschurke Black Hand in Massen-Gehirnwäsche. Die Sozialkritik ist meist bestenfalls noch im Subtext zu finden – aber das ist bei anderen Superheldencomics nichts Ungewöhnliches. Nur bei Black Hand ist noch die Rede von der Manipulierbarkeit der Massen: „People are like cattle. Give them just enough comfort to satisfy them, and anything that threatens them or they think threatens them … they attack!“ Das ist heute noch so aktuell wie damals.

In den Ausgaben #85-86 geht es wieder um die harte Realität: um Drogen. Diese Ausgaben haben Comic-Geschichte geschrieben. Roy Harper, Green Arrows Sidekick Speedy, stellt sich als heroinabhängig heraus. Green Arrows erste Reaktion: ein Schlag ins Gesicht. Roy revanchiert sich am Ende dafür, aber viel schwerer wiegen seine Vorwürfe, die er Green Lantern gegenüber an dessen Generation äußert: „You’ve told us war is fun … skin-colour is important … a man’s worth is the size of his bank account … All crocks! So why believe your drug rap?“ GL ist wieder mal sprachlos.

In den letzten Ausgaben (#87, 89), wenn Aushilfs-Green-Lantern John Stewart eingeführt wird, ist Rassismus in der Politik ein Thema (die Nähe zu Trump erweist sich als erschreckend prophetisch), am Ende provozieren O’Neil und Adams mit einem Umweltaktivisten, der wie Jesus an einem Flugzeug gekreuzigt wird. Oliver Queen fragt sich, was ein Einzelner bewirken kann und beschließt, als Bürgermeister zu kandidieren.

Im Laufe der Abenteuer sterben immer wieder Unschuldige und solche, die tragische Opfer der Umstände sind. Es ist eine raue Welt, die hier dargestellt und zynisch kommentiert wird, am eindrucksvollsten in der Sequenz, in der Oliver Queen einen Pfeil in die Brust geschossen bekommt, ihm niemand auf der Straße hilft, er sich selbst in der Notaufnahme schleppt und kurz vor dem Zusammenbruch sagt: „Isn’t modern civilization wonderful…?“

Der Mut, den DC Anfang der 70er aufgebracht hat, ist bewundernswert. Zu Beginn des Bronze Ages waren Superheldencomics plötzlich erwachsener und glaubwürdiger geworden. Man kann diese Ausgaben heute immer noch lesen, weil die Themen darin überwiegend aktuell geblieben sind. Auch Superman und Batman begannen, ihre Rollen zu hinterfragen und ihre Abenteuer erweckten immer mehr den Eindruck, in unserer Welt zu spielen.

Trotz des neuen Ansatzes oder gerade wegen seiner Radikalität verkaufte sich die Serie nicht gut und wurde eingestellt. Das Team-Up mit Green Arrow setzte sich kurz in zunächst in The Flash fort und ging in der Green Lantern-Serie erst vier Jahre später und mit anderen Zeichnern bis Ausgabe #122 (1979) weiter, bevor Green Lantern wieder solo wurde.

Im Jahr 1996 hat DC das Team-up mit den jungen Versionen der Helden wiederholt: Kyle Rayner als Green Lantern und Connor Queen als Green Arrow. „Hard Traveling Heroes- The Next Generation“ umfasst die Ausgaben Green Lantern #76-77 und Green Arrow #110-111.

Ra’s und Batman retten die Welt

DC Comics

Titel: Batman & Ra’s al Ghul: The Crystal Armageddon

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Jim Aparo

Erschienen: 1980 (The Brave and the Bold #159)


Ein Wissenschaftler hat ein Mittel entwickelt, das alles in Kristall verwandelt. Nicht nur, dass es Menschen sofort tötet: Wenn es ins Meer geraten sollte, kann es alles Leben auf dem Planeten auslöschen. Die League of Assassins hat den Forscher entführt und erpresst ihn. Das gefällt nicht nur Batman nicht, sondern auch Ra’s al Ghul will das verhindern. Die beiden Erzfeinde verbünden sich also mal wieder, um die Welt zu retten.

Leider ist diese Story schneller vorbei als sie beginnt. Highlights: Ra’s stirbt, wird durch die Lazarusgrube wiederauferweckt und springt Batman an den Hals. Batman macht einen Sprung aus einem Flugzeug mit einem Batgleiter. Das schreibe ich allerdings nur, um der Story wenigstens etwas Gutes abzugewinnen. Der Rest ist öder Dialog und Prügelei. Das Problem löst sich fast von selbst. Eine Story, die man sich auch deshalb sparen kann, weil sie der Beziehung zwischen Ra’s, Batman und Talia nichts hinzufügt.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics